THE GETTY CENTER LIBRARY Digitized by the Internet Archive in 2018 with funding from Getty Research Institute https://archive.org/details/deutschebauzeitu1903unse BVRCkc Inhalts- Verzeichnis, Orts- und Sachregister zum XXXVII. Jahrgang 1903 der „Deutschen Bauzeitung“. Seite Aachen, Bauernhaus bei 177* — Techn. Hochschule: Ehren¬ doktoren . . . . . 7, 60 Abort. Das Heidelberger Tonnensystem .... 143 — Spül-A.-GrubenmitUeber- lauf und Klärung nach System Brix .... 575* Abgeordnetenhaus, preuss. Das Ministerium d. öffentl. Arb. und die Techniker in den diesj. Verhandl. 207, 218 Abtei, Geschichte der Zister- zienser-A. Maulbronn . . 228 Abwässer-Reiaigungsanlage, mechan.-biolog., für einzel¬ stehende Gebäude . . 551* Aegypfen.Tempelruinen von Philae . 623 Aerogengas, Beleuchtungs- mittel für kleinere. Städte 452 Akademie, KaiserWilhelms-, Wettbewerb 217*, 221*, 229*, 238* Akustik des grossenKonzert- saales der kgl. Akadem. Hochschule für Musik in Charlottenburg .... 40 Aibula-Bahn von Tfausis nach St. Moritz im Engadin 449*, 453*i 473*) 481*1 493*, 501* Amerika. Bau einer 2. trans¬ kanadischen Pacificbahn . 59 — Bau der Wolkenkratzer . 155 Amthof zu Bremgarten im Kanton Aaigau 293*, 297* Anlieger - Beiträge zu den Strassenbau-Kosten . . 372 Annahme der Anwärter für den Wässerbauwartdienst 100 Ansteilungsverhältnisse von Gemeindebeamten 356, 216, 616 — von Bahnmeistern . . . 236 Anstrichfarben für Dampf¬ heizkörper .... 176, 296 — von geteerten bezw.asphalt. Röhren . 308, 472 — feuersicher. A. von Holz 592 Arbeiterheim in Wien 209*, 233* Arbeitsamt, Student., der Techn. Hochschule in Berlin 100 Archäologie. Der Zeusaltar zu Pergamon und dessen Rekonstruktion .... 242 „Architekt“, kein Titel . . 268 — Verleihungder kl. goldenen Medaille an v. Hoven & Neher in Frankfurt a. M. 372 Architekten Kölns. Vor¬ schläge zur Umgestaltung des städt. Bauwesens . 255 — Vereinigung deutscher A. 279 Architektur and. Akademien der bildenden Künste . 235 — Zur Geschichte der byzan¬ tinischen A . 119 — Künstlerische Aufgaben in der A. . . 141*, 150*, 153* — Moderne A.-Photographie 205*, 278 — und Landschaft in ihren gegenseitigen Beziehungen 275, 3°3 Aufzüge. Bautechn. Gesichts¬ punkte bei der Anlage 158, 165 Ausstattung moderner Ozeandampfer .... 266 Ausstellungen. Zur Gestal¬ tung von Kunst-A. 65*, 73*, 76*, 105*, 113* — Berlin. Archit.-Äbt. der Grossen Kunst-A. 143, 237*, 281*, 429* — — A. von Werken von K. Grunert . . . .271 — — Die Jacobsthal-A. der Techn. Hochschule . 53 — — A. architekton. Arbeiten Raschdorffs und seiner Schüler . . 343 — — Abend A. im Kunstge¬ werbe-Museum . . 452 — Dresden. Die Archi¬ tektur auf der Kunstausst. 390 - Städte A. 23, 317, 354, 445, 470, 473, 486, 506, 531 — — — Auszeichnungen 487,502 — — - - Der Hauptsaa! . 349* (Den mit * bezeichneten Aufsätzen sind Abbildungen beigefügt.) Seite Ausstellungen. Dresden. A. mod. Kunstgewerbes 459 — D ü s s el d o rf. Verleihung von Staatsmedaiüen . . 80 — H am bürg. Architektur- A. 194 — Hannover. Bauwesen auf der A. der Landwirt¬ schafts-Ges . 80 — Leipzig. A. des Nach¬ lasses von Arw. Rossbach 283 — London. Feuerschutz- A. 271 — München. Kunstge- werbe-A. . 49, 72, 139, 162 — St. Louis. Welt-A. 36, 608 — Wien. Internat. Bau-A. 623 Australien. Ueberlandbahn von Nord nach Süd . .119 Austrocknung der Bau- teuchtigkeit . 112 — feuchter Kellermauern bei bestehenden Gebäuden 239* — Koksofen zur A. von Neu¬ bauten von Zinimermann 592 — der Wert der A.-Fristen 369 Auszeichnungen von Künst¬ lern. . . . . 332, 372, 648 — an Techniker 7, 60, 63, 140, 655 — Staatsmedaillen auf der Düsseldorfer Ausstellung 80 Baden. Reorganisation des Hochbauwesens .... 176 Badeanstalt in der Oder¬ berger Str. in Berlin . 314* Bäder. Firmen für Einrich¬ tung von Kohlensäure-B. 80 Bagdad - Eisenbahn -Ges. . 228 Bahnhofanlage in Altona u. Hamburg . . . . 176, 514 — Umgestaltung der B. in Lübeck . 306 Bahnmeister, Anstellung als 236 Bankgebäude der Diskonto- Gesellschaft in Berlin . 205* — derVereinsbank am Alten¬ wall in Hamburg . . .. 137 Basel.Pauluskirches 17*, 525*, 540 Bauausführung, Erlaubnis z. 372 Baubeamte. Diensteinkomm. 16 — Ansteilungs - Verhältnisse von Gem.-B. . 156, 216, 616 — Geh. Bit. Bubendey, Wasserbdir.Hamburg 195, 215 — Aenderung der Dienstbe¬ zeichnung der Bauinsp. in Hamburg . . . .113, 143 — Ob.-Baudir. von Sörgel in München . 139 Baubeschränkung infolge veränderter Bauflucht . 460 Baudenkmäler. Antrag für baupolizeil, Bestimmungn., zur Erhaltung derselben . 154 — Geschichte der Zisterzien¬ ser-Abtei Maulbronn . . 228 — Der Ausbau d. Meissener Domfront . . . 625*, 633* — Wiederherstellg. d. Turm¬ bauten auf der Burg in Tangermünde . 235 Bauerlaubnis, eine polizei¬ liche Massnahme . 100, 400 Bauernhaus bei Aachen 177 * Baufeuchtigkeit zu trocknen 112 — Austrocknung feuchter Kellermauern . . . 239* Baugewerkschulen. DerFrei- handzeichen-Unterr. 483, 489 — Formenlehre für . . . 520 — Unterricht in der Baukunst in S. -Altenburg .... 534 Baugrund, Welche Mittel führen in Grosstädten zur Preiswert-Erhaltung desB. 270 Baukonstruktionen. Bau der Wolkenkratzer . .155 — Bautechn. Gesichtspunkte bei der Anlage von Auf¬ zügen . 158, 165 — Glaseindeckung „Anti- Pluvius" von Degenhardt 322* — Oberlichtverschluss „Augusta“ von Gretsch 132* — Luxfer-Dachsprossen für Glasdächer .... 291* — fugenlose Fussböden 151, 191 — Neuerungen an Tür- und Fenster-Beschlägen . 490“ Seite Baukonstruktionen. Fenstersteller „Jassoy" 354* — Rolladenzug mit Schrau¬ benbremse,, Mars“ v. Fuchs 215* — ■ Anwendg. v. Drehtürmen 252* — Konkret - Schutzdecken unter Holzbalken v. Wirtz 271* — Der Siegwart - Balken 414* — S ittig’sche Gipsdielen mit Kokosfasereinlage . . . 644 — Gipswände nachBruckner's System . 592 — Koptoxyl-Fabrikation . 361* — Putz für einen Fabriksaal zur Verhinderung von Tropfenfall . 608 — Dunstschlot aus doppelter Asphalt-Steinpappe . . 426 — Wandschutzplatten über den Heizkörpern ... 23 — Durchschlagen der Eisen¬ träger bei geraden, massiv. Decken . 356, 400 — Khchengewölbe grösserer Spannweiten in Monier- konstr . 164, 192 — Hölzernes Bogendach von der Reithalle der Kaserne zu Grimma .... 247* — hölzerner Turmhelm nebst Glockenstuhl 49*, 358*, 423 — Versucht mit Verbund¬ körpern und deren Wissen¬ schaft!. Verwertung . 341* — s. auch Betoneisen-K. Baukunst, mittelalterl., und Gegenwart . . . 141, 150 — Künstlerische Aufgaben in der Architekturi4i*, 150*, 153* Baumaterial. Carrara-Masse 259 — Kalksandstein Fabriken . 100 - — deren Verwendung . 364 — Kunstgranit zur Ausbesse¬ rung ausgetretener Stein¬ treppen . 547 — Sievert-Glas z.Oberlichten 35 — Flächenglasmosaik von Schultz in Marburg . -51t — Linoleum, seine Herstellg. und Verwendung ... 14 — weisser Fugenmörtel . . 540 — Wachwitzmetall zu Dach¬ deckung . 404 — Metallzement 14, 50, 79, 143 — Kieserling’sche Basalt-Ze¬ ment- Stufenbeläge . . . 492 — Zement-Schieferplatten . 60 — Zur Unterscheidung des Portland - Zementes von anderen Zementen . . . 296 — Derrhein.Trass als hydrau¬ lischer Zuschlag z. Mörtel 257* Baumeister - Prüfung in Sachsen . . 159, 216, 393 Bauordnung der StadtPosen 331 Baupolizei-Ordnung für die Vororte von Berlin vom 21. April . . 290, 300, 344 — für einen Teil der Stadt Düsseldorf . 544 - Gesetz der Stadt Hamburg 434 Baupolizei : Stockwerk bez w. Geschoss . 102 Bauschwindel . 52 Bausteine. Laaser Marmor 23 Bayern. Aufwendungen für bauliche Zwecke . . . 527 — Die Oberste Baubehörde 235 — Verkehrsministerium 163, 519 — 25 jährige Tätigkeit des kgl. Wasserversorg.-Bureau 487 Bebauung. Baufluchtengesetz 296 — Gartenstädte .... 313* — Stellung der Kirchen im Stadtplan . 555 — Umgestaltung desTheater- platzes in Dresden 638*, 645*, — Ausgestaltung des Frie¬ drichsplatzes und die Fest¬ halle in Mannheim 185*, 261*, 277*, 287*, 294 — Ringstrassen - Anlage in Ulm a. D . 170* Begräbnisstätte. Der ösll. Friedhof in München 17*, 4 l * — Grabmal d. Familie Becker auf dem Friedhofe in Weis- sensee bei Berlin 637*, 655 Seite Beleuchtungs-Technik . . 14 — Verbilligung des elektr. Lichtes in Berlin . . .371 — Haus-B.-Anlage mit Ben¬ zin- oder Spiritus-Dynamo 37 1 — Aerogengas für kleinere Städte u. einzeln liegende ' Häuser . 452 Bergen in Norwegen. Die ge¬ planten Hafenanlag. 298*, 305* Berlin. Gestaltung von Kunst- ausstell. 65*, 73*, 76*, 105*, 1 13* — Die Architektur auf der Kunstausstellung 143, 237*, 281*, 429* — Ausstellung von Werken aus dem künstler. - Nach¬ lass von K. Grunert . .27 t — Abend - Ausstellung im Kunstgewerbe-Museum . 452 — Die 228MÜI. -Anleihe d. Stadt 555 — Stadtbauinspektoren und Magistrats- Assessoren . 534 — Anlage einer durchgehen¬ den Avenue vom kgl. Schlosse bis zur Havel und Döberitz ... -9t — Verbilligung d. elektr.Licht. 37 1 — Etat der Hoch- und Tief¬ bau-Verwaltung der Stadt 228 — Neubauten. Bankhaus derDiskonto-Gesellschaft 205* — — Der Saalbaud. Brauerei Königstadt .... 549* — — Haus Simon, Ecke Matthäildrch- und Mar- garethen-Str. . . . 597* — — Die städt. Handwerker¬ schule i. d. Andreasstr. 649* - der Stadt von Ludw. Hoffmann 305*, 314*, 317*, 320 — Der Herkulesbrunnen auf dem Lützowplatz 557*, 565* — Grabmal der Familie Becker auf dem Friedhöfe in Weissensee . 637*, 655 — Hafenanlagen an d. Ober¬ spree . 361 — Techn. Hochschule: Ehren¬ doktoren . . 60, 362, 584 — Die neue Baupolizei-Ord¬ nung f. d. Vororte 290, 300, 344 — Versuchsfahrten der Stu¬ diengesellschaft für elektr. Schnellbahnen . . 487, 566 — Erbbauvertrag zw. dem preuss. Fiskus und dem Beamt -Wohnungs-Verein 563 — Der Wettbewerb um Vor¬ entwürfe f. d. KaiserWilh.- Akademie 217*, 221*, 229*, 238* Beschäftigung an chines. u. sibir. Eisenbahnen . . . 356 — -Nachweis . 480 Beton. Röhrenprüfungspresse von Koenen . 114 — Vorschriften für die Ptü- fungund Verarbeitungv.B. ri4 — Herstellung von Beton¬ körpern mit verschied. Wasserzusatz, Druckfestig¬ keit und Druckelastizität 478 Betoneisen-Bauten u. -Kon¬ struktionen 203, 210*, 223*, 231* — Dampfschornstein . . 262* — Wasserturm i. Kirchseeon 263* — Vorschlag zum Wieder¬ aufbau des Markusturmes i. Venedigin B.-Konstrukt. 594* — Eisenbahnschwellen in . 24 — Fussweg-Ueberführung in Monier-Konstruktion . . 25* — -Balkenbrücken (System) Luipold) . 188* - Decke von Eggert . . 655 — Der Siegwart-Balken . 414* — „Jubiläums-Stiftung“ von io'ooo M. zur Förderung der Kenntnis der B. Kon¬ struktionen . 487 — Versuche mit Verbund¬ körpern u. deren wissen- schaftl. Verwertung 341*, 350 — Fächergewölbe in Zement- Eisenkonstruktion . . 371* Börse für Handel und Ge¬ werbe in München 529*, 537* III Se ’te Botanischer Garten bei Dahlem . 390 Brand a.d. Pariser Stadtbahn 563 Brandenburg. Denkmal¬ pflege der Prov. . . . 307 BrauerelKönigstadt in Berlin, Saalbau . 549* Braunschweig. Techn Hoch¬ schule, Ehren-Doktor . 648 Bremen. Die geplant. Binnen¬ schiffahrtsanlagen . . 366* — Bücking Ob.-Baudir. . . 463 Bremgarten in der Schweiz. Amthof .... 293*, 297* Brückenbau. Die Br. der Albula-Bahn im Engadin 449*, 453*i 473'S 481*, 493* — Steinbr. bei Morbegno über die Adda . 471 — Um- oder Neubau der Augustus-Br. in Dresden 53* — Die neuen Strassenbr. in Freiburg i. Br. 417*, 441*, 450 — Bau der Königsbr. in Mag¬ deburg .... 273*, 285* — b. Teltow-Kanal 82", 89*, 106* — Betoneisen-Balkenbrücken (System Luipold) . . 188* — Fussweg-Ueberführung in Monier-Konstruktion . . 25* — Ueberdeckung mittl.Spann- weiten bei untergeordne¬ ten Bauwerken 530*, 555 672* Brunnen. Der Herkules-Br. auf dem Lützowplatz in Berlin .... 557*, 565*. — -Schalen aus porösem Material zu dichten . . 608 Bubendey, Joh. Fr.,Wasser- baudir. in Hamburg 195, 215 — Abschiedsfeier der Techn. Hochschule in Berlin . . 283 — desgl. des Arch.-Vereins in Berlin . .... 370 Bücherschau. — Adressbuch, Rhein.- Westf. Baugewerbe-A. 184 — Der Architekt, Probe¬ hefte . 184 — Benischke. Elektro¬ technik in Einzeldar¬ stellungen .... 28, 248 — Berichtüberd.VI. Haupt¬ versammlung des Deutsch. Betonvereins . 479 Berlin und seine Bauten 647 - Brock haus’ Konversa¬ tions-Lexikon. 14. Aufl. 183, 492 — B ud d e, Herrn. Diefranzös. Eisenbahnen im deutschen Kriegsbetriebe . 6r4 — Buls, Charles. L’Esthetique de Rome. (Das moderne Rom.) . 182 — - Dekorativ eV o r b i 1 d e r. 284 — Denkschrift zum Ent¬ wurf einer Donau- Main- Wasserstrasse v. Kelheim n. Aschaffenburg 430*, 437 " — Deutsches Bauhand¬ buch, Baukunde des Ar¬ chitekten, Bd. II, 6 . 609* — Deutsch. Baukal. 1904 584 — D eu ts ch e B au zeit un g. Inbaltsverz. 1878 bis 1900 284 — Die deutsche Stadt, von der Dresdener Städte¬ ausstellung . 471 - Dircksen, F. Vorschrif¬ ten für das Entwerfen der Brücken mit eis. Ueber- bau auf den preuss. Staats¬ eisenbahnen . 612 Eber stadt. Rheinische Wohnverhältnisse u. ihre Bedeutung für das Woh¬ nungswesen . 229 — Er har dt. Bismarck im Denkmal des In- und Aus¬ landes . . .... 515 — Fab er. Studien über die Verbesserung der Schiff¬ barkeit der Donau von Kelheim bis Ulm . . . 538 — Frauberger. Bau und Ausschmückg. alter Syna¬ gogen . .558 — Füssenhäuser, F. Die Wohnungsfrage mit be¬ sonderer Berücksichtigung d. Stuttgarter Verhältnisse 487 — Gartenstädte . . . 313* — Gesetze über das Ur¬ heberrecht in allen Länd- dern von Prof. R ö th 1 is- berger . 655 Seite Bücherschau. G r u n e r, O. Die Dorfkirche im König¬ reiche Sachsen .... 655 — Handbuch der Archi¬ tektur: IV. T. 5. Halb¬ band, Heft 1. „Die Bau¬ anlage u. Einrichtung der Krankenhäuser" v. Kuhn 139 — Handbuch der Inge¬ nieurwissenschaften: Abt. 7, Schmalspurbahnen, Abt. 8, Lokomotiv - Steil¬ bahnen und Seilbahnen . 267 — Haussner, Alfr. Inge¬ nieur-Laboratorium . . 614 — Hefty. Theoretische Grundlagen der Stark¬ stromtechnik von Charles Proteus Steinmetz . . . 644 — Heyn, Prof. R., Ermitte¬ lung der Einheitspreise für Steinmetzarbeiten . . . 362 — Hochwasser. Aus¬ schuss in Preussen, Ab¬ schlussarbeiten betreffend Weser- u. Emsstromgebiet 47 — Hoffman n, Ludw. Neu¬ bauten der Stadt Berlin 305*, 314*. 3i7;i:. 32° — Italien. Bericht über die Vorarbeiten und Bauaus¬ führungen der Mittelmeer- Eisenbahn-Ges. . . 6*, 18* — Koch, Alex. Das Haus eines Kunstfreundes: Ent¬ würfe von Bauer, Scot und Mackintosh . . . 154, 162 — derselbe. Die I. inter¬ nationale Ausstellung für moderne dekorative Kunst in Turin 1902 .... 163 — Ko 1 be. Translokation der Deckgebirge durch Kohlen¬ abbau usw . ’ 514 — Kotera, Jan. Meine und meiner Schüler Arbeiten 184 — Kreut er, Franz, Prof. Linienführ. d. Eisenbahnen und sonst. Verkehrswege 323 — Kubier. Welches Hin¬ dernis versperrt in der Knicktheoi ie den Weg zur richtigen Erkenntnis . .186 — Künstler-Monogra¬ phien: Schinkel von H. Ziller . 332 — Künstlerische rW a 11 d- schmuck . 610 — Mertens , G., Geh. Hofrt., Prof. Vorlesungen über Statik der Baukonstruk¬ tionen u. Festigkeitslehre 451 — Meyer’s Grosses Kon- versations Lexikon . 235, 614 --- Miller, W., Prof. Die Vermessungskunde . . 256 — Müller - Breslau. Die graphische Statik der Bau¬ konstruktionen, Bd. II . 623 — Ph aru spl an zu den Bau¬ ordnungen für Berlin und seine Vororte .... 460 — Pinken bürg, Gg. Das Vorkommen und die Ver¬ wendung des Asphaltes im Altertum . 614 — Rietschel,H. Leitfaden zum Berechnen und Ent¬ werfen von Lüftungs- und Heizungs-Anlagen . . . 624 — Sarrazin.EinHeitsschreib.472 — Schilling & Gräbner. Landkirchen . 422 — Schimpff, Gust. Die Strassenbahnen in den Ver.-St. von Nordamerika 61 1 — Schloesser, H. Anlei¬ tung zur statischen Be¬ rechnung von Eisenkon¬ struktionen von Ing. Will 479 — Schmidt, Fr. Chr. Der bürgerliche Baumeister . 246 — Siebert, O. Bautechn. Regeln und Grundsätze . 471 — Specht, Br., Prof. Bür¬ gerliche Baukunst . . . 282 — Das Stuttgarter Woh¬ nungsamt . 487 — Technolexikon des „Vereins deutsch. Ingen.“ 260 — Volksku n s t und Volks¬ kunde, Monatsschrift . .138 Bücherverzeichnisse. 28, 184, 236, 248, 256, 260, 284, 323, 363, 460, 472, 516 Burgen in Italien .... 163 Seite Carrara-Masse, Putz . . . 259 Charlottenburg. DieAkustik des grossen Konzertsaales der kgl. akad. Hochschule für Musik . 40 — Das „Motivhaus“ . . 121* — Die Anlage einer durch¬ gehenden Avenue vom kgl. Schlosse in Berlin bis zur Havel u. Döberitz 91 China. Schantung-Eisenbahn 306 Chronik. 8, 16, 52, 87, 112, 128, 163, 192, 2x6, 260, 292, 308, 323, 355, 363, 392, 404, 460, 480, 524, 536, 548, 556, 568, 596, 6r5, 636 Dachdeckung. Zement- Schieferplatten .... 60 — Schindel -Eindeckungen . 204 — Luxfer-Dachsprossen für Glasdächer . 291* — Glaseindeckung „Anti- Pluvius“ von Degenhardt 322* — Wachwitzmetall zur . . 404 Dachkonstruktion. Hölzer¬ nes Bogendach von der Reithalle zu Grimma . 247* Dahlem. Botanischer Garten 390 Dampfer. Ausstatt, modern. 266 Darmstadt. Techn. Hoch- schule:Ehrendoktoren 191,644 Decken. Konkret- Schutzd. unter Holzbalken v.Wirtz 271* — Der Siegwart-Balken . 414* — Die Eggert-Betoneisen-D. 655 Denkmalpflege. Der III. Tag für, in Düsseldorf . . . 129 — Der IV. Tag für, in Erfurt 447, 578, 586, 598 — -Tage, Vertretung auf den¬ selben . . . 154, 166, 177 — der Prov. Brandenburg . 307 Denkmal. Burschenschafts- D. in Eisenach . . . 197* — Kais. Elisabeth-D. in Wien 322 — Charles Garnier in Paris 413* Dessau. Rathaus 377*, 385*, 452 Deutschland. Das Bauwesen im Reichshaushalt 30, 643 Diensteinkommen ... 16 Diplom-Examen .... 488 Dr.-Ing. Vierzeiler Heyse’s 120 — Zahl der Promot. an den d. Techn. Hochsch. 452, 576 Dom in Passau . . 474*, 497* — in Freiberg i. S. Vorbau vor der Goldenen Pforte 569* — Der Ausbau der Meissener Domfront . . . 625*, 633“ Dombaumeister B. Hertel 372 Drainsleitung zur Versen¬ kung von Dachrohren . 256 Dresden. Halle in der Kunst¬ ausstellung 1901 . .65*, 108* — Die Architektur auf ders. 390 - Deutsche Städte - Aus¬ stellung : Der Hauptsaal 349* - 23, 317, 354, 445, 470, 473, 486, 506, 531 — — Auszeichnungen 487, 502 — Ausstell, mod. Kunstgew. 459 — Wiederherstellg. d. Kreuz¬ kirche . 29'“ — Um- oder Neubau der Augustus-Brücke . . . 53* — Der neueGeorgenbau 461*1462* — Techn. Hochschule: Ehren¬ doktoren .... 140, 180 — Wettbewerb um Entwürfe für ein Rathaus 373*, 378*, 389*, 396*, 4°5*, 426 — Die Umgestaltung des Theaterplatzes . 638*, 645* — -Löbtau. Villa Frie¬ drichsruh . 365 Düsseldorf. HöizernerTurm- helm nebst Glockenstuhl auf der Ausstellung . . 49* — Staatsmedaillen der Aus¬ stellung . 80 — III. Tag für Denkmalpflege 129 — Neue Baupolizei-Ordnung 544 Duisburg. Rathaus 1*, 9*, 27 Dunstschlot aus doppelter Asphalt - Steinpappe mit Drahtgeflecht-Einlage . . 426 Ehrendoktorend deutschen Techn. Hochschulen 7, 60, 140, 180, 19 t, 343, 362, 440, 463, 584, 644, 648 Eisenach. Das Burschen¬ schafts-Denkmal . . . 197* Eisenbahn. Bau der Bahn Oebisfelde-Schandelah . 91 Seite Eisenbahn. Gürtelbahn um das linksrheinische Köln 622 — - Gesetzentwurf betr. Er¬ weiterung der preuss. Staatsbahnen . 139 — Die Albula - Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin 449*, 453*, 473*, 481*, 493*, 501* — Bericht über die Vorarbei¬ ten und Bauausführungen der italienischen Mittel- meer-E.-Ges. . . . 6*, 18* — Bau einer 2. transkanadi¬ schen Pacificbahn . . . 59 — Ueberlandb. in Australien 119 — Kais. Ottomanische Bag- dad-E.-Gesellschaft . . . 228 — Die Baukosten der Sibiri¬ schen E . 186 — Schantung-E. in Dtsch. China . 306 — Anstellung an chines. und sibir. B . 356 — Elektr. Betrieb für Voll¬ bahnen . . . 131, 164, 179 — Elektr. Betrieb auf der Vorortbahn Berlin — Gr. Lichterfelde . 374 — Versuchsfahrten der Stu- diengesellschaftfür elektr. Schnellbahnen . . 487, 566 — amerikan. Schnellfahrver¬ suche . 623 — Einschien. Schnellbahn zw. Liverpool u. Manchester 424 — Geschwindigkeitsmesser und Oelprüfapparat . .118 — Das Sicherungswesen im -Betriebe . 243 - Schwellen in Betoneisen 24 Eisenkonstruktion, ßreit- flanschige Träger vom Differdinger Werk . . 91 — Landungsbrücke bei Lome 547 Elskellerbau-Firmen . . . 472 Elektrizitätswerk Wangen a. d. Aare . . . 309*, 326* Elektrotechnik. Wasser¬ strahl-Turbine von Roth & Kollmann .... '118* Elektrisches Licht, Verbilli¬ gung dess. in Berlin . .37 t — Hausbeleuchtungs-Anlage mit Benzin- od. Spiritus- Dynamo . 371 Elektrischer Betrieb für Vollbahnen 131, 164, 179 — desgl. auf der Vorortbahn Berlin — Gr.-Lichterfelde . 374 — Pläne für Stadt- und Vor¬ ortbahnen in Hamburg 379*, 397*, 410*, 526 — gleislose Bahn bei Greven¬ brück . 202* Elsass-Lothrlngen. Studien¬ gesellschaft für den Aus¬ bau der Wasserstrassen 235 England. Anl.d. engl. Hauses 546 Entwässerung. Versenkung von Dachrohren in den Grund mittels Drainsleitg. 256 Erdmassen-Ermittelung . 636* Erfurt. Der IV. Tag für Denk¬ malpflege 447, 578, 586, 598 Etat. Das Bauwesen im deut¬ schen Reichshaushalt 30, 643 — desgl. im preuss. Staats¬ haushalt .... 37, 43 — der Hoch- und Tiefbau- Verwaltung von Berlin . 228 — Aufwendungen für baul. Zwecke im Kgrch. Bayern 527 Fabriksaal, Putz- u. Decken¬ konstruktion zur Verhin¬ derung von Tropfenfall . 608 Fahrstühle. Gesichtspunkte bei der Anlage von 158, 165 Farbe. Anstrich für Dampf¬ heizkörper . . . 176, 296 Fassaden - Entwürfe von Helbig & Haiger 141*, 150*, 153* Feldafing am Starnberger See, Villa Dr. Arendt 222* Fenster, drehbares(Possekei) 91 - Steller „Jassoy" . . 355* — Oberlichtverschluss „Augusta" von Gretsch t32* — Schmiedeis. F. von Zucker 176* — Neuerungen an Tür- u. F.- Beschlägen .... 490* Fensterrecht 52, 60, 100, 204, 268, 292 Festhalle in Mannheim 185, 261*, 277*, 287*, 294, 307 IV Seite Festrede des Rektors Käm¬ merer: Ist die Unfreiheit uns. Kuitur eine Folge der Ingenieurkunst . . 62, 74 — des Rektors v. Schanz: Die neue Universität und die neue Mittelschule . 174 Feuchtigkeit im Rohbau, ihre Verdunstung . . .112 — Schutz von Kellermauern gegen d. Durchschlagen v. 648 Feuerbestattung nach dem Fr. Siemens’schen Prinzip 91 Feuertelegraphie i. Hamburg 2 14 Feuerverhütung, der inter- nation. Kongress für 271, 439 — feuersich. Anstrich v. Holz 592 Feuerwachen und Feuer- lösch-Depots . 144 Feuerwache und Standes¬ amt an der Fischerbrücke in Berlin . 320* Fluchtlinie. Baubeschränkg. infolge veränd. Bauflucht 460 Flussbau. Die Wolf’sche Bauweise zur Regulierung geschiebeführenderFlüsse 574 — Die Regulierung und Ein¬ wölbung desWienfiusses 599*, 618*, 629*, 651*, 666 Formenlehre für Bauge¬ werkschulen . 520 Frankfurt a.M. Baudir. Schau¬ mann als Stadtbrt. gewählt 307 Freiberg i. S. Vorbau vor der Goldenen Pforte . . 569* Freiburg i. Br. Häuser¬ gruppe an der Jacobistr. 249 * — Entwurf f. ein Stadttheater 269* — Die neuen Strassen- brücken . . 417*, 441*, 450 Friedhof, der östl., in Mün¬ chen-Giesing . . . 17*, 41* Fürth i. B. Neuere Bauten 258 Fussböden, fugenlose 151, 19 t Garten. Architektur u. Land¬ schaft in ihren gegensei¬ tigen Beziehungen . 275, 303 Gartenstädte . 313* Gas. Wandheiz- u.Wandbade- Oefen v. Junkers & Co. 440* — Aerogengas-Bel. für klei¬ nere Städte . . . . .452 Gebühren-Ordnung d. Arch.- und Ing., Auslegung 88, 184, 248, 256, 260, 400 — - für Gutachten als gericht¬ liche Sachverständige . 236 Gedenkhalle mit Kais. Fried¬ rich -Museum in Görlitz 393*i 4°2* Geschäftshaus für Handel und Gewerbe in München 5'29*, 537* Geschoss bezw. Stockwerk 102 Geschwindigkeitsmesser an Lokomotiven . 118 Gesetzentwurf betr. die Er¬ weiterung des Staatseisen¬ bahnnetzes in Preussen . 139 — Bevorstehender Erlass eines Wohnungs - G. für Preussen .... 394, 409 Gesundheitswesen. Kühlung von Wohnräumen mittels Kältemaschinen unt. Ver¬ wendung von Heizkörpern ri5 — Der Wert der Austrock¬ nungsfristen . 369 Gewölbe. Kirehen-G. grösse¬ rer Spannweiten in Monier¬ konstruktion . . . 164, 192 — Fächer-G. in Zement-Eisen- konstruktion .... 371* Gibraltar. Untersee-Tunnel zw. Spanien und Marokko 247* Gipsdielen mit Kokosfaser¬ einlage von Sittig . . 644* Gipswände nach Bruckner’s System ....... 592 Gisaldruck, Vervielfältigungs- Verfahren . -547 Glas. SievertGlz. Oberlichten 35 — Luxfer - Dachsprossen zu Oberlichten u.Glasdäcfaernapi* - Eindeckung,, Anti-Pluvius“ von Degenhardt . . . 322* Glasmosaik von Schultz in Marburg . 51 1 Glockenstuhl im hölzernen Turmhelm auf der Aus¬ stellung in Düsseldorf . 49* Görlitz. Die Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser Friedrich-Museum 393*, 402* Seite Goldene Pforte am Dom zu Freiberg i. S., Vorbau 569* Grabmal der Familie Becker auf dem Friedhofe in Weissensee b. Berlin 637*, 655 Grenzmauer . . 503 — Lichöffnungen in . . . 548 Grevenbrück. Die gleislose elektr. Bahn .... 202* Grlmmai.S. Hölzern. Bogen¬ dach von der Reithalle 247* Gründung von Gebäuden auf aufgeschüttetem Boden 36 — Ramme zum Einrammen von Pfählen unt. Wasser 594* Grundfläche von Paris . .215 Grundwasser-Ableitung . 463 Grunewald - Berlin. Haus Wiesenack .... 357*, 376 — Wohnhaus Nölle . . . 35 — desgl. Scherl u. Dernburg 154 Hafen - Anlagen der Stadt Berlin an der Oberspree 361 - Anl. am Teltow -Kanal 122* — Die geplanten Binnen¬ schiff- -Anlag. in Bremen 366* — -Erweiter. in Hamburg 254* — Die gepl. H.- Anlagen in Bergen in Norwegen 298*, 305* — Umgestalt, u. Erweiterung des H. von New-York . 59 Hamburg. Arbeiter- Woh¬ nungsfrage . 26 — Architektur-Ausstellung . 194 — Baupolizei-Gesetz . . . 434 — ]oh.Fr.Bubendey,Wasser- baudir . 195, 215 — Aenderung der Dienstbe¬ zeichnung d. Bauinsp. 115,143 — Feste und Ausflüge des Aren.- und Ing. -Vereins . 103 — Feuertelegraphie . . . 214 — Grundwasser-Versorgung 351 — Vereinsbank am Altenwall 137 — Wohnhaus O’Swald . 465* — Pläne für Stadt- und Vor¬ ortbahnen 379*, 397*, 410*, 526 — Bahnanlagen in und um H. 514 — VerbindungfürFlusschiffe von der Oberelbe zu den Häfen am Kuhwärder . 540 — Hafenerweiterungen . . 254* Handelsregister, Verpflichtg. zur Eintragung . 152 Hannover. Bauwesen auf der Ausstellung der Landwirt¬ schafts-Ges. ..... 80 — Provinz. Museum 58*, 61*, 73* Hansen, Theophil, Zur Er¬ innerung an .... . 362 Hebung von Bauwerken . 248 Heidelberg. Schloss. Gutach¬ ten der Sachverständigen- Konferenz . 70, 86, 96, 123 — — Baugeschichte 166, 193*, 199*, 206 Heimatsrecht in der Sch weiz 324, 424 Heizung. Zechenkoks oder Gaskoks bei Zentral¬ heizungen ? ... 292, 356 — Die Wandheiz- u. Wand¬ bade -Oefen von Junkers & Co . 440* — Zug in den Abluftschloten 120 — Wandschutzplatten über den Heizkörpern ... 23 Hochflut in der Oder vom Juli 1903 , ihre Ursachen und die Abwehr der Hoch¬ wasser-Gefahren . 580, 586 Hochschulen, techn,, Be¬ suche an deutschen 26, 390 — Auszeichnungen von deut¬ schen 7, 60, 140, 180, 191, 259, 343, 362, 440, 463 — Die Zahl der Doktor-Pro¬ motionen .... 452, 576 — Zulassung von Dipl.-Ing. anderer Hochsch. zur Pro¬ motion zum Dr. -Ing. an einer Kgl. preuss. T. H. 514 — Berlin. Brt. Prof. Genz- mer, der Nachfolger von Ed. jacobsthal . . 228, 243 — — Brt. Goecke Doz. für Städtebau usw. . . 307 - Prof. Borrmann , als Nachfolger v. Fr. Adler 384 — - — de Thierry, Prof, für Wasserbau, als Nachf. Bubendey’s .... 535 — — Die jacobsthal - Aus¬ stellung . 53 Seite Hochschulen, technische Berlin. Ausstellung archi- tekton. Arbeiten Rasch¬ dorffs u. seiner Schüler 343 — — Festrede des Rektor Kämmerer: Ist die Un¬ freiheit uns. Kultur eine Folge d. Ing.-Kunst? 62, 74 - Arbeitsamt der Wil¬ denschaft . 100 — — Landschaftl. Zeichnen 535 — Flussbau-Laboratorium in Karlsruhe . 126 Hochschule für Musik in Charlottenburg, Akustik des grossen Konzertsaales 40 — Die neue Universität und die neue Mittelschule . . 174 — • Wettbewerb um Entwürfe für eine Handels - H. in Köln . 570*, 577* Hochwasser - Ausschuss in Preussen , Abschlussarbei¬ ten betr. Weser- u. Ems¬ stromgebiet . 47 Höhenklima und Lungen¬ heilstätten . 127 Honorar - Frage für archi- tekton. Arbeiten . . . 547 Hygiene. Luft und Lüftung des Wohnhauses . . . 242 — Der Wert der Austrock- nungsfristen . 369 Ingenieurbauten des khmeri- schen Volkes ..... 271 Ingenieurkunst. Ist die Un¬ freiheit uns. Kultur eine Folge der j . 62, 74 Irisieren von Ofenkacheln . 448 Isolierung von Kühlräumen 48 Italien. Bericht über die Vor¬ arbeiten und Bauaus¬ führungen der Mittelmeer- Eisenbahn-Ges. . . 6*, 18* — Burgenkunde in ... . 163 Jalousie. Rolladenzug mit Schraubenbremse „Mars“ von Fuchs . . - . . . 215* Jena. Das Carl Zeiss-lnstitut 234 Jubiläum. 25jähr. Prof.-Jub. von Baudir. v. Bach an der Techn. Hochschule in Stuttgart . 632 — Z. 70. Geburtstage v. R. B au m eis t er i. Karlsruhe 142 — 5ojähr. Tätigkeit als Ing., Ob. - Baudir. , Dr. - Ing. Franzius in Bremen . 183 — 70. Geburtstag des kgl. bayer. Ob.- Baudir. Ritter von :.l a x 0:: in München 40 — Zum 80. Geburtstage von Jul. C. Raschdorff, Geh. Reg.-Rat in Berlin . 334, 354 — 25 jäbr. Lehrtätigkeit des Ob. - Brts. Prof. Karl Schäfer in Karlsruhe 332, 336, 355, 37°, 382, 402 — Der 100. Geburtstag von Gottfr. Semper 623, 626, 637 — 20 jähr. Tätigkeit von Prof, an der Baugewerkschule in Berlin . 608 Kalksandsteine, deren Ver¬ wendung . 364 Kalksandstein-Fabriken . 100 Kanal. Der Teitow-K. 66*, 82*, 89*, 106*, 122*, 135 — Seeschiffahrts - K. durch Schottland . 376 — Entwurf einer Donau-Main- Wasserstrasse von Kei- heim nach Aschaffenburg 430*, 437*, 538 Kanalisations-Entwurf der Stadt Schöneberg . . . 100 — Mechanisch - biolog. Ab¬ wässer - Reinigungsanlage für einzelsteh. Gebäude 551* — Spülabort - Gruben mit Ueberlauf u. Desinfektion nach System Brix . . 575* Karlsruhe. Jubiläums- Kunst¬ ausstellung 1902 . . . 69* — Arcb. H. Billing als Prof, der Architektur an der Akademie . 235 — Techn. Hochschule Ehren¬ doktoren .... 440, 463 Kegelbahnen. Baufirmen . 100 — bei welchen sich die Kegel automatisch wieder auf¬ stellen . 176 .Seite Kieserllng’sche Basalt-Ze- ment-Stufenbeläge . . . 492 Kirchenbauten. Landkirch. v. Schilling & Gräbner 33* 35, 37* — Stellung der K. im Stadt- Plan . • • • 555 — Paulusk. inBasel 517*, 525*, 540 — Wiederherstellung der Kreuzk. in Dresden . . 29* — Kloster und Kirche U. L. Frauen in Magdeburg . 138 — Die St. Maximilians-K. in München . . . .8t*, 93* — Ev. K. in Obornik . 138* — Marienk. in Wolfenbüttel 156 Kirchengewölbe grösserer Spannweiten in Monier¬ konstruktion . . 164, 192 Klebemittel f. Kork auf Eisen 184 Klosetspüler Pat. Rühle . 320 Köln a. Rh. Vorschläge zur Umgestaltung des städt. Bauwesens . 255 — B. Hertel, Dombaumeister 372 — Wohnhäus. Karl u. Heinr. Stollwerck 541*, 551*, 585* — Wettbewerb um Entwürfe für den Bau einer Handels- Hochschule . . 570*, 577* — Gürtelbahn um das links- rhein. K . 622 Koksofen zum Trocknen von Neubaut. v. Zimmermann 592* Kongress. VI. internal. Ar¬ chitekten, in Madrid 196, 215, 354, 384, 564, 595, 655 (Reise) — für Materialprüfungen der Technik in St. Petersburg 215, 362, 647 — Intern. Feuerschutz-K. u. Ausstellung in London 27 t, 439 Konzertsaal der kgl. akad. Hochschule für Musik in Charlottenburg, Akustik . 40 Kopierverfahren. Lichtpaus- App. für elektr.Belichtung 1 19* Koptoxyl-Fabrikation 361* Korkplatten für die Schall¬ dämpfungin Massivbauten 272 Kosten des Simpiontunnels 575 Kraftmaschine. Wasser¬ strahl-Turbine von Roth & Kollmann .... 118* Kraftversorgung d. Lungen¬ heilstätte Sülzhayn im Harz 542*, 558* Krankenhaus, neues, Wien 112 — Ernst Ludwig - Heilstätte bei Sandbach im Odenw.- 169* — Erbauung von kleinen . 536 Krematorium und Feuerbe¬ stattung nach dem Fr. Siemens’schen Prinzip . 91 — Literatur über Kr. . . . 244 Kühlung von Wohnräumen mittels Kältemaschinen unt. Verwend.vonHeizkörpern 115 Kündigungsfrist der Tech¬ niker ...... 24, 164 Künstler. Auszeichnung von 332, 372, 648 Kunstausstellungen, zurGe- staltung von 65*, 73*, 76*, 105*, 11 3* Kunstgranitz. Ausbesserung ausgetret. Steintreppen . 547 Kunstpflege durch das Volk (Werle) . 93* Landschaft und Architektur in ihren gegenseitigen Be¬ ziehungen .... 275, 303 Landungsbrücke bei Lome 547 Landwirtschaft, Bauernhaus bei Aachen .... 1 78* — Schloss Klink bei Waren. Wirtsch.-Geb. . 335*, 338* — Dunstschlot aus doppelter Asphalt - Steinpappe mit Drahtgeflecht-Einlage . . 426 Laufbahn. Der untere und mittlere Techniker . 512, 536 Leipzig. Ausstellung des künstler. - Nachlasses von Arw. Rossbach .... 283 Leitergerüste zur Ueber- deckung mittlerer Spann¬ weiten . . 530*, 555, 672* Lichtpaus - Apparat für elektr. Belichtung . . 119* Linoleum, seine Herstellg. und Verwendung ... 14 — für die Schalldämpfung in Massivbauten . 272 — Unterlage für L. ... 424 Lome, eis. Landungsbrücke 547 V Seile Seite Seite Seite London. Feuerschutz-Aus- stellungund-Kongress 271, 439 Ludwigslust, Schloss . . 191 Lübeck. Umgestaltung der Eisenbahn - Anlagen . . 306 Lüftung und Kühlung von Wohnräumen mittels Kälte¬ maschinen unter Verwen¬ dung von Heizkörpern . 115 — u. Luft des Wohnhauses 242 — Untersuchung von Abluft¬ schloten . 120 Lungenheilstätten u. Höhen¬ klima . 127 — Ernst Ludwig - Heilstätte b. Sandbach im Odenwald 169* — Sülzhayn im Harz, Kraft¬ versorgung . . 542*, 558* Madrid. VI. internat. Archi- tekten-Kongress 196, 215, 354, 384, 564, 595- 655 (Reise dahin) Magdeburg. Kloster und Kirche U. L. Frauen . 138 — Bau der Königsbrücke 273*, 283* Magnetismus, die Ursachen 118 Main-Schiffbarmachung . . 34 — Entwurf zur Donau - M.- Wasserstrasse . 430*, 437* Mannheim. Ausgestaltung des Friedrichsplatzes . i85:i: — Die neue Festhalle 185*, 261*, 277*. 287*, 294, 307 — Die neue Turnhalle . 605* — Vl.Verbandstagdesdeutsch- österreich.-ung. Verb, für Binnenschiffahrt . . 447, 496 Marklissa, die Talsperre im Queistal . 527 Marmor. Laaser- .... 23 Mass. Die alte Mailänder Bauelle (Braccia) 196, 236, 260 Mauern. Bestimmung über Brandmauern . 192 — Austrocknung feuchter Keller-M . 239* Maulbronn, Geschichte der Zisterzienser-Abtei . . . 228 Meissen. Der Ausbau der Domfront . . . 625*, 633* Metallpflanzen . 16 Metallzement 14, 50, 79, 143 Meteorolog. Dienst in Hessen 359 Ministerium der offen tl. Arbeiten und M. für Handel u. Gewerbe; Ver¬ änderungen in d. Organi¬ sation des p reu ss. 40, 195 — und die Techniker in den Verhandlungen des Ab¬ geordnetenhauses . 207, 218 Mörtel-Verputz, seine künst¬ lerische und techn. Seite 2, 10 — Der rheinische Trass als hydraulischer Zuschlag 257* - weisser Fugen-M. . . . 540 Monier-Konstruktion, Fuss- weg-Ueberführung in . . 25* München. Kunstgew.-Aus- stellung 1904 49, 72, 139, 162 — Fassaden - Entwürfe von Helbig&Haiger 141*, 150*, 153* — Deutsches Museum für Meisterwerke derWissen- schaft und Technik . . 338 — Techn.HochschuIerEhren- Doktoren . 343 — Der östliche Friedhof in Giesing . 17* 41* — Das städt. Waisenhaus 657*, 669* — Das Haus für Handel und Gewerbe . . . 529'i:, 537* — St. Maximil.-Kirche 81*, 93* — Die Erweiterung des Rat¬ hauses . . 337*, 345*, 37 f — Die Exter’sche Villen-Ko- lonie in Pasing 157*, 163 — Villa Meyer in Prinz Lud¬ wigshöhe . 425* Museum. Oberlausitzer Ge¬ denkhalle m. KaiserFried- rich-M. in Görlitz 393*, 402* — Provinz.-M. in Hannover 58*, 61*, 73* — Der Zeusaltar zu Perga¬ mon und dessen Rekon¬ struktion . 242 — deutsches M. für Meister¬ werke der Wissenschaft und Technik . 338 Neubabelsberg. Besitzung der Frau Wentzel-Heck- mann .... 505*, 513* New-York. Umgestaltung und Erweiterung desHafens 59 Normalien fürHausentwässe- rungs-Leitungen, Abänder. 245 Nürnberg. Schulhaus an der Findelgasse . 116 Oberlichtverschluss „Augusta“ von Gretsch 132* — Luxfer- Dachsprossen zu Oberlichten .... 291* — Sievert-Glas z. Oberlichten 35 Obornlk. Kirche . . . 138* Oder. Die Flochflut vom Juli 1903, ihre Ursache und die Abwehr der Hochwasser- Gefahren .... 580, 586 Oefen. Wandheiz- u. Wand- bade-O. v. Junkers & Co. 440* — Entfernen des Irisierens einzelner Ofenkacheln . 448 Ortsangehörigkeit . 324, 424 Paris. Verteil, d. Grundfläche 215 — Charles Garnier-Denkmal 4i3:i: — französischer Städtebau 422* — Brand auf der Stadtbahn 563 Passau. Reisebericht 466*, 474* 497*(Dom),50i*,505*(Rathaus) St. Petersburg, Kongress für die Materialprüfungen der Technik . . 215, 362, 647 Pflastersteine aus pulveri¬ siertem Grünstein . . . 176 Philae. Tempelruinen . . 623 Photographie. Ueber mo- derneArchitektur-Ph.205*,278 - Apparate . 280 Physikalisch-techn. Reichs¬ anstalt und das Carl Zeiss- Institut in Jena .... 234 Platzanlage, Ausgestalt, d. Friedrichspl.in Mannheim 185* Posen. Die Bauordnung für 331 Preisbewerbungen. — Verwendung von Modellen anstelle der Perspektiven 215 — Ein „Konkurrenz - Aus¬ schreiben11 um 2 Wohn¬ häuser in Neustadt a. H. 400 — Aachen. Kath.Pfarrkirche 336 — Altenessen. Schlacht¬ haus .... 355, 4j6, 524 — Baden. Bahnhöfe . . . 168 — Baden-Baden, Restaura- tions-Geb. der Kuranlagen 92 — Basel. Bahnhofsgeb. 104,152, 168, 220, 248, 348 - Berlin. Repräsentations¬ saal im Ausstellungsgeb. 15, 80, 105*, 117* — — Kaiser Wilhelms Aka¬ demie für das militär- ärztl. Bildungswesen 63, 176, 196, 217*, 221*, 229*, 238* — — St. Marien - Kirche 63, 80 — Bebauungsplan für das Grundstück Potsdamer¬ strasse 72 . . . 100, 112 — Geschäftshaus . . . 355 — Gewinnung einesThea- ter-Architekten . . . 440 — — Plakat über die Nütz¬ lichkeit des regelmässi¬ gen Badens .... 400 — — Staatspreis der kgl. preuss. Akademie der Künste .... 144, 447 — — Ausschr. des Ver. für Eisenbahnkunde . . 14 — • — Ver. deutscher Maschi- nen-Ing , Dampfloko¬ motive . 60, 80 — Ver. von Gas- und W asserfachmännern : Gasbel.-Körper . . 72, 236 — Ausschreiben der Ver¬ einig. „Die Kunst im Leben d. Kindes“ über künstler. Wandbilder 196 — — Schinkel-Preisaufgaben 72, 127, 608 — — Ueberdachung der Treppen-Eingänge für Haltestellen der Unter¬ grundbahn .... 242 — — Ausschmückung der Achenbachbrücke 283, 416 — Erbbegräbnisse . 296, 424 — ■ Architekt. Ausgestalt, der Klein-Machnower Schleuse am Teltow- Kanal. . . 404, 556, 564 — : — Bebauung e. Baublocks in Schöneberg . 416, 568 Preisbewerbungen. — Berlin. Bahnhofsgeb. Zehlendorf .... 304, 322 nebst 4 Doppelvillen 362, 424 — Aufteilung von 3 Bau¬ blocks in „Neu- Westend“ 556, 568 — Bern. Weltpostvereins- Denkmal . 503 — Bielefeld. Denkmal Kais. Wilhelms I. . . . 92, 152 — Bingen a. Rh., Synagoge 8 — — Gymnasium und Real¬ schule . 64 — Br e m en. Stadthaus 259,404,427 — • — Fassaden für das Polizei¬ gebäude . 80, 112, 332 — — Krematorium . . . 236 — Breslau. Ev. Kirche 392, 400, 648, 656 — Bromberg.Kreishaus372,576 — Brüggen (Schweiz). Ev. Kirche . 216 — Budapest. Kossuth- Denkmal . 120 — Kais.Elisabeth-Denkmal3i6 — C h arl ott e n b urg. Kirche der Luisengemeinde . . 191 — — Strassen-Kandelaber . 196 — Danzig. Fassaden -Ent¬ würfe . 248, 256 — Deggendorf. Luitpold¬ brunnen . 595 — Dessau. Waisenhaus 471,479 — Dockenhuden-Nien¬ stedten. Krankenhaus 492, 5°3, 624 — Dortmund. 3 Ausschr. des Ver. der Arch. und Bauingenieure 332, 452, 608 — D r es d en.Umgestaltung d. Inn. der Annenkirche 112, 284 — Ausgestaltung des Alt¬ städter Ufers . . . 168 — — Ausgestaltg. der Nord¬ seite desTheaterplatzes33Ö, 355, 576, 624, 638*, 645*, 648, 656 — — Künstlerhaus . . . 336 — — Geschäftshaus der Deutschen Bank 384, 576 - Rathaus 27, 50, 308, 372, 373*, 378*, 384*, 389*, 396*, 4°5*, 426 — Schutzvorrichtungen für den elektr. Strassen- bahnbetrieb . . . .112 — — KrankerfliausRadtberg 344 — Erbbegräbnis Naumann 424 — Düsseldorf. Saalbau im Zoolog. Garten . . 332, 516 — — Gelände der Garten¬ bau-Ausstellung 168, 304 — Eichstätt.Wittelsbacher Brunnen .... 284, 384 — Emden. Mädchenschule 236 — Eni scher bei Essen. Reihenhaus . 48 — Esc h w ei 1 e r-Pum p e. 2 Arbeiter-Kolonien 463, 492 — Essen. Töchterschule 36, 52 — — Brunnen . . . 248, 540 — Esslingen Mädchen¬ schule 248, 463, 488, 524 — Florenz. Biblioteca Nazionale . 48 — Forchheim. Progym- nasium . 64 — Frankfurt a. M. Neubau¬ ten in der Altstadt 36, 92, 316 — Schmuck der Baikone 355 — Frankreich. Ausschr. des franz. Ziegler- und Kalkbrenner- Ver. . . . 528 — F r ei b ergi. S. Bebauungs¬ plan für ein Gelände 92, 128, i52, l83, 596 — Friedberg i. H. Doppel- wohnhausfür Arbeiter 304, 448 — Gablonz a. N. Theater 348 — Geringswalde.Rathaus48o, 488, 499 — Gothenburg in Schw. Hafenplan . 648 — Graudenz. Bebauungs¬ plan amTuscherdamm 244, 323 — Grunewald-Berlin, Schulhaus . . 244, 304, 316 — Halle a. S. Gartenkünst¬ lerische Ausgestaltung des Kaiserplatzes . 72 — Hamburg. Figürlicher Schmuckd. Justizgebäudes 428 — Straussenhaus im Zoo¬ logischen Garten 78, 266 — Briefbogen f. A.-V 79, 265 Preisbewerbungen. — Hamburg. Wohnhäuser i. Cbar. der Vierlande 104, 144 — Hannover. Bennigsen- Denkmal . 564 — — Nazareth-Kirche . . 503 — — Ausgestaltung des Sitz¬ ungssaales im Stände¬ haus . . . 47 r , 488, 648 — He i d e i. Holst. Realschule 144, 47i Hessen - Nassau. Länd¬ liche Anwesen für Klein¬ bauern in der Prov. 348, 592 Hiddensee. Landhaus Kruse . 168 — Innsbruck. Ev. Kirche 100, 152, 255, 584 — Jena. Universität . . . 376 — Kassel. Rathaus . . 80 — ev. Kirche 152, 168, 499 — reform. Kirche 196, 204, 528 — Kaufbeuren.Deckenge- mälde für d. protest. Kirche 308 — Kiel. Rathaus 63, 80, 436, ^ 53b, 564 — Forstbaumschule . . 272 — Knüpfteppich - Ent¬ würfe der Firma Ginzkey in Maffersdorf in Böhmen 168 — Ko b 1 e nz. Realgymnasium 28, 52, 204, 216, 255 — Köln a. Rh. Handels- Hochschule 168, 192, 528, 570*, 577*, 596, 608 — Krankenhaus des isra¬ elitischen Asyls 316, 596 — kath.-Kirchez. hl. Paulus 648 - Königsbergi.Pr. Fassa¬ den zu 3 Häusern am Schlossteich 296, 307, 362, 459 — - Kopenhagen. Wieder¬ aufbau des Schlosses Ghristiansborg .... 528 Lahr i. B. Friedhof- An¬ lage . . 428, 447, 460, 624 L an d au (Pfalz). Festhalle 556, 596, 632 — Laub an. Restaurations¬ gebäude auf d. Steinberge j 52 — Leipzig-Leutzsch. Rathaus . 112 — -Kleinzschocher. Bez.-Schule .... 283 — -Reudnitz. Bez.-Schule 348 — Lima (Peru). Regierungs¬ palast . 308, 416 — Linoleum 111 uster der Werke Hansa-Delmenhorst '32, 323 — desgl. der Linoleum- und Wachstuch - Co. Rixdorf 215, 348 — Loschwitz - Dresden. Monumental-Brunnen . . 416 — Luxemburg. Industrie- und Handelsschule. 92, 156 — Madrid. Kasino . . . 452 — M. -Ostrau. Handels- u. Gewerbebank . 668 — Mailand. Anlage einer Ausstellung . 16 - Mainz. Justizgebäude 268, 280, 596, 608 — Mannheim. Ev. Werder- Kirche . 668 — Marburg. Knaben- und Mädchenschule 272, 428, 440 - Mayen. Kath. Küche 416, 428, 008 - Me ge de. Amtshaus . .128 — Meissen. Realschule . 220 — Montevideo (Uruguay.) Parlaments-Palast . 516, 523 — Mo r eliain Mexiko. Denk¬ mal für den Anführer Morelos . 272 - Mülhausen i. E. Monu¬ mental-Brunnen 632, 636, 656 -- München. Zierbrunnen auf den Kosttor- u. Isartor¬ plätzen . 120, 156, 528, 576 — — Bebauung des Ruffini- Geländes . . . 228, 348 — — Verkehrs - Ministerium und Zentral-Briefpost- amt . 648, 656 — — Amtsgericht in Rothen¬ burg o. d. T. . . 63, 104 — — Kath. Kirche in Solln 322 — — Bebauung des Gelän¬ des der Maschinenbau- A.-G. in Nürnberg . 362 — — Ball- und Konzerthaus in Bayreuth .... 392 — — Rathaus in Freising . 516 VI Seite Preisbewerbungen. — München. Volksschule in Schwabach . 636 Arbeiter-Wohnhäuser 307 Münster a. St. Ev. Kirche 48 — Münster i. W. Museuni 176 — Nürnberg. Bauten des 10. deutsch. Turnfestes 8, 28 — — Kunstbrunnen . . . 568 - Korbmöbel für Land¬ häuser .... 228, 384 — Oberschöneweide. Rathaus 144, 152, 260, 296, 304 — Oesterreich. Staats¬ bauten . 19 1 — Orgel-Entwurf für den Dom in Altenberg 392, 596 — Paris. Grand Prix de Rome . 404 -- — Auffahrtshof des Grand- Hötel . 503 — P a s s a u. Witteisbacher Brunnen . . 196, 248, 608 — St. Petersburg. Kanali¬ sierung . 104 — Plauen i. V. Stadtpark 176 — — Gesellschaftshaus 307, 323, 584 — Posen. Arbeiter-Wohn¬ haus . 307, 452 — Prerau. Hebewerk des Donau-Oder-Kanales 216, 220, 244, 259 — Pyrmont.Badehäuser336,499 — Recklinghausen. Kreishaus . 36 — Rheine i.W. Gymnasium 636 — Rheinsberg. Deutsches Presseheim . 215 — Salzburg. Friedhofs¬ kapelle . 323 — Spanien. Ausführung einer Wasserleitung im Zuge des Kanales von Arragon in Catalonien . 183 — Stuttgart. Schutzhütte auf dem Hohenstaufen . 284 - Biifettwand eines Re¬ staurants für die Zeit¬ schrift „Moderne Bau¬ formen“ . 283 — Te plitz. Kaiser Josef- Denkmal . 644 — Trier. Fassaden am Hauptmarkt . 448 — kath. Pfarrkirche . . 308 — — Handelskammer . . 372 - Ländliche Bauten 584, 614 Triest. Israelitischer Tempel . 596 — Waldenburg i. Schl. Volksschule . 636 — War s c h a u. Poln. Theater 511 — Wetter a. R. Ev. Kirche 636 — Wien. Postsparkassen- Amt . 64, 316 — — Deutschmeister-Denkm. 112 — — Kais. Elisabeth-Denkm. 144 — Einband für „Die Gra¬ phischen Künste“ . . 196 — Wörth a. M. Ausmalung der Pfarrkirche .... 236 — Zürich. Mosaikbilder im Hof des Landesmuseums 36 — — Kunsthaus 259, 284, 324, 632 Preussen. Das Bauwesen im Staatshaushalt . 37, 43 — Veränderungen in der Organisation des Min. der öff. Arbeiten und im Min. für Handel und Gew. 40, 195 — Das Ministerium der öffentl. Arb. und die Techniker in den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses 207, 218 — Hochwasser- Ausschuss, Abschlussarbeiten betr. W eser- u. Emsstromgebiet 47 — Gesetzentwurf betr. die Erweiterung des Staats¬ eisenbahnnetzes .... 139 — Staatl. Fürsorge für Be¬ schaffung vonWohnungen für die Arbeiter der staatl. Betriebe . 176 — Fachwissenschaft!. Vor¬ lesungen über Eisenbahn¬ wesen . . 215 — Bevorstehender Erlass eines Wohnungs-Ges. 394, 409 — Zulassung von Dipl.-Ing. anderer Hochschulen zur Promotion zum Dr.-Ing. . 514 Promotionen, Die Zahl der Pr. zum Dr.-Ing. an den Techn Hochschulen 452, 576 Seite Prüfung. Diplom-Examen . 488 - Baumeister-Pr. und -Titel in Sachsen . 159, 216, 392 Röhrenprüf. - Presse von Koenen . 114 Vorschriften für die Pr. und Verarbeitg. von Beton 1 14 — Herstellung von Beton¬ körpern mit verschieden. Wasserzusatz, Druckfestig¬ keit und Druckelastizität 478 Putz, seine künstlerische und seine techn. Seite 2, io, 127 — Die Carrara-Masse . . 259 — für einen Fabriksaal zur Verhinderg. v. Tropfenfall 608 Ramme zum Einrammen von Pfählen unt. Wasser . 594® Rathaus in Dessau 377*, 385*, 452 — -Entwürfe für Dresden 373*, 378*, 389*, 396*, 405*, 426 — in Duisburg . . i®, 9*, 27 — in München 337*, 345*, 371 — in Passau . 505* Rauchbelästigungin Städten 248- 356 Rechenschieber (Einskala-) von Frank . 376 Reisebericht üb. d. Schlösser an der Loire v. Groothoff 351 — aus Passau 466*, 474*, 497*, 5°!*, 5°5* Reisestudien von C. Zaar und Spindler . 154 Reithalle zu Grimma. Höl¬ zernes Bogendach . . 247* Rennplätze, Anlagen und Bauten für Pferde- Rennen 79 Riesenhäuser in Amerika . 155 Röhren. Abänderung der Normalien für Hausent- wässerungs-Leitungen . 245 Anstrich von geteerten bezw. asphalt. R. 308, 472 Rolladenzug mit Schrauben¬ bremse „Mars" von Fuchs 215* Rudolstadt. Sitzungssaal im Regierungs-Gebäude . 361* Rücksendung von Zeug¬ nissen bei Stellengesuchen 292 Ruinen, Tempel-R. von Philae623 Saalbau in Mannheim 185*, 261*, 277*. 287*, 294, 307 — der Brauerei Königstadt in Berlin . 549® — WienerArbeiterheim 209* ,233® Sachsen. Baumeister - Prü¬ fungen und Titel 159, 216, 392 Sägevorrichtung unt. Wasser 547 Sägespäne, Verwendung . 644 St. Louis. Ausstellung 36, 608 Sandbach im Odenwald, Ernst Ludwig-Heilstätte 169® Schalldämpfung in Massiv¬ bauten . 272 Schiedsgericht . 140 Schiffahrt. Die Schiffbar¬ machung des Main ... 34 — Entwurf zur Donau-Main- Wasserstrasse von Kel- heim nach Aschaffenburg 430*, 437*) 538 • — Der Teltow -Kanal 66®, 82®, 89®, 106®, 122®, 135 — Die Binnenschiffahrts-An¬ lagen in Bremen . . 366® — Verbindung für Fluss¬ schiffe von der Oberelbe zu den Häfen am Kuh- wärder bei Hamburg . . 540 — Seeschiffahrtskanal durch Schottland . 376 — Ueberwindung grosser Höhen bei Sch. -Kanälen 110 — Fiussbau-Laboratorium in Karlsruhe . 126 — VI Verbandstag des dtsch.- österreich. -ungar. Binnen¬ schiffahrts-Verbandes 447, 496 Schindeldach-Eindeckungen 204 Schinkel - (Jahres-)Fest des Arch. -Vereins in Berlin 141, 150 - Preisaufgaben 72, 127, 608 Schleusen-Anlagen und ge¬ neigte Ebenen bei Schiff¬ fahrts-Kanälen . . . .110 Schloss zu Heidelberg, Gut¬ achten der Sachverständi¬ gen Konferenz 70, 86, 96, 123 — Baugeschichte 166, 193*, 199*, 206 — Klink bei Waren in Meckl. 325*, 335*) 338* — in Ludwigslust .... 191 Seite Schloss Schwarzenberg und seine Wiederherstellung 426 Schöneberg. Kanalisations- Entwurf . 100 Schornstein in Bctoncisen- Konstruktion .... 262® — Gestörter Sch-Zug . . .672® Schulen. Neue Stellen für Reg - und Gewerbe-Schul¬ räte im preuss. Minist, für Handel und Gewerbe . 40 Der Freihandzeichen- Unterricht an techn. Sch. 483, 489 — Die Universität und die Mittelschule in Bayern . 174 Schulhaus in Berlin von Ludw. Hoffmann . . 314® — städt. Handwerkerschule in der Andreasstr. in Berlin 649® — an der Findelgasse in Nürnberg . 116 Schwammbildung, Verant¬ wortlichkeit des Arch. 272, 616 Schwarzenberg, Schloss, u. seine Wiederherstellung 426 Schwebebahn. Pläne für Stadt- und Vorortbahnen in Hamburg 397*, 410®, 526 Schweiz. Ortsangehörigkeit 324, 424 Semper, Gottfr. Der 100. Ge¬ burtstag . . . 623, 626, 637 - Stipend. der Stadt Dresden 632 Sibirien. Die Baukosten der S. Eisenbahn . 186 Simplontunnel, Kosten . 575 von Sörgel, Ob.-Baudir. in München . 139 Sonnenuhr-Konstruktion . 392 Sperrmauer. Die Urft-Tal¬ sperre bei Gemünd 133*, 145® Sport. Anlagen und Bauten für Pferde- Wettrennen . 79 — Entwurf zu einer „Kolonie zur Leibeserziehung“ . . 93® Städtebau. Französischer 422® Statik. Vorlesungen über St. der Baukonstruktionen und Festigkeitslehre von Mehrtens . 451 Statistik. Grössenverhält- nisse von Grosstädten . 24 Stauanlagen des Elektrizi¬ tätswerkes Wangen a. d. Aare . 309*, 326* — Die Talsperre b. Marklissa im Oueistal . 527 — Urft-Talsperre bei Gemünd 133®, 145®, 555 — Kraftversorgung der Lun¬ genheilstätte Sülzhayn im Harz . 542®, 558* Stiftung von 10000 M. zur Förderung der Kenntnis vonBetoneisen-Konstrukt. 487 Stipendium, Gottfr. Semper- St. der Stadt Dresden . 632 Stockwerk bezw. Geschoss 102 Strassenanlage, Ring-Str. in Ulm a D . 170® — Die Anlage einer durch¬ gehenden Avenue vom kgl. Schlosse in Berlin bis zur Havel und Döberitz . . 91 Strasse, Begriff einer solchen 128 — Unterhaltung derselb. usw. 36 Strassenbau. Kleinpflaster auf starken Steigungen . 216 — Das Oelen der Str. bezw. Pech-Makadam .... 364 Strassenbahn - Oberbau in Hamburg . 319 Stuttgart. Die bauliche Ent¬ wicklung .... 604, 608 — Das Interims-Hoftheater 617* Sülzhayn im Harz, Kraft¬ versorgung der Lungen¬ heilstätte . . . 542®, 558® Synagogen. Bau und Aus¬ schmückung alter . . . 558 Talsperre, Urft-T. bei Gemünd 133®, Hä®, 555 — bei Marklissa im Queistal 527 — Volme Talsp . 568 Tangermünde. Wiederher¬ stellung der Turmbauten auf der Kaiserburg . . 235 Techniker, Auszeichnungen 7, 60, 63, 140, 655 — Kündigungsfrist . . 24, 164 — Laufbahn d. unt. u. mittl. 512,536 — Wertschätzung der T. . 283 Telegraphie, Feuer -T. in Hamburg . 214 Seite Teltow-Kanal 66®, 82*, 89®, 106®, 122*, 135 Theater - Entwurf für Frei¬ burg i. Br . 269* I >as Interims - 1 loftheater in Stuttgart .... 617® Theoretische Untersuchun¬ gen. Zur Berechnung von kontinuirl. Trägern über 3 Oeffnungen . . . toi* - Zur Theorie der Knick¬ festigkeit . 186 Betoneisen-Konstruktionen 210*, 223*, 231* — Ein Fall von Knickung durch eine Zugkraft . . 246 — Versuche mit Verbund¬ körpern u. deren wissen- schaftl. Verwertung 341*, 350 — Versuch über d. Verlauf eines wagrechten Wasser¬ strahles unter Wasser 522* — Erdmassen -Ermittelung 636* Titel. Stadtbauinspekt. und Magistratsassess. in Berlin 534 — Führung eines Meister-T. 512 — Aenderung der Dienst¬ bezeichnung der Bauinsp. in Hamburg . 113 — Baumeister-T.u. Prüfungen in Sachsen . . . 159, 216 Todtenschau und Nachrufe. — Bellingrath, Ewald, Dr.-Ing. in Dresden . . 463 — v.B is c h o f f ,Friedr., Edler von Klammstein in Wien 120 — B rügge m an n , Gg.,Arch. in Budapest . 499 — Buchheister, Max. Jürgen, Wasserbaudir. in Hamburg .... 168, 319 — Canzler, Geh. Ob. -Bit. a. D. in Dresden . . . 146 — Dumortier, Valere Chef- Arch. in Brüssel . 316 — Eggers, Hartwig, städt. Bi t. in München . . . .316 — Franzi us, Ludw., Ob.- Baudir. in Bremen 332, 333, 344 — Gier, Aug., Reg.- u. Brt. in Berlin ...... 595 — Giese, Ernst, Geh. Hof rat, Prof, in Charlottenburg 535 — Grunert, Kurt, Brt. in Berlin . 15 — v. Hefner-Alteneck, in München . 267 — K ü hier, Heinr., Geh. Reg.- Rat, Prof, in Hannover . 1 r t — Lu n tz, Viktor, Prof.i Wien 535 — March, Paul, Kommerz. - Rat in Charlottenburg . 462 — Menken, Aug., Reg.- Bmstr. in Berlin .... 499 — Mothes, Brt. in Dresden 528 — Neckelmann, Skjold, Prof, in Stuttgart . 255, 266 — Röhl, J. C. M., Gen.-Dir. d. Strassenbahn i.Hamburg 26 — Rossbach, Arwed,Dr.ph., Brt. in Leipzig ... 15 — Dr.Scheffler, LI., Ob.- Brt. in Braunschweig . . 436 — Schulz, Alfr., Arch. in Bbrlin ....... 7 — Sitte, Camillo, K. K. Reg. -Rat in Wien . . . 604 Transport. Die gleislose elektr. B. b. Grevenbrück 202* Trass als hydraulischer Zu¬ schlag zu Mörtel . . 257* Treppe. Holz-Wendeltr.ohne durchgehende Wange 180* — Ausbesserung ausgetre¬ tener Steinfr . 547 Tropfwasser, Schutz geg. 344, 608 Türen, Anwendung u. Aus¬ bildung von Drehtüren 252* — Neuerungen an T.- und Fenster-Beschlägen . . 490* Tuffsteingrube imNettertale 257* Tunnel. Untersee -T. zw. Marokko u. Spanien . . 247 — der Albula-Bahn im Enga¬ din 449*, 453*, 473*, 481, 493* Turmfragen u. d. Campanile von San Marco .... 126 — Zum Wiederaufbau des Camp. v. S. Marco 523, 594* Turmhelm, hölzerner, nebst Glockenstuhl auf d. Ausstell, in Düsseldorf 49* 358* 423* Turnhalle in Mannheim 605* Ulm. Ringstrassen - Anlage 170* Unfall-Versicherung . . 616 vir Seile Seite Unterricht an Baugewerk¬ schulen in d. Formenlehre 530 — Freihandzeichen-U. . 483, 489 — in d. Baukunst in S.-Alten- burg . 534 Urft- Talsperre bei Gemünd 133*, H5*, 555 Venedig. Der Campanile u. andere Turmfragen . . 126 — zum Wiederaufbau des C. 523, . 594* — Verbindung von V. mit dem. Festlande .... 575 Verantwortlichkeit des Archit. b. Schwammbild. 272 — eines Werkmeisters für entstandene Fehler . . 304 — beim Unfall eines Fahr¬ stuhlbetriebes .... 344 — bei Auswahl d. Materialien 376 Vereinigungdeutsch. Archit. 279 Vereinshaus des „Motiv“ in Charlottenburg . . . 121* Vereins-Mitteilungen. — Ver b an d deutsch. Archi¬ tekten u. Ing.-Ver. 6i, 152, 177, 196,204,324,344,452,632,668 - Arbeitsplan für 1904 . 593 — — Abänderung der Nor¬ malien für Hausent- wässerungs-Leit. 245, 461 — — Rundschreiben betr. Architekten-Verband . 249 — — XXXII. Abgeordneten- Versammlung 333, 401, 440, . 443, 461*, 466 — — Sitzungsbericht der XXXII. Abgeordneten- Versammlg. in Dresden 456 — Berlin. Arch -Verein. 90, ixo, 126, 242, 320, 546, 580, 635, 654 — Jahres- (Schinkel-) fest 141, 150 — — Ver einigun g B. Arch. 35*, 153, 166,319,390,554,634,670 — Hauptversammlungen der Zement-, Ton- und Kalk-Interessenten . . 72 — — Deutscher Beton -Ver. 114 — — Vereinigung zur Erhal¬ tung deutscher Burgen 163 — — Ver. f. Eisenbahnkunde 14, 118, 131, 179, 306, 514, 670 — Bremen. Arch.-u.Ing.-V. 178 — Darmstadt. Mittelrhein. Arch.- u. Ing.-Ver. . . . 359 — Dortmund. Ver. d. Arch. u- Ing . 354 — Dresden. Sachs. Ing.- u. Arch.-Ver. . . . 12, 352 — — Vers, der Heizungs- u. Lüftungs-Fachm. 166, 343 — — 'Ver. für öffentl. Ge¬ sundheitspflege . . . 196 — Düsseldorf. Arch.- u. Ing.-Ver. . . 87, 156, 390 Vereins-Mitteilungen. — Frankfurt a. M. Arch.- u. Ing.-Ver . 634 — Hamburg. Arch.- u. Ing.- Ver. 26, 78, 103 (Feste u. Ausflüge), 115, 136, 155, 214, 228, 254, 265, 271, 306, 319, 35i, 423, 526, 547, 563, 622 — Hannover. Ärch.-u.I.-V. 166 — Köln a. Rh. Arch.- u. Ing -Ver. für Niederrhein u. Westfalen . 555 - Vereinigung K. Arch. 255 — Magdeburg. Arch.-u.I.-V. 91, 126, 138, 166, 234, 291, 622 — Mannheim. VI. Ver¬ bandstag des Deutsch- österreich.-ungar. Verb. f. Binnenschiffahrt . . 447, 496 — Madrid. V. internation. Architekten-Kongress . .196 — Mecklenburg. Arch - u. Ing.-Ver . 190 — München. Arch.- u. Ing.- Ver . 255 — — Ver. Deutscher Inge¬ nieure 120, 283, 346, 349 - Ver. Deutscher Garten¬ künstler . 372 — Nürnberg. Mittelfränk. Kreisges. d. Bayer. Arch.- u. Ing.-Ver. 14, 59, 116,246, 258, 423, 426 — Pfalz. Kreisges. d. Bayer. Arch.- u. Ing -Ver. 203, 282 Verjährungsfrist .... 24 — einer strafbaren Handlung 88 Verkehrs -Angelegenheiten , im Staatsministerium in Bayern . 163, 519 Verputz, seine künstlerische u. seine techn. Seite 2, 10, 127 Versetzen von Bauwerken 248 Versicherungspflicht v. An¬ gestellten . . . . 516, 616 Versuchsfahrten d. Studien¬ gesellschaft für elektr. Schnellbahnen . . 487, 566 Vertragsabschlüsse, Muster zu Werkverträgen 268, 354 — Einhaltung derselben . . 448 Vervielfältigungs-Apparate 292 - Verfahren „Gisaldruck" 547 Vorlesungen, über Eisen¬ bahnwesen in Preussen 215 Vorträge im Kunstgewerbe- Museum in Berlin . 15, 514 — über mittelalterl. Baukunst u. Gegenwart v. Stiehl 141, 150 — über das Maschinenzeit¬ alter in seinem Zusammen¬ hänge mit dem Volks¬ wohlstand von Professor Schmoller . 348 — über die amerikanische Maschinen -Industrie und ihre Erfolge v. Möller . 349 Seite Wachwitzmetall fürDächer 404 Wände, bewegliche, zur Trennung von Sälen 284, 376 — Gipsw. Bruckners System 592 Wandschutzplatten ... 23 Waisenhaus, das neue städt., in München . . 657 ’i:, 669- Wangen a. d. Aare. Die Wasserbauten des Elektri¬ zitätswerkes . . 309*, 326* Waren i. Meckl., Schloss Klink . . . 325* 335* 338* Wasserbau. Die Wolf’sche Bauweise z. Regulierung geschiebeführenderFlüsse. 574 Ramme zum Einrammen von Pfählen unt. Wässer 594* — Flussbau-Laboratorium in Karlsruhe . 126 — Studiengesellschaft für den Ausbau der elsass.- lothring. Wasserstrassen 235 — Versuch über den Verlauf eines wagrechten Wasser¬ strahles unter Wasser 522* Wasserbauten des Elektri¬ zitätswerkes Wangen a. d. Aare . 309*, 326* — Die Talsperre bei Mark- lissa im Queistal . . . 527 — Urft-Talsperre b. Gemünd 133* 145* — Die Regulierung und Ein¬ wölbung des Wienflusses 599:i: 618*, 629*, 651*, 666 Wasserbauwart, Annahme der Anwärter .... 100 Wasserstrahl-Turbine von Roth 81 Kollmann . . 1 18* Wasserturm in Betoneisen- Konstr. in Kirchseeon 263* Wasserversorgung, Grund- wasser-V. Hamburgs . . 351 - 25jährige Tätigkeit des kgl. bayer. W.-Bureau . 487 — der Stadt Wien, 2. Kais. Franz Josef-Hochquellen¬ leitung . 295 Werkverträge, Muster zu . 268 — für Materiallieferung . . 616 Wertschätzung d.Techniker 283 Wettbewerbe, Verwendung von Modellen anstelle der Perspektiven . 2x5 Wiederherstellung der Kreuzkirche in Dresden 29* — der Turmbauten auf der Kaiserburg in Tanger¬ münde . 235 - und Erhaltung des Heidel¬ berger Schlosses, Gut¬ achten d. Sachverständig - Kommission 70, 86, 96, 123 — Baugeschichte d. Heidelb. Schlosses 166, 193*, 199*, 206 Wien. Internationale Bau¬ ausstellung . 623 Seile Wien. Neues Krankenhaus 1 12 — Das Arbeiterheim 209*, 233* — Die 2. Kais. Franz Josef- Hochquellen-Leitung . . 295 — Kais. Elisabeth-Denkmal 322 — Die Regulierung und Ein¬ wölbung des Wienflusses 599*, 618*, 629*, 65 1*, 666 W ohlfahrtseinrichtungen. Staatl. Fürsorge, für Be¬ schaffung vonWohnungen für die Arbeiter d. staatl. Betriebe in Preussen . . 179 Wohnhaus Simon in Berlin 597* — Nölle in Grunewald . . 35 — Scherl in Grunewald . . 154 — Dernburg in Grunewald . 155 — Haus Wiesenack . 357*, 376 — Besitzung d. FrauWentzel- Heckmann in Neubabels¬ berg . 505*, 513* — Amthof zu Bremgarten im Kanton Aargau . 293*, 297* — Friedrichsruh in Löbtau bei Dresden .... 365* — Häusergruppe in Freiburg i Br . 249* — O’Swald in Hamburg 465* — Karl Stollwerk in Köln a. Rh . 541*, 551* — Heinr. Stollwerck in K0I11585* — Meyer in Prinz Ludwigs¬ höhe bei München . . 425* — Die Exter’sche Villen- Kolonie in Pasing 157*, 165* — Dr. Arendt in Feldafing am Starnberger See . 222* Wohnungsfrage. Welche Mittel führen in Gross¬ städten zur Preiswert-Er¬ haltung des Baugrundes 270 — Erbbauvertrag zw. dem preuss. Fiskus und dem Beamt. - Wohnungsverein zu Berlin . 563 — für Arbeiter in Hamburg 26 — Das Wiener Arbeiterheim209i: 233* — Eberstadt: Rheinische Wohnverhältnisse . . . 229 — Anlage des engl. Hauses 546 Wolfenbüttel, Marienkirche 156 Zäune, Eigentumsrecht . .140 Zeichengestell von Espen¬ laub, verstellbar . . . 243* Zeichen - Unterricht an techn. Schulen . . 483, 489 Zement-Schieferplatten . . 60 — Zur Unterscheidung des Portland-Z. v. anderen Z. 296 — Fächergewölbe in Z.- Eisenkonstruktion . . 371* Zeugnis. Verpflichtung zur Ausstellg. an Beschäftigte 60 Besondere Bildbeilagen. 1 Das Rathaus in Duisburg a. Rh., der grosse Sitzungssaal S. 9 28 Die deutsche Städte-Ausstellung in Dresden. Der Haupt- 2 Halle für Trauer-Versammlungen im östl. Friedhof in saal mit Brunnen . . S. 349 München . „ 17 29 Villa Friedrichsruh in Löbtau bei Dresden . 365 3 Die Wiederherstellung der Kreuzkirche in Dresden . „ 29 30 Das neue Rathaus in Dessau. Stadtverordn. -Sitzungssaal „ 385 4 Deckengemälde in der Kuppelhalle für Trauer-Versamm- 31 Die Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser Friedrich- 1 ungen im östl. Friedhof in München . „ 41 Museum in Görlitz . »393 5 Neues Provinzial-Museum in Hannover . „ 61 32 Der wiederholte Wettbewerb zur Erlangung von Ent- 6 Inneres der Jubiläums-Kunstausst. in Karlsruhe 1902 . „ 65 würfen für ein neues Rathaus in Dresden . 4°5 7 Die St. Maximilians-Kirche in München . „ 81 33 Die Schwabentorbrücke in Freiburg i. Breisgau . . . „ 417 8 Entwurf zu einer „Kolonie zur Leibeserziehung“ ... „ 93 34 Die „Neue Gruppe“ auf der Grossen Berliner Kunst- 9 Entwürfe zu einem Zentralsaal der Grossen Berliner ausstellung . . 429* Kunst-Ausstellung . . „ 105 35 Die Friedrichsbrücke in Freiburg i. Breisgau .... „ 441 10 Vereinshaus des „Motiv" in Charlottenburg, Festsäle . „ 12t 36 Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz .... „ 453 11 I?*e Urft-Talsperre bei Gemünd in der Eifel .... „ 133 37 Ansicht der Stadt Passau vom Klosterberge aus. . . „ 466 12 Atelier der Architekten Ilelbig & Haiger in München . „ 145 38 Die Albulabahn vonThusis nach St. Moritz. Die Solisbrücke „ 481 13 Die Exter’sche Villen-Kolonie in Pasing-München . . „ 157 39 desgl. im Bau „ 493 14 Die Ernst Ludwig-Heilstätte bei Sandbach im Odenwald „ 169 40 Landhaus Wentzel-Heckmann in Neubabelsberg . . . „ 5°5 15 Die neue Festhalle in Mannheim. Das Beethoven-Portal „ 185 41 Die Pauluskirche in Basel . . 5*7 16 Das Burschenschafts-Denkmal in Eisenach . „ 197 42 Das Haus für Handel und Gewerbe in München . . . „ 529 *o ™er •^>rt,e',;erIie*ni- Grosser I estsaal .... „ 209 43 Das Haus Karl Stollwerck in Köln a. Rh . 541 18 Villa des Ilrn. Dr. Arendt in I eldafing am Starnberger See „ 222 44 Der Herkulesbrunnen auf dem Lützowplatze in Berlin „ 557 19 Mittelportal des neuen Repräsentations- Saales in der 45 Der Vorbau vor der Goldenen Pforte zu Freiberg i. S. „ 569 Grossen Berliner Kunstausstellung . „ 237 46 Das Haus Heinr. Stollwerck in Köln a. Rh. . . . . „ 585 2° Häusergruppe an der Jacobistrasse in Ireiburg i. Br. . „ 249 47 Haus Simon, Matthäikirch- u. Margarethen-Str. i Berlin „ 597 21 Hie neue Testhalle in Mannheim. Der kleine Konzertsaal „ 261 48 Aus dem II. Bande, 6. Teil der Baukunde des Architekten „ 609 22 Die Königsbrücke über die Elbe in Magdeburg . . . „ 273 49 Der Ausbau der Meissener Domfront . 625 23 Die neue Festhalle in Mannheim. Der Nibelungen -Saal „ 287 50 Grabmal der Familie Becker auf dem Friedhöfe in 24 Amthof zu Bremgarten im Kanton Aaargau, Schweiz . „ 297 AVeissensee bei Berlin . . 637 25 Neubauten der Stadt Berlin von Ludwig Hoffmann . „ 314 51 Die II. städtische Handwerkerschule in Berlin. . . . „ 649 26 Schloss Klink bei Waren in Mecklenburg . . 325 52 Das neue städische Waisenhaus in München .... „ 657 27 Die Erweiterung des Rathauses in München . . 337 VIII X x b w pq T-t * p d EC er * o X CO b < -X- P £ p > * P X X III X -X- Architekt: Professor Friedrich Ratzel in Karlsruhe. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 3, 4 und 5.) m 3. Mai 1902 vollzog die Stadt Duisburg am Rhein die festliche Weihe eines neuen Rathhauses als eine Blüthe jenes intensiven Entwicklungs-Prozesses, welchen die deutschen Städte mit nur ganz geringen Ausnahmen nach dem deutsch-französischen Kriege durchmachten. Die Stadt Duis¬ burg besass bis dahin ein recht unscheinbares Rath¬ haus, welches in seinen Anfängen 500 Jahre hindurch den Bedürfnissen des Verwaltungs- und Gerichts¬ wesens gedient hatte und bei der zunehmenden Ver¬ mehrung der Geschäfte wohl erweitert und durch Zu¬ kauf benachbarter Privathäuser entlastet wurde, wel¬ ches aber im Laufe der Zeit zu einem Sammelbegriff so heterogener, die Verwaltung erschwerender Bautheile wurde, dass sich eine durchgreifende Aenderung durch Errichtung"' eines Neubaues umso weniger mehr von der Hand weisen Hess, je mehr das 19. Jahrhundert seinem Ende zueilte. Im Frühjahr 1895 beschloss da¬ her die Stadtverordneten- Versammlung, der Errichtung eines neuen Rathhauses näher zu treten und bestimmte für dasselbe das durch Zukauf benachbarter Häuser vergrösserte Gelände des alten Rathhauses. Demge¬ mäss wurde für den Neubau die zwischen dem Burg¬ platz und dem Alten Markt gelegene Fläche gewählt und zwischen dem neuen Rathhause und der Salvator¬ kirche die Anlage einer neuen Strasse in Aussicht genommen (s. Lageplan S. 5). Zur Erlangung eines ge¬ eigneten Entwurfes für das neue Haus wurde ein Preisausschreiben erlassen, in welchem der I. Preis den Architekten und Assistenten an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, F. Ratzel und C. Boes zu¬ erkannt wurde, während der II. Preis Hrn. H. Jennen in Karlsruhe, der III. Preis den Hrn. Reinhardt & DEUTSCHE BAUZEITUNG XXXVII. JAHRG. 1903 * NO- 1 1 Süssenguth in Charlottenburg zufiel. Da jedoch keiner der preisgekrönten Entwürfe unmittelbar zur Ausführung geeignet erschien, so wurde Hr. Architekt Fr. Ratzel in Karlsruhe mit der Verfassung eines neuen Entwurfes betraut und ihm aufgrund desselben die Ausführung der Einzelzeichnungen und die künst¬ lerische Oberleitung des Baues übertragen, während die Ausführung der technischen Arbeiten dem Stadt¬ bauamte in Duisburg, an seiner Spitze Hr. Stadtbaurath Quedenfeldt, übergeben wurde. Auf die Anordnung der Räume war ein von letzterem bearbeiteter Grund¬ riss von wesentlichem Einfluss. Die schlichte und über¬ sichtliche Anlage des Gebäudes, sowie die Vertheilung der einzelnen Raumgruppen gehen aus unseren Grund¬ rissen S. 3 hervor; es ist dazu kaum etwas zu bemerken, es sei denn ein Hinweis auf die geschickte, malerische Art, mit welcher der Anschluss des Rathhauses an die unregelmässige Häusergruppe am Weinhaus-Markt mittels eines Durchganges, über welchem sich der Rathhausthurm erhebt, gesucht und gefunden wurde. Die in der Gestaltung des Aufbaues zum Ausdruck kommenden Absichten der Stadtverwaltung finden in dem Beschluss vom 20. Oktober 1896 ihre Grundlage, welcher eine Erhöhung der anfänglich vorgesehenen Bausumme herbeiführte zu dem Zwecke, „das Rath¬ haus als Monumentalbau in Haustein-Schauseiten und ebenso im Inneren unter Verwendung der besten Bau¬ materialien auszuführen.“ Am 31. Mai 1897 wurde mit den Abbruchsarbeiten an einem Theile der alten Baulichkeiten auf der Rath¬ hausbaustelle begonnen, am 20. Juli 1897 wurde der erste Spatenstich gethan und am 15. Aug. 1897 mit der Ausführung desMauerwerkes angefangen. Die günstigen Witterungsverhältnisse der Jahre 1898 und 1899 und die dadurch mögliche erhöhte Bauthätigkeit förderten den Bau so rasch, dass der erste Bauflügel bereits am 1. April 1900 bezogen und der Abbruch des alten Rathhauses, in welchem bis dahin die Verwaltung weiter geführt wurde, in Angriff genommen werden konnte, um auch an die Errichtung des zweiten und dritten Bau- theiles zu schreiten. Im Laufe der Bauarbeiten erwies sich der Erwerb der Eläuser Weinhausmarkt 12 u. 12a und Burgplatz 15 als nöthig und möglich und es wurde unter Nachbewilligung einer Summe von 150000 M. hier ein dritter Bauflügel geplant, welcher Gelegenheit zu der bereits berührten anziehenden malerischen Ge¬ staltung gab. Die Festschrift über die Einweihung des neuen Rathhauses sagt darüber: „Durch die Aus¬ gestaltung der Bogenstrasse zu einem weiten Hof des Rathhauses, welcher gleichzeitig dem Durchgangs¬ verkehr vom Burgplatz zum Weinhausmarkt und zur Schwanen- resp. Beekstrasse dienen sollte, konnte die äussere Erscheinung des Rathhauses an diesem Theile einen besonders malerischen Reiz gewinnen, wenn dieser Hof nur für den Fussgängerverkehr eingerich¬ tet wurde. . . . Durch den grossen Bogen im Thurm am Burgplatz, sowie durch den grossen durch zwei Ge¬ schosse reichenden Bogen am Weinhausmarkt (S. 4) wur¬ den prächtige Einblicke in diesen Innenhof geschaffen, in welchem durch eine grosse Treppenanlage, in der ganzen Breite desselben, das starke Gefälle nach dem Weinhausmarkt überwunden wurde.“ Durch diese in der ursprünglichen Planung nicht enthaltene Hofanlage wurde der Fortschritt der Bauarbeiten etwas unter¬ brochen, dieselben wurden aber weiterhin so gefördert, dass April 1901 der zweiteBauflügel im Rohbau fertig und unter Dach gebracht war und die Arbeiten am dritten Bauflügel ihm schnell folgten, sodass trotz des sehr reichen Innenbaues die Einweihung des in allen seinen Theilen fertigen Hauses am 3. Mai 1902 erfolgen konnte. — _ (Schluss folgt.) Der Verputz, seine künstlerische und seine technische Seite. ielen deutschen Fachgenossen ist bei ihren mehr¬ fachen Besuchen Münchens immer wieder die Art aufgefallen, mit welcher diese Stadt ihren neueren Bauten einen künstlerischen Reiz durch das bescheidene Mittel des in München nun einmal vorherrschenden Ver¬ putzes zu geben versteht, einen Reiz, der in dieser scharf ausgesprochenen Weise als allgemeiner Eindruck in keiner anderen Stadt wieder anzutreffen ist. „Der Putzbau er¬ scheint hier“, wie Dr. Richard Streiter sagt, „nicht wie anderwärts als ein minderwerthiger Nothbehelf, sondern als eine durchaus zu Recht bestehende ländlich-sittliche, künstlerisch vollwichtige Bauweise, der es bei grösseren Aufgaben auch nicht an monumentaler Wirkung gebricht“. Die seitens der deutschen Fachwelt so häufig be¬ kundete Werthschätzung unseres Münchener Putzstiles hat deshalb auch die Redaktion der „Deutschen Bauzeitung“ veranlasst, den Unterzeichneten einzuladen, einen Beitrag zu der augenblicklich weitere Kreise interessirenden Frage des Verputzwesens zu liefern, eine Aufgabe, der ich mich um so freudiger unterziehe, als ich mich mit zu denjenigen Architekten zählen darf, welche zuerst wieder den Ver¬ putz als ein selbständiges künstlerisches Ausdrucksmittel erkannten und in diesem Sinne zu verwerthen suchten. Der Verputz ist in seiner ursprünglichsten Anwendung und Bedeutung ein Mittel zum Ueberziehen der Aussen- flächen rauhen Mauerwerkes entweder nur zum Zwecke des Verhüllens der derb gemauerten Flächen, oder zum Zwecke der Schaffung eines Untergrundes für Aufbringung von Farbe oder farbigen und plastischen Schmuckes. In diesem Sinne hat der Verputz schon von Alters her im Bauwesen ausgebreitete Anwendung gefunden. Die Römer stellten ihren Verputz gewöhnlich derart her, dass sie zu¬ erst drei Schichten Kalksandmörtel auftrugen und auf die¬ sen drei weitere Schichten von einer aus Marmorstaub angemachten Tünche setzten. Die ganze Stärke eines solchen Verputzes betrug nur 1 — 2 cm. In Verbindung mit dem Verputz treffen wir häufig den Stuck, eine Mischung von Kalk und Gips, oft auch unter Beimengung von Marmorstaub, gleichfalls schon seit Alters her an, als ein Mittel, durch Verzierungen und Ge¬ simse Decken, Wände und Stützen künstlerisch zu beleben. Bei den Griechen, Römern und in der altchristlichen Zeit fast ununterbrochen in Uebung*), tritt der Stuck bei den Mohamedanern seit 700, in Frankreich seit 1000 und *) Mothes, Baulexikon. in Deutschland seit 1100 auf, wurde zwar im Mittelalter nur in beschränktem Maasse angewendet, entwickelte sich aber in der Renaissancezeit zu einer an antike Verhält¬ nisse erinnernden hohen Stufe und gewann schliesslich eine ganz eigenartige Selbständigkeit in dem letzten Aus¬ läufer der Renaissance -Entwicklung, im Rococo. Die Barockzeit verwandte zu ihrem Stuck gebrannten Gips, welchem in geringen Mengen ein Pulver von ungelöschtem Kalk beigemengt wurde. Verputzüberzug in Verbindung mit Stuck ist ein schon bei den Griechen viel angewendetes Mittel, die feinen Gliederungen an den im gröberen Baumaterial errichteten Tempeln und sonstigen Monumentalbauwerken herzustellen, indem man die Tuff- oder gröberen Kalksteine mit einem dünnen Ueberzuge von Kalkmörtel versah. Die älteren Denkmäler auf Sizilien, die Tempel auf Aegina zeigen alle die Spuren eines über porösen Kalkstein, aus welchem die Werkstücke hergestellt waren, aufgebrachten feinen Stuckgrundes, auf welchem erst die Bemalung aufgetragen wurde. Es scheint fast, als ob der bei den späteren Denkmälern auftretende feinkörnige pentelische Marmor nicht etwa deshalb gewählt worden sei, weil man das ältere Verfahren als ein Surrogat verurtheilte, sondern weil man bei ihm diesen Stuckgrund entbehren konnte. Den Griechen scheint es hiernach ursprünglich gar nicht darauf angekommen zu sein, mit der Struktur des Materiales selbst zu wirken, sondern vielmehr darauf, einen bequemen und unvergänglichen Untergrund für ihre Polychromie zu schaffen. Zu erklären ist diese Aulfassung der Griechen wohl ganz natürlich in dem Ursprung ihres Steinbaues aus dem Holzbau. Aus dieser Thatsache geht aber auch weiter hervor, dass man in der augenblicklich so hoch gehaltenen Forderung der Materialgerechtigkeit doch wieder sehr zu¬ rückhaltend sein muss. Jedenfalls ist es unter diesem Ge¬ sichtswinkel Palladio nicht zu verübeln, wenn er zur Verwirklichung seiner grossartigen Baugedanken zu dem Mittel des Verputzes gegriffen hat, ohne welches er unter Umständen auf die Ausführung derselben überhaupt hätte verzichten müssen, und es muss zugestanden werden, dass unter gewissen Einschränkungen Surrogate nicht verwerf¬ lich sind. Die Grenze aber, bis zu welcher die Anwendung derselben gehen darf, ist natürlich nicht genau zu bestimmen, sondern sie hängt wesentlich von dem künstlerischen Takt ab, mit welchem der Architekt dabei vorgeht. Im Vergleich mit diesen Putzbauten Palladios, über¬ haupt mit der historischen Renaissancezeit und der Zeit des No. x. 2 Barocks in allen Ländern, heben sich die seit den 6oer bis 8oer Jahren des eben verflossenen Jahrhunderts in einer Unzahl von Beispielen entstandenen modernen Putzbauten künstlerisch sehr ungünstig hervor. Es ist eben hier der erwähnte künstlerische Takt nicht überall leitend gewesen und diese Beobachtung führt uns nun zu den beiden nächsten Fragen: Worin besteht denn eigentlich dieses künstlerische Taktgefühl und welches sind die Ursachen, die zu dem Verlust desselben Veranlassung gegeben haben? Wir werden uns die Antwort darauf am sichersten geben können, wenn wir zunächst uns auf die Eigenthümlich- keiten des Verputz¬ materiales etwas näher emlassen und dann unter Heranziehung alter Bau¬ denkmäler zu beobachten suchen, in wie weit diese Eigentümlichkeiten des Materiales irgend einen Einfluss auf die künstle¬ rische Erscheinung aus¬ geübt haben. Da die An¬ wendung des Zementver¬ putzes der jüngsten Zeit angehört, so kann es sich hier nur um die nähere Untersuchung des Kalk¬ mörtel - Verputzes zu¬ nächst handeln. Der Erhärtungs- Pro¬ zess des Kalkputzes geht bekanntlich dadurch vor sich, dass sich aus dem gelöschten Kalk durch Entnahme von Kohlen¬ säure aus der Luft unter Abgabe von Wasser an die Luft kohlensaurer Kalk, also wieder das Ur- produkt, aus dem der gelöschte Kalk gewonnen wurde, rückbildet. Dieser Prozess ist ein sehr lang¬ samer, geht aber um so rascher vor sich, je mehr Oberfläche derLuf t zurBe- spülung dargeboten wird, d. h. also um so schneller, je dünner der Putzauf¬ trag ist. Ein möglichst dünner Auftrag muss auch bei der Herstellung von stark ausladenden Gesim¬ sen beobachtet werden und das setzt eine ziemlich genaue Vormauerung die¬ ser Gesimse voraus. Diese aus der Eigenart des Kalk¬ mörtels hervorge¬ henden technischen Anforderungen fin¬ den wir denn auch an den meisten äl¬ teren derart aus¬ geführten Baudenk¬ mälern beobachtet. Wir finden hier also nicht bloss den Auf¬ trag auf der glatten Fläche in einer nur 1—1,5 cm dünnen Schicht ausgeführt, sondern wir kön¬ nen auch an vielen solchen Bauten, z. B. an der St. Micha¬ elskirche in Mün¬ chen oder anderResidenz in Landshut beobachten, dassman da alle Gliederungen sehr genau vorgemauert und den Pro¬ filen durch eine nur ganz dünne Kalkschicht die letzte nothwendige Schärfe gegeben hat. Auf eine solche Weise hergestellte Säulenschäfte z. B. können auch noch einem sehr empfindlichen Schönheitsgefühl weit leichter genügen, als die nachmals aus Zementverputz und Zementguss zu¬ sammengebauten Architekturstücke. Wesentlich ist also beim Kalkputz die scharfe Vormauerung des ganzen Reliefs 3. Januar 1903. bis in die feinsten Gliederungen hinein. Die grosse Ge¬ nauigkeit jedoch, mit der die Vormauerung bei Herstellung des Rohbaues durchgelührt werden musste und die Unbe¬ quemlichkeiten, die bei mangelnder Genauigkeit für den späteren Auftrag entstanden, haben in der weiteren Entwick¬ lung des Putzbaues namentlich in der Barockzeit dahin gedrängt, ein wenn auch flaches Relief auch ohne Vor¬ mauerung ausführen zu können ; doch hat dabei das richtige Stilgefühl verhindert, in diesem Relief zu weit zu gehen, im Gegentheil sogar nach einer Reduktion des ganzen Reliefs hingeleitet, wie es eben Kalkverputz noch ertragen konnte. Gerade dieses ausgesprochene Bestreben nach Reduzirung aller ausladenden Glie¬ derungen, dieses Zurück¬ halten in dem Gesammt- relief stellt das eigentliche Wesen eines gesunden Verputzstiles dar. Da¬ durch nimmt der Verputz¬ stil einegewissegegensätz- liche Stellung zum ausge¬ sprochenen Steinstil ein, dem diese Einschränkung im Relief nicht geboten ist. Der Verputzstil tauscht aber für diese Einschrän¬ kung eine freiere Beweg¬ lichkeit namentlich nach der dekorativen Seite zu ein, die in dieser Unge¬ bundenheit wieder dem Steine versagt ist. Dieser klaren Schei¬ dung zwischen Putz- und Steinstil musste bald Ein¬ trag geschehen, als an¬ stelle des Kalkes das neue Bindemittel des Zementes in Verwendung kam. Zu den mit dem Gips gemein¬ samen Eigenschalten des Zementes, „der Fähigkeit raschen Abbindens und Erhärtens und der Mög¬ lichkeit, sich leicht in For¬ men giessen zu lassen“, tritt beim Zement noch die grosse Widerstands¬ fähigkeit gegen Witte¬ rungseinflüsse hinzu, die ihn weit über den Gips stellt, da sie ihn zur An¬ wendung am Aeusseren des Gebäudes geeignet macht. Was man früher mit Hilfe des Gipses im Inneren ausführen konnte, ist jetzt mit Hilfe des Ze- mentesamAeusserenmög- lich geworden. Die Frei¬ heit der Verwerthung die¬ ses Materials, die Unge¬ bundenheit an bestimmte Reliefstärken, die Mög¬ lichkeit des Einsetzens von Gusstücken, wie dies fort¬ an der Bequemlichkeit halber geübt wurde, diese Schrankenlosigkeit in der Anwendungsfähigkeit des neuen Materials verwisch¬ te allmählich mehr und mehr die bisher gesteckten Grenzen im Putz- und Stuckverfahrenund führte schliesslich durch fortge¬ setzte Steigerung zu einem Punkte, wo es nicht mehr weiter ging, wo man sich, davon ermüdet, gezwun¬ gen sah, sich auf die alten Grenzen wieder zu besinnen. Die Anwendung des Zementes als Verputz und Gliede¬ rungsmittel fiel zufällig zeitlich zusammen mit derjenigen Zeit, welche den Werth der Architektur nach der schönen Einzelform einschätzle, welche den ganzen Apparat zur Gliederung des Gebäudes in erster Linie bevorzugte, fiel also zusammen mit der Zeit der Gesimsschwärmerei. Diese Schwärmerei drängte nach einer Verwirklichung um jeden Preis, und gerade damals bot sich das neue Material als ein Der Rathhaus-Neubau der Stadt Duisburg. Architekt: Prof. Friedrich Ratzel in Karlsruhe in Baden. 3 bequemes und billiges Mittel zur Befriedigung derselben dar. Die darauf folgende Entwicklung wäre aber gar noch nicht so schlimm ausgefalHen, wenn nicht die gleichzeitig fallende an das „rasche Wachsthum der Städte sich an¬ heftende Gründerperiode die Kunstformen, womit die alten bevorrechteten Stände Kirchen und Schlösser geschmückt hatten, zum Dienste eines materialistisch äusserlichen Luxus profanirt und den schlechten Parvenügeschmack, die hohle Phrase, die Vorliebe für massenhaft angebrachten unsoliden Schmuck, den mangelnden Sinn für Echtheit und Ehr¬ lichkeit gezüchtet hätte, der den Reichthum, wenn er nicht vorhanden war, unter allen Umständen Vortäuschen wollte*)“, und dazu war ihm das neue Mate¬ rial gerade recht. Es war ja so bequem, die massenhaft wie die Pilze emporschiessenden Miethkasernen im Rohbau schnell zu fördern und nachher dem Aeusseren mit Müsse ein beliebig reiches Kleid aufzukleben, das dem Betrachter etwa einen italienischen Palazzo oder gar einen antiken Tempel vorheuchelt. Solch’ aufgeblasenen falschen Gebilden gegenüber he¬ ben sich die verputzten Bauten Palladios wie ehrliche und wuchtige Gesellen hervor, denn Palladio wollte ehrlich die schöne Form am richtigen Platze. Wie aber alle Unechtheit und Unwahrheit schliesslich doch einmal zum Fall kommt, so musste auch dieses zügellose Treiben aus inne¬ ren und äusseren Gründen einmal ein Ende nehmen ; dazu drängten nicht nur die ethischen Momente, sondern auch eine bis jetzt noch nicht erwähnte unvorteilhafte Eigenschaft des Ze¬ mentes hin, die darin beruht, dass bei starkem Auftrag dieses Materials und ungenügend sorg¬ fältiger Behandlung desselben starke Schwind¬ risse entstehen, welche durch Eindringen von Wasser und dazutretendem Frost die Zement¬ massen leicht zum Zerspringen bringen, so dass derart hergesiellte Fassaden sehr bald ein mangelhaftes Aussehen erhalten. Diese eben gescnilderten Verhältnisse drängten, unterstützt durch das mehr und mehr wachsende Material¬ stilgefühl, nach einer Umkehr hin, die that- sächlich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erfolgt ist und die sich da¬ durch kennzeichnet, dass man im Verputz¬ wesen auch bei Anwendung des Zementes sich diejenige Grenze wieder steckte, die in alter Zeit die Anwendung des Kalkputzes be¬ zeichnet hat: Dünnheit des Auftrages und Reduktion des Reliefs. Diese beiden den Putzstil kennzeichnenden Eigenthümlichkeiten, die mit dem Erhärtungs¬ prozess des Kalkmörtels Zusammenhängen, sind aber nicht die einzigen Merkmale, die den Putzsiil auszeichnen. Den Begriff des Ver¬ putzstils helfen auch noch andere Eigenthümlich¬ keiten verdichten, die mit den Eigenschaften des bei der Bereitung des Mörtels verwen¬ deten Sandes oder Riesels (rein körniger Kies) bezw. der Art des Auftrages und der dabei verwendeten Instrumente Zusammen¬ hängen. Je nachdem das Zusatzmatenal zum Kalk oder Zement feiner oder gröber ist, wird das sog. Korn des Verputzes ein verschiedenes, und je nachdem man verschiedenartig und mit verschieden gestalteten Instrumenten das Auf¬ trägen besorgt, wird ein noch grösserer Wech¬ sel im Aussehen der Verputzfiächen erzielt werden können. Die einfachste Art des Auftragens vonMörtel ist wohl die, bei welcher man nur mit der Maurerkelle allein arbeitet, d. h. einen meist mit gröberem Sand gemischten Mörtel mittels der Kelle auf die Backsteinfläche anwirft und das Ueberflüssige mit demselben Instrument wieder abstreift. Man kann dabei stärker oder weniger stark abstreifen und wird im ersteren Falle eine Fläche erhalten, die mit fast gar keiner Mörtelschicht über¬ zogen ist, während im letzteren Falle ein immerhin noch ganz dünner Ueberzug über den Backsteinen ensteht; in bei¬ den Fällen werden aber die Backsteine hinter dieser mehr oder weniger dünnen Schicht noch durchgefühlt werden. In ersterer Art sind wohl die meisten süddeutschen Bauten der Backsteingothik ausgeführt, von letzterer bieten manche Burgen wie die Trausnitz von Landshut Beispiele. Beide Ausführungsarten haben im vergangenen Jahrzehnt wieder *) Dr. Streiter, Architektonische Zeitfragen 1898, Berlin. Verwerthung gefunden, im Sinne der süddeutschen Back¬ stein-Kirchenbauten in München wohl zum ersten Male an der von Gabriel Seidl errichteten St. Annakirche am Lehel, im Sinne der Trausnitz an mehreren von Theodor Fischer erbauten Schulhäusern. Bei diesen letzteren wurde nach der Behandlung mit der Kelle noch mit Hilfe eines mittelgrossen Maurerpinsels die ganze Fläche mit Mörtelwasser eingewaschen, wodurch sie eine helle, dem Putz ähnliche Färbung erhielt. Bei Anwendung dieses Verfahrens ist aber eine Hauptbedingung, dass für die Fassadenflächen nur ganz gut gebrannte Backsteine ver¬ wendet werden, da die gewöhnlichen, in München zum Mauern verwendeten Backsteine durch den dünnen Ueber¬ zug gegen Witterungseinllüsse zu wenig geschützt sind und stellenweise bald auswittern. Man darf übrigens diese Technik nicht als eine eigent¬ liche Putztechnik ansehen; sie steht, bestimmter gesagt, in der Mitte zwischen reinem Backsteinbau und dem eigentlichen Putzbau, sie neigt sich eher noch der mittel¬ alterlichen Vorstellung zu, die das Steinmaterial überall da wo es anging als solches sprechen liess. Die Versuche, mit dieser Flachenbehandlung an bestimmten Stellen einen ausgesprochenen Verputz oder Stuck in Verbindung zu bringen, befriedigten nicht völlig; man wünscht sich an No. 1. Der Rathhaus-Neubau der Stadt Duisburg. Ansicht am Weinhausmarkt. Architekt: Prof. Friedrich Ratzel in Karlsruhe in Baden. 4 Der Rathhaus-Neubau der Stadt Duisburg. Architekt: Prof. Friedrich Ratzel in Karlsruhe in Baden. solchen Stellen, wo der Ziegel versagt, lieber den Haustein, bei dem eine Ver¬ deckung ebenso wie bei Ziegelflächen die¬ ser Behandlungswei¬ se nicht vorgenom- men zu werden braucht. Warum das so ist, scheint mir in dem Umstande zu liegen, dass Verputz¬ fläche und sichtbare Backstein- oder Hau¬ steinfläche dem Be¬ griffe nach weiter auseinander stehen, als sichtbare Back¬ stein- und sichtbare Hausteinfläche; letz¬ tere sind beide nackt, unbedeckt, Verputz ist aber eine Verhüll¬ ung, eineVerkleidung des Nackten. Der hierdurch gekenn¬ zeichnete Gegensatz zwischen Verputz- und Steinfläche kann auch künstlerisch verwerthet werden, aber wie die Bedeck¬ ung des menschli- schen Körpers durch Kleidungauf die der Masse nach allerdings überwiegenden in¬ differenten Theile sich beschränkt und die wichtigsten Theile wie Gesicht und Hände freihält, so müsste die Verkleidung bei unserem Vergleichsgegenstande sich folgerichtig auch über die indifferenten Flächen legen und dürfte nicht auf betonten Stellen des Rahmenwerkes und der Dekoration, die bei unserem Bilde dem Gesicht und den Händen ent¬ sprechen würden, haften, da sie sonst einer Bekleidung ohne Sinn und Zweck gleichzuachten wäre. Aus dieser Ueber- legungherausschlies- sen wir, dass Verputz und nackter Stein in einen befriedigenden Gegensatz zu einan¬ der nurdann gebracht werden, wenn gewis- sermaassen die funk- tionirenden Theile eines Gebäudes, die Umrahmungen und Gliederungen usw. aus Haustein oder Backstein hergestellt und nur die indiffe¬ renten Flächen ver¬ putzt werden. Hau¬ steine oder Back¬ steine können hier¬ bei in ganz gleichem Sinne verwendet werden. Die Anwen¬ dung von Verputz im Zusammenhänge mit Haustein -Gliederung ist ja schon alt, dage¬ gen gehört die Ver¬ bindung des sichtbar gelassenen Backstei¬ nes mitVerputz mehr der neueren Zeit an. Sie hat besonders in Norddeutschland mit sehr befriedigendem Erfolge An¬ wendung gefunden. Die Beschränkung des sichtbaren Backsteines auf die Umrahmung und Gesimse und die Ueberziehung der grossen Flächen mit Verputz sagt wenigstens dem an den Feinziegelbau minder gewöhnten Empfinden des Süddeutschen mehr zu, als das Sichtbar¬ lassen der ganzen Backsteinfläche. — C. Hocheder in München. (Schluss folgt) 3. Januar 1903. 5 Bericht über die Vorarbeiten und Bauausführungen der Italienischen Mittelmeer-Eisenbahn- Gesellschatt aus den Jahren 1885 bis 1897. g*ajjsa|nter dem unten angeführten Titel *) liegt uns ein ? reich illustrirtes Prachtwerk der italienischen Mittel- meer-Eisenbahn-Gesellschaftvor, welches mit ausser¬ ordentlicher Sorgfalt zusammengestellt ist und des Be- achtenswerthen viel enthält**). Wir glauben daher, unseren Leserkreis durch eine Besprechung auf dieses Werk auf¬ merksam machen zu sollen. Die Gesellschaft übernahm durch Vertrag vom 23 April 1884 den Betrieb des Mittelmeer-Eisenbahnnetzes und gleichzeitig die Verpflichtung, Vorarbeiten und Bauten zur Ergänzung des Netzes, welche ihr die Regierung über¬ tragen würde, für Rechnung des Staates auszuführen. Sie erhielt die Ausarbeitung einer grösseren Anzahl mehr oder weniger vorbereiteter Bahnentwürfe in Auftrag, wurde auch mit der Leitung und Abrechnung einzelner Staats¬ eisenbahnbauten betraut, zum Abschluss von Bauverträgen auf Grund vereinbarten Preises kam es aber einstweilen nicht. Die Regierung schloss vielmehr im Jahre 1888 mit der Gesellschaft zwei neue Verträge, einen unterm 2t. Juni, welcher der Gesellschaft den Bau von 6 Bahnlinien in der Gesammtlänge von 389 502 km übertrug, den anderen unterm 29. Sept., welcher noch die Strecke Rom-Segni als einen Theil der di¬ rekten Linie Rom-Neapel hinzufügte. Diese Bau¬ ten wurden sämmthch bis 1896 vollendet. Nach 1888 kamen dann noch einzelne Linien hinzu, deren Ausführung auf eigene Rechnung der Gesellschaft vom Staate genehmigt wurde auf Grund des Gesetzes vom 30. Juni 1889, und endlich ein paar Ergänzungsstrecken, welche der Gesellschaft mit Abkommen vom 20 Jan. 1896 zum Bau übertragen, aber erst bis zur Ent¬ wurf-Genehmigung (1897 u. 98) gediehen sind. Aus diesen Abmachungen ist eine grosse Menge von Entwürfen und Bauausführungen hervorgegangen, welche den Stoff zudem oben näher bezeichneten Bericht geliefert haben. Der Bericht zerfällt in zwei Theile, deren erster (mit etwa 9 Tafeln) die geschichtliche Entwicklung und allgemeine Beschreibung der in Frage kommenden Bahnlinien giebt, und zwar nach den Verträgen bezw. Ab¬ machungen von 1884/5, 1888, 1889 u. 1896 in 4 Kapitel geordnet, während der zweite (mit 8 Kapiteln und etwa 125 Tafeln) die beobach¬ teten baulichen Grundsätze erläutert und durch Beschreibung und Darstellung der auf den verschiedenen Linien vorgekommenen Einzel¬ bauten belegt. Im 1. Theil treten besonders die Mitthei¬ lungen über die Linienführung hervor. Eigenartig sind die Anlagen in unmittel¬ barer Nähe von Rom, soweit sie auf die Ver¬ besserung der Bahnhofsverhältnisse und die Schaffung einer Ringbahn abzielen, vergl. den Plan Abbildung 1; von letzterer sind bis jetzt nur Theile vorhanden. Zum Schluss des Ringes fehlen die schwierigen Strecken S. Pietro— Prati di Castello— Ponte Molle — Ser- pentara (Bahn nach Florenz) und die direkte Linie Trastevere-Termini (Hauptbahnhof), an deren bal¬ digem Zustandekommen wohl gez weif eit werden darf. Die Station Trastevere, welche im Novbr. 1885 begonnen und am 1. Febr. 1889 für Güter, am 1. Juli 1890 für Reisende eröffnet wurde, liegt für ihre beabsichtigte Ausbildung als Durchgangstation in Folge der Einengung durch Fluss und Hügel recht ungünstig. Einstweilen dient sie als (Kopf-) Endstation für die Bahnen nach Pisa (Civita Vecchia) und (seit 30. April 1894) nach Viterbo. Von den anderen für Rom beabsichtigten Vervollständigungen der Bahnanlagen wurden nur folgende den Hauptbahnhof entlastende (und zwar bis 1. Juli 1891) hergesteilt: Ein für die Linien der Mittelmeer- Gesellschaft dienen¬ der Verschubbahnhof „an der Via Tuscolana“. Er ent¬ wickelt sich aus der Bahn nach Pisa, hat aber auch be¬ queme Verbindungen mit den übrigen in Rom münden¬ den Bahnen; eine Verbindungsbahn zwischen der Linie nach Florenz (Station Portonaccio) und der nach Pisa (Station Tuscolana); schliesslich Verbindungskurven zwischen den Linien nach Solmona und Neapel einerseits und nach Pisa *) Societä Italiana per le strade ferrate del Mediterraneo. — Servizio delle costruzioni. — Relazione sugli studi e lavori eseguiti dal 1885 al 1897 (con und Album di N. 134 Tavoiel Roma. Tipografia D. Squarci. iqoo. **) vg'l- auch die mit Abbildungen versehene Bearbeitung des Werkes von H. Prof. W. Cauer in der Zeitschrift für Bauwesen, Jahrg. 1901 S. 82; Vgl. Centralbl. d. Bauverw. 1901, S. 172. andererseits. Ein zweiter Verschubbahnhof für die Zwecke der Adriatischen Eisenbahngesellschaft an der Linie nach Florenz bei der Station Portonaccio wurde in Vorschlag gebracht. — Im Uebrigen tragen die im vorliegenden Werke be¬ sprochenen Bahnen mehr oder weniger den Charakter von Gebirgsbahnen. Bei einer Bahn, der direkten von Rom nach Neapel, kam es allerdings darauf an, diesen Charakter möglichst zu mildern, indem die Steigungen von 1 : 39,7 (25,2 ° 00) auf i : ioo ermässigt wurden. Ausser¬ dem gelang es, die 250,58 km lange alte Linie im Gesammt- entwurf um 34,4 ktn zu verkürzen. Die bis jetzt nur zur Ausführung gekommene erste Theilstrecke Rom — Segni zeigt bei 47,25 Baulänge bereits eine Abkürzung um 11 k/4 der Spannweite eine entsprechend grössere Gewölbestärke gegeben wurde. Das Hauptgewölbe besitzt eine Scheitelstärke von 15 cm und eine grösste Stärke von 25 cm. Bei der vorgeschriebe¬ nen Nutzlast von 40okg/qm treten dann noch Druckspannun¬ gen bis zu 54,2 kg/qcm und Zugspannungen bis zu 25kg/qcm auf. Die Gewölbe sind aus Feinbeton in Mischung 1 : 3 (3 Theile scharfer Rheinsand und x Theil Portlandzement) hergestellt, welcher bei der durch die Material-Prüfungs¬ anstalt vom Polytechnikum in Zürich vorgenommenen Un¬ tersuchung nach 28 Tagen 25,4kg/qcm Zug- und 322kg/qcm Druckfestigkeit ergab. Die untere und obere Eiseneinlage des Hauptgewölbes (letztere auch im Scheitel durchgehend) besteht aus je 10 Rundeisenstäben von 13 mm Durchm., welche bis zu 930 kg/qcm beansprucht werden. Die Kanten¬ pressungen der aus Kiesbeton in Mischung 1 : 10 herge¬ stellten Widerlager erreichen bei voller Belastung einen Höchstwerth von 3,63 kg/qCm. Sämmtliche Flächen des Bauwerkes, mit Ausnahme der Laibungen und Stirnen der Gewölbe, sind mit rothern Eifel - Sandstein verkleidet. Aus dem gleichen Material sind die Deckplatten, die Stufen dagegen aus Basaltlava hergestellt, sodass die Farbenwirkung des Bauwerkes im Rahmen der landschaftlich schönen Umgebung eine befriedigende ist. Um die Betonfläche der Laibung des Hauptgewölbes vor dem zerstörenden Einfluss des Loko- motivrauches, bezw. der sich dadurch bildenden Säure zu schützen, ist die Laibungsfläche über den Gleisen mit Asphalt überzogen, während alle sonstigen Betonflächen mit Calcit- und wetterbeständiger Mineralfarbe in Sand¬ steinton gestrichen sind. Die Brückenbahn ist mit Kleinpflaster in Asphalt belegt, unter welcher sich zur Isolirung noch eine Asphaltplatten- schicht befindet. Die gesammte Konstruktionshöhe am Scheitel stellt sich dann auf 30 cm. Die Ausführung des Bauwerkes, namentlich die Ein¬ rüstung und Einschalung des Hauptgewölbes, auch dessen 25 Ausschälung musste unter Aufrechterhaltung und ohne Störung des vollen zweigleisigen Betriebes erfolgen, wo¬ bei die längste Pause zwischen zwei aufeinander folgenden Zügen nur 40 Minuten betrug. Das einfache Lehrgerüst, das in der Hauptsache aus einem Bohlenbogen besteht, der nur am Widerlager und neben dem freien Profil eine Stützung erhielt, ist aus dem Längsschnitt ersichtlich. Das Bauwerk wurde in den Monaten November und Dezember 1900 ausgeführt; die im März 1901 vorgenommene Belastungsprobe mit 400 kg/qm ergab eine nach der Ent¬ lastung wieder zurückgegangene Einsenkung des Scheitels von 1 mm. Die Baukosten betrugen bei frachtfreier Beförderung sämmtlich. Materialen, Gerüst- und Geräthschaften 4300M.— Mittheilungen aus Vereinen. Arch.- u. Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 14. Nov. 1902. Vors. Hr. Baudir. Zimmermann, an wes. 70 Pers., aufgen. als Mitgl. Hr. Ing. Ferd. Plaier. Der Vorsitzende macht Mittheilung von dem plötzlichen Tode des General-Dir. der Strasseneisenbahn-Gesellschaft von Hamburg-Altona, J. C. M. Röhl, zu dessen Ehren sich die Anwesenden von ihren Plätzen erheben. Hr. Brth. Ulrichs, ein Freund des Verstorbenen, widmet ihm in einem tief empfundenen Nachruf Worte hoher Anerkennung, weil es der Verstorbene verstanden hat, mit eisernem Fieiss und unermüdlicher Energie sich vom einfachen Techniker emporzuarbeiten. Im Jahre 1850 in Lübeck geboren, gelangte er mit 18 Jahren in das Be- triebs-Büreau der Pferdeeisenbahn-Gesellschaft nach Ham¬ burg, deren Direktor er 1889 wurde. Er beseitigte die noch bestehenden Omnibuslinien, liess die Baron Erlanger’- sche Konkurrenzbahn sowie die Ilochbahn- Gesellschaft, welche auf der Llochstrasse den Pferdebahn-Betrieb ein¬ gerichtet hatte, aufkaufen und erweiterte das Strassen- bahnnetz zu ungeahnter Grösse. Noch mehr geschah dies, als die elektrische Kraft von Röhl nach dem Beispiele Amerikas 1893 in dem Betriebe der Strassenbahn allge¬ mein nutzbar gemacht wurde. Hamburg- Altona erfreute sich bald der besteingerichteten elektrischen Strassenbahn- Anlagen, die in ihren Hauptzügen 1897 mit der Linie nach Wandsbeck ihren Abschluss landen. Als T899 die Ham¬ burg- Altonaer Trambahn -Gesellschaft auf sein Betreiben mit der Hamburger Strassenbahn-Gesellschaft verbunden wurde, erhielt letztere durch Röhl eine neue Organisation, wofür man ihn zum General- Direktor der Gesellschaft ernannte. Sein letzter grosser Gedanke war der Plan der Vorortbahn für Hamburg mit Führung in das Herz der Stadt und Aufschliessung des Gängeviertels im Jacobi- Kirchspiel durch eine grosse Parallelstrasse mit der Stein¬ strasse, in der Nähe des Rathhausmarktes beginnend und vor dem geplanten Zentralbahnhofe an der Ernst Merk¬ strasse endigend. Dieser grosszügig durchdachte Plan wurde vom Senate Hamburgs der Bürgerschaft sehr zur Annahme empfohlen. Auch über Hamburg-Altonas Grenzen hinaus war Röhl hochgeachtet. Der Verein deutscher Strassenbahn- und Kleinbahn- Verwaltungen, welcher 1895 in München ge¬ gründet wurde, wählte ihn zu seinem Vorsitzenden. Sein Verdienst ist es, dass diesem Vereine heute 160 Betriebe angehören, auf deren Kongressen er bisher immer wieder als Vorsitzender gewählt wurde. Die vom kgl. preuss. Hrn. Minister der öffentlichen Arbeiten und den ihm unterstellten Einzel-Behörden zu diesen Kongress-Sitzungen entsandten Vertreter haben stets in anerkennenden Worten die ausgezeichnete Führung der Kongress-Verhandlungen durch den Vorsitzenden Röhl hervorgehoben. Auch der „Internationale Strassenbahn- und Kleinbahn-Verein“ mit dem Sitz in Brüssel ehrte Röhl durch Ernennung zum Vice- Präsidenten, als welcher er bei den Kongressen in Budapest, Stockholm, Paris und London mit seinen deutschen Mit¬ arbeitern bewies, dass die deutschen Strassen- und Klein¬ bahnen inbezug auf elektrischen Betrieb und Verwaltung an der Spitze sämmtlicher gleicher europäischen Verwal¬ tungen stehen. Hamburg mit seinem weitverzweigten Strassenbahn- Netz, welches das beste der deutschen Grosstädte sein dürfte, dankt Röhl viel inbezug auf die seit 20 Jahren ungeheuer gesteigerte Verkehrs-Entwicklung, so dass ihm ein ehrenvolles Andenken stets bewahrt bleiben wird. — Hr. Arch. Rambatz erstattet namens des am 4. März 1901 gewählten Ausschusses den Bericht über die Ar¬ beiterwohnungsfrage, welcher in einem Werk von 81 grossen Bogenseiten schriftlich niedergelegt ist. Mit¬ glieder des Ausschusses waren die Arch. Elvers, Ram¬ batz, Vicenz, Bauinsp. Ruppel und Dr. Wentzel, welche den sehr eingehenden Bericht in 12 Sitzungen be- rathen haben. Er bildet eine werthvolle Unterlage für die Lösung genannter Wohnungsfrage und ist würdig, in weiten Kreisen verbreitet zu werden, wenn auch Theile desselben hauptsächlich auf die Hamburger Wohnungs¬ frage hinweisen. Neben Wohnungs-Statistiken und Ein¬ kommensteuer-Statistik sind Untersuchungen gegeben über das Verhältniss der Vermehrung der Wohnungen zur Ver¬ mehrung der Bevölkerung, über die Kapitalsanlage für 26 grössere und kleinere Wohnungen, über die Gründe des Zurückziehens des Kapitals vom Grundeigenthum, sowie über den Einfluss des Hypothekenmarktes auf das letztere und den Einfluss baupolizeilicher Bestimmungen auf die Bauthätigkeit. Es folgen Angaben über die Beschrän¬ kung der Geschosszahl in Wohnhöfen und die Zahl der von einer Treppe aus zugänglichen Wohnungen, sowie über Vorplätze innerhalb der Wohnungen, Anlage von Klosets innerhalb oder ausserhalb der letzteren und über höhere Herstellungskosten der kleinsten Wohnungen von 1 Zimmer mit Küche, denen sich Betrachtungen über An¬ lage gemeinsamer Waschküchen, über die Konstruktions- Vorschriften der Baupolizei, sowie die Ausstattung der Gebäude anschliessen. Eingehend besprochen ist die Be¬ schränkung der Zahl der Wohnungen bei Wohnhöfen und das Verbot der Zusammenlegung, auch hinsichtlich der Errichtung von Baublöcken und der Anlage schmaler Wohnstrassen. Vorgeschlagen werden Maassregeln zur Wiederbe¬ lebung der Bauthätigkeit und zur Erleichterung der Geld¬ beschaffung durch den Hypothekenmarkt und die Hypo¬ thekenbanken, wobei auch die in Hausbesitzer- und Grund- eigenthümer-Vereinen seit einiger Zeit erwogene Frage der Hypotheken-Versicherung gestreift wird. Bei der Besprechung der Steigerung der Bodenpreise durch die Grundstücks -Spekulation werden als Abhilfe¬ maassregel die Bereitstellung von Bauland nach dem Erb¬ baurecht beleuchtet und die Aufschliessung bebauungs¬ fähigen, billigen Geländes durch den Bau von Stadt- und Vorortbahnen. Als wirksamstes und billigstes Mittel, den Arbeitern gesunde Wohnungen zu schaffen, wird die Verlegung der Betriebswerkstätten an die Peripherie der Städte bezeichnet, weil die Arbeiterschaft dann von selbst dorthin ihre Wohnungen verlegen wird. Als ge¬ setzliche Maassregel zur Förderung des Baues kleiner Wohnungen konnten nur die Aenderung der Bestimmun¬ gen über die Mündelsicherheit der Hypotheken und der Erlass der Grundsteuer für kleine Wohnungen empfohlen werden. Von einer Aufstellung allgemeiner technischer Grund¬ sätze für den Bau kleiner Wohnungen hat der Ausschuss Abstand genommen, weil die Forderung billiger, zweck¬ mässiger, gesunder und wenn möglich geschmackvoller Herstellungen selbstverständlich erscheint. Die Entschei¬ dung über technische Einzelheiten der Bauausführung ist stets von dem Zweck des Baues, den Arbeitslöhnen und der örtlichen Materialgewinnung abhängig. Nur durch ein verständiges Zusammenwirken der Technik mit der Gesetzgebung und der allgemeinen Volkswirthschaft wird sich die Beseitigung der vorhandenen Misstände in der Wohnungsfrage erreichen lassen. Dem Berichterstatter und dem Ausschuss stattete der Vorsitzende für die mühe¬ volle und äusserst gelungene Arbeit wärmsten Dank ab. Ueber die Verbreitung des Berichtes unter Behörden und Privaten soll der Vorstand nach demnächst einzuleitender Besprechung beschliessen. — Vermischtes. Besuche deutscher technischer Hochschulen. Die T ech- nische Hochschule in Charlottenburg wird im W.-S. 1902 — 1904 von zusammen 4378 Hörern gegen 4811 im gleichen Zeiträume des Vorjahres besucht. Unter ihnen befinden sich 3396 Studirende und 982 Hospitanten. Von den Studirenden kommen 477 auf die Abtheilung für Archi¬ tektur, 6+7 für Bauingenieurwesen, 1589 für Maschinen¬ ingenieurwesen, 347 für Schiffbau, 330 für Chemie und 6 für allgemeine Wissenschaften. — An der Technischen Hochschule in Hannover erreicht der Besuch im ange¬ gebenen Zeiträume 2018 Köpfe, unter ihnen 1292 Studi¬ rende und 726 Hospitanten. Erstere vertheilen sich wie folgt: Abtheilung für Architektur 147, Abth. für Bauingenieur¬ wesen 309, Abth. für Maschinen-Ingenieurwesen 544, Abth. für Chemie und Elektrotechnik 288 und Abth. für allge¬ meine Wissenschaften 4 Studirende. — Die Technische Hochschule in Aachen wird im W.-S. 1902/03 von zus. 821 Hörern, darunter 606 (542 W.-S. 1901/02) Studierende, besucht. Von letzteren kommen auf die Abtheilungen für Architektur 60, für Bauing. 68, für Maschinening. 179, für Bergbau, Chemie usw. 282 und für allgem. Wissenschaften 17 Besucher. — Die Technische Hochschule in Karlsruhe No. 4. ' > i : i timm- j yoefo*\ wurde im gleichen Zeiträume von 1866 Hörern gegen 1827 im entsprechenden Zeiträume des Vorjahres besucht. Davon entfallen auf die Ab¬ theilungen für Mathematik und allgemein bildende Fächer 9, für Architektur 320, für Ingenieurwesen 263, für Maschinenwesen 518, für Elektrotechnik 367, für Chemie 220 und für Forstwesen 31 Hörer. Hierzu treten noch 138 Damen und Herren für einzelne Fächer. — Der Rathhaus-Neubau der Stadt Duisburg. Im Anschluss an unsere Veröffentlichung über diesen Rathhaus-Neubau in No. 1 ff. bitten uns die Hrn. Reinhardt & Süssenguth in Charlottenburg festzustellen, dass für die Ausführung des Rath¬ hauses ihr Grundriss mit nur geringen Abände¬ rungen und die dazu gehörige Fassade mit der von ihnen gegebenen Gruppirung verwendet wurde. Die Architekten bemerken dazu: „Selbst¬ verständlich ist es durchaus berechtigt, alle Ge¬ danken preisgekrönter oder angekaufter Entwürfe, die aus einem Wettbewerb hervorgehen und die für eine Arbeit brauchbar sind, praktisch zu ver¬ wenden, wir wären die Letzten, welche dieses nicht thun würden. Wir verlangen aber wohl nicht mit Unrecht, dass es nicht verschwiegen bleibt, dass der Grundgedanke der ganzen Anlage von uns herrührt“. Das ist durchaus zutreffend, deshalb haben wir uns beeilt, diese Feststellung zu veranlassen. Es enthält die von uns zu unseren Ausführungen benutzte Festschrift über diese Urheberschaft nur den Satz, „dass die sonstige Anordnung der Räume nach dem von dem Hrn. Stadtbaurat Quedenfeldt vorgelegten Grund¬ plane erfolgen solle, bei welchem, wie bei dem Entwurf von Reinhardt & Süssenguth, zwei durch einen Mittelgang verbundene Höfe und um diese herum die Geschäftskorridore vor¬ gesehen sind.“ — Aus diesem Satze geht nicht ohne Weiteres hervor, dass es thatsächlich der Entwurf der Herren Reinhardt & Süssenguth war, welcher der Ausführung zugrunde gelegt wurde. — Preisbewerbungen. Ein neuer Wettbewerb zur Erlangung von Ent¬ würfen für ein neues Rathhaus in Dresden ist Dresdener Blättern zufolge beschlossen worden. Für das neue Haus ist ein verändertes Raum¬ programm aufgestellt worden, aufgrund dessen für den Neubau die durch Friedrichs-Allee, Ge¬ wandhausstrasse, Kreuzstrasse und Schulgasse begrenzte Fläche genügt. Für den Neubau sollen dem Vernehmen nach 8 Mill. M. bewilligt und es soll in Aussicht genommen sein, einem der Preisträger die Betheiligung an der Ausführung zuzusichern. Unter diesen Umständen gewinnt die uns weiter mitgetheilte Absicht, für die Be- 14. Januar 1903. 27 urtheilung des Wettbewerbes das alte Preisgericht zu berufen, doppelte Bedeutung. Schon bei dem ersten Wettbewerb ist darauf hingewiesen worden, dass das Ver- hältniss der Zahl der Preisrichter aus Dresden zu der Anzahl der auswärtigen Preisrichter nicht ein gleiches oder annäherndes war, wie das der aus Dresden und von auswärts eingelaufenen Entwürfe; es standen damals n Stimmen aus Dresden nur 2 Stimmen von auswärts gegenüber, ein Stimmenverhältniss, welches wohl den Wunsch nach einer Abänderung wecken kann. Indessen, wir wollen eine weitere Beurtheilung der Angelegenheit zurückhalten, bis das neue Ausschreiben, welchem die deutsche Architektenschaft mit Dank und Spannung ent¬ gegensieht, thatsächlich erfolgt ist. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Realgymnasial- Gebäudes ln Koblenz wird vom dortigen Bürgermeister als Ideen- Wettbewerb zum 15. April d. J. für in Deutschland ansässige Archi¬ tekten erlassen. Es gelangen 3 Preise von 2000, 1500 und 1000 M. zur Vertheilung; ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Dem Preisgericht gehören als Architekten an die Hrn. Reg.- und Brth. von Behr und Stadtbrth. Maeckler in Koblenz, sowie Hr. kgl. Brth. Ludw. Hoffmann in Berlin. Unterlagen unentgeltlich durch das Stadtbauamt in Koblenz. — Wettbewerb betr. die Bauten des 10. Deutschen Turn¬ festes 1903 in Nürnberg. Der eine Gewinner eines 11. Preises ist PIr. Paul Bittorf (nicht Pittort, No. 1) in Nürnberg. — Bücher. Elektrotechnik in Einzeldarstellungen. Herausgegeben von Dr. G. Benischke. Braunschweig 1902. Fr. Vieweg & Sohn. Heft I: Die Schutzvorrichtungen der Stark¬ stromtechnik; von Dr. G. Benischke. Heft II: Der Parallelbetrieb von Wechselstrom -Maschinen; von Dr. G. Benischke. Die „Einzeldarstellungen“ sind in erster Linie für Hoch- schul-Studirende und Ingenieure, die bereits in der Praxis stehen, bestimmt, und sollen jeweilig ein zusammenhängen¬ des Wissensgebiet in gedrängter Kürze behandeln. Als Verfasser der Monographien sind durchweg erste Kräfte aus der Praxis in Aussicht genommen. Die erschienenen Hefte sind mit zahlreichen Abbildungen ausgestattet. In dem ersten Hefte bespricht Dr. Benischke die ver¬ schiedenen Gefahren, welche einer Starkstromanlage durch den Blitz und andere atmosphärische Entladungen drohen, insbesondere darauf folgen de Kurzschlüsse, und klassifiziert die dagegen angewandten Schutzmittel. Der Begriff der „Empfindlichkeit“ einer Schutzvorrichtung wird begründet; die Frage nach der Periodenzahl der Entladungen findet eine eingehende Beleuchtung. Der Verfasser schliesst mit allgemeinen Rathschlägen über den Ort und den Umfang der in einer Anlage anzubringenden Sicherungen. Heft II behandelt das vielumstrittene Problem der Parallelschaltung von Wechselstrom-Maschinen, mit einer Einleitung über die analogen Verhältnisse bei Gieichstrom- erzeugern. Das Einschalten, Pendeln und Aussertrittf allen der Maschinen wird physikalisch, jedoch ohne mathe¬ matische Rechnungen erklärt; die rein praktischen Ge¬ sichtspunkte sind in den Vordergrund gestellt und die zu ergreifenden Maassnahmen für alle Stromarten und Ma¬ schinengattungen durchgeführt. — Dr. L. Reilstab. Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Kalender für Gesundheits-Techniker, Taschenbuch für die Anlage von Lüftungs-, Centralfieizungs- und Badeeinrich¬ tungen 1903. Herausgegeben von Ing. Herrn. Recknagel mit 68 Abb. u. 5 Tab. München. R. Oldenburg. Pr. 4. M. Neumeister, A., Prof. Deutsche Konkurrenzen. XIV. Bd., Heft 8, No. 164: Töchterschule für Giessen; Heft 9, No. 165: Volksbank für Koblenz; Heft 11 und 12, No. 167 und 168: Bahnhofs-Empfangsgebäude für Metz. XV. Bd., Heft 1, No. 169: Damenstift in Honnef. Leipzig 1902. Seemann & Co. Pr. für den Band (12 Hefte mit Beiblatt) 15 M., Einzelhefte ohne Beiblatt r,8o M. Ergänzungsheft 9: Erker; 10: Fassadentbeile. Einzelpreis M. 1,80. Subskriptionspr. 1,25. Seemann & Co. Olshausen, Johs., Bauinsp. Geschwindigkeiten in der organischen und anorganischen Welt bei Men¬ schen, Thieren, Pflanzen, Maschinen, Fahrzeugen, Geschossen, Gasen, Flüssigkeiten, Strassenläufen , Meeresströmungen, Gletschern, beim Erdbeben, der Atmosphäre bei Himmels¬ körpern und Naturkräften. Hamburg 1903. Bovsen & Maasch Pr. 9 M. J Reinhardt, O., gepr. Bmstr. Praktischer Rathgeber bei Herstellung der Druckleitungen aus Steinrohren für kleinere Wasserleitungen. Dresden 1902. C. Weiske. DerEntwurf B eines Reichsgesetzes: Die Siche¬ rung der Bauforderungen betr. mit Bezug auf die voraussicht¬ lichen Wirkungen in der Praxis. Dresden 1902. C. Weiske (Gg. Schmidt). Pr. 80 Pf. Personal-Nachrichten. Preussen. Versetzt sind: der Geh. Brth. Clausnitzer in Elberfeld als Ob.-Brth. (auftrw.) zur kgl. Eisenb.-Dir. in Frank¬ furt a. M., der Reg - u. Brth. Stündeck in Frankfurt a. M. als Mitgl. zur kgl. Eisenb.-Dir. in Elberfeld, der Eisenb.-Bau- u. Betr.- Insp. Meyer in Essen alsVorst. (auftrw.) der Betr.-Insp. nach Jülich. Verliehen ist: den Reg.- u. Brthn. Leitzmann in Hannover die Stelle eines Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. das. und Traeder in Posen die Stelle eines solchen in Posen ; den Eisenb.-Bauinsp. Fr. Müller in Thorn die Stelle des Vorst, der Eisenb.-Masch.- Insp. das., Lenz in Dortmund die Stelle des Vorst, eurer Werkst.- Insp. bei der Hauptwerkst. I das. und Oppermann in Salbke die Stelle des Vorst, der Eisenb.-Werkst.-Insp. das. Die Reg.-Bmstr. Otto Müller in Elberfeld, M e i s s e 1 in Halle a. S. und Eichemeyer in Hannover sind zu Eisenb.- Bauinsp. ernannt. Der Bauinsp. Fischer in Posen ist z. Reg.- u. Brth. ernannt und ist dems. die etatm. Stelle eines solchen bei der Ansiedelungs- Komm. das. verliehen. — - Versetzt sind: die Reg- u. Brthe. Eich von Stettin nach Berlin in die Bauabth. des Minist, der öffentl. Arb., Narten von Harburg nach Stettin ; der Landbauinsp. Brth. D a h m s in Posen mit Ernennung zum Kr.-Bauinsp. nach Breslau, der Kr.-Bauinsp. Brth. Butz in Breslau mit Ernennung z. Landbauinsp. nach Berlin; die Wasser-Bauinsp. Varneseus von Norden nach Husum und Joh. Meyer von Kolbergermünde Dach Norden; der Landbauinsp. Wilh. Schmidt von Berlin nach Koblenz. Dem Ob.-Lehrer Behr an der kgl. Baugewerkschule in Gör¬ litz ist in seiner Eigenschaft als Architekt der Ruhmeshalle das. der Tit. Prof, verliehen. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr. Wienecke der kgl. Eisenb.-Dir. in Berlin und Davidsohn der kgl. Eisenb.- Dir. in Kattowitz. Die Reg.-Bfhr. Bruno Schulze aus Berlin und Erich Labes aus Freienwalde a. O. (Hochbfch.), — Henri Niebuhr aus Hanno¬ ver (Wasser- u. Strassenbfch.), — Andr. Hansen aus Flittard (Eisenbfch.), — Rud. Jaeschke aus Mittelneuland und Ferd. Reeps aus Perleberg (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Der Wasser-Bauinsp. Panse in Norden ist in den Ruhestand getreten. — Den Reg.-Bmstrn Fr. Krej7 in Leipzig, Max Schubert in Berlin, Heinr. Meyer in Kattowitz, Sig. We is sen burger in Gera, Ant. Kümmel in Stettin, Heinr. Mehlis in Berlin und Gg. Simony in Königsberg i. Pr. ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst ertheilt. Der Eisenb.-Dir. Hinrichs in Breslau, der Geh. Brth. Keil in Breslau und der Landbauinsp. Brth. Grunert in Berlin sind gestorben. Brief- und Fragekasten. Hrn. M.-Mstr. H. in Glelwitz. Die Einleitung der Zwangs¬ enteignung wird muthmaasslich nach vorhergängiger Prüfung ihrer grundsätzlichen Zulässigkeit erfolgt sein, da die Enteignungs- Be¬ hörden eine solche vorzunehmen pflegen, bevor sie das Verfahren eröffnen. Es scheint auch nicht Zweifel an dem Enteignungsrechte der Gemeinde, sondern nur Meinungsverschiedenheit darüber zu bestehen, welcher Zeitpunkt für die Schätzung des Werthes maass¬ gebend ist. Nach dieser Richtung wird das Verfahren lediglich um deshalb bemängelt, weil in dem gemäss G. v. 2. Juli 1875 § 7 ausgelegten Plane das Grundstück nicht eingezeichnet gewesen sei, welches jezt Gegenstand der Enteignung bildet und ein gleicher Mangel in dem Feststelhmgsplane gemäss § 8 bestehe. Es kommt jedoch nur darauf an, ob die ausgelegten Pläne geeignet waren, die Grundstücke erkennen zu lassen, welche in das künftige Strassen- land fallen würden. Nur wenn eine solche Erkenntniss ausgeschlossen war, würde das Auslegungs- und Feststellungs-Verfahren an einem wesentlichen Mangel leiden und deshalb beanstandet werden können. Erfahrungsgemäss pflegen solche Mängel nicht zu bestehen. Ueber ihr Vorliegen im Einzelfalle könnte nur die Einsicht der betreffenden Pläne ein sicheres Urtheil verschaffen. Sofern jedoch die ausge¬ legten Pläne keinen Zweifel darüber liessen , um welche Grund¬ stücke es sich handelte, würde gemäss a. G. § n der Verlust der Bebaubarkeit auf den Zeitpunkt zu verlegen sein , in welchem die Offenlegung des Planes gemäss § 8 erfolgt war. Uebrigens ist es Ihnen als Sachverständigem unbenommen, die WerthschätzuDg nach bestem Gewissen und freiem Ermessen vorzunehmen und Ihr Gut¬ achten dahin abzugeben , dass Sie die Jetztzeit für die Werthbe¬ messung für maassgebend halten, dann bleibt es der Enteignungs- Behörde und den mit der Sache zu befassenden Gerichten Vorbe¬ halten, inwieweit sie Ihre Auffassung theilen wollen. — K. H-e. Hm. Arch. Fr. W. in Siegersdorf. Werke über transportable Asbestschieferbauten in Holz- und Eisenkonstruktion sind uns nicht bekannt. Ausser den Katalogen der Firmen, die sich mit solchen Ausführungen befassen, dürfte es auch schwerlich darüber etwas geben. Im übrigen lässt sich Ihre Anfrage im Rahmen des Brief¬ kastens nicht beantworten. Wir empfehlen Ihnen, sich unmittelbar an die Firmen um Angabe ausgeführter Bauten zu wenden und dann Erkundigungen einzuziehen. Wir nennen Ihnen unter anderen Asbestwerk Alfred Caltnon, sowie Hrch. N.Kröger in Hamburg, Asbestzement-Fabnk Kühlewein & Co. in Berlin. — F. P.-H. und Abonnent in Frankfurt a. M. Anfragen ohne Unterschrift und ohne Nachweis des Bezuges der Zeitung müssen bei der starken Beanspruchung des Briefkastens zu unserem Bedauern grundsätzlich unbeantwortet bleiben. — Inhalt: Fussweg-Ueberführung in Monier-Konstruktion auf der Linie Koblenz-Trier. — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbe¬ werbungen. — Bücher. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H„ Berlin. Für die Redaktion verantwort!. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 4. 28 5 Dü E o X 5 N D Pü cc 2 X w G O 2 P Gl G Dü H 01 X ;.ü E X ui Q Dü >-H £ Dü 2 * Hl Dü 111 2 * 10 m cd < o * Ü 2 HH G E * o w * * E -x- N ü G 5 * < < m S*S5tS*SSSS* EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * st*««»«»«««*««« AUZEITUNG. GANG. * * N2- 5. * DEN 17. JAN. 1903. * «SSSSSSSSSS2SS Die Wiederherstellung der Kreuzkirche in Dresden. Architekten: Schilling & Gräbner in Dresden. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 31 und 32.) ir haben in Nummer 75 des Jahr¬ ganges 1898 der „ Deutschen Bau¬ zeitung“ über die Vorarbeiten zur Wiederherstellung der durch einen verheerenden Brand heim¬ gesuchten Kreuzkirche in Dres¬ den berichtet und dabei der An- schauungRaum gegeben, dass der in wiederholtem Wettbewerb durch die Hrn. Schilling &Gräbnerin Dresden errungene Bauauftrag eine künst¬ lerische Aufgabe bedeute, „deren überaus ansprechende Lösung Deutschland um ein stattliches Werk in einer verhältnissmässig seltenen Stilfassung bereichern wird“. Die hier gehegte Erwartung ist nach der Vollendung des Werkes in vollem Maasse eingetroffen, ja, sie wurde in stilistischer Beziehung vielleicht noch über¬ troffen, denn selten ist in der Gegenwart ein nicht in voller Unabhängigkeit befindliches Werk geschaffen worden, bei welchem die künstlerische Erfindung eine so freie und neue, und dabei doch wieder eine so einheitliche und in den gegebenen Rahmen sich ein¬ ordnende war, wie die heute in schöner Harmonie vor uns stehende verjüngte Kreuzkirche. Ueber die thatsächlichen Verhältnisse sind die Leser aus dem an¬ geführten Aufsatze bereits unterrichtet ; wir stellen, um dieselben nochmals kurz in Erinnerung zu bringen, aus jenemJAufsatze die Grundrisse des alten und des neuen Zustandes neben einander und ergänzen dieselben durch eine perspektivische Linienzeichnung des Inneren der Kreuzkirche vor dem Brande (S. 30). Die übrigen diesem Aufsatze beigegebenen Abbildungen sind Aufnahmen nach der Natur; sie sollen die freie Weiträumigkeit des Inneren nach dem Umbau und die glückliche formale Behandlung zeigen. Tritt der Besucher heute durch das Hauptportal in die Kirche, so umfasst sein Blick sofort in vollem Umfange den ganzen Kirchenraum bis empor zu der hochgewölbten Decke. Die starken Pfeilerbildungen und die niederen Emporen der alten Kirche sind ver¬ schwunden; die Betstübchen als Reste einer unserer sozialen Anschauung fremden Einrichtung längst ver¬ gangener Zeiten sind beseitigt; frei und hoch wölbt sich der Raum, frei und unbehindert richtet sich der Blick des Besuchers auf die Orte, an welchen die gottesdienstliche Handlung vor sich geht. Die Emporen sind so angelegt, dass das volle Licht unverkümmert Zutritt zu dem mächtigen Kirchenraume hat und ihn in leichter Dämpfung in allen Theilen fast gleich- mässig erhellt. Die Hauptmaasse der Kirche mussten natürlich durch die gegebenen Umfassungsmauern die gleichen bleiben, wie früher. Nichtsdestoweniger konnte innerhalb dieser Grenzen für das Innere eine nicht unerheblich grössere Weiträumigkeit dadurch erzielt werden, dass einmal anstelle der starken, mehrfach 29 gegliederten Pfeiler schwächere runde Säulen gewählt wurden, dass ferner die Architekten die Emporen bis zum Altar hinführten und dass endlich das jetzt 28 mi hohe Gewölbe etwa 1,5 m höher angeordnet wurde, als früher. In konstruktiver Hinsicht ist zu bemerken, dass nach den Anordnungen des Hrn. Bauinsp. Böhme als konstruktiven Mitarbeiters der Architekten fast die gesammte in Eisen durchgeführte Dachkonstruktion auf den Säulen ruht und nur soviel der Last auf die Umfassungsmauern übertragen ist, als diesen Mauern aus der Flächenhalbirung zwischen Pfeilern und Um- fassungzukommt. Die Stützen haben einen eisernen Keim erhalten, der mit Ziegeln ummauert ist, und sind aussen durch einen Moniermantel umkleidet. Das Decken¬ gewölbe mit seinen eigenartigen Flächenbildungen ist gleichfalls in Monier erstellt. Die Kirche misst in ihrer Hauptaxe vom Portal bis zum Altar 40 m, in der Queraxe zwischen den Umfassungsmauern 36“; sie ist also auch schon durch diese Maasse in ausgesprochenem Sinne eine Zentralkirche für den in erster Linie auf die Wirkung des Wortes gestellten protestantischen Gottesdienst. Die Fenster der Kirche mit Darstellungen aus der Sie bestehen aus Kathedral- und aus Opalescentglas; die figürlichen Darstellungen sind aus letzterem Glase mosaikartig in entsprechend grossen Stücken zu¬ sammengesetzt, Glasmalerei ist vermieden. Die Fenster haben die Bestimmung, in erster Linie die mit reichem plastischem Schmuck bedeckten Flächen des Inneren, die vorwiegend weiss blieben, zu beleuchten; erst in zweiter Linie, soweit es die erwünschte leichte Dämpfung des Lichtes zuliess, kommen die Fenster als selbständige künstlerische Gebilde zur Geltung. Reich ist der plastische Schmuck allenthalben in dem schönen Gotteshause verwendet, in ihn wurde neben der Raumwirkung das Schwergewicht der künst¬ lerischen Wirkung gelegt. Heinrich Eppler, Prof. Dietrich in Leipzig, Friedr. Offermann, Richard König, Ernst Paul und Arnold Kramer sind die phantasievollen Bildner des reichgeschmückten Altars. Prof. Karl Gross und Bildhauer Hottenroth sind die Künstler der herrlichen holzgeschnitzten Kanzel (S. 31), Peter Pöppelmann und Hans Hartmann-Maclean schufen die köstlichen Bildhauerarbeiten der Orgel¬ empore; die Orgel selbst lieferten Gebr. Jehmlich. Weiterhin waren bei den künstlerischen Gestaltungen thätig der Bildhauer Heinr. Wedemeyer und nament¬ lich der bereits erwähnte Bildh. Hottenroth von der Firma Karl Hauer, ein Künstler, dessen ausserordent¬ lichem Können die umfangreichen ornamentalen Stück¬ arbeiten des weiten Inneren an Decke, Wänden und Stützen anvertraut waren. Wohin wir blicken, ein¬ heitliche, vom Geiste der Architekten beherrschte künst¬ lerische Bildungen: Balustraden, Gitter, Thüren, Kan¬ delaber, Leuchter, sowie die kleinsten Ausstattungs¬ stücke der Kirche athmen den gleichen künstlerischen Geist. Einige sich nicht einordnende Widmungen mussten hingenommen werden. Als künstlerischer Mit¬ arbeiter stand den Architekten Hr. Arch. Lischke zur- seite, dieBauleitung an Ort und StellehatteHr. D i m m 1 er. Bei und gleich nach der Einweihung des neugestalte¬ ten Gotteshauses gingen die Wogen der Meinungen über die Stilfassung hoch, sehr hoch; man nannte die Kirche modern im vollsten Kampfsinne des Wortes, ja man entrüstete sich über ihren modernen Charakter als im Gegensätze stehend zu ihrer Bestimmung als Gottes¬ haus. Und heute vereinigen sich auch ihre früheren Geg¬ ner mit den zahlreichen alten Bewunderern der seltenen Schöpfung zu dem Urtheile, dass wir in der letzteren zwar ein selbständiges, von Nachahmung freies, künst¬ lerisch hochbedeutendes, aber keineswegs ein umstürz- lerisches Werk vor uns haben. Das ist das eigenthüm- liche Merkmal der voraussichtlich dauernden Werke der modernen Bewegung, dass sie von Künstlern ausgehen, welche sich nicht entschliessen können, die Ueber- lieferung völlig zu verlassen. Und wenn, wie wir hoffen, die neue Kreuzkirche in Dresden noch in fernen Jahr¬ zehnten ihre mächtige künstlerische Einwirkung auf die Gläubigen ausüben wird, so wird sie dies, weil sie das Gefühl und den Glauben an die Kontinuität auch der Ereignisse in der Welt der Kunst weckt und wach erhält. — _ u _ Das Bauwesen im deutschen Reichshaushalt für das Jahr 1903. pjppj m 10. d. M. ist dem deutschen Reichstage der Entwurf J.es Haushalts-Etats für 1903 zugegangen, der mit einer Gesammtsumme von 2 464 972 734 M. abschliesst. Davon entfallen auf einmalige Ausgaben 466327966 M. und hieran nimmt das Bauwesen mit fast 103 Milk M. theii. Trotz der ungünstigen Finanzlage sind die Aus¬ gaben des Reichs aus dem ordentl. Etat um rd. 71,68 Milk M. und aus dem ausserordentl. um rd. 88,8 t Milk M. gegen das Vorjahr gestiegen. An dieser Steigerung nimmt auch das Bauwesen in erheblichem Maasse theii. Es wird das be¬ sonders damit begründet, dass die Regierung die ohnehin vorhandene wirtschaftliche Stockung nicht noch weiter verstärken, namentlich nicht zu einer weiteren Verminde¬ rung der Arbeitsgelegenheit beitragen dürfe. Aus diesen Gründen erschien trotz grosser Sparsamkeit im Einzelnen eme gewisse Erhöhung gegenüber dem Vorjahre geboten. Wie alljährlich, steht die Verwaltung des Reichs» he er es mit rd. 26,25 Milk M. an der Spitze der Aus» gaben, doch kommt die Marine mit rd. 22,5 Milk M. ihr sehr nahe. Nächstdem folgen die Verwaltung der Reichs» eisenbahnen mit rd. 15,82 Milk, das Reichsamt des Inneren, dessen Etat namentlich durch den Neubau des i atentamtes einen ungewöhnlich hohen Stand annimmt, 30 mit rd. 14,4 Milk M., die Reichspost, welche ebenfalls grössere Neubauten plant, mit rd. 13,17 Milk M., die Ver¬ waltung der Schutzgebiete in diesem Jahre mit massigeren Forderungen von rd. 9,6 Milk M. Erwähnt sei hier gleich noch, dass das Auswärtige Amt für bauliche Zwecke, namentlich die Erweiterung seines Dienstgebäudes (2. Rate 400000 M.), sowie für Konsulats -Gebäude in Yokohama, Hankau, Nanking, zus. 824500 M. fordert, während die Reichsdruckerei den Betrag von 313 150 M. für Grunderwerb und Inangriff¬ nahme des Erweiterungsbaues ihres Dienstgebäudes, und der Rechnungshof 100000 M. für den Umbau bezw. die Erweiterung der alten Kriegsschule in Potsdam verwenden will, die zu einem Dienstgebäude für diese Verwaltung umgewandelt werden soll. Im Einzelnen gliedern sich die Ausgaben der ver¬ schiedenen Verwaltungszweige wie folgt: Bei der Ver¬ waltung des Reichsheeres steht den Ausgaben eine beträchtliche Einnahme namentlich aus dem Verkauf von Kasernen -Grundstücken (in Berlin allein eine Rate von 4 583 900 M. für die Garde-Kürassier-Kaserne), sowie von frei werdendem Festungs- Gelände (Metz 1,1 Milk, Posen 3 Milk M.) gegenüber, die einen Gesammtbetrag No. 5. von rd. 14 MULM, erreichen. Die Ausgaben vertheilen sich folgendermaassen: Preussen 17,6, Eisass - Loth- Kanzel in der Kreuzkirche in Dresden. Architekten: Schilling & Gräbner in Dresden. ringen 4,2, Sachsen 3,1, Württemberg 1,3 Mill. M. Den Hauptantheil der Ausgaben fordert die Garnisonverwaltung für Kasernen-Neu- bezw. Um- und Erweiterungs-Bauten. — In Preussen sind hervorzuheben 855724 M. für das Militär - Eisenbahnwesen (darunter auch Verbesserungen an der Militär -Eisenbahn in Berlin-Schöneberg), 580000 M. für Lübbecke’- sches Brückenmaterial zu Feldbahnbrücken, 1359000 M. für den weiteren Ausbau der technischen Institute der Artillerie in Spandau und Haselhorst. Das Militär -Medizinalwesen erfordert 1 843 890 M. für bauliche Zwecke, darunter neue F orderungen für Lazarethbauten in Berlin-Tempelhof, Altenburg, Altona, Danzig, Mannheim. Für den Entwurf des Neubaues der Kaiser Wilhelms-Akademie in Berlin, so¬ wie zur Ausschreibung eines Wettbewerbes für einen Vorentwurf ist eine 2. Rate ein¬ gesetzt. Eine 1. Rate von 10 000 M. wird für den Entwurf eines physikalisch -ballistischen Laboratoriums für die militärtechnische Hochschule in Berlin gefordert. Aus der beigegebenen Denkschrift geht hervor, dass die Regierung an dem Plane einer derartigen Anstalt festhält. Dieselbe soll zunächst jedoch in vorhandenen Räumen Unterkommen. Neue Kasernenbauten sind geplant in Berlin Schöneberg für 1 Eisenbahn-Regiment, 1. Rate 500000 M. (Ges. -Summe 2068000 M ), in Diedenhofen, Rottweil; im übrigen handelt es sich meist um angefangene und weiter fortzuführende Bauten. In Preussen entfallen allein auf Garnisonbauten 7,7, in Elsass-Loth- ringen 3,7, in Sachsen 2,4 Mill. M. Erwähnt sei hier noch, dass die Zahl der Garnison-Baubeamten eine Vermehrung erfah¬ ren soll, nämlich in Preussen um 1 Intendantur- und Baurath, 2 Garnison-Bauinspektoren , in Württemberg um 1 Intendantur- und Baurath. Die Ausgaben der Reichsmarine sehen im ordentlichen Etat fürEr weiterungsbauten der Werften in Wilhelmshaven, Kiel (1275000 M.j, Danzig zus. 2,26 Mill. M., für die Garnison- Verwaltung 1,27 Mill. M. vor. Unter letzteren ist eine 1. Rate von 80000 M. für Entwurf usw. zum Neubau des Reichsmarine-Amtes in Ber¬ lin (Ges.-Kosten rd. 10 Mill. M.) hervorzuheben. Die Verwaltung ist jetzt in 8 getrennten Ge¬ bäuden, z. Th. in Miethräumen untergebracht. Der Bau ist ohne Grunderwerb auf rd. 4 Mill. M. geschätzt. Im ausserordentlichen Etat sind 6,02 Mill. M. für den Grunderwerb vorge¬ sehen (dem aber 3,5 Mill. M; aus dem Ver¬ kauf der alten Grundstücke gegenüberstehen dürften). Im übrigen sind noch 12,68 Mill. M. für Bauten in Kiel, Wilhelmshaven und Dan¬ zig vorgesehen, darunter weitere Raten für den Bau von 2 Trockendocks in Kiel (Ges.- Summe 17 Mill. M.) und Wilhelmshaven (Ges- Summe 10,3 Mill. M.), sowie für den Ausbau der Werften daselbst (Ges.-Summe 10 bezw. 32,6 Mill. M,). Trotz dieser noch in Ausfüh¬ rung begriffenen grossen Bauten sind schon wieder neue Erweiterungen geplant und zwar für Wilhelmshaven ein 3. Trockendock (Ges.-S. 4 Mill. M.) 1. Rate 250000 M, ferner eine 1. Rate von 1 Mill. M. für Herstellung neuer Liegeplätze für Torpedoboote im Ems- Jade-Kanal (Ges.-S. 5,12 Mill. M.), um die Hafenbecken für die grossen Fahrzeuge frei zu halten. Baggerungen zwecks Vertiefung der Jade auf 10 m erfordern zunächst 100000 M. (Ges.-S. 1,7 Mill. M.). In Kiel soll ein Schwimm¬ dock für grosse Torpedoboote erbaut werden, und für Danzig ist zur weiteren Entlastung von Kiel und Wilhelmshaven eine Erweiterung (Ges.-S. 2,35 Mill. M ) vorgesehen, für welche zunächst 650000 M. gefordert werden. Die bedeutenden Erweiterungen der Werf¬ ten und die stetige Zunahme der Geschäfte bedingt auch eine Vermehrung des ständigen höheren technischen Personales. Es werden neu gefordert: je 2 Stellen für Betriebsdirek¬ toren für Schiffs- und Maschinenbau bezw. für den Hafenbau, 4 Baumeisterstellen für Schiffs¬ und Maschinenbau und 2 desgl. für Hafenbau. Die Reichseisenbahn - Verwaltung deckt ihre Ausgaben aus den eigenen Ein¬ nahmen. Diese stellen sich auf rd. 87,9 Mill. M., die Betriebsausgaben auf 66,8 Mill., sodass sich ein Ueber- schuss von 21,1 Mill. M. ergiebt. (3 Mill. weniger als 1902). An 17. Januar 1903. 3i laufenden Ausgaben für bauliche Zwecke einschl. Ergänzung begriffene Arbeiten, darunter Raten von je 2 Mill. M. für und Erhaltung der Betriebsmittel sind reichlich 30 Mill. M. die Verlegung der Strecke Strassburg- Mitte Rhein bei aufzuwenden. Die einmaligen Ausgaben berechnen sich Kehl (Ges.-S. 8,1 Mill. M.), Bau der Linie Metz-Vigy-Anze- nach dem ordentl. Etat zu 3,11, nach dem ausserordentl. lingen (Ges.-S. 19,45 Mill. M.), 1,28 M. für den Bau der Etat zu 12,71 Mill. M. Unter den ersteren Ausgaben^ist Bahn Fentsch nach Deutsch Oth (Ges.-S. 8,98 Mill.) und Die Wiederherstellung der Kreuzkirche in Dresden. Architekten: Schilling & G räbner in Dresden. emlich die Summe von 1,9 Mill. M. (1902 2,5 Mill.) für je 1 Mill. M. für den Rangirbahnhof Flörchingen (5,11 Milk), e ermehrung der Betriebsmittel hervorzuheben. Neu die Erweiterung des Bahnhofes Colmar (4,9 Milk), die sm Ausgaben im Betrage von 200000 M. für Umgestal- Nebenbahn Metz-Chäteau Salins (6,85 Milk). (Die mittlere ngen am Strassburger Bahnhofe. Der ausserordentliche Betriebslänge der Reichseisenbahnen beträgt für 1903 im- iuat umfasst im wesentlichen nur schon in Ausführung ganzen 1948,8 km, davon 69 km Schmalspurbahnen.) 32 No. 5. Z £ ^ W co O hH:t> k! D n r-i „ O CO W W W CO ^ pL« . »*i gSgSg* *«|sS§ H ^ h Ir w d £ K Z ^ O K W Ü w co W ö ^ oö .. £ K h W ” * :i: ö w £h o ^ k.3 ~/. tt' W ^ Q S K M CG w rj D O & SO äw -1^4« (V.Cd* .\V«i fK$i ÄM Vf'M3«'»* 1 >'«Vv« ,A« VJ « 17. Januar 1903. 33 Im Etat des Reichsamtes des Inneren bildet den Hauptposten die Summe von 5883980 M. als 3. Rate für den Neubau des Patentamtes und zwar für den Grund¬ erwerb, die Gründungsarbeiten und einen Theil des Roh¬ baues; Gesammt- Anschlag liegt noch nicht vor. 640000 M. erfordert der Kaiser Wilhelm-Kanal, für Schleppdampfer, Er¬ weiterungen der Ausweichen und Vertiefungen. Für die Aus¬ schmückung des Reichstagsgebäudes sind wieder 100000 M. vorgesehen, 110000 M. als letzte Rate für das Präsidial¬ gebäude. 150000 M. erfordert die Hohkönigsburg, 50000 M. das Standbild Kaiser Friedrichs in Berlin (700 000 M. Ges.- Kosten). Neu sind die Forderungen von 75 000 M. als 1. Rate für die Errichtung eines Laboratoriums für die baktereologische Abtheilung des Reichsgesundheits-Amtes in Dahlem, sowie von 345000 M. für die Erweiterung des statistischen Amtes in Berlin. Hervorzuheben ist beson¬ ders der Betrag von 1,5 Milk M. als 1. Rate für die Be¬ theiligung des Reiches an der Weltausstellung in St. Louis (Ges.-Kosten 2,5 bis 3 Mill. M.). Dieser Betrag wird aller¬ dings wohl nur zum kleineren Theile baulichen Zwecken dienen. Ins Auge gefasst ist hauptsächlich eine Vertretung Deutschlands auf dem Gebiete der bildenden Künste, des Kunstgewerbes, des Unterrichtswesens (Hochschulen) und der wissenschaftlichen Apparate. Auf den ersten beiden Gebieten soll namentlich der Wettbewerb mit Frankreich aufgenommen werden. Im ausserordentl. Etat sind wieder¬ um 4 Milk M. zur Förderung der Herstellung genügender Kleinwohnungen für Arbeiter, Beamte usw. eingesetzt. Die Reichspostverwaltung würde dem Reichs¬ amte des Inneren noch voranstehen, wenn man die i,5Mill.M. für St. Louis vom Etat des letzteren ganz abzieht. Sie enthält im ordentlichen Etat der einmaligen Ausgaben nicht weniger als 53 Einzelpositionen für bauliche Zwecke. Darunter ist übrigens die Summe von 1,6 Milk M. ent¬ halten für reinen Grunderwerb zu Erweiterungen und Neubauten namentlich in Lübeck und Leipzig (Gesammt- Summe 985000 M.) für ein Postgrundstück am zukünftigen Zentralbahnhof). Neu sind Forderungen für Erweiterung, Um- bezw. Neubau von Postgebäuden in Barmen, Char¬ lottenburg, Kleve, Köthen, Elberfeld, Hörde, Kassel (Ges.-S. für K. 1 375 000 M.), Leipzig, Osnabrück und Wiesbaden (Ges.-S. für W. 939 100 M.). Berlin erscheint nur bei dem Grunderwerb mit 82063 M. (Ges-S. 350000 M.). Es handelt sich um den Ankauf des sich jetzt noch in den ausgedehn¬ ten Komplex des Hauptpostamtes an der Königstrasse ein¬ schiebenden Privat- Grundstückes. Für den Ankauf von Wohnungen für Unterbeamte namentlich in Landorten und bei allein gelegenen Bahnhöfen sind 1,4 Milk M. vorgesehen. Im Etat der Schutzgebiete sind dieses Jahr mehr als 3 Milk M. weniger gefordert als im Vorjahre, insge- sammt 9,6 Milk M. Davon verlangen : Kiautschou 6,77 Milk, Ostafrika 1,22 M., Süd westafrika 1 Milk M., Kamerun 289 000, Neu-Guinea 99000, Togo 96600, Samoa 85000, die Karo¬ linen, die Palau- und Marianen-Inseln 42,500. Kiautschou erfordert also allein mehr als 2/3 der Ges.-Summe. Für Baggerarbeiten im Bootshafen und Bau des Handelshafens werden fast 3 Milk M. nöthig, ausserdem 1,5 Milk M. als weitere Rate für den Bau eines Schwimmdocks nebst Repa¬ raturwerkstätten usw. 106000 M. sollen für Aufforstung und für Regulirung der Wildbäche verwendet werden, ferner 500000 M. für Strassenanlagen und Befestigung derselben, für den Ausbau der Wasserleitung und die Anlage von Kanälen zur Abführung des Regen- und Schmutzwassers in Tsingtau, 1,25 Mül. M. für das Gou¬ vernements-Gebäude, Kaserne, Lazareth, Schlachthaus usw. Für Arbeiterhäuser und sonstige Wohnhäuser sollen ferner 200 000 M. aufgewendet werden. In Ostafrika bildet den Hauptbetrag die Summe von 1 Milk M. für die Fortführung der Eisenbahn Tanga- Muhesa-Korogwe bis Mombo, für welche eine Bauzeit von drei Jahren in Aussicht genommen ist. Diese Weiter¬ führung erscheint nothwendig, um der Bahn entsprechen¬ den Verkehr zuzuführen; 117000 M. sind für Hochbauten verschiedener Art, 100000 M. für Strassen bestimmt. Sü d westafrika erfordert für sich für Hochbauten 360 coo M., für Wege und hauptsächlich für Brunnen¬ anlagen 200000 M., für die Beendigung des Molenbaues usw. in Swakopmund 250000 M. Der Hafen wird dort zu Beginn des Rechnungsjahres betriebsfähig werden. Für den Ausbau der Eisenbahnlinie Swakopmund — Wind- hoek nach der Richtung der Sicherung des Betriebes sollen 205 000 M. verausgabt werden. Bekanntlich ist die Linie schon am 1. Juli 1902 dem Verkehr übergeben worden. Bis zum Schluss des Rechnungsjahres 1901 waren 13,95 Mill. M. dafür aufgewendet. Insgesammt werden sich die Kosten auf 15,7 Milk M. stellen, also mit 40 000 M. auf 1 km noch immerhin billiger sein als die Mehrzahl der afrikanischen Bahnen. Die Bahn hat eine Gesammtlänge von 382 km. sie wurde auf der Strecke bis Jakalswater im Herbst 1897 mit Rücksicht auf die Rinderpest, die ein anderes Verkehrsmittel zur Herbei¬ schaffung von Lebensmitteln nach dem Inneren dringlich machte, ohne Vorarbeiten als Feldeisenbahn ausgeführt und in gleicher Weise bis Karibib, also insgesammt auf 194,5 km von Swakopmund aus hergestellt. Durch diese wenig günstige Ausführung ergeben sich nachträglich grosse Betriebserschwernisse, die Abänderungen in grösse¬ rem Maasstabe erforderlich machen werden. Günstiger liegt der Fall hinsichtlich der weiteren Strecke bis Wind- hoek, für welche zuvor sorgfältigere Geländestudien gemacht wurden. Die Spurweite ist 0,60 m. Ein besonderes Kapitel des Etats ist der Expedition nach Ostasien gewidmet. Unter den einmaligen Kosten befindet sich als 1. Rate für den Bau eines massiven La- zareths für die Schutztruppe der deutschen Gesandtschaft in Peking der Betrag von 200 000 M. (Ges.-S. 350 000 M.) Bisher wurden Döcker’sche Baracken verwendet, die sich aber unter den besonderen Verhältnissen dort nicht als geeignet und als ungesund gezeigt haben. Es sei erwähnt, dass dort Temperaturschwankungen zwischen — 20 0 und -)- 45 0 Celsius Vorkommen. — Das Bauwesen ist hiernach, trotz der ungünstigen Ver¬ hältnisse, ziemlich reichlich bedacht und weist eine Reihe neuer Aufgaben grösseren Umfanges auf. — Die Schiffbarmachung des Main von Hanau bis Aschaffenburg. eber die Vorarbeiten zur Fortsetzung der Main- Kanalisirung von Hanau bis Aschaffenburg wird seitens der bayerischen Regierung die offiziöse Mit¬ theilung verbreitet, dass nach mehr als zweijähriger Arbeit die Pläne und Kostenberechnungen für die Kanalisirung des Mains von Hanau aufwärts bis Aschaffenburg und für Herstellung einer grösseren Umschlagsanlage unterhalb Aschaffenburg fertiggestellt seien. Der Entwurf, welcher in den Einzelheiten in stetem Benehmen mit der kgl. obersten Baubehörde und der Generaldirektion der kgl. Staatseisenbahnen entworfen wurde, hat zunächst die Zu¬ stimmung der betheiligten Staatsministerien gefunden und wird, vorausgesetzt, dass die voraussichtlich in Bälde wieder aufzunehmenden Verhandlungen mit Preussen zu einem Ergebnisse führen, den Gegenstand einer besonderen Vor¬ lage an den bayerischen Landtag bilden. Nach dem Entwurf ist für die Ausführung der Anlage ein Gesammt-Kostenaufwand von 24 Milk M. erforderlich. Die kleinere Hälfte dieses Betrages, 9,5 Milk M., entfällt auf die Herstellung von vier Staustufen bei Krotzenburg, Grosswelzheim, Kleinostheim und Mainaschaff. Zwei weitere Staustufen, bei Mainkur und Kesselstadt, würden auf Kosten Preussens herzustellen sein. Zu jeder Stauanlage gehört die Schleuse, welche als Schleppzug-Schleuse mit ge¬ böschten Wänden und einer nutzbaren Länge von 300 m hergestellt und im Interesse des Kleinschiffahrtverkehrs durch Einbauung eines Zwischenhauptes in zwei Kammern von je 100 und 200 “ Länge getheilt ist, ferner das Nadel¬ wehr mit Schiffsdurchlass und Fluthöffnung, der Floss- kanal mit Trommelwehrverschluss und ein Fischpass. Die Breite der Schleusen beträgt an den Häuptern und der Sohle 12 m , die Einfahrtskanäle sollen eine Länge von 130 m, die Ausfahrtskanäle eine solche von 200 m mit je 20 m Sohlenbreite erhalten. Die Höhe des Aufstaues an den einzelnen Nadelwehren beträgt 2,31 — 2,38“. Die durch die Kanalisirung zu schaffende Wassertiefe wird minde¬ stens 2,5“ betragen, um den grossen Rheinschiffen von 1500 t Tragfähigkeit den Weg bis Aschaffenburg zu ermög¬ lichen. Die Umschlagsanlage bei Aschaffenburg erstreckt sich auf beide Ufer des Mains zwischen Mainaschaff und Aschaffenburg und wird eine Fläche von etwa 204 ha be¬ anspruchen. Hierbei ist Sorge getragen, dass eine Er¬ weiterung der Umschlagsanlage im Fall des Bedürfnisses keinen Schwierigkeiten begegnet. Für den Massenumschlag der Regiekohlen der k. b. Staatseisenbahnen ist die linke Mainuferseite bei Leider in Aussicht genommen; dort soll zunächst ein Hafenbecken von 800 “ Länge und 75 m Sohlenbreite mit beiderseitigen Lagerplätzen zu etwa 80 000 q“ nutzbarer Gesammtfläche zur Ausführung gelangen. Es ist anzunehmen, dass hier¬ durch dem Bedürfniss für lange Zeit genügt ist. Es würde für die Anlage eines weiteren Hafenbeckens Gelände vor¬ handen sein. Das rechte Mainufer ist dem Privat-Um- schlagsverkehr zugedacht. Zu diesem Zweck ist zunächst der Ausbau des betreffenden Geländes zu hochwasser¬ freien Lager- und Landeplätzen geplant, deren flusseitige No. 5. 34 Begrenzung je nach der Art der zu erwartenden Um¬ schlagsgüter Ufermauern oder gepflasterte Böschungen in bedeutender Länge bilden. Oberhalb Leider ist die An¬ lage einer kleinen erweiterungsfähigen Schiffswerft ins Auge gefasst, für den Petroleum-Umschlag ist unterhalb des Mainaschaffer Wehres eine Gelände Aufhöhung zur Aufstellung von Tanks vorgesehen, für die Holzindustrie würde im Bedarfsfälle ein geeigneter Platz zwischen der Aschaff und dem Mainaschaffer Wehre vorhanden sein. Zur Lieferung der Betriebskraft für die ganze Umschlags¬ anlage ist ein unterhalb Leider zu errichtendes Elektrizitäts¬ werk in Aussicht genommen. Die Kosten der gesammten Umschlagsanlage sind mit 12 344 000 M. veranschlagt. Die Eisenbahnverbindung der rechts- und linksufrigen Umschlagsanlagen unter sich, sowie mit der Staatseisen¬ bahn ist in der Weise in Aussicht genommen, dass das Wehr bei Mainaschaff mit einer Eisenbahnbrücke verbun¬ den wird, die aus 4 Oeffnungen von je 62,5™ Stützweite besteht. Zur Weiterführung der Anschlussbahn wird das Aschaffthal gewählt, welches die Bahn ohne erhebliche Geländeschwierigkeiten benützt, um mit Durchbrechung des nördlichen Theiles der Ortschaft dann bei der Station Goldbach in die Aschaffenburg-Würzburger Bahnlinie ein¬ zumünden. Auf diese Verbindungsbahn, deren Länge 11,6 km beträgt, entfällt ein Kostenbetrag von 2156000 M. Wie seinerzeit die Städte Frankfurt a. M. und Offen¬ bach mit erheblichen Vorausleistungen für die Kanalisirung der betreffenden Mainstrecken herangezogen worden sind, und Preussen die Fortführung der Kanalisirung bis Hanau von der Herstellung einer Hafenanlage bei Hanau auf Kosten der Stadt Hanau abhängig machen will, so ent¬ spricht auch bei dem gegenwärtigen Entwurf eine finan¬ zielle Betheiligung der Stadt Aschaffenburg, die aus dem Unternehmen erhebliche wirthschaftliche Vortheile ziehen wird, der Billigkeit. — Mittheilungen aus Vereinen. Vereinigung Berliner Architekten. Aus den Besichti¬ gungen des vergangenen Sommers ist der am 4. August bei zahlreicher Betheiligung unternommene Besuch der Villa Nölle, Winklerstrasse 8 — 10 der Kolonie Grune- wald, eines der vornehmsten, nach den Entwürfen der Architekten Solf & Wichards errichteten Einfamilien¬ häuser der Kolonie, nachzutragen. Auch dieser Wohnsitz, in einem wunderbaren Garten gelegen, gruppirt seine Räume um eine stattliche, durch zwei Geschosse reichende Diele. In der Gesammthaltung des in seinem Aeusseren in einem eigenartigen Muschelkalkstein errichteten Ge¬ bäudes kommen die reichen Mittel seines Besitzers zu einem sprechenden, jedoch künstlerisch maassvollen Aus¬ druck. Das in die Formen einer in freier Weise mit fremden Einflüssen gemischten deutschen Frührenaissance gekleidete Haus erweckt den Eindruck behaglicher Wohn¬ lichkeit und trägt dem sommerlichen Zusammenleben mit der Natur durch die gegen den See gelegenen, dem ab¬ fallenden Ufergelände abgewonnenen Haus- und Garten- Terrassen volle Rechnung. — Vers, vom 4. Dez. 1902. Vors. Hr. von der Hude, anwesend 61 Mitglieder. Der Vorsitzende begrüsst als neue Mitglieder die Hrn. Herrn. Jansen, William Müller, Georg Hartmann, Heinr. Schweitzer und Ant. Adams. Als Mitglieder für die Kommission zur Anordnung der Architektur- Abtheilung auf der „Grossen Berliner Kunst¬ ausstellung 1903“ werden berufen: Hr. Solf als Vor¬ sitzender, ferner die Hrn. Alb. Gessner, Alfr. Gre- nander, Alb. Hofmann und G. Roensch. Hr. Seeling lenkt die Aufmerksamkeit der Versammlung auf einen Dekorationsmaler Mohr, welcher Gobelinmalereien in aus¬ gezeichneter Weise wiedergiebt. Hr. Bangert führt Proben eines neuen Baumateriales, des sog. Siemens- Glases vor, welches seine Herstellung derart findet, dass farbiger Glasstaub nach verschiedenen Zeich¬ nungsmustern auf die Rohglasplatte in glühendem Zu¬ stande aufgepresst wird. Die Anwendung des Glases empfiehlt sich für Oberlichte und ähnliche Anordnungen, bei welchen es sich darum handelt, enggelegte Eisen¬ sprossen zu umgehen. Um das Staubansammeln und da¬ mit die Verminderung der farbigen Durchsicht zu ver¬ meiden, ist es zweckmässig, die Platten mit der glatten Fläche nach oben zu verlegen. Die Preise für 1 qm gehen von 7 M. für das Unimuster auf 9, 12 M. usw. für ein¬ facher und reicher gemusterte Glasplatten. Es folgte eine Vorführung einer grossen Anzahl von Entwürfen und Ansichten nach der Ausführung aus dem Atelier der Hrn. Schilling & Gräbner in Dresden durch Hrn. Brth. Julius Gräbner. Redner leitete seine Vor¬ führungen ein durch einen kurzen historischen Blick auf die Entwicklung der Thätigkeit der Firma und bezeichnete Berlin als die Schule seiner Ausbildung; er trug insbe¬ sondere an Hrn. von Groszheim eine Dankesschuld ab. Der erste Bau, welchen Schilling & Gräbner ausführten, war die Villa Schönthan in Blasewitz; Redner führte inter¬ essante Momente aus der Baugeschichte dieses Hauses an. Einen Haupttheil der Thätigkeit der Firma bildet der Kirchenbau. Die Kämpfe einerseits mit der überlieferten Gothik, andererseits mit den Reinigungs-Bestrebungen der Geistlichkeit bei Landkirchen, werden in wechselreichem Bilde vorgeführt. Dann drangen die Einflüsse der neuen Kunst auf die Künstler ein, der sie sich ohne Vorbehalt anschlossen. Durch Seitenblicke auf die Thätigkeit Schinkels und Sempers versucht Redner den Umschwung in seinen Anschauungen zu rechtfertigen. Die Vorführung beginnt mit dem Entwurf für eine Kirche in Zwickau, der vor 6 Jahren entstand und bei der heutigen Ausarbeitung die Züge der fortschreitenden Anschauung der Künstler zeigt. Einem ähnlichen Werdeprozess unterliegt ein Brunnen für Waldheim, dessen Entwurf gleichfalls vor langen Jahren entstand und dessen Einzeldurchführung unter An¬ wendung der Formensprache der Künstler von heute an den ersten Entwurfs-Gedanken gebunden ist. Die formale Ausbildung der Kreuzkirche in Dresden, über die wir an leitender Stelle in dieser Nummer ausführlich be¬ richten, veranlasst den Redner, des verständnissvollen Eingehens des Bauherrn auf die von der abweichenden Ueberlieferung eingegebenen Absichten der Künstler rühmend zu gedenken. Landkirchen für Klostergrab und Langenau in Böhmen werden als charakteristische Beispiele der Los-von-Rom-Bewegung in Deutsch-Böhmen angeführt, für welche die Firma mit einer Reihe von Aufträgen beschäftigt war. Landkirchen für Stenn und Hohenfichte in Sachsen, sowie für Wiese im Zschopau- thale legen mit den böhmischen Kirchen in bemerkens- werther Weise Zeugniss für die Bestrebungen der Archi¬ tekten ab, auch der einfachsten, mit den bescheidensten Mitteln errichteten kleinen Landkirche malerischen, für die Landschaft charakteristischen Reiz abzugewinnen. Als reichgruppirte und gegliederte Monumentalbauten stehen diesen Kleinbauten die Stadtkirchen für Strehlen, Striesen (S. 33) usw. gegenüber. Lebhaftes Interesse fand in der Versammlung der nach den Entwürfen von Schilling & Gräbner in der Ausführung stehende Vorbau vor die Goldene Pforte in Freiberg. Auch für die aus¬ gebreitete Thätigkeit der Firma im Profanbau wusste der Vortragende anziehende Beispiele in einem Bank¬ gebäude für Dresden, dem Entwürfe für eine Villa Spreckels, in Villen auf der Höhe von Loschwitz, in Freiburg i. Br., in dem reizvollen Hause des Hrn. Schilling usw. vorzuführen. Die schönen Darbietungen des Redners kamen zu reichstem Beifall der ungewöhn¬ lich zahlreichen Versammlung. Wir werden in der nächsten Nummer noch einige der malerischen Entwürfe zu Landkirchen nachtragen. — In der Versammlung vom 18. Dez. unter dem Vor¬ sitz des Hrn. Wolffenstein nahmen eine grössere An¬ zahl von Damen an den Darbietungen des Abends theil. Hr. Bodo Ebhardt führte seinen Zuhörern im Lichtbilde die Studienreise vor, die er im Aufträge des Kaisers nach den Burgen Oesterreichs, der Schweiz und einem Theile von Süddeutschland unternommen, um für die Wieder¬ herstellung der Hohkönigsburg im Eisass zeitgeschicht¬ liches und künstlerisches Material zu gewinnen. Die an¬ schaulichen Vorführungen begannen bei der Festung von Würzburg und endeten bei der Hohkönigsburg. Die Licht¬ bilder waren theils schöne Aufnahmen nach der Natur, theils konstruktive Skizzen. Durch ihre Vorführung er¬ rang sich der Redner lebhaften Beifall der Versammlung. An die Vorführungen schloss sich die Berathung eines Antrages Ebhardt betr. die Theilnahme der Vereinigung an den Tagen für Denkmalpflege an. Der Antrag geht da¬ hin: 1. zu dem im September 1903 in Erfurt stattfinden¬ den Tage für Denkmalpflege einen Vertreter der Ver¬ einigung zu entsenden und 2. eine Kommission zu er¬ nennen, deren Aufgabe es sein soll, diesem Vertreter die Grundzüge für eine Einflussnahme der Vereinigung auf die Bestrebungen der Denkmalpflege zu geben. Es wird eine Kommission bestehend aus den Hrn. Büttner, Eb¬ hardt, Gottlob, Graef, Hehl, Meydenbauer und Zaar mit der Bestimmung gewählt, Stellung zu den bis¬ herigen Arbeiten der Tage für Denkmalpflege zu nehmen und Vorschläge zur Entsendung eines Vereinigungs- Ver¬ treters zu machen. Im Saale waren eine Anzahl reizvoller Aquarelle des Hrn. Günther- Naumburg, unter ihnen auch die Entwürfe 17. Januar 1903. 35 des Künstlers für die Städtebilder im Sitzungssaale des preussischen Hauses derAbgeordneten in Berlin, ausgestellt. Die gesellige Zusammenkunft vom 8. Jan. d. J. vereinigte unter dem Vorsitz des Hrn. Wolffenstein 55 Mitglieder. In derselben machte Hr. Bruno Möhring in lebendiger Schilderung anziehende Mittheilungen über seine im Aufträge der Reichs -Regierung im Dezember 1902 unternommene Reise nach St. Louis, um als Architekt der Deutschen Abtheilung der für 1904 dorten geplanten Centenar- Ausstellung dem Reichs-Kommissar für die vorläufigen Berathungen an Ort und Stelle zur Seite zu stehen. Der Umstand, dass seit dem Jahre 1900 die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika in der deut¬ schen Ausfuhr an dritter und im ganzen deutschen Aussen- handel an zweiter Stelle stehen, macht eine würdige Be¬ schickung der Weltausstellung von St. Louis durch Deutsch¬ land zu einer gebietenden Pflicht. Für die Beschickung ist zunächst ein Betrag von 2,5 — 3 Mill. M. in Aussicht genommen. Ueber die von der Reichs-Regierung geplan¬ ten Maassnahmen machte Möhring an der Hand grosser Pläne des Ausstellungs- Geländes und seiner Bauten ein¬ gehende Mittheilungen. Da wir die Hoffnung haben, dass er zu den geplanten Maassnahmen in dieser Zeitschrift noch selbst das Wort ergreifen wird und dabei auch einen Blick auf die Architektur der Vereinigten Staaten sowie auf die sozialen Verhältnisse der dortigen Architekten werfen dürfte, so begnügen wir uns zunächst mit diesen kurzen Angaben. An die von der zahlreichen Versammlung mit lebhaftestem Beifall aufgenommenen Mittheilungen knüpfte sich eine kurze Besprechung betr. die Anordnung einer deutschen Architektur-Abtheilung in St. Louis, an welcher die Hrn. Ebhardt, Herzberg, Krause und der Vor¬ tragende theilnahmen. Es wird eine Denkschrift an den Reichskanzler angeregt, um das Reich zu einem Beitrage für die gedachte Architektur - Abtheilung zu gewinnen. Im Saale waren eine grössere Reihe interessanter dekorativer Malereien des Hrn. Hans Seliger ausgestellt, darunter im Stile des Pinturicchio gehaltene Entwürfe für die Ausmalung der Musikhalle in Villa Dernburg im Grune- wald, Entwürfe für die Ausmalung der Kirchen von Greift en- hagen in Pommern, S. Jacobi in Stettin, Rügenwalde, Neuenburg in Westpreussen, ferner flotte dekorative Ent¬ würfe für Stickereien und Glasgemälde, Entwürfe für Zimmermalereien modernen Stils usw. — Preisbewerbungen. Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für Neu¬ bauten ln der Altstadt von Frankfurt a. M„ gelangt demnächst nach dem Vorgänge anderer Städte durch die städt. Behör¬ den von Frankfurt a. M. zur Ausschreibung. Für die Durch¬ führung des Wettbewerbes sind 20000 M. vorgesehen. — In einem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zu Mosaikbildern für den Hof des schweizerischen Landes- Museums. in Zürich liefen 24 Arbeiten ein. Die 3 gleichen Preise von je 2000 Frcs. fielen an die Hrn. Joh. Bossard in Charlottenburg, Werner Büchly in Basel und Aug. Giacometti in Florenz. Die Entscheidung über die Aus¬ führung der Gemälde soll einem engeren Wettbewerb unter diesen 3 Künstlern Vorbehalten bleiben. — In dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Kreishaus in Recklinghausen wurden nahezu 300 Arbeiten einge¬ liefert. Den I. Preis errangen die Hrn. C. Neumann & Köhler in Bremen; den II. Preis die Hrn. Wilh. Lübke und Otto Rehnig in Berlin und Charlottenburg; den III. Preis Hr. Ad. Zabel in Berlin. Zwei Entwürfe wurden zum Ankauf empfohlen, zwei weitere durch eine lobende Erwähnung ausgezeichnet. Wettbewerb Töchterschule Essen. Die Namen der Preisträger dieses Wettbewerbes, deren Kennworte wir bereits S. 648, Jahrg. 1902 mittheilten, sind noch nicht genannt, dagegen werden nunmehr die Namen der Ver¬ fasser bekannt, deren Entwürfe angekauft wurden. Es sind dies die Hrn. Heeren-Essen; F. O. Müller-Köln; Köhler & Kranz-Charlottenburg; Frede & Grubitz- Stuttgart; Kunst & Gr e u lieh- Karlsruhe; Beck-Bens- heim und Emmingmann & Becker-Berlin. Ausserdem wurde beschlossen, zwei weitere Entwürfe anzukaufen, die von Beamten des städtischen Baubureaus eingereicht worden sind. — Personal-Nachrichten. Preussen. Die Erlaubniss zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreuss. Orden ist ertheilt und zw. : Dem Eisenb.-Dir.-Präs. a. D. T a e g e r in Magdeburg des Kommandeurkreuzes I. Kl. des herz. Braunschweig. Ordens Heinrichs des Löwen und dem Eisenb.- Bauinsp. Schramke in Breslau des Ritterkreuzes II. Kl. des kgl. Sächs. Albrechts-Ordens. Ernannt sind : Die Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. S a n n o w in Erfurt, Baltzer in Stettin (z. Zt beurlaubt), Schepp in Elber¬ feld, S 1 u y t e r in Stettin, Schorre in Aschersleben und v. M i - lewski in Wesel, die Eisenb.-Bauinsp. Teuscher in Erfurt, Schmidt in Hameln, v. Bichowsky in Neisse, Weinnoldt in Leipzig und Simon in Berlin zu Reg.- u. Brthn. Dem Landesbrth. Stiehl in Kassel ist der Char. als Geh. Brth., dem Mel.-Bauinsp. Denecke in Danzig der Char. als Brth. mit dem persönl. Range der Räthe IV. Kl. und den Landesbauinsp. Pieper in Mechede , Bokelberg in Hannover und dem Kr.- Kommnnalbmstr. Schallehn in Wolmirstedt ist der Char. als Brth. verliehen. Die Reg.-Bfhr. Paul Bathmann aus Berlin u. Herrn. F r a n c k e aus Gotha (Eisenbfch.), — Karl Hochstädt aus Dramburg, Max C h e 1 i u s aus Rumbeck u. Friedr. Selter aus Werdohl (Masch.- Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Dem Reg.-Bmstr. Ernst M a s c k e in Altona a. E. ist die nachges. Entlass, aus dem Dienste der allgem. Bauverwaltg. und dem Reg.-Bmstr. Alfr. Gottheiner in Berlin diej. aus dem Staatsdienste ertheilt. Sachsen. Der kgl. Sächs. Brth. Dr. ph. h. c. Rossbach in Leipzig ist gestorben. Sachsen-Weimar. Dem Landbmstr. Günther in Apolda ist der Tit. Brth. verliehen. Brief- und Fragekasten. Hrn. Kr.-Bauinsp. K. in O. Um eine sichere Entschei¬ dung zu treffen, müsste der Sachverhalt eingehender dargestellt sein. In der gelieferten Form kann die Antwort auf beide Fragen nur bedingt abgegeben werden. 1. Ist eine Gemeinde zur Neuanlage und Unterhaltung einer Strasse und der zu letzterer gehörigen Einrichtungen verpflichtet, wozu gemeinüblich Gossen, Rinnsteine und dergleichen zu rechnen sind, so muss sie auch diejenigen Anstalten treffen, welche zwecks deren sachgemässen Gebrauches nöthig werden. Sie darf nament¬ lich keinen Zustand schaffen, dessen Wirkung auf eine Schädigung wohlerworbener Rechte Dritter hinauslaufen würde. Hat sie die Strasse erhöht oder die Abflussverhältnisse dergestalt verändert, dass anliegende Grundstücke einer Umgestaltung und Höherlegung bedürfen, so wird sie den betreffenden Anliegern für die Kosten der Aenderung in der Regel aufzukommen haben. Nur ausnahms¬ weise wird dem Eigenthümer eines anliegenden Grundstückes dessen Veränderung auf eigene Kosten zugemuthet werden dürfen; ein solcher Fall scheint jedoch nicht vorzuliegen. 2. Nach B. G. B. § 536 hat der Vermiether die vermiethete Sache in gebrauchsfähigem Zustande zu erhalten. Wurden durch Feuchtigkeit die Asphaltpappe und Tapete zerstört, so ist deren Wiederherstellung und die Beseitigung der Feuchtigkeit Sache des Vermiethers. Wird durch Nichtausführung der Verpflichtungen die Wohnung gebrauchsunfähig, so darf der Miether sie aufgeben und ist zur Miethezahlung länger nicht verpflichtet. Wird dagegen nur die Gebrauchsfähigkeit gemindert, so muss er die Wohnung behalten und es sien an einer Preisminderung genügen lassen. Ob das eine oder andere vorliegt, ist eine Frage thatsächlicher Natur, über die nach Lage der Umstände der Richter zu befinden hat. — K. H-e. Hrn. R. Ue. in Thorn. Die Gebührenordnung No. 16 § 1 ist allerdings so aufzufassen, dass der Bauherr nur eine Ausferti¬ gung des Entwurfes erhält und dass diese nur eine Kopie zu sein braucht, von der man aber Haltbarkeit und zeichnerisch klare Dar¬ stellung verlangen kann. Letzteres wird insbesondere dann verlangt werden können, wenn nur der Entwurf zu liefern ist. — Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage 1 in No. 99. Zur Gründung von Gebäuden aller Art auf aufgeschüttetem Boden empfehlen wir Ihnen eine Be¬ tonplatte mit Eiseneinlagen nach System Hennebique. Die Platte wird in einer Stärke von 15 — 20 cm hergestellt und mit Tragrippen, deren Stärke entsprechend der auf der Platte ruhenden Last ge¬ wählt wird, versehen. Die Platte setzt sich durch die ganze Länge und Breite des Gebäudes in gleicher Stärke fort und überträgt die auf ihr ruhende Last gleichmässig dem Boden, welcher, je nach Verhältnissen, mit 0,50 bis 1 kg/qcm belastet wird. Solche Grün¬ dungsarbeiten wurden von Hennebique schon vielfach in grossem Maasstabe ausgeführt. In der Umgegend von Paris wurde z. B. ein 600 t schwerer Fabrikschornstein unmittelbar auf eine Henne- bique-Sohle aufgestellt, welche die Last im Verhältnisse von 1 kg/qcm vertheilt. Die Boden-Beschaffenheit war sehr schlecht, und da der widerstandsfähige Boden entsprechend viel zu tief lag, so wären ohne die obenerwähnte Lösung die Kosten und Schwierigkeiten sehr gross gewesen. Die grossen Mühlen von Brest, bestehend aus einer Mühle, einem Mehlmagazin, Getreidesilos, Wasserbehäl¬ ter, Schornstein usw. wurden, des schlechten Geländes wegen, auf eine Hennebique-Sohle gegründet. Die Standsicherheit lässt nichts zu wünschen übrig und das Silosgebäude hat sich bei der ersten Voll¬ ladung um etwa 8 cm gleichmässig gesenkt, ohne die mindesten Risse zu zeigen. Aehnliche Beispiele liesen sich mehrere anführen. Wir sind gerne bereit, gegebenen Falles Pläne und Berechnungen dergleichen Anlagen zu liefern. Gebrüder Rank in München. Anfragen an den Leserkreis. Welche Firmen richten Kohlensäurebäder ein? G. M. in T. Inhalt: Die Wiederherstellung der Kreuzkirche in Dresden. — Das Bauwesen im Reichshaushalt 1903. — Die Schiffbarmachung des Main von Hanau bis Aschaffenburg. — Hittheilungen aus Vereinen. — Preisbewer¬ bungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die Wiederherstellung der Kreuzkirche in Dresden. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 36 No. 5. !! DEUTSCHE BAUZEITUNG 11 || XXXVII. JAHRG. NR 6. BERLIN, DEN 21. JAN. 1903 ® Kirche der „Los von Rom“-Bewegung und Pfarrhaus in Langenau in Böhmen 1902. Arch.: Schilling & Gräbner in Dresden. Das Bauwesen im preussisehen Staatshaushalt für das Verwaltungsjahr 1903. em preussisehen Landtage ist zugleich mit der am 13. d. M. erfolgten Eröffnung der Entwurf des Staats¬ haushalts-Etats für das Verwaltungsjahr 1903 zuge¬ gangen. Derselbe schliesst in Einnahme mit 2602205930 M , in Ausgabe mit 2674905930 M. ab, sodass also ein Fehl¬ betrag von 72,7 Mill. M. vorhanden ist, der durch eine Anleihe gedeckt werden muss. Dieser Fehlbetrag ent¬ steht einerseits durch Mindereinnahmen gegenüber 1902 in Höhe von 11 961 214 M. und in Mehrausgaben im Ge- sammtbetrage von 60738786 M. Die Mindereinnahmen rühren daher, dass die staatlichen Betriebsverwaltungen zusammen einen Minderüberschuss von 44 691 890 M. er¬ geben haben, der jedoch durch Mehreinnahmen an an¬ derer Stelle der Staatsverwaltung z. Th. gedeckt wird. Von den Gesammtausgaben entfallen auf einmalige ausserordentliche Ausgaben 158536297 M. und hieran nimmt das Bauwesen in den verschiedenen Zweigen der Staats¬ verwaltung mit fast 146 Mill. M. theil, d. h. also mit rd. 91,5%. Gegenüber dem Vorjahre weist das Extra-Ordi- narium eine Erhöhung von 11826327 M. auf, die zu fast 3/t auf bauliche Verwendungszwecke entfällt. Die Eisenbahn- Verwaltung steht naturgemäss, wie immer, an erster Stelle mit rd. 91,7 Mill. M., also mit einem nur unwesentlich höheren Betrage als im Jahre 1902. Es folgt die Bauverwaltung mit rd. 14,88 Mill. M. (J- 1,57 ge¬ gen 1902), die jedoch fast vom Kultusministerium mit rd. 14,45 Mill. M. (-f 0,25 gegen 1902) erreicht wird. Die Justizverwaltung verlangt mit rd. 8,15 Mill. M. rd. 2,57 mehr als 1902 und auch das Finanzministerium braucht mit rd. 6,05 Mill. rd. 1,83 Mill. M. mehr. Es folgen: Landwirthschafts-Ministeriummit4, 3; Ministerium des Inneren mit 1,93; die Domänen- Verwaltung mit 1,60; die Forstverwaltung mit 0,99; die Verwaltung der indirekten Steuern mit 0,68; die Berg-, Hütten- und Salinen -Verwaltung mit 0,66; die Gestüt-Verwaltung mit 0,46; das Ministerium für Handel und Gewerbe mit 0,14 Mill. M. Die Verwaltung der Staatsarchive verlangt schliesslich noch den kleinen Betrag von 9370 M., das Kriegsministerium für das Zeughaus 7200 M. Bei der Eisenbahnverwaltung bleiben die Ge- sammteinnahmen mit 1379815427 M. um 36512312 M. gegen 1902 zurück, während die Gesammt-Ausgaben mit 967432500 M. um 8487500 M. gegen das Vorjahr gestiegen sind. Das ausschliesslich dem Bauwesen gewidmete Extra- Ordinarium nimmt hieran jedoch nur mit 22 500 M. theil. Von der Gesammtsumme des Extra-Ordinariums in Höhe von 91663000 M. entfallen 51863000 M. auf die Aus¬ gaben der 21 Direktionen, 39,8 Mill. M. auf den Zentral¬ fonds. Aus letzteren Mitteln werden 5,9 Mill. M. verwendet für die weitere Sicherung des Betriebes und zwar ent¬ fallen 2,5 Mill. M. auf Weichen- und Signalstellwerke (seit 1878/79 hierzu bewilligt 22,3 Mill. M.), 2,3 Mill. M. auf elektrische Sicherungsanlagen (seit 1894 hierfür 8 Mill. M. ausgegeben), d. h. für die Einrichtung der elektrischen Streckenblockung in vierfeldriger Form unter Mitwirkung des Zuges bei der Streckenfreimeldung, 0,8 Mill. M. für Ausfahrtssignale, der Rest für den Schutz gegen Schnee¬ verwehungen. Zwei Hauptbeträge dieses Fonds von je 15 Mill. M. entfallen einerseits auf die Herstellung schweren Oberbaues, der rascher als dies allein durch die Abnutzung des vorhandenen Schienenmaterials bedingt wird, auf den Hauptverkehrsstrecken zur Verlegung kommen soll, andererseits auf die Vermehrung der Betriebsmittel (hierzu trägt Hessen noch weitere 306000 M. bei). Es sollen hier¬ von 148 Lokomotiven und 370 Personenwagen hergestellt werden. Zur Beschaffung von 430 Kleinwohnungen für untere Eisenbahnbedienstete in den östl. Provinzen wird wiederum die Summe von I Mill. M. eingestellt (seit 1900 bereits 5 Mill. M.). Mit 0,3 Mill. M. wird sich die Eisen¬ bahnverwaltung durch Lieferung, Verlegung und Vor¬ haltung eines schwereren Oberbaues auf der Militäreisen¬ bahn Berlin — Zossen an den Schnellbahnversuchen be¬ theiligen. An denselben sollen nunmehr auch Dampf- Lokomotiven theilnehmen. 37 Die Aufwendungen der einzelnen Eisenbahndirektionen vertheilen sich nach der Höhe des betreffenden Antheils geordnet, wie folgt: 1. Essen a. Ruhr . 7 300 000 M. 2. Köln a. Rh . 7 186000 „ 3. Halle a S . 5 15° 000 » 4. Elberfeld . 4692000 „ 5. Berlin . 3943000 „ 6. Altona . 3381000 „ 7. Frankfurt a. M . 3127000 „ 8. Breslau . 2 733 000 „ 9. Kattowitz . . - 2530000 „ 10. Hannover . 2336000 „ 11. Erfurt . 1750000 „ 12. St. Johann-Saarbrücken ... 1 726000 „ 13. Danzig . 1 697 000 „ 14. Kassel . 1 382 000 ,, 15. Magdeburg . 1 200 000 „ 16. Stettin . 680 000 „ 17. Münster i. W . 550000 „ 18. Königsberg i. Pr . 300000 „ 19. Posen . 250 000 ,, 20. Mainz . 50 000 „ 21. Brotnberg . — — ,, Summa 51863000 M. Unter den neuen Bewilligungen bildet die wichtigste Position eine 1. Rate von 2,65 Mill. M. an die Eisenbahn¬ direktion Halle a. S. für den Bau eines Hauptbahn¬ hofes in Leipzig nebst einer Verbindungsbahn von Wahren nach Schönefeld und Heiterblick, sowie zur Erweiterung des Bahnhofes Plagwitz-Lindenau, auf welch’ letzterem später allein das Uebergabegeschäft zwischen der preussischen und sächsischen Staatsbahn abgewickelt werden soll. Im Zusammenhänge mit dem Projekt des Hauptbahnhofes in Leipzig, der an Stelle des Thüringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhofes für den Personen-, Eilgut- und Stückgut - Verkehr geschaffen werden soll, stehen die vonPreussen bereits in Ausführung genommenen Arbeiten eines Rangir-Bahnhofes in Wahren und einer Güterverbindungsbahn von Wahren nach Leutzsch. Für die letzteren auf 6,9 Mill. M. veranschlagten Arbeiten sieht der Etat eine weitere Rate von 2 Mill. M. vor. Von den Kosten des Hauptbahnhofes einschl. der oben genannten Verbindungsbahn trägt Preussen 33350000 M. (wovon jedoch etwa 4,8 Mill. M. durch Verkauf frei werdenden Geländes wieder erübrigt werden). Aus dem Dispositionsfonds sind ferner für Grunderwerb bereits 13,02 Mill., für Bauausführungen 1,95 Mill. M. bewilligt, so- dass Preussen imganzen 52 438 210 M. aufzuwenden hat. Die Sächsische Staatsbahnverwaltung hat ihrerseits etwa 53 Mill. M. auszugeben und die Stadt Leipzig veranschlagt die ihr erwachsenden Kosten für Aenderungen an den Strassen und Kanalisationsanlagen, sowie zur Herstellung von Unterführungen auf 17,31 Mill. M., sodass also die Ge- sammtaufwendungen für die Umgestaltung der Bahnhofs¬ verhältnisse in Leipzig 102,75 Mill. M. betragen werden. Diese Ausführung gehört also zu den bedeutendsten der neueren Zeit in Deutschland. Der Plauptbahnhof wird als Kopfstation mit einheitlicher Halle ausgebildet werden, welche von der sächsischen Verwaltung ausgeführt wird. Die östliche Hälfte der Gleise gehört Sachsen, die westliche Preussen. Beide Gruppen können getrennt betrieben werden. Der alte Berliner Bahnhof soll später nur dem Güterverkehr dienen, während der Eilenburger auch dem Orts-Personenverkehr erhalten bleibt. Unter den bedeutenden, allerdings schon seit längerer Zeit in Angriff genommenen Bahnhofsbauten ist auch die Umgestaltung der Bahnhofsanlagen in Wies¬ baden hervorzuheben. 1897/98 zunächst mit 17,14 Mill. Mark veranschlagt, werden sich die Kosten derselben voraussichtlich auf 15,97 Mill. M. stellen, da es sich bei der genaueren Durcharbeitung sowohl im Interesse des Betriebes als auch im Interesse der Stadt als nothwendig herausgestellt hat, den Rohproduktenverkehr von dem Personen- und Stückgutverkehr zu trennen. Erster er wird allein das ohnehin sonst nicht zureichende Salzbach¬ thal für Sich in Anspruch nehmen, letzterer dagegen einen besonderen Bahnhof zwischen der Schiersteiner und Dotzheimer Strasse erhalten. Zu den Kosten trägt die Stadt 1,5 Mill. M. bei (deren Gesammtauf Wendungen werden etwa 1597000 M. betragen). Aus dem Verkauf des freiwerdenden Geländes der alten Bahnhöfe wird ein Erlös von etwa 10 Mill. M. erwartet. Für 1903 ist eine Rate von 1 Mill. M. bewilligt, Die Arbeiten werden nun¬ mehr wohl mit grösserer Beschleunigung zur Durchführung kommen, da die jetzigen Bahnhofsverhältnisse und demge¬ mäss auch die Anschlüsse an die Hauptdurchgangslinien in keiner Weise mehr den Bedürfnissen und der Bedeutung des Weltbades entsprechen. Die Umgestaltung des Bahnhofes in Dortmund nimmt unter den älteren Posten mit einer weiteren Rate von 38 2,75 Mill. M. wohl die erste Stelle ein. Die Ges.-Kosten, von denen bisher 3,8 Mill. M. bewilligt sind, waren auf 11,5 Mill. M. veranschlagt. Die neueren Verhandlungen mit der Stadtgemeinde über die Ausgestaltung des Per- sonen-Bahnhofes und namentlich in Bezug auf die Hoch¬ legung der Gleise werden aber jedenfalls eine Erhöhung der Ges.-Kosten herbeiführen. Grössere Raten für die Umgestaltung der Bahnhofs- Anlagen sind wieder gefordert für Hamburg (2,5), Ditters¬ bach (1), Neuss (1,2), Krefeld (1), Mülheim a. Rh. (1), Voh¬ winkel (1,1), Gelsenkirchen (1), Witten West (1), usw. An neuen Ausführungen sind hervorzuheben: in Berlin 743000 M. für Herstellung neuer Telegraphen- Verbindungen von Berlin nach dem Westen, zunächst nach Duisburg und Köln, Erweiterung des Güterbahnhofes an der Frankfurter Allee (Ges.-Summe 1,55 Mill. M.) ; Eisenb.-Dir. Kassel, Herstellung des 2. Gleises von Alten¬ beken nach Warburg; Köln, Ausführung eines Rangier¬ bahnhofes Kalk-Nord (Ges.-Summe 8,8 Mill. M.) ; Eisenb.- Dir. Elberfeld, Herstellung einer entlastenden Verbin¬ dungsbahn Rath - Düsseldorf (Ges.-Summe 1,5 Mill. M.) unter Umgehung des Bahnhofes Düsseldorf -Derendorf; Frankfurt a. M., Neubau eines Geschäftsgebäudes für die Eisenbahn-Direktion, die bisher in 8 verschiedenen, nur zu Wohnzwecken genügenden Gebäuden untergebracht war (Ges.-Summe 2,123 Mill. M.); Eisenb.-Dir. Münster i. W., 300000 M. als 1. Rate für Herstellung eines selb¬ ständigen Bahnkörpers für die ostfriesische Küstenbahn von Emden bis Norden unter Einführung des Hauptbahn- Betriebes (Ges.-Kosten 3 675 000 M ). Die imganzen 32,1 km lange Strecke besitzt bisher nur auf die ersten 5,8 km eigenen Bahnkörper und liegt im übrigen in der Land¬ strasse. Sie kann daher nur als Nebenbahn betrieben werden. Diese nicht mehr zeitgemässen Verhältnisse sollen geändert werden. Bezüglich der Eisenbahn-Direktion Mainz ist noch zu bemerken, dass Preussen hier als 1. R. 50000 M. beiträgt zur Herstellung eines neuen eisernen Ueberbaues der Brücke über die Nahe bei Bingen. Die Ges.-Kosten sind auf 210000 M. veranschlagt, die je zur Hälfte von Preussen und Hessen getragen werden. Im übrigen hat Hessen für eigene Rechnung noch 3 765 000 M. aufzuwenden, da¬ von 2 Mill. M. für die Bahnhofumbauten in Darmstadt (Ges.-Kosten 12,13 Mill. M.) und 1 Mill. M. für Mainz. Aus dem Ordinarium der Eisenbahn- Verwaltung, das natürlich die ausserordentlichen Ausgaben stets um ein Vielfaches übertrifft, sind 175,9 Mill. M. für die Unter¬ haltung, Ergänzung und Erneuerung der baulichen An¬ lagen, rd. 147 Mill. M. für die Unterhaltung, Erneuerung und Ergänzung der Betriebsmittel und der maschinellen Anlagen bestimmt. Aus letzterem Betrage sollen 28,8 Mill. M. für die Beschaffung von 503 Lokomotiven, 11,6 Mill. M. für 664 Personenwagen, 15,28 Mill. M. für 5190 Gepäck- und Güterwagen zur Verwendung kommen. Bei den Eisenbahn-Direktionen sollen imganzen 6 neue Mitgliederstellen geschaffen werden und zwar 3 neubau¬ technische, 2 bau- und betriebstechnische Dezernate (für Telegraphen- und Sicherungswesen) und 1 maschinen¬ technisches Dezernat. Ausserdem ist in Aussicht ge¬ nommen, 4 neue Inspektions- Vorstände zu bilden. Dafür fallen fort 3 Bauinspektor - Stellen und 2 Telegraphen¬ inspektor-Stellen. Die Gesammt-Betriebslänge der preussisch-hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft betrug am Schlüsse des Etatsjahres 1901 . 3 r 366,05 km, dazu mehr bis Ende 1902 .... 084,93 „ weniger durchLinienänderungen usw. 12,05 » also Bestand Ende 1902 32 038,93 km. Der Zuwachs für 1903 ist in Aussicht genommen mit 4 95 km etwa, sodass Ende 1903 eine Ges. -Länge von 32 534 km normalspuriger Bahnen für den öffentlichen Verkehr vor¬ handen sein wird. Dazu kommen noch rd. 383 käl An¬ schlussbahnen für den nicht öffentlichen Verkehr und rd. 184 km Schmalspurbahnen. Nicht uninteressant wird es sein, an dieser Stelle einen Rückblick auf das finanzielle Ergebniss der preussischen Staatsbahnen unter der Wirkung des Gesetzes vom 27. März 1882 zu geben. Es sind seitdem bis einschl. 1901 vereinnahmt ... 18 655 474 641 M. verausgabt . . . . 11549788582 „ Ueberschuss 7105686059 M. Davon sind zur Deckung anderweiter etatsmässiger Staats¬ ausgaben verwendet worden 2466501995 M. Ausserdem wurde noch ein ausserordentlicher Dispositionsfonds für Zwecke des Eisenbahnwesens von 1895/96 bis einschl. 1900 von 199 853 076 M. bereit gestellt. — (Schluss folgt) No. 6 so* Cd 2 p CO O < -X- o 2 .. 2 Q 2 O K! w w w S p co /uef Jjg ' alleH-a3 ■jjg suauiaig . ■jjgMpnjg U]g Ljosnqtjjig ^ •0 Iß'' J)sa>isg ■ ^ -W JBjJOpuasaig -55ß^i= A» - Wdjgepj -wo] [dg ßa/g~ Jpud/gdZ-MOj/dg gj~ ^ aag j.a/vum(np£ |? J_ 3 h« ■ J Pu 3 m3Z - 'uyaeiM m yj aa 5 J-a 5m unter dem niedrigsten Wasserstand), der obere Drempel auf 29,0 (3,30™ unterNormalwasser). Zwischen beiden Kammern ist das Freigerinne mit einer Lichtweite von 3,80“ ange¬ ordnet. Der Ausgleich der verschiedenen Wasserstände geschieht durch beiderseits der Kammern liegende Umläufe, welche durch eine grössere Anzahl von Stich¬ kanälen mit diesen verbunden sind. Der Abschluss der Umläufe erfolgt durch die am Elbe-Travekanal be¬ währten Hotopp’schen Heber. Jede Kammer besitzt deren 4, je 2 am Ober- und am Unterhaupt. Die Ver¬ bindung der beiden Kammern mit einander — zwecks wechselseitiger Füllung derselben bezw. Wassererspar- niss — erfolgt gleichfalls mittels Heber. Der Ab¬ schluss der Schleuse erfolgt durch senkrecht sich auf und nieder bewegende Hubthore. Bei der Wahl der Thore ist von den üblichen Stemm- oder Klappthoren aus folgenden Gründen abgesehen worden: Durch den in senkrechter Ebene liegenden Ab¬ schluss der Kammern wird erstens das bei den Schleu¬ sen verloren gehende Wasser auf ein Mindestmaass beschränkt. Ferner wird ein sicherer und dichterer Wasserabschluss erzielt, der bei Thoren, die eine Dreh- axe besitzen, nicht so vollkommen sein kann, da die Thore nur dann fest anliegen können, wenn die Dreh- axe ebenfalls dem Wasserüberdruck nachgäbe, was nicht der Fall ist. Ein weiterer wesentlicher Vorzug der Hubthore besteht darin, dass sie auf die Wände keine stemmende Kraft ausüben. Die Mauern können schwächer sein und jedenfalls, was hier besonders in¬ frage kommt, unbedenklich in weit höherem Maasse für die Unterbringung von Umläufen usw. verwendet werden, da die Schwächung durch die erforderlichen Kanäle usw. viel weniger schädlich ist als die bei Stemmthoren. Endlich darf noch hervorgehoben wer¬ den, dass bei der Anwendung von Hubthoren an der ganzen Schleuse kein beweglicher Theil unterWasser 85 liegt. Da die Thore regelmässig bei jeder Schleusung zutage treten, ist man in der Lage, ihren baulichen Zustand, ihre Dichtigkeit usw. dauernd zu prüfen. Auch können die Hubthore jedenfalls in höherem Grade wie Stemm- oder Klappthore zugleich als Sicher- heitsthore in gewissem Sinne angesehen werden. Aller¬ dings bedingen die für die Hubthore erforderlichen thurmartigen Aufbauten einen grösserenKostenaufwand. Letzterer Umstand wird angesichts der vorerwähn¬ ten Vortheile indessen weniger ins Gewicht fallen, zu¬ mal im vorliegenden Falle auch bei der landschaftlich schönen Lage und der grossen Bedeutung dieser — der einzigen Schleuse — des Teltow -Kanales, eine architektonische Ausgestaltung der Schleusenhäupter in Verbindung mit dem zu errichtenden Schleusen¬ meister-Gebäude so wie so geschaffen werden sollte. Auf die Einzelheiten der Konstruktion der Schleuse behalten wir uns vor, unter Beigabe von Plänen in einem besonderen Artikel später einzugehen. Zurzeit stehen die Pläne noch nicht in allen Einzelheiten fest. Die Gründungsarbeiten der Schleuse sind jedoch be- i eits beendet. (Festsetzung folgt.) Zur Angelegenheit des Heidelberger Schlosses. (Fortsetzung.) (S^rage 6: Wird durch das Belassen der in Ver- I0ÜH Witterung begriffenen Steine das Fort- schreiten der Verwitterung auch auf ge¬ sunde Steine begünstigt? Seitz führt aus, durch die Sprünge sei das Innere der Mauer den Witterungseinfiüssen zugänglich. Die äussere Verwitterung habe veranlasst, dass die Steine ihre ursprüng¬ liche Form verloren hätten. Es seien Vorsprünge ent¬ standen, wo keine waren und keine hingehören; auf den Ausladungen seien Vertiefungen, in welchen das Wasser zurückgehalten werde. Die in starker Verwitterung be¬ griffenen Steine seien hygroskopisch, sie saugen sich nicht bloss bei eigentlichem Regen, sondern auch bei nebligem Wetter voll Wasser wie ein Schwamm. Da nun die Ver¬ witterung hauptsächlich durch Feuchtigkeit begünstigt werde, müsse man doch die Schädlichkeit der in Ver¬ witterung begriffenen Steine für ihre Nachbarschaft an¬ nehmen. Aut diese Ursache führe er auch die von ihm bereits mitgetheilte sonderbare Thatsache von den ange¬ griffenen ganz neuen Steinen zurück. Jedenfalls sei richtig, dass die verwitternden Steine gruppenweise zusammen¬ liegen. Böckmann meint auch, dass ein verwitterter Stein neben einem gesunden diesen anstecke. Er möchte als Antwort vorschlagen: „Ja, wenigstens auf den darunter¬ liegenden.“ Jassoy möchte der Antwort die Fassung geben: „Ja, aber nur unmittelbar“. Die von Seitz geschilderte Erscheinung führe er darauf zurück, dass die betreffenden Steine in Zement versetzt seien; auch sei die Metallein¬ deckung fehlerhaft. Das Wasser tropfe an der Sima nicht ab, sondern laufe an ihr herunter. Eggert: Bei allen alten Bauten könne man wahrnehmen, dass einzelne Steine ver¬ wittern, während ihre Umgebung erhalten bleibe. Man könne einem Stein nicht immer ansehen, ob er wirklich gut sei. Wenn ein gut aussehender Stein, der neben einem verwitterten liegt, angegriffen wird, so lägen eben irgend welche besondere Umstände vor. Lutsch glaubt auch nicht, dass wirklich gute Steine von benachbarten ver¬ witterten in Mitleidenschaft gezogen werden. Thoma da¬ gegen legt einen entscheidenden Werth auf die gegen¬ seitige Lage der Steine. Wenn der verwitterte Stein über dem gesunden liegt, wird er ihm schädlich sein; auch wenn er daneben liegt, nicht aber, wenn er darunter liegt. Es wird einstimmig die Antwort angenommen: Unter Umständen Ja, am meisten auf die darunter liegenden. — Frage 7: Hat die fortschreitende Verwitterung der Steine nacht heiligen Einfluss auf die Stand¬ fähigkeit der Mauer? Die Frage wird einstimmig ohne Debatte mit „Ja“ beantwortet. — Frage 8: Sind Regen, Frost und Sonnenhitze, die die Rückseite der Fassade treffen, schädlich für die dem Hof zugewendete Seite der Fassade? Böckmann hält Regen und Frost für die wichtigsten Faktoren, die Sonne schade weniger; seine Bedenken wären nicht so gross, wenn es sich um eine gesunde Wand handle, die hier besprochene sei aber voll feiner Risse, diedenRegen aufsaugen. Er möchte die Frage mit „Ja“ beantworten. Eggert dagegen hat bis jetzt nicht den geringsten Anhalt dafür gefunden, dass Regen, Frost und Sonnenhitze, die die Rückseite der Fassade treffen, schädlich für die dem Hofe zugewendete Seite der Fassade seien. Der Frost wirke nur auf die Oberfläche der Steine und könne diese höchstens durch Absplittern schädigen. Als Antwort möchte er Vorschlägen : „Ja, aber nur in äusserst geringem Maasse“. Bluntschli ist auch der Meinung, dass ein nur geringer Einfluss stattfinde. Lutsch glaubt, dieGefahr seivorhanden, dass der schädliche Einfluss der vorhandenen Risse in das Innere des Mauerwerks weiter fortschreite. Die Frage sei unbedingt mit „Ja“ zu beantworten. Bei dem schlechten Zustand der Mauer sehe er thatsächlich keine Möglichkeit, ohne vorkehrende Maassregeln die Fassade zu halten. Jassoy dagegen glaubt bei der Stärke der Mauer an einen schädlichen Einfluss auf die Hofseite nicht. Nach und nach könne wohl an weniger starken Stellen die Einwirkung durchdringen, z. B. an den Nischen. Die Wirkung der Sonne schlage er nur sehr gering an. Allenfalls wenn die Wand nass und gefroren sei und im Frühjahre die Sonne aufthaue, könne von einer Einwirkung in die Tiefe der Mauer die Rede sein, aber auch dann nur in sehr geringem Maasse. Seitz sagt, wenn, wie vielfach zu be¬ obachten sei, der Werkstein durch die ganze Fassade gehe und von der Rückseite her ein Sprung entstehe, so mache sich dieser natürlich an der Aussenseite geltend. An anderen Orten sei es ein Abschalen. Diese Abschalung wiederhole sich aber, die abgeschälten Stücke fallen, wie sich die Sachverständigen durch Augenschein überzeugen können, ab und eine weitere Schicht kommt an die Reihe. Auch die Sonne thue ihre zerstörende Arbeit, am deut¬ lichsten sehe man dies an den Keupersandsteinen. Thoma schliesst sich Lutsch an. Jassoy beantragt zu sagen: „mit der Zeit mehr und mehr“. Die Frage wird einstimmig beantwortet: „Ja, mit der Zeit mehr und mehr“. — Frage 9: Gibt es Schutzmittel, die, ohne einen Eingriff in die Substanz der Fassade nöthig zu machen, die Standfähigkeit der Mauer erhöhen und welches sind diese Mittel? Die Versammlung beschliesst einstimmig, die Frage mit „Nein“ zu beantworten. — Frage 10: Gibt es Schutzmittel, mit deren Hilfe man die in Verwitterung begriffenenSteine, ins¬ besondere die ausladenden Fassadentb eile, die Gesimse und sonstigen Vorsprünge in ihrem gegenwärtigen Zustande und Ort dauernd er¬ halten kann, und welche der hier inbetracht kommenden Mittel können aus künstlerischen Gründen für zulässig erklärt werden? Die Frage wird dahin beantwortet: Chemische Schutz¬ mittel haben sich nicht bewährt, eine Abdeckung der wagrechten Gesimse m't Blei oder Kupfer werden die Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes auf lange Zeit ermöglichen, auch sind diese Mittel ästhetisch vertretbar. — Frage 11: Gibt es für die Innenfläche der Mauer ausser einem vollständigen Verputz ein Mittel, das geeignet ist, die Verwitterung hintanzuhalten? Eggert verneint die Frage; auch die Fugen müssten mit Kalkmörtel und Schieferstücken gut ausgefüllt werden. Thoma meint, ein dauernder Schutz sei das nicht. Böck¬ mann bezeichnet das Auskitten der Fugen als elendes Mittel, das jedes Frühjahr erneuert werden müsse. Seiner Ansicht nach gebe es überhaupt kein Mittel. Seitz macht darauf aufmerksam, dass es sich bei dem Verwitterungs¬ prozess von vornherein um ganz feine Risse handele, die sich allmählich erweitern. In diese könne man aber keinen Kitt hineinbringen. Fischer erläutert durch eine Skizze einen Vorschlag, wie man durch Dächer in den einzelnen Geschossen an der Innenfläche der Mauer die Verwitterung derselben hintanhalten könne; er denke sich die Konstruk¬ tion aus Eichenholz, womöglich aus altem Material und möglichst roh und primitiv ausgeführt; sein künstlerisches Gewissen würde ihn nicht hindern, diese Schutzdächer auszuführen. Die Versammlung beschliesst, die Frage mit „Nein“ zu beantworten. — Frage 12: Gibt es Mittel, die Vergrösserung der Ausweichung der Hoffassade (vergl. Frage 3) dauernd zu verhindern, ohne dass das jetzige Aussehen der Ruine geändert wird, und welches sind diese Mittel? Lutsch sagt, er könne hier nur an die Errichtung von Strebepfeilern denken. Es sei aber erfahrungsgemäss nicht möglich , solche Strebepfeiler dauernd mit altem Mauerwerk gut zu verbinden, weil das Setzen von altem und neuem Mauerwerk ungleich stattfinde. Die Alten hätten zu dem Zweck der Verbindung Steinanker einge¬ setzt, aber diese seien immer geplatzt. Wirksamer wären eiserne Anker. Aber er würde sich vor einem solchen Eingriff in die Mauer fürchten. Auch hause der Sturm, No. 13. 86 der an den Mauern rüttle, nach wie vor weiter. Thoma möchte im Gegensatz hierzu antworten: „Ja durch Ver¬ ankerung und Verspannung". Eggert: Nach seinem Da¬ fürhalten müsse man unter allen Umständen die Mittel¬ mauern und die Giebelmauern verstärken. Die Front¬ mauern seien so, wie sie jetzt sind, völlig ungeeignet, sich selbst zu erhalten. Wenn man die Mittel- und Giebel¬ mauern wieder in guten baulichen Zustand setze oder neu aufführe, erhalte man einige unverrückbar feste Punkte für die Frontmauern; man könne dann einen Weg finden, um die Kräfte des Windes, die auf die Frontmauern wir¬ ken, sicher bis zum Baugrund zu führen. Dieses Mittel müsse man anwenden, ob man die Ruine erhalten wolle oder ob man an den Wiederaufbau denke. Ferner müsse man Sorge tragen, die Schwankungen der Mauern, welche in den freien Strecken derselben bei Einwirkung des Windes noch auftreten werden, aufzuheben, um zu ver¬ hindern, dass die Mittellinie der Druckkräfte zu nahe an die Aussenflächen der Mauern rückt, wobei zu grosse Kantenpressungen und infolge dessen Zerstörungen des Mauerwerkes eintreten. Dies könne nur durch wagrecht liegende Träger geschehen, welche ihre Auflage in den Mittel- und Giebelmauern finden. Er habe dafür ein System ausgedacht: er denke sich am oberen Ende jeden Geschosses einen aus Eisenstäben und Stampfbeton zu konstruierenden Balken, an welchen die Fassade an be¬ liebig vielen Punkten gewissermaassen anzuhängen sei. Böckmann führt aus, stabil könne man möglicherweise die Fassade machen, nicht aber unverwitterbar. Es würde durch den Eggert’schen Vorschlag nur erreicht, dass die Fassade nicht umfiele, nicht aber, dass sie nicht in sich zusammenfiele. Die Mauer sei so sehr durch und durch verwittert, dass es geradezu ein Wunder sei, dass sie so lange gehalten habe. Er möchte die Frage mit einem glatten „Nein“ beantworten. Seitz: Die Verbindungen des Eisenbetonbalkens mit der Fassadenmauer wären doch nur dann denkbar, wenn die Steine, an welchen die Ver¬ bindung hergestellt werden soll, unverrückbar wären, das sei aber nicht der Fall. Er wisse an der ganzen Fassade nicht einen einzigen Stein, der das aushielte. Auch wisse er nicht, auf welche Weise dann der zwischen zwei sol¬ chen Balken liegende Fassadentheil gehalten werden soll. Die Geschosshöhe betrage 7 m. Eggert: Am oberen Ge¬ schoss müsse man wahrscheinlich das Mauerwerk zum- theil abtragen. Der zwischen zwei Balken liegende Fassaden¬ theil halte ebenso gut, wie der zwischen zwei Gebälken liegende Fassadentheil eines gewöhnlichen Hauses. Die Mauer stehe in ihrem jetzigen Zustand schon seit 150 Jahren; wenn seine Konstruktion ausgeführt sei, würde ihre Er¬ haltung für absehbare Zeiten gesichert sein. Thoma erblickt eine grosse Gefahr darin, in die Mauer Löcher zu machen. Eine Gefahr hege auch in der treibenden Kraft des Zementes. Die Verspannung, von der er gesprochen habe, habe er sich Mittheilungen aus Vereinen. Arch.- u. Ing. -Verein zu Düsseldorf. Im letzten Viertel¬ jahr 1902 wurden 5 Versammlungen abgehalten, welche von durchschn. 22 Mitgl, besucht waren. Neu aufgenommen wurden als ord. einheim. Mitglieder die Hrn.: Ing. Boerner, Landbauinsp. Müsset, Arch. Fischer, Eisenb.-Bau- u. Betr.- Insp. Schmale, Ing. Hüttig, Reg.-Bfhr. Erberich, Bauinsp. Schroeter, Reg.-Blhr. Müller, Reg.-Bmstr. a. D. Wolff, Reg.- Bfhr. a. D. Wessing, Fabrikbes. Kremer, Fabrikbes. Arch. Schulte, Geh. Brth. Lünzner, Landesbrth. Görz, Reg.- u. Brth. Endell, Arch. Speck, Reg.-Bfhr. Höhle, Reg.-Bmstr. Auhagen, als auswärt. Mitgl. Hr. Brth. Misling. In den Versammlungen standen meist geschäftliche Angelegenheiten zurTagesordnung, u. a. wurde beschlossen, an den Verbandsvorstand den Antrag zu richten, aus lo¬ kalen Gründen die in Düsseldorf 1904 abzuhaltende Ab¬ geordneten- und Wanderversammlung entweder schon im Juni, Juli oder erst im September stattfinden zu lassen. Auch wurden für diese Versammlung die Ausschüsse gewählt, welche ihre Arbeiten aufgenommen haben. Am 6. Dez. feierte der Verein sein Winterfest mit Damen in den oberen Prunkräumen der städt. Tonhalle. Eine zahlreiche Betheiligung und abwechselungsvolle Ver¬ anstaltungen zeichneten den Abend aus. In der Versammlung am 20. Jan. 1903, welche von 37 Mitgl. und 1 Gast besucht war, wurden nach geschäft¬ lichen Mittheilungen der Jahres- und der Kassenbericht er¬ stattet. Der Verein schloss das Jahr 1902 mit 98 Mitgl. und einem Kassenbestand von 598 M. ab. Neu aufge¬ nommen wurden die Hrn. Landesbauinsp. Schweizer und Imhofen, Landesbmstr. Baltzer und Ing. Oslender. Zum Schluss veranstaltete Hr. Arch. Genschmer einen Meinungsaustausch über die Durchführung baupolizei¬ licher Bestimmungen. — Th. 14. Februar 1903. ganz anders vorgestellt. Er habe lediglich an die Auf¬ lührung von Querwänden und an die Aufbringung eines Daches gedacht. Die Ausführung des Eggert’schen Vor¬ schlages möchte er jedenfalls nicht übernehmen. Lutsch führt Beispiele an aus dem Herzogthum Braunschweig, wo man sich mit besonderer Liebe der Denkmäler an¬ nehme; aber auch dort sei es nicht gelungen, die Ruinen zu erhalten. Mauern, die im Freien stehen, könnten eben nicht erhalten werden. Dass die von Eggert angegebene Konstruktion eine wesentliche Verbesserung der Mauer bedeute, das erscheine ihm allerdings unzweifelhaft. Es sei ein geistvoller Vorschlag, durch den auch eine Schä¬ digung der ästhetischen Wirkung nicht eintreten würde. Im Gegentheil würden die Eggert’schen Balken als Gale¬ rien, die durch Wendeltreppen zu verbinden wären, dem Publikum einen reizenden Spaziergang auf den Ruinen ermöglichen. Eine dauernde Sicherung der Mauer würde aber nicht erreicht. Die Eggert’sche Konstruktion ist jedenfalls erwägenswerth. Aber die technische Ausfüh¬ rung halte er für sehr schwierig. Die Verbindung der wagrechten Träger mit der Mauer und die Verbindung der Strebepfeiler mit der Mauer halte er für unmöglich, wenigstens bei einer alten Mauer. Auch müsse man be¬ denken, dass wir eine Balkenlänge von 17 m bekämen. Mit 60 CI“ Konstruktionsbreite käme man da unmöglich aus. Auch Jassoy hält die Ausführung der Eggert’schen Kon¬ struktion für sehr schwierig. Namentlich scheint ihm die Verbindungsweise von Balken und Mauer höchst bedenk¬ lich. Ferner sei nur eine wagrechte Sicherung geschaffen. Bei einer Geschosshöhe von 7 m aber und nachdem die Mauer ausgebaucht sei, müsse man an ein Zusammen¬ fallen in senkrechtem Sinne denken. Böckmann hält eine Absteifung der Fassade auf irgend eine Weise für mög¬ lich, ob gerade auf die von Eggert angegebene Weise, das sei doch sehr fraglich. Er schlage als Antwort auf die Frage 12 folgende Fassung vor: „Ein Schutz der Fassade gegen Umfallen ist durch Streben und andere Konstruktionen möglicherweise zu erreichen, doch würde das ein Zusammen¬ sinken nicht verhindern". Bluntschli: Um den Eggert’¬ schen Vorschlag beurtheilen zu können, müsse man das ganze Projekt haben. Aufgrund der bisherigen Angaben könne er nicht sagen, ob die Ausführung möglich sei. Auf Vorschlag Eggerts beschliesst die Versamm¬ lung mit 5 gegen 2 Stimmen, die Frage zu beantwor¬ ten: Ein Schutz der Fassade gegen Umfallen ist mög¬ licherweise zu erreichen durch Anbringen von Eisenbeton- Konstruktionen oder anderer Versteifungen an der Rück¬ seite der Hofmauer, welche sich gegen die zu verstärken¬ den und mit der Längsmauer fest zu verbindenden Nord- und Südmauern und die zumtheil höher zu führende Mittel¬ mauer stützen. Doch hat die Mehrheit der Kommission gegen die Ausführung dieses Vorschlages erhebliche Be¬ denken geäussert. — (Schluss folgt) Chronik. Bahnhof-Neubauten in Heidelberg. Mit den umfangreichen neuen Bahnanlagen soll in diesem Frühjahre begonnen werden. Die Bauzeit ist auf 6 Jahre berechnet. — Kolumbarium in Stuttgart. Der Stuttgarter Verein für fakultative Feuerbestattung hat die Errichtung eines Kolumbariums nach dem Entwürfe des Hrn. Reg.-Bmstr. Wilh. Schölte r auf dem Pragfriedhofe beschlossen. — Der deutsch-österreichisch-ungarische Binnenschiffahrts¬ verband wird in der Zeit vom 9. — 12. Sept. d. J. seinen 6. Ver¬ bandstag in Mannheim abhalten — Zum Bau des Stadttheaters in Thorn will die preuss. Re¬ gierung einen Beitrag von 150000 M. bewilligen. Die Stadt hat die Summe von 300000 M. bereits ausgeworfen. — Die Villenkolonie Grunewald will 650000 M für bauliche Zwecke und zwar zum Neubau einer Gemeindeschule nebst Rektor¬ haus, sowie zur Errichtung eines chemischen und physikalischen Laboratoriums im Realgymnasium aufwenden. — - Ein Rainerbrunnen im Bezirke Wieden in Wien soll nach einem Beschlüsse des Stadtrathes mit einem Aufwande von 33000 Kr. errichtet werden. Der nach dem Entwurf des Bild¬ hauers Kauffungen in der Grundform eines Obelisken auf dem Rainerplatz zu errichtende Brunnen soll der Erinnerung an die goldene Hochzeit des Erzherzogs Rainer und der Erzherzogin Maria Carolina dienen. — - Ein neuer Justizpalast in Brünn wird nach dem Entwürfe des Hrn. Ob.-Brth. Alex. v. Wielemans in Wien erbaut werden. Die Errichtung erfolgt auf dem freizulegenden Gelände der Jesuiten- Kaserne. — Zum Direktor der kgl. höheren Webeschule in Krefeld wurde der Architekt H. E. von Berlepsch-Valendas in Maria- Eich bei München berufen. — Städtische Neubauten in Köln a. Rh. betreffen die Er¬ richtung einer neuen Volksschule mit Turnhalle, Lesehalle, Brausebad usw. für 385 000 M. ; ferner ein neues Gebäude für die Handelshochschule am Römerpark, sowie die Errichtung eines Rautenstrauch-Joest-Museums an der gleichen Stelle, für welches die Wittwe des Stifters die Kosten mit etwa 300000 M. trägt. — 87 Die Einweihung des Sängerhauses in Strassburg i. E., eines vom Strassburger Männergesangvereins errichteten Sammel¬ punktes des Deutschthums im Reichsland, hat kürzlich stattgefunden. Die Eröffnung der Albulabahn wird für den kommenden Sommer erwartet. Es werden durch sie Chur bezw. Thusis und St. Moritz verbunden. Nach dem Berner „Bund“ übertrifft die neue Alpenbahn die Gotthardbahn an Kühnheit des Baues und an über¬ raschenden Aussichten. — Für die Wiederherstellung des Domes in Wetzlar sind die Vorarbeiten durch Kreisbauinsp. Stiehl abgeschlossen. Die Kosten, deren Beschaffung noch eine offene Frage ist, werden auf mehr als i Mill. M. geschätzt. — Eine Erweiterung des Warenhauses Wertheim in Berlin auf Nachbargrundstücken in der Leipzigerstrasse, am Leipzigerplatz und in der Vossstrasse, die mit einem Aufwande von 9,5 Mill. M. erworben wurden, erfolgt nach den Entwürfen des Hrn. Prof. A. Messel in Berlin. — Zum Konservator des Regierungsbezirkes Wiesbaden wurde Hr. Prof. Ferd. Luthmer in Frankfurt a. M. berufen. — Die neue Festhalle in Mannheim, nach dem Entwurf des Hrn. Prof. Bruno Schmitz am Friedrichsplatz errichtet, soll Ostern d. J. mit einem grossen Musikfeste eingeweiht werden. - — - Neue Monumentalbauten in Weimar, und zwar ein neues grossh. Palais sowie ein neues Hoftheater, werden als eine Folge der Vermählung des Grossherzogs in Aussicht gestellt. — Mozart-Haus in Salzburg. An der Geburtsstätte Mozarts in Salzburg soll durch die Mozart-Gemeinde ein Mozart-Haus er¬ richtet werden, zu welchem die Stadt den Baugrund unentgeltlich überlassen dürfte. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Mar.-Int.- u. Brth. Wüerst ist z. Geh. Brth. und der Mar.-Garn.-Bauinsp. Zimmermann in Wil¬ helmshaven z. Mar.-Int- u. Brth. ernannt. Dem Mar.-Int. u. Brth. Zeidler im Reichsmar.-Amt ist der Char. als Geh. Brth., den Mar.-Hafenbmstrn. Mönch und Möller als Mar.-Brth. mit dem persönl. Range als Rath IV. Kl. verliehen. Ernannt sind bei den Reichseisenb : der württ. Reg.-Bmstr. Kommerell in Strassburg z. Eisenb.-Bau- u. Betr -Insp. und der preuss. Reg.-Bmstr. Bergmann in Strassburg z. Eisenb.-Bauinsp. Baden. Dem städt Hochbauinsp. S t ü r z e n a c k e r in Karls¬ ruhe ist eine etatirr Prof.-Stelle ander Baugewerkschule übertragen. Preussen. Dem Geh. Brth. und vortr. Rath H Keller in Berlin ist der Rothe Adler-Orden III. Kl. mit der Schleife, dem Landesbrth. Nessenius in Hannover der Rothe Adler-Orden IV. Kl. und dem Glasmaler Prof. Geig es in Freiburg i. Br. der kgl. Kronen-Orden III. Kl. verliehen. Der Wasser-Bauinsp. Brth Werneburg in Trier ist z. Reg.- u. Brth. ernannt. Die Reg.-Bfhr. Otto Hotzen aus Goslar u. Rieh Dähne aus Hohenmölsen (Hochbfch.) — Felix Kuwert aus Wernsdorf und Rud. Seifert aus Frankenstein (Wasser- u. Strassenbfch.), — Jul. Metzger aus Ungarn, Kurt Tecklenburg aus Weissen- fels, Willi Behrens aus Brunnen und Fritz Lauser aus Jena (Eisenbfch.), — Herrn. Potthoff aus Berlin (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Den Reg.-Bmstrn. H. Kayser in Charlottenburg, Wilh. Hause in Berlin und Fr. Lorenz in Bruchsal ist die nachges. Entlassung aus dem Staatsdienste ertheilt. Der Landesbauinsp. Lindenberg in Eschwege und der Reg.-Bmstr. E. W i g g e r t in Breslau sind gestorben. Sachsen. Dem Fin.- u. Brth. R o t h e r , Mitgl. der Gen.-Dir. der Staatseisenb. ist der Tit. und Rang als Ob. -Brth. verliehen. Der Reg.-Bmstr. Temper ist zum Brandversich. -Insp. in Marienberg befördert und der Brandversich. -Insp. Kühn in Marien¬ berg nach Dresden versetzt. Sachsen-Weimar. Dem Brth. Hosse in Jena ist die Er¬ laubnis zur Annahme nnd z Tragen des ihm verlieh. Ritterkreuzes 1. KI. des herz. Sachs. Ernestin. Hausordens ertheilt. W ürttemberg. Reg.-Bmstr. Mössingerist zumT elegr.-Ing. ern. Brief- und Fragekasten. Anmerkung der Redaktion. Die Anfragen für unseren Brief- und Fragekasten häufen sich in der letzten Zeit in einer solchen Weise, dass die Beantwortung derselben bei dem bescheidenen Raum, den wir dieser nur zur Verfügung stellen können, sich gegen unseren Willen vielfach verzögert. Wir sehen uns daher zu der Bemerkung genöthigt, dass wir nur noch die Anfragen von all¬ gemeinem Interesse berücksichtigen können, welchen der Nachweis des Bezuges unseres Blattes beigefügt ist. Wenig Aussicht auf Beantwortung haben ausserdem die Anfragen, deren Erledigung auf dem Wege der zenzeige möglich ist. Grund¬ sätzlich sollte der Briefkasten nur dann in Anspruch genommen werden, wenn andere W ege versagen. — Denkmal. Wenn auch die Belastung des Baugrundes nach den gemachten Angaben sich kaum auf 1 kg/qcm stellt, so halten wir doch die Gründung eines thurmartigen Denkmales in der vor¬ geschlagenen Weise auf aufgeschüttetem Boden für bedenklich, ins¬ besondere, wenn, wie in dem vorliegenden Falle, die Beschaffenheit der Aufschüttung und der Umstand, dass diese zeitweilig bei Hoch¬ wasser durchfeuchtet wird, ein stärkeres Setzen des Bauwerkes mit ziemlicher Sicherheit erwarten lassen. Wir theilen Ihre An¬ sicht, dass man gerade bei einem für die Dauer bestimmten Denk¬ mal nicht am Fundament sparen sollte. — Hrn. Reg.-Bmstr. L. O. in Berlin. 1. Der Begriff „Ent¬ wurf“ im Sinne der Honorarnorm für Architekten schliesst durch¬ aus nicht grundsätzlich die Lieferung einer statischen Berechnung ein, woraus folgt, dass ein Sachverständiger nicht berechtigt ist, einen Entwurf als unvollständig zu bezeichnen, bei welchem eine statische Berechnung fehlt. Eine statische Berechnung wird ange¬ fertigt entweder unmittelbar zur Ausführung einer schwierigen Konstruktion, oder um die Ausführbarkeit einer Konstruktion z. B. für die Baupolizei nachzuweisen. Zu dem Begriff „Entwurf" aber gehört ein solcher Nachweis nicht, denn der Entwurf kann mit den allgemeinen Erfahrungen aufgestellt werden, über die, ohne eine besondere Berechnung angestellt zu haben, jeder Archi¬ tekt verfügt, der in seinem Fache zu Hause ist. — 2. Im „Entwurf“ ist die Skizze“ im vollen Umfange enthalten; wenn also auch von der Skizze nur Grundrisse geliefert sind — was auf einen rein äusserlichen Umstand zurückgeführt werden kann — , so hat der „Entwurf“ doch auch die Anfertigung der übrigen Zeichnungen der „Skizze“, also der Ansichten, Schnitte usw. zur Vorbedingung. Diese sind also mit zu honorieren. — Hrn. G. B. ln Wattenscheid. Ihre Darstellung liefert ein nur unklares Bild des thatsächlichen Sachverhältnisses. Unter dem Kostenanschläge sind runde Beträge eingesetzt und bei den einzelnen Posten das Wort ca. vorgesetzt. Daraus folgt, dass für den Bau¬ herrn deutlich erkennbar war, dass eine Veränderung in den Ziffern zu erwarten stehe. Insofern es nun unter der Endziffer heisst: „Die Arbeiten unter den obigen Preisen auszuführen, verpflichtet sich der Unterzeichnete“, kann nur gemeint sein, dass die Einheitssätze einzuhalten sind. Der spätere Vertrag spricht nun die Verpflichtung aus, den Bau nach Kostenanschlag auszuführen, steht also dem nicht entgegen, dass die Berechnung nach den Einheitssätzen des Anschlages erfolgen würde. Unter diesen Umständen ist zu erwarten, dass dein betreffenden Werk¬ meister gerichtsseitig der Betrag zugesprochen werden wird, welcher aufgrund der Einheitssätze nach Maassgabe der wirklichen Leistungen sich ergeben wird. Denn von einem Bau zu einem festen Preise kann bei Lage der vorberegten Umstände keine Rede sein. Sollte allerdings nachweisbar sein, — was indess stark zu bezweifeln ist — dass der Bauhandwerker mündlich das Einhalten von 13313,29 M. zugesagt, oder dritten Personen mitgetheilt hat, dass er für diesen festen Preis die Herstellung des Bauwerkes übernommen habe, so würde dies beim Gericht vielleicht ausreichen, den jetzt erhobenen Mehranspruch für unberechtigt zu erklären. Wir können nur wieder¬ holt darauf aufmerksam machen, bei Abschluss von Verträgen Rechtskundige zuzuziehen, will man sicher sein, künftigen Streitig¬ keiten wirksam vorgebeugt zu haben , die aus zweideutigen und unklaren Fassungen unvermeidlich sind. — K. H-e. D. Rheinland. Nach Straf- G.-B. § 67 beginnt die Ver¬ jährung einer strafbaren Handlung mit dem Tage, an welchem die Handlung begangen ist, ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt des ein¬ getretenen Erfolges. Mithin ist die Bestrafung von Zuwiderhand¬ lungen gegen Polizeivorschriften mit Ablauf von drei Monaten nach ihrer Begehung ausgeschlossen. Ist z. B. eine bauliche Veränderung, für welche Bauerlaubniss erforderlich war, ohne deren Einholung vorgenommen oder ein Bauwerk bezogen worden, bevor die vor¬ geschriebene Gebrauchsabnahme erfolgt war, und sind seit Begehung dessen drei Monate verstrichen, so ist es dem Strafrichter verwehrt, einen Strafbefehl zu erlassen. War es zu einem solchen gleich¬ wohl polizeilicherseits gekommen, so ist der angerufene Richter in der Zwangslage, ihn aufheben zu müssen. Das in Ihrem Falle er¬ gangene Urtheil war somit begründet. Einen gleichen Ausgang würden künftige gleicbliegende Fälle finden müssen. Durch Eintritt der Strafverjährung hört jedoch das betreffende Bauwerk nicht auf, polizeiwidrig zu sein und wird nicht etwa zu einem erlaubten. Vielmehr bleibt es der Polizei unbenommen, durch Verfügungen die Wiederbeseitigung unzulässiger Einrichtungen oder die Abstellung von Misständen zu verlangen und im Verwaltungs-Zwangsverfahren durchzusetzen. Derartige Auflagen dürfen indess nicht rein will¬ kürlich sein , sollen sie im verordneten Rechtsmittelzuge (B.-V.-G. v. 30. Juli 1883 § 127 ff.) aufrecht erhalten bleiben. Das Recht, die Beseitigung im Zuwiderhandlungswege geschaffener baulicher Miss¬ stände zu verlangen, ist an keine Frist gebunden und von der Strafverjährung völlig unabhängig. — K. H-e. Hrn. F. K. in Kleve. Sie fragen , wie man am besten be¬ stehende Fabrikräume in Kühlräume verwandelt usw. Ja, Sie haben vielleicht in bisheriger Verfolgung des Briefkastens gesehen , dass wir gerne gefällig sind, soweit es der schmale Raum des Brief¬ kastens gestattet. Fragen jedoch, die einer so eingehenden Beant¬ wortung bedürfen, wie die vorliegende, müssen wir von der Beant¬ wortung ausschliessen. Richten Sie doch Ihre Anfrage an eine der aus unserem Anzeigentheil zu ermittelnden Fabriken für Isoliermittel; vielleicht entschliesst sich die eine oder andere derselben , Ihnen mit eingehenderen Angaben an die Hand zu gehen. Der Bauausführende ist nur dann für Hausschwamm verant¬ wortlich, wenn ihm nachgewiesen werden kann, dass er die Vor¬ sorge zur Vermeidung von Schwammbildung versäumt hat. — Anfragen an den Leserkreis. x. Wie haben sich die nach dem „System Scheid“ (Architekt in Kassel, Luisenstrasse) gebauten Häuser bewährt? Wo sind solche ausgeführt? Ist der Preis für sie billiger, als der für Massivbauten? H. Sp. in Halle a. S, 2. Welche geschlossenen Veröffentlichungen giebt es überFeuer- wachen und Feuerlösch-Depots ? A. L. in Königshütte. 3. Können eichene oder buchene Parkettböden unmittelbar auf Korkplatten aufgenagelt werden? Wie dick müssen die Kork¬ platten sein? Welche Erfahrungen liegen bei derart ausgeführten Arbeiten vor? Die Korkplatten wurden auf Betongewölbe verlegt und die Fugen mit Pech oder Zement ausgegossen. L. G. in Strassburg. Inhalt: Die St. Maximilians-Kirche in München. — Der Teltow-Kanal (Fortsetzung). — Zur Angelegenheit des Heidelberger Schlosses (Fort¬ setzung). — Mittheilungen aus Vereinen. — Personal-Nachrichten. — Brief- uad Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die St. Maximilians-Kirche in München. _ Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwort]. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilb. Greve, Berlin. No. 13. 88 s DEUTSCHE BAUZEITUNG II XXXVII. JAHRG. NE 14. BERLIN, DEN 18. FEBR. 1903 m Kanal-Mündung bei Kl. -Glienecke mit Brücke im Zuge der Chaussee nach Babelsberg sowie des Privatweges zum Schlosspark. Der Teltow -Kanal. Ingenieure: Königl. Bauräthe Havestadt & f. Die Bauwerke des Kanales. (Fortsetzung.) ß. Die Brückenbauten. (Hierzu die Abbildgn. 7—9 in No. 13 und in der Fortsetzung.) ie Ausführung des Kanales bedingt die Her¬ stellung einer grossen Anzahl von Brücken, da die Linie nicht weniger als 8 Eisenbahnen, 14 Chausseen, 14 Wege und Landstrassen, 10 städtische Strassen kreuzt (vergl. das Längenprofil Abbildg. 2 S. 68). Die Gesamtzahl der Brücken (einschl. des Abzweiges nach der Oberspree) beträgt 48, davon werden 42 in Eisen, 6 als massiv gewölbte Konstruktionen (Stampfbeton z.Th. mit Eisen¬ einlage oder auch mit Gelenken) ausgeführt. Eine der bemerkenswerthesten und für die Aus¬ führung schwierigsten Theilstrecken des Kanales ist der Durchstich vom Griebnitz-See zum Bekethal (vergl. den Kanalplan Abbildg. 1 auf S. 68). Es werden hier auf etwa 400 m Kanallänge 3 doppelgleisige Eisenbahnen, und zwar dieWannseebahn, dieWetzlarer und die Pots¬ damer Stammbahn und ausserdem noch 2 Wege, der Böckmann’sche Privatweg und die Kreis - Chaussee Stolpe-Neuendorf gekreuzt, wie aus dem umstehenden Theil - Lageplan Abbildg. 10 ersichtlich ist. Zur Herstellung der 3 Eisenbahn-Ueberführungen mussten die 3 Bahnen vorübergehend verlegt werden und es war hierfür die Schüttung hoher Dämme, gröss¬ ten theils in sumpfigem Gelände, sowie die Herstellung Co n tag in Berlin -Wilmersdorf. (Fortsetzung.) zweier Nothbrücken über die Beke erforderlich. Die Nothbrücken sind als hölzerne Jochbrücken ausgeführt worden. Jedes Gleis auf denselben wird von 4 ver¬ dübelten Balken von je 2.30.30 cm Stärke getragen bei 5m Stützweite. Bei den 5,8 m weit gespannten End¬ öffnungen ist noch ein durchgehendes Sattelholz von gleicher Abmessung zurVerstärkung hinzugefügt. Jedes Joch wird von 11 je 12 m langen Rammpfählen von 30 — 35 cm mittlerem Durchmesser gebildet. VomBöckmann’schen Privatweg bis zur Potsdamer Stammbahn ist der Kanal in gerader Linie durchge¬ führt und es schliessen an Anfang und Ende dieser Ge¬ raden Krümmungen von 500™ Halbmesser an. In diesen Krümmungen ist das Kanalprofil zwecks Er¬ leichterung der Durchfahrt um 5m verbreitert. Die Brücken haben im Wasserspiegel zwischen den massiv durchgeführten Leinpfaden eine normale Lichtweite von 2om erhalten; nur bei der Potsdamer Stammbahn ist dieses Lichtmaass noch um 3m vergrössert, weil ziemlich unmittelbar hinter der Bahn die Krümmung des Kanales mit 500 m Halbmesser beginnt. Zwischen der Wetzlarerbahn und der Chaussee -Ueberführung ist, wie der Lageplan zeigt, auf der Südseite des Kanales eine Verbreiterung um 5 m auf 55 m Länge vorgesehen, um Personendampfern, Motorbooten usw. das Anlegen zu ermöglichen. Die 3 zweigleisigen Eisenbahn-Ueberführungen haben für jedes Gleis einen besonderen eisernen Ueber- 89 bau erhalten und zwar Fachwerkträger mit oben liegen¬ der Fahrbahn. Für die Wannseebahn und die Pots¬ damer Stammbahn war bei dieser Anordnung genü¬ gende Höhe vorhanden, während die Wetzlarerbahn an der Kreuzungsstelle um rd. 1,3 m gehoben werden musste. Die Konstruktion ist für den Ueberbau der Wannsee und der Wetzlarer Bahn dieselbe, daher ist nur die erstere in Abbildg. 7 in der generellen Anord¬ nung dargestellt, während Abbildg. 8, Seite 83, den Oberbau der Brücke fürdiePotsdamerStammbahn zeigt. Die beiden Wegebrücken haben eisernen Ueber¬ bau mit untenliegender Fahrbahn erhalten, da eine Höherlegung der Fahrbahn sehr ungünstige Steigungs¬ verhältnisse für die Brückenrampen ergeben hätte (vergl. die Abbildgn. 7 und 9). Der Böckmann'sche Privatweg, die Wannseebahn und die Wetzlarerbahn sind wegen des schlechten Bau¬ grundes auf Pfahlrost gegründet und es sind je nach der Zwischen den Widerlagern der Chausseebrücke Neuendorf-Stolpe ist noch quer durch die Kanalsohle ein 5 m breites Betonfundament eingebaut und ausser¬ dem sind in den Widerlagern Nischen angeordnet. Es wird beabsichtigt, hier ein Nadelwehr einzulegen, dessen eiserne Nadeln sich unten gegen ein im Beton¬ bett verankertes z- Eisen und obengegen ein Schwimm¬ ponton stützen (vergl. Abbildg. 9). Durch das Nadel¬ wehr soll ein zeitweiliges Anstauen der unteren Hal¬ tung bis zur Schleuse auf 0,5 bis 1 m ermöglicht wer¬ den zwecks Spülung dieser Haltung. Andererseits soll das Wehr auch die Möglichkeit gewähren, nach der entgegengesetzten Seite das Wasser zu halten, um den Wasserspiegel zwecks Vornahme von Ausbesserun¬ gen an den Uferbefestigungen oberhalb des Wehres durch theilweises Abpumpen senken zu können. Die Rampen, welche auf beiden Seiten des Kanals vom Treidelsteg zum Böckmann’schen Weg hinauf- LAGEPLAN von Km 3,1 *3,9 ■ Trei 'lejbeiri. GvicYmAv. ■ Abbildg. 10. Lageplan der Theilstrecke bei Kohlhasenbrück. Beschaffenheit desselben Pfähle von 12 — 20 m Länge zur Verwendung gekommen. Die Widerlager der Chausseebrücke Stolpe-Neuendorf und der Potsdamer Stammbahn haben, da hier der Baugrund gut war, Betongründung zwischen Spundwänden erhalten. führen (vergl. den Lageplan Abbildg. 10), haben den Zweck, bei Einrichtung eines elektrischen Lokomotiv- Schleppbetriebes die Lokomotiven von einem Ufer auf das andere überzuführen. — (Fortsetzung folgt.) -=”■ Mittheilungen aus Vereinen. Architekten- Verein zu Berlin. Versammlung vom 10. Nov. 1902. Vors. Hr. Beer; anwes. 42 Mitgl. Der Hr. Vorsitzende eröffnete die Sitzung durch Ver¬ lesung der Dankschreiben der Hrn. A. Keller und Adler für die Ernennung zum Ehrenmitgliede bezw. für den Glückwunsch zum 75. Geburtstage und theilte ferner mit, dass den Hrn. H. Ende und v. d. Hude das Diplom für 50jährige Mitgliedschaft überreicht worden ist. Es wer¬ den sodann die Wahlen der Verbands-Abgeordneten — gewählt werden die Hrn. Beer, Bürckner, Cramer, Knoblauch und Walle — und der Ausschüsse für die Be- urtheilung der Schinkelpreisaufgaben vorgenommen. Es sprach darauf Hr. Hacker über „freitragende Treppen“ und zwar über einfache Berechnungsmethoden für dieselben, die ohne Berücksichtigung aller verwickelten Verhältnisse, die eine genaue Berechnung fast unmöglich machen, doch brauchbare Ergebnisse liefern, wie das durch die Uebereinstimmung der Rechnung mit praktischen Ver¬ suchen technischer Versuchsanstalten erwiesen ist. Hr. Cauer berichtete über das Ergebniss zweier Monats-Wettbewerbe aus dem Gebiete des Eisenbahn¬ baues. Der eine betraf den Entwurf zu einem Person en- Abstellbahnhof für eine Kopfstation, der andere einen Wagen-Reinigungs- und Untersuchungs-Schuppen. Neben guten Einzelheiten boten die 3 Leistungen doch so erheb¬ liche Mängel, dass ein Preis nicht zuerkannt werden konnte. Zwischen die Vortragsabende wurden im Monat No¬ vember noch drei Besichtigungen eingeschoben. Die erste galt den Gründungsarbeiten am Land- und Amtsgericht Berlin-Wedding (vergl. No. 91 und 101 Jahrg. 1902), die zweite der Weststrecke des in Ausführung begriffenen Teltowkanales und die dritte den Hochschulen für die bildenden Künste und für Musik in Berlin. Im ersteren Fall hatte Hr. Bauinsp. Hertel, im zweiten Herren der Bauverwaltung und der Firma Ph. Holzmann <& Co, unter letzteren Hr. Dir. Haag die Führung über¬ nommen. Ein in Kohlhasenbrück von der genannten Firma dargebotener Imbiss wurde nach der interessanten Wande¬ rung längs der theils hergestellten, theils noch im Aushub begriffenen Kanalstrecke gern entgegen genommen. Bei den Hochschulen hatte Hr. Brth. Adams die Führung. Ein Vortragsabend mit Damen fand unter leb¬ hafter Betheiligung am 24. November statt. Hr. Jaffe sprach über „Licht und Leben“, die künstlerischen und natürlichen Lichtquellen in Beziehung zur menschlichen Wohnung seit dem Alterthum bis zur Neuzeit. Die ge¬ wandt vorgetragene Plauderei wurde mit Beifall aufge¬ nommen. Trefflich unterstützt wurden die Ausführungen des Redners durch ausgestellte Kupfertafeln, Glasbilder, elektrische Beleuchtungskörper verschiedenster Form, die leuchtend vorgeführt wurden. An der reichhaltigen Aus¬ stellung hatten sich betheiligt: die Verlagsbuchhandlung E. Wasmuth, die Kunstglaser J. Schmidt und Hilde¬ brand, das Hohenzollern-Kauf haus, Rex & Co., China- und Japanwaren, und die Allgem. Elektr. Ge¬ sellschaft, sämtlich in Berlin. — Am 8. Dezember 1902 fand eine Gedenkfeier für die verstorbenen Ehrenmitglieder Dr. James Hobrech t und Wilhelm Böckmann statt, über deren würdigen Verlauf wir bereits besonders in No. ior, Jhrg. 1902 berichtet haben. Die gehaltvollen Gedenkreden des Hrn. K. Meier auf Hobrecht und des Hrn. Kyllmann auf Böckmann werden in der Ztschrft. für Bauwesen in vollem Umfange abgedruckt werden. — Versammlung am 15. Dezember 1902. Vors. Hr. Haack; anwes. 72 Mitgl., 3 Gäste. Diese die Versammlungen des Jahres 1902 ab¬ schliessende Sitzung bot eine reiche Tagesordnung und hatte einen interessanten Verlauf. Die Verhandlungen musste der Hr. Vorsitzende leider wieder mit der Mittheiiung von dem Dahinscheiden mehre¬ rer Mitglieder, des Meliorationsbauinsp. Konrad Fiedler in Erfurt und des Geh. Ob.-Brths. Max Spitta in Berlin (vergl. Dtsche. Bztg. No. 101 Jhrg. 1902), einleiten, denen No. 14 90 er einen warmempfundenen Nachruf widmete und zu deren Gedenken sich die Erschienenen von ihren Sitzen erhoben. Hr. Cramer machte sodann sehr interessante Mit¬ theilungen über breitf lauschige Träger, wie sie neuer¬ dings von dem Differdinger Eisenwerk in Luxemburg hergestellt werden. Die Träger können mit besonders konstruirten Walzen, trotzdem sie doppelt so breite Flan¬ schen als die Normalprofile besitzen und demgemäss bei gleicher Höhe ein erheblich grösseres Widerstandsmoment aufweisen, wesentlich billiger als bei dem bisher üblichen Verfahren hergestellt werden, da sie mit einem Male fertig gewalzt werden. Es sind I-Träger von 75 cm Höhe, 15 m Länge und 5000 kg Gewicht nach diesem Verfahren her¬ gestellt, das einen wesentlichen Fortschritt der Walztech¬ nik bedeutet. Die Träger sind in Berlin bereits zu haben. Hr. Altmann führte sodann einige technische Neu¬ heiten vor. Die erste betraf die Herstellung farbiger und gemusterter Glasplatten, sog. Siemens-Glas, die dadurch erzeugt werden, dass man farbigen Glasstaub, in 12 Tönen vorräthig, auf die mit Leim bestrichene Fläche eines auf Papier gezeichneten Musters aufstreut und dann das ganze auf eine glühende Glasplatte aufwalzt. Die Platten wer¬ den in Grössen bis zu 2.0,8“ von 3— 10 mm Stärke durch die Adlerhütten A.-G. zu Penzig in Schlesien und Deuben bei Dresden hergestellt. Das qm kostet im Mittel 7,5 M. für einfarbiges, 12,5 M. für gemustertes Glas. Die zweite Neuheit betraf ein um eine senkrechte bezw. um eine wagrechte Achse drehbares Fenster des Tischlermstrs. Possekel in Berlin. Statt der einen, im Schwerpunkt liegenden wagrechten Achse kann auch noch eine zweite, höher gelegene angebracht werden, sodass das Fenster für Lüftungszwecke vortheilhaft eingestellt werden kann. Mit u- Eisen und Filzstreifen erfolgt die Dichtung. Die dritte Neuheit betraf ebenfalls ein Fenster und zwar das Schiebefenster von Gebr. Schaar in Berlin, über dessen Vorführung wir schon früher berichtet haben (vergl. No. 42, Jahrg. 1902). Hr. Hasak, dem starke Heiserkeit Beschränkung im Sprechen auferlegte, sprach sodann über „Ein Ausflug nach Italien ", dessen Endzweck das Studium der Museen inbezug auf die Wirkung von Anordnung und Ausstattung der Räume auf die ausgestellten Gegenstände war. Redner trat namentlich für eine reichere Ausschmückung der Aus¬ stellungsräume ein, welche die ausgestellten Gegenstände erst recht zur Geltung bringen würde, wie das Beispiel des Palazzo Pftti zeige und sprach sich ziemlich scharf gegen Oberlichtsäle aus, in denen die Kunstwerke ganz anders wirkten, als sie von den Künstlern gedacht seien. Die geistvollen, scharf pointirten Ausführungen des Red¬ ners fanden im allgemeinen Beifall, wenn man auch in der Verurtheilung der Oberlichtsäle nicht soweit ging, wie der Vortragende. An der längeren, anregenden Besprechung betheiligten sich namentlich die Hrn. Blankenstein, Haack, Knoblauch, Marggraf und v. Ritgen. Fr. E. Arch.- u. Ing.-Verein zu Magdeburg. Die Zusammen¬ setzung des Vorstandes für 1903/4 ist: I. Vors.: Winckler, Postbrth.; stellv. Vors.: Schwarz, Eisenb.-Bau- u. Betriebs- Insp.; Schriftf.: Berner, Stadtbauinsp.; stellv. Schriftf.: Bötticher, Eisenbahn -Bau- u. Betriebs-Insp. ; Säckler: Claussen, Brth. In der Sitzung vom 21. Jan. sprach Hr. Mackenthun an der Hand eines Modelles des Krematoriums in Chem¬ nitz über Feuerbestattung nach dem Fr. Siemens’- schen Prinzip. Obwohl die heutige Art der Feuerbe¬ stattung bereits viele Anhänger gefunden hat und eine Reihe grösserer Städte Krematorien theils aus Stadtmitteln erbaut haben, herrschen im Publikum doch noch irrige Auffassun¬ gen über die Vorgänge bei der Einäscherung. Man unter¬ scheidet bei einem Krematorium zwei Theile, die Auf¬ bahrungshalle und den Verbrennungsraum, letzterer meist unter Erdbodenfläche belegen. Der obere Gebäudetheil wird überall dem Charakter der ernsten Feier entsprechend gestaltet und in der Architektur alles vermieden, was das Friedliche, Beschauliche beeinträchtigt. Nach dem Schluss¬ worte des Geistlichen bei Einsegnung der Leiche erfolgt ohne irgend ein die Andacht störendes Zeichen die Hin¬ absenkung des Sarges in den unteren Gebäudetheil. Es erscheint dieser Vorgang entschieden würdiger, als die oft durch Neugierige und Geräusche gestörte Einsenkung einer Leiche in das offene Grab. Nach dem Versenken des Sarges erfolgt ungestört und ungesehen von den Leid¬ tragenden die eigentliche Einäscherung. Der hierzu dienende Apparat besteht aus einem Füllofen, in welchem zunächst die Vergasung des Brennmateriales erfolgt. Die Gase strö¬ men nach einem Raume unterhalb des sog. Wärmesamm- Lers, werden hier mit Luft gemischt, durch eine Stich¬ flamme entzündet und durchströmen unter Entwicklung einer grossen Hitze den aus Chamottesteinen aufgebauten 18. Februar 1903. und mit vielen Zügen durchsetzten Wärmesammler. Hier entwickelt sich allmählich eine Hitze bis 2000 °C. und so¬ bald diese erreicht ist, werden die Luftzuführungskanäle geschlossen. Es ist dann der Augenblick zur Vornahme der Einäscherung einer Leiche gekommen. Diese Vorbereitungen nehmen ungefähr 4 Stunden Zeit inanspruch. Der Sarg wird alsdann an die Oeffnung des Verbrennungsraumes herangefahren, die Thür geöffnet und nach Abnahme des Sargdeckels gleitet der Sarg auf einer schiefen Ebene auf den Chamotterost, worauf die Thür hermetisch geschlossen wird. Hierauf wird der Schieber geöffnet, welcher den Verbrennungsraum vom Wärmesammler trennt, gleich¬ zeitig wird der Luftzuführungskanal zum Wärmesammler wieder geöffnet und es strömt nun die heisse Luft in den Verbrennungsraum. Infolge der intensiven Hitze von etwa 1000 °C. vergasen alle Sarg- sowie die Fleischtheile in der kurzen Zeit einer Stunde vollständig, nur die Reste der Leichen fallen als feine, weisse Aschenreste in einen unter dem Roste aufgestellten Behälter. Die bei dem Vorgänge der Einäscherung entstehenden Gase werden durch einen Abzugsschlot in die Luft entführt, ohne dass eine Beein¬ trächtigung durch Geruch oder Rauch bemerkbar wird. Man hat versucht, durch Erzeugung grösserer Hitze¬ grade die Zeit der Einäscherung abzukürzen, allein die dann zurückbleibenden Knochenreste werden schwarz und unansehnlich, daher ist allgemein daran festgehalten, die Hitze im Verbrennungsraum nicht über 1000 0 C. zu stei¬ gern. Die übrig bleibenden Aschenreste werden nach Be¬ endigung der Einäscherung in einem verlötheten Blech¬ kästchen den Hinterbliebenen eingehändigt. Diese Käst¬ chen haben eine durch Vereinbarung bestimmte Grösse und passen genau in zur Aufbewahrung dienende Urnen. Diese Urnen können entweder von den Angehörigen in der Wohnung aufbewahrt, oder aber auf den Kirchhöfen theils unterirdisch, theils oberirdisch in sogenannten Urnen¬ hallen aufgestellt werden. Eine Aufstellung in einer Urnen¬ halle findet z. B. in Magdeburg statt, wo der Verein für Feuerbestattung nach bereitwilligst ertheilter Erlaubniss seitens des Magistrates und der Stadtverordneten auf dem Westfriedhofe ein kleines reizvolles Bauwerk errichtet hat. Die eigentlichen Einäscherungskosten sind gering und betragen 9—10 M., nur die Transportkosten der Leiche nach den Orten mit Krematorien sind je nach der Ent¬ fernung nicht unerheblich. Im allgemeinen übersteigen die Gesamtkosten aber nicht die Kosten einer gewöhn¬ lichen Beerdigung einschliesslich der Grabkosten. In Magde¬ burg betragen diese ungefähr 475 M. In Paris sind die Kosten erheblich niedriger und betragen rd. 150 Frcs., für Arme nur 4 Frcs. In verschiedenen deutschen Staaten ist die Feuerbestattung seitens der Behörden gestattet, nur in Preussen noch nicht, wo der Widerspruch der Geistlichkeit die Errichtung von Krematorien bis jetzt ver¬ hindert hat, doch ist zu erwarten, dass auch hier bald eine liberalere Auffassung Platz greifen wird. — Sodann berichtet Hr. Riemann, Helmstedt, über die Bauausführung der Bahn Oebisfelde-Schande¬ lah, welche am 1. Oktober 1902 dem Betriebe übergeben wurde. Die Vorarbeiten reichen zurück bis in das Jahr 1888, mit dem Bau wurde indess erst begonnen im Jahre 1901, nachdem die Verhandlungen über die Beitragskosten erledigt waren. Die Bahn erschliesst ein Gebiet von un¬ gefähr 12 000 qm, hat 5 Stationen und gestattet eine grössere Ausnutzung der Velpker Steinbrüche und der Kalklager des Rieseberges, kürzt auch den Weg von Braunschweig über Oebisfelde nach Berlin erheblich ab. Der Vortragende erläutert eingehend die Ausführung des Oberbaues auf dem thonhaltigen Unterboden und die Brücken über Aller und Schunter, sowie die Bahnhofsanlagen. An Baukosten standen 2440000 M. zur Verfügung, der Grund und Boden war frei herzugeben. Die Ausführungskosten betrugen 2 340 000 M., die Kosten für 1 km 81 000 M. Die Bauzeit betrug nur 17V2 Monate und es wurde der Bau ohne Unfall abgeschlossen. Nur nach Fertigstellung ereignete sich gegen Ende des Vorjahres eine Betriebsstörung durch einen Eisen¬ bahn-Unfall, indem der von Braunschweig nach Magdeburg bestimmte Schnellzug bei der Ausfahrt aus dem Bahnhofe Schandelah entgleiste, jedoch ohne Verlust an Menschen¬ leben. Der Vortrag war durch reiches Material an Zeich¬ nungen und Photographien erläutert. Beiden Vortragenden wurde für die interessanten Ausführungen in der üblichen Weise gedankt. — Vermischtes. Die Anlage einer durchgehenden Avenue vom könig¬ lichen Schlosse in Berlin bis zur Havel und zum Döberltzer Schiessplatze, eine Anlage, deren Grundgedanken der Reg.- Bmstr. L. Her eher bereits im Jahrg. 1898 No. 15 der „Deutschen Bauzeitung" vertreten hat, geht von dem Ge¬ danken aus, die Bismarckstrasse in Charlottenburg vom 9i Knie ab auf 50“ zu verbreitern und [sie so geeignet zu machen, als Fortsetzung der Strasse Unter den Linden in Berlin, der Charlottenburger Chaussee und des östlichen Theiles der Berliner Strasse in Charlottenburg zu dienen. Die Deutsche Bank, welche in jenen Gegenden Gelände zur Bebauung besitzt, soll dann die Weiterführung der Avenue in der vollen Breite von 50 m westlich vom So- phien-Charlottenplatz in Charlottenburg über Westend hin¬ aus übernehmen. Der Stössensee, der Pichelssee und die Scharfe Lanke, die nördlichen Ausbuchtungen der Havel vor ihrem Eintritt in das Gebiet von Spandau, wären zu überbrücken, um die Fortsetzung der Avenue bis nach dem Döberitzer Schiessplatze zu ermöglichen. Der gross¬ artig gedachte Plan hängt mit der Aufschliessung des Grunewaldes für das Volk eng zusammen. Er will eine Avenue schaffen, die vom Schloss in Berlin bis zum west¬ lichen Ufer der Havel allein schon eine Länge von etwa 14 k® besitzt und bei ihrer Fortsetzung bis Döberitz eine Länge von nahezu 20 km erreichen dürfte. Damit wird diese Avenue ein grösseres Seitenstück zu jener Pariser Avenue werden, die schon Napoleon I. plante. Sie sollte von der Place de la Concordejiber die Place de l’Etoile, über Neuilly und Courbevoie hinweg mitten in den Wald von St. Germain führen und hier auf dem Carrefour de Noailles enden. Sie würde dreimal die Seine überschreiten und ihre Gesammtlänge 18 km er¬ reichen. Diese Avenue ist nunmehr durch den General¬ rath des Departements der Seine in der Breite von 35 ® derart beschlossen worden, dass zu dieser Breite eine beiderseitige Vorgartenbreite von je 5“ tritt, sodass die Strasse eine thatsächliche Breite von 45 m zwischen den Häuserfluchten haben wird. — Preisbewerbungen. Ein öffentlicher Wettbewerb betr. Entwürfe für den Neubau einer Industrie- und Handelsschule in Luxemburg wurde vom General-Direktor der öffentlichen Arbeiten dortselbst ausgeschrieben. Die Theilnahme ist auf Archi¬ tekten luxemburger Nationalität beschränkt. Es werden 3 Preise von 3000, 2000 und 1000 Frcs. vertheilt; ein An¬ kauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 1000 Frcs. ist Vorbehalten. Dem Preisgericht gehören an die Hrn. kgl. Brth. Felix Genzmer in Wiesbaden, Emile Hellemans, Arch. in Brüssel, Andre Fölix Narjoux, städt. Arch. in Paris, Albert Rodange, Chef-Ing. der öffentlichen Ar¬ beiten und Reg.-Rath Jean Pierre Henrion, letztere beide in Luxemburg. Die Entwürfe sind zum 1. März 1903 ein¬ zureichen. Die Wettbewerbs-Bedingungen entsprechen im allgemeinen den Grundsätzen für das Verfahren bei Wettbewerben, wie sie vom Verbände deutscher Archi¬ tekten- und Ingenieur-Vereine aufgestellt worden sind. Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein neues Restaurationsgebäude der Kuranlagen in Baden-Baden dürfte demnächst für deutsche Architekten erlassen wer¬ den. Obwohl die Frage schon eine Reihe von Jahren erörtert wird, scheint sie doch erst durch die in Wies¬ baden gefassten Beschlüsse zum Neubau der dortigen Kurgebäude in ein akutes Stadium getreten zu sein. Das Konversationshaus in Baden - Baden ist in den Jahren 1822 — 1824 durch Weinbrenner mit dem ihm eigenen grossen Zug errichtet worden. Seine Säle haben unter der französischen Fremdenherrschaft in Baden - Baden eine Ausstattung erhalten, die heute noch in allen Ehren besteht. Als völlig ungenügend aber wurden schon seit längerer Zeit die an das Konversationshaus an¬ gebauten Restaurations-Räumlichkeiten empfunden, sodass man nunmehr entschlossen ist, zu einem Neubau an der alten Stelle zu schreiten, für welchen eine Summe von 600000 M. in Aussicht genommen ist. Bei dem Wettbe¬ werb sollen ein I. Preis von 3000, ein II. Preis von 2000 und zwei III. Preise von je 1500 M zur Vertheilung ge¬ langen und es sollen ausserdem nicht preisgekrönte Ent¬ würfe für je 500—1000 M. zum Ankauf gelangen. Als Preisrichter sind ausser Hrn. Stadtbmstr. Krauth in Baden- Baden u. a. in Aussicht genommen die Hrn. Geheimrath Prof. Dr. J. Durm und Prof. Friedr. Ratzel in Karls¬ ruhe, Prof. Theod. Fischer in Stuttgart und Prof. Fr. von Thiersch in München. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung eines Bebauungs¬ planes für ein Gelände bei Freiberg i. S , vom dortigen Stadtrathe erlassen, scheint, nach der kurzen Ausschrei¬ bung zu urtheilen, nicht den bisherigen Gepflogenheiten im deutschen Konkurrenzwesen zu entsprechen. Wir wollen aber ein endgiltiges Urtheil bis nach Einsicht der Unterlagen, die gegen 5 M. durch den Stadtrath zu be¬ ziehen sind, zurückhalten. Aus der Ausschreibung geht hervor, dass es sich um ein Gelände von etwa 60 ha han¬ delt, welches für Villen und eine parkartige Verbindung zwischen Stadt und Wald bestimmt ist. Für die 3 besten Arbeiten stellt die Inspektion des St. Johannis-Hospitales in Freiberg xooo M. als Preise zur Verfügung. Der I. Preis wird mindestens 500 M., der III. Preis mindestens xoo M. betragen. Ueber die Zuerkennung der Preise und über ihre Höhe entscheidet der Stadtrath zu Freiberg. Die mit einem Preise von 200 M. oder mehr ausgezeich¬ neten Entwürfe werden Eigenthum der Hospital-Inspektion. Der Ankauf von Entwürfen, die einen Preis nicht erhal¬ ten, ist nicht ausgeschlossen. ^Einreichungsfrist ist der 15. Juni 1903. — = _ _ _ _ _ _ Für die Gewinnung von Entwürfen zu einem Denkmal Kaiser Wilhelms I. in Bielefeld, welches durchaus nicht in den bisher üblichen Formen gehalten zu sein braucht, wird vom zuständigen Ausschuss zu einem Ge¬ danken-Wettbewerb eingeladen. Bedingungen mit einem Grundrisse des Denkmalplatzes und einem Schaubilde kostenlos vom Vorsitzenden des Denkmal- Ausschusses Dr. Reese in Bielefeld, Darnbergerstr. 10. — Das Preisausschreiben zur Erlangung von Vorentwürfen für Neubauten auf städtischem Gelände in der Altstadt von Frankfurt a. M., welches wir bereits S. 36 ankündigten, ist auf in Frankfurt ansässige Architekten beschränkt Es handelt sich um Entwürfe für auf städtischem Gelände an der Braubachstrasse, an der Strasse zum Domplatz, an letzterem selbst sowie am Römerberg zu errichtende Geschäfts- und Wohnhäuser. Die Architektur dieser Bauten soll dem Bilde der Altstadt angepasst werden. Die preis¬ gekrönten Entwürfe sind nicht unmittelbar zur Ausführung bestimmt, sondern die Stadtgemeinde wird bei dem Ver¬ kauf städtischer Bauplätze die Käufer auf die zur Aus¬ zeichnung gelangten Vorentwürfe aufmerksam machen und behält sich die Genehmigung der späteren endgiltigen Fassaden -Entwürfe durch eine Kommission vor, in der „Frankfurter Architekten und Künstler“ — die Unter¬ scheidung in Architekten und Künstler ist interessant — , besonders aber zwei aus dem Wettbewerbe erfolgreich hervorgegangene Architekten vertreten sein sollen. Dem Preisgericht, welchem u. a. die Hrn. Geh. Ob. -Brth. Prof. Hofmann in Darmstadt, Geh. Brth. Prof. Dr. Wallot in Dresden, Arch. H. Ritter in Frankfurt und der nicht mit Namen genannte Vorsitzende des Hochbauamtes von Frank¬ furt angehören, wird ein angemessener Geldbetrag zur Ver¬ fügung gestellt mit der Berechtigung und Verpflichtung, jedem als künstlerisch werthvoll und zweckentsprechend anerkannten Entwurf, der zugleich den näher bezeichnöten Konkurrenz-Bedingungen entspricht, eine Vergütung von 1000 M. zu gewähren. Es ist dabei vorausgesetzt, dass jeder einzelne Architekt , auch wenn er verschiedene Vorentwürfe einreicht, nur auf eine einmalige Vergütung von 1000 M. Anspruch haben soll. Die Frist läuft am 25. April ab. Das Preisausschreiben ist in doppelter Beziehung interessant: zunächst hinsichtlich des Versuches, die Be¬ bauung neuer Strassen inmitten einer alten, historischen Umgebung nach bestimmten künstlerischen Grundsätzen zu leiten; und zum zweiten hinsichtlich des Versuches, den Wettbewerb in einer von der bisher üblichen Form abweichenden Weise zur Durchführung zu bringen. Wir sehen dem Ei-gebniss mit gespanntem Interesse entgegen. — Brief- und Fragekasten. Hrn. Bmstr. K. B. in Sigmaringen. Vermutblich dürfte bei dem östlich gelegenen Zimmer die Feuchtigkeit nicht von aussen, wie bei einem westlich gelegenen kommen, sondern an der Innen¬ seite niederschlagen , weil die dünnen Mauern des sehr frei ge¬ legenen Hauses eine zu starke Abkühlung erfahren. Abhilfe dürfte zunächst durch reichlicheres Lüften zu versuchen sein. — Hrn. G. H. in Idstein. Kalksandziegel finden eine immer ausgedehntere Verwendung und scheinen sich demzufolge im allge¬ meinen gut bewährt zu haben. Viel kommt bei der Frage der Be¬ währung auf den Ursprung der Ziegel bezw. auf die Art der Fabrikation an — Hrn. C. H. in Krefeld. Ein wasserdichter Fussboden auf Holzbalkenlagen für Waschküchen in Obergeschossen gehört zu den technischen Unmöglichkeiten, die von Zeit zu Zeit immer wieder gefordert werden. — Hrn. Reg.-Bfhr. Fr. in Göttingen. Ueber Fussbodenbelag von Turnhallen finden Sie nähere Angaben in Kap. 10 S. 65 ff. des zweiten Bandes vierter Theil der „Baukunde des Architekten“, Verlag der „Deutschen Bauzeitung“, Bernburger Strasse 31. — Hrn. Arch. O. E. in Braunschweig. Fast sämtliche modernen kunstgewerblichen Zeitschriften berücksichtigen die Innendekoration, einige von ihnen gelegentlich auch moderne Bauformen. Ein dortiger Buchhändler wird Ihnen, falls Sie ernste Wünsche zum Abonnement erkennen lassen, gerne entsprechende Vorschläge machen. — - Inhalt: Der Teltow-Kanal (Fortsetzung). — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 14. 92 *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUNG. GANG. * * N2- 15. * DEN 21. FEBR. 1903. * ************** Entwurf zu einer „Kolonie zur Leibeserziehung“ (Wasseransicht) von Architekt Herrn. Werle in Berlin-Gr.-Lichterfelde. Die St. Maximilians-Kirche in München. Architekt: Professor Heinrich Freiherr von Schmidt in München. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen S. 96 und 97. ie Gestaltung des schönen Gotteshauses im Einzelnen geht aus unseren Abbildungen in No. 13, sowie S. 96 u. 97 hervor. Die Länge der Kirche beträgt 87 m, ihre Breite an den Seitenschiffen 36 m, an den Thurmhallen rd. 50 m. Die Höhe erreicht im Mittelschiff 24 m, in den Seitenschiffen der basilikalen Anlage 13™. Die Thürme steigen mit ihren Spitzen bis zu einer Höhe von 76,5 m an. Die Anordnung des Grundrisses zeigt eine be- Kunstpflege durch das Volk. Von Architekt Hermann Werle in Berlin-Gr.-Lichterfelde. (Hierzu eine Bildbeilage sowie die vorstehende Abbildung.) it der stetig fortschreitenden Anerkennung des hohen erzieherischen Einflusses , welchen die grossen Schöpfungen der bildenden Kunst auf den Volks¬ geist auszuüben vermögen , enthüllt sich auch mehr und mehr das Problem: „Wie und wo müssen künstlerische Schöpfungen Platz finden innerhalb des Volkslebens, um eine eindringlichste Wirksamkeit entfalten zu können?“ Dass dies nur dort geschehen kann, wo es möglich, ja wo es nothwendig ist, künstlerischen Geist an die Erledigung der Tagesgeschäfte anzugliedern, ist heute eine durchaus anerkannte Thatsache. Und nicht eine Kunstentfaltung, die nur eine schmückende Zugabe ist, nur gelegentlich festlichen Sonntagsschmaus gewährt und aus erübrigten Mitteln erstritten wird, sondern eine solche, die wurzelecht im Volksleben wächst, muss dort ihren Platz finden. Dass die öffentliche Fürsorge in diesem Sinne nicht nur wirken soll, sondern auch in sehr reger Weise wirken will, erweisen viele Unternehmungen im öffentlichen Leben. Eine Lust, Denkmale zu errichten, ein Verlangen, die über¬ kommenen künstlerischen Schöpfungen vergangener Zeiten wieder herzustellen und zu erhalten, hat sich in nie dage¬ wesenem Maasse verallgemeinert, und mit bedeutenden Opfern strebt man nach einer künstlerischen Gestalt der öffentlichen Gebäude. merkenswerthe Abweichung vpn der sonst üblichen Form der Basilika darin, dass die Thürme nicht an der Vorder- oder an der Chorseite liegen, sondern die Stelle des Querschiffes vertreten. Der Grund für diese Anordnung lag in dem Umstande, dass die Beschaffen¬ heit des Untergrundes der Baustelle eine sehrwechselnde ist und dass die Höhenlage guten tragfähigen Grun¬ des gerade an der Stelle der jetzigen Thurmaxen die günstigste war. Der gute Baugrund reichte jedoch Dieses so lebhaft thätige Schaffen an der Kunst in gemeinnützigem Sinne müsste sich in seltener Weise an der Belebung der Kunstgesinnung im Volke bewähren, wenn nicht die Mehrzahl dieser Bestrebungen zu sehr abseits lägen vom Wege der Tagesverrichtungen, von den nächsten Interessen, die der tägliche Erwerbskampf in den Vordergrund stellt. Um beispielsweise ein öffent¬ liches Kunstmuseum zu besuchen, bedarf es in der Regel erst eines besonderen Entschlusses und dieser wird nicht, oder doch nicht wiederholt zustande kommen, wenn nicht ein gewisses vorgebildetes Verständniss und ein Interesse vorhanden sind. In der Pracht eines Justizpalastes, dem Stolze eines Parlamentshauses sind künstlerische Mittel auf¬ gewendet, die den Geist des Volkes nicht nur für baukünst¬ lerische Grösse gewinnen sollen, und wenn trotzdem der kunsterzieherische Einfluss dieser Aufwendungen sich nur mässig geltend macht, so mag dies daran liegen, dass der Geist des Volkslebens auch hier zu selten rege ist und ihm sympathische Beziehungen zu dem geschäftlichen Zwecke des Bauwerkes hat, und daher geistig nur wenig Antheil an demselben nimmt. Es ist bedauerlich, dass so gross¬ herzige Aufwendungen, aus so edler Absicht entstanden, in ihrer Wirksamkeit so beengt sind. Wie aber können Kunst und deren ethischer Einfluss besser unter das Volksleben gebracht werden? — Solange eine gesunde Volksgesinnung maassgebend bleibt für die Entwicklungsfähigkeit und für die Leistungen eines Volkes, so lange wird künstlerisches Wirken an dem 93 nicht aus, um die Thürme in ihrer vollen Ausdehnung der Fundamente aufzunehmen, sodass die Nordostecke des Thurmes an der Auenstrasse auf Sumpfland kam und infolge dessen auf Rammpfähle gestellt werden musste. Da sich Stellen ähnlichen Charakters auch noch in anderen Theilen des Untergrundes zeigten, soweit derselbe die Kirche zu tragen hatte, so gewann der Architekt die Ueberzeugung, dass eine massive Einwölbung des gewaltigen Innenraumes nur unter den schwersten Geldopfern für entsprechende Strebe¬ pfeiler durchzuführen wäre. Das führte zur Wahl einer wagrechten Balkendecke als derjenigen An¬ ordnung, welche bei geringstem Aufwande eine gute gegenseitige Versteifung und Verspannung der Längs¬ mauern des Mittelschiffes ermöglichte. Die Absiden, sowie die Räume unter der Orgelempore und unter den Thürmen sind gewölbt. Da die beiden mächtigen Thürme je zwei Fenster der Langschiffmauern ver¬ decken, so hatte der Architekt Bedenken hinsichtlich einer genügenden Beleuchtung des Schiffes zwischen ™\0p p p □ ö 0 IGBnMBSSü Bappp p bbbppBBteÄ; u au uuu y! u uudpn j u ju u pp Qpp □ aBluaa urj 3/ a MpWuboib iuiQG b a b sa teaa' Zustandekommen dieser Volksgesinnung entsprechend An- theil nehmen müssen. Daher gehen Schulung der Volks¬ gesinnung und der Kunstgesinnung im Volke gemeinsam und unzertrennlich einen Weg, und es läge in einer Be¬ strebung durchaus nichts Unlogisches, die beiden Zwecken gleichzeitig dienen will. Die modernen Zeitverhältnisse neigen mit ungewöhn¬ licher Hartnäckigkeit zur Sonderung und Beschränkung auf Einzelgebiete in der Ausbildung des einzelnen Berufs¬ daseins. Sie bestimmen, dass die Vorbereitungen zum Erwerbsleben des Einzelnen bereits geschehen müssen, wenn in der Regel die geistige Entwicklung des jungen Menschen kaum beginnt, dessen natürliche Ausrüstung zu bewusstem Besitze auswachsen zu lassen. Die Entfaltung der inneren Werthe wird unterbrochen, und die Ausbildung ist auf ein engeres oder weiteres Berufsgebiet hingewiesen, welches die Aufmerksamkeit für ein vollmenschliches Her¬ anwachsen häufig erstickt und die menschliche Gesellschaft in mehr oder weniger gesonderte Daseinskreise auflöst. In den wirthschafthehen Verhältnissen mag eine solche Ordnung der Dinge begründet sein, es ist aber darum noch nicht bestimmt, dass auf eine glücklichere Entwicklung nicht mehr hingewirkt werden könnte. Im Interesse einer ge¬ sunden Volksgesinnung liegt vielmehr das Verlangen nach wirksamster Milderung solcher hemmender Erscheinungen. Es entsteht nun die Frage, worin eine Einrichtung bestehen müsste, die der geschilderten Aufgabe gerecht zu werden vermag. Wir sehen, wie in unserer Zeit die Anerkennung des Besitzes des körperlichen Wohlstandes in alle Gesellschaftsklassen eindringt; wie Tier . und dort Sonder-Bestrebunaen entstehen, die diesem Gedanken dienen wollen. Ein wahrhaft heilsamer Einfluss wird jedoch nur dort eintreten können, wo diese Strömung in ihrer Ganzheit erfasst und gepflegt werden kann und zwar in Grenzen , wie sie durch Vernunft und Zweckmässigkeit gegeben sind. Die Ganzheit der so gewonnenen Einflüsse würde sich aber nicht auf die Schulung des Körperwohlstandes allein beschränken. Die Aufmerksamkeit auf die Wohlgestalt des menschlichen Körpers, auf die klare und schöne formale Ausbildung seiner Funktionen würde das ästhetische Empfinden in gleichem Maasse beleben und stärken, da es doch un¬ zweifelhaft ist, dass wir für die Schönheit der mensch¬ lichen Gestalt ein natürliches Verständniss besitzen müssen. Die allgemeinste Theilnahme ist infolge der verbreiteten Erkenntniss der Sache der Körperschulung gesichert oder doch zu gewinnen, und so würde sich diese Be¬ strebung zu einem wirklichen Segen für den gesamten Volkskörper entfalten können. Der starke Verkehr in einem diesem Programme gewidmeten Institute, die an¬ regenden Uebungen und Verrichtungen, von denen man weiss, dass sie aufheiternd und herzöffnend wirken, wür¬ den das Ihrige thun, um Menschen und nicht Berufsbe¬ flissene dort zusammenzubringen. Es würde eine innigere Mittheilsamkeit zustande kommen, ein Austausch verschie¬ dener Denk- und Interessensphären, undVorurtheile und Be¬ fangenheit beseitigen, die jetzt so entfremden und scheiden. Die ausserordentliche Gesammtentfaltung der ganzen Anlage, die Grösse, der Ernst der künstlerischen Umge¬ bung würden gewiss von grossem bildendem Einfluss auf No. 15. 9+ den Thürmen. Infolge dieser Bedenken, die sich später als unbegründet erwiesen, hat die Kirche eines ihrer reizvollsten Motive erhalten: die Verbindungs-Gallerie zwischen den beiden Thürmen über dem Hauptdache des Mittelschiffes. Das in die Arkaden derselben ein¬ fallende Licht war bestimmt, dem Kircheninneren zu¬ geführt zu werden. Nachdem das geplante Oberlicht sich als entbehrlich erwiesen hatte, konnte der Wunsch nach geschlossener Raumwirkung durch Fortsetzung der Holzdecke auch äü dieser Stelle erfüllt werden. Dieses nicht unmittelbar beleuchtete Deckenstück er¬ hält nun aber eine andere Beleuchtung wie die übri¬ gen Theile der Decke; jedoch gerade in dieser ver¬ schiedenen Beleuchtung neben den mächtig vortre¬ tenden grossen Stützbögen der Gallerie liegt ein be¬ sonderer Reiz der Raumwirkung. Die Formensprache des Gotteshauses ist eklektisch, schliesst sich jedoch in den Haupttheilen der Ausbildung des romanischen Stiles an, wie sie die oberitalienischen Kirchenbauten, namentlich in Verona, zeigen. Diese Annäherung an italienische Vorbilder erfolgte mit Ab¬ sicht, um die Kirche von der mehr deutschen Auf¬ fassung in St. Anna, St. Benno und St. Antonius zu unter¬ scheiden. In denThurmendigungen erscheinen Anklänge an den romanisch-gothischen Uebergangsstil. Bemer¬ kenswerth ist, dass nach mittelalterlichem Vorgänge die beiden Thürme nicht in gleicher Form, sondern verschie-. den gestaltet wurden ; einmal, um dieMannigfaltigkeit der' Erscheinung zu erhöhen, dann aber auch um zu verhin¬ dern, dass die Thürme bei ihren grossen Abmessungen in der perspektivischen Wirkung sich gewissermaassen verdoppeln und infolgedessen zu wuchtig erschienen wären. Die hier zum Ausdruck kommende Vermeidung von Wiederholungen ist auch in dem ornamentalen und figürlichen Schmuck grundsätzlich durchgeführt. Allenthalben entwickelt sich in den Formen der Kapitale und in anderen ornamentalen Bildungen die grösste Mannigfaltigkeit. In der symbolischen Bedeutung des figürlichen Schmuckes, der auf einige besonders aus¬ zuzeichnende Punkte beschränkt ist, wurde eine ge¬ wisse Steigerung erstrebt. Die Symbolik nimmt am Aeusseren der Seitenschiffe Bezug auf den kommen¬ den Erlöser, am Mittelschiff auf sein Wirken unter den Menschen ; im Hauptgiebel erscheint er in eigener Gestalt. Am Südthurm ist das Leben auf Erden, am Nordthurm das Leben im Jenseits dargestellt. Die Ausschmückung des Inneren vereinigt sich in der Hauptsache auf den Hochaltar als den Hauptpunkt; in ihm wurde die Bildhauerei in grossem Umfange zur Mitwirkung herangezogen. Den Mittelpunkt der Darstellung bildet der hl. Maximilian; ihn umgeben im Halbkreise die Glaubensboten, welche in Bayern unter den Karolingern, Agilolfingern und Wittels¬ bachern gewirkt haben und zwar die Heiligen Wintier, Rasso, Korbinian, Luitpold, Theodolinde, Ulrich, Harde¬ munde und Emmeran. Die Bildhauer A. Miller, Balth. Schmitt und Georg Wrba theilten sich in die Figuren, während C. Leyrcr das Tabernakel aus Goldbronze trieb und A. Mayer die übrigen Bronzen goss. Hinter den Figuren soll später ein kostbarer Teppich in Auf¬ näharbeit aufgehängt werden. Der Taufstein aus Markt¬ breiter Muschelkalk ist ein treffliches Werk des ‘Bild¬ hauers Al. Miller. Die Ausschmückung des Inneren durch Malerei ist einem späteren Zeitpunkte Vorbe¬ halten; jedoch sind jetzt bereits durch den Maler J. P. Becker-Gundal in München Entwürfe für die Aus¬ malung der Hauptabside aufgestellt worden. Die präch¬ tige Balkendecke wurde in Lärchenholz ausgeführt. — Neben den Urhebern des bildnerischen Schmuckes stan¬ den demArchitektendieHrn Prof W.DietzundProf.Frz. Kreuter für die statischen Berechnungen zurseite. Die Bauführung war Hrn. Arch. Hans Schurr übertragen. Es führten aus — soweit nicht besonders genannt, in München — die Maurerarbeiten Pet. Schneider; die Steinmetzarbeiten Jos. Zwiesler & Baumeister; die Werksteinlieferung G. Michel in Marktbreit; die Zimmerarbeiten Georg Leib; die Schmiede- und »Schlosserarbeiten R. Kirsch, J. Fischer & Sohn, ’J. Hildebrand, F. S. Kustermann und C. Bartl; die Dachdeckerarbeiten A. Zinstag sowie die Thon- waarenfabrik Schwandorf; die Kupferschmiede¬ arbeiten W eber & Rücker; die Blitzableiter K. Unger; die Schreinerarbeiten Georg Leib, L. Ehrengut, J. Hartmann, Pet. Bauer und Jos. Schubert; die Glaserarbeiten C. Uhle; die Installation A. Petten- dorfer; den Plattenbelag J. B. Gleitsmann. Die Glocken gossen Gebr. Oberascher, die Thurmuhr fertigte Joh. Mannhardt; die Anstreicherarbeiten waren an Franz Wagner und R. Langendorf über¬ tragen, die Asphaltarbeiten an Carl Lindner. Mit der St. Maximilians-Kirche ist der Theil des Münchener Stadtbildes, welcher sich südlich der Kohleninsel den Isarauen entlang erstreckt, mit einem Architektur-Denkmal bereichert worden, welches in seiner eigenartigen äusseren Gestaltung ein charakte¬ ristisches Merk- und Wahrzeichen der Stadt geworden ist und in einer künftigen Baugeschichte von Isar¬ athen den Werken zugezählt werden muss, welche durch ihren künstlerischen Inhalt die Hauptabschnitte dieser Geschichte einleiten. Es ist ein feines Werk, geflossen aus der Vollkraft künstlerischen Gestaltungs¬ vermögens. — _ H. _ den Theilnehmer sein, der unter Umständen gegen ge¬ ringste Bezahlung täglich in dieser Kolonie weilen kann. Es dürfte wohl kaum eine günstigere Gelegenheit geben, bedeutende Kunstwerke so mitten in das Leben hinein¬ zutragen und der Menge so zugänglich zu machen und auf sie einwirken zu lassen wie hier. Auf den weiten, gärtnerisch geschmückten Geländen, die allen Freiluftübungen Rechnung tragen, müssen sich baukünstlerische Schöpfungen erheben von einer Grösse und Unvergänglichkeit, wie sie der Tempelkunst des Alter¬ thums und der Domgothik des Mittelalters zu eigen waren. Wenn wir dann Bauwerke besiizen, die wiederum dem Volke angehören, die es täglich besucht und benutzt, dann wird man nicht mehr sagen können, dass die Baukunst keine Macht über das Volk besitze. Der Laie erkennt oft den bedauerlichen Zustand, in künstlerischen Dingen zu hilfloser Unempfindlichkeit gelangt zu sein, nicht als geistige Verarmung, nicht als unwürdigen Bildungsrückstand. Er vermag nicht nach dem seinem Auge Unerkennbaren , seiner Auffassung Fremden zu streben. Aus den Reihen der Kunstbeflissenen und Kunst¬ schützenden müssen sich die Stimmen erheben, welche diese Bedürfnisse im Volksgeiste wiederwecken und be¬ leben. Die Volksbetheiligung muss durch sachliche Be¬ sprechungen und durch wieder zu schaffende lebhafte Be¬ ziehungen zu allgemein künstlerischen und baukünstlerischen Werken wieder in eine Gedankensphäre eingeführt werden, aus der sie durch materielle und einseitige Ziele herausirrt. Die volkserzieherische Bewerthung unserer Kunst sollte hierbei erkannt und zur Mitwirkung gebracht werden. 21. Februar 1903. Dieser Anregung sollen auch die dieser Nummer bei¬ gegebenen Entwürfe wie meine Veröffentlichungen in den No. 18 und 19 des Jahrganges 1902 dieser Zeitung dienen. Die Darstellungen sind nicht als vollendete Gestalt dieser Bestrebungen aufzufasssen, sondern sollen nur den Ge¬ danken andeuten. In der so vielfachen Bereicherung und Förderung der Kulturverhältnisse meine ich eine volle Rechtfertigung dieser Bestrebungen sehen zu dürfen und würde mit Dankbarkeit jede Mitwirkung aus Künstler¬ kreisen begrüssen. Die Verwirklichung einer solchen Anlage bedingt keine andere Entwicklung unserer Zeitverhältnisse, fordert kei¬ nerlei Umbildung der überkommenen gesellschaftlichen Ordnung und erweist sich in der dauernd fortschreitenden Betheiligung der Volksmassen an körperlichen Spielen und Uebungen als eine durchaus zeitgemässe und lebensfähige Begründung, die um so einflussreicher sein wird, je be¬ deutungsvoller sie in die Erscheinung tritt. Der Erweis der Lebensfähigkeit einer so grossen Unter¬ nehmung in der Nähe Berlins brauchte nicht erst erbracht zu werden, denn im Zoologischen Garten besitzt die Stadt eine Anlage, welche jährlich etwa 2,5 Miil. Besucher aufnimmt und eine Jahreseinnahme von 5— 600000 M. auf¬ weist, die somit ein Kapital von über 6 Mill M. sehr gut verzinsen. Im Wesentlichen ist der Zoologische Garten auf den Sommerbesuch angewiesen. Dass bei geeigneter Leitung ein Unternehmen zum Zwecke der Volksgesund¬ heit eine nicht geringere Anziehungskraft ausüben dürfte und zwar für Sommer und Winter in gleichem Maasse, sollte wohl unzweifelhaft sein. — 95 Zur Angelegenheit des Heidelberger Schlosses. (Fortsetzung statt Schluss.) rage 13: Kann die Standfähigkeit der Hof- Ausbau, um die Standfähigkeit der Hofmauer zu loi^J fassade durch Strebepfeiler erhöht werden erhöhen? und wie müssten diese Strebepfeiler ange- Die Frage wird ohne Debatte einstimmig beantwortet: legt werden, um diesen Zweck zu erreichen? „Nein, andere Mittel können nicht angegeben werden.“ — Sämmtliche Sachverständige sind darüber einig, die Frage 15: Kann, falls die Ersetzung der gänz- Frage zu beantworten: „Die Standfähigkeit der Hoffassade lieh oder theilweise verwitterten Steine durch kann durch Strebepfeiler erhöht werden. Strebepfeiler wären an jedem zweiten Pfeiler anzulegen, jedoch wird auf die Schwierigkeit der innigen Verbindung des Mauer¬ werkes der Strebepfeiler mit dem alten Mauerwerk hin¬ gewiesen; auch würden die Gewölbeanfänger im grossen Saale dadurch verdeckt werden“. — Frage 14: Gibt es noch andere technische Hilf s- mittel, abgesehen von Bedachung und innerem neue empfohlen wird, dies ohne Schädigung der Stabilität der Fassade geschehen? Eggert hält jede Ergänzung von Steinen in den Feldern zwischen den Pfeilern für eine Schwächung. Die sämtlichen anderen Sachverständigen sind darüber einig, dass die Stabilität nicht gefährdet werde, wenn die Er¬ setzung nur in dem beschränkten Umfange vorgenommen werde, wie man sie in Frage 4 angenommen habe. 96 No. 15 Die St. Maximilians-Kirche in München. Hochaltar und Taufstein. Architekt: Prof Heinr. Freiherr von Schmidt in München. Der Beschluss der Versamm¬ lung geht dahin, die Frage zu beantworten : „In dem zu F rage 4 begrenzten Umfange: Ja“. — Frage 16: Wie können die Atmosphärilien, wenn von einer Bedachung abge¬ sehenwird, von der Rück¬ seite der Fassade abge¬ halten werden? Welche Mittel sind anzuwenden, um ein völliges Durchfrie¬ ren der Mauer bei strengem Frost und Beschlagen der¬ selben mit Eis bei eintre¬ tendem Thauwetter zu ver¬ hüten? Böckmann schlägt vor, die erste Hälfte der Frage dahin zu beantworten, dass durch Putz die Atmosphärilien von der Rückseite abgehalten werden können. Ein Mittel aber, um ein völliges Durchfrieren der Mauer zu verhüten, gebe es nicht. In ganz geringem Umfange würden auch die Eggert’schen Balken die Rückseite schützen. Der schützende Putz müsse sicher alle Jahre erneuert werden. Lutsch empfiehlt doppelten Putz nach altemMuster. Tüoma schlägt vor, zu sagen: Die Atmo¬ sphärilien können durch Putz abgehalten werden, vorausge¬ setzt, dass der Verputz haltbar gemacht wird. Doch ist es zweifelhaft, ob ein haltbarer Putz gemacht werden kann. Es wird beschlossen, die Frage zu beantworten: „Die At¬ mosphärilien können durch Putz abgehalten werden. Doch ist die Minderheit der Kommission der Ansicht, dass diePIerstellung eines haltbaren Putzes schwierig ist. Mittel, ein völliges Durch¬ frieren der Mauer zu verhüten, gibt es nicht“. — Frage 17: IstdasAufbrin- gen eines Daches und der Verschluss der Fensteröff¬ nungen, somit der Schutz der Innenflächen vor Nässe und Frost, ein geeignetes Mittel, der Verwitterung des Steinwerks auf längere Zeit vorzubeugen? Haben diese Mittel auch einen Nutzen für die Erhaltung der Schauseite der Hof¬ fassade? Böckmann: Jedes Mauer¬ werk, das freisteht, verfriere sofort. Man brauche nur an die täglich zu beobachtende Zer¬ störung der Grabmäler, Frei¬ treppen und Gartenmauern zu denken. Man habe es ausser¬ dem hier mit einer Mauer zu thun, die schon vollständig zer¬ rissen sei. Für die Fassade des Otto Heinrichsbaues gebe es nur ein Mittel, nämlich, dass man aus ihm wieder ein über¬ dachtes Haus mache und dieses im Winter heize, so dass im Inneren der Gefrierpunkt nicht überschritten wird. Eggert: Mit vielen Punkten dieser Aus¬ führungen sei er vollständig ein¬ verstanden. Das Aufbringen eines Daches und der Verschluss durch Fenster gebe nur einen wirksamen Schutz, wenn das Innere des Hauses nie unter den Gefrierpunkt komme. Die Heiz¬ ung sei die conditio sine qua non; es sei aber doch wohl aus- 2i. Februar 1903. 97 geschlossen, dass der Otto Heinrichsbau geheizt werde. Der Vorsitzende möchte die Frage, ob man nicht dazu komme, den im Sinne der Frage umgestalteten Otto Hein¬ richsbau zu heizen, als eine vollständig offene behandelt sehen. Ihm scheine es durchaus nicht ausgeschlossen zu sein, dass dieses Mittel angewendet werde, wenn dies nach dem Urtheil der Sachverständigen unerlässlich sei. Lutsch hält die Aufbringung eines Daches für unbedingt nöthig; die Heizung wäre sehr empfehlenswerth. Jassoy: Wenn man die Fassade so erhalten wolle, wie sie jetzt sei, werde durch Aufbringung eines Daches keine wesentlich längere Dauer erreicht werden, wenn man aber etwa 3/3 der Steine erneuere, dann sei er unbedingt für Aufbringung eines Daches. Fischer will den ersten Theil der Frage be¬ jahen, den zweiten Theil aber verneinen. Diesem Vorschlag treten Eggert und Jassoy bei, wäh¬ rend Bluntschli, Lutsch und Thoma die Ansicht Böckmanns theilen. Die Hauptfrage wird allseitig mit „Ja“ beantwortet; es wird dabei vorausgesetzt, dass eine gelinde Heizung der Räume stattfindet. Dagegen wird von der Minderheit der Kommission der Aufbringung eines Daches für den derzeitigen Zustand der Aussenseite der Hofmauer nur ein geringer Nutzen beigemessen. — Frage 18: Ist das Aufbringen eines Daches, die durch Stockwerksgebälke zu bewirkende Ver¬ ankerung der Längsmauern und eine in neuen Scheidewänden anzubringende Dreiecksverstre¬ bung neben dem Verschluss der Fenster ein ge¬ eignetes Mittel, die Standfähigkeit der Hofmauer zu sichern und ein weiteres Ausweichen sowohl der Hof- wie der Aussenmauer zu verhindern? Eggert ist der Ansicht, dass diese Frage ohne Vor¬ lage eines ausführlichen Entwurfes nicht beantwortet wer¬ den könne. Es sei ein kompliziertes Problem, über diese Mauern ein Dach zu konstruieren. Für die Mauern müsse erst die nöthige Standfestigkeit hergestellt werden, und es müssten die Scheidemauern in kräftigster Weise verstärkt oder neu aufgeführt werden. Bei den Längsmauern könne man erst durch Rechnung feststellen, ob man ihnen neue Belastungen zumuthen könne. Der Verschluss der Fenster sei an sich kein Mittel, um die Standfähigkeit der Mauern zu sichern. Böckmann möchte die Frage einfach mit,, Ja“ beantworten. Er verkenne die Schwierigkeit des Problemes nicht; ausführbar wäre es aber unter allen Umständen. Dass man das Projekt, wenn es einmal vorliege, auch genau prüfe, sei selbstverständlich. Die grossh Regierung werde bei der Vorsicht, die sie heute an den Tag lege, auch seinerzeit sich nicht auf zwei Augen verlassen. Thoma beantwortet die Frage auch mit „Ja“. Jassoy möchte auch einfach „Ja“ sagen, da die Frage ganz allgemein gehalten sei. Es sei ja gar nicht ausgeschlossen, dass man das Dach vielleicht so konstruiere, dass es die Vorderfassade gar nicht berührt. Fischer hingegen schliesst sich der Ansicht Eggerts an und hält es für billig, festzustellen, dass der Beantwortung der Frage dieselben Schwierig¬ keiten entgegenstehen, wie der Beurtheilung der Eggert’ - schen Eisenbetonkonstruktion. Lutsch hält es fürnothwen- dig, auf die einzelnen Konstruktionen, die etwa zur Ausfüh¬ rung kommen sollen, einzugehen, man könne nicht einfach „Ja“ sagen. Bluntschli will die Frage unbedingt mit „Ja“ be¬ antworten. Durch die Scheidemauern werde der Winddruck senkrecht zur Fassade aufgehoben, das erhöhe entschieden die Sicherheit. Es sei dazu garnicht unbedingt nöthig, die Quermauern mit den Längsmauern zu verbinden, wenn sie ganz stumpf dagegen stossen, erfüllen sie schon die¬ sen Zweck. Seitz meint, dass die Standfähigkeit der Mauern durch die Belastung von oben — natürlich bei entsprechender innerer Verspannung — erhöht werde, unterliege keinem Zweifel. Der Verschluss der Fenster sei wohl kein Mittel, um diese Standfähigkeit unmittelbar zu erhöhen, doch sei dadurch der Winddruck von den Innenseiten der Mauern abgehalten, so dass die- Zwischen¬ mauern nur dem äusseren Druck zu widerstehen hätten. In diesem Sinne sei dieser Punkt bereits in Frage 7 bejaht worden. Eggert führt aus, dass der Winddruck durch die Quermauern aufgehoben wird, darüber seien sich alle einig. Er wundere sich, dass die Hofmauer überhaupt noch stehe. Die Frage wird von fünf Mitgliedern mit „Ja“ beant¬ wortet. Zwei Mitglieder sind der Ansicht, dass die Frage ohne Vorlage eines ausführlichen Entwurfes und eines statischen Nachweises nicht beantwortet werden kann. — Frage 19: Können die Umfassungsmauern ihren Antheil an der Dachlast tragen? Böckm ann beaniwortet die Frage mit „Ja“; ihren An¬ theil, d. h. ihren vernünftigen Antheil könnten sie unbe¬ dingt tragen. Er habe die Ueberzeugung, dass die Mauern eine grosse Last, ja sogar eine volle normale Dachlast tragen können. Eggert ist der Ansicht, dass auch diese 98 Frage ohne Vorlage eines Planes nicht beantwortet Wer¬ den könne. Ihm scheine die Fassade durchaus nicht stark zu sein. Im Vergleiche zum Friedrichsbau sei hier alles auf das knappste bemessen. Seitz: Die Mauerstärken des Friedrichsbaues zum Vergleich zu nehmen, gehe doch nicht wohl an. Eigentlich bestehe der Friedrichsbau kon¬ struktiv nur aus der Nord- und der Südmauer. Die beiden anderen rühren zumtheil von älteren Gebäuden her und seien mit jenen nicht verbunden gewesen. Ausserdem stehen die Fassadenmauern auf stark abfallendem Fels¬ grund, der namentlich an der Nordseite durchfeuchtet war. Man habe deshalb, wie immer, wenn man an den Berg baue, mit nachdrängendem Wasser zu rechnen ge¬ habt. Daher rühre die grosse Abmessung der Mauern, welche gleichsam wie Strebepfeiler konstruiert seien. Er halte die Abmessungen des Otto Heinrichsbaues im ober¬ sten Geschoss mit 85 cm Stärke für ausreichend, jede nor¬ male Dachlast zu tragen, auch die Giebel. Natürlich setze er voraus, dass die Mauern zuerst in guten baulichen Zustand versetzt würden. Eggert: Eine Konstruktion fange man immer oben an, oben setze man die Mauer¬ stärke zuerst fest und dann gehe man nach unten; der Baugrund habe keinen Einfluss auf die Stärke der oberen Mauern. Fischer verneint die Frage. Unter „ihrem An¬ theil“ verstehe er den normalen Antheil an der Dachlast, den die Mauern eines Neubaues aufzunehmen hätten. Dazu seien die Umfassungsmauern des Otto Heinrichsbaues nicht mehr im Stande. Jassoy meint auch, dass die Mauern im derzeitigen Zustand nichts tragen könnten. Zu¬ nächst müsse man, darin stimme er Eggert bei, den An¬ theil, den man den Mauern zumuthen dürfe, kennen und dazu seien Pläne nöthig. Bluntschli möchte auch den Fassadenmauern, so wie sie jetzt sind, nicht zumuthen, das Dach oder auch nur einen Theil des Daches zu tragen. Aber es seien andere Konstruktionen denkbar, bei denen diese Mauern überhaupt nichts zu tragen haben. Lutsch ist derselben Meinung. Thoma: Der Fragesteller könne unmöglich an den normalen Antheil eines Neubaues, son¬ dern nur an einen Theil der normalen Last gedacht haben, der der Mauer sogar sehr gut thue. Er denke dabei aller¬ dings nicht an die Mauer im dermaligen Zustand, sondern er setze voraus, dass die Mauer vorher ausgebessert werde, dass Theile der Fassade vielleicht im dritten Stock neu aufgebaut werden. Jassoy: Nach seiner Meinung könne es sich in der vorliegenden Fragestellung nicht um eine erneuerte, sondern um die derzeitige Mauer handeln. Vier Mitglieder sind der Ansicht, dass diese Frage wie No. 18 nur aufgrund eines Entwurfes beantwortet werden kann. Die Minorität von drei Mitgliedern bejaht die Frage mit dem Zusatz, dass die Grösse des Antheils aufgrund sorgfältiger Untersuchung und Berechnung fest¬ gestellt werden muss. — Frage 20: Ist der Fall denkbar, dass bei weite¬ rem Vorschreiten der Verwitterung der Steine und bei weiterem Ausweichen der Hofmauer, unter Umständen auch der Aussenrnaü'ern, im Laufe der Zeit ein Zustand eintritt, wo das Auf¬ bringen der Lasten von Stockwerksdecken und Dach nicht mehr angängig erscheint? Die Frage wird ohne Debatte mit „Ja“ beantwortet. — Frage 21: Kann die dauernde Erhaltung des Otto Heinrichsbaues in seiner gegenwärtigen Gestalt und ohne Beeinträchtigung seiner der¬ zeitigen ästhetischen Wirkung durch Anwendung von Mitteln, die nach den vorangegangenen Fragen zu empfehlen sind, gewährleistet werden undwelcheMittel müssten zur Er r ei chungdes an¬ gegebenen Zieles planmässig kombiniert werden? Jassoy: Die Fassade sei in Bewegung, eine Siche¬ rung scheine ihm dringend nöthig und sie sei auch möglich nach dem Eggert’schen Vorschläge; unmöglich erscheine ihm dagegen die von Eggert vorgeschlagene Verbindung der Eisenbetonbalken mit der Mauer. Vielleicht könne man durch Befestigung einer in Beton gelagerten Eisenkon¬ struktion in den Fensternischen die Verbindung hersteilen. Verputz der Hinterfront und eine in Rinnenform ausge¬ höhlte, in Kalkmörtel verlegte poröse Basaltschicht auf dem Mauerhaupt seien zu empfehlen. Eggert: Am Rath¬ hause in Berlin haben sich unter einer fest aufliegenden Abdeckung von Granit Verwitterungsprozesse gezeigt, weil die Feuchtigkeit nicht austrocknen konnte. Viollet-le-Duc habe diese Konstruktionsweise auch als fehlerhaft bezeich¬ net. Die Basaltschicht müsse also hohl gelegt werden. Jassoy: Das kenne er auch, deshalb habe er auch porösen Basalt vorgeschlagen. Fischer: Die vorgeschlagene Mauerabdeckung sei ästhetisch sehr bedenklich; eine frei¬ malerische Eindeckung etwa mit Schiefer scheine ihm richtiger. Eggert: Sein Vorschlag enthalte statische Probleme, welche man natürlich korrekt lösen müsse. Die No. 15. ästhetische Behandlung biete dagegen grosse Freiheit; man könne seine Konstruktion sogar mit Erde bedecken, so dass sich auf ihr eine Vegetation bilde; auch in anderer Weise seien die künstlerischen Anforderungen durchaus zu erfüllen. Böckmann gibt zu, dass man mit der Eggert’- schen Konstruktion den Verfall verlangsamen könne, auf¬ halten lasse er sich nicht. Lutsch: Man könne ein Bau¬ werk in mehr oder minder weitgehender Weise unter¬ halten oder auf Jahrhunderte hinaus sichern. Der Eggert’ - sche Vorschlag bedeute den einen Weg, das Aufbringen eines Daches den anderen. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass die Aufbringung eines Daches hier nicht infrage stehe. Auch sei ausdrücklich nach Mitteln für eine dauernde Er¬ haltung gefragt. Jassoy möchte das Wort „dauernd“ er¬ läutert haben; ob darunter ein Zeitabschnitt von 50 bis 80 Jahren zu verstehen sei? Der Vorsitzende erwidert, dass das in der Frage gebrauchte Wort „dauernd“ ver¬ nünftig ausgelegt werden müsse. Eine Dauer von so Jahren aber würde der Absicht der Frage wohl kaum entsprechen. Er möchte, da eine feste zahlenmässige Umgrenzung des inrede stehenden Begriffes unmöglich sei, annehmen, dass in der Frage „dauernd“ als gleichbedeutend aufzufassen sei mit „auf eine Reihe von Generationen“. Eggert: Er wisse, dass in der Fassade des Otto Heinrichsbaues viele Steine schlecht seien; er möchte aber doch keinen einzigen durch einen neuen ersetzen. Die Ruine werde immer schöner, wenn sie nicht wie ein neuer Bau gehalten würde. Wenn der Zustand wirklich einmal gefährlich werde, so könne man ja einer späteren Generation die nöthige Re¬ staurierung überlassen. Der Stampfbeton sei ein ausge¬ zeichnetes Baumaterial; er spiele in den modernen Bau¬ konstruktionen eine grosse Rolle und sei unverwitterbar, wie eine natürlich gewachsene Breccie oder ein Konglo¬ meratgestein. Lutsch: Neue Konstruktionsmethoden, die sich bewähren, solle man wohl anwenden; es widerstrebe ihm aber, solche neue Methoden an alten Bauten anzu¬ wenden. Wie die neuen Konstruktionen sich bewähren, müsse man doch erst abwarten. Jassoy: Wenn Eggert es ausgeschlossen wissen wolle, dass einzelne Architektur- theile ausgewechselt werden, dann müsse er doch mit Nachdruck betonen, dass die grossh. Regierung nicht nur die Pflicht habe, eine malerische Ruine im Otto Heinrichs¬ bau, sondern auch die Architektur zu erhalten. Eggert: Es sei schwer, einen neuen Stein dicht in das alte Mauer¬ werk einzufügen. Er sei aber nicht dafür, dies für alle Zeiten auszuschliessen. In 50 Jahren liesse sich darüber reden. Thoma: Bei den Eisenbetonbalken werde sich die ungleiche Ausdehnung im Vergleich zum anstossenden Mauerwerk geltend machen. Der ästhetische Eindruck sei auch ihm zweifelhaft. Wenn die Hoffassade wenig einbüsse, so dürfe man doch nicht vergessen, dass die Ruine auch im Inneren besichtigt werde. Gegen die Basalt¬ abdeckung habe er auch Bedenken. Die Fugen können auf die Dauer nicht dicht gehalten werden; poröse Platten lassen das Wasser durch. Er möchte vorschlagen, die Frage generell mit „Nein“ zu beantworten und dann einzelne Mittel für vorübergehende Unterhaltung vorzuschlagen. Eggert: Der Zustand der Fassade sei hinsichtlich der Verwitterung durchaus nicht schlecht. Es seien Steine da mit ganz unveränderter Oberfläche; fast überall ist der ursprüngliche Steinschlag vorhanden. Lutsch: Die Ge¬ fahr sei nur die, dass Regen und Frost in das Innere der Steine dringen. Eggert glaubt, dass die grossen Zer¬ störungen durch äussere Kräfte aufhören werden, sobald seine Konstruktion ausgeführt sei. Der erste Theil der Frage wird von fünf Mitgliedern mit „Nein“ beantwortet. — Bei der nun folgenden Besprechung über die zu empfehlenden Mittel bemerkt Seitz: Abgesehen von dem Versteifungs- Vorschlag Eggerts seien die genann¬ ten Erhaltungsmittel zumtheil schon bei dem Schloss probiert worden. Die Rückfronten waren verputzt, die Mauerkronen und Vorsprünge mit Steinen und Ziegeln abgedeckt. Auch Beton habe in verschiedenen Formen Anwendung gefunden. Der Vorschlag Eggerts, auf seine Konstruktion Erde zu werfen, in welcher sich die Vege¬ tation erhalten könne, sei ihm höchst bedenklich. Das Spritz wasser, welches von den zumtheil künstlich ge¬ schaffenen Vorsprüngen an die Wände zurückfalle, sei gar nicht abzuhalten. Eggert hält die Abhaltung des Spritzwassers nicht für leicht und bittet in das Protokoll aufzunehmen : „Der Asphaltbelag auf den Böden im Inneren soll an den Wänden durch eine Sandschicht unterbrochen werden“. Das Mauerwerk könne man durch Einschieben von Glasplatten isolieren. Seitz: Der Asphaltbelag sei erst in der Neuzeit und im Verfolg der Beschlüsse der Konferenz von 1891 ausgeführt worden. Wenn man ihn unterbreche, »komme man_wieder zu dem alten, 30 Jahre 21 Februar 1903. ° lang bekämpften Zustand, dass das Regenwasser durch die Gewölbe dringe, diese ruiniere und auch die Funda¬ mente darunter beschädige. "Mj '^Betreffs des Schmuckes der Fassade äussert Fischer: Man solle alsbald die Originalskulpturen durch Abguss oder von allerersten Kräften kopieren lassen : er denke dabei an Adolf Hildebrand als vorzüglichsten Berather. Ueberhaupt dürfe man die Entscheidung über die ganze Arbeit keinem Einzelnen überlassen. Die Kopien solle man in ein Museum stellen, bis die Originale total ruiniert seien. Alsdann solle man von den ersten Kopien zweite machen und an das Bauwerk bringen; es sei dies, wie er zugebe, allerdings ein Kompromiss und keine ideale Lösung. Die jetzige Generation und die zweite solle sich noch am Original erfreuen können, die späteren müssten sich mit Kopien begnügen. Es sei natürlich Sache der Em¬ pfindung, er seinerseits möchte die Originale so lange an ihrem Platze sehen, als sie noch eine Schattenwirkung hätten. Der Vorsitzende frägt, ob er richtig verstanden habe, dass der Vorschlag darauf hinauslaufe, dass im Laufe der Jahre nur Kopien übrig blieben, während die Originale verschwunden seien, und ob Professor Fischer glaube, dass Professor Hildebrand die inrede stehende Arbeit übernehmen werde. Fischer bejaht beide Fragen. Böckmann wünscht, dass Architekt Seitz seine Ansicht äussere. Seitz theilt die Meinung Fischers, dass, nachdem man zu der Ueberzeugung gekommen, die Originale gingen zu Grunde, es lediglich Empfindungssache sei zu sagen, ob Kopien dem Wetter ausgesetzt und die Originale im Mu¬ seum aufbewahrt werden oder umgekehrt die Originale, wie Fischer wolle, für die gegenwärtige Generation noch an ihrem Bestimmungsort belassen und erst, nachdem sie vollständig ruiniert, durch Kopien ersetzt werden sollen. Er sei der Meinung und habe dies immer betont, dass es doch nicht angehe, wenn aus Egoismus wir und die Mit¬ lebenden die Originale gleichsam aufbrauchten. Kopien, wenn sie auch noch so gut seien, seien doch nur Kopien, die, wenn sie handwerksmässig erstellt, leicht seelenlos ausfallen und, wenn sie von tüchtigen Künstlern gemacht, oft deren eigene Empfindung zum Ausdruck brächten. Man möge an die zumtheil trefflichen Kopien antiker Bild¬ werke denken, man möge auch die alten im Ruprechtsbau aufgestellten Figuren ansehen und sich dort die Frage vorlegen, ob man es hätte verantworten mögen, sie an der Fassade stehend zu Grunde gehen zu lassen. Es seien einzelne wirkliche Meisterwerke dabei, deren Schönheit in der Nähe gesehen erst recht zur Geltung käme. Es dürfte nicht viele Menschen geben, die an den hoch und entfernt stehenden kopierten Figuren einen nachtheiligen Unterschied gegenüber den Originalen bemerkten. Eine Dissonanz zwischen den neuen Figuren mit der übrigen Fassade werde vorübergehend immer eintreten, je später um so mehr. Ganz dasselbe sei es mit dem übrigen Schmuck der Fassade. Mit Fischer vollständig einverstanden sei er darin, dass es für die richtige Behandlung des Bildwerkes keinen besseren gebe als Adolf Hildebrand, er glaube auch , dass dieser seine Rathschläge nicht verweigern werde, aber auch, dass Hildebrand die Bildwerke lieber für alle Zeiten selbst in einem Museum aufbewahren als zu Grunde gehen lassen wolle. Der Vorsitzende legt hierauf bezüglich der Behand¬ lung des bildhauerischen Schmuckes zwei Fragen zur Ab¬ stimmung vor: 1. sollen von dem bildhauerischen Schmuck des Baues sofort mustergiltige Kopien geschaffen und in einem Museum aufbewahrt werden und sollen dann, wenn einzelne Theile dieses Schmuckes der Vernichtung anheimzu¬ fallen drohen, Kopien nach den ersten ange¬ fertigt und an Ort und Stelle aufgestellt werden? Diese Frage bejahen zwei Mitglieder. — 2. sollen von dem bildhauerischen Schmuck des Baues sofort Kopien gemacht werden und sollen diese Kopien in dem Zeitpunkt an die Stelle der Originale gesetzt werden, wenn der künstle¬ rische und technische Bestand der letzteren ge¬ fährdet erscheint, so dass die Originale noch in einem Museum aufbewahrt werden können? Diese Frage bejahen fünf Mitglieder. — Die Frage 21 wird alsdann wie folgt beantwortet: Die dauernde Erhaltung ist nicht zu erreichen. Die Mauern sind in fortgesetzter Bewegung begriffen. Um den fort¬ schreitenden Verfall möglichst zu verlangsamen, werden folgende Mittel angegeben: Verstärkung der Nord- und Südmauer und feste Verbindung derselben mit den Front¬ mauern, Hintermauerung der Fassade über den Trage¬ bogen des obersten Geschosses; Ausbesserung, gegebenen¬ falls Erneuerung der Mittelmauern und Aufmauerung von Strebepfeilern an denselben; Anwendung von Eisenbeton¬ balken an der Rückseite der Gebäudefronten zur Ver- 99 minderung der Bewegung der beiden Fronten; Verputz der Innenflächen der Mauern einschliesslich der Fenster¬ laibungen ; Anbringung von Schutzdächern über jedem Ge¬ schoss am Inneren der Fassadenmauern zum Schutz der¬ selben gegen Schlagregen und zugleich zum Schutz der Eisenbeton-Konstruktion; auch Schutzdächer für die Thür- Vermischtes. Der für die Stadt Schöneberg aufgestellte Kanalisations- Entwurf erfordert für den völligen Ausbau eine Summe von 28,4 Mill. M. Das 936 ha umfassende Gebiet soll in 4 Entwässerungs-Systeme getheilt werden. Die erste Aus¬ führung umfasst einen Hauptnothauslass, der am Lützow- platz in den Landwehrkanal münden und 1,6 Mill. M. kosten soll, eine Pumpstation für 0,8, einen Sammelkanal für 0,9, ein Druckrohr von 29 km Länge für 3,5 Mill. M. Bei Deutsch-Wusterhausen ist mit einem Kostenaufwand von 0,8 Mill. M. in der Feldmark Ragow Landbesitz zur An¬ lage des ersten Rieselfeldes angekauft. — Das studentische Arbeitsamt der Wildenschaft der Tech¬ nischen Hochschule zu Berlin besteht nunmehr i1j2 Jahre und hat in dieser Zeit bereits eine sehr segensreiche I hätigkeit entfaltet. In diesem Semester hat es bisher über 100 Angebote erhalten, von denen 64 °/0 besetzt wurden. Die überwiegende Mehrzahl der vermittelten Stellen war technischer Art, unter ihnen eine nicht uner¬ hebliche Anzahl von Anfangsstellungen. Der Rest um¬ fasst Nachhilfestunden, litterarisch-technische Arbeiten und Uebersetzungen in fast alle europäischen Sprachen. An Studierenden meldeten sich insgesammt 710 seit Bestehen des Arbeitsamtes, von denen rd. 26 °/0 berücksichtigt wer¬ den konnten. Am stärksten betheiligt sind daran die Ma¬ schineningenieure. Obige Zahlen lassen erkennen, dass die Einrichtung des Arbeitsamtes einem Bedürfnisse ent¬ sprach. Die Vermittlung geschieht unentgeltlich. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Bebauungs¬ plänen für das Grundstück Potsdamerstrasse 72 — 72 a in Berlin erlässt das „Berliner Herren-Klub-Haus“ unter Aus¬ setzung dreier Preise von 1000, 750 und 500 M. Unter¬ lagen durch die Geschäftsstelle, Schöneberg, Haupt¬ strasse 20 II. — Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eine evangelische Kirche mit Pfarrhaus in Innsbruck erlässt das bez. Presbyterium für Architekten Oesterreichs und Deutsch¬ lands zum 30. April 1903. Es gelangen 3 Preise von 1500, 1000 und 500 Kr. zur Vertheilung. Dem 5 gliedrigen Preis¬ gericht gehören als Architekten an die Hrn. Prof. Victor Lunz in Wien, Prof. Theod. Fischer in Stuttgart und Ob.-lng. Ed. Klinger in Innsbruck. Unterlagen gegen 1 Kr. durch das evang. Pfarramt in Innsbruck. — Personal-Nachrichten. Bayern. Der Reg.- u. Kr.-Brth. Wein mann in München ist z. Ob.-Brth. bei der Obersten Baubehörde befördert; der Reg.- u. Kr.-Brth. Nägele in Landshut ist nach München versetzt. Der Bauamtm. Böcking in Landshut ist z. Reg.- u. Kr.-Brth. für das Ingfch. bei der Reg. von Niederbayern befördert; dem Reg - u. Kr.- Bauass. N e n n i n g in Regensburg ist die Bauamtm.-Stelle bei dem Strassen- u. Flussbauamte Landshut verliehen. Der Bauamtsass. Wand in Aschaffenburg ist zum Reg.- u. Kr.-Bauass. für das Ingfch. bei der Reg. der Oberpfalz und von Regensburg befördert; dem Bauamtsass. Spiegel, z. Zt. in Kochel , ist die Ass.-Stelle am Strassen- u Flussbauamte Aschaffenburg übertragen und der Staatsbauassist. Müller in Schweinfurt ist z. Ass. bei d. Strassen- u. Flussbauamte das. ernannt. — Der Bauamtm. Heberlein in Aschaffenburg ist z. Reg.- u. Kr.-Brth. für das Ldbfch. bei der Reg. von Schwaben und Neuburg befördert; dem Reg.- u. Kr.-Bauass. Bruch in Bayreuth ist die Bauamtm.-Stelle am Landbauamte Aschaffenburg verliehen. Der Bauamtsass. Schäffer in Bayreuth ist z. Reg - u. Kr.-Bauass. für das Landbfch. bei der Reg. von Oberfranken befördert und der Staatsbauassist. Branschowsky in München z. Ass. beim Landbauamte Bayreuth ernannt. Preussen. Die Reg.-Bfhr. Ewald Henkel aus Schleibnitz und Kurt Becker aus Friedensthal (Eisenbfch.) sind zu Reg.- Bmstrn. ernannt. Der Reg.-Bmstr. Arth. Adler ist der kgl. Eisenb.-Dir. in Kassel zur Beschäftigung überwiesen. Dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Michelsohn in Hannover und dem Reg.-Bmstr. Rud. Wey 1 and in Stettin ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst ertheilt. Sachsen. Die Reg.-Bfhr. Ebert und Lehmann in Dresden sind zu Reg.-Bmstrn. bei den Staatseisenb. ernannt. Württemberg. Dem kais. Mar.-Brth. und Hafenbau-Betr.-Dir. Schöner in Kiel ist die Erlaubn. zur Ann. und Anlegung des ihm verlieh, kgl. preuss. Rothen Adler-Ordens IV. Kl. ertheilt. gestehe im Inneren, soweit solche noch nicht vorhanden sind; Abdeckung der Mauern und der wagrechten Ge¬ simse durch Kupfer, Blei, Stein, Ziegelsteine, Schiefer; Abhaltung des Spritz Wassers; ständig sorgsame Beob¬ achtung und Unterhaltung des vorhandenen baulichen Bestandes. (Schluss folgt.) Brief- und Fragekasten. Hrn. Stadtbmstr. W. W. in O. Die Ertheilung der Bau- erlaubniss ist eine polizeiliche Maassnahme, die innerhalb der Be¬ fugnisse der Polizei liegt. Bei Ausübung ist die Polizei zwar an die Baupolizei-Ordnung gebunden, deren Handhabung und Auslegung jedoch ihrem pflichtschuldigen Ermessen nach Lage des Einzelfalles überlassen ist. Sie darf also nach Lage der Umstände von dem Buch¬ staben baupolizeilicher Vorschriften abweichen, sofern sie dadurch nicht etwa rein willkürlich handelt oder gegen Rücksichten des Gemeinwohles verstösst. Hält sich Jemand durch die getroffene Maassregel der Baupolizei beschwert, so steht ihm Verwaltungs¬ klage oder Verwaltungsbeschwerde gemäss L.-V.-G. vom 30. Juli 1883 § 127 ff. zu , um die Kraftloserklärung der polizeilichen An¬ ordnung zu erreichen. In Ihrem Falle hat die Baupolizei die An¬ bringung eines Fensters in der dem Nachbar zugekehrten Mauer eines Erkers gestattet, obschon diese Oeffnung nur 45 cm von der Nachbargrenze entfernt ist. Es ist nun unwahrscheinlich, dass der betreffende Nachbar mit einer Klage gegen die Polizei durchdringen und ein Urtheil dahin erwirken wird, dass die Polizei zur Rück¬ nahme der ertheilten Erlaubniss und zum Gebot verpflichtet sei, das Fenster bezw. die Oeffnung in der dem Nachbar zugewandten Mauer des Erkervorsprunges zu beseitigen. — Wohl aber wäre nicht unwahrscheinlich, dass der Nachbar, welcher sich durch den Vorfall gekränkt glaubt, durch eine Vorstellung bei der Aufsichts¬ behörde erwirkt, dass der Polizei aufgegeben werde, die Fenster¬ schliessung herbeizuführen. Es wäre dann eine entsprechende Polizei-Verordnung an den Bauherrn zu richten, welcher hiergegen die Rechtsmittel des L.-V.-G. v. 30 Juli 1883 § 127 ff. ergreifen könnte. — Der Nachbar kann endlich gegen den Bauherrn auf Schliessung des Erkerfensters nach seiner Seite zu bei dem ordent¬ lichen Gerichte klagen. Die Aussichten eines solchen Rechtsstreites hängen davon ab, ob er aus dem Fortbestände einen Schaden für sich oder sein Grundstück nachweisen kann. Vermag er dies nicht, sodass sein Vorgehen mehr auf Schädigung des Beklagten als auf die Vertheidigung seiner Rechtslage abzielt, so sind die Aussichten eines Obsiegens unter der Herrschaft des heute geltenden Bürger¬ lichen Gesetzbuches , welches übrigens auch in der Rheinprovinz gilt, sehr gering. Wir fassen unsere Ausführung dahin zusammen, dass eine Verwaltungsklage völlig aussichtslos erscheint und eine gerichtliche Klage nur sehr schwache Gewinnaussichten bietet. Ver¬ waltungsklage würde schon namentlich deshalb versagen, weil die dafür gesetzte Nothfrist inzwischen verstrichen sein dürfte. K. H-e. Hrn. Arch. P. G. ln Hagen. Das gewünschte Gutachten über die Aussichten eines von Ihnen gegen den Bauherrn anzu¬ strengenden Rechtsstreites würde den für die Fragebeantwortung verfügbaren Raum so erheblich übersteigen, dass dessen Abgabe unthunlich ist. Denn es müssten sämtliche denkbare Einreden, welche seitens des Gegners erhoben werden könnten, nach ihrem muthmaasslichen Erfolge brücksichtigt und abgewogen werden. Eine so umfangreiche Arbeit würde für unsere übrigen Leser kein Inter¬ esse bieten. Wir sind jedoch bereit, Ihnen ein schriftliches Gut¬ achten zu beschaffen, dessen Herstellung: LImfang, Schwierigkeit und Streitwerth entsprechend jedoch 150 M. kosten würde. Bei oberfläch¬ licher Beurtheilung müssen wir die Aussichten eines Obsiegens mit der fraglichen Klage als sehr zweifelhaft bezeichnen. — K. H-e. Hrn. O. B. in Schönsee i. Westpr. Die Annahme der An¬ wärter für den Wasserbauwartdienst erfolgt durch die Chefs der Strombau-Verwaltungen und der Dortmund-Emskanal-Verwaltung, die Regierungs-Präsidenten und die Ministerial-Baukommission in Berlin. Es werden Zivil- und Militär-Anwärter angenommen, welche in jedem Falle den Nachweis einer ausreichenden technischen Vor¬ bildung und körperlicher Rüstigkeit zu erbringen haben. Bei den Zivil-Anwärtern bietet das an einer Baugewerkschule mit Tiefbau¬ kursen erlangte Reifezeugniss die volle Gewähr für gute Vorbildung. Die Anwärter werden nur nach dem Bedürfnisse der BauverwaltuDg angenommen und in gleicher Weise wie die sonstigen Hilfskräfte derselben entlohnt, so dass sich die Gehaltsbezüge der Anwärter auf 1200 bis höchstens 1500 M. jährlich stellen dürften. Die Aus¬ bildungszeit der Anwärter beträgt bis zur Ablegung der Bauwart¬ prüfung im allgemeinen 3V4 Jahr. Die Anstellung der mit Erfolg geprüften Anwärter erfolgt durch die Provinzialbehörden. PI. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zu Anfrage 2 in No. 9. Kegelbahnen fertigt als aus¬ schliessliche Spezialität die Firma G. Spellmann in Hannover, Seel- horststr. 3a, und zwar besonders für die Bahnen des „Deutschen Keglerbundes". Heinrich Dierks in Hannover. Zu Frage 3 in No. 99, 1902 Nach Angaben des Hrn. Hünnekes sind Kalksandstein-Fabriken in Mieste i. d. Altmark für die Firma Miester Kalksandsteinwerke, in Neuss für Fassbender & Kevelaer und in St. Tönis für Schlunys & Cie nach seinem Verfahren ein¬ gerichtet. Bei genannten Firmen dürfte wohl nähere Auskunft zu erhalten sein. — . . . . t. Inhalt: Die St. Maximilians-Kirche in München (Schluss). — Kunst¬ pflege durch das Volk. — Zur Angelegenheit des Heidelberger Schlosses (Fortsetzung statt Schluss). — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Per¬ sonal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: „Kolonie zur Leibeserziehung“. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 15. lOO illiiiiiiiilliliiiilillllilillilll 11 DEUTSCHE BAUZEITUNG || XXXVII. JAHRG. NR 16. BERLIN, DEN 25. FEBR. 1903 m Zur Berechnung von kontinuirlichen Trägern über drei Oeffnungen. ie Gleichungen der elastischen Linie für einen Träger Verschiebungen, miteinander vertauscht werden, erhält man gleichen Trägheitsmomentes von der Länge L, wel¬ cher nach Abbilds. 1 durch eine Last Q in den 2a) A = P ^bb dmb ba Abständen l und lx von den beiden Stützen A und P be¬ ansprucht wird, lassen sich mit Vorth eil zur Berechnung durchgehender Träger über drei Oeffnungen verwertbar; *). = Die Ermittlung der die Querschnitts-Abmessungen be¬ stimmenden Biegungsmomente und Querkräfte geschieht mit Hülfe der Einflusslinien für die beiden äusseren Stützendrücke A und B (vergl. Abb. 2 b). Abbiidg. 1. Letztere sind es, web \ l $ h 1 che unter Benutzung f ~ U 1 1 der oben erwähnten . i - t l ? Gleichungen der ela- ~f _ _ \c r stischen Linie für Ty Je einen Träger von der j Stützweite L usw. zu f gewinnen und aus 1) o = P„ cf — A J „ — m ma aa • d mb ■Ad, ba ah B\b. rf rf,, — rf,z aa ob ba daa dbk _ (j - __ fr-' \ ma ba mb und entsprechend 2b> B = t5} Die Ordinaten der Stützendruck-Einflusslinien sind dann: 3a) % = rf... rf. diesem Grunde einer weiteren Betrachtung zu unterwerfen sind. Werden die Stützendrücke A und B als die statisch nicht bestimmbaren Grössen angesehen, so unterliegen sie den durch die Elastizitäts- Gleichungen ausgedrückten Be- Abbild«-. 2. st>) vb b l f r °ba \ - d0a l "'h dbb / fÜr dle ^Linie- a ( j r dab \ "ma d ) ab \ aa rf rf .. rfj (■ mb :±) — I für die P-Linie. Die rf)Ma-Werthe sind aber die Ordinaten der elasti¬ schen Linien für A = — 1, die dmb -Werthe diejenigen der elastischen Linie für B = — 1. Es erscheinen also die Ordinaten der A-Linie als mit 0„° = rf, hb dbü ~~ d ba ver¬ vielfachte Differenzen der Ordinaten der elastischen Linie für A — — t und der mit dem Quotienten ha rf multipli- bb zierten Ordinaten der elastischen Linie für B — — 1, wäh¬ rend für die Ordinaten der P-Linie Entsprechendes gilt. Somit handelt es sich zunächst darum, die elastischen Linien für A = — 1 und B-— 1 zu ermitteln, die, abge¬ sehen von dem Verlauf der Schlusslinien, mit denjenigen übereinstimmen, welche durch die in Ca greifenden Lasten h jlL j /-v h + h und Ch = l. Es ergiebt sich: Vi = 1? ( 2*1 + ort •Ti3 \ 6 JE J (Zj[ -(- l 2» V h h k2 b 7 1,2 1, i- (2 4- - M '-(t) 't-i 6 E J i h 1-2 > Vi = = — h2h | 6 E J ( x-2 / h ' d + h h )- -0 k\ 2/3 = = Ti 4 = I2 m. Werden dann in den Gleichungen 5a und 5b die von den Stützweiten abhängigen Koeffizienten mit ihren Werthen eingeführt, so erhält man J,u = 2 (9 + 15) - ~ (3 • 9 + 2 . 15) + . 9 r • 57 2« 15: 9 t "■2 dV. =i51i?^= +©‘HK+(t)3 3,! 4 4 4 4 ft 3a _ » 9 4 jv , _ 9-15 fx " 16 — 4 4 ’ .ii 0 4 ’ 1)4 5b) = , 3 b " ^36 — 2 (4 + 4) 7- (2 4 + 3 4) + <■3 Die Bedeutung der x- und ^-Abstände ist aus der Abbildg. 2 ersichtlich; es ist aber 03 + 4 =4, cr2 + t2= 4, ©( = __ a"3 + h = 4- Werden in den Gleichgn. 3 die J/iw durch ft 42 d'm , die 4, .= !5a [_h , = .O _c /_ h , L h\*\ ■ 12 f 4 + \4/ i ’75| 4+'4//’ d"-tb = 2(15 + 12) - 7? (2 • 15 + 3 • 12) + ( T-)3. 12 4 \ 4 / In den Gleichungen 6 ist ferner 2 <9 + 15) — ■5J Jvib durch ft/32 ömh ersetzt usw., so erhält man K = \kn7 „ = — (d'ma - °’37° d'„,6) = 43,83 v wa 43,83’ + B = '‘, ‘V=2ft + «,weills=o1 6,b) —(<»'.> -0^34 , = _Ji_ so entstehen die Gleichungen: 49, 31 49, 31 6a) ?fl = e24a*i 4 4 0a = ©« 42ft,-9-a 2 4 (4 t- 4) 4 4 2 4 (4 + 4) 1 ^ ma mb ’Q } = *7 , 6b) <7, = (-4 42 ft I + . - d' - /’ -2 - } b \ mh ma 2 h (4 + 4) i 4 4 Sind die beiden äusseren Oeffnungen gleich gross, , und wenn So gestaltet sich die Rechnung etwas einfacher, indem die Gleichungen 5 und 6 übergehen in 7 und 8 wie foRt: 7) d'la —2 (4 + 4) — , 1_ (34 + 2 4) + 4 weil /3 = 4 und {3 = x1 , , und wenn 9b = 9 : 4* ft , 6 8 ’ 6 24(4 + 4) ) J‘mb — d‘ma &b i = ®btl'b • d'2 =A2 Zl , d ’s« = 4 , /M3 4 w2 ^ «r'2j, weil 4 d' , weil 4 = l3 und = xs. Aus diesen Beziehungen 6a und 6b lassen sich die (9-Werthe einfach ermitteln, wenn sie aufgestellt werden für die Querschnitte a und b, welche über den Stützen A und B liegen, indem die daselbst vorhandenen Ordinaten der A- bez. B-Linien, der Einheit gleich sind; also 17 = 1, bez. >jh = 1. Man erhält dann und d = 2(4 + 4) - — Ferner erhält man — — , also 0„ = 9, 0. ’ a 1 l. 2 (4 + 4) 1 1-0 2 (.4 + 4) 2 (4 + 4) — = d. 4, 9 2 (4 ~h 4) — = d' — d' , - - 0 a aa ni 2 4(4+4) © 2 (4 -I 4) l22 2(4 + 4) 2 (4 + hV , und entsprechend 2 (4 + 4) 42 2 di + 4) Ä 2 (4 + 4) also Schliesslich sind die Ordinaten 8a) >4 = ©(d'ma-d'mJ *) = ©,'„, 8 b) ^ = @(^-^^^ = ©,4. - Die Aufstellung der zur Ausrechnung dienenden Ta¬ bellen kann hiernach leicht erfolgen. — Joh. Thieme, Dr. Ing. Stockwerk bezw. Geschoss. ie B.-P.-O. für Berlin v. 15. Aug. 1897 regelt im § 16 die Zahl und die Bauweise der Treppen nach Maass¬ gabe der in dem Gebäude vorgesehenen, nach § 37 zulässigen, zum dauernden Aufenthalte von Menschen be¬ stimmten „Geschosse“. Ihrem Vorbilde ist die Mehrzahl der neueren Bauordnungen gefolgt, indem sie sinnent¬ sprechende Vorschriften enthalten, aber unter sich darin abweichen, dass theils die Bezeichnung „Geschoss “, theils „Stockwerk“ gebraucht wird. Die zweifellos neben dem B. G.-B. noch in Geltung stehenden, das Nachbar- und Fensterrecht regelnden Vorschriften des A. L.-R. 1. 8 §§ i42ff. bedienen sich der Bezeichnung „Stockwerk“. In gleicher Weise findet sich auch in den dem Privatrechte angehören¬ den Rechtsregeln anderer Rechtsgebiete zwischen den Be¬ zeichnungen „Geschoss" und „Stockwerk“ eine Schwankung. Infolgedessen tritt die Frage in den Vordergrund, ob es sich um zwei verschiedene Begriffe oder nur zwei Be¬ zeichnungen für denselben Begriff handelt. Die in die B. P. O. aufgenommene Bezeichnung beruht auf der Kab.-Ord. v. 8. Okt. i846, bezw. dem Min. -Erl. v. 31. Jan. i847 (Min.-Bl. S. 50), wonach bei allen künftigen amtlichen Verhandlungen für die verschiedenen Geschosse von Gebäuden, anstatt der bisherigen schwankenden und unklaren Terminologie, als Bezeichnungen für das sogen. No. 16. 102 Souterrain „Kellergeschoss", für das sog. Parterre „Erd¬ geschoss", für die sog. Beletage „erstes Stockwerk“, für die höheren Geschosse „zweites, drittes Stockwerk“ usw. zu¬ grunde gelegt werden sollen. Infolgedessen gilt „Geschoss“ als der allgemeine Begriff, der auch die Stockwerke in sich schliesst, während als „Stockwerke“ nur die Geschosse zwischen dem Erdgeschoss und dem Dachgeschoss ange¬ sehen werden. Die Rechtsprechung sowohl des preuss. Ober-Verwaltungs-Gerichtes als auch des Reichsgerichtes hat wiederholt Veranlassung gehabt, Stellung zu dieser Frage zu nehmen und zwar ersteres vom öffentlich-rechtlichen, letzteres vom privatrechtlichen Standpunkte aus; doch kom¬ men beide im Wesentlichen zu demselben Ergebnisse. In demUrtheil v. 20. Juni 1890 (Entsch. Bd. 21 S. 387) ver¬ tritt das Ob.-Verw.-Gericht die Anschauung, es entspräche den anerkannten Regeln der Baukunst zwar eine Unter¬ scheidung zwischen Geschoss und Stockwerk dahin, dass sämtliche wagrecht übereinander liegende Abtheilungen eines Gebäudes als Geschosse, jedoch nur die zwischen dem Erdgeschosse und dem Dachboden oder dem Dach¬ geschosse belegenen als Stockwerke angesehen werden; allein diese Unterscheidung stamme aus dem Mittelalter, wo es allgemein üblich war, über einem massiven Erd¬ geschosse ein oder mehrere Geschosse in Holzverband — Stielwerk oder Stockwerk — zu errichten. Nachdem diese Bauweise fast ganz durch den vollständigen Massivbau verdrängt ist, müsse solche als veraltet gelten. Der allge¬ meine Sprachgebrauch erkenne sie nicht mehr an, viel¬ mehr werde gegenwärtig ein Gebäude, welches nur aus einem Erdgeschoss, oder aus einem solchen bezw. mehre¬ ren wagrecht übereinander liegenden Stockwerken besteht, ganz allgemein als ein einstöckiges oder ein deren Anzahl entsprechendes mehrstöckiges Haus bezeichnet. Als Be¬ griffsmerkmal könne für Stockwerk höchstens noch das Vorhandensein einer darüber liegenden ausgestockten Balkenlage aufgestellt werden. In einem nicht abgedruck¬ ten Urtheil v. 17. Okt. 1894 — IV. 1243 — werden, diese An¬ schauung gleichsam ergänzend, die Begriffsmerkmale für das Dachgeschoss dahin aufgestellt, dass als solches nur der Raum anzusehen sei, welcher von der Dachkonstruk¬ tion eingenommen wird bezw. in welchen diese hineinragt. Es wird deshalb in dem Urtheil v. 27. Nov. 1895 (Entsch. Bd. 29 S. 38) dem obersten, den Abschluss des Gebäudes bilden¬ den, Bautheile die Eigenschaft eines Dachgeschosses nur unter der Voraussetzung zugestanden, dass die eigentliche Dachkonstruktion den Hauptbestandteil desselben aus¬ macht, während es als Stockwerk zu gelten habe, wenn die in demselben angelegten, zum dauernden Aufenthalt von Menschen eingerichteten Räume überwiegen. Dies wird dahin begründet, dass wenn ein Geschoss schon in der äusseren Umfassung ein den Erfordernissen eines Wohngeschosses entsprechendes, den übrigen Geschossen des Hauses gleichwerthiges Stockwerk darstellt, es nicht da¬ durch allein zu einem Dachgeschoss gemacht werden könne, weil der Unternehmer die Unterstützungen der geneigten Dachfläche in dieses Stockwerk hineinverlegt. Denn ebenso wenig, wie eingeschossige Gebäude, wie Kirchen, Bahnhofs¬ hallen, Exerzierhäuser und ähnliche, bei denen die schrägen Streben und sonstigen Konstruktionen zur Unterstützung der Bedachung in den Innenraum hineingreifen, als solche anzusehen sind, die nur aus einem Dachgeschoss bestehen, dürfe auch für mehrgeschossige Gebäude zugegeben wer¬ den, dass die örtliche Lage der schrägen Streben usw., die zur Unterstützung des Daches dienen, für die Bestimmung des Dachgeschosses allein maassgebend sein könne, mögen sie aus Holz, Eisen oder anderem Material sein. Nach der Rechtsüberzeugung des Reichsgerichtes in dem Urtheil v. 3. Oktober 1900 (Entsch. Bd. 47 S. 265) unter¬ liegt es keinem Zweifel, dass das im A. L. R. 1.8 § 143 erwähnte zweite Stockwerk die sogenannte Beletage und das darunter befindliche Stockwerk das untere Stockwerk des § 142 daselbst ist, aber die Räume unter dem unteren Stockwerk, welche unter der Erdoberfläche bezw. dem Strassen-Niveau liegen, also die Kellerräume in keinem Falle als unteres Stockwerk gelten können, ist jedoch frag¬ lich, ob Räume unterhalb des sog. Parterre, wenn sie zu ebener Erde oder nur in geringem Maasse mit ihrem Fuss- boden tiefer liegen und ihrer Einrichtung nach Kelle r- räumen nicht ähnlich sind, nicht als unteres Stockwerk anzusehen sind, mag die im A. L. R. angewendete Sprache oder die jetzt übliche Ausdrucksweise berücksichtigt wer¬ den. Bedenkenfrei habe eine zu ebener Erde liegende, mit einem besonderen Eingänge versehene und als Woh¬ nung eingerichtete Etage als unteres Stockwerk zu gelten, mag auch das darüberliegende Hochparterre mittels einer Treppe durch einen besonderen Eingang zu erreichen sein. Doch könne davon nicht die Rede sein bei Räumen, die etwa bis zur Hälfte ihrer Höhe unter dem Strassen- Niveau liegen und als Küche und Vorrathskammern dienen. Etwaige Zweifel darüber, welcher Kategorie derartige Räume zuzurechnen sind, lassen sich also nur unter Be¬ rücksichtigung der Umstände im einzelnen Falle aus dem Gesichtspunkte lösen, welcher Bestimmung sie von dem Erbauer des Hauses gewidmet sind. Als Ergebniss bleibt deshalb festzuhalten, dass die Rechtsüberzeugung des Reichsgerichtes mit derjenigen des Ober-Verwaltungsgerichtes darin übereinstimmt, dass: 1. Kellerräume, die überwiegend unter der Erdober¬ fläche liegen, niemals als unteres Stockwerk gelten können; 2. Räume, welche zu ebener Erde oder nur in ge¬ ringem Maasse tiefer liegen und zum dauernden Aufenthalt von Menschen eingerichtet sind, das Kellergeschoss bilden und als unteres Stockwerk gelten können; 3. als Regel jedoch das untere Stockwerk im Sinne des A. L. R. I. 8 § 142 mit dem Erdgeschoss übereinstimmt; 4. das zweite Stockwerk im Sinne des § 143 a. a, O. gleichbedeutend mit dem ersten Stockwerk der Kab.-Ord. vom 28. Oktober 1846 ist; 5. wesentliches Begriffsmerkmal des Dachgeschosses neben der Lage der Konstruktionstheile des Dachver¬ bandes auch das Verhältniss der fraglichen Räume zum Dache selbst, d. h. zu der geneigten Dachfläche, bildet — Kreisgerichtsrath Dr. B. Hilse, in Berlin. Mittheilungen aus Vereinen. Arch.- u Ing.-Verein zu Hamburg. Feste und Aus¬ flüge 1902. Der 1. Ausflug wurde am 11. Januar von etwa 170 Damen und Herren nach dem staatsseitig auf dem Gelände des St. Georger Allgemeinen Kranken¬ hauses neu erbauten „ Medico-mechanischen Insti¬ tute“ unternommen. Diese ausserordentlich vollkommen eingerichtete Anstalt steht für mehrere Stunden des Tages den Insassen des oben genannten Krankenhauses zur freien Verfügung, während die Benutzung der ganzen Anstalt für die übrige Zeit einem Pächter für Privatkunden über¬ lassen bleibt. — Am 12. Febr. hatten die Hrn. Arch. Lundt & Kall¬ morgen zu der Besichtigung des von ihnen neu erbauten Geschäftshauses der Gebr. Alsberg, Grosser Bur- stah 22/28, eingeladen; es waren etwa 130 Damen und Herren erschienen. Weil die Bauherrn bei der sehr be¬ deutenden Tiefe des Grundstückes eine Fülle von Licht bis tief ins Innere des Gebäudes verlangten, so hatten die Architekten mächtige Bogenfenster in die Fassade gelegt. Da aber die Vorderfront des Grundstückes keine Gerade bildet, so war die Konstruktion der Bogenfenster, des Seitenschubes wegen, nicht ohne Schwierigkeit und erfor¬ derte sorgfältige statische Berechnungen, welche von dem Ziviling. Hrn. Kohfahl ausgeführt wurden. — Das 43. Stiftungsfest des Vereins wurde am 26. April unter recht guter Betheiligung der Mitglieder mit ihren Damen in den festlich geschmückten Sälen der „Erholung“ gefeiert. Nach einem fröhlichen Mahle kam ein von un- 25. Februar 1903. serem Mitgliede Hrn. Arch. Schomburgk verfasstes geistreiches und witziges Theaterstück zur Aufführung. — Am 8. Juni wurde von 80 Damen und Herren ein wohlgelungener Ausflug nach dem reizvollen Städtchen Lüneburg unternommen. Unter der fachkundigen liebens¬ würdigen Führung der Lüneburger Kollegen wurde ein Rundgang durch die Stadt gemacht. Wenn auch die Neuzeit leider vielfach unter den alten schönen Baulichkeiten aufge¬ räumt hat, so konnten doch noch manche herrliche Pa¬ trizierhäuser, deren Erbauung bis ins 15. Jahrh. zurückgeht, bewundert werden. Dann wurde das ehrwürdige an Schätzen reiche Rathhaus besucht, eine Perle alter Bau¬ kunst. Nach dem Mittagsmahle wurde eine Wanderung nach dem 20 Minuten entfernten, Ende des 14. Jahrh. er¬ bauten Kloster Lüne unternommen, dessen den alten Kirchhof allseitig umschliessende Baulichkeiten noch vor¬ züglich erhalten sind. Hervorzuheben sind die schönen von 1380 — 1600 ausgeführten Glasmalereien im Kreuzgange und die reichen Schätze an alten Stickereien, welche seitens derAebtissin in liebenswürdiger Weise ausgestellt waren. — Am Nachmittage des 17. Juni unternahmen etwa 50 Herren unter Führung der Hrn. Ob.-Ing. Vermehren, Bauinsp. Merckel und Bmstr. Leo eine Besichtigung der ihrer Vollendung entgegengehenden neuen Stammsiel¬ mündung in der Hafenstrasse, bei welcher die genann¬ ten Herren den Zweck der Anlage und die interessanten Bauausführungen an der Hand ausgestellter Pläne näher erläuterten. Die sanitären Anforderungen der Neuzeit haben bekanntlich dahin geführt, im Zusammenhänge mit dem neu zu erbauenden Stammsiel eine neue Mündung 103 in die Elbe vorzusehen, welche nicht nur die Abwässer des neuen, sondern auch die des alten Stammsieles in sich aufnehmen und mittels dreier in verschiedenen Längen in die Elbe zu verlegenden 2 “ weiten eisernen Mün¬ dungsrohren über den Elbstrom veitheilen soll. Vorher werden die Abwässer in einem Sandfang von den schwe¬ ren Sinkstoffen und mittels eines Gitters von den schweben¬ den Bestandtheilen befreit, welche durch Transportbänder in Schuten befördert werden sollen, die an der Ufermauer bereit liegen. Die sich in dem Sandfange zu Boden setzenden Sinkstoffe sollen mit Hilfe eines elektrisch be¬ triebenen Baggers ebenfalls dem Transportbande zuge¬ führt werden. Die elektrische Kraftstation ist in dem neben der Mündung errichteten Dienstgebäude unterge¬ bracht und besteht aus 2 je 30-pferdigen Gasdynamos, durch welche gleichzeitig die unterirdischen Räume ihre Beleuchtung durch elektrisches Licht erhalten. Ein Gang durch diese Räume und durch das Stamm¬ siel gab den Theilnehmern einen Ueberblick über den Stand der Arbeiten und über die Ausführungsart der¬ selben. Das Stammsiel in der Hafenstrasse ist im Tunnel¬ betrieb ausgeführt, und zwar wurden zunächst die Wider¬ lager des Sielprofiles in 2 Stollen vorgetrieben, worauf der Vollausbruch mittels eiserner Erdbögen, auf denen die hölzerne Verpfählung aufruhte, bewirkt wurde. Da der Boden trockener sandiger Thon mit geringer Wasser¬ zuführung war, bewährte sich diese Methode. Die eigentliche Mündungskammer, in welche das neue Stammsiel und der Verbindungsarm mit dem alten Stamm¬ siel durch ein Trompetengewölbe einmünden, ist ein durch Träger und Kappen überdeckter viereckiger Raum von 12“ Länge, 6,5“ Breite und 7,2“ Höhe. Bei dem Bau derselben wurde eine Absperrung des Strassenverkehres durch Einbau von Nothbrücken vollständig vermieden. Besondere Schwierigkeiten verursachte der Transport der bis zu 7000 kg wiegenden Eisentheile des die Mündungs¬ kammer abschliessenden Schosses. — Am 20. Juni versammelten sich etwa 70 Damen und Herren, um die von Hrn. Arch. Lorenzen in der Ham¬ merbrookstrasse neuerbaute K i r c h e zu besichtigen. Dann wurde eine Wanderung unternommen nach dem an dem Billefluss reizend belegenen, aus dem Jahre 1587 stam¬ menden Bullenhusener Schleusenhause, das bau¬ fällig geworden, unter möglichster Wahrung aller noch brauchbaren Theile, nach den Plänen des verstorbenen Arch. Georg Thielen umgebaut worden ist. Hr. Bauinsp. C. Haase gab an der Hand einer grossen Anzahl Zeich¬ nungen über den historischen Theil des interessanten Hauses und über den vollzogenen Umbau Erläuterungen. Der im Laufe des Sommers fertig gewordene grosse Neubau des Bau- und Sparvereins im Vororte Bar m- beck, Ecke Wohldorferstr. und Stuvkamp, wurde am 28. Juni unter Führung des bauleitenden Arch. Hrn. Ernst Vicenz von etwa 20 Herren in Augenschein genommen. Auf Einladung des Hrn. A. H. Wessely wurde von etwa 100 Damen und Herren dessen Fabrik von Thon- waaren, Oefen, Kaminen, Herden und Zentralheizungen am 22. Aug. mit grossem Interesse besichtigt. — Am Nachmittag des 5. Sept. wurde von etwa 90 Damen und Herren die Licht- und Steindruckerei und die chromographische Anstalt der Firma Knackstedt & Näther besucht, in welcher ausschliesslich Ansichtspost¬ karten in reizvollster Art hergestellt werden. Die Fabrik fertigt jährlich etwa 40 Mill. Ansichtspostkarten, von denen etwa 40 °/0 ins Ausland verschickt werden. Die Fabri¬ kation wurde in allen Stadien vorgeführt. — Auf 2 vom Strom- und Hafenbau gestellten Dampfern fuhren am 10. Sept. etwa 90 Damen und Herren von den St. Pauli-Landungsbrücken nach dem im Bau begriffenen Kuhwärderhafen, wo Hr. Wasserbauinsp. Wendemuth die Führung übernahm. Das erste durchfahrene Hafen¬ becken hat eine mittlere Länge von 1200 m und eine Breite von 200 — 230 “ mit einer Tiefe bei gew. H.-W. von 9 m. Da dieser Hafen hauptsächlich für solche Schiffe bestimmt ist, welche Massenartikel bringen und diese dann un¬ mittelbar in Flusschiffe überladen, so sind an den Ufern keine Kaischuppen mit Ivrähnen vorhanden. Der Hafen selbst war fertig und ist inzwischen dem Verkehr über¬ geben. Der zweite 1000 m lange und 200—230“ breite Hafen, welcher nach Fertigstellung der Hamburg- Amer ika-Linie mit Schuppen, Krahnen usw. für die Summe von 1300000 M. verpachtet werden soll, war auf seine Tiefe von 9,75 “ bei gew. H.-W. schon ausgehoben, dagegen waren die Schuppen an dem Kairande noch im Bau. Die Schuppen an der Nordseite werden je 327 “ lang und 45 “ breit, während die an der Südseite je eine Länge von 400 “ und eine Breite von 50 “ erhalten wer¬ den. Die Herstellung der nördlichen Kaimauer des 3. Hafen¬ beckens war theils bewirkt, theils war dieselbe in ver¬ schiedenen Baustadien begriffen. Nach Durchwanderung des Bauplatzes wurde eine Fahrt nach Neumühlen und von hier eine Wanderung nach dem königl. Hof in Altona unternommen, wo man den Abend gemüthlich verlebte. — Am 8. Okt. wurde von etwa 60 Herren in vier, von den Baubehörden gestellten Barkassen eine Fahrt durch die im Billwärder Ausschlag hergestellten Kanäle nach der Baustelle der Tief stackschleuse unternommen, wo Hr. Bauinsp. C. Haase die erforderlichen Erklärungen gab (vergl. die Mittheilungen S. 598, Jahrg. 1902). — Die neuen Eisenbahn-Umbauten zwischen Damm¬ thorbahnhof und Nagelsweg wurden am 27. Okt. von etwa 120 Herren besichtigt, wobei verschiedene Herren der Altonaer Eisenbahn-Direktion die Erläuterungen gaben. — Anschliessend an den tagsvorher gehaltenen Vortrag zeigte am 1. Nov. Hr. Bauinsp. Mer ekel etwa 30 Herren die elektrisch betriebenen Vorrichtungen zur Versenkung des im Brookthorhafen in einem Stück verlegten, 109“ langen, 104 4 schweren und 2 m im Durchmesser haltenden eisernen Sieldückers. — Am 13. Dez. wurde auf Einladung der Hrn. Arch. Lundt & Kallmorgen der von ihnen neu erbaute Kaiserhof in Altona von etwa 150 Damen und Herren in Augenschein genommen. Es ist dieses eine einer Aktien- Gesellschaft gehörende grosse Baugruppe, in welcher ein Hotel, eine grosse Restauration, verschiedene Gesellschafts¬ säle und ein mächtiger Konzertsaal untergebracht sind. — Der letzte Ausflug galt der vom Hrn. Arch. Haller neu erbauten Vereinsbank am Altenwall, welche am 20. Dez. von etwa 90 Mitgliedern des Vereins besichtigt wurde Zwischen Weihnachten und Neujahr wurde in den weihnachtlich geschmückten Räumen des Vereins für Kunst und Wissenschaft die Jahresschluss-Kneipe am 30. Dez. von 42 Theilnehmern in fidelster Weise abgehalten. Erfreulicherweise war die Betheiligung an den Aus¬ flügen in dem verflossenen Jahre eine bedeutend regere als im vorhergehenden Jahre. — — rt. Preisbewerbungen. Wettbewerb betr. Wohnhäuser Im Charakter der Vier¬ lande. Im „Verein für Vierländer Kunst und Heimaths- kunde“ bewilligte der Hamburgische Staat xooo M. zu Preisen für einen Wettbewerb um Wohnhäuser, deren Ausbildung sich in Form und Material nach Möglichkeit dem Charakter der von Alters her in den Vierlanden üb¬ lichen Bauweise anschliessen und die doch den techni¬ schen Anforderungen der Jetztzeit durchaus Rechnung tragen und auf diese Weise als Vorbilder dienen sollten. Die Theilnahme war auf Vereinsmitglieder beschränkt; es gingen n Entwürfe ein. Das Preisgericht, bestehend aus den Hrn. Architekten Groothoff und Faulwasser in Hamburg, Zimmermeister Janssen aus Curslack und zwei Vierländer Gemeindevorstehern, sollte 4 Arbeiten zur Auszeichnung empfehlen. Die Preise trafen auf 2 Ent¬ würfe des Hrn. Arch. P. G. Jürgensen in Bergedorf und auf die Entwürfe von Zimmermeister Matthies in Bar¬ dowik, sowie Arch. Schmüser in Curslack. — Einen internationalen Wettbewerb betr. Entwürfe für die Fassaden des neuen Aufnahme-Gebäudes der Schweize¬ rischen Bundesbahnen in Basel erlässt die Direktion zum 30. April 1903- Unterlagen sind vom Baudepartement der Kreisdirekiion II. der Schweizer. Bundesbahnen in Basel zu beziehen. — In dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein neues Amts¬ gerichtsgebäude in Rothenburg o. T. liefen 60 Arbeiten ein. Den I. Preis erhielt Hr. Arch. R. Senf in Lindau; der II. Preis konnte nicht verliehen werden, da der Verfasser des bez. Entwurfes nicht dem Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Verein angehört. Den 111. Preis errang Hr. Bauamtsass. G. Bestelmeyer in München. Der nicht verliehene II. Preis wurde in zwei IV. Preise getheilt, welche an die Hrn. Otto Schulz und C. Jays in München fielen. Lobende Erwähnungen fanden die Entwürfe der Hrn. Blossem, H. Selzer in Gemeinschaft mit H. Weiss, Paul Thier sch und Karl Jäger in München, sowie Rieh. Schachner in Freising. — Wettbewerb Kanalisierung St. Petersburg. Der I. Preis wurde nicht vertheilt, der II. Preis von 8000 Rbl. dem Ing Gust. Richert in Stockholm zuerkannt. Es waren 11 Entwürfe eingelaufen, von welchen jedoch nur 6 be¬ werbungsfähig waren. — Inhalt: Zur Berechnung von kontinuirlichen Tjägern über drei Oeffnungen. — Stockweik bezw. Geschoss. — Mittheilungen aus Vereinen. — Preisbewerbungen. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 16. 104 Oh H Q w Q Ph ;< 2 W 4f O 2 Ü W CO w >— > CO p < in 2 D 2 o O (2 -J H 2 D * 2 Ü3 c2 w CQ w W ..JAHRGANG 1903 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUNG. GANG. * * N2- 17. * DEN 28. FE BR. 1903. * stsstsesrssrssrxsjsrsrs; Entwurf ziGeinem Zentralsaal der Grossen Berliner Kunstausstellung. Arch. : Herrn. A. Krause in Berlin. Zur Gestaltung von Kunstausstellungen. (Schluss aus No. n.) Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 108 und 109, sowie in No. 18. ie Spaltungen, welche in der Künstlerschaft der Mittelpunkte des künstlerischen Schaffens im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte ein¬ traten, waren neben anderen Gründen zum grossen Theil auch durch die veränderten Anschauungen über den Eindruck und den Genuss eines Kunstwerkes hervorgerufen. In Deutschland ging die Münchener Sezession als erste voran und brach in ihrem vorübergehenden Ausstellungs-Gebäude an der Prinzregenten -Strasse in München grundsätzlich mit der bis dahin üblichen Anordnung der Kunstwerke. Diese wurden nicht nur in der Zahl erheblich beschränkt, sondern es wurde, soweit thunlich, auch versucht, durch Gestaltung und Wahl ihrer Umgebung ihrem indivi¬ duellen Stimmungsgehalt Rechnung zu tragen. In er¬ höhtem und verfeinertem Maasse übernahm diese Grund¬ sätze die Wiener Sezession und schuf in dem Aus¬ stellungs-Gebäude von Olbrich am Getreidemarkt inWien sowie in ihren geschlossenen Gruppen auf den grösseren Ausstellungen unübertroffene Stimmungsbilder in der künstlerischen Anordnung der Ausstellungswerke. Zur höchsten Höhe wurde dieses Prinzip bei der Ausstellung des Klinger’schen Beethoven in Wien getrieben (siehe S. 317 ff. Jahrg. 1902). Hier ordneten sich der gesamte Inhalt des Ausstellungs-Gebäudes sowie die innere Ge¬ staltung desselben völlig dem einen Kunstwerke unter. Die hier verfolgten Grundsätze waren in ihrer Wir¬ kung so einleuchtend, dass nicht nur die Sezessionen an¬ derer Städte dem Münchener und Wiener Beispiel folgten — die Berliner Sezession, welche sich in der Nothlage sieht, ihr bisheriges Haus verlassen und ein neues er¬ richten zu müssen, plant dieses neue Haus genau nach den gleichen Grundsätzen wie das alte: kleine Räume und eine begrenzte Auswahl der Kunstwerke — son¬ dern dass auch diel alten Kunstausstellungen bald daran gingen, ihre übergrossen Räume durch Einstellungen aller Art zu verkleinern und ihren Stimmungsgehalt zu erhöhen. Bemerkenswerthe Versuche dieser Art wurden im Glaspalast in München im Laufe veischie- dener Jahre mit gutem Erfolge gemacht. Die Befolgung der hier entwickeltenGrundsätze war es dann auch, welche zweien neueren, in sich verschiedenartigen aber in der Anordnung verwandten Ausstellungen einen unerwarte¬ ten Erfolg bereitete: der Jubiläums-Kunstausstellung des Jahres 1902 in Karlsruhe und der Jubiläums-Ausstellung des Vereins für deutsches Kunstgewerbe des Schlusses gleichfalls des Jahres 1902. Dort waren Hr. Prof. Friedrich Ratzel in Karlsruhe, hierHr. Prof. Alfred Gr enander die glücklichen Gestalter, deren künstlerischer Ein¬ wirkung ein gut Theil des grossen Erfolges der Ausstel¬ lungen zu danken ist. Die in No. 11 und 12 sowie in dieser und der folgenden Nummer wiedergegebenen Theilan- sichten aus beiden Ausstellungen lassen die Grundsätze der Raumgestaltung erkennen, leider nicht auch in vol¬ lem Umfange die schöne Wirkung dieser Gestaltungen. Nach diesen Vorgängen und nach ihren fest¬ stehenden grossen künstlerischen Erfolgen in der Dar¬ bietung sowohl wie in der Aufnahme des Ausstellungs¬ gutes ist es überraschend, dass die leitenden Kreise der „Grossen Berliner Kunstausstellung“ den Gedanken fassten, einen grossen Zentralsaal für Konzerte, für Repräsentation, zugleich aber auch für Ausstellungs¬ zwecke zu schaffen, selbst wenn man diesen Raum als ein nothwendiges Verkehrszentrum der ganzen Ausstellung auffassen will. Der Gedanke wurde erörtert unter anderem im Hinblick auf die grosse Halle der Dresdener Kunstausstellung (S. 108), für welche es in mehreren Fällen gelungen war, räumlich grosse Kunstwerke als Mittelpunkte der Anordnung zu gewinnen, einmal den Bremer Brunnen von R. Maison, ein anderes Mal das Todtendenkmal des Pariser Bild¬ hauers Bartholome, für dessen treffliche Einordnung in r°5 das Ganze Hr. Wilh. Kreis in Dresden die wirkungs¬ volle Form fand, von welcher die Abbildg. S. 65 einen ungefähren Eindruck gibt. Ein Wettbewerb des ver¬ gangenen Jahres sollte für die Gestaltung eines solchen Saales Unterlagen schaffen; ein vor kurzem entschie¬ dener wiederholter, zugleich ein engerer Wettbewerb aufgrund veränderter Vorbedingungen hat einen Ent¬ wurfgezeitigt — der desllrn. Alfr. J. Balcke auf der Bei¬ lage u. S. 108 — welcher zur Ausführung gewählt wurde. Der Saal in Dresden ist noch etwas kleiner, als die Zu¬ sammenfassung der 3 Säle 35,3 u. 42, aus welcher der neue Berliner Saal entstehen soll. Es dürfte daher wie für ihn auch für diesen nicht leicht sein, alljährlich ein beherrschendes und als Mittelpunkt geeignetes Kunst¬ werk zu finden. Die übermässige Grösse des Saales hat einige Theilnehmer des Wettbewerbes veranlasst, denSaal zu verkürzen, so u. a. H. A. Krause, der den Saal an seinen beiden Kurz¬ seiten mit Einstell¬ ungen versah, wel¬ che zugleich als Mu¬ siker- oderZuschau- er-Tribünen dienen können. Denn der Saal ist bei schlech¬ tem Wetter auch zum Konzertsaal be¬ stimmt — der mate¬ rielle Erfolg beruht* in der Kunstaus¬ stellung am Lehrter Bahnhof in Berlin Raumgestaltung nach dem Entwürfe von H. A. Krause. zumtheil auf ande¬ ren Umständen, wie sonst in Kunstaus¬ stellungen. DerSaal soll ferner ein Zen¬ tralsaal zur leichte¬ ren Zurechtfindung in der Ausstellung sein. J. Reuters fasste ihn in seinem Entwurf (s. Beilage u. die Abbildg. in No. 18) gewissermaassen als Abschluss-Saal der Raumfolge auf, die aus dem neuen Saal, dem bis¬ herigen Ehrensaal der Architekten Cremer & Wolffen- Landesausstellungs-Gebäude in Berlin. stein (Saal 2) und der Kuppelhalle besteht. Er verlegte die Eingänge zu den weiteren Sälen der Hauptaxe an die Seiten einer architektonischen Anordnung, welche als „point- de -vue“ für den Eintretenden gedacht ist. Leider geht nunmehr auch die schöne Kuppel¬ halle den frühen Weg alles Gipses. Sie ist hinfällig geworden und muss, um Unglücksfälle zu vermeiden, abgetragen werden. Hätte man bei ihr noch mit einem Bestand von nur einigen Jahren rechnen können, so hätten wir vorgeschlagen, den umgekehrten Weg zu wählen: Nicht durch Anordnung eines Riesensaales den Maasstab der übrigen Ausstellung zu schlagen, sondern die Wirkung des Bestehenden und der et¬ waigen künftigen Einbauten durch Anwendung eines kleineren Maasstabes zu steigern. Jetzt tritt man un¬ mittelbar aus der grossen freien Natur in den Kuppel¬ saal und bringt für diesen, sowie für die Ausstellung selbst einen durchaus ungeeigneten Maasstab mit. Wie ganz anders wäre seine oder seines etwaigen Nachfolgers Wirkung, wenn man ihn erst nach Zu¬ rücklegung etwa einer in niederen Abmessungen ge¬ haltenen säulengegliederten Vorhalle beträte, deren Licht, soweit irgend thunlich, gedämpft ist und an welcher einerseits die Büreaux der Ausstellung, an¬ dererseits Garderoben, Loosverkaufsstände usw. lägen, eine Vorhalle, die zugleich zu kürzerem Verweilen auf¬ fordert oder vielleicht auch zwingt, um eine kurze Sammlung des Besuchers vor Eintritt in die eigentliche Ausstellung zu veranlassen. Der Vorschlag enthält nichts Neues, er ist in anderer Weise in früheren Ausstellungen mit Glück versucht worden. Der Maass¬ stab der Kuppelhalle ist unseres Erachtens die äusserste Grenze für den Maasstab etwaiger Repräsentation, wenn durch diese nicht die Wirkung des Ausstellungs¬ gutes beeinträchtigt werden soll. Dem hier gegebenen Maasstabe hätten sich alle Einbauten , auch die zur Schaffung der kleinsten Räume, in entsprechendem Theilverhältnisse anzuschliessen. In Bezug auf die intime Wirkung der kleinen Ausstellungsräume gibt auch der unzweifelhafte Erfolg der privaten Kunst¬ ausstellungen, bei welchen die Noth zur Tugend wird, zu denken. Im übrigen sollte eine Kunstausstellung eigentlich wie eine Bühne sein, die in kürzeren Zeit¬ räumen verwandelt und dem individuellen Schönheits- anspruche der Kunstwerke angepasst werden kann. Wenn auch das Ausstellungs-Gebäude am Lehrter Bahnhof in der Werthschätzung der Künstlerschaft nicht allzu hoch steht und täglich mehr dem Einflüsse der Zeit verfällt, so hat es in dieser Eigenschaft doch den Vorzug, zu Versuchen dienen zu können, die keine lange Dauer beanspruchen. In diesem Sinne stehen wir auch dem neuen Saale als einem vorüber¬ gehenden Versuch abwartend gegenüber, dessen Er¬ fahrungen für ein etwaiges neues ständiges Aus¬ stellungs-Gebäude von hohem Werth sein werden. — Der Teltow-Kanal. Ingenieure: Königl. Bauräthe Havestadt & Contag in Berlin -Wilmersdorf. (Fortsetzung aus No. 14.) f. Die Bauwerke des Kanales. (Schluss.) ß. Die Brückenbauten. (Schluss.) (Vergleiche hierzu die Abbildungen in No. 13.) ür die Brücken des Kanales wurden, soweit nicht für die Eisenbahnbrücken besondere Vorschriften der Verwaltung Platz greifen, die folgenden allgemeinen Bestimmungen gegeben : Als lichteMindestmaasse derselben wurden für dieTheilstreckel, Glienicker Lake-GriebnitzseeundTheil- strecke III, Griebnitzsee-Potsdamer Stammbahn (vgl. den Kanalplan S. 68) landespolizeilich 20 m Lichtweite und 4m Lichthöhe über dem höchsten Wasserstande festgesetzt. Die Abbildungen 7 — 9 in No. 13 zeigen die Brücken auf dieser Strecke mit beiderseits massiv durchgeführtem Leinpfad von 1,5 m Breite (vgl. auch den Kanal -Querschnitt Abbildg. 6 in No. 11). Die Ueberbauten erhielten demnach nur rd. 24 m Stütz¬ weite, soweit nicht etwa örtliche Verhältnisse eine Ver- grösserung der Lichtweite bedingten (wie z. B. bei der Brücke der Potsdamer Stammbahn in der vorer¬ wähnten Abbildg. 8, bei welcher sich unmittelbar eine scharfe Krümmung anschliesst). In der Spreehaltung mussten diese knappen Maasse für die Ueberführung der Görlitzer Bahn und des Adlergestelles bei Adlershof wegen der beschränkten örtlichen Verhältnisse beibe¬ halten werden; im übrigen hat man aber, namentlich mit Rücksicht auf die beabsichtigte Durchführung des elekrischen Treidelbetriebes und die hierfür wünschens- werthe bessere Uebersicht des Kanales sich zur Durch¬ führung des regelmässigen Kanalprofiles auch unter den Brücken entschlossen, wobei nur die Leinpfade eine Einziehung von 2m auf 1,5 m erfahren (vgl. den Kanal - Querschnitt Abbildg. 4 in No. 11). Dement¬ sprechend stellen sich die normalen Stützweiten der eisernen Ueberbauten auf rd. 37 m, die Lichtweiten der massiv gewölbten Brücken auf rd. 35,5 m. Die eisernen Strassenbrücken werden in der Spree¬ haltung jeweilig nach den örtlichen Verhältnissen nach 106 No. 17. i°7 Der Teltow-Kanal. Ingenieure: Kgl. Baurälhe Havestadt u. Contag in Wi raersdorf. einer düng erübrigt 3 Tjrpen ausgebildet. Die erste entspricht, abgesehen von der vergrösserten Stützweite, dem System der Ueberführung des Böck- mann- Weges (Abbildg. 7 in No. 13), zeigt also einen über der Fahrbahn liegen¬ den Trapezträger mit ein¬ fachem Netzwerk, dessen Feldweiten noch durch eine Vertikale zur Zwischen- Aufhängung der Fahrbahn getheilt sind. Der grösse¬ ren Stützweite entsprech¬ end haben die Flauptträger 6m Flöhe, sodass statt der ungünstig wirkenden ge¬ krümmten oberen Quer¬ verbindungen hier wage¬ rechte durchgeführt wer¬ den konnten. Die Beigabe besonderen Abbil- sich daher. Bei schiefen Brücken sind der obere Quer- und Wind¬ verband fortgelassen und es ist dieVertikale steif ausge¬ bildet. Der zweite Typus ist in Abbildg. na u. b, S 107 dargestellt. Die Haupt¬ träger sind als Bogenträger mit Zugband ausgebildet Den dritten Typus zeigt Abbildg. 12a — d. Die unter der Fahrbahn liegende Konstruktion überspannt den Kanal in voller Breite, sodass grössere, auf Erd¬ druck beanspruchte Wider¬ lager fortfallen. Die Haupt¬ träger sind als Kragträger mit überstehenden Enden ausgebildet, wobei zurVer- meidung negativer Auf¬ lagerdrucke die Brücken¬ enden mit Granitpflaster versehen sind, während die Fahrbahn zwischen den Stützpfeilern mit Holz gepflastert ist. Die abweichenden For¬ men der- beiden Strassen- brücken an der Kanalmündung in die Havel, woselbst auch auf die Durchführung des Treidelweges verzichtet werden musste, zeigt das Kopfbild von No. 14. Im Vor¬ dergründe erscheint die Ueberführung der Chaussee Potsdam - Wannsee, die mit nach dem Gefälle der Strasse wachsender Trägerhöhe hergestellt ist, und dahinter eine nach dem Park von Schloss Babels¬ berg führende Privatbrücke, die der gefälligen Er¬ scheinung wegen als Bogenbrücke hergestellt wurde. Die Eisenbahnbrücken sind in der Havelhaltung als Parallelträger unter der Fahrbahn (vergl. die Ab¬ bildungen in No. 13), in der Spreehaltung für die Gör- litzer Bahn als Parallelträger über der Fahrbahn aus¬ gebildet. Die Anhalter und die Dresdener Bahn sind auf Betonbrücken überführt, während die Mittenwalder Eisenbahn, die mit 3 Spannungen den Kanal über¬ schreitet, im Mittelfelde einen Halbparabelträger erhält. Die Leinpfadanschlüsse sind aus den Kanal- und Brückenquerschnitten ersichtlich. Die Uebergänge aus den Normalquerschnitten werden durch Krümmungen von 50 m Halbmesser bewirkt. Der Leinpfad liegt mit seiner Oberkante bei der Spreehaltung im allgemeinen auf + 34,04 N. N. und steigt höchstens bis + 35,8 N. N. mit 1 : 50. Für die Strassenbrücken sind je nach der Ver¬ kehrsbedeutung bestimmte Breiten von 6, 10, 13, 15 4~- Entwurf für die Schmalwand von Arch. Herrn. A. Krause in Berlin. Entwurf für die Schmalwand von Arch. A. J. Balcke in Berlin. Entwürfe zu einem Zentralsaal der Grossen Berliner Kunstausstellung. (Maasstab 1 : 150.) Grundriss des städtischen Ausstellungs- Palastes in Dresden. und 20 m festgesetzt, deren Eintheilung nach Fahrdamm und Bürgersteig aus der Zusammenstellung Abbildg. 13, S. 110, hervorgeht. Bei über der Fahrbahn liegenden Hauptträgern ist dabei für jeden Träger noch eine Mehr¬ breite von 0,5 m gegeben. Von diesen Normalien weicht nur die Babelsberger Parkbrücke ab, die, wie schon ro8 No. 17. erwähnt, nicht dem öffentlichen Verkehre dient und auch hinsichtlich des Gefälles Abweichungen aufweist. Das Gefälle der Brückenrampen ist auf höchstens i : 40 bemessen, das der Brückenfahrbahn auf beider¬ seits 1 : 100. Eine Ausnahme bildet die Brücke im Zuge der Provinzialstrasse Kl. Glienicke-Neuendorf, die mit Rücksicht auf das stark ansteigende Gelände eine Neigung von 1 : 23,6 erhalten musste. Die Brückenbahnen sind im Fahrdamm bei den Feld¬ wegen mit Bohlenbelag, bei den Chausseen bei Spann- Die Belastungsannahmen, welche den Be¬ rechnungen zugrunde gelegt wurden, sind folgende: Die spezif. Gewichte der Konstruktion wurden an¬ genommen zu 0,8; 2,5; 2,2; 1,5 und 7,85 für Holz, Steinpflaster, Beton, Asphalt und Flusseisen. Bezüg¬ lich der Verkehrslast wurde unterschieden zwischen Chaussee- und Landstrassen - Brücken. Für erstere ist eine Belastung der Fusswege durch Men¬ schengedränge mit 400 kg/qm zugrunde gelegt, für die Fahrbahn eine solche mit: Wagen von 10 1 Achsdruck, Eingangssaal der Ausstellung des Vereins für deutsches Kunstgewerbe in Berlin 1902. Entwurf_von Prof. A. Grenander in Berlin. weiten bis 26“ mit Granitpflaster, im übrigen wie bei den städtischen Strassen fast durchweg mit Holzpflaster versehen, während bei den Bürgersteigen ebenfalls Bohlenbelag, Mosaikpflaster auf Beton bezw. Asphalt infrage kommt. Die Fahrbahntafel ist bei Pflaste¬ rungen aus Belageisen und Beton hergestellt. Die Lichthöhe über der Fahrbahn ist auf 4,55™ und zwar für die Brücken mit 6 m Dammbreite in 2,5 m, bei den breiteren Brücken auf mindestens 5™ Breite in Fahrdammitte festgesetzt. 28. Februar 1903. 3m Achs- und i,4m Radentfernung, im übrigen durch Wagen mit 6 4 Achsdruck und 3,5 m AchsstandT. oder durch eine 23 1 schwere Dampfwalze mit 2,75“ Achs- und 1,5 m Radentfernung und 10 ‘ Druck auf der Vorder¬ walze, 13 1 auf der Hinterwalze. Für Landstrassen- Brücken kommen die gleiche Belastung der Bürgersteige und eine Fahrdamm -Belastung mit Wagen von nur 6t Achsdruck infrage. Für die Anordnung der Lastenzüge in der Quer¬ richtung wird ein Abstand von 2,5 m zwischen den 109 einzelnen Lastreihen angenommen. Diese werden auf der Fahrbahn so angeordnet, dass der zu berechnende Hauptträger die ungünstigste Belastung erfährt. Für die Aussen träger wird die nächste Radlast in einer Entfernung von io cm von der benachbarten Bord¬ schwelle angesetzt. Für die einzelnen Systeme ergeben sich demnach folgende Lastenordnungen: bei einer Brücke von 6 m Nutzbreite 2Wagenreihen, bei io m Nutz¬ breite 2 Wagenreihen, bei i3m Nutzbreite 3 Wagen¬ reihen, bei 15 m Nutzbreite 4 Wagenreihen. Für die zulässigen Beanspruchungen der Eisenkonstruktionen gelten folgende Annahmen: Die Fahrbahnträger: Zoreseisen der Fahr¬ bahndecke, Längs- und Querträger und deren An¬ schlüsse 800 kg/qcm , Niete 700 kg/ctcm Scheerspannung und i4ook= cicm Stauchdruck. Die Hauptträger: Zulässige Beanspruchung der Glieder ohne Rücksicht auf Winddruck: für Brücken bis 36 m Spannweite 95oks/qcm, mit grösserer Spann¬ weite 1000 kg/qcm. Die meist zur Anwendung kommen- daher für die Mehrzahl der Brücken der Werth von 1000 ks cJcm zur Anwendung. Vergleichsweise wird an¬ geführt, dass diese Ziffer für Strassenbrücken des Eisen¬ bahn -Direktionsbezirkes Berlin (Ministerialerlass I. D. 2947 vom 24. April 1899) gestattet ist. Zulässige Be¬ anspruchung der Niete: 900 ks/qcm Scheerspannung, 1800 kg 'qcm Stauchdruck. (Der Werth von k = 900 ke ist für Eisenbahnbrücken von 40“ Spannweite gemäss den Vorschriften vom Jahre 1895 gestattet.) Kommt für Druckstäbe die Knicksicherheit infrage, so wird mit mindestens fünffacher Sicherheit gerechnet. (.7= 2,5 . P . L2). Für die massiven Brücken kommt als zufällige Last bei Vollbelastung 400 kg für 1 qm und bei einseitiger Belastung 500 ks für 1 qm in Ansatz. Sämtliche eiserne Brücken werden vor der Ver¬ kehrsüberleitung durch Probebelastungen geprüft, die Eisenbahnbrücken unter Belastung durch 2 schwere Lokomotiven, die Strassenbrücken durch die Auflegung einer gleichmässigen Belastung mit Sand oder Wasser¬ ballast von 500 kg/qm für die Fahrbahn, 400 kg/qm für 7. Feld wegbrücke 6,0 m Nutzbreite. 2$ Strassen brücke, 10,0mNutzbreite. Fahrbahn oben . <■—2.0 - e.O - *—2.0 — -41 Strass ert brücke, 15,0™ Nutzbreite. Fahrbahn oben. Fahrbahn unten. 2 9 Fahrbahn unten. [W— 2,5 — 1 ' - — 70 - , 2,5 — k jf- - 5,6-~- - . i ■ - 1 - 1 3*? Strassen brücke, 13,0 m Nutzbreite. Fahrbahn oben. 5? Strassenbrücke, 20,0 m Nutzbreite. Fahrbahn oben. - ¥ - 8, 0 - 2,5 -aA i F — 2,5 — — 3,0 -- n 3b Fahrbahn unten. 1 T 1 1 1 fr y ii -- Tl 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 ' 1 1 1 1 ‘-L|-1 ‘ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 T-pfj (T - - - 1 - 1 : -J. ■ Abbildg. 13. Normal-Querschnitte der Strassenbrücken. den, den Kanalquerschnitt II überspannenden Brücken die Bürgersteige. Mit der Belastung wird bei einem haben, falls keine Profilerweiterungen bestehen, und Widerlager angefangen, von hier zur Mitte und von die Brücken zudem senkrecht zur Kanalachse liegen, dort bis zum anderen Widerlager gegangen. Auf diese eine Spannweite von mindestens 36,5 — 37 m. Es kommt Weise erhält jeder Stab einmal seine Höchstbelastung. — - (Fortsetzung folgt) Mittheilungen aus Vereinen. Architekten-Verein zu Berlin. Vers, am 11. Jan. 1903. Vors. Hr. Haack, anwes. 124 Mitgl., 4 Gäste. Die erste Sitzung im neuen Jahre musste der Vor¬ sitzende mit der Mittheilung eröffnen, dass der Tod um die Jahreswende dem Verein wiederum 4 Mitglieder geraubt hatte, den Geh. Brth. Fritz Keil in Breslau, Arch. Alfred Schulz, Mitinhaber der Firma Schulz & Schlichting, Arch. Frhr. von Lauer-Münchhofen, Brth. Kurt Grunert, letztere in Berlin. Der Vorsitzende ging kurz auf den Lebenslauf eines Jeden ein, wobei er namentlich Grunerts gedachte, der sein schönes Talent so oft in den Dienst des Vereins gestellt hatte (Nachruf in No. 2 d. Jahrg.) Den Vortrag des Abends hielt Hr. Reg.-Bmstr. Henschke, der mit seinen Ausführungen „Meine Chinareise“, und durch Vorführung trefflicher Lichtbilder aus China und den berühmten Tempelstädten Japans, von denen die ersteren nach eigenen photographischen Aufnahmen gefertigt waren, die Zuhörer zu fesseln wusste. Der Versammlung am 19. Januar unter Vorsitz des Hrn. Beer wohnten 108 Mitglieder an. Nach geschäft¬ lichen Mittheilungen, unter denen wir die Aufforderung der „Vereinigung Berliner Architekten“ zur Beschickung der mit der diesjährigen Kunstausstellung wiederum verbundenen Architektur- Ausstellung hervorheben, hielt Hr. Stiehl einen formvollendeten und inhaltreichen Vortrag über „Die Entwicklung des deutschen Rathhauses im Mittelalter“. Redner findet in der Entwicklung des Rath¬ hausgrundrisses, die parallel läuft mit der Entwicklung der städtischen Verwaltung, den leitenden Gedanken, der es uns ermöglicht, auch die scheinbar reichsten Formen des deutschen Rathhauses auf wenige einfache Grundformen zurückzuführen. — Hauptversammlung vom 2. Februar. Den Vorsitz über 73 Mitglieder und 6 Gästen führte Hr. Beer. Die Ver¬ sammlung hatte zunächst die Wahlen des Vorstandes, des Vertrauens-Ausschusses und des Haushalt-Ausschusses zu vollziehen. Als 1. Vorsitzender wird Hr. Hinckeldeyn, als Stellvertreter Hr. P. Gerhardt, als Säckler Hr. Plathner, als Schriftführer für Hochbau A. Bürckner, für Ingenieurwesen A. Brandt gewählt, während zu Mit¬ gliedern ernannt werden die Hrn. A. Becker, A. Haag, O. Launer, K. Meier, v. Münstermann, H. Solf und L. Sympher. Den Vortrag des Abends hielt Hr. Bu- bendey über die „Ueberwindung grosser Höhen No. 17. 110 bei Schiffahrts-Kanälen". Redner knüpfte in seinen Ausführungen an die Berichte und Beschlüsse des Düssel¬ dorfer Schiffahrts-Kongresses 1902 an (vergl. No. 56, Jahrg. 1902), der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigt hat, die augenblicklich wieder im Vordergründe des Interesses steht. Der Kammerschleuse hat der Kongress da, wo eine ausreichende Speisung des Kanales gesichert ist, auch zur Ueberwindung bedeutender Höhen ihre volle Brauchbar¬ keit zuerkannt. Wir finden auch verschiedentlich bei neuen Kanalplänen Kammerschleusen grossen Gefälles. Ein interessantes Beispiel geben die in Ausführung be¬ griffenen neuen Schleusen zur Umgehung der Trollhätta- Fälle in Schweden. An die Stelle von 2 Schleusentreppen treten hier 3 Schleusen, mit denen das Gefälle von 32™ überwunden wird. Die Schleusen sind in den Felsen ge¬ sprengt, die Umläufe geben ihr Wasser von unten durch einen Holzboden mit offenen Fugen an die Kammer ab, um eine möglichst ruhige Füllung zu bewirken. Die Schleusen liegen an historischer Stelle, denn schon 1718 unternahm es Polhem, hier mit grossen Schachtschleusen den Fall zu überwinden, ein Unternehmen, das allerdings damals scheiterte. Um Schleusen auch bei geringer Wasser¬ zuführung verwenden zu können, hat man das System der Sparschleusen weiter ausgebildet. Ein interessantes Projekt in dieser Richtung ist die Schleuse ohne Wasserverbrauch System Schnapp & Gerstenbergk, bei welcher die Hebung des Wasserspiegels durch Ein¬ tauchen eines grossen Schwimmkörpers von entsprechen¬ der Wasserverdrängung in die Kammer bewirkt wird. Der Schwimmer wird durch Wasser aus seitlichen Becken be¬ lastet und beim Rückgang durch Luftdruck gehoben, wo¬ bei das Wasser in die Becken zurückfliesst. Die Schleuse nimmt räumlich allerdings bedeutenden Platz ein. Senkrechte Schiffshebewerke sind für kleinere Schiffe im Betriebe in Anderton, La Louviöre und Les Fontinettes, für 600 — iooot-Schiffe in Iienrichenburg (vergl. das Schiffshebewerk in Henrichenburg Jahrg. 1898, No. 67). Sie haben dort ihre Brauchbarkeit erwiesen, jedoch erscheint die Anwendung der unmittelbaren Hebung durch einen Druckwasserkolben, wie bei den drei erstgenannten, für grosse Schiffe kaum ausführbar. Auch die Schwimmer- Hebewerke, wie in Henrichenburg, haben wegen der er¬ forderlichen tiefen Schächte bei Höhen über 20 — 25 m ihre Bedenken. Offermann schlägt daher statt der mehreren Heinrich Köhler in Hannover •}*. m 20. Febr. starb in Hannover im Alter von 73 Jahren der Professor an der dortigenTechnischen Hochschule Geh. Reg.-Rath Heinrich Köhler. Geboren am 18. Jan. 1830 in Kassel, besuchte er daselbst die höhere Gewerbe¬ schule und die Kunstakademie, um dann seine erste praktische Ausbildung im hessischen, später im hannoverschen Eisen¬ bahndienste zu erhalten. 1856 ging er nach Paris zu Hittorff wo er bis zum Jahre 1863 als Hilfsarbeiter bei den Bau¬ ausführungen dieses Meisters, vornehmlich beim Bau des Nordbahnhofes zu Paris, sowie auch bei dessen kunst¬ historischen Veröffentlichungen über antike Baukunst thätig war. Dieser Aufenthalt in Paris und die Persönlichkeit Hittorffs sind für Köhlers künstlerische Entwicklung jeden¬ falls vorzugsweise maassgebend gewesen und haben die¬ selbe dauernd beeinflusst. Unterbrochen wurde diese Thätigkeit durch eine längere Studienreise nach Italien und Griechenland, für welche er durch ein Stipendium der Kasseler Akademie unterstützt wurde. Anfang 1863 folgte er einem Rufe als Lehrer der Baukunst an die da¬ malige polytechnische Schule zu Hannover, in welcher Stellung er vierzig Jahre hindurch bis zu seinem Tode ununterbrochen thätig war. Er vertrat hier die Fächer der Antike und der Renaissance, zu welchen ihn Neigung und Bildungsgang besonders befähigten, und hat diese Stellung, welche anfänglich gegenüber dem damals ganz überwiegenden Einflüsse des Gothikers Hase keine ganz leichte war, in trefflicher Weise auszufüllen und zu be¬ haupten verstanden. Er fasste die Kunstformen dieser Stilarten in jener korrekten von feinem Gefühl und Formen¬ sinn durchdrungenen Weise auf, welche mit der älteren, noch auf Schinkels Ueberlieferungen beruhenden Berliner Architekturschule engeren Zusammenhang zeigte, bei ihm aber durch seinen Pariser Aufenthalt noch eine eigene charakteristische Färbung angenommen hatte. Sein Vorzug als Lehrer beruhte in der genauen Anwendung dieser Formen für den architektonischen Aufbau, in einer klaren und grosszügigen Disposition für Gesamtanlage und Grund¬ riss, in einer einfachen aber sehr sorgfältigen Art der Zeichnung und Darstellung. Er verstand es, seinen Schülern die Nothwendigkeit der Befolgung dieser Grundforderun¬ gen einleuchtend zu machen und sie dazu anzuhalten; dankbar erinnern sich alle heute noch dieser Schulung. 28. Februar 1903. lothrechten Schwimmer einen wagrechten vor, der in einfacher Weise, ohne Schraubenspindeln, geführt und nur durch Wasserlast bewegt wird. Ein ganz neues Prinzip, das dem System der Taucherglocken entspricht, soll bei dem Eriekanal in Amerika zur Anwendung kommen. Die Schiffströge sitzen auf unten offenen , mit Luft gefüllten Kaissons, die durch eine kommunizierende Röhre verbunden sind. Wird Luft aus dem einen Kaisson herausgelassen, so sinkt es in seinen Schacht ein, während das andere entsprechend aufsteigt. Natürlich sind hier wieder der Hubhöhe entsprechende Schachttiefen erforder¬ lich. Es sollen so Höhen bis zu 36 m überwunden werden. Als letztes Mittel zur Ueberwindung grösserer Höhen tritt die geneigte Ebene hinzu, bei der die Plubhöhe gewissermaassen unbegrenzt ist, da die Vergrösserung derselben keine Vermehrung der Gründungstiefe erfordert, an welcher schliesslich die lothrechten Hebewerke ihre Grenze finden. Die Schiffe werden auf Wagen trocken oder in Trögen schwimmend befördert, wobei die Tröge längs oder quer stehen können. Eine neuere Ausführung dieser Art ist die quer geneigte Ebene im Grand Junction- Kanal bei Foxton in England (vergl. unseren Bericht Jahrg. 1901 S. 158) für Schiffe von 70 k Grossartige Ent¬ würfe dieser Art sind für die österreichischen Wasser¬ strassen aufgestellt, deren Ausführung die Ueberwindung ganz aussergewöhnlicher Höhen erfordert. Nach dem einen Entwurf der deutschen Firma Haniel & Lueg in Düsseldorf sollen dabei die Räder zur Unterstützung der Schiffströge ersetzt werden durch Druckwassergleit¬ schuhe, während nach dem Entwurf der 5 vereinigten böhmischen Fabriken Wälzungsrollen vorgeschlagen werden. An Modellversuchen ist die Möglichkeit der An¬ wendung für beide Konstruktionen nachgewiesen. Eine Entscheidung über die Verwendbarkeit von Schiffshebe¬ werken mit geneigten Ebenen für 600 t-Schiffe kann nun¬ mehr nur noch durch die Ausführung eines solchen nach dem einen oder anderen System erbracht werden. Der Düsseldorfer Kongress befürwortete daher warm die Aus¬ führung eines derartigen Hebewerkes. Die Herstellung einer geneigten Ebene beim Bau der österreichischen Wasserstrassen erscheint gesichert, sodass dann auch dieses Mittel zur Ueberwindung grosser Höhen seine praktische Bewährung nachweisen kann. — Fr. E. In hohem Maasse redegewandt, zeichnete er sich nicht nur in seinen Vorträgen hierdurch und durch eine genaue Kenntniss der betreffenden Gebiete aus, sondern auch durch eine weitere, man darf sagen universale Auffassung, die er durch eigene Anschauung auf zahlreichen späteren Reisen, die ihn wiederholt nach Italien, Frankreich und England, selbst nach Petersburg führten, stets zu erweitern bestrebt war. In dieser Hinsicht gehörte beispielsweise sein Vortrag über Monumentalbauten und Städteanlagen zu den besten der Hochschule. Auch als praktischer Architekt war ihm in Hannover auf dem Gebiete des Privatbaues Gelegenheit gegeben, sich zu bethätigen. Seine Häusergruppe am Schiffgraben, mehrere zu einem künstlerischen Ganzen vereinigte Villenbauten sind bekannt und noch heute eine Zierde der Stadt. Ausserdem aber fanden alle künstlerischen Bestrebungen, die in Hannover sich geltend machten oder für die daselbst Boden gewonnen werden sollte, bei ihm die aufrichtigste Förderung und Unterstützung. So begründete er im Anschluss an den hannoverschen Ge¬ werbeverein eine kunstgewerbliche Lehranstalt, welche lange Zeit, bis zur Errichtung der amtlichen Kunstgewerbe¬ schule, allein in der Stadt für die Pflege dieses Gebietes wirkte. Als Mitglied und wiederholt als Vorsitzender fast aller in der Stadt für künstlerische Interessen wirkender Vereine war er thätig und verstand es durch seine an¬ regende und geschickt vermittelnde Persönlichkeit, die verschiedensten Elemente zu gemeinsamem Wirken zu veranlassen. Auch nach ausserhalb vertrat er diese Inter¬ essen wirkungsvoll als Theilnehmer an Kongressen und Kommissionen, als Preisrichterbei Wettbewerben, als Mit¬ glied der technischen Prüfungskommission. An grösseren Veröffentlichungen verdanken wir ihm nur das auf seinen italienischen Studien begründete bekannte Prachtwerk: „Polychrome Meisterwerke monumentaler Kunst in Italien". Die Hochschule, deren Rektor er 1899 — 1901 war, ver¬ dankt ihm viel durch seine geschickte Geltendmachung ihrer Anforderungen und Wünsche gegenüber den höheren Instanzen in Berlin. Es war ihm vergönnt, diese um¬ fassende Thätigkeit unermüdet fast bis zu seinem Lebens¬ ende durchzuführen. Ein Schwächeanfall, welcher ihn im vergangenen Juli während des Vortrages überfiel, war der Beginn des Leidens, welches seinem gesegneten Wirken ein Ziel setzte. — 111 Preisbewerbungen. In dem Preisausschreiben betr. Schutzvorrichtungen für den elektrischen Strassenbahnbetrieb , welches der Rath von Dresden erlassen hatte (s. Jahrg. 1902, S. 300), konnten aus einer grossen Zahl von Anmeldungen nur 307 als den Ausschreibungs- Bedingungen entsprechend berücksichtigt werden. Bei der ersten Sichtung schieden 281 aus, sodass nur 26 Bewerbungen für die weitere Auswahl verblieben. Von diesen mussten wieder 20 gestrichen werden, weil sie gegenüber bereits Vorhandenem nichts wesentlich Besseres boten. Von den verbleibenden 6 war eine An¬ meldung für die Ausführung ungeeignet. Die auf 5 Be¬ werbungen gesunkene Zahl wurde dann wieder auf 7 ge¬ bracht durch Hinzuziehung von 2 Bewerbungen, die von der Preiszuerkennung ausgeschlossen wurden, weil sie in formaler Beziehung den Bedingungen des Preisausschrei¬ bens nicht voll genügten. Diese 7 Schutzvorrichtungen wurden zur versuchsweisen Ausführung bestimmt. Die Namen der Erfinder sind: Ambros Nehren in Achern, Bruno Helbig in Dresden, B. Winter-Günther, Ob.- Ing. in Nürnberg, Louis Herrmann in Dresden, Gust. Mertens, Ing. in Dresden, Tutor, G. m. b. H. in Essen, und Pedro Reitz, Ob.-Ing. in München. — In einem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Deutsch¬ meister-Denkmal für Wien, das Denkmal eines ruhmge¬ krönten österreichischen Regimentes, liefen 40 Arbeiten ein. Den I. Preis errang der Entwurf „Sieg und Ruhm“ des Bildhauers Prof. Hans Bitterlich in Wien; den II. Preis der Entwurf „Siegessäule“ des Bildhauers Wilh. Seib in Wien; den III. Pr. der Entwurf „Virtuti militari“ des Bildhauers Arth. Strasser in Gemeinschaft mit dem Architekten Rud. Dick in Wien. Ehrende Anerkennungen wurden den Entwürfen der Bildhauer Ernst Hegenbarth und Jos. Müllner in Wien ausgesprochen. — Zu dem Preisausschreiben zur Erlangung von Be¬ bauungsplänen für das Grundstück Potsdamerstr. 72 — 72 a ln Berlin erhielten wir von der G. m. b. H. „Berliner Herren-Club-Haus“ auf unser Ersuchen um Ueberlassung der Unterlagen unterm 20. Februar die Nachricht, dass das Projekt nicht mehr in der ursprünglich ins Auge gefassten Ausführung inbetracht komme, da sich die darauf bezüg¬ lichen Verhältnisse wesentlich verschoben hätten. Die öffentlichen Anzeigen dieses Preisausschreibens fanden sich jedoch noch am 22. Febr. in Berliner Tageszeitungen. — In einem engeren Wettbewerbe betr. Entwürfe für ein neues Rathhaus ln Leipzig-Leutzsch errangen unter 6 Be¬ werbern die Hrn. Reichel & Kühn in Leipzig den I., Hr. A. Käppler in Leipzig, den II., die Hrn. A. & L. Stentzier in Leipzig den III. Preis. Dem Preisgerichte gehörten u. a. an die Hrn. Stadtbrth. Prof. H. Licht, Arch. G. Weidenbach und Brth. Prof. Kayser, sämt¬ lich in Leipzig. — Wettbewerb betr. Fassadenentwürfe des neuen Polizei¬ gebäudes in Bremen. Die Frist zur Einreichung der Ent¬ würfe ist bis zum 15. Mai 1903 verlängert. — Wettbewerb betr. die Umgestaltung des Inneren der Annenkirche in Dresden. Die Frist für die Einreichung der Entwürfe für eine Erneuerung des Inneren der Annen¬ kirche in Dresden wurde bis mit 30. April 1903 verlängert. — Chronik. Die Erbauung einer Oberrealschule und höheren Handels¬ schule in Mainz mit einem Kostenaufwande von rd. 600 000 M. soll beschlossen werden. — Ein Brunnen für den Römerhof ln Frankfurt a. M. ge¬ langt nach dem Entwürfe des Bildhauers Jos. Kowarzik in Frank¬ furt zur Aufstellung. — Ein Krematorium des Friedhofes in Mainz wurde nach dem Entwurf des Hrn. Arch. Albert Wolff in Wiesbaden in anti- kisirendem Stile errichtet. Die Baukosten betrugen 95 000 M. — Ein Krematorium in St. Gallen, in antikem Stile errichtet, wurde kürzlich seiner Bestimmung übergeben. Die Kosten haben einschl. eines Betrages von 20 ooo Frcs. für den Verbrennungsofen etwa 85 coo Frcs. betragen. — Zum Provinzial-Konservator der Provinz Posen ist der Direktor des Provinzial-Museums in Posen, Prof. Dr. Kaemmerer, ernannt worden. — Das neue Stadttheater in Thorn, zu welchem die Stadt Thorn 150000 M., der Staat 300000 M. beisteuern, wird nach den Entwürfen der Architekten Fellner&Helmer in Wien errichtet. — Die Bauten des 10. Deutschen Turnfestes in Nürnberg werden durch den Arch. Hans Müller in Nürnberg ausgeführt. Die Bausumme ist mit 120 000 M. angenommen. — Ein Neubau der Kunsthandlung Heinemann in München, nach den Entwürfen des Architekten Prof. Em. Seidl in München am Maximiliansplatze errichtet, wird einen Oberlichtsaal und mehrere Ausstellungsräume, die das ganze Jahr geöffnet sind, für periodisch wechselnde Kunstausstellungen enthalten. — Die Einweihung des Melanchthon-Hauses und -Museums in Bretten findet am 25. Juni statt. — Mit der Ausmalung des Sitzungssaales des neuen städt. Amtsgebäudes in Nürnberg, welches als ein Erweiterungsbau des alten Rathhauses durch den Architekten Pylipp ausgeführt wurde, ist der Maler Prof. Heim von der Kunstgewerbeschule in Nürnberg betraut worden. Der Gegenstand der Darstellungen sind städt Begrüssungen von Fürstlichkeiten in den Jahren r824 und 1897, die Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahn Nürnberg-Fürth und die Einweihung des Ludwig-Donau-Main-Kanals. — Eine Weltausstellung in Lüttich 1905 dient der Verherr¬ lichung des 75 jährigen Bestehens der Unabhängigkeit Belgiens. Die Ausstellung wird sich auf einem 45 ha grossen Gelände an der Maas und der Ourthe erheben. — Eine neue Gemeinde - Doppelschule in Charlottenburg soll nach dem Entwürfe des Hrn. Stadtbrth. Bratring mit einem Aufwande von rd. 600000 M. an der Suarezstrasse errichtet werden. — Ein neues Rathhaus für Wilmersdorf wird für ein Gelände am Fehrbelliner Platz mit einem Baukostenaufwande von 3200000 M. geplant. — Die Errichtung einer neuen Landes-Irrenanstalt bei Wien mit einem Aufwande von rd. 13 Mill. Kr. ist beschlossen und ihre Eröffnung für 1907 in Aussicht genommen worden. — Der Neubau eines grossen Wiener Krankenhauses, welches bestimmt ist, an die Stelle des alten josephinischen Baues in der Alserstrasse zu treten, ist nunmehr gesichert. Während das alte Krankenhaus auf einem Gelände von nur etwa 100 000 qm steht, wird das Gelände des neuen etwa 175 000 qm messen. Das neue Krankenhaus wird umfassen: drei medizinische, zwei chirurgische, zwei ophthalmologische, zwei geburtshilfliche, zwei dermatologische, zwei psychiatrische Kliniken, eine Ohren- und eine laryngologische Klinik, in fünfzehn getrennten Pavillons; dazu kommen ein patho¬ logisch-anatomisches, ein gerichtlich-medizinisches und ein gericht¬ lich-chemisches Institut. Jeder klinische Pavillon wird aus zwei Abtheilungen bestehen , aus den eigentlichen Krankenräumen mit ihren Nebenräumen, sowie andererseits aus den Hörsälen und den Räumen für die wissenschaftliche Forschung. Für die Durchführung des grossen Planes, mit welchem die Errichtung einer neuen Gebär¬ anstalt, einer neuen Irrenanstalt und eines Versorgungshauses ver¬ bunden sind, ist ein Aufwand von etwa 40 Mill. Kr. in Aussicht genommen. Das neue Krankenhaus wird 1500 Betten, die neue Gebäranstalt 400 Betten umfassen. — Brief- und Fragekasten. „Stettin.“ Die Verdunstung der Baufeuchtigkeit ohne künst¬ liche Mittel erfolgt durch Einwirkung von Wind bezw. trockener, mit Wasserdarapf noch nicht voll gesättigter Luft. Ob ein Rohbau im Sommer oder im Winter bei anhaltendem Frostwetter besser austrocknet, hängt mithin hauptsächlich von der jeweiligen Witterung und von dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft ab. Jeder Neubau wird deshalb in einem Winter, bei welchem stärkere Stürme ohne Nieder¬ schläge vorherrschen, naturgemäss schneller austrocknen, als in einem windarmen und regnerischen Sommer. In beiden Jahres¬ zeiten hängt aber auch die Schnelligkeit der Verdunstung sehr er¬ heblich von der Mithilfe der Sonne ab, weil die Luft um so wasser- aufnahmefähiger wird, je höher sie erwärmt wird. Dass Eis und ebenso Schnee selbst bei hohen Kältegraden verdampfen, ist experi¬ mentell und auch meteorologisch längst nachgewiesen. Eis ver¬ dampft allerdings schwerer als Wasser vom gleichen Kältegrad und nur dann, wenn die Luft für Eis mit Wasserdampf noch nicht voll gesättigt ist. Die allen Hausfrauen bekannte Thatsache, dass nasse Wäsche, auch wenn sie friert, trocknet, ist ein Beleg hier¬ für. An nicht zu kalten klaren Wintertagen wird ausserdem ein ziemlich beträchtliches Schwinden der Eiskristalle vermuthlich auch dadurch eintreten, dass die Sonnenstrahlen kleinste Mengen von ihnen fortwährend zu Wasser aufthauen, und diese Feuchtigkeit, bevor sie dem menschlichen Auge sichtbar wird, von der wärmer und wasserärmer gewordenen Luft aufgesaugt wird. Selbst die günstigsten winterlichen Verhältnisse werden aber unseres Er¬ achtens auf die Schnelligkeit der Austrocknung von Bauten nie die gleiche Wirkung ausüben, als die heissere Jahreszeit mit wärmeren Winden und anhaltendem Sonnenschein. — A. Hrn. Arch. G. Sch. in Breslau. Wegen der gewünschten Angaben über die Grössen-Verhältnisse der Subsellien, System Rettig, wenden Sie sich am besten unmittelbar an die Inhaber der Rettig’schen Patente: P. Joh’s. Müller & Co., Berlin, Hedemann¬ strasse 15. Wir machen Sie auch auf die Ankündigung „Schul¬ projekte'' in unserem Anzeigentheil aufmerksam. — Anfragen an den Leserkreis. 1. Das Unterzeichnete Bauamt hat die Absicht, Versuche mit farb¬ losen Ziegelanstrichen zu machen, um das Wasseraufnahmever¬ mögen der Ziegel zu vermindern oder ganz zu beseitigen. Es kommen gute Zwickauer Maschinenziegel und Haynauer gelbe Ver¬ blendsteine infrage. Es wird um Angabe von Bezugsquellen solcher Anstriche gebeten. Stadtbauamt Annaberg i. Erzgeb. 2. Wir erinnern uns, irgendwo eine Notiz gelesen zu haben über eine Kegelbahn, bei welcher die Kegel sich automatisch wieder aufsetzen, also der Kegeljunge entbehrlich sein soll. Ist einem Leser hiervon etwas bekannt? Schm. & B., Arch. in Stuttgart. 3. In welchem Werke sind die Marienkirche zu Wolfenbüttel und die Liebfrauenkirche in Nürnberg in grösserer Darstellung zu finden ? O. S. in Mannheim. Inhalt: Zur Gestaltung von Kunstausstellungen (Schluss). — Der Teltow-Kanal (Fortsetzung). — Mittheilungen aus Vereinen. — Heinr. Köhler in Hannover f. — Preisbewerbungen — Chroriik. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Entwürfe zu einem Zentralsaal der Grossen Berliner Kunstausstellung. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. [H., Berlin. Für die Redaktion verantworü. Albert H ofjm a n n , Berlin. (Druck von Wilh.^G r e v e, Berlin. No. 17. 1X2 *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUNG. GANG. * * N2- 18. * DEN 4. MÄRZ 1903. * ************** Ausstellung des Vereins für deutsches Kunstgewerbe in Berlin 1902. Einzelheiten aus dem Hauptsaal. Entwurf: Prof. Alfr. Grenander. — Malereien: Maler Drabig. — Relief: Bildh. Schraarj e. Die Aenderung der Dienstbezeichnung der „Bauinspektoren“ im Hamburgischep Staatsdienst. J : MOd er Senat von Hamburg hat die Bürgerschaft um ihre Genehmigung ersucht, den Bauinspektoren und Wasserbauinspektoren die Dienstbezeichnung „Bau¬ rath" beizulegen. In der Begründung dieses Antrages wird darauf hingewiesen, dass die Dienstbezeichnung der oberen Slufe der Hamburgischen Staatsbaubeamten — der Bauinspektoren — dem Umfang des ihnen zugewiesenen Wirkungskreises und der ihnen beiwohnenden Verant¬ wortlichkeit nicht entspreche. Die Stelle eines Bauinspektors ist in Hamburg im allgemeinen die höchste, den wissenschaft¬ lich vorgebildeten technischen Staatsbeamten erreichbare Stufe und bildet, abgesehen von den Stellen der Ober¬ beamten, den Abschluss ihrer staatlichen Laufbahn. Als Vorstände grösserer, aus mehreren Baumeistern und einer grösseren Anzahl technischer Hilfskräfte gebildeten Ab¬ theilungen nehmen die Bauinspektoren eine Stellung ein, die um so wichtiger ist, als die aus ihren Abtheilungen hervorgehenden Entwürfe und Ausführungen bei der Viel¬ gestaltigkeit und dem Umfang der technischen Aufgaben des Hamburgischen Staatsbauwesens für diese Beamten einen hohen Grad von Verantwortlichkeit, Erfahrung und technischem Können bedingen. Ein wichtiges Moment bildet aber ferner der Um¬ stand, dass die Bauinspektoren vielfach auch zu dem dienst¬ lichen Verkehr mit den technischen Behörden anderer deutscher Städte und Staaten und zu wichtigen Verhand¬ lungen der beiderseitigen Staatsbehörden herangezogen und die Hamburgischen Behörden zu vertreten berufen werden. In dieser Eigenschaft tritt ihrem Auftreten und ihrer Autorität die jetzige Dienstbezeichnung insofern hin¬ dernd in den Weg, als die Stellung der Hamburgischen Bauinspektoren nach der ganzen Organisation der Ham¬ burgischen Staatsbauverwaltung eine wesentlich verschie¬ dene ist von derjenigen in den übrigen deutschen Staaten. Es kann nicht den Interessen des Hamburgischen Staates entsprechen, wenn die Beurtheilung und Werthschätzung seiner höheren und älteren Baubeamten ausserhalb Ham¬ burgs nach dem Maasstabe einer Amtsbezeichnung erfolgt, welche im übrigen Deutschland einer im allgemeinen dienst¬ jüngeren Kategorie von Staatsbaubeamten beigelegt ist. Nach den thatsächlichen Verhältnissen rechtfertigt sich vielmehr bei einer Parallelstellung der Hamburgischen mit den auswärtigen Staatsbaubeamten für die jetzigen Hamburgischen Bauinspektoren die Dienstbezeichnung „Baurath", welche für die höheren dienstlichen Stellungen in Deutschland nahezu allgemein und auch in den beiden Hansestädten Bremen und Lübeck eingeführt ist. Bezeichnend für die Beamtenverhältnisse Hamburgs ist der Hinweis des Senatsantrages darauf, dass kein neuer Titel in den Hamburgischen Verwaltungsdienst eingeführt, sondern eine Amtsbezeichnung geändert werden solle, welche den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr ent¬ sprechend erscheine. Aus diesem Grunde sei auch nicht dem Antrag der Baudeputation zugestimmt worden, der dahin ging, einer bestimmten Anzahl von Bauinspektoren den Charakter als „Baurath" zu verleihen. Es ist ja viel¬ fach bekannt, dass in Hamburg eine grosse Abneigung gegen Amtstitel von jeher geherrscht hat und auch jetzt noch herrscht, obwohl die Macht der Verhältnisse in neuerer Zeit grosse Breschen in diese Anschauungen gelegt hat. So führen jetzt die juristischen Beamten des höheren Ver¬ waltungsdienstes allgemein den Titel „Rath“, der indessen ebenso wenig wie die ebenfalls bestehenden Titel: Ge¬ werberath, Schulrath, Medizinalrath, ein Titel sein soll, sondern als eine Dienstbezeichnung angesehen wird. Nur der einem Theil der wissenschaftlichen Lehrer zuerkannte Titel „Professor“ gilt als solcher. Man wird es gewiss verstehen können, wenn man sich in Hamburg nach den daselbst bestehenden Ver¬ waltungs-Einrichtungen sträubt, dem Beispiel anderer deutscher Staaten inbezug auf die Verleihung von Titeln zu folgen. Es sind aber nichtsdestoweniger bei der in neuester Zeit vorgenommenen durchgreifenden Neuord¬ nung der Beamtenverhältnisse und bei der Auf¬ stellung einer neuen Gehaltsordnung, welche erst am io. Nov. v. J. ihren Abschluss gefunden hat, vielfach die Verwaltungs- Einrichtungen Preussens und des Reiches zum Vorbild genommen; namentlich ist man auch bestrebt gewesen, sich an die dort bestehenden Vorschriften für den höheren technischen Verwaltungsdienst hinsichtlich der Vor- und Ausbildung der Baubeamten anzulehnen. Im allgemeinen werden nunmehr in Hamburg an die in den höheren Staatsbaudienst eintretenden Beamten die¬ selben Anforderungen gestellt wie in anderen deutschen Staaten. Es ist das um so erfreulicher, als bei den vielen und innigen Wechselbeziehungen der technischen Ver¬ waltungen aller deutschen Staaten eine Einheitlichkeit der Vorbildung ihrer Beamten sowohl im Interesse der ge¬ samten deutschen Technik, als auch im eigensten Interesse jedes einzelnen Staates, also auch Hamburgs, liegt. Leider ist man aber in Hamburg bei dieser Reform in den tech¬ nischen Verwaltungen stehen geblieben und hat den Auf¬ bau der technischen Beamten-Kategorien im Widerspruch mit denjenigen anderer Staaten gelassen insofern, als man wohl auch zwei gleichlautendeTitel, „Baumeister“ und„Bau- inspektor“, hier verwendet, aber sie auf zwei andere Arten von Beamten anwendet als auswärts, weil hier der Titel oder die Amtsbezeichnung „Baurath“, obwohl im ganzen Deutschen Reiche vorkommend, nicht besteht. Es ist daher erklärlich, dass man sich ausserhalb Hamburgs von dessen technischem Beamtenstand so häufig ein falsches Bild macht, bei dem nicht nur die höheren Baubeamten eine ganz schiefe Stellung erhalten, sondern bei dem auch die allgemeinen staatlichen Interessen Ham¬ burgs oft bedenklich beeinträchtigt werden. Jedes Ge¬ meinwesen muss sich selbst schädigen, welches seinen Beamten nicht die Autorität verleiht, welche dieselben nach den allgemeinen Anschauungen mit einer höheren Stellung und berechtigten Amtsbezeichnung haben würden. Es liegt also nicht nur im vollberechtigten persön¬ lichen Interesse der jetzigen hamburgischen Bauinspek¬ toren, dass sie in dem grossen Gesamtkreise ihrer übrigen deutschen Amtsgenossen keine Ausnahmestellung erleiden durch Vorenthaltung einer in allen deutschen Staaten üblichen Amtsbezeichnung, auf welche sie berechtigter Weise Anspruch erheben können, sondern es sind auch ganz besonders staatliche Interessen, welche die Ein¬ führung der Amtsbezeichnung „Baurath“ in das ham- burgische Staatsbauwesen verlangen. Wird die Erkennt¬ nis dieser Umstände nicht durch die etwas alterthümlich angehauchte Titelabneigung getrübt, so steht wohl zu hoffen, dass der Senatsantrag von der Bürgerschaft dem¬ nächst angenommen werden wird. — _ Mittheilungen aus Vereinen. Die Verhandlungen des „Deutschen Beton-Vereins“, der am 20. und 21. d. M. unter dem Vorsitz des Hrn. Kommerz.- Rathes E. Dyckerhoff in Berlin getagt hat, waren sehr stark besucht; es wohnten denselben Vertreter des Ministe¬ riums der öffentl. Arbeiten, des Landwirthschafts- und des Kriegsministeriums sowie zahlreicherStadtverwaltungenbei. Von Interesse waren zunächst die Ausführungen über die im Aufträge des Vereins nach Angabe des Hrn. Geh.- Reg.-RaihsProf. Martens in Charlottenburg gebaute Beton- prüfungs-Presse, die von der Vereinigt. Masch.- Fabrik Augsburg u. Masch.-Bauges. Nürnberg her¬ gestellt wird. Wir haben über dieselbe unter Beigabe einer Abbildung schon in No. 50, Jahrg. 1902 berichtet. Die Konstruktion hat sich im allgemeinen bewährt, nur bei den kleineren Belastungen bis etwa 50 4 ergaben sich infolge der Reibung an der Kolbenmanschette zu grosse Fehler. Diesem Uebelstande ist jetzt abgeholfen, sodass die Pressen nunmehr nach Feststellung der Versuchs¬ station in Charlottenburg zur vollsten Zufriedenheit arbeiten. Eine weitere Prüfungsmaschine, die durch den Verein eingeführt wurde, ist die Röhrenprüf ungs-Pr esse, System Koenen, die von der Firma Grether & Cie., Masch. -Fabrik in Freiburg i. B., ausgeführt wird und be¬ reits in einigen Exemplaren im Betrieb steht. Auch diese Konstruktion, mit welcher Betonrohre auf ihre Festigkeit geprüft werden sollen, hat sich bewährt; die Meinungen darüber, wie die Versuche vorzunehmen und welche Schlüsse daraus zu ziehen seien, waren allerdings noch sehr getheilt. Hr. Reg. Bmstr. a. D. Dir. Koenen gab eine kurze Berechnung an, nach welcher aus den Bruch¬ versuchen die zulässige Einbettungstiefe der Rohre er¬ mittelt werden könne. Er vertrat die Ansicht, dass nur wenige Rohre zerbrochen zu werden brauchen. Die an¬ deren Rohre derselben Sorte brauche man nur mit ge¬ ringer Pressung zu proben und könne dann aus dem Ver- hältniss der Durchbiegung zu derjenigen des bis zum Bruch geprüften Rohres bei der gleichen Belastung Schlüsse auf die Güte der Rohre ziehen. Bleibe die Durchbiegung niedriger, so sei das Rohr jedenfalls von besserer Qualität, als das erstere, eine Ansicht, die allerdings nicht ohne Widerspruch blieb, namentlich von Seiten des Hrn. v. Emperger. Ausserdem wurde von den Hrn. Büsing, Schott, Dr. Michaelis, Toepfer und E. Dyckerhoff darauf hingewiesen, dass eine ganze Reihe von Faktoren noch das Ergebniss beeinflussten, so namentlich die Feuchtig¬ keit des Betons, die bekanntermaassen von ungünstigem Einfluss auf die Festigkeit sei. Man müsse also für die Prüfung einen gewissen Feuchtigkeitsgehalt festsetzen und berücksichtigen, ob die Rohre später trocken oder im Grundwasser liegen. Hr. E. Dyckerhoff hob insbesondere noch hervor, dass die Breite der Belastungsschneide auch von wesentlichem Einfluss auf die Festigkeitsergebnisse sei, wie dies die ausgedehnten Versuche gezeigt hätten, welche seine Firma mit Beton- und Steinquadern für die Gelenke massiver Brücken gemacht habe. Es habe sich dabei gezeigt, dass das härtere Material durchaus nicht un¬ bedingt die grössere Tragfähigkeit ergeben habe. Eskomme vielmehr darauf an, dass das Material genügend elastisch sei, um unter dem Drucke eine entsprechende elastische Ab¬ flachung anzunehmen und damit eine grössere Fläche zur Druckübertragung zu liefern. Im Anschlüsse an diese Auseinandersetzungen wurden von Hrn. Prof. Martens konstruierte, sehr einfach von Jedermann selbst herzustellende Apparate vorgezeigt, welche die Durchbiegung der Röhren unter der Presse in sofacher Vergrösserung angeben. Von grossem Interesse war der Bericht der Kommission zur Aufstellung von Vorschriften für die Prüfung und Verarbeitung von Beton, welchen Hr. Hoch, Dir. der Portland-Zementfabrik Ehingen in Württemberg, erstattete, nebst den sich anschliessenden Erörterungen. Die Arbeiten des Vereins auf diesem Gebiete gehen schon einige Jahre zurück. Bei den Berathungen ergab sich die Nothwendigkeit, zunächst die Frage festzustellen, ob sog. „erdfeuchter Stampfbeton" oder „plastischer“ Beton mit etwa 50% mehrWasserzusatz die besseren Festig¬ keits-Ergebnisse habe, und ob man dann bei den neueren Betonbauten ausschliesslich zu dem einen oder anderen Verfahren übergehen solle. Es sei hier gleich bemerkt, dass Beton-Eisenkonstruktionen nur in einem noch feuch¬ teren, sog. „nassen“ Beton hergestellt werden können, da nur dann die sichere Einbettung des eingelegten Eisens, auf die es ankommt, gewährleistet werden kann. Im übrigen ziehen die einen Firmen den erdfeuchten Beton vor, dessen Einstampfung aber geübtere Arbeiter voraussetzt, die ande¬ ren den plastischen, feuchteren Beton, bei dem die Zuver¬ lässigkeit der Arbeiter keine so grosse Rolle spielt. Die Firma Dyckerhoff in Biebrich als die Hauptvertreterin des erdfeuchten Betons, und die Portland-Zementfabrik Ehingen als Vertreterin des plastischen Betons hatten es übernommen, in genau vorgeschriebener Weise und aus den gleichen Materialien eine grössere Zahl von Probe¬ körpern nach den beiden Verfahren anzufertigen. Auf die Einzelheiten der Herstellung einzugehen, verbietet uns der Raum. Wir verweisen in dieser Hinsicht auf den Bericht der V. Jahresversammlung des Vereins vom Jahre 1902*), welcher ganz ausführliche Angaben über Materialien, Mischungsverhältniss und Herstellungsweise der Proben macht. Die kgl. Versuchsanstalt in Stuttgart unter Leitung des Baudir. Prof. v. Bach hatte es übernommen, diese Proben auf ihre Festigkeit zu untersuchen. Die Versuche wurden, von einem Alter der Proben von 28 Tagen anfangend, in regelmässigem Zeiträume fortgesetzt, sodass augenblicklich bereits Proben von 1 Jahr Alter an der Reihe sind. Sie sollen bis zu 3 Jahr Alter fortgesetzt werden. Es liegen bisher die Prüfungsergebnisse von Proben bis zu 100 Tagen Alter übersichtlich geordnet vor. Die Versuche haben nun namentlich bei den jüngeren Proben eine gewisse Ueberlegenheit in der Festigkeit des erdfeuchten Betons gegenüber dem plastischen ergeben, *) Verlag der Thonindustrie-Zeitung. II4 No. 18. aber die Festigkeitszunahme war bei dem letzteren eher grösser als bei dem ersteren. Jedenfalls sind die Unter¬ schiede verhältnissmässig so gering, dass selbst wenn der erdfeucht hergestellte Beton dem plastischen dauernd in der Festigkeit etwas überlegen sein sollte, nach An¬ schauung des Berichterstatters dem ersteren doch keines¬ wegs ein so überwiegender Vorzug zuzubilligen sei, um den letzteren aus den aufzustellenden Normen aiiszu- schliessen. Bei Handarbeit sei der plastische Beton ausser¬ dem leichter und zuverlässiger herzustellen, der erdfeuchte Beton erfordere eigentlich Maschinenarbeit. Die Versuche hätten ferner für Schotterbeton eine um etwa 12 °/0 grössere Festigkeit ergeben als für Kies- beton.*) Die Versuche über die Elastizität der ver¬ schiedenen Materialien seien noch nicht abgeschlossen, da die Prüfungsmaschinen nicht ausgereicht hätten. Aus der anschliessenden Besprechung ist noch hervor¬ zuheben, dass Hr. Prof. Gary die Ansicht vertrat, dass die Frage, ob der Beton nach der einen oder anderen Herstellungsweise höhere Festigkeiten ergebe, gar nicht so wichtig sei. Jeder Beton habe sein Anwendungsgebiet. Bei sehr sorgfältig überwachten Arbeiten könne man mit dem erdfeuchten Beton ganz vortreffliche Ergebnisse er¬ zielen, bei geringerer Aufsicht, ungeübteren Arbeitern sei aber etwas mehr Wasser weniger von Uebel, als zu grosse Trockenheit. Hier sei also der plastische Beton am Platze, während für Beton-Eisenkonstruktionen der nasse anzuwenden sei. Das Ergebniss der Verhandlungen war, dass man sich allgemein dem Anträge des Vorsitzenden anschloss, die Versuche noch fortzusetzen und hierfür eine grössere Summe bereit zu stellen unter der Voraussetzung, dass der Verein deutscher Portlandzement-Fabrikanten mit der gleichen Summe einträte und auch die Regierungen die Sache unterstützten. Der zweite Verhandlungstag brachte eine Reihe werth¬ voller Vorträge. Es sprach zuerst Hr. Reg. -Brristr. Mörsch, Ob.-Ing der Firma Wayss & F rey tag in Neustadt a. Haardt, über „Die Theorie der Beton-Eisenbauten“. Wir kommen auf den gehaltvollen Vortrag, der auch die neuesten praktischen Versuche berücksichtigte, besonders zurück. Aus der sich anschliessenden lebhaften Besprechung sei nur die interessante Mittheilung über Festigkeits-Ergeb¬ nisse wiedergegeben, welche die Firma bei 75 cm langen Beton-Proben, die in ihrem Aufträge in Stuttgart geprüft worden sind, beobachtet hat. Die Längenabmessung der Proben war so gross gewählt, da bekanntermaassen Proben von geringer Höhe eine wesentlich höhere Festigkeit zei¬ gen, als solche von grösserer Höhenausdehnung, wie sie der praktischen Ausführung entsprechen. Die mit Rhein¬ kies hergestellten Proben ergaben bei Mischung 1 : 3 nur 12,5, bei 1:7 nur 4—6 kg, qcm Zugfestigkeit nach 28 Tagen. Es sprachen sodann Hr. Landbauinsp. Hertel in Berlin über die von ihm ausgeführte Gründung des Gerichts- Neubaues Berlin - Wedding mit Beton - Eisen¬ pfählen. Wir haben auf S. 582 v. J. eine Beschreibung und auf S. 647 v. J. auch Zeichnungen der Pfahlkonstruk¬ tion und der Rammhaube gegeben. Der Vortrag des Hrn. Reg.-Bmstr. a. D. Koenen, Berlin, über die in Ausführung begriffenen Bahn¬ steig-Erhöhungen der Berliner Stadteisenbahn, System Koenen, fiel mit Rücksicht auf die inzwischen von anderer Seite erfolgte Veröffentlichung dieser Arbeiten im „Zentralbl. der Bauverwltg.“ No. 9, 1903 aus. Werthvolle Mittheilungen wurden auch über Beob¬ achtungen und Erfahrungen bei Betonbauwerken und Zementarbeiten gemacht. Hr. Arch. Wolle aus Leipzig machte Angaben über die Beobachtungen, die seit langer Zeit über die Haltbarkeit verschiedenen Putzes gegenüber dem Einflüsse der Kohlensäure des Wassers in einem Hoch¬ behälter der Wasserwerke in Leipzig von ihm angestellt worden sind. Es hat sich gezeigt, dass sich Roman¬ zement besser als Portlandzement bewährt hat, ge¬ glätteter Putz besser als rauher. Fluatierung hat die Oberfläche bei Romanzement oder bei gemischtem Ze¬ ment — theils Roman- theils Portlandzement — besser geschützt, als bei reinem Portlandzement. Siderosthen hat sich auf geglättetem Portlandzement garnicht gehalten, es trieb blasig auf, besser auf rauhem, am besten auf rauhem Romanzementputz. Bei letzterem hat das Auf¬ trägen des Siderosthens auf schon theilweise angegriffenen Putz, ohne vorherige Reinigung der Oberfläche von Schlamm und losen Theilchen, den Putz vor weiterer Zerstörung bewahrt. Es handelt sich bisher übrigens nur um Ver¬ suche in kleinerem Maasstabe. *) In München scheint man nach den neuen Vorschriften der Stadt¬ gemeinde über die Verwendung des gewöhnlichen Flusskieses statt Quetsch¬ kieses anderer Meinung zu sein. 4. März 1903. Seitens des militärischen Vertreters des Kriegs¬ ministeriums wurde die F rage aufgeworfen, durch welche Beimischungen man dem Beton eine besonders grosse Widerstandsfähigkeit gegen Geschosse geben könne. Solche Versuche habe die Militärverwaltung vor einigen Jahren in grossem Maasstabe namentlich mit Si-Stoff gemacht (sehr kieselsäurehaltiges Abfallprodukt der Alaunfabrikation). Die Versuche haben bei 15—20 % Beimischung des Stoffes zu reinem Zementmörtel 1 : 3 bei Trocknung an der Luft eine erheblich grössere Festigkeit in den ersten Monaten ergeben, die aber nach 3 Jahren nachgelassen habe. Günstig seien dagegen die Versuche gewesen bei Proben, die in feuchtem Sand und im Meer¬ wasser gelegen hätten. Bei grösseren Versuchen auf der Baustelle habe sich aber gezeigt, dass sich Beton mit ent¬ sprechender Si-Stoff-Beimischung sehr schwer verarbeiten lasse. Versuche auch mit anderen Materialien seien erwünscht. Hr. R. Dyckerhoff hält alle Zuschläge für den Zweck einer Erhöhung der Festigkeit für ungeeignet. Hr. Prof. Gary hält den Gedanken der Beimischung von kieselsäure¬ haltigen Stoffen, wie des Si-Stoffes, im Prinzip für richtig. Letzterer aber sei sehr locker, zu hoher Zusatz könne also wieder schädlich werden. Man solle es mit weniger als 20 °/o versuchen. Hr. Dr. Michaelis ist der Ansicht, dass die reinen Zementbetonkörper stets dichter, also auch fester sind. Seines Erachtens käme es für den vorliegen¬ den Fall aber garnicht so sehr darauf an, eine besonders hohe Festigkeit zu erlangen. Dann sei das Material der Geschosswirkung gegenüber zu wenig elastisch. Er halte weniger festes Material, aber dickere Mauern für besser. Hr. Gary hält es dagegen doch für richtiger, die Ober¬ fläche sehr hart zu machen, damit das Geschoss weniger leicht durchschlägt, das Innere aber zäher, um die Ex¬ plosionswirkung abzuschwächen Hr. R. Dyckerhoff macht schliesslich den Vorschlag, es abwechselnd mit harten und zäheren Schichten zu versuchen. Den Beschluss bildeten Besprechungen über Mittel zur Schalldämpfung bei Betondecken durch Isolierung mit Korkplatten und anderen Mitteln, die aber nichts wesent¬ lich Neues brachten, und andere kleine Mittheilungen, über die wir hinweggehen können. Alles in allem hatten die Verhandlungen einen gün¬ stigen Verlauf und gaben werthvolle Anregungen. — Fr. E. Arch.- u. Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 21. Nov. 1902. Vors. Hr. Zimmermann, anwes. 68 Pers., aufgen. Hr. Reg.-Bfhr. v. Thaden. Die Tagesordnung umfasst zunächst eine Mittheilung des Hrn. C. O Gleim über den Umbau der Mainzer Eisenbahnbrücke, welche Redner mit einem kurzen Rückblick auf die Baugeschichte dieser in den Jahren 1860/62 erbauten Brücke einleitet. Dieselbe bildete in der damaligen Entwicklung des Brückenbaues ein epoche¬ machendes Bauwerk und weist neben dem charakte¬ ristischen System der Eisenkonstruktion aus sogen. Pauli’ - sehen Trägern manche Besonderheiten auf. Unter diesen werden namentlich die ungewöhnlich schlanken Strom¬ pfeiler von nur 4 «» Stärke — gegenüber 6—8 m und noch mehr bei anderen Rheinbrücken — hervorgehoben, welche für Redner bei mehrfachen von ihm bearbeiteten Brücken¬ entwürfen vorbildlich gewesen sind. Bezüglich der Einzelheiten mag auf die in No. 56 vom 12. Juli 1902 gebrachte Mittheilung über den Umbau der Brücke hingewiesen und hier nur hinzugefügt werden, dass der darin geschilderte Bauvorgang zur Auswechselung der zahlreichen eisernen Ueberbauten des am rechten Ufer im Inundationsgebiet des Mains gelegenen rd. 600 m langen Fluth viaduktes sich bei der häutigen Wiederholung zuletzt mit solcher Genauigkeit und Schnelligkeit abspielte, dass er zu einer technischen Sehenswürdigkeit wurde. — Den zweiten Vortrag hält Hr. B ehrend über die Kühlung von Wohn- und Geschäftsräumen mittels Kältemaschinen unter Verwendung von Heiz¬ körpern. Redner ist Spezialist in Kältemaschinen und gibt an Hand ausgehängter Zeichnungen eine interessante Schilderung, wie die Heizkörper, welche bei Zentral- Wasser- oder Dampfheizungen zum Erwärmen der Räume benutzt werden, sich fast ohne jede Aenderung als Kühl¬ körper zum Kühlen benutzen lassen. Statt, wie im Winter, darin heisses Wasser oder Dampf zirkulieren zu lassen, wer¬ den sie im Sommer von kaltem Wasser durchströmt, dessen niedrige Temperatur durch im Keller aufgestellte Kälte¬ maschinen erzeugt wird.. Die Wärmetransmission durch die Wände der Kühlkörper, d. h. durch die sonst zur Hei¬ zung dienenden Rohrapparate, Rippenkörper u. dergl. folgt denselben Gesetzen, einerlei ob es sich um Wärme- Ab¬ gabe oderWärme- Entziehung durch die Oberfläche handelt; man hat sich nur in den umgekehrten Verlauf hineinzudenken . Ausser einer solchen unmittelbaren Oberflächen-Küh- lung in den Räumen kann auch die Kühlung dadurch er¬ folgen, dass die Luft aus den Räumen abgesaugt, an be¬ sonderen Kühlkörpern ausserhalb der Räume abgekühlt und den letzteren darauf wieder zugeführt wird. Die Aehnlichkeit dieser Art Kühlung mit der Luftheizung ist leicht zu erkennen. Dabei wird die Luft an der kalten Oberfläche der Kühlkörper ihre Feuchtigkeit sowie Ver¬ unreinigungen durch Staub und Keime verlieren, besonders wenn man die Kühlkörper so kalt hält, dass die Feuchtig¬ keit an ihnen zu Schnee und Eis erstarrt, so dass die Luft in gereinigtem Zustande in die Räume zurückströmt. Bei allen solchen Kühlanlagen ist zu beachten, dass man es mit erheblich geringeren Temperatur-Unterschie¬ den zu chun hat, als bei der Heizung der Räume. Im Winter pflegt man bei uns mit 45° C. Unterschied zwi¬ schen Aussen- und Innentemperatur, d. h. mit — 25° und -f- 20° C. zu rechnen und dementsprechend die Oberflächen¬ grösse der Heizkörper festzustellen unter Annahme eines be¬ stimmten Temperaturunterschiedes zwischen Heizflüssigkeit und der Luft im zu heizenden Raume Im Sommer dagegen ist für die Kühlung nur ein Unterschied von 10 — 15 0 C. zwischen Aussen- und Innentemperatur (von -f 30—35° C. auf -f2o0C.) anzunehmen, d. h. etwa ein Viertel des Winterunterschiedes. Hiernach wird also auch bei Be¬ nutzung der vorhandenen Heizkörper für die Kühlung, also bei gleicher Oberfläche, der Temperatur-Unterschied zwischen Kühlflüssigkeit und zu kühlendem Raume nur etwa ein Viertel des entsprechenden Unterschiedes bei der Heizung im Winter zu betragen brauchen. Bei der Heizung pflegt man die Temperatur der Heiz¬ flüssigkeit zu 95° C., des zu heizenden Raumes zu f 20° C., mithin den Unterschied zu 7s 0 C. anzunehmen. Für die Kühlung würde demgemäss ein Viertel dieses Unterschiedes genügen, also die Temperatur der Kühlflüssigkeit nur etwa 19— 20° niedriger sein müssen, als die des zu kühlenden Raumes. Mit Hilfe der Kältemaschinen lassen sich in¬ dessen, besonders bei Verwendung von Salzwasser, so niedrige Temperaturen des Kühlmittels erzielen, dass ein erheblich grösserer Temperatur-Unterschied als 19 — 20 0 C. entsteht, und man alsdann mit einer kleineren Oberfläche der Kühlkörper auskommen kann. Um ein Beispiel anzuführen, erwähnt Redner, dass bei einem Wohnhause mittlerer Grösse mit Zentralheizung eine Oberfläche der gewöhnlichen Rippenheizkörper von zusammen etwa 60 qm erforderlich ist. Dabei wird auf das q™ Oberfläche eine stündliche Wärmetransmission von 400 Wärme-Einheiten in Rechnung gestellt. Zur Kühlung genügt nach obiger Darlegung ein Viertel dieser Wärme¬ transmission, d. h. etwa 100 W.-E. für 1 Stunde und 1 q“. Man würde daher für ein solches Wohnhaus zur Kühlung etwa 60 . 100 = 6000 W.-E. für die Stunde gebrauchen. Für diese Leistung ist nur eine kleine Kältemaschine erforder¬ lich, deren Preis etwa 4000—5000 M. betragen würde. Redner schildert sodann die Konstruktion der Kälte¬ maschinen, die als Kompressions- oder Absorptions-Maschi¬ nen hergestellt werden. Beide Arten gebrauchen Betriebs¬ kraft und Kühlwasser und zwar die Kompressions-Maschinen mehr Kraft und weniger Kühlwasser, die Absorptions- Maschinen dagegen weniger Kraft und mehr Kühlwasser. Die Anwendung von Kältemaschinen in Privathäusern wird nicht allein durch die Beschaffungskosten, sondern namentlich auch durch die Nothwendigkeit einer Betriebs¬ kraft und durch das Bedürfniss der Pflege und Wartung und der Haltung eines Maschinisten zur Bedienung der Maschine erschwert. Zudem pflegt in unserem Klima das Bedürfniss zur Kühlung der Räume nur während weniger Wochen des Sommers einzutreten. Bei öffentlichen Gebäuden, Schulen, grossen Geschäftshäusern, Versammlungssälen, wo ohnehin eine Betriebskraft für elektrische Beleuchtung, Lüftung u. dergl. vorhanden ist, lässt sich die Anwendung einer Kältemaschine mit weit weniger Umständen durch¬ führen. Zu erwähnen ist hierbei, dass für die Kühlung der Räume im Sommer ganz ebenso wie für die Heizung im Winter starke Aussenwände zu empfehlen und Thüren und Fenster gut geschlossen zu halten sind. Anders als bei uns gestaltet sich die Frage der Kühlung der Wohnräume in heissen Ländern, wo das Bedürfniss einer solchen sich über den grössten Theil des Jahres er¬ streckt, und sich bei fortschreitender- Zivilisation der Ein¬ führung der Kältemaschinen eine wachsende Verbreitung Voraussagen lässt. — Mo. Vers, vom 12. Dez. 1902. Vors. Hr. Zimmer¬ mann, anwes. 70 Pers , aufgen. Ing. Herrn. Jahncke, Bmstr. C. O. Plartmann, Bmstr. Th. E. A. Zandt. Die Tagesordnung bringt zunächst Neuwahlen für die Vereinsämter. Die Zusammensetzung des Vorstandes für das Jahr 1903 ist folgende: Vors.: Baudir. H. Zimmer¬ mann, erster Stellv.: Bauinsp. J. Class en, zweiter Stellv.: 1 iS Ziviling. B. Hennicke, Schriftf.: Bauinsp. J. Mohr, tnt.- und Brth. P. Göbel, Reg.-Bmstr. W. Stein, Rechnungsf.: Arch. H. Groothoff. — Es folgt ein Vortrag des Hrn. Kallmorgen über den von ihm in Gemeinschaft mit Hrn. Lun dt erbauten Kaiserhof in Altona. Zur Vorgeschichte des Baues er¬ innert Redner an den im Jahre 1896 stattgehabten Wett¬ bewerb zur Bebauung des von monumentalen Gebäuden begrenzten grossen Bahnhofsplatzes in Altona, welcher Mangels einer sicheren Grundlage ergebnisslos verlaufen sei. Im Jahre 1899 regte Oberbürgermeister Giese den Plan wieder an, da der Mangel grösserer Konzert- und Festsäle, sowie eines guten Hotels sich bei der Bevölke¬ rung immer mehr fühlbar gemacht habe, und betraute die Architektenfirma Lundt & Kallmorgen mit der Aufstellung von Entwürfen. Endlich wurde im Januar 1901 die Kaiserhof- Aktien- Gesellschaft begründet. Redner schildert die Finanzierung derselben, die Verhandlungen mit der Stadt über den Ankauf des Platzes und die Wandlungen, welche der Plan durchgemacht. Der Bau wurde alsdann energisch in An¬ griffgenommen und im vergangenen Jahre fertiggestellt. An Hand der ausgestellten Zeichnungen legt Redner die für die Anlage der Räume maassgebenden Gesichtspunkte dar und giebt endlich eine ausführliche Beschreibung des Baues selbst, welcher eine Grundfläche von 2600 be¬ deckt und in 3 Gruppen: Hotel, Restaurant und Konzert¬ saal, zerfällt. Auf diese Schilderung folgt noch eine Er¬ örterung der Heizanlagen sowie der elektrischen Licht- und Kraftanlagen. Am folgenden Tage fand im Anschlüsse an den Vor¬ trag eine Besichtigung dieser für unsere Schwesterstadt Altona bedeutungsvollen Anlage durch die Vereinsmit¬ glieder und ihre Damen statt. — m0 Mittelfränkischer Arch.- und Ing.-Verein zu Nürnberg. Haupt-Versammlung vom 19. Dez. 1902. Den Vorsitz führt Hr. Ob. Brth. Weber. Nach erfolgter Rechnungs¬ prüfung durch die Hrn. Alt, Kullmann und Müller wird dem Kassierer, Hrn. D. Rohm, Entlastung ertheilt und der Dank für seine Mühewaltung ausgedrückt. Der Haus¬ haltplan für 1903 wird berathen und genehmigt. Die Neu¬ wahlen der Vorstandschaft für die nächsten zwei Jahre liefern folgendes Ergebniss. i.Vors.: Städt. Ob.-Brth.Weber; 2. Vors.: Arch. Emil Hecht; 1. Schriftf.: Reg.-Bmstr. M. Wallersteiner; 2. Schriftf.: städt. Ob. -Ing. G. Kuch; Kassierer: Arch. D. Rohm; Ausschussmitglieder: kgl. Reg.-Rath J. Schrenk, kgl. Bauamtm. F. Miller, kgl. Ob. -Bauinsp. M. Steinhäuser, Arch. und Hauptl. P. Rückert. Hr. Dir.-Ass. Dr. Zinsmeister spricht über „Eisen¬ bahnen und Wasserbau auf der Düsseldorfer Ausstellung“. Nachdem Redner eine geschichtliche Uebersicht der Entwicklung der Lokomotive von der Er¬ findung der Dampfkraft an bis zur heutigen Schnellzugs- Maschine und des Spurweges von den primitiven Holz¬ bauten der alten Römer bis zu unserem heutigen Schienen¬ gleise mit den starken Stahlschienen gegeben, folgt eine Besprechung des in Düsseldorf ausgestellten Lokomotiv- und Wagenmateriales. Besonders interessierte ein Aerzte- wagen, wie solche auf einer grösseren Anzahl preussischer Bahnhöfe für Unfälle zur Verfügung stehen, und seine Einrichtung mit Operationstisch, Verbandkasten, Warm¬ wasserbereitung mit Gasofen und eine besondere Ab¬ theilung mit 8 Betten. Erwähnenswerth sind die Vor¬ richtungen für Signalwesen, die in Modellen vorgeführt waren, automatische Bodenwaagen, elektrische Stellwerke, ein Generaltaster, welcher den Zweck hat, allen Eisen¬ bahnstationen von einer Zentrale aus täglich die richtige Zeit anzugeben, usw. Die kgl. preuss. Eisenbahnverwaltung hatte eine reiche Auswahl vorzüglich dargestellter Pläne von Bahnhofsanlagen, Zentralwerkstätten, Beamten- und Bediensteten-Wohnhäusern, Brücken u. dergl. ausgestellt. An der Hand statistischer Tabellen bezw. graphischer Darstellungen der Einnahmen aus den preuss. Eisenbahnen, der Verkehrsleistung und Ausdehnung des Eisenbahn¬ netzes stellt Redner interessante Vergleiche mit den bayerischen Verhältnissen an. Nach einigen Mittheilungen über die in den letzten Jahrzehnten ausgeführten umfang¬ reichen Wasserbauten am Rhein und über die mit einem Kostenaufwande von 10 Mill. M. erbaute neue Hafenanlage in Düsseldorf gibt Redner noch eine Uebersicht über den Verkehr auf dem Rhein und in den Rheinhäfen. Die inter- essantenAusführungen werden mit lebhaftem Beifall belohnt. Versammlung vom 30. Jan. 1903. Der Vors., Hr. Ob.-Brth. Weber, bringt geschäftliche Mittheilungen zur Kenntniss. Sodann erhält Hr. städt. Ob.-Ing. G. Kuch das Wort und spricht „Ueber den Schulhaus - Neubau an der Findelgasse in Nürnberg“. Das mächtige Emporblühen Nürnbergs in den letzten Jahrzehnten bringt No 18 dem Stadtbaumeister Aufgaben, deren Lösung nicht gerade leicht ist, wenn das Innere der Altstadt infrage kommt, wo hoher Werth des Grund und Bodens, schwierige Höhenverhältnisse des Geländes und die nothwendige Schonung geschichtlich und architektonisch merkwürdiger Bauwerke manches Hinderniss bereiten. Die glückliche und gleichzeitige Lösung mehrerer solcher Aufgaben in die Wege zu leiten, gelang mit weitschauendem Blicke dem I. Bürgermeister Hrn. Dr. von Schuh, auf dessen Antrag hin die städtischen Kollegien im Jahre 1896 be¬ schlossen haben: 1. Das alte Waisenhaus in der Findel¬ gasse, welches in seiner ganzen Anlage und baulichen Beschaffenheit den neuzeitlichen Anforderungen der Ge¬ sundheitspflege und des Betriebes nicht mehr zu genügen vermochte, nach einer der westlichen Vorstädte zu ver¬ legen. 2. Einen Theil des dadurch frei werdenden Bau¬ platzes zur Erbauung eines grösseren Schulhauses als Er¬ satz für einige in der Altstadt vorhandene unzeitgemäss angelegte und unhygienisch eingerichtete Schulhäuser zu benutzen, und 3. zwischen dem neuen Schulhause und dem benachbarten Anwesen, an einer Stelle, die sich hierzu vorzüglich eignet, die immer dringender werdende elektromotorischem Antrieb, die Pumpen wurden gleich¬ falls elektromotorisch betrieben Zur Betonbereitung ist eine mittels 18P. S. starker Lokomobile angetriebene Be¬ tonmischmaschine von Gauhe, Gockel & Cie. in Nieder¬ lahnstein verwendet und damit ein recht zufriedenstellendes Ergebniss erzielt worden. Der fertige Beton wurde auf Gerüsten mit Rollbahnen unmittelbar an die Verwendungs¬ stelle gefahren. Nach Mittheilung von Einzelpreisen für Materialien und Löhne, der Kosten für Aufstellung der Maschinen, Strom- und Kohlenverbrauch usw. gibt Redner die Gesamtkosten der Gründungsarbeiten auf rd. 68000 M. an. Im April 1901: waren diese Arbeiten vollendet und nun konnte mit dem Aufstellen der Gerüste für den Hochbau begonnen werden. Dieselben waren so konstruiert, dass mittels fahrbarer Krahnen jede Stelle des Neubaues bequem erreicht werden konnte, was für die Versetzarbeiten an den ganz in Sandstein quader-Mauerwerk auszuführenden Umfassungen von grossem Vortheil war. Anfangs Oktober 1901 war der Bau so weit fortgeschritten, dass die Auf¬ richtung des Dachstuhles erfolgen konnte, am 1. Sept. 1902 wurden die neuen Räume ihrem Zwecke übergeben. Im¬ ganzen wurden ausgeführt: etwa 1000 cb“ Betonmauer- Entwurf zu einem Zentralsaal der Grossen Berliner Kunstausstellung. (1 : 100.) Architekt: Jos. Reuters in Wilmersdorf. bequeme Brückenverbindung zwischen der Lorenzer und Sebalder Stadtseite über die Pegnitz anzulegen. Nachdem in den Jahren 1898 — 1900 der Neubau des Waisenhauses zur Ausführung gelangt und der Umzug der Anstalt am 2. Aug. 1900 erfolgt war, konnte mit dem Abbruch des alten Waisenhauses begonnen werden. In¬ zwischen waren die Pläne für den Schulhausneubau fertig¬ gestellt. Besonders schwierig gestalteten sich die Grün¬ dungsarbeiten. Die Lage unmittelbar am Pegnitzflusse und der erst in grösserer Tiefe vorhandene tragfähige Baugrund machten eine Gründung auf Pfahlrost nothwen- dig, welche noch dadurch erschwert wurde, dass das an¬ grenzende ältere Schulhaus für die höhere Mädchenschule auf geringere Tiefe gegründet war und mancherlei bau¬ liche Schäden zeigte. Bei Herstellung der Ufermauer an der Pegnitz musste mit einer Tieferlegung der Pegnitz¬ sohle entsprechend dem im Jahre 1888 aufgestellten Prof. Frauenholz’schen Hochwasserprojekt gerechnet werden. Weil die Keller des Neubaues im Bereiche des Hoch¬ wassers liegen, waren dieselben wasserdicht herzustellen. Um die Arbeitszeit über die kurze Tageszeit hinaus ausdehnen zu können, wurde der Bauplatz mit elektrischem Bogenlicht beleuchtet; zum Einrammen der Spundwände und Rostpfähle bediente man sich einer Kunstramme mit 4. März 1903 werk, 1650 cbm Backsteinmauerwerk und 1300 cb“ Sand¬ steinmauerwerk. Die Gesamtbaukosten haben mit innerer Einrichtung etwa 430 000 M. betragen. Der Neubau enthält: 16 Schulsäle normaler Grösse mit 6,5:10“ Grundfläche, einen grossen Zeichensaal mit 39,50:9,14“ Grundfläche, ein Lehrerzimmer, eine Haus¬ meisterwohnung, die nöthigen Aborte, Gänge, Treppen¬ haus, ein Schüler-Brausebad mit An- und Auskleideraum, eine Waschküche mit Trocken-Anlage. Als Heizung ist, wie in allen neueren Nürnberger Schulhäusern, eine Niederdruck-Dampfheizung eingerichtet. Die frische Luft wird den Schulzimmern durch Kanäle von im Keller liegenden Luftkammern aus zugeführt, nachdem sie vor¬ her an den Heizkörpern erwärmt worden ist. Die Abluft geht in senkrechten Kanälen bis zum Dachboden, wird dortselbst in liegenden Kanälen vereinigt und geht durch einen senkrechten Sammelschacht, der in einem Dachreiter ausmündet, über Dach. Für die Schulzimmer ist dreimalige, für die Aborte fünfmalige stündliche Lufterneuerung vor¬ gesehen. Die Abluftkanäle der Aborte werden gesondert über Dach geführt. Der Zentralabluftschacht ist mit einer vom Kesselhause aus regulierbaren Verschlussvorrichtung versehen. Ein an der Ausmündung des Schachtes ange¬ brachtes Pneumometer, durch Rohrleitungen verbunden 111 mit dem in der Nähe des Kesselhauses aufgestellten Mikro¬ manometer, eine sinnreiche Erfindung des Hrn. Ing. Otto Krell in Nürnberg, ermöglichen dem Heizer, jederzeit durch einfache Ablesung die vorhandene Lufterneuerung fest¬ zustellen und durch Handhabung der obenerwähnten Ver¬ schlussvorrichtung auf das vorgeschriebene Maass zu brin¬ gen. An einem aufgestellten Musterapparat wurden Ein¬ richtung und Wirkungsweise näher erläutert. Die Fussböden der Vorplätze und Gänge sind mit Mettlacher Platten belegt, die Wände dortselbst haben auf eine Höhe von 1,50 m eine glasierte Wandplatten-Ver- kleidung; die Schulzimmer haben Linoleumbelag auf Betonunterlage, die Aborte — Einzelklosets — sind mit Wasserspülung eingerichtet, Wandbrünnchen zur Ent¬ nahme von Trinkwasser sind in jedem Stockwerke und im Schulhofe angebracht. Als künstliche Beleuchtung ist Gasbeleuchtnng und zwar mit Auer’schem Gasglühlicht eingerichtet, die Schulzimmer sind mit Rettig-Schulbänken und Oettinger’schen Doppelwandtafeln ausgestattet usw. Der weitgehendsten Fürsorge der städtischen Kolle¬ gien Nürnbergs für die Schule ist es zu danken, dass unsere hiesigen neuen Schulhäuser in so zweckentsprechen¬ der Weise mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehen werden können. — Reicher Beifall lohnte den Redner für seine an der Hand zahlreicher Pläne und Photographien gebotenen Ausführungen. — K. Verein für Eisenbahnkunde in Berlin. In der Januar- Sitzung unter Vorsitz des Hrn. Ministerialdir. Schroeder führte Hr. Ob.-Ing. Dettmar aus Frankfurt a. M. einen neuen , von der Elektrizitäts - Aktiengesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co. hergestellten Geschwindigkeits¬ messer vor, der besonders für Lokomotiven konstruiert, doch auch für viele andere Verwendungsgebiete sich gut eigne. Die Wirkungsweise beruhe darauf, dass die Primär¬ wicklung eines kleinen Transformators durch einen mit einer Achse verbundenen Unterbrecher periodisch an eine Gleichstromquelle gelegt und abgeschaltet wird. Dadurch werde in der Sekundär-Wicklung dieses Transformators eine der Geschwindigkeit entsprechende Wechselstrom- Spannung induziert und es könne dann an einem gewöhn¬ lichen Voltmeter, das in Kilometer für 1 Stunde geaicht wird, ohne Weiteres die Geschwindigkeit der Lokomotive jederzeit abgelesen werden. Dieses System zeichne sich gegenüber den bisherigen durch grosse Einfachheit aus und stelle sich ausserordentlich billig, sodass die Ein¬ führung von Geschwindigkeitsmessern bei allen Schnell¬ zugs-Lokomotiven dadurch erheblich erleichtert werde. Eine Lokomotive der preuss. Eisenbahnverwaltung, die probeweise von der Gesellschaft mit einem solchen Ge¬ schwindigkeitsmesser ausgerüstet sei, habe bereits noookm seit Anbringung des Apparates zurückgelegt. Hierauf führte Hr. Dettmar noch den von der gleichen Firma hergestellten Oelprüf apparat vor, der es ermög¬ liche, in einfacher Weise Oele auf ihre Schmierfähigkeit hin zu prüfen. Der Apparat sei so preiswerth und seine Behandlung so einfach, dass es jedem grösseren Betriebe möglich sei, die Prüfung des Oeles selbst auszuführen und dadurch bedeutende Summen beim Einkauf zu ersparen. — Im Anschluss an diese interessanten Vorführungen berichtete Hr. Ing. Zacharias über von ihm ausgeführte langjährige magnetische Versuche und knüpfte daran einen Vortrag über „die Ursachen des Magnetismus“. Die ersten Untersuchungen über dieselben hätten 1882 an dem von Romershausen bereits 1850 beschriebenen Elektro¬ magneten mit eisernem Mantel begonnen, also zu einer Zeit, wo man über die Berechnung von Magneten, wie sie heute ausführbar ist, noch keine Kenntniss hatte und auch unsere ganze Elektrotechnik sich noch im Anfangsstadium befand. Später seien auch Elektromagnete mit einem und zwei eisernen Seitenschenkeln, sowie Hufeisen -Magnete mit einer Drahtspule und einem Seitenschenkel usw. unter¬ sucht und durch diese Versuche sei nachgewiesen worden, dass man sich inbezug auf die Wirkungsweise dieser Elektromagnet-Konstruktionen bisher im Irrthum befunden habe. Ueberall in der Litteratur finde man die Behauptung, dass die verschiedenen Elektromagnete, wie sie hier eben genannt sind, deshalb so viel kräftiger wirken sollten (als ein gleich grosser gerader Elektromagnet), weil der eiserne Mantel sowohl als auch die eisernen Seitenschenkel (gegen¬ über dem Eisenkern in der Drahtspule) einen zweiten Pol bildeten, wenn man überhaupt heute noch von Polen bei Elektromagneten sprechen dürfe. An zahlreichen von dem Vortragenden aufgenommenen Bildern mit Hilfe von eisernen Feilspähneri wurde erörtert, dass diese Behauptung nicht zutreffe, sondern dass lediglich durch einen äusseren Eisentheil ein sonst auch schon bekannter Schutz gegen magnetische Wirkungen herbeigeführt und infolge dessen die magnetische Kraft auf die Lücke zwischen Eisenkern und dem eisernen Seitentheil konzentriert werde. Ver¬ gleiche man die Ergebnisse dieser Versuche, für die der Vortragende ebenso wie für die daraus zu ziehenden Folgerungen die Priorität in Anspruch nimmt, mit den Forschungen von Maxwell, Faraday, Herz und ferner mit den neuesten Forschungen über die Wellenbewegung des Lichtes, der Wärme und der Elektrizität, so komme man naturgemäss zu dem Schluss, dass wir die magnetische Kraft als eine Druckwirkung elektrischer Wellen zu be¬ trachten hätten, die sich nach der Mitte konzentriert. Mit einigen Betrachtungen über die praktische Anwendung dieser Ergebnisse schloss der Vortragende seinen allge¬ mein interessierenden Vortrag. — Vermischtes. Wasserstrahl-Turbine von Roth & Kollmann, D. R.-P. Die elektrotechnische Fabrik von Roth & Kollmann in Berlin-Schöneberg, Grunewaldstr. 27, stellt eine Wasser¬ strahl-Turbine mit und ohne Magnetdynamo her, welche, an jeden Wasserleitungshahn anschliessbar, den Wunsch nach einem Motor, der sowohl als Kraftmaschine wie auch für Elektrotechnik und Elektrochemie in kleinem Maass¬ stabe verwendet werden kann und sich auch für gewerb¬ liche und häusliche Zwecke eignet, nach uns zugegangenen Mittheilungen in trefflicher Weise erfüllt. Dabei entspricht die Kraftquelle allen billigen Anforderungen inbezug auf Leistungsfähigkeit und leichte Handhabung, bedarf keiner Wartung und hält sich, was Preis anbelangt, in mässigen Grenzen, welche einen Versuch als ein nicht zu gewagtes Unternehmen erscheinen lassen. Abbildg. 1 stellt die Turbine ohne Dynamo, Abbildg. 2 dieselbe mit Dynamo dar. Durch die Eintrittsöffnung des Wasserbehälters wird das Wasser einer Wasserleitung mittels eines Schlauches einem im Inneren des Behälters angeordneten zylindrischen Hohlkörper zugeführt, von dem zwei wagrecht liegende No. 18 118 Abbildg. i. In Vorbereitung befindlicher Apparat. Strommengen erforderlich sind. Als Kraftmotor dient die Turbine hauptsächlich zum Antriebe kleinerer Maschinen, wie sie in Werkstätten, Lehranstalten, Laboratorien usw. häufig in Gebrauch sind. Auch im Haushalte wird die Maschine zweckmässig als Kraftmotor, z. B. zur Beleuch¬ tung und zum Betriebe von Ventilatoren, Exhaustoren und Gebläsen Verwendung finden. Die Turbinen werden in verschiedenen Grössen angefertigt; die Turbine ohne Dynamo in zwei Grössen zu 50 und 70 M., die Turbine mit Dynamo in drei Grössen von 25 — 125 M. Zum An¬ schluss an den Wasserleitungshahn werden besondere An¬ schlusstücke (Abbildg. 3) geliefert. Besteht der Wunsch, bei angeschlossener Turbine der Wasserleitung Wasser zu entnehmen, so kommen Doppelhähne zur Anwendung. Da das abfliessende Wasser vollkommen rein bleibt, so kann es zu allen anderen Zwecken verwendet werden. — Eine Ueberlandbahn, die Australien von Süden nach Norden durchquert und Adelaide an der Südküste mit Port Darwin an der Nordküste verbinden würde, ist durch das südaustralische Parlament vor kurzem auszuführen be¬ schlossen worden. Dieser Plan erfordert die Herstellung einer 2000 k“ langen Eisenbahn, welche das meist wüste und wasserlose, bisher nochgarnicht aufgeschlossene Innere 4. März 1903. Abbildg. 2. Zur Belichtung fertiger Apparat. und bedarf nicht der Arbeit im Freien. Der Apparat zeigt im geschlossenen Zustande die Form eines Zylinders und besteht aus zwei halbkreisförmig gebogenen Kristall¬ scheiben, welche an beiden Enden mit eisernen Ringen eingefasst sind. Um jede Scheibe legt sich ein Mantel, welcher die Pausen glatt hält. Der Mantel kann ange¬ spannt und dadurch das Original innig mit dem licht¬ empfindlichen Papier verbunden werden. Die Belichtung erfolgt durch eine Bogenlampe. Die Abbildgn. 1 u. 2 zeigen den Apparat in der Vorbereitung und während der Be¬ lichtung. Zu letzterem Zwecke kann die für den Apparat besonders konstruierte Bogenlampe auf- und abbewegt werden. Die Belichtungszeit wird bei einer Lampe von 100 Volt für Negativpapier bei einem Apparat no:78cm auf 2, bei einem Apparat i43:8ocm auf 3 Minuten ange¬ geben, bei Positivpapier erhöhen sich diesen Zeiten auf 5 und 8 Minuten. — Zur Geschichte der byzantinischen Architektur. In der November-Sitzung der königl. bayerischen Akademie der Wissenschaften sprach Hr. Dir. von Reber in der histo¬ rischen Klasse „Zur byzantinischen Frage in der Geschichte der Architektur". Er suchte die schon in früheren Abhandlungen über den Karolingischen Palast- Röhrchen ausgehen, die kurz vor ihrem Ende kleine Aus¬ flussöffnungen besitzen. Durch diese Oeffnungen hindurch¬ gehend trifft das Wasser in einem kräftigen Strahl auf die zylindrisch geformte Antriebstrommel b , sodass die Turbine gleich mit voller Belastung anläuft und zwar schon bei 1/4 Atm. Wasserdruck. Die Antriebstrommel ist aus einer Aluminium-Legierung hergestellt und durch eine Schraube auf der Achse befestigt, welche, wenn der Apparat als Kraftmotor (Abb. 1) dienen soll, mit einer Friktionsüber¬ tragung versehen ist; soll aber die Turbine elektrotechnischen Zwecken dienen, dann wird dieselbe mit einem Magnet-Dynamo ausgerüstet (Abb. 2). Ein Oxydieren der Turbine ist aus¬ geschlossen, da alle Theile, die mit dem Wasser in Berührung kommen, aus vernickeltem Messing angefertigt sind. Die Achse, welche den Anker Abblld&- 3 trägt, und die Magnete sind aus Stahl. Eine Glasglocke ist über die Antriebstrommel gestülpt; sie gestattet ein Beobachten der Turbine während des Be¬ triebes und verhindert das Umherspritzen des Wassers. Die Wasserstrahl-Turbine wird in allen Fällen gebraucht werden können, in welchen kleine Kräfte bezw. geringe des Landes durchqueren und an die von den beiden genann¬ ten Plätzen bereits ausgehenden Eisenbahnen anschliessen würde, deren Länge im Süden xioo km, im Norden 220 km be¬ trägt, sodass also die ganze Ueberlandbahn 3320 km Länge besitzen würde. Abgesehen von dem grossen Nutzen der Eisenbahn für die Aufschliessung des Landes liegt ihre Bedeutung in der erheblichen Verkürzung des Weges von Europa zu den südlich gelegenen Handelszentren Australiens, die sich auf etwa 12 Tage stellen würde. Für die Herstellung der Bahn ist eine 8jährige Bauzeit in Aussicht genommen. Die Schwierigkeit liegt in der Finanzierung des Unternehmens, doch erwartet man, eine Gesellschaft zu finden, welche die Ausführung derselben unter den vorgeschlagenen Bedingungen unternimmt. Der¬ selben sollen für jede engl. Meile der Neubaustrecke (1,61 kmj 30 000 ha Land, insgesamt 365000^“ (also erheblich mehr als der Gesamtflächeninhalt von Preussen) , einschl. der im Boden ruhenden Mineralschätze, als Eigenthum über¬ lassen werden, bei der gleichzeitigen Steuerbefreiung auf 10 Jahre. Neben anderen Verpflichtungen soll der Gesell¬ schaft auferlegt werden, in den ersten 20 Jahren nach Eröff¬ nung der Bahn mindestens einen Zug wöchentlich laufen zu lassen. — Ein „Lichtpaus-Apparat für elektrische Belichtung“ der Firma R. Reiss in Liebenwerda, Prov. Sachsen, will das Lichtpausverfahren unabhängig vom Sonnenlichte machen 119 bau entwickelten Anschauungen bezüglich des Einflusses der byzantinischen Baukunst auf das Abendland zu ver¬ vollständigen und auch über die Karolingische Zeit hinaus auszudehnen, theilweise im begründeten Gegensätze gegen Aufstellungen Rivoiras (Le origini della architettura Lom- barda Bd. I). Namentlich bekämpfte er die Uebersehätzung der Comaciner, wie sie aus den Rotharischen Gesetzen erwachsen ist, deren Privilegien er als ein Schutzmittel einer longobardischen Gilde gegen die technisch und künstlerisch überlegenen ravennatischen Bauhütten er¬ klärte. Dagegen liess er der nach Karl dem Grossen wachsenden Bedeutung der lombardischen Architektur alle Gerechtigkeit widerfahren und zweifelte nicht, dass ihre Ausgestaltung im io. Jahrhundert der romanischen Architektur der transalpinischen Länder, vornehmlich Deutschlands, die Wege gebahnt habe. — Der „Dr. ing.“ Aus Anlass des goldenen Doktor- Jubiläums Karl Frenzeis richtete Paul Heyse aus Gardone die folgenden charakteristischen Vierzeiler an den Jubilar: Wer fünfzig Jahr als Doctor phil. Summa cum laude sich bewährte, Ich wüsste wohl, wie, nah dem Ziel Des Lebens, man ihn würdig ehrte. Wenn er ein neu Diplom empfing, Sollt’ er den Titel ändern können, Fortan, als richtiger Dr. ing., „Doctor ingenii“ sich nennen. — Die 44. Hauptversammlung des Vereins deutscher In¬ genieure in München beginnt auf Wunsch des bayerischen Bezirksvereins nicht am 6. Juli, sondern bereits am 30. Juni d. J. — Todtenschau. Friedrich von BischofF f. Am 25. Febr. d. J. ist in Wien der Erbauer der Wiener Stadtbahn und frühere Sektions - Chef im Eisenbahn - Ministerium Friedrich Bischoff Edler von Klammstein im 71. Lebensjahre einer Herzlähmung erlegen. Bischoff war am 14. Nov. 1832 in Graz geboren und machte seine fachlichen Studien an der dortigen Technischen Hochschule. Seine praktische Thätigkeit begann er beim Bau der Semmeringbahn, trat dann von 1852 — 57 in den Dienst der Staatseisenbahnen in Oesterreich, ging weiterhin zur Südbahn über und war darauf bei ungarischen Bahnbauten beschäftigt. Im Jahre 1875 trat Bischoff zur Verwaltung der Kaiserin Elisabeth- Bahn über, wurde hier 1876 Baudirektor und verblieb in dieser Stellung bis zur Verstaatlichung der Westbahn. Schon zu Be¬ ginn der achtziger Jahre ist er Abtheilungs Vorstand der Gene¬ ral-Direktion der österr .Staatsbahnen und wurde i884Hofrath- 1895 wurde für den Bau der Wiener Stadtbahn eine eigene Geschäftsabtheilung des Eisenbahnministeriums gebildet und Bischoff zum Baudirektor derselben ernannt. Die Eröffnung des Schlusstheiles der Wiener Stadtbahn, der Donau-Kanal- Linie, fiel mit dem im Jahre 1901 begangenen 50-jährigen Dienstjubiläum des Verstorbenen zusammen. Nach der Fertigstellung der Stadtbahn wurde die Bau¬ direktion derselben aufgelöst und Bischoff trat in den Ruhestand, dessen er sich nicht mehr lange erfreuen sollte. Ein Herzschlag machte einem thätigen und erfolgreichen Leben ein Ende. — Preisbewerbungen. Zur Erlangung von Entwürfen für ein Kossuth-Benk- mal in Budapest soll ein Wettbewerb unter ungarischen Künstlern ausgeschrieben werden. Für das Denkmal stehen 600 000 Kr. nebst Zinsen zur Verfügung. — Zu einem engeren Wettbewerb zur Erlangung von Ent¬ würfen für einen Zierbrunnen auf dem Thierschplatze in München, zu welchem ein ungenannter kunstsinniger Bür¬ ger 15000 M. spendete, widmete der gleiche Spender 1000 M. Der Wettbewerb soll unter jungen Künstlern veranstaltet werden. — Personal-Nachrichten. Baden. Dem Arch. H. B i 1 1 i n g in Karlsruhe ist der Tit. Prof, verliehen. Zugetheilt sind die Ing. -Praktik. : Eisenlohr der Wasser- und Strassenbauinsp. Lörrach, Büchner der Kult.-Insp. Freiburg und M o r 1 o c k der Oberdirektion. Der Bahnbauinsp. Brth. Kern in Basel ist gestorben. Bayern. Die Eisenb.-Ass. Es er in Kempten, Münz bei der Gen. -Dir. der Staatseisenb., Ebermeyer in Kempten, Neu¬ mann in Nürnberg, Zeis in Aschaffenburg unt. Versetzung nach Bamberg, Zintgraf in Salzburg unt. Versetzung nach Weiden, Stegner in Landshut unt. Vers, nach Ingolstadt, Ib liier bei der Gen.-Dir., Vorndran in München, Leykauf in Schwein- furt, Windstosser in Augsburg, Rathmayer in Eger sind zu Dir.-Ass. und der Dir.-Rath Schiller ist zum Reg.-Rath bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb. befördert. Der Ob.-Raninsp. Haberstumpf in Schweinfurt ist z. Dir.- Rath bei der Eisenb.-Betr.-Dir Augsburg berufen. Der kg!. Brth. Sepp in München ist gestoiben. Preussen. Dem Reg.- u. Brth. Gronewaldt in Tempelhof und dem Kr.-Bauinsp. Brth. Breiderhoff in Bochum ist der Rothe Adler-Orden IV. Kl. verliehen. Der Reg -Bmstr. S t ü w e r t in Marienburg ist z. Wasser-Bau- insp. und der Reg -Bfhr. Albr. Tischbein aus Rostock (Masch.- Bfch.) zum Reg -Bmstr. ernannt. Dem Reg. -Bmstr. Hilmar M ii 1 1 e r in Senftenberg ist die Entlass, aus dem Staatsdienst ertheilt. Der grossh. hess. Geh. Ob.-Brth. Mayer, vortr. Rath im Min. der öffentl. Arb. in Berlin, ist gestorben. Württemberg. Der Brth Ritter in Stuttgart ist z. Mitgl. der Gen.-Dir. der Posten und Telegraphen mit der Dienststellung eines Brths. ernannt. Verliehen ist: dem Dir. v. Fuchs bei der Gen.-Dir. der Staats¬ eisenb. das Kommenturkreuz des Ordens der Württemb. Krone; den Ob.-Brthn. S c h a a 1 und Prof. L a i s s 1 e an der Techn. Hoch¬ schule in Stuttgart das Ehrenkreuz desselben Ordens ; dem Brth. Frhrn v. Watt er in Stuttgart das Ritterkreuz des gleichen Ordens — Dem Brth. Stahl bei der Gen -Dir. der Staatseisenb, dem Masch.-Insp. Glück bei der Gen.-Dir., dem Eisenb.-Bauinsp. Ackermann in Mühlacker, dem Gebäude-Brandversichergs.-Insp. Brth. Schiller, den Brthn. Gebhardt bei der Domänen-Dir., Gekeler, Vorst, des Bez.-Bauamts, Schneider, Garn.-Bauinsp , und Prof. Tafel an der Baugewerkschule in Stuttgart das Ritter¬ kreuz I. Kl. des Friedrichsordens; — dem Stadtbmstr. Irion in Stuttgart die Karl-Olga-Medaille in Silber, — den Eisenb.-Bauinsp. Wagner in Weikersheim , V e i g e 1 e in Feuerbach , IC n o 1 1 in Heidenheim, Gl ocker bei der Gen -Dir. und dem Gew.-Insp. Hardegg in Stuttgart der Tit. und Rang eines Brths.; — den Abth.-Ing. W e i s s e r und K ü b 1 e r und Reg -Bmstr. Benneder bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb. der Tit. und Rang eines Eisen- bahn-Bauinsp. Der Strass.-Bauinsp. S c h a d in Calw ist nach Cannstatt versetzt. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. H. B. in D. Ihre Anfrage, wieweit Beton , der bei eintretendem Frost noch nicht abgebunden hat, in seiner Festigkeit beeinflusst wird, lässt sich allgemein nur insoweit beantworten, als Frost die Erhärtung des Betons verzögert. Ist überschüssiges Wasser im Beton vorhanden, so kann dieses durch Gefrieren ein Zersprengen der Masse hervorrufen, man erhält dann also keinen festen Beton. Bei entsprechenden Vorsichtsmaassregeln lässt sich jedoch auch bei Frost Beton hersteilen, der allmählich die gleiche Festigkeit erhält, wie ein bei günstigerer Temperatur hergestellter. Empfohlen werden kann eine Ausführung bei starkem Frost aber keinesfalls. Im Einzelfalle sind Mischungsverhältniss, Wassergehalt usw. von bestimmendem Einfluss. Vergl. übrigens Dtsch. Bztg. 1888, S. 203. Ausführlicheres in „Der Portland-Zement und seine An¬ wendungen im Bauwesen“ von F. W. Büsing und C. Schumann. — Hrn. Sch. & Co. in Bruchsal. Falls der Abluftschornstein bis über die First des Hauses geführt worden ist und einen Deflektor besitzt, und falls in diesen Schornstein nur die Abluftkanäle der geheizten Trockenkammern, nicht aber solche von ungeheizten Räumen münden, rathen wir Ihnen, durch Vorhalten einer brennen¬ den Kerze vor die Abluftöffnungen zu untersuchen, ob durch die¬ selben Luft abzieht oder nicht. Es genügt nicht, diesen Versuch nur einmal anzustellen; vielleicht ist derselbe bei verschiedenen Aussentemperaturen, Windstärken und Windrichtungen, sowie bei trockenem und bei Regenwetter zu wiederholen. Zeigt sich hier¬ bei auch nur einmal, dass durch den Abluftschornstein Luft ein¬ strömt, statt abzuziehen, so taugt der Deflektor des Schornsteins nichts und muss durch einen zweckentsprechenderen ersetzt wer¬ den. Sobald die Abluftkanäle unabhängig vom Wetter richtig funktionieren, kann durch die Frischluftöffnungen keine Luft mehr entweichen, und dürfte damit der im Gebäude 11 herrschende Zu¬ stand erreicht sein; denn die Angabe, dass die Luft der Trocken¬ räume zu „trocken“ sei, halten wir für unzutreffend. Hat sich denn die Firma, welche Ihnen die Heizungsanlage ausgeführt hat, nicht zu der Frage geäussert? W. V. Hrn. Arch. P. in H. Das reichste Material über die beregten Krankenanstalten finden Sie in dem bei A. Bergsträsser in Stuttgart bereits in zweiter Auflage erschienenen Werke von Prof. F. O. K u h n in Berlin. — Stadtbauamt Gr. Ueber Taxationen von alten Gebäuden finden Sie Angaben im „Deutschen Baukalender“, S. 97 ff., welchen Sie durch die Expedition unserer Zeitung beziehen können. — Hrn. Stadtbmstr. Sch. in D. Eine schallsichere Wand, die man zeitweise entfernen kann? Das dürfte zu den unerfüllbaren Wünschen zählen. Nichtsdestoweniger wollen wir die Frage hier¬ mit dem Leserkreise vorlegen. — Anfragen an den Leserkreis. Bei einer nebenbahnähnlichen Kleinbahn der Provinz West¬ falen sind 1200 qm mit Strohdecken gedeckte Hohlziegeldächer feuer¬ sicher einzudecken. Als Feuerschutzmittel sind früher in der Dtschn. Bztg. empfohlen 1. eine Lösung von 3 Theilen Alaun und 1 Theil Eisenvitriol oder 2. 1k Theil schwefelsaures Ammoniak,' 2/a Theile Gips und 1 Theil Wasser. Ich gestatte mir die Anfrage, ob Er¬ fahrungen über Imprägnirung der Strohdecken mit vorstehenden Mitteln vorliegen und welches Verfahren einzuschlag;en sein würde? B. in Münster. Inhalt: Zur Gestaltung von Kunstausstellungen — Die Aenderung der Dienstbezeichnung der „Bauinspektoren“ im Hamburgischen Staatsdienst. — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert H o f m a n n , Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 18 120 EREINSHAUS DES »MOTIV« IN CHAR- LGTTENBURG * ARCHITEKTEN: KGL. REGIERUNGS-BAUMEISTER REIMER UND KÖRTE IN BERLIN * * * * ANSICHTDES KNEIPSAALES UND DES FESTSAALES * PHOTOGR. AUFNAHME VON H. LICHTE IN BERLIN * * * = DEUTSCHE BAUZEITUNG. XXXVII. JAHRG. N5_ 19 = EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * ssrsrsssasrars:« ************** AUZEITUN G. GANG. * .% N2- ig. * DEN 7. MÄRZ 1903. * Ansicht in der Hardenbergstrasse. Photogr. Aufn. v. H. Lichte in Berlin SW. 48. Der Neubau des „Motiv-Hauses“, Hardenbergstr. 6 in Charlottenburg, Architekten: Reimer & Körte in Berlin. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 124.) er Wunsch der aktiven Motiver und der alten Herren, für das „Motiv“, einen im studentischen Leben der kgl. Technischen Hochschule zu Charlottenburg eine hervor¬ ragende Rolle spielenden akademischen Ver¬ ein, ein eigenes Heim zu schaffen, wurde hervor¬ gerufen durch die von Jahr zu Jahr sich steigernde Schwierigkeit, geeignete Räume für die Zusammen¬ künfte des Vereins in gut gelegenen und gut ver¬ walteten Wirthschaften zu bekommen und den hier¬ aus sich ergebenden häufigen Wechsel des Lokales. Die Erfüllung dieses besonders bei Gelegenheit des 50jährigen Stiftungsfestes seitens einer grossen Zahl von alten Herren des Vereins stark betonten Wunsches scheiterte lange Jahre an der Schwierigkeit, die für ein solches Unternehmen erforderlichen beträchtlichen Geldmittel zu beschaffen. Erst als Wilh. Böckmann bei Gelegenheit eines Motiv- Winterfestes für den Ge¬ danken gewonnen war, konnte seiner Verwirklichung ernstlich näher getreten werden. Mit der ihm eigenen Thatkraft nahm er sich des Planes an. Er schlug in richtiger Erkenntniss, dass ein so umfangreiches Unter¬ nehmen nicht von den immerwährend wechselnden Mitgliedern des aktiven Vereins „Motiv“ ins Leben gerufen und verwaltet werden könne, die Begründung einer Aktien-Gesellschaft aus alten Herren des Vereins vor und fand hiermit den Beifall der betheiligten Kreise. Es trat ein Gründungs-Comite zusammen, welches sich unter Böckmann’s Mitwirkung an die Feststellung der zur Durchführung des Planes erforderlichen Mittel und die Auffindung eines geeigneten Grundstückes machte. Namentlich letztere verursachte infolge der hohen Preise des Grund und Bodens in der Nähe der Tech¬ nischen Hochschule in Charlottenburg beträchtliche Schwierigkeiten. Schliesslich wurde das Grundstück „Hardenberg-Strasse 6“, Ecke Knesebeck-Strasse, ge¬ wählt und von Böckmann mit der Verpflichtung, das¬ selbe der Aktien-Gesellschaft „Motiv-Haus“ zum Selbst¬ kostenpreise zu überlassen, erworben, nachdem durch einen Ideen-Wettbewerb, aus welchem Hr. Arch. Georg Roensch in Charlottenburg als Sieger hervorging (s. Jahrg. 1900 S. 373), festgestellt war, dass sich darauf wohl ein den vorhandenen Bedürfnissen genügender Bau er¬ richten Hesse. Das Grundstück hat eine Grösse von 856 q™. Seine spitzwinklige Form machte es äusserst schwie¬ rig, ohne wesentliche Verstösse gegen die Bauord¬ nung ausreichende Festräume zu gewinnen und ver- anlasste schliesslich das Gründungs-Comite, den alten Motivern Reimer & Körte den Auftrag zu ertheilen, eine den Zwecken des Vereins entsprechende, wirth- 121 schaftlich vortheilhafte Ausnutzung des Grundstückes zu ermitteln. Nach den verschiedensten Versuchen, wurde die jetzt ausgeführte Lösung als die verhältniss-' massig einwandfreieste gewählt. Sie ist wesentlich be¬ dingt durch die baupolizeiliche Nothwendigkeit, einen inneren Hof von 80 iS*>j<:i<>i<>SS****** j THAL OBERHALB DER SPERRE VOR | DER AUFSTAUUNG; MAUER WÄHREND " DER AUSFÜHRUNG. SOMMER 1902* * = DEUTSCHE BAUZEITUNG XXXVII. JAHRG. - N°- 21 = *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2* 21. * DEN 14. MÄRZ 1903. * Die Sperrmauer im Bau, Herbst 1902. Rechts Seilbahn zu den Mörtelmisch-Maschinen. Vom Bau der Urft -Thalsperre bei Gemünd in der Eifel. Ingenieur: Geh. Reg.-Rath Prof. O. Intze, Dr. Ing. h. c. in Aachen. (Hierzu eine Bildbeilage.) it Ende dieses Jahres geht der Bau der Sperre im Thale der Urft bei Gemünd i. d. Eifel, eines Nebenflusses der sich in die Maas er- giessenden Rur (oder richtiger Roer) seiner Vollendung entgegen, ein Werk des Geh. Reg.-Rths., Professor an der Technischen Hochschule in Aachen, Dr. Ing. O. Intze. Unter den zahlreichen Ausführungen dieses unermüdlichen Vorkämpfers für den Thalsperrenbau ist diese Anlage nicht nur die weitaus bedeutendste, sondern das durch sie erzeugte Staubecken von 45,5 Milk cbm Wasserinhalt, das mit seiner Oberfläche von 216 ha in Rheinland-Westfalen nur hinter dem Laacher See zurücksteht, ist gleichzeitig die grösste derartige Anlage auf dem europäischen Kontinent. Sie wird in Europa nur übertroffen von der Vyrnwy-Thalsperre*) zur Wasserversorgung der Stadt Liverpool in England. Es wird von Interesse sein, hier noch einige Ver¬ gleichszahlen über den Inhalt europäischer Staubecken anzuführen. **) Danach steht nächst England Spanien, wo die Anlage von Staubecken bis auf die Zeit der maurischen Herrschaft zurückgeht, mit der Stauanlage von Puentas oder Lorca am Guadalantin (Murcia) mit 31,56 Milk cbm an der Spitze. Die Staumauer ist *) Vergl. Deutsche Bauzeitung, Jahrg. 1889 S. 185 u. ff. mit Abbildungen. **) Nach: Carl Borchardt, „Die Remscheider Stauweiher¬ anlage, sowie Beschreibung von 450 Stauweiheranlagen.“ München und Leipzig 1897. Vlg. von R. Oldenbourg. Pr. 10 M. 1881 — 86 errichtet, nachdem die alte, Ende des 18. Jahr¬ hunderts erbaute Mauer, welche 53 Milk cbm aufstaute, im Jahre 1802 eingestürzt war und zu einer schweren, mit dem Verluste vieler Menschenleben verknüpften Katastrophe Veranlassung gegeben hatte. Es folgt Frankreich, dessen 1855 — 58 errichtete Thalsperre von Settons im Dep. Yonne 22 Milk cbm ansammelt, welche der Speisung der Yonne zu Schiffahrtszwecken zugute kommen. Belgien besitzt in der Thalsperre von Gileppe, welche, 1869 — 77 ausgeführt, haupt¬ sächlich zur Wasserversorgung von Ver vier s dient, eine Anlage, die 12,24 Milk cbm zurückhält. Oester¬ reich kann bisher nur wenige kleinere Ausführungen aufweisen, deren keine einen Inhalt von 2 Milk cbm erreicht. Unter den neuerdings oberhalb Hütteldorf am Wienfluss hergestellten Staubecken mit Erd¬ dämmen, welche einerseits Hochwasserschutz bieten, und auch z. Th. der Wasserversorgung dienen sollen, erreicht das grösste noch nicht ganz 1,5 Milk cbm. Er¬ wähnt sei ferner noch, dass die sämtlichen bisher fertig gestellten oder in Ausführung begriffenen Thal¬ sperren in Rheinland und Westfalen, zumeist nach Intze’s Plänen, zusammen noch nicht den Stauinhalt der Urft- Thalsperre erreichen und dass die bisher grösste unter ihnen, die Bever-Thalsperre, nicht mehr als 3,5 Milk cbm anstaut. Was den Kubikinhalt anbe¬ trifft, so werden die alten, aus dem Anfänge des 18. Jahrhunderts stammenden Stauteiche des Harzes von den bisherigen Neuanlagen also kaum übertroffen. i33 Mit der Ausführung der Urft- Thalsperre wird ein dreifacher Zweck verfolgt. Einmal sollen mit Hilfe des Staubeckens die verderblichen Hochfluthen der Urft und damit auch der Rur, welche von dieser ihre Hauptzufuhr empfängt, unschädlich abgeführt, andererseits die Niedrigwasserstände der Rur im Inter¬ esse der Landwirthschaft erhöht und schliesslich soll' der Stau zur Gewinnung elektrischer Energie zu Kraft- und Beleuchtungszwecken ausgenutzt werden. Die letztere Möglichkeit gestattete nicht nur die kostenlose Erreichung der beiden ersten Ziele, sondern versprach so erhebliche wirtschaftliche Vortheile, dass sich eine Gesellschaft unter der Bezeichnung „ R u r t h a 1 s p e r r e n- Gesellschaft m. b. H.“ bildete zum Bau und Betrieb der ganzen Anlage. (NB. Die Bildung einer Thal¬ sperren-Genossenschaft war gesetzlich nicht zulässig.) Diese Gesellschaft wurde gebildet von der Stadt Aachen und den Kreisen Aachen, Düren, Heinsberg, Jülich, Montjoie und Schleiden. Die Gesellschaft plante zunächst eine Reihe ge¬ trennter Staubecken, unter denen eine Sperre im Urft- thale bei Heffgesberg mit 16 Mill. cbm die bedeutend¬ ste war. Die näheren Untersuchungen Hessen aber die Schaffung einer wesentlich grösseren Anlage an anderer Stelle vortheilhafter erscheinen. Eine beson¬ ders günstige Stelle für die Anlage einer Sperrmauer d gnügen, sondern sie beabsichtigt noch die Ausführung it einiger kleiner Thalsperren in der Umgegend von n Montjoie, ferner am mittleren Laufe der Rur 3 An- ;r lagen, welche dazu bestimmt sind, die durch die An- t, läge der Urft -Thalsperre gegebenen Vortheile voll r- auszunutzen. Da durch diese die Wasserführung der 11' Rur eine fast auf das ganze Jahr gleichmässig ver- t- theilte sein wird, so lohnt es sich, durch Turbinen- ie anlagen das durch Abschneiden starker Flusskrümmun- ;e gen bei Heimbach, Blens und unterhalb Nideggen h zu erzielende Gefälle von 7 bis 10 m nutzbar zu te machen, wodurch noch weitere 2000 P. S. etwa zu 1- gewinnen wären. :b Erwähnt sei hier gleich, dass der Bau der Thal- .1- sperre in einer bisher unwegsamen Gegend zunächst die ;.) Schaffung einer schmalspurigen Arbeitsbahn erfor- n derte, die vom Bahnhof Gemünd ausgehend, oberhalb l, der zukünftigen Staugrenze am Berghang bis zur Baustelle geführt ist, z. Th. auf hohen in Holz kon- e- struierten Viadukten. Diese rd. 12 km lange Bahn hat t- einen Kostenaufwand von etwa 250 000 M. erfordert, d- Das Planum soll später als Fahrstrasse dienen zur ;r Aufschliessung .der bisher wenig zugänglichen fis- n kalischen Forsten. Die Bahn ist im Plan, Abbildg. 1, 1- ebenfalls eingetragen. Sie führt, wie unsere Aufnahmen ;r nach der Natur, namentlich das Gesamtbild auf der Bild¬ fand sich im Urftthale etwa 7 km (in der Luftlinie ge¬ messen) unterhalb des Städtchens Gemünd, da sich hier in dem mehrfach gekrümmten, sich stellenweise erweiternden Thale, dessen Länge zwischen Gemünd und der Baustelle etwa i2km beträgt, leicht ein Staubecken mit bedeutender Fassungskraft gewinnen Hess und sich ausserdem günstige Untergrund- Verhältnisse vorfanden. Das inbetracht kommende Niederschlags-Ge¬ biet beträgt 375 cikm, die aus den 12 Jahren 1888 — 1899 ermittelte jährliche Abflussmenge 160 Mill. cbm, die sich so vertheilen, dass eine dreimalige Füllung des Staubeckens im Jahre möglich wird. Im Ueber- sichtsplan, Abbildung 1, sind die Lage der Staumauer und die Ausdehnung des entstehenden Staubeckens bei vollständiger Füllung ersichtlich. Die grösste Stau¬ höhe über Thalsohle, die an der Baustelle etwa auf + 270 N. N. Hegt, beträgt dann 52,5 m (+ 322,50). Der Plan zeigt ferner die Lage des 2800 m langen Kraft¬ stollens, der vom Staubecken nach Schwammen¬ auel oberhalb Heimbach an der Rur geführt ist und der dortigen Turbinenanlage das Wasser mit einem Gefälle von rd. uom zubringt. Die Mindest¬ leistung des Kraftwerkes soll 4800 P. S. in 7200 Ar¬ beitsstunden des Jahres betragen. Die thatsächliche Leistung wird sich jedoch nicht unwesentlich höher, auf 6 — 8000 P.S., stellen. Vorgesehen sind 8 Turbinen von je 1250 nutzbaren P. S. Die Rurthalsperren- Gesellschaft will sich übri¬ gens keineswegs mit der einen grossen Anlage be- beilage zeigen, durch eine reizvolle Gegend, deren Cha¬ rakter durch die Anlage des Staubeckens allerdings wesentlich verändert wird. (Nur der im Vordergründe sichtbare Bergkegel wird später noch gerade mit der Spitze aus dem Wasserspiegel herausschauen.) In Abbildg. 2 ist der Lageplan der Thalsperre selbst zur Darstellung gebracht. Er zeigt die Stau¬ mauer, welche eine Kronenlänge von 226 m besitzt und nach einem Krümmungshalbmesser von 200 m ge¬ bogen ist, eine Form, welcher Intze gegenüber der von anderen Konstrukteuren jetzt häufiger angewendeten geraden Form mit Rücksicht auf die Unschädlich¬ machung des Einflusses der Wärme-Ausdehnung den Vorzug gibt. Neben der Sperrmauer an dem einen Thalhang ist ein kaskadenförmiger Ueberfall angeordnet, der das überschüssige Wasser bei gefülltem Becken abführen soll und bis 100 cbm/Sek. leisten kann. Das Wasser wird über ein Sturzbett dem Unterlauf der Urft wie¬ der zugeführt. Der Lageplan zeigt ferner den Erd- Fangedamm, welcher zur Absperrung des Fluss¬ laufes behufs Trockenlegung der Baustelle nöthig wurde und den etwa 140 m langen Stollen, welcher während der Bauzeit das Wasser der Urft neben der Baustelle durch den vorspringenden Felsrücken führt und in seinem Querschnitt ebenfalls auf ioocbm/Sek. bemessen ist, während die bei grösstem Hochwasser beobachtete Wassermenge sich nur auf 80 cbm/Sek. stellt. Dieser Stollen bleibt später in etwas verän- No. 21. 13+ derter Gestalt, auf die wir noch zurückkommen, als Entlastungsstollen bestehen. Der Untergrund an der Baustelle besteht aus von Grauwacke durchsetztem Devonschiefer, dessen Schichten etwa unter 45 0 gegen das Becken einfallen. Im allgemeinen fand sich nach Abräumung der oberen Schichten schon in 4m Tiefe fester, zur Gründung geeigneter Fels. Die grösste Gründungstiefe beträgt etwa 6m. Vor Herstellung des Fundament- Mauer¬ werkes sind alle Risse der Felssohle mit flüssigem Zementmörtel sorgfältig gedichtet. Seitlich bindet die Mauer in Schlitze der Thalhänge ein, wie aus der Ansicht der in Ausführung begriffenen Mauer auf der Bildbeilage ersichtlich ist. — (Schluss folgt) Der Teltow -Kanal. Ingenieure: Königl. Bauräthe Havestadt & Contag in Berlin -Wilmersdorf. (Schluss.) g. Die Betriebsanlagen des Kanales. (Schluss.) ß. Der elektrische Treidelbetrieb. er Kreis Teltow hat das Recht und zu gleicher Zeit auch die Pflicht übernommen, den Kanal¬ betrieb einheitlich zu regeln. Es ist dies nur möglich mittels einer einheitlichen mecha¬ nischen Treidelung, welche bei den hier vorliegenden Verhältnissen nicht gut anders als elek¬ trisch gedacht werden kann. Die Zukunft wird jeden¬ falls die Anlage einer elektrischen Bahn beiderseits des Kanales bringen; für gewisse Strecken, so für die Durchfahrung des Griebnitzsees, des Machnowsees, wird die Einstellung von Schleppern nöthig werden. Ob man sich in der ersten Zeit vielleicht lediglich auf den Schleppbetrieb beschränkt und die Anlage der seitlichen Lokomotiv-Treidelei der Zukunft vor¬ behält, steht noch dahin. Es ist seitens der Teltow¬ kanal-Bauverwaltung im vorigen Jahre ein Wettbewerb zwecks Gewinnung geeigneter Vorschläge für die Ein¬ richtung des elektrischen Treidelbetriebes veranstaltet worden, an welchem 20 Firmen theilnahmen; sehr eingehend durchgearbeitete Entwürfe sind auch ein¬ gegangen, eine endgiltige Lösung hat das Preisaus¬ schreiben indessen nicht gezeitigt. Es wird beab¬ sichtigt, im Laufe des Sommers auf einer Strecke von 1,5 km einen Versuch zu veranstalten, mit elektrischen Lokomotiven sowohl wie mit Schleppern, bevor ein cndgiltiger Plan für die Zwangstreidelei aufgestellt wird. Es wird voraussichtlich dann der Anlage einer oder mehrerer eigener elektrischer Zentralen bedürfen, die gleichzeitig den Kanal mit Licht speisen und der Industrie Kraft zuführen sollen. h. Kosten. Die Kosten des Kanales betragen nach dem Vor¬ anschläge für die Hauptlinie und die Verbindungslinie Britz-Kanne 25,25 Mill. M. Darin ist der Grunderwerb mit 3,6 Mill. enthalten; 10,5 Mill. sind für Erdarbeiten ausgeworfen, der Rest enttällt auf die Bauwerke, Ufer¬ befestigungen usw. Der Grunderwerb wird nicht un¬ erheblich überschritten werden. Dies liegt zumtheil daran, dass der Preis des Geländes im Laufe der letzten Jahre ganz ungewöhnlich gestiegen ist, während andererseits eine grosse Anzahl von Trennstücken hat erworben werden müssen, die allerdings später wieder dem Grunderwerbskonto zugute kommen. Diese Ueber- schreitung der für den Grunderwerb ausgeworfenen Summe konnte auch dadurch nicht verhindert werden, dass auf viele Kilometer Streckenlänge der Grund¬ erwerb unentgeltlich war. Es haben sich nämlich längs des Kanales Terrain -Gesellschaften gebildet, welche den Grund und Boden unentgeltlich hergaben gegen die Berechtigung, auf eigene Kosten sich Er¬ weiterungen des Kanales um eine bezw. zwei Schiffs¬ breiten hersteilen zu dürfen. Ein Theil dieser Er¬ weiterungen gelangt bereits bei der Herstellung des ersten Kanalprofiles zur Ausführung. Der eigentliche Bauanschlag, also die Titel : Bau¬ werke, Erdarbeiten, Uferbefestigungen sind durch be¬ hördliche Mehrforderungen, durch landespolizeiliche Auflagen, durch Zugeständnisse, welche anlnteressenten und Gemeinden insbesondere bezüglich der Brücken¬ breiten gemacht worden sind , gleichfalls nicht un¬ wesentlich erhöht worden. Es werden auf diese Weise für etwa 3,7 Mill. M. Mehrausgaben entstehen, die nur zumtheil durch Ersparnisse infolge günstiger Verge¬ bung der Arbeiten wieder eingebracht werden. 14. März 1903. i. Verkehrsaussichten. Was den Verkehr auf dem Kanal angeht, so ist in den allgemeinen Vorarbeiten mit einem Anfangs¬ verkehr von rd. 1,4 Mill. ‘ gerechnet, von denen 400000* auf den Ortsverkehr und der Rest auf den Durchgangsverkehr zur Oder und Oberspree entfallen. Die Ziffer von 400 000 * für den Lokalverkehr wird voraussichtlich bereits bei der Kanaleröffnung nicht unerheblich überschritten werden, ja vielleicht das Doppelte betragen, sodass mit einem Anfangsverkehr von 2 Mill. 1 mit ziemlicher Sicherheit gerechnet wer¬ den darf. Die Abgabenfrage ist noch nicht geklärt. Es ist damit gewartet, bis der neue Tarif für die märkischen Wasserstrassen inkraft getreten ist. Die Sätze müssen sich in einer Höhe bewegen, welche eine angemessene Verzinsung und Unterhaltung des Kanales ermöglichen; sie waren von Hause aus an¬ genommen für die Durchgangsschiffahrt zu rd. 20 Pf./i * und für den Lokalverkehr auf 60 Pf./' 1 1 . Der Durch¬ gangstarif entspricht, da der Kanal 37 km lang ist, etwa einem Satze von 0,54 Pf./tkm. Innerhalb von Berlin wer¬ den z. Zt. gezahlt bei einer Durchfahrt für 2 Schleusen- Hebestellen 2 . 8 = 16 Pf. Dazu dürfte als Aufschlag noch gerechnet werden die Wegersparniss für den Durchgangsverkehr nach der oberen Oder mit 12 Pfg. und für den Durchgangsverkehr nach der Oberspree mit 10 Pf.; das wären 28 bezw. 26 Pf. Vorstehende Sätze von 12 bezw. 10 Pf. stellen die reinen Traktions¬ kosten für eine Wegersparniss von 16 bezw. 13,5 km dar, welche sich bei einer Benutzung des Teltowkanales gegenüber der Fahrt durch Berlin ergeben. Wie der Tarif endgiltig festgestellt werden wird, unterliegt noch weiterer Erwägung. Was die Berechnung der Kosten für den elektrischen Schleppzug anlang, so war das Ergebniss des Preisausschreibens insofern nicht günstig, als bei 1,5 Mill. 1 Anfangsverkehr sich das Tonnen¬ kilometer Zugkosten noch auf i. M 0,8 Pf. stellte. Es ist zu hoffen, dass sich dieser Satz nicht unwesentlich ermässigen lassen wird, wenigstens wird dies bei er¬ höhten Verkehrsziffern der Fall sein. Auf alle Fälle wird die Tariffrage nur in Gemeinschaft mit der Ge¬ bühren -Erhebung für den elektrischen Schiffszug zu erledigen sein. Was den Satz von 60 Pf. für den Lokalverkehr anlangt, so bestimmt sich dieser aus Rücksichten des Wettbewerbes mit den übrigen für den Ortsverkehr in¬ betracht kommenden Verkehrs- und Zufuhrwegen. Es ist ermittelt, dass bei einer Erhebung von 60 Pf. für 1 * der Bezug von Kohle, Baumaterial usw. sich nicht unwesentlich gegen den jetzigen Zustand verbilligt. Der Satz von 60 Pf. dürfte daher unter Umständen noch eine Aufhöhung erfahren können. Wann eine Rentabilität des Kanales zu erwarten steht, kann natürlich nicht vorausgesagt werden. Bei einem Anfangs verkehr von 1,5 — 2 Mill. 1 wird der Kreis noch Zubussen zu leisten haben. Bei einem Verkehr von rd. 3 Mill. * wird ungefähr die Grenze liegen, wo¬ selbst das Anlagekapital eine angemessene Verzinsung erfährt. Geht der Verkehr darüber hinaus, so wird man, sofern an der Bedingung festgehalten wird, dass eigent¬ liche Ueberschüsse nicht erzielt werden sollen, die Tarife weiter ermässigen können. So viel ist jeden¬ falls ersichtlich, dass der Kanal in Wettbewerb treten kann mit den Inner-Berlinischen Wasserstrassen, und dass er Anspruch darauf erheben darf, in den Kreisen der Handels- und Schiffahrtstreibenden als eine will¬ kommene und zeitgemässe Erweiterung des Berliner Wasserstrassennetzes angesehen zu werden. i35 k. Organisation der Ausführung. Der Kanal wird allein aus den Mitteln des Kreises gebaut; der Kreis mit seinem Landrath an der Spitze, hat eine aus dem Kreisausschuss und 7 Kreistags-Mit¬ gliedern bestehende Kanal-Kommission gebildet. Die geschäftsführende Behörde, welche den Kanal zu er¬ bauen und betriebsfähig zu machen hat und welcher der Verkehr mit den Behörden, insbesondere auch das Grunderwerbsgeschäft, die Feststellung der Entwürfe, der Abschluss und die Abwicklung der Verträge mit den Unternehmern usw. obliegt, ist die „Teltowkanal- Bauverwaltung“. Sie besteht aus 2 Technikern und 1 Juristen sowie einigen technischen und juristischen Hilfsarbeitern _ nebst einem bescheidenen Schreib- und Registratur¬ apparat. Die Entwurfs -Be¬ arbeitung, die Bauleitung und Abrech¬ nung einschl. der Stellung des gesamten Aufsichtsper¬ sonals sind der Ingenieur- Firma Have- stadt&Con- tag übertra¬ gen. Die Bau¬ verwaltung hat ihre Ge¬ schäftsräume im Atelier-Ge¬ bäude derFir- ma Havestadt & Contag in Wilmersdorf. Hierdurch, so¬ wie durch den Umstand, dass der Vorsitzen¬ de derTeltow- kanal-Bauver- waltung zu¬ gleich Mitin- Die evangelische Kirche zu Obornik. haberderbau¬ leitenden Ingenieur-Firma ist, wird ein unmittelbarer persönlicher Verkehr zwi¬ schen der Teltowkanal- Bauverwaltung und der Bauleitung gewährleistet. In allmonatlichen ge¬ meinschaftlichen, im Kreis¬ haus stattfindenden Sitzun¬ gen derKanal-Kommission, derBauverwaltung und der Bauleitung werden die Ent¬ würfe, die Grunderwerbs-, die Lieferungs- und Arbeits¬ verträge berathen und end¬ gültig festgestellt. Auch der Verkehr mit den Behör¬ den hat sich erfreulicherweise grösstentheils zu einem mündlichen gestaltet. Die beiden Kommissare der Pots¬ damer Regierung und ein höherer Techniker des Arbeits- mmisteriums nehmen an den vorgedachten gemtln- schaftlichen Sitzungen regelmässig theil. So wird kurzer Hand mündlich das meiste erledigt und der schriftliche Verkehr — wenigstens in technischen An¬ gelegenheiten— auf das allernoth wendigste beschränkt. Das Zusammenarbeiten hat sich in jeder Beziehung derart harmonisch und fördersam gestaltet, dass es für jeden der Betheiligten bisher ein Genuss geblieben ist, an dieser Aufgabe mitzuwirken. Die Ausschreibung der Erd-, Maurer- usw. Arbeiten ist bisher grösserentheils in öffentlicher Submission er¬ folgt. Die eisernen Brückenbauten sind für Strecke 1, 3 und 4 (vergl. den Uebersichtsplan Seite 68) in öffent¬ licher Submission, für die übrigen Strecken in engerer Submission vergeben. Die Baggerungen im Griebnitz- See werden im Selbstbe¬ trieb derBau- Verwaltung mit eigenen Baggern aus¬ geführt wer¬ den. Die Aus¬ führung der Erd-, Mau¬ rer- usw. Ar¬ beitenwurde vertheilt an die Firmen Phil. Holz¬ mann & Cie. in Frankfurt a. M. (Theil- strecke 1 , 4, Loos 2 und 3 einschl. der Schleuseohne Aufbauten) mitzusammen 1 745 7i5>62 M. , Tietbau- ges.-B. Witt- kop in Berlin Theilstreckeg Loosi,5Loos 4, 5a — 7 b mit zusammen 5747452,88M-, Bach stein in Berlin zu- sammenmitS ager&Wör- ner in München, Theil- strecke 8 mit 2101 247,38 M , Säger & Wörner allein, Theilstr. 7b mit 2135307,10 M. Die provisorische Verlegung der Bahnen bei Kohlhasenbrück hat die Firma Janicke in Ber¬ lin für 68291 M. ausgeführt. Die Eisen-Konstruktio¬ nen der Brücken sindver- geben worden an die Fir¬ men Steffens & Nölle in Berlin für 751485,80 M , an Beuchelt & Co. in Grüneberg i. Schl, für 422500 M., an Thyssen in Berlin für 89320 M. Insgesamt sind für 13087835,78 M. Arbeiten vergeben worden. — ehr. Havestadt. \rchitekt: Reg.-Bmstr. A. Menken iti Berlin. Mittheilungen aus Vereinen. Arch.- u. Ing.-Vereln zu Hamburg. Vers, am 19. Dez. 1902. Vors. Hr. Zimmermann, anwes. 131 Pers., wieder¬ auf gen. als Mitgl. Hr. Arch. Puttfarcken. Nach kurzen geschäftlichen Mittheilungen berichtet Hr. Löwengard über einen von einem hiesigen Privat¬ manne geplanten architektonischen Wettbewerb zur Er¬ langung von Entwürfen für ein Wohnhaus an der „Schönen 136 Aussicht" hierselbst, wobei ein vom Bauherrn selbst an¬ gefertigter Grundriss als Grundlage dienen sollte, allerdings unter Zulassung von Aenderungen in beschränktem Maasse. Nach einer kurzen Besprechung, an der sich die Hrn. Viol, Kallmorgen, Löwengard, Groothoff und Haller betheiligen, beschliesst der Verein, den Antrag des Wettbewerbs- Ausschusses auf Veranstaltung dieses Vereins-Wettbewerbes mit Rücksicht auf diese, die Freiheit des Architekten beschränkenden Bestimmungen abzulehnen. No. 2r. 14. März 1903. Darauf erhielt das Wort Hr. Vermehren, welcher dem Verein mittheilt, dass die technischen Oberbeamten des Ingenieurwesens der 1. Sektion der Baudeputation ein von der Hand Prof. Duyffkes hergestelltes Bildniss unseres verstorbenen Ehrenmitgliedes F. Andreas Meyer erworben haben und dasselbe dem Verein zum Geschenk zu machen wünschten. Mit herzlichen Worten der Er¬ innerung an den zu früh Dahingeschiedenen und unter Vortrag einiger von Oscar Roeper bei Gelegenheit der Feier des 25jährigen Amtsjubiläums Meyer’s gedichteter Verse enthüllt Hr. Vermehren das im Saale aufgestellte Bild, bittet, dasselbe annehmen und ihm einen würdigen Platz im Sitzungssaale gewähren zu wollen. Hr. Zimmer¬ mann dankt im Namen des Vereins für diese hochherzige Gabe und verspricht, dem Bilde im Sitzungssaale einen würdigen, der Bedeutung des Dahingeschiedenen für den Verein entspre¬ chenden Platz gewähren zu wollen. Es erhält dar¬ auf das Wort Hr. Haller, welcher unter Bezugnahme auf die im Saal ausgestellten Zeichnungen einen Vortrag über das von ihm neu er¬ baute Gebäude der V ereins- bank am Al¬ tenwall hält. Aus den Aus¬ führungen des Redners geht hervor, dass das ausKeller-,Erd- und 4 Ober-Ge¬ schossen beste- hendeGebäude am Altenwall 2 Eingänge be¬ sitzt, von denen einerfürdieBe- amten und für einige in den Obergeschos¬ sen unterge¬ brachte Dienst¬ wohnungen, der andere da¬ gegen für das die Bank be¬ suchende Pu¬ blikum dient. Als hervorra¬ gendster Raum des Hauses wird die grosse Halle für den Giro-, Kassen- und Sparkas¬ senverkehr mit dem Publikum erwähnt. Diese Halle ist über¬ wölbt und steht durch auf Mar- morpfeilern ruhende Bögen mit den Geschäftsräumen der Beamten inoffener Verbindung. In Hufeisenform umschliesst sie den mittleren, durch zwei Geschosse reichenden und durch Oberlicht erhellten Kassenhof. An der einen Wand dieses Kassenhofes liegt in einem Vorbau aus weissem Marmor der Kassentresor. Die eigenartige hufeisenförmige Anord¬ nung der Halle für das Publikum wurde gewählt wegen der grossen Zahl von 22 Schaltern zum Verkehr der Reskonten- lührer mit dem Publikum. An der Strassenfront liegt die „Abtheilung für Werthpapiere", die durch eine besondere Treppe und einen Aktenaufzug mit dem im Keller be- legenen Banktresor in Verbindung steht. Im 1. Oberge¬ schoss sind an der Strassenfront die Vor-, Arbeits-, Sitzungs¬ und Sprechzimmer des Vorstandes und des Aufsichtsrathes angeordnet. Der übrige Theil des 1. Obergeschosses wird von dem Haupt- und Wechselbureau, der Expedition, der Korrespondenz und dem Sekretariat eingenommen. Im 2. Obergeschoss liegt die Buchhalterei, im 4. das Bank¬ Die evangelische Kirche zu Obornik. Architekt: Reg.-Bmstr. A. Menken in Berlin. archiv, beide durch Treppen und Aktenaufzug mit den unteren Bureauräumen verbunden. Im Keller belinden sich in der Mitte des Gebäudes der Banktresor und das Panzergewölbe mit Sicherheitskammer. Beide annähernd gleich grossen Gewölbe haben eine Bodenfläche von zus. 368 qm und ruhen auf einem mächtigen, von Eisenschienen durchsetzten und bis zum Grundwasserstande hinabreichen¬ den 2 m starken Betonblock. Vor dem Panzergewölbe liegt längs der Strasse der geräumige Kundensaal. Er hat seinen Zugang vom Eingangsvestibül und steht durch eine Wendeltreppe mit dem darüber liegenden Effektenbureau in Verbindung. Redner macht dann noch weitere Miltheilungen über die Konstruktion der Panzergewölbe und deren Thüren, deren Wiedergabe hier zu weit führen würde. Bezüglich der Ausstattung des Gebäudes theilt Redner mit, dass • dieVorderfront durchweg in Oberkirchener Sandstein mit Granitsockel, die inneren Hö¬ fe in glasierten Verblendern, die Fleethseite in gelblichen Verblendstei¬ nen unter theil- weiser Ver¬ wendung von Sandstein aus¬ geführt sind. Mit Ausnahme des hölzernen Dachstuhles sind sämtliche Balkenlagen des Gebäudes massiv herge- stelltund ruhen in Monierkon¬ struktion auf eisernen Trä¬ gern und guss¬ eisernen Säu¬ len Am Schlüs¬ se seines, mit lebhaftem Bei¬ fall aufgenom¬ menen Vortra¬ ges forderte der Redner die Mit¬ glieder desVer- eins zu einer Besichtigung des Gebäudes am folgenden Tage auf. -Zum dritten Gegen¬ stände der Ta¬ ges - Ordnung wurde dem als Gast anwesen¬ den Hrn. Am¬ berg das Wort ertheilt, wel¬ cher einen Vor¬ trag über die Moore zwi¬ schen Elbe- und Weser¬ mündung hält. Redner schildert in fesselnder Weise den Charakter dieser von Touristen wenig besuchten Gegend , welche ihre eigenartigen landschaftlichen Reize dem Besucher namentlich dann offenbart, wenn bei stürmisch bewegter Luft, unter den stimmungs¬ vollen Beleuchtungseffekten schwerer Gewitterwolken, fast dunkelblaue Farbentöne das eigenthümlich leuch¬ tende Grün der spärlich vorhandenen Wiesenflächen un¬ terbrechen. Auf die Einrichtungen und Konstruktionen der dorti¬ gen Bauernhäuser eingehend bezieht sich Redner auf die im Saale in grosser Zahl ausgestellten Aquarell- Skizzen. Mit der Schilderung des anfänglich zurückhaltenden, aber bei näherer Bekanntschaft sich auch dem Fremden freund¬ lich erschliessenden Charakters der Bewohner dieser Land¬ striche schliesst Redner seinen Vortrag, für welchen ihm seitens der Versammlung lebhafter Beifall zutheil wird. — Hm. 137 Arch.- u. Ing.-Verein zu Magdeburg. In der Sitzung am 4. März machte Hr. Brth. Priess Mittheilungen über Kloster und Kirche U. L. Frauen zu Magdeburg, eine der ältesten Anlagen in Deutschland und, was die Gesamtanlage, Ausstattung und Erhaltung angeht, eines der hervorragenderen unter den deutschenKlöstern des 12. Jahrh. Der Kreuzgang umschliesst ein Rechteck von 31 . 24 m und öffnet sich nach Nord und Süd mit 7, nach Ost und West mit 9 Rundbögen nach dem inneren Hofe. Jeder von diesen Bögen umschliesst wieder 3 kleinere Rundbögen, welche von 2 Säulchen oder Pfeilern getragen werden. Der Gang selbst ist mit scharfgratigen Kreuzgewölben überspannt, welche theils auf Wandpfeilern, theils auf Konsolen ruhen. Auf der Ostseite befindet sich ein zweigeschossiger Rund¬ bau, das alte Brunnenhaus oder Tonsur, ein prachtvoller Feldsteinbau mit Kegeldach, ebenfalls aus Feldsteinen. Am Südtheile des Westflügels schliesst sich eine zweischiffige Halle an, deren Kreuzgewölbe auf 4 Säulen ruhen; sie diente wahrscheinlich als Sommerremter. Am Nordflügel ist der alte Remter (Winterrefektorium) angeordnet, ein mit einem halbkreisförmigen Tonnengewölbe überspannter Saal. Südlich zwischen Kreuzgang und Kirche liegt ein Raum, Sakristei genannt, welcher von 3 Paar schlanken Stützen in 3 gleich hohe Schiffe geschieden wird. Be¬ sonderes Interesse beanspruchen die paarweise symme¬ trisch gebildeten Stützen. Die beiden östlichen sind quadra¬ tisch mit Säulchen in den Ecken, die mittleren sind Säulen und die westlichen wiederum sind achteckig. Alle zeigen einen reicher entwickelten Stil. Zwischen dem Kreuz¬ gange, dem nördlichen Seitenschiffe der Kirche und dem Kreuzarme liegt schliesslich noch ein Bautheil, bestehend aus 2 Tonnengewölben übereinander, der heute noch als pönitentiarium (Karzer) bezeichnet wird. Das aus Bruch¬ steinen hergestellte Mauerwerk des Kreuzganges erweckt mit seiner derben Fügung den Eindruck einer trotzigen Kraft; derselbe wird gemildert durch die Anmuth der Ein¬ zelformen und die wechselnden Durchblicke nach dem Garten. Alle Sandsteinarbeiten sind ungemein verwittert. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Klosters geht der Vortragende zur Kirche über. Diese stammt dem Grundriss nach aus der romanischen Zeit. Um 1070 waren Chor, Kreuzschiffe und Thürme fertig, das Mittelschiff erst später. Für denjenigen, welcher durch den westlichen Haupteingang die Kirche betritt, gewährt sie mit ihren Bündelpfeilern und Rippengewölben den Eindruck eines frühgothischen Bauwerkes, erst bei näherer Betrachtung sieht man, dass hinter den bündelartigen Vor¬ lagen noch die Pfeiler eines romanischen Baues erhalten sind. Die ursprüngliche Kirche war eine dreiscjhiffige Basilika mit einschiffigem Querhause, quadratischem Chor mit Apsis und hatte eine Holzdecke. Im Langhause über- Bücher. enn es wahr ist, dass der Plan von „Des Knaben Wunderhorn" bis vor Tiecks Minnelieder zurückgeht, die unter dem Titel „Minnelieder aus der schwäbi¬ schen Vorzeit" im Jahre 1803 in Berlin erschienen, dann könnten die Bestrebungen zur Erhaltung des Volks¬ thums und zur Erhaltung und Wiedergewinnung einer Volkskunst bereits auf eine mehr als hundert¬ jährige Entwicklung zurückblicken. Vielleicht hängt der Plan zusammen mit dem Roman, welchen Tieck im Jahre 1798 unter dem Titel: „Franz Sternbald’s Wanderungen" herausgab, in welchem er die damals sogenannte „alt¬ deutsche“ Kunst verherrlichte und sie in Gegensatz brachte zu den Anschauungen der aufgeklärten Gesellschaft, die im XVIII. Jahrhundert glaubte nicht genug von der „Finster¬ niss" des Mittelalters sprechen zu können. Jedenfalls ging aus dem Kreise, welcher sich um Ludwig Achim von Arnim und Clemens Brentano gruppierte und aus dessen Anschauungen in der Sammlung von Volksliedern mit dem Titel „Des Knaben Wunderhorn“ die erste pro¬ grammatische Stellungnahme für die deutsche Vergangen¬ heit hervor. Der Grundgedanke des „Wunderhorns“ war, dem deutschen Volke zu zeigen, wie viel und wie wenig es besitze, und das im Laufe des XVIII, Jahrhunderts, unter der Herrschaft des französischen Geistes, stark ver¬ achtete deutsche Volkswesen wieder zu der Bedeutung emporzuheben, die ihm nach der Ansicht der Romantiker jener Tage zukam. Der Heidelberger Philologe Creuzer, welcher unter dem Eindrücke der Ruinen des Heidel¬ berger Schlosses die „neudeutsche Kleinheit" fühlte, be- zeichnete das Schloss als einen Ort für Männer, „die das alte grosse Deutschland im Herzen tragen". Das Ansehen für die Kunst dieses alten grossen Deutschland wieder zu erwecken, der damaligen Gesellschaft „die frohe Morgen¬ luft altdeutschen Wandels“ wieder zuzuführen, das war in erster Linie die Absicht der Herausgeber des Wunder- 138 rascht der Wechsel der Säulen und Pfeiler. Den beiden westlichen kreuzförmig angelegten Vierungspfeilern ent¬ sprechen an dem anderen Ende des Langhauses 2 Pfeiler von gleicher Gestalt, während in der Mitte auf jeder Seite ein quadratischer Pfeiler angeordnet war. Die so geschaffe¬ nen Zwischenräume wurden je durch 3 Stützen von be¬ sonderer Bildung ausgefüllt, Rundsäulen und achteckige Pfeiler. Als man daran dachte, die Kirche zu wölben, verstärkte man die Pfeiler durch Vorlagen und legte vor die alte romanische Wand spitze Blendbögen. Die auf diese Weise gewonnene Verstärkung des Mauer¬ werkes wurde zur Anlage eines Umganges in Höhe der Fenster benutzt. Um dem Gewölbeschub zu begegnen, fügte man dem Mittelschiff Strebepfeiler an, welche auf über die Seitenschiffe gespannten Strebebögen ruhen. Die Zeit der Ueberwölbung steht nicht genau fest und fällt in die Zeit 1215— 1250. Das Langschiff erhielt sechskappige, die Kreuzarme siebenkappige Gewölbe, Chor und Vierung Kreuzgewölbe aus möglichst senkrecht gestellten Bruch¬ steinen. Unter dem Chor befindet sich die Krypta, der älteste Theil des Bauwerks, ein Rechteck mit Apsis, wel¬ ches durch zweimal 3 Säulen in 3 Schiffe getheilt ist, von denen das mittlere etwas breiter als die Seitenschiffe ist. Zu ihr führten 2 seitlich des mittleren Choraufganges ge¬ legene Steintreppen. Interessant ist das Glockenhaus, ein hoher Giebelbau mit einem von Ost nach West gerichteten Satteldach, welcher rechts und links von 2 noch höheren Treppenthürmen überragt wird. Das jetzige Westportal scheint später angelegt zu sein. 1890—91 fand eine durch¬ greifende und sorgfältige Wiederherstellung der Kirche unter Leitung des Reg.-Bmstr. J. Kohte statt. Von ihm ist eine ausführliche Abhandlung über Kloster und Kirche in der Zeitschr. f. Bauw. 1895 veröffentlicht. — ß Vermischtes. Die evangelische Kirche zu Obornik in Posen. Durch König Friedrich Wilhelm III. war im Jahre 1821 der evangelischen Kirchengemeinde zu Obornik das ehemalige Franziskaner-Kloster zur Einrichtung einer Kirche und eines Pfarrhauses überlassen worden. Da diese Kirche aber nicht ganz 500 Sitz- und Stehplätze hatte, so war sie seit den 50er Jahren, seitdem sich die Seelenzahl des Kirchspiels Obornik auf ungefähr 4000 Köpfe vermehrt hatte, nicht mehr zu den gottesdienstlichen Versammlungen ausreichend. So wurde denn der Bau einer neuen Kirche beschlossen und seit 1864 ein Baufonds gesammelt, dessen Höhe schon im Jahre 1899 der Gemeinde gestattete, ohne staatlichen Zuschuss mit dem Kirchenbau zu beginnen, der nach den Entwürfen des Hrn Reg.-Bmstr. A. Menken in Berlin ausgeführt und am 16. Okt. 1891 eingeweiht wurde. horns. „Wir suchen alle", schliesst Arnim eine Abhandlung über Volkslieder, „etwas Höheres, das goldne Flies, das allen gehört, was der Reichthum unseres ganzen Volkes, was seine eigene innere, lebende Kunst gebildet, das Ge¬ webe langer Zeit und mächtiger Kräfte, den Glauben und das Wissen des Volkes, was sie begleitet in Lust und Tod, Lieder, Sagen, Kunden, Sprüche, Geschichten, Prophe¬ zeihungen und Melodieen, wir wollen allen alles wieder¬ geben, was im vieljährigen Fortrollen seine Demantfestig¬ keit bewährt, nicht abgestumpft, nur farbespielend ge¬ glättet, alle Fugen und Ausschnitte hat zu dem allgemeinen Denkmahle des grössten neueren Volkes, der Deutschen“. Es ist kaum etwas anderes, wenn heute, nach 100 Jahren, der „Verein für Volkskunst und Volkskunde“, der im vergangenen Jahre in München gegründet wurde und der schon jetzt 800 Mitglieder zählt, erklärt, er wolle „unseren Nachkommen ein Bild von dem früheren Leben unseres Volkes erhalten und die Ueberreste aus denk¬ würdigen Zeiten sammeln, ehe sie vor unseren Augen in der alles gleich machenden Gegenwart untergehen“. Die letztere Wendung erinnert wieder an ein Wort Arnims aus dem Jahre 1805: „Wäre ich ein Bienenvater, ich würde sagen, das war der letzte Bienenstock, er wollte eben weg¬ schwirren, es hat uns wohl Mühe gemacht, ihn im alten Hause zu sammeln, bewahrt ihn, stört ihn nicht, geniesst seines Honigs wie recht." Waren es damals infolge der noch andauernden Herr¬ schaft des klassischen Alterthums zunächst nur die litte- rarischen Kreise, welche sich der deutschen Vergangenheit und dem deutschen Volksthum widmeten, so sind es heute in erster Linie die künstlerischen Kreise, welche den alten Volksschatz sammeln und künftigen Geschlechtern erhalten wollen. Der vorhandene Schatz an Schriftthum ist längst geborgen. Der in München gegründete Verein will das Volk „über den Werth seines alten Besitzes, über das Gute und Schöne seiner überkommenen Bauweise, seiner Dorf- und Marktstrassen, seiner Stadt- und Strassenbilder No. 21. Die Kirche ist eine einschiffige Kreuzkirche (s. die Abbildgn. S. 136 u. 137) mit geradem Chor und rechteckigem Thurm, der oben in das regelmässige Viereck übergeht und eine schlanke Thurmspitze erhalten hat. Sie weist unten 600 und auf den Holz -Emporen 132, imganzen 792 Sitzplätze auf. Das Aeussere ist einfach im gothi- schen Backsteinstil gehalten und mit Putzflächen belebt; das Innere, welches in gothischer Art mit kräftigen Farben bemalt ist, wurde reicher gehalten. Der Bau hat ohne die Stiftungen (Orgel, Altar und 2 Fenster) 130000 M. gekostet. Die Maurer- und Zimmerarbeiten führte Laue in Obornik aus; die Tischlerarbeiten fertigte Witthaus in Graudenz, die Modelle zu den Kapitalen mit frühgothischem Ornament und den Konsolen mit wohlgelungenen Charakter¬ köpfen lieferte Bildhauer Massier in Hannover. Die bei¬ den Glasgemälde sind von Müller in Quedlinburg, Kanzel, Altartisch und Taufstein von Bildhauer Hilf in Limburg a. L. Die reichen schmiedeisernen Beschläge an den Por¬ talen und Innenthüren lieferte der Kunstschmied Ruthke in Obornik, die Beleuchtungskörper dagegen Golde & Raebel in Berlin. Die farbenprächtige Ausmalung ist das Werk des Malers Ferdinand Busch in Schöneberg. — Mit dem neuen kgl. bayer. Ober-Baudirektor Hans Ritter von Sörgel ist zum ersten Mal auf diese Stelle ein Staatsbaubeamter berufen worden, der, wie die M. N. N. schreiben, nicht wie bisher, die Staatsprüfung in beiden Fächern des Staatsbaufaches, der Architektur und dem In- enieurwesen, ablegte. Sörgel ist vielmehr Ingenieur. Er erhielt 1872 seine erste Anstellung als Assessor des kgl. Strassen- und Flussbauamtes Weilheim, wurde 1880 zum kgl. Bauamtmann und Vorstand des Strassen- und Fluss¬ bauamtes Weiden befördert, dann in gleicher Eigenschaft 1883 an das Strassen- und Flussbauamt Regensburg und 1888 an das Strassen- und Flussbauamt Traunstein ver¬ setzt und von hier aus 1892 zum kgl. Regierungs- und Kreisbaurath bei der Regierung von Oberfranken in Bay¬ reuth ernannt. In diesem Zeitraum hatte Sörgel eine An¬ zahl bedeutender Strassen- und Brückenbauten, sowie aus¬ gedehnte Flusskorrektionen am Lech, dem Inn und der Salzach usw. zur Ausführung zu bringen, insbesondere im Amtsbezirke Traunstein, wo während seiner Amtsführung unter anderem grosse Strassen-Neubauten im Gebirge bei Berchtesgaden und Reichenhall, dann die grosse Staats- strassenbrücke über die Saalach bei Reichenhall auszu¬ führen waren. Im Jahre 1894 wurde Sörgel auf Ansuchen als Regierungs- und Kreisbaurath an die Regierung von Niederbayern in Landshut versetzt und von hier im Früh¬ jahr 1897 zum kgl. Oberbaurath bei der Obersten Bau¬ behörde befördert. In dieser Stellung war Sörgel Gelegen¬ heit geboten, bei der grossen Hochwasserkatastrophe im aufklären und der Zerstörung oder der ungeeigneten Re¬ staurierung alter Baudenkmäler, Mauern und Tore, Kir¬ chen und Kapellen, Bildstöckeln usw. entgegentreten“. Der Verein will aber „nicht blos suchen, forschen, nieder¬ schreiben und sammeln — und sich damit beruhigen. Nein, er will auch die Nutzanwendung ziehen, welche sich aus der Kenntniss von Volkskunst und Volkskunde für unser Handwerk, für unser heutiges Leben ziehen lässt, er erstrebt, anknüpfend an das Ueberlieferte, die Wieder¬ belebung des soliden Handwerks auf dem Lande, er er¬ strebt die Stärkung der Liebe zum Elternhaus, zur Hei- math, zum Vaterlande“. Der Verein erstrebt ferner Wan¬ dervorträge bei landwirthschaftlichen oder gewerblichen Festen, Ausstellungen von schönen Erzeugnissen der Volks¬ kunst, Gründung von Ortsmuseen, Unterstützung von Handwerksmeistern, die im Sinne des Vereins thätig sind. Diesen sympathischen Zwecken dient die im Januar dieses Jahres zum ersten Mal erschienene Monatsschrift des Vereins für Volkskunst und Volkskunde in München, „Volkskunst und Volkskunde“, von welcher uns zwei Lieferungen vorliegen. Sie wird durch eine Redaktions- Kommission geleitet, an deren Spitze Hr. Brth. Hans Grässel steht; Redakteur ist Hr. Arch. Franz Zell. Für das ansprechende Gewand der Zeitschrift zeichnete der Maler Rudolf Schiesn das Umschlagbild: eine Dorf¬ kirche mit Häusergruppe in einer Thalsenkung. Die Zeit¬ schrift geht unentgeltlich an die Mitglieder (Beitrag in München 3 M., ausserhalb Münchens 2 M.) und wird durch Post und Buchhandel für 4 M. vertrieben. Aus ihrem Inhalte erwähnen wir als für unser Gebiet von Interesse einen durch überzeugende Gegenüberstellungen anschau¬ lich gemachten Artikel von Rieh. Berndl in München: „Unsere Landkirchen sonst und jetzt“; „Zum Hausbau im bayerischen Alpengebiet“, von Dr. W. M. Schmid; „Das Riederthor in Donauwörth“, von Prof. Aug. Thiersch usw. Es ist naheliegend, dass Verein und Zeitschrift ihr Arbeitsgebiet vor allem in den bayerischen Alpen finden; 14. März 1903. fahre 1899 durch Umsicht und thatkräftiges Eingreifen sich auszuzeichnen, wofür ihm der Michaels-Orden 3. Klasse verliehen wurde; auch war er mit der obersten Leitung beim Wiederaufbau der Prinz-Regentenbrücke betraut, was durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Verdienst¬ ordens der bayerischen Krone die allerhöchste Aner¬ kennung gefunden hat. Wenngleich nun die bisherige Amtsthätigkeit des neuen Oberbaudirektors ausschliesslich auf dem Gebiete des Tiefbauwesens sich bewegt hat, so darf doch von allen, die sein amtliches Wirken kennen zu lernen Gelegenheit hatten, vorausgesetzt werden, dass Sörgel mit dem gleichen Interesse und mit derselben er¬ folgreichen Schaffenslust auch seiner neuen und höheren, die beiden Fächer des Staatsbauwesens umfassenden Auf¬ gabe -obliegen wird. — Ein Gesetzentwurf betr. die Erweiterung und Vervoll¬ ständigung des Staatseisenbahnnetzes usw. ist dem preuss. Abgeordnetenhause zugegangen, nach welchem insgesamt 83597630 M. gefordert werden und zwar 13877000 M. zum Bau einer Haupteisenbahn von Saarbrücken nach B ous, 2okm lang, 52808000M. zum Bau von 15 Neben¬ bahnen mit einer Ges.-Länge von 559,1 k™, und 5791000 M. zur Beschaffung von Betriebsmitteln für die vorge¬ nannten Bahnen. Zur Deckung der Mehrkosten von 5 Linien werden 6 006 000 M. gefordert, zur weiteren Be¬ theiligung des Staates an dem Unternehmen der Alt¬ damm - Kolberger Eisenbahn-Ges. 115630 M. und schliesslich 5 Mill. M. zur Förderung des Baues von Kleinbahnen. Der Bau der genannten Hauptbahn ist dringend er¬ forderlich zur Entlastung der am rechten Saarufer in leb¬ haftester Industriegegend liegenden Hauptbahnstrecke Saarbrücken-Völklingen, welche einen weiteren Ver¬ kehrszuwachs nicht mehr aufzunehmen vermag und der hohen Kosten wegen nicht wohl erweiterungsfähig ist. Von den Nebenbahnstrecken entfallen 9 auf Ost- und Westpreussen bezw. namentlich auf Posen mit einem Aufwande von 32,5 Mill. M. und 379,2 km Länge, 2 auf Schlesien, 2 auf Hessen-Nassau, je 1 auf Hannover und Rheinland. Die Inangriffnahme der Ausführung bedingt die vorherige kostenlose und lastenfreie Hergabe des Grund und Bodens bezw. die Sicherstellung der dafür aufzuwendenden Mittel. — Keine Münchener Kunstgewerbe-Ausstellung 1904. Der Bayerische Kunstgewerbe -Verein in München hat es in seiner ausserordentlichenGeneralversammlung vom 10. März mit 154 gegen 51 Stimmen abgelehnt, im Jahre 1904 eine Kunstgewerbe- Ausstellung zu veranstalten. Dagegen wurde ein Antrag einstimmig angenommen, der die Vereinsleitung ersucht, Schritte zu unternehmen, „dass in den nächsten es gibt aber auch in Norddeutschland eine so grosse Zahl von Verehrern der Berge, dass wir auch sie einladen, die dankenswerthen Bestrebungen des Vereins, an dessen Spitze Hr. Prof. Aug. Thiersch in München steht, durch zahlreichen Beitritt zu unterstützen. — _ _ Das auf S. 270 u.ff. „Dtsche.Bztg.“ Jhrg. 1898 besprochene Werk „Die Bauanlage und Einrichtung der Kran¬ kenhäuser“ vonFriedr. Oswald Kuhn, Arch. und Prof, an der kgl. akademischen Hochschule für die bildenden Künste in Berlin, ist bei Arnold Bergsträsser (A. Kröner in Stutt¬ gart) kürzlich in 2. Aufl. erschienen und zwar wiederum als IV.Theil, 5. Halbband, Heft 1 des Handbuches derArchi- tektur (Pr. 32 M.). Statt der ursprünglich 969 Seiten hat es jetzt aber nur noch 540, obwohl die Zahl der Abbildungen im Texte, sowie der eingehefteten Tafeln nur unerheblich verringert wurde (416 statt 454 bezw. 20 statt 22). Das Werk ist durch diese Verkürzung des Textes um fast die Hälfte nicht nur jetzt wirklich ein Handbuch, sondern nunmehr auch ein Buch für den schaffenden Archi¬ tekten geworden. Damit soll nicht gesagt sein, dass die Entwicklungs- Geschichte des Krankenhausbaues, die in der 1. Auflage mehr als ein Drittel des ganzen Werkes einnahm und nun auf 15 Seiten zusammengeschrumpft ist, den Architekten nichts angehe; im Gegentheil: er wird das geschichtliche Studium garnicht umgehen können, um sich über den Zusammenhang zwischen den jeweiligen Anschauungen über Ursache und Wirkung der Krankheiten einerseits und den sich daraus ergebenden baulichen Anforderungen für die Unterbringung der Kranken andererseits klar zu werden. Doch um die Geschichte zu studieren braucht er das Buch nicht täglich, während er, besonders der Im Krankenhausbau Vielbeschäftigte, die Summe von Erfah¬ rungen, die das Buch über die Krankenhäuser der Neu¬ zeit bringt, gern bei der Hand, auf dem Arbeitstische haben wird. In drei Kapiteln werden nach dem kurzen 139 Jahren irgend eine Veranstaltung in München erfolgt, welche den Stand unserer künstlerischen Kultur und das Können unseres Kunsthandwerkes zeigt.“ — Man kann diese Beschlüsse, die für eine von Anfang an in falsche Bahnen gelenkte Angelegenheit eine klare Lage schaffen, nur billigen. Selbst unter den Freunden einer Kunstgewerbe-Ausstellung für 1904 dürften nur wenige sein, welche an die Veranstaltung derselben mit ungetrübter Freude herangetreten wären. Dazu waren alle Umstände — die örtlichen, die finanziellen und die zeitlichen — zu ungünstig. Vielleicht erhält nunmehr der Kohleninselplan wieder Oberwasser. — Ehrendoktoren. Den Tagesblättern zufolge hat die Technische Hochschule in Dresden den ehemaligen Pro¬ fessor der Technischen Hochschule in Aachen, Geh. Reg.- Rath Ritter in Lüneburg, den ehemaligen Direktor der Kruppwerke, Geh. Fin.-Rath Jencke, in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um die Förderung der deutschen Industrie, sowie den Geh. Reg.-Rath Wilh. Launhardt an der Technischen Hochschule in Hannover „in Würdi¬ gung der grundlegenden Arbeiten zur Erforschung ver¬ kehrstechnischer und volkswirthschaftlicher Fragen, ins¬ besondere auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens“, zu Doktor-Ingenieuren honoris causa ernannt. Wir können uns dem Eindruck nicht entziehen, dass die Ernennungen von technischen Ehrendoktoren allmäh¬ lich so häufig werden, dass ein Sinken des Ansehens dieser so werthvollen Errungenschaft zu befürchten ist. — Brief- und Fragekasten. Anmerkung der Redaktion. Die Anfragen für unseren Brief- und Fragekasten häufen sich in der letzten Zeit in einer solchen Weise, dass die Beantwortung derselben bei dem bescheidenen Raum, den wir dieser nur zur Verfügung stellen können, sich gegen unseren Willen vielfach verzögert. Wir sehen uns daher zu der Bemerkung genöthigt, dass wir nur noch die Anfragen von all¬ gemeinem Interesse berücksichtigen können, welchen der N a c h weis des Bezuges unseres Blattes beigefügt ist. Wenig Aussicht auf Beantwortung haben ausserdem die Anfragen, deren Erledigung auf dem Wege der Anzeige möglich ist. Grund¬ sätzlich sollte der Briefkasten nur dann in Anspruch genommen werden, wenn andere Wege versagen. — Hrn. H. G. in Sulzbach. Der grundlegende Vertrag leistet an Zweideutigkeit das höchste, was uns bisher vorgekommen ist, sofern nicht etwa die beiden im Auszuge mitgetheilten Bestimmun¬ gen durch die übrigen Satzungen dargestellt werden. Ist es an sich schon gefährlich, ein Schiedsgericht zu bestellen, weil in einem sol¬ chen vielfach mit Voreingenommenheit der Schiedsrichter zu kämpfen ist, indem jeder glaubt zugunsten dessen handeln zu müssen, von dem er berufen wurde, so ist es erst recht bedenklich, die Wahl des Obmannes, was in Ihrem Falle geschehen ist, erst eintreten zu lassen, nachdem eine Meinungsverschiedenheit der beiden berufenen Schiedsrichter feststeht. Nach unseren Erfahrungen ist zu befürch- einleitenden 1. Kapitel die eigentlichen Krankengebäude in ihren einzelnen Theilen und konstruktiven Anordnungen, die zum Krankenhause — Krankenhaus im landläufigen Sinne gesprochen für Krankenanstalt, die meist aus mehreren Gebäuden besteht — gehörigen Verwaltungs-, Wirthschafts- und sonstigen Nebengebäude, schliesslich die Gesammtanlage der Krankenhäuser ausführlich und zwar in derselben Eintheilung des Stoffes, wie in der 1. Auflage behandelt, unter wesentlicher Vermehrung mustergiltiger Beispiele aus neuester Zeit, wobei auch das gegenwärtig immer noch sich weiter verbreitende kleine Krankenhaus 'mehr Berücksichtigung gefunden hat als bisher. Besondere Erwähnung verdienen davon unter den deutschen Krankenhäusern : der Doppel-Pavillon des Rudolf - Virchow- Krankenhauses in Berlin, der zweigeschossige Pavillon für Infektionskranke im Kaiser-Franz-Josef-Kran- kenhause zu Wien, die Cholerabaracken in Eppendorf und am Schlump zu Hamburg, die Gesammtanlagen der vor¬ genannten Krankenhäuser, das Hauptgebäude des Kranken- und Genesungshauses Bergmannstrost zu Halle a. S. usw.; unter den fremdländischen: die Gesammtanlagen vom Höpital d’enfants „Rue Michel- Bizot“ zu Paris, Höpital Pasteur in Paris, Militär-Hospital in Rom, Hospital in Renkioi an den Dardanellen, Park fever hospital „Hither Green“ in Lewisham- London und Brook fever hospital „Schooter’s Hill“ in London, von dem auch ein zweige¬ schossiger Scharlach-Pavillon und eine Ambulanz-Station mitgetheilt werden. Neu hinzugetreten sind Beispiele ganzer Gebäudegattungen, wie der für Haut- und Ge¬ schlechtskranke, für Lungenkranke, soweit diese in den allgemeinen Krankenhäusern Aufnahme finden, für Heil¬ gymnastik; ferner Beispiele von Verwaltungs-Gebäuden, Aufnahmehäusern, Pflegerinnenheimen usw., selbst von Desinfektionsanstalten und Klärgruben. Veraltete Beispiele, namentlich von Baukonstruktionen und Einrichtungs- Gegen¬ ständen sind durch den Fortschritten der Technik ent¬ sprechende bessere ersetzt worden. ten, dass die Schiedsrichter sich weder über einen Obmann, noch darüber einigen werden, sich für unzuständig und den Fall für einen solchen zu erklären, in welchem es zu einem ordentlichen Rechts¬ verfahren kommen soll. Wie die Sache einmal liegt, wird dahin zu verfahren sein: Sie nennen der Gegnerin Ihren Schiedsrichter mit dem Ersuchen, Ihnen von der anderen Seite gleichfalls einen solchen zu nennen. Ist dies geschehen, so reichen Sie Ihrem Schiedsrichter die Klage ein, der dann das weitere zu veranlassen hat. Ein Mittel, das Schiedsgericht zur Beschleunigung des Spruches zu bestimmen, gibt es nicht, sodass nach dieser Richtung Sie macht¬ los dem guten Willen der berufenen Schiedsrichter preisgegeben sind. “ K. H-e. Hrn. F- B. in Schöneberg. Da die sämtlichen 3 Zäune auf dem Grund und Boden von No. r stehen und von dessen Eigenthümer zur Abgrenzung seines Grundstückes gegen die Nachbarn zu einer Zeit errichtet wurden, als letzterer Grundstücke Bauzwecken noch nicht gewidmet waren, sind sie Eigenthum ihres Erbauers, den als Eigen¬ thümer auch die Pflicht ihrer Unterhaltung trifft. Sollten Sie jedoch nachweisen können, was jedoch schwierig sein dürfte, dass die Nachbarn durch Anpflanzung wilden Weines die Bestandfähigkeit der Zäune ungünstig beeinflusst und so Anlass zu deren vorzeitigem Verfall gegeben haben, so würden diese Nachbarn schadenersatz¬ pflichtig sein, und zur Beseitigung der Schäden auf ihre Kosten verurtheilt werden können. — K. H-e. Hrn. Arch. C. Br. in Dortmund. Unter Fliessboden ver¬ steht man ausschliesslich Triebsand oder Fliessand, d. h. feinkör¬ nigen, ganz von Wasser durchtränkten Sand, der an sich kein schlechter Baugrund ist, wenn ihm die Möglichkeit genommen ist, seitlich auszuweichen. Nasser Lehmboden ist dagegen ein schlech¬ ter Baugrund, da er sich stark zusammendrückt. Ist ihm die Mög¬ lichkeit seitlichen Ausweichens gegeben, so kann er bei starkem Wassergehalt ebenfalls auseinander fliessen. Trotzdem ist er mit ersterer Bodenart nicht zu verwechseln. — Hrn. Rieh. R. in Berlin. Nach § 38 der Baupolizei-Ver¬ ordnung gehören die Druckereien zu denjenigen Betrieben, für welche besondere baupolizeiliche Bestimmungen erlassen sind. Ihre Anfrage dürfte demgemäss am zuverlässigsten durch die Baupolizei beantwortet werden können. — Hrn. Bauing. W. in Stettin. Sie möchten von uns gerne wissen, was in letzter Zeit über Treppen und Treppenstufen aus Kunststein in den Fachzeitschriften veröffentlicht worden ist. Ist das nicht etwas viel verlangt? Wollen Sie sich nicht vielleicht selbst die Mühe geben, die Fachzeitschriften darauf hin durchzusehen? — Hrn. Baupolizei-Insp. St. in D. Ihre Anfragen entziehen sich unserem Arbeitsgebiete. Wenden Sie sich an einen Rechts¬ anwalt. — Anfragen an den Leserkreis. Wer liefert Schindeldach-Eindeckungen und Schindel-Wand¬ verkleidungen? Wer übernimmt die Verschindelung einschl. Mate¬ rial-Lieferung? C. V. in Eisleben. Inhalt: Vom Bau der Urft-Thalsperre bei Gemünd in der Eifel. — Der Teltow-Kanal (Schluss), — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Bücher. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Urft-Thalsperre bei Gemünd. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Bei dem Umfange des Werkes kann es nicht auffallen, dass sich bei seiner Durchsicht zuweilen auch Meinungs¬ verschiedenheiten einstellen, zumal die Entwicklung des Krankenhausbaues noch keineswegs abgeschlossen ist. Es betrifft dies z. B. die viel umstrittene Frage, ob man auf die Erbauung eines Krankenhauses verzichten soll, wenn es nicht den allerhöchsten Anforderungen entsprechend hergestellt werden kann? Die wirthschaftliche Lage kleine¬ rer Städte und auf dem Lande gestattet nicht immer, das Beste zu leisten und doch macht sich gerade hier, wo die allgemeinen Gesundheits- Verhältnisse oft noch zu wün¬ schen übrig lassen, das Bedürfniss nach Krankenhäusern immer dringlicher geltend. Das Bessere ist des Guten Feind; ein kleineres Krankenhaus kann an sich schon anspruchs¬ loser hergestellt werden und auch ein weniger gut einge¬ richtetes Krankenhaus ist wohl immer noch dem Kranken¬ lager in einer schlechten Wohnung vorzuziehen. Aus die¬ sem Grunde hätte u. a. der neuerdings wieder befürwortete Anstrich von Krankenräumen mit Kalkfarbe eine mildere Beurtheilung, auch das in gewissen Fällen die Oelfarbe vortheilhaft ersetzende Amphibolin wenigstens Erwähnung verdient, nachdem die Untersuchungen über die Lebens¬ fähigkeit der vorzugsweise als Krankheitserreger infrage kommenden Bakterien auf den verschiedenen Farben¬ überzügen für die genannten billigeren Anstriche ver- hältnissmässig günstige Ergebnisse gehabt haben. Als eine werthvolle Ergänzung ist das alphabetische Sachregister zu begrüssen, dessen sorgfältig ausgewähhe Stichwörter den Gebrauch des Buches erst so recht bequem machen. Damit hat sich der emsige Fleiss und der über¬ sichtlich ordnende Geist des Verfassers noch ein beson¬ deres Anrecht auf die warme Empfehlung seiner Arbeit erworben, die übrigens nicht allein dem Baumeister, son¬ dern auch dem Arzte und dem Verwaltungs-Beamten gute Dienste zu leisten geeignet ist. — -pp q (Fortsetzung folgt.) I40 No. 21. Fassaden-Entwürfe von Helbig & Haiger in München. Das Jahresfest des Architekten -Vereins in Berlin. ater zahlreichererBetheiligung und unter gehobenerer Stimmung als sonst beging der Architekten-Verein in Berlin am 13. März, dem Geburtstage Schinkels, seines grossen Genius, sein diesmaliges Jahresfest, welches durch die Anwesenheit des kgl. preuss. Ministers der öffent¬ lichen Arbeiten Budde ausgezeichnet war. Es wurde in hergebrachter Weise eingeleitet durch den Jahresbericht des Vorsitzenden, Brth. Beer. Da sich der wesentliche Inhalt desselben bereits in unseren Blättern wiederge¬ spiegelt hat, so entnehmen wir ihm in aller Kürze nur, dass sich in der Berichtszeit die Zahl der Mitglieder von 2104 auf 2131 erhöht hat, unter ihnen 6 Ehrenmitglieder, 715 einheimische und 1410 auswärtige Mitglieder. Ein Ehrenmitglied, Geh. Ob. -Brth. Adolf Keller, wurde an seinem 70. Geburtstage neu ernannt, zwei wurden dem Verein durch Tod entrissen: James Hobrecht und Wilh. Böckmann. Zweien Mitgliedern konnte das Diplom für 50-jährige Mitgliedschaft überreicht werden : den Hrn. Geh. Brth. von der Hude und Geh. Reg.-Rth. Prof. Herrn. Ende in Berlin. Der Haushalt- Voranschlag sieht bei 108464,09 M. einen Fehlbetrag von 7560,78 M. vor, der noch von den Umbaukosten des Hauses aus den Jahren 1898 — 99 herrührt. Zu den vorhandenen Stiftungen trat eine solche von 10000 M., die Wilh. Böckmann an seinem 70. Geburtstage dem Verein für Unterstützungen widmete. Die Bibliothek enthält 9453 Bände Bücher und 5291 Bände Zeitschriften. An den Bericht schloss sich die Vertheilung der Aus¬ zeichnungen an die Sieger in den diesjährigen Schinkel¬ wettbewerben durch den Hrn. Minister, welcher diesen feierlichen Akt mit einer herzlichen Ansprache an alle Theilnehmer der Wettbewerbe begleitete. Die durch reichsten Beifall ausgezeichnete Festrede hielt Hr. Stadt- bauinsp. O. Stiehl über: „Mittelalterliche Baukunst und Gegenwart". Die Beziehungen zum Festtage her¬ zustellen, erinnerte Redner daran, wie Schinkel einer der ersten war, die gegenüber der einseitigen Betonung an¬ tiker Grundlagen die mittelalterliche Baukunst als Ausdruck der nach Pflege volksthümlichen deutschen Sinnes stre¬ benden Heimathsliebe wieder aufgenommen haben. Frei¬ lich ist der Abstand, der sich in der künstlerischen An¬ schauung zwischen damals und heute entwickelte, ausser¬ ordentlich gross und tief, und je nach der Anschauungs¬ weise des Einzelnen wird dieser Abstand auf das Ver¬ schiedenste beurtheilt. Sicherlich werden es viele be¬ klagen, dass heute die vornehme Ruhe einer in sich ge¬ schlossenen Gedankenwelt als Grundlage künstlerischen Fühlens verloren gegangen ist, dass der laute Lärm des Tages vielfach die zarteren Züge einer fein empfindenden Kunst zu übertönen droht. Aber so mancher Lobredner vergangener Tage würde sich vielleicht sehr verwundern, würde er zurückversetzt in jene Zeiten, als ein führender Genius zwar trotz aller Behinderung durch den Zwang äusserster Sparsamkeit seine grossgedachten Werke schuf, ringsum aber auf weite Entfernung Formkenntniss, Hand¬ werk und Kunstsinn völlig darniederlagen, so völlig, dass für die weitesten Kreise die Kunst die schemenhafte Natur eines fernen, fast unerreichbaren Ideals angenommen hatte. Wie hat sich dem gegenüber heute bis tief hinein in die mittleren Schichten des Volkes die Freude an der Kunst in dem einfach natürlichen Sinne Bahn gebrochen, dass sie als ein aus freier Neigung des Gemüthes entsprungener, nicht verstandesmässig nothwendiger Schmuck des Lebens aufgefasst wird. Freilich, das Bewusstsein, in einer Zeit 141 regsten künstlerischen Lebens zu stehen, verbindet sich mit dem Gefühle, doch auch einer unsicheren Uebergangs- zeit anzugehören, in welcher der eine resigniert Grosses erst von einer Wandlung in der allgemeinen Kunstbildung des ganzen Volkes erwartet, ein anderer völlige Loslösung von aller Ueberlieferung älterer Formen verlangt, ein dritter stürmisch freie Bahn für das Ausleben persönlich¬ ster Empfindung fordert und ein vierter die strenge Be¬ tonung der Regel als unerlässliche Forderung zu weiterem Fortschritte bezeichnet. Die Uebermittelung künstlerischer Erfahrungssätze, die jeder Einzelne mit neuem persön¬ lichem Inhalte erfüllen möge, müsse nothwendig Ziel und Zweck jedes künstlerischen Unterrichtes sein. Bei einer solchen Verschiedenartigkeit der Meinungen glaubt Redner auf das deutsche Mittelalter zurückblicken zu müssen, um sich, von Wünschen, Hoffen und Fürchten hin- und her¬ gezogen, hier Raths zu holen. Fast jeder der vielen Rathschläge zur Förderung der künstlerischen Kultur und der Baukunst unserer Tage hat einen berechtigten Kern, zum mindesten bedeutet er einen erklärlichen Rückschlag gegen frühere Irrthümer oder Uebertreibungen, sodass die Schwierigkeiten unserer Lage überhaupt nicht aus einem Punkte zu heilen sein dürften. Was kann uns in solcher Lage das Mittelalter an An¬ haltspunkten bieten? Schon die äusseren Lebens Verhält¬ nisse des Mittelalters, soweit sie eine ausgeprägte Stim¬ mung ihrer Zeit und damit das Wesen baulichen Schaffens bedingten, bieten uns durchaus nicht das grundsätzlich von unseren Zuständen verschiedene Bild, wie man gewöhn¬ lich annimmt. Wie heute hat die Belebung des Verkehrs Völker und Stämme in gährende Bewegung gebracht, auch damals haben sich die Grenzen der Welt der Gedanken und Vorstellungen erweitert. Kreuzzüge und Pilgerfahr¬ ten, die grossartige Besiedelung des Ostens hatten die Sesshaftigkeit des Volkes gelöst und unruhig wallten grosse Volksmassen durcheinander. Neue Siedelungen wurden gegründet; im Austausch brachte ein lebhafterWeltverkehr den deutschen Städten fremde Niederlassungen, fremde Formen und Sitten. Mehrerer Menschenalter hat es auch damals bedurft, bis dieser massenhaft aufgenommene fremde Stoff deutschem Wesen anbequemt war. Was wir als Kennzeichen der letzten Jahrzehnte mit theils be¬ wundernden, theils bedenklichen Blicken betrachten, das gewaltige Anschwellen der Städte, die Landflucht grosser Völksmassen, es hat sein Vorspiel ganz gleicher Art im Mittelalter gehabt. Dem deutschen Bauern des 13. und 14. Jahrhunderts, dem der einsame Hof oder das auf die Sippschaft gegründete Dorf die althergebrachte Lebens¬ form bestimmten, musste die Anhäufung von 20 bis 30000 Menschen ebenso ungeheuerlich erscheinen , wie dem heutigen Kleinstädter die Millionenstadt. Wie uns heute die mächtigen Anforderungen der Verkehrsanstalten, des politischen und sozialen Lebens eine Fülle neuer Auf¬ gaben geschaffen haben, so führten damals die Befestigung der Städte, ihre Ausstattung mit Verwaltungs- und Ge- Zum 70. Geburtstage von R. Baumeister. m 19 d. M. feiert Oberbaurath Reinhard Baumeister, Professor an der Technischen Hochschule in Karls¬ ruhe i. B., das Fest seines 70. Geburtstages, ein Ingenieur, dessen Name eng verknüpft ist mit der Kunst des modernen Städtebaues, für dessen Entwicklung in den gesunden Bahnen einer sachgemässen Befriedigung des Verkehrs, der Erfüllung der berechtigten Ansprüche der allgemeinen Gesundheitspflege unter gleichzeitigerWahrung der Forderungen der Wirtschaftlichkeit und der Er¬ haltung und Neuschaffung schöner Städtebilder er sowohl als Fachschriftsteller wie als Planfertiger und Gutachter bahnbrechend und stetig fördernd eingetreten ist. Baumeister wurde am 10. März 1833 in Hamburg als Sohn des Obergerichts- und Bürgerschafts -Präsidenten Dr. Baumeister und als Enkel des in Fachkreisen wohl bekannten Wasserbaudirektors Woltmann geboren. Diese Beziehungen und die umfangreiche Bauthätigkeit, welche sich in Hamburg nach dem grossen Brande 1842 entwickelte, lenkten den Sinn des Knaben, der seine Schulbildung zu¬ nächst auf dem Gymnasium, dann auf der Realschule seiner Vaterstadt genoss, früh auf technische Fragen. Im Jahre 1849 bezog er die Polytechnische Schule in Hannover, welche er 185 t mit dem Polytechnikum in Karlsruhe vertauschte, wo er 1853 die badische Staats¬ prüfung für Ingenieure ablegte. Unter seinen Lehrern war von besonderem Einflüsse auf seine Entwicklung Brth. Prof. Friedrich Eisenlohr, sein nachmaligerSehwieger- vater, der namentlich die Neigung in ihm geweckt hat, sich neben der reinen Ingenieurwissenschaft auch mit ästhetischen Fragen zu beschäftigen und so den Grund zu den später von ihm verfochtenen Anschauungen legte, richtsräumen, Kaufhäusern, Schlachthäusern, mit schmuck¬ reichen Brunnen, vor allem die Umwälzung derWohnungs- verhältnisse zur Ausprägung vorher ungekannter baulicher Typen. Die Wirkungen einer solchen Bewegung waren' die gleichen wie heute. Zunächst wurden die Zuziehen¬ den auf unbebauten Flächen der ummauerten Stadtfläche untergebracht, vor allem am Markt. Waren die hier ver¬ fügbaren Räume vergeben, so begann die schärfere Aus¬ nutzung der Privatgrundstücke und mit ihr der Boden¬ wucher und die Grundstückschlächterei. Die grossen, für landwirthschaftlichen Betrieb zugeschnittenen Höfe im Inneren der Städte werden von schmalen Gassen durch¬ kreuzt oder mit kurzen Sackgassen und malerischen Hof¬ anlagen und mit Wohnungen kleiner Leute eng bebaut. Die Hofstellen wurden in 4—5 kleinere Stellen zerlegt und mit Häusern für weniger Wohlhabende besetzt. Der starke Zudrang neuer Bürger, die lebhafte Werthsteigerung der Grundstücke zwangen zur schärfsten Ausnutzung der ge- gebenen Flächen. Hart drängte sich Haus an Hausj .did Hofflächen wurden mit dem Nachlassen des städtischen Ackerbetriebes überflüssig und äusserst eingeschränkt! Stockwerk thürmte sich auf Stockwerk; durch Erker und Altane suchte man den Raum zu erweitern, bis das Ueber- maass solch spekulativen Ausnutzens der öffentlichen! Strasse das Eingreifen der Behörden hervorrief. Dtd Bauordnungen beschäftigen sich im wesentlichen mit den gleichen Dingen wie heute. Selbst für den heutigen „DisT pens" finden sich Anhaltspunkte, wenn auch solche Nach¬ lässe im Gegensatz zu heute damals mehr die Form von der Begünstigung von Rathsverwandten oder die Form durch Geldzahlungen zu erwerbender Rechte annahmem Die Häuser wurden in der Bauflucht „nach der Schnur“ errichtet. Ganz wie wir grössere Geschäftshäuser als weite Hallen anlegen, die je nach dem Bedarf des Be-| nutzers abgetheilt werden können, so zimmerte man auch im Mittelalter sowohl in Steinhäusern wie in Fachwerks¬ bauten Stützen und Decken zu einem starren Hauptgerüst zusammen, das auf ähnlichen Grundzügen beruhte, wie der heutige Eisenbau und welches durch leichte Wände aus Flechtwerk mit Putzbewurf untergetheilt werden konnte. Und wie heute führte die Nothwendigkeit, in den engen Strassen den tiefen Räumen ausreichendes Licht zuzu¬ führen, dazu, ganze Aussenmauern in Fensterfiächen auf¬ zulösen. In unzähligen Beispielen sind die schwierigsten modernen Probleme damals schon in künstlerisch so voll¬ kommener Weise gelöst worden, wie die Neuzeit es selbst mit den Mitteln des Eisenbaues nicht erzielt hat. Erscheint uns heute die massenhafte Wiederkehr dergleichen typischen Wohnhausform, die als Miethskaserne den Eindruck unse¬ rer Städte auf einen so tiefen Stand herunter bringt, als eines der grössten Hemmnisse für eine gedeihliche Ent¬ wicklung unserer Baukunst, so ist andererseits darauf hin¬ zuweisen, dass die grosse Masse der mittelalterlichen Bürger¬ häuser kleinen Umfanges durch ganz Deutschland einer immer gleichen, zäh durch Jahrhunderte hindurch fesige- dass auch in den Schöpfungen des Ingenieurs neben dem Nützlichkeitszweck die Gesetze der Schönheit zu erfüllen seien, Anschauungen, die in unserer deutschen Ingenieur¬ kunst erfreulicher Weise mehr und mehr Allgemeingut geworden sind. Bis zum Jahre 1862 war Baumeister sodann praktisch thätig im Strassenbau, bei Wasserbauten am Rhein und namentlich bei Eisenbahnbauten an der badisch-schweize¬ rischen Grenze. Dann folgte er einem Rufe als ordent¬ licher Professor an das Polytechnikum in Karlsruhe, an welchem er seiidem ununterbrochen thätig gewesen ist und dessen Rektorat ihm mehrfach übertragen war. Seine Vorlesungen erstreckten sich über verschiedene Zweige des Ingenieurwesens. Sie lagen vorwiegend auf dem Ge¬ biete des Baues steinerner und hölzerner Brücken, einschl. der architektonischen Formgebung der Brücken, desWasser- baues, des Erd- und Tunnelbaues, des Eisenbahnbetriebes, der Städtereinigung. Als 1890 die Technische Hochschule in Karlsruhe, als erste deutsche Hochschule, Vorlesungen über Stadterweiterungen einrichtete, wurden ihm, als dem inzwischen auf diesem Gebiete bewährten Fachmanne, diese übertragen. Wer als Schüler zu seinen Füssen ge¬ sessen hat, wird sich an der ruhigen Sachlichkeit seiner Vorträge und an der Klarheit seines Ausdruckes erfreut haben, die ihn zum Lehrer besonders befähigten, um so mehr, als er es auch verstand, in den praktischen Uebun- gen seine Hörer zu selbständigem Denken anzuregen. Neben seiner Lehrthätigkeit war es ihm vergönnt, durch die Erfüllung praktischer Aufgaben, und zwar nicht nur als entwerfender, sondern auch als die Ausführung leitender Ingenieur, stete Fühlung mit den Forderungen der Praxis zu behalten, aus dieser frische Anregung für seinen Lehrberuf zu schöpfen, ein Vorzug, der leider No. 22. 142 haltenen Ueberlieferung folgen. In diesen kleinen Häusern hat man sich wohl zuerst entschlossen, die frühere Einheit des Hauses und der Familie zu sprengen und den häuslichen Herd, die Wirkungsstätte der Hausfrau, vom Arbeitsraume des Mannes und dem mehr öffentlichen Verkehr der handwerklichen Thätigkeit zu trennen und in das obere Geschoss zu verlegen. Es war ein harter Einschnitt in die Gemüther der Menschen, in die völlige Gemeinsamkeit aller Lebensinteressen, welchen eine so veränderte Wohn- weise hervorrief. Diese Wohnweise folgte, wie heute, dem Drucke der beständig sich verschärfenden Erwerbs¬ bedingungen. — (Schluss folgt.) Vermischtes. Das Heidelberger Tonnensystem. Mehrere Typhusfälle, welche in den Jahren 1901 und 1902 in der Kreis-Irren¬ anstalt Gabersee bei Wasserburg vorkamen, waren die Veranlassung, dass sich Sachverständige in einem Gut¬ achten dahin aussprachen , das sog. Tonnensystem für Aborte sei vom sanitären Gesichtspunkte nicht einwands¬ frei, da dasselbe im Laufe der Zeit eine Verunreinigung des Untergrundes herbeiführe. Gegen diese Auffassung nun wendet sich ein Mitbegründer des Heidelberger Tonnensystems, Hr. Med. -Rath Dr. Mittermaier in Heidelberg, in einer Zuschrift an die „M. N. N.“ vom 13. Dez. 1902 unter anderem mit den folgenden Worten: „Bei Einrichtung eines Abortsystems in Städten oder Dörfern, in Privathäusern oder in Anstalten, welches An¬ spruch auf Geltung machen darf, steht der gesundheitliche Standpunkt obenan. Er war es gerade, welcher bei Be¬ ginn des hiesigen Tonnensystems nun vor 32 Jahren den Ausschlag gab. Heidelberg war damals, wie manche andere Stadt, jährlich von zahlreichen Typhusfällen unter den Einwohnern heimgesucht (meistens über 100 Fälle im Jahre, und nach jeder Ueberschwemmung durch den Neckar mehrere hundert Erkrankungen an Typhus). Durch ein streng geregeltes Abfuhrsystem und besonders durch ein vervollkommnetes Tonnensystem für die menschlichen Abfallstoffe ist von Jahr zu Jahr der Typhus immer mehr verschwunden (in den letzten Jahren nur noch 10 — 12 Fälle). Ebenso wurden aus zahlreichen auswärtigen Orten, in denen das Tonnensystem nach hiesigem Muster ein¬ geführt worden, gleiche günstige Erfolge berichtet. Diese Thatsachen wurden seit Jahrzehnten sorgfältig beobachtet, in der Schrift „Das Heidelberger Tonnensystem'1 ver¬ öffentlicht und daselbst der Einfluss der hiesigen Trink¬ wasserleitung und der neuen Kanalisation für das sonstige Abwasser gewürdigt. Man kann dem Tonnensystem viel¬ leicht entgegenhalten, dass es weniger bequem als andere Systeme ist, hinsichtlich der absoluten Reinhaltung des Bodens und der Flüsse steht es aber allen Systemen weit voran. Mit Prof. Pettenkofer hatte ich mehrmals Gelegen¬ heit, über das Tonnensystem zu sprechen; derselbe er¬ klärte dabei, dass er dem Tonnensystem unbedingt den Vorzug ertheile, wenn es so genau betrieben werde, wie es in Heidelberg geschieht. Darauf kommt es aber vor allem an. Ob der Betrieb des Systems in Gabersee ein genügender war, ist uns nicht bekannt; dass er aber in Heidelberg ein vollkommener ist, kann Jeder bestätigen, der ihn hier selbst beobachtete.“ — einem grossen Theile unserer Professoren zum Schaden des Faches versagt ist. So entwarf und baute er 1868 die Murgthalbahn Rastatt -Weisenbach, 1870—71 im Aufträge der Stadt Freiburg die Eisenbahn-Strecke Freiburg- Brei¬ sach, 1876 die Renchthalbahn von Appenweier nach Oppenau, 1888 bis 1890 das neue Krankenhaus der Diako¬ nissenanstalt in Karlsruhe. Zum Entwürfe städtischer Bebauungspläne, namentlich für badische und württembergische Städte, ist Baumeister mehrfach herangezogen worden; zahlreich sind die Gut¬ achten über Bebauungspläne und Bauordnungen, über städtische Kanalisationen und die Anlage von Zentral- Bahnhöfen, welche er als Sachverständiger allein oder in Gemeinschaft mit anderen abgegeben hat und bei denen sein Unheil zumeist mitbestimmend für die Wahl der Ausgestaltung gewesen ist. Die schriftstellerische Thätigkeit Baumeisters liegt vorwiegend auf zwei Gebieten. Sein erstes selbständiges Werk, die 1866 erschienene „Architektonische Formen¬ lehre für Ingenieure“ ist der Ausfluss der schon er¬ wähnten künstlerischen Anschauungen. Auf dem gleichen Gebiete liegt der Inhalt des von ihm später bearbeiteten Kapitels „Die Kunstformen des Brückenbaus“ im Band II des „Handbuches der Ingenieurwissenschaften“. Seine anderen Schriften, sowohl in selbständiger Form, wie als Theile von Sammelwerken oder zerstreut in Zeitschriften, darunter zahlreiche Aufsätze in der „Deut¬ schen Bauzeitung“ behandeln fast ausschliesslich den Städte¬ bau und darin wieder vornehmlich die Stadterweiterungen. Schon 1876 trat er mit seiner Arbeit „Stadterweiterungen in technischer, baupolizeilicher und wirthschaftlicher Be¬ ziehung“ hervor, in welcher wohl zum ersten Male, wenigstens was die deutsche Fachlitteratur anbetrifft, der 18. März 1903. Die Architektur-Ablheilung der Grossen Berliner Kunst¬ ausstellung 1903. Auch die diesmalige Architektur- Abtheilung der Grossen Berliner Kunstausstellung verspricht ein ge¬ schlossenes und reiches Bild darzubieten. Ihr die äussere Gestalt zu geben, haben sich die Hrn. Albert Gessner und Georg Roensch in Berlin in dankenswerther Weise bereit erklärt. Zahlreich sind bereits die Anmeldungen der architektonischen Beiträge, ebenso zahlreiche An¬ meldungen aber dürften noch ausstehen. Für die letzteren ist die möglichste Beschleunigung dringend erwünscht. Wie in den vergangenen Jahren, so wird auch in diesem Jahre die Kunst des Innenraumes eine werthvolle Gruppe der Architektur- Abtheilung werden. Während der letzteren die schönen Räume unmittelbar rechts von der Kuppelhalle, die bisher der Aufstellung von Bild¬ werken dienten, gewidmet wurden, wird die Kunst des Innenraumes sich in einem benachbarten, unmittelbar an¬ schliessenden Saale entfalten. Honold, Frieling,Kimbel, Biberfeld, die Steglitzer Werkstatt, eine Gruppe von Künstlern, die von Hrn. Arch. Schaudt geführt wird und zu welcher Guhr, Salzmann, Böhland u. andere gehören, das sind die Repräsentanten der diesmaligen Gruppe für die Kunst des Innenraumes. — Die Aenderung der Dienstbezeicbnung der „Bauinspek¬ toren“ im Hamburgischen Staatsdienst. Die Bürgerschaft von Hamburg hat den Antrag des Senates, den Bau¬ inspektoren und Wasserbauinspektoren die Dienstbezeich¬ nung „Baurath“ beizulegen (S. x 13), nach lebhafter Debatte abgelehnt. — Nochmals Metallzement. Auf die Ausführungen auf S. 50 und 79 d. Bl. erwidere ich: Die ersten Wahrneh¬ mungen über die zerstörende Wirkung des Schwefels habe ich im Jahre 1865 gemacht und sie seitdem an vielen Bauwerken in erschreckender Weise bestätigt gefunden. Die seit etwa 20 Jahren immer häufiger auftretende An¬ preisung, ganz besonders aber eine Aufzählung zahlreicher Eisenbahn -Direktionen und anderer Baubehörden vom Herbst 1902, die sich des Metallzementes in grossen Mengen bedient und zufrieden darüber geäussert hatten, Hessen mir den Warnruf in No. 2 d. Ztg. als Pflicht erscheinen. Nach den Erwiderungen in No. 8 und 12 erbat ich mir vom chemisch-technischen Institut der Techn. Hochschule hier die Untersuchung einer von Moessle & Co. in Zürich hierzu bezogenen Probe Metallzement. Die Masse be¬ steht hiernach aus einer Mischung von 73% Schwefel, 4°/0 organischer Stoffe und 23% Asche. Der Schwefel wird durch keinerlei Geheimmittel des lebhaften Bestrebens Versuch gemacht wurde, die von so mannigfachen, sich zumtheil widerstreitenden Rücksichten bestimmte sach- gemässe Erweiterung der Städte aus einheitlichen Gesichts¬ punkten zu betrachten. Viele der von ihm damals, wenn auch vielleicht nicht zum ersten Male ausgesprochenen, so doch klargelegten Grundsätze sind seitdem bei der Aufstellung von Bebauungsplänen beobachtet und in die Bauordnungen aufgenommen worden, oder sind, wie die von ihm befürwortete zwangsweise Zusammenlegung von städtischen Grundstücken, durch die Gemeinden in neuester Zeit wenigstens versuchsweise zur Anwendung gekommen. Vertieft kamen diese grundsätzlichen Anschauungen in den späteren kleineren Schriften „Moderne Stadt¬ erweiterungen“ 1887, und „Stadtbaupläne in alter und neuer Zeit“ 1902, zum Ausdruck, während die ebenfalls 1902 zum Wohnungskongresse in Düsseldorf eingereichte Veröffentlichung „Der Einfluss des Bodenpreises und der Baukosten auf die Wohnungsmiethen“ das engere Sonder¬ gebiet der Einwirkung der Bebauungspläne auf die Boden preise und demgemäss auch, im Zusammenhang mit den durch die Vorschriften der Bauordnungen z. Th. be¬ dingten Baukosten, auf die Wohnungspreise, behandelt. In weiteren Grenzen, in denen auch das konstruktive Gebiet seine Berücksichtigung findet, hält sich der von ihm verfasste Band des im Verlage der „Deutschen Bau¬ zeitung“ erschienenen „Handbuches der Baukunde“, welcher das städtische Strassenwesen und die Städtereinigung be¬ handelt. Neben der Bildung des Stadtplanes, die hier allerdings nur kurz besprochen ist, wird die Konstruktion der Strassen, die Anlage der Strassenbahnen und die Reinigung der Städte behandelt, ein Gebiet, das sich natürlich nur in knappster Form in den engen Rahmen eines einzigen Bandes zusammenfassen Hess. 143 beraubt, sich mit Eisen chemisch zu verbinden. — Wer sich daher mit der auf S. 80 verbürgten Dauer seines Baues „von 3, selbst 5 und mehreren Jahren“ be¬ gnügt, dem wird Schwefel als wohlfeilste und ange¬ nehmste Vergussmasse dienen; wer aber auf längeren Bestand baut, möge gewarnt sein. — Karlsruhe, den 7. März 1903. v. Teuf fei. Preisbewerbungen. Ein Wettbewerb der Stadt Heide in Holstein betr. Entwürfe für eine neue Realschule lässt insofern die Er¬ rungenschaften, welche das deutsche Wettbewerbswesen in der letzten Zeit gemacht hat, vermissen, als die Stadt sich das Recht vorbehält, den aus dem Wettbewerb her¬ vorgegangenen Entwurf, nach dem sie sich zu bauen ent- schliesst, ohne Zuziehung seines Anfertigers auszufüh¬ ren. Das formelle Recht hierzu ist nicht zu bestreiten. Es gelangen 3 Preise von 500, 300 und 100 M. zur Ver- theilung; Termin 1. Juni 1903; Unterlagen gegen 1 M. durch den Magistrat. — Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Kalserln- Elisabeth-Denkmal In Wien liefen 67 Arbeiten ein, von welchen 19 auf eine engere Wahl kamen. Der I. Preis wurde nicht vertheilt; der II. Preis von 8000 Kr. fiel dem Bildhauer Prof. Hans Bitterlich in Wien zu; der III. Preis von 6000 Kr. dem Bildhauer Hans Müller in Wien; der IV. Preis von 4000 Kr. dem Bildhauer Franz Metzner in Friedenau bei Berlin; der V. Preis von 2000 Kr. dem Bildhauer Alexander Jaray in Charlottenburg und der VI. Preis von 1000 Kr. dem Bildhauer Prof. Georg Winkler in Graz. Dem 26-gliedrigen Preisgerichte gehörten u. a an die Hrn. Bildh. C. Costenoble, Arch. A. Decsey, Arch. Franz v. Krauss, Brth. Friedr. S chachner, Bildh. Ant. Scharff, Brth. A. Streit u. Bildh. Prof. v. Zum¬ busch in Wien. — Wettbewerb Rathhaus Ober-Schönewelde. Auf Anregung der Wettbewerbs-Kommission des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine hat sich die Gemeinde in dankenswerther Weise bereit erklärt, den Betrag des I. Preises von 2500 auf 3000 M. zu erhöhen. — Den Staatspreis der kgl. preuss. Akademie der Künste auf dem Gebiete der Architektur im Betrage von 3300 M. errang unter 5 Bewerbern Hr. Arch. Otto Kuhlmann in Charlottenburg. — Wettbewerb Wohnhäuser Vierlande. Der in unserer Notiz S. 104 genannte Preisträger ist nicht Zimmermeister Matthies, sondern Hr. Arch. Wilh. M a 1 1 h i e s in Bardo wiek. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Eisenb.-Bauinsp. Brth. S c h a d in Strass¬ burg ist unt. Belassung des Ranges eines Rathes IV. Kl. zum Eisenb.- Betr.-Dir. ernannt und ist dems. die Stelle des Vorst, des Materialien- Bür. der kais. Gen.-Dir. der Eisenb. in Els.-Lothringen übertragen. Der preuss. Reg.-Bmstr. Brenner in Luxemburg ist z. kais. Eisenb.-Bauinsp. bei den Reichseisenb. ernannt. Baden. Dem Brth. W e n n e r in Basel ist die etatm. Amts¬ stelle des Bahnbauinsp. das. und dem Reg.-Bmstr. Lehn in Basel Als Ergebniss von Arbeiten, die vom Verbände deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine angeregt und unterstützt wurden, ist seine 1880 erschienene Schrift „Normale Bauordnungen nebst Erläuterungen“ zu be¬ trachten, in welcher er das von den einzelnen Verbands¬ vereinen zusammengetragene Material übersichtlich zu¬ sammengestellt, ergänzt und kritisch beleuchtet hat. Es lag dieser Arbeit der Gedanke zu Grunde, dass es möglich sei, die wesentlichen baupolizeilichen Vorschriften für ganz Deutschland einheitlich zu regeln, gewisser- maassen als eine Vorarbeit für eine Reichs-Bauordnung. Man hoffte so, ohne die Bewegungsfreiheit im Einzelnen zu sehr zu beschränken, ohne berechtigte Eigentümlich¬ keiten der einzelnen Landesgegenden zu unterdrücken, diejenigen Gesichtspunkte, die in ihrer Bedeutung all¬ gemein anerkannt sind, ein für allemal festzulegen und so namentlich eine Summe von Arbeit, die jetzt jedesmal neu geleistet werden muss, eine Summe von Irrthümern, die stets aufs neue begangen werden, ein für allemal er¬ ledigen bezw. ausscheiden zu können. Ob dieser Ge¬ danke, der als ein Ausfluss des sich damals auf allen Gebieten mächtig regenden Einheitsgedankens zu be¬ trachten ist, sich wirklich in die Praxis übertragen lässt, darf vielleicht als zweifelhaft angesehen werden. Auch der Verband hat seine dahingehenden Bestrebungen bisher nicht erneuert, wenn auch die Wiederaufnahme dieser Arbeit von einigen Seiten angeregt worden ist. Diese Arbeit Baumeisters führt uns auf ein anderes Gebiet seiner Thätigkeit, seine Mitarbeit in den Fach¬ vereinen und im öffentlichen Leben über. Wir wollen r44 unt. Verleihung des Tit. Bahnbauinsp. die Stelle eines Zentralinsp. bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb. übertragen. Bayern. Dem Reg.- u. Kr .-Bauass. Kahn in München ist die Bauamtm. -Stelle bei dem Strassen- u. Flussbauamte das. verliehen; der Bauamtm. Reichl in München ist unt. Belassung des Tit. eines Bauamtm. auf die Kr.-Bauass.-Stelle für das Ingfch. bei der Reg. von Ob.-Bayern berufen ; dem Bauamtsass. Spiegel z. Zt. in Kochel ist die Ass.-Stelle am Strassen- u. Flussbauamte München übertragen und der Staatsbauassist. Demi ist zum Ass. beim Str.- u. Flussbauamte Aschaffenburg ernannt Die gepr. masch.-techn. Praktikanten B a u m a n n bei derBetr.- Werkstätte Nürnberg und Schappert bei der Zentralwerkst, in Nürnberg sind zu Eisenb.- Assessoren ernannt. Der Ob.-Bauinsp. Maistre in Buchloe ist seinem Ansuchen entspr. in den Ruhestand versetzt. Preussen. Die Erlaubniss zur Anlegung der ihnen verlieh, nichtpreuss. Orden ist ertheilt und zw.: dem Ob.-Brth. a. D. Knoche in Hannover des Komthurkreuzes II. Kl. des grossherz. hess. Ver¬ dienstordens Philipps des Grossmüthigen ; dem Reg.- u. Brth. B 1 u n c k in Altona des Ehren- Ritterkreuzes I. Kl. des herz. Oldenburg. Haus¬ und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig; dem Prof. Schleyer an der Techn. Hochschule in Hannover des kais. russ. St. Stanislaus Ordens II. Kl.; dem Reg.-Bmstr. a. D. Zopke in Charlottenburg des Kommandeurkreuzes des persischen Löwen- u. Sonnen-Ordens. Versetzt sind die Reg.-Bmstr. : Heinrich in Neumark in den Bez. der kgl. Eisenb.-Dir. Halle a. S. und Eschweiler in Mag¬ deburg in den Bez. der Dir. Frankfurt a. M. - Die Reg.-Bfhr. Herrn. P 1 i n k e aus Hannover und Kurt Abel aus Cossdorf (Hochbfch.), — Franz K o e s t e r aus Limburg, Wilh. Kloevekorn aus Kl. -Haferbeck und Walter Pleger aus Pröbbernau (Eisenbfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Sachsen. Dem Stadtbrth. F r a n z e in Leipzig ist das Ritter¬ kreuz I. Kl. vom Albrechts-Orden verliehen. Der Geh. Ob.-Brth. und Ob.-Landbmstr. a. D. C a n z 1 e r [in Dresden ist gestorben. Sachsen-Weimar. Dem Brth. Reichenbecher in Wei¬ mar ist das Ritterkreuz II. Abth. des grossh. Hausordens der Wach¬ samkeit oder vom Weissen Falken verliehen. Brief- und Fragekasten. Hrn. Ing. V. K. in Wien. Von einer amerikanischen Er¬ findung zur Herstellung von Pflastersteinen „aus gegossenem Granit" ist uns nichts bekannt. Auch ein Spezialfachmann, dem wir die Frage vorlegten, konnte uns keine Auskunft geben. — Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage 2 in No. 13. Es gibt nur sehr wenige Veröffent¬ lichungen über Feuerwachen und Feuerlö sc h- Depo ts. Mir ist blos bekannt: „Grundsätze für die Erbauung von Feuerwachen unter Berücksichtigung der Eigenart freiwilliger Feuerwehren“ von Frhr. C. v. Moltke, städt. Branddir. in Kiel. Verlag Reinhold Hülsen in Frankfurt a. M. „Sammlung von Skizzen neuerer deutscher, englischer und amerikanischer Feuerwachen" von Branddir. Westphalen in Hamburg. Herausgegeben von der techn. Zeitschr. „Feuer und Wasser", Frankfurt a. M. Verlag Joh. Alt in Frankfurt a. M., Börsenplatz 5. — Fritz Epstein, Architekt in Kassel. Zu der Anfrage 2 in No. 9 nennt sich uns die Holzbearbeitungs- Fabrik G. Spellmann in Hannover als Bauanstalt, welche den Bau von Kegelbahnen besonders betreibt. Inhalt: Fassaden-Entwürfe von Helbig & Haiger in München. — Das Jahresfest des Architekten-Vereins in Berlin. — Zum 70. Geburtstage von R. Baumeister. — Vermischtes — Preisbewerbungen. — Personal-Nach¬ richten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. hier nur der ersteren gedenken, wenngleich er seine Kräfte stets bereitwillig in den Dienst der Allgemeinheit und der Stadtgemeinde Karlsruhe im besonderen gestellt hat. Er ist einer der Mitbegründer des 1869 entstandenen Badi¬ schen Architekten- und Ingenieur-Vereins (damals Badischer Techniker-Verein), dessen Vorsitz er lange Jahre geführt und an dessen Arbeiten er stets den regsten Antheil ge¬ nommen hat. Der Verein hat ihn für seine Verdienste jetzt zu seinem ersten Ehrenmitglie de ernannt. Auch zu den thätigsten Mitbegründern und Förderern desVerbati- des deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine dürfen wir ihn zählen. Für den idealen Gedanken der Schaffung eines solchen, die Fachgenossenschaft von ganz Deutschland in gemeinsamem Streben einigenden Verbandes hat er sich begeistert, für seine zweckmässige Organisation seinen klaren abwägenden Verstand eingesetzt und an seinen gemeinsamen Arbeiten bis in die neueste Zeit trotz seiner ausgedehnten Berufsthätigkeit lebhaften Antheil genommen. Es ist ein arbeitsreiches, aber auch ein erfolgreiches Leben, auf das Baumeister an seinem 70. Geburtstage zu¬ rückblicken kann, und wenn man auch nicht bedingungs¬ los alle seine Schöpfungen anzuerkennen, nicht alle seine Worte zu unterschreiben braucht, so werden ihm auch seine Gegner die Anerkennung nicht versagen können, dass er auf dem von ihm gepflegten Sondergebiete als ein Führer aufgetreten ist, der uns auf dem Wege zum Ziele ein gutes Stück weiter gebracht hat. Möge er dieses Amtes noch manches Jahr in Frische walten können! - jr Eiselen. No 22. st*«*«****«« EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 23. * DEN 21. MARZ 1903. * ************** Entwürfe zu Monumentalbauten von Helbig & Haiger, Architekten in München. Vom Bau der Urft -Thalsperre bei Gemünd in der Eifel. Ingenieur: Geh. Regierungs-Rath Professor ie Konstruktion der Sperrmauer mit den Einzelheiten ist aus der Abbildg. 3, Seite 148, ersichtlich. Die Mauer besitzt eine grösste Höhe von Fundamentsohle bis Krone von 58™, die Kronenbreite beträgt 5,5™, die grösste Sohlenbreite 50,5 m. Die Kronenlänge stellt sich auf 226 m. Wie schon erwähnt, ist die Mauer im Grundriss nach einem Halbmesser von 200 m ge¬ krümmt. Sie bat eine grösste Stauhöhe von 52,5“ aus¬ zuhalten und ist an der Beckenseite bis auf 34 m über Fundamentsohle mit einer unter 1:2 geböschten und ab¬ gepflasterten Erdschüttung hinterfüllt. Der Zusammen¬ gesetzte Querschnitt der Mauer ist in Abbildg. 3a darge- stellt; ihr Kern wird aus dem in der Nähe gebrochenen Thonschiefer hergestellt, während die wasserseitige Stirn mit Grauwacke auf etwa 1 m Tiefe verkleidet ist. Ein¬ zelne besonders beanspruchte Quader wie Abdeckplatten und Brüstungen werden aus Niedermendiger Basalt¬ lava hergestellt. Der Gesamt -Kubikinhalt der Mauer (einschl. Ueberfall mit Kaskade) beträgt 155 000 cbm. Als Mörtel kommt ein Kalktrassmörtel zur Ver¬ wendung, dem Intze wegen des langsamen Abbindens, der grösseren Elastizität und Dichtigkeit (abgesehen von dem billigeren Preise) bekanntlich den Vorzug vor dem Portlandzement-Mörtel beim Thalsperrenbau gibt. Namentlich die beiden letzteren Eigenschaften sind von Wichtigkeit, um schädliche Rissebildungen in den Mauern zu vermeiden. Der Mörtel wird im Verhältniss von 1 Raumtheil Weisskalk auf 1,5 Theile O. Intze, Dr.-Ing. h. c. in Aachen. (Schluss.) Trassmehl, auf 1,75 Theile Sand durch Maschinen ge¬ mischt und ziemlich trocken verwendet. Als Sand wird der Haldensand der Mechernicher Bleipoch- Werke benutzt. Da nur kleine, bequem von Hand zu versetzende Bruchsteine zum Kernmauerwerk ver¬ wendet werden, so ist der Mörtelgehalt ein ziemlich hoher. Er stellte sich anfangs auf 42%, ist dann aber mit dem Fortschritt der Arbeiten infolge der inzwischen erworbenen grösseren Fertigkeit der Maurer auf 33 °/0 zurückgegangen. Das Gewicht von 1 cbm fertigen Mauerwerkes kommt auf 2300 ks. Um die möglichste Wasserdichtigkeit zu erzielen, ist die Mauer auf der Innenfläche unter der schon er¬ wähnten Verblendung mit Grauwackequadern mit einem 2,5 cm starken Zement-Trassputz versehen, der noch durch einen Goudronanstrich gedeckt ist. Um trotzdem in die Mauer eindringende Feuchtigkeit vor dem Austritt an der Mauerrückseite abzufangen, sind, wie Abbildg. 3 a und b zeigen, in Abständen von 2,33 bezw. 2,56 m doppelte Drains aus Thonröhren von 6cm Durchmesser eingelegt, die in zwei, die Mauer der Länge nach durchziehende Leitungen von 15 cm Durchmesser einmünden, welche ihrerseits die ge¬ sammelte Feuchtigkeit an die Bedienungstollen der Mauer abgeben. Diese Drainage bewirkt auch ein besseres Austrocknen des massigen Mauerkörpers. Die Mauer wird von zwei Entlastungsstollen durchbrochen, welche sich unter der Erdschüttung am inneren Mauerfuss als gewölbte Durchlässe fort- H5 setzen (vergl. die Querschnitte Abbildg. 3c und d). In den die Mauer selbst durchbrechenden Theil dieser Entlastungsstollen ist eine Rohrleitung von 60 cm Durch¬ messer eingebaut, deren Schieber durch Schächte an der Mauerstirn bedient werden. Diese bis zur Höhe der Mauerkrone emporgeführten und durch eine Brücke mit dieser verbundenen Schächte werden erst nach der Fertigstellung der Mauer in lothrechte Schlitze der selben eingebaut (Abbildg. 3 c und Ansicht der Mauer auf der Bildbeilage in No. 21). Das Mauerwerk der Schächte greift schwalbenschwanzförmig in die Mauer¬ schlitze ein. Um ein Durchpressen des unter hohem Druck stehenden Wassers in den Entlastungs-Stollen zu vermeiden, sind nach Abbildg. 3a und b mehrere, verschieden tief allseitig einbindende Ringe aus Klin¬ kermauerwerk in den Mund des Entlastungs-Stollens eingebaut, die jedesmal allseitig sorgfältig geputzt sind. Als weiterer Entlastungsstollen und ferner zum Zwecke der etwaigen Trockenlegung des Beckens bei späteren Ausbesserungen an der Mauer bleibt der Stollen erhalten, welcher hergestellt werden musste, um während der Bauzeit das Wasser der Urft um die Baustelle herumzuführen. Dieser in den vorspringen¬ den Felsrücken unmittelbar neben dem nördlichen Mauerende gesprengte Stollen (Abbildg. 3 f — k) wird später auf einige 20 m mit einem in den Felsen sägeförmig eingreifenden Betonklotz geschlossen, in welchem nur 2 Rohre von 70 cm Durchmesser einge¬ baut werden, deren Schieber durch einen Bedienungs¬ schacht von kreisrundem Querschnitt zugänglich ist. Dieser Stollen ist nur an den Häuptern ausgemauert, im übrigen nur geputzt. Um einen höheren Aufstau des Beckenspiegels als auf das festgesetzte Maass von 1,5 m unter Mauerkrone zu verhindern, ist nördlich der Mauer am Thalhange ein 90 m langer Hochwasserüberfall mit Kaskade von eigenthümlicher Anordnung vorgesehen (vergl. hierzu die Abbildungen 3 1 und m und auch die photo¬ graphische Ansicht der in Ausführung begriffenen Kaskade Abbildg. 7). Dieser Ueberfall besteht aus einem festen, im Grundriss wellenförmig gestalteten Wehrrücken, dessen Krone in Höhe des höchsten Stauspiegels auf +322,5 liegt und durch im starke, eine eiserne Dienstbrücke von 4 m Breite tragende Pfeiler in Felder von 7 m Lichtweite gelheilt ist. Einige Felder sind noch mit einem Schütz ausgestattet, dessen Sohle auf + 320 liegt. Insgesamt sollen 100 cbm in 1 Sek. abgeführt werden können (d. h. nach früherem noch 20 cbm mehr als das bisher höchste beobachtete Hochwasser führte). Die schwach konkave Kaskade Karl Adolf Traugott Canzler. m 1. März d. J. verschied nach einem arbeitsreichen Leben der letzte der sächsischen Oberlandbaumeister, Hr. Geh. Ob. -Baurath a. D. Canzler im gesegneten Alter von 85 Jahren. Die letzten Stunden seines Erden¬ daseins waren schwer, denn mit aussergewöhnlicher Kraft vertheidigte sich das Leben gegen den Ansturm des sieg¬ reichen Todes, und alle Stadien des Verfalls musste die widerstandsfähige, zähe Lebenskraft durchkosten, ehe sie sich dem Sieger ergab. Im Jahre 1818 in Bautzen geboren, folgte Canzler schon frühzeitig seiner Neigung zur Baukunst. Nach ent¬ sprechender Vorbildung gelang es ihm, eingereiht zu wer¬ den unter die Schüler Gottfried Sempers, dessen künstleri¬ scher Einfluss sich in allen Werken Canzlers Geltung ver¬ schaffte. Um die Laufbahn eines sächsischen Baubeamten — damals und noch für lange Jahre hinaus der einzig mög¬ liche Weg zur Ausübung der Baukunst — einschlagen zu können, trat Canzler 1839 als unbesoldeter Architekt in den Staatsdienst ein und fand seine erste Beschäftigung beim Neubau des Forsthauses Böhringen. Als sich dann im Laufe der Zeiten die Stadt Dresden mächtig entwickelte, als besonders das städtische Bauwesen vor wichtige Auf¬ gaben gestellt wurde, berief die Residenz den inzwischen zum Landbau -Kondukteur emporgestiegenen bewährten Baukünstler in ihre Dienste. So trat Canzler 1857 als Stadtbaumeister in den Gemeindedienst über und verblieb in demselben bis zum Jahre 1861, um nach erfolgreicher Thätigkeit für die aufblühende Elbestadt in den Staats¬ dienst zurückzukehren. Zum Landbaumeister ernannt, stand er zunächst dem vierten, dann dem zweiten Land- 126 mit einer Ges. -Höhe von rd. 50® besitzt Stufen von etwa 1,5 m Höhe, die unmittelbar nach Abräumung der oberen Decke in den Felsen des Berghanges einge¬ arbeitet werden konnten und nur mit einer 50 cm starken Betonschicht bekleidet sind, um ein Eindringen der Feuchtigkeit in die Felsspalten und ein Verwittern des Gesteins zu verhindern. Abbildg. 7 zeigt diese Kaskade in der Ausführung und gleichzeitig den Ausgang des Entlastungsstollens, der während der Bauzeit das Wasser abführte. Das erste Hochwasser, das zur Abführung kam, hat hier die leichte Uferdeckung angegriffen und die Sohlen¬ befestigung bis auf den Felsboden ausgekolkt. Man wird diese Auskolkung als Wasserpolster bestehen lassen. Bezüglich der Ausführung der Mauer ist schon erwähnt worden, dass zunächst zur Aufschliessung der bisher wenig zugänglichen Gegend eine 12 km lange Arbeitsbahn von Gemünd aus gebaut wurde, die vor allem dem Transport der Mörtelmaterialien, ferner der Geräthe, Gerüste und Maschinen und schliesslich auch dem Verkehr der Arbeiter, Aufseher und Beamten dient, welche in Gemünd Wohnung genommen haben. Die Mehrzahl der Arbeiter, zumeist Italiener, wohnt in einem ausgedehnten Barackenlager an der Bau¬ stelle. Es sind zeitweilig etwa 500 Arbeiter auf der Baustelle thätig gewesen. WeitereTransportbahnen wurden erforderlich zur Heranschaffung der an den be¬ nachbarten Berghängen gewonnenen Bruchsteine, von welchen täglich bis zu 300 cbm geliefert werden mussten. Nächstdem galt es, den Ableitungsstollen und den Erdfangedamm zu bauen, um die Baustelle dauernd trocken halten zu können. Bei der Ausführung der Sperrmauer kam es bei der Bewältigung so grosser Massen ganz besonders auch auf geschickte Dispositionen aller Arbeiten an, um ein regelrechtes Ineinandergreifen zu sichern. Ausser¬ dem war die Verwendung von Maschinenkraft in aus¬ gedehntem Maasse geboten. Zur Hebung der im Thale herankommenden Bruchsteine dienten, wie die Bildbei¬ lage in Nr. 21 erkennen lässt, 3 hölzerne Hebethürme, von denen die beiden äusseren die vollen Materialwagen mittels Dampfwinden (bei ausgeglichenem Gewicht) bis zur ieweiligenMauerhöhe schafften, während der mittlere mit 2 Plattformen ausgestattete für die Absenkung der leeren Wagen bestimmt war, die lediglich unter Zuhilfenahme von Bremsen durch das eigene Gewicht erfolgte. Quergleise, die von den Hebethürmen aus¬ gehen und Längsgleise, an diese mit Drehscheiben angeschlossen (in dem breiteren unteren Theil der Mauer 3 im oberen nur 2 an der Zahl), gestatteten bau-Bezirke vor, bis er im Jahre 1879 als Oberland-Bau¬ meister der Nachfolger Hänels wurde. Die Amtsthätigkeit eines Oberlandbaumeisters hat im Laufe der Jahre gewechselt, immer aber umgab sie eine grosse künstlerische Machtfülle. Glänzende Namen, glän¬ zende Werke sind mit dem Titel eines Oberlandbaumeisters eng verbunden und die Namen eines Hans von Dehn- Rothfelser, eines Caspar von Klingel, eines Pöppelmann, eines Krubsacius usw. werden für alle Zeiten in der Kunst¬ geschichte fortleben. Mit der neuen Organisation des sächsischen Staats¬ bauwesens wurde Canzler im Jahre 1883 Mitglied der dem Finanzministerium beigegebenen „Zentralstelle für das Staats-Hochbauwesen“ und erhielt nun den Amtstitel Bau¬ rath, den er fünf Jahre später mit dem Titel Ober-Baurath vertauschte, um dann gelegentlich seines fünzigjährigen Dienstjubiläums im Jahre 1888 zum Geheimen Ober-Bau¬ rath befördert zu werden. Bereits seit 1872 war Canzler Ritter I. Kl. des Verdienstordens und gelegentlich seines Rücktrittes aus dem Staatsdienste, am 1. Juli 1892, ver¬ lieh ihm der König den Komthurgrad des Albrechts-Ordens. Mehr denn 10 Jahre hat der verdiente Beamte seinen Privatneigungen sich noch widmen können, ehe der Tod seine Kräfte zu brechen vermochte. Diese Privatneigun¬ gen aber, sie hiessen Arbeit, rastlose Arbeit! Noch bis in das späte Lebensalter hinein mit scharfen Augen begnadet, war es ihm ein besonderer Genuss, frühere Skizzen archi¬ tektonischer wie malerischer Natur auszuarbeiten, und un¬ ermüdlich benutzte er das Tageslicht zur Bethätigung seines künstlerischen Könnens. Senkten sich aber die Schleier des Abends hernieder, leuchtete der Lampe trauter Schein, so vertauschte er Pinsel und Bleistift mit No. 23. eine Vertheiiung der Steine auf der ganzen Arbeits¬ fläche. Gemauert wurde in Absätzen von 1,5 m, wobei zunächst zwischen den Gleisen und ausserhalb der¬ selben das Mauerwerk hergestellt und nach Verlegung der Gleise auf die erhöhten Mauertheile in den noch tiefliegenden Streifen die Aufhöhung bewirkt wurde. Die Mischung des Mörtels erfolgte mit elektrisch an¬ getriebenen Mischtrommeln, die auf der Höhe am nördlichen Thalhang am Endpunkt der Arbeitsbahn aufgestellt waren und ihren Inhalt in kleine Wagen abgaben. Diese wurden mittels des im Kopfbild No. 21 sichtbaren Bremsberges bis zur jeweiligen Mauerkrone abgelassen, um dann mit Hülfe der Gleise auf der ganzen Arbeitsstelle vertheilt zu werden Während des flotten Betriebes stellte sich die tägliche Leistung im Durchschnitt auf 300 cbm Mauerwerk. Nächst der Ausführung der Sperrmauer selbst ist die Herstellung des 2,8 km langen Kraftstollens der schwierigste und langwierigste Theil des Unter¬ nehmens gewesen, insbesondere, da man stellenweise auf blähenden Tbonschiefer stiess, wodurch die Ar¬ beiten verzögert und die Ausbruchmassen vergrössert wurden. Die Bohrung erfolgt theils von Hand, theils mit elektrisch betriebenen Bohrern von beiden Stollen¬ enden aus. Eine elektrische Zentrale liefert sowohl für den Stollenbetrieb wie für die Baumaschinen an der Sperrmauer Strom von etwa 1200 Volt Spannung, der durch Stromwandler auf 220 Volt an der Ge¬ brauchsstelle herabgesetzt wird. Der Stollen hat 6,14 q.m lichte Querschnittsfläche und ist, wo festes Gestein angetroffen wurde, nur i. M. 0,28 m stark mit Beton ausgekleidet (daher Ausbruchsfläche 8,13 nm). In den Strecken mit losem Gestein sind Gewölbe von 0,51 — 0,77 m Stärke eingezogen. Der Stollen hat auf seiner Gesamtlänge etwa 2 m Gefälle nach der Kraftstation zu, was zum Auspumpen des eindringenden Abbilag. 7. Die Sperrmauer im bau, Sommer 190s. Kaskadeu-Ueberfail mit sturzbett. der Feder. So entstand u. a. auch eine treflliche Ueber- setzung des Letarouilly! Die neue Zeit unterscheidet sich ganz wesentlich von den früheren Jahren, und die Thätigkeit des modernen Architekten ist ebensowohl inbezug auf die Art der Ge- > staltung, als auch auf die Zahl und Grösse der Aufgaben viel reichhaltiger als in jenen haushälterischen Jahrzehnten, in denen der letzte Ober-Landbaumeister zu wirken hatte. In dieser Wirksamkeit lassen sich vier Perioden unter¬ scheiden. Bis zum Uebertritt in städtische Dienste waren es neben einer Anzahl von Forstgehöften hauptsächlich Gerichts-Neu- und Erweiterungsbauten, die Canzler be¬ schäftigten. Als Stadtbaumeister hatte er die Kirchhofs¬ anlage am Hecht in Dresden-Antonstadt zu entwerfen und auszuführen, ebenso die neue Parentationshalle auf dem weiten Friedhofe zu Dresden-Friedrichstadt. Daneben be¬ schäftigten ihn Entwürfe zur Lösung der Platzfrage für das Kreuzgymnasium, für ein Stadtbad usw. In diese Zeit fallen auch die von Canzler im Privatauftrage ausgeführten Bauten für den Zoologischen Garten in Dresden. In den Staatsdienst zurückgekehrt, waren es zunächst zahlreiche Bauten in den Kammergütern (Domänen), denen sich wieder Forsthausbauten anschlossen. Die Lehrer¬ seminare zu Dresden-Friedrichstadt und zu Zschopau, die Gymnasien zu Dresden-Neustadt, zu Bautzen und zu Anna- berg, die katholische Kirche mit Schule und Pfarre zu Pirna, die umfängliche Restauration der berühmten katho¬ lischen Hofkirche zu Dresden führten Canzler in für ihn neue Gebiete der Baukunst ein. Bevor er dazu kam, das Haupt- steueramts-Gebäude im Packhofe auszuführen, war ihm die interessante Aufgabe geworden, für diesen Platz ein Gebäude für das Finanz-Ministerium mit Ministerwohnung 2 t. März 1903, zu entwerfen. Die Hauptaufgabe dieser Periode war aber der Neubau des Gebäudes für das Oberlandesgericht und das Landgericht in Dresden, an das sich ein grosses, nach den modernsten Grundsätzen errichtetes Gefängniss anschloss. Als Ober-Landbaumeister führte Canzler den Umbau des alten Zeughauses zu dem Museum Albertinum aus. Gerade dieser Bau, der einem Neubau ziemlich gleich kam, hat dem Architekten viele und heftige Angriffe eingebracht. Neben seiner eigentlichen baukünstlerischen Thätigkeit war er xo Jahre lang zur Haltung von Vorträgen an der Akademie der bildenden Künste über Bauanschläge ver¬ pflichtet worden. 11 Jahre war er Mitglied der Prüfungs- Kommission. Bei den Wettbewerben um Planungen für den Reichsgerichtsbau in Leipzig, die Neubauten der König Johannstrasse, des Finanz-Ministeriums und des Hauptbahnhofes in Dresden, sowie des Museums in Darm¬ stadt hatte er als Preisrichter mitzuwtrken. — Wenn der ehrwürdige Geistliche am Sarge des letzten Ober-Landbaumeisters dessen Besonnenheit in allen seinen amtlichen Handlungen rühmte, so war das sicher ein auf langjährige, genaue Bekanntschaft gegründetes Urtheil. Be¬ sonnenheit, Zurückhaltung, ruhig wägende Gerechtigkeit bildeten den Grundzug seines Charakters. Canzler hat kein scharf umrissenes Bild in der Entwicklung der sächsischen Baukunst zurückgelassen. Er war mehr besonnen, als stürmischer künstlerischer Aufwallung zugänglich. So haben seine Werke bei vollem monumentalem Zuge den Charakter jener liebevollen Durchbildung, die nicht zum Widerspruch herausfordert, die aber auch nicht hinreisst. Dem Staate ist er ein treuer Diener, seinen Kollegen ein leuchtendes Vorbild hingehendster Pflichterfüllung ge¬ wesen. Die Erde werde ihm leicht! — — w. *47 32V.0 Jnnenseite d.| Sperrmauer n mit Schlitz P.| das Einbinden des Schachtes. c.Querschn. A-B luerschn Hohrleitungen / KV 1 \ 11 -|T— - 1 ' - -'2,bs •.:> I 1 M, !, i — Pf Wehr mit und ohne Schützendurchlass. Vom Bau der Urft-Thalsperre bei Gemünd in der Eifel. Ingenieur: Geh. Reg. -Rath Prof. O. Intze, Dr.-Ing. h. c. in Aachen. 148 No. 23. Entwürfe zu Monumentalbauten von Helblg & Haiger, Architekten in München. 2i. März 1903. 149 Wassers auf der Gemünder Seite während des Aus¬ bruches zwang. Ausserdem wurde der Stollen durch Luftkompressoren künstlich entlüftet. Diese unerwarte¬ ten Schwierigkeiten werden die mit rd. 5 Mill. M. veran¬ schlagten Gesamtkosten der Anlage jedenfalls erhöhen. Die Kosten der Sperrmauer selbst sind auf 4 Mill. M. veranschlagt, so dass sich derPreis für 1 cbm aufgestauten Wassers auf nur 9 Pf stellt *) Mit den Bauarbeiten ist im Juli 1900 begonnen worden und es sollen im Laufe dieses Jahres alle Arbeiten beendet sein. Die Ausführung ist der Firma Philipp Holzmann & Cie. in Frankfurt a. M. übertragen, welche durch Firn Reg.-Bmstr. Habig an Ort und Stelle vertreten wird. Für die Thalsperren- Gesellschaft leitet Hr. Wasserbauinsp. Frentzen die gesamten Bauarbeiten, der gleichzeitig die staatliche Aufsicht ausübt, während sich der Ingenieur der Anlage, Hr. Prof. O. Intze, auch die Oberleitung der Aus¬ führung Vorbehalten hat. - — - — Fr. E. — Ueber die künstlerischen Aufgaben in der Architektur. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 145 und 149, sowie in No. 22 und 24.) im ie Architektur hat, wie die Plastik, im Reigen der Künste die Stellung noch nicht wieder erreicht, die sie in der Antike mit ihren monumentalen Wunder¬ werken einnahm. Während in den übrigen Künsten das verflossene Jahrhundert uns gewaltige Thaten schauen liess, während Goethe, Beethoven, Böcklin, Wagner und Nietzsche mehr und mehr über der Kulturmenschheit den Himmel einer neuen Weltanschauung wölbten, fehlt uns noch die Architektur, bei deren Anblick wir uns, wie in der Nähe jener Heroen, gross und frei fühlen. Wo immer wir nun eine solche suchen, da werden wir stets von Neuem zu den Formen geführt, die uns an der Antike entzücken, ihre Bauwerke unserem Geiste gleichsam ver¬ wandt erscheinen lassen Je mehr sich uns auf den Höhen der Kulturmenschheit eine Wiedergeburt helleni¬ schen Fühlens und Denkens in reicherer und freierer Ge¬ stalt ankündigt, um so mehr wird der Architekt, der dies als Künstler freudig mitempiindet, an jene Formenwelt anknüpfen; er wird sie weiterbilden, bereichern und den neuen Zwecken gemäss umgestälten. So arbeitet er einer stolzen Baukunst der Zukunft vor, die der antiken an Herrlichkeit nicht nachsteht. Zahlreiche Abstufungen führen von den gemeinsamen Zwecken einer grösseren Zahl von Menschen, denen die monumentale Architektur dient, zu der Intimität des Privat¬ lebens; diese Abstufungen sollen in der Architektur zum Ausdruck kommen. Die Besonderheiten der Aufgabe werden für das künstlerische Vorgehen des Architekten bestimmend wirken. In jedem Fall muss der Architekt mit Gesamtmasse und Fläche beginnen und zunächst auf jegliches Ornament verzichten. Bei weiterer Ausbildung der Monumental- Architektur suche man dann sparsam und am gegebenen Platze Pilaster, Säulen, Bogen anzubringen; schon diese Elemente sind gleichsam als Schmuck zu betrachten, eben¬ so Gesims und Dach. Beim Wohnhaus gehören Fenster, Dach und Schornstein zu dem Grundelement, das unter Umständen jede Ornamentik ersetzen muss. Diese Mittel allein müssen dem Architekten genügen, ein stimmungs¬ volles Bild zu erzeugen. Glauben wir nun, dass Stimmung erreicht ist, so kann die eigentliche Ornamentik hinzu¬ treten, und zwar wie ein Edelstein am Gewand einer Dame! Dieses Ornament muss in sich wachsen und leben; es darf kein todter Abdruck eines natürlichen Blattes oder einer Blume sein, sondern muss in dem betreffenden Material seine Daseins-Berechtigung finden. Sind wir uns über die Vertheilung der Ornamentik auf der Fläche klar geworden, so können wir auch dem Bau ein sich orga¬ nisch entwickelndes, reiches Gewand geben, je nach dem Charakter des Bauwerkes. Sollen Farben angewandt wer¬ den, so sei unsere Aufgabe die, die kräftigsten und leuch¬ tendsten Farben zusammen zu stimmen. Die stärksten Farben sind zugleich die monumentalsten; eine Symphonie solcher Farben ist daher nur bei monumentalen Gebäuden wirksam. Bei einer liebenswürdigen Villa ebenso wie bei einem bürgerlich städtischen Hause (lyrischer Art) wäre es verkehrt, starke Farben anzuwenden, denn das Haus würde nur dekorativ auf Kosten der Vornehmheit und Stimmung; dagegen kann man den Monumentalbau durch den rich¬ tigen Gebrauch der kräftigsten und leuchtendsten Farben zur höchsten Stimmung und Vornehmheit steigern. Da eine liebliche Villa nur als Fleck in der Landschalt wirken und sich auf ihr jede Naturstimmung spiegeln soll, so ist Weiss der beste Grundton; er strahlt den zarten gelben Schein des Morgens, das tiefe Blau des Mittaghimmels und die Abendröthe zurück. Anders bei einem Monu¬ mentalbau; dieser, in sich eine Verherrlichung seiner selbst, muss der Monumentalität der Natur die Spitze bieten und sie stilisiert in sich verkörpern. Ebenso ist es mit dem Innenraum. Im Bürgerhaus soll die Sonne durch die Fenster strahlen können und den umherstehenden geschmackvollen Gebrauchs - Gegenständen und kleinen Andenken den Stempel des Lebens aufdrücken. Abend und Morgen, Sommer und Winter sollen den Stimmungs¬ wechsel einer intimen Pläuslichkeit erzeugen. Wir haben daher schon im Jahre 1897/98 und auf der Ausstellung des Glaspalastes in München un Jahre 1898 (siehe Hirth, „Deutsches Zimmer“) einen aus den Formen der Bieder^- meierzeit entwickelten Stil als gesunden Anfang und als Grundlage zu einem geschmackvollen deutschen Heim vertreten; ein solches Heim würde in Wahrheit geeignet sein, alles Kleinliche und Bizarre von uns fern zu halten und überhaupt auf uns im Sinne einer ästhetischen Er¬ ziehung einzuwirken. Denn übersetzen wir die einfach strengen Formen der Biedermeierzeit ins Monumentale, so leuchtet uns die ewige Schönheit antiker Formen entgegen. — - Für Helbig & Haiger: Ernst Haiger. Das Jahresfest des Architekten -Vereins in Berlin. (Schluss.) us dem Vorhergehenden erhellt, dass in Wirklich¬ keit die Zeit des Mittelalters wie die unsere unter dem Drucke sich beständig verschärfender Erwerbs- Bedingungen mit allen unerfreulichen Begleiterscheinungen zusammengedrängter Volksmassen gestanden hat. Solche Begleiterscheinungen bot auch damals der Hausbau; wir können nicht sagen, dass die Grundlagen des Schaffens für den mittelalterlichen Baumeister abwechselungsreicher gewesen wären. Wir können nur den gewaltigen künstle¬ rischen Abstand empfinden zwischen der reizlosen und abstumpfenden Wirkung heutiger Miethshaustypen und der frischen Mannigfaltigkeit, mit der das Mittelalter seine ebenso massenhaft gleichmässige Hausform durchzubilden verstanden hat. Und ähnlich diesen kleinsten Denkmälern bürgerlicher Bauthätigkeit verhält es sich mit den grösse¬ ren Aufgaben. Auch das Patrizierhaus wiederholt in der gleichen Gegend den gleichen, wenig veränderten Typus. Was an Raihhäusern, Kaufhäusern, Fleischhallen, Gilde¬ häusern usw. erbaut wurde, beruhte durchweg auf der allereinfachsten Grundlage gleichmässiger und einförmiger Saalbauten. Un,d doch müssen wir staunen über die wunderbare Mannigfaltigkeit der Lösungen, die uns an diesen Werken entgegemritt, deren Zauber so gross ist, *) Als Vergleich sei angeführt, dass sich die Kosten für 1 cbm bei der Beverthalsperre auf 27 Pf., bei der Remscheider Thalsperre auf 36 Pf., bei den mit massiven Mauern abgeschlossenen Stau¬ weihern in den Vogesen zumeist auf 30—40 Pf. stellen. dass den Wenigsten die Gleichartigkeit der Aufgabe über¬ haupt nur zum Bewusstsein kommt, dass auch hier der reiche Wechsel der Formen in Vielen ganz zu Unrecht die Ueberzeugung sehr wechselnder Grundanlagen hat aufkommen lassen. Wie stimmt das zu den Anschauungen, an die wir uns zu halten gewöhnt sind und welchen die Schönheit eines Baues wesentlich darin beruht, dass die Bestimmung des Werkes und seine innere Eintheilung in der Fassung des Aeusseren zum Ausdruck kommen sollen? Die Schönheit der mittelalterlichen Bauten liegt in etwas Anderem; sie ist von so bezwingender Kraft, dass trotz aller theoretischer Einreden die Kunst der Gegenwart in immer wachsendem Maasse von dem Einfluss dieser Vorbilder durch tränkt worden ist. Man glaubte in der anscheinend regellosen Anlage dieser malerischen Vorbilder die volle Freiheit von allen Fesseln gefunden zu haben, die man für das selbständige Ausleben der angeblich ganz neuen und eigenartigen neu- zeitlichenEmpfindungswelt allein für angemessen erachtete. Aber liegt nicht doch eine tiefere Gesetzlichkeit allen die¬ sen anscheinend willkürlichen Erscheinungen zugrunde? Diese geht nicht aus den Einzelformen und der Gliederung der Flächen hervor, sie greift die Aufgabe elementarer und tiefer an und regelt vor allem die Massenwirkung der Bauten. Das, was man bei der neuzeitlichen Nachahmung mittelalterlicher Bauten meist für unerlässlich gehalten hat, der „malerische Grundriss“, die Auflösung schon der unte¬ ren Gebäudemassen, ist dem Mittelalter ganz fremd ge- 150 No 23. wesen. Selbst die Burgenbauten, die im Anschmiegen an» die unregelmässige Form der Bergkuppe am ehesten zu' bewegteren Grundrissformen hätten führen können, lassen die Bevorzugung schlichter Grundformen klar erkennen. Viel strenger jedoch noch wie bei diesen Bauten ist der Grundsatz straffster Zusammenhaltung der Massen und ihre Zurückführung auf wenige klar getrennte Grund¬ formen bei allen auf ebener Fläche freistehenden Gebäu¬ den zu beobachten. Auch bei der späteren Erweiterung solcher Bauten waren sich die alten Meister der Wichtig¬ keit einfacher Grundlagen der Massen bewusst. Indem man aber an den Kern solcher Grundformen in der Masse untergeordnete Vor- und Anbauten oft als selbständige Schmuckstücke reichster Ausstattung angliederte, gewann man eine neue und typisch gesetzmässige Art der Massen¬ gliederung, in welcher Redner den ausgeprägt deutschen Zug unserer mittelalterlichen Baukunst erblickt. Sie bildet den klaren Ausdruck für den frei behaglichen Sinn des deutschen Bürgers, der im selbständigen Anschluss des Einzelnen an die grössere Gemeinschaft seine höchste Kraft entfaltete. Diese deutsche Art unterscheidet sich scharf von den auf streng gemessenes Auftreten, auf straffe Zentralisation gerichteten Geist romanischer und orienta¬ lischer Völker. Doch bei allem Reichthum von Formen, von Linienführungen und von Ausdrucksmöglichkeiten tritt uns bei aller persönlicher Freiheit das Streben nach strenger Gesetzmässigkeit des Masseneindruckes wieder klar entgegen. Nicht in den ins Auge fallenden malerischen Unregelmässigkeiten ist somit die fesselnde Wirkung der Bauten begründet, sondern in dem hier in feiner Weise zum Ausdruck kommenden Kampfe zwischen den prak¬ tischen Forderungen der Wirklichkeit und der höheren Regel einer idealen Ordnung. Dass der Beschauer diesen Kampf mitempfindet und miterlebt, darin liegen der tiefe Reiz und der frische natürliche Eindruck der mittelalter¬ lichen Bauten. Wir sind durch den Einfluss romanischer Spätrenaissancestile gewöhnt, in der Einzelform die Träge¬ rin der Entwicklung, in ihrer Abwandlung und Steigerung das Leben der Baukunst und den persönlichen Inhalt des einzelnen Werkes zu sehen. Ganz anders ist das Ver- hältniss in der mittelalterlichen Baukunst. Hier sind es die Massengliederung und die Umrissbildung, in welcher sich die Eigenart und die Persönlichkeit des Künstlers ausdrücken. Es ist ein unvergleichlicher Reichthum der Motive dadurch gewonnen, dass nicht nur die durch Ueber- lieferung und Naturbeobachtung bestimmte Einzelform, sondern die nach der unermesslichen Verschiedenheit der Aufgabe sich ewig verändernde Gesamtanordnung zum bestimmenden Grunde der Erscheinung erhoben wurde. Und das wurde sie in ganz anderem Maasse, als zu irgend einer anderen Zeit. Niemals wieder sind die Mittel in so hohem Maasse auf die Gesamtanlage der Bauten verwen¬ det, hohe Dächer mit grossen Kosten aufgeführt, Stock¬ werk über Stockwerk aufgesetzt und Thurmbauten hinzu¬ gefügt worden aus keinem anderen als dem rein künstle¬ rischen Grunde, die Gesamtanlage, den Umriss des Baues zu höherer Wirkung zu bringen. Diese überwiegende Bevorzugung der Gesamtanlage gab der deutschen Bau¬ kunst die Fähigkeit, das wiederholte massenhafte Ein¬ strömen fremder Formgedanken aus eigener innerer Kraft zu überwinden. Es gibt, so schliesst der Redner, wohl auch dem, der in äusserem Erfolge den Gradmesser der künstlerischen Bedeutung sieht, zu denken, dass es den bescheidenen Meistern des Mittelalters in stiller Hingabe an ihre Kunst gegeben gewesen ist, das zu formen, was uns heute mit dem lauten Schlachtruf nach Bethätigung der Persönlich¬ keit und mit den lebhaftesten Anstrengungen zur Erreichung eines „neuen Stiles“ noch nicht gelingen wollte: die Bildung einer volksthümlichen, fest in ihrer Eigenart geschlossenen und dem Ausdruck starker Persönlichkeit günstigen deut¬ schen Kunst. Wir können unmöglich uns verschliessen vor den Anregungen, die uns in den grossartigen monu¬ mentalen Leistungen der italienischen Renaissance, in dem überwältigenden Prunk französischer Königsschlösser, in den phantastischen Zauberbauten aus der goldenen Zeit Spaniens gegeben sind. Aber wie man sich dem Studium fremder Sprachen und der Anregung fremder Litteraiur erst hinzugeben pflegt, nachdem man die eigene Sprache des täglichen Lebens und ihre Gesetze zu beherrschen gelernt hat, so könnte es wohl auch für uns nahe liegen, uns zuerst mit den Werken vertraut zu machen, die, aus der Gemüthsfülle unserer Vorfahren geschaffen, gerade die Verklärung des einfachen Bedürfnisses, die Durch¬ dringung des ganzen Lebens mit schlichter wahrer Kunst für ihre Zeit in unübertrefflicher Weise geleistet haben. — Dem anregenden Vortrage folgte das Festmahl. Das¬ selbe hatte Hr. Erwin Linkenbach mit einer schönen Zeichnung der Tischkarte beschenkt. Die Reden hielten sich in wohlthuend gemessenen Grenzen. Unter ihnen ragte durch Inhalt und Form die geistvolle Ansprache des Rektors der Technischen Hochschule in Charlottenburg, Prof. Kämmerer, hervor. — Wenn wir in der Einleitung unseres Berichtes sagten, dass das diesmalige Jahresfest des Architekten-Vereins unter zahlreicherer Betheiligung und in gehobenerer Stimmung begangen worden sei, wie die letzten vorangegangenen Feste, so mag dies, abgesehen von der Anziehungskraft, die der Festredner ausübte, auf zufälligen Umständen beruhen. Die äussere Anordnung des Festes hielt sich so sehr in den hergebrachten Formen, ja liess in dem Fortfall des feierlich stimmenden einleiten¬ den Chorgesanges etwas vermissen, was zahlreiche Be¬ sucher so ungern entbehrten, dass vielfach der Wunsch nach einer Umgestaltung des Festes laut wurde. Wenn wir; diesem Wunsche hiermit Ausdruck geben, so richten wir ihn zugleich auf folgende Hauptpunkte: Eine alljähr¬ lich veränderte Festdekoration, gewonnen auf dem Wege der Monats- Wettbewerbe; Wiedereinführung einer stim¬ mungsvollen, vokalen oder instrumentalen (oder beides) Eröffnungs- und Schlussmusik; Ausscheidung des seiner Natur nach für eine Festsitzung ungeeigneten Geschäfts¬ berichtes aus dem Feste und Ersatz desselben durch eine Ansprache idealen Charakters des Vorsitzenden mit einem aus den Bewegungen der Zeit herausgegriffenen Thema und mit Ueberleitung auf die feierliche Preisvertheilung ; dann Festrede. In dieser, wie wir glauben, vielseitigeren und anziehenderen Gestalt dürfte sich das Jahresfest des Architekten-Vereins, in welchem Baukunst und Ingenieur¬ wesen von Berlin seit Jahrzehnten einen festen Pol in der Erscheinungen Flucht zu sehen sich gewöhnt haben, zahl¬ reiche neue Freunde gewinnen. — _ H. — Aus welchen Materialien bestehen die „fugenlosen Fussböden“ und was ist bei deren Verwendung zu beobachten? n den 8oer Jahren v. Jahrh. wurde ein Baumaterial in Plattenform unter dem Namen „Magnesitplatten“ von Berlin aus in den Handel gebracht, welches in¬ folge seiner guten Beschaffenheit in den ersten Jahren einen schnellen und bedeutenden Absatz fand, später durch Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Herstellungsweisen minderwerthig wurde und heute fast ganz vom Bau¬ markt verschwunden ist. Dieses Plattenmaterial, welches hauptsächlich zur Herstellung von Wandbekleidungen an Schuppenbauten usw. wie auch zu Fussbodenbelägen grosse Verwendung fand, bestand aus gebranntem Ma¬ gnesit, einem auf bergmännische Weise geförderten Ge¬ stein, welches in Deutschland nur in Schlesien vorkommt. Zu Mehl vermahlen wurde dieser Stoff unter Zusatz von Chlormagnesium -Lösung, Sägemehl und einer Ein¬ lage von Jutegewebe in Holzformen von i x i bis i x 1,50 m Abmessungen in breiigem Zustande gestrichen, in wel¬ chem das Abbinden der Massen vor sich ging. Nach einigen Tagen war eine genügende Erhärtung eingetreten und in 3 — 4 Wochen waren die Platten versandfähig. — In ganz gleichartiger Zusammensetzung bilden die vor¬ erwähnten Bestandtheile den „Estrich“ der „fugen¬ losen Fussböden“, welche heute unter den verschie¬ densten, unter Musterschutz stehenden Namen, wie Torga- ment, Xylopal, Papyrolith, Korkolith, Mineralith, Terralith usw. täglich inFachzeitungen angeboten werden. Die anstandslose Verwendung dieser Fussbodenmasse hängt jedoch von einer peinlich genauen Einhaltung der Mischung der Chlormagnesiumlösung mit dem Magnesit¬ mehl und der Beimischung von Sägemehl usw. ab, wobei ersteres eine Dichtigkeit von 26—28 0 nach der Baume¬ schen Skala besitzen, das Magnesitmehl in möglichst frisch gebranntem Zustande verwendet werden und das Mischungsverhältniss der Gewichtsmengen von Magnesit¬ mehl zur Chlormagnesiumlöiung und dem Zusatz an Säge¬ oder Korkmehl sich wie 1,75 : 2,50 : 0,55 — 0,70 Einheiten verhalten muss. Bei Abweichungen von diesem Mischungs¬ verhältniss und nicht genügend intensiver Durcharbeitung der angerührten Masse während längerer Zeit werden sich dieselben Herstellungsfehler zeigen, die den Magnesit¬ platten ihre Verwendung entzogen. Die Färbung dieser Estriche wird durch Zusatz von säurefesten Zementfarben erzielt und es müssen diese Fussböden bei richtiger Her¬ stellung und gewöhnlicher Tagestemperatur in 4 — 5 Tagen benutzungsfähig sein. Ein Abweichen vom Mischungsverhältniss lässt die Estriche hygroskopisch werden, indem bei Temperatur- Schwankungen Ausscheidungen von Chlormagnesium sich 21. März 1903. 151 zeigen, die zerstörend auf Holz, Eisen, Putz usw. einwirken. Es dürfen ferner diese Estriche nicht auf feuchter Unter¬ lage, noch auf massiven Unterkonstruktionen hergestellt werden, wenn letzteren Kalk- oder Gipsmörtel beigemischt, oder wenn sie durch voraufgegangenen Decken- und Wand¬ putz mit Abfällen dieser Art bedeckt sind, da das Chlor¬ magnesium diese Mörtelarten bezw. Putzabfälle zum noch¬ maligen Arbeiten bringt, den Estrich hierdurch zerstört und in die Höhe treibt. Beim Verlegen dieser Fussböden über Eisentheile hinweg müssen solche vorher durch eine Isolierung von Zementanstrich, Magerbeton usw. geschützt werden, um die zerstörenden Eigenschaften des Chlor¬ magnesiums gegen Metalle unschädlich zu machen. Im allgemeinen sind diese Magnesit-Mischungen gegen Säuren indifferent, werden jedoch von Fettsäuren und Harn¬ säuren angegriffen, unter deren Einwirkung sie speckig weich werden. Sie sind als Fussböden für Wurstfabriken in der Nähe der Kochkessel, in Pissoirs usw. keinesfalls Preisbewerbungen. Der internationale Wettbewerb betr. Entwürfe für die Fassade des neuen Aufnahmegebäudes im Bahnhof Basel der Schweizerischen Bundesbahnen stellt eine dankbare Aufgabe. Es handelt sich um den Entwurf einer Haupt- und zweier Seitenfassaden eines im Grundriss festgestellten Gebäudes. Ueber den Stil sind Angaben nicht gemacht, über das Material nur insofern, als „nur anerkannt gute und wetterbeständige Baumaterialien" infrage kommen und Steine des Inlandes bevorzugt werden. Für 3 Preise stehen 10000 Frcs. zur Verfügung; die Festsetzung der Höhe der einzelnen Preise ist dem Preisgerichte über¬ lassen. Die Fassaden und ein Querschnitt sind 1 : 200 ver¬ langt, dazu jedoch noch Einzelheiten 1 : 50 oder 1 : 20. Die durch Preise ausgezeichneten Entwürfe werden Eigenthum der schweizerischen Bundes-Bahnverwaltung und können von dieser beliebig für die Bauausführung benutzt wer¬ den. Dem Preisgericht gehören an die Architekten Prof. Hans Auer in Bern, Vischer in Basel. Prof. G. Gull in Zürich, sowie die Mitglieder der Schweiz. Bundesbahnen 5 a n d in Bern und H u i in Basel. Einsendung 31. Mai 1903. — Wettbewerb evangelische Kirche Innsbruck. Unserer bez. Ankündigung in No. 15 tragen wir nach, dass der Bauplatz für die neue Kirche im Villenviertel in Innsbruck an einer Strassenkreuzung liegt und eine Form hat, die zu einer malerischen Gruppirung einladet. Die Baugruppe wird aus Kirche und Pfarrhaus bestehen; die Bausumme für beide ist mit 220000 Kr. festgesetzt. Die Kirche soll 280 Sitzplätze im Schiff und Orgelchor, sowie 70 Steh¬ plätze enthalten. Für die Fassaden ist Nagelflue oder Putz zu verwenden; ein Stil ist nicht vorgeschrieben, „doch ist stets im Auge zu behalten, dass diese Kirche, wenn auch mit geringen Mitteln erbaut, doch dazu berufen ist, in der Fremdenstadt Innsbruck bemerkt zu werden". Ueber die Ausführung sind Zusicherungen nicht gegeben, das Recht der Wahl des zur Ausführung zu bringenden Entwurfes ist Vorbehalten. Doch lässt der Umstand, dass die Wettbewerber anzugeben haben, unter welchen Be¬ dingungen sie die Bauleitung übernehmen würden, viel¬ leicht darauf schliessen, dass thatsächlich die Absicht be¬ steht, einem Preisträger die Ausführung zu übertragen. — In dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Erweiterungsbau des Restaurations-Gebäudes auf dem Steinberge in Lauban wurde der I. Preis nicht vertheilt. Den II. Preis errang der Entwurf „St. Sylvester" der Hrn. Boernstein & Kopp in Friedenau. Die Entwürfe „Altes und Neues“ und „Waldschänke" wurden zum Ankauf empfohlen und auch zum Preise von je 500 M. angekauft. Als Verfasser ergaben sich die Hrn. Herrn. Z sch au & Willy Heerwagen in Grimma, sowie Max Dorendorf 6 Paul Gorgass in Magdeburg. — Zur Erlangung von Entwürfen für eine evangelische Kirche in Cassel wird vom Presbyterium der Freiheiter Gemeinde in Cassel ein Wettbewerb für die Architekten des Regierungs -Bezirkes Cassel ausgeschrieben. Dabei gelangen 3 Preise von 2000, 1500 und 1000 M. zur Ver- zu verwenden. Eine Beimischung von Asbest, welche der mit dem Namen „Mineralit" bezeichnete Estrich enthält, ist eine sehr günstige, indem die ohnehin geringe Ab¬ nutzung dieser Fussbodenmasse dadurch noch erhöht wird und ein Reissen derselben verhindert. Eine grössere, allgemeinere Anwendung dieser Fuss- bodenbeläge bei angemessenen Preisen, namentlich für Schulen und Krankenhäuser, in welchen ich solche in grösserem Umfange herstellen liess, ist zu empfehlen, da in diesen Baulichkeiten eine öftere Reinigung mit grossen Wassermengen erforderlich ist, welche dann leicht ohne Schaden für Untergrund und Wände erfolgen kann, nament¬ lich, wenn der Estrich als Fussleiste an den Umfassungs¬ wänden in 10—12 cm Flöhe angeputzt wird. Erforderlich sind jedoch eine genügende Aufsicht seitens der Bauleitung und die Gewährleistung einer ordnungsmässigen Her¬ stellung durch gewissenhafte Arbeitskräfte. — H. Lehnhoff, Architekt, Bergedorf b. Hamburg. theilung. Dem aus 5 Mitgliedern bestehenden Preis¬ gerichte gehören als Architekten an die Hrn. Brth. Boesser und Stdtbrth. Hopfner in Cassel, sowie Reg.- Bmstr. Sieb old in Bethel bei Bielefeld. Unterlagen gegen 2 M., die nach Einreichung eines Entwurfes oder nach Rückgabe der unbenutzten Unterlagen zurückerstattet wer¬ den, durch Hrn. Stiftskassierer Bohne, Cassel, Orleansstr. 43. Brief- und Fragekasten. Hr. C. B. ln Hohenlimburg. Da Sie in Ihrem B’augescbäft durchschnittlich 200 Arbeiter beschäftigen , bestand für Sie die Pflicht, gemäss H.-G.-B. § 2 sich in das Handelsregister eintragen zu lassen; Sie sind demnach Mitglied des Handelsstandes, zu dessen Gunsten die Handelskammern dienen sollen. Letztere darf Sie als Mitglied behandeln, welches bei Vertheilung der Unkosten im Wege der Umlage beitragspflichtig ist. So lange keine Handwerks¬ kammer für Ihren Geschäftsbezirk bestanden hat, scheint Ihre Her¬ anziehung zu den Umlagebeiträgen Sie nicht befremdet und scheinen Sie solche gutwillig gezahlt zu haben. Beschwert halten Sie sich vielmehr erst durch die gleichzeitige Heranziehung, die Kosten der neu gegründeten Handwerkskammer mit aufbringen zu sollen. Die auf G. v. 26. Juli 1900 beruhende Einrichtung der Handwerker¬ kammern geschah zugunsten des Handwerkes, welches die Kosten ihrer Unterhaltung aufzubringen hat. Der Betrieb eines Bauge¬ schäftes fällt selbst dann unter das Handwerk, wenn er im Um¬ fange des Ihrigen geschieht. Mithin liegt ihre Belastung mit Hand¬ werkskammerbeiträgen innerhalb des Gesetzes und es würde der Versuch, von denselben freizukommen , Ihnen missglücken. Aber auch von den Handelskammer-Beiträgen können Sie nach Lage der Gesetzgebung nicht befreit werden, weil nicht vorgesehen ist, dass die durch H.-G.-B. § 2 zur Anmeldung ihrer Firma gezwungenen Gross-Gewerbebetriebe, welche gemeinüblich Sollkaufleute genannt werden, von der Heranziehung zu Beiträgen befreit bleiben sollen. Dabei ist zuzugeben , dass der jetzige Zustand Unzuträglichkeiten birgt und für die Grosshandwerke zu einer Doppelbesteuerung führt. Es ist dies schon längst im Kreise der Betheiligten em¬ pfunden worden. Schon der Innungs-Verband der deutschen Bau¬ gewerbe hat 1901 beim Reichstage und Landtage um Abhilfe ge¬ beten , die jedoch versagt blieb, weil im Landtage daraufbin ein Initiativantrag gestellt, aber später vom Antragsteller Felisch fallen gelassen wurde, was die Petition zum Scheitern brachte. Es ist Abhilfe des heutigen Misstandes nur durch neue Anträge beim Reichstage und den Landtagen zu erreichen , doch ist dann aber gleichfalls dafür zu sorgen , dass man sich einen muthvollen und zielbewussten Vertreter in den bezüglichen Körperschaften verschafft. Die bevorstehenden Wahlen geben hierzu Gelegenheit. — K H-e. Anfragen an den Leserkreis. Welche Hebevorrichtung empfiehlt sich zur selbstthätigen, periodischen (3-stündlichen) Entleerung einer Desinfektionsgrube für ein Krankenhaus? — Fäkalien sowohl wie Wirthschaftswasser sollen nach der Desinfektion abgeführt werden. — Reg.-Bmstr. G. in G. Inhalt : Vom Bau der Urft-Thalsperre bei Gemünd in der Eifel (Schluss). — Karl Adolf Traugott Canzler f. — Ueber die künstlerischen Aufgaben in der Architektur. — Das Jahresfest des Architekten -Vereins in Berlin (Schluss). — Aus welchen Materialien bestehen die „fugenlosen Fussböden“ und was ist bei deren Verwendung zu beobachten? — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. — Verband deutscher Architekten- und Ingenieur -Vereine. _ _ _ Hierzu eine Bildbeilage: Atelier der Architekten Helbig & Haiger in München. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwort!. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Der Unterzeichnete Ausschuss giebt hiermit den Fachgenossen bekannt, dass die Gemeinde-Verwaltung von Ober-Schöneweide, seiner Anregung folgend, betreffs des Rathhaus-Wettbewerbes in dankenswerthester Weise den I. Preis um 500 M. erhöht hat; es ist infolge dessen die Betheiligung an diesem Wettbewerbe zu empfehlen. Dagegen hat der Ausschuss nach reiflicher Prüfung der Unterlagen der Wettbewerbe „Be¬ bauungsplan Freiberg i. S.“ und „Kaiser Wilhelm-Denkmal Bielefeld“ beschlossen, den Fach¬ genossen von der Betheiligung an diesen beiden Wettbewerben entschieden abzurathen. — Berlin, den 14. März 1903. Der Verbands-Ausschuss zur Wahrung der Wettbewerbs-Grundsätze: Gramer. ic2 N°- 23- llUliilSIlIllllllillllilllllllllillll II DEUTSCHE BAUZEITUNG 11 || XXXVII. JAHRG. NE 24. BERLIN, DEN 25. MÄRZ 1903 || illHHHIIlHHIlIIHHMUIlllH Mittheilungen aus Vereinen. ereinigung Berliner Architekten. An der III. ordent¬ lichen Versammlung vom 22. Jan. d. J. nahmen unter Vorsitz des Hrn. von der Hude 62 Mitglieder theil. Als neues Mitglied wurde bekannt gegeben Hr. Fr. Eiselen. Hr. Solf berichtete über die Vorarbeiten zur Gestaltung der Architektur - Abtheilung der Grossen Berliner Kunstaus¬ stellung 1903 (s. S. 143); Hr. Ebhardt berichtete über die Berathungen der Kommission für Denkmalpliege. Nach einer kurzen Besprechung, an welcher die Hrn. Ebhardt, Krause undSpindler theil nahmen, wurde beschlossen, ber die Betheiligung der architektonischen Vereinigungen an den Denkmaltagen sowie über die Entsendung von Vertretern der „Vereinigung Berliner Architekten“ zu den¬ selben in einer einzuberufenden ausserordentlichen Ver¬ sammlung zu be- rathen. Derselbe Beschluss wird zum Punkte 4 der Ta- ges-Ordnung betr. einen Antrag der H anno versehen Ar- chitekten-Gilde ge¬ fasst, nachdem zu diesem Gegenstän¬ de die Hrn. Eb¬ hardt, Eiselen, Krause,Möhring, R o e n s c h und Spind ler gespro¬ chen hatten. Die „ Vereinigung B.A.“ stimmte den Be¬ strebungen zu, die daraufhinausgehen, mit der Ausstellung von St. Louis eine deutsche Architek¬ tur-Abtheilung zu verbinden, gab je¬ doch dem Wunsche Ausdruck, dass die Theilnehmer mög¬ lichst von allen Un¬ kosten zu entlasten seien. Ein Vor¬ schlag desHrn.Alfr. J. Balcke, in diese Ausstellung auch eine Ausstellung vonAnsichtenhisto- rischer Bauwerke Deutschlands ein¬ zubeziehen, damit die Fachgenossen Amerikas mehr als bisher auch auf die Architekturschätze Deutschlands auf¬ merksam werden, fand sympathische Aufnahme. — Den Haupt - Gegenstand des Abends bildete die Vorführung des Entwurfes zum neuen Reichs¬ pat ent amte durch Hrn. Solf und den als Gast anwesen¬ den Hrn. Geh. Reg. - RathHückels. Da wir die Hoffnung haben, unseren Le- Fassaden-Entwurf von Helbig & Halger, Architekten in München. sern den durch die Architekten Solf &Wichards auf¬ gestellten trefflichen Entwurf für eines der grössten Ver¬ waltungs-Gebäude, die das Reich je ausgeführt hat, im Bilde darbieten zu können, so enthalten wir uns für heute aller weiteren Angaben. Im Saale war eine sehr bemerkenswerthe Ausstellung von Entwurfsarbeiten der Hrn. Jansen, Will. Müller und Schweitzer angeordnet. — In der ausserordentlichen Versammlung vom 6. Febr. d. J., an der unter Vorsitz des Hrn. v. d. Hude 36 Mitglieder theilnahmen, kamen zunächst 2 Anträge zur Berathung, welche der Magdeburger Verein an die preuss. parlamentarischen Körperschaften zu richten gedenkt und zu welchen die Zustimmung der „Vereinigung“ erbeten J53 wurde. Diese erfolgte nach einer lebhafien Besprechung, an welcher die Hrn Bangert, Büttner, Ebhardt, Reimer, Welz und Wolffenstein theilnahmen, zu dem Anträge, „durch ortsstatutarische oder polizeiliche Bestim¬ mungen die Zerstörung solcher im privaten oder öffent¬ lichen Besitze befindlichen Bauwerke bezw. Baudenkmäler, welche einen bleibenden Geschichts- oder Kunstwerth haben oder von besonderer Bedeutung für den Charakter eines Orts- oder Landschaftsbildes sind, zu verhindern und Veränderungen an denselben zu verbieten oder doch von der Erfüllung bestimmter, durch den Stil des Bau¬ werkes oder seiner Umgebung gebotener Bedingungen abhängig zu machen“. Die Zustimmung wurde jedoch durch die Versammlung einem weiteren Anträge versagt, nach welchem vorgeschlagen wird, durch ortsstatutarische Be¬ stimmungen Maassnahmen zu treffen, dass in gewissen, näher zu bestimmenden Strassenzügen oder Stadtgegenden dem baulichen Charakter der Oertlichkeit bei der Errich¬ tung von Neubauten Rechnung getragen werde, sodass derselbe auch für die Zukunft gewahrt bleibt. Die Ver¬ sammlung hielt es nicht für möglich, in dieser Beziehung bestimmte Vorschriften zu erlassen und erblickte in den¬ selben eine nicht erwünschte Beeinträchtigung der künst¬ lerischen Freiheit. Eine sehr lebhafte Aussprache entwickelte sich dar¬ auf wieder über die Frage der Vertretung der Kreise der praktischen Architekten auf den Denkmaltagen. An der Besprechung nahmen die Hrn. Büttner, Dinklage, Ebhardt, Alb. Hofmann, Krause, Meydenbauer, Reimer, Stiehl und Wolffenstein theil. Die Ver¬ sammlung war einmüthig der Ansicht, dass es in hohem Grade erwünscht erscheine, die Ansichten der praktischen Architekten mehr als bisher auf den Denkmaltagen zum Ausdruck gebracht zu sehen. Es werden dazu eine Reihe von Maassnahmen vorgeschlagen und beschlossen; es wurde angeregt, die von der „Vereinigung“ gewählte Kommission für die Denkmalpflege als ständige Kommission zu be¬ stellen und es wurde beschlossen, statt eines Vertreters der Vereinigung deren zwei auf die Denkmaltage zu entsen¬ den. Die Wahl dieser beiden Vertreter wurde auf eine spätere Sitzung vertagt. Nicht minder lebhaft ist die Besprechung über den wiederholt gestellten Antrag der Hannoverschen Archi- tekten-Gilde betr. die gemeinsame Berathung von Bestre¬ bungen zum Zusammenschluss der Architekten Deutsch¬ lands. An der Besprechung nahmen die Hrn. Bangert. Eiselen, Alb. Hofmann, Reimer, Solf, Welz und Wolffenstein theil, und es wurde mit grosser Majorität der Beschluss gefasst: „Die Vereinigung Berliner Archi¬ tekten ist nicht in der Lage, dem Antrag der Hannover¬ schen Architekten-Gilde auf Veranstaltung einer gemein¬ schaftlichen Berathung über deren Vorschläge für den Zusammenschluss aller Architekten Deutschlands zu ent¬ sprechen, da sie der Ansicht ist, dass das Gute, welches in den Vorschlägen enthalten ist, durch den „Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine“ zu erfolg¬ reicher Durchführung gebracht werden kann“. Als neue Mitglieder wurden an diesem Abend die Hrn. Hugo Heger und Koberstein bekannt gegeben. Im Saale hatte Hr. Theuerkauf eine Sammlung seiner anziehenden gemalten und gezeichneten Reisestudien ausgestellt. — Zu der IV. ordentl. Versammlung am 17. Febr. d. J. waren auch die Damen der Mitglieder eingeladen und zahlreich erschienen. Die Versammlung wurde durch Hrn. von der Hude geleitet. Hr. Meydenbauer sprach über seine im Aufträge des Kaisers unternommene Reise nach Konstantinopel und Baalbeck und führte eine grosse Reihe von Lichtbildern nach Aufnahmen aus der Hagia Sophia und aus den Ruinen von Baalbeck vor. Wie schon frühere Darbietungen, so fanden auch diese den bewun¬ dernden Beifall der Versammlung. — Am 26. Febr. besichtigten zahlreiche Mitglieder das von den Hrn. Reinhardt &Süssenguth erbaute neue Rathhaus in Charlottenburg. Wir kommen auf das schöne Werk noch ausführlicher zurück. — In der geselligen Zusammenkunft vom 12. März, zu welcher sich unter dem Vorsitz des Hrn. Wolffen¬ stein 31 Mitglieder einfanden, erläuterte zunächst Hr. C. Zaar eine Sammlung von ihm aufgenommener Grab¬ platten, sowie eine Reihe von Aquarellen, das reiche Er¬ gebnis einer seiner letzten Studienreisen. Wie schon bei seinen früheren Reisestudien, so bewunderten die An¬ wesenden auch in dieser Gruppe von Studien die Uner¬ müdlichkeit in der Sammlung der Beiträge, sowie die Schönheit der Darstellung. Anschliessend daran führte Hr. H. Heger der Versammlung eine Reihe trefflich ge¬ zeichneter architektonischer Entwürfe vor. Den Haupt¬ gegenstand des Abends bildeten Reise-Erinnerungen des Hrn. E. Spindler. Dieselben bezogen sich auf Frankfurt a. M., dessen Dom den Redner besonders entzückte, auf die Saalburg, bei deren interessanten Einzelheiten er längere Zeit verweilte, auf Heidelberg, dessen Schloss ihm Gelegen¬ heit zu einer Meinungsäusserung gab, auf Freiburg und den benachbarten Theil des Schwarzwaldes, die er mit hohen Worten pries, auf UeberliDgen, Meersburg, Heiligenberg, Salem und Stein a. Rh,, deren unvergleichliche Lage und deren malerische Schönheiten es ihm besonders angethan hatten, und auf Basel und Karlsruhe, deren von hohem künstlerischem Geiste getragenen baulichen Veränderungen und Bereicherungen im Stadtbilde er reiches Lob widmete. An die von feiner Beobachtungsgabe zeugenden Ausfüh¬ rungen, die von einem umfangreichen illustrativen Material unterstützt waren, schloss sich eine kurze Besprechung, an welcher sich die Hrn. Dinklage, H. Ende, Hehl und Krause betheiligten. — Eine Besichtigung am 16. März d. J. galt dem von Prof. Gabr. von Seidl in München im Grunewald erbauten Landhause Scherl, Bismarck-Allee 42, sowie der Villa Dernburg, gleichfalls im Grunewald, Erbacherstr. 1. Beide Werke, in verschiedener Weise anziehend, stützen sich auf die Ueberlieferung. In dem Landhause Scherl ist mit Grazie versucht, an die bayerischen Landsitze des XVIII. Jahrh., sowie an die bayerische Volkskunst anzu¬ knüpfen. Von grosser Anziehungskraft und Wohnlichkeit ist besonders die Diele. Das Landhaus ist, obwohl es in einem grossen, durch Architekturen und Brunnen belebten Parke liegt, auf die bescheidene Lebenshaltung des sommer¬ lichen Naturlebens zugeschnitten. Bücher. (Fortsetzung.) m Jahre 1900 erliess die Verlagsanstalt von Alexander Koch in Darmstadt einen internationalen Wettbe¬ werb zur Erlangung von Entwürfen für das Haus eines Kunstfreundes. Das Programm setzte die Lage des Gebäudes in einer parkartigen Umgebung voraus, es verlangte im Erdgeschoss Diele, Empfangs- und zugleich Musikzimmer, Arbeitsraum mit Bibliothek, Herrenzimmer, Damenzimmer, Frühstückszimmer, Speisezimmer, dazu die entsprechenden Nebenräume; im Obergeschoss Schlaf- und Fremdenzimmer. Unter den preisgekrönten Entwürfen be¬ fanden sich u. a. solche von Leopold Bauer in Wien, Baillie Scott in London, Charles Rennie Mackintosh in Glasgow. Sie wurden von Koch in Form von vornehmen Tafelwerken herausgegeben. Der Entwurf von Leopold Bauer gelangte auf 12 Tafeln zur Wiedergabe. Der ver¬ storbene FelixCommichau schrieb den Begleittext. Bauer gehört bekanntlich der Künstlergruppe an, die aus der Wiener Wagnerschule hervorgegangen ist. Er gehört aber zu jener älteren Gruppe von Wagnerschülern, die in ihren Arbeiten danach trachten, den Boden der Wirklichkeit nicht unter den Füssen zu verlieren. Er spricht sich, was die künstlerische Innenausstattung anbelangt, darüber mit den folgenden Worten aus: „Die grösste Kunst ist die, zur rechten Zeit auf alle Dekorationsmittel — jedoch nicht auf Kosten des künstlerischen Gesamt-Eindruckes zu ver¬ zichten. Die Form des Raumes, die Gruppierung der Thüren und Fenster, sowie die durch letztere bedingte Lichtvertheilung, die Färbung der Wände und die der Möbel — alle diese Elemente können — trotz aller Kunst¬ losigkeit im Einzelnen — in ihrem Zusammenwirken ein Kunstwerk geben, das gerade in seiner Selbständigkeit, in seiner Geschlossenheit den Vorzug trägt, nicht auf un¬ ser Bewusstsein, sondern auf dessen stille Unterströmun¬ gen belebend zu wirken, von uns also keine Sammlung zu verlangen, sondern uns solche zu geben“. Dass es ihm bei aller dieser Enthaltsamkeit gleichwohl gelungen ist, hauptsächlich durch das Mittel der Farbe eine an¬ ziehende und eigenartige künstlerische Wirkung zu er¬ zielen, das zeigen die schönen Tafeln, namentlich die mit der Darstellung des Speisezimmers. Commichau konnte daher mit Recht sagen, diesen Entwürfen fehle das Odium der sogenannten „Idealprojekte“. „Die Ge¬ legenheit, die sich bei ihrer Abfassung dem Künstler bot, den formalen Inhalt der ihm vorschwebenden Konzeption einmal restlos zu verwirklichen — sogar auf Kosten der Ausführbarkeit — ist zu verlockend, als dass ihr nicht bei den meisten Anlässen nachgegeben werden sollte. Der Bauherr, diese klassische Verkörperung der mahnenden Realität, hat gefehlt, und dieser Mangel bedingt in erster Linie jenen Mangel an Zurückhaltung in künstlerischer Be¬ ziehung und an Aufwendung nach der realen, technischen Seite hin, an dem ideale Projekte fast immer leiden. Die¬ ser Fehler haftet dem vorliegenden Werke nicht an.“ — In wie weit der „mahnenden Realität“ der Künstler der zweiten Mappe gerecht geworden ist, wird der Be- urtheiler je nach dem Standpunkte entscheiden, den er No. 24. 151 Im Gegensätze hierzu ist Haus Dernburg auf Reprä¬ sentation berechnet. Das Haus, nach den Entwürfen des Hrn. Reg.-Bmstr. Dernburg errichtet, zeigt die ge¬ schlossene Form der kleinen deutschen Barockschlösser. Es ist im Inneren allenthalben auf das reichste mit Male¬ reien, Stickereien usw. ausgestattet. Namentlich der Salon ist durch Hans Seliger durchaus im Stile des Pinturicchio ausgemalt. Es ist ein fast überreicher Farbeneindruck, der dem Besucher entgegenströmt. Das Einzelne der Malerei ist mit grossem Können gegeben. — Arch.- und Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 9. Jan. 1903. Vors. Hr. Classen, anwes. 77 Pers. Aufgen. als Mitglied A. Thoiss, Zivil-Ing. Nach besonders herzlicher Begrüssung der Versamm¬ lung durch den Vorsitzenden aus Anlass der 1. Sitzung im neuen Jahre, verliest derselbe die Schenkungs Urkunde des Ober-Ing. Vermehren und der ihm unterstellten Kollegen aus der I. Ingenieur-Abth. der Baudeputation für das vom Prof. Duyf fke-Hamburg gemalte Üelbild des verstorbenen Ehrenmitgliedes F. Andreas Meyer, wel¬ ches einen würdigen Platz im Saal erhalten hat. Der aus dem Vorstande unseres Vereins nach acht¬ jähriger Thätigkeit als Schriftführer austretende Ing. Himmelheber erstattete den Jahresbericht, welcher schwungvoll eingeleitet kund gab, dass am 1. Jan. 1902 der Verein imganzen 437 Mitglieder einschl. der Ehrenmit¬ glieder zählte. Eingetreten sind 26, ausgeschieden 11, verstorben 9 Mitglieder; Bestand daher am 1. Jan. 1903 443 Mitglieder. 29 Vereins-Versammlungen wurden durchschnittlich von 75,4 Mitgliedern besucht. An 13 Aben¬ den wurden vorwiegend Vorträge aus dem Ingenieur¬ wesen, an 11 solche aus dem Gebiete der Architektur und an 4 solche allgemeinerer Natur gehalten. Von Vereins- Wettbewerben sei der für die Fassaden zu einem am Alsterdamm geplanten Geschäftshause erwähnt, (siehe Jahrg. 1902, Seite 570). « Ueber die Arbeiterwohnungs-Frage wurde nach angestrengter Thätigkeit des hierfür eingesetzten Aus¬ schusses in eingehendster Weise von Hrn. Rambatz be¬ richtet, desgl. durch Hrn. Heu bei über die von der „Bau¬ hütte“ angeregte Frage nicht zu kurz zu bemessender Lieferungsfristen und über die Einführung einer Streik- Klausel in die Arbeitsverträge. Die Theilnahme des Vereins an den Arbeiten des Ver¬ bandes D. A.- u. I.-V. war eine sehr rege. So verdanken wir Hrn. Hagn ein reichhaltiges Material für die Beantwortung der Verbandsfrage über die Gebühren der Techniker für deren Thätigkeit als gerichtliche Sachverständige. Eingehende Berathungen machte auch die geplante Umge¬ staltung der s. Zt. auf Anregung unseres Vereins heraus¬ gegebenen Denkschrift des Verbandes über die zivilrecht¬ liche Verantwortlichkeit der Architekten und In¬ genieure unter Vorsitz unseres Hrn. Baudir. Zimmer¬ mann nöthig. Die Herausgabe von Normalien für Hausentwässerungs-Leitungen , welche s. Zt. von F. Andreas Meyer mit grosser Energie betrieben wurde, wird unter Mitwirkung des Hrn Bauinsp. Richter infolge der Anregung des Hrn. Brths. Herzberg in Berlin ge- einer ungewöhnlichen Erscheinung gegenüber einzunehmen sich entschliesst. Hermann Muthesius in London, der Schilderer von Charles Rennie Mackintosh, dessen Ent¬ würfe zum Hause eines Kunstfreundes die zweite bei Alexander Koch erschienene Mappe füllen, leitet seine Schilderung der Weise des Künstlers mit dem Goethe’- schen Ausspruche ein, eine jede Idee trete als ein frem¬ der Gast in die Erscheinung, und wie sie sich zu realisieren beginne, sei sie kaum von Phantasie und Phantasterei zu unterscheiden. Es ist möglich, dass er mit der Anführung dieses Wortes eine gewisse eigene persönliche Zurückhaltung in der Beurtheilung der Schule von Glasgow ausdrücken wollte, trotzdem er „die suggestive Gewalt jener Formen, die anfangs so sehr als fremder Gast in die Kunstentwicklung unserer Zeit eintraten“, als „unbestritten“ erklärt und trotz¬ dem er, was unseres Erachtens nicht woh 1 möglich ist, die Zu¬ kunft von Mackintosh an der Entwicklung misst, die William Morris mit seinen Bestrebungen im Laufe von 30 Jahren nahm. Auf einem Prospekte, den die Verlagsbuchhandlung versendet und dessen Inhalt wohl auch auf diese zurück¬ zuführen ist, heisst es mit Bezug auf Mackintosh: „Wäre die Erkenntniss der Kunst dieses eigenen Geistes ebenso gross wie die Kenntniss seines Namens, wirklich, man hätte allen Anlass, den Sinn unseres Volkes zu loben, der es von abgestandenen Wassern fort zu frisch sprudeln¬ den Quellen treibt. Aber so weit sind wir leider noch nicht. Dass Mackintosh in letzter Zeit zu den häufigst genannten Nutz -Künstlern zählt, will nur besagen, dass man auf ihn aufmerksam geworden ist, wie man eben 25. März 1903. mäss Verbands-Beschluss neu bearbeitet. — Ferner hat der Verbands-Vorstand in Gemeinschaft mit dem „Verein deut¬ scher Ingenieure“ und dem „Verein deutscher Eisenhütten¬ leute“ mit unserem Mitgliede Hrn. Hagn einen Vertrag geschlossen, nach welchem dieser es übernommen hat, eine Denkschrift unter dem Titel: Muster und Bei¬ spiele für Feuerschutz von Eisenkonstruktionen zu schreiben. Dem Vortragenden wurde reicher Beifall und von- seiten des Vorsitzenden gleicher Dank zutheil. Hr. Kohfahl stützt einen Vortrag über den Bau der „Wolkenkratzer“ — sky-scrapers — in den Ver. Staaten v. Nordamerika auf das unter dem Titel „ Architectural Engi¬ neering“ erschienene Werk von J. R. Freitag, New- York 1901. Die tragenden Theile dieser Gebäude sind naturge- mäss Eisen und Stahl, zusammengestellt zu Gefachen, welche die Mauern auflösen und, wo nöthig, durch Füllungen — Fournier- Mauern oder „veneering walls“ — geschlossen sind, dort das Eisen feuersicher umhüllend. I-Balken sind in den Vereinigten Staaten schon 1854 in Trenton gewalzt, solche aus Stahl (Flusseisen) zuerst 1885. Zwischen 1855 — 7° wurden Aussenwände aus Gusseisen hergestellt in der irrigen Annahme, dass dieses Material im Feuer standfester sei als Stein. Bis 1833 waren 8—9 Geschosse das Höchsterreichte in Chicago. 1885 gründete man schon auf Eisenrosten, von Burnham & Root beim Montank Block angewandt, um die riesigen Kellerpfeiler zu vermeiden. Das Tacoma Building in Chicago mit „Gerippe-Kon¬ struktion“ erhielt bald 14 Geschosse, 1890 der von Burn¬ ham & Root erbaute Masonic Temple schon 20 Geschosse und in den Jahren 1897—98 das Park Row Building, von R. H. Robertson erbaut, 30 Geschosse, welches das höchste Geschäftshaus mit rd. 128 m Höhe ist (Rathhaus Hamburg 112 m, St. Katharinen 112,5). Geplant sind solche Gebäude von 40 Geschossen. Die Bauordnung von Chicago gibt genaue Vorschriften über die „Gerippe-Konstruktion“ und über die erforderliche feuersichere Gestaltung derselben. Verblüffend ist die Schnelligkeit der Errichtung dieser Gebäude. Die massiven Decken werden vorwiegend aus Terrakotta-Hohlsteinen hergestellt und zwar bei einer Lage der Deckenträger nicht auf den Unterzügen, sondern zwischen diese eingelascht. Jeder Träger wird mit dem Nachbarträger in 1/3 und 2/3 Länge desselben mit 20—25 mm Rundeisen verbunden und zwar in 1/3 Höhe über Flansch. Die Träger sind aus „medium Steel“ mit 42 kg/qmm Zer- reissungsfestigkeit hergestellt, während unser Bauwerk- Flusseisen 37 — 44 kg/qmm hat. Als Beanspruchung rechnet man 1125 kg/qcm für ruhende, 880 kg für rasch bewegte oder schwingende Last; Niete werden mit 700kg auf Abscheeren, mit 1400 kg auf Druck beansprucht. Mit der Stützweite vermehren sich die Deckenhöhen, die bis 0,5 “ stark sind und 125—275 kg/qm wiegen. Die beweglichen Lasten be¬ tragen für den ersten Boden rd. 400 kg, für die übrigen i. M. 200 kg/qm. Für die Unterzüge rechnet man 80 °/0, für die Säulen nur 50 °/0 der vorgenannten Belastungen der Träger, weil erstere nicht gleichzeitig alle den Trägern zugemuthete Belastungen und die Säulen nicht die höch¬ sten Unterzugs-Belastungen aufnehmen. Die neuen Bau¬ ordnungen bestimmen für Dach und oberen Boden volle heute auf alles Neue aufmerksam wird; aber von dieser kühlen Beachtung bis zur rückhaltlosen Anerkennung, einer nothgedrungenen Folge der Erkenntniss seiner mächtigen Werthe, ist es noch weit.“ Von der „nothgedrungenen Folge der Erkenntniss seiner mächtigenWerthe“, welche die Buch¬ händler-Reklame dem Künstler zuschreibt, hält sich Muthe¬ sius frei und es will uns viel besser gefallen, was dieser feine Beurtheiler am Schlüsse seiner Besprechung sagt: „Wie man sich auch im Besonderen zu der Glasgower Kunst stellen mag, eines wird man ihr nicht absprechen können, sie hat neue Werthe in das Gewoge unserer künstlerischen Zeit- Erscheinungen getragen. Sie ist in hohem Maasse selbst¬ ständig und athmet rassige Persönlichkeit. . . . Wie weit ihr Leben und ihr Einfluss sich als dauernd erweisen kann, ist nicht vorauszusagen.“ Man wird sich dieser vorsich¬ tigen Zurückhaltung anschliessen. Mackintosh und was sich um ihn gruppiert, ist ohne Zweifel eine „rassige“ Er¬ scheinung, die aber der „mahnenden Realität“ nicht Stand hält. Und das sollte doch der Vertreter einer Nutzkunst. Seine Art lässt sich kaum beschreiben, sie will im Bilde und .besser noch in der Ausführung gesehen sein. Es liegt in dieser Kunst etwas Weltflüchtiges, etwas was in einem merkwürdigen Gegensätze steht zu der sonst ge¬ sunden Natürlichkeit, die eine bevorzugte Eigenschaft der englischen Kleinkunst ist. Wenn es nicht zu barock klänge, möchte man sagen, die Kunst von Mackintosh ist die ver¬ suchte Verkörperung der Stimmung der schottischen Ballade mit ihrem transcedentalen Schimmer. Jedenfalls bleibt er eine der interessantesten Künstler-Erscheinungen der Neuzeit. — (Fortsetzung folgt.) '55 bewegliche Last, für die folgenden Böden eine Verminde¬ rung um 5, 10, 15, 20 °/0 usw, bis zum 11. Boden =50% und diese Verminderung für alle tieferen Geschosse. Ganz besonders erstrebt man die Verringerung der beweglichen Last für die Fundament-Berechnung. Namhafte Ingenieure wollen für diese gar keine mobile Last in Rechnung ziehen, weil sie dann auf zusammendrückbarem Boden ein gleich- massigeres Setzen des ganzen Baues erwarten. Für das „Fournier-Mauerwerk“ gelten Ziegelmauerwerk und Terrakotta als feuersicher; weniger: Kalkstein, Marmor und Sandstein, als unzuverlässig, wie durch viele Beispiele erwiesen, „Granit“, sodass der Kern stets aus Ziegelmauer- Werk gewählt wird und zur Aussenverblendung meist Terrakotten Verwendung finden, welche durch eiserne verzinkte Klammern mit ersterem fest verbunden sind. Die feuersichere Umhüllung der eisernen Säulen muss in Chicago rd. 40 cm stark sein; meist genügen rd. 28 cm ausschliesslich der Flaustein-Verblendung. Flanschen oder Winkeleisen sollen rd. 5 cm stark umhüllt sein. Die Hohl¬ räume der Säulen werden mit Zement zugefüllt. Ihre Zusammensetzung erfolgt aus L, C, ~L und I, auch Phönixeisen S.. Die stärkste, bisher ausgeführte Säule ist die im Waldorf-Astoria-Hötel in New-York mit 2450000 kg Tragfähigkeit und 9,25 m Länge bei 21 510 ks Eigengewicht; als längste gilt die im Schiller-Theatre Building zu Chicago mit 28 m freier Länge. Auf die gute Gründung wird ganz besondere Sorgfalt verwendet, theils, um die Nachbarge¬ bäude, welche unterfangen werden müssen, vor Schaden zu bewahren, theils um die sehr grossen Grundflächen der Säulenfundamente und dadurch Pfeiler zu vermeiden, welche selbst ein sehr erhebliches Eigengewicht besitzen, andererseits auch den grössten Theil des Kellers einnehmen würden. Man konstruiert daher Kragträger-Roste, als deren bestes Beispiel das im The Fair Building, Chicago, ausge¬ führte gilt. Zahlreiche Abbildungen über den Aufbau der „Ge¬ rippe-Konstruktion, deren Wind Verstrebungen, die Decken, Säulen und Fundamente veranschaulichten den lehrreichen Vortrag, welcher reichen Dank erntete. — Gbl. Arch.- u. Ing.-Vereln zu Düsseldorf. Vers, am 11. Febr. Anwes. 38 Mitgl., Vors. Hr. Radtke. Die statutengemäss ausscheidenden Vorstandsmitglieder Schriftf. Fuchs und Kassierer T ü s h a u s werden wieder und Geh. Brth. Dreling neu und zum Vorsitzenden gewählt. Aufgen. werden als Mitgl. die Hrn. Reg.-Bmstr. Kochs, Ob.-Brth. v. d. Bergh, Reg.- und Brth. Stampfer, Arch. Pickel; Reg.-Bmstr. Rose, Ing. Dücker, Arch. Franzius und Grall. Hierauf hält Hr. Ing. Boerner einen Vortrag zur Theorie der Betoneisen - Konstruktionen, woran sich eine längere Unterhaltung knüpft. — Vers, am 3 März, anwes. 26 Mitgl. und 2 Gäste. Vors. Hr. Dreling. Aufgen. als Mitgl. die Hrn.: Reg.-Bmstr. Bauer, Ibbrügger, Goerke, Ziv.-Ing. Ehlert, Postbauinsp. Wildfang, Gart. -Arch. Höhmann. Die Tagesordnung be¬ trifft Vereinsangelegenheiten. — Th. Preisbewerbungen. Das Preisgericht für den Wettbewerb zum Neubau einer Industrie- und Handelsschule zu Luxemburg (Vergl. No. 14 d. Bl.) trat am 16. d. M. in Luxemburg zusammen. Es waren 13 Entwürfe eingesandt; ein Entwurf musste wegen verspäteter Einlieferung vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Von den übrigen 12 Arbeiten erhielt diejenige mit dem Merkzeichen eines Sternes im Kreise den I., die¬ jenige mit dem Merkwort „Anita“ den II. Preis. Der III. Preis konnte nicht vertheilt werden, da keine der übrigen Arbeiten hierzu für würdig erachtet wurde. Als Verfasser der mit dem I. Preis gekrönten Arbeit ergab sich Hr. Gust. Nie. Serta fils und der mit dem II. Preis gekrönten Arbeit Hr. Aug. van Werveke, beide in Luxemburg. — Der Wettbewerb betr. Entwürfe für einen Zierbrunnen auf dem Isarthorplatze in München, welchen wir bereits S. 120 ankündigten, ist nunmehr für in München wohnende Künstler zum 30. Sept. d. J. erlassen. Die Kosten des Brunnens dürfen 40000 M. nicht überschreiten. Die Modelle sind 1:20 zu liefern. Es gelangen 3 Preise von 1000, 600 und 400 M. zur Vertheilung. Die Gesamtsumme der Preise kann auch in 4 gleichwerthige Preise zu je 500 M. zerlegt werden. Die Entscheidung über die Aus¬ führung ist Vorbehalten. Dem 8-gliedrigen Preisgerichte gehören folgende 6 Künstler an: Akademiedir. Ferd. v. Miller, die Prof. R. v. Seitz, W. v. Rümann, K. Hocheder, R. Maison und H. Wadere. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Garn.-Bauinsp. Meyer in Potsdam ist zum 1. Juni 1903 als techn. Hilfsarb. zur Intend. der militär. Institute versetzt. Bremen. Der Bmstr. Sinzig ist zum Staatsbmstr. mit dem Titel Bauinsp. ernannt. 156 Preussen. Dem Reg.- u. Brth. Mühlke in Schleswig ist die Rothe Kreuz-Medaille III. Kl. verliehen. 1 Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Röhmer in Kreuznach ist als Vorst, der Bauabth. nach Darmstadt und der Wasser-Bauinap. Winter in Potsdam nach Oppeln versetzt. Der Amtssitz der Kreisbauinsp. Zielenzig ist von Drossen näch Reppen verlegt. Dem Reg.- u. Brth. Danekwerts, Prof, an der Techn. Hochschule in Hannover, sind die Geschäfte eines meliorat.-techn. Mitgl. der Klosterkammer das. im Nebenamt übertragen. Die Reg.-Bfhr. Erich Riemer aus Königsberg i. Pr. (Masch.- Bfch.), — Aug. E c k a r d t aus Sömmerda, Felix Maier aus Lingen, Otto Merzenich aus Berlin und Jürgen Andersen aus Röllum (Hochbfch.), — Otto Gravenhorst aus Segeberg und Karl Tiburtius aus Berlin (Wasser- u. Strassenbfch.) wurden Reg.-Bmstr. Der Reg.-Bmstr. Brenner in Luxemburg ist infolge Er¬ nennung zum kais. Eisenb. -Bauinsp. aus dem preuss. Staatseisenb.- Dienste ausgeschieden. Dem Reg.-Bmstr. Fr. Mohr in New-York ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst ertheilt. Der Reg.- u. Brth. Hoffmann in Bremen und die Kreis¬ bauinsp. Scholz in Neustadt O.-S. und Sproemberg in Allen- stein sind gestorben. Württemberg. Dem Brth. Mörike bei der Minist.-Abth. für das Hochbauwesen ist das Ritterkreuz I. Kl. des Friedrichs- Ordens verliehen, auch ist demselben die ord. Prof, für Baukon¬ strukt. -Lehre und Eisenbahnbau an der Techn. Hochschule unt. Verleihung des Tit. u. Ranges eines Ob.-Brths. übertragen. Dem Reg.-Bmstr. Burger in Ludwigsburg ist die Strassen- Bauinsp. Calw übertragen. Brief- und Fragekasten. Hrn A. H. in Br. Nach Ihrer Sachdarstellung sind Sie mittel¬ barer Staatsbeamter (angestellter Gemeindebeamter). Als solcher sind für Ihre Anstellung die Grundsätze der Dienstpragmatik maass¬ gebend. Nach denselben sind Sie nicht berechtigt, die Weiter¬ leistung Ihrer Dienstverrichtungen zu verweigern, wenn oder weil aus Gründen des Gemeinwohles die Vereinigung mehrerer Getnein- den zu einer vorgenommen wird, sofern nur die Ihnen in deriver- einigten Gemeinde übertragenen Verrichtungen gleichartig den¬ jenigen sind, welche Sie zufolge Ihres Anstellungsvertrages J zu leisten haben. Die Einverleibung Ihrer Gemeinde in eine ändere gibt Ihnen noch nicht ohne Weiteres das Recht, die Versetzungen den Ruhestand zu fordern. Wenn Sie unter den obwaltenden Um¬ ständen Anspruch auf Verabschiedung hätten, würde Ihnen nur das Ihrem anrechnungsfähigen Dienstalter entsprechende Einkommen zustehen, dagegen kein Anspruch auf volles Gehalt für die Dauer Ihrer Verabschiedung gebühren. Ein etwaiger Rechtstreit würde bei dem Landgericht in Duisburg zu führen sein. Die dort zuge¬ lassenen Anwälte sind uns unbekannt, weshalb wir Ihnen für die zu treffende Wahl keine Vorschläge machen können. — K. H-e. Hrn. Stdtbmstr. K. in Br. Zu einer untrüglichen Auskunft würde der Wortlaut der Ausschreibung, welcher Ihrer Berufung vorangegangen sein wird, bekannt sein müssen. Unter der An¬ nahme, dass diese die übliche Fassung gehabt hat, haben Sie vom 1. Mai ab als angestellter Gemeinde-Baubeamter und damit als mittelbarer Staatsbeamter zu gelten. Sie werden also vom 1. Mai 1903 ab unter dem Beamten-Dienstgesetze stehen, welches für Ihre künftigen Rechte und Pflichten maassgebend sein wird. Einer neuen Beschlussnahme der städtischen Körperschaften bedarf es nicht mehr. Vielmehr war durch die Berufung Ihr bedingter Ueber- tritt in das Gemeindebeamten-Verhältniss bereits beschlossen. Da die Bedingung nunmehr erfüllt ist, geschieht Ihr Uebertritt aus dem vorläufigen in das endgiltige Anstellungs-Verhältniss aus sich selbst. Wohl aber ist üblich, eine Anstellungs-Urkunde auszuhändigen, deren Ausbleiben jedoch ohne jede rechtliche Folge ist. — K. H-e. Hrn. J. K. in N. Statik durch Selbststudium zu erlernen, ist bei entsprechenden Vorkenntnissen in der Mathematik und Me¬ chanik selbstverständlich möglich. Welche Lehrbücher zu wählen sind, hängt vom Grade der Vorkenntnisse ab. Selbst die ein¬ fachsten, wie z. B. Zillich, Statik für Baugewerksmeister, oder Vonderlinn, Statik für Bauhandwerker, setzen die Kenntniss der Grundbegriffe obiger Hilfswissenschaften voraus. „Tech¬ nischer Fern- und K orresp on d e n z- Unt erricht“ ist nach unserer Meinung ein Unding. Anstalten, die solchen anpreisen, ver¬ dienen keine Berücksichtigung. — Beamter Saarbrücken. Wir verweisen Sie auf die Frage¬ beantwortung an Hrn. H. K. in M.-G. auf S. 60, aus welcher Sie auch das auf Ihren Fall bezügliche entnehmen können. — Hrn. O. O. K. ln Schwabing. Ueber Krematorien gibt es bisher unseres Wissens keine gesammelte Litteratur, sondern nur zerstreute Veröffentlichungen in den einzelnen Zeitschriften, nament¬ lich aber in der in Berlin herausgegebenen Zeitschrift „Die Flamme“. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage 3 in No. 17 theilen wir mit, dass eine grössere Dar¬ stellung der Marienkirche zu Wolfenbüttel unseres Wissens bis jetzt noch nicht veröffentlicht ist, doch wird dieselbe in der dem¬ nächst erscheinenden Lieferung 29 der „Denkmäler der Baukunst" in Grundriss und geometrischen Ansichten wiedergegeben sein. Zeichen- Ausschuss zur Herausgabe der Denkmäler der Baukunst an der kgl. Techn. Hochschule in Berlin. Von der Marienkirche zu Wolfenbüttel sind in den „Archi¬ tektonischen Studienblättern des akad. Architekten-Vereins Braun¬ schweig“, Heft III u. IV, Südgiebel des Ouerschiffes und Detail eines Pfeilerkapitäles im Inneren, M. 1 : 25, veröffentlicht. — Reg.-Bmstr. Kiehl in Charlottenburg. Inhalt: Fassaden-Entwurf von Helbig & Haiger in München. — Mit¬ theilungen aus Vereinen. — Bücher (Fortsetzung). — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. _ Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve. Berlin. No. 24. EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 25. * DEN 28. MARZ 1903. * SSi2:«2!X2rS!Sr«S!S!SSj Münchener Villen-Kolonien. III. Die Exter’sche Villen-Kolonie in Pasing. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 160 u. 161 und in No. 26.) eben den Villen-Kolonien Nymphenburg-Gern undPrinz Ludwigshöhe, die wir in den No. 55 ff. Jahrg. 1898 veröffentlichten, ist es von den zahlreichen Villen-Kolonien, die im Laufe des letzten Jahrzehntes um München entstanden sind, namentlich dieExter’sche Villen-Kolonie inPasing, deren Entwicklung sich einer ungewöhnlichen Blüthe zu erfreuen hatte. Diese blühende Entwicklung ist einerseits zurückzuführen auf die ungemein günstige Lage der Kolonie, andererseits auf die wirthschaftlich geschickte Behandlung aller ihrer m ateriellen Angelegen- Pippinger Kirchlein vorbei bis zu dem einstmaligen kur¬ fürstlichen Jagdschlösschen und jetzigen Kloster Bluten- burg. Die nahen Beziehungen der beiden Kolonien zum Bahnhofe und die Einrichtung des Vorortverkehres nach Pasing haben das Aufblühen beider Kolonien wesentlich unterstützt. Es ist beabsichtigt, beide Kolo¬ nien durch entsprechende Strassenzüge mit einander zu verbinden, sodass sie einstmals, nach Bebauung des zwischen ihnen liegenden Geländes, eine einheit¬ liche Anlage bilden werden. Zum Unterschiede von der Kolonie Nymphenburg- Gern, welche auf der wirthschaftlichen Grundlage ent¬ wickelt ist, die eine intensivere Ausnutzung des Bodens durch Zulassung des Einfamilienhauses auch als Reihen- Eisenbahn München - Augsburg heiten. Die Villen-Kolonie in Pasing zerfällt in zwei Theile: in die I. Villen-Kolonie, die im Herbste des Jahres 1892 im ungefähren Flächenausmaass von 43 Tagwerk zu je 3400 Q < E H Q II! X X X * * * * -X- -x -x- EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 27. * DEN 4. APRIL 1903. * Äxssstsssrstsrssxs;«:« Die Ernst Ludwig-Heilstätte bei Sandbach im Odenwald. Architekt: Geh. Ob.-Brth. a. D. V. von Weltzien in Darmstadt. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 171 und 173.) m 22. März 1901 wurde bei Sandbach im Odenwald eine für die Behandlung von zu¬ nächst 100 lungenkranken Männern einge¬ richtete Heilstätte der Invaliden- Versiche¬ rungsanstalt Gr. Hessen, die den Namen des Landesfürsten tragende Ernst Ludwig -Heilstätte eröffnet. Das Gelände für die Anstalt liegt in noom Entfernung in einem Seitenthale von Sandbach bei der Station Höchst i. Od. Das nach Süden stark ab¬ schüssige Baugelände gebot einen staffelförmigen Auf¬ bau der Anlage. Diese besteht aus Hauptgebäude, Liegehallen, Betriebsgebäude, Stallgebäude, Arzthaus, Verwalterhaus, Kessel- und Maschinenbaus und ande¬ ren Nebenanlagen. Die Lage der Gebäude zu einander zeigt der Lageplan S. 170. Das Hauptgebäude hat eine .L-förmige Gestalt und besteht der organischen Anlage nach aus 2 Theilen, dem quergelagerten Vorderbau mit den Liegehallen, und dem rückwärtigen, mit ersterem nur lose ver¬ bundenen Theile. Das infolge des abfallenden Ge¬ ländes hohe Untergeschoss enthält in der Mitte des Vorderbaues eine Kapelle, an den beiden Enden Tage¬ räume und dazwischen Bäder, Aufbewahrungsräume usw. Der rückwärtige Theil des Gebäudes enthält in dieser Höhenlage Vorrathskeller. Das Erdgeschoss wird im Mittelbau in Anspruch genommen durch eine Wohnung der Oberin, an welche sich beiderseits Krankensäle anscbliessen. In dem durch eine Unter¬ fahrt getrennten Rückgebäude liegen die Räume für die Aerzte, die ärztliche Behandlung, ein Beschäftigungs¬ raum und Nebenräume. In den Obergeschossen ist die Theilung eine verwandte, mit dem Unterschiede, dass im I. Obergeschoss des Rückgebäudes der ge¬ räumige Speisesaal liegt, an welchen die Küchenräume anschliessen. Die Grundrisse und der Schnitt S. 170 und 171 lassen die Anordnungen erkennen. Das Bau¬ material ist Sandstein, Granit und Ziegel; alle Decken sind massive Kleine’sche Decken, die Verwendung von Holz ist thunlichst beschränkt. Die architektonische Ausstattung ist schlicht, geht aber doch etwas über den Charakter des einfachen Nutzbaues hinaus. Die in sämtlichen Gebäuden der Anstalt mittels Nieder¬ druckdampf bewirkte Heizung ist in dem für den Aufenthalt der Kranken bestimmten Vorderbau in 2 Systeme getheilt: in das der Lüftungsheizung und das der Heizung durch die strahlende Wärme der Heizkörper. Die Liegehallen bestehen aus 2 grösseren Hallen für je 38 und zwei kleineren für je 12 Sessel; die ersteren erstrecken sich in einer Ausdehnung von je 48 m von den Eingängen zu den Tageräumen nach Osten und Westen, die letzteren liegen vor diesen an einer um 3,5 m tieferen Terrasse. Die Rückwände der im Lichten 3m breiten und 3,3 m hohen Hallen sind massiv aufgeführt; die Fussböden sind zementiert, die Decken mit gehobelter Schalung versehen. Das Betriebsgebäude steht in etwa iom Ab¬ stand östlich am Hinterflügel des Hauptgebäudes; es dient für die Betriebe der Wasserversorgung, der Wäscherei usw. und besteht nur aus einem nicht unter¬ kellerten Erdgeschoss. Es hat im Grundriss H-Form und ist im Aufbau anziehend gruppiert. Mit Aus¬ nahme der in Fachwerk hergestellten mittleren Giebel der Langfronten ist das Gebäude in Sandbruchstein ausgeführt, in den Aussenflächen rauh geputzt und im Dach mit Ziegeln gedeckt. Das Stallgebäude enthält Stallungen für 4 Pferde mit Kutscherstube, Geschirrkammer und Remise für 2 Wagen, sowie einen Stall für 6 Schweine mit darüber liegendem Hühnerstall. Von der Zufahrt zur Anstalt zweigt ein stark an¬ steigender Weg ab zu den an der Berglehne im Nord¬ osten der Baugruppe hoch gelegenen Wohnungen der Anstalts-Beamten. Zunächst wird das Arzt haus er¬ reicht, von dem aus die ganze Anstalt zu übersehen ist. Wie allgemein bei Heilstätten, so wurde auch hier der Grundsatz befolgt, dem fern vom geselligen Verkehr sich ausschliesslich seinen schweren Berufs- 169 pflichten hingebenden Leiter eine behagliche Wohnung als Ersatz für sonstige Entbehrungen zu bieten. So wurde eine kleine Villa erbaut und mit Hof und Garten umgeben (s. Beilage). Oberhalb des Arzthauses er¬ hebt sich in ländlichem Charakter das Verwalterhaus. Es enthält im Erdgeschoss die Wohnung des Verwalters, im Dachgeschoss Räume für den Vorstand der Inva¬ liden- Versicherungsanstalt. Gleich diesen Bauten hat auch das Kessel- und Maschinenhaus eine gruppierte Anlage erhalten. Es enthält im Erdgeschoss Kessel-, Kohlen-, Maschinen- und Akkumulatorenräume, eine Werkstätte, Heizer¬ stube usw., und im Obergeschoss Wohnungen für den Maschinenmeister und den Heizer. Zur Erzeugung des für die elektrischen Anlagen wie zu Heiz- und Kochzwecken erforderlichen Dampfes sind 3 Cornwall-Dampfkessel (Zweiflammenrohrkessel) von der Dampfkessel-Fabrik vorm. Arthur Rodj- berg, A.-G. in Darmstadt, aufgestellt worden. Die Niederdruck-Dampfheizung ist von Käuffer&Co. in Mainz ausgeführt worden. Die Leitung des Dampfes vom Kesselhause nach den einzelnen Gebäuden und die Rückleitung des Kondenswassers erfolgt durch Kanäle, die auf eine Länge von 265™ in einer Weite von 1,6 zu 0,8 m begehbar hergestellt sind. Die All¬ gemeine Elektrizitäts-Gesellschaft in Frankfurt hierzu treten noch 32000 M. für Grunderwerb, 23800 M. für Strassenbau, 77300 M. für Erdbewegung und eine Summe für Mobiliarausstattung, sodass die Gesamt¬ kosten der Anlage etwa 1 Mill. M. betragen dürften. Der Architekt wurde bei der Ausführung durch Hrn. Max Böhme, jetzt Stadtbaumeister in Halle a. S., wesentlich unterstützt. Die Bauleitung an Ort und Stelle hatte Hr. Bauführer Rossel. Es lieferten Friedr. Groh & Co. in Kastei a. Rh. die Maurer-, Asphalt-, Brunnen- und einen Theil der Steinmetzarbeiten; den übrigen Theil der letzteren L. Fülbert in Gross-Umstadt i. O. und Ad. Lutz in Heimstadt i. O.; G. N. Stühlinger in Reinheim die Zimmerarbeiten; H. Hallstein in Sandbach die Schmiedearbeiten. Es hatten Aug. Martenstein & Josseaux in Offenbach und Frankfurt a. M. die Aus¬ führungen nach den Systemen Kleine, Monier, Rabitz und Hennebique, die Lieferung der Böden in Asphalt, die sämtlichen Zementarbeiten und die Lieferung der Plattenbeläge. Es waren ferner übertragen: die Dach¬ deckerarbeiten an H. Weiler in Darmstadt; die Spenglerarbeiten an F. Franke in Rossdorf; die eiserne Dachkonstruktion und Fenster an G. Dönges in Darmstadt und A. Hasenkam p in Essen-Altendorf; die Glaserarbeiten an G. Schulz und Ph. Schleidt in Darmstadt; die Tüncher-, Anstreicher- und Maler- Hauptgebäude. Lageplan VORRATHS IELLER BEGEHBARER RANJL 1. Hauptgebäude 2. Betriebs¬ gebäude 3. Verwalter¬ gebäude 4 Arztgebäude 5. Stallgebäude 6. Kessel- und Maschinen¬ gebäude AUSKIEIOEI RAKM RAJIM BRAUSE KAPitlE I TT ^ ' a. M. fühlte die elektrischen Anlagen für einen Strom¬ bedarf von 500 Glühlampen und 3 Gleichstrom-Neben¬ schlussmotoren aus. Die Wasserversorgung erfolgte zunächst durch eine hochgelegene Quelle, die aber im Hochsommer fast ganz versiegt. Dadurch wurde die Herstellung eines Brunnens zur Nothwendigkeit, der täglich 34 cbm Wasser liefert. Die Entwässerung erfolgt für die Tagewasser durch Thonrohre in einen Teich. Das Schmutzwasser wird durch eine nach den Angaben der Allgemeinen Städtereinigungs- Gesellschaft zu Wiesbaden hergestellte Abwasser- Reinigungsanlage geleitet; die Anlage verarbeitet täg¬ lich 30 cbm Schmutzwasser. Die Kosten der Bauanlage betragen rd. 850000 M. ; arbeiten an L. Gr ü der in Frankfurt a. M.; die Schreinerarbeiten an L. S p e r b in Darmstadt und W. Franck & Söhne in Wesel. B. Pitro in Darm¬ stadt führte die Holzschnitzarbeiten aus, J. Deutsch daselbst die Kunstschmiede-, Schlosser- und Blitzab¬ leiter-Arbeiten. Die Lieferung und Verlegung der Parkettböden hatte A. Bembe in Mainz übernommen. Die Wasserversorgung hatten Gebr. Becker in Darm¬ stadt, die Inhalations-Einrichtung Alfr. Wassmuth in Monsheim, die Erdbewegung und Wegebauten F. F ornoff in Rossdorf, die Gartenanlagen H. Henkel in Darmstadt; die Tapeten lieferte C. Hochstätter in Darmstadt, das Linoleum stammt aus der Fabrik Maximiliansau. — Die Hauptumfassung der Reichsfestung Ulm a. D. im Stadterweiterungs-Entwurf. Mn No. 94, Jahrg. 1899 d. Ztg. ist in kurzen Umrissen Hl p| der Werdegang dargestellt, den die Stadt Ulm bis zu ;]irer neuesten Erweiterung durchlaufen musste. Heute soll aus dem ausgedehnten Gebiete die Umwallung herausgegriffen werden, deren Ankauf durch die Stadt die Möglichkeit zu der als Lebensfrage zu betrachtenden Ausdehnung des Baugeländes gegeben hat. Dieselbe ist ein Theil des. Festungsbaues vom Jahre 1842 — 50 und wurde nach dem System der neuen deutschen Befestigung in weitgezogenen Polygonlinien mit in der Hauptsache ausspringenden Winkeln und Seitenbestreichung durch Kaponieren, welche im Hauptgraben vor der Front liegen, erbaut. Unter vorzüglicher Anpassung an das Gelände und mit Auswahl des Besten aus den bekannten Befesti¬ gungssystemen hat der von König Wilhelm von Württem¬ berg zum Festungsbau -Direktor linken Ufers ernannte Major von Prittwitz des kgl. preuss. Ingenieurkorps es verstanden, ein Werk zu schaffen, das, wenn auch durch die neue Geschütztechnik überholt, heute noch in allen Theilen einen vorzüglichen Eindruck macht und mit den mächtigen Thoren und Defensiv-Kasernen auch architek¬ tonisch mitbestimmend in das Stadtbild eingreift. Unter Rücksichtnahme auf diese Thatsache und die thunliche Erhaltung des prächtigen Baumbestandes auf dem Glacis No. 27. 170 I mmm t— — — • j ! i 1 n pb i Q Q '' 11. f\ m ,1. n Pi -i ! .1 ÄjkWJI ERDGESCHOSS. Betriebsgebäude. Kessel- und Maschinengebäude. 17t der Festung musste die Frage, ob vollständige Einebnung des Vorhandenen und gänzliche Neugestaltung, oder Bei¬ behaltung des polygonalen Zuges der Befestigung für die Hauptringverbindungen zugunsten der letzteren Annahme entschieden werden. Zu dieser Entscheidung trug nicht wenig auch der Umstand bei, dass die angestellten Be¬ rechnungen über die Kosten der verschiedenen Aus¬ führungsarten und die möglichst günstige Durchbildung der Bauviertel unter Berücksichtigung der Abwässerungs- Verhältnisse die genannte Behandlungsweise weitaus als die vortheilhafteste erscheinen Hessen. Während die Bastionen der italienischen, niederländi¬ schen und französischen Befestigung nur noch auf der Donauseite und am oberen und unteren Donauanschluss in dürftigen Resten vorhanden sind und im Anschluss an die mittelalterliche Ummauerung Anlass zu reizvollen An¬ bietet hauptsächlich durch die reiche Abwechslung in der Einzelausbildung, sodann in Höhenlage und Ausblick hohen Genuss. Durch entsprechende Ausbildung der Polygon¬ ecken ist Gelegenheit gegeben, die einzelnen geraden Strecken für sich wieder abzuschliessen und nicht zu lang erscheinen zu lassen. Im Querprofil ist die im allgemeinen auf den Graben zu legende Hauptstrasse mit ihren Baum¬ reihen, Reit-, Radfahr-, Fuss- und Fahrwegen samt den Vorgärten zusammen mit den Glacisanlagen, der äusseren Wallstrasse und den auf diesem Gebietstheile festzustellen¬ den Bauplätzen als ein Ganzes zu betrachten, das in har¬ monischem Zusammenhänge stehen muss. Naturgemäss ist für die Querverbindung von dieser Gesamtanlage um die Stadt durch letztere in reichlichem Maasse zu sorgen. Wird dadurch auch mancher Baumbestand durchschnitten oder zerstört, so kann doch noch Vieles erhalten werden. %% Neue Bauvierte] auf dem seither. FestungswaUfstädt. Besitz). Früher Festges. u. grösstentheils überbaute V. innerh.cl. Walles. VF '/\ N&ue Bauviertel ausserh. d. Fest.- v, /, '//, aa WaUes(städt. u. privater Besitz). Ringstrassen-Anlage der Stadt Ulm. lagen auf den Promenaden gegeben haben, sind die übrigen Theile dieser Werke durch die Bahnhofanlage und die Neustadt beseitigt worden und machen sich nur noch durch Schwierigkeiten in den Gründungen bemerklich, wenn die alten Gräben angeschnitten werden. Wie vor ioo Jahren sich auf dem Glacis der mittel¬ alterlichen Befestigung ein Kranz von schattigen Spazier¬ wegen um die Stadt entwickelt hat, so soll jetzt auf dem Graben der niederzulegenden Werke eine Ringverbindung entstehen, welche, an der Donau oberhalb Ulm beim Galgenberg beginnend, in einer Länge von 4 km das seit¬ her sturmfreie Gebiet umschliesst, an der unteren Donau¬ bastion den Strom wieder erreicht und entlang des¬ selben durch eine prächtig gelegene Uferstrasse ergänzt wird. Ein Gang auf dieser neuen Ringverbindung, welche gegen Westen und Osten die neuen Stadttheile von dem seitherigen Baugelände trennt und mit Baumpflanzungen, Anlagen und Vorgärten reichlich ausgestattet sein wird, Stehen wir am Galgenberge hoch über der unmittelbar hier vorbeifliessenden Donau, so sehen wir vor uns die trotzigen Umfassungsmauern der oberen Donaubastion, welche als Artilierie- Kaserne erhalten bleibt. Das Ge¬ mäuer ist umsponnen von einem der schönsten Erholungs¬ plätze Ulms, den sogen. Ehinger Anlagen, welche sich in 5oJahren hier auf dem breiten Glacis lustig entwickelt haben. Gegen Osten zieht sich die i8m breite, einseitig an¬ zubauende Uferstrasse hinab, während gegen Westen die Galgenbergstrasse hart am Rande des mit reichen Obst¬ gärten überzogenen Steilhanges sich erstreckt und weiten Ausblick bietet. In nördlicher Richtung schliesst, über die Donau gegen Bayern hinüber sich durch eine Hochbrücke fortsetzend, der Süd-Westring an. Der Graben nimmt die Verkehrsanlagen und eine einreihige Flucht von kleineren Wohngebäuden in besserer architektonischer Ausstattung auf, während an die im Bogen die Anlagen umziehende äussere Wallstrasse erst wieder einseitig angebaut wird No. 27. 172 und die Baumgruppen dazwischen so weit irgend möglich erhalten bleiben. In einer Entfernung von 500 m von der Uferstrasse gegen Norden Hegt das Ehinger Thor, eines der drei Hauptthore der seitherigen Umwallung, welche mit doppel¬ ter Durchfahrt versehen sind. Hier ist die Ausfahrt ins württembergische Oberland gegen Ehingen und Biberach einerseits und ins Blauthal zum Vorort Söflingen anderer¬ dort liegenden Ausfahrtsgleise nach'Bayern und zur Süd¬ bahn passend geplant werden mussten, da noch keines¬ wegs mit Bestimmtheit angegeben werden kann, welche end- giltige Lösung die Bahnhoffrage erfahren wird. Zunächst ist eine seitliche Ausbiegung der Hauptstrasse und F ührung der¬ selben über die Bahn hinweg zur Ausführung genehmigt. Das Ehinger Thor bildet den nördlichen Abschluss des schönen Anlagendreiecks, das sich von der Donau heraufzieht. Von seits. Das Thorgebäude, mit seinen Zinnen und Fianken- thürmchen in Jurakalkstein ausgeführt und mit Backstein¬ architekturverziert, bleibt erhalten, während seitliche Durch¬ brüche durch den Wall den Verkehr aufnehmen. Die Aus¬ bildung dieser Ausfahrt für den grossen Verkehr verur¬ sachte besondere Schwierigkeiten, weil die verschiedenen Hauptlinien von aussen innerhalb der Umwallung für die Benutzung zweier verschiedener Uebergänge über die 4. April 1903. hier aus über das Blumenscheinthor, einer Zwischenpforte bis zum zweiten Hauptthor der Festung, dem Blaubeurer Thor, ist weniger von eigentlichen Glacisanlagen mehr die Rede, doch kann auch auf dieser Strecke, welche die werthvollsten Bauplätze für Verkehrs- und Industrieanlagen durchschneidet, wenigstens ein Baumstreifen gerettet wer¬ den. Gegen Westen ziehen die Hauptstrassen durch das ebene Thalgelände, in dem sich ein ziemlich dicht zu be- 173 bauendes Wohn- und Geschäftsviertel entwickeln wird, während die sanfte Ansteigung der Thalseite gegen Süden die Industrie mit Gleisanschluss und militärischen Anlagen aufzunehmen bestimmt ist. Gegen Norden ist dieses Stadt¬ viertel durch den die Blau bis nach Söflingen begleitenden Anlagenstreifen von dem neu in Aussicht zu nehmenden Bahnhofgelände mit den dieses umgebenden Zubehörden abzuschliessen. Reizvoll ist der Aufbau des Blaubeurer Thores aus Backstein mit Bruchsteinsockel. Wenn irgend möglich, ist der Graben um dasselbe als solcher zu erhalten, da sonst die schönen Verhältnisse vollständig verloren gehen. Im übrigen wird auch hier das Thorgebäude stehen bleiben und der Verkehr links und rechts vorbeigeführt. Vom Blaubeurer Thor bis zum Fusse des Michelsberges dehnt sich das Bahnhofgelände aus, so dass auf dieser Strecke die hübsche Glacisanlage mit dem von jeher als Schlittschuhplatz benutzten Graben in Wegfall kommt. Mit der drohenden Felsenbatterie am Kienlesberg ver¬ schwindet auch die malerische Ansicht der Wälle und Mauern hoch über den weissen Kalkwänden des Ruhe- thalthores, das den Fuss des Steilhanges bildet und ausser dem Ausgang beim Blumenschein als zweites Nebenthor der Festungswerke auf der Westfront benutzt wurde. Steigt man vollends hinauf vom Hang des Ruhethaies bis zur westlichen Flanke, der Wilhelmsburg, der grossartigsten Defensivkaserne der Festung, welche als innere Deckung des Hauptforts gegen die schwäbische Alb, früher Avance, jetzt Prittwitz genannt, erhalten bleibt, so empfängt uns eine wunderbare Aussicht bis zu den fernen Alpengipfeln. Unmittelbar vor uns aber steht greifbar, in all seiner Formenschönheit einen überwältigenden Gesamteindruck bietend, das Münster, in der weiten Ebene fast zierlich erscheinend. Hier am Michelsberg, der nicht dicht überbaut wer¬ den soll, sondern nur villenartige Gebäude in grossen Ab¬ ständen erhält, werden die Glaciswälder sowohl am Auf¬ stieg auf der Westseite als am Abstieg auf der Ostfront erhalten und zu parkartigen Anlagen ausgebildet. Gegen Osten liegt unmittelbar den Grenzen des Kehlrayons der Wilhelmsfeste, entlang an den Hängen des Oerlinger Thaies in eine herrliche Lage hier an die äusserste Umfassung der Baufläche herausgerückt, der neue Friedhof. Vorzüg¬ lich gestaltet sich am Bergabhang die terrassenförmige Ausbildung. Die grössere Entfernung wird durch die bequemere Zugänglichkeit auf dem Glacis der Ostfront und der Staatsstrasse Ulm-Stuttgart wieder ausgeglichen. Bis auf ikm vom neuen Friedhof ist die elektrische Strassen- bahn vorgedrungen, deren Ausbau zum Friedhof und auf die Höhe des Berges nur eine Frage kurzer Zeit sein wird. Steigt man auf der Ostseite herab, so erhält man ein ähnliches Bild wie auf der Westseite. Die schönen Anlagen auf dem Glacis, durchzogen von Reit- und Fusswegen, sind gefasst mit Fahrwegen, welche die an- stossenden Bauviertel erschliessen. Auf der Ostfront hauptsächlich lassen sich durch Erhaltung einiger hoch¬ gelegenen Theile des Walles herrliche Aussichtspunkte und gern besuchte Erholungsplätze schaffen. Die Hauptbahn Ulm-Stuttgart geht im Tunnel unter den Festungswerken hindurch und soll auch in dieser Lage erhalten bleiben, wogegen die Brenzbahn, welche den durchgehenden Ver¬ kehr nach Nürnberg vermittelt, und die künftigen Industrie- und Hafenverbindungs - Gleise gegen Osten am Stutt¬ garter Thor im Niveau überschritten werden. Dieses dritte Hauptthor der Festung muss vollständig fallen, da seine Höhenlage und das starke Gefälle der Staatsstrasse von Stuttgart und Nürnberg, welche hier vereinigt der Stadt zugehen, eine Abgrabung der Strassen- strecke innerhalb der Umwallung nothwendig machen. Auch hier bleibt unmittelbar oberhalb des Thores eine jener grossen Defensivkasernen erhalten, welche der Stadt heute noch ein so kriegerisches Ansehen geben. In leich¬ ten anmuthigen Krümmungen zieht sich von hier aus das Glacis mit der Graben- und Wallstrasse hinab bis zur Donau. Die prächtige grüne Fläche, durchzogen von einem spiegelnden Arm des Blauflusses, bedarf umso mehr der Schonung, als hier unmittelbar innerhalb und ausserhalb des Walles sich schon zahlreiche Fabriken mit Arbeiter¬ quartieren angesiedelt haben und freies Gelände nicht mehr zur Verfügung steht. Besonders aber sind diese Anlagen zu hegen und zu pflegen, weil sie den Ueber- gang zu dem seitherigen und späteren Festplatz der Ulmer, zu der Friedrichsau bilden. Immer mehr wird in einer so viel besuchten Stadt wie Ulm die grosse Bedeutung eines solchen mit Wald- und Parkanlagen umgebenen Festplatzes gewürdigt und alles gethan, um die weitere Ausbildung desselben zu fördern. Wahrend schon vom Stuttgarter Thor und von der Wielandstrasse aus durch Einlegung einer Diagonalstrasse in das ausserhalb gelegene Bauviertel für entsprechende Zugänge zur Friedrichsau gesorgt ist, führt von dem neuen Durchbruch der Olga¬ strasse aus, an dem auch in ausgezeichneter Lage ein neues Volksschulgebäude erstellt worden ist, eine Prachtstrasse mit Doppelallee durch das früher im Hochwasser lie¬ gende Donauvorland hinab zu dem Wäldchen, das sich mit seinem üppigen Eschenbestand sehr gut zu einer Park¬ anlage eignet. Von dieser Allee, die nur gegen Nordwest angebaut wird, dehnt sich gegen Südost bis zur Donau und das Glacis hin die sogen. Gänswiese aus, welche bis¬ her als Lager- und Uebungsplatz hauptsächlich für mili¬ tärische Zwecke diente. In Zukunft soll hier auf einem Gelände von etwa i8 ha in organischem Zusammenhang mit der Friedrichsau ein Park mit grosser Halle und Aus¬ stellungsplatz erstehen. Die Fläche bleibt daher, wie bis¬ her, mit Bauverbot belegt. Am unteren Donauanschluss, gegenüber der grossen Hauptbastion, die als Pionier¬ kaserne dient, geht die Ringverbindung in die Uferstrasse über, welche flussaufwärts sich an die Rampe der neuen Brücke gegenüber dem Augsburger Thor in Neu-Ulm und wasserab an die Friedrichsau selbst und die Kais des unterhalb derselben geplanten Donauhafens anschliesst. Die richtige Durchbildung einer solchen Ringverbin¬ dung ist von ausserordentlicher Bedeutung für die Ent¬ wicklung der Stadt. Sie hat als durchgehender Prome¬ nadenweg für Fussgänger, Reiter und Spazierenfahrende einen festen Zusammenhang zu wahren und durchlaufende schattige Wege zu bieten. Auf der anderen Seite aber darf sie den quer durchschneidenden Verkehr von der Altstadt zu den neuen Stadttheilen nicht unnöthig unterbrechen und behindern. Mit ganz besonderer Vorliebe und Sorgfalt haben denn auch die Sachverständigen der Stadt Ulm in der Stadterweiterungsfrage den Ausbau der Strassen und Pro¬ menaden auf der Umwallung behandelt. Während aber Ob.-Brth. Prof. Baumeister in Karlsruhe und Stadtbrth. Kölle in Frankfurt a. M. mehr die Industrie- und Wohn¬ viertel der neuen Stadttheile ins Auge fassten, war es in erster Linie Geh. Brth. Stübben in Köln, welcher sich den Entwurf der Anlagen auf der Ringverbindung ange¬ legen sein liess. Es sind unvergessliche Stunden, in denen im alten Schwörhaussaal zu Ulm das fliegende Stadterweiterungs- Bureau aufgeschlagen war und mit Humor und nicht ohne manch’ guten Witz die Handskizzen für die neuen An¬ lagen gefertigt wurden, welche durch die mitfolgenden Darstellungen in der Hauptsache wiedergegeben sind. Für eine gesunde Entwicklung hat diese Art der Bearbeitung vom Grossen ins Kleine reiche Früchte getragen. Wenn auch nicht alles nach den gemachten Vorschlägen ausge¬ führt wird, so sind doch die Hauptzüge unverwischbar festgelegt und geben ein festes Gerüst für die grosse Zahl von beweglichen Einzelheiten ab. Die Stadt Ulm wird es aber gewiss nicht bereuen, in diesem durch Meister¬ hände festgelegten Gesamtplan eine Ringverbindung mit weiträumiger grossgedachter Anlage aufgenommen zu haben. Die hierfür anzulegenden grossen Mittel werden sich lohnen. Den späteren Bewohnern einer grösseren Stadt wird mit dieser Anlage ein leuchtendes Beispiel ge¬ geben werden, wie die Schönheit und die gesunde Ent¬ wicklung unserer modernen Wohnplätze zu fördern ist. — Die neue Universität und die neue Mittelschule. en Glanzpunkt bei der alljährlich stattfindenden Stiftungsfeier der Universität Würzburg bildet die - — i Festrede des jeweiligen Rektors, und ganz beson¬ deres Interesse hat die vorjährige, dem oben genannten Thema gewidmete Rede des derzeitigen Rektors Dr. Martin von Schanz, Professor der klassischen Philologie, er¬ regt. Da sie das Verhältniss von Universität und tech¬ nischer Hochschule behandelt, und da der Gedanke des Anschlusses der technischen Hochschule an die Universität hier von einem hervorragenden Universitäts¬ lehrer vertreten wird, so dürfte es für die Leser der „Deutschen Bauzeitung“ Interesse bieten, die leitenden Ge¬ danken dieser Festrede — losgeschält von allen Momen¬ ten ausschliesslich örtlicher Bedeutung — hier aus kurzer Darstellung kennen zu lernen. — Die Universitäten haben, davon geht Prof. v. Schanz aus, während einer Jahrhunderte langen Entwicklung einen begrenzten Kreis von Disziplinen gepflegt. Das Gebiet des Wissens aber ist unendlich und duldet nicht die Fessel einer bestimmten Abgrenzung und daher — so deutet No. 27. 174 Redner später an — ist es nicht gut gewesen, den alten Ring der Universitäts- Disziplinen allzu starr und allzu lange festzuhalten. Die Forderungen des praktischen Lebens führten da¬ zu, ausser den Volksschulen und den für die Universität vorbereitenden Mittelschulen noch besondere Fachschulen zu errichten. Diese Anstalten, unmittelbar aus dem prak¬ tischen Bedürfnisse hervorgegangen, dienten naturgemäss anfangs auch ausschliesslich praktischen Zwecken, der Er¬ lernung gewisser Fertigkeiten. Sie sammelten indessen im Laufe der Zeit eine grosse Summe von Erfahrungen und kamen durch systematische Verarbeitung und Sichtung dieser Erfahrungen schliesslich dazu, ihre Disziplinen zur Höhe von Wissenschaften auszubilden. Von solchen Fachschulen unterscheidet Prof. v. Schanz zwei grundsätzlich verschiedene Gruppen, und zwar eine Gruppe, die dadurch entsteht, dass Glieder oder Glied¬ stücke aus dem Organismus der Universität losgerissen werden. Hierher gehören die Lyceen und besonders die kaufmännischen Hochschulen, in welch’ letzteren v. Schanz durchaus krankhafte Gebilde erblickt. Als zweite Gruppe von Fachschulen betrachtet Prof, v. Schanz jene Anstalten, die zu höchster Entwicklung gelangt und mit dem Namen „Hochschulen" ausge¬ zeichnet, Anschluss an einen grösseren Organismus gleicher Art suchen, die sich also nicht auf einer von der . Uni¬ versität abzweigenden, sondern auf einer zu dieser hin- führenden Entwicklungslinie bewegen. So vor allem die Hochschulen für landwirtschaftliche Wissen¬ schaften, deren Anschluss an die Universität fast ganz zum Abschluss gekommen ist; so weiterhin die forst¬ wissenschaftlichen Hochschulen, die in einem Uebergangszustande aus bisheriger Isoliertheit zur Univer¬ sität oder technischen Hochschule begriffen sind. Noch wenig ist das Angliederungs-Bestreben an die Universität bei den thier ärztlichen Hochschulen zum Ausdruck gekommen und noch schwerer scheint dieser Anschluss den ältesten Fachschulen, den Bergakademien, zu werden. Jedenfalls aber sind diese Anstalten weit entfernt, den gross¬ artigen Wissenschaftsbau der Universität zu stören, sie tragen vielmehr zur Verstärkung dieses Baues bei und nähern sich mehr und mehr den Pforten der Universität. Diese Angliederungs- Bestrebungen erklärt Professor v. Schanz für hoch erfreulich; er muss es daher bedauern, dass gerade die unstreitig den höchsten Rang einnehmen¬ den Fachanstalten, die technischen Hochschulen und ihre Disziplinen, bei uns bisher der Universität fern stehen, obgleich beide durch ihr inneres Wesen und ihre ganze Organisation, insbesondere durch die Höhe ihrer wissen¬ schaftlichen Entwicklung, durch ihre Selbstverwaltung, durch das Institut der Privatdozenten, vor allem aber durch das Promotionsrecht sehr nahe verwandt sind. Der Gedanke, beide Anstalten zu verschmelzen, sei daher sehr naheliegend und auch schon mehrfach von hervorragen¬ den Gelehrten (Meyer, Riedler) vertreten worden, aber doch in Deutschland nicht recht lebendig geworden. Ueber die Vortheile dieser Vereinigung sagt Schanz folgendes: „Die technischen Wissenschaften können so wenig wie irgend eine Wissenschaft völlig isoliert behandelt werden. Abgesehen von der mathematisch -naturwissen¬ schaftlichen Grundlage brauchen sie enge Fühlung mit den Disziplinen, welche unumstritten ihren wahren Nähr¬ boden in der Universität haben ; es sind dies die national¬ ökonomischen Fächer, zahlreiche Zweige der Rechts¬ wissenschaft und die Hygiene. Der Nationalökonomie kann die Technik nicht entrai.hen, weil ihre Schöpfungen nur Werth haben, wenn sie wirthschaftliche Zwecke noch lohnend erfüllen. Die Rechtsdisziplinen sind unumgänglich nothwendig für jene Techniker, welche in Kommunal- und Staatsdienst treten wollen, sowie für die Patentanwälte; aber auch der Fabrikant muss im Handels- und Wechsel¬ recht, in der sozialen Gesetzgebung, Gewerbeordnung, Muster-, Markenschutz-Gesetzgebung und vielem Anderen zu Hause sein. Dass die Hygiene sowohl im Hoch- als Tiefbau im Vordergründe steht, bedarf keiner Ausführung. Die Unentbehrlichkeit dieser Disziplinen erkennen die technischen Hochschulen auch thatsächlich an, indem sie Lehrkräfte für diese Zweige heranziehen; aber die Mehr¬ zahl sind geborgte Aushilfskräfte, die im Nebenamt das Bedürfnis, so gut es geht, zu befriedigen suchen, praktische Aerzte, Rechtsanwälte, Handelskammer-Sekretäre, Justiz- und Verwaltungs- Beamte. Bei diesem System kann der Wissensstoff in der Regel nur aus abgeleiteten Quellen geboten und die Behandlung muss auf das bescheidenste Niveau herabgedrückt werden. Noch kümmerlicher steht die technische Hochschule da, wenn man die Fächer ins Auge fasst, die der allge¬ meinen Ausbildung dienen sollen. Ein fester, abgeschlosse¬ ner Kreis von Geisteswissenschaften, wie ihn alle philo- 4. April 1903. sophischen Fakultäten aufzeigen, besteht hier überhaupt nicht; bald fehlt das eine, bald das andere Fach. Beson¬ ders charakteristisch ist es, dass die Philosophie, die doch die Grundlage aller allgemeinen Bildung ist, nur vereinzelt von einem Ordinarius vertreten wird. Das System der geborgten Kräfte macht sich auch hier in starkem Maasse geltend . “ Aber auch den Universitäten führt Schanz eine Summe von Vortheilen vor Augen, die für sie aus jener Vereinigung entspriessen würden; so den Nutzen gewisser technischer Kenntnisse für den Verwaltungs- Beamten und den Hygie¬ niker; so die gegenseitige Befruchtung bei der engeren Vereinigung von Orthopädie und Technik, von Aesthetik, Archäologie, Architektur und der Ausübung graphischer Künste; so vor allem die Herstellung einer wirklichen Universitas litterarum. „Es ist ein Unglück für die Universitäten geworden, dass ein bedeutendes Stück unseres Kulturlebens ihnen fremd geblieben ist. Während sie tief in die Gestaltung unseres religiösen Lebens eingegriffen, während sie die politischenSchicksale des Vaterlandes mitbestimmt, während sie Natur- und Geisteswissenschaften mächtig gefördert haben: die Wunder der Mechanik, die unser ganzes Dasein von Grund aus umgestaltet haben, sind nicht ihr Werk. Eingeschworen auf ihre vier Fakultäten, haben sie mit den auf diesem Gebiete mächtig schaffenden Geistern alle Fühlung verloren.“ Nachdem Redner noch auf die technischen Fakultäten hervorragender Universitäten in den Vereinigten Staaten, in England, Belgien, Italien und der Schweiz hingewiesen, empfiehlt er in eindringlichen Worten das, was bei uns bisher versäumt wurde, sich aber vielleicht noch nach¬ holen lässt, nämlich die Einreihung technischer Fakultäten wenigstens in einzelne deutsche Universitäten und insbe¬ sondere als Ersatz für neu zu errichtende technische Hochschulen. Als vorbereitende Mittelschule für die wirkliche Uni¬ versitas litterarum empfiehlt sodann Schanz ein einheit¬ liches Gymnasium, das im Wesentlichen die unersetzbare klassische Bildung des humanistischen Gymnasiums bei¬ zubehalten, den realen Anforderungen aber — abgesehen von den an den Gymnasien schon gepflegten naturwissen¬ schaftlichen Fächern — durch obligatorische Pflege des Zeichnens, der englischen Sprache und der Chemie ohne erhebliche Mehrbelastung der Schüler Rechnung zu tragen, besonderen Bedürfnissen endlich, wie z. B. bei dem künf¬ tigen Techniker nach den Elementen der darstellenden Geometrie, durch die Einfügung fakultativer Lehrgegen¬ stände entgegenzukommen hätte. Ausser den von Prof. v. Schanz betonten Vorzügen der Vereinigung von Universität und technischer Hoch¬ schule mag noch auf einen Gewinn hingewiesen werden, den diese Vereinigung bietet und der besonders von denen, die längere Zeit im praktischen Leben gestanden sind, ge¬ würdigt werden dürfte. Es unterliegt keinem Zweifel, dass jenes schwer zu definierende Etwas, das sich mitunter störend zwischen Juristen und akademisch gebildete Techniker drängt, das sich nicht selten in dem Räderwerke staatlicher oder städtischer Verwaltung als hemmende Reibung und daher als Kräfteverlust bemerkbar macht, erblassen und ver¬ schwinden würde , wenn diese beiden wichtigen Berufs¬ stände aus einer gemeinsamen Bildungsstätte hervorgehen, wenn sie den Worten der gleichen Lehrer lauschen und wenn sie Gelegenheit haben würden, sich in der Jugend, der Zeit des raschen, warmen Anschlusses, einander menschlich näher zu treten. Aufrichtiger Dank gebührt dem Universitäts - Lehrer , der diese für unser ganzes Kulturleben so wichtige Frage neu aufgegriffen und so wirkungsvoll beleuchtet hat. — x. Anmerkung der Redaktion. Vorstehende Mit¬ theilung, deren Abdruck sich durch zufällige Umstände sehr verspätet hat, glaubten wir unseren Lesern nicht vorenthalten zu sollen, trotzdem wir den darin ausge¬ sprochenen Ansichten keineswegs durchweg zustimmen und trotzdem die Schulfrage ja inzwischen einen anderen Weg bei uns gegangen ist. Die Ausführungen sind aber insofern von Interesse, als sie von einer Stelle kommen, von wel¬ chen man früher eine solche Einschätzung der technischen Hochschulen nicht erwarten durfte. Darin stimmen wir mit den ausgesprochenen Anschauungen überein, dass wir von einer gegenseitigen Unterstützung und Ergänzung der Universitäten und technischen Hochschulen für beide wesentliche Vortheile erwarten. Dass dazu aber die An¬ gliederung der technischen Hochschulen an die Universi¬ täten als eine neue Fakultät für die Weiterentwicklung der Technik der beste und zu erstrebende Weg sei, müssen wir doch bezweifeln. — *75 Vermischtes. Die Reorganisation des Hochbauwesens Im Grossherzog¬ thum Baden hat nunmehr durch die folgenden Ernennungen ihren Abschluss gefunden: Der Kirchen-Bauinsp., Brth. Behaghel in Heidelberg, der Architekt und Lehrer an der Akademie der bildenden Künste, Prof. H. Billing in Karlsruhe, der Direktor der Kunstgewerbeschule, Prof. K. Hoffacker in Karlsruhe, der Konservator der öffent¬ lichen Baudenkmale und Direktor der Baugewerkschule, Ob.-Brth. Kircher in Karlsruhe, der Erzbischöfl. Baudir. a. D. M. Meckel in Freiburg, Prof. Ratzel und Ob.-Brth. Prof. K. Schäfer, beide an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, wurden zu Mitgliedern einer „ Ministerial- Kommission für das Hochbauwesen" für die fünf Jahre 1903/1907 ernannt. — Staatliche Fürsorge ln Preussen für Beschaffung von Wohnungen für die Arbeiter der staatlichen Betriebe usw. Mit dem Gesetz vom 13. August 1895 hat der preussische Staat erstmalig den Weg betreten, durch den Bau von Kleinwohnungen bezw. durch Gewährung von Darlehen an Genossenschaften, welche das gleiche Ziel verfolgen, die Wohnungsverhältnisse von Arbeitern, welche in staat¬ lichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besol¬ deten Beamten zu verbessern. Seitdem sind imganzen 32 Mill. M. zu diesem Zwecke bewilligt worden, von denen bis zum 1. Oktober 1902 verbraucht wurden 31077235 M. und zwar 20322925 M. zu eigenem Bau, 10754310 M. zu Darlehen, davon ein kleiner Theil unmittelbar an Arbeiter. Der Hauptantheil entfällt davon auf die Eisenbahn¬ verwaltung mit 24918813 M., während die Bauver¬ waltung 409969, die B ergverwaltung 4113453 M., die Verwaltung des Inneren 1635000 M. aufgewendet haben, und zwar die letztere ausschliesslich für Darlehen, die ersteren vorwiegend für Eigenbau. Durch die staatl. Verwaltungen selbst sind 5012 Wohnungen hergestellt. Durch einen dem preussischen Abgeordnetenhause vorgelegten Gesetzentwurf werden in diesem Jahre weitere 12 Mill. M. zu dem gleichen Zwecke gefordert. — Schmiedeisernes Fenster D. R.-P. 138886 von K. Zucker in Mannheim. Bei den bisher gebräuchlichen Konstruk¬ tionen schmiedeiserner Fenster müssen die Sprossen an den Kreuzungsstellen verschnitten, also geschwächt wer¬ den, oder die senkrechten Stäbe müssen so¬ viel stärker sein, dass sie eine dem Querschnitt der wagrechten Sprossen entsprechende Aus¬ stanzung vertragen können. Dann erscheint die Konstruktion aber sehr schwerfällig. Die neue Fensterform, die in unserer Abbildung für einfache T-Sprossen und für das übliche Sprossenprofil dargestellt ist, zeigt an den Kreu¬ zungsstellen in den lothrechten Stäben eine ent¬ sprechende Verdickung, sodass das Profil der wagrechten Sprosse ohne Schwächung, abge¬ sehen von einer geringfügigen Ausklinkung, w eiche die feste Verbindung sichert, durchge¬ schoben werden kann. Bei gefälliger Erschei¬ nung gewährt also diese Fenster-Konstruktion grosse Festigkeit, da sich die Stäbe voll umfassen. Vertreter ist die Firma S. Spin del & Co. in Ludwigshafen a. Rh. — Preisbewerbungen. Beschränkter Wettbewerb zur Erlangung von Vorent¬ würfen für den Neubau der Kaiser Wilhelm- Akademie in Berlin. Für die jetzt an der Friedrichstrasse, unmittelbar am Stadtbahnhof „Friedrichstrasse“ liegende Kaiser Wil¬ helm-Akademie ist ein Neubau in Aussicht genommen, für welchen ein Eckgrundstück an der Invaliden- und Scharnhorststrasse gewählt wurde. Zur Erlangung ge¬ eigneter Vorentwürfe für die umfangreiche Anstalt war ein engerer Wettbewerb unter folgenden 8 Berliner Architekten bezw. Architekten-Firmen erlassen: Cremer & Wolffenstein, Jaffö, Menken, Reimer & Körte, Reinhardt & Süssenguth, Schmieden & Boethke, Schwechten und Solf &Wichards. Jedem Theilnehmer war eine Vergütung von 3000M. zugesichert und es wurde für die am brauchbarsten befundene Arbeit ein Preis von 5000 M. ausgesetzt, welcher in Anrechnung gebracht wird, wenn dem durch Preis ausgezeichneten Bewerber die Aus¬ arbeitung der Bauentwurfs Zeichnungen übertragen wird. Eine Verpflichtung, einen der Entwürfe zur Ausführung zu bringen , wurde von der Heeresverwaltung nicht übernommen, jedoch behielt sich dieselbe das Recht vor, nach freier Wahl einem der Bewerber die Ausarbeitung der Ausführ ungs -Zeichnungen unter später festzusetzenden Bedingungen zu übertragen. In dem 8gliederigen Preisgericht befanden sich die folgen¬ den 5 Architekten: Geh. Ob.-Brth. Appelius, Intend.- 176 und Brth. Ahrendts, Intend- u. Brth. Hartung. Garn.- Bauinsp. Schultze und Garn.-Bauinsp Zeyss. D'e Ent¬ würfe im Maasstabe 1 : 400 für die Grundrisse und 1 : 200 für die Ansichten und Schnitte, waren zum 15 März d. J. einzusenden. Die Entscheidung über sie ist in diesen Tagen dahin gefallen, dass dem Entwurf der Hrn. Cremer & Wolffenstein der ausgesetzte Preis von 5000 M. zuge¬ sprochen wurde. — Wettbewerb Stadtpark Plauen 1. V. Den I. Preis von 700 M. erhielt Hr. Gartenarch. Reinh. Hoemann in Düsseldorf; den II. Preis von 500 M. Hr. Gartenbauing. E. Ackermann in Hohenwiese in Schlesien; den III. Preis von 300 M. Hr. Gartenarch. W. Poenicke in Delitzsch. Zum Ankauf empfohlen wurden die Entwürfe der Hrn. L. Heerwagen in Leipzig, V Kühn in Plauen und L. Kniese in Plagwitz; eine lobende Erwähnung fanden die Entwürfe der Hrn. W. Lentzke in Stettin, Dahs, Reuter & Comp, in Jüngsfeld- Oberpleis in der Rhein¬ provinz und C. M. Vohburger in München. — Wettbewerb Provlnzlal-Museum zu Münster i. W. Die Baukommission beschloss, den umgearbeiteten Entwurf des Hrn. Arch. Herrn. Schaedtler in Hannover zur Ausführung zu empfehlen. — Brief- und Fragekasten. Hrn. L. H. in B. Die vom Verbände Deutscher Arch.- und Ing.-Vereine aufgestellten „Grundsätze für das Verfahren bei Wett¬ bewerben“ bestimmen nur, dass die Annahme des Pr eisrichter¬ amt es den Verzicht auf jede direkte oder indirekte Betheiligung am Wettbewerb bedingt. Weitere Ausnahmen werden dagegen nicht gemacht. Es ist allerdings wiederholt darüber gestritten wor¬ den, ob z. B. bei einem von einer Behörde veranstalteten Wett¬ bewerbe den Baubeamten, welche an der Aufstellung der Wettbe¬ werbsunterlagen oder bei Vorentwürfen mitgearbeitet haben, die Betheiligung am Wettbewerb zu gestatten sei. Eine die Zulassung verneinende Bestimmung hat aber in den Grundsätzen keine Auf¬ nahme gefunden. — Hrn. O. M. in Bremen. Von den im Handel erhältlichen Anstrichfarben für D am p f h eizkö rp e r hat sich die hitze¬ beständige Farbe von Heyn & Manthe in Berlin relativ am besten bewährt. Unter der Voraussetzung, dass die zu streichende Ober¬ fläche ganz sauber ist, hält die Farbe sehr gut. Da sie jedoch im Laufe der ersten vier Wochen ihren Farbenton merkbar ändert, so empfiehlt es sich, durch Probeanstriche den richtigen Ton festzu¬ stellen, falls eine peinlich genaue Färbung verlangt wird. — V. Hrn. Ing. V. K. in Wien. Zu unserer Antwort in No. 22 geht uns noch folgende Mittheilung zu: Vielleicht liegt hier eine Verwechslung mit einer Pflastersteinsorte vor, die aus pulverisiertem Grünstein nach patentiertem Verfahren der Firma Gebr. Hess, Kunststeinfabrik in W urlitz b. Rehan, Oberfranken her¬ gestellt wird. Diese Steine sind sehr hart und wurden, soviel mir bekannt, auch in München versuchsweise verwendet. — A. Dantscher, Dir.-Assessor in München. Hrn. Dir. R. S. in Linz. Zu der Beantwortung in No. 19 erhalten wir noch folgende ergänzende Mittheilung: Der Bahnhof in Altona stellt ein gutes Beispiel einer Kopf-Bahnhof anlag e für eine Stadt von 200000 Einwohnern dar. Veröffentlichungen über denselben finden sich u. a. im Centralblatt der Bauverwaltung 1899 und 1902. — Schimpf f. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage 2 in No. 17 bet r. Kegelbahnen, bei welchen sich die Kegel automatisch wieder aufstellen, wird uns mitgetheilt, dass sich Veröffentlichungen finden in der „ Illu strirten Ztg." vom 9. Okt. 1902, sowie in „Die Welt“ (Vlg. der Germania in Berlin) vom 26. Okt. 1902. Beide beziehen sich auf Ausführungen von Jean Nagel, Mech. Werkstatt in Landau-Pfalz. Genannt wird uns ausserdem die Firma G. Stark in Weingarten-Rheinpfalz. Die Aufstellung der Kegel wird durch Drahtzug ohne Zuhilfe¬ nahme eines Kegeljungen vom Keglerstande aus bewirkt. — Inhalt: Die Ernst Ludwig-Heilstätte bei Sandbach im Odenwald. — Die Hauptumfassung der ReichsfestuDg Ulm a. D. im Stadterweiterungs- Entwurf. — Die neue Universität und die neue Mittelschule. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die Ernst Ludwig-Heilstätte bei Sandbach im Odenwald. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m.tb. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Drück von Wilh. Greve, Berlin. No. 27. *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 28. * DEN 8. APRIL 1903. * ************** Ein Bauernhaus bei Aachen. Architekt: Hermann Jansen in Berlin. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. An die Einzelvereine ! _ , , . , . . Dresden-Berlin, den 27. März 1903. In dem zweijährigen Zeiträume seit Inkrafttreten der Gebührenordnung für Arbeiten der Architekten und Ingenieure hat sich herausgestellt, dass der Wortlaut dieser Gebührenordnung an einigen Stellen eine verschiedene Auslegung zulässt und es haben sich daraus mitunter Streitigkeiten ergeben. Es erscheint daher durchaus wünschenswert!! , wenn zu der Gebührenordnung ein Kommentar herausgegeben würde, der in allen zweifelhaften Punkten die Meinung zum Ausdruck bringt, welche bei Aufstellung der Gebühren¬ ordnung zugrunde gelegen hat, bezw. solche Begründungen und Erläuterungen gibt, wie sie sich aus den praktischen Bedürfnissen als zweckmässig herausgestellt haben. Die „Vereinigung Berliner Architekten“ hat den Antrag gestellt, dieser Frage näher zu treten. Dazu ist zunächst die Sammlung von Material erforderlich. Die Vereine werden daher ergebenst ersucht, ihre Mitglieder aufzufordern, aus ihrer praktischen Erfahrung heraus auf alle Punkte der Gebührenordnung aufmerksam zu machen, die ihnen bezüglich der Auslegung nicht klar erscheinen und solches Material unmittelbar an die Geschäftsstelle des Verbandes einzureichen. — Der Vorstand des Verbandes: Waldow, Vorsitzender. F. Eiselen, Geschäftsführer. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass mit der Drucklegung des Mitglieder-Verzeichnisses nunmehr begonnen wird. Berichtigungen und Ergänzungen, welche noch Aufnahme finden sollen, müssen der Geschäftsstelle umgehend zugestellt werden. — Der Geschäftsführer: F. Eiselen. Dresden-Berlin, den 28. März 1903. Den Einzelvereinen ist bereits mit Schreiben vom 15. Februar 1903 der Antrag der „Vereinigung Berliner Architekten“ zugegangen, an dem IV. Tage für Denkmalpflege, der im September d. J. in Erfurt tagen wird, durch Entsendung von Vertretern theilnehmen zu wollen. Es geht uns nunmehr durch den Vereins- Vorstand noch die nachstehende nähere Begründung des in der Vereinigung gebildeten Denkmal- Ausschusses zu diesem Anträge zu, welche wir hierdurch zur Kenntniss der Verbands-Mitglieder bringen. — Der Vorstand des Verbandes: Waldow, Vorsitzender. F. Eiselen, Geschäftsführer. Die „Vereinigung Berliner Architekten“ hat angeregt, dass der „Verband deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine“ sämtliche Einzelvereine auffordern möge, sich durch Vertreter an den Verhandlungen des Tages für Denkmalpflege zu betheiligen, um vor allen die künstle¬ rischen Interessen bei der Berathung zu vertreten. Die Vereinigung ging hierbei von folgender Erwägung aus: Bei allen Maassregeln zur Pflege der Kunstdenkmäler ist der Hauptwerth, neben der möglichsten Erhaltung des Bestandes, auf die Wahrung der künstlerischen Erscheinung zu legen. Geschichtliche Untersuchungen sind unbeschadet ihres hohen selbständigen Werthes hierbei nur Mittel zum Zweck. Eine übertriebene Betonung der geschichtlichen Fra¬ gen führt aber gar zu leicht zu einer einseitigen Behand¬ lung der Denkmalpflege. Demgegenüber ist es aufgefallen, dass auf den Tagen für Denkmalpflege fast ausschliesslich Philologen das Wort führten. Es ist zu wünschen, dass 177 die Architekten ihr Interesse in derselben Weise durch rege Betheiligung an den Debatten bethätigen. Um hier einen Wandel zu schaffen, hat die Vereini¬ gung den oben erwähnten Antrag gestellt. Absicht der Vereinigung ist es also, das gemeinsame Arbeiten zu för¬ dern. Zu diesem Zweck soll einerseits eine lebhaftere Betheiligung der Architekten an dem Denkmalpflegetag angeregt und andererseits durch Vorträge über künstle¬ rische Aufgaben der Denkmalpflege das Interesse der Philologen für diese Seite derselben gefesselt werden. Die Uebertreibungen der entschiedenen Gegner aller Wiederherstellungen auf der einen Seite und der rück¬ sichtslosen Bestrebungen zur völligen Entfernung oder modernen Wiedei'herstellung historischer Bauwerke auf der anderen Seite, können nicht besser zum Nutzen der Sache auf ihren wahren Werth zurückgeführt werden, als durch Bekanntgabe der Entscheidungen und ihrer Gründe, die bei einer möglichst grossen Zahl von prak¬ tischen Fällen maassgebend gewesen sind. Die „Vereinigung Berliner Architekten“ würde es daher für ausserordentlich werthvoll halten, wenn jeder der Einzelvereine, welcher beschliessen sollte, sich an dem Tage für Denkmalpflege zu betheiligen, seinem Vertreter Stoff über solche Fälle der praktischen Denkmalpflege mitgeben würde. In jedem Einzelvereine dürften Mitglieder vorhanden sein, welche in neuerer Zeit vor die praktische Lösung der Frage der Wiederherstellung geschichtlicher Denkmäler in der einen oder anderen Form gestellt worden sind. Wir erinnern nur an bekanntere Beispiele, wie die Wieder¬ herstellung des Burgthores in Lübeck, der Thorthürme in Freiburg, der Jung St. Peter-Kirche in Strassburg, des Schleswiger Domes, des Domes zu Bremen, Abbruch der Stadtbefestigungen in Metz usw. Eine solche Vorführung einer grösseren Anzahl von Ausführungen dürfte auch von den an dem Tage für Denkmalpflege theilnehmenden Kunstgelehrten, Konser¬ vatoren und Vertretern staatlicher und städtischer Behör¬ den auf das freudigste begrüsst werden als eine nützliche positive Mitarbeit der Baukünstler an den wichtigen Auf¬ gaben des Tages für Denkmalpflege. — Für den Ausschuss der „Vereinigung Berliner Architekten“ i. A.: Bodo Ebhardt, Architekt. Ein Bauernhaus bei Aachen. Architekt: Hermann Jansen in Berlin. (Hierzu die Abbildungen s. 177 und 181.) as reizvolle Bauernhaus, welches wir hiermit, unseren Lesern darbieten, ist ein anziehendes Beispiel dafür, dass es, wie es übrigens das deutsche Bauernhaus der Vergangenheit ja allenthalben zeigt, bei natürlichem Kunstsinn möglich ist, auch dem einfachsten Nutzbau ohne, oder doch ohne wesentlichen Mehraufwand eine künst¬ lerische Gestaltung zu geben. Das Haus liegt zwischen Aachen und dem durch seine Töpferarbeiten bekannten Dorfe Raeren, in hügelig anmuthigem Wiesengelände, an der Grenze des durch seine Rindviehzucht und Milch- wirthschaft bekannten Limburger Landes. Die besondere Charakteristik dieses Landes besteht darin, dass es, wie das benachbarte Holland, nur Viehzucht kennt, und dass in ihm so gut wie kein Ackerbau betrieben wird. Das Land ist nicht in Grossgrundbesitze aufgetheilt, sondern es enthält meist mittelgrosse eigentliche Bauerngüter mit einem Durchschnittsbestände von 20—35 Kühen. Kühe, einige Schweine und das „Milchpferd“, das ist im allge¬ meinen der Thierbestand dieser Güter. Das hier wiedergegebene Bauernhaus ist auf einen Bestand von 14 Stück Grossvieh und 8 Stück Kleinvieh, oder aber insgesamt auf 20 Stück Grossvieh berechnet. Hierzu treten eine Bucht von etwa 11 qm für Schweine, ein darüber liegender Hühnerstall und ein Stall für 2 Pferde. Die Wohnung des Bauern besteht aus 3 Wohnzimmern und 1 Leutezimmer im Erdgeschoss, unterkellert, und 4 Zimmern im I. Obergeschoss. Pferde- und Kuhstall sind vom Leutezimmer durch ein kleines Fenster zu beobachten. Die Stallungen schliessen unmittelbar an die Wohnungen an, sind aber doch von letzteren durch eine geschlossene Zwischenmauer getrennt. Die Gesindestube ist von der Wohnung des Bauern zugänglich, hat aber auch einen unmittelbaren Eingang von aussen. Der gut gelüftete Kuhstall hat eine lichte Höhe von 3,1 m und ist zur Ver¬ meidung des Durchzuges an nur einer Seite mit Thüren versehen. Eine besondere Forderung des Bauherrn war eine Mittheilungen aus Vereinen. Jahresbericht über die Thätigkeit des Architekten- und Ingenieur- Vereins zu Bremen 1902. In 28 Sitzungen und 7 Hauptversammlungen mit einem Durchschnitts -Besuch von 22 Mitgliedern hat der Verein während des abge¬ laufenen Jahres seine Thätigkeit fortgesetzt; ausserdem gab das Fest seines 25-jährigen Bestehens Veranlassung, die 715. Sitzung zu einer öffentlichen Festsitzung zu ge¬ stalten, an der an Mitgliedern, Gästen und Damen etwa 350 Personen theilnahmen. Die Zahl der Mitglieder (128) hat sich wenig verändert. Verstorben sind im Jahre 1902: Georg Bergfeld, der liebenswürdige, stets mit Interesse an den Vereinsarbeiten theilnehmende Theilhaber der Silberwaaren - Fabrik Koch & Bergfeld, der Architekt Loschen, der ehemals Mitglied des bremischen Bau¬ meister-Vereins, ein Freund und Studiengenosse Unge¬ witters, sich in seinen Restaurationen und Neubauten als ein sehr gründlicher, an originellen Einfällen reicher Gothiker gezeigt hat, durch allerlei Missgeschick aber schon seit 20 Jahren in muthlose Vereinsamung und Un- thätigkeit verfallen war, und der Architekt Thies. Die Thätigkeit in den Sitzungen des Vereins betraf, entsprechend den vielseitigen Berufsinteressen der Mit- 178 freie Ausladung des Daches über den Kuhstall von 3 m, um Brennholz, Karren, Ackergeräthe geschützt unterbringen zu können und um bei drohendem Regenwetter ein schnelles Unterstellen beladener Heuwagen zu ermöglichen. Diese praktische Forderung war auf die künstlerische Gestaltung des Hauses von wesentlichem Einfluss, denn an der Strassenfront wurde das grosse Vordach des Stalles auch dem Wohnhause vorgelagert, um eine malerische Abstufung der Baumasse zu erzielen und um einen Sitzplatz im Freien beim geschützten Hauseingange sowie einen erkerartigen Ausbau der Wohnstube mit Ausblick nach drei Seiten zu gewinnen. Gegenüber dem Wohntheile des Hauses wurde der Stalltheil aus prak¬ tischen und künstlerischen Gründen nieder gehalten. Mit grossem Geschick ist die zusammenhängende und einheit¬ liche Aussenwirkung beider nach Gebrauch völlig ver¬ schiedener Haustheile beobachtet. Von der sonst in der Gegend üblichen Bauweise — Ziegelrohbau aüs Feldbrandsteinen mit grauen Pfannen¬ dächern — hebt sich das Haus auch im Material vortheil- haft ab. Der Sockel besteht aus in der dortigen Gegend gebrochenen Steinen; die Mauerflächen haben einen natur¬ farbigen Spritzbewurf erhalten; das Holz des Fachwerkes ist an allen sichtbaren und nicht durch vorspringende Dächer geschützten Stellen dunkel geöltes, sorgfältig be¬ arbeitetes Eichenholz; das Dach ist ein rothes Ziegeldach. Die Baukosten betragen ohne Architekten -Honorar nur rd. 25000 M.; das ergibt für ein qm bebauter Fläche einen Betrag von nur etwa 60 M., und für ein cbm um¬ bauten Raumes — bei einer Berechnung von Keller bezw. Erdoberkante bis 1/3 Dach — nur etwa 9 M. Mit diesen geringen Sätzen, die sich durch Hinzurechnung des Archi¬ tekten -Honorares nicht wesentlich erhöhen, ist der Be¬ weis geliefert, dass es durch Umsicht und praktischen Blick möglich ist, auch dem ländlichen Nutzbau eine künst¬ lerische Form zu geben, ohne seine Rentabilität in nennens- werther Weise zu beeinflussen. — glieder, die mannigfachsten Fragen, von denen folgende übersichtliche Zusammenstellung einen Begriff geben mag: Die öffentliche, in Facbzeitungen geübte abfällige Kritik an dem Bebauungspläne eines Bremer Vorstadt- t heil es beim Bürgerpark veranlasste eine ausführliche Besprechung der s. Zt. im Verein veranstalteten Kon¬ kurrenz für diesen Theil des Stadterweiterungsplanes und brachte das Bedauern darüber zum Ausdruck, dass dem Vorschläge des Vereines zur Ausschreibung eines öffent¬ lichen Wettbewerbes damals nicht Folge gegeben sei. Auf Antrag des Hrn. Ed. Gildemeister wurden die Bedenken zu einer Eingabe zusammengefasst, die gleichlautend an Senat und Bürgerschaft gerichtet, um Einstellung eines künstlerischen und technischen Beirathes für Neuanlage und Regulierung der Strassen, sowie für die ganze öffent¬ liche baukünstlerische Thätigkeit bat. Es folgten Vorträge der Herren Dittmann über theoretische und praktische Erfahrungen betreffs des Blitzschutzes an Gebäuden, Laue über elektrische Kleinbahnen, Dr. Joh. Müller über die verschiedenen Arten der Wechselströme mit Demonstration, Ruhl über Verbund-Konstruktionen nach eigenem patentiertem Verfahren mit theoretischer Begründung und Angabe über die bisherigen praktischen Erfolge. Hr. Dr. Schaefer berichtete in zwei Abenden No. 28. über die Frage der Wiederherstellung des Heidel¬ berger Schlosses, ohne allerdings mit seiner Ansicht, die gegen jede Wiederherstellung und auf möglichste Er¬ haltung des jetzigen Zustandes ausging, den Beifall der Versammlung zu finden. Es sprach ferner Hr. Goetze über die Zentralanlage für Fernheizung und Wasser Ver¬ sorgung, die er für die Villen -Kolonie der Irrenanstalt zu Ellen plante und Hr. Schiffmann über die von Prof. Intze geleitete Ausführung der grossen Thalsperre bei Gemünd in der Eifel. Hr. Haasemann brachte in einem vom Vorstande erbetenen Berichte die Bestrebungen zur Schaffung billiger Wohnungen für Arbeiter zur Sprache und veranlasste damit eine ausführliche Be¬ sprechung über Vorzüge und Misstände des hierorts üblichen Einfamilienhauses als Kleinleutewohnung. Im Zusammenhang mit seinem Ausbau der bremischen Kunsthalle machte Hr. Ed. Gildemeister Mittheilung über die neuesten Erfahrungen bei Belichtung von Gemälde- Ausstellungssälen, insbesondere über das beste Ober¬ lichtsystem. Die Hm. Bücking und Gräpel berichteten über die beim Verbandstage in Augsburg gepflogenen Verhandlungen, sowie über das, was Augsburg und die Ausflüge nach den bayerischen Königsschlössern an werth¬ vollen Eindrücken boten. Hr. Goetze schildert im Zu¬ sammenhang mit einer Baubesichtigung das Verfahren beim Bau neuer Filterbecken des städtischen Wasserwerkes und ergänzt diese Schilderung späterhin durch Mittheilung von Schäden, die sich in einem Falle durch den Einfluss besonders ungünstiger Witterung während der Bauaus¬ führung ergaben. Hr. Günther sprach über das Huber’sche Prägungsverfahren unterWasser mit etwa 6000 Atm. Druck; Hr. Dr. Schaefer gibt Reiseeindrücke aus der alten vlämischen Hauptstadt Brügge und verweist dar¬ auf, wie sehr wir noch an der traditionellen Verherr¬ lichung alles Italienischen kleben, ohne die Meisterwerke germanischer Kunst zu beachten oder zu kennen; ferner schildert er die von Henri van de Velde geschaffene Innen¬ architektur des Museums zu Hagen in Westfalen. Ueber Methoden zur Ersparniss von Wasser bei Schleusen¬ anlagen berichtet Hr. Bücking, über IJeberhitzer bei Dampfkesseln Hr. Haasemann, über die verschiedene/. Typen von Schulhausbauten mit besonderer Berück¬ sichtigung der in Bremen üblichen Hr. V erg es. Hr. Schiff mann berichtet aus Anlass eines Wettbewerbes, an dem er sich betheiligte, über das Projekt zur Wasser¬ versorgung der Stadt Kolberg, Hr. DeThierry über die im vergangenen Jahre vollendete, zumtheil als Unter¬ grundbahn ausgeführte Stadtbahn von Paris, Hr. Oeltjen schliesslich über Schleusenbauten, die in den Torf schiffahrts-Kanälen des Blocklandes anstelle alter Schiffsüberzüge eingerichtet wurden. Ausserdem arbeitete eine Kommission des Vereins an der Gebührenordnung für Saehverständigen-Gut- achten; eine andere erledigte auf Bitten des „Vereins für Feuerbestattung“ die Vorarbeiten für dessen Preisaus¬ schreiben zum Bau eines Krematoriums auf dem Rhiens- berger Friedhofe; eine dritte ward gemeinsam mit dem „Bezirksverein deutscher Ingenieure“ gebildet, um auf Ver¬ anlassung der betr. Behörde die Ausführungs-Bestimmun¬ gen für den Bau von Fahrstühlen zu beratben. Während des Sommers fanden in der üblichen Weise folgende Ausflüge und Besichtigungen statt: Neue Filter¬ bauten des Wasserwerkes; Baumwollbörse (Arch. J. G. Poppe); Irrenanstalt in Eilen (Hochbauinspektion, Arch. H. Wagner); Landhausbauten in Oberneuland (Prof. Schumacher in Dresden, und Arch. Gildemeister); die neuen Lloydwerkstätten für Maschinen und Armaturen; Neubau der Gasanstalt; in der Stadt Villenbauten von Gildemeister und Wellermann & Fröhlich); die Bauausführung bei den Hafen-Erweiterungsbauten im Frei¬ bezirk, zu denen Hr. Suling den erläuternden Vortrag gab, und die neuen Uferbauten an der Weser bis Vegesack. Ihren Höhepunkt erreichte die Vereinsthätigkeit in der schon erwähnten Festsitzung vom 13. Dez., wo zur Feier des 25- jährigen Bestehens von Behörden und Korpora¬ tionen der Stadt, von Vertretern der Nachbarvereine zu Hamburg, Lübeck, Kiel, Osnabrück u. a. dem Vereine ehrenvolle Begrüssungen und Glückwünsche dargebracht wurden; Ob.-Baudir. Dr.-Ing. Franz ius hatte das derzeit grösste und wichtigste Ingenieurwerk, mit dem sich Bre¬ men beschäftigt, das Projekt der Binnenschiffahrts- Anlagen auf dem Gebiete der Bremer Neustadt am linken Weserufer zum Thema seines Festvortrages gewählt. Nach dieser würdig verlaufenen Vormittags -Sitzung folgte als gesellige Feier ein sehr zahlreich besuchtes fröhliches Festmahl am Abend. Endlich ist noch der Bestrebungen Erwähnung zu thun, mit denen der Verein auf eine zeitgemässe Aende- rung der politischen Stellung der Architekten und 8. April 1903. Ingenieure im Bremischen Staatswesen hinzuwirken suchte. Nachdem insbesondere durch die bedeutsame Initiative des Kaisers die Gleichstellung der technischen Hochschulen mit den Universitäten ausgesprochen und durchgeführt ist, muss die Zutheilung der Techniker mit akademischer Voll¬ bildung zur vierten Klasse der Bremischen Bürgerschaft als nicht mehr zeitgemäss empfunden werden, während die erste Klasse bisher den an Universitäten Gebildeten Vorbehalten war. Obwohl die bezüglichen Eingaben bis¬ her vom Senat als unannehmbar abgelehnt wurden, hofft der Verein doch die Interessen des Standes, den er ver¬ tritt, auch in diesem Punkte in absehbarer Zeit zum Ziele zu führen. — Sch. Verein für Elsenbafankunde. In der letzten Sitzung gedachte der Vorsitzende, Min. -Dir. Schroeder, der ver¬ storbenen Mitglieder, Geh. Ob.-Brthe. Mayer und Stambke, und hob dabei namentlich die grossen Verdienste hervor, die der letztere sich in einem langen erfolgreichen Leben um das Eisenbahnwesen erworben hat. Dann sprach der Geh. Brth. Bork über den elektrischen Betrieb auf Hauptbahnen. In den letzten Jahren seien sehr wesent¬ liche Fortschritte in der Erprobung dieser Betriebsweise, die naturgemäss von denjenigen der Strassenbahnen sehr erheblich abweichen müsse, zu verzeichnen. Neben eini¬ gen grösseren Ausführungen auf den italienischen, franzö¬ sischen und schweizerischen Bahnen sei im besonderen der Versuchsbetrieb auf der Wannseebahn von Bedeutung gewesen. Dieser Betrieb sei mit dem ausgesprochenen Zweck eingerichtet worden, durch eingehende Messungen die wesentlichsten Grundzüge für die Gestaltung der elek¬ trischen Betriebseinrichtungen festzustellen und durch längere Betriebsführung den Nachweis der Betriebstüch¬ tigkeit zu erbringen, sowie einen möglichst einwandfreien Nachweis der Betriebskosten gegenüber dem bisherigen Dampfbetriebe zu liefern. In ersterer Beziehung seien so ausreichende Grundlagen gewonnen worden, dass bei dem gegenwärtigen Standpunkte der Elektrotechnik die Möglichkeit gegeben sei, für jeden Einzelfall die zweck- mässigste Bauart festzustellen. In betriebstechnischer Hinsicht habe der Versuchsbetrieb ergeben, dass abgesehen von unbedeutenden Betriebsstörungen, die bei Neuanlagen nie ganz vermieden werden könnten, die elektrische Zug¬ führung als durchaus betriebstüchtig zu bezeichnen sei. Als ein wesentlicher Vorzug des elektrischen Betriebes sei hervorzuheben, dass die Züge sich aus einzelnen Zugeinheiten bilden Hessen, von denen jede ihre eigene Betriebskraft besitzt. Es liege auf der Hand, dass bei dieser Zugbildung in weitgehendster Weise dem wech¬ selnden Verkehrsbedürfnisse, wie solches bei Vorortbahnen stets auftrete, entsprochen werden könne. Beim Dampfbe¬ triebe könne diese Anpassungsfähigkeit, wie leicht ersicht¬ lich, nicht in gleichem Maasse erreicht werden. Hinsichtlich der Betriebskosten habe sich ergeben, dass sich diese bei einem Strompreise von 6 Pf. für die Kilo¬ wattstunde unter fast gleichen Umständen kaum höher stellten wie beim bisherigen Lokomotivbetriebe. Sie würden aber unter die Kosten des Dampfbetriebes sinken, sobald man die vorgenannte bessere Anpassungsfähigkeit des elektrischen Betriebes an die jeweiligen Verkehrs¬ bedürfnisse ausnutze. Als weitere Vorzüge der elektri¬ schen Betriebsweise bei Vorortbahnen seien der Wegfall der Rauch- und Russplage sowie das geräuschlosere Anfahren anzuführen, indem die starken Schläge beim Auspuffen des Dampfes entfielen. Aber auch hinsichtlich der Anfahrbeschleunigung, die für den Vorortverkehr von nicht zu unterschätzender Bedeutung sei, gestalte sich der elektrische Betrieb wesentlich vortheilhafter. Allgemein wurde noch darauf hingewiesen, dass auch au den Ober¬ bau infolge der Vertheilung des Adhäsionsgewichtes auf eine grössere Anzahl Achsen geringere Anforderungen gestellt würden. Um weitere Erfahrungen im vollen Be¬ triebe einer Vorortstrecke zu sammeln, werde gegenwärtig auf der Vorortbahn Berlin — Gross-Lichterfelde-Ost eine elektrische Zugförderungsanlage eingerichtet, deren Aus¬ führung der „Union-Elektrizitäts- Gesellschaft“ übertragen sei. Die Stromversorgung erfolge mittels Gleichstromes von demElektrizitätswerkSüd-West inSchöneherg durch neben den Gleisen Hegende Schienen in ähnlicher Weise wie bei der Wannseebahn. Die Züge würden vorläufig aus 3 vier- achsigen Motorwagen zusammengesetzt, von denen die Endwagen je 74 Plätze III. Klasse, 1 Führerabtheil und einen Gepäckraum, der mittlere Wagen 58 Plätze II. Klasse und 1 Heizkesselraum für die Dampfheizung des Zuges enthielten. Die Wagen seien mit je zwei Motoren ausgerüstet, die vom Führerstande am Kopfe des Zuges ausgesteuert werden könnten. Die 3 Wagen bildeten im allgemeinen eine Zugeinheit. Es Hessen sich jedoch auch 2 Wagen als Zugeinheit verwenden, weil der vorgenannte Heizkessel- 179 raum des mittleren Wagens ebenfalls mit einer Steuerungs¬ einrichtung versehen sei und als Führerraum benutzt werden könne. Die Wagen würden elektrische Beleuch¬ tung erhalten. Die Zugfolge solle bis auf Weiteres wie beim bisherigen Lokomotivbetriebe io und 20 Minuten betragen. Ebenso werde zunächst die Fahrzeit dieselbe bleiben wie beim Lokomotivbetriebe, um einwandfreie Vergleiche zwischen beiden Betriebsarten anstellen zu können. Zum Schluss wurde noch darauf hingewiesen, dass gegenwärtig der Bau von Motoren angestrebt werde, welche es ermöglichen sollen, hochgespannten Wechsel¬ strom zur Anwendung zu bringen, ohne den bisher hier¬ bei verwendeten Drehstrom, welcher 3 Leitungen erfor¬ dert, zu benutzen. Sollten diese Bestrebungen Erfolg haben, so werde damit ein weiterer wesentlicher Fort¬ schritt in der Ausgestaltung der elektrischen Zugförderung zu verzeichnen sein. — Vermischtes. Eine aufgesattelte Holz - Wendeltreppe ohne durch¬ gehende Wange, deren Konstruktion durch Gebrauchs¬ muster geschützt ist, stellen Gebr. Neumaier in München Scbniti nn 5es>cu Holz-Wendeltreppe obne durchlebende Wan&e 0 R G n 1 80205 uon Gebrüder (Neumaier (Nüncben Ost her. Die Ausbildung der Treppe ist aus den beigegebe¬ nen Abbildungen in allen Einzelheiten ersichtlich. Die mit Versatz in die Spindel eingreifenden Setzstufen werden durch einen sie in ganzer Länge durchziehenden Bolzen, der gleichzeitig den Geländerpfosten fasst, mit der Spin¬ del fest verbunden, so dass entsprechende Sicherheit und Tragfähigkeit gewährleistet ist. Die Leichtigkeit der äusse¬ ren Erscheinung entspricht den eisernen Treppen, gegen¬ über welchen sie aber den Vorzug haben, dass sie leicht und sicher begehbar sind (die durchlochten Stufen der Eisentreppen sind namentlich für Damen nicht angenehm), und vor allem, dass sie sich besser als Eisentreppen in die Ausstattung jedes Raumes einpassen lassen. Nach An¬ gabe der Firma sind sie übrigens in einfacher Ausstattung nicht unwesentlich billiger (bei 140 cm Durchm. bis 30%), 180 als eiserne Treppen und stellen sich selbst für eine feine Ausführung in Eichenholz nicht theurer. Sie lassen sich in allen Holzarten herstellen je nach der Ausstattung des Raumes und sind daher, da ihr leichtes Gewicht keinen besonderen Unterbau erfordert, in jedem Raume aufstell¬ bar. Die Firma fertigt Treppen dieser Konstruktion bis zu 3m Durchmesser, die bei Läden an die Stelle gerader oder gewinkelter Treppen treten sollen, gegenüber welchen sie eine nicht unbeträchtlicheRaumersparniss ermöglichen. — Ehrendoktoren. Zu unserer bez. Mittheilung auf S. 140 erhalten wir von der Ingenieur- und der Mechanischen Ab¬ theilung der Technischen Hochschule in Dresden die folgenden Ausführungen, die wir in ihrem vollen Wortlaute zum Abdruck bringen: „Die Deutsche Bauzeitung hat am 14. d. M. eine aus den Tageszeitungen entnommene, unvollständige Nachricht gebracht von der Ernennung der Hrn. Geh. Reg. -Rath Prof. Ritter in Lüneburg, Geh. Finanzrath Jencke in Essen und Geh. Reg. -Rath Prof. Launhardt in Hannover zu Ehrendoktoren durch die Dresdener Technische Hoch¬ schule. Hierzu haben die beiden Unterzeichneten Abthei¬ lungen — als Antragsteller — das Folgende zu bemerken. 1. Es muss angenommen werden, dass bei Schluss der Redaktion die offizielle, am 12. März abgesandte Mittheilung der Dresdener Technischen Hochschule nicht mehr berücksichtigt werden konnte, wie es allerdings das Zentralblatt der Bau¬ verwaltung, dem die betreffende Nachricht zu der¬ selben Zeit zugegangen ist, in seiner Nummer vom 14. März vermocht hat. Jedenfalls hätte aber eine nachträgliche Er¬ gänzung der Mittheilung in einer der folgenden Nummern leicht gebracht werden können. 2. Es muss befremden, dass während bei den Hrn. Launhardt und Jencke die Begründung der ihnen zutheil gewordenen Ehrung mitgetheilt wird, bezüglich des Hrn. Ritter von den Beweggründen nichts erwähnt ist. Aus der von Dresden über¬ sandten Mittheilung geht hervor, dass Hr. Ritter in Würdigung seiner grundlegenden und hervor¬ ragenden Arbeiten auf dem Gebiete der techni¬ schen Mechanik und der Statik der Baukonstruk¬ tionen zum Ehrendoktor ernannt worden ist. 3. Die Vereinigung der Mittheilung von der Ernennung der drei Ehrendoktoren mit der ab¬ fälligen Kritik erscheint geeignet, in den Augen Nichtsachverständiger — im besonderen bei einem etwaigen Uebergange in die Tagespresse — die Ehrung der drei hochverdienten und über jeden kleinlichen Angriff erhabenen Männer herabzu¬ drücken und dies um so mehr, als von einem Sinken des Ansehens der Ehrenpromotionen im Anschlüsse an die Dresdener Ernennungen ge¬ sprochen wird. 4. Ganz abgesehen von dieser Verkettung ent¬ hält der Schlussatz weiter einen Vorwurf nicht nur gegen die Dresdener sondern überhaupt gegen alle deutschen Hochschulen, nämlich den: die höchste akademische Ehre in einer Weise verliehen zu haben, welche ein Sinken des Ansehens dieser befürchten lasse. Es ist uns nicht bekannt, ob alle die wohlerwogenen und von den einzelnen Hoch¬ schul - Abtheilungen einstimmig gut geheissenen Gründe zur Kenntniss der Deutschen Bauzeitung gelangt sind, welche bisher in Deutschland zur Ernennung von Doktor - Ingenieuren ehrenhalber geführt haben. Die deutschen Technischen Hochschulen sind sich stets wohl bewusst gewesen, dass es für sie eine Ehrenpflicht ist, denjenigen Männern ihren Dank abzustatten, welche durch ihre Lebensarbeit die Grundlagen der heutigen technischen Wissen¬ schaften gelegt oder der deutschen Technik und Industrie ihre Weltstellung erobert haben. Während die Universitäten seit langem die Möglich¬ keit besitzen, hochverdiente Männer durch einen akademi¬ schen Grad zu ehren, ist diese Befugniss den technischen Hochschulen erst seit wenigen Jahren verliehen. Darf es da Wunder nehmen, wenn die Anzahl der zu ehrenden heute grösser ist, als sie es in Zukunft sein wird? Der Umstand aber, dass eine nicht geringe Anzahl hochverdienter Techniker in der jetzigen Uebergangs- zeit für eine akademische Ehrung in Frage kommen, kann die deutsche Technik doch nur mit Stolz erfüllen. 5. Befremden muss schliesslich, dass die Deutsche Bauzeitung — das Organ des Verbandes der deutschen Architekten- und Ingenieur-Vereine — sich zu einem An- No. 28. griffe, wie geschehen, auf die technischen Hochschulen verstehen konnte und im besonderen in einer Angelegen¬ heit, welche die wohlverdiente Ehrung hochangesehener Verbandsmitglieder betrifft. Dresden, den 24. März 1903. Die Ingenieur-Abth. der Kgl. Sächs. Techn. Hochschule, gez. Engels. M. Foerster. Frühling. Lucas. Mehrtens. Pattenhausen. Die Mechanische Abth. der Kgl. Sächs. Techn. Hochschule, gez. M. Buhle. Hugo Fischer. H. Görges. Mollier. Ernst Müller. L. Lewicki. Scheit. Kübler.“ Hierzu sei es uns gestattet, das Folgende auszuführen: 1. Wir wiederholen, dass wir die Mittheilung betreffend die Ernennung von Ehrendoktoren der kgl. Technischen Hochschule in Dresden den Tageszeitungen entnommen haben. Wir waren dabei bemüht, die leider sehr unvoll¬ ständigen Nachrichten so weit zu vervollständigen, als wir dies aus eigenem Wissen thun konnten. Es betrifft das ins¬ besondere die Ernennung des Hrn. Geh. Reg.-Rath Prof. Ritter in Lüneburg, der von den Tageszeitungen nur un¬ vollständig genannt war. Die am 12. März abgesandte Mittheilung der- Technischen Hochschule konnten wir, wie zutreffend angenommen wird, nicht mehr berücksichtigen, da sie erst nach Schluss der Redaktion, am 13. März, dem Tage des Erscheinens der betreffenden Nummer, eintraf. Wenn darauf hingewiesen wird, dass das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ die Mittheilung noch berücksichtigen konnte, so liegt dies in dem natürlichen Umstande, dass diese Zeitschrift in der Lage ist, die Redaktion geraume Zeit später zu schliessen, als wir. Beide Zeitschriften er¬ scheinen in Berlin am Dienstag bezw. Freitag Nachmittag, ausserhalb Berlins am Mittwoch und Sonnabend, also zum gleichen Zeitpunkte. Da nun aber das „Zentralblatt der Bauverwaltung“ nur die Hälfte der Auflage hat, wie die „Deutsche Bauzeitung“, so braucht es erst wesentlich später mit dem Druck zu beginnen wie wir und kann demnach auch seine Redaktion wesentlich später schliessen. Dadurch ist es in der Lage, in letzter Stunde erst eintreffende Nachrichten noch aufzunehmen, was uns durch die natür¬ lichen Umstände leider häufig versagt ist. 2. Die Begründung für die Auszeichnung des Hrn. Prof. Ritter konnte in unserer Mittheilung nicht gebracht werden, eben weil sie in den Tageszeitungen, welchen wir die Mittheilung entnahmen, nicht enthalten war. Eine nachträgliche Wiedergabe erschien uns bei der allgemein anerkannten und bekannten wissenschaftlichen Bedeutung dieses neuen Ehrendoktors überflüssig. Unter keinen Um¬ ständen war damit irgend eine Absicht verbunden. Wollte man eine solche annehmen, so könnte man mit dem gleichen Unrechte eine solche Absicht bei dem grössten Theil der Tagespresse voraussetzen, denn, soweit wir zu sehen ver¬ mochten, hat keine Tageszeitung, die zunächst nur die un¬ vollständige Nachricht gab, später eine vollständigere Wie¬ dergabe gebracht. 3. Wir haben den beiden infrage kommenden Abthei¬ lungen der Dresdener Technischen Hochschule bereits mit Schreiben vom 27. März d. J. erklärt, dass ihre Ent¬ gegnung in dem unserer Mittheilung über die Ehren¬ doktoren angefügten Satze Dinge gesehen habe, „die un¬ sererseits unter keinen Umständen beabsichtigt waren, aus der Wahl und der Zusammensetzung der Worte auch nicht hervorgehen und bei ruhiger Unbefangenheit in dem Satze auch nicht erblickt werden können“. Wir haben dann in bestimmter Weise dargelegt, dass wir nicht die Absicht hatten, an der Auswahl der durch die Hochschule geehrten Persönlichkeiten Kritik zu üben und waren bereit, dies öffentlich zu erklären. Die Abtheilungen haben entgegen dem üblichen Brauch, diese loyale Erklärung nicht angenommen und beschlossen, „ihre Erklärung betr. Ehrendoktoren unverändert bestehen zu lassen, dieselbe also weder zumtheil noch ganz zurück¬ zuziehen.“ Die Entgegnung nimmt auch Bezug auf „Nicht¬ sachverständige“. Wir meinen aber, namentlich technische Kreise hätten ein Recht, das etwaige Urtheil Nichtsachver¬ ständiger nicht zu beachten. 4. In diesem Abschnitt der Entgegnung wird ausge¬ führt, der Schlussatz unserer Mittheilung betr. die Ehren¬ doktoren der Technischen Hochschule in Dresden enthalte den Vorwurf gegen alle deutschen technischen Hoch¬ schulen, die höchste akademische Ehre in einer Weise verliehen zu haben, welche ein Sinken des Ansehens der¬ selben befürchten lasse. Es ist bedauerlich, dass hier subjektive Empfindungen ohne thatsächliche Beweise als Beschuldigungen ausgesprochen werden. Wer sich ent- schliessen kann, den Worten ihre natürliche Bedeutung zu lassen und nicht mehr und nichts anderes in dieselben hineinzulegen, als was sie thatsächlich sagen, der wird auch nur das herauslesen, auf was allein wir Bezug nehmen wollten : auf die zunehmende Häufigkeit der V erleihungen des „Ehrendoktors“ im allgemeinen. Abgesehen davon, dass wir also die Berechtigung im all¬ gemeinen nicht erkennen können, mit welcher die beiden Abtheilungen ihre Ausführungen auf alle deutschen tech¬ nischen Hochschulen ausdehnen, gibt auch der besondere Fall hierzu keineVeranlassung; denn wir haben nicht davon gesprochen, dass die Ernennungen so häufig sind, sondern allmählig so häufig werden, dass ein Sinken des Ansehens dieser so werthvollen Errungenschaft zu befürchten ist. Das moderne Rom. .1^4. MXXO WVUUiil U tique des villes“, seinen im vorigen Jahre auf dem Kapitol in Rom, über die heutige Umgestaltung der ewigen Stadt gehaltenen Vortrag soeben im Druck erscheinen lassen*). Geistvoll wie immer und in glänzender Sprache erörtert der Verfasser die ausgeführten und geplanten Strassen- durchbrüche, die neuen Stadtviertel und sonstige Be¬ bauungsfragen. So oft auch diese Dinge die Feder der Kunstverständigen in Bewegung gesetzt haben, wohl keiner ist in das Wesen derselben so tief eingedrungen, wie Buls. Er tadelt zunächst, dass nicht die Anforderungen des Ver¬ kehrs in ausreichender Weise bei den neuen Strassen- anlagen befriedigt worden sind; sie hätten in erster Linie bestimmend sein müssen. Dem widerspricht die schach¬ brettartige Bildung der neuen Viertel auf dem Esquilin, am Quirinal und auf den Prati di Castello; dem widerspricht namentlich die geradlinige Führung von Strassen über Thal und Hügel, wie sie uns besonders unvortheilhaft in dem Strassenzuge vom Spanischen Platz über die Quattro Fontane nach Maria Maggiore auffällt. Zudem haben ver¬ schiedene neue Strassendurchbrüche werthvolle Gebäude und antike Mauern zerstört und auf manche Monumental¬ bauten ungünstige Blicke eröffnet; es muss als vornehmer Anreiz empfunden werden, die Verkehrsfragen zu lösen, ohne Altehrwürdiges zu vernichten oder zu schädigen. Zwar ist es geboten, auch in alten Städten vorab einen schematischen Plan der grossen Verkehrsadern zu ent¬ werfen, die Bahnhöfe mit den verschiedenen Stadttheilen durch breite Strassen in bequemen Steigungen zu ver¬ binden, zweckmässige Zugänge zur Hauptpost, zur Börse, zu den Markthallen und Theatern zu schaffen; aber das *)L’Esthetique de Rome par Charles Buls, docteur h. c. Extrait de la Revue de l’Universite de Bruxelles. Mars 1903. Bruxelles, A. Le- ffevre, imprimeur. nter dem litel „L Esthötique de] Rome“ hat Karl Buls, der kunstsinnige frühere Bürgermeiter von : hpl’Qnnt A n tt»1a cpin p» Qr*hr*ift T ’ h cthp. schematische Netz ist nicht rücksichtslos durchzuhauen, sondern die in der ungefähren Richtung sich vorfinden¬ den Strassen sind zu benutzen, Steigungen sind durch Umwege zu ermässigen, das Abbiegen von der steifen geraden Linie ist nicht zu scheuen. Hätte man, anstatt die Via Nazionale vom Hauptbahnhof unmittelbar auf den venetianischen Platz zu richten, die Hügel des Viminal und Quirinal in zwei Bogenlinien umfahren, so wäre man mit sanfterem Gefälle an demselben Endpunkte ange¬ kommen. Besonders aber soll man nicht die Umrahmung schöner alter Plätze durch die Einführung breiter Strassen durchlöchern. Der römische Piano Regolatore beabsich¬ tigte die Herstellung eines Strassen- Durchbruches vom neuen Justizpalast auf die in der ehemaligen Zirkuslinie geschlossen umrahmte Piazza Navona; es ist Buls gelungen einen Beschluss des römischen Stadtrathes herbeizuführen, dass der vom Justizpalast ausgehende Durchbruch an der Torre Sanguigna endigen und sich ins Strassennetz ver¬ zweigen soll, um die konkave Umrahmung des Navonaplatzes zu schonen. So hat Buls von Rom eine drohende Verun¬ staltung abgewendet, wie er durch Wiederaufbau des alten Hauses l’Etoile den Rahmen der Grand’Place in Brüssel wiedergestellt hat**). Er warnt auch vor der Schädigung der Piazza di Venezia durch den zugunsten des Victor Emanuel - Denkmals beabsichtigten Abbruch des alten Palazotto. Er lobt den neuen Corso Vittorio Emmanuele, der mit seinen Biegungen und Breiten-Abwechslungen, seinen Bildsäulen und seinem Grün weit anziehender ist und weniger lang erscheint, als die Via Nazionale. Die konvexen Gefällbrüche der Strassen, die in Rom oft an¬ gewendet sind, müssen als ebenso viele Fehler bezeichnet werden; die Bauwerke verbergen sich hinter den Strassen- rücken oder zeigen nur ihre Dachgeschosse. Inbezug auf die hübsche Gestaltung der zahlreichen kleinen Strassen- bauwerke, wie Zeitungshäuschen, Wartehallen, Anschlag¬ säulen, Bedürfnissanstalten, Feuermelder usw. fehlt in Rom **) Vergl. Deutsche Bauzeitung 1900, S. 6 und 7. 182 No. 28. Wir sind mit den beiden Abtheilungen durchaus der Ansicht, dass es für die deutschen technischen Hoch¬ schulen „eine Ehrenpflicht ist, denjenigen Männern ihren Dank abzustatten, welche durch ihre Lebensarbeit die Grundlagen der heutigen technischen Wissenschaften ge¬ legt oder der deutschen Technik und Industrie ihre Welt¬ stellung erobert haben“. Wir meinen aber, dass gerade „in der jetzigen Uebergangszeit“, in welcher die Univer¬ sitäten und die an ihnen hängenden Kreise der Oeffentlich- keit dem ebenbürtigen Rivalen noch vielfach als Gegner gegenüber stehen, eine gewisse Zurückhaltung geboten erscheint. Möge umgekehrt lieber in Zukunft die Anzahl der zu ehrenden eine grössere sein, als gerade heute. 5. Die Ausführungen dieses Abschnittes geben uns den willkommenen Anlass, zu erklären, dass unser Ver- hältniss zum „Verbände Deutscher Architekten- und In¬ genieur-Vereine“ uns eine Beschränkung in der freien Meinungsäusserung nicht auferlegt. Wir haben bei der Wahl zum Verbandsorgan lediglich die Verpflichtung eingegangen, nicht gegen Beschlüsse des Verbandes uns zu äussern. Zu dem zweiten Theil dieses Abschnittes wiederholen wir, dass wir den beiden Abtheilungen mit Schreiben vom 27. März erklärt haben, dass wir „bestimmt in Abrede stellen“, wir hätten an der Auswahl der durch die Hochschule geehrten Persönlichkeiten Kritik üben wollen. Wir waren auch bereit, dies öffentlich zu erklären. Wir bedauern es, dass die Abtheilungen dennoch auf der Anschuldigung beharren, es wäre ein Angriff auf die technischen Hochschulen geschehen „in einer Angelegen¬ heit, welche die wohlverdiente Ehrung hochangesehener Verbandsmitglieder betrifft“. • — Die Redaktion der „Deutschen Bauzeitung“, Oberbaudirektor Franzius, Dr.-Ing. h. c. in Bremen, kann am 8. d. M. auf eine 50jährige Thätigkeit als Ingenieur zurückblicken, denn am 8. April 1853 legte er in der poly¬ technischen Schule in Hannover die 1. Staatsprüfung für den Wasserbau ab. Was er in diesem Zeiträume für das Fach und insbesondere für die Entwicklung der Hansestadt Bremen, in deren Dienst er seit nunmehr 28 Jahren steht, geleistet hat, ist in Fachkreisen so bekannt und von uns so wiederholt*) zum Ausdruck gebracht worden, dass wir uns heute mit dem Wunsche begnügen, es möchten unserem Fache noch viele Männer von solcher Thatkraft und so frischer Entschlossenheit bis ins hohe Alter beschert werden, wie sie Franzius als 70-jähriger noch im Vorjahre mit der Einbringung des umfassenden Planes der Binnen¬ schiffahrts-Anlagen in Bremen bewiesen hat**). — *) Vergl. Jahrgang 1900, Seite 178 und 1902, Seite 114. **) Vergl. Jahrgang 1902, Seite 554. bis jetzt fast jede künstlerische Thätigkeit. Bietet auch die italienische Wohnsitte, der grosse Scheinpalast, der wie ein Bienenkorb Einwohner aller Art in seinen Zellen birgt, nicht entfernt die gleiche Gelegenheit zur Schaffung anziehender Strassenbilder, wie das stets individuelle, niederländische Bürgerhaus, so sollte man doch mehr nach Mitteln suchen, in die Gleichförmigkeit der Erscheinung Abwechslung und Verschiedenheit zu bringen. Statt sich zu beschränken auf den Bau kolossaler Würfel mit gleichartigen Fenster¬ öffnungen, sollte man die Massen mehr zu beleben suchen mit Loggien, Terrassen, Baikonen und venetianischen Fenstern und die Dächer mit Cenacoli und Lauben be¬ krönen, wie die alten Häuser von Trastevere sie noch vielfach aufweisen. Den angenehmen Gegensatz zwischen den Horizontalen der Miethpaläste und den aufrechten Umrisslinien der dunklen Zypressen sowie den grünen Fallschirmen der Pinien sollte man, so empfiehlt Buls, durch Schonung des Baumwuchses thunlichst erhalten. Das Tiberufer sollte man nicht, wie beabsichtigt, mit einer geschlossenen Linie dieser „Paläste“ säumen, weil sie die bewaldete Höhe des Janiculus und die stolzen Pinien der Villen Doria Pamphili und Corsini verdecken würden. Auch in diesem Punkte hat der Redner einen Erfolg zu verzeichnen: die Giunta der Stadt Rom hat beschlossen, dass die Neubauten am Lungotevere auf dem rechten Flussufer nicht höher als i6m sein dürfen und von ein¬ ander gewisse Abstände beobachten müssen; dasselbe gilt für die Bauten am linken Tiberufer unterhalb des Ponte Sisto. So hat die römische Stadtverwaltung bereits be¬ gonnen, die Mahnungen des Brüsseler Kollegen in einzel¬ nen Punkten zu verwirklichen. Möge sie in diesem Streben nicht erlahmen und ein gutes Beispiel geben so vielen italienischen und anderen Städten! Kann man, so sagt Buls, daran zweifeln, dass ein an grossen Erinnerungen reiches, harmonisch geordnetes Gemeinwesen , wo Rein¬ lichkeit und Schicklichkeit gepflegt werden, wo das Auge nur auf wohlgefälligen, einer grossen Stadt würdigen Dingen ruht, eine freundlichere, mehr unterrichtete und 8. April 1903. Preisbewerbungen. Zum Wettbewerb Bebauungsplan Freiberg i. S., den wir in No. 19 als einen in allen wesentlichen Punkten gegen die üblichen Grundsätze bei Wettbewerben ver- stossenden bezeichnen mussten, gehen uns jetzt Ergänzun¬ gen und Abänderungen durch den Stadtrath zu. Danach soll nunmehr vor allem ein besonderes Preisgericht ge¬ bildet werden aus 5 Personen, davon 4 Sachverständige, deren Namen noch genannt werden sollen. 3 dieser Preisrichter gehören dem Rathskollegium an. Die Arbeiten sind unter Kennwort einzusenden. „Das Preisrichter- Kollegium wird seine Entscheidung nach den bei Wettbewerben allgemein üblichen Grundsätzen treffen.“ Die Auslagen für die Unterlagen werden bei Einreichung eines Entwurfes zurückerstattet, die Frist wird bis 1. Okt. 1903 verlängert. Die Preissumme wird zwar nicht erhöht, aber die zeichnerischen Anforderungen sind etwas herabgesetzt. Im übrigen werden eine Reihe für die Entwurfsarbeiten wichtiger Daten zugefügt. Nach Nennung der Namen der Preisrichter würde der Wett¬ bewerb also, abgesehen von der Preishöhe, in der Haupt¬ sache den „Grundsätzen“ entsprechen. — Ein Ausschreiben betr. die Lieferung von Entwürfen und die Ausführung einer Wasserleitung im Zuge des Ka¬ nales von Arragon in Catalonien erlässt die spanische Generaldirektion der öffentlichen Arbeiten in Madrid mit Frist zum 3. Juni d. J. für spanische und ausländische Konstrukteure. Es handelt sich um die Ueberschreitung des Thaies des Flusses Sosa und der Schlucht von Riba- bona (Provinz Huesca) mit einer doppelten Heberleitung von 35 cbm/Sek. Leistungsfähigkeit nebst Zubehör. Die Konstruktion der Hauptleitung kann in Stahlblech, Beton oder Betoneisen erfolgen. Zu liefern sind die Entwürfe nebst Erläuterungsbericht, statischer Berechnung, Beding- nissheft und Kostenanschlag. Das Ministerium der öffentl. Arbeiten behält sich die freie Auswahl unter den Ange¬ boten vor. Dem Ausschreiben sind sorgfältig aufgestellte Bedingungen beigegeben, die von dem spanischen Konsulat in Berlin, Wilhelmstrasse 70b, bezogen werden können und für ausländische Bewerber nur den einen Fehler be¬ sitzen, dass sie in spanischer Sprache geschrieben sind. Bücher. Brockhaus’ Konversations-Lexikon. 14. vollst. neubearbeitete Aufl. Neue revidierte Jubiläums- Ausgabe. Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin, Wien. 1902. Preis für den eleg. geb. Band 12 M. — Von dem werthvollen Werke liegen uns wiederum 3 Fortsetzungen, die Bände 8, 9, 10 vor, welche die Worte besser gebildete Bevölkerung in sich bergen wird, als eine alltägliche, nichtssagende hässliche Stadt? Der in das alte Athen eintretende Fremde fühlte sich, wie die Schriftsteller berichten, unwillkürlich inmitten eines wohl- geordneten Volkes von höherer Bildung und vornehmer Lebensauffassung. Reichgeschmückte Grabmäler an den Zugangsstrassen zur Stadt kündeten die Pietät der Be¬ wohner vor ihren Vorfahren; eine Exedra von Marmor lud den Wanderer ein, auszuruhen und sich zu erfrischen am rieselnden Quell; Hermen trugen die Büsten berühm¬ ter Bürger und begrüssten den Fremden mit Willkomm- Sprüchen, und je mehr er sich der Akropolis näherte, desto eindringlicher redeten die Tempel, die Theater, die Denk¬ mäler von der Frömmigkeit, der Ehre, dem Heldenmuth und dem Kunstsinn des attischen Volkes. Welche Stadt der Welt hat mehr als Rom den Anspruch und die Pflicht, den Frem¬ den ebenso zu begrüssen, wenn ihn zwischen den dunklen Mauern und Massen der Paläste die Ehrfurcht vor der melancholischen Grösse erfasst, die ihn umgiebt, wenn er im stillen Arkadengange den Wassertropfen lauscht, die eine Marmornymphe aus bemooster Urne in einen antiken Sarkophag fallen lässt, wenn er unter Farren eine alte Inschrift entdeckt von jener lapidaren Schärfe, der nur die lateinische Sprache mächtig ist. Möge es Denjenigen, welche heute die Geschicke Roms lenken, in der Ehrfurcht vor dem geschichtlichen Ruhme und dem weltumspannen¬ den Berufe der ewigen Stadt gelingen, noch einmal das Eindringen der Barbaren des Industrialismus zurückzu¬ halten, um der Welt alles das zu erhalten, was den Reiz, den Zauber, den Charakter, die Poesie Roms bildet! Ist es auch dem Unterzeichneten nicht möglich, eine Vorstellung von der bestrickenden Sprachkunst eines Buls zu geben, so hofft er doch den Lesern ein ungefähres Bild gezeichnet zu haben vom Inhalte der neuesten Schrift des geistreichen und kunstbegeisterten Mannes. Sie möge wirksam sein und sie wird wirksam sein an vielen Orten. — _ J. Stübben. 183 „Glied bis Flenares“, „Hencke bis Juxta“, K bis Lech um¬ fassen und in Ausstattung mit Abbildungen und Tafeln sowie anTextumfang den vorausgegangenen Bänden durch¬ aus entsprechen. Ganz besonders reich illustriert ist der 10. Bd., der nicht weniger als 76 Tafeln, 19 Karten und Pläne, sowie 290 Textabbildungen enthält, von denen namentlich die auf die Fauna und Flora bezüglichen Tafeln wiederum von besonders guter Ausführung sind. Gut ausge¬ wählt, wenn auch in der Wiedergabe nicht immer ganz ge¬ glückt sind die auf die Baukunst und die bildenden Künste bezüglichen Beispiele. In Band 9 vereinen sich eine ganze Reihe in dieses Gebiet fallender, z. Th. reich illustrierter Artikel, so über: Indische Kunst, italienische Kunst, Kunst des Islam, japanische Kunst. Von Artikeln aus dem In¬ genieurgebiete seien hervorgehoben: Grundbau, Hänge¬ brücken, Heizung, Kanalisation, Kabel, Kran. Sorgfältige Zusammenstellungen sind dem Verkehrswesen der inbe¬ tracht kommenden Länder gewidmet. Hervorzuheben ist darunter der Abschnitt über Grossbritannien , der neben tabellarischen Zusammenstellungen über die Entwicklung des Eisenbahnwesens und der Wasserstrassen auch eine Karte der letzteren beigibt. Unter den Plänen ist ganz besondere Sorgfalt auf denjenigen der Stadt Hamburg gelegt, der in grossem Maasstabe (1:21000) ein klares Bild der Stadt und der grossartigen Hafenanlagen in ihrer neuesten Entwicklung gibt. Wenn wir noch auf die Artikel Hobrecht, Holz, Ingenieur, Invaliditäts- und Altersversiche¬ rung, Krankenversicherung, Krankenhäuser hinweisen, so ist schon aus dieser kurzen Inhaltsangabe ersichtlich, welch’ reicher Stoff auch für den Techniker in dem Werke ent¬ halten ist. — Rheinisch -Westfälisches Baugewerbe- Adressbuch. Unter Benutzung amtlicher Quellen. Ausgabe 1903/1904. Verlag von Schafstein & Co. in Köln a. Rh. Preis geb. 12 M. — Mehr als 90000 Adressen des nordwestdeutschen Bau¬ gewerbes sind in dem vorliegenden Bande in übersicht¬ licher Weise vereinigt. Die Adressen sind zunächst in die 8 Regierungs -Bezirke Aachen, Düsseldorf, Koblenz, Köln, Trier, Arnsberg, Minden und Münster und danach wieder in die der einzelnen Kreise getheilt. Die kleinste Untertheilung ist in den Kreisen die nach Geschäftszweigen, innerhalb welcher die Adressen alphabetisch geordnet sind. Den Adressen ist ein Ortsregister, ein Bezugsquellen-Ver- zeichniss und ein Branchenregister angefügt. Mit ihnen ist der Umfang des stattlichen Bandes auf 758 Seiten an¬ gewachsen. — Jan Kotera. Meine und meiner Schüler Arbeiten 1898 — 1901. Verl. Anton Schroll&Co inWien. P1-.15M. In einer schönen Ausstattung, wie wir sie seit langem bei der Verlagsbuchhandlung von A. Schroll & Co. in Wien kennen, veröffentlicht der Schüler der Wiener Otto Wagner¬ schule, der Architekt und Lehrer Jan Kotera, in einem handlichen Bande seine und seiner Schüler bisherige Ar¬ beiten, um dieselben als eine Etappe seines künstlerischen Schaffens einem grösseren Kreise vorzuführen. Kotera sieht mit allen einsichtigen Lehrern das Ziel der künst¬ lerischen Schulung vor allem darin, die Eigenart des Schülers zur Reife zu bringen und die Entfaltung seiner Individualität nach Kräften zu unterstützen. Er meint, der Lehrer einer Kunstschule werde den Schülern nie seine eigene Formensprache aufdrängen, sein künstlerisch-päda¬ gogischer Einfluss werde sich stets nur in den Grenzen der grundlegenden Prinzipien einer Kunstanschauung zu bewegen haben. Das sind gesunde Grundsätze, die ein Lehrer aber nur dann bethätigen kann, wenn er auf die qualitative Auslese und auf die Anzahl seiner Schüler einen Einfluss hat. Vielleicht darf man aus dem Werke schliessen, dass bei der Schülergruppe Kotera’s beides der Fall ist. Die Arbeiten verrathen eine grosse Vielseitigkeit. — Der Architekt. Verlag von Anton Schroll & Co. in Wien. Der Verlag der Zeitschrift „Der Architekt“, Wiener Monatshefte für Bauwesen und dekorative Kunst, hat aus früheren Jahrgängen verschiedene Probehefte in einer Mappe vereinigt zu 48 Blättern und übergiebt dieselben zum Preise von 2 M. dem Büchermarkt. Es ist hierdurch eine gute Gelegenheit geboten, die Haltung dieser Wiener Architektur-Zeitschrift kennen zu lernen. — Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Jehnke, Max. Elektrotechniker-Handbuch für Installa¬ teure elektrischer Starkstromanlagen. Berlin 1903. Louis Marcus. Pr. geb. 6 M. Schmohl u. Stähelin, Arch. in Stuttgart, und Kieser u. Deeg, Arch. in München. Moderne Bauschreiner-Ar¬ beiten. Neue Vorlagen für die Praxis des Bautischlers, mit Grundrissen , Schnitten und detaillirten Querschnitten. Liefrg. 5, 6 u. 7. Ravensburg 1902. Otto Maier. Pr. der Lfrg. 2 M. Schneider, M. Die Maschinen-Elemente. Ein Hilfsbuch für techn. Lehranstalten, sowie zum Selbststudium geeignet, in 2 Bdn. 5. u. 6. Lfrg. (Wellen und Kupplungen) mit 29 Taf. Braunschweig 1902. Fr. Vieweg & Sohn. Pr. 6 M. Zeissig, Jul, Arch. Muster für kleine Kirchenbauten. Herausgegeben vom Zentr.-Vorst. des ev. Ver. der Gustav Adolf-Stiftung. Leipzig 1902. Seemann & Co. Pr. 3,50 M. Zlegler’s graphische Darstellung der trigonometrischen Funktionen nebst Tafeln zur Konstruktion bestimmter Winkel und Linien Herausgegeben von Feodor Peters. Wiesbaden 1902. C. W. Kreidel's Verlag. Blum, Geh. Ob.-Baurath. Ueber Verschiebe-Bahnhöfe, mit 27 Abbildgn. Sonderdruck aus dem Organ für die Fort¬ schritte des Eisenbahnwesens 1900. Wiesbaden 190t. C. W. Kreidel’s Verlag. Pr. 2 M. Lange, Walther, Prof., Dir. Die Wasserversorgung der Gebäude, mit 282 Abbildgn. Leipzig 1902. J. J. Weber. Pr. 3,50 M. Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Mar.-Schiffbmstr. Eug. Schmidt ist z. Mar.-Ob.-Brth. und Schiffbau-Betr.-Dir., der Mar.-Masch.-Bmstr. Euterneck zum Mar.-Ob -Brth. und Maschinenbau-Betr.-Dir. und der Mar.-Hafenbmstr. Brth. Mönch zum Mar.-Brth. und Hafenbau- Betr.-Dir. ernannt. Der Garn.-Bauinsp. Boettcher in Danzig ist als techn. Ililfsarb. zur Int. des XVII. Armee-Korps versetzt. Baden. Der Eisenb.-Ing. Senteck in Karlsruhe ist gestorben. Preussen. Die Landbauinsp., Bithe. Natorp u. Fr. Schultze in Berlin und W. Hesse in Magdeburg, der Kr.-Bauinsp. Brth. Kruttge in Glatz und der Wasser-Bauinsp. Brth. Wachsmuth in Hoya sind zu Reg - u. Brthn. ernannt. Ueberwiesen sind die Reg.- u. Brthe. : Kruttge der kgl. Reg. in Gumbinnen und Wachsmuth der kgl. Reg. in Schleswig. Versetzt sind: Der Reg.- u. Brth. Br eisig in Gumbinnen nach Breslau; — die Landbauinsp. Brth. Scholz in Breslau nach Erfurt und Holtzheuerin Erfurt nach Koblenz; die Kr.-Bauinsp , Brthe. Elkisch unt. Ernennung zum Bauinsp. von Delitzsch nach Rixdorf und Engelhart von Lissa nach Delitzsch; — der Kr.- Bauinsp. Petersen in Neumark nach Glatz; — - die Wasser- Bauinsp. , Brthe. D ü s i n g in Potsdam nach Magdeburg und Twiehaus in Magdeburg nach Potsdam. Der Wasser-Bauinsp. Born bisher in Tsingtau ist mit der Leitung des Baues der Str.-Brücke über die Havel bei Plaue betraut. Dem Bauinsp. Brth. Lehmann in Rixdorf ist die Stelle des Wohnungsinsp. bei der kgl. Reg. in Düsseldorf übertragen. Der Eisenb.-Bau- und Betr.-Insp. Schultze in Hannover ist zum Mitgl. des kgl. Techn. Prüf.-Amtes das., die Reg.-Bfhr. Rieh. Lang aus Heilbronn und Emil Hoepffner aus Schönebeck (Hochbfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Württemberg. Dem Bauinsp. Brth. G a n s s e r bei der Geb - Brandversich.-Anst. ist der Tit. und Rang eines Ob.-Brths. verliehen. • — -Dem Reg.-Bmstr. Schober ist die Stelle des Vorst, der Masch.- Insp. Tübingen mit der Dienststellung eines Masch.-Ing. Übertragern Brief- und Fragekasten. Hrn. Bmstr. Sch. in Mannheim. Mit der Fassung des § 1 Ziffer 2 b sollte gesagt werden, dass der Entwurf zeichnerisch so¬ weit durchgearbeitet sein müsse, dass sich aus ihm die zur Auf¬ stellung des Kostenanschlages erforderlichen Angaben entnehmen lassen, d. h. dass er volle Klarheit über die Raumabmessungen, Höhenverhältnisse, Ansichten usw. aller Theile des geplanten Baues gibt und sich die beabsichtigte Konstruktionsweise daraus erkennen lässt. Die Einzelheiten der Konstruktion und ihre Berechnung ge¬ hören, sofern nicht, wie wohl meist bei Ingenieurbauten, die Mög¬ lichkeit des Geplanten erst erwiesen werden muss, nicht mit zum Entwurf. Es genügt daher für den Entwurf die rechnerisch richtige Eintragung der Raumabmessungen, Wand- und Deckenstärken, so¬ wie der Höhenmaasse. Angaben über die Stärke der einzelnen Konstruktionstheile und ihre Einzeichnung in den Entwurf sind daher im allgemeinen für seine Vollständigkeit nicht erforderlich. — F. K. Diese Anschauung eines Mitarbeiters bei Aufstellung der Ge¬ bührenordnung entspricht durchaus dem Standpunkte, welchen die Redaktion auch ihrerseits in No. 13, S. 88 vertreten hat. Die von anderer Seite dagegen geltend gemachten Gründe können wir nicht für zutreffend halten. Immerhin erscheint eine authentische Aufklärung dieser und anderer nicht ganz klarer Punkte der Gebührenordnung als recht wünschenswerth. Der Verband deutscher Arch.- u. Ing.- Vereine beabsichtigt einen Kommentar zur Gebührenordnung heraus¬ zugeben (s. Seite 177 d. No.). Es wäre wünschenswerth, wenn aus unserem Leserkreise nach dieser Richtung hin Erfahrungen dem Verbände mitgetheilt würden, die in der Praxis mit der Ge¬ bührenordnung bisher gemacht worden sind. — Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage in No. 10, Klebemittel für Kork auf Eisen betreffend nennt sich uns Hr. Friedrich Spiegel in Charlotten¬ burg, Cauerstr. 6, als Vertreter der ehern. Fabrik J. Bitterich in Mannheim mit dem Bemerken , dass er derartige Erzeugnisse der kais. Werft in Kiel seit langem liefere. — Zur Anfrage 1 in No. 17. Ziegelsteine und Verblendsteine werden mit gutem Erfolg mit Kessler’schen Fluaten gedichtet. — Gibian & Co. in Mainz. Inhalt: Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. — hin Bauernhaus bei Aachen. — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücher. — Das moderne Rom. — Personal-Nach¬ richten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 28. 184 w o ui P < p , ' Ul M 2" W W |_Lj _ CC K Kl Q ^ % p 2 P P P P w Q Q P P h P p h l — ( X o P < -X- t— I w ffi p £ c 2 p N h »— 1 X ffi ü Ul O P P P P P o p p Ul < Q -X- o ec P m P w & o p P <£ X o -x- * -X- p o X h p P m H ui p p o p o p p p w p < X Q P P -x- p c p Ul W P CQ P HH c r p w p X p m Hl P P P H PH P N P < ffl P X o u> H P P Q III Gl cv ol p -x- -X- co o Gl d P X < -x- -x- ■X- -x- X * EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * SSSS2SSSSSS ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 29. * DEN 11. APRIL 1903. * Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes und die neue Festhalle in Mannheim. Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 186, 187, 188 und 189.) ie beiden badischen Residenzstädte Karlsruhe und Mannheim sind in ihrer Anlage merk¬ würdige Beispiele für die launenhafte Städte¬ kunst des XVIII. Jahrhunderts. Karlsruhe, die Fächerstadt, und Mannheim, die Stadt der regelmässigen Rechtecke wie Turin, haben sich nicht historisch entwickelt, sondern sie verdanken ihre charakteristische Anlage einem bestimmenden Willen. Auf den ihnen im XVIII. Jahrhundert gegebenen Grund¬ linien entwickelten sie sich, bis ihr Wachsthum die damals gesteckten Grenzen zu überschreiten begann. Namentlich Mannheim, welches im XIX. Jahrhundert durch seine bevorzugte Lage am Zusammenfluss des Neckar mit dem Rhein zu einer oberrheinischen Handels¬ stadt ersten Ranges sich entwickelte, trieb seine Ver- grösserung bald über die heutige Ringstrasse hinaus und zwang so zur Anlage neuer Bauviertel, von wel¬ chen das östliche, eingeschlossen vom Neckar einer¬ seits und von der Schwetzinger Vorstadt andererseits, das vornehmste wurde und einen Bebauungsplan er¬ hielt, in welchem grundsätzliche Abweichungen von dem strengen Rechtecksystem der Altstadt geplant waren. Einen Theil dieses Bebauungsplanes bildet der Friedrichsplatz mit seiner näheren Umgebung. Die Lage dieses Platzes einerseits an der vom Bahn¬ hof auslaufenden schönen und stattlichen Ringstrasse, andererseits in der Axe der an Bedeutung diesem Strassenzuge vielleicht noch überlegenen Heidelberger Strasse, seine Lage ferner dicht an dem lebhaftesten Verkehrstheile der Stadt haben die in ihren baulichen Maassnahmen unleugbar von einem grossen Stand¬ punkte ausgehende Stadtverwaltung von Mannheim bestimmt, diesem Platze eine über das gewöhnliche Maass hinausgehende Ausbildung zu geben. Ein ge¬ wisser Maasstab für diese Ausbildung war schon ge¬ geben, als nach einem erfolgreichen Wettbewerbe des Jahres 1885/86 der Architekt Gustav Halmhuber in Stuttgart mit der dankbaren Aufgabe betraut wurde, einem auf dem westlichen Theile des Platzes zu er¬ richtenden Wasserthurm Form und Gestalt zu verleihen. Es war die ausgesprochene Absicht der Stadtverwal¬ tung, diesem Thurme ein über den einfachen Nutzbau hinausgehendes architektonisches Gepräge zu geben eine Bedingung, die Halmhuber mit bestem Erfolge er¬ füllte. Als sich fernerhin dann die Nothwendigkeit ergab, den Platz für die in dieser Gegend sich ent¬ wickelnde Baulust aufnahmefähig zu machen, erliess die Stadtverwaltung im Jahre 1896 einen Wettbewerb für die Bebauung der Platzwandungen und die Gliede¬ rung des Platzes selbst, welcher jedoch von einem Erfolge nicht begleitet war (s. Dtsch. Bztg. 1896, S. 147 f.). Infolge dessen entschloss man sich, die Platz¬ gestaltung dem Architekten Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg zu übertragen, welcher in einem enge¬ ren Wettbewerb betr. Entwürfe für eine schon lange geplante Festhalle, für die eine Stelle an diesem Platze in Aussicht genommen war, den Auftrag zur Aus¬ führung errang. Man ging dabei wohl von dem Ge¬ danken aus, dass es diesem ausgezeichneten Künstler, der durch seine Denkmal-Entwürfe bewiesen hatte, dass es ihm wie kaum einem anderen gegeben sei, ungewöhnliche Grössenverhältnisse zu beherrschen, wohl in erster Linie möglich sei, sowohl die über¬ grossen Maassverhältnisse des Platzes zu bewältigen, wie auch architektonische Gebilde zu schaffen, welche in ein harmonisches Verhältniss mit der in der Ge¬ staltung des Wasserthurmes angeschlagenen Art der Ausbildung treten konnten. Wie er sich dieser seltenen und grossartigen Aufgabe unterzog, das deuten unsere Kopfabbildung, sowie der Lageplan und die Abbildung S. 186 an, welche verschiedene Stadien der Bearbei¬ tung zeigen. Es bestand seitens der Stadt Mannheim die Absicht, an den Platz einzelne grössere städtische Monumentalgebäude zu legen, unter ihnen als das be¬ deutendste dieFesthalle. Die übrig bleibendenBauviertel des Platzes waren mit Wohngebäuden von grösserer, einheitlicher Haltung bebaut gedacht, in deren Erdge¬ schoss ringsum Arkaden sich hinziehen sollten. Für die Verlängerung der Heidelbergerstrasse im Osten des Platzes war ein triumphbogenförmiger Abschluss an¬ genommen, vor welchem, gegen den Platz vorgeschoben, sich dereinst ein Denkmal, vielleicht das des Gross¬ herzogs Friedrich von Baden, erheben könnte. Für die Festhalle war ein an Masse und Grösse der archi¬ tektonischen Ausbildung verwandtes Gegenstück ge¬ plant. Die Platzfläche selbst ist durch Annahme von Wasserbecken, sowie durch Untertheilungen an¬ derer Art nach bewährten Vorbildern so zu gliedern versucht, dass ihre Grösse ihre Umgebung nicht über¬ wältigt und dass der Beschauer zu einem ungefähren Eindruck der Grössenverhältnisse kommt. — • (Fortsetzung folgt.) 185 Zur Theorie der Knickfestigkeit. aurath Kübler in Esslingen, der hervorragende Kon¬ strukteur der Maschinenfabrik Esslingen (Württem¬ berg), dessen ausgezeichnete, mit Preisen gekrönte Entwürfe für die Donaubrücken in Budapest und für die Rheinbrücken in Bonn und Basel vielen Fachgenossen noch in Erinnerung sein werden, hat kürzlich im Anhänge einer von ihm verfassten neuen „Berechnung der Kessel- und Gefässwandungen“ einen Nachtrag*) zu seiner bereits früher veröffentlichten Theorie der Knickfestigkeit**) herausgegeben, der Neues und Beachtenswerthes enthält. Kübler hat in diesem Nachtrage nach meiner Mei¬ nung zum ersten Male überzeugend dargelegt, wie beim Knicken eines ursprünglich geraden, elastischen Stabes — neben der von der Axenkraft P ver¬ ursachten Biegung — auch die von P herbeige¬ führte Stauchung der Stabaxe von wesentlichem Ein¬ fluss auf die Form¬ änderung des Stabes ist. Kübler berech¬ net die allein von der Axenkraft P erzeugte Zusammendrückung oder Stauchung zu P J 9 -EJ-F= nl für dieLängeneinheit. Darin bedeutet J das Trägheitsmoment, i den Trägheitshalb¬ messer des Stabquer¬ schnittes und n = V - eine Unver- EJ änderliche. Die Zu¬ sammendrückung durch die Biegung ergibt sich für das Moment M — P (f — y) zu n 2 (2 fy — y2), wenn f den Biegungspfeil und y die Ordinate eines beliebi¬ gen Querschnittes vorstellt. Vergleicht man beide Form- änderungswerthe mit einander, so erkennt man einerseits, wie der Pfeil f und damit also auch y , die im allgemeinen nur sehr kleine Grössen sind, zum Trägheitshalbmesser i recht wohl in ein bestimmtes Verhältniss gestellt werden können, und andererseits wird man daraus folgern müssen, dass im allgemeinen die Ver¬ nachlässigung von i gegen f nicht zulässig sein kann. Es erscheint weiter auch selbst¬ verständlich, dass das bis¬ herige Rechnungsverfahren, wonach man den Axendruck, ohne den die Biegung gar nicht möglich wäre, von vornherein ganz ausser- acht lässt, in dieser Beziehung nicht ganz einwandfrei ist. Wenigstens müsste man sich vorher von der Unerheblich¬ keit seines Einflusses auf die Gestalt der elastischen Linie überzeugt haben. Kübler sagt dazu treffend: „Wird von vornherein aber nur so ohne weiteres angenommen, dass dieser Einfluss vom Axendruck belanglos wäre, so verzichtet man doch geradezu auf das, was den eigent¬ lichen Charakter der hier inrede stehenden besonderen Belastungsart der Knickung ausmacht und man hätte es blos noch mit einem Biegungsproblem zu thun.“ Kübler weist dann weiter nach, dass die Foi'mänderung, die der alleinige Einfluss der Axenkraft, ohne die Biegung, herbeiführt, eine Hauptrolle beim Knicken spielt. Er kommt dabei auf die in seinen früheren Arbeiten be¬ reits abgeleitete Knickformel: -V% Vf2 -j- f 2 r) Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes in Mannheim. Lageplan. Architekt: Prof. Br. Schmitz in Charlottenburg. zurück, die in die Euler’sche Formel l = n übergeht, wenn man i gegen f vernachlässigt. Das dürfte aber nur bei grossem f, also bei verhältnissmässig sehr langen und sehr dünnen Stäben, ohne Fehler zu begehen, geschehen. Um solche Fälle handelt es sich bei prakti¬ schen Aufgaben aber in der Regel nicht. Deshalb hat die Kübler’sche neue Theorie der Knickfestigkeit nach meiner Meinung nicht allein eine wissen¬ schaftliche, sondern auch eine praktische Bedeutung, so dass ihr Studium und ihre Anwendung denFach- genossen wohl em¬ pfohlen werden dür¬ fen. Man könnte ein¬ wenden, dass die bis¬ herigen Ergebnisse bei Knick versuchen, z. B. diejenigen von Tetmajer, mit der Euler’schen Formel wohl übereinstim¬ men. Dieser Ein¬ wand erscheint aber hinfällig, wenn man bedenkt , welcher Werth jenen Versuchen über¬ haupt nur beigemessen wer¬ den darf. Denn bei Knickver¬ suchen ist die genaue Bestim- mungder f r eienKnicklänge unmöglich, weil wegen der un¬ vermeidlichen Reibungen an den Stabenden ein Einspan¬ nungsmoment, wenn es auch klein ist, nicht vermieden wer¬ den kann. Auch wächst dieses Moment mit der Axenkraft P und nimmt seinen Grösstwerth in j enem kritischenAugenblicke an, in welchem die Beobach¬ tung erst anfängt, messbare Ergebnisse zuzulassen. Da¬ nach liegt es wohl auf der Hand, wie den Ergebnissen von Knickversuchen im Ver¬ gleich mit den Ergeb¬ nissen theoretischer For¬ meln nur ein beschränkter Werth beizumessen ist. Schliesslich wäre noch zu bemerken, dass nach der Euler- schen Formel die Knickkraft P allein vom Verhältniss — ab- i hängig ist, was doch widersinnig erscheinen muss, weil die Be¬ schaffenheit des Querschnittes F unmöglich als ein¬ flusslos betrachtet werden darf. Jedenfalls muss nach meiner Meinung das Verhältniss des Trägheitsmomentes zum Widerstandsmoment auf die Knickkraft von Einfluss sein. Alle diese Widersprüche, die bei der Betrachtung der Euler’schen Formel geltend gemacht werden können, lösen sich, wenn man Kübler’s Formel an deren Stelle setzt. — Dresden, im Februar 1903. Mehrte ns. Die Baukosten der Sibirischen Eisenbahn. ach den Mittheilungen russischer Zeitschriften sind in der am 28. Januar d. Js. unter dem Vorsitz des Zaren stattgehabten Sitzung des Bauausschusses der Sibirischen Eisenbahn über die Baukosten der Bahnanlage folgende bemerkenswerthe Angaben gemacht worden. Für die auf sibirischem Gebiete erbauten Bahn¬ strecken von zusammen 5628 Werst oder 6003,8 km Länge, einschl. der zurzeit noch im Bau begriffenen Baikal-Ring¬ bahn, der Fähranlage über den Baikalsee, der Kosten für die erste Anschaffung der Betriebsmittel und eines *) Unter der Ueberschrift: „Welches Hinderniss versperrt in der Knicktheorie den Weg zur richtigen Erkenntniss“. **) Kübler. Die Theorie der Knick - Elastizität und -Festigkeit. Leipzig 1902. Verlag von B. G. Teubner. 186 No. 29. 1.06LRÜE.SCH0SS. Die neue Festhalle ln Mannheim. Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. Betriebskapitales, sind bisher rd. 384,60 Mill. Rbl. oder etwa 826,90 Mill. M. ange¬ wiesen worden*). Zur Erhöhung der Leis¬ tungsfähigkeit der Bahn, d. h. für die Aus¬ wechslung der auf einzelnen Strecken verwendeten leichten Schienenprofile, Umgestaltung der hölzernen Brücken in eiserne, Vermehrung der Ausweiche¬ stelien, Ergänzung der Betriebsmittel usw. sind nach einer Regierungs-Verfügung des Jahres 1898 rd. 94,32 Mill. Rbl. oder etwa 202,80 Mill. M. bewilligt worden. Diese Arbeiten werden noch etwa 2 Jahre in Anspruch nehmen. Für den Ausbau des Handelshafens in Wladiwostok, für die Verbesserung der Schiffahrt und Einrich¬ tung einer staatlichen Dampfschiffahrt auf einzelnen sibirischen Flüssen — Ar¬ beiten, die für die Beförderung von Bau¬ stoffen und zur Beschleunigung des Bahn¬ baues erforderlich waren — sind rd. 10,321 Mill. Rbl. oder etwa 22,20 Mill. M. verausgabt. Ausserdem sind noch für ver¬ schiedene Hilfsunternehmungen, die mit dem Bahnbau in Verbindung standen, bei¬ spielsweise für geologische Forschungen, Landesaufnahmen , Entwässerungsarbei¬ ten, Saniiäts-, Schul-, Kirchenwesen und dergl. mehr zusammen rd. 30,647 Mill. Rbl. oder etwa 65,90 Mill. M. angewiesen worden. Hiernach stellen sich die Ge¬ samtkosten der Bahnanlage auf sibiri¬ schem Gebiet, einschl. der Kosten für die angeführten Neben-Unternehmungen, auf rd. 520 Mill. Rbl. oder etwa 1,12 Milli¬ arden Mark. Die Verbindungsbahnen der Häten Wla¬ diwostok, Dalni und Port Arthur mit der sibirischen Linie, von zusammen 2377 Werst oder 2535,74 kf“ Länge, liegen auf chinesi¬ schem Gebiet in der Mandschurei. Amt¬ lich werden sie als Chinesische Ostbahn und Südmandschurische Zweigbahn be¬ zeichnet ; nach denV ertragsbestimmungen, die zwischen Russland und China im Jahre 1896 vereinbart wurden, bilden sie aber ein Unternehmen der russischen Regierung, das von der Aktiengesellschaft der Chinesischen Ostbahn unter russischer Staatsaufsicht von russischen Ingenieuren durchgeführt worden ist. Ueber die Bau¬ kosten dieser Bahnanlage sind vom Bau¬ ausschuss der Sibirischen Eisenbahn bis¬ her noch keine Angaben veröffentlicht worden. Die Baukosten der auf sibirischem Gebiet befindlichen Bahnstrecken, einschl. der Kosten für die erste Anschaffung der Betriebsmittel und des Betriebskapitals, sind in der auf Seite 188 nachfolgenden Tabelle nach den Angaben des Bauaus¬ schusses zusammengestellt und auf Mark und Kilometer umgerechnet. Zur Entscheidung der Frage, wie hoch sich die Anlagekosten für die Durchführung des ganzen Unternehmens, einschl. der Bahnstrecken auf chinesischem Gebiet in der Mandschurei, für Russland stellen werden, hat man, mit Rücksicht auf ähn¬ liche Geländeschwierigkeiten beider Bahn¬ strecken, die kilometrischen Anlagekosten der Transbaikal- Bahn schätzungsweise auch für die Ostchinesische und Süd¬ mandschurische Eisenbahn angenommen und daraus für das ganze Unternehmen ein Anlagekapital von rd. 703 Mill. Rbl. oder 1,50 Milliarden M. berechnet, wo¬ bei die Kosten der Kapitalbeschaffung und die Zinsverluste während der Bau¬ zeit nicht berücksichtigt sind. *) Die Baikal-Ringbahn zweigt von Irkutsk nach S„W. ab, durchschneidet die Ausläufer des Khamar Baban-Gebirges in einem Tunnel von etwa 3500 m Länge, und vereinigt sich bei Myssowaja mit der transbaikalischen Linie. Von dieser 244 Werst oder 260,30 km langen Bahn sind etwa 80 Werst oder 83,3 km vollendet; sie bildet den schwierigsten Theil der ganzen Bahnanlage auf sibirischem Gebiete, die Bauarbeiten wurden erst vor etwa 2 Jahren in An¬ griff genommen. 11. April 1903. 387 Die neue Festhalle in Mannheim. Platz-Fassade. Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. (Photogr. Aufnahme von Chr. Herbst in Worms.) In unmittelbarem Zusammenhang mit der Sibirischen Bahn und unter Leitung des Bauausschusses sind noch zwei Eisenbahnen im europäischen Russland ausgeführt worden. Von Tscheljabinsk, dem Ausgangspunkt der Sibi¬ rischen Bahn auf europäischem Boden, wurde eine Linie von 225 Werst oder 240 km Länge nach Jekaterinenburg (Station der Uralbahn Perm-Tjumen) geführt, deren Bau¬ kosten 6 535 258 Rbl. oder etwa 14,05 Mill. M. betrugen. Die andere Bahn von 812 Werst oder 866 km Länge führt von Perm nach Kotlas zur schiffbaren Dwina und ist dazu bestimmt, sibirischen Gütern, insbesondere dem Getreide, den Ausgang nach dem Meere zu eröffnen. Die Bau¬ kosten dieser Linie betrugen 41380907 Rbl. oder etwa 88,97 Mill. Mark. — Nach einer Mittheilung der „St. Petersburger Zeitung" soll der Fin. -Minister Witte übrigens kürzlich im Bericht an den Zaren über seine Reise zur Besichtigung der Sibirisch- Ostchinesischen Eisenbahn hervorgehoben haben , dass für die Sibirische, Ostchinesische, Jekaterinenburg-Tschel- jabinsk- und Perm-Kotlas-Eisenbahn, mit allen ihren Hilfs- und Neben-Unternehmungen, bisher rd. 758,956 Mill. Rbl. oder etwa 1,632 Milliarden M. verausgabt worden seien. Die Gesamtkosten zur Durchführung des ganzen Unter¬ nehmens, einschl. aller Ergänzungs- und Erweiterungs¬ arbeiten zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Bahn¬ strecken, sollen vom Minister auf rd. 1 Milliarde Rbl. oder etwa 2,15 Milliarden M. veranschlagt sein. Der Bericht des Ministers schliesst mit den Worten: „Hiermit sind die Ausgaben des Staates noch nicht erschöpft, da der ßahn- bau Nebenkosten nach sich gezogen hat, die in der Ver¬ stärkung der Verwaltung und der Militär-Streitkräfte in den östlichen Grenzmarken, der Vergrösserung der Flotte im Stillen Ozean, im Bau von Häfen usw. zutage treten. Es ist daher begreiflich, dass der Bahnbau aus wirth- schaftlichen Erwägungen lange hinausgeschoben wurde, und hervorragende Staatsmänner es nicht wagten, den Staatssäckel mit dieser kolossalen Bürde zu belasten.“ — Th. Bezeichnung der Bahnstrecken c-u- • u tt- , 1 { Westsibirische Linie . • bibirische Lisenbahn < ,ru , , T • • \ Mittelsibinsche Linie . . Zweigbahn nach Tomsk, einschliesslich der Hafenbahn nach Tscheremoschniki (Sibirische Eisenbahn) . Zweigbahn von Irkutsk nach dem Baikalsee (Theilstrecke, die zurzeit der Trans- baikalischen Linie zugezählt wird) . Transbaikalische Eisenbahn (von Myssowaja über Karimskaja nach Sretensk an der Schilka) . Zweigbahn nach der Grenze der Mandschurei (Theilstrecke der Transbaikalischen Eisenbahn) . Zweigbahn von der Grenze der Mandschurei nach der Ussuri-Eisenbahn (Theil¬ strecke der Ussuri-Eisenbahn) . Ussuri-Eisenbahn (Nord- und Südlinie) . Baikal-Ringbahn (Kosten nach dem Voranschläge) . Zusammen 1 Länge der Bahnstrecken in Werst | km 1328 1416,70 1716 1830,60 89 95i°° 64 68,30 1036 1105,20 324 3+5)6° HO 117.3° 717 764,80 244 260,30 5628 6003,80 Anlagekosten in Rbl. für 1 Werst M. für 1 km (näherungs weise) 38487 77 55 1 59173 1 19 234 28 9 '2 58258 49 555 99853 77 17° 155 497 97421 196303 73 764 148 634 64 529 130 026 219777 442 850 Neuere Betoneisen-Balkenbrücken (System Luipold). |jf|g||alkenbrücken in Betoneisen -Konstruktion sind nach Hf.iDll verschiedenen Systemen bereits mehrfach ausge- * - ' führt.*) Sie bestehen aus Betoneisen -Balken mit geraden oder gekrümmten Gurtungen, zwischen denen die ebenfalls mit Eisen armierte Beton- Fahrbahntafel einge¬ spannt wird. Nachstehend seien 2 neuere Beispiele einer *) Vergl. die Mittheilungen Jahrg. 1901 S. 329 und 1902 S. 421, 435, 447. Brückenkonstruktion mit geraden Balken System „Lui¬ pold" wiedergegeben, beide ausgeführt von der Firma Luipold, Kottmann & Cie. in Basel. Das Prinzip dieses in Deutschland durch Muster¬ schutz, im Ausland zumtheil durch Patent geschützten Systems ist dargestellt in Abbildg. i, Seite 190. Dasselbe zeigt sowohl eine obere wie eine untere Gurtung aus theil- weise durchlaufenden, theilweise abgebogenen Eisenstäben No. 29 188 in den Betonbalken. Hierdurch ist es ermöglicht, an den Ausserdem verstärken die abgebogenen Theile der Stangen Stellen der grössten Biegungsmomente eine Vermehrung den Querschnitt an denjenigen Trägerstellen, welche von den des Eisenquerschnittes in den Gurtungen herbeizuführen, grössten Querkräften beansprucht werden ; bügelförmige was im Besonderen bei durchlaufenden und eingespannten Umschlingungen der Stangen mit dünneren Eisenstäben in Tragbalken mit Rücksicht auf die in denselben auf- der oberen und unteren Gurtung dienen zur Vermehrung des tretenden grossen negativen Momente von Werth ist. Widerstandes gegen die Scheerkräfte. In der Abbildung, ii. April T903 l8g welche die Brenzbrücke bei Heidenheim in W ürttem- berg zeigt, ist eine Verankerung der Tragbalken bis in die Pfeilerfundamente hinab zur Sicherung der Balkenein¬ spannung ausgeführt worden, so dass auch in dieser Hin¬ sicht eine thunlichste Verwerthung der Eiseneinlagen zur Erhöhung der Tragkraft der Brückenträger erfolgt. Ueber die Brenz brücke, welche, wie schon be¬ merkt, dem System der Abbildg. i entspricht, ist noch folgendes zu bemerken: Sie dient dem Verkehr einer Nachbarschafts-Strasse, welche von Heidenheim nach Mergelstetten führt. An der Brückenbaustelle hat die Brenz bei Schneeschmelze schon so reichliche Wassermassen abzuführen, dass zwischen den Endwiderlagern der Brücke 31,1 m Weite erforderlich sind. Die schiefe Brücke erhielt zwei Mittelpfeiler, welche normal gemessen je 85 c“ dick sind und so stehen, dass eine mittlere Flussöffnung mit 13,0 m und zwei seitliche Fluthöffnungen mit je 7,0 m normal gemessener Durch¬ flussweite sich ergeben. Ueber diesen drei Oeffnungen liegen 5 durchlaufende Balken in Betoneisenkonstruktion, welche in der Flussöffnung auf 14,1 m, in den Fluth¬ öffnungen 7,58 m frei tragen und theils 88 cm, theils 100 cm hoch sind, bei einer Breite von 30 cm bis 42,5 cm. Die Die Stadt Heidenheim liess vor Eröffnung der Brücke eine Belastungsprobe mit5ookg/qm gleichförmig vertheilter Last und einer 16 000 kg schweren Dampfstrassenwalze vornehmen. Die unter dieser Belastung durch Prof. C. Schmid von der kgl. Baugewerksch. Stuttgart gemessenen Einsenkungen der Trägermitten haben 1 der Spann¬ weiten nicht überschritten; es hat auch in allen übrigen Hinsichten die Belastungsprobe ein vortreffliches Er- gebniss gehabt, trotzdem diese noch dadurch verschärft worden ist, dass die Vollbelastung mit 500 kg/qm auf der erst 10 Wochen alten Brücke 13 Stunden liegen blieb. Die Bauleitung lag in den Händen des Stadtbaumeisters Baumann von Heidenheim, die Bauausführung leitete Ing. Luipold aus Basel. Der Kleinschlag bestand aus Dolomit aus der Umgegend, der Sand wurde aus der Donau bei Ulm bezogen, der Portlandzement aus derNürtinger Zementfabrik. Die Betonierungsarbeiten wurden am 23. Juli 1902 begonnen und am 13. September 1902 beendigt. Eine zweite Ausführung nach System Luipold, jedoch in etwas anderer Form, geben wir in den Abbildg. 2a— c wieder. Es handelt sich um den Bau zweier Brücken über den Altbach der Eger im Ort Oberdorf, Oberamt U l ; - S ■ i: h t; Abbildg. Brenzbrücke bei Heidenheim i. Württemb. System der Brückenbalken. - 1,00 Abbilds. UxJOuml K.30m: - i<- 0,20 * - 1,2 2 5 - *0.20 Egerbrücke bei Oberdorf in Württemberg. einzelnen Brückenbalken wurden immer ohne Unter¬ brechung fertig eingestampft, so dass sie keine Anschluss¬ stellen enthalten. Zwischen den Brückenbalken sind flache Kappen in Stampfbeton mit Eiseneinlage, im Scheitel 14 und 16 cm stark, eingespannt, auf welchen die Chaussie¬ rung ruht. Die erhöhten Gehwege werden von 1,20 m weit ausladenden Konsolen aus Betoneisen getragen. Neresheim, und über den Eger- kanal im Zuge der umgebauten Amtskörperschafts-Strasse von Bop- fingen nach Kerkingen, die den Verkehr der Sechtagegend mit der Stadt und Bahnstation Bopfingen ver¬ mittelt und die Staatsstrassen Ell- wangen -Wallerstein und Stuttgart - Nördlingen verbindet. Diese Brücken haben 7,50 “Breite, wovon 1,30 bezw. 0,70“ auf die erhöhten Gehwege, 5,50“ auf die chaussierte Fahrbahn nebst Rinnsteinen entfallen. Die schiefe Egerkanalbrücke hat 4,20 m senkrechten Abstand der Pfei¬ ler. Dieselbe Weite hat die Altbach¬ brücke, welche gerade ist. EinViertel ihres Grundrisses ist in Abbildg. 2b mit Ansicht von unten her darge¬ stellt. Die Brückenträger bestehen aus Betonbalken, in deren Gurtungen Eisenstäbe von 16 bis 30 mm Durchm. eingelegt worden sind. Die Balken¬ breite beträgt 20™, die Balkenhöhe 40 cm bei den Balken unter der Fahr¬ bahn, 60 cm bei den Balken unter der Gehwegkante und 45 cm bei den Stirnbalken. Die Eiseneinlagen der Brücken¬ tafel sind um die oberen Gurtungseisen der Hauptträger geschlungen. Unter der Fahrbahn haben diese Stäbe bei 10 mm Durchm. 8cm Abstand, unter dem breiten Gehwege bei 8mm Durchm. 18 cm Abstand, unter dem schmalen Gehwege schliesslich bei 5mm Stärke 25 cm Abstand — C. Sch. Mittheilungen aus Vereinen. Mecklenburg. Arch.- und Ing.- Verein. Seit demBerichte in No. 44, Jhrg 1902 hat am 15. Juni v. J. die Sommerver¬ sammlung des Vereins in Sch werin stattgefunden, ver¬ bunden mit einer Besichtigung des Kalibergwerkes in Jessenitz. Aufnahme in den Verein fanden die Reg.- Bfhr. Mauck und Neumann; aus den weiteren Verhand¬ lungen ist die Neuwahl des Vorstandes hervorzuheben, in welchen als neue Mitglieder Postbrth. Wohlbrück- Schwerin und Landbmstr. Timm-Grabow eintraten; als Ort der Sommerversammlung 1903 wurde Neubranden¬ burg bestimmt, als Abgeordneter für die Verbandsver¬ sammlung 1903 Landbmstr. Drey er- Schwerin, als sein Vertreter Hr. Timm-Grabow. Zum Ausfluge nach Jesse¬ nitz fanden sich 23 Mitglieder mit ihren Damen ein, herum¬ geführt von den Direktoren Bergrath Nettekowen und Graf Bau di ss in; erstgenannter hatte schon am 12. April dem Verein in Schwerin einen vorbereitenden Vortrag gehal¬ ten. Der in 600 m tiefem Schachte zugängliche Bergwerks¬ betrieb und die Chlorkalifabrik mit täglich bis 5000 Ztr. Roh¬ salzverarbeitungwaren bei der Besichtigung in vollem Gange. In der Versammlung am n. Okt. 1902 wurde Reg.- Bfhr. Meden in den Verein aufgenommen. Nach Mit¬ theilung geschäftlicher Angelegenheiten wurde der vom Schriftführer verlesene Bericht über das verflossene Ge¬ schäftsjahr und die vom Kassenführer vorgetragene Ab¬ rechnung genehmigt und sodann von dem Abgeordneten zur Verbandsversammlung, Postbrth. Wohlbrück, über diese und die Wanderversammlung in Augsburg eingehend berichtet, und dabei auch der Entstehung und Entwicklung dieser Stadt und ihrer für die Fabrikbetriebe nutzbringend gemachten Wasserkräfte, sowie ihrer Bauten und ihrer weiteren Umgegend in anschaulichen Schilde¬ rungen gedacht. DieVersammlung am 18. Nov. 1902 brachte den Schluss von Wohlbrück’s Vortrag über Augsburg. Am 13. Dez. 1902 hielt Hr. Brth. Schmidt einen Vor¬ trag über die Bremseinrichtungen der Personen¬ züge, Heberlein, Hardy,Carpenter,Westinghouse, Schleiffer einfache und Schnellbremsen, deren Vortheile und Nach- No. 29. 190 theile, letztere in Mecklenburg und in den preussischen Direktionsbezirken Altona und Stettin in Anwendung. In der Versammlung am io. Jan. 1903 wurde der durch zahlreiche Zeichnungen und Sammelstücke erläuterte inter¬ essante Vortrag des im Herbst aus China zurückgekehrten, von der grossh. Eisenbahn-Verwaltung dorthin zu den Eisenbahnbauten beurlaubten Abtheilungs-Bmstrs. Müller angehört, welcher dort theils im Inneren des Landes unteT mancherlei Fährlichkeiten durch Boxer Vermessungen und Vorarbeiten ausgeführt, theils hernach zwischen Tsintau und Kiautschou an der Eisenbahn gebaut hat, welche im Oktober 1902 so weit betriebsfähig war, dass die ersten Züge mit Steinkohlen aus den Schantung-Bergwerken an den Tsintau- Kai gelangten. Billiger Grunderwerb und niedriger Lohn der Arbeiter bei dem Ab- und Zutragen der Erde in Körben mit der Tracht, und theure Heran¬ lieferung aller Maschinen und Eisentheile, insbesondere zu den vielfach selbst auf eisernen Pfahlrosten montierten Brücken, fertig aus Deutschland (Nürnberger Brückenbau- Gesellschaft), bestimmten manche ungewöhnlich erschei¬ nende Bauanordnungen. Am Schluss der Versammlung zeigte Gaswerksbesitzer Lindemann-Schwerin schöne Proben gebrannter Thon¬ platten Mettlacher Art aus seiner neuenZiegelei zu Friedland im Strelitzschen vor, welche probeweise in Schwerin be¬ reits zur Verwendung gelangt sind und preiswerth scheinen. Versammlung am i4.Febr. 1903. Auf Antrag von Baudir. Hübbe und 7 Genossen wurde einhellig der Vorstand er¬ mächtigt, fortan, sobald er von erledigten nichtjuristischen Stellen in den Rathskollegien der grösseren mecklenburg. Städte Kunde erhält, den dortigen Magistraten und Bürger¬ ausschüssen unter Uebersendung von Abdrücken der Denk¬ schrift des Verbandes über die Stellung der höheren städti¬ schen Baubeamten zu empfehlen, die Wahl eines auf der Hochschule gebildeten Technikers in Aussicht zu nehmen, welchem als Verwaltungszweig auch die städtischen Bau- und Baupolizei- Angelegenheiten zu übertragen seien; man erinnerte sich dabei des Umstandes, dass nur die grösste Stadt des Mecklenburger Landes, Rostock mit rd. 50000 Einwohnern, 6 koordinierte höhere Baubeamte besitzt, welche jedoch alle nicht dem Rathskollegium angehören, und wies auf Schwerin mit rd. 40000 Einwohnern hin, welches seit 5 Jahren seinen Baubeamten als Stadtbaurath in den Magistrat aufgenommen hat. Es wurde ferner angeführt, dass zurzeit in den Magistraten von 4 kleineren Städten zwar ein mit den Bauangelegenheiten betrauter akademisch gebildeter Messungs-Ingenieur durch zufällige Wahl und ohne dass dies durch die Stadtverfassung gesichert ist, sitzt, in der Stadt Wismar mit rd. 18000 Einwohnern aber vor einigen Jahren in eine mit einem Messungs-Ingenieur besetzt gewesene Stelle bei deren Erledigung ein Kauf¬ mann gewählt wurde. Es wurde nun hieran anknüpfend beschlossen, gelegentlich der gegenwärtig in den Städten Wismar und Güstrow stattfindenden Stellenerledigungen in vorbesagtem Sinne durch den Vorstand eine Einwirkung zu versuchen. Maschineninsp. Barth berichtete sodann über die Besichtigung der Allgem. physikalischen Kuranstalt der Hrn. Dr. Fickert und Oberländer in Schwerin, welche der Verein auf freundliche Auffor¬ derung der genannten Herren am 22. Nov. v. J. zur Aus¬ führung gebracht hatte. In der Anstalt handelt es sich insbesondere um elektrische Lichtbäder verschiedener Art nach neuester Einrichtung, Massageapparate mit elektri¬ schem Antrieb, Finsenlampen, Fangopackung, medizinische, Heissluft- und Dampfbäder. Am 14. März 1903 wurde auf einstimmigen Antrag des Gesamtvorstandes beschlossen, den Geh. Ob.-Brth. Daniel- Schwerin in Anerkennung seiner Verdienste um die von dem Verein erstrebten künstlerischen Zwecke während mehr als sojähriger Amtsthätigkeit in Mecklenburg zum Ehr enmitgliede des Vereins zu ernennen. — Die Sommer-Versammlung des Vereins zu Neubrandenburg soll in der Zeit zwischen dem 9. Juli und dem Beginn der grossen Schulferien Mecklenburgs stattfinden und durch die in Neustrelitz und Malchin wohnenden Vereins -Mit¬ glieder vorbereitet werden; in derselben soll auch wegen etwaiger Beschickung des im September in Erfurt tagen¬ den Denkmaltages berathen werden. Hofbmstr. Liss hielt alsdann unter Vorlegung vieler Bauzeichnungen einen Vortrag über die Geschichte des grossh. Schlosses in Ludwigslust, eines grossen vierstöckigen Gebäudes, welches Herzog Friedrich in den Jahren 1770—76 anstelle eines früheren Jagdschlosses mit Sandsteinfassaden in antikem Stile nebst Kirche und Kavalier- Gebäuden durch seinen Hofbaumeister Busch hat erbauen lassen als Kern des daneben hernach entstandenen, erst 1876 zur Stadt erhobenen Ortes. Auch das Innere des Schlosses mit seiner kunstvollen Ausschmückung und der Schlossgarten mit den von weither herangezogenen Wässern, Kaskaden n. April 1903. und Fontänen sind sehr sehenswerth. Konstruktiv verfehlt sind jedoch manche Theile des Baues, die schneefangenden niedrigen Satteldächer hinter hohen Attikamauern, die im Mauerwerk steckenden Regenabfallrohre, die ungelüftete niedrige Unterkellerung und die un genügende Zugänglichkeit der in den Seitenflügeln befindlichen Wohnungen unter einander auf Korridoren und Treppen. Gänzlich fehlten bisher eine Wasserleitung und der Neuzeit entsprechende Abort- und Badeanlagen in den Wohnungen des Schlosses, auf welche sich die zahlreichen Mitglieder des Fürsten¬ hauses bei den alljährlich wiederkehrenden familiären Zusammenkünften in ziemlich beengter Weise vertheilen. Zurzeit werden im Schlosse übrigens Wasser- und Gas¬ leitung, sowie die anderen sanitären Einrichtungen in allen Ansprüchen genügenderWeise angelegt und den Ludwigs¬ luster Stadtwerken angeschlossen, wobei die in die hohen Stockwerke eingezogenen Zwischendeckender Wohnräume gestatten, alle Rohrleitungen unverde ckt und ohne die kost¬ baren Stuckdecken und Seidentapeten zu schädigen, zu verlegen. — H. Vermischtes. Fugenlose Fussböden. Die grossen Verluste, welche den Betheiligten vielfach durch Fussböden aus Magnesit¬ mehl und Chlormagnesium entstanden sind, kommen, wie Hr. Lehnhoff in No. 23 richtig betont, aus der mangelhaften Beobachtung des Mischungs-Verhältnisses zwischen den beiden Materialien einerseits und der Menge der neutralen Beimischungen andererseits. Nach meinen Erfahrungen sollte die Chlormagnesium-Lösung nicht stärker als25°B. verwendet werden und die neutralen Beimengungen bei Verwendung mineralischer Bestandtheile nicht weniger als 2 Volumentheile auf einen Theil Magnesitmehl betragen; bei lockeren organischen Stoffen kann die Beimengung erheblich geringer sein, weil die Volumen-Vergrösserung der Fussbodenmasse beim Abbinden die weichen Bei¬ mengungen zusammendrücken kann. Bei zu geringer Bei¬ mengung hebt sich die Fussbodenschicht blasenartig vom Unterboden ab. Fussbodenbeläge mit organischen Beimengungen sind nicht wetterbeständig, dürfen also nicht als Balkon-Fuss- boden verwendet werden, wogegen nur aus mineralischen Bestandtheilen bestehende Beläge, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, völlig wetterbeständig sind. Ein grosser Uebelstand der einfarbigen Fussböden ist das Eintreten schimmelartiger Ausschläge, welche sich nicht beseitigen lassen. Diese Eigenthümlichkeit lässt sich durch eine in¬ tensive Musterung und marmorartige Äderung vermeiden. Unter dem Namen „Terramor“ wird jetzt ein derartiger Fussbodenbelag von der „Terrast“-Baugesellschaft in Berlin auf den Markt gebracht. Diese Fussböden werden in ver¬ schiedenen Farben hergestellt, welche, dem Marmor ähn¬ lich, nach einem zum Patent angemeldeten neuen Ver¬ fahren durcheinander gearbeitet sind. Die Masse kann auch als Wandbekleidung verwendet werden. Die Flächen nehmen hohe Politur an; die Mischung enthält keine organischen Beimengungen. — Gust. Lilien thal in Gr.-Lichterfelde. Ehrendoktoren. Die Technische Hochschule in Darm¬ stadt hat dem grossh. hess. Staatsminister Dr. Rothe, sowie dem grossh. hess. Finanzminister Dr. Gnauth die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber verliehen. — Technische Hochschule in Karlsruhe. Dem Rektor der Technischen Hochschule in Karlsruhe ist für seine amt¬ lichen Beziehungen der Titel „Magnificenz", sowie für seine Amtszeit der Rang eines Geheimen Rathes 2. Klasse verliehen. — Preisbewerbungen. In einem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe für eine neue Kirche der Luisengemeinde in Charlottenburg, welche am Westender Berg bei der Ringbahn errichtet werden soll, wurde unter 4 Bewerbern Hr. Arch. J. Kröger in Berlin beauftragt, einen neuen Entwurf aufzustellen. — Wettbewerbe für Staatsbauten in Oesterreich. Wie schon aus Anlass des Neubaues für das Kriegsministerium an die Heeresverwaltung, so hat der Oesterr. Ing.- und Arch.- Verein in Wien nunmehr eine Eingabe an das österr. Ministerium für Kultus und Unterricht gerichtet, in welcher die Bitte ausgesprochen wird, dass für den Bau des neuen Krankenhauses und der Universitäts-Kliniken ein allgemeiner Wettbewerb ausgeschrieben werde. Es wird ausdrücklich hervorgehoben, dass in diesem Vorgehen kein Misstrauen in die Leistungsfähigkeit der staatlichen Organe des Baudepartements zu erblicken sei, es walte vielmehr das Bestreben ob, dass bei einer so grossartigen Bauanlage wie das neue Krankenhaus, welchem für die Ausgestaltung eines Theiles der Reichshauptstadt eine wesentliche Bedeu- 191 tung zukomme, allen Architekten Oesterreichs, zu welchen auch die staatlichen Organe zu rechnen sind, Gelegenheit gegeben werde, sich schöpferisch betheiligen zu können. — Wettbewerb Handelshochschule Köln a. Rh. Die für 700 Hörer zu planende Anstalt soll auf einem Gelände des südlichen Theiles der Stadt zwischen Römerpark und Rheinstrom errichtet werden. Das Raumprogramm um¬ fasst 8 Raumgruppen : Aula, Hörsäle, Seminarien, Bibliothek, Laboratorien, Handelsmuseum, Verwaltungs- und Wohn- räume und Turnhalle. Die Wahl des Baustiles ist freige¬ stellt. Die Zeichnungen sind 1:200 verlangt; für einen Kostenüberschlag ist ein kubischer Einheitspreis von 20 M. anzunehmen. Die Preissumme von zus. 19000 M. kann nach einstimmigem Befinden der Preisrichter für die drei besten Lösungen auch anders als in der S. 168 gemeldeten Weise zur Vertheilung gelangen. Ueber die Zurücker¬ stattung der 3 M. für die Unterlagen ist nichts gesagt; es darf vielleicht noch erwartet werden. Hinsichtlich der Benutzung der preisgekrönten Entwürfe für die Aus¬ führung ist freie Entschliessung Vorbehalten. — - Chronik. Die Grundsteinlegung der Marthakirche in Berlin, Glo- gauerstrasse 22, findet am 14. April d. J. statt. Das Gotteshaus wird nach einem Entwuife der Hrn. Dinklage & Paulus in Berlin errichtet. — Für Konstruktionslehre der klassischen Baustile an der Technischen Hochschule in Berlin hat sich Hr. Reg.-Bmstr. Jul. Kohte als Privatdozent habilitiert. — Die Erhaltung des Bundespalais in Frankfurt a. M., nächst dem Römer das wichtigste historische Baudenkmal der Stadt, erscheint nach längeren Verhandlungen dadurch gesichert, dass das Palais aus dem Besitze der Reichspost in den der Stadt übergeht. — - Die Eröffnung einer Provinzial-Siechenanstalt in Giessen, welche nach den Entwürfen des Hrn. Geh. Ob -Brth. v. Weltzien in Darmstadt für zunächst 280 Pfleglinge errichtet ist und nach der planmässigen Erweiterung 568 Pfleglinge aufnehmen kann, hat am 1. April d. J. stattgefunden. — Ein Bismarck-Denkmal für Frankfurt a. M. ist nunmehr nach einem Entwürfe des Bildhauers Prof. Sieniering in Berlin und mit einem Kostenaufwande von 200 000 M. zu errichten be¬ schlossen worden. Das Standbild — in zweieinhalbfacher Lebens¬ grösse — wird in Kupfer getrieben. — Hofrath Prof. Josef Zitek in Prag wird Ende dieses Studien¬ jahres mit seinem Ehrenjahre (70. Lebensjahr) die Lehrthätigkeit als Professor der Architektur an der deutschen technischen Hochschule in Prag beschliessen, sodass die Lehrkanzel zur Neubesetzung gelangt. Die neue Festhalle in Heidelberg, die, nach dem Entwürfe der Architekten Henkenhaf & Ebert in Heidelberg errichtet, einen Gesamtbetrag von 1025000 M. beanspruchen wird, . soll aus Anlass des im Juli d. J. stattfindenden Universitäts-Jubiläums ein¬ geweiht werden. — - Eine neue Moselbrücke bei Schweich, die den Fluss mit drei Bogen überspannen soll, wird mit einem Aufwande von 260 000 M. errichet. — Der neue Botanische Garten in Dahlem bei Berlin wird, obwohl die Gebäude noch nicht sämtlich vollendet sind, diesen Sommer bereits öffentlich zugänglich sein. — Der Erweiterungsbau des kgb preuss. Ministeriums der geistl. usw. Angelegenheiten, an der Ecke der Wilhelm- und der Behrenstrasse in Berlin, ist am 1. April seiner Bestimmung übergeben worden. Der in einem maassvollen Barock errichtete Bau wurde nach den Entwürfen des Hrn. Bauinsp. E. Fürstenau durch Hrn. Reg.-Bmstr. Seifert ausgeführt. — - Eine Ausstellung sächsischer Künstler in Dresden wird am 6. Mai durch den König eröffnet. — Eine internationale Ausstellung für Photographie und graphische Künste in Mainz wird vom 7. Sept. d. J. ab auf 5 Wochen abgehalten werden. — Zu einer protestantischen Kirche in Pasing, welche nach den Entwürfen des Hrn. Prof. K. Hocheder in München errichtet wird, wird am 21. Mai der Grundstein gelegt. — Die Errichtung eines grossen Restaurations-Gebäudes im Garten des Landes-Ausstellungs-Gebäudes in Berlin erfolgt nach den Entwürfen der kgl. Brthe. Kayser & von Groszheim. — Personal-Nachrichten. Bayern. Der Gen.-Dir.-Rath Frhr. v. Schacky auf Schön¬ feld ist z. Ob.-Reg.-Rath ausser dem Status bei der Gen.-Dir. der Staatseisenb. befördert und ist derselbe zur Dienstleistung in die Verkehrsabth. des Staatsminist, einberufen. Der Reg.-Rath bei der Gen.-Dir. W e ick er ist, unt. Belassg. der Rechte eines Kollegial- rathes, zum Eisenb.-Betr.-Dir. in Bamberg befördert. Der Reg.- Rath Grimm in Bamberg ist zur Gen.-Dir. d. Staatseisenb. berufen. Bremen. Der Ing. Larssen ist z Bmstr. bei der Baudeput., Abth. Wasserbau ernannt. Elsass-Lothringen. Der Bauinsp. F 1 a i s c h in ColmaV ist zum Kr.-Bauinsp. in Saarunion ernannt, und der Kr .-Bauinsp. Schlachter in Saarunion ist in den Ruhestand getreten. Preussen. Dem Kr.-Bauinsp. Brth. Lürig in Aachen ist der Rothe Adler-Orden IV. Kl. und dem Reg.-Bmstr. a. D. Breslauer in Berlin der kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verliehen. Die Erlaubniss zur Anlegung der ihnen verlieh, nichtpreuss. Orden ist ertheilt, und zwar: dem Ob.- und Geh. Brth. Goepel in Berlin des Offizierkreuzes des kgl. sächs. Albrechts-Ordens und dem Reg.- u. Brth. Bothe in Berlin des Ritterkreuzes I. Kl. des¬ selben Ordens. — Dem Reg.- und Brth. B o r m a n n in Münster ist die nachges Entlass, aus dem Staatsdienst unt. Beilegung des Char. als Geh Brth. ertheilt. Den Reg.- u. Brthn. Klopsch und Mühlke in Schleswig ist der Char. als Geh. Brth. und dem Prof, an der Techn. Hoch¬ schule in Aachen H e n r i c i der Char. als Geh. Reg.-Rath verliehen. Der Reg - u. Brth. Herr in Essen a. R. ist zur Wahrnehmung der Geschäfte eines Referenten in das Minist, der öffentl. Arb. entsandt. — Der Reg.- u. Brth. Prüsmann in Ruhrort ist der kaiserl. deutschen Botschaft in Wien zugetheilt. Versetzt sind: die Reg.- u. Brthe. Lindner von Schleswig nach Potsdam und S t e v e r von Paris nach Münster; — die Wasser- Bauinsp. Brthe. Kreide von Magdeburg nach Hoya, Crackau von Magdeburg nach Wittenberg, Hagen von Berlin nach Stolp- münde und Mundo rf von Breslau nach Ruhrort; — die Kr.- Bauinsp. Brthe. Nolte von Pr.-Star'gard nach Einbeck u. Kleinert von Einbeck als Bauinsp. nach Hannover, die Brthe. Hohenberg von Friedeberg N.-M. nach Berlin und Morin von Thorn nach Arnsberg, beide unt. Ernennung zu Landbauinsp., Callenberg von Memel nach Rüdesheim und L e u t f e 1 d von Rüdesheim nach Pr.-Stargard ; der Landbauinsp. Jaffke unt. Ernennung zum Kr.- Bauinsp. von Trier nach Friedeberg N.-M. Der Landbauinsp. Goldbach in Thorn ist z. Kr.-Bauinsp. das. ernannt. Ferner sind ernannt: Die Reg.-Bmstr. Kickton in Potsdam, Timmermann in Berlin, Raesfeldt in Dortmund und Hoschke in Frankfurt a. O. zu Landbauinsp., — Johl in Gnesen ur.d Nettmann in Karlsruh i. Ob.-Schl. zu Kr.-Bauinsp.; — Teer körn in Landsberg a. W. und Aschmoneit in Bees- kow zu Wasser-Bauinsp. Der Reg.-Bmstr. Dr. Fischer ist z. etatm. Prof, der kgl. land wirthschaftl. Hochschule in Berlin ernannt. Der Reg.-Bmstr. Schrammen ist in das Techn. Bür. der Bauabth. des Minist, der öffentl. Arb. berufen. Der Reg.-Bmstr. des Maschbfch. Otto Krüger ist der kgl. Eisenb -Dir. in Bromberg zur Beschäftigung überwiesen. Versetzt sind die Reg.-Bmstr.: Redlich von Berlin nach Memel und Starkloff von Bonn nach Neumark i. W.-Pr. Die Reg.-Bfhr. Paul Kranz aus Marienburg (Hochbfch ), Fritz Senffleben aus Gotha (Eisenbfch.) , — Edm. Schütz aus Trebbin und Gg. S c h u 1 z e n d o r f aus Berlin (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Den Reg.-Bmstrn. Gust. S c h u 1 z in Weidenhausen, Jul. B e h s e in Barmen, Karl Schweitzer in Neheim i. W., Karl Schroeder in Recklinghausen und Otto Zennig in Wilhelmshaven ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst ertheilt. Der Wasserbauinsp. Brth. Beckmann in Verden und der Reg.-Bmstr. Phil. Fischer in Frankfurt a. M. sind in den Ruhe stand getreten. Der Reg.- u. Brth. Schwedler in Fulda ist gestorben. Sachsen. Dem Geh. Rath Dr.-Ing. K ö p c k e , voitr. Rath im Fin.-Minist. ist.das Komthurkreuz I. Kl. vom Albrechtsorden verliehen und ist ihm die Versetzung in den Ruhestand bewilligt. Der Brth. Krüger ist z. Ob. -Brth. und techn. Hilfsarb. im Fin.-Minist. ernannt Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. C. R. in Rheinland. Dass die Brandmauern in den Gebäuden an der Grenze zu errichten sind, bestimmen die Bau¬ polizei-Ordnungen aus Rücksichten für die Feuersicherheit. Die Polizei ist an das Befolgen ihrer Vorschriften gebunden, soweit nicht die betreffenden Verordnungen ihr ausdrücklich das Recht zu¬ sprechen, ausnahmsweise anders zu verfahren. Enthält die dortige Baupolizei-Ordnung bezüglich der Forderung, dass Grenzmauern als Brandmauern aufzuführen sind und dass letztere keine Oeff- nungen erhalten dürfen, keine Befugniss zu Abweichungen in ge¬ eignet scheinenden Fällen, so ist der Polizei verwehrt, Oeffnungen in Grenzmauern zu gestatten, selbst wenn der Nachbar bereit ist, sie zu dulden. Höchstens könnte ein Dispensgesuch helfen; doch ist zu bezweifeln, dass die Baupolizei ein solches befürworten wird, während gegen deren Vorschlag kein Dispens ertheilt zu werden pflegt. — K. H-e. Fragebeantwortung aus dem Leserkreise. Zur Anfrage 2 in No. 19. Beim Umbau der kath. Kirche in Domb bei Kattowitz habe ich das Rabitz-System angewendet, Spann¬ weite 13,5 m , Länge 30 m , durch Gurtbögen , ebenfalls in Rabitz, getheilte Kreuzkappen. Gurte und Grate bestanden aus Rundeisen, Kappenstärke etwa 6 — 8 cm. Das Gewölbe ist begehbar. Aller¬ dings verlangt das Gewölbe bei grösserer Breite ebenfalls ent¬ sprechende Widerlager. Ueber die Akustik habe ich nichts Nach¬ theiliges gehört. Eine im II. Obergeschoss belegene Klosterkapelle habe ich ebenfalls mit spitzbogigem Rabitzgewölbe überdeckt. Die Rippen wurden angesetzt; Spannweite 9 m. Hier hatte ich nur 64 cm starke Aussenwände, welche sich auch als genügend erwiesen. Allerdings muss der Dachstuhl entsprechend konstruiert sein. — Architekt L. Schneider, Oppeln. Zu der Beantwortung der gleichen Frage in No. 25 erhalten wir von dem Einsender selbst die Mittheilung, dass die Gewölbe der Garnisonkirche in D r e sde n und der Kirche in Leipzig- Sellerhausen nicht von der Firma Neugebauer & Schybilski in Berlin herrühren; die Ausführung batte vielmehr die Firma Boswau & Knauer in Berlin. Der Irrthum ist durch unklare Fassung der ersten Zuschrift entstanden. Inhalt: Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes und die neue Fest- halle in Mannheim. — Zur Theorie der Knickfestigkeit. — Die Baukosten der Sibirischen Eisenbahn, — Neuere Betoneisen-Balkenbrücken (System Luipold). — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewer¬ bungen. — Chronik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die neue Festhalle in Mannheim. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 29. I92 * DEUTSCHE BAUZEITUNG Hfl || XXXVII. JAHRG. NR 30. BERLIN, DEN 15. APRIL 1903 || IHHIIHHMIlIIIlHBHIUIlIHMüil Zur Baugeschichte des Heidelberger Schlosses. Von J. Koch und F. Seitz in Heidelberg. j|ine ganze Fluth von schriftlichen Meinungsäusserun¬ gen für und gegen die Wiederherstellung des Otto- Heinrichsbaues ist über die Freunde des Baudenk¬ males hinweggegangen. Einige Schriftsteller bemühen sich, mit dem Werkzeug des Wissens ihrer Meinung zum Siege zu verhelfen, die meisten begnügen sich mit den Aeusse- rungen ihres persönlichen Empfindens. Die Bekanntgabe der Wetzlarer Giebelzeichnungen ist eine neue Quelle zur Baugeschichte des Otto-Heinrichsbaues, während alle übri¬ gen Veröffentlichungen leider ein Gemeinschaftliches haben, nämlich, dass durch sie die Kenntniss des Baudenkmales und seine Geschichte eine positive Bereicherung nicht er¬ fahren hat. An sich hätten wir deshalb keine Veranlassung, uns in einer Fachzeitschrift mit diesen Dingen zu befassen, wenn sich nicht unter den Schriftstellern Architekten be¬ fänden, die zwar gegen den Aufbau des Otto-Heinrichs¬ baues nichts einwenden, dagegen für die einstige Gestalt und die formale Entwicklung des Bauwerkes Ansichten aufstellen, die mit unserer Kenntniss der Sachlage nicht übereinstimmen. Zwar so lange es nur geistreiche Hypo¬ thesen waren, brauchten wir uns nicht darum zu kümmern, sie konnten den Kunsthistorikern und Aesthetikern über¬ lassen und von diesen im Wege des geistigen Turniers bekämpft werden. Wenn aber Architekten ihre Meinung mit der Berufung auf das Bauwerk selbst oder die weni¬ gen zuverlässigen historischen Quellen begründen, so ist es gefährlich, irgend eine Unrichtigkeit zu übersehen, denn namentlich die kunstverständigen Laien pflegen ohne Kritik, gewöhnlich den Autor missverstehend, sogenannte That- sachen aus den Aufsätzen von Fachleuten herauszunehmen und mit ihren eigenen Ansichten zu einem Brei anzurühren, den sich das grosse Publikum, welches ja keine Fach¬ schriften liest, als gut und wohlgeniessbar vorsetzen lässt. Prof. Kossmann, Lehrer an der Karlsruher Bau¬ gewerkschule, stellt in seiner Schrift „Die Bedachung am Heidelberger Otto Heinrichsbau vor 1689" (Karlsruhe G. Braun 1902. D Bztg. 1902 S. 343) die Ergebnisse seiner Forschungen in der Form von 3 Thesen voran. Die erste 193 These lautet: „Otto Heinrich hat keine Giebel, sondern einen wagrechten Abschluss beabsichtigt. Letzterer ist, mindestens zumtheil, ausgeführt worden.“ Der Verfasser sucht diesen Spruch durch allgemeine kunstgeschichtliche Betrachtungen über die Entwicklung der Renaissance in Deutschland, denen er den bekannten Vertrag mit Colin beifügt, und durch eigene an dem Bauwerke selbst ge¬ wonnene Erfahrungen zu beweisen. Der kunstgeschicht¬ liche Exkurs ist wohl für das grosse Laienpublikum be¬ rechnet; irgend eine bisher unbekannte Thatsache wird nicht beigebracht und aus dem Vertrage werden glück¬ licherweise keine neuen Schlüsse gezogen. Das aber, was die Steine am Bau reden, hat Kossmann zumtheil nicht richtig gehört, zumtheil hat er in die einfache Sprache einen zu tiefen Sinn gelegt. Auf S. 8 sagt der Verfasser: „Somit sind . . . beide Längsfassaden zuoberst auf eine Höhe von rd. 65 cm mit je einer Dachbrüstung von etwa 55 cm Stärke ausgeführt worden! Dieselbe ist an der Hoffassade in Quadern, an der Ostfassade in Bruchsteinmauerwerk hergestellt.“ Diese Dachbrüstungen sagen dem Verfasser: „Wir dienten einst einem wagrechten Dachfuss als Auflager.“ Kossmann frägt dann noch, ob ein Nichtfachmann glauben könne, man habe auf solche Brüstungen 12 m hohe Steingiebel zu setzen beabsichtigt. An sich sind Dachbrüstungen unseres Wissens früher überhaupt nicht gebräuchlich gewesen, man kannte den Kniestock nicht und setzte das ganze Dach auf die Mauer. Es würde also ein Mauerabsatz bis auf 55 cm Dicke bei einer, sagen wir Brüstungshöhe, gerade umge¬ kehrt, wie Kossmann meint, nicht auf den wagrechten Anfang des Daches, sondern auf eine senkrechte Fort¬ setzung der Fassadenmauer schliessen lassen. Auch wür¬ den wir unbedenklich 12 “ hohe Giebel mit mehreren Zwischengebälken auf einer unteren Stärke von 55 cm auf¬ bauen. Diese Erwägungen sind aber überflüssig, weil am Bauwerke selbst die Sache sich wie folgt darstellt: Das älteste Gebälk lag langewegs parallel mit der Fassade. Es war gestützt von Durchzügen (über Zwischenwänden?), die mit ihrer Unterkante auf 2,85“ über der Fensterbank des 2. Obergeschosses lagen (Auflager noch zu sehen und zwar in nicht verminderter Wandstärke). Das Gebälk selbst würde der Höhe nach hinter dem Architrav des obersten Gesimses der Fassade gelegen haben, genau so, wie das ein Stockwerk tiefer liegende Gebälk. Das ursprüngliche Gebälk wurde entfernt, die darüber liegenden Fassadentheile so¬ wohl der Hof- als der Ostfassade waren offenbar so be¬ schädigt, dass auch sie, wie der Augenschein zeigt, abge¬ tragen und neu aufgeführt wurden. Das neueste Gebälk (1692 oder 1609) wurde höher hinauf, etwa bis Oberkante des jetzigen obersten Gesimses, gelegt (so hoch reicht der Wandputz an der Südwand). Das Gebälk hatte wahr¬ scheinlich auch Längslage, die Unterzüge lagen etwa in der Höhe des Frieses im obersten Fassaden-Gesims (Schlau- dern zwischen 40 und 60 cm von Gesims-Oberkante). Das, was Kossmann Brüstungsmauer nennt, ist die bei der zweiten oder der dritten, jedenfalls aber bei der letzten Neulage des Gebälkes erstellte Aufmauerung über den Durchzügen. An der Fassade ist sie nicht, wie Koss¬ mann meint, entsprechend dem Quadermauerwerk der unteren Geschosse, sondern mit schmalen Hausteinen und dahinter mit Backsteinen gemauert. Hausteinmaterial und Bearbeitung sind von den unteren Fassadentheilen verschieden, Steinmetzzeichen sind nur an einzelnen erhalten gebliebenen, deutlich zu unterscheidenden Ge¬ simsstücken zu finden. An der Ostfassade ist das neuere Mauerwerk noch deutlicher zu erkennen (vergl. Koch & Seitz Taf. 4). Die Brüstung ist an der Hoffassade nicht auf die ganze Länge festzustellen; an den jetzigen Giebel¬ pfeilern hört sie auf. Wenn also die „Dachbrüstung“ einem wagrechten Dachfuss als Auflager gedient hat, so war dieser sicher nicht der des Daches aus dem 16., sondern desjenigen aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. S. 9 und 10 sagt Kossmann, er habe, als er oben auf dem Hauptgesims war* von dem Otto Heinrichsbau selbst erfahren, dass die Sockelschicht der Zwerchgiebelreste aus demselben dunkelrothen Gestein wie die ganze Fassade hergestellt ist, dass die Figuren-Postamente nachträglich (d. h. in einer anderen Bauperiode) angefügt worden seien und dass endlich die hintere Fläche der Schicht zwar nicht bündig durchgehe, aber sauber, glatt aufgeschlagen sei. Diese Beobachtungen sind z. Th. unrichtig, z. Th. gänzlich missverstanden. Wir haben schon vorhin gesagt, dass etwa vom Architrav des heutigen obersten Gesimses an die Mauern an Ost- und Westseite später aufgesetzt sind; woraus von selbst folgt, dass die darüber liegende Sockel¬ schicht nicht stehen geblieben sein kann. Die Sockel¬ schicht selbst ist auf der Rückseite (rechter Giebel) wie folgt beschaffen: 1. Stein 560 tief sauber, 2. 290 tief rauh, 3. 500 tief rauh, 4. 290 tief rauh, 5. 570 tief rauh, 6. 500 tief schräg aufgeschlagen, 7. 400 tief sauber, 8. 625 tief sauber, 9. 500 tief sauber, 10. 350 tief sauber (No. 10 auf der Ober¬ fläche schräg geflächt). Kossmann schliesst aus seinen, wie wir gesehen, nicht zutreffenden Annahmen: „Somit war einstens die Sockelschicht nicht überbaut; sie wird vermuthlich für eine Balustrade bestimmt gewesen sein.“ Gerade die auf der Rückseite sauberen Steine hätten den Ausstellung architektonischer Entwürfe in Hamburg. (Veranstaltet vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg.) n der Hamburger Kunsthalle wurde am 1. März als Abtheilung der grossen Frühjahrs-Ausstellung des Kunstvereins eine Ausstellung architektoni¬ scher Entwürfe eröffnet. Die Frühjahrs-Ausstellungen des Kunstvereins finden nicht alljährlich, sondern in gewissen, nicht statutenmässig bestimmten Zwischenräumen von mehreren Jahren statt. Sie zeigen, je nachdem das Ausland zur Beschickung ein¬ geladen wird oder nicht, ein verschiedenartiges, mehr kosmopolitisches oder mehr deutsches Gepräge, haben aber in der letzten Zeit des öfteren einen ausgesprochen niederdeutschen Charakter angenommen. Die Grundlage für diese, weit mehr als je vorher zu beobachtende Lokal¬ färbung bildet eine sich immer mehr entwickelnde Ham¬ burger Malerkolonie und der Umstand, dass die Reize der niederdeutschen Landschaft und der Nordsee allmählig immer mehr und immer öfter binnenländische Künstler zu unseren Gestaden ziehen. Daran, dass dem so ist, darf ein grosses Verdienst dem Direktor der Kunsthalle, Hrn. Prof. Dr. Lichtwark, zugeschrieben werden. An künstlerischem Gesamtwerth waren diese Aus¬ stellungen recht verschieden und es entbrannte um sie, ebenso gut und fast so früh wie in den sogenannten Kunst¬ zentren Deutschlands, ein heftiger Streit zwischen den „Alten“ und den „Jungen“, der aber immerhin Zeugniss davon ablegte, dass in der — nach Ansicht mancher deutsche Mitbürger unheilbarem Materialismus verfallenen Handelsstadt — den künstlerischen Dingen wieder erhöhtes Interesse entgegengebracht wurde. In allen vergangenen Kunst- Ausstellungen dieser Art waren bisher nur die Malerei und die Bildhauerkunst zum Wort gekommen. Nie war davon die Rede gewesen, auch die Architektur heranzuziehen, war doch deren Zuge¬ hörigkeit zu den bildenden Künsten nicht einmal für Jeder¬ mann eine ausgemachte Sache. Freilich stand Hamburg hierin hinter dem übrigen deutschen Vaterland kaum zu¬ rück, denn noch sind erst wenige Jahre verstrichen, seit man in Berlin, München und Dresden in den Kunst-Aus¬ stellungen die Architektur-Abtheilung als selbstverständ¬ liches Erforderniss betrachtet. Dass dies auch in Hamburg so war, kann um so weniger verwundern, als die archi¬ tektonischen Aufgaben, welche die Stadt ihren Architekten stellte, noch weniger als in den genannten Residenzen vom allgemeinen Interesse getragen werden konnten. Umso freudiger begrüsste der Architekten- und In¬ genieur-Verein die in diesem Jahr an ihn gerichtete An¬ frage des Kunstvereins, ob er geneigt sein würde, eine Architektur- Abtheilung in der Frühjahrs- Ausstellung ein¬ zurichten. Er bejahte dieselbe und wählte einen Aus¬ stellungs-Ausschuss aus den Hrn. H. Groothoff, J. Grot- jan, A. Löwengard, O. Wöhleke und H. Wurzbach. Die Haupt-Gesichtspunkte, welche diesen bei seinen Arbei¬ ten leiteten, sind vielleicht dasjenige, was die Kollegen¬ schaft am meisten interessieren dürfte, weshalb hierauf kurz eingegangen werden soll. Bei allem Befremden, das man über die bereits er¬ wähnte Thatsache empfinden kann, dass architektonische Arbeiten nicht von jeher selbstverständliche Bestandtheile aller Kunst- Ausstellungen gebildet haben, darf man sich doch der Einsicht nicht verschliessen, dass nicht allein mangelndes Verständniss und zünf tierischer Eigensinn derer, die die Kunst allein gepachtet zu haben meinten, die Schuld hieran tragen. Es liegt im Wesen der Archi¬ tektur, dass sie sich für öffentliche Ausstellungen weit weniger eignet, als Malerei und Plastik. Die Werke der Architektur sind die ausgeführten Bauten, nicht die Ent¬ würfe zu denselben. Nur an ersteren, die nur aus der Umgebung heraus, in der sie stehen, vollkommen zu be¬ greifen sind, ist es möglich den letzten Absichten ihres Urhebers nachzugehen. Und wie anders wirkt das aus¬ geführte grosse Gebäude als die kleine Zeichnung! Diese Zeichnung, die immer nur Mittel zum Zweck, nie Zweck an sich ist, kann dem Fachmann bei verständnissvollem Versenken in die Einzelheiten, bei eingehendem Studium von Grundrissen, Schnitten und Ansichten allmählich mit Hilfe der nachempfindenden Phantasie ein annähernd No. 30. J94 Verfasser stutzig machen müssen; was soll denn eine saubere Rückseite bedeuten, wenn ein Stein fast 30 cm dicker als ein anderer ist und um dasselbe Maass vor der sauberen Rückfläche vorsteht? Des Räthsels Lösung ist so einfach, dass die Sache fast uninteressant wird. Wie an hundert anderen Orten des Schlosses hat man auch für die Sockelschicht Werksteine, die schon einmal irgendwo anders dienten, etwas zurecht gerichtet und wieder ver¬ wendet.*) Das Figuren- Postament wurde vorgeblendet, weil kein Stein der betreffenden Schicht die nöthige Stärke gehabt hätte, um den Vorsprung gleich anzuarbeiten. Wie schon eingangs erwähnt, ist gerade die tiefe Lage des ersten Gebälkes unter dem Gesimse ein Zeichen, dass die Frontmauern sich senkrecht fortsetzten, dass noch ein Ge¬ schoss mit senkrechter Wandfläche darüber [war. Prüft Vermischtes.' Johann Friedrich Bubendey, ) Wasserbaudirektor in Hamburg. Der Senat der freien Stadt Hamburg hat an¬ stelle des kürzlich verstorbenen Wasserbaudirektors Jürgen Buchheister, dessen wir in No. 26 gedacht haben, den derzeitigen Professor des Wasserbaues an der Tech¬ nischen Hochschule zu Berlin, Geheimen Baurath J. F. Bub endey gewählt, eine Wahl, die zweifellos auch die formelle Bestätigung durch die Bürgerschaft erhalten wird. Gutem Vernehmen nach wird Hr. Bubendey dem ehren¬ vollen Rufe seiner Vaterstadt folgen; er kehrt damit in leitender Stellung zu den bedeutenden Aufgaben zurück, an deren Lösung er von 1872 — 1895 ein thätiger Mitarbeiter gewesen war, bis er im Jahre 1895 die praktische Aus¬ übung des Berufes mit der freien Lehrthätigkeit des Pro¬ fessors vertauschte. Bubendey ist im Jahre 1848 in Hamburg geboren, hat von 1867—1872 mit einer durch die Theilnahme am Feld¬ zuge bedingten Unterbrechung auf den Technischen Hoch¬ schulen zu Zürich und Aachen studiert und ist 1872 als Ingenieur bei der Baudeputation in Hamburg eingetreten. Zunächst als Wasserbaukondukteur, später als Wasserbau¬ inspektor, hat er unter Nehls an der grossartigen Entwick¬ lung des Hamburgischen Hafens und an der Verbesserung der Elbstromverhältnisse mitgearheitet, sodass er für seine neue Stellung die vollständige Kenntniss aller Verhältnisse mitbringt. An der Technischen Hochschule zu Berlin hat *) Ein treffendes Beispiel, dass wenigstens ein Stein der Sockelschicht ursprünglich fast doppelt so hoch war als er jetzt ist, kann man vom Schlosshofe aus daran erkennen, dass das Zangenloch 25 mm von der Oberkante des Steines entfernt ist. richtiges Bild des Gesamtbauwerkes geben und eine Quelle höchsten Genusses sein. Zu einer solchen Arbeit aber hat der Laie, vorausgesetzt dass er überhaupt im Stande ist, sie zu leisten, beim Besuch einer Kunst- Ausstellung keine Zeit. Für das grosse Publikum wurde aber die Hamburger Ausstellung veranstaltet, nicht nur für Fachleute. Aus solchen Erwägungen heraus versuchte der Aus¬ schuss, alles auszumerzen, was nicht Jedem unmittelbar verständlich ist. Auf Bildwirkung der Blätter wurde der Hauptwerth gelegt, Aquarelle wurden bevorzugt, Photo¬ graphien nicht ausgeschlossen, hingegen Grundrisse — wo sie der Verfasser nicht ganz missen wollte — nur als nebensächliche Beigabe in kleinstem Maasstabe, Schnitte gar nicht und geometrische Ansichten nur dann zugelassen, wenn sie malerisch behandelt waren. Diese Grundsätze haben sich als richtig bewährt und der Versuch, der mit dieser Ausstellung gemacht ist, kann schon jetzt als gelungen bezeichnet werden. Beweis da¬ für ist das Interesse, mit der die Ausstellung im Publikum besprochen wird, ist die ständig wachsende Zahl der Be¬ sucher. Das war der Zweck! Das Publikum soll angeregt, es soll darauf hingewiesen werden, wie wichtig die Archi¬ tektur für unsere Städte- und Landschaftsbilder ist, wie verschiedenartig der Architekt sich ausdrückt. Die Theil- nahmslosigkeit soll ins Wanken gebracht und schliesslich soll Kräften jüngeren Alters Gelegenheit gegeben werden, dem auftraggebenden Publikum zu zeigen, dass es Unrecht thut, wenn es an ihnen vorbeigeht und den Bauauftrag aus Bequemlichkeit einem Architekten überträgt, weil er einen Namen hat, der aber zur Individualität des Bauherrn im Grunde genommen oft nicht im mindesten passt. Von dem Inhalt der Ausstellung soll hier nur kurz und allgemein gesprochen werden. Dieser Inhalt ist noch durchaus nicht einwandfrei. Für den ersten Versuch muss man aber zufrieden sein und das Bessere von der Zukunft erhoffen. Der Ausschuss war ausserordentlich milde in der künstlerischen Beurtheilung , denn der Maasstab für die Qualitätsgrenzen kann erst allmählich erworben und gesteigert werden. Unnachsichtlich ausgeschlossen wurde nur alles , was nach Geschäftsreklame aussah. Da keine 15. April 1903. man die Höhenlage des Gebälkes im Vergleich zu der¬ jenigen im darunter liegenden Stockwerk, so findet man, dass dieselbe gegenüber der Fassadentheilung ganz die gleiche ist (Balkenhöhe innen gleich Architravhöhe aussen). Die Brüstung über dem Hauptgesimse könnte dann gerade nur so hoch wie die unteren Brüstungen gewesen sein, die Giebel könnten die jetzigen 2 Steinschichten über dem Gesims gar nicht gehabt haben, denn über die jetzigen Fensterbänke könnte ein normal grosser Mensch von der ältesten Gebälkhöhe aus gar nicht blicken. Von den heute noch stehenden Ueberresten der kleinen Zwerchhäuser wissen wir ganz genau, dass sie vom 30. Mai 1692 ab ausgeführt wurden nach der Order Jonica und nach einem spezifizierten Kostenanschläge (vergl. Mitth. Schlossv. Bd. I Reg. No. 272, 273, 276 und 323). — (Schluss folgt.) er zunächst als Nachfolger Schlichtings Vorlesungen über das ganze Gebiet des Wasserbauwesens gehalten, die sich dann nach Theilung der Professur auf Gründungen, Schleu¬ sen- und Kanalbau, See- und Hafenbau, sowie auf prak¬ tische Hydraulik beschränkten. Die Technische Hoch¬ schule, deren Rektorat er im Jahre 1901/1902 bekleidete, verliert in ihm bedauerlicherweise wieder einen aus der Praxis hervorgegangenen Dozenten. Am fachlichen Vereinsleben hat sich Bubendey bisher in reger Weise betheiligt. Er ist zurzeit Vorsitzender des Zentralvereins für die Hebung der Fluss- und Kanal¬ schiffahrt in Berlin und zweiter Vorsitzender des Ver¬ bandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. — Die geplanten Veränderungen im preussischen Ministe¬ rium der öffentl. Arbeiten (vergl. S. 40), welche durch den Landtag inzwischen bewilligt wurden, sind dem Reichs¬ anzeiger zufolge bereits durchgeführt. Wie zu erwarten war, ist der bisherige Ministerial-Direktor, Wirkl. Geh. Rath Excellenz A. Schultz, zum Unterstaats-Sekretär der Bau¬ abtheilungen des Ministeriums ernannt worden, in welchem er seit 1880 die Stelle eines Ministerial-Direktors bekleidete. Ihm verbleibt auch in seiner jetzigen Stellung das besondere Dezernat des Wasserbauwesens, um dessen Entwicklung er sich in seiner langjährigen Thätigkeit, unter anderem auch als Vorsitzender des im Vorjahre aufgelösten „Aus¬ schusses zur Untersuchung der Wasserverhältnisse in den Ueberschwemmungs-Gebieten“ unzweifelhafte Verdienste erworben hat. Zum Ministerial-Direktor mit dem Dezernat der nicht zum eigentlichen Wasserbau gehörigen Ange¬ legenheiten, also namentlich des Hochbaues und des Wege¬ baues, ist erfreulicher Weise ein Techniker und zwar der Altersgrenze für die Ausstellungs- Gegenstände vorgeschrie¬ ben war, so brachten viele Architekten lange Jahre zu¬ rückliegende Entwürfe, die heute kein grosses Interesse mehr beanspruchen können. Das sind Fehler, die natürlich nur einmal Vorkommen können. Vielleicht aber ist dieser Umstand für diese erste Hamburger Architektur- Ausstellung nicht einmal als Nachtheil zu bezeichnen, denn durch den so gewonnenen theilweise rückblickenden Charakter wird die Möglichkeit gegeben, die Wandlungen der letzten 20 Jahre zu verfolgen und Jedem, der sehen kann, klar zu legen, dass endlich eine andere Zeit mit neuen Zielen angebrochen ist. Freilich, wenn man den oben erwähnten niederdeut¬ schen Charakter der Gemälde- Ausstellung zum Vergleich heranzieht, so muss man sagen, dass die dort sich zeigende ausgesprochene Heimathkunst in der Architektur - Aus¬ stellung, obwohl nur Hamburger Architekten ausstellen konnten, erst in vereinzelten Versuchen zutage tritt. Aber die Bestrebungen sind da und werden zweifellos gute Früchte tragen, sobald das Publikum sich noch mehr als bisher geneigt zeigt, mitzugehen. Es gilt hier, alte und tiefwurzelnde Vorurtheile zu überwinden, Vorurtheile, die mit der kosmopolitischen Neigung des Hamburgers, mit der Franzosenzeit, mit dem grossen Brande von 1842 und dem in seinem Gefolge stattgefundenen Zuzug auswärtiger Architekten Zusammenhängen. Der auf dem Gebiete der Kunst zurückge¬ drängten Hamburgischen Eigenart muss wieder zum Siege verholfen werden! Der Anfang ist ge¬ macht und zukünftige Lokal-Ausstellungen werden hoffent¬ lich auch in dieser Richtung Fortschritte zeigen.*) — Hamburg, April 1903. Alfred Löwengar d. *) Anmerkung der Redaktion. Wir begriissen mit ausserordent¬ licher Freude die dankenswerthe Unternehmung des Arch.- u. Ing.-Vereins zu Hamburg, in jenen nordwestlichen Gebieten, die an Eigenart den eigen¬ artigsten Landschaften des übrigen Deutschland nicht nachstehen, die Bau¬ kunst in den Reigen der Schwesterkünste einzugliedern und sie gleich diesen zu einer ansprechenden Aeusserung empfindungsvoller Heimath¬ kunst zu machen. „Der auf dem Gebiete der Kunst zurückgedrängten Hamburgischen Eigenart muss wieder zum Siege verholfen werden.“ Möge die Baukunst mit ihren reichen Mitteln dazu beitragen, diesen Sieg bald zu erringen und zu einem vollständigen zu machen. — 195 bisherige Ob.-Baudir. K. Hinckeldeyn ernannt worden, ein Architekt, auf dessen Einfluss mit wir wohl den frische¬ ren Zug zurückführen dürfen, der sich z. Zt. im staatlichen Hochbauwesen geltend macht und eine Persönlichkeit, von der man eine würdige und zielbewusste Vertretung der fachlichen und der berechtigten persönlichen Interessen der Techniker erwarten darf. Hinckeldeyn ist als Techniker ungewöhnlich rasch auf der Stufenleiter staatlicher Würden emporgestiegen, ln Lübeck im Jahre 1847 geboren, finden wir ihn 1880 im Ministerium der öffentl. Arbeiten, dem er seitdem mit einigen Unterbrechungen — so kurze Zeit als Reg.- und Baurath in Königsberg i. Pr. und von 1893 bis 1896 als Vortragender Rath im Kultusministerium — angehört hat. Seit 1896 stand er der Hochbauabtheilung als Oberbaudirektor vor. Seit dem Vorjahre ist er gleich¬ zeitig Präsident der Akademie des Bauwesens. — Die 28. Versammlung des Deutschen Vereins für öffent¬ liche Gesundheitspflege findet vom 16. — 19. Sept. in Dresden statt. Von den Vorträgen erwähnen wir: „Hygienische Einrichtungen der Gasthäuser und Schank- stätten“ (Medizinal-Rath Dr. Bornträger in Danzig); „Reinigung des Trinkwassers durch Ozon“ (Geh. Reg.-Rth. Dr. Oehlmüller in Berlin); „Die Bauord¬ nung im Dienste der öffentlichen Gesundheits¬ pflege“ (Geh. Brth. J. Stübben in Köln a. Rh. und Geh. Reg.-Rth. Dr. Rumpelt in Dresden). — Der V. Internationale Archltekten-Kongress findet in den Tagen vom 6. bis 13. April 1904 in Madrid statt. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben zur Gewinnung von Entwürfen für eine reformierte Kirche zu Kassel veranstaltet mit Frist zum 1. Oktober d. J. für in der Provinz Hessen-Nassau ansässige Architekten die Kirchbau-Kommission der Ober¬ neustädter Gemeinde. Unter den 7 Preisrichtern sind 4 Bausachverständige, nämlich die Hrn. Arch. Ludw. Hof¬ mann in Herborn, Prof. A. Neumeister in Karlsruhe i.B., Geh. Brth. Schuchard und Stadtbrth. Hopfner in Kassel. Bedingungen gegen portofreie Einsendung von 2 M , die zurückerstattet werden, zu beziehen von Hrn. Rech- nungsrth. Horst in Kassel, Sternstr. 10. Ueber die Höhe der Preise usw. ist noch nichts gesagt. Wir kommen nach Einsicht in die Bedingungen auf den Wettbewerb noch zurück. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung künstlerischer Wandbilder erlassen die Vereinigung „Die Kunst im Leben des Kindes“ und die Amelang’sche Kunsthandlung in Berlin zum 15. Aug. 1903 für alle Künstler deutscher Zunge. Es gelangen ein I. Preis von 1000, ein II. von 500 und zwei III. von je 300 M. zur Vertheilung. Ein Ankauf nicht preis¬ gekrönter Entwürfe ist Vorbehalten. Verlangt werden Ent¬ würfe in der Bildgrösse 70 — xoo cm, die zur Wiedergabe in farbiger Steinzeichnung höchstens 6 Platten beanspruchen. Ein Preis ausschreiben betr. den Entwurf eines Kandelabers erlässt der Magistrat zu Charlottenburg mit Frist zum 15 Mai d. J. Es gelangen ein Preis von 150, zwei Preise von je 75 und vier Preise von je 50 M. zur Vertheilung. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für einen Wittelsbacher-Brunnen in Passau, auf dem Resi¬ denzplatze zu errichten, wird für in Bayern lebende Künstler erlassen werden. Zur Vertheilung gelangt eine Preissumme von 2500 M. — Entwürfe für den Einband der Zeitschrift „Die Graphi¬ schen Künste“ werden von der „Gesellschaft für verviel¬ fältigende Kunst in Wien“ zum Gegenstände eines Wett¬ bewerbes gemacht. Es gelangen 2 Preise von 400 ,und 200 Kr. zur Vertheilung. — Wettbewerb Kaiser Wilhelm - Akademie Berlin. Die Ausstellung der Entwürfe des Wettbewerbes zum Neubau der Kaiser Wilhelm-Akademie findet vom Donnerstag, den 16. bis Donnerstag, den 30. d. Mts., in der Aula der jetzigen Kaiser Wilhelm- Akademie, Friedrichstr. 140 in Berlin, werktäglich von 10—4 Uhr statt. — Personal-Nachrichten. Preussen. Dem techn. Leiter der Verwaltung der märk Wasserstrassen Geh. Brth. Teubert in Potsdam ist der Char. als Ob. -Brth. mit dem Range der Ob.-Reg.-Räthe verliehen. Der Geh. Brth. u. vortr. Rath Germeimann im Minist, der öffentl. Arb. ist z. Geh. Ob -Brth. ernannt. Versetzt sind: die Reg.- u. Brthe. Lohmeyer in Arnstadt, als Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. nach Frankfurt a. M., Gustav Wegner in Düsseldorf als Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. nach Breslau, Haas in St. Joh.-Saarbrücken als Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. nach Berlin, Kirchhoff in Frankfurt a. M. als Mitgl. (auftrw.) der kgl. Eisenb.- Dir. nach St. Joh. Saarbrücken, Eckardt in Bromberg als Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. nach Posen, Wambsganss in Frankfurt a. O. als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. 1 nach Berlin und Fr eye in Magdeburg als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. nach Arnstadt; die Eisenb.-Dir. Alfr. Meyer in Kattowitz als Mitgl. der kgl. Eisenb -Dir. nach Breslau und Schayer in Breslau als Vorst, der Eisenb.-Masch.-Insp. nach Frankfurt a. M. ; die Eisenb.-Bauinsp. Detzner in Kassel zur kgl. Eisenb.-Dir. in Magdeburg, Kucherti in Stolp als Vorst, der Eisenb -Werkst.- Insp. nach Arnsberg, Karl Müller in Arnsberg nach Bromberg als Vorst, einer Werkst.-Insp. das., Rosenthal in Altona als Vorst, der Eisenb.-Masch -Insp nach Stolp, Grund in Berlin als Vorst, (auftrw.) der Masch.-Insp. 1 nach Breslau, Kleimenhagen in Breslau nach Kassel, als Vorst, (auftrw.) einer Werkst.-Insp. das., Staehler in Posen als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.-Masch.- Insp. nach Ostrowo und Ritze in Berlin als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.-Masch.-Insp. nach Bremen. Die Reg.-Bmstr. Nebelung und B 1 e i s s in Königsberg als Vorst, der Eisenb.-Bauabth. 1 und 2 nach Heilsberg; Holland in Prechlau und Wolfhagen in Kattowitz in den Bez. der kgl. Eisenb -Dir. in Königsberg i. Pr. ; Tesnow und Ihlow in Breslau in den Bez. der kgl. Eisenb.-Dir. Posen bezw. Erfurt. Brief- und Fragekasten. Hrn. P. S. in Halle a. S. Die Prüfung als Baugewerksmeister vor einer Innung, die allein zur Führung des Titels „Maurermeister“, „Zimmermeister“ berechtigt, setzt nicht die Absolvierung einer Bau¬ gewerkschule voraus. Anfragen an den Leserkieis. Wie war die alte Mailänder Bauelle (Braccia = 594,9 mm) ge- theilt, d. h. wieviel Once (Zoll) und Punte (Linien) enthielt sie? Inhalt: Zur Baugeschichte des Heidelberger Schlosses. — Ausstellung architektonischer Entwürfe in Hamburg — Vermischtes. — Preisbewer¬ bungen. — Personal - Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. — Verband deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. An die Einzelvereine ! _ , , . , . , Dresden-Berlin, den 31. März 1903. Bereits auf der Abgeordneten- Versammlung in Bremen 1900 hat die „Vereinigung Berliner Architekten“ den Antrag gestellt, die von der Abgeordneten- Versammlung in Rothenburg o. Tbr. 1897 angenommenen „Grundsätze für das Verfahren bei Wettbewerben“ einer Durchsicht zu unterziehen, da diese nicht allen Anforderungen genügten und verbesserungsbedürftig seien. Es ist diese Angelegenheit damals jedoch mit der Begründung zurückgestellt worden, dass es nicht zweckmässig sei, an den vor so kurzer Zeit aufgestellten Grundsätzen schon wieder zu rühren. Die Vereinigung hat nunmehr ihren Antrag wiederholt, da sich in der Zwischenzeit gezeigt habe, dass sich aus der jetzigen Abfassung der Grundsätze in einigen Punkten Unzuträglichkeiten ergeben. Es ist ferner der Antrag gestellt worden, den bestehenden Verbands- Ausschuss zur Wahrnehmung der Wett¬ bewerbs-Grundsätze mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Vorlage für die diesjährige Abgeordneten- Versammlung in Dresden zu betrauen. Der Verbands-Vorstand hat diesem Anträge stattgegeben, es wird also diese Frage auf die Tages¬ ordnung der diesjährigen Abgeordneten-Versammlung gesetzt werden. — Der Verbands-Vorstand: Waldow, Vorsitzender. F. Eiselen, Geschäftsführer. Es wird erneut darauf aufmerksam gemacht, dass der durch die Abgeordneten-Versammlung in Königs¬ berg i. Pr. 1901 gewählte, aus Mitgliedern des „Architekten- Vereins zu Berlin“ und der „Vereinigung Berliner Archi¬ tekten“ gebildete „Ausschuss für die Wahrnehmung der Wettbewerbs-Grundsätze“ bei Erfüllung seiner Aufgabe auf die Unterstützung der Fachgenossenschaft angewiesen ist. Mittheilungen über Verstösse gegen die Wettbewerbs-Grund¬ sätze sind an den Ausschuss zu Händen des Geschäftsführers des Verbandes zu richten. — Der Geschäftsführer: F. Eiselen. No. 30. 196 _ EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 31. * DEN 18. APRIL 1903. * stsjsssrsrsrstsrÄsrststssr Die gleislose elektrische Bahn bei Grevenbrück 1. Westf. Abbildung 2. Das Burschenschafts-Denkmal in Eisenach. Architekt; Wilhelm Kreis in Dresden. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 200 u, 201.) as Burschenschafts-Denkmal hat seine Ge¬ ll b&Ih schichte; wir können an dieser Stelle nur H spi i in Umrissen ihren Verlauf schildern. Nach- jjjjhjyjk^ dem sich die aktiven Burschenschaften 1881 zu - Eisenach in einen „Allgemeinen Deputierten- Convent“ zusammengeschlossen hatten, und nach dem Erscheinen der „BurschenschaftlichenBlätter“ am 1. Jan. 1887 die Gründung der „Vereinigung alter Herren“ aus Anlass des 75jährigen Burschenschafts- Jubiläums er¬ folgt war, wurde die Idee für ein gemeinsames Denkmal der im Jahre 1870/71 gefallenen Burschenschafter ins Auge gefasst. Ein erster Entwurf, der als Obelisk gedacht war, lag im Jahre 1890 vor. Er stammte von dem verstorbenen Berliner Bildhauer Paul Heisler. Als Ausführungssumme wurden 150 000 M. statt der anfangs bewilligten 25 000 M. gefordert, und das war neben der Platzfrage der Grund seines Scheiterns. Das Denkmal war auf dem Metilstein in Aussicht genommen, der, wie sich später herausstellte, als Fideikommis einer alten Eisenacher Familie unveräusserlich war. Nach einer mehrjährigen Pause gerieth im Jahre 1894 die Denkmalfrage wieder in Fluss und man wusste den damaligen Grossherzog Karl Alexander von Sachsen- Weimar für die Angelegenheit zu erwärmen. Der spätere Gedanke des Denkmaies war aber noch nicht zur vollen Klarheit durchgedrungen; eine Aenderung zum ursprünglichen war aber insofern eingetreten, als das Denkmal nun auch dem Andenken der um die Wiedererrichtung des deutschen Reiches verdienten Männer gewidmet sein sollte. Nach dieser Richtung hin entwarf Reg.-Bmstr. Zeyss den zweiten Entwurf. Am 8. Juni 1897 fand die Grundsteinlegung zu dem Denkmal auf dem Wartenberge (Wotansberge) bei Eisenach statt. Nur zu bald erwies sich jetzt dem neuen Denkmalverein, der sich unterdessen gegründet hatte, die Unausführ¬ barkeit des Zeyss’schen Entwurfes auf dem langge¬ streckten, unbewaldeten Rücken des Wartenberges, und der neue Denkmalverein sah sich gezwungen, von einem Weiterbau abzusehen und statt des Wartenberges die Göpelskuppe, eine hervorragend geeignete Anhöhe, in Aussicht zu nehmen. Das Gelände und die Zu- fahrtstrassen wurden in freigebiger Weise von den Erben des Hrn. Dr. Bornemann zur Verfügung gestellt. Die Stadt Eisenach bewilligte 4000 M. für die Her¬ stellung der Denkmalstrasse. Unterdessen mehrten sich die Bedenken gegen den Zeyss’schen Entwurf wegen der allzuhohen Kosten. Zu einer endgiltigen Beseitigung trug aber der Wunsch des Grossherzogs Alexander bei, dem die Aehnlichkeit 197 der Silhouette mit der der Wartburg nicht angenehm erschien. Jetzt, Pfingsten 1899, wandte man sich an Kreis, der durch seine Bismarcksäulen auch die Aufmerksamkeit der Laienwelt erregt hatte. Im Jahre 1900 lag der reife Entwurf vor; er wurde auf der deutschen Bau-Ausstellung in Dresden mit der grossen Staats-Medaille ausgezeichnet. Im Herbst desselben Jahres wurde mit den Grün¬ dungsarbeiten begonnen, und da stellte sich heraus, dass der Baugrund nicht durchweg ein felsiger war, sondern gerade an dieser Stelle einen tiefen, mit Thon ausgefüllten, etwa 15 m breiten Spalt aufwies. Durch Hinzuziehung von Prof. Böhm wurde die Konstruktion so gelöst, dass man in doppelter Lage T-Träger stern¬ förmig in einen Betonklotz einlegte, sodass dieser sich wie eine Brücke über den Spalt spannte. Diese Beton¬ schicht hat eine Dicke von etwa 2m, auf ihr ruhen die Fundamente der Säulen mit einer Höhe von 3m. Zu diesen Schwierigkeiten gesellten sich im Früh¬ jahr 1902 weitere. Durch die ungenauen alten Gelände- Aufnahmen hatten sich die, für die Terrassen ange¬ nommenen 4m hohen Futtermauern als zu niedrig er¬ wiesen, und es hätten anstelle dieser 7m hohe treten müssen. Die ganz erhebliche Vertheuerung der Anlage durch diesen unvorhergesehenen Zwischenfall und die durch die gesteigerte Höhe der Futtermauern sich erge¬ bende plumpe Wirkung, machten es nothwendig, die Terrassen in ihrer Ausdehnung einzuschränken, die dann auch noch wegen unangenehmer Ueberschneidun- gen tiefer gelegt werden mussten. Bis Novenfber 1901 war der Bau bis zur Krone hochgeführt und nun hiess es, die Arbeiten im Kuppel¬ bau so zu beschleunigen, dass der Termin Pfingsten 1902 auch innegehalten wurde. Es glückte. In inni¬ ger Uebereinstimmung arbeiten Architekt, Maler und Bildhauer nebeneinander. Die Malerei der Kuppel war durch die Eigenart der Konstruktion bedingt; es ist eine von Gussmann entworfene Götterdämmerung. Die 9 Pfeiler, die in das Gewölbe einschneiden, und die Stürze der 9 schmalen Fenster, mit farbigen Opal¬ und Kathedralgläsern in Form von Edelsteinornamen¬ ten geziert, bilden abwechselnd den Uebergang an den Wänden zur Kuppel. Der obere Theil der Pfeiler ist ebenfalls auf Goldgrund gemalt und bildet 9 von Adlerpaaren bereihte Thore, die in massiger, ruhiger Form die Monumentalität des Raumes steigern. Der Goldgrund ist mit dem Hammer geschlagen. Vor den Pfeilern stehen auf einfachen kubischen Postamenten im Hochrelief herauswachsende 2,7 m hohe Figuren, die mit Tafeln für die 87 im Kriege gefallenen Burschenschafter abwechseln. Die Statuen Kaiser Wilhelms I. und Roons sind von dem Bildhauer Selmar Werner, die Statuen Moltkes und Bismarcks stammen von August Hudler, beide in Dresden, während die Figur des Grossherzogs Karl August von Weimar ein Werk des Berliner Bildhauers Hosaeus ist. Die Ein¬ gangsthür ist von Prof. Karl Gross modelliert und stellt auf der Aussenseite eine Art Schild dar, mit einem aus Zinn getriebenen schreckhaften Kopf eines Riesen. Der ganze Bau kostet 190000 M. alles in allem; der kubische Inhalt beträgt rd. 5000 cbm, sodass 1 cbm auf etwa 38 M. kommt. Das Material ist Kalkstein, reichhaltig an Infusorien und Muscheln, sowie Quarz¬ adern aus der Gegend von Meiningen und Ebenhausen. Die HintermauerungTesteht für die Mauern aus Stampf¬ beton, für das Gewölbe aus Ziegeln in verlängertem Zementmörtel. Die Maurerarbeiten sind von Gustav Klein in Eisenach. Die Bildhauerarbeiten für den figürlichen Theil von Martin Pietsch in Dresden, für den ornamentalen von J. Esche in Sonneberg. Die Säulen haben bei einem Durchmesser von 2,25 m eine Höhe von fast 17 m; auf ihnen ruht der 3 m hohe wuchtige Architrav, in welchem mit Riesen¬ lettern die Worte: Freiheit, Ehre, Vaterland einge¬ graben sind. Die ganze Höhe des Denkmales beträgt 33,5 m, mit dem Plateau, das von einem 5m hohen Pfeilerkranz halbkreisförmig umgeben ist, 36 m. Die Halle hat einen Durchmesser von 9,5 und eine Höhe von 12 m. - Von dunklen Tannen heimlich umrauscht, auf der Kuppe eines Hügels gegenüber der Wartburg, das ist der Platz des deutschen Burschendenkmales. Gegen¬ über der Wartburg ein Denkmal für das geeinte Deutsch¬ land, für seine gefallenen Söhne. Welche Zeiten mächtigen Ringens, des Nieder¬ ganges und des Aufstieges germanischen Geistes um¬ fassen jene räumlich so nahe gelegenen Denkmäler. Es ist, als ob die Kultur den Germanen noch jenen tiefen Zusammenhang mit der Natur gelassen hat, der sie befähigt, die Natur unmittelbar in sich aufzunehmen, ihre Räthsel zu versinnlichen, das Murmeln der silber¬ klaren Quelle zu deuten, mit Waldschrat und Elfchen gut Pakt zu halten oder in dem steigenden Nebel die langen wehenden Gewänder des Hexengrausens zu spüren. Bricht dann aber die Sonne mit siegender Gewalt durch, dann ist der ganze Spuk vorüber, die freie Vernunft schwingt sich zu den lichten Höhen, in denen nur der Gedanke thront: aus dem deutschen Poet ist der deutsche Denker geworden. Dieser wundersame Zusammenhang zwischen dem feinen Unfassbaren, das der Germane überall fühlt, zwischen Baum und Strauch, wie am Hügel und im Thal, ob es um den Brocken zieht oder im tiefen Berginneren haust zwischen dergestaltenden Sehnsucht nach den räthselhaften Kräften in der Natur der Mensch¬ heit, und dem klaren Erkenntnisstriebe im siegenden Lichte des Tages, wer findet ihn nicht in unserem Denkmal wieder? Wem erzählt nicht dieser germanische Tempel irgend etwas Geheimnissvolles von trutziger Kraft, von Göttern und Helden, von Kampf und Tod? Wen packt nicht die klar erfasste und logisch durch¬ geführte Bauidee? Wie oft versagt da das Wort. Die Begriffe, die da rekonstruieren wollen, konstruieren zwar, aber dort, wo die Stimmung beginnt, wo sich die schöpferische Phantasie aus der Tiefe des Werdens ihren stummen Zauberspuk mitreisst, dort versagt die Stimmung des Wortes. Versuchen wir einmal den Elementen dieser Stimmung nachzugehen bis zu jener Grenze, an welcher das Reich der schöpferischen Natur hier be¬ ginnt. Denken wir uns die Kuppel und die Fenster¬ zwischenwände entfernt, dann sehen wir eine Art dorischen Rundtempels vor uns, aus dem uns ein feier¬ licher und doch trauter Ernst, monumentale Ruhe und urwüchsige durch die Form gebändigte Kraft entgegenwehen; zwischen den Säulen stiehlt sich der Himmel hindurch und das Auge, durch keinerlei Richtungszwang behindert, schweift in jene blauen Ewigkeiten, die sich hinter dem Tempel ausbreiten. Der Wind zieht durch das Innere und mit ihm die germanischen Gottheiten aus Wald, Feld und Luft, ln uns steigert sich die Empfänglichkeit für das ge- heimnissvoll Unfassbare, die ersten Fäden spinnen sich von der Brust zum Bauwerk, die Sehnsucht ist er¬ reicht; ohne vorerst an einer Idee emporzuranken. Das wird mit einem anders, sobald die Kuppel aufgesetzt, die Fenster eingefügt werden. Das Auge, das sich nicht mehr durch die Säulen hindurch in die Unendlichkeit verlieren kann, erhält eine energische Bewegungsrichtung nach oben, und dort mit dem immer nach Deutung suchenden Verständniss sein ästhetisches Ziel, seine sinnliche Erläuterung in den Künstler- und Heldenköpfen, in den Adlern, in der alles beherrschenden Kaiserkrone. Während in uns vordem der neutrale Tempel¬ bau die Stimmung für das All vorbereitet, — und wir erkennen vielleicht hierin die wunderbare vollsaftige Harmonie griechischer Kunst — , erhebt uns hier, ohne zu trennen, die beherrschende Idee über jene untrenn¬ bare Naturstimmung, und gibt uns mit dem Sinnbild die Idee, die alle Deutschen umlängt: die des geeinten Vaterlandes. Der heidnische Tempel verschwindet, die germanische Gedenkhalle erscheint; um uns aber duftet der Tannenwald und der Schauer des Geoffen- barten ergreift uns bei der menschlichen, wie bei der göttlichen Schöpfung. So vorbereitet, betreten wir das Innere. Als der Architekt zum ersten Male die Halle abgerüstet sah, No. 31. 198 war er tief ergriffen. Durch die langen schmalen Fenster fällt grünlich-blaues Licht auf den grau-grünen Fussboden. Durch die schmalen Lichtbündel hindurch schimmert magisch der tiefe Goldgrund des Decken¬ gemäldes, brechen sich die rauschenden Farbenakkorde desselben. In dieses magische Lichtmeer schieben sich die grauen Steinpfeiler mit den Hochreliefs und Tafeln und geben in diesem ahnungsvollen Lichtzauber feste Ruhepunkte. Bis zu der Höhe, bis zu welcher das Auge dieses Helldunkel noch beherrscht, es sind hier rd. 6 m, reichen die plastischen Arbeiten. Von da ab geht dem Auge der plastische Reiz verloren, das Gebiet der Farbe beginnt und zwar schon an den Pfeilerenden, die wunderbar kraftvoll ohne Uebergang sich in das Gewölbe einschneiden. Ihre Mission der Gliederung ist erfüllt, noch setzt aber nicht die volle malerische Erfindung ein, noch herrscht vermittelndes architektoni¬ sches Empfinden. Eine Reihe monumental entworfener Adler krönt die Pfeilerendigungen. Jetzt beginnt das Reich des Malers, und wir verlieren uns durch die gedämpften Farbengluthen in die sagenhafte Ferne der Götterdämmerung. Es ist ein herrlich Lied, von dem uns da ge¬ sungen wird, von dem ewigen Kampfe des Fort¬ schrittes gegen den Rückschritt und es ist, als ob es von dort hinausklänge in das weite deutsche Land, um die Jugend wachzuhalten gegen den schleichenden Rückschritt für ihreldeale: Recht, Freiheit, Vaterland. — Berlin, im März 1903. Leo Nacht. Zur Baugeschichte des Heidelberger Schlosses. (Fortsetzung statt Schluss.) §n==f^|ie zweite These Kossmann’s lautet folgendermaassen: p! „Die sogen. Merian’schen Giebel, bezw. die beiden - grossen Quergiebeldächer, waren thatsächlich vor¬ handen; sie sind eine spätere Zuthat von zweifelhaftem künstlerischen Werth gewesen“. Der erste Theil dieser These stimmt mit unserer eigenen Ansicht, für den zweiten Theil hat der Verfasser keinerlei Beweis erbracht. Der Hauptsache nach be¬ hauptet er, die Giebel hätten in der Mitte bis auf die jetzt noch bestehenden obersten Gesimse heruntergereicht, zur Begründung benutzt er die längst bekannten Abbildungen; er konstruiert sich daraus ein Modell, wie er sich die Giebel denkt, und hält diese — seine — Giebel für eine wenig erfreuliche Kunstleistung, mit welcher Ansicht wir vollständig übereinstimmen. Der ganze Abs. II, welcher die These II beweisen soll, ist uns in seiner Gedanken¬ folge nicht klar geworden, wie wir gern gestehen. Wir müssen uns begnügen, die einzelnen Behauptungen zu prüfen und dem Leser von Kossmann’s Broschüre es überlassen selbst zu entscheiden, was für die Sache För¬ derliches dann übrig bleibt. Kossmann sagt S. 13 und S. 14, man könne aufgrund der Schlossaufnahme von Koch und Seitz die Perspektive der Merian’schen Stiche nachkonstruieren und finden, dass dieselbe richtig ist. Betrachten wir jetzt nur die Nord¬ ansicht als die wichtigere von beiden, so hat der Verfasser offenbar sich nicht bemüht, die Perspektive wirklich zu konstruieren, sonst müsste er gefunden haben, dass die gegenseitige Lage derThürme sowie die Lage des Glocken- thurmes zum Otto Heinrichsbau nicht stimmt. Es ist dies auch ganz natürlich, denn wie sollte ein Maler oder Zeich¬ ner auf den Gedanken kommen, einen so zusammenge¬ würfelten Gebäudekomplex mit unzähligen Fluchtpunkten nach Bauplänen konstruieren zu wollen, wenn er ihn ein¬ fach nach der Natur abzeichnen kann. Nach aussen ver¬ breitern sich die Merian’schen Stiche gegenüber einer per¬ spektivischen Konstruktion, sonst sind sie bei der grossen Entfernung ausserordentlich treue Zeichnungen nach der Natur, wenn man nicht Dinge verlangt, die nicht einmal auf der Photographie zu sehen sind. Einzelheiten, wie Giebel¬ umrisse u. dergl., hat Merian eben gezeichnet wie er sie aus der Entfernung sah. Am Friedrichsbau- und Otto Hein¬ richsbau-Giebel sind sie ganz gleichartig, obwohl sie für den Friedrichsbau, wie wir ja leicht feststellen können, nicht genau getroffen sind. Ferner sagt Kossmann S. 14, die richtige Lage des Hauptgesimses über der Hofebene er¬ gebe sich aus der Perspektive. Die Hofebene sieht man auf den Stichen nicht, der Hof ist überhaupt keine Ebene. Wohl aber kann man die Lage des jetzigen obersten Gesimses mit den Gurten am Glockenthurm vergleichen. Das Gesims H (siehe Skizze) am Thurm liegt nahezu auf einer Höhe mit dem oberen Gurt am Otto Heinrichsbau, dazu stimmt der Stich. Es ist aber nicht das Gesims g, wie Kossmann offen¬ bar annimmt, sondern das Gesims Gr. Des Verfassers Irrthum kommt zweifellos daher, dass er einen ganz schlech¬ ten Stich seinen Betrachtungen zugrunde legt, und zum Unglück für seine Untersuchungen ist sein Stich gerade an den wesentlichen Punkten unscharf. So kommt es, dass er den Giebelanfang um ein ganzes Geschoss zu hoch sucht, und dass er bei C am Gläsernen Saal ein Thurm¬ dach sieht, wo doch ganz deutlich ein kleines Satteldach in der Kehle zwischen Gläsernem Saal und Otto Heinrichs¬ bau gezeichnet ist. Wir geben nebenstehend eine Skizze nach dem Stich in der städtischen Sammlung (stimmt genau mit demjenigen auf der Universitätsbibliothek); ganz sicher erkennen wir daraus, dass der Giebelfusspunkt in der Mitte ein Geschoss höher liegt als an den seitlichen Anfallpunkten. 18. April 1903. Das Aquarell in dem Darmstädter Thesaurus picturarum aus der Zeit der Erbauung des Friedrichsbaues ist in den meisten Theilen unrichtig, sowohl nach Zeichnung als nach Inhalt. Für den Otto Heinrichsbau sieht man nur, dass der eine sichtbare Giebel mit seiner Mitte über der Figuren¬ nische steht; Haupt hat aber auch festgestellt, dass die Giebel sich ein Geschoss höher trafen (Haupt S. 65). Wollte man aber die Zuverlässigkeit des Bildes doch behaupten, so würde sich die Sache ganz anders darstellen, wie Koss¬ mann meint. Nach dem Bild stehen vom Friedrichsbau zwei Stockwerke, und die Oberkante des Fassgebäudes liegt mit jenen in einer Höhe. Ist dies richtig nach der Natur gezeichnet, so liegt der Standpunkt des Beschauers so tief, dass der hinter dem Friedrichsbau erscheinende Otto Heinrichsbau erst von der Oberkante des Oberge¬ schosses an sichtbar sein könnte. Was auf dem Bilde sichtbar ist, gehörte alles zu den Giebeln. Die These III: „Diese Giebel wurden vor Beginn des 30jährigen Krieges auf Geheiss des Kurfürsten Friedrich V. durch ein Längsdach mit Zwerchgiebeln ersetzt“, ist ebenso kühn aufgestellt, wie die übrigen beiden und ebenso wenig bewiesen. Kossmann weiss auch hierfür keine neue Quelle namhaft zu machen, und wir halten ihm nur entgegen, die Abbildungen Merian’s sind 1620 datiert. Auf derjenigen von Norden her erscheinen alle Veränderungen, die von Friedrich V. am Schlosse geschahen. Das Rondell auf dem Strassenwall hat kein Dach mehr, die Zinnen sind Balustraden gewichen, der Frauenzimmerbau ist verändert. An der Terrasse, die Salomon de Caus gebaut hat, wird gerade gearbeitet, und im Dezember 1619 sagt Caus, dass das Ganze in 6 Monaten vollendet gewesen wäre. Der dicke Thurm hat schon seine Fenster mit den Stein¬ kreuzen, der Gurt, der früher in halber Fensterhöhe lag, ist nicht zu sehen. Die Veränderung aber wurde laut Inschrift am Thurm 1619 fertig, der Text von Merian, Ziffer 3, bestätigt dieses Ereigniss. Im Oktober 1619 zog Friedrich in Prag ein und baute nicht mehr am Schloss. Wir sehen auf den Merian’schen Bildern alle, auch ver- hältnissmässig kaum in die Erscheinung tretende Verände¬ rungen, die von Friedrich V. herrühren. Der Zeichner sollte die sich alsbald aufdrängende Veränderung am Otto Hein¬ richsbau ausgelassen haben, das ist doch unglaublich!*) — *1 Kossmann hat soeben eine Fortsetzung oben besprochener Schrift erscheinen lassen. Sie ist uns gänzlich unverständlich, offenbar deshalb, weil er über uns völlig unbekannte neue Quellen verfügt, wir erwarten deshalb seine in Aussicht gestellten Beweise. 199 Hr. Prof. Dr. A. Haupt von der techn. Hochschule in Hannover unternimmt in seiner Schrift „Zur ßaugeschichte des Heidelberger Schlosses“ (Frankfurt a. M., H. Keller 1902; vergl. D. ßztg. 1902, S. 346, 434, 442) den Nachweis zu führen, dass der Fassade des Otto Heim'ichsbaues ursprüng¬ lich ein anderer Bauplan zugrunde gelegen habe, von dem die tbatsächliche Ausführung in ganz wesentlichen Dingen abgewichen sei. Von vornherein wollen wir sagen, dass wir in der Schrift Vieles mit grossem Interesse gelesen haben. Dem Gedanken, dass der Einfluss Peter Flötner’s vielleicht inbetracht käme, wüssten wir an dem Bau selbst keiner¬ lei Thatsache entgegenzusetzen, er deckt sich ganz mit un¬ serem Formgefühl; es wäre eine kunstgeschichtlich schöne Sache, wenn es gelänge, einen eindeutigen Beweis für die Betheiligung Flötner’s am Otto Heinrichsbau zu erbringen. Ebenso sind die literarischen Nachweise zur flandrischen Kunst und deren Einfluss auf den Bau für Jeden, der sich nicht selbst genauer mit dem Stoff befassen kann, von grösstem Inter¬ esse. Auch gegen den Eingangs ausgesprochenen Hauptgedanken Haupt’s haben wir an sich nichts einzuwenden; es ist uns ganz be¬ greiflich, dass der Bauplan für unsere Fassade so lange und so oft umgearbeitet wurde, bis er dem Bauherrn und dem Künstler gefiel. Für die Wiederherstellung haben diese Betrachtungen und ihre versuchte Begründung kei¬ nerlei Werth, weil Ilaupt selbst (S. 55) zugibt, dass die Verände¬ rung des Bauplanes schon vor der Ausführung des Erdgeschosses, wo die Kunstformen erst beginnen, stattgefunden habe. Wir hätten deshalb die Arbeit dem ästhetisch¬ kunsthistorischen Leserkreis über¬ lassen, uns selbst aber, wohl mit dem Beifall Haupt’s, darüber freuen können, dass dem unglück¬ lichen ersten Planfertiger, der, aus Ferrara kommend, uns anstelle unseres Otto-Heinrichsbaues eine missverstandene, gar nicht in die deutsche Kunstempfindung passende, sogar dreistöckige Nachahmung des schönen Pa¬ lazzo Roverella hinterlassen woll¬ te, gleich von Anfang an das Handwerk gelegt wurde. Wir folgen den stilvergleichenden Erörterungen Haupt’s nicht; auch auf seine Auslegung des Vertrages mit Colin lassen wir uns nicht ein, denn wir könnten dem uns be¬ kannten Dutzend von Auslegungen, von denen jede die richtige zu sein beansprucht, höchstens eine weitere bei¬ fügen. Wegen der alten Abbildungen verweisen wir auf das gegen Kossmann Angeführte. In Abbildg. n gibt Haupt in farbiger Unterscheidung die drei von ihm als verschieden erkannten Architektur- theile. Zunächst haben wir festzustellen, dass die ganze Fassade, abgesehen von den obersten Theilen, im Werk¬ steinverband errichtet ist, dessen neuere Steine zumtheil ganz durch die Fassade gehen. Das Steinmaterial ist ganz gleichmässig an Korn, Farbe und Oberflächenbehandlung, so dass jeder Unterschied alsbald bemerkt werden müsste. Haupt (S. 37) „möchte glauben, dass die Vorderseiten der 2 Hauptpfeiler(Thürgewände) sowie zweiFigurenpostamente nicht von Colin stammen, sondern älter sind“, und behauptet weiter: „Unleugbar ist, dass eine der vier männlichen Karyatiden von ganz anderer Hand und Art ist, als die drei übrigen, die den vlämischen Charakter nicht verleugnen kön¬ nen: — Jene vierte Figur (letzte links) trägt ein kleineres Kapital und zeigt monumentalere Behand¬ lung des Haares, gegenüber der prächtigen Lockenfülle der übri¬ gen Figuren. Die ganze Figur ist nicht unerheblich länger als die übrigen, kann also nicht später überarbeitet sein“ usw. Alle vier Postamente samt den angearbei¬ teten Thürpfosten sind im besten Quaderverband. An jedem Posta¬ ment hängt ein Theil der Zwi¬ schenfüllung, deren Mittelstück im Verein mit den an den Posta¬ menten hängenden Steintheilen ein über die Fugen laufendes Relief tragen. (Vergl. Koch & Seitz, Taf. 3). Die Figur links ist in allen Formen den übrigen drei ganz gleich. Das Kapital ist kleiner, der Kopf 5rm weniger tief als die der anderen, die Haarbe¬ handlung unglaublich roh und un¬ geschickt. Wir nahmen früher an, dass der Kopf später über¬ arbeitet sei, heute, nachdem die Das Burschenschafts-Denkmal in Eisenach. Architekt: Wilh. Kreis in Dresden. Haupt will durch Form Vergleichung und durch Fest¬ stellungen an der Fassade selbst drei deutlich zu unter¬ scheidende, stilistisch verschiedene Gruppen von Archi- tekturtheilen erkennen. Eine erste, die dem Urheber des ersten Planes, wahrscheinlich dem Anthonj, zugehört, eine zweite, die den Abänderer des ersten Planes, Colin, zum Urheber hat, und eine dritte, die, glatte Arbeiten um¬ fassend, von einheimischen Handwerkern herrührt. Auch hiermit könnten wir einverstanden sein, obwohl wir die Meinung haben, dass die an demMaass strenger italienischer Formen gemessenen Sonderarbeiten eben in der naiven Art, wie die italienische Renaissance von den deutschen Künstlern verstanden wurde, genügende Erklärung finden. Wenn aber Haupt an dem Bau selbst erkannt haben will, dass eine Anzahl Arbeiten nach dem ersten Plane bereits fertig lagen (S. 43) und im fertigen Zustand schlecht und recht in der Ausführung des neuen Planes Aufnahme fanden, so müssen wir dieser Annahme widersprechen. Verwitterung fortgeschritten, sieht man, dass der ganze Kopf später eingesetzt ist; ein Theil der „prächtigen Lockenfülle“ ist, nachdem jetzt der verdeckende Mörtel abgefallen ist, wohlerhalten auf den Schultern zu sehen. Bis , zur Schulterhöhe ist die Figur den übrigen gleich, durch Einsetzen des Kopfes ist sie ganz unerheblich (1 cm) höher geworden. Die Fensterfriese und die Gie¬ bel-Verdachungen im Erdgeschoss hält Haupt (S. 43) für einen Beleg, dass Bildhauerarbeiten nach dem er¬ sten Plan fertig lagen, und zwar deshalb, weil zwischen Verdachung und Dreiecksgiebel unten ein schmales Längsstück eingeschoben ist (siehe Koch & Seitz, Taf. 21). „Diese eingeschobenen Flickstücke beweisen Nachfol¬ gendes: zuerst, dass auch die acht Spitzgiebel schon fertig waren, als ihre jetzige Stelle beschlossen wurde, sodann dass sie für diese zu niedrig waren und dass ihnen ursprünglich ein anderer Platz bestimmt war. Die¬ ser kann nur der über den Fenstern im ersten Oberge- No. 31. 200 schoss gewesen sein.“ Auf Abbildg. 26, S. 51 zeigt Haupt, wie er dies eben Gesagte verstan¬ den haben will. Er nimmt an, dass die Spitzgiebel an der äussersten Ausladung mit der wagrechten V erdachung im I. Ober¬ geschoss bündig hätten kommen sollen. Sicher ist, dass die Giebelbil¬ dung mit dem bekann¬ ten Schema nichts zu thun hat. Die Ausla¬ dung der wagrechten Verdachungen in allen Stockwerken beträgt etwa 21 cm, die Aus¬ ladung des Giebel¬ rahmens 13 cm. Die längste Seite des Drei¬ ecks liegt auf der wag¬ rechten Verdachung und ist gerade so lang wie diese an ihrer äussersten Ausladung. Das eingeschobene Zwischenstück springt darüberhinaus. Wären nun die Giebel für das 1. Obergeschoss bestimmt gewesen fort, nachdem er die Wirkung und dort auf eine wagrechte Verdachung mit gleicher (13cm) vorgenommen hätte. — 18. April T903. Ausladung gekommen, (Haupt, Abbildg. 26) so hätte das Fenster und der Fensterfries um (21 — 13) 2 = 16 cm brei¬ ter, bezw. der Fries länger sein müssen, als dies jetzt der Fall ist. Ausserdem passen die Friese auch in der Dicke so zu dem jetzi¬ gen Fenster mit seiner profilierten Rückseite, dass eine von der jetzigen abweichen¬ de Gestaltung nicht glaublich erscheint. Das Zwischenstück er¬ klären wir naturge- mäss damit, dass ohne dieses Stück das Re¬ lief in den zurücklie¬ genden Giebeln von der weit ausladenden wagrechten Verdach¬ ung verdeckt worden wäre, Grund genug, dass ein erfahrener Künstler gleich bei der Planlegung, ein unerfahrener aber so- jesehen, die Erhöhung (Schluss folgt). 201 Die gleislose elektrische Bahn bei Grevenbrück i. W. iq|i||jon den Kalksteinbrüchen bei Grevenbrück i. W. bis y® zu dem gleichnamigen Bahnhofe steht etwa seit Mitte pyftyj Februar d. J. eine von Hrn. Ing. Stobrawa in Köln a. Rh. nach dem Schiemann’schen System erbaute elek¬ trische gleislose Bahn in Betrieb, um Kalksteine aus den genannten Brüchen am rechten Ufer der Lenne auf der die Lenne mittels einer viele Jahrhunderte alten gewölbten Brücke überschreitenden Provinzial -Chaussee nach dem Bahnhofe auf eine Länge von rd. 1,5 km zu fördern. Die Strom-Zu- und Ableitung erfolgt mittels doppelter Oberleitung, bestehend aus zwei Hartkupferdrähten von je 70 q®1“ Querschnitt, die mit einem Abstand von 0,50“ in 5,^0 m Höhe über der Fahrbahn der Chaussee durch 30 bis 35 m von einander entfernte Auslegermasten getragen werden. Der Strom wird aus einer in Privatbesitz be¬ sitzen eine Felgenbreite von 0,15 m; dazu 6 Anhängewagen im Gewichte von je 2000 kg, mit einer Tragfähigkeit von je 5000 kg, mit einer Radfelgenbreite von 0,12 m und einem Preise von je 1375 M., also zusammen von 8250 M., welche ebenfalls in Abbildg. 1 schematisch dargestellt sind. Von diesen Anhängewagen dürfen nicht mehr als 2 dem Motor¬ wagen angehängt und jeder Anhängewagen darf höchstens mit 5000 kg beladen werden. Die Bremsvorrichtungen eines solchen Zuges, dessen Geschwindigkeit 6 km in der Stunde nicht überschreiten soll, sind derart ausgebildet, dass der Zug jederzeit auf höchstens 3 m Entfernung zum Stillstand gebracht werden kann. Jeder Zug wird von einem Motorwagenführer (Loko¬ motivführer) und einem Bremser begleitet. Nach vorstehenden Ausführungen entfällt für den mit Abbildg. 3. Zug im Gefälle nahe der Lenne-Brücke. findlichen elektrischen, in der Nähe liegenden Zentrale gegen eine Ent¬ schädigung von 25 Pf. für die Kilowattstunde entnommen. Er wird durch den Stromabneh¬ mer mit einem eigen¬ artig, in Gestalt einer Tülle geformten Kon¬ taktschuh mit Universal¬ gelenk dem Motorwagen (Lokomotive) zugeführt, wobei die auf einer Spi¬ ralfeder ruhende [Kon¬ taktstange es ermöglicht, dass der Motorwagen mit seinen beiden An¬ hängewagen die ganze Breite der befestigten Fahrbahn befahren kann, ohne aus der Axe der Leitungen mehr als 3 m auszuweichen, also im Stande ist, jedem Land- Schnitt A-B. Aufsicht. . 11L11 j - * - rt I Jo \i CHI) !i i„ i c ILr— c : Jrr v'-i _ c'-~r \--J 1 - - y Abbildg. 1. Motorwagen mit 2 Anhängewagen. fuhrwerke in der vorgeschriebenen Weise rechts auszu¬ weichen. Diese rd. 1500 m lange Oberleitung soll für 1 m 8 M, also imganzen 12000 M. Kosten verursacht haben. An rollendem Material ist beschafft worden: 1 Motor¬ wagen in der in Abbildg. 1 schematisch dargestellten Ge¬ stalt mit zwei Elektromotoren von je 17 P. S. im Gewicht von 5620 kg für den Preis von 10500 M.; die Räder be- 2 Personen belasteten Motorwagen ein Rad- druck von ^+-5° 4 ■ 15 = rd. 96 kg auf 1 cm der Breite der Radfelgen, während dieser spezifi¬ sche Raddruck bei je¬ dem 2000 kg schweren und mit 5000 kg be¬ ladenen Anhängewagen 2000 4- 5000 , , , - — - = 146 kg be- 4 . 12 trägt, also etwa dem Drucke auf 1 Breiten- centimeter eines Hinter¬ rades einer 18 000 kg schweren Aveling-Por- ter’schen Dampfwalze gleichkommt. Es wird von Inter¬ esse sein zu verglei¬ chen , welchen spezi¬ fischen Raddruck die schwersten Landfuhrwerke auf die Chaussee ausüben. Nach den in Westfalen geltenden Bestimmungen über die höchsten zulässigen Ladungsgewichte aus dem Jahre 1889 ergibt sich die Zusammenstellung auf folgender Seite. Es zeigt sich hiernach, dass der spezifische Raddruck der Anhängewagen denjenigen der vierrädrigen Land¬ fuhrwerke mit den grössten zulässigen Ladungsgewichten No. 3t. 202 I. Vierrädrige Wagen. Radfelgen- breite cm Mittleres Wagen- gewicht ksr Höchstes zulässiges Ladegewicht kg: Gesamt- Gewicht kg Raddruck, auf 1 cra Felgenbreite kg . 6,5-10 1500 250° 4000 154 — 100 TO — 15 2000 5000 7000 175-H7 über 15 2500 7500 10000 167 II. Z w e irädrige Karren. 6 — 10 650 I250 1900 146-95 10—15 1300 2500 38°° 190—126 über 15 1650 375° 5400 180 nahezu erreicht, dagegen erheblich unter demjenigen von zweirädrigen Landfuhrwerken (Karren) mit den zulässigen Ladungsgewichten und Felgenbreiten von über io cm ver¬ bleibt. Dass der spezifische Raddruck mit der Zunahme der durch den längeren Gebrauch der Wagen entstehen¬ den Konvexität ihrer Radfelgen-Beschläge sich vergrössert, weil auf ebener und fester Chaussee nicht das Rad mit seiner ganzen Breite zum Druck gelangt, braucht nur er¬ wähnt zu werden. Hiernach ist es ausgeschlossen, dass das rollende Material der gleislosen elektrischen Bahn der benutzten Chausse grössere Schädigungen zufügen könnte, als Landfuhrwerke mit der gesetzlich zulässigen Ladung, um so mehr, als das rollende Material der Bahn gut ge¬ federt ist, während das bei den zur Beförderung von Lasten bestimmten Landfuhrwerken nicht der Fall zu sein pflegt. Die Verwaltung der Provinz Westfalen hat in richtiger Er¬ kenntnis dieser Thatsachen keinen Anstand genommen, den elektrischen Betrieb aufgrund eines ihre Interessen wahrenden Vertrages zu gestatten. Nach letzterem sind für die Strassenbenutzung alljährlich f. d. ktn 30 M., im¬ ganzen 44,55 M. an die Provinzial -Verwaltung zu zahlen. Abbildg. 2 zeigt einen Zug beim Abgänge vom Stein¬ bruche, während Abbildg. 3 den ebenfalls beladenen Zug in der Fahrt nahe vor der einspurigen, theilweise im Ge¬ fälle von 1 : 23 liegenden Lennebrücke darstellt. Die letztere ist von dem Zuge nur mittels einer Kurve von 8 m Halbmesser zu erreichen, die aber anstandslos, wenn auch unter grösserem Stromverbrauche, durchfahren wird, da die Fahrzeuge sämtlich mit Lenkachsen ausgestattet sind. Verfasser hatte bei Besichtigung der Anlage im Februar Gelegenheit zu beobachten, dass selbst bei stark aufge¬ weichter Strasse, also unter ungünstigsten Verhältnissen, sich keine Anstände ergaben. Nachstehend sei die verkehrstechnisch jedenfalls inter¬ essante Anlage auch vom wirthschaftlichen Standpunkte aus näher erörtert, um festzustellen, ob und welche finan¬ ziellen Vortheile bei der inrede stehenden Kalkstein-Be¬ förderung durch die gleislose elektrische Bahn, gegenüber der Beförderung durch Landfuhrwerke, sich ergeben. Die letztgenannte Beförderung kostet nach der an Ort und Stelle ertheilten Auskunft für je 10 * auf 1,5 km Strassen- länge, also für I5tkm 4,5 M , d. h. f. 1 tkm 30 Pf., ohne die Kosten des Beladens im Kalksteinbruche und des Entladens am Bahnhofe Grevenbrück, das sich auf 2 1 •= 3 M. für 10 4 stellt. Da die letztgenannten Kosten in gleicher Höhe auch bei der Beförderung auf der gleislosen elektrischen Bahn gezahlt werden müssen, so können dieselben bei der Vergleichung der Kosten des Transportes auf Landfuhr¬ werken ausserachtgelassenwerden. Letztere setzen sich aus nachfolgenden, auf i‘km zurückgeführten Posten zusammen: 1. für den mittleren täglichen Strombedarf von 80 Kilowattstunden für 100 1 auf 1,5 km Wegelänge, also für täglich 150 tk“ 80,25 Pf., also für 1 tkm 13,3 Pf., 2. für Führung des Zuges durch zwei gelernte Zugführer täglich 700 Pf. , also f. 1 tkm 4,7 „ 6. für Verzinsung und Amortisation der 1500 m langen Leitung mit 5% (Preis für im 8 M.) = 600 M., vertheilt auf 300 Arbeitstage und 150 tkm als Tagesleistung .... .... 1,3 Pf-, für Verzinsung und Amortisation der Kosten des rollenden Materiales mit 1 o °/0 , also 10500 + 8250 1 lkm . IO Abgabe an die Provinzial - Verwaltung von ,, 4455 Pf- , 44,55 M. = — - rd . 0,1 „ 300.150 für Unterbringung des rollenden Materiales ausser der Arbeitszeit und für sonstige unvor¬ hergesehene Ausgaben f. 1 tk(n . 0,4 „ zusammen 25,0 Pf. Wenn die unter 3 und 4 bei der Gründung des Unter¬ nehmens angenommenen Amortisationsquoten nicht zu gering angenommen sind, worüber mindestens Zweifel zulässig erscheinen, so würden für 1 ,km beim elektrischen Betriebe 5 Pf. weniger aufzuwenden sein, als für die Be¬ förderung mittels Landfuhrwerke. Erheblicher würde der Vortheil des elektrischen Betriebes ausfallen, sobald die unter 1 aufgeführten Kosten des elektrischen Stromes, welche über 53 % der gesamten Betriebskosten betragen, sich vermindern liessen. Zur Erzeugung des Stromes wird im vorliegenden Falle theils Wasserkraft, theils Dampfkraft benutzt, so dass wir nicht fehl zu gehen glauben, wenn wir die wirklichen Erzeugungskosten des Stromes nur auf 13 bis 14 Pf. f. d. Kilowattstunde schätzen. Sobald nur diese in Rechnung gestellt werden, stellen sich die Beförderungskosten im elektrischen Betriebe mindestens um 10 Pf. f. 1 tkm billiger, als diejenigen mittels Landfuhrwerke. Die hieraus sich ergebende Schlussfolgerung weist auf die Vereinigung des Betriebes der elektrischen Zen¬ trale und der gleislosen elektrischen Bahnen in eine Hand, überhaupt aut einen möglichst billigen Bezug des elektri¬ schen Stromes hin. Der Erwägung werth erscheint die Vergrösserung des nur 0,90 m betragenden Durchmessers der Räder an den Wagen des elektrischen Betriebes und eine Ver¬ minderung des Eigengewichtes der Anhängewagen, da an¬ zunehmen ist, dass ein guter Wagenbauer diesen beiden, im Gegensatz zu einander stehenden Forderungen den¬ noch gerecht zu werden vermag. Dadurch würde der Widerstand der rollenden Reibung, der, als im umge¬ kehrten Verhältniss zur Quadratwurzel aus dem Rad¬ durchmesser stehend, angenommen werden kann, nicht unerheblich vermindert werden, da die anderen, die Grösse der rollenden Reibung bedingenden Faktoren, die Felgen¬ breite, die Geschwindigkeit, die Federung der Wagen und die Beschaffenheit der Strassenoberfläche bei guter Strasse und einer Geschwindigkeit von nicht über 6 km in der Stunde nicht so sehr ins Gewicht fallen. Eine aufge¬ weichte Oberfläche einer sonst gut gebauten und gut unterhaltenen Chaussierung, wie sie in diesem Falle vor¬ handen ist, steigert den unter normalen Verhältnissen verbrauchten täglichen Strom von 80 Kilowattstunden auf etwa 87 Kilowattstunden, also um rund 9%. Dass die gleislosen elektrischen Bahnen, die nicht unter die Bestimmungen des Kleinbahn -Gesetzes fallen, sondern nur der landespolizeilichen Genehmigung be¬ dürfen, auch für den Personentransport zu verwenden sind, zeigt das Beispiel*) im Bielathal zwischen König¬ stein a. E. und Bad Königsbrunn. — Wiesbaden, im März 1903. Voiges. Mittheilungen aus Vereinen. Pfälz. Kreisgesellschaft des bayer. Arch.- u. Ing.-Verelns. Am 29. März versammelten sich, einer Einladung der Unternehmung für Beton und Beton-Eisenbauten Wayss & Frey tag, A.-G. zu Neustadt a. d. Haardt folgend, un¬ gefähr 40 Mitglieder des Vereins in dem Geschäftslokale der genannten Gesellschaft, um einen Vortrag des Hrn. Reg.-Bmstr. Mörsch, Vorstand der Berliner Filiale, über Beton - Eis enb auten entgegenzunehmen. Der Vortra¬ gende entwickelte in höchst interessanter und anschaulicher Weise die Theorie der Beton-Eisenkonstruktionen, wobei derselbe die verschiedenen Festigkeitsberechnungen durch sehr übersichtliche graphische Zeichnungen, welche zum I heil das Ergebniss angestellter Versuche zeigen, zur Dar¬ stellung brachte. Hr. Mörsch erntete reichen Beifall; es wurde demselben sowie der Firma von dem Vorstande des Vereins, Hrn. Dir.-Rath Müller, der Dank ausge¬ sprochen. Die im Saale aufgehängten Zeichnungen, sowie 18. April 1903. verschiedene Modelle über von der Gesellschaft ausge¬ führte Brücken und Hochbau-Konstruktionen waren höchst interessant und boten ein Bild über die ausgedehnte Thätigkeit der Gesellschaft und die erzielten Erfolge mit ihren Beton-Eisenkonstruktionen und Stampfbetonbauten. Später wurden unter Führung der Hrn. Direktoren Fr ey tag und Meyer die ausgedehnten Fabrikräumlichkeiten be¬ sucht, in welchen unter anderem die praktischen Aus¬ führungen in Betoneisen an den Gebäuden, sowie eine bis zum Eintritt des Bruches belastete Betoneisenplatte das grösste Interesse der Theilnehmer erregten. Ich glaube, dass diese Versammlung so manchen Zweifler an den Beton- und Betoneisenkonstruktionen bekehrt hat und wünsche, dass diese in den letzten Jahren immer mehr in Aufschwung gekommene Industrie noch weitere und allgemeine Anwendung finden möge. — — x. *) Veröffentlicht in der Zeitschr. f. Transportwesen, Jhrg. 1903 No. 8 203 Preisbewerbungen. Wettbewerb reformierte Kirche der Ober-Neustädter Gemeinde zu Kassel. Für diesen Wettbewerb, dessen Preisgericht usw. wir schon in No. 30 bekannt gegeben haben, sind 3 Preise von 2000, 1500 und 1000 M. ausge¬ setzt. Auf etwa gleichzeitig prämiierte Entwürfe desselben Verfassers kommt nur der höhere Preis voll, der niedrigere zur Hälfte zur Auszahlung. Der Rest wird zum Ankauf weiterer Entwürfe verwendet. Es ist erfreulicher Weise beabsichtigt, die Ausführung einem der Preisgewinner zu übertragen. An Zeichnungen, die nur in schwarzen Strichen in einfacher Weise herzustellen sind, werden verlangt 1 Lageplan 1:500, 2 Grundrisse, 3 Ansichten, 2 Schnitte in 1 : 200, 1 Schaubild von vorgeschriebenem Standpunkte, kurzer Erläuterungsbericht und Kostenüberschlag nach ebm umbauten Raumes. Die Bausumme der Kirche ist auf 200000 M. (einschl. einer Summe von 30000 M. für Glocken, Orgel, Uhr, Heizung und Architekten -Honorar) festgesetzt. Entwürfe, welche den Kostenanschlag nach Ansicht der Preisrichter überschreiten, sind von der Preis- vertheilung ausgeschlossen. Die Kirche soll Raum für 800 Sitzplätze bieten, Sakristei, Konfirmandenzimmer usw. enthalten, ferner einen Thurm mit 3 Glocken und Uhr. Die Stiifassung ist freigestellt, als Baumaterial ist lagerhafter Bruchstein bezw. Sandstein- Werkstein vorgeschrieben. Es wird mehr Werth auf guten Umriss bei einfacher Architektur als auf reiche Einzel¬ bildung gelegt. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Garn.-Bauinsp. Z e y s s im Kriegs- Minist. ist der Int. der militär. Institute überwiesen. Zu Garn.-Bauinsp. sind ernannt: die Reg.-Bmstr. Ben da in Frankfurt a. M., Herzog in Koblenz, unt. Ueberweisung nach Saarbrücken, John in Berlin bei der Int. der militär. Inst., als techn. Hilfsarb. in der Bauabth. des Kriegsminist., Luedecke in in Berlin, Borowski in Metz, Schwetje in Lippstadt unt. Ueberweisung als techn. Hilfsarb. zur Int. der XVI. Armee-Korps und Kuntze in Pillau. Der Brth. M ä r k 1 i n bei der Korps-Int. in Stuttgart ist zum Int.- u. Brth. ernannt. Preussen. Versetzt sind: die Eisenb. - Bau- u. Betr. -Insp. Leonhard in Aachen und Labes in Nordhausen als Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. nach Kattowitz, Janensch in Berlin als Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. nach Köln a. Rh., Mahn in Waldenburg als Vorst, der Eisenb. -Betr.-Insp. 2 nach Nordhausen, Rosenberg in Lennep als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. 3 nach Düsseldorf, Beer¬ mann in Dortmund als Vorst, der Eisenb -Betr.-Insp. nach Lennep, Berndt in Hirschberg als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. 1 nach Frankfurt a. O., Baur in Berlin nach Brandenburg als Vorst, (auftrw.) der dorthin verlegten Eisenb.-Betr.-Insp. 14, Meilly in Hannover nach Dramburg als Vorst, (auftrw.) der das. erricht. Eisenb.-Betr.-Insp., Teichgräber in Flensburg als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. nach Waldenburg i. Schl., Wendenburg in Neumünster als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. 2 nach Flensburg, Bulle in Schleusingen als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp 4 nach Magdeburg, Klutmann in Frankfurt a. M. als Vorst, der Betr.- Insp. 1 nach Aachen, Peters in Altona nach Neumünster zur Wahrnehmung der Geschäfte der angegliederten Bauabth. das., Heinemann in Leipzig zur kgl. Eisenb.-Dir. in Kassel, Ulrich in Bremen zur kgl. Eisenb.-Dir. in Hannover, Riemann in Helm¬ stedt zur kgl. Eisenb.-Dir. in Frankfurt a. M., Stahl in Elze zur kgl. Eisenb.-Dir. in Hannover, Czygan in Hannover als Vorst, der Eisenb. -Bauabth. nach Verden, Scheffer in Salzdetfurth zur Eisenb.-Betr.-Insp. 1 nach Bremen, Böttrich in Magdeburg als Vorst, der Eisenb. -Bauabth. nach SchleusiDgen, Aug. Staud in Neumark zur Eisenb.-Betr.-Insp. 1 nach Köln a. Rh., Hugo Leh¬ mann in Lauenburg zur kgl. Eisenb.-Dir. in Magdeburg, Lavez- z a r i in Velpke z. Eisenb.-Bauabth nach Wiesbaden, Hartwig in Lauenburg z. kgl. Eisenb.-Dir. in Bromberg u. Horn in Hannover als Streckenbmstr. nach Schwarmstedt (Eisenb.-Bauabth. Verden). Verlieben ist: den Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Graeger in Halle a. S. die Stelle eines Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir., Emil Meyer in Jülich die Stelle des Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. das. und F r a n z e n in Glogau die Stelle des Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. 1 das.; dem Eisenb.-Betr.-Insp. Lorey in Frankfurt a. M. die Stelle eines Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. bei der Dir. das.; den Eisenb.- Bauinsp. Wolfen in Wittenberge die Stelle des Vorst, einer Werkst.-Insp. das. und Schramke in Berlin die Stelle des Vorst, einer Werkst.-Insp. bei der Hauptwerkst. 2 das. Der Eisenb.-Bauinsp. Harr in Frankfurt a. M. ist mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorst, einer Werkst.-Insp. das. betraut. — Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. D e n i c k e , bisher be¬ urlaubt, ist der kgl. Eisenb.-Dir. in Hannover zugetbeilt. Ernannt sind die Reg.-Bmstr.: Nebelung in Heilsberg, Pet. Hildebrand in Kiautschou und Franz Jacobs in Hersfeld zu Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp.; Jul. Alexander in Berlin, Ernst Krüger in Stettin , Riebicke in Neumünster , Wimmer in Essen a. R., Christ in Hamburg und Neilessen in Berlin zu Eisenb.-Bauinsp. Zur Beschäftigung überwiesen sind: die Reg.-Bmstr. K o h n k e und R a h ml der kgl. Minist.-, Militär- und Baukomm, in Berlin, W a 1 1 b a u m und Brunner der kgl. Eisenb.-Dir. in Altona bezw. Breslau und Schreyer der kgl. Eisenb.-Dir. in Breslau. Versetzt sind: die Reg.-Bmstr. Wilh. Janssen von Georgen¬ burg nach Heydekrug und Keysselitz von Bochum nach Kappel, Wilh. Zander von Stolpmünde nach Berlin, Bracht von Swine¬ münde nach Danzig und Schiricke von Danzig nach Swinemünde. Die Reg.-Bfhr. Jul. Brix aus Brunsholm und Franz Rahm aus Stralsund (Hochbfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Den Reg.-Bmstrn. Rieh. Lieder in Posen, Joh. Cleve in Krefeld, Heinr. Zaar in Charlottenburg und Paul Paap in Flens¬ burg ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst ertheilt. Der Wasser-Bauinsp. Brth. Brickenstein in Zölp bei Mal¬ deuten und der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Thomas in Koblenz sind gestorben. Württemberg. Die Kand. im Bauing -Fach: Viktor Binder von Hürben, Vikt. Blässle von Stuttgart, Friedr. Bühl er von Degerloch, Karl Clement von Stuttgart, Wilh. Eberhardt von Ulm, Paul Endriss von Oberholzheim, Osk. Gross von Stuttgart, Alb. LI a h n von Nürtingen, Aug. Lambert von Lan¬ genau, Jul. Nast von Münster, Rud. Schleicher von Biberach Karl Schmidt von Ulm, Heinr. Schneider und Karl Zimmer¬ mann von Stuttgart haben die Bezeichnung Reg.-Bmstr. erhalten. Brief- und Fragekasten. Hrn. F. & B. in Hagen i. W. Den dahinter gelegenen Räumlichkeiten Licht zuzüführen, ist keineswegs der alleinige Zweck, aus welchem in Gebäudemauern Fenster oder anderweite Oeffnungen angelegt werden. Vielmehr können solche auch dem Zuführen oder Ableiten von Luft dienen, um die Gebrauchsfähig¬ keit der beregten Räume für Wirthschaftszwecke zu ermöglichen. Es ist also bei vorhandenen Fenstern zunächst der Beweggrund festzustellen, aus dem sie entstanden sind. Beruht das Fensterrecht auf Vertrag, so sind zunächst dessen . Satzungen für die Frage maassgebend , ob und inwieweit die Erhaltung des bisherigen Zu¬ standes gefordert werden darf. Ist Verjährung der Rechtsgrund, auf dem das Fensterrecht beruht , so entscheidet das Bedürfniss nach Luft oder Licht, welches für die bisherigen Gebrauchsarten nothwendig war für den Umfang, in welchem auch ferner Licht und Luft zu gewähren ist. Da nun Keller nicht selten zu Wohnungen oder zum Gewerbebetriebe Verwendung finden, kann es natürlich Vorkommen, dass der Nachbar mit neuen Baulichkeiten zurücktreten muss, wie es erforderlich ist, um den Kellerräumen die Verwendung zum Wohnen oder zu Werkstätten zu erhalten. Es besteht also kein Rechtssatz oder Gerichtsgebrauch , welcher die Entziehung des Lichtes für Kellerräumlichkeiten gestattet. Vielmehr haben auch diese Anspruch auf gesetzlichen Schutz. — K. H-e. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage in No. 21 betr. die Ausführung von Schindel¬ dach-Eindeckungen und Wandbekleidungen schreibt Hr. F. Walter in Breslau, dass die Fabrikation und Eindeckung ge¬ rissener Schindeln im Kreise Neurode (Schlesien) allerorts zu fin¬ den sei und dass als Lieferanten die Hrn. Aug. Hilbig in Königs¬ walde bei Neurode und Schieferdeckermeister Gluche in Schweid¬ nitz (Schlesien) zu empfehlen seien. Derartige Arbeiten seien aber schon in Breslau ziemlich theuer. — Es wurden uns ausserdem noch von deutschen Firmen genannt Gebr. Braun in Ulm a. D. — Anfragen an den Leserkreis. Welche Arten von Schutzdecken auf gewachsten Parkettböden haben sich bewährt in Sälen, welche ausser zu Bällen auch zu Banketten usw. benutzt werden, wie werden dieselben praktisch befestigt und welches sind die Bezugsquellen? H. & E. in Heidelberg. Inhalt : Das Burschenschafts-Denkmal in Eisenach. — Zur Baugeschichte des Heidelberger Schlosses (Fortsetzung). — Die gleislose elektrische Bahn bei Grevenbrück i. W. — Mittheilungen aus Vereinen. — Preisbewer¬ bungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Das Burschenschafts -Denkmal in Eisenach. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Berlin, den 14. April 1903. Die Fachgenossen werden durch den Unterzeichneten Ausschuss ergebenst in Kenntniss gesetzt, dass die Stadtverordneten-Versammlung in Koblenz auf Vorschlag' des Herrn Bürgermeisters, die für den Wettbewerb um Entwürfe zu dem Realgymnasium daselbst ausgesetzte Preissumme von 4500 M. auf Anregung des Ausschusses in dankenswerther Weise um 1500 M. erhöht hat, die von dem Preisgericht nach freiem Ermessen zur Erhöhung der ausgesetzten Preise bezw. zum Ankauf von Entwürfen verwendet werden können. Der Rath und die Stadtverordneten-Versammlung Dresden haben dagegen den Antrag des Ausschusses, die gegenüber den „Grundsätzen“ erheblich zu niedrige Preissumme für den Wettbewerb um Entwürfe zum Rathhaus-Neubau daselbst, erhöhen zu wollen, bedauerlicher Weise ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Der Verbands-Ausschuss zur Wahrnehmung der Wettbewerbs-Grundsätze: R. Cramer. F. Eiselen. No. 31. 204 N DEUTSCHE BAUZEITUNG 1® || XXXVII. JAHRG. NR 32. BERLIN, DEN 22. APRIL 1903 || Das Bankgebäude der Disconto-Gesellschaft in Berlin. (Püotogr. Auin. von Jobs. Lüpke in Berlin.) Ueber moderne Architektur -Photographie. ines der in technischer Beziehung für den Photo¬ graphen schwierigsten Gebiete ist die Aufnahme von Architekturen. Sieht man von der in erster Linie als unbedingt vorauszusetzenden Schulung inbezug auf gute Auffassung, raschen Blick für günstigen Stand¬ punkt usw. ab, so bleibt für den Architektur-Photographen doch noch sehr oft das Hinderniss bestehen, dass er mit seinem Objektiv eine bestimmte Aufgabe nicht zu lösen vermag, und zwar zumeist aus dem Grunde, dass es an der erforderlichen „Distanz“ fehlt. Mit anderen Worten : Das Objektiv des Apparates zeichnet, bei beschränkter Distanz, ein zu kleines Gesichtsfeld und so kommt es leicht vor, dass unter derartigen knappen Raumverhältnissen bei der Aufnahme eines breiten gestrekten Gebäudes der grössere zentrale Theil auf die Platte kommt, an beiden Seiten dagegen ein ziemlich bedeutendes Stück des Ge¬ bäudes im Bilde fehlt. Schon vor etwa 45 Jahren erkannte man den Mangel an Leistungsfähigkeit bei den damaligen Objektiven, und daher war man bemüht, sogen. Weitwinkel -Instrumente zu konstruieren, welche bei vollständig korrekter und aplanatischer Zeichnung ein aussergewöhnlich grosses Bild¬ feld umfassten. Diese Objektive, namentlich die von Dall- meyer in London, bürgerten sich rasch ein und fanden auch in Deutschland festen Boden. Da erschien in den 60er Jahren Emil Busch in Rathenow mit einem Instrument „Pantoskop" auf dem Markte, welches den erstaunlich grossen Bildwinkel von etwa 105 Grad aufwies, wodurch mit einem Schlage unzählige Schwierig¬ keiten bei Architektur-Aufnahmen gehoben waren. Doch fehlte auch eine grosse Schattenseite nicht, die in der äusserst geringen Lichtstärke des Objektives gefunden wurde. Man musste , namentlich bei Innenaufnahmen, dunklen Sälen, Kirchen usw. sehr lange exponieren und Aufnahmen von 3—4 Stunden Dauer gehörten keineswegs zu den Seltenheiten. Ausserdem lieferte das Pantoskop unter gewissen Lichtverhältnissen einen kleinen kreisrun¬ den Lichtfleck auf der Platte, der sich oft überhaupt nicht vermeiden liess. Die später in Deutschland, Amerika, England und Frankreich gebauten Weitwinkel hatten den Vorzug einer grösseren Lichthelligkeit, dalür büssten sie aber auch an Ausdehnung des Bildwinkels ein. ■ Erst der allerneusten Zeit blieb es Vorbehalten, einen weiteren erstaunlichen Fortschritt auf dem Gebiete der für die Aufnahme von Architekturen bestimmten Objek¬ tive zu erreichen. Seit etwa einem Jahre baut die Firma C. P. Goerz in Friedenau Berlin, ein ganz eigenartiges Objektiv, Hypergon genannt, welches den Architektur- Photographen befähigt, alle, selbst früher einfach für un¬ möglich gehaltenen Aufgaben zu lösen. Schon die äussere Form dieses Instrumentes ist eine von den übrigen be¬ kannten Konstruktionen gänzlich abweichende. Der Körper des Objektives ähnelt einer ganz flachen Pillenschachtel (s. vorsteh. Abbildung). Er enthält nur 2 Linsen, deren 205 konvexe Oberflächen im Durchschnitt zusammen annähernd einen vollen Kreisumfang ausmachen. Trotzdem aus tech¬ nischen Gründen bei der Aufnahme eine ziemlich starke Abblendung benutzt werden muss, so sind bei gutem Licht dennoch Expositionen von wenigen Sekunden für ein durch¬ gearbeitetes Negativ genügend. Um dem bei allen Weit¬ winkel-Objektiven natürlichen Lichtabfall nach den Rändern des Bildes zu begegnen, — also um ein recht gleichmässig beleuchtetes Bild zu erzielen, ist an der Aussenseite vor der Vorderlinse des Hypergons ein drehbarer Stern, die sog. „Sternblende“ angebracht, welcher während der Auf¬ nahme durch Luftdruck in Rotation versetzt wird. Wenn die Aufnahmezeit etwa 2/3 ihrer bestimmten Dauer erreicht hat, bewirkt man durch einen Fadenzug das Herunter¬ klappen der Sternblende, wodurch nun die Vorderlinse des Objektives freigegeben wird, sodass das Licht jetzt voll einfallen kann. Durch diese Anordnung bewirkt man, dass zuerst die zentralen Lichtstrahlen eine zeitlang zurück¬ gehalten werden und das in das Objektiv einfallende Licht mehr den Bildrändern zugute kommt. Nach dem Um¬ klappen der „Sternblende“ tritt dann auch noch der mittlere Theil der Linse in Aktion und der Effekt gipfelt in einem ganz gleichmässigen Bilde. Die grossen Vortheile des Hypergon-Objektives sind folgende: 1. Die Möglichkeit, aus allergrösster Nähe einen sehr breitgestreckten Gegenstand photographieren zu können. 2. Die Erreichung eines bisher nicht für möglich ge¬ haltenen Bildwinkels (135— 1400). 3. Die relativ grosse Lichtstärke. 4. Die gleichmässige Beleuchtung desBildes, welche bis¬ lang bei Anwendung anderer Weitwinkel-Objektive fehlte. Diese Eigenschaften sichern dem Hypergon eine grosse Zukunft, da sich jetzt alle vorkommenden Aufgaben lösen lassen. Für alle Architektenkreise ist das neue Instrument von höchster Bedeutung, zumal es, soweit die Theorie zu urtheilen vermag, wohl so leicht nicht durch eine andere Konstruktion verdrängt werden dürfte. Wir geben in unserem Kopfbild die Fassade des Ge¬ bäudes der Disconto-Gesellschaft zu Berlin, welche über die Breite der verhältnissmässig schmalen Behrenstrasse hinweg aufgenommen wurde. Das Original- Negativ hat eine Breite von 30 cm; die Aufnahme erfolgte in 6 Se¬ kunden. Es dürfte nicht uninteressant sein, diese Auf¬ nahme zu vergleichen mit der Aufnahme der Fassade, die wir auf S. 485 Jahrg. 1902 wiedergegeben haben. — M Zur Baugeschichte des Heidelberger Schlosses. (Schluss.) |jrg|ji| aupt meint ferner, die fertigen jonischen Kapitale des | gm | Erdgeschosses seien ursprünglich für das erste Ober- I- "--J geschoss bestimmt gewesen (S. 46). Thatsächlich haben die jonischen Kapitale eine Ausladung von rd. 16 cm, dabei eine vollständig saubere, seitliche, halbe Aufrollung. Der darüber liegende Architrav passt ungefähr zu dieser Aus¬ ladung und ist unten kassettiert. Der obere Architrav hat jetzt 11 cm Ausladung, müsste also mit dem ganzen Ge¬ sims herausgerückt gedacht werden; auch die Pilaster¬ schäfte müssten grösseren Vorsprung gehabt haben. Die Stockgesimse sind nach Haupt sämtlich von dem ersten (italienischen) Meister, sie waren auch zugleich Bank für die ohne äussere Brüstung zu denkenden Fenster (S. 57). Wäre dem so gewesen, so müssten die obersten Gesimse noch irgendwo Gewändestände zeigen, ebenso müsste der innere Brüstungsausschnitt, der jetzt durch Kranzgesimse und Fries reicht, bis weit unter den Architrav gegangen sein, was nirgends der Fall ist. Als charakteristisch für die deutschen Arbeiter gibt Plaupt die Steinmetzzeichen an (S. 53); alle Gurte, sogar die Friese, haben Steinmetz¬ zeichen, wenn auch seltener, die jonischen Kapitale haben auch solche. Endlich sind nach Haupt noch die Pilaster im 1. Obergeschoss ältere (italienische) Arbeiten, während die Fenstersäulchen, Gewände usw. deutschen Meistern zu¬ zuschreiben wären. In Wirklichkeit sind Pilaster und Fensterarchitektur je nach dem Quaderverband aus einem Stück Stein und tragen Steinmetzzeichen. Hr. Prof. Dr. M. Rosenberg in Karlsruhe, der jetzige Besitzer des Wetzlarer Skizzenbuches, hat die Güte ge¬ habt, uns dasselbe und besonders die darin enthaltene, dem Otto Heinrichsbau zugeschriebene, Giebelzeichnung zu zeigen. Das Aeussere des Buches und den Inhalt des¬ selben hat Hr. Reg.-Bmstr. Ebel in Wetzlar in No. 71 des „Centralblattes der Bauverwaltung“ sachgemäss be¬ schrieben, die beigegebene Abbildung stimmt mit dem Original überein. Zufügen könnten wir noch, dass die Zeichnungen nach italienischen Bauformen auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts hindeuten (z. B. kommt auch die von der Laurenziana her bekannte doppelte Unter¬ scheidung der Hängeplatte vor). Die deutschen Formen gehören in dieselbe Zeit und in den Anfang des 17. Jahr¬ hunderts. Ferner ist hervorzuheben, dass die Blätter des Skizzenbuches aus theils Strassburger, theils pfälzischem Papier bestehen. Das in dem letztgenannten befindliche Wasserzeichen ist das pfälzische Wappen mit dem Reichs¬ apfel, demnach aus derZeit vor dem westfälischen Frieden, wohl genauer vor dem dreissigjährigen Kriege. Damit würde die Datierung einzelner Blätter übereinstimmen. Es wird Sache eingehender vergleichender Forschung sein, die ein¬ zelnen dargestellten Formen inbezug auf ihre Herkunft festzustellen und damit eine Grundlage für die Beurtheilung der Zuverlässigkeit der Zeichnungen zu gewinnen. Ganz recht hat Schäfer, wenn er noch auf anderen Blättern, be¬ sonders in Abbildungen von Balustraden, Aehnlichkeit mit solchen auf dem Schloss erkennt. Dagegen irrt er mit der Ansicht, dass die jetzt noch vorhandenen Reste der Zwerch¬ giebel von den älteren Giebeln übrig geblieben seien. Die heutigen Reste rühren ganz zweifellos aus dem Jahre 1692 her. (Vergl. damit das oben gegen Kossmann Ausgeführte.) Als Skizzen kann man die Zeichnungen kaum be¬ zeichnen, wenn man darunter Abzeichnungen nach der Natur versteht, dazu pflegte man wohl nie Lineal und Ziehfeder zu verwenden. Wer den Otto-Heinrichsbau kennt und zum erstenmal die neugefundene Giebelzeich¬ nung sah, war wahrscheinlich gleich uns zunächst nicht gerade von ihrer Zuverlässigkeit überzeugt. Die darge¬ stellten Formen gehen aus einer anderen Tonart, als wie die Formen der Ruinen. Jedoch werden folgende Be¬ trachtungen uns vielleicht zu einer Erklärung verhelfen. Wenn die Bezeichnung des Blattes: „Dieser giebel stedt zu Heidelbg im Schloss uff Ott - Henrichs Bauw“ nicht nachträglich zugefügt ist, was von besonders Fachkundigen wohl festgestellt werden könnte, (der jetzige Besitzer ist dazu wohl der berufenste Mann), so wäre wohl anzunehmen, dass der Zeichner des sogenannten Skizzenbuches den Giebel zu Haus nach einer an Ort und Stelle genommenen Hand¬ skizze kopiert hätte.*) Hat der Zeichner des Skizzenbuches sich ungefähr im Jahre 1616 eine Skizze nach der Natur gemacht und diese alsdann zu Haus mit Lineal und Zieh¬ feder geometrisch aufgezeichnet, so weiss jeder, der sich mit derartigen Dingen befasst har, dass auf Zeichnungen und Stichen die dargestellten Gegenstände, die künstle¬ rischen Accente der augenblicklich herrschenden Kunst¬ anschauung tragen. Heute ist es nicht anders und früher war es noch mehr so, weil die historisch gewordenen Kunstformen für die Lebenden weitaus weniger bedeu¬ teten. Auf die Abweichungen der Merian’schen Stiche im Einzelnen von den heute noch kontrollierbaren Formen der Giebel am Friedrichsbau ist oben schon hingewiesen. Keines der erhaltenen Schlossbilder gibt uns ein in allen Einzelheiten ganz genaues Bild nach der Natur. Blättert man aber etwa in den Handzeichnungen der Uffizien, die ja zumtheil auch schon ältere Gebäude nachbilden, so hat man immer dieselben Wahrnehmungen. Noch stärker hat man sie beim Betrachten der Stiche aus der Barockzeit. Gleichviel ob antike Tempel oder Renaissancebauten aus früherer Zeit dargestellt werden, immer sind nicht blos die äusserlichen Zuthaten, sondern auch die dargestellten Gegenstände in Umrisslinien und Schattentiefe barock; manchmal so sehr, dass es einem schwer wird, das Ur¬ bild wieder zu erkennen. Im Jahre 1616 war schon der sogenannte englische Bau gebaut, die Naivetät im künst¬ lerischen Schaffen war geschwunden, an ihre Stelle waren verstandesgemässe Erwägungen getreten. Zum Feststellen der Verhältnisse war die Rechenkunst zu Hilfe genommen worden. Die Pilaster wurden geschwellt, Kapitäle und Ver¬ dachungen waren nach einem Schema geläufig. Aus diesen Verhältnissen heraus konnte der Zeichner die naiven For¬ men des Otto-Heinrichsbaues nur schwer sachlich darstellen, jede Form ging ihm, wie wir hier sagen, gegen den Strich. Nimmt man nun dazu, dass der Zeichner auch bei grösse¬ rem Maasstab den Einzelschmuck weggelassen hat, und dass thatsächlich der ganze architektonische Aufbau des Wetzlarer Giebels doch die Ungeniertheit einer viel frühe¬ ren Zeit zeigt, so kann man auch glauben, dass es gelin¬ gen wird, aufgrund der neugefundenen Giebelzeichnung einen befriedigenden Abschluss für den Otto-Heinrichsbau zu finden. Aus diesen Erwägungen geht auch der Grad unserer Werthschätzung des neuen Fundes hervor. Man wird *) Die Annahme, der Zeichner habe die Giebel von einer vorhandenen Zeichnung oder aus einem Buch kopiert, hilft uns nicht viel. Denn einmal wissen wir nichts von der Originalzeichnung, wir wissen nicht, aus welcher Zeit diese war und wie weit ihre Naturtreue im Liozel. en ging. Sodann scheint uns die Bezeichnung, „der uff dem Otto-Her. richs Cauw stedt“, auf eine Kopie nach der Natur zu weisen und der fehlende Maasstab diese zu bestätigen. 206 No. 32. nicht einfach vergrössern können, sondern bei aller Freude über die weitaus deutlichste Darstellung der neugefun¬ denen Giebelform sich bemühen müssen, den Fund mit den Formen der Ruine ins Gleichgewicht zu bringen. Aber auch über die formale Seite hinaus bleiben noch einige sachliche Zweifel zu lösen. Alle Giebelzeichnungen in dem Skizzenbuch geben soviel, dass, genaue Symmetrie vorausgesetzt, das Fehlende ergänzt werden kann. Sollte nun der Zeichner die auffallende Erscheinung, dass in dem untersten Giebelgeschoss die Symmetrie der Figurennische wegen verschwindet, unberücksichtigt gelassen haben? Er brauchte ja nur die Nische neben dem Fenster noch anzudeuten, um das charakteristische Merkmal festzuhalten. Ganz undenkbar wäre es ja nicht, dass die Figur eine Ab¬ theilung höher, dann allerdings nicht mehr über den unte¬ ren Figuren stand. Ebenso wäre es denkbar, dass die Wetzlarer Giebel überhaupt ein Geschoss höher standen und so vollständig symmetrisch ergänzt werden könnten. Damit verschwände auch die zweifellos zu hohe Lage der Fensterbänke im untersten Giebelgeschoss des Schäfer- schen Entwurfes (vergl. damit das gegen Kossmann Ge¬ sagte) und die Merian’schen Giebel kämen in ihrer allge¬ meinen Form wieder zur Erscheinung. In dieser Art haben wir die Giebel zu zeichnen versucht (s. die Abbildg. S. 193 in No. 30), doch fügen wir ausdrücklich bei, dass wir nicht beanspruchen, damit die richtige Lösung gefunden zu haben. (Den Thurm rechts haben wir nachMerian ergänzt, der links wird besonderen Studiums bedürfen; vor dem 30-jährigen Krieg und noch nach dem Kraus’schen Stich war er nie¬ driger.) Wir sind aber der Ansicht, dass bei eingehender Be¬ schäftigung mit der Sache namentlich mit Hilfe eines mög¬ lichst grossen Modells, an dem man die Möglichkeiten aus¬ probieren kann, sich für den bauleitenden Architekten und die Freunde des Schlosses die Frage vollständig klären wird. — Das Ministerium der Öffentlichen Arbeiten und die Techniker in den diesjährigen Verhandlungen des preussischen Abgeordnetenhauses. |n den Verhandlungen des preussischen Abgeordneten¬ hauses sind bei der Berathung des diesjährigen Etats der Eisenbahn- und allgemeinen Bauverwaltung nicht nur die alljährlich wiederkehrenden Klagen über die un¬ günstigen Anstellungs Verhältnisse der im Staatsdienst be¬ schäftigten höheren Techniker und ihre Benachtheiligung gegenüber den Verwaltungs - Beamten mit besonderem Nachdruck vorgetragen worden, sondern es hat sich im Anschluss an den von der Regierung gestellten Antrag eines weiteren Ausbaues des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten eine Debatte von grundsätzlicher Bedeutung an¬ geschlossen, in welcher einmal die Frage der Organisation dieses Ministeriums und andererseits die Frage der Stellung der Techniker in der Verwaltung mit besonderer Schärfe behandelt wurde. Veranlassung zu diesen Auseinandersetzungen gab der von der Regierung bei dem Etat der Bauverwaltung ge¬ stellte Antrag *) , lür die Bauabtheilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten einen besonderen Unter- Staats¬ sekretär zu bestellen, wie dies für die Eisenbahn-Abtheilung seit langem der Fall ist. Dieser Unter-Staatssekretär sollte gleichzeitig das besondere Dezernat des Wasserbaues und der Verkehrsabgaben mitführen, während die nicht rein wasserbaulichen Fragen , also namentlich der Hochbau, Strassenbau üsw., einem Ministerial- Direktor unterstellt werden sollten. Begründet wurde dieser Antrag mit der aussergewöhnlichen Arbeitslast, welche das an Umfang alle anderen Ministerien übertreffende Ressort der öffent¬ lichen Arbeiten dem Minister auferlegt. In der Budgetkommission wurde die Stelle des Unter- Staatssekretärs bekanntlich abgelehnt und dafür die Be¬ willigung von 2 neuen Ministerial-Direktoren vorgeschlagen, weil von der Mehrheit der Kommission der Befürchtung Ausdruck gegeben wurde, „dass die Schaffung der Stelle eines Unter - Staatssekretärs der Ueber- weisung der sämtlichen Wasserbauten an das Land wirthschafts - Ministerium ungünstig präju- diziere“, also die von konservativ-agrarischer Seite heiss¬ ersehnte Regelung unmöglich mache. Trotz der heftigen Bemühungen der Gegner, die Vor¬ lage zu Falle zu bringen, in welcher sie schon den Grund¬ stein zu der Entwicklung eines „rein technischen Ministeriums“, womöglich — horribile dictu ! — mit einem Techniker an der Spitze erblicken wollten, wurde der An¬ trag der Regierung jedoch angenommen und hat die Be¬ setzung der neugeschaffenen Stellen, wie wir in No. 30 mittheilen konnten, bereits stattgefunden. Es wird nicht uninteressant sein, unter Zugrundelegung des stenographi¬ schen Berichtes über die Verhandlungen, die wesentlichen Punkte aus denselben hier nochmals hervorzuheben, da die Berichte der Tagespresse gerade hierüber doch keine ausreichende Klarheit geben konnten. Es seien gleich¬ zeitig die Fragen mitbehandelt, welche die Stellung der Techniker insbesondere berühren. Die, durchweg den agrarischen Kreisen angehörigen Gegner der Vorlage, wollten in derselben nur die Vor¬ bereitung zu einer Trennung des Ministeriums der öffent¬ lichen Arbeiten in ein Eisenbahnministerium und ein Bautenministerium erblicken, da die Bauabtheilung des Ministeriums dann einen Ausbau erhalte, der nur noch der Spitze in einem eigenen Minister bedürfe. Aus der Be¬ gründung dieser Vorlage selbst müsse man darauf schliessen, dass es sich um die Einleitung einer vollständigen organi¬ satorischen Umgestaltung handle, da die besonders be¬ tonte Ueberlastung des Ministers der öffentlichen Arbeiten *) Vergl. Deutsche Bauztg. No. 6, Seite 40. über kurz oder lang doch auf eine Theilung hindränge. Wenn diese erfolge, so müsse sie aber in dem Sinne ge¬ schehen, dass die Wasserbauabtheilung an das Ministerium für Landwirthschaft angegliedert werde. fjgjjpfc. Welche Erwartungen man mit einer derartigen Rege¬ lung verbindet, geht am besten aus den Worten des Frhrn. v. Wangenheim hervor, der betonte, dass seit langer Zeit bei der Regulierung von Wasserläufen in die erste Linie das Interesse der Schiffahrt und des Handels ge¬ stellt worden sei, während man „richtigerweise in erster Linie das Interesse der Landwirthschaft berücksichtigen sollte“. Wie schon bei der Berathung der Interpellation betr. „die Nothstände in den Strom¬ gebieten, namentlich der unteren Oder, Spree, Havel, Elbe knüpfen sich daran Angriffe gegen dieWasserbauverwaltung, deren falschen Maassregeln die bestehenden Misstände zu¬ zuschreiben seien. Die Techniker müssten in praktischer landwirthschaftlicher Beziehung vollkommen anders aus¬ gebildet werden, als bisher, und deshalb müsse auch die Wasserbauverwaltung dem landwirthschaftlichen Mini¬ sterium überwiesen werden, eine Maassregel, die von dem für die Regierungsvorlage mit Nachdruck eintretenden Frhrn. v. Zedlitz und Neukirch als eine „organisato¬ rische Missgestalt schlimmster Art“ bezeichnet wurde. Diese Erkenntniss habe wohl auch das Staatsministe¬ rium gehabt, als es die mal „in einer unbewachten Stunde“ in Aussicht genommene Uebertragung der Wasserbauver¬ waltung auf das Ministerium für Landwirthschaft nicht zum Beschluss erhoben habe*). Eine Ressortveränderung sei für die Bauverwaltung in keiner Weise geplant und komme jedenfalls für absehbare Zeit nicht infrage. Es sprächen ausserdem doch sehr gewichtige Gründe für die Aufrecht¬ erhaltung des jetzigen Zustandes. „An sich ist in einer Zeit, in welcher die Technik eine solche Rolle spielt, wie heute, sicher nicht ganz ohne Bedeutung, dass ein Ministerium besteht, in welchem die Technik einen Konzentrations¬ punkt, einen Sammelpunkt findet; aber noch entscheiden¬ der, noch günstiger ist der andere Gesichtspunkt, dass in seiner jetzigen Gestaltung das Ministerium der öffentlichen Arbeiten ein Verkehrs-Ministerium, das Verkehrs-Ministerium ist.“ In dem gleichen Sinne trat auch der Abgeordnete Daub ein, der ebenfalls die jetzige Organisation, bei welcher einem Minister das ganze Verkehrswesen unter¬ stellt sei, für die beste Lösung und die Angliederung des Wasserbaues an das landwirtschaftliche Ministerium für eine falsche Maassregel erklärte. Verkehrt sei es schon, das Grosse an das Kleine anschliessen zu wollen. Die Wasserbauverwaltung zählt z. Zt. „n wasserbautechnische Vortragende Räthe**) und auch ein Theil der 9 Vortragen¬ den Räthe, welche der Verwaltung angehören, arbeitet für den Wasserbau; es sind ferner vorhanden 58 wasser¬ bautechnische Reg.- und Bauräthe bei den Regierungen und 195 Wasser-Bauinspektoren der allgemeinen Bauver¬ waltung. Dagegen sind in der Meliorations-Bauverwaltung, die dem Landwirthschafts-Ministerium unterstellt ist, nur 2 Vortragende Räthe und 42 Lokalbaubeamte thätig. Die Re¬ gierungsinstanz ist nicht besetzt, weil die Meliorations-Bau¬ beamten unmittelbar dem Oberpräsidenten unterstellt sind.“ Ausserdem bearbeite jetzt die Wasserbauverwaltung eine grosse Reihe von Aufgaben, die mit der Landwirth¬ schaft in gar keiner Beziehung stehen. Da bilde das Ministerium der öffentlichen Arbeiten gewissermaassen ein „neutrales Ministerium“, das „die Rolle eines ehrlichen *) Es ist inzwischen eine Vermehrung der Stellen eingetreten. **J Vergl. hierzu Dtsch. Bztg. Jhrg. 1898 S. 149 u. 629, sowie S.251 u.268. 22. April 1903. 207 Maklers spielt zwischen den verschiedenen Interessen der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels und Gewerbes“. Aber auch sonst sei es nicht wünschenswert, die seit 1848 als einheitliche Verwaltung bestehende und seitdem mächtig entwickelte Bauabtheilung aufzulösen, denn es sei wichtig, „dass eine Zentralstelle im Staate vorhanden ist, wo alle Erfahrungen auf technischem und künstlerischem Gebiete gesammelt werden, eine Zentralstelle, die dafür sorgt, dass technische und künstlerische Erfolge, die an einer Stelle des Staates erzielt sind, auch dem ganzen Staatsgebiete zugute kommen , und überall verwerthet werden können." Auch daraus würden sich Schwierigkeiten ergeben, dass dem Hochbau und dem Wasserbau jetzt eine ganze Reihe von Einrichtungen gemeinsam seien, dass durch eine Trennung beider der bisher aufrecht erhaltene und durchaus wünschenswerthe Zusammenhang verloren gehen würde. „Es würde durch Wegfall dieser Zentralstelle für die gesamte Technik und Baukunst ein Sinken des tech¬ nischen und künstlerischen Könnens des gesamten Staats¬ bauwesens eintreten.“ Die Abgeordneten Dr. Krieger und Schmieding vertraten dagegen den Standpunkt, dass eine Abtrennung der Eisenbahnverwaltung in absehbarer Zeit wünschens- werth sei, während sie andererseits die schon wieder¬ holt gefordete einheitliche Regelung der ganzen Wasser- wirthschaft und des Wasserbauwesens, deren Behandlung jetzt unter der Zerrissenheit der Ressortverhältnisse leidet, als das erstrebenswerthe Ziel bezeichneten. Der Abge¬ ordnete Schmieding nahm auch den Gedanken wieder auf, dass es wünschenswerth sei, dass dann das vom Eisen¬ bahnwesen getrennte Ministerium der öffentlichen Arbei¬ ten auch die in anderen Ministerien zersplitterten Theile des Bauwesens an sich ziehe. — Soweit bringen die Verhandlungen keine wesentlich neuen Momente. Was hier ausgeführt wurde, ist auch schon früher Gegenstand der Erwägung gewesen (vergl. hierzu unsere verschiedenen Ausführungen im Jhrg. 1898 d. Dtschn. Bztg.), wenn auch vielleicht nicht in so präziser Form zum Ausdruck gekommen. Ein neues, persönliches Moment brachte der Abgeordnete v. Arnim (kons.) in der Sitzung vom 3. März d. J. hinein, der als einen Hauptgrund gegen den geplanten Ausbau des Ministeriums den an¬ führte, dass dieser die Bildung eines Ministeriums mit einem Techniker an der Spitze befürchten lasse und dass seine Partei das auf keinen Fall wünsche. Dem lebhaften Wider¬ spruch gegenüber, den diese Aeusserungen von verschie¬ denen Seiten des Hauses fanden, hat Redner in der Sitzung selbst keine Einschränkung seiner Ausführungen entgegen¬ gesetzt, dagegen den stenographischen Bericht (nicht ohne damit erneuten Widerspruch herauszufordern) so gefasst, dass die persönliche Spitze gegen die Techniker in Weg¬ fall gekommen ist. Der betreffende, sehr gewundene Satz des Stenogrammes lautet nunmehr, „dass wir nicht wün¬ schen, dass jemals ein rein technisches Ministerium wird, dass sich etwa ausbaut ein Minister für Eisenbahn-Ange¬ legenheiten und ein Minister für Bau-Angelegenheiten, und dass ein rein technisches Ministerium wird, dessen Chef Mitglied des Staatsministeriums wird“. Besonders warm traten naturgemäss die Abgeordneten Daub und Dr. Krieger für ihre Fachgenossen ein, indem sie einerseits auf das Ausland verwiesen, wo, wie z. B. in Frankreich, Techniker in die höchsten Ehrenstellen des Landes aufgerückt sind, andererseits betonten, dass wenn höhere Offiziere und Kaufleute Minister werden könnten, der „Gedanke doch kein so ungewöhnlicher sei, dass auch mal ein hervorragender Techniker bei uns Minister wer¬ den könnte“. In dem in vieler Beziehung fortschrittlichen Grossherzogthum Hessen steht ausserdem z. Zt. ein Tech¬ niker, der frühere Oberbürgermeister von Giessen, von Gnauth, mit grossem Erfolge an der Spitze des Finanz- Ministeriums. Der Abgeordnete Daub konnte die ängstli¬ chen Geinüther allerdings gleichzeitig damit beruhigen, dass in Preussen die Techniker sich ja „nicht eines grösseren Einflusses bei der Staatsverwaltung“ erfreuten, sodass also vorläufig eine solche Gefahr hier nicht vorliege. Erfreulich war die Erklärung des Abgeordneten von Savigny (Zentr.), der Namens seiner Parteifreunde ver¬ sicherte, dass bei ihnen keine Abneigung gegen die Tech¬ niker vorhanden sei, während der Abgeord. Schmieding (natl.) mit Nachdruck betonte, dass es für die Besetzung einer leitenden Stelle nicht darauf ankomme, ob ein Mann Techniker, Verwaltungs-Beamter oder Jurist sei, sondern allein, ob er ein tüchtiger Mann ist. Die Ausführungen des Hrn. v. Arnim wurden dann durch seinen eigenen Parteigenossen v. Loebell abge¬ schwächt, der es für ein Missverständniss erklärte, dass dieser sich gegen die Techniker gewendet habe. Er habe nur sagen wollen, dass die Partei „einem besonderen technischen Ministerium entschieden Widerspruch entgegen bringe, weil sie es nicht für glücklich halte, die Technik überwiegend loszulösen von der Verwaltung.“ Des weiteren stellte dann Redner aber die Behauptung auf, „es wird jetzt deshalb, dass Verwaltungs-Beamte an der Spitze stehen, das technische Element nicht zurückgedrängt; die Techniker haben volle Entfaltung ihrer Kräfte gewährt erhalten“. Er erklärt dann, dass sie keine Feinde der Techniker seien, ihre Erfolge und ihre Bedeutung durch¬ aus anerkennten, schliesst aber mit den Worten, dass man es ihnen andererseits nicht verargen dürfe, wenn sie die „bisherige Organisation, wie sie zum Segen des preussi- schen Staates bisher bestanden hat, für richtig halten und nicht aufgeben wollen, nämlich dass sich die Techniker bei voller Freiheit ihrer Kräfte der allgemeinen Organisation anpassen“ — d. h. mit anderen Worten, die Superiorität der Verwaltungs-Beamten anerkennen. Dass bei einer Debatte, die sich in so ausgesprochener Form gegen einen Theil der seinem Ressort unterstellten Beamten richtete, der Minister der öffentl. Arbeiten nicht schweigen konnte, ist selbstverständlich. Die Abwehr der gegen die Wasserbauverwaltung gerichteten Vorwürfe war allerdings nur schwach, indem der Minister nur her¬ vorhob, dass doch „in der letzten Zeit erhebliche Fort¬ schritte“ gemacht seien, und dass „das Vertrauen zur Wasserbauverwaltung durch die Arbeiten des Wasser¬ ausschusses erheblich gewonnen“ habe. Diese Ausfüh¬ rungen enthielten also weniger eine Vertheidigung der Verwaltung als eine Verbeugung vor der Mitarbeit der Abgeordneten und der Vertreter der Landwirtschaft im Wasserausschuss. Auch die Antwort, welche sich auf die Angriffe gegen die Techniker im allgemeinen bezogen, hätten wir etwas wärmer gewünscht. Wir geben sie nachstehend wörtlich wieder: „Es ist von verschiedenen Rednern die Quali¬ fikation der Techniker zur Sprache gekommen. Ich glaube, die Techniker im Lande würden es nicht ver¬ stehen, wenn ich als Minister, dem ja die grösste Zahl aller Techniker unterstellt ist, hier nicht erklärte, dass ich eintreten will für die Tüchtigkeit der Techniker im ganzen, und dass ich nicht glaube, dass eine Berechtigung dazu besteht, einen Unterschied zu konstatieren zwischen der Tüchtigkeit der technischen und administrativen Beamten. Eine meiner vornehmsten Pflichten ist es, dafür zu sorgen, dass Friede zwischen beiden Kategorien besteht und er¬ halten wird. Das ist eine wichtige Pflicht, die ich habe. Damit ich die Aufgaben lösen kann, die mir zugefallen, und ich kann sagen: wir haben ausgezeichnete Verwal¬ tungsbeamte unter den Technikern, z. B. Präsidenten von Eisenbahn-Direktionen und Ministerialdirektoren, und wir haben ebenso ausgezeichnete Administrativ -Beamte, die in denselben Stellungen sind. Das hängt eben davon ab, ob der Mann ein klarer Kopf, ein praktischer Mann ist und einen energischen Willen hat. Ich habe mich gefreut, dass Hr. v. Loebell in seinen letzten Aeusserungen es selbst bestätigt hat, dass man die Qualifikation des Technikers im allgemeinen nicht bemängeln sollte; aber ich glaube, wir sollten den Frieden halten, wir sollten den Gegensatz, der namentlich in frühe¬ rer Zeit bestanden hat, zwischen Administrativ-Beamten und Technikern, nicht aufs neue aufrühren, sondern dafür sorgen, dass beide Teile dienstfreudig zusammen arbeiten. Nur auf diese Weise kann etwas ordentliches geleistet werden“. Wenn wir auch die Gleichstellung der „Tüchtigkeit der technischen und administrativen Beamten“ dankend aner¬ kennen, so glauben wir doch, dass der Hr. Minister die Sach¬ lage etwas zu optimistisch auffasst. Noch ist der Gegensatz zwischen den beiden Kategorien von Beamten keineswegs ausgeglichen, noch ist ein weiter Weg bis zur völligen Gleichberechtigung bei gleicher Tüchtigkeit zurückzulegen, und noch ist den Technikern die „freie Entfaltung ihrer Kräfte“, wie Hr. v. Loebell meinte, nicht gewährleistet. Dass aber eine Entwicklung in diesem Sinne schliess¬ lich kommen muss und kommen wird, daran zweifeln wir nicht. Dass der jetzige Minister der öffentlichen Ar¬ beiten in diesem Sinne wirken wird, dürfen wir von ihm erhoffen. Die, ebenfalls nicht ohne Widerspruch geblie¬ bene, Ernennung eines zweiten Technikers zum Ministe¬ rialdirektor ist ein weiterer Schritt auf diesem Wege. Auch die Debatte des Abgeordnetenhauses wird nach dieser Richtung hin nicht ohne Früchte bleiben. — (Schluss folgt.) Inhalt: Ueber moderne Architektur-Photographie. — Zur Baugeschichte des Heidelberger Schlosses (Schluss). — Das Ministerium der ötfentlichen Arbeiten und die Techniker in den diesjährigen Verhandlungen des preussi- schen Abgeordnetenhauses. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Ei seien, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin No. 32. 208 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * 5!5!«r5rsr!9!«rsr^5rS!S!!S!3r AUZEITUN G. GANG. * * N2- 33. * DEN 25. APRIL 1903. * 2r2r2!!S>r!2r2!Sr2r^^!S!^^!S! Das Wiener Arbeiterheim. Architekt; Hubert Gessner in AVien. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 213 und in No. 34.) ein Erbauer ist der aus der Wagnerschule hervorgegangene Wiener Architekt Hubert Gessner. Der modernen Arbeiterschaft ein Haus zu bauen, ist eine seltene und schwie¬ rige Aufgabe, die den Architekten vor ein neues Problem stellt. Denn die streng sachliche Er¬ füllung des Zweckbegriffes — und das ist die Grund¬ bedingung des architektonischen Schaffens — setzt eine genaue Kenntniss der Bedürfnisse einer modernen Arbeiter-Organisation voraus, und über diese rein sach¬ liche Kenntniss hinaus die Fähigkeit, dem sozialen Ge¬ danken, den ein solcher Bau verkörpern soll, zum sichtbaren Ausdruck zu verhelfen. Eine strenge Zucht gehört dazu, um das rechte Maass zu finden, gross zu wirken, ohne brutal zu sein, schlicht ohne armselig zu scheinen, streng, ohne herb zu werden. Bei allem Klassenbewusstsein, bei allem Parteigefühl: die Haus¬ götter der Wohnlichkeit und Gastlichkeit darf man im Heim, also auch im Arbeiterheim, nicht missen. Be¬ sonders schwierig wird die Lösung, wenn beschränkte Geldmittel zur Verfügung stehen, wie es hier der Fall war. Die Kostenfrage pflegt die strengste Zucht auf¬ zuerlegen, und das hat mitunter sein Gutes. Sie zwingt, alles Ueberflüssige, nicht zur Sache gehörige, und darum Schädliche, oder mindestens Ueberflüssige zu vermeiden und aus dem Wenigen das Bestmögliche oder Meistmögliche zu machen, da man doch auch nicht irgend einen Mangel durchblicken lassen will. Die Noth wird hierdurch eine baukünstlerische Tugend. Die Vielseitigkeit der Aufgabe liegt darin, dass ein solches Heim auf alle nicht nur im Leben der Partei, sondern auch der Familie vorkommenden Bedürfnisse Bedacht nehmen und alles vorsehen und vereinigen muss, was zu einem solchen Leben gehört, von dem privaten Wohnen angefangen, bis zu den festlichen und politischen Versammlungen, den administrativen und agitatorischen Einrichtungen, den Unterhaltungs¬ und Bildungs-Bedürfnissen; alles soll sich in dem Hause abspielen können, das wie ein Haus des Lebens oder wie ein Bienenstaat eine wohldurchdachte organische Gliederung besitzt. Was hat nun Gessner aus dieser Aufgabe ge¬ macht? Die Gebäudegruppe setzt sich aus zwei Haupt- theilen zusammen, aus demWohnhause an der Strassen- 209 front und einem rückwärts gelegenen Saalgebäude; beide sind durch eine von der Strasse aus zugängliche Vorhalle verbunden. Im Erdgeschoss des Wohnhauses befinden sich eine Restauration und ein Konsumver¬ ein, im Zwischengeschoss die Bureaux der Partei, die Krankenkasse, die Bibliothek usw., und in den Stock¬ werken die Arbeiter-Wohnungen, kleine, nette Woh¬ nungen, bestehend aus je einem Zimmer mit einem breiten Fenster, einem Kabinet mit Fenster gewöhn¬ licher Abmessungen, Vorzimmer, Küche, Speisekammer, Abort und Wasserleitung. Ein Doucheapparat für jede Wohnpartei befindet sich auf dem Speicher. Das Neuartige an diesen kleinen Wohnungen ist die An¬ lage der Fenster, das einzige breite Zimmerfenster, das im ersten Stockwerk erkerartig ausgebaut ist, und abwechselnd mit den einfach-breiten Kabinetfenstern die Gliederung der Fassade herbeiführt. Man kann so an der Front des Hauses den inneren Organismus ablesen und das allein ist als Ausdruck der Wahr¬ haftigkeit ein grosser Vorzug gegenüber jenen Schein¬ architekturen, die eine Miethskaserne äusserlich zum Pallazzo stempeln möchten. Man kann angesichts dieser freundlichen hellen Wohnräume nicht das Be¬ dauern unterdrücken, dass der Bauherr und der Archi¬ tekt nicht noch einen Schritt weitergegangen sind, um die vollständige Einheit zu wahren, und für diese Wohnräume auch die entsprechenden Einrichtungs- Gegenstände geschaffen haben, zumindest in einigen Typen, die von einigen Arbeiter-Familien sicherlich abgelöst und von anderen nachbestellt worden wären. Bei entsprechender Organisation ist die Sache gut und billig durchzuführen. Man sage nicht, die Arbeiterwohnung sei ein un¬ gelöstes Problem. Nachdem das Arbeiterheim kein ungelöstes Problem mehr ist, hätte sich im Zusammen¬ hang mit der Architektur auch leicht die Lösung des billigen Innenraums gefunden. Das wäre ein Ziel aufs Innigste zu wünschen! Es sei in diesem Bericht nur nebenbei als Anregung erwähnt und soll keinen Tadel bedeuten, denn man weiss, über der Thürschwelle schweigt der Massenwille und das Persönliche entschei¬ det, ob gut oder übel. Aber schön wäre es gewesen, hätte sichs durchführen lassen. Jener Massenwille, der organisiert als Parteiwille auftritt, findet dagegen seine Rechnung in dem hinte¬ ren Saalgebäude, welches den geselligen bezw. den politischen Zusammenkünften, den Festen und Unter¬ haltungen dient. Der Einzelne geht hier in der Allge¬ meinheit unter, in der tausendköpfigen Menge, die ein gemeinsames Dach braucht. Hier ist die Gross¬ zügigkeit am Platze. Im Erdgeschoss dieses Saalge¬ bäudes befindet sich ein grosser Mittelraum, dem lang- seits kleinere Räume, Sitzungszimmer für die verschie¬ denen Parteigruppierungen und Klubs angeschlossen sind. Zu Zeiten mag es wohl Vorkommen, dass im Saal ein Wort ertönt, das über die Scheidewände der einzelnen Gruppen hinaus allen gilt, weil es ge¬ meinsame Interessen berührt; in solchem Augenblick fallen die Wände der abschliessenden Zimmer und diese bilden dann mit dem Mittelsaal einen einzigen Raum, darin die Zusammengehörigkeit aller Insassen offenbar wird. Der praktische Zweck, der mit der Beweglichkeit der Wände erzielt wird, hat zugleich auch eine fast symbolische Bedeutsamkeit. Oberhalb dieser Erdgeschossräume befindet sich der grosse Festsaal. Er ist, wie alle Theile des Hauses, von der grossen Vorhalle aus zugänglich und zwar auf einer 3,5 m breiten Treppe, die in dem denkwür¬ digen November 1902 während der Wahldemonstra¬ tionen der Schauplatz blutiger Scenen war. Also hat das junge Haus bereits seine Geschichte. Der grosse Festsaal besitzt samt der herumlaufenden Galerie einen Fassungsraum für etwa 3000 Personen. Hier finden nebst den grossen politischen und agitatorischen Versammlungen Konzerte, Theater-Aufführungen und Vorträge statt, und es ist zu diesem Zwecke ein grosses Podium, eine Art Bühne mit Vorraum vorhanden. Dem Grundsatz der strengen Sachlichkeit huldi¬ gend und wohl auch wegen des beschränkten Bau¬ fonds mehr der Noth gehorchend als dem eigenen Trieb, hat der Architekt sein Möglichstes gethan, um das konstruktive Moment so zu betonen, dass es zu¬ gleich die ästhetische Forderung erfüllt, also gleich¬ zeitig auch dekorativ wirkt. Das wird vor allem an der grossen Saalüberdeckung sichtbar, die aus Beton mit festen Eisenrippen hergestellt ist (s. Bildbeilage). Die zutage tretenden Eisenrippen sind roth gestrichen und geben ein sehr ansprechendes bandartiges Dekor ab. Ebenso dekorativ ausgenützt sind die- schmied¬ eisernen Galeriegeländer, die sichtbaren Galerieträger und die an der Decke befindlichen Einmündungen der Lüftungskanäle. An die Säle schliesst sich eine 500 Die annähernde Gleichheit der Temperatur-Aus- dehnungs-Koeffizienten von Beton und Eisen ist durch Versuche nachgewiesen. Früher wurde diesem Umstande ein grosses Gewicht beigemessen; nach der heutigen Er¬ kenntnis würde ein geringer Unterschied in der Längen¬ ausdehnung nicht so viel zu bedeuten haben. Mit Hilfe der Adhäsion und der grossen Dehnbarkeit des Betons könnte sie durch geringe innere Spannungen für die ge¬ wöhnlichen Temperatur-Unterschiede unschädlich gemacht werden. Nach den amtlich angestellten Feuerproben findet eine der Tragfähigkeit schädliche Loslösung von Eisen und Zementmörtel selbst bei sehr hohen und raschen Tempe¬ raturänderungen nicht statt. Die armierten Betonkonstruk¬ tionen sind als schlechte Wärmeleiter nicht so sehr den Wärmeänderungen ausgesetzt, wie die reinen Eisenkon¬ struktionen; es ist daher bei ihnen mit engeren Tempe¬ raturgrenzen zu rechnen. Die vierte grundlegende Eigenschaft des Betons, seine grosse Dehnbarkeit in Verbindung mit dem Eisen hätte schon früher geahnt werden können, sie wurde aber erst von Considöre durch Versuche nachgewiesen. Wohl war es bekannt, dass die Risse im Beton erst spät bei hohen Beanspruchungen des Eisens sichtbar werden. Es wurden sogar die Dehnungen gemessen und mit Hilfe des Elasti¬ zitätsmoduls für Beton die grössten erreichten Zugspannun¬ gen berechnet. Man gelangte dann zu fabelhaften Zug¬ festigkeiten des armierten Betons von 50, 70, ja sogar iookg/qc“>, während der nicht armierte Beton höchstens 12—15 k°/qcm aufweist. Die Considfere’schen Versuche erstreckten sich auf Prismen quadratischen Querschnittes von 6 cm Seitenlänge und 60 cm Höhe, die an der gezogenen Seite durch Rund¬ eiseneinlagen verstärkt waren. Die Belastung der Pris¬ men war derart, dass das eine Ende derselben eingespannt 25. April 1903. und das andere Ende einem Biegungsmoment ausgesetzt wurde, das für alle Querschnitte gleich gross war. Es wurden sodann die Verlängerungen auf der gezogenen Seite unter zunehmender Belastung gemessen. Das Mischungsverhältniss war 1 : 3, die Eiseneinlagen bestanden aus 3 Rundeisen von 4,25 Durchmesser. Wenige Pris¬ men blieben zu Vergleichszwecken ohne Eiseneinlage. Bei einem der Prismen wurde das Biegungsmoment so ver- grössert, bis an der Zugseite Verlängerungen von 2mm/m festgestellt werden konnten. Alsdann wurde 139000 mal ein Moment ausgeübt, das 44—71 % dieses zuerst ange¬ brachten Momentes betrug, wobei jedesmal auf den unbe¬ lasteten Zustand zurückgegangen wurde. Diese wieder¬ holten Anstrengungen gaben Verlängerungen von 0,545 mm bis 1,27 mm/m. Aus den Prismen wurden sodann kleine Betonstäbe von 12/15 mm Querschnitt herausgesägt und nochmals der Biegung unterworfen. Hierbei zeigte sich die Festigkeit überraschend hoch und nahezu gleich der¬ jenigen des frischen Mörtels. Aus den Parallelversuchen mit Mörtelprismen ohne Eiseneinlage folgt aber, dass die Dehnung beim Bruch sich in den Grenzen von 0,1— 0,2 mm hält. Man ist daher zu der Annahme gezwungen, dass in einem Körper aus armiertem Beton das Eisen dem Beton die Eigenschaft verleiht, ohne zu zerreissen, viel grössere Dehnungen auszuführen, als wenn er sich selbst über¬ lassen ist. Considöre erklärt diese Erscheinungen folgender- maassen: Bekanntlich dehnt sich ein den Zugkräften aus¬ gesetzter Metallstab zuerst gleichmässig auf seine ganze Länge; mit steigender Zugspannung schnürt er sich an einer bestimmten Stelle ein, an welcher er dann sehr bedeutende örtliche Verlängerungen erfährt. Wenn also die zwischen den Enden gemessene Dehnung etwa 20 °/0 betragen kann, so ist sie in Wirklichkeit in der Nähe der Bruchstelle 10 bis 15 mal grösser. Nimmt man nun an, dass diese unter dem Namen der Kontraktion bekannte Erscheinung auch beim Zementmörtel auftrete, so wird die zwischen den Enden der Versuchskörper gemessene Verlängerung nur eine mittlere Dehnung vorstellen und der Mörtel wäre in Wirk¬ lichkeit fähig, eine viel grössere Längenänderung auszu¬ führen. In den Betoneisenkonstruktionen ist der Beton mit dem Eisen verbunden, dessen Elastizitätsgrenze be¬ deutend höher liegt. Bei Einwirkung der Zugkräfte wird das Eisen selbst dann noch gleichmässig auf seine ganze Länge vertheilte Dehnungen ausführen, wenn der Zement¬ mörtel schon das Bestreben haben wird, sich an einer bestimmten Stelle einzuschnüren. Aber die Adhäsion zwingt denselben, dem Eisen in seiner Dehnung zu folgen. Er wird also in allen Punkten des Probekörpers die äusserste Deformation erleiden, deren er fähig ist, und der Bruch wird thatsächlich nur bei solchen Längenver¬ mehrungen (zwischen den Enden gemessen) erfolgen, die bedeutend grösser sind, als wenn keine Eiseneinlagen vor¬ handen wären. Diese von Considfere gegebene Erklärung ist sehr einleuchtend, wenn die Erscheinung der Kontrak¬ tion wirklich beim Zementbeton vorhanden ist. Um dies zu beweisen, müsste man bei den Zugversuchen an den Probekörpern die Verlängerungen auf verschiedene klei¬ nere Messlängen beobachten, um dann festzustellen, da-s die lokale Längenänderung um vieles die gesamte Zunahme der Längeneinheit übertrifft. Zu diesen Biegungsversuchen wurde von Considöre eine Berechnung über die Kraftvertheilung in Eisen und Beton gegeben, wonach der Beton keine grössere Zug¬ festigkeit zeigt, als sie bei reinen Betonprismen nachge¬ wiesen wurde. Diese Berechnung war jedoch nicht ganz einwandfrei und es wurden daher von Considöre noch einfache Zugversuche mit armierten Betonprismen vorge¬ nommen, die vor jedem Irrthum geschützt sind. Mörtel¬ prismen mit quadratischem Querschnitt von 47 mm Seiten¬ länge symmetrisch armiert mit 4 Drähten von 4,4 mm Durch¬ messer, sind dem direkten Zug unterworfen worden und 21 1 man hat bei der Belastung sowohl die Verlängerung der Armaturen, als auch diejenige des Mörtels gemessen, die sich immer fast ganz gleich ergaben. Mit dem bekannten Elastizitätsmodul der Armierung konnte aus der gemessenen Dehnung der vom Eisen aufgenommene Theil der Zug¬ kraft P berechnet werden; der Rest derselben durch den Betonquerschnitt dividiert, ergab die Spannung des Mörtels, zu welcher die zugehörige Dehnung gemessen war. Das beobachtete Gesetz zwischen Dehnungen und Spannungen ist aus Abbildg. i, Seite 211, zu ersehen. Die Ordinaten stellen die auf das Prisma ausgeübte gesamte Zugkraft vor, während die Abszissen durch die entsprechen¬ den Verlängerungen der Armaturen gegeben sind. So PN der vom Eisen aufgenommene Theil der Zugkraft PM, NM „ „ Beton „ „ derselben. Es zeigt sich also die für das Verständniss des stati¬ schen Zusammenwirkens so wichtige Thatsache, dass der Beton in Verbindung mit Eisen fähig ist, sehr grosse Deh¬ nungen auszuführen, wobei von einer gewissen Dehnung aA an die Spannung des Betons nicht mehr wesentlich zunimmt. Die grösste Verlängerung ist 0,9 mm, was einer Eisenspannung von i8ook&/qc“» entspricht. Die Zugfestigkeit des Betons gibt Considfere zu 1 2 kq/qcm an. yon den Berechnungsmethoden betrachten wir zunächst diejenige der Säulen. Die Druckfestigkeit des Betons richtet sich be¬ lange die Last einen gewissen Werth Oa nicht überschreitet, nehmen die Verlängerungen regelmässig zu und bleiben sehr gering; alsdann werden sie plötzlich grösser, zeigen aber bald wieder einen regelmässigen Verlauf, der durch den geraden Theil AB der Linie dargestellt ist. Aus der gemessenen Dehnung und dem bekannten Querschnitt der Armierung kann der von letzterer aufgenommene Theil der Zugkraft berechnet werden. Die Linie derselben ist natürlich eine Gerade, so lange die Elastizitätsgrenze nicht überschritten ist. In der Abbildung ist diese Gerade durch die Linie OF dargestellt, die im wesentlichen parallel der Linie AB verläuft. Für irgend eine Längenänderung OP ist also kanntlich nach dem Mischungsverhältniss, der Form und Höhe der Versuchskörper. Bei niedrigen Betonkörpern ist die Festigkeit sehr gross, sie nimmt ab mit steigendem Verhältniss der Höhe zur Breite; die Festigkeit würfel¬ förmiger Körper bezeichnet man als die Würfelfestigkeit des Betons. Bei den hohen Versuchskörpern erfolgt der Bruch durch Ueberwinden des Gleitwiderstandes in ge¬ neigten Flächen und die Druckfestigkeit, die überhaupt nicht infrage kommt, erscheint dann sehr gering, wenn man die Bruchlast durch die Querschnittsfläche dividiert. Es ist also der Zweck der Säulenarmierung, dieses Abgleiten nach geneigten Flächen zu verhindern. Die bisher übliche Säulenarmierung ist diejenige durch loth- No. 33 212 recht stehende Rundeisen, die durch wagrechte Bügel mit einander verbunden werden. Diese Anordnung bietet den Vortheil, dass sie bei exzentrischer Säulenbelastung auf der gezogenen Seite erforderlichenfalls noch Zug¬ spannungen aufnehmen kann. Bei axialer Druckbeanspruchung erfolgt die Berechnung unter der Voraussetzung, dass der Beton und das Eisen P— fb' + X W X P X * * ■X- * * ■X- -X- EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * S«5S?fSSS«SS AUZEITUNG. GANG. * * N2- 35. * DEN 2. MAI 1903. * Entwurf „Vivat academia''. Architekten: Reimer & Körte in Berlin. Der engere Wettbewerb zur Erlangung von Vorentwürfen für den Neubau der Kaiser Wilhelms-Akademie in Berlin. (Fortsetzung). Hierzu die Abbildungen S. 224 u. 227. er auf einstimmigen Beschluss des Preisge¬ richtes mit dem Preise von 5000 M. ausge¬ zeichnete Entwurf „Pallas-Athene“ der Archi¬ tekten Cremer & W olf fenstein hat seinen Sieg in erster Linie der grosszügigen und geschlossenen Anordnung des Grundrisses zu verdan¬ ken. Aus den Sammlungs- und Museumsräumen, so¬ wie aus Vestibül und Aula einerseits, und aus den ge¬ forderten Sälen und der Bibliothek andererseits ist ein an derlnvalidenstrasse gelegener vordererGebäudetheil geschaffen worden, welcher vorzüglich geeignet ist, der Baugruppe den Charakter monumentaler Grösse zu ver¬ leihen, welchen das Bauprogramm verlangte, wenn es bestimmte, „dass die Gesamtanlage als ein einheit¬ licher und stattlicher Monumentalbau in die Erschei¬ nung“ treten solle. Einen Vorzug enthält der Ent¬ wurf auch in der geschlossenen und wohlgeordneten Zusammenfassung der Wohnräume für die Studie¬ renden, die sich um einen grossen mittleren Hof, so¬ wie um mehrere kleinere Höfe in übersichtlicher Weise gruppieren. Durch die Anlage des ganzen Gebäudes derart, dass im vorderen Theile ein grosser Garten¬ hof von etwa 55:90“ geschaffen wurde, welcher dem Hofe entspricht, den das alte Gebäude in der Friedrich¬ strasse zeigt, und dass im hinteren Theile die Gruppie¬ rung ebenfalls in der Hauptsache um einen grösseren Hof stattgefunden hat, die Wahl also von nur zwei Haupthöfen hat der Anlage die Uebersichtlichkeit ge¬ geben, die für den starken Verkehr in derselben er¬ wünscht ist. Der Haupteingang erfolgt durch ein stattliches Vestibül an der Invaliden - Strasse , an welches sich zwei symmetrisch gelagerte Treppenhäuser an- schliessen. Ein zweiter Haupteingang, der vor allem auch von den Studierenden benutzt wird und unter anderem zum Wohnungstrakte führt, liegt an der Scharnhorst-Strasse. Unmittelbar über ihm und zu seinen beiden Seiten sind die Hörsäle angeordnet. In dem diesem Gebäudetheile gegenüber liegenden Trakte liegen die Laboratorien und die zu ihnen ge¬ hörigen Sammlungsräume. Das Programm forderte von den Raumgruppen für das hygienisch-chemische und das physikalische Laboratorium, dass sie „zu¬ sammen in einem hinteren Gebäudeflügel, möglichst weit entfernt von der Strasse“, unterzubringen seien, „sofern die Errichtung eines besonderen Gebäudes für diese Räume nicht möglich sein sollte.“ Angeregt durch die letztere Bestimmung haben einige Theil- nehmer des Wettbewerbes die genannten Raumgruppen in ein getrenntes Gebäude zusammengelegt, weil sie der zutreffenden Meinung waren, dass die übrigen Gebäudetheile möglichst dem Gerüche der Laboratorien entzogen bleiben müssten. Indessen, die Anlage bei Cremer & Wolffenstein ist doch eine solche, dass eine Isolierung dieser Raumgruppen durch Austausch von Räumen und ohne den Organismus zu stören, leicht möglich ist. Auch die Wohnung für den Subdirektor, welche in dem preisgekrönten Entwürfe im hohen Sockelgeschoss und im Erdgeschoss an der Scharn¬ horststrasse liegt und für welche eine nahe Verbindung mit dem grossen vorderen Gartenhofe möglich ist, haben einige Bewerber in ein villenartiges gesondertes Gebäude, umgeben von dem im Programm geforderten Garten, verlegt. Der Aufbau ist in einem maassvollen Barock ge¬ halten; er klingt etwas an die grossgelagerten franzö¬ sischen Militärbauten des XVIII. Jahrhunderts an, die vielleicht der Heeresverwaltung bei der entsprechenden Programm-Bestimmung vorgeschwebt haben. Wie wir erfuhren, hat die schöne Grundrisslösung den Beifall des Kaisers gefunden, während für den Aufbau eine andere Stilfassung gewählt wurde, sodass die Archi¬ tekten mit einer Umarbeitung desselben betraut wur¬ den. Die gesamten Baukosten sind auf etwa 5 Mill. M. veranschlagt; der Beginn des Baues soll unmittelbar nach Genehmigung der ersten Baurate erfolgen. Die Bauzeit ist auf etwa 4 Jahre bemessen. Dem preisgekrönten Entwurf nahe verwandt ist der Entwurf „Vivat academia“ der Hrn. Reimer & Körte in Berlin. Auch sie gingen offensichtlich von dem Ge¬ danken aus, in die neue Anlage die Gewohnheiten der alten, welche als angenehme empfunden wurden, zu übernehmen. Sie schufen daher gleichfalls einen grossen inneren Gartenhof, um welchen sie die Haupträume lagerten und auch sie waren bestrebt, diese Haupt¬ räume in möglichster Geschlossenheit aneinander zu reihen, um von der immerhin nicht allzu reichlichen Gesamtfläche so viel für Gartenanlagen übrig zu lassen, dass dem Bedürfniss nach Licht und Luft in reich¬ licherer Weise zu genügen war, als die knappe Noth- wendigkeit es erfordert. Das Wohngebäude für die Stu¬ dierenden liegt, in ganz ähnlicher Gruppierung um einen 221 grossen Mittel- und mehrere kleine Lichthöfe wie in dem preisgekrönten Entwürfe, auf dem nördlichen Theile des Grundstückes. In der Richtung nach Norden ist auch die Erweiterung vorgesehen. Der Eingang zu diesem Gebäudetheil erfolgt einmal in sehr zweckmässiger Weise von einer Durchfahrt an der Scharnhorst¬ strasse her, das andere Mal in verwandter Anordnung vom grossen Gartenhofe aus. Der Haupteingang mit daran anschliessendem stattlichem Treppenhaus liegt an der Invalidenstrasse. Nach Westen abgesondert und in einem villenartigen Gebäude untergebracht ist die Wohnung für den Subdirektor; von den übrigen Gebäudetheilen abgesondert sind auch die Laboratorien, sowie das Maschinen- und Kesselhaus; sie liegen an der Seite gegen den Spandauer Schiffahrtskanal. Der Aufbau zeigtauch hier ein feines, maassvolles, der italienischen Hochrenaissance genähertes Barock; die Hauptansicht in der Invalidenstrasse erfährt eine interessante Steige¬ rung des Maasstabes durch die kleinen Verhältnisse der angeschlossenen Wohnung des Subdirektors. — _ (Schluss folgt.) Villa des Herrn Dr. Arendt in Feldafing am Starnberger See. Architekten: Gebr. Rank in München. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 225.) och vor einigen Jahren war der am west¬ lichen Ufer des Starnberger Sees zwischen den Ortschaften Tutzing und Feldafing ge¬ legene sogenannte Höhenberg mit seinem schönen, die ganze Bergkette der Karwendel- berge bis zu den Tegernseer Alpen umfassenden Fern¬ bild trotz seiner Höhenlage ein unwirthschaftliches Gelände, das infolge seines wasserundurchlässigen Erst durch den weitblickenden Geschäftsgeist und die Thatkraft einer Gesellschaft wurde neuerdings wieder die Aufmerksamkeit auf diese Gegend gelenkt. Mit ganz erheblichen Kosten unternahm es die Heil- mann’sche Immobilien-Gesellschaft in München, durch Anlage von Strassenzügen, Anpflanzung von Alleereihen, durch Kanalbauten zum Zweck der Ent¬ wässerung der Sumpfwiesen und durch bedeutenden Lehmbodens und der hierdurch er¬ zeugten Versumpfung der Wiesen den Herd Tausender von Mücken und Fliegen bildete, sodass diese Gegend von den Sommerfrischlern für bleibenden Aufenthalt gern ge¬ mieden wurde. In den Niederun¬ gen, hart am Seeufer, wurde schon vor mehreren Jahrzehnten vom König Max II. eine Schlossanlage im grössten Maasstabe geplant und dementsprechend auch die Umge¬ bung des geplanten Ruhesitzes mit gärtnerischem Schmuck versehen, der sich im Laufe der Jahre zu einem herrlichen Park zusammen¬ gewachsen hat. Der unerwartete Tod dieses Königs unterbrach die Bauarbeiten; sein Sohn Ludwig II. schien für die Fortsetzung dieser Bauten infolge an¬ derer Pläne keine Sympathien zu besitzen, obgleich er auf der nur einige hundert Meter entfernten Rosen¬ insel mit seinen Kunstfreunden oft und gern weilte. Die zumtheil fertigen Fundamentmauern wurden zu¬ geschüttet und damit fiel auch dieser an landschaft¬ lichen Schönheiten so überreiche Theil des Starn¬ berger Sees der Vergessenheit anheim. Zuschuss bei Herstellung einer ergiebigen gemeindlichen Wasser¬ leitung, dieses Gebiet bewohn- und nutzbar zu machen. Es ist das Ver¬ dienst dieser Gesellschaft, auf diesem Wege der Bauthätigkeit eine ganze Reihe dankbarer und hübscher Bau¬ aufgaben zugeführt zu haben. Heute schmücken bereits eine Anzahl grösserer und kleinerer Landhäuser diesenHöhenzug ; die kahlenWiesen- flächen verwandelten sich in kleine reizende Parkanlagen. Am oberen Rande des Hügel¬ rückens gelegen, mit dunkelgrünem Baumhintergrund , beherrscht die hier vorgeführte, in den Jahren 1900 — 1901 erbauteVilla des Hrn. Kommerz.-Rathes Dr. Arendt einen Theil des Geländes. Das Bestehenlassen vor demWind schützen¬ der Bäume einerseits, andererseits die Ermöglichung einer bequemen Steigung der Zufahrtsstrasse bedingten ein Vorrücken des ganzen Baues, gleichzeitig aber auch bedeutende Erdaufschüttungen, was in den Kosten der Erdbewegung und tiefer Fundamente merklich zum Ausdruck kam. Für die Erscheinung des Ganzen war aber dieses Vorrücken sehr vortheilhaft. 222 No. 35. Gemäss dem Wunsche des Erbauers sollten sich an eine wohnlich ausgebildete Diele, enthaltend die nur bis zum ersten Obergeschoss führende Haupttreppe, alle übrigen Wohn- und Schlafzimmer anreihen; es- wurde namentlich auf eine strenge Scheidung der Räume zum Bewohnen für die Familie von denjenigen der Bewirthschaftung Gewicht gelegt, was durch Hin¬ ausschieben der Küche, Nebentreppe und Dienstboten¬ räume erzielt wurde. Die Küche erhielt besonderen Zugang. Ferner musste darauf Bedacht genommen werden, dass jedes der im ersten Obergeschoss ge¬ legenen Schlaf- und Fremdenzimmer einen Balkon für sich zur Benutzung bekam. Ein durch den Speicher leicht begehbarer Thurm sollte den Blick über den dichten Wald hinweg bis zum westlichen Abschluss der im Gesichtskreise gelegenen Bergkette, bis zur Zugspitze gestatten. Zur Ueberwachung und leichten Bedienung der Hausthüre wurde unmittelbar an die¬ selbe das Dienerzimmer gelegt; anschliessend daran sind Garderobe für Besuche und Klosets angeordnet. Eine Nebentreppe vermittelt die Verbindung zwischen der Küche im Erdgeschoss, den Mädchen -Kammern im ersten Obergeschoss, den Speicherräumen und den zur Bewirthschaftung nöthigen Räumen im Keller. Eine zweite Kellertreppe führt von der Diele nach dem Weinkeller und dem Kneipstübchen. Um ein Feuchtwerden der Kellerwände zu ver¬ meiden, was trotz sehr starker guter Betonkellermauern infolge des etwa 6m höher gelegenen wasserundurch¬ lässigen Hinterlandes nicht zu umgehen gewesen wäre, erhielt das Gebäude an den drei anliegenden Seiten einen etwa 50 cm breiten, bis unter die Fundamente führenden Isoliergang, welcher an die Entwässerung angeschlossen ist. Einem weiteren Aufsteigen der Boden -Feuchtigkeit durch die Kellerböden ist durch Auffüllung einer wasserdurchlässigen, etwa 30 er11 hohen Kiesschüttung entgegen gearbeitet. Das Gebäude erhielt Acetylen-Beleuchtung. Der Gaserzeuger ist ausser dem Hause im Kellergeschoss der angebauten Pergola untergebracht. In der Axe des Hauses ist diesem zur Belebung sei¬ ner Umgebung eine Springbrunnen- Anlage vorgelegt, welche wir S. 222 in Abbildung bringen. Dem Haupt¬ portal des ganzen Anwesens gegenüber liegt die Woh¬ nung des Gärtners mit anschliessendem Warmhause. Das Gebäude selbst, ohne Pergola, Springbrunnen, jedoch einschl. aller Vorbauten, stellte sich auf 66000 M., sodass das cbm umbauten Raumes von Kellersohle bis Oberkante Dachgesims und sämtliche Ausbauten ge¬ rechnet auf 19,6 M. zu stehen kam. Die gärtnerischen Anlagen sind nach dem Ent¬ würfe des Hrn. Hof-Garteninsp. Kaiser angelegt. — Theorie der Betoneisen-Konstruktionen. (Fortsetzung.) ei der Untersuchung der Betoneisen-Konstruktionen auf Biegung sei zunächst die einfache Biegung in¬ betracht gezogen. Bei den homogenen Körpern mit konstanten Formänderungs-Koeffizienten werden die Bie¬ gungs-Gleichungen unter der Voraussetzung abgeleitet, dass die vor der Biegung ebenen Querschnitte auch nach der Biegung noch eben sind, obwohl diese Voraussetzung mit dem Vorhandensein der Schubspannungen unvereinbar ist, da letztere eine S-förmige Wölbung der Querschnitte be¬ wirken. Der Einfachheit wegen kann mit gleichem Recht dieselbe Voraussetzung bei der Biegung armierter Beton¬ körper gemacht werden. Eine Hauptstreitfrage ist die, ob die Zugfestigkeit des Betons bei der Biegung berücksichtigt werden soll. Unter den in der Praxis stehenden Ingenieuren ist diese Frage schon von Anfang an ziemlich entschieden und zwar in dem Sinne, dass von der Zugfestigkeit des Betons voll¬ ständig abgesehen wird und die Eisen auf der Zugseite bis zur zulässigen Zugspannung beansprucht werden. Die Zugspannung des Betons bleibt ganz unberücksichtigt. Es sei erinnert an die von Reg.-Bmstr. Koenen in Berlin im Jahre 1886 gegebene genäherte Berechnungsweise der Monierplatten, die heute noch anwendbar ist. Auf dieser gesunden Grundlage ist die Theorie seither weiter ausge¬ baut worden, was namentlich durch die Elastizitätsversuche möglich geworden ist. Die Theorie, bei der die Zugfestig¬ keit des Betons unberücksichtigt bleibt, wird unter anderen von Christophe, Considöre und Emperger vertreten. Dem Bestreben, das günstige Verhalten des armierten Betons theoretisch zu erklären, verdanken eine sehr grosse Anzahl von Berechnungsmethoden ihre Entstehung. Sie sind meist von der Praxis fernstehenden Theoretikern aus¬ gegangen. Diese berücksichtigen nun die Zugfestigkeit des Betons; die ältesten Methoden nehmen Zug- und Druck¬ elastizität des Betons gleich gross an; später wird der Elastizitätsmodul für Zug geringer angenommen, sodann werden für die Dehnungskurven des Betons Parabeln ge¬ setzt und endlich nach den Considöre’schen Versuchen ist die Spannungslinie des gezogenen Betons durch eine dem Querschnitt parallele Gerade dargestellt worden. Es ist vorauszusehen, dass mit solchen Annahmen Ausdrücke er¬ halten werden, deren Länge vielleicht von den Autoren als besonderes Merkmal der Genauigkeit und Zuverlässig¬ keit betrachtet wird. Für den Konstrukteur bieten diese langen Formeln nichts Verlockendes. Dazu kommt, dass der Ersatz der Dehnungskurve durch eine Parabel unge¬ nauer ist als derjenige durch eine Gerade, denn für das Potenzgesetz liegt der Exponent m viel näher an 1 als an 2 und man muss den Dehnungskurven Gewalt an- thun, wenn man sie in die Form einer Parabel pressen will. Aber abgesehen von alledem, bieten diese Be¬ rechnungsmethoden nicht den wünschenswerthen Grad von Sicherheit, sie können vielmehr geradezu gefährlich werden, wenn das Prozentverhältniss der Armierung zu gering gewählt wird. 2. Mai 1903. Berücksichtigt man, dass der Beton der Rissebildung ausgesetzt ist, sei es durch mangelhafte Herstellung oder Unterbrechung während des Betonierens, sei es durch Temperatur-Einwirkungen oder zu rasches Austrocknen, so wird man nicht mit Sicherheit auf die Zugfestigkeit des Betons rechnen wollen. Thatsächlich besteht keine.Sicher- heit gegen die Risse im gezogenen Beton und es ist z. B. nicht ausgeschlossen, dass bei Belastungsproben schon früh feine Zugrisse im Beton auftreten, deren Ursache unbekannt ist. Jedenfalls ist der Zeitpunkt des Eintretens der Zugrisse nicht mit Sicherheit vorauszubestimmen. Zieht man ferner inbetracht, dass der Zweck jeder stati¬ schen Berechnung weniger die geanue Ermittelung der in einer Konstruktion bei irgend einer Belastung auftretenden Spannungen, als vielmehr der Nachweis eines hinreichen¬ den Sicherheitsgrades sein soll, so müssen die Zugspannun¬ gen des Betons schon aus dem Grunde ausser Betracht bleiben, weil seine Zugfestigkeit nur bis zur Elastizitäts¬ grenze des Eisens reicht, also vor Erreichung der Bruch¬ last längst versagt. Für einen rechteckigen Querschnitt können wir For¬ meln für die Dimensionierung ableiten, wenn die Dehnungs¬ kurve des Betons bekannt ist. In Abbildg. 4 bedeutet die Linie OE die Linie der Spannungen, die identisch ist mit der Dehnungskurve des Betons, denn die Zusammendrückungen sind ja pro¬ portional den Ordinaten, während die Abszissen die ent¬ sprechenden Druckspannungen vorstellen. Auf der Zug¬ seite werden den gemachten Voraussetzungen gemäss nur die Zugkräfte der Eiseneinlage wirken und zwar auf die Einheit der Breite reduziert. Die Tiefe unter der neu¬ tralen Axe bei 0 wird durch die Dehnung bestimmt, welche der anzunehmenden zulässigen Eisenbeanspruchung ent- 223 I1M1 ITKi:!;. S I jf'TfTffpTX » l « m IplLLüS 1 ■ ■ ■ V . — 1 US.- ^ f&L 224 No. 35. Preisgekrönter Entwurf „Pallas-Athene“. (1 : ioco.) Aich.: Cremer & Wolifenstein in Berlin. I. u. II. Obergeschoss. Der engere] Wettbewerb zur Erlangung von |Vorentwürlen für |den Neubau der Kaiser Wilhelms-Akademie in Berlin. Villa des Hrn. Dr. Arendt in Feldafing am Starnberger See. Architekten: Gebr. Rank in München. spricht. Die Späh* nungsfläche des Be¬ tons ist ein Recht¬ eck von geringer Breite und von sehr grosserHöhe.Nimmt man noch eine zu¬ lässige Randspan¬ nung des Betons an, z. B. m festgesetzt (früher nur 60 mmj. Die Muffen weite wird so bemessen, dass die Dichtungs¬ stärke am oberen Muffenrand 15 mm beträgt. Dieses Maass darf sich bis zum Muffenboden auf 12 mm verringern. Das Muffen- und das Schwanzende des Rohres sollen auf 50 mm Länge mit wenigstens 5 Riefen versehen sein. 5. Verbindungen, Abzweige. An dem Winkel von 60 0 als allein zulässig für Ab¬ zweige soll festgehalten werden, da dieser als ausreichend zu bezeichnen ist und sich bis zum Anschluss an den Kanal durchführen lässt, so dass die ganze Hausleitung einheitlich ausgebildet werden kann. Für senkrechte An¬ schlüsse soll ein Bogen von 90 0 hergestellt werden, dessen Verwendung jedoch für liegende Röhren ausgeschlossen sein soll. 6. Anschlusstücke an gusseiserne Röhren siehe I. — Der Ausschuss für die Nachprüfung der Normalien. R. Schmick, Vorsitzender. F. Eiselen, Schriftführer. Vermischtes. Ein Fall von Knickung durch eine Zugkraft. In der Habilitations- Schrift „Labile und stabile Gleichge¬ wichtsfiguren auf Biegung beanspruchter Stäbe“, welche ich letztes Jahr der Technischen Hochschule Karls¬ ruhe vorgelegt habe, habe ich gezeigt, dass die Knickung aufzufassen ist als der Uebergang des Stabes aus einem labilen Gleichgewichts-Zustande in einen stabilen Gleich¬ gewichts-Zustand; die Zerstörung durch Knickung ist hier¬ bei nur eine sekundäre Erscheinung, die eintritt, wenn vor der Erreichung des stabilen Gleichgewichts-Zustandes die Beanspruchung des Materiales die Festigkeit desselben überschreitet. Im Folgenden ist ein neues Beispiel von Knickung mitgetheilt, in welchem die Kraft, die diese Knickung hervorruft, ihrem Charakter nach j eine Zugkraft ist. Die zugehöri- / ^ «; gen Berechnungen sind zu um¬ ständlich, als dass sie sich eigneten hier wiedergegeben zu werden. 2 Ein vollkommen elastischer Stab '/^\ /j habe im spannungslosen Zustande /-J Z” Qx /// eine nach einem Kreisbogen ge- ( krümmte Axe und sei an einem \ / \ Ende eingespannt, am anderen Ende / \ belastet durch eine Einzelkraft, die der Einspannung parallel und so gerichtet ist, dass sie an der Ein¬ spannungsstelle Zug erzeugt. In der Figur stellt die gestrichelte Kurve 0 diesen Ausgangszustand dar, bei welchem die Last noch nicht vom Stabe getragen wird. Wenn nun die Kraft, das Trägheitsmoment des Quer¬ schnittes, die Stablänge, der Elastizitätsmodul des Materiales und der Halbmesser des Kreises in gewissen Beziehungen zu einander stehen, so sind die in der Figur gezeichneten drei Gleichgewichtskurven 1, 2 und 3 der deformierten Stabaxe möglich. Die Gleichgewichtsfigur 2 ist aber labil, denn bei der kleinsten Störung geht der Stab entweder in die Gleichgewichtsfigur 1 oder in die Gleichgewichts¬ figur 3 über. Wenn also durch einen Zufall sich der Gleichgewichtszustand 2 einstellt, so wird man über die wahre Tragfähigkeit des Stabes getäuscht, denn derselbe kann plötzlich in die anderen Gleichgewichts -Zustände übergehen, bei welchen seine Beanspruchung viel grösser ist. Die Kurven sind übrigens zur Erzielung einer grösse¬ ren Deutlichkeit etwas verzerrt gezeichnet. Es ist dies nicht ein Beispiel, das in der Praxis vor¬ kommt, immerhin dürfte aber die Kenntniss desselben zur Klärung der Einsicht in die häufiger vorkommenden Fälle der Knickung beitragen. Ich gebrauche allerdings das Wort „Knickung“ in einem gegenüber dem üblichen Sprachgebrauch etwas erweiterten Sinne und glaube des¬ halb dazu berechtigt zu sein, weil die Sache selbst auch in den weniger nahe liegenden Beispielen dieselbe bleibt. No. 38. 246 Mit der erweiterten Bedeutung des Wortes kann ich z. B. behaupten, dass die Wirksamkeit der federnden Mäuse¬ fallen auf dem Prinzipe der Knickung beruht. — Karlsruhe, im Septbr. 1902. Kriemler. Hölzernes Bogendach von der Reithalle der Kaserne zu Grimma i. S. (System Ph. Stephan in Düsseldorf). Lieber die Ausführung hölzerner Fachwerkbogendächer, System Ph. Stephan, haben wir bereits auf S. 195 v. Jhrgs. eine kurze Mittheilung nebst Systemskizze gebracht. Wie dort ■+- Sch Schnitt A-B Hit MI iim-mn Krümmung des Bogens folgend, auf die Pfetten aufgenagelt wird. Die lichte Weite des Raumes stellt sich auf 17,9 m. Der Holzbogen, dessen Schub eine 34 mm starke Rundstange aufhebt, , ist, wie aus der oberen Abbildung hervorgeht, bei 4,21 m Binderentfernung 50 c“» hoch bei 25 ctn Breite. Die Gurtquerschnitte sind aus 8 cm hohen, dünnen, aufeinander gelegten und mit einander verbolzten Brettern, die Fach¬ werkstäbe aus Latten 7/9 bezw. 5/9 cm stark gebildet. An den Füssen des Bogens ist ein massives Holzstück ein¬ gelegt., Die Pfetten des Daches und die Dachsparren werden von Doppelzangen ge¬ tragen, welche den Bogen um¬ fassen. Für die Unterstützung des Firstes ist noch ein kleines Sprengewerk untergeschoben. Die Längsversteifung ist durch Kopfbänder unter den Pfetten, bezw. im First durch Diagonal¬ kreuze hergestellt. DieAufnahme zeigt die Gesamtanordnung vor Aufbringung der Schalung. Das unter 2:3 geneigte Dach ist als Doppeldach mit Ziegeln einge¬ deckt worden. Die Binder wur¬ den auf der Erde fertig zu¬ sammengesetzt und dann hoch¬ gezogen. Bei einer Gesamtzahl von 8 Bindern stellte sich der Holzinhalt der Binder einschl. Pfetten auf nur rd. 35 cbm; der¬ jenige der Sparren auf rd. 25 cbm. An Zugstangen, Laschen, Bolzen waren 1210 erforderlich. Der Bogen ist in der Axe nach einem Halbmesser von 11,60 m gekrümmt und besitzt 4,16 m Pfeil. Er ist als Zwei¬ gelenkbogen mit aufgehobenem Horizontalschub berechnet, wo¬ bei ein Eigengewicht von 120 kg/cim Dachfläche. 60 k?/qm Schneelast und ein Winddruck von 86 k£/qm senkrecht getroffe¬ ner Dachfläche zugrunde gelegt ist. Die sich ergebenden Span¬ nungen schwanken für den Ober¬ gurt zwischen 31 und 64 k=/qcm Druck, für den Untergurt zwi¬ schen 33 ks Druck und i4kxZug, für die Streben zwischen 60 kg Druck und 95 kg Zug, für die Pfosten zwischen 40 kg Zug und 60 kg/qcm Druck. Die Zugstange ist mit 1000 kg belastet. — Querschnitt des Bogens Mitte. H ¥0. G-H. schon bemerkt wurde, eignen sich diese aus Latten und Brettern in einfachster Weise zusammengesetzten, billigen und dabei in der äusseren Erscheinung sehr gefälligen Dächer zu Spannweiten von 12 — 40 m zur Ueberdeckung von Reithallen, Exerzierhäusern, Turnsälen usw. Unsere Abbildungen zeigen ein hübsches Beispiel einer solchen Ausführung von der Reithalle in Grimma. Die Konstruktion weist allerdings nicht alle Eigenheiten der Stephan’schen Bogendächer auf, da hier auf den Bogen noch ein besonderes Satteldach aufgesetzt ist, während bei den einfachen Ausführungen die Schalung, unmittelbar der Ein Unterseetunnel zwischen Spanien und Marokko durch die Meerenge von Gibraltar wird von einem französischen Konsortium nach den Plänen des französi¬ schen Ingenieurs Jean Berlier geplant. Die spanische Regie¬ rung soll ihre Genehmigung be¬ reits ertheilt und auch Marokko soll seine Zustimmung gegeben haben. Der Tunnel würde et¬ was westlich von Tarifa in ge¬ rader Linie auf Tanger zufüh¬ ren und im Zusammenhänge mit einer zu erbauenden Eisenbahn über Fez und dann östlich ge¬ richtet durch das Land Marokko die Verbindung zwischen dem spanischen Eisenbahnnetz und der algerischen Zentralbahn her- stellen. Die Kosten des mit den beiderseitigenRampen etwa4ikm langenTunnels sind auf nur X23(?), die der 591 km langen afrikanischen Eisenbahn auf 119 Mill. Frcs. veranschlagt. Die Meerestiefe erreicht im Zuge der gewählten Trace nur 396 m grössteTiefe, sodass dieserUeber- gang trotz der grösseren Länge vortheilhafter erscheint, als die nur 14 k[n breite Stelle zwischen Gibraltar und Kap Cires, abgesehen von politischen Erwägungen, die hier mit¬ sprechen. Die grösste Tiefe der Tunnelsohle ist in 440 m unter dem Meeresspiegel gedacht. Die beiderseitigen Rampen erhalten dann Neigungen von 25 °/0. Der Meeres¬ boden soll durchweg aus festem Fels bestehen, der keine Klüftungen zeigt, sodass ein Wassereinbruch während der 13. Mai 1903. 247 Ausführung nicht zu befürchten wäre. Berlier legt seiner Kostenschätzung die Kosten des Simplontunnels zugrunde, die bei 20 km Länge auf 3 Mill. Frcs. für 1 km bemessen sind. Als Bauzeit werden 7 Jahre angenommen. Der Plan ist jedenfalls interessant und falls die An¬ nahmen über die Bodenverhältnisse zutreffen, technisch wohl nicht unmöglich. Aber auch abgesehen von den derzeitigen politischen Zuständen in Marokko, wird doch wohl noch mancher Tropfen ins Meer fliessen, ehe der erste Eisenbahnzug die Strasse von Gibraltar kreuzt. — Preisbewerbungen. Einen Ideenwettbewerb betr. Errichtung eines Brunnens ln Essen veranstaltet die Stadtgemeinde Essen unter deutschen Künstlern mit Frist zum 30. Sept. d. J. Aus¬ gesetzt sind 3 Preise von 2000, 1000 und 500 M., deren Gesamtsumme auf alle Fälle zur Vertheilung kommt. Falls ein I. Preis nicht vertheilt werden kann, so wird diese Summe zur Erhöhung der beiden anderen Preise oder zum Ankauf von Entwürfen verwendet. Ein Ankauf weiterer Entwürfe für je 300 M. bleibt Vorbehalten. Dem Preisgericht gehören nächst dem Hrn. Ob.-Bürgermeister an die Hrn. Prof. Th. Fischer in Stuttgart, Prof. Dr. Konr. Lange in Tübingen, Prof. Herrn. Hahn in München, Stdtbrthe. Wiebe u. Guckuck u. Brth. Schmohl in Essen. — Die Kosten des Brunnens (ausschl. Platzregulierung, Gründung und Wasserzuleitung) sollen 25000 M. nicht überschreiten. Verlangt sind Skizzen (Modell 1 : 10), Lage¬ plan, Beschreibung und Kostenanschlag. Der Kostenan¬ schlag muss durch „verbindliche, acht Wochen gütige An¬ gebote leistungsfähiger Firmen belegt" sein, unter Angabe des Materiales und Beibringung von Proben. Diese Forde¬ rungen scheinen uns bei einem Ideenwettbewerb etwas verfrüht und bereiten der Betheiligung jedenfalls erheb¬ liche Schwierigkeiten. Unterlagen gegen 3 M. vom Ober- Bürgermeisteramte. Ein Preisausschreiben um Vorentwürfe für eine höhere Mädchenschule in Esslingen a. N. erlässt das dortige Stadt- schultheissenamt für deutsche Architekten mit Frist zum 1. Septbr. d. J. Es sind 3 Preise von 1500, 1000, 750 M. ausgesetzt. Dem 9-gliederigen Preisgericht gehören 6 Bau¬ sachverständige an, nämlich Hr. Prof. Th. Fischer und Brth. Lambert in Stuttgart, Arch. u. Gemeinderath A. Blessing, desgl. H. Falch, Baugew.-Meister- u. Bürger- ausschussmitgl. F. Metzger, Stadtbauinsp. Blümer, sämt¬ lich in Esslingen. Unterlagen vom Stadtschultheissenamt. — Einen Wettbewerb betr. Entwürfe für einen Wittels¬ bacher-Brunnen auf dem Residenzplatze in Passau erlässt der dortige Magistrat für in Bayern lebende Künstler mit sechsmonatlicher Frist. Für den Brunnen, welcher an die Säkularfeier der Zugehörigkeit der Stadt Passau zu Bayern erinnern soll, stehen 45000 M. zur Verfügung. Verlangt sind Modelle in Völker natürlichen Grösse. Der I. Preis besteht in der Uebertragung der Ausführung; es werden weiterhin 3 Preise von 1200, 800 und 500 M. verliehen. Diese Preise können jedoch auch in anderen Abstufungen vertheüt werden. — Fassadenwettbewerb des Vereins zur Erhaltung der Bau- und Kunstdenkmäler in Danzig. Zum Ankauf gelangt sind Blätter der Hrn. Luther in Gr. Salze, Reg.-Bmstr. Winter in Strassburg i. E., Schaumann, Lahrs, A. Runge und Sasse in Hannover, A. Liertz in Düsseldorf, W. Marks in Danzig, Alfr. Meyer in Charlottenburg, O. Grothe in Wilmersdorf, A. Thölken in Bremen, Basarke in Dres¬ den, Schutte in Barmen, J. A. Küster in Köln, Schöll in Leipzig und Schrammen in Halensee. — Wettbewerb für Fassadenentwürfe zum neuen Empfangs- Gebäude im Bahnhof Basel. Die Generaldir. der Schweiz. Bundesbahnen hat die Frist für die Ablieferung der Ent¬ würfe bis zum 20. Juni d. J. verlängert. — Bücher. Elektrotechnik in Einzeldarstellungen. Herausgegeben von Dr. G.Benischke. Braunschweig. Fr. Vieweg &Sohn. 1903. Heft III: Die Grundgesetze der Wechsel¬ stromtechnik. Pr. 3,60 M., geb. 4,20 M. Das dritte Heft des vorzüglich ausgestatteten Sammel¬ werkes*) bringt eine kurze, klare, elementar gehaltene Einführung in die Theorie der Wechselströme. Das Werk kann dem angehenden Starkstromingenieur aufs wärmste empfohlen werden, zumal es sich auf die praktisch wichtigen Probleme beschränkt. — Dr. L. Reilstab. Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Gros, Jacq., Arch. Skizzen fürWohn- und Landhäuser, Villen usw. Hauptsächlich Holzarchitekturen. II. Serie, Lfrg. 8 — 10. Ravensburg. Otto Maier. Pr. der Lfrg. 2 M. *) Vergl. die Besprechung von Heft I u. II S. 28. Bulnheim, Max, gepr. Bmstr. Hilfstafeln zur Ermittelung der Belastungszahlen für die statischen Berechnungen von Hochbaukonstruktionen zum prakt. Gebrauch. Dresden 1903. Gerhard Kühtmann. Pr. 3 M. V. Esmarch, Dr. Erwin, Prof. Hygienisches Taschen¬ buch für Medizinal- und Verwaltungsbeamte, Aerzte, Tech¬ niker und Schulmänner. III. vermehrte und verbesserte Aufl. Berlin 1902. Jul. Springer. Pr. geb. 4 M. Eyrich, Carl. Kaufmännische Organisation imHand- w e r k. Ein Lehr- und Hilfsbuch für die gesamten Kontor¬ arbeiten des Handwerkers. Leipzig 1903. Carl Ernst Poeschel. Pr. geb. 2,40 M. Dr. Gruber, Christ. DeutschesWirthschaftsleben. Auf geographischer Grundlage geschildert. Mit 4 Karten. (Aus Natur und Geistesleben, 42. Bändchen.) Leipzig 1902. B G. Teubner. Pr. geb. 1,25 M. Gutmann, Theod. Malerische Architektur-Skizzen] 50 Tafeln Federzeichnungen 4». Berlin 1902. Otto Baum- gärtel. Pr. in Mappe 12 M. Hehl, Christ., Arch., Prof. Reiseskizzen. 44 Tafeln Photo¬ lithographie Gr. Fol. Berlin. Ernst Wasmuth. Pr. 30 M. Personal-Nachrichten. Preussen. Dem städt. Bauinsp. a. D. Rosen thal in Frank¬ furt a. M. und dem Dombmstr. Brth. Schwartzkopf in Gr.- Lichterfelde ist der Rothe Adler- Orden IV. Kl., dem Dipl.-Ing. Jordan in Tegel die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Der Reg.-Bmstr. Bachmann in Marklissa ist z. Wasser- Bauinsp. ernannt. — - Der Reg.-Bmstr. Pietzker in Berlin ist nach Rathenow versetzt. Zur Beschäftigung sind überwiesen : die Reg.-Bmstr. Merzenich dem kgl. Pol.-Präs. in Berlin, Letschbor und Abel der kgl. Reg. in Düsseldorf bez. Liegnitz, Mattem, bisher in Solingen, dem Techn. Bür. der Wasserb.-Abth. des Minist, der öffentl. Arb. Die Reg.-Bfhr. Herrn. Gensei aus Leipzig und Hans Laspey- r e s aus Giessen (Hochbfch.), Joh. Wedemeyer aus Moorseite, Alb. Lenck aus Fuhlendorf und Rieh. Freund aus Berlin (Wasser- u. Strassenbfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Der Eisenb.-Dir. Ingenohl in Wiesbaden ist in den Ruhe¬ stand getreten. — Dem Reg.-Bmstr. Paul Kranz in Berlin ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst ertheilt. Der Elbstrom-Baudir., Ob.- und Geh. Brth. Messerschmidt in Magdeburg ist gestorben. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. H. F. in Kassel. Die Gebührenordnung f. Arch. u. Ing. ist selbstverständlich nur für deutsche Verhältnisse berech¬ net, wie auch in § 4 Abs. 26 ausdrücklich steht. Für Reisen im Auslande würden wir Ihnen eine Erhöhung der Reisesätze im gleichen Verhältniss anempfehlen, wie dies in Reisehandbüchern, z. B. im Bädecker, angegeben wird. Sind die Reisen ein noth- wendiger Theil der von Ihnen übernommenen Leistung, etwa zur Vornahme von Abnahmen usw., falls Sie die Bauleitung über¬ nommen haben, so finden Sie Ihre Vergütung schon nach den festen Sätzen der Gebührenordnung, können sich also nicht noch ausserdem Ihre Zeit nach Stunden vergüten lassen. Etwas anderes ist es, wenn Sie etwa auf Wunsch des Bauherrn Reisen ausführen, die nicht nothwendig sind zur Erfüllung Ihrer Leistungen, z. B. Studienreisen usw. Hier würden besondere Vereinbarungen Platz greifen müssen. Bezüglich des letzten Theiles Ihrer Frage können wir Ihnen keinen weiteren Rath geben, als die Ingenieurarbeit zu trennen von der architektonischen Ausbildung. Unter welche Klasse dann letztere zu bringen ist, wird ganz von dem Umfange der Durchbildung derselben abhängen. In die Gebührenordnung lässt sich die Sache nicht ohne Weiteres einreihen. — Hrn. G. R. in Berlin. Wir sind gleich Ihnen durchaus der Ansicht, dass wenn in einer Anzeige für eine offene Stelle Skizzen oder andere werthvollere Beigaben zur Darlegung der Tüchtigkeit verlangt werden, diese unter allen Umständen portofrei für den Rückempfänger zurückzusenden sind und glauben, dass die Be¬ schreitung des Klageweges zur Wiedererlangung derselben nicht aussichtslos wäre. — Hrn. Ing. W. KL in Wolfratshausen. Ueber Schätzung von Gebäuden finden Sie in unserem „Deutschen Baukalender“ eine Reihe von Angaben, die Ihnen wohl nützlich sein könnten. — Hrn. Arch. H. H. in Nordhausen. Wir nennen Ihnen unter anderen das Baugeschäft von E. Rückgauer in Stuttgart zur Hebung eines Fachwerkssaales und werden gegebenenfalles etwaige weitere Nennungen aus dem Leserkreise hier verzeichnen. — Anfragen an den Leserkreis. Die Rauchbelästigung ist eine allgemein empfundene Plage nicht nur der Industriestädte, sondern aller Städte. In dem Streben, diese Plage abzuschwächen, wurde hier, einer Stadt ohne erhebliche Industrie, die Bestimmung erlassen, dass alle Kamine von Dampf¬ kesseln mindestens 30 m, alle Bäckerkamine mindestens 20 m und alle Kamine von sonstigen grösseren Feuerungen, als Schmiede-, Brennerei- u. dgl. Feuerungen mindestens 15 m hoch werden müssen. Eine Abminderung der Höhe wird zugestanden, wenn Koksfeuerun¬ gen eingeführt werden. Werden die zu erwartenden hygienischen Erfolge dieser Maassnahme die Verunstaltung des Stadtbildes auf¬ wiegen, die durch das massenhafte Emporragen der Kamine über die nur aus 2 oder 3 Geschossen bestehenden Häuser herbeigeführt wird? Sind entsprechende Beispiele aus anderen Städten bekannt? S. in L. Inhalt: Verband deutscher Architekten- und Ingenieur -Vereine. — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücher¬ schau. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 38 248 W h < Ö 02 co H £ co W o2 ü Q * 5 £ W 1-1 Oh ü O, 02 ^ D CX PQ o r> 0C g W £5 co ^ P ^ :C ~ H ^ PC * 2 H * ö « H W 5 ~ O ü (X 02 ■< D * s *7 W s g 02 ^ W 2 co P co 23 CX W U < X u W Q 02 O £ O H HH W N P < ffl w ffi o co h P W P 05 co öl % * * * XXXVII. JAHRGANG 1903' *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2* 39. * DEN 16. MAI 1903. * Häusergruppe an der Jacobistrasse in Freiburg i. Br. Architekt: Martin Reiher in Freiburg i. Br. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 253.) Das Eckhaus hat eine Wohnung im Erdgeschoss und eine zweite grössere Wohnung, welche die beiden Obergeschosse umfasst; diese beiden Geschosse haben ihre Verbindung unter sich durch die Stocktreppe, ausserdem noch durch eine Treppe in der Diele und durch eine Nebentreppe. Die Wohnung entspricht somit in der Anordnung einer Wohnung in einem Einfamilien¬ hause. Im obersten Geschoss liegt eine Hausmeister¬ wohnung. Die übrigen vier Häuser sind als Ein¬ familienhäuser angelegt. Die Fassaden haben rauhen, gelblich gefärbten Putz erhalten, der mit den Architekturgliederungen in grünlich gelbem Sandstein, dem roth gestrichenen Holz¬ werk und den belebten dunkelblauen Dachflächen — aus Rheinschiefer in deutscher Deckung — eine ruhige und ansprechende Wirkung erzielt. Die Schornstein¬ köpfe sind geputzt und mit alten Dachsteinen abgedeckt. Der innere Ausbau ist gediegen und mit mög¬ lichster Zurückhaltung durchgeführt; die Räume sind theil weise mit Holzbildhauerarbeiten geschmückt; die Decken sind als Putz- und als Balkendecken mit Putz¬ feldern erstellt. Das Holzwerk ist gestrichen oder lasiert und farbig gefasst, mit sparsamerVerwendung von Gold. Die Häuser haben Warmwasserheizung, elektrische Lichtanlage und sind an die Tiefkanalisation ange¬ schlossen. Die Baukosten betrugen etwa 30 M. für das Raummeter, gemessen von Sockelunterkante bis Haupt¬ gesims. • — - — r. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Dresden-Berlin, den 5. Mai 1903. Den Mitgliedern des Verbandes geben wir nachstehend auszugsweise Kenntniss von einem Rundschreiben, das wir Ende April an die Vorstände der Einzelvereine versandt haben. Der Verbands-Vorstand: Waldow, Vorsitzender. F. Eiselen, Geschäftsführer. An die Einzelvereine! Berlin, den 22. März 1903. Als vor mehr als 30 Jahren sich eine Anzahl deutscher Fachvereine zu dem Verbände deutscherArchitekten- und Ingenieur- Vereine zusammenschlossen mit dem Zwecke, „das Bewusstsein der Zusammengehörig¬ keit unter den deutschen Fachgenossen und deren gemeinsame Interessen, insbesondere auf künst¬ lerischem, wissenschaftlichem und sozialem Ge¬ biete zu fördern“, lagen die Aufgaben unseres Berufes noch vorwiegend auf dem Gebiete des staatlichen und kommunalen Bauwesens und die Zahl der selbständigen Architekten und Ingenieure, welche der freien Ausübung ihres Berufes nachgingen, war demgemäss eine verschwin¬ dend kleine gegenüber der grossen Zahl der staatlichen Baubeamten, aus deren Kreis die ersteren ausserdem zu¬ meist hervorgegangen waren. Dieses Verhältniss hat sich seitdem nicht unwesentlich geändert. Die zahlreichen und grossen Aufgaben, welche als eine Folge des wirthschaftlichen Aufschwunges in Deutschland auf dem Gebiete der Privatbauthätigkeit her¬ vorgetreten sind, haben dazu geführt, dass namentlich die Zahl der „Privatarchitekten“ ausserordentlich ge¬ wachsen ist, dass sich ein grosser Theil unserer Berufs¬ genossen, ohne vorher in die Beamtenlaufbahn einzutreten, sofort nach Beendigung ihrer Studien der Privatbauthätig¬ keit zuwendet und dass sich besondere Vereinigungen von Privatarchitekten in einer Reihe von grösseren Städten ge¬ bildet haben. Diese Vereinigungen haben sich z. Th. von den älteren Arch.- u. Ing. -Vereinen abgelöst, denen ihre älteren Mit¬ glieder jedoch zumeist ebenfalls noch als Mitglieder an¬ gehören, und haben sich in der Mehrzahl dem Verbände an¬ geschlossen, weil sie in ihm die gegebene Vertretung des ganzen Faches nach aussen und damit auch ihrer besonderen Interessen erblickten. Es ist nun seit einigen Jahren eine Bewegung einge¬ leitet, die von einer in Hannover gebildeten Vereinigung von Privatarchitekten, der „Hannover’ sehen Archi¬ tektengilde“, und von der „Vereinigung Kölner Architekten “ ausgeht (die beide demVerbande deutscher Arch.- und Ing. -Vereine nicht angehören), welche den Zusammenschluss aller Vereinigungen von Privatarchitek¬ ten zu einem deutschen Architekten -Bund anstrebt, mit der Begründung, dass der bestehende Verband deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine nach seiner ganzen Zusammensetzung nicht geeignet sei, die Bestrebungen und Interessen der deutschen Privatarchitekten erfolgreich zu vertreten. Wir stehen nun grundsätzlich auf dem Standpunkte, dass die in dem Aufruf ausgesprochene Ansicht, dass der Verband deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine nicht in der Lage und geeignet sei, die in dem Aufruf als erstrebenswerth aufgestellten Forderungen mit Nachdruck und Erfolg zu vertreten, eine irrthümliche ist. Einen Theil der Forderungen können wir allerdings überhaupt nicht als erstrebenswerth anerkennen, an der Erreichung des überwiegenden Theiles der Aufgaben hat der Verband dagegen stetig und nicht ohne Erfolg gearbeitet, diese Forderungen sind also keineswegs neu, keine solchen, die ausserhalb der Interessen des Verbandes liegen. Wir ver¬ weisen auf die nachfolgenden Erläuterungen zu den ge¬ nannten Vorschlägen. Erfreulicher Weise steht auch die grösste der bisher gebildeten Architekten-Vereinigungen, nämlich die Berliner, auf ähnlichem Standpunkte und hat es abgelehnt, die Bestrebungen der Hannoverischen Architekten -Gilde zu unterstützen. n dem Stadttheil Herdern in Freiburg i. Br. ist in den Jahren 1897 — 1901 eine malerische Gebäudegruppe in mittelalterlichem Stil auf einem Baugelände entstanden, das von der Stadtgemeinde erworben und für Gruppen von zwei und drei Häusern aufgetheilt worden ist, von denen das Eckhaus einen Erkerthurm mit geschiefertem Obergeschoss erhalten hat. Da die Strasse wesentlich höher lag als das Baugelände, so wurden die Wirth- schaftsräume theilweise im Untergeschoss angeordnet und letzteres mit dem Garten ebenerdig in Verbindung gebracht. Diese Räume wurden des günstigen Lichtes wegen gegen Norden angeordnet, wogegen der Vor¬ zug der Lage es ermöglicht hat, den Wohn- und Schlaf¬ räumen der Mehrzahl nach Süd- und Ostlage zu geben. 249 Was die ganze Bewegung anbetrifft, so vertritt der Verbands-Vorstand die Ansicht, dass es nicht als wün- schenswerth angesehen werden kann, und dass es weder im Interesse des Gesamtfaches noch auch der Vereinigungen der Privatarchitekten liegt, wenn eine weitere Zersplitte¬ rung in der Vertretung unseres Faches nach aussen ein- tritt. Jemehr die Vertretung unseres Faches in kleine Gruppen gespalten wird, welche glauben, Sonderinteressen verfolgen zu müssen, um so weniger wird sie sich im¬ ganzen und auch in den einzelnen Gruppen, trotz der ein¬ heitlicheren Zusammensetzung letzterer, nach aussen, d. h. über die Grenzen des engeren Gebietes einer Stadt oder Provinz hinaus, geltend machen können. Die Mehrzahl der von der Hannover’schen Gilde zu¬ sammengestellten Fragen sind ausserdem gar nicht solche künstlerischer, also von den Architekten allein zu ent¬ scheidender Natur oder auch nur solche, welche vor¬ wiegend die wirtschaftlichen Interessen der Privat¬ architekten betreffen, sondern es sind Fragen, welche das ganze Fach berühren, für deren Verfolgung die diese Forderungen vertretende Körperschaft gar nicht gross und einflussreich genug sein kann, für welche selbst nicht der bestehende Verband deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine allein, sondern möglichst in Verbindung mit allen bestehenden technischen Vereinigungen einzutreten hätte. Wenn wir nun auch das Bedürfniss nach besonderen Interessen-Vertretungen an sich nicht anerkennen können und namentlich nicht den behaupteten Interessen-Gegen¬ satz zwischen Privat- und beamteten Architekten, so ver- schliesst sich der Verbands-Vorstand doch nicht der Anre¬ gung, die in der eingeleiteten Bewegung liegt und ist der Meinung, dass der Verband keineswegs bei dem, was er bis¬ her für die deutsche Fachgenossenschaft geleistet und er¬ reicht hat, stehen bleiben dürfe; er erkennt vielmehr voll¬ kommen an, dass noch manche Ziele nicht erreicht sind und dass noch manche, bisher wenig oder nicht bearbeitete Ge¬ biete in die Verbandsthätigkeit einbezogen werden können. Wir halten den Verband aber für durchaus befähigt, diese Aufgaben zu erfüllen, wenn einige Schwerfälligkeiten, die seiner jetzigen Organisation anhaften, beseitigt werden. Die Thätigkeit des Verbandes beruht jetzt auf dem Vorstande, der Abgeordneten-Versammlung und den Aus¬ schüssen. Letztere werden jedoch nur für eine bestimmte Aufgabe gewählt, beschränken also ihre Thätigkeit ledig¬ lich auf die letztere und lösen sich nach der Erledigung der gestellten Aufgabe wieder auf. Sie sind also nicht in der Lage, den Verbands-Vorstand in solchen Fragen, die von diesem nach Art seiner Zusammensetzung nicht allein gelöst werden können, zu unterstützen; sie haben ferner nicht Anregungen zu geben, sondern Aufträge auszuführen. Die Abgeordneten-Versammlung andererseits tritt zu selten zusammen, um als berathende Instanz zu dienen, und kann im allgemeinen nur aufgrund wohlvorbereiteter Vorlagen eine Entscheidung treffen. Es erscheint daher wünschenswerth, dem Verbands- Vorstande für wichtige Gebiete des Faches, aus welchen derartige Fragen an ihn herantreten können, von der Ab¬ geordneten-Versammlung für eine bestimmte längere Zeit¬ dauer gewählte Ausschüsse beizugeben, welche die doppelte Aufgabe hätten, den Vorstand in Fragen ihres Gebietes auf sein Ansuchen zu berathen, andererseits auch die Fragen ihres Sondergebietes dauernd zu verfolgen und Anregungen für neue Verbands-Arbeiten durch Stellung mit Begründung versehener Anträge an den Verbands- Vorstand zu geben. Eine Vertretung des Verbandes nach aussen sollen diese Ausschüsse nicht bilden, sie würden vielmehr dem Vorstande untergeordnet sein. Wir glauben, dass durch eine solche Ausgestaltung das Verbandsleben gewinnen und die raschere und sachge- mässere Erledigung mancher Fragen gesichert würde. Es würden dann auch die Klagen verstummen, dass der Ver¬ band den verschiedenen Fachrichtungen und Berufsstellun¬ gen nicht mit genügender Gleichmässigkeit gerecht werde. Wir fassen unsere Ausführungen kurz dahin zusammen : 1. Der Abgeordneten-Versammlung, die in diesem Jahre in Dresden tagen wird, legen wir die Frage vor, ob die Einrichtung von Ausschüssen in der vorgeschlagenen Form als eine zweckmässige, die Thätigkeit und den Einfluss des Verbandes för¬ dernde Einrichtung angesehen wird. 2. Falls diese Frage bejaht wird, so schlagen wir als Endziel der Organisation die Bildung von zwei grossen Ausschüssen vor und zwar einen für Archi¬ tektur, einen für Ingenieurwesen. Diese Ausschüsse würden aus Baubeamten und aus in der Privat- thätigkeit stehenden Fachgenossen zusammenzu¬ setzen sein. In Fragen, welche das ganze Fachge¬ biet berühren, beräth jeder dieser Ausschüsse als Ganzes, während er sich entsprechend den Berufs¬ kreisen theilt bei der Behandlung von Fragen, welche ganz oder vorwiegend in das Interessengebiet des einen oder anderen Berufskreises fallen. Der volle Ausbau dieser Organisation wird nach Bedarf erfolgen können. 3. Da die augenblicklich vorliegenden Fragen aus dem Kreise der Privatarchitekten heraus angeregt worden sind und von diesen als solche bezeichnet werden, welche sie besonders berühren, so schlagen wir gemäss einem Anträge der „Vereinigung Ber¬ liner Architekten“ zunächst die Bildung eines Ausschusses von Privatarchitekten vor, be¬ stehend aus 7 Mitgliedern, von denen 3 in Berlin, 4 in den übrigen Theilen Deutschlands ihren Wohnsitz haben sollen. — Der Verbands-Vorstand. Waldow. Bubendey. v. Schmidt. Neher. Eiselen. Gegenüberstellung der vom Verbände in den angeregten Fragen bereits ausgeführten bezw. zur Aus¬ führung übernommenen Arbeiten. Stellungnahme I. Vorschläge, welche bereits vom Verbände bearbeitet worden sind. 1. Schaffung gleicher Grundlagen für die Bau¬ ordnungen im ganzen deutschen Reiche. Diese Frage ist bereits im Jahre 1876 vom Verbände aufgenommen worden. Aufgrund des von den Einzel¬ vereinen beigebrachten Materials hat Prof. R. Baumeister in Karlsruhe eine Denkschrift bearbeitet, die im Jahre 1880 vom Verbände unter dem Titel: „ Normale Bauord¬ nungen nebst Erläuterungen“ herausgegeben wurde und der Reichskommission für die Aufstellung eines bür¬ gerlichen Gesetzbuches als Material überreicht worden ist. Es sollte damit eine Vorarbeit geleistet werden für die Aufstellung eines einheitlichen deutschen Baurechtes. Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover hat auf der Abgeordneten-Versammlung in Königsberg 1901 die Frage der Aufstellung von „Grundzügen für Bauordnungen“ aufs neue angeregt Die Angelegen¬ heit ist aber in Augsburg 1902 wegen der grossen Schwie¬ rigkeiten vorläufig wieder vertagt worden. 2. Verantwortlichkeit des Architekten, Haftpflicht für Konstruktionen, Bausumme usw. Der Verband hat im Jahre 1886 „Bestimmungen über die zivilrechtliche Verantwortlichkeit für Leistungen der Architekten und Ingenieure“ her ausgegeben, welche von dem Präsidenten des Oberlandes- Gerichtes in Hamburg, Hrn. Dr. F. Sieveking, geprüft und berichtigt worden sind. Diese verdienstvolle Arbeit bietet also in der Hauptsache das, was oben verlangt wird des Vorstandes zu den abzulehnenden Vorschlägen. und ist leider in den Kreisen der Fachgenossen nur viel zu wenig beachtet worden. Zurzeit ist ein Verbands-Ausschuss damit beschäftigt, diese Bestimmungen unter Berücksichtigung der durch das bürgerliche Gesetzbuch etwa bedingten Aenderungen nach¬ zuprüfen. Es wird jedoch im wesentlichen die alte Fassung auch heute noch erhalten bleiben können. 3. Einwirkung auf die Lehrpläne oder Methoden an den Hoch- und Fachschulen. Der Verband hat es stets als eine seiner vornehmsten Aufgaben betrachtet, die Entwicklung unseres Schul-, Fach¬ schul- und Hochschulwesens auf das sorgfältigste zu ver¬ folgen und seine Stimme an geeigneter Stelle zu erheben, sobald ihm das Eintreten für bestimmte Ziele geboten schien. Es würde zu weit führen, hier auf alle Einzel¬ heiten einzugehen. Es sei nur hingewiesen auf die Stellung¬ nahme des Verbandes zur Schulreform, zur praktischen Ausbildung der Studierenden des Baufaches während und nach dem Hochschulstudium, zur Entwicklung der techni¬ schen Mittelschulen usw. Wir glauben, dass die Eingaben des Verbandes nicht ohne Einfluss auf die Entscheidungen der maassgebenden Stellen gewesen sind. II. Vorschläge, welche zurzeit vomVerbande bearbeitet werden. 1. Sicherung der Urheberschaft und des künst¬ lerischen Eigenthums. Der Verband hat auch diese Frage bereits aufge¬ nommen und sich mit einer Eingabe an das Reichsamt No. 39. 250 des Inneren gewandt, den Schutz der baukünstlerischen. Leistungen mit aufzunehmen in das neue Gesetz über das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste, also den § 3 des alten Gesetzes auszuscheiden, der die Baukunst ausdrücklich ausschliesst, ohne dass derselben durch an¬ dere gesetzliche Bestimmungen ein nennenswerther Schutz gewährt würde. Der Verband hat den Antrag gestellt, das in Be¬ arbeitung begriffene Gesetz vor seiner Vorlage an den Reichstag zu veröffentlichen, und so den betheiligten Kreisen Gelegenheit zu geben, zu demselben Stellung zu nehmen. Die Frage wird weiter verfolgt. 2. Verbesserung des Verfahrens bei Wettbewerben. Dass das Verfahren bei Wettbewerben noch ver¬ besserungsfähig ist, erkennt auch der Verband an. Einem in Bremen eingebrachten Anträge der „Ver¬ einigung Berliner Architekten“, die erst im Jahre 1897 auf¬ gestellten Grundsätze wieder abzuändern, ist hauptsächlich deshalb nicht nachgegeben worden, weil es bedenklich schien, die erst vor so kurzer Zeit bekannt gegebenen Grundsätze schon wieder umzustossen. Inzwischen ist aber klarer zu Tage getreten, in welchen Punkten die Grundsätze abänderungsbedürftig sind. Der Vorstand hat daher auf Antrag der „Vereinigung Berliner Architekten“ den bestehendenVerbands-Ausschuss für dieWahrnehmung derWettbewerbs-Grundsätze, dessen Aufgabe es ist, auf alle Misstände im Wettbewerbs wesen aufmerksam zu machen, und der wiederholt mit seinen Anträgen bei den ausschrei¬ benden Behörden erfolgreich gewesen ist, mit der Bearbei¬ tung einer Vorlage betr. die Verbesserung der Grundsätze für die Abgeordneten -Versammlung in Dresden betraut. 3. Weiterer Ausbau der Gebührenordnung. Dass der Verband an der von ihm geschaffenen Ge¬ bührenordnung stetig weiter gearbeitet, sich stetig bemüht hat, sie den veränderten Zeitverhältnissen anzupassen, geht schon daraus hervor, dass er sie zweimal umge¬ arbeitet hat und zwar in der Gestalt, wie sie seit 1901 besteht, in grundlegender Form. Soll eine solche Ge¬ bührenordnung festen Fuss fassen und soll sie, was namentlich zu erstreben ist, die Anerkennung der Ge¬ richte erhalten, so darf naturgemäss nicht zu oft an ihr geändert werden. Inzwischen hat sich jedoch ergeben, dass in der Ge¬ bührenordnung, deren Fassung natürlich eine möglichst knappe sein musste, um die Uebersichtlichkeit zu wahren, einige Bestimmungen verschiedenartig ausgelegt werden können. Es erscheint daher wünschenswerth, diese zweifel¬ haften Punkte durch einen Kommentar zur Gebühren¬ ordnung klar zu stellen. Die Arbeit ist in Vorbereitung. 4. Gleiche Geschäftsausübung. Diese Frage ist bereits 1882 einmal verhandelt, damals aber nicht zu Ende geführt worden. Sie ist erneut durch den Antrag des,, Vereins der Architekten und Bauingenieure zu Dortmund“ auf der Abgeordneten-Versammlung in Augs¬ burg durch den Antrag angeschnitten worden, Normen für Verträge zwischen Architekt und Bauherrn usw. aufzustellen. Der Dortmunder Verein ist beauftragt worden, für die nächste Abgeordneten-Versammlung erst noch das entsprechende Material zu sammeln und einen begründeten Antrag zu stellen. III. Vorschläge, deren Wieder- oder Neu -Aufnahme unter die Arbeiten des Verbandes erwägenswerth ist. 1. Forderung von Fa chbeisitzern bei den Gerichts¬ verhandlungen in baulichen Angelegenheiten. Der Verbands-Vorstand hat diese Frage bereits im Jahre 1896 aufgenommen und auch von einigen Seiten rechtssachverständige Aeusserungen eingezogen. Von der einen Seite wurde vorgeschlagen, den Versuch einer An¬ gliederung an die bei den Gerichten bestehenden Kammern für Handelssachen zu machen, da die Schaffung einer lediglich den baulichen Angelegenheiten gewidmeten Kammer auf erhebliche Schwierigkeiten stossen würde. Von anderer Seite wurde die Frage als in der nächsten Zeit aussichtslos bezeichnet, da die Stimmung in den maass¬ gebenden Kreisen mehr gegen als für eine erweiterte Zu¬ ziehung des Laienelementes in der Rechtsprechung sei. Die Sache ist daher vom Vorstande einstweilen vertagt worden, jedoch mit der Maassgabe, sie später wieder auf¬ zunehmen. Ein Vorstoss nach dieser Richtung ist viel¬ leicht zweckmässig, wenn auch kaum in absehbarer Zeit von Erfolg gekrönt. Die Frage gehört jedoch zu solchen, die auf breitester Basis für gleichartige Gebiete möglichst zusammen behandelt werden müssen. Es sind das Fragen, 16. Mai 1903. die ein gemeinschaftliches Vorgehen möglichst aller tech¬ nischen Vereinigungen verlangen. In engem Zusammenhänge steht hiermit auch die Frage der Stellung der technischen Sachverständigen vor Gericht. Hiermit hat sich der Verband ebenfalls seit Mitte der 70 er Jahre beschäftigt und 1879 in einer kleinen Denkschrift für seine Mitglieder „Die Verhältnisse der Sachver¬ ständigen, deren Rechte und Pflichten nach den Reichsjustiz - Gesetzen“ klar gelegt. Zur Zeit be¬ schäftigt den Verband in Gemeinschaft mit dem „Verein deutscher Ingenieure“ die Frage der Gebühren der ge¬ richtlichen Sachverständigen. 2. Bildung behördlich anerkannter Architekten- K ammern. In dem weiteren Sinne der Bildung von „Techniker- Kammern“ ist diese Frage wohl erwägenswerth. Eine gleiche Bewegung macht sich zur Zeit in Oesterreich geltend. Auch diese Frage ist jedenfalls nur in Gemein¬ schaft mit anderen technischen Vereinen zu lösen. IV. Anregungen, welchen der Verband nicht folgen kann. 1. Titelschutz und Schutz der Berufsthätigkeit der Architekten. Der Verband hat sich seiner Zeit ebenfalls mit der Frage eines Schutzes des Titels „Architekt“ oder „In¬ genieur“ beschäftigt, hat dieses Ziel aber als unerreich¬ bar aufgegeben. Er ist dann nur für eine einheitliche Bezeichnung der akademisch vorgebildeten Techniker in ganz Deutschland eingetreten. Diese Beschlüsse der Ab¬ geordneten-Versammlung in Berlin 1896 sind den zustän¬ digen Ministerien und technischen Hochschulen mit der Bitte um Unterstützung zugegangen. Das, was der Ver¬ band damals wollte, ist durch die in der Hauptsache ein¬ heitlich geregelte Diplomprüfung und die Berechtigung der technischen Hochschulen, den Doktortitel zu ver¬ leihen, zum Theil erreicht worden. Der Aufruf der Gilde erkennt ebenfalls an, dass der Staat den Titel „Architekt“ zur Zeit nicht erfolgreich schützen könne. Nicht wohl verständlich ist daher der Gedanke, dass eine „aus Berufsarchitekten be¬ stehende behördliche Kommission“ die diesen Titel unter Mitwirkung eines staatlichen Kommissars verleiht, das besser vermöge. Durch eine derartige Institution würden die Architekten ausserdem aus freien Künstlern zu einer staatlich beaufsichtigten Zunft werden, denn nur einer solchen würde der Staat so weitgehende Rechte wie die Verleihung eines Titels bewilligen können, den er dann selbst in seinen gesetzlichen Schutz nimmt. Wir können nicht glauben, dass ein derartiger Ge¬ danke den Beifall weiterer Kreise der Architektenschaft gewinnen würde. Seine Durchführung in der vorge¬ schlagenen Form, wonach den Titel „Architekt“ nur der führen soll, welcher auf jeden Unternehmergewinn ver¬ zichtet, würde ausserdem bedingen, dass ein nicht unbe¬ trächtlicher Theil gerade unserer namhaftesten Architekten diesen Titel nicht führen dürfte, da verschiedene von ihnen auch gleichzeitig die Ausführung von Bauten über¬ nehmen sowie andere Unternehmungen leiten, also dann wohl zu den Unternehmern gerechnet werden müssten. Ebensowenig wie für den Schutz des Titels „Archi¬ tekt“ unter diesen Voraussetzungen können wir uns dafür erwärmen, dass diesen Architekten das alleinige Recht zustehen soll, die Entwürfe und die Bauleitung aller Bau¬ werke zu übernehmen, die nicht ganz untergeordneter Natur sind. Es liegt hier ein ähnlicher Gedanke zugrunde, der zur Schaffung der „behördlich autorisierten Privat- Techniker“ in Oesterreich geführt hat, die sich aber dort nach Beendigung ihrer akademischen Studien der Diplom -Prüfung unterwerfen und sich noch eine Reihe von Jahren im öffentlichen Baudienst bethätigen müssen, ehe sie nach einer zweiten Prüfung zugelassen werden. Trotz dieser scharfen Beaufsichtigung durch den Staat stehen die Rechte dieser Techniker, wie aus Verhandlungen neuester Zeit hervorgeht, mehr oder weniger auf dem Papier, da sich weder das Publikum noch die Behörden darum kümmern. Wir halten es daher für ganz ausgeschlossen, dass eine derartige Institution bei uns ins Leben gerufen werden könnte und würden sie im Interesse der freien Entwicklung der Baukunst auch nicht wünschen. 2. Behördlich anerkannte Schiedsgerichte, Schiedsämter in Standessachen. Fällt der unter 1 ausgesprochene Gedanke der Schaffung eines in Rechten und Pflichten scharf abgegrenzten Archi- 251 tektenstandes einheitlicher Zusammensetzung, so fallen da¬ mit auch eine Reihe anderer Vorschläge, die nur im Zu¬ sammenhänge mit ersterem denkbar sind, so die Einsetzung von Schiedsämtern in Standessachen. Die Einsetzung behördlich anerkannter Schiedsgerichte scheint uns auch sonst unmöglich, vor allem ihre An¬ wendung auf private Verhältnisse. Eine möglichste Ausdehnung des schiedsgerichtlichen Verfahrens in Bausachen, namentlich so weit es sich um Verträge mit staatlichen und kommunalen Behörden handelt, erscheint dagegen wünschenswerth und möglich. Ein solches Verfahren ist auch jetzt bereits vielfach in Gebrauch. 3. Beschränkung der Privatthätigkeit der Bau¬ beamten, Zuziehung der Privatarchitekten zu städtischen und staatlichen Aufgaben. Schon jetzt sind die Fälle häufig, in welchen zu grossen baulichen Aufgaben vom Staate oder den Gemeinden die gesamte Architektenschaft durch Ausschreibung von Wett¬ bewerben mit bestem Erfolge zur Mitarbeit herangezogen wird — es sei nur erinnert an die zahlreichen Wettbe¬ werbe des letzten Jahrzehntes für Rathhäuser, Theater, Museen, Akademien, Festhallen, Bahnhöfe, Schlachthöfe usw. Umgekehrt wird man aber auch den beamteten Architekten die Freiheit lassen müssen, sich im privaten Bauwesen zu bethätigen. — Der Verbands-Vorstand. Ueber die Anwendung und Ausbildung von Drehthüren. n neuerer Zeit haben sich für den Verschluss der Eingänge von Gebäuden oder Räumen, bei welchen ein häufiges Ab- und Zugehen von Personen statt¬ findet — wie bei Kirchen, Theatern und Konzertsälen, bei Krankenhäusern, Waarenhäusern, Banken, namentlich Wände, deren Mittelpunkt mit der Drehachse zusammen¬ fällt, bewegen. In der gewöhnlichen Stellung, Fig. a, sind die Flügel derartig durch Verbindungsstangen festgestellt, dass sie ein Kreuz bilden, in dessen einzelnen Abtheilungen ein Mensch bequem Platz findet. Da die Thür sich nur Abbildg. s. Thür in Bewegung. aber in Hotels, Cafes und Restaurants — Drehthüren einge¬ bürgert, welche den doppelten Vortheil gegenüber den ande- renThürverschlüssen besitzen , dass sie einerseits die Rieh- Abbildg. 1. a. in Bewegung, b. tung der sich be¬ gegnenden Menschenströme beim Ein- und Ausgange regeln, andererseits auch während des Durchganges der Personen einen vollkommen sicheren Verschluss gegen Zugluft, Staub, Regen, Geräusch und unangenehme Ge¬ rüche abgeben. Diese von Van Kännel erfundenen, in Deutschland und im Auslande patentierten Drehthüren sind zuerst von der „International Revolving Door Co.“ eingeführt, die eine eigene Niederlassung in Berlin besitzt. Von dem Wesen dieser Thürkonstruktion gibt die Abb. 1 a — d am besten Aufschluss. Die Konstruktion besteht aus 4 an einem drehbaren Mittelpfosten aufgehängten Thür¬ flügeln, die sich innerhalb zweier viertelkreisförmigen Abbildg. 3. Thür ganz offen. in einer Richtung dreht, können sich also ein- und aus¬ gehende Personen nicht belästigen; an¬ dererseits befinden sich immer 2 gegen¬ über stehende Flügel halb geöffnet, d. geschlossen. innerhalb der gebo¬ genen Wände, an welchen sie mit Filz- oder Gummistreifen eine sichere Dichtung herstellen. Nach oben sind diese Wände natür¬ lich durch eine Decke abgeschlossen, welche auch das obere Lager für die Drehachse und ausserdem den Mechanismus zur seitlichenVerschiebung der Thür nach Abbildg. b trägt. Soll nämlich eine gründliche Lüftung erreicht werden, oder handelt es sich darum, grössere Waarenballen oder Möbelstücke, oder einen sehr starken Menschenstrom durch die Thür zu bringen, so können die Flügel zusammenge¬ klappt und es kann dann die ganze Thür durch eine Person aus den Lagern gehoben und^bei Seite geschoben werden, wozu nur wenige Sekunden Zeit erforderlich sind. Durch 252 No. 39. jacobistrasse 23. Rückansicht. Lerchenstrasse 2. Ansicht der Gruppe Jacobistrasse 23 u. 25 und Theil der Lerchenstrasse 2. ERDGESCHOSS. 1. OBERGESCHOSS. ERDGESCHOSS. 1. OBERGESCHOSS. Häusergruppe an der Jacobistrasse in Freiburg i. Br. Architekt: Martin Reiher in Freiburg i. Br. 16. Mai 1903. 253 einen Griff an dem unteren Spurzapfen der Thür kann man diesen und gleichzeitig das obere Kugellager aus¬ rücken, worauf die mittels Bolzen an einem kleinen auf U-Schienen laufenden Wagen aufgehängte Thür mit Leich¬ tigkeit zur Seite zu schieben ist. Abbildg. c zeigt eine mittlere Stellung der Thür, die den gleichen Zwecken dient wie bei b, nur in geringerem Umfange, Abbildg'. d schliesslich die Thür in geschlosse¬ nem Zustande. Werden dann die Riegel an den unteren und oberen Ecken eingeschoben, so bildet die Thür in dieser Stellung einen sicheren doppelten Verschluss. Unsere Abbildungen 2 und 3 zeigen das Beispiel zweier ausge¬ führten Thüren dieser Art in der Stellung a bezw. b. Sie lassen sich in allen Holz- und Stilarten herstellen und wer¬ den einerseits des gefälligen Aussehens halber, anderer¬ seits wegen der Uebersichtlichkeit beim Ein- und Austritt mit grossen Glasflächen hergestellt. Auch die einfassen¬ den Wände und die Decke wird zumeist in Glas ausge¬ führt. In Waarenhäusern lassen sich die Wände auch als Schaufenster ausbilden. Andererseits sind diese Thüren auch als Holzthüren einfachster Art, z. B. für Fabrikein¬ gänge, verwendbar. Die Thüren lassen sich natürlich in allen Grössen ausführen. Als übliches Maass werden je¬ doch von der Firma etwa folgende Abmessungen gegeben: Innerer Durchmesser 2,14 m, Flügelhöhe 2,50“, desgl. mit oberem Fries 2,75 m, Höhe der unteren Holzfüllung 0,80 m, Eingangsbreite 1,47 m. Für die Gewinnung besonderer breiter Durchgänge werden die Seitenwände 3-theilig aus¬ geführt derart, dass sich die mit Charnieren an dem festen Mittelstück befestigten Seitentheile zurückklappen lassen. — Eine etwas abweichende und sehr einfache Anord¬ nung der Einzelheiten zeigt die Drehthür - Konstruktion der Beschlagfirma Bruno Mädler in Berlin, welche in den Abbildgn. 4 a — c zur Darstellung gebracht ist. Hier sind 2 Flügel fest zusammengearbeitet, während die beiden anderen mit Aufsatzbändern angeschlagen sind, um ein Zusammenklappen zu gestatten. Die Abbildung zeigt die freie Aufhängung der Thür an dem Kugellager, das seiner¬ seits mit Bügel an einer auf hochkantiger Flachschiene verschiebbaren Rolle aufgehängt ist. Zur Festhaltung der Thür sowohl in der Mittel- wie in der Seitenstellung dient ein Baskülriegel, welcher durch die hohle Achse geführt ist und unten in den Fussboden, oben in die hohe Lauf¬ schiene eingreift. — +0.0 Mittheilungen aus Vereinen. Arch.- und Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 30. Jan. 1903. Vors. Hr. Zimmermann, anw. 98 Pers., aufgen. als Mitgk Hr. Dipl.-Ing. W. Steinbach. Zunächst erstattete Hr. Kohfahl den Jahresbericht des Bibliotheks-Ausschusses, welcher dank der reichlichen für die Vergrösserung der Bibliothek jährlich zur Ver¬ fügung stehenden Mittel ein erfreuliches Bild ergab. Dar¬ helm-Hafen, dessen Ausführung bedingt ist durch die unzureichende Einfahrt in den Baakenhafen am rechten Elbufer, der früheren Liegestelle dieser Schiffe. Weiter nach Süden schliesst sich der Ellerholzhafen mit dem auf der einen Seite angelegten und gleichfalls mit Schuppen ausgerüsteten Mönckebergkai an. Querschnitt der neuen Kaischuppen in Hamburg. auf hielt Hr. Wendemuth den Vortrag des Abends- über „Die Hamburger Hafenerweiterungen am linken Elbufer“, unter Vorführung eines ausserordent¬ lich reichhaltigen Materiales in grossem Maasstabe ausge¬ führter sehr schöner Pläne. Die theils fertigen, theils noch in Ausführung be¬ griffenen Häfen auf dem sog. Kuhwärder, vergl. den Uebersichtsplan Jahrg. 1901 S. 444, übertreffen an Aus¬ dehnung weitaus alles, was bislang in Hamburg an Hafen¬ anlagen geplant ist und von den Behörden bewilligt wor¬ den war. Die letzten vor diesen Anlagen fertig geworde¬ nen Hafenbecken waren der weiter stromaufwärts ge¬ legene Hansahafen und der Indiahafen auf dem sog. kleinen Grasbrook, welche alsbald nach Inbetrieb¬ nahme voll in Anspruch genommen wurden und dem un¬ mittelbaren Verkehr zwischen Seeschiffen und Flusschiffen dienen sollten. Es ergab sich aber das Bedürfniss, auch diese beiden Häfen ebenso wie die älteren mit Kai- und Schuppen anlagen zu versehen, sodass der Bord- zu Bord- Verkehr daselbst verdrängt und von dem 1897 begonne¬ nen Kuhwärderhaf en aufgenommen wurde, welcher 1902 eröffnet und schon stark in Betrieb genommen ist. Hierzu tritt der laut Staatsvertrag für die Hamburg- Amerika-Linie im Jahre 1898 begonnene Kaiser Wil¬ Die an den neuen Hafenbecken für die Hamburg- Amerika-Linie errichteten 7 Schuppen bilden der Zahl nach zwar nur den achten Theil der vorhandenen Schuppen, vermehren aber die gesamte Bodenfläche um 50%. Die Breite der neuen Schuppen ist von 34 m auf 60 m ver¬ mehrt bei entsprechend grösserer Höhenentwicklung. Die Hafenflächen selbst sind von 209ha Vor 1902 gewachsen auf 326 ha, Zuwachs 56%, die Kailängen von 16,7 km auf 23,5 km, Zuwachs 40 %, die Schuppenflächen von 255 000 q™ auf 380 000 qm, Zuwachs rd. 50 °/0. Die Bodenbewegung zur Ausbaggerung der neuen Hafenbecken betrug 10 Mill. cbm, wozu für Kohlenhafen und Spreehafen noch weitere 2,25 Mill. treten. An Pfäh¬ len wurden eingerammt 26200 Rundpfähle (Kiefern- otämme) und 25600 vierkantige Pfähle. Der Kies ver¬ brauch für den Beton betrug 200000 cbm, der Zement¬ verbrauch 41 Mill. k?. Die Gesamtkosten der Hafen- und Kaianlagen Ham¬ burgs seit dem Jahre 1859 belaufen sich auf 145 Mill. M. ; davon entfallen in die Zeit vor dem Zollanschluss 27 Milk, beim Zollanschluss selbst sind3i,5Mill. und seitdem86,5Milk, zus. 118 Milk M. verwendet. Ausserdem bestehen gegen¬ wärtig für Hafen-Neubau offene Baukonten im Betrage von 51,4 Mill. M. 254 No. 39. Als Material zur Herstellung der Schuppen ist mit Rücksicht auf die Feuersgefahr durchweg Holz ver¬ wendet worden. Bei einem Brande ist in der Regel der kostbarere Theil die brennende Waare und es ist besser, der Schuppen brennt dann gleich mit ab, als dass ein eiserner Schuppen die Thätigkeit der Feuerwehr er¬ schwert und namentlich den Wiederaufbau verzögert. Auch kommen bei der grossen Ausdehnung der Schuppen die Baukosten inbetracht. Zur Abwicklung des Kaibetrie- bes sind nicht allein möglichst grosse, sondern auch ganz freie und offene Schuppen erwünscht; die Feuerwehr for¬ dert jedoch eineTheilung der grossen Längen durch Brand¬ mauern, in denen jedoch weite Oeffnungen für den Be¬ trieb im Inneren gestattet sind. Unsere vorstehende Ab¬ bildung gibt den Querschnitt durch Schuppen und Kai¬ anlage wieder. Die Kaianlagen sind mit Krahnen ausgerüstet, welche meistens als Halbportalkrahne, auf einzelnen Strecken auch als Vollportalkrahne ausgebildet sind. Erbaut wurden fer¬ ner eine elektrische Zentrale am Reiherkai des Kaiser Wilhelm-Hafens, sowie eine Polizeiwache nebst grossem Leuchtthurm und Fluthmesser auf dem Kaiser Wilhelm- Höft. Auch auf allen übrigen „Höften“ (den Spitzen der einzelnen Kaizungen) befinden sich kleinere Leuchtthürme. Auf dem nördlichsten, dem „Lootsenhöft“, ist dieLootsen- station eingerichtet mit den erforderlichen Räumen zum Aufenthalt, Schlafen und Essen für 48 Hafenlootsen. Die Kohlenkais am Ellerholzhafen sind mit 3 Kohlen¬ kippern ausgerüstet. Schleusen am oberen Ende der See¬ schiffhäfen dienen als Verbindung für den Zugang von Flusschiffen von den Kanälen aus, wie solche auch in den älteren Häfen bereits vorhanden sind. Der Ellerholzhafen war ursprünglich als Flusschiffhafen gedacht; durch die für die Hamburg-Amerika-Linie erforderlich gewordene Anlage von Schuppen am Mönckebergkai ist er dieser Bestimmung entzogen und es musste Ersatz geschaffen werden. Als solcher ist der nach Süden abzweigende Oderhafen geplant, für dessen Ausführung auch die Mittel bereits 1901 bewilligt worden sind. In Ausführung begriffen sind endlich der Kohlenschiff haf en neben dem Köhlbrand zum Löschen der Kohlenschiffe, welche Arbeit nicht mehr wie bisher auf dem gegenüber liegenden Elbufer in St. Pauli geschehen kann wegen der Ausmün¬ dung des neuen Stammsieles daselbst, und auf dem kleinen Grasbrook der für Flusschiffe bestimmte Spree¬ hafen neben dem vorhandenen Veddelkanal. Auch be¬ steht der Plan, hier einen neuen Zollhafen anzulegen zur Entlastung des jetzigen Zollhafens auf Entenwärder oberhalb der Elbbrücken, und um für die Oberländer Kähne eine bessere Verbindung nach den neuen Seeschiff¬ häfen auf Kuhwärder zu schaffen. Redner schliesst mit der Mittheilung, dass die Anlagen des Kaiser Wilhelm-Hafens im kommenden Sommer er¬ öffnet werden und vorher eine Besichtigung durch den Verein stattfinden solle. Dem mit lebhaftestem Interesse aufgenommenen Vortrage folgen noch eine Anzahl Fragen aus der Versammlung, an denen sich die Hrn. West- phalen, Classen, Stahl, Hennicke, Martens, Winter und Stein betheiligen und deren Beantwortung Hrn. Wendemuth Gelegenheit bietet, noch über manche interessante Einzelheiten Aufschluss zu geben. jyj0 Architekten- und Ingenieur-Verein München. Die neuen Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebniss: I. Vorstand: Brth. Reverdy; II.: Bauamtm. Lösty; I. Schriftf.: Arch. Honig; II. Arch. Rank; Kassierer: Ob.-Bauinsp. Marg- graff; Ausschuss-Mitglieder die Hrn.: Prof. Gabr. v. Seidl, Prof. Hocheder, die Arch. Voigt, Steinlein und Reg.- Rath Straub. — Vermischtes. Vorschläge zur Umgestaltung des städtischen Bauwesens. Die „Vereinigung Kölner Architekten“ hat sich an den Hrn. Ob. -Bürgermeister der Stadt mit einem Anträge gewendet, der z. Th. von lokalem Interesse ist, z. Th. aber auch allgemeinere Bedeutung hat. Der Antrag geht zu¬ nächst dahin, die in Köln ansässigen selbständigen Archi¬ tekten mehr als bisher, zur Lösung der baulichen Auf¬ gaben der Stadtgemeinde heranzuziehen. Begründet wird dieser Antrag einerseits damit, dass die Lösung so vieler oedeutender Aufgaben durch eine kleinere Zahl städtischer ^aub pamten> die in der Hauptsache ausserdem ihre Zeit und ihre Kräfte den Verwaltungs -Aufgaben zu widmen hätten, zu einseitiger, künstlerischen Gesichtspunkten nicht immer entsprechender Behandlung führen müsse. Durch eine Übertragung eines Theiles der Aufgaben an Privat¬ architekten würde die Stadtgemeinde nicht nur erhebliche Ersparnisse machen und mit geringerem technischen Per- sonal auskommen, sondern sie würde auch die allgemeine 16. Mai 1903. . Entwicklung des Bauwesens in Köln in hohem Maasse för¬ dern und das Ansehen der Kölner Künstlerschaft heben. Eine solche Unterstützung der produktiven Kunst nach allen Richtungen hin sei eine Pflicht der Stadtgemeinden, die von anderen grossen Städten Deutschlands auch schon seit längerem mit Erfolg wahrgenommen werde. Soweit bewegt sich der Antrag innerhalb der Be¬ strebungen, die auch in anderen Stadtgemeinden von den in der freien Berufsthätigkeit stehenden Architekten auf¬ gegriffen worden sind, deren Wirkung vielleicht auch darin zu erkennen ist, dass die grossen baukünstlerischen Auf¬ gaben des Staates und der Stadtgemeinden mehr und mehr auf dem Wege des allgemeinen oder des engeren Wett¬ bewerbes gelöst werden. Mit diesem ihrem besonderen Interesse dienenden An¬ träge verbindet die Kölner Vereinigung aber noch einen weiteren, mit welchem sie darauf hinzuwirken sucht, „dass die gesamte städtische technische Ver¬ waltung, einschl. Baupolizeiwesen , unter einen verantwortlichen, technisch gebildeten Dezer¬ nenten“ gestellt werde. Diesen Dezernenten, der etwa den Titel „Baudirektor“ erhalten könnte, denken sich die Antragsteller mit sehr weitgehender Vollmacht ausge¬ stattet, sodass er in Fragen technischer Art z. Th. allein und endgültig zu entscheiden hätte, enthalten sich im übrigen aber eines Urtheils, wie dieser technische Dezernent in den Verwaltungskörper der Stadt einzureihen sei. Hierin liegt aber gerade der springende Punkt, denn in Städten mit Bürgermeisterverfassung könnte dieser technische Dezer¬ nent doch nichts anderes als Beigeordneter sein, würde also dem Bürgermeister unterstehen; in Städten mit Magistratsverfassung könnte er nur Stadtrath sein, der sich also dem Magistratskollegium einzufügen hätte. Eine so weitgehende Selbständigkeit, dass er vor anderen Zwei¬ gen des Verwaltungswesens bevorzugt würde, ist für den Techniker im Rahmen der bestehenden Städteordnung nicht zu schaffen und wohl auch nicht berechtigt. Ein anderes ist es dagegen, wenn der Antrag im wesentlichen dahin aufzufassen ist, dass mit dem bisherigen System gebrochen wird, nach welchem selbst da, wo Stadtbauräthe oder tech¬ nische Beigeordnete vorhanden sind, grosse Zweige der technischen Verwaltung und vor allem die technischen Be¬ triebe, wie die Gas- und Elektrizitätswerke, die Wasser¬ werke und die Kanalisation und schliesslich die Verkehrs- Einrichtungen nicht dem Techniker, sondern einem Ver¬ waltungs-Dezernenten unterstellt sind, ja dass selbst in den Baudeputationen, in welchen die technischen Fragen über¬ wiegen, die Stadtbauräthe zwar vor allem die Verant¬ wortung zu tragen haben, aber nicht den Vorsitz führen. In dieser Richtung liegen erstrebenswerthe Ziele. Um sie erreichen zu können, bedürfen unsere städtischen Bau¬ beamten aber einer weit vielseitigeren Vorbildung, als sie sich z. Zt. im gewöhnlichen Ausbildungsgange zu erwer¬ ben in der Lage sind. Vor allem werden dazu die tech¬ nischen Hochschulen beitragen müssen, indem sie in ihren Lehrplänen den grossen Aufgaben der Kommunal- Ver¬ waltungen weit mehr Aufmerksamkeit schenken, als das bisher der Fall ist. — Todtenschau. Skjold Neckelmann f. Kurz vor Schluss der Redaktion erreicht uns die Nachricht, dass in der Nacht vom 12. zum 13. Mai der Architekt und frühere Professor an der Tech¬ nischen Hochschule in Stuttgart Skjold Neckelmann in einer Heilanstalt in Neckargemünd im blühenden Alter von 49 Jahren von seinem schweren Leiden durch den Tod erlöst wurde. Wir behalten uns vor, auf das reiche Lebenswerk des zu früh Verstorbenen eingehender zu¬ rückzukommen. — Preisbewerbungen. Wettbewerb evangelische Kirche Innsbruck. Unter 86 Entwürfen war keiner, der unmittelbar für die Ausführung geeignet gewesen wäre; das Preisgericht sah deshalb von der Ertheilung des I. Preises ab. Den II. Preis er¬ hielt der Entwurf der Hrn. Th. Veil & Paul Thier sch in München. Die Summe des I. und des III. Preises wurde in 4 III. Preise zerlegt und diese den Entwürfen der Hrn. Karl Troll in Wien, A. Weber & G. Münz¬ berger in Wien, O. Schnartz in München und Paul Bon atz &Osk.Pixis inStuttgart undMünchen zuerkannt.— Wettbewerb Realgymnasium in Koblenz a. Rh. Ein I. Preis ist nicht zuerkannt worden. Die Preissumme ist (was im Ausschreiben Vorbehalten war) so vertheilt wor¬ den, dass 3 gleiche Preise von je 1500 M. an die Entwürfe: „Deutsch“, Verf. die Hrn. Arch. Hrch. Mehlin und Hans Herpich in Stuttgart, „Einspringendes Eck“, Verf. die Hrn. Reg.-Bfhr. Udo Hölscher, Aug. Sander und Fritz 255 Schäfer in Hannover, und „Bahn frei!", Verf. Hr. Arch. Otto Schnartz in München, vergeben wurden. Zum Preise von je 500 M. wurden angekauft die Entwürfe: „Am Ring", Verf. Hr. Arch. Eberhard Ratz in Wies¬ baden, „Viel Licht und schlicht“. Verf. Hr. Arch. Rudolf Ludloff in München, und „Vorhof“, Verf. die Hrn. Arch. P. Bon atz und F. Pa u Isen in Stuttgart. Im Preisausschreiben war die Absicht kundgegeben, dem Gewinner des I. Preises die Ausarbeitung der Pläne zu übertragen (vergl. S. 52). Hoffentlich wird, auch wenn der I. Preis nicht verliehen wurde, doch einem der Sieger der Auftrag zutheil. — Fassadenwettbewerb des Vereins zur Erhaltung der Bau- und Kunstdenkmäler in Danzig. Da es in Barmen 3 Architekten mit dem Namen Schutte gibt, so bittet uns Hr. Albert Schutte in Barmen, festzustellen, dass sein Entwurf dieses Wettbewerbes es war, der zum Ankauf gelangt ist. — Bücher. Die Vermessungskunde, ein Taschenbuch für Schule und Praxis" von Wilh. Miller, Ing. und kgl. Prof, der In¬ dustrieschule Augsburg. Hannover 1901. Verlag von Gebr. Jänicke. Pr. geb. 3 M. Das vorliegende Büchlein füllt eine Lücke der ein¬ schlägigen Litteratur zwischen den umfangreichen vor¬ handenen Werken über Geodäsie und den kleinen zu laienhaft geschriebenen oder den Stoff nicht erschöpfenden Anleitungen zum Feldmessen aus und entspricht einem wirklichen Bedürfniss. Der Inhalt des 164 Seiten um¬ fassenden sehr handlichen Taschenbuches behandelt in übersichtlicher leicht fasslicher Weise Instrumentenkunde und Messungslehre. In beiden Theilen ist neben der Beschreibung die unumgängliche theoretische Begründung angegeben und das Hauptgewicht auf die praktische An¬ wendung gelegt. Nur die sorgfältige Sichtung des sehr umfangreichen Stoffes und die Ausscheidung aller über¬ flüssigen Erörterungen haben es möglich gemacht, in so gedrängter Form alles Nothwendige zu bieten. Das Büchlein wird sonach nicht blos dem jungen Techniker, sondern auch dem älteren in der Praxis stehen¬ den Ingenieur als Nachschlagebuch willkommen sein und von den Fachgenossen des Verfassers als ein nothwendiger Behelf freudig begrüsst werden. Es verdient seinen Namen vollauf und hält, was derVerfasser im Vorwort ankündigt. — Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Hausding, A., Geh. Reg.-Rath. Verdeutschungs - W örter¬ buch der hauptsächlichsten in der Fach-, Handels- und Verwaltungssprache vorkommenden Fremdwörter. II. wesentl. erweiterte Aufl. Berlin 1903. Carl Heymann. Pr. geb. 3 M. Hecht, Karl, Ing. Lehrbuch der reinen und ange¬ wandten Mechanik für Maschinen- und Bautechniker. Band III: Die graphischen Methoden mit 225 Beisp., 593 Fig. und einem Anhang. Dresden 1903. Gerh. Kühtmann. Pr. 12 M., geb. 14 M. Dr. Holm, E. Photographie bei künstlichem Licht. Anleitung zum Photographieren bei Magnesium-Licht. Bd. 16 der Photogr. Bibliothek. Berlin 1903. Gust. Schmidt. Pr. 2,5 M. Jänecke, W., Reg.-Bmstr. DasBuch derBerufe. Bd. 9: „Der Architekt“. Ein Führer und Berather bei der Berufswahl, mit 79 Abbildgn. im Text. Hannover 1902. Gebr. Jänecke. Pr. 4 M. Lapieng, Eugen. Skizzenbuch. 39 Tafeln. Leipzig 1903. Seemann & Co. Pr. geb. 4 M. Dr. Melsel, Ferdinand, Dir. der Gewerbeschule in Darmstadt. Praktische Beispiele zur Schatten-Konstruk¬ tionslehre. 20 Taf. für den Gebrauch an Gewerbe- und Baugewerkschulen. Leipzig 1902. Seemann & Co. Pr. in Mappe 15 M. Manchot, Wilh , Prof. Das Stereoskop. Seine Anwendung in den technischen Wissenschaften. Ueber Entstehung und Konstruktion stereoskopischer Bilder, mit 50 Figuren. Leipzig 1903. Veit & Comp. Mielke, Robert. Museen und Sammlungen. Ein Beitrag zu ihrer weiteren Entwicklung. Berlin 1903. Franz Wunder. Pr. 60 Pf. Dr. Naumann, Walther. ZurWohnungsfrage im König¬ reich Sachsen. Volkswirthschaftliche und wirthschaft- liche Abhandlungen, herausgegeben von Prof. Dr. W. Stieda. 5. Heft. Leipzig 1902. Jäh & Schunke. Pr. 3 M. Neumeister, A., Prof. Deutsche Konkurrenzen. XV. Bd., Heft 2, No. 170: Realvollanstalt für Bremen; Heft 3 und 4, No. 17 1 u. 172: Rathhaus für Kassel; Heft 5, No. 173: Pflege¬ rinnenheim für Mainz; Heft 6, No. 174: Schwimmbad für Pforzheim. Heft 7, No. 175: Evang.-luth. Kirche, Betsaal und Pfarrhaus für Striesen-Dresden; Heft 8 und 9, No. 176 und 177: Kollegiengebäude für Freiburg i. B. Leipzig 1903. See¬ mann & Co. Pr. für den Band (12 Hefte mit Beiblatt) 15 M. Einzelne Hefte (ohne Beibl.) 1,80 M. Perndt, Max, Ing. Tafeln zum Abstecken von Kreis- und Uebergangsbögen durch Polarkoordinaten , mit einem Vorworte von Ing. Alfr. Birk, Prof, an der k. k. deut¬ schen techn. Hochsch. in Prag. Wien 1903. A. Hartleben. Pr. geb. 3,60 M. Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Geh. Brth. v. Rosainski, vortr. Rath im Kriegsminist, ist z. Geh. Ob. -Brth. ernannt. — Der Int.- u. Brth., Geh. Brth. Steinberg in Breslau ist in d. Ruhestand getr. Der Geh. Adm.-Rath Rechtem in Berlin ist gestorben. Bayern. Ob.-Bauinsp. S c h m i 1 1 in Schwandorf ist gestorben. Preussen. Dem Reg.-Bmstr. a. D. Busch in Neuss ist die Erlaubniss zur Anlegung der ihm verlieh. III. Kl. des päpstl. Pius- Ordens ertheilt. Versetzt sind : Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Ameke in Bing zur Eisenb.-Dir. in Mainz, die Reg.-Bmstr. Kurowski in Halle und Kellner in Hagen in den Bez. der kgl. Eisenb.-Dir. in Breslau, G ö h n e r in Stettin in d. Bez. d. kgl. Eisenb.-Dir. in Frankfurt a. M. Dem Eisenb -Bau- u. Betr.-Insp. Grund in Breslau ist die Stelle des Vorst, d. Eisenb. -Masch.-Insp. 1 das. verliehen. — Der Reg.- Bmstr. Wilh. Höfinghoffin Mainz ist z. Eisenb. -Bauinsp. ernannt. Es sind versetzt: Der Wasser-Bauinsp. Be necke von Graudenz nach Czarnikau; die Reg.-Bmstr. Schaper von Ebers¬ walde in den Bez. der Wasser-Bauinsp. Fürstenwalde a. Spree, Holtvogt von Köpenick nach Hannover und P 1 i n k e von Wol- mirstedt nach Hoyerswerda. Zur Beschäftigung sind überwiesen die Reg.-Bmstr. Ledsch- bor der kgl. Reg. in Düsseldorf, Gen sei der kgl. Reg. in Köln und Br. Schulze der kgl. Eisenb -Dir. in Hannover. Die Reg.-Bfhr. Wilh. Wagner aus Rudolstadt (Hochbfch.), Rud. v. Reiche aus Bernburg, Gg. Kozlowski aus Bielefeld, Wilh. Brandes aus Döhren und Rud. Schaefer aus Weilburg (Str.- u. Wasserbfch.), — Ernst J o c h e m aus Griesheim, Karl Haack aus Mainz, Johs. Urbach aus Egeln und Rob. Lieffers aus Braunschweig (Eisenbfch ), — Karl Lychenheim aus Richten¬ berg und Ernst Wilde aus Pasewalk (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.- Bmstrn. ernannt. Sachsen. Die Genehmigung zur Anlegung der ihnen verlieh, preuss. Orden ist ertheilt und zw.: dem Geh. Brth. v. Schön¬ berg des Rothen Adler-Ordens III. Kl. und dem Brth. Toller des Rothen Adler-Ordens IV. Kl. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. A. B. in Hildburghausen. Sie verlangen etwas viel von dem Briefkasten einer Zeitung. Wir können Ihnen un¬ möglich den Rechtsanwalt ersetzen. Soweit es überhaupt möglich ist, sich nach den Mittheilungen ein Urtheil zu bilden, können Sie von der Gemeinde schwerlich mehr als eine Bezahlung Ihrer bis¬ herigen Mühewaltung erlangen, da ein bindendes Abkommen in dem Protokoll allein nicht liegt. Zur Uebertragung der Bauleitung an Sie und Ausführung des Baues nach Ihren Plänen können Sie die Gemeinde keinesfalls zwingen. Nachdem Sie für den 1. Plan, noch dazu einschl. Uebernahme der Bauleitung nur 500 — 600 M. verlangt haben, wird Ihnen auch für die späteren Pläne eine Be¬ zahlung nach der Norm schwerlich zugebilligt werden, da die Ge¬ meinde doch auch für diese ähnlich niedrige Sätze von Ihnen er¬ warten durfte. Uebrigens ist auch Ihre Berechnung für den x. Ent¬ wurf zu hoch, da Sie doch höchstens 40 und nicht 6o°/n, nach § 6 Abs. 35 also etwas über 900 M. berechnen könnten. Was Sie für die Umarbeitungen verlangen können, vermögen wir Ihnen nicht zu sagen, es handelt sich hier doch nicht um ganz neue Entwürfe. Bezüglich des letzten Entwurfes machen wir Sie darauf aufmerk¬ sam, dass uns gerichtliche Entscheidungen bekannt sind, nach denen die Bezahlung von Entwürfen abgelehnt worden ist, wenn diese nicht der festgesetzten Bausumme entsprachen, also gegen den Auftrag verstiessen. — - Hrn. K. v. L. in Herford. Versenkung von Dachrohren in den Grund mittels einer Drainsleitung wird oft ausgeführt und ist bei ausreichender Länge der Drainsleitung bewährt. Welche Leistung 1 m Leitung in der Dauer von 1 Sek. zugemuthet werden kann, hängt ausser von der Porosität und der Stossfugenweite der Drainsleitung von der Beschaffenheit des umgebenden Grundes ab. Bei der angegebenen Weite der Drains hat die 60 m lange Leitung etwa eine Gesamtoberfläche von 30 qm , welche nach unserem Dafürhalten genügt, um sekundlich etwa 8 — 12, höchstens aber 15 1 Wasser austreten zu lassen. Wenn die betr. Dachfläche sekund¬ lich grössere Wassermengen liefert, wird eine entsprechende Ver¬ längerung der Drainsleitung nothwendig sein. Vorausgesetzt aber, dass der umgebende Grund nur die nöthige Aufnahmefähigkeit be¬ sitzt, lässt sich auch mit einer Vergrösserung der Stossfugenweite, oder mit einer Einbettung der Drainsrohre in eine Kies- oder Schotterschüttung etwas thun. Wir halten aber das Gefälle der Leitung von 1 : 40 für zu gross, da bei demselben wegen zu raschen Abflusses das untere Ende der Leitung stärker angefüllt werden wird als das obere. Wenn Sie wirksame Einrichtungen zum Zu¬ rückhalten der Sinkstoffe treffen, braucht eine Verschlammung der Drains nicht befürchtet zu werden. — Anfragen an den Leserkreis. 1. Welche Arten von beweglichen, leicht entfernbaren und mög¬ lichst schallsicheren Abscheidungen zwischen 2 Sälen haben sich be¬ währt, wo sind derartige Abscheidungen bereits ausgeführt und welches sind die Bezugsquellen? Städt. Hochbauamt in Ul m. 2. Welche Erfahrungen sind bis jetzt mit dem automatischen Luftgas-Erzeugungsapparat Germania für Beleuchtungszwecke ge¬ macht worden ? _ M. in Ph. Inhalt: Häusergruppe an der Jacobistrasse in Freiburg i. Br. — Ver¬ band deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. — Ueber die Anwendung und Ausbildung von Drehthtiren. — Mittheilungen aus Vereinen. — Ver¬ mischtes. — Todtenschau. — Preisbewerbungen. — Bücher. — Personal- Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Häusergruppe in Freiburg i. Br. Verlag der Deutschen Bauzeitung-, G. m. b. H., Berlin. För die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 39. 256 Der' rheinische Trass als hydraulischer Zuschlag in seiner Bedeutung für das Baugewerbe*). wir nicht durchweg vollinhaltlich unterschreiben möchten, bietet der rein sachliche Inhalt der Schrift so viel Wissens- werthes, dass wir unseren Lesern eine kurze Inhaltsangabe nicht vorenthalten möchten. Das Werkchen schildert zunächst in den einleitenden Kapiteln die Fundstätten, die Entstehung und die Gewinnung ie rasche und glänzende Entwicklung unserer deut¬ schen Portlandzement-Industrie, die zum nicht ge¬ ringen Theile dem Umstande verdankt wird, dass die Fabrikation Hand in Hand gegangen ist mit der wissen¬ schaftlichen Forschung über die Eigenschaften des Mate¬ riales und die Mittel zu seiner Verbesserung, dass sie sich stetig bemüht hat, ihre Er¬ zeugnisse auch weitgehen den Anforderungen der Praxis anzupassen, und dass sie selbst die Hand geboten hat, um”; scharfe Qualitäts¬ vorschriften und sichere, aber dabei praktisch ver¬ wendbare Prüfungsmetho¬ den zur Einführung zu bringen, hat ein einheimi¬ sches natürliches Material, den „Trass“, lange Zeit über Gebühr in den Hinter¬ grund geschoben, sodass selbst im Kreise des Bau¬ faches, soweit es sich nicht um Gegenden handelt, die den Fundstätten des Trass nahe liegen oder wenig¬ stens auf dem Wasserwege von dort leicht zu erreichen sind, über die Verwendbar¬ keit des Trass als hydrau¬ lischer Zuschlag vielfach ziemlich unklare Begriffe herrschen. Nur seine be¬ sondere Eignung zu See¬ bauten, in welcher er in gewisser Beziehung auch dem Portlandzement über¬ legen ist, haben ihm ein grösseres Absatzgebietoffen gehalten. Neuerdings haben dann namentlich die grossen Thalsperrenbauten Intze’s, bei welchen besondere An¬ sprüche an Wasserdichtig¬ keit und Elastizität des Mör¬ tels gestellt werden, welche der Trass vor anderen Materialien erfüllt, diesem wieder die Aufmerksamkeit weiterer Kreise zugezogen und man ist daran gegan¬ gen, auch wissenschaftlich sich mit ihm zu beschäfti¬ gen und Vorschriften für seine Qualität und Prüfung aufzustellen. Als eine zeitgemässe Er¬ scheinung ist daher das oben genannte Werkchen von A. Hamb loch zu bezeichnen, das auf 68 Textseiten in knappster, übersichtlicher Form die wesentlichsten Eigenschaften des Trass, seine Vorzüge und seine Anwendbarkeit bespricht. Zwar geht die Schrift aus dem Kreise der Trass Interessenten hervor und ver¬ folgt demgemäss auch den Zweck, durch Aufklärung über die Eigenschaften des Materiales ihm ein weiteres, seinem Werthe entsprechendes Absatzgebiet zu schaffen, aber abgesehen von einigen beigegebenen Zeugnissen, die auf diesen geschäftlichen Zweck hindeuten, sowie abgesehen vielleicht von einigen Urtheilen über andere Materialien, die Zusammengestellt von Anton Hambloch in Andernach a. Rh. 1Q03. Selbstverlag; des Verfassers. (Zn beziehen von Gerhard Herfeldt in Andernach a. Rh.) Schutzmauer ßimsstein- sckicht Tuffasche Alte Männer**) Wasserlinie Gelber Tuff¬ stein Grauer Tuff¬ stein Dunkel-’ igrauer oder blauer Tuffstein Entwässerungs Kanal Tuffstein-Grube im Nettethale bei Plaidt. des Trass, der in Deutschland aus dem Tuffstein der vulka¬ nischen Eifel gewonnen wird und sich vermuthlich aus unter Druck erhärtetem vulkanischem Schlamm gebildet hat. Hier¬ für spricht, dass sich das Material vorwiegend in den Thal¬ niederungen, am besten imNettethalbei Andernach a. Rh., des weiteren auch im Brohlthal findet, wo die besseren Lager jedoch bereits erschöpft sind. Der zur Trassfabri- kation brauchbare Tuffstein findet sich in grösserer Tiefe, zumeist ganz unter Grundwasser liegend, stellenweise von mächtigen Schichten vulkanischer Asche, dem oft zur Ver¬ fälschung dienenden „wilden Trass“, und von Bimsstein über **) Bergtechnischer Ausdruck für in früheren Zeiten bereits beutete und wieder auf gefüllte Grubem äume. 257 lagert. Der Tuffstein wird jetzt durchweg im Tagebau gewonnen, während die Römer ihn bereits im Stollen¬ betrieb auszunutzen suchten. Wir geben eine dem Werk entnommene Abbildung einer Tuffsteingrube im Nettethal bei Plaidt wieder, welche ein gutes Bild von dem Be¬ triebe abgibt, der natürlich nur unter Anwendung kräfti¬ ger Wasserhaltungs-Maschinen möglich ist. Die Gesteins¬ massen werden mit Pulver gesprengt, dann weiter zerschla¬ gen, getrocknet und mittels Steinbrecher zerkleinert, und schliesslich in Kollergängen oder Kugelmühlen gemahlen. Um Verfälschungen vorzubeugen, wird jedoch bei grossen Ausführungen fast durchweg der gebrochene Stein be¬ zogen und erst am Verwendungsorte zu Trass gemahlen. Der Tuffstein nimmt in den Gruben mit fortschreiten¬ der Tiefe an Härte und gleichzeitig an Dunkelheit der Farbe zu, die sich von gelblich durch grau zu dunkelgrau vertieft. Der im Handel vorkommende Trass wird im allgemeinen, entsprechend dem Vorkommen in den Gruben, aus 0,5 gelbem, 0,25 grauem und 0,25 dunkelgrauem Stein gemahlen. Guter Tuffstein muss beim Zerschlagen hellen Klang haben, scharfkantig brechen, muss gleichmässige Struktur zeigen und vor allem porös sein. Dadurch unter¬ scheidet er sich am besten von dem inbezug auf hydrau¬ lische Eigenschaften minderwerthigen „Leucittuff“. Die Schrift gibt eine Reihe von Analysen des Tuff¬ steines aus dem Nettethal. Aus sechs Untersuchungen verschiedener Proben von Dr. Michaelis ergaben sich auf 100 Theile fast übereinstimmend 59,172—60,345 Kiesel¬ säure, 19.4x4 — 20,852 Thonerde, der Rest Eisenoxyd, Man- ganoxyd, Kalkerde, Bittererde, Kali, Natron, Schwefelsäure. An freier hydraulischer, durch Behandlung mit kohlen¬ saurem Natron löslicher Kieselsäure waren vorhanden 8,481 — 10,6, an Glührückständen nach Behandlung mit Salzsäure 27,166—33,585 Theile. Die nächsten Abschnitte behandeln die Anwendung des Trass als hydraulischer Zuschlag, die Zusammensetzung des Trassmörtels und deren Einfluss auf die Festigkeit. Der Trass ist kein selbständiges Bindemittel, sondern nur ein hydraulischer Zuschlag, der zu einem Bindemittel erst in Verbindung mit zu Pulver oder Teig gelöschtem Kalk oder Zement wird, da erst durch Aufschluss des Trass durch Aetzkalk die in demselben enthaltene freie Kiesehäure die Silikatbildung bewirken kann. Die Ver¬ wendung des Trass geht bis auf die Römerzeit zurück und wurde dann von den Holländern wieder eingeführt. Am Rhein ist in Brohl Ende des 17. Jahrhunderts die erste Trass- mühle von einem Holländer gebaut worden. In Verbindung mit Weisskalk kam dann der Trass als Mörtel zur An¬ wendung. Alt bewährte Mischungsverhältnisse des Mörtels sind z. B. für Bauten unter Wasser, bei denen es auf abso¬ lute Dichtigkeit ankommt, 1 Raumtheil Trass, auf 0,66 bis 1 Th. Kalk, auf 1 — 1,25Tb. Sand; für Bauten über Wasser, deren Mauerwerk rasch erhärten soll, 1,25 — 1,50:1:1,50 bis 2,50; bei langsamer Erhärtung 1:2:3 — 5* für äusseren Verputz 1,25:1:2,50—3,50. Voraussetzung ist dabei, dass guter Fettkalkteig zur Verwendung kommt. Fettkalkpulver erfordert wegen der Hohlräume etwa das i,5fache an Raumtheilen. Zu vermeiden ist auf alle Fälle ein Ueber- maass an Kalk, namentlich bei Bauten in Seewasser, da der freie Kalk vom Seewasser angegriffen wird. Ein Ueberschuss von Trass schadet dagegen nichts, da die nicht vom Kalk gebundenen Theile als Sand wirken. Bei Herstellung von Trassbeton ist zur Erzielung eines dichten Betons ein Ueberschuss von 20—25 % Mörtel über die Hohlräume des Gemisches zu geben. Der Kies- bezw. Schotterzusatz schwankt je nach Erforderniss zwischen 4 und 10 Raumtheilen auf die einzelnen Mörtelmischungen. Es werden dann die angewandten Mischungs- Verhält¬ nisse einer grossen Reihe von Wasserbauten und Hoch¬ bauten angeführt. So wurden z. B. die Betonsohlen der Schleusen des Kaiser Wilhelm-Kanales aus 1 Raumtheil Trass, 1 Wasserkalk, 1 Sand und 4— 5 Th. Kies hergestellt, während Intze für seine Thalsperren einen Mörtel ver¬ wendet von 1,50 Trass, 1 Kalkteig, 1 — 1,50 Sand, bei der Urft-Thalsperre sogar 1,75 Th. Sand. Bei Hochbauten ist der Trasszusatz entsprechend zu verringern. Sehr wichtig sind die zahlreichen Mittheilungen über Versuche, welche den Einfluss des Mischungs-Verhältnisses auf die Festigkeit des Trassmörtels und auf seine Dichtig¬ keit erkennen lassen, ferner den Einfluss der Temperatur auf die Erhärtungsdauer, den Einfluss des Seewassers usw. DasVerhältniss derZugfestigkeit desTrassmörtels zur Druck¬ festigkeit schwankt je nach dem Sandzusatz zwischen 1 15 bis 1 : 8. Die höchsten Druckfestigkeitsziffern wurden bei einer (von privater Seite) aufgestellten Versuchsreihe für ein Mischungs- Verhältniss von 1,50 R.-Th. Trass zu r,25 Kalkpulver zu 2 Sand erreicht, nämlich nach 1 Monat im Durchschnitt 104 kg/qcm. Der Fortschritt der Erhärtung stellte sich auf 100 : i6r : 189 nach 1 Monat, 1 Jahr, 3 Jahren. Interessant sind die Versuchsreihen der kgl. techn. Ver¬ suchsanstalt in Charlottenburg zur Ermittlung der günstig¬ sten Mörtelmischung für die Urft-Thalsperre besonders im Hinblick auf Wasserdichtigkeit. Aus den angeführten Versuchen geht ferner hervor, dass die Erhärtung des Trassmörtels in feuchter Luft hinter derjenigen bei Erhärtung unter Wasser nur un¬ wesentlich zurücksteht, sowie dass bei der Zusammen¬ setzung von Trassmörteln unbedingt jeder Ueberschuss an Kalk zu vermeiden ist, insbesondere bei Seebauten. An besonderen Vorzügen des Trassmörtels hebt Verfasser seine Billigkeit hervor, aus welcher er bei ge¬ ringer Entfernung vom Produktionsorte bis zu 50 °/0 Er¬ sparnis gegenüber dem Zementmörtel herausrechnet, seine Ueberlegenheit in Wasser-Dichtigkeit und Elastizität, die geringere Schlammbildung bei Verwendung unter Wasser, die langsamere und regelmässigere Erhärtung, Raum- und Frostbeständigkeit, sowie die Unempfindlich¬ keit des lagernden Trass gegen den Einfluss der Feuchtig¬ keit, Eigenschaften, von denen einige allerdings für be¬ stimmte Ausführungen dem Trass den Vorzug verschaffen werden, während andere bei dem jetzigen Stande der Portlandzement- Fabrikation nicht ins Gewicht fallen. Verfasser geht dann auf die Prüfung des Trass ein. Holland und Belgien besitzen schon seit Jahren einheit¬ liche Prüfungsvorschriften für Trass. Bei uns sind solche bisher noch nicht eingeführt. Verdienstvoll sind die Ar¬ beiten des „Deutschen Verbandes für die Material¬ prüfungen der Technik“, der i. J. iqoo Vorschriften für die „Prüfung von Trass auf seinen mörteltechnischen Werth“ aufgestellt hat, die im Wortlaut angeführt werden. Als Festigkeit sind z. Zt, für den Kalktrassmörtel üblich nach 28 Tagen 12 ks/qcm Zug und wenigstens 60 kg/qcm Druck. Diese Zahlen gelten in Holland als Norm. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Auch in den nun folgenden Gutachten über die An¬ wendung von Trassmörtel, theils aus Intze’schen Arbeiten, theds aus solchen der kaiserlichen Admiralität, wird der Leser bemerkenswerthe Mittheilungen finden Den Schluss des Werkchens bildet ein Abschnitt über den Zusatz von Trass zum Portland-Zement, der nament¬ lich bei Seebauten den Erfolg erzielen soll, den Zement- Mörtel gegen den Einfluss des Seewassers geeigneter zu machen, indem durch diese Beimischung die vollständige chemische Bindung des freien Aetzkalkes erreicht wird, dessen Einfluss unter Umständen selbst leicht eine Zer¬ störung des Mauerwerkes herbeiführen kann. Es wird auf die Versuche von Dr. Michaelis und die staatsseitig mit Zuziehung der Fabrikanten eingeleiteten, noch in Ausfüh¬ rung begriffenen Untersüchungen über das Verhalten hydraulischer Bindemittel im Seewasser hingewiesen. Aber auch als Mittel zur Verbilligung und zur Erhöhung der Dichtigkeit von Zementmörtel wird der Trasszusatz em¬ pfohlen. An Beispielen werden die Ersparnisse, die Mischungsverhältnisse und die Festigkeitsergebnisse er¬ läutert. Es sind mit praktischem Erfolge Mischungsver¬ hältnisse angewendet, bei denen entweder der Zement noch überwiegt, beide Materialien in gleichem Mischungs¬ verhältnis^ erscheinen, oder schliesslich der Zement nur noch den Zusatz zum Trass bildet, dessen Festigkeit er¬ höhend und die Abbindezeit verkürzend. Diese Inhaltsangaben mögen genügen, um die Brauch¬ barkeit der kleinen Schrift zu kennzeichnen. — Mittheilungen aus Vereinen. Mittelfränkischer Arch.- und Ing.-Verein zu Nürnberg. Vers, vom 27. März 1903. Vors. Hr. Ob.-Brth. C. Weber. In den Verein aufgenommen wird Hr. Bauamtsass. L. Ull- mann. — Hr. städt. Brth. Holzer in Fürth erhält darauf das Wort zu seinem angekündigten Vortrage über „Neuere Fürther Bauten“ und führt ungefähr Folgendes aus: Eine ganze Reihe mehr oder weniger umfassender Unter¬ nehmungen ist es, welche die Stadtgemeinde Fürth theils im vergangenen Jahre ausgeführt, theils zurzeit im Bau 258 hat, oder welche im Plan soweit gefördert sind, dass die Genehmigung zur Ausführung unmittelbar bevorsteht: eine Wasserwerks - Erweiterung mit einer genehmigten Bau¬ summe von 800000 M.; ein Gaswerk -Neubau, der auf x,5 Mill. M. und ein Krankenhaus-Neubau, der auf 1 Mill. M. geschätzt wird; der Neubau eines Sanatoriums für Lungen¬ kranke im Stadtwalde mit einem Kostenvoranschlage von 250000 M.; der Neubau eines Elektrizitätswerkes 435000 M.; Neubau eines Schulhauses an der Schwabacher Strasse und Aufbau des anstossenden alten Schulhauses 240 000 M.; Neubau der Maxbrücke über die Rednitz rd. 180000 M.; No. 40. Neubau eines städt. Brausebades 43000 M.; Neu- und Um* bauten von Kontrollstationen (Aufschlagswachen) und schliesslich der Theater-Neubau mit rd. 800000 M. Bau¬ kosten. In weiterer Ferne stehen der Bau einer Feuer¬ wehr-Zentrale, eines weiteren Schulhauses und die An¬ lage von Uferstrassen im Rednitzgebiete. An der Hand einer grösseren Anzahl hübsch ausgeführter Pläne und Photographien geht Redner zur näheren Erläuterung einiger Pläne über. Die Beleuchtungsfrage des neuen Stadttheaters gab den letzten Anstoss zu dem im Jahre 1902 von den städt. Kollegien gefassten Beschluss, ein städt. Elek¬ trizitätswerk zu errichten und damit den in der Bürger¬ schaft schon lange vorhandenen Wünschen entgegen zu kommen. Als Berather wurde Hr. Brth. Uppenborn in München gewonnen. Das Werk sollte zunächst für 240 P.S. gebaut werden und ohne Weiteres auf 360 P. S. vergrösse- rungsfähig sein. Hr. Uppenborn schlug vor, zum Antrieb Gas¬ motoren von 120 P. S. zu wählen. Die Dynamos sind Gleich¬ strom-Maschinen mit 175 Kilowatt bei einer Spannungs- Regulierung von 440 auf 500 Volt. Eine Akkumulatoren- Batterie von 274 Elementen ist auf das Doppelte erweite¬ rungsfähig. Für den Bau der ganzen Anlage war nur eine Bauzeit von 6 Monaten gegeben. Der Hochbau ist in ein¬ fachster Weise durchgeführt; Verwaltungsräume sind nicht vorgesehen, weil dieselben im nahen städt. Gaswerk unter¬ gebracht werden konnten. Die Kosten des letzteren ein¬ schliesslich der Maschinen-Fundamente betrugen 80 000 M. Die Unzulänglichkeit der sogenannten Max brücke (der einzigen Ueberbrückung der Rednitz, mit einer Ge¬ samtbreite von 9m und 2 Durchflussöffnungen von je 23 m) in Hinsicht auf die Verkehrsansprüche und die bauliche Sicherheit veranlassten die Stadtgemeinde Fürth, bei der Staatsbaubehörde den Umbau der im Zuge der Staats¬ strasse Nürnberg-Würzburg liegenden Brücke zu bean¬ tragen. Langwierige Verhandlungen führten schliesslich zu einem Vertrage, nach welchem sich die Stadt Fürth verpflichtete, die alte Maxbrücke nebst der Staatsstrasse bis zum Einschnitt der Nürnberg- Bamberger Eisenbahn¬ linie gegen eine einmalige Abfindungssumme von 175000 M. zu übernehmen und den Umbau der Maxbrücke nach einem generellen Entwurf des kgl. Strassen- und Flussbauamtes Nürnberg durchzuführen. Hierbei wurde eine Brücken¬ breite von 15 m, wovon 8,80 m auf die Fahrbahn fallen, vereinbart; ferner erhält die neue Brücke nur eine Durch¬ flussöffnung von 33 m ohne mittlere Pfeilerstellung. Die weitere Ausarbeitung des Planes, dann die Ausführung einschl. Herstellung einer Nothbrücke, sowie die Her¬ stellung der Widerlager und Ufermauern wurde der Firma Vereinigte Masch.-Fabrik Augsburg und Masch.- Baugesellschaf t Nürnberg A.-G. gegen eine Summe von 160000 M. übertragen. Der Brückenumbau machte die Verlegung der dortigen Kontrolstation nothwendig. Gleichzeitig wurde dieselbe durch einen Anbau erweitert, wodurch eine malerische Gestaltung des kleinen Bauwerkes ermöglicht war. Als Formgebung wurde die deutsche Re¬ naissance mit Anklängen an das Barock gewählt. Der ganze Umbau kam auf 6coo M., d. i. auf 1 88 M., auf 1 cbm 13 M. zu stehen. Im Zusammenhang mit dem vorgenannten Umbau steht die Herstellung der dort zusammenkommenden Strassen. Es gelang, hinter der Kontrolstation einen grösseren Platz zu gewinnen, welcher als Anlage und Kinderspielplatz dienen soll. Die Anlage soll ein kleiner Brunnen schmücken, in einfachsten Formen aus überarbeitetem Rieselbeton mit Marmorstückeinlagen, oder aus Kunststein, Muschelkalk nachahmend. Die Kosten hierfür betragen 3500—4000 M. — Der Zugang zum neuen Hochbehälter der städt. Wasserwerks-Erweiterung war ursprünglich in Form eines thurmartigen Aufbaues geplant. Da jedoch der Hoch¬ behälter am Fusse der alten Veste liegt, so befürchtete man, es könnte der Thurm derselben beeinträchtigt werden und entschloss sich, den Aufbau mehr nach der Breite zu entwickeln. Die Formgebung ist der Umgebung ent¬ sprechend eine schwere und einfache. Der plastische Schmuck besteht aus Wasserthieren und Fratzen als Wasserspeier. Die Giebelbekrönung zeigt die Mauerkrone der Stadt Fürth, 2 Delphine bewachen den Eingang. Das BossenmauerwerkwirdinMuschelkalkstein erstellt, Treppen¬ anlagen, Becken und plastische Theile werden der Billig¬ keit halber in überarbeitetem Kunstein ausgeführt. Die gesamten Herstellungskosten ab Planie werden sich auf 12000 M. belaufen. — Seit 1898 besitzt die Stadt Fürth bereits ein grösseres Brausebad mit 16 Männerbrausen und dazu gehörigen 21 An- und Auskleidezellen, 4 Frauenwannenbädern und 1 Frauenbrause. Diese Anstalt hatte sich insbesondere seitens der Arbeiterbevölkerung eines solchen Zuspruches zu erfreuen, dass im Jahre 1901 die Errichtung eines zwei¬ ten Brausebades beschlossen wurde. Als Bauplatz 20. Mai 1903. wurde der Hof des alten Amtsgerichtsgebäudes in der Königsstrasse, in einem dichtbewohnten Stadttheile der Altstadt gewählt. Der beschränkte Platz nöthigte zu einer möglichst gedrängten Grundrissbildung. Das Programm lautete auf 12 Brausezellen und 2 Frauenwannen. Es zeigte sich, dass die baupolizeiliche Erlaubniss für einen solchen Hofeinbau nur möglich war, wenn das gegenüber¬ liegende alte Gefängnisswärterhaus zum Abbruch kam. Dadurch war dem Architekten die Möglichkeit der Aus¬ gestaltung einer kleinen malerischen Hofanlage gegeben. Der Bau befindet sich zurzeit in Ausführung und ist auf 43 000 M. veranschlagt. Redner schliesst seinen mit lebhaftem Beifall aufge¬ nommenen Vortrag mit einer Einladung zu einem Besuche der Stadt Fürth und der alten Veste im Laufe des kom¬ menden Sommers. — q k _ Vermischtes. Die Carrara-Masse der Firma Ludwig Usinger Nachf. in Wiesbaden ist nach den uns zur Verfügung gestellten Angaben ein staubfeines, weisses Material, das auf jedem Putz haftet und sich mit in Wasser geriebenen Farben in verschiedenen Tönen färben lässt, ohne an Bindekraft wesentlich zu verlieren. Die damit ausgeführten Arbeiten trocknen rasch aus, sodass die Decken-, Wand- usw. Flächen bald bemalt werden können. Die Bildung feiner Haarrisse ist ausgeschlossen; der Putz wird vollkommen dicht und ist deshalb indifferent für die Aufnahme von Krankheits¬ stoffen. Da die Masse grosse Ausgiebigkeit, chemisch neutrales Verhalten und hohe Festigkeit nach dem Ab¬ binden in sich vereinigt, so wird ihr nicht allein Eignung zur Herstellung von weissem und in beliebigen Farben getöntem Wand- und Deckenputz in Krankenhäusern, Kasernen, Verwaltungsgebäuden, Schulen, Kirchen, Wohn¬ häusern, sondern auch zum Giessen von Kapitalen, Figu¬ ren, Postamenten, Architraven und zum Ziehen von Lei¬ sten, Profilen usw. zugesprochen. Von guter Wirkung ist Putz aus Carrara-Masse, matt oder poliert, in Vestibülen und Treppenhäusern, zumal eine Beschädigung durch Ab- stossen infolge der grossen Härte des Materiales nicht leicht Vorkommen kann. Neben der Anfertigung von Stuck- und Kunstmarmor, unmittelbar auf den Untergrund angetragen, ist das Material auch inform von Platten in beliebiger Abmessung und Farbe zu den verschiedensten Zwecken verwendbar. Ein Gemenge von 2Theilen Carrara- Masse mit 1 Theil Carrara-Mehl ergibt einen weissen Aus¬ fugemörtel, der wetterbeständig ist und leicht entsprechend getönt werden kann. — Technische Hochschule ln Braunschwelg. Dem Rektor der herzogl. Technischen Hochschule Carlo- Wilhelmina in Braunschweig ist vom Prinzen Albrecht von Preussen, Regenten des Herzogthums, für seine amtlichen Beziehun¬ gen der Titel „Magnif icenz“ beigelegt. Der zur Ver¬ tretung des Rektors berufene unmittelbare Vorgänger des¬ selben im Amte führt für die Zeit dieses Vertretungs- Verhältnisses den Titel „Prorektor“. — Preisbewerbungen. Ein Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Stadthaus ln Bremen, welches unter Anschluss an das alte Rathhaus zu Repräsentations- und Verwaltungszwecken dienen soll und für welches eine Summe von 1,5 Mill. M. in Aussicht ge¬ nommen ist, ist bei der Bürgerschaft beantragt. Es sollen ein I. Preis von 8000, zwei II. Preise von je 6000, zwei III. Preise von je 3000 und zwei IV. Preise von je 2000 M. zur Vertheilung gelangen. In das Preisgericht sollen u. a. berufen werden die Hrn. Geh. Brth. Dr. P.W all ot- Dresden, Prof. Gabr. v. Seidl in München, Stdibrth. L. Hoffmann- Berlin, Ob.-Baudir. Dr. ing. h. c. Franzius und Brth. Weber in Bremen. — Wettbewerb Schiffshebewerk bei Prerau. Von vielen Seiten wird angefragt, wo die Unterlagen für diesen Wett¬ bewerb zu haben seien. In der amtlichen Bekanntmachung der „Wiener Zeitung“ wurde angegeben, die Unter¬ lagen seien kostenlos zu beziehen von der „Direktion für den Bau der Wasserstrassen in Wien“, von den österreichisch-ungarischen diplomatischen Missionen, d. h. für Deutschland in Berlin, Dresden, München, ferner bei den Konsulaten in Breslau, Frankfurt a. M., Karls¬ ruhe, Köln, Königsberg, Leipzig, Stettin. Wir verweisen in erster Linie auf die zuerst genannte Stelle sowie auf S. 297 in Heft 19 der „Oesterr. Wochen¬ schrift f. d. öffentl. Baudienst. — Wettbewerb Kunstbaus Zürich. Unter 57 Entwürfen erhielt den I. Preis von 2500 Frcs. der aus Zurzach ge¬ bürtige Architekt J. Haller in Karlsruhe; II. Preise von *59 je 2000 Frcs. fielen an die Hrn. F. Pauls en in Zürich und Erw. Heeman in Basel; III. Preise von je 1000 Frcs. an die Hrn. Jul. Kunkler und J. E. Fritschi in Zürich. — Wettbewerb Rathhaus Ober-Schöneweide. Es liefen iio Entwürfe ein; das Preisgericht tritt am 3. Juni zusammen. — Bücher. Das „Technolexikon des Vereins Deutscher Ingenieure“, ein allgemeines technisches Wörterbuch in den 3 Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch, auf dessen Bedeutung wir in No. 46 Jahrg. T901 bereits hinwiesen, hat im In- und Auslande grossen Anklang und wesentliche Förde¬ rung gefunden. Bis jetzt (Mai 1903) arbeiten 341 Vereine (272 deutsche, 42 englische und 27 französische) an dem Werke mit. Zu den deutschsprachigen Mitarbeitern ge¬ hören auch die österreichischen und schweizerisch- deut¬ schen, zu den französischen auch die belgischen und schweizerisch-französischen, zu den englischen auch die amerikanischen, kanadischen, südafrikanischen, angloindi- schen, australischen usw. Von grösseren Firmen und Einzelpersonen des In- und Auslandes haben 2185 ihre Mitarbeit zugesagt. Schon allein das Ausziehen von Wörterbüchern (wie Sachs-Villatte, Muret-Sanders, Tolhausen usw.) und ganz besonders die Bearbeitung von Tausenden ein- und mehr¬ sprachiger Geschäftskataloge und Preislisten sowie von Lehr- und Handbüchern, Lagerverzeichnissen, Stücklisten, Zolltarifen usw. hat bis Mai 1903 im ganzen 1 200000 Wort¬ zettel ergeben. Dazu kommen nun in den nächsten zwei Jahren die Hunderttausende von Wortzetteln, die sich aus den Mitarbeiter-Beiträgen ergeben werden, die im Laufe des Jahres 1904 von der Redaktion des Technolexikons eingefordert werden. Trotzdem sind noch immer weitere Beiträge aus allen technischen Fächern (einschl. der Hand¬ werke) willkommen. Auch blos einsprachige Beiträge, ohne beigegebene Uebersetzung, sind für die Redaktion äusserst werthvoll; am meisten willkommen sind natürlich zwei- oder dreisprachige Beiträge, ebenso mehrsprachige Geschäftskataloge und sonstige technische Texte. Ver¬ spätete Einsendungen, die bis zum Redaktionsschlüsse (Ende 1906) eintreffen, werden vor der Drucklegung noch mitverwerthet. Zu jeder weiteren Auskunft ist der lei¬ tende Redakteur des Technolexikons, Dr. Hubert Jansen, Berlin NW., Dorotheenstr. 49, gern bereit. — Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Gothisches Musterbuch. Herausgegeben von V. Statz und G. Ungewitter. II. Aufl., neu bearbeitet von Prof. K. Mohrmann, Leipzig 1902. Chr. Herrn. Tauchnitz. Liefrg. 12 — 16. Pr. der Lfrg. 2,50 M. Lehrbuch der graphischen Statik. Zum Gebrauch für mittlere technische Lehranstalten, Bau-, Maschinen- und Gewerbeschulen. II. verbesserte und vermehrte Auflage. Dresden 1902. Gerh. Kühtmann. Pr. 4,80 M., geb. 5 M. Hochbau-Lexikon. Bearbeitet und herausgegeben von den Arch. Dr. ph. G. Schönermark und Wilh. Stüber. Ab¬ theilung 2: „Beleuchtung — Dachrinne“. Berlin 1902. Ernst & Sohn. Pr. der Lfrg. 2 M. Pietzsch, Martin. Architekten-Mappe. Skizzen und Reise- Studien. 50 Taf., gr. Folio, in Leinwandmappe. Dresden 1903. Gerh. Kühtmann. Pr. 28 M. Reinhardt, Rob , Ob.-Brth., Prof. Die Gesetzmässigkeit der griechischen Baukunst. Dargestellt an Monu¬ menten verschiedener Bauperioden. I. Theil: Der Theseus- tempel in Athen. Stuttgart 1903. Arnold Bergstraesser. 13 Taf. gr. Folio in Mappe. Pr. 20 M. Röttinger, Joh , Ing , Prof. Die Werthbestimmung von Wohngebäuden und von Bauwerken indu¬ strieller Anlagen. Wien 1903. Franz Malota. Pr. 5 Kr. Schlotke, J., Dir. der Gew.-Schule in Hamburg. Lehrbuch der darstellenden Geometrie. I. Theil: Spezielle darstellende Geometrie, mit 199 Fig. 5. Aufl. — II. Theil: Schatten- und Beleuchtungslehre, mit 79 Fig. 3. Aufl. — III. Theil: Perspektive, mit 133 Fig. 2. Aufl. Dresden 1902. Gerhard Kühtmann. Pr. 3.60, geb. 3,80, bezw. 2 M., geb. 2,20 und 4,40 M., geb. 4,60 M. van de Velde, Prof. F oikwang-Museum von Carl Ernst Ost¬ haus, Hagen i. W. Sonderdruck aus der Zeitschrift „Innen- Dekoration". Darmstadt 1902. Alex. Koch. Pr. 4,50 M. van der Veen, Ing. Graphische Statiek. De Berekening van Balken, Vakwerken en Kapgebinten, mit 54 Fig. Amster¬ dam 1903. L. J. Veen. Veröffentlichungen des deutschen Vereins für Volks-Hygiene. Herausgegeben von Dr. K. Beerwald. Heft III: Nothhilfe bei Verletzungen, von Dr. Jul. Fessler, mit 20 Fig. München 1902. R. Oldenbourg. Pr. 30 Pf. Walle, P., Prof. Materialien zur Kritik des Doktor- Ingenieurs. Ein Beitrag zum Promotionsrecht der Techn. Hochschulen. Berlin 1902. Eugen Grosser. Zolllnger, Fr., Sekr. der Erziehungsdir. des Kantons Zürich. Welt¬ ausstellung in Paris 1900. Bestrebungen auf dem Gebiete der Schulgesundheitspflege und des Kinderschutzes. Bericht an den hohen Bundesrath der Schweiz Eidgenossenschaft, mit 103 Fig. Zürich 1902. Art. Institut Orell Füssli. Pr. 6 Frcs. Chronik. Der Neubau der Reichsbank ln Wiesbaden, nach den Entwürfen des Hrn. Prof. Stiller in Düsseldorf errichtet, ist Mitte Mai d. J. seiner Bestimmung übergeben worden. — Die Errichtung eines Neubaues der Kunst- und Alter- thums-Sammlung in Heidelberg, die sich jetzt im Heidelberger Schloss befindet, ist durch ein Legat eines Ungenannten im Be¬ trage von 100000 M angebahnt. — Das neue Vereinshaus des Turnvereins Mannheim, mit einem Aufwande von etwa 270000 M. am spitzwinkligen Zusammen¬ fluss zweier Strassen in malerischem Stile der deutschen Re¬ naissance durch Hrn. Arch. Langheinrich errichtet, ist am 10. Mai d. J. eingeweiht worden. — - Die Errichtung eines Gebäudes für Armenpflege in Ham¬ burg, des zweiten der Hansestadt, ist durch die Bürgerschaft mit einem Aufwande von 500000 M. beschlossen worden. — Die Grundsteinlegung der evangelischen Kirche in Lichtenberg bei Berlin hat am 14. Mai stattgefunden. Das neue Gotteshaus wird 1200 Sitzplätze enthalten; seine Baukosten sind auf 330000 M. veranschlagt. Der Entwurf stammt von Hrn. Geh. Reg.-Rath von Tiedemann. — Die Errichtung eines neuen Provinzial- Museums am Domplatz in Münster ist nunmehr durch den Provinzial-Landtag beschlossen worden. Der Kostenaufwand beträgt 570000 M. — Die Einweihung der neuen Königsbrücke in Magdeburg, durch die „Union Dortmund“ und die Firma Philipp Holz¬ mann & Co. in Frankfurt a. M. mit einem Aufwande von rd. 1,5 Mill. M. erbaut, hat am 4. Mai d. J. stattgefunden. — Der Neubau der Baugewerkschule in Erfurt, der durch das Stadtbäuamt nach Plänen des Stadtbrths. Peters mit einem Kostenaufwande von 400 000 M., wovon 34000 M. auf den inneren Ausbau entfallen, errichtet wurde, ist am 4. April d. J. eingeweitit worden. Die Schule selbst ist vor il/2 Jahren gegründet worden. — Die Herstellung und der Betrieb eines Elektrizitätswerkes und einer elektrischen Strassenbahn in Hildeshelm soll nach Beschluss der städtischen Behörden mit einem Baukostenauf- wande von 1 Mill. M. der AUg. Elektricitäts-Gesellschaft übertragen werden. — Die Errichtung eines Denkmales für Eduard Kreyssig in Mainz ist durch die Stadtverordneten- Versammlung beschlossen und hierfür eine Summe von 25000 M. bewilligt worden. — Brief-uind Fragekasten. Hrn. W. A. ln Neuss a. Rh. Falls das Auflager des Balken¬ endes ein freies (nicht eingemauertes) sein soll, so berechnet sich die Beanspruchung P des Bogens theoretisch aus der Momenten¬ gleichung .2 — P . 22. Praktisch wird man aber nicht annehmen dürfen, dass der Auflagerdruck des Balkens unmittelbar in seinem Endpunkte zum Ausdruck kommt, umso mehr, als sich die Ecke jedenfalls auf der Lasche etwas zusammendrücken wird. Statt des Hebelarmes 2 empfehlen wir also etwa 10 zu setzen. Ausserdem sind der Sicherheit halber unbedingt 2 Bolzen zu neh¬ men, die oben am besten eine Lasche unter den Köpfen erhalten, um ein Einfassen letzterer im Holz zu verhüten. Die Lasche ist auf Abscheerung zu berechnen. Im übrigen können wir statische Berechnungen für unsere Leser nicht anfertigen. Hrn. Arch. D. & K. Schulze. Die Norm gibt für solche Theilleistungen keinen Anhalt, hier muss die freie Vereinbarung Platz greifen, die wir Ihnen überlassen müssen. Wir sind jedoch der Anschauung, dass sich Grundrisskizzen allein nicht aufstellen lassen, ohne nicht wenigstens den Aufbau der Geschosse im allge¬ meinen klar zu stellen. Die Hauptarbeit der Vorentwurfsskizze ist also damit geleistet. — Hrn. W. Sp. in Mannheim. Wir müssen Sie bitten, sich zur Beantwortung Ihrer Frage, die sich nicht dazu eignet, an den Leserkreis gerichtet zu werden, der bekannten Krankenhauslitte- ratur zu bedienen. — Hrn. Bautechn. R. in Leonrod. Wir bitten Sie, Ihre An¬ frage an die Redaktion der trefflich geleiteten Sonderzeitscbrift „Der deutsche Steinbildhauer“ in München, Galleriestr. 13, richten zu wollen. Von derselben werden Sie sicher die gewünschte Aus¬ kunft in weitestem Umfange erhalten. — Anfragen an den Leserkreis. 1. Welche guten Werke gibt es über Grabdenkmäler und Grüfte in Ziegelfugenbau? — G. in Posen. 2. Welche Litteratur gibt es über die Anlage von Räuchereien nach amerikanischem System für Wurstfabriken? — H. in D.-Krone. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage in No. 30 und Fragebeantwortung in No. 36. Im Baurathgeber von Anton Wach — 2 Auflage (1842) — ist über die alte Mailänder Elle folgendes (S. 290) angegeben: a) 1 alte Elle in Mailand, eingetheilt in xo Once, 120 Punti zu 12 Atomi del Braccio = 594,94 mm = 1,8821 Wiener F uss = 0,7635 Wiener Ellen, b) 1 alte Mailänder Bauelle = 488,61 mm = 1,5457 WienerFuss = 0,627 xWiener Ellen. Wie Sie aus diesen Angaben ersehen, ist die Mailänder Bau eile nicht = 594,9 mm, wie in der Anfrage angegeben, sondern = 488,61 mm , auf welchen Umstand ich besonders aufmerksam mache. Bei der Bauelle sind im Wach keine Unterabtheilungen angegeben. — Alfred Machnitsch, k. k. Ob.-Ing. Inhalt: Der rheinische Trass als l^draulischer Zuschlag in seiner Be¬ deutung für das Baugewerbe. — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücherschau. — Chronik. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 40. 260 u 2 f-1 w H 2 o X 2 2 X < w X Q o , 2 " HH * H * t— ! S O Kg (2 2 O H O K 12 * 2 2 X K c 2 2 2 < * * 2 HH 2 2 2 m 2 HH K h 2 2 co < £ O H N 2 << m w K o co H 2 2 Q lil sf dl 2 oo o 03 T"* 6 2 tc < > 2 X X -5f * * •¥: * * * -X- *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 41. t- DEN 23. MAI 1903. * ************** Ansicht nach dem Friedrichsplatz. (Photogr. Aufnahme von Ernst Wasmuth in Berlin.) Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes und die neue Festhalle in Mannheim. Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. (Fortsetzung aus No. 29.) Hierzu~eine Bildbeilage*) und die Abbildungen S. 265. ie Kopfabbildung in No. 29 d. Bl. gibt eine An¬ sicht des Friedrichsplatzes in Mannheim aus der Vogelschau von der Stadtseite her wie¬ der. Die Ansicht lässt zur Linken die Lage der Festhalle und im Vordergründe die Lage des Wasserthurmes erkennen. Diese Lage des Wasser- thurmes unmittelbar vor dem aus dem Strassennetz der Altstadt austretenden Beschauer des Friedrichs¬ platzes ist es mit in erster Linie, welche das alles niederdrückende Uebergewicht des Thurmes verur¬ sacht hat, ein Uebergewicht, welches so mächtig ist, dass es auch nach Errichtung der Festhalle noch zur Wirkung kommt und ohne Zweifel auch nach Auf¬ führung der sämtlichen Gebäude der Platzwandungen bestehen bleiben dürfte. Bei dem engeren Wettbe¬ werb um Entwürfe für die Festhalle hatten einzelne Theilnehmer den Versuch unternommen, die FesthalB im unmittelbaren Anschluss an den Wasserthurm zu planen, um den letzteren zumTheil einer Baugruppe von grossem Eindruck zu machen und so sein Uebergewicht zu bewältigen. Aber hierdurch hätte wohl die Platz¬ gestaltung eine nicht erwünschte Einbusse erlitten, so- dass es als das günstigere Auskunftsmittel erschien, die *) Anmerkung der Redaktion. Wir verdanken die schönen Naturaufnahmen dieses und des noch folgenden Schlussartikels über die Mannheimer Festhalle dem besonderen Entgegenkommen der Verlagsbuchhandlung Ernst Wasmuth in Berlin. — Festhalle in die Platzwandung zu verlegen. Die Aus¬ sicht der Gewinnung einer grossartigen, geschlossenen Platzwirkung hat es vermocht, die Besorgniss vor der zu starken Einwirkung des Thurmes auf die Platz¬ harmonie zu bannen. Es hätte nun wohl noch die Mög¬ lichkeit Vorgelegen, die Maasstabsverhältnisse der archi¬ tektonischen Gliederung der Festhalle so zu steigern, dass die letztere in eine gleichwerthigeWechselbeziehungzum Wasserthurm hätte treten können. Die freilich nicht geringe Erhöhung der Kosten, die hieraus entsprungen wäre, war es aber nicht, die dieses verhindert hat, sondern der weitaus grössere Gedanke, in den Platz¬ wandungen jene ruhige Harmonie herzustellen, durch welche sich die schönen Platzbildungen des XVIII. Jahrhunderts auszeichnen. Mit einem künstlerischen Feingefühl und mit einer persönlichen Zurückhaltung, auf die besonders hingewiesen zu werden verdient, hat der Architekt "diese Klippe glücklich umgangen. Die Kopfabbildung dieser Nummer gibt eine Ansicht der Festhalle in ihrer Wirkung von den tieferen Theilen des Platzes her wieder und zeigt auch einen Theil der Platzausbildung selbst. Auf diese hoffen wir später noch einmal zurückkommen zu können, wenn die Vege¬ tation voll entwickelt ist und der Platz seine nothwen- dige Ergänzung durch strenge Zierbäume erhalten hat. An dem Platze nun liegt die Festhalle derart, dass ihre Hauptaxe senkrecht auf die Hauptaxe des Fried- 261 richsplatzes stösst. Die Grundrisse S. 187 geben den ungemein schlichten Grundgedanken der Anlage wieder, in welcher der Künstler einen Gedanken, den er be¬ reits bei dem Wettbewerb um Entwürfe für die neue Tonhalle in Zürich mit Glück verfolgte, weiter entwickelte und zur Ausführung brachte. Die Gründe für die Lage der Hauptaxe des Gebäudes senkrecht zur Axe des Platzes sind unschwer zu erkennen. Wenn auch die Massenentwicklung in der Hauptaxe eine grössere war, wie die in der Queraxe, so entbehrte sie doch der sym¬ metrischen Lagerung, welche die für die harmonische Platzwirkung allein mögliche war. Dem grossen Haupt¬ saal ist der kleinere Konzertsaal quer vorgelagert und die aus dem letzteren gebildete Baugruppe durch An¬ gliederung von weiteren kleineren Sälen in ihrer Aus¬ dehnung so gesteigert, dass die Queraxe nunmehr eine Bedeutung erhielt, durch welche sie für die Platzwirkung an die Stelle der Hauptaxe treten konnte. Der Grundriss ist von unübertrefflicher Klarheit und Einfachheit und von seltener Grösse der Konzeption. Auf einem rechteckigen Gelände, welches durch den Fried¬ richsplatz, die Rosengarten-, die T ulla- und die PrinzWil- helmstrasse begrenzt wird und rd. 100 : 150 m misst, er¬ hebt sich die Baugruppe derart, dass von der Rosen¬ garten-Strasse her durch eine Vorhalle und durch eine geräumige Eintrittshalle mit Kassen die Besucher den Hauptzugang zum Gebäude nehmen. Alle übrigen Thtiren und Portale werden, wie wir nebst anderen Angaben thatsächlicher Natur einer Baubeschreibung des Hrn. Arch. W. Söhner im „Programmbuch“ zum Mannheimer Musikfest am vergangenen Osterfeste ent¬ nehmen, nur für den Massenaustritt geöffnet. Das Garderobenvestibül ist eine imponierende drei-, oder wenn man will und die Treppenanlagen hinzuzieht, fünfschiffige Anlage, deren glückliche Raumwirkung fast genau dem perspektivischen Bilde entspricht, wel¬ ches wir nach einer Zeichnung des Architekten S. 265 wiedergeben. Die Länge des Vestibüls beträgt etwa 5° n\ seine Breite zwischen den Treppenanlagen etwa 19 m. Nach der Platzseite zu ist ihm eine dekorative Vorhalle vorgelagert, in der Axe schliesst sich ihm, mit besonderem Zugang von aussen, die Restauration an. Breite Durchgänge vermitteln den Zugang zum Erdgeschoss des grossen Fest- und Konzertsaales, der, zwischen den Umfassungsmauern gemessen, eine Länge und eine Breite von je etwa 46 m hat. Er schliesst mit einem Halbkreise, welchem wieder eine halbkreisför- migeVorhalle vorgelagert ist. Ueber dem Garderoben- Vestibül liegt der kleine Konzertsaal (s. die Bildbei¬ lage), an seiner einen Kurzseite mit einem Orchester¬ podium, an der anderen mit einer Bühne ausgestattet. Hinter dem Podium folgt ein Vortragssaal mit Stimm¬ zimmer, hinter der Bühne ein Foyer. Der Saal hat durch Uebergreifen der Emporen über die Haupt¬ treppen gleichfalls eine dreischiffige Anlage erhalten. Er hat 45 m Länge, 26 m Breite und 15 m Höhe und enthält bei ausgezogenem Podium 760 Sitzplätze und 100 Estradenplätze, auf der Empore 220 Sitz¬ plätze, 80 Logenplätze und 300 Stehplätze. Bei einge- zogenem Podium fasst der Saal 115 Sitzplätze mehr. Etwa in der Höhe des kleines Konzertsaales liegt die untere Empore des grossen Festsaales; eine zweite Empore liegt in den seitlichen Erweiterungen des Saales. Bei vollständig ausgezogenem Podium enthält der grosse Saal im Erdgeschoss 1082, im Umgang 298, zusammen 1380 Sitzplätze. Bei eingeschobenem Podium erhöht sich die Zahl der Saalplätze auf 1300. Auf der Empore befinden sich mit den Logensitzen 1140 Sitzplätze, auf der Gallerie weitere 440 Sitzplätze. Stehplätze waren hier wohl noch möglich, es ist aber vorläufig von ihnen abgesehen worden Das ausge¬ zogene Podium hat einen Flächeninhalt von 362 9m; davon entfallen 72 für ein etwa 120 Mann starkes Orchester und 290 cim für die Aufstellung eines etwa 1000 Köpfe starken gemischten Chores für die grossen Musikaufführungen aus der klassischen Zeit. — _ (Schluss folgt). Beispiele neuerer Betoneisen-Konstruktionen. ir haben wiederholt Gelegenheit genommen, aus dem vielseitigen Anwendungsgebiet der Betoneisen- Konstruktionen bemerkenswerthe Beispiele vorzu¬ führen. Nachdem erst kürzlich die Grundzüge der Theorie dieser Konstruktionsweise an dieser Stelle entwickelt und das Wesen derselben klargestellt wurde, theilen wir nach¬ stehend zwei neuere Beispiele mit, die beide in das Ge¬ biet der industriellen Anlagen fallen, nämlich einen Dam pf - Schornstein und einen Wasserthurm. Die erstere ist eine Ausführung des Auslandes, ausNordamerika,die andere dagegen eine deutsche, allerdings hergestellt nach dem französischen System Hennebique. Dieses hat bekanntlich bei uns eine ziemliche Verbreitung gefunden, soweit — abgesehen von den allgemein zugelassenen Beton¬ eisen-Decken zwischen eisernen Trägern — überhaupt die Ausführung tragender Bautheile von der Baupolizei in Betoneisen-Konstruktion bisher gestattet wurde. Bezüglich der ersteren Ausführung entnehmen wir die Angaben der amerikanischen technischen Zeitschrift „Engineering News“*), während wir die Unterlagen und Angaben für den Wasserthurm den Hrn. Architekten Gebr. Rank in München verdanken, welche den Bau ge¬ plant und ausgeführt haben. Der Dampfschornstein, den wir in Abbildg. 1 und 2 zur Darstellung bringen, besitzt rd. 55 ra Höhe von der Funda¬ mentsohle bis zur Oberkante und 3 35 m gleichmässigen inneren Durchmesser. Er ist in Los Angelos in Californien für ein Elektrizitätswerk kürzlich erbaut worden. Der auf 5,5 m äusseren Durchmesser anwachsende Sockel reicht 4,72 m unter das Gelände hinab und ruht auf einer Beton¬ platte von 9,5 m Durchmesser mit zwei sich kreuzenden Einlagen von Eisenbahnschienen. Der Schaft ist doppel¬ wandig ausgeführt. Zwischen den beiden Schalen liegt ein sich nach oben erweiternder Luftraum von 28 — 40 cm Weite. Die Stärke der äusseren Schale verringert sich nach der Spitze in Absätzen von 23 cm auf 13 ctn Dicke, die innere von 13 cm auf 10 cm Die beiden Schalen sind nach dem Luftraum zu durch Rippen verstärkt, die sich nicht berühren, aber alle 1,5™ in der Höhe auf 2cm nähern. Die äussere Schale kann sich also unter dem Einfluss des *) No. 14 vom 2. April 1903. Windes um dieses Maass ausbiegen, ehe die innere Schale in Mitleidenschaft gezogen wird. Letztere endigt natürlich frei unter dem Schornsteinkopf, sodass sie sich unter dem Einfluss der Hitze unabhängig von der äusseren Schale ausdehnen kann. Die Eisenverstärkung ist nach dem Ransome-System ausgeführt, d. h. mit wagrechten Ringen aus kalt gedrehtem Quadrateisen, die von lothrechten Stäben gleicher Art gekreuzt werden. Die Ringe sind in der Innenschale in 46 er11, in der äusseren in 6t cm Abstand gelagert und haben durchweg 6 mm Stärke im Quadrat. Die Vertikaleisen der äusseren Schale stehen unten in Abständen von 30 cm, oben von 1,2 m bei 18 mm Stärke, die der Innenschale bei 6 mm Stärke in Abständen von 0,90 m durchweg. Der Schornsteinkopf ist aus festen, mit Rip¬ pen verstärkten Betonblöcken mit Eisenstabeinlage, das oberste glatte Mauerstück mit Streckmetalleinlage ausge¬ führt. Der Beton wurde im Mischungsverhältniss t Zement zu 2 Sand zu 4 Steinschlag für die innere, im Verhältniss 1:2:6 für die äussere Schale in einer Gesamtmasse von 570 cbm hergestellt. Das Gewicht des Schornsteines be¬ trägt 1430 1. Die Ausführung erfolgte mittels einer festen inneren Rüstung, an welcher die äussere mit Schraubenspindeln aufgehängt war, vergl. Abbildg. 2. Die Materialien wurden durch einen elektrischen Aufzug im Inneren gehoben. Die Aufführung erfolgte in Absätzen von je 1,52“ inner¬ halb 2 Monaten. Es liegt auf der Hand, dass bei solchen Konstruktionen, die unter dem Einfluss des Windes starken Biegungen, also Zugspannungen unterworfen sind, der Betoneisen¬ bau ein ganz besonders geeignetes Anwendungsgebiet findet. — Der in Thurmform ausgeführte Hochwasserbehälter ist im Aufträge der Generaldir. der bayerischen Staatseisen¬ bahnen in der Imprägnieranstalt Kirchseeon hergestellt und erst anfangs dieses Monates vollendet worden. Er ist von Fundamentsohle bis zur Spitze des Dachhelmes in Betoneisen-Konstruktion nach System Hennebique erbaut und zwar unter vollständigem Ausschluss des Holzes. Wir geben in der Abbildg. 4 die äussere Gesamterschei¬ nung des fertigen Thurmes wieder, während Abbildg. 5 No. 41. 262 in einem perspektivischen Schnitte eine Uebersicht der konstruktiven Anordnung zeigt. Der Thurm erhielt bei 130 cbm Fassungsraum des Wasserbehälters eine Höhe von 15“ bis zu dessen Boden und eine Gesamthöhe von 27 m. Er wird durch 3 Zwischen¬ decken, die in etwa 3,5 m Entfernung über einander liegen, in Geschosse getheüt, die durch Betontreppen mit ein¬ ander verbunden sind. Der Behälterumgang und der Raum im Dachgeschoss werden durch eiserne Steige- Abbildg. 2. Gerüstanordnung. leitern erreicht. — Während bei einem massiven Thurm der Wasserbehälter gleich- mässig auf das meist ring- förmige Mauerwerk aufge¬ lagert wird, entspricht der tragende Aufbau hier mehr dem Charakter einer Eisen¬ konstruktion, wie die während der Herstellung erfolgte Auf¬ nahme, Abbildg. 3, am besten erkennen lässt; denn SBeton- säulen von 30/40 cai Quer¬ schnitt, verstärkt durch ent¬ sprechende Eiseneinlagen, nehmen hier die ganze Last auf, während die Backstein¬ wände nur die Gefache zwischen den Pfeilern und den sie versteifenden Decken ausfüllen, ohne mit zu tragen, sodass sie nur eine geringe Stärke zu erhalten brauchten. (An anderer Stelle sind auch Hochbehälter in Eisenbeton- Konstruktion ausgeführt, bei welchen die immerhin aus¬ steifende Ausmauerung ganz fortgelassen worden ist.) Die Gesamtlast des Thurmes auf die Fundamente beträgt bei vollem Behälter 470000 somit auf den Pfeiler rd. 59000 kg. Der Wasserbehälter ist durch eine Betonwand in 2 Theile getheilt, sodass im Falle einer Reinigung des einen Behälters der Betrieb keineUnterbrechung erleidet. Die Fassade ist derart ge¬ gliedert, dass über einem 23. Mai T903. Schnitt A-B. Abbildg. 1. Dampfschornstein. etwa 4™ hohen Betonsockel die 8 Tragpfeiler etwa 10 c“> vor das Füllmauerwerk als Lisenen vorspringen und oben in konsolenartige Auskragungen endigen, welche den etwa 60 cm vorspringenden runden Behälterumgang tragen. Der inform einer 8 eckigen Pyramide ausgestaltete Thurmhelm ist über die obere Behälterkante um etwa 1,5 m herunter¬ gezogen, sodass die Gesamthöhe des Behälters in der Fassade nicht zum Ausdruck kommt. Die Einzelheiten der Konstruktion sind aus den Grundrissen, Abbildg. 7, Abbildg. 3. Wasserthurm in Kirchseeon während der Ausführung. und dem Schnitt durch den Behälter nebst Dach, Abb. 6, ersichtlich. Die nur aus 8 cm starken, in Beton mit Eiseneinlage hergestellten Zwischendecken werden von 2 Hauptunter¬ zügen von 30/30 cm Querschnitt, zwei sekundären Unter¬ zügen von 15/15 cm und am Rande von zwischen die Pfeiler gespannten Betoneisenbalken von 20/20 cm Quer¬ schnitt gestützt. Der wesentlich stärker belastete, 14 cm starke Behälter¬ boden ist in gleicher Weise ausgebildet, nur haben hier die beiden Hauptunterzüge eine Stärke von 30/60 cm er¬ halten. Sie sind in der dem System Hennebique eigen¬ tümlichen Weise armiert, und zwar liegen im Untergurt je 3 x 3 Rundeisen von je 34 mm Durchmesser, im Obergurt je 3 Rundeisen gleicher Stärke. Entsprechend den Hauptunterzügen sind auch die 4 sie stützenden Pfeiler stärker ausgebildet, als die 4 anderen, welche die sekundären Unterzüge tragen. Die Pfeiler haben zwar den gleichen Betonquerschnitt erhalten, aber während die ersteren mit 6 Rundeisen armiert sind, deren Querschnitt von 20 mm Durchm. im obersten Geschoss auf 3t mm Durchm. im Erdgeschoss wächst, haben die letzteren in ganzer Höhe nur eine Eisenarmierung mit 6 Rundstäben von je 15 mm Durchmesser. Das Dach ist aus Betoneisen-Gratsparren mit darüber liegender Platte gebildet, die wieder durch Pfetten eine Zwischenversteifung erhält. Die Abmessung der Balken geht aus Abbildg. 6 hervor. Der Wasserbehälter, dessen Wandstärke von 14 cm an der Sohle auf 10 c“> bis zum oberen Rand abnimmt, bedarf besonders reichlicher Eiseneinlagen, um dem inne¬ ren Wasserdruck widerstehen zu können. Die entstehen¬ den Ringspannungen werden aufgenommen durch wag¬ rechte Einlage von Rundeisen von 13 mm Durchm., die abwechselnd nahe der inneren und der äusseren Wand¬ fläche in einem Abstand verlegt sind, der von 10 cm vom Boden auf 20 cm bis zum oberen Rande steigt. Zwischen diesen wagrechten Ringen liegen in 20 cm Abstand loth- rechtstehende Rundeisen von 8 mm Stärke, welche die aus dem Wasserdruck sich ergebenden Spannungen auf die ganze Behälterwand zu vertheilen haben. 263 Das Mischungsverhältniss des Betons betrug durchweg i Th. Zement, auf 3 Th. Sand, auf 3 Th. Kies. Bei der Berechnung sind namentlich inbezug auf den Winddruck sehr ungünstige Annahmen gemacht, um eine 264 Hochwasserbehälter in Kirchseeon. Architekten: Gebrüder Rank in München. nach allen Richtungen sichere Konstruktion zu gewähr¬ leisten. Mit der Ausführung wurde am 2. November 1902 begonnen; es waren die Gesamtarbeiten bis Ende vorigen Monats im wesentlichen vollendet. Mit Ausnahme zweier längerer Frostperioden wurde den ganzen Winter über gearbeitet; die Arbeiten zeigten jedoch keinerlei Frostschäden, — No 41. Mittheilungen aus Vereinen. Arch.- und Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 6. Febr. 1903. Vors. Hr. Zimmermann, anwes. 72 Personen. Autgenommen als Mitglied Hr. Dipl. -Ingen. Steinbach. Der Vorsitzende theilt mit, dass] ein langjähriges Mit- des Wettbewerbs-Ausschusses über die infolge eines unter den Mitgliedern desVereinsausgeschriebenenWettbewerbes eingegangenen Entwürfe für ein künstlerisches Briefformu¬ lar. Von 9 Entwürfen wurden 4 mit Preisen ausgezeichnet; dem Entwurf des Reg.-Bmstrs. Blohm wurden als I. Preis 80 M. zuerkannt, einem zweiten Entwurf desselben Ver- Architektur-System des Konzertsaales. glied, der Erbauer und Direktor der Hamburger Woll¬ kämmerei auf der Wilhelmsburg, Hr. Gottlob Franz, ge¬ storben ist und [zwarjim besten Mannesalter von 47 Jahren. Die Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Plätzen. — Hr. Löwengard berichtet im Namen 23. Mai 1903. fassers der II. Preis mit 50 M., dem drittbesten Entwurf des Hrn. Arch. Julius Faulwasser 40 M. als III. Preis und dem Postbauinsp. Sucksdorff ein IV. Preis von 30 M. Hr. Arch. Grell machte fesselnde Mittheilungen über den Umbau des ältesten nach amerikanischem Muster in 265 Hamburg angelegten Kaufhauses Axien, Ecke Grosse Bleichen und Heuberg. Hr. Arch. Dorn berichtete über den Neubau eines grossen Landhauses auf „Gut Wal¬ denau“ bei Halstenbeck in Holstein und einer zwei¬ stöckigen Villa in Reinbeck bei Hamburg. Beiden Vor¬ tragenden spendet der Vorsitzende reichen Dank. — Gbl. Vers, am 13. Febr. 1903. Vors. Hr. Zimmermann; anw. 66 Pers.; aufgen. Ing. Dieterichs, Bmstr. Koppen. Hr. Groothoff verliest den Jahreskassenbericht und betont, dass die Ausgaben für Geselligkeit sich im Rahmen der Verhältnisse des Vereins halten müssten. Der Vor¬ sitzende spricht Hrn. Groothoff den Dank des Vereins für seine Kassenführung aus. Hr. Heymann berichtet über die von seiner Firma ausgeführten Ausstattungen moderner Ozeandampfer. Diese Arbeiten bieten eine Reihe von Schwierigkeiten, welche man bei Woh¬ nungs-Ausstattungen auf dem Lande nicht kennt. Vor allem erschwert die geringe Höhe der grossen Speise¬ säle an Bord die Erzielung eines behaglichen Ein¬ druckes, z. B. hat der Speisesaal des „Grafen Waldersee“ (Grundfläche 14,57 x 13,66 m) nur 2,45 m, derjenige des „Blücher“ (18 x 13 3 m) nur 2,23 m und derjenige der „Deutschland“ (24,35 x 19,28 m) nur 2,30 m lichte Höhe. Ferner erschweren die Krümmungen aller Räume, ganz besonders aber auch die unregelmässigen Grundrisse die Holz- und Dekorations-Arbeiten. Hierzu kommt, dass die Täfelung jedes Raumes getrennt vom Schiff und nur nach Zeichnungen als ein zusammenhängendes und leicht zerlegbares Ganze hergestellt werden muss. Plinzu kommt auch die Rücksicht auf die heftigen Bewegungen des Schiffes. Für die Fahrgäste muss überall Gelegenheit zum Festhalten und zu festem Sitzen vorhanden sein; alle beweglichen Gebrauchsgegenstände, Gläser und Geschirr, sind in prakti¬ schen Gefachen bruchsicher unterzubringen. Alles muss dem Einfluss der Seeluft, des Seewassers und äusserst verschiedenen klimatischen Verhältnissen gewachsen sein, Metalltheile z. B. sind besonders stark zu vergolden. Für die Montage steht in der Regel eine äusserst knapp be¬ messene Zeit und wenig Arbeitsraum zur Verfügung. Red¬ ner schildert anschaulich die fieberhafte Thätigkeit an Bord eines grossen Dampfers kurz vor der Probezeit. Auf kleinem Raum ist der denkbar grösste Komfort zu entwickeln. Der Speisesaal des „Grafen Waldersee" weist 1,15 Grundfläche für jeden Tischgast auf, die „Deutschland“ 1,24 cim, der „Blücher“ 0,97 Um hiermit auszukommen, bedarf es z. B. exzentrischer Drehung der festen Sessel, in welche man sich rücklings hineinsetzt und durch Drehung des Sessels nach dem Tische zu sich diesem gleichzeitig nähert. Redner ging dann noch im Einzelnen auf die Ausbildung der Thüren, Beleuchtungskörper, der Lüftung usw. ein und erläuterte seine Miltheilungen durch eine Reihe von wohlgelungenen Lichtbildern. Der Vorsitzende spricht den Dank für den fesselnden Vortrag aus. Fred. Skjold Neckelmann -J*. er Tod des, wie wir bereits meldeten, in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai im blühenden Alter von 49 Jahren dahingeschiedenen Architekten und ehe¬ maligen Professors an der Technischen Hochschule in Stuttgart, Fred. Skjold Neckelmann, kommt nicht uner¬ wartet, denn seit Jahren war der ausgezeichnete Künstler einem Siechthum verfallen, für welches ihm in einer Kur¬ anstalt in Neckargemünd wohl Linderung, von welchem ihm aber nicht Befreiung verschafft werden konnte. Nur der Tod, der leider frühzeitig genug eingetreten ist, konnte ihn von seinem schweren Gehirnleiden erlösen. Neckelmann war dänischer Abkunft, aber in Hamburg geboren; seine fachlichen Studien machte er in Wien unter Theophil Hansen, dessen Schule damals in der Blüthe stand und zu welcher ihn ausser der künstlerischen Bedeutung wohl auch landsmännische Erwägungen hin¬ zogen. Nach vollendeten Studien begann er seine prak¬ tische Thätigkeit in Hamburg, von wo aus sein Name zu¬ erst unter der Firma Schmidt & Neckelmann durch einen Entwurf für ein Mustertheater in weitere Kreise drang, für welchen die beiden Architekten in einem Preisaus¬ schreiben der Hygiene- Ausstellung in Berlin 1883 den I. Preis gewannen. In das folgende Jahr, 1884, fällt dann die Theilnahme der beiden Architekten an der Konkurrenz für Entwürfe zur Bebauung der Museumsinsel in Berlin mit einem gross gedachten Entwurf, von welchem wir Ansichten in No. 62, Jahrg. 1884 der „Deutschen Bauztg.“ Wiedergaben, der aber einen Erfolg nicht hatte, da er mit einem zu grossen Aufwand an architektonischen Mitteln ausgestattet war. Von Hamburg ging Neckelmann nach Leipzig, um sich dort mit dem Architekten August Hartei zu vereinigen, und um mit ihm das Konkurrenzwesen in Den Schluss des Abends bildet eine Besprechung über das diesjährige Stiftungsfest, an welcher sich die Hrn. Kofahl, Ohrt, Classen, Himmelheber, Stahl und Ulrich betheiligen, und eine Prüfung des neubeschafften Projektionsapparates, welcher auch die Benutzung nicht¬ durchscheinender Bilder gestattet. Die Prüfung hat ein befriedigendes Ergebniss. — St. Vers, am 27. Febr. 1903. Vors. Hr. Zimmermann, anw. 82 Pers., aufgen. Hr. W. Thode, dipl. Ing. in Altona. Nach verschiedenen Mittheilungen des Vorsitzenden gibt derselbe Hrn. Arch. Haller das Wort zum Bericht über die eingegangenen Entwürfe für den Neubau eines Str aussen hauses im Zoologischen Garten in Ham¬ burg, für welches unter den Mitgliedern des Vereins ein Wettbewerb ausgeschrieben worden war. Von 13 Arbeiten wurden zuerst 6 wegen Unzulänglich¬ keit und dann noch 3 ausgeschieden, obwohl diese sehr tüchtige Leistungen aufwiesen, z. B. die Entwürfe mit den Kennworten „In letzter Stunde“, ferner „Oase“, mit sehr geschickter Perspektive, „Struthioninus- Strauss“, dessen Schaubild im Inneren wie Aeusseren grosse zeichnerische Gewandtheit des Verfassers bewies. Von den 4 verbleibenden Entwürfen konnte der mit dem Kennwort „Augustus“ keinen Preis erhalten, weil die zu grosse Höhenentwicklung mit einem Rauminhalt von rd. 3750 cbm — ohne Keller — seine Ausführbarkeit für die Summe von 40 000 M. infrage stellt. Es werden für diese Mittel rd. 2500 bis höchstens 3000 cbm umbauten Raumes zur Ausführung gelangen können. Die Grundrisslösung dieses mit der Plauptaxe von Ost nach West gelagerten Baues, welcher sich infolge dessen besser als alle übrigen den Anlagen des Gartens in praktischster Weise anschliesst, zeigt soviel Vorzüge, dass sein Ankauf der Gesellschaft des Zoologischen Gartens zur Beachtung warm empfohlen wird. Als Verfasser meldete sich infolge Aufforderung des Vorsitzenden nach der Preisvertheilung Hr. Arch. Martens. Der I. Preis von 500 M. wurde dem Entwurf „Ramses“ des Hrn. Reg. - Bmstr. Fried heim zutheil, der II. mit 300 M. der Arbeit „Lotos“ des Hrn. Reg.- Bmstr. Blohm, der III. mit 200 M. dem Entwurf „Wüste“ des Hrn. Arch. Julius Faulwasser. Der Vorsitzende spricht Hrn. Haller grossen Dank aus für dessen Bemühungen um das Zustandekommen des Wett¬ bewerbes im Verein und für seine Arbeit als Berichter¬ statter und gibt gleichzeitig seiner Freude beredten Aus¬ druck, dass so viel Schönes und Anregendes durch die Theilnehmer am Wettbewerb geschaffen worden sei. Hr. Kaidir. Winter macht an der Hand graphischer Dar¬ stellungen sehr fesselnde Mittheilungen über den seit 1853 entwickelten Seeverkehr der in Hamburg und Deutschland überhaupt angekommenen wie von dort ausgegangenen Dampfer und Segelschiffe und erntet damit den Dank der Versammlung. — Gbl. erfolgreicherer Weise noch als bisher zu pflegen. Ein Ergebniss dieser gemeinsamen Thätigkeit waren die im Jahre 1886 unter 61 Entwürfen errungenen I. u. II. Preise in dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Landesaus¬ schuss-Gebäude in Strassburg i. E., welchem Siege auch die Uebertragung der Ausführung folgte. Diesem Ge¬ bäude schloss sich der Auftrag zur Errichtung eines neuen Gebäudes der Universitätsbibliothek in Strassburg an. Wenn auch die beiden Bauten dem Namen nach als gemeinsame Arbeiten von Hartei & Neckelmann gingen, so sind sie doch im wesentlichen das Werk Neckelmanns. Hartei, der in¬ zwischen zum Dombaumeister von Strassburg ernannt worden war, hat, wenn überhaupt, an ihnen nur geringen Antheil. Neue Erfolge brachte das Jahr 1888, in welchem die beiden Architekten in einem Wettbewerb um Ent¬ würfe für die dritte evangelische Kirche in Köln a. Rh. wieder mit dem I. Preis ausgezeichnet wurden. Man darf aber annehmen, dass es diesmal hauptsächlich die Arbeit Plartels war, die zum Siege führte, ln dieses Jahr fiel auch der Haupterfolg Neckelmanns: Der Sieg unter 27 Ar¬ beiten in dem Wettbewerb zur Erlangung vonEntwürfen für ein Landesgewerbe-Museum in Stuttgart mit einem Entwurf von grosser Gesinnung, der hauptsächlich wieder als die Arbeit Neckelmanns betrachtet werden kann (1888, S. 321). Der im Entwurf vertretene Gedanke war von so durch¬ schlagender Kraft, dass Neckelmann auch die Ausführung dieses seines bedeutendsten Lebenswerkes erhielt (1-896, No. 100). Nicht so glücklich war er bei den Vorarbeiten für das Kaiser Wilhelm-Denkmal in Stuttgart. Nachdem er in einem ersten Wettbewerb um Entwürfe hierzu im Jahre 1891: mit dem Bildhauer Th. Bausch in Stuttgart einen I. Preis errungen hatte, wurde den beiden Künstlern in einem zweiten engeren Wettbewerb im Jahre 1894 dieser Sieg mit Erfolg durch eine gemeinsame Arbeit von Friedr. von Thiersch und Prof, von Rümann in No 4t. 266 Todtenschau. Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck f. In München starb am 19. Mai der kgl. bayer. Geheime Rath und Pro¬ fessor Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck, der ehemalige langjährige Direktor des Bayerischen National -Museums in München. Im Jahre 1811 in Aschaffenburg, dessen Ehrenbürger der Verstorbene wurde, geboren, erreichte er ein Alter von 92 Jahren. Hefner-Alteneck bethätigte sich zunächst als Zeichner und wandte sich später kunst¬ historischen Studien zu. Die Doppeleigenschaft eines trefflichen Darstellers und eines kenntnissreichen Forschers kam seinen zahlreichen und werthvollen Veröffentlichun¬ gen insofern besonders zu statten, als sich dieselben in textlicher wie in illustrativer Beziehung einer bemer- kenswerthen Einheitlichkeit erfreuen. Im Jahre 1852 kam der Verstorbene nach München, um 1853 Konservator der vereinigten Kunstsammlungen in München zu wer¬ den. Es war keine bedeutende Stellung, aber sie gab Hefner die Müsse, dem Wunsche Maximilians II. zu folgen, der auf Errichtung eines Wittelsbacher Museums ging, das zunächst in der Herzog Max - Burg untergebracht war und dann als Bayerisches National - Museum in die Maximiliansstrasse übersiedelte. Nach dem Tode des Frei¬ herrn von Aretin, des ersten Direktors des Museums, wurde Hefner sein Direktor, und was er aus dem Museum gemacht, trat erst nach der Errichtung des Neubaues an der Prinzregentenstrasse so recht in die Erscheinung. Bis zum Jahre 1886 stand Hefner dem National Museum vor. Bereits 1868 wurde er zum General-Konservator der Kunstdenkmäler Bayerns ernannt. Der Verstorbene war ordentliches Mitglied der kgl. bayerischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der kgl. Akademie der bildenden Künste in München. Von seinen heute noch in voller Werthschätzung stehenden zahlreichen Werken Seien als zur Erwähnung an dieser Stelle besonders geeignet genannt: „Kunstwerke und Geräthschaften des Mittelalters und der Renaissance" (Frankfurt a. M., 1848 bis 1863 und neue Aufl. 1879 — i8go, 10 Bde); „Eisen¬ werke oder Ornamente der Schmiedekunst des Mittel¬ alters und der Renaissance" (Frankfurt, 1861 — 1887, 2 Bde.); „Originalentwürfe deutscher Meister für Prachtrüstungen französischer Könige“ (München, 1865); „Ornamente der Holzskulptur von 1450—1820 aus dem Bayerischen National- Museum“ (München, 1882) usw. Das fruchtbare Wirken Hefner-Altenecks fällt hauptsächlich in eine Zeit, in welcher der Sinn für die Kunst der deutschen Vergangenheit viel¬ fach erst geweckt werden musste. Begegnete er infolge¬ dessen bei seinen Bestrebungen manchem Widerstand aus Unverstand, so war es ihm andererseits vergönnt, damals noch Schätze zu heben, die heute nicht mehr zu erlangen sind. In der Geschichte der Wiedererweckung des Sinnes für das deutsche Alterthum und seine Kunst wird sein Name stets hell leuchten. — München streitig gemacht, die dann auch zur Ausführung gewählt wurde. Sein letzter bedeutender Sieg war die Er¬ ringung eines III. Preises in dem Wettbewerb zur Erlan¬ gung von Entwürfen für den Neubau der Hochschulen für die bildenden Künste und für Musik in Berlin, welcher noch alle die Vorzüge seiner reichen, aus leichter Mühe geborenen Kunst, aber auch alle ihre Schattenseiten, vor allem ein gewisses Pathos und einen über das Ziel hinaus- schiessenden Aufwand aufweist. Entwürfe für Bismarck¬ säulen, mit welchen Neckelmann 1899 in Wettbewerb trat, verriethen schon in auffallender Weise ein Nachlassen seiner künstlerischen Kraft. Im Herbste 1892 wurde dem Verstorbenen die ordent¬ liche Professur für Architektur an der Technischen Hoch¬ schule in Stuttgart übertragen. Als man ihm den be¬ deutenden Lehrstuhl anbot, den vor ihm Leins mit Glanz bekleidet hatte, da war es hauptsächlich das Vertrauen in den reichbegabten Künstler des Landesgewerbe-Museums, welchen man als Lehrer für die architektonische Jugend Württembergs gewählt hatte. Die Schülerarbeiten, die Neckelmann unter dem Titel „Architektonische Studien" in mehreren Serien herausgab, legen beredtes Zeugniss ab für den künstlerischen Erfolg seiner Lehrthätigkeit. Allein nur wenige Jahre war es ihm vergönnt, in dieser Weise zu wirken, als ihn das schwere Schicksal geistiger Umnachtung traf. Schon im Jahre 1900 machten sich die ersten Anzeichen seines Gehirnleidens bemerkbar, sodass er gezwungen war, seiner fachlichen Thätigkeit vorläufig zu entsagen. Und als kein Zweifel mehr sein konnte, dass sein Leiden ein unheilbares sei, wurde er 1901 in den dauernden Ruhestand versetzt. Als sein Nachfolger wurde der Architekt und städt. Bauamtmann Theod. Fischer in München berufen. An äusseren Ehren hat es dem Ver¬ storbenen nicht gefehlt; er wurde aus Anlass der Vollen¬ dung des Landesgewerbe-Museums in Stuttgart Ritter des 23. Mai 1903. Bücher. Handbuch der Ingenieurwissenschaften. Bd. V.: Der Eisen¬ bahnbau. Herausgegeben von Prof. F. Loewe in München und Geh. Oberbaurath Dr. H. Zimmer¬ mann in Berlin. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. Abtheilung 7, Kapitel 13: Schmalspurbahnen. Bearbeitet von Prof. Alfred Birk in Prag. 157 Seiten Text, mit 1 Tafel und 145 Text-Abbildungen. Preis geh. 6 M., geb. 8,50 M. (1902). Der Stoff ist in 7 Abschnitten untergebracht, welche die folgenden Gegenstände behandeln: Entwicklung und Ausbildung der Schmalspurbahnen, — Linienführung der¬ selben, — Unterbau, — Oberbau, — Bahnhofsanlagen, — Betriebsmittel, — Bauwürdigkeit schmalspuriger Bahnen. Verfasser erkennt die Schwierigkeiten, die einer ein¬ heitlichen Darstellung von Grundsätzen für den Bau von Schmalspurbahnen entgegenstehen und welche grossen- theils schon in der örtlichen Trennung der einzelnen kleinen Bahnnetze dieser Art ihre Ursache finden dürften. Er will, um sie zu überwinden, „alles zusammenfassen, was bisher auf dem Gebiete des Schmalspur-Bahnwesens geschaffen worden ist und geeignet erscheint, dieses wei¬ ter auszugestalten und zweckmässig zu entwickeln". Demnach findet die Theorie nur wenig Raum. Dagegen werden bei der Erörterung aller eisenbahntechnischen, von der Spurweite abhängigen Fragen viele Beispiele herangezogen, welche für deren Entscheidung als Anhalt dienen können. Ueberall müssen aber die maassgebenden Verhältnisse des Einzelfalles berücksichtigt werden, welche oft eine unmittelbare Anwendung anderweiter Erfahrungs- Ergebnisse nicht gestatten. Die sorgfältigsten Erwägungen sind über die Bau¬ würdigkeit der Bahn anzustellen, wo es sich darum han¬ delt, ob eine gewünschte Bahn vollspurig oder schmal¬ spurig und wenn letzteres, mit welcher Spur sie gebaut werden soll. Der grösste Vorzug der Schmalspur, die Schmiegsamkeit der Linie, tritt hier in Kampf mit dem Hauptnachtheil der engen Spur: der Umlade-Nothwendig- keit beim Anschluss an Vollspur. Hier sind vergleichende Entwürfe, Kostenanschläge und Betriebskosten - Berech¬ nungen nicht zu vermeiden. Das vorliegende Buch kann dem Ingenieur die vor- bezeichneten Arbeiten nicht ersparen, wohl aber wesent¬ lich erleichtern. Es wird dazu beitragen, die richtige Ant¬ wort auf die jeweilige Frage nach der zu wählenden Spurweite finden zu lassen, wenn — wie auch wir mit dem Hrn. Verfasser wünschen — der entwerfende In¬ genieur an diese Frage nicht voreingenommen herantritt. — Abtheilung 8. Kapitel 14: Lokomotiv- Steil¬ bahnen. Bearbeitet von Ing. Roman Abt in Luzern. 87 Seiten Text mit 71 Abbildungen. Kapitel 15: Seilbahnen. Bearbeitet von Konstruk- Ordens der Württembergischen Krone und er besass den Rothen Adler-Orden IV. Kl. Mit Neckelmann, der unvermählt starb, ist einer der interessantesten Charaktere unseres Faches dahingegangen. Eine feine Künstler- Erscheinung und einer der liebens¬ würdigsten Fachgenossen, war er einer jener glücklichen Menschen, die aus reichem Born schöpfen und gleichsam mit spielender Leichtigkeit arbeiten. Wer das mannig¬ faltige Lebenswerk des Verstorbenen eingehender würdigt, der muss neben seiner arbeitsfrohen, schier unverwüstlich scheinenden Arbeitskraft vor allem seine überraschende Phantasie, den grossen Zug in seiner künstlerischen Den¬ kungsart, seinen unermüdlichen Fleiss und seine Sorgfalt bei der Ausführung anerkennen. Seine Stilrichtung lässt die Ueberlieferungen seiner künstlerischen Ausbildung nicht verkennen, obwohl er in die Kunst Meister Hansens im Laufe der Zeit viel Eigenes versenkte. Es war, wie er sich in dem Erläuterungsberichte zu seinem Entwurf für die Hochschulen der bildenden Künste und für Mu¬ sik in Charlottenburg ausdrückte, „italienische Renaissance mit leichten Anklängen an die Antike“ die Stilrichtung seines Lebens. Es ist jedoch nicht zu verkennen, dass ein etwas leeres Pathos in den letzten Jahren mehr und mehr in seine Entwürfe und Ausführungen Eingang ge¬ wann und dass es ihm nicht gegeben war, seinen Arbeiten auch den Hauch gemüthvoller Vertiefung zu geben. Bei aller Grösse der Gestaltungskraft und bei allem Glanz der Darstellung ist der Mangel des Gemüthes der empfind¬ lichste Mangel an seinen Arbeiten, ein Mangel, der sich umso mehr bemerkbar machte, je weiter sich die deutsche Architektur im Laufe des letzten Jahrzehntes in der Rich¬ tung seelischer Vertiefung entwickelt hat. Immerhin, wir be¬ klagen schmerzlich einen grossen Verlust, den Heimgang eines seltenen Künstlers und eines edlen Menschen. Sein Andenken bleibt ein gesegnetes unter uns! — 267 teur Siegfried Abt in Winterthur. 119 Seiten Text mit 206 Abbildungen. Preis geh. 9 M., geb. 11,50 M. (1901). Das Kapitel 14 ist in 3 Abschnitte getheilt, betreffend: die geschichtliche Entwicklung der Lokomotiv-Steilbahnen — theoretische und praktische Untersuchungen — und Bau und Ausrüstung der Zahnstangenbahnen. Auch hier sollen, ähnlich dem vorigen Kapitel, zuver¬ lässige Grundlagen geboten werden, um richtig entscheiden zu können, welche Bauweise der Bahn im gegebenen Falle zu wählen sei. Soll man im gebirgigen Gelände eine lange, flache Entwicklung bevorzugen oder eine starke Steigung? und, wenn letztere, soll man noch eine Reibungs¬ bahn bauen, oder die Reibung künstlich erhöhen? wobei dann heute wohl meist nur die Zahnstange infrage kommen wird. Die Vor- und Nachtheile werden im vorliegenden Werke unpartheiisch erwogen, doch haben wir den Ein¬ druck, dass sich für die Zahnstange viel Günstiges heraus¬ stellt. So können wir hoffen, diese Schrift werde den Bau von Bahnen ermöglichen helfen in manchen Fällen, wo er bisher als unwirthschaftlich galt. Sie wird vielleicht auch Ersparnisse durch die — wenigstens gemischte — Anwendung der Zahnstange nachweisen, wo man sich mit einer Reibungsbahn abmühte. Eine grosse Zahl lehrreicher Beispiele ausgeführter Zahnstangenbahnen, bis in die neueste Zeit reichend, ist hier mitgetheilt. Besonders hervorheben möchten wir den letzten § (13) „Anlage- und Betriebskosten der Lokomotiv-Steilbahnen", wo nach allgemeinen Bemerkungen eine Zusammenstellung der Betriebsergebnisse zweier Reibungsbahnen (Arlberg und Gotthard) und zweier gemischter Zahnstangenbahnen (Erzberg und Harz) in Tabellenform (59 Positionen) ge¬ geben und beurtheilend besprochen wird. Daran schliesst sich eine kurze, unerläuterte Tabelle über die Betriebsergeb¬ nisse (1896) von 5 schweizerischen Vergnügungsbahnen. — Kapitel 15 umfasst 2 Abschnitte: Seilbahnen älterer Bauart und Seilbahnen neuerer Bauart. Ein ausgedehntes, in sich sehr mannigfaches Gebiet, welches an den Grenzen des Eisenbahnbaues liegt, ist hier auf engem Raume zusammengedrängt. Wir berühren das Bergfach mit den Seilförderungen, die Forstwirthschaft mit den Seilriesen, die Industrie mit den Bleichert’schen und ähnlichen Seilbahnen. Der Personenverkehr benutzt das Seil in 2 Arten: einmal als Kraftübertragungsmittel für Strassenbahnen — im Auslande, namentlich Amerika, mehrfach angewendet — , sodann bei kurzen, steilen Berg¬ bahnen. Die Einzelheiten, Bau, Betrieb und Sicherheits- Vorrichtungen betreffend, werden an guten, ausgeführten Beispielen erläutert. Das Kapitel bietet viel Belehrung und Anregung zu weiteren Studien. — jj_e Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Justizgebäudes mit Provinzial- Arrest¬ haus ln Mainz wird für in Deutschland ansässige Archi¬ tekten durch das hessische Ministerium der Justiz erlassen. Für die besten der zum 1. Okt. d. J. einzusendenden Entwürfe stehen ein I. Preis von 5000, ein II. Preis von 4000 und zwei III. Preise von je 2500 M. zur Verfügung. Ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 1000 M. ist Vorbehalten. Dem Preisgericht gehören folgende die Mehrzahl des Preisgerichtes bildende Angehörige des Bau¬ faches an: Geh. Reg.-Rth. Prof. K. Henrici in Aachen; Geh. Ob.-Brth. Prof. K. Hofmann, Ob.-Brth. Klingel- höffer und Prof. Wickop in Darmstadt; Prof. Gabr. von Seidl in München; Geh. Brth. P. Wallot in Dresden; Brth. Kuhn und Arch. Rud. Opfermann in Mainz. Un¬ terlagen gegen 5 M., die nach Einreichung eines Entwurfes zurückerstattet werden, durch das genannte Ministerium in Darmstadt. — Personal-Nachrichten. Baden. Dem grossh. hess. Ob.-Brth. Coulmann ist das Ritterkreuzl. Kl. mitEichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen und dem Hofrath Prof. Dr. Meidinger der Tit. Geh. Hofrath verliehen. Der Ing.-Prakt. Im hoff ist z. Reg.-Bmstr. bei der Wasser- u. Strassen-Bauverwaltg. ernannt. Bayern. Dem Prof. Fr. v. Thier sch in München ist die Erlaubniss zur Annahme und z. Tragen des ihm verlieh. Komthur- kreuzes des Ordens der Krone von Italien ertheilt. Preussen. Dem Mar.-Schiffbmstr. Dietrich in Kiel ist der Rothe Adler-Orden IV. Kl. und dem Geh. Brth. Kieschke in Berlin der kgl. Kronen-Orden III. Kl. verliehen. Der Reg.-Bmstr. Rondolf in Berlin ist zum Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. ernannt Versetzt sind die Reg.-Bmstr. Heinekamp von Tilsit nach Gumbinnen und Liese von Hitzacker nach Potsdam. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr. Brandes der kgl. Reg. in Stade, Gg. Kozlowski der kgl. Elbstrom-Bau- verwaltg in Magdeburg; Rustenbeck der Eisenb.-Dir. in Essen, W. K a y s e r der Eisenb.-Dir. in Köln a. Rh. — Der der kgl. Reg. in Köln überwiesene Reg.-Bmstr. Gensei ist von diesem Auf¬ träge entbunden. Die Reg.-Bfhr. Karl Kaufmann aus Wiesbaden , Hans H a u s s i g aus Berlin , Walther S t r u t z aus Stargard i. P. und Heinr. Wentrup aus Rossleben (Hoehbfch.), — Fritz S c h r ö t e r aus Dietrichswalde (Wasser- u. Strassenbfch.), — Franz F i 1 1 i e aus Breslau (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Dem Eisenb.-Bauinsp. Grimke in Kassel, bisher in Frank¬ furt a. M., und dem Reg.-Bmstr. Paul Nathansohn in Berlin ist die nachges. Entlassg. aus dem Staatsdienst ertheilt. Württemberg. Der tit. Brth. Schiller bei der Gebäude- Brandversich.-Anstalt ist z. Brth. mit der Dienststellung eines Kolleg.- Raths befördert. — Dem Eisenb.-Bauinsp. K ü b 1 e r in Ravensburg ist die Stelle eines Brths. bei der Min.-Abth. für das Hochbauwesen übertragen. Die Kand. des Masch.-Ingfchs. Otto Endriss aus Lampolds- hausen, Karl Mühlmann aus Chemnitz und Gottl. Schopf aus Ditzingen sind für befähigt erklärt und haben die Bezeichnung Reg.- Bmstr. erhalten. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. H. F. in Kiel. Wir haben schon mehrfach aus¬ geführt, dass die Bezeichnung „Architekt“ kein Titel, sondern eine Berufsbezeichnung ist und daher in Deutschland, wo Gewerbefreiheit herrscht, mangels einschränkender Bestimmungen von jedem ge¬ führt werden kann, der glaubt, durch seine Thätigkeit Veranlassung hierzu zu haben. — In der weiter von Ihnen berührten Angelegen¬ heit rathen wir Ihnen, Beweise für die erwähnten Misstände zu sammeln und mit diesen bei den städtischen Behörden vorstellig zu werden. Es ist anzunehmen, dass Sie auf diesem Wege eher etwas erreichen, als wenn Sie bei einem Falle von nur lokaler Be¬ deutung die Oeffentlichkeit anrufen. Es würde sich vielleicht auch empfehlen, diese Verhältnisse mit einem unbefangenen Stadtver¬ ordneten zu besprechen und diesen zu einem Einschreiten zu ver¬ anlassen. — Hrn. Arch. H. E. H. in Metz. Die Frage ist schon wieder¬ holt an uns gestellt und auf S. 172 Jhrg. 1902 von uns schon ein¬ mal beantwortet. Der Verband deutscher Arch.- und Ing.-Vereine hat z. Zt. die Frage der Vertragsabschlüsse zwischen Architekt und Bauherrn in Bearbeitung genommen. Wir verweisen auch auf die sehr brauchbare Arbeit des Verbandes „Bestimmungen über die zivilrechtliche Verantwortlichkeit der Arch. u. Ing.", deren Beifügung bei jedem Vertragsabschluss wir nur empfehlen können (Vlg. d. Dtschn. Bztg., Pr. 10 Pf.). Es findet z. Zt. eine Nachprüfung dieser Bestimmungen statt, die jedoch sehr wesentliche Aenderungen nicht ergeben wird Im übrigen bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als aus den Werken über „Veranschlagung und Bauführung“ sich selbst entsprechende Aufstellungen zu machen. — Hrn. R. in Kreuznach. Da der von Ihnen geleitete Bau im Jahre 1900 aufgeführt ist, würde Ihre Inanspruchnahme wegen vor¬ gefallener Versehen noch nicht verjährt sein. Ob und aus welchen Ursachen Ihnen eine Verschuldung nachgewiesen werden kann, ist eine Frage thatsächlicher Natur, zu deren Beantwortung die Kennt- niss der sämmtlichen einschlagenden Verhältnisse nothwendig sein würde. Sollte jedoch aus den Thatumständen das angebliche Vor¬ bringen des Bauherrn gerichtsseitig für bewiesen erachtet werden, dass zu schnell gebaut oder ungesundes Material verwendet wurde, während Sie solches bei gehöriger Sorgfalt hätten vermeiden können, so würde Sie der Einwand nicht schützen, dass die Ihnen gestellte Baufrist zu kurz bemessen war. Denn als Fachmann hätten Sie die daraus drohenden Gefahren voraussehen können und den Bauherrn auf dieselben aufmerksam machen müssen. Indem Sie letzteres unterliessen, handelten Sie nach der Auffassung der Gerichte in ähnlichen Fällen schuldhaft und verstiessen gegen die gemeinübliche Sorgfalt. Mithin liegt die Befürchtung nahe, dass eine Schadensklage mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg gegen Sie zu begründen sein könnte. — K. H-e. Hrn. O. Br. in Witten. Auch ohne grundbuchliche Eintragung und ohne Nachweisbarkeit eines Vertrages kann ein Recht auf Schutz vorhandener Fenster bestehen, welches dann in der Verjährung begründet sein wird. Dass in Ihrem Falle die Fenster schon über 30 Jahre unbehindert bestehen, spricht für die Vermuthung einer abgelaufenen Verjährung. Hat jedoch der Nachbar ein Recht auf Schutz seiner Fenster, so braucht er sich deren Verbauen nicht gefallen zu lassen und wird durch Zuwiderhandlungen gegen sein Verbot nach seiner Wahl entweder Wiederherstellung des früheren Zustandes oder auf Schadloshaltung klagen dürfen. Die uns vor¬ gelegenen Ausführungen in dem „Eisenwaarenhändler“ betreffen einen völlig anders gearteten Fall, nämlich die Frage, ob der Nachbar zur Entwerthung seines Grundstückes durch die Benutzung des Nachbargrundstückes zu einer Petroleumraffinerie einen Anspruch auf Schadloshaltung hat, was das Reichsgericht aus den ihm vor- getragenen Thatumständen verneint hat. Die Bezugnahme auf diese Vorentscheidung würde also ohne jede Wirkung bleiben. — K. H-e Anfragen an den Leserkreis. 1. Welches neue Verfahren ermöglicht ein gutes und schnelles Vervielfältigen von Schriftstücken wie Submissionsbedhgungen usw. ohne grosse Vorkenntnisse und Uebung durch das Hilfspersonal des Büreaus? E St. in Kiel. 2. In welchem neueren Werke sind Annäherungs-Verfahren zur Lösung von Differential-Gleichungen höherer Ordnung behandelt? — Inhalt: Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes und die neue Fest- hatle in Mannheim. — Beispiele neuerer Betoneisen - Konstruktionen. — Mittheilungen aus Vereinen. — Fred. Skjold Neckelmann f. — Todtenschau. Preisbewerbungen. — Bücher. — Personal-Nachrichten. — Brief- u. F ragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die neue Festhalle in Mannheim. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 4T. 268 I DEUTSCHE BAUZEITUNG « I XXXVII. JAHRG. NR 42. BERLIN, DEN 27. MAI 1903 || Konkurrenzentwurf zu einem Stadttheater für Freiburg i. Br. Architekt: Prof. Friedr. Ratzel in Karlsruhe. er hier veröffentlichte Konkurrenzentwurf für ein Stadttheater in Freiburg i. Br. stellt einen interessan¬ ten und wohlgelungenen Versuch dar, die über¬ lieferte Formgebung für das deutsche Theater zu verlassen und für das moderne Theater auf deutschem Boden auch einen „ deutschen “ Charakter zu erstre¬ ben. Die Entwick¬ lung des Grundrisses ist schlicht und klar und der Aufbau eine logische Weiterent¬ wicklung des Grund¬ riss-Gedankens mit strenger Charakter¬ isierung der einzel¬ nen Bautheile nach ihrer Zweckbestim¬ mung und Bedeu¬ tung. Bisher waren es vorwiegend die An¬ tike, die Renaissance oder das Barock, wel¬ che dem modernen Theater die Form gaben und in diesem Kleide steht manches Theater fremd genug in seiner Umgebung. Ratzel glaubte daher in das so charakteri¬ stische Stadtbild von Ereiburg einGebäude einfügen zu sollen, welches in Formen¬ sprache und Gruppie¬ rung die örtliche Stimmung athmet. So entstand der vorliegende Versuch. Den gleichen Versuch soll auch Theodor Fischer bei einem Theaterentwurf für Heilbronn gemacht haben. Gewiss, das Theater ist keine deutsche, oder in der heutigen Ausbildung wenig¬ stens keine deutsche, sondern eine italienisch-französische Form; indessen aus diesem rein formalen Gesichtspunkte an¬ dere Stilarten als die französisch - italieni¬ schen für den mo¬ dernen Theaterbau zu verwerfen, wäre eine unfreieEinseitig- keit. Schröter in St. Petersburg hat den nicht erfolglosen Versuch gemacht, das moderneTheater, ein¬ gekleidet in orien- talisierende Formen, selbst in das im Ver¬ gleich zu westlichen Städten weit weniger strenge orientalische Stadtbild einzufügen. Dass Heinr. S e e 1 i n g bei seinem neuen Theater fürNürnberg von dem Bestreben geleitet war, dasHaus in das geschlossene Bild der Stadt des Albrecht Dürer har¬ monisch einzureihen, ist aus unserer Ver¬ öffentlichung Seite4i Jhrg. i899bekannt. — Welche Mittel führen in Grosstädten zur Preiswerth-Erhaltung des Baugrundes? Von Professor H. Chr. eit einem Menschenalter geht das Streben weiter Kreise dahin, einen Damm aufzurichten gegen den Bcdenwucher, dessen zügellosem Vorgehen die All¬ gemeinheit wehrlos gegenübersteht, der dem gesamten Wohnwesen die schwersten Schädigungen zugefügt hat und der den Wohnhausbau stets wieder in ungesunde Bahnen lenkt, wenn die lebhafte Nachfrage nach Woh¬ nungen eine Blüthezeit der Bauthätigkeit anbahnt. Als wirksamstes Mittel zur Einschränkung des Boden¬ wuchers wurde bis vor wenigen Jahren allgemein der Er¬ lass von Verordnungen angesehen, welche die Aus¬ nutzungsmöglichkeit des Baulandes beschränken. Eine zweckmässige Einschränkung dieser Ausnutzungs¬ möglichkeit ist ja schon deshalb ein Erforderniss, weil anderenfalls die an vielen Orten übermässige Enge des Häusermeeres der Stadtkerne auf die Aussengebiete und Vororte übertragen werden würde. Die Hoffnungen aber, welche man an derartige Verordnungen als Bekämpfungs¬ mittel des Bodenwuchers geknüpft hat, sind nirgends in Erfüllung gegangen. Diese Thatsache muss befremdend berühren, denn die Rentabilität eines Grundstückes hängt in erster Linie von seiner Ausnutzungsmöglichkeit ab und nach der her- auszuwirthschaftenden Rente müsste doch naturgemäss der Grundstückspreis sich richten. Wie ist es möglich, dasä dieses nicht der Fall ist? Sehen wir hier ab von be¬ sonderen und von örtlichen Eigenthümlichkeiten, die stei¬ gernd auf den Grundstückspreis zu wirken vermögen, dann lautet die Antwort kurz und einfach: Die Grundstücks¬ preise werden künstlich hochgehalten. In den Blüthezeiten der Bauthätigkeit sehen wir sie zu einer schwindelhaften Höhe getrieben auf Kosten der Baube¬ flissenen, der Hausbesitzer oder der Wohnungsmiether. Selbst in den Zeiten des völligen Darniederliegens des Wohnungsbaues, wie wir sie gegenwärtig durchmachen, befinden sich an vielen Orten die Preise des Baulandes auf einer Höhe, die im scharfen Gegensatz steht zu dem Werthe der mit Wohngebäuden besetzten Grundstücke. Abhilfe des bestehenden Misstandes kann daher wohl nur dadurch geschaffen werden, dass man diesem künstlichen Hochhalten der Bauland- werthe entgegenwirkt. Auch nach dieser Richtung ist bereits mancher wich¬ tige Schritt gethan, sind beachtenswerthe Vorschläge ge¬ macht. Von ihnen sind hervorzuheben: die frühzeitige Be¬ arbeitung der städtischen Bebauungspläne, das Erschliessen es Baulandes rings um die Grosstädte wie in deren Vor¬ orten durch rechtzeitige Fertigstellung der Strassenzüge nebst ihren Leitungsnetzen und die Besteuerung der an solchen Strassen unbebaut bleibenden Grundstücke. Aber sind sie allein im Stande, das erstrebte Ziel zu erreichen? Werden nicht die Kosten der Verzinsung un¬ bebaut oder schwach bebaut bleibender Strassen und der Besteuerung unbebauter Grundstücke wieder den so wie so bereits unter den hohen Bodenpreisen schwer leiden¬ den Bauleuten, Hausbesitzern oder Wohnungsmiethern zur Last fallen? Werden nicht diese Verzinsung und Be¬ steuerung zu einer weiteren wesentlichen Vertheuerung der Grundstücke führen, falls nach der Fertigstellung aus¬ gedehnter Strassenzüge ein Niedergang der Baulust ein- tritt? Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen dürften diese Fragen im ungünstigen Sinne zu beantworten sein. Die Verhältnisse dürften erst dann eine Aenderung zeigen, wenn die Städte ausgedehnten Grundbesitz in ihrer Umgebung erwerben, um preisbildend wirken zu können Wo hierzu die Verhältnisse irgend sich gün¬ stig erweisen, sollten die Stadtverwaltungen nicht säumen, sich zu Besitzern des Stadterweiterungsgeländes zu machen, Um entweder das Bauland in Erbbaupacht zu vergeben, falls dieses Vorgehen sich einführen und bewähren sollte, oder es zuPreisen und unter Bedingungen an Baulustige abzu treten, welche eine segensreiche Ent Wicklung des Wohnwesens und Bauwesens sicher stellen. Ein solches Vorgehen führt den weiteren grossen Vor- theil herbei, dass die Städte um Bauplätze für öffentliche Gebäude nicht in Verlegenheit gerathen, und dass sie an dem Gewinn theilnehmen, der durch die naturgemässe Werthsteigerung des Aussengeländes infolge der Aus¬ dehnung der Städte erwächst. Aber es ist nur dann an¬ gängig, wenn dieses Gelände zu niederen oder mässigen Preisen erworben werden kann, weil anderenfalls die lang¬ jährige Verzinsung des Kaufpreises den Nutzen für den Stadtsäckel wie für die Allgemeinheit infrage zu stellen vermag. Eine sorgfältige Vorausberechnung der Kosten nebst Zinseszins für die Erwerbung, Verwaltung und Auf¬ schliessung des Geländes (durch Strasseir- ünd Platzanlagen Nussbaum in Hannover. nebst ihren Leitungsnetzen) ist eine unbedingte Vorbe¬ dingung für die segensreiche Durchführung derartiger Unternehmungen. Glücklich sind die Städte zu nennen, welche im Besitze ausgedehnter Ländereien ihrer nahen und weiteren Umgebung sich seit Alters befinden, denn zumeist sind diese zu so niederen Preisen erworben , dass aus ihrer Erschliessung zu Bauland nur Vortheile erwachsen. Keineswegs aber kann das gedachte Vor¬ gehen der Stadtverwaltungen zu einem Segen für die Allgemeinheit werden, wenn sie durch ihren Grund¬ besitz zu Grundstücks - Spekulationen sich ver¬ leiten lassen, wenn sie trachten, möglichst hohe Preise für ihr Bauland herauszuschlagen. An dem Preiswertherhalten des Baulandes würden auch Genossenschaften mitzuwirken ver¬ mögen und sie würden zugleich geeignet sein, die Bau¬ spekulation in heilsamen Schranken zu halten. Aber bis¬ lang fehlt es in Deutschland noch vielfach an der Er- kenntniss der hohen Vortheile, die solche Gemeinschafteu den Wohnungs-Bedürftigen zu bieten vermögen. Die Ge¬ nossenschaften zur Errichtung von Kleinwohnungen sind zu wenig kapitalkräftig, um der Grundstücks-Spekulalion in nennenswerther Weise Abbruch thun zu können. Ge¬ nossenschaften der wirthschaftlich kräftigen Bürger zur Erstellung von Wohnungen aber fehlen bisher in Deutsch¬ land. Ihre Gründung sollten die Kreise sich zur Aufgabe machen, deren Streben auf Gesundung des Wohnwesens gerichtet ist. Die grossen Misstände, welche das Erstellen der Wohnungen durch die ungesunde Form der Bau¬ spekulation herbeigeführt hat, würden verschwinden, den Bauhandwerkern wäre hierdurch im gleichen Maasse ge¬ dient wie den Wohnungsmiethern. An die Stelle des Haus- wirthes tritt die Genossenschaft; der Mieter wird Wohnungs¬ inhaber und gewinnt dadurch diejenige Antheilnahme an der Wohnung, welche zu ihrem zweckdienlichen, gesunden Ausbau ebenso sehr erforderlich ist wie für ihre Instand¬ haltung und allmähliche Verschönerung oder Verbesm rung; das Wohnhaus hört auf, eine Handelswaare zu bil¬ den, an welcher der Besitzer kein anderes Interesse hat, als sie mit möglichstem Nutzen zu veräussern. Aber das sind Anregungen, die vielleicht erst in ferner Zukunft zur Verwirklichung gelangen, heute keinen An¬ spruch erheben können, als eine Waffe im Kampfe gegen den Bodenwucber zu gelten. So bleibt in diesem Kampfe nur ein einziges Mittel bestehen, das allgemein durchführ¬ bar ist und von welchem Nachtheile nicht auszugehen ver¬ mögen. Aber dieses Mittel ist so wirksam, dass von ihm eine Gesundung all’ der Misstände erhofft werden kann, welche die ungesunden Formen derBoden- und der Bauspe¬ kulation herbeigeführt haben. Dieses Mittel heisst: Weise Beschränkung des städtischen Realkredites durch Ueberwachung des Schätzungswesens. Bisher sind durch unvorsichtige Beleihung der Neu¬ bauten aufgrund erheblicher Ueberschätzungen eine grosse Zahl mittelloser Bauunternehmer in den Stand gesetzt worden, nicht nur zu bauen und aus den ihnen zufliessen- den „Baugeldern" ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern auch jeden Preis für Bauplätze, welcher von der Grundspekulation gefordert wird, zwar nicht zu zahlen aber auf Konto der Gläubiger zu bewilligen. Die hierdurch hervorgerufenen Misstände sind zu be¬ kannt, um einer Schilderung zu bedürfen. Die Wunden, welche dem Wohlstände Deutschlands während der letzten Jahre durch den „Krach" der Hypotheken-Banken, durch: die Nicbtbefriedigung derForderungen der Bauhandwerker, durch das Nichtrentieren der übermässig hoch mit Hypo¬ theken belasteten Wohngebäude, durch das Errichten von Wohnungen weit über den Bedarf u. a. m. geschlagen wurden, sind noch nicht geheilt und schon von Neuem, beginnen jene Misstände hervorzutreten. Es ist dringend geboten, dass die Regierungen diesen Verhältnissen ein Ende bereiten, welche den Volkswohl¬ stand untergraben, die Bauthätigkeit in die traurigsten Bahnen treiben, den Baubeflissenen besserer Art und den Bauhandwerkern das Brod nehmen. Bereits im Jahre 1894 hatte Theodor Unger in einer ebenso geistvollen wie scharfsinnigen Schrift auf Grund statistischerStudien die Regierungen und Stadtverwaltungen über das Wesen und den Sitz jenes Uebels aufzuklären versucht. Sein „offenes Wort über die Grundstücks- und Häuserbau-Spekulation in Hannover als Bei¬ trag zu rBeleuchtung der Immobilien-Spekulation in grossen Städten“*) darf Anspruch auf dauernde Bedeutung erheben. Ihr hat Unger jetzt eine neue Schrift *; Hannover 1894, Manz & Lange. 270 No. 42 „Kommt die Wohnungsnoth?“ Die Wohnungsfrage in grossen Städten als Folge des Bodenwuchers, des Beleihungs- und Schätzungswesens. Auf Grund der Wohnungsstatistik der Stadt Hanno ver besprochen"*) folgen lassen. Diese geistreiche, klare und einleuchtende Schrift behandelt denselben Gegenstand auf Grund neuer Studien. Sie gipfelt in dem Verlangen der gründlichen Reform des Beleihungs und Schätzungs¬ wesens, für die Leitsätze gebracht werden, welche der allgemeinen Beachtung und der vollsten Würdigung der Regierungen werth erscheinen. Fast gleichzeitig erschien das treffliche Referat von Prof. Dr. Fuchs in Freiburg zur Frage der „Abhängig¬ keit der Wohnungsmiethen von Bodenpreis, Bau¬ kosten und Besteuerung", welches dieser dem VI. in¬ ternationalen Wohnungskongress zu Düsseldorf erstattet hat. Es klingt in folgendem Schlussatz aus: „Es ist daher Auf¬ gabe der Wohnungspolitik von Staat und Gemeinde ... in Deutschland Beschränkung der Boden- und Haus¬ spekulation, und zur Erreichung dieser Zwecke vor allem Reform des Hypothekenwesens, über¬ haupt des städtischen Realkredites." Mögen die nach jeder Richtung wohl begründeten Worte dieser beiden Männer die Beachtung finden, deren sie werth erscheinen. Dann wird es nicht mehr erforder¬ lich sein, mit zu weitgehenden Forderungen an die Weit¬ räumigkeit der Städte hervorzutreten, welche bislang kaum einen anderen Erfolg gehabt haben als die Vertheuerung der mittleren und kleinen Wohnungen. Namentlich die häufig allgemein oder für weite Bezirke des Baugeländes estellte Forderung an eine ringsum freie Lage jedes Hauses at einzig Berechtigung für die vornehmen Theile der Land¬ hausviertel. Im übrigen reicht für das Wohlbefinden und Wohlbehagen die Bestimmung aus, dass jedem zu dauern¬ dem Aufenthalt dienenden Raume ein dem Ortsklima ent¬ sprechender Lichteinfallwinkel (im Mittel 45 °) gesichert werden muss. Ausser ihr haben höchstens Vorschriften Werth, welche die Zahl der Wohngeschosse in einer den Ortsverhältnissen entsprechenden Weise für die verschie¬ denen Stadtviertel und Bebauungszonen beschränken. — Mittheilungen aus Vereinen. Arch.~ und Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 13. März 1903. Vors. Hr. Zimmermann, anw. 72 Personen. Hr. Merkel hält den angekündigten Vortrag über die „Ingenieurbauten des khmerischen Volkes“. Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sind durch französische Forscher, wie auch durch den deutschen bekannten Prof. Dr. Bastian eine grosse Anzahl sehr bemerkenswerther Schöpfungen auf dem Gebiete der Bau¬ kunst in Kambodscha in Hinterindien wieder an das Tageslicht gezogen worden. Diese Werke werden der Thätigkeit des khmerischen Volkes zugeschrieben und be¬ stehen in Städte- und Tempelanlagen, sowie in Brücken, Strassen und Wasserbecken. Der Vortragende gibt ein Bild der üblichen Anordnung der Städte, die einen regel¬ mässigen Grundriss aufwiesen und von mächtigen Mauern und Gräben umgeben waren. Er schilderte die Thore und die prächtig geschmückten Zugangsbrücken, sowie die von Riesenfiguren eingefassten Chausseen. Der Stadt¬ plan von Angkor Tom, sowie der Plan der Citadelle mit den Hauptgebäuden werden im Bilde vorgeführt. An der von Angkor Tom nach Süden führenden Chaussee liegt die Meisterschöpfung der Khmer, Angkor-Wat, eine impo¬ sante Tempelanlage mit mächtigen Brücken und Wasser¬ becken. Auch von Prea-Khan gibt der Vortragende eine kurze Schilderung und geht dann zu der Beschreibung der Brücken und Strassenbauten und der Wasserbau¬ arbeiten über. Das ganze Land war von zahlreichen Heer¬ strassen durchzogen, die über die vielen Flussläufe und Durchlässe mittels steinerner Auskragebrücken hinweg¬ geführt waren. Der Vortragende schliesst mit einem Aus¬ spruch von Delaparte über den Charakter der khmerischen Bauwerke, welche als eine andere Form des „Schönen" zu bezeichnen wären. Der Vorsitzende spricht dem Vortragenden den Dank des Vereins aus für die ungemein fesselnden Mittheilungen über eine längst vergangene und sehr wenig bekannte Architektur- und Kulturwelt, der die Neuzeit mit unver¬ hohlener Bewunderung gegenüber stehe. Mit einer kurzen Mittheilung des Hrn. Stein über das inzwischen am 25. April d. J. im Uhlenhorster Fähr¬ haus abgehaltene Stiftungsfest schloss die Versammlung. — - - - St. Vermischtes. Eine Ausstellung von Werken aus dem künstlerischen Nachlass von Kurt Grunert ist in dankenswerther Weise im Architektenhause in Berlin eröffnet worden und gibt in ihrer Gesamtheit ein gutes Bild von dem vielseitigen künstlerischen Wirken des Heimgegangenen. Den gröss¬ ten Theil der Ausstellung nehmen die zahlreichen Ent¬ würfe des preuss. Ministeriums der öffentlichen Arbeiten ein, die für Ausstellungen und andere Gelegenheiten durch Grunert eine vollendete malerische Behandlung erfuhren. Andere dahin gehörende Blätter sind von der Militärver¬ waltung zur Verfügung gestellt worden, so die grossen Perspektiven der Garnisonkirche in Braunschweig, das Kur¬ haus in Landeck und das Innere der Garnisonkirche in Potsdam. Die persönliche Eigenart Grunerts tritt mehr bei den zahlreichen Tischkarten und Vignetten für den Archi¬ tekten -Verein und das „Motiv", für den geographischen Kongress von 1878 und für eine Reihe ähnlicher Veran¬ staltungen hervor, Arbeiten, bei denen der Verstorbene als gedankenreicher und witziger Zeichner erkannt wird. Da¬ zu treten Oelgemälde und Aquarelle von hervorragender *) Hannover ^902, Herenberg’scfce Biichdnjckerei (Schwede &-Wenzel). 27. Mai 1903. Darstellungskunst, farbige Dekorationen für den Einzug des Prinzen Wilhelm (i. J. 1881), für die Weltausstellung in Antwerpen, für die Kunstausstellung in Düsseldorf usw. Weiterhin fesselt die Aufmerksamkeit der grosse Kon¬ kurrenz-Entwurf für die Wandgemälde im Treppenhause des Berliner Rathhauses, der mit üppiger Farbenpracht entworfen ist. Daneben hängen der Entwurf eines Kaiser Wilhelm-Denkmals für Berlin, ein Reiterbild auf hohem Postament, ferner eine Palastfassade mit Malerei in Casei'n- farben und als bemerkenswerthe architektonische Leistung der Entwurf zur Bebauung der Schlossfreiheit. Hunderte von grossen und kleinen Zeichnungen und Blättern liegen aus, die in allen Einzelheiten von der liebevollen Klein¬ arbeit des Verstorbenen zu uns sprechen. — Konkret-Schutzdecken unter Holzbalken von Wirtz ln Düsseldorf. Der Wunsch, die Vorzüge der Holzbalken¬ decke mit dem Vortheile der Feuersicherheit zu verbin¬ den und anstelle der Lehmstaakung ein widerstandsfähi¬ geres und tragfähigeres Material zu setzen, hat zu ver¬ schiedenen mehr oder weniger zweckmässigen Aenderun- gen geführt. Eine neue Ausführung dieser Art, die sich durch grosse Einfachheit auszeichnet, ist die Wirtz’sche Konkret-Schutzdecke, die in beistehender Abbildung wie¬ dergegeben ist. Die Decke besteht aus einer Stampfbeton¬ schicht von höchstens 6 ™ Stärke, welche aus 1 Theil Portlandzement zu einem Gemisch von 7 — 9 Theilen Bims¬ sand oder Schlacke mit Quarzsand hergestellt wird und Eiseneinlagen enthält, welche an besonders geformten Eisen¬ haltern aufgehängt werden, die einfach an den Holzbalken angenagelt sind. Die Eiseneinlagen können verschiedene Formen zeigen; es sind die Halter dementsprechend aus¬ geschlitzt. Am einfachsten ist die Anwendung 16/2 mm star¬ ken hochkantigen Bandeisens. Diese Eisen werden in Abständen eingelegt, die zusammen addiert zu den lichten Balkenabständen die Zahl Hundert ergeben, also z. B. für 60 cm Balkenabstand 40 c® Eisenabstand. Die Decke wird in der üblichen Weise auf angehängter Schalung einge¬ stampft. Nach Aufbringung der nächsten Balkenlage ist die Decke genügend erhärtet, sodass die Schalung ent¬ fernt und die Decke belastet werden kann. Sie bildet also auch in diesem Sinne eine Schutzdecke während der Ausführung Die Herstellung der Decke ist dem Er¬ finder geschützt. — Internationale Feuerschutz-Ausstellung, verbunden mit einem internationalen Feuerschutz-Kongress, in London 1903. Die diesjährige Londoner internationale Feuerschutz- Aus¬ stellung ist am 6. Mai d. J. festlich eröffnet worden. Sie umfasst 10 Gruppen, von welchen für das Baufach vor¬ zugsweise inbetracht kommen die Gruppen: I. Feuersichere Baukonstruktionen; II. Feuerlöschwesen; VI. Wasserver¬ sorgung; VIII. Feuerschutz seitens städtischer Behörden; IV. und X. Geschichte, Litteratur und Wissenschaft inbe- zug auf Feuerschutz. Die Gruppen I., II. und VIII. sind auch von Deutschland ansehnlich beschickt worden. Die 271 Ausstellung ist ein Privatunternehmen des Britischen Feuer¬ schutzvereins (British Fire Prevention Committee) in Ver¬ bindung mit der Londoner Aussteilungs Gesellschaft, deren umfangreicher Park in Earl’s Court als Ausstellungs-Ge¬ lände dient. — Der internationale Feuerschutz- Kongress wird stattfinden vom 7. bis zum 10. Juli d. J.; Kongress-Sprachen sind englich, deutsch und französisch. Die Theilnehmer sind entweder Abgesandte (Delegates) der Regierungen, Gemeinden, Vereine und Feuerwehren, oder ordentliche Mitglieder; letztere haben einen Beitrag von 20 Shilling zu entrichten. Die technische Oberleitung hegt in der Hand des Architekten Edwin O. Sachs. An¬ meldungen und Anfragen sind zu richten an : The Honorary Secretary, British Fire Prevention Committee, Waterloo Place No. 1, London S W. — Für die Schalldämpfung ln Massivbauten sind neuer¬ dings Versuche mit sog. „Korkplatten-Unterlagen“ ange¬ stellt. Diese Korkplatten bestehen aus zerkleinerten, grob¬ gekörnten Korkabfällen, welche mit einer Asphaltmasse zu festen Platten in ungefährer Grösse von 25 : 50 cm ge¬ presst werden. Anfangs wurden diese Platten sehr weich, nachgiebig und elastisch hergestellt. Es zeigte sich jedoch, dass sie dann mit darauf hegendem Linoleum wohl den Schall dämpften, dass sie aber als Unterlage dem Linoleum nicht genügend Festigkeit verliehen und infolge dessen sich schwere Möbel leicht in das Linoleum oder in die unterliegenden Platten eindrückten. Als Uebelstand wurde ferner bemerkt, dass diese Platten nur schwer vollständig eben und fugenlos zu verlegen waren, sodass die Uneben¬ heiten und F ügen sich in dem Linoleumbelag leicht mar¬ kierten, wodurch nicht nur das gute Aussehen, sondern auch die Haltbarkeit des Belages beeinträchtigt wurden. Die Festigkeit dieser Platten ist jetzt meistens eine grössere, zumtheil sind sie sogar hart wie Klinker hergestellt. Zweifel¬ los wird hier dem Material eine weit grössere Widerstands¬ kraft gegen Eindrücke verliehen, andererseits wird aber wieder die Schalleitung desselben erhöht. Auch ist immer noch nicht die Schwierigkeit der Fugenbildung vermindert oder gehoben, denn auch das nachträgliche Auskitten der Fugen zwischen den einzelnen Platten ist nur Flickarbeit und macht den Belag uneben. Es wäre wünschenswerth, dass als Unterlage unter den Linoleumbelag ein Boden geschaffen würde, welcher fugenlos in voller Fläche verlegt, sehr elastisch und doch genügend widerstandsfähig und dabei ein schlechterWärme- leiter ist. Diesem Wunsche kommt das „Kork-Linoleum“ einer süddeutschen Linoleumfabrik (Maximiliansau) ent¬ gegen. Es wird in 7 — 8 Stärke geliefert, ist zähe, weist die guten Eigenschaften des gewöhnlichen Linoleums auf, besitzt dabei aber einen hohen Grad von Elastizität. Es wird in voller Fläche mit dem massiven Unterboden durch ein Klebemittel verbunden und erzeugt dann beim Begehen keinerlei Schall mehr, es wirkt wie ein Teppich. — Neuerdings sind nun vom Patentamt Patente ertheilt (Bremer Linoleumwerke Delmenhorst) auf mehrschich¬ tiges Linoleum, das, wie die Bezeichnung sagt, aus mehreren Schichten verschiedener Struktur be¬ stehen und (unten) die Weichheit, Wärme und Schall¬ dämpfung der Korkplatte bezw. des Korklinoleums mit (oben) der Widerstandsfähigkeit, Undurchlässigkeit und Glätte des gewohnten Linoleums in einem Stück vereini¬ gen soll. Beachtenswerth ist dabei auch, dass die Ober¬ fläche nicht nur aus einem Farbton zu bestehen braucht, sondern mit durchgehenden Farben beliebig gemustert sein kann. Die Fabrik hat es, nachdem sie, wie sie berichtet, seit Jahr und Tag es selbst eingehend beobachtet hat, als „Bre- malino-Duplex-Linoleum“ in den Handel gegeben. — Preisbewerbungen. Ein Denkmal für den Anführer im mexikanischen Un¬ abhängigkeitskriege Morelos in Morella wird von der Re¬ gierung des Staates Michoacan zum Gegenstände eines inter¬ nationalen Wettbewerbes gemacht. Gefordert wird eine Reiterstatue mit allegorischem Beiwerk auf einem architek¬ tonischen Sockel, die auf einem mit schönen alten Bäumen bestandenen Platze der Alameda von Morelia aufgestellt werden soll. Für das Denkmal stehen 80000 Pesos oder etwa 130— 140 000 M. zur Verfügung. Der zur Ausführung gewählte Entwurf wird mit einem I. Preise von 1200 Pesos, ein zweiter Entwurf mit einem Preise von 600 Pesos aus¬ gezeichnet. Sind den preisgekrönten Entwürfen Einzel¬ zeichnungen konstruktiver Art beigegeben, so erhöhen sich die Preise um 25°/0. Es ist beabsichtigt, dem Verfasser des mit dem I. Preise gekrönten Entwurfes nach näheren Vereinbarungen die Ausführung zu übertragen. Der Wett¬ bewerb wird am 30. Sept. d. J. geschlossen; die Grund¬ steinlegung für das Denkmal soll am r. Jan. 1904 statt¬ finden. Nähere Angaben können durch den Regierungs¬ sekretär von Michoacan, Luis B. Valdes in Morelia, Mexico, bezogen werden. Etwaige Bewerber aus Deutschland wird die Nachricht interessieren, dass ein in Morelia an¬ sässiger Deutscher, der gelegentliche Mitarbeiter unserer Zeitung, Hr. Architekt und Ingenieur Gustavo Roth, be¬ reit ist, einen deutschen Bewerber mit seiner Kenntniss der einschlägigen Verhältnisse des Landes zu unterstützen. — Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eine Knaben und Mädchenschule in Marburg wird vom dorti¬ gen Magistrat zum x. Aug. d. J. erlassen. Es gelängen 3 Preise von 1000, 700 und 300 M. zur Vertheilung. Unter¬ lagen gegen 1,50 M , die zurück vergütet werden, durch den Magistrat. — In einem Wettbewerb zur Erlangung von Skizzen für ein Wlrthschaftsgebäude ln der Forstbaumschule zu Kiel, der auf Kieler Architekten beschränkt war, liefen 25 Ent¬ würfe ein. Der I. Preis wurde nicht vertheilt, je ein II. Preis von 800 M. aber den Hrn. C. Brammer und O. Fischer in Kiel verliehen. Ein IIP Preis von 400 M. fiel an die Hrn. Hans & Herrn. Jaacks in Kiel. Eine „Anerkennung in Höhe von 200 M.“ wurde zugesprochen den Hrn. A. Klein, E Schlüter, Hans & Herrn. Jaacks und E. Stoffers, sämtlich in Kiel. — Brief- und Fragekasten. Hrn. P. Z. in Heidenheim. Da der Bau, an dessen Her¬ stellung Sie als Bauführer unter Leitung eines Architekten mitge¬ wirkt hatten und in welchem nach 4jährigem Bestände Schwamm festgestellt worden ist, schon vor 1900 zur Ausführung gelangt sein muss, ist die Frage nach altem Rechte zu entscheiden. Nach Ihrer Darstellung haben Sie zu dem Bauherrn in keinem Vertragsver- hältniss gestanden, weshalb Sie nur wegen ausservertraglicher Ver¬ schuldung in Anspruch genommen werden könnten. Da die Ver¬ wendung sachwidrigen Auffüllmateriales als Ursache für die Schwammbildung festgestellt sein soll, kommt es darauf an, ob Sie das von Ihrem Arbeitgeber als verwendbar erklärte Material hätten zurückweisen sollen, was Ihnen füglich nicht zugemuthet werden darf. Denn Sie durften sich auf die Sachkunde Ihres Arbeitgebers verlassen. Mithin liegt die Gefahr fern, dass Sie mit Aussicht auf Erfolg zur Schadloshaltung herangezogen werden können. Gänzlich ausgeschlossen ist die Möglichkeit jedoch nicht, weil ja Fälle denk¬ bar sind, die einen Mangel an Vorsicht bei Ihnen erkennen lassen könnten. War z. B. das Material so schlecht, dass seine Schäd¬ lichkeit von Ihnen erkannt werden konnte, so mussten Sie den Bauherrn und den Bauleiter darauf aufmerksam machen. Unter- liessen Sie dies, so handelten Sie schuldhaft und wurden zum Mitschuldigen des Bauleiters. Hieraus könnte ein selbständiger Ersatzgrund entstehen. Sollte jedoch kein solcher Ausnahmefall nachweisbar sein, so sind Sie zur Beseitigung des Schwammes nicht verpflichtet und können für Ihre im Aufträge des Bauherrn ausgeführten Arbeiten eine angemessene Vergütung fordern. Sie müssen jedoch nachweisen, dass der Bauherr die jetzt von Ihnen verlangten Arbeiten bei Ihnen bestellt hat, Sie sich also nicht etwa zu solchen freiwillig unter Umständen erboten haben, aus denen der Bauherr annehmen durfte, dass Sie solche unentgeltlich leisten wollten. — K. H-e. Stadtbauamt Qu. und Hochbauamt Rh. Die Beantwortung Ihrer Anfragen würde so umfangreiche Erhebungen voraussetzen, wie wir sie leider nicht leisten können Anforderungen dieser Art sind in der letzten Zeit häufiger an uns gestellt worden; wir müssen aber alle Fragenden auf das S. 139 besprochene Buch von Kuhn verweisen; gewisse Anhaltspunkte vermögen wohl auch unsere Mittheilungen über Konkurrenzen zu geben. — Hrn. R. in Nakel. Wir werden uns bemühen, Ihrem Wunsche nach Möglichkeit zu entsprechen. Die nächsten Nummern bereits werden Zeugniss davon ablegen. — Anfragen an den Leserkreis. 1. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Fabrikanten für Ze ntrai- Heizungen behaupten stets, dass das einzig rationelle Heizmaterial für Zentralheizungen Zechenkoks sei. Unser hiesiger, durch seine mustergiltigen Elektrizitätswerke berühmt gewordener Gasdirektor behauptet, Zechenkoks greife die Zentral-Heizungen furchtbar an und erheische eine Erneuerung der mit dem Feuer in Berührung kommenden Theile in wenigen Jahren, während Gaskoks dieses nicht thue, überhaupt vorzuziehen sei. Wir bitten um Einrückung dieser Frage im Briefkasten Ihrer Zeitung. — p- j gch Münster i. W. 2. Eine Buchdruckschnellpresse im Gewicht von etwa 5000 kg steht auf einer zwischen I Trägern ausbetonierten Zwischendecke. Durch die Horizontalbewegung dieser Maschine entsteht ein Ge¬ räusch, welches sich durch den 70 cm starken Giebel dem Nachbar¬ hause mittheilt. Die I-Träger liegen auf dem Giebel auf. Wie kann der durch diese Träger und Betondecke sich fortpflanzende Schall gedämpft bezw. beseitigt werden? F. St in Mannheim 3. Hierdurch bitte ich um Bezugsquellen der unter dem Namen Dustless, Staubfrei und Sternolit in den Handel gebrachten staub¬ bindenden Fussbodenöle ? H. Weisstein, Kgl. Kreisbauinspektor in Orteisburg. Inhalt: Koakurrenzentwui f zu eiaem Stadttheater für Freiburg i. Br. — Welche Mittel führen in Grosstädten zur Preiswerth-Erhaltung des Bau¬ grundes? — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewer¬ bungen. — Brief- und Kragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion veiautwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 42. 272 dl o o § ** § s c H Pi D Uh « Z C Di U| Uh N O X cu Dh z * Z * W W J * Di w * pp w * ü . k X o 2 w ^ o < H 55 W j w :9 H Z III 5 9 dl Z* H ! W § 3§ m d u X 3 H Z o £ Q * * •K ■X * -X- X X * EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG.* * N2* 43. * DEN 30. MAI 1903. * Der Bau der Königsbrücke in Magdeburg. Von Stadtbaurath O. Peters. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 276.) m 4. Mai d. J. ist die Königsbrücke über brücke unterhalb derselben errichtet werden sollte, die Elbe bei Magdeburg eingeweiht und Auf gleichzeitige Ausführung beider Brücken, die man damit eine der grössten Strassenbrücken thatsächlich ins Auge gefasst hatte, konnte bei den Deutschlands nach Spannweite und Breite langwierigen Verhandlungen mit dem wegen eines Ge- der Brückenbahn dem Verkehr übergeben lände-Austausches betheiligten Militärfiskus zwar kaum worden. Die Rheinischen Brücken von Düsseldorf und gerechnet werden; nichtsdestoweniger war im Wett- Bonn*) übertreffen die Magdeburger Königsbrücke bewerb den Firmen anheimgestellt worden, ihre Vor- von i35m 1. W. zwar noch erheblich hinsichtlich der Schläge auf die Nord- oder Südbrücke zu beziehen, freien Spannweite der Eisenkonstruktion zwischen den für deren Hauptspannweite und sonstige Verhältnisse, Auflagern; dafür be¬ trägt die Breite der Brückenbahn in Mag¬ deburg zwischen den Geländern i8m, wo¬ bei die Vertikalen der Eisen - Konstruktion dem freien Verkehr kaum hinderlich sind, gegenüber 14,2 bezw. 14 m von Düsseldorf und Bonn. Der Entwurf der Königsbrücke ist das Ergebniss eines enge¬ ren Wettbewerbes, gleichzeitig unter Ab¬ gabe eines bindenden Preis-Angebotes für die Ausführung, un¬ ter ^Firmen: Maschi¬ nenfabrik Esslingen, Dortmunder Union, Gutehoffnungshütte , Brückenbau - Anstalt Harkort u. Vereinigte Masch. -Fabrik Nürn¬ berg und Augsburg. Die Vorarbeiten wa¬ ren von der städti- schenBauverwaltung geleistet, so dass ir¬ gend welche Abwei- chunghinsichtlichBe- messung der Haupt¬ spannweite und der Fluthöffnungen, der Stellung der Pfeiler, der Höhenlage der Brückenbahn über dem höchsten Was¬ serstande, ferner hin¬ sichtlich der zu der Abbildg. 5. Brückenpfeiler mit Portaltliürmen. Brücke führenden Strassenzugänge, Rampen usw. über¬ haupt nicht mehr infrage kommen konnte. Der Vorent¬ wurf der städtischen Bauverwaltung wurde den Theil- nehmern am W ettbewerbe als Unterlage gegeben, von denen die Dortmunder Union in Verbindung mit Ph. Holzmann & Co. in Frankfurt a. M. den Sieg davontrug und den Auftrag zur Ausführung erhielt. Damals war noch die Rede von einer zweiten Brücke im Süden der Stadt, die ungefähr in dem¬ selben Abstande stromaufwärts von der „Strom¬ brücke“ — dem bisher einzigen Uebergange über die Stromelbe für den Strassenverkehr — , wie die Königs- *) Vergl. Dtsche. Bztg. 1898 S. 645 ff. Die Bonner Brücke hat 187,2 m Stützweite zwischen den Kämpfergelenken der Mittelöffnung, die Düsseldorfer 2 Haupt-Oeffnungen zu je 181, 25 m Spannweite. abgesehen von der Länge der Fluth- brücken , ungefähr dieselben Bedingun¬ gen als maassgebend erachtetwerdenkonn¬ ten. Erst jetzt liegen die Verhältnisse der¬ art, dass der Süd¬ brückenbau ernstlich in Erwägung gezogen werden kann. Aus dem Stadtplan Abb. 1 S. 276 ist die neue Brücke nebst den infrage kommenden Lagen der in Erwä¬ gung gezogenen wei¬ teren Brücken und ihrer Zufahrtsstras¬ sen ersichtlich. Entscheidend für die Wahl des Ent¬ wurfes der Dortmun¬ der Union und von Holzmann war die vorzügliche Lösung der Ueberbrückung der links - seitigen Fluthöffnung, unter welcher auf knapp- sterUferbreite Staats¬ bahn- und städtische Gleise zum Hafen liegen und möglichst noch eineLadestrasse berücksichtigt wer¬ den sollte. Das zu diesem Zwecke an- genommeneBetonge- wölbe von 28,5 m lich¬ ter Spannweite zeigt ein nach rückwärts in das Ufer hinein verlängertes Widerlager; hierdurch ist zugleich die wünschenswerthe Gelegenheit gewährt worden, jederzeit an den Hauptabfangekanal gelangen zu können, der die Abwässer der ganzen Altstadt und der südlichen Vorstädte zum Sandfang am Hafen bis zur Einmündung in die Dükerleitungen zu befördern hat. Hiernach ergibt sich, wie der Längen- und Höhen¬ plan, Abbildg. 2, zeigt, die Eintheilung der Oeffnungen der Königsbrücke in zwei mit Betongewölben über¬ spannte Fluthbrücken von je 28,5™ Weite und eine Hauptöffnung von 135™ Stützweite der Eisenkonstruk¬ tion, bei einer Gesamtlänge zwischen den Widerlagern des linken und des rechten Elbufers von 208 m. (Die Bildbeilage gibt eineUebersicht des ganzen Bauwerkes). Der Strassenzug der Königstrasse setzt sich über die 273 „Herrenkrug-Brücke“ bis zum jenseitigen Ufer der Alten Elbe fort, vergl den Lageplan der Brücke, Abb. 3 S. 276, womit eine Länge von zus rd. 1300™ dem Strassen- Verkehrneu erschlossen ist mit einer Gesamtaufwendung von rd. 2,5 Milk M. Die Herrenkrug-Brücke ist vor¬ läufig eine einfache Holz- Jochbrücke mit hölzernen Sprengwerken, die sich aus 11 Mittelöffnungen von 16,5 m, 2 Seitenöffnungen von 15,62 m und den hölzer¬ nen Widerlagspfeilern zu einer Gesamtlänge von 217 m zusammensetzt. Mit Rücksicht auf die Möglichkeit einer späteren Schiffbarmachung der Alten Elbe ist absicht¬ lich diese billigere Herstellung einer als Provisorium anzusehenden Holzbrücke gewählt ; aus gleichem Grunde ist die Axe der Herrenkrug-Brücke um 28™ stromauf¬ wärts verschoben, um den späteren endgiltigen Bau in der Axe der Königsbrücke jederzeit zu gestatten. Der Gegenstand der gemeinschaftlichen Brücken¬ bau-Unternehmung für die Königsbrücke — die Herrenkrug-Brücke ist vom Zimmermstr. Hitzeroth in Magdeburg ausgeführt — zerfiel naturgemäss in zwei Theile. Von der Firma Ph. Holzmann & Co. wurden der Unterbau der Brücke, die beiden massiven Fluthbrücken-Oeffnungen, sowie die Pfeileraufbauten ausgeführt; die Herstellung der Eisenkonstruktion der grossen Mittelöffnung und der eisernen Geländer fiel der Dortmunder Union anheim. Die städtische Bau¬ verwaltung hatte die Oberleitung in verwaltungs- mässiger, technischer und ästhetischer Beziehung; sie hatte sich ausserdem die Ausführung der Holzklotz- Pflasterung der Fahrbahn und die Asphaltierung der Bürgersteige Vorbehalten, wie ihr selbstverständlich die ganze Herstellung des übrigen Brücken-Strassenzuges, einschliesslich der Herrenkrug-Brücke, überlassen blieb. Die Ausführung des umfangreichen Werkes vertheilte sich auf den Zeitraum von etwa 23/4 Jahren. Die Gründung der Pfeiler erfolgte, wie der Längs¬ schnitt, Abbildg. 4 S. 276, durch Pfeiler und linke Fluthöffnung erkennen lässt, mittels Luftdruck und zwar unter Verwendung von Holzkaissons, nachdem der Höhenunterschied zwischen höchstem Hoch¬ wasser und tragfähigem Fels zu rd. 13“ ermittelt war. Letzterer besteht aus mit Thonschichten durchzogener Grauwacke, deren obere weichere Schichten leicht zu beseitigen waren. Die Arbeiten wurden ohne irgend welche Störung bewerkstelligt, ebenso auch die Aus¬ führung der in offener Baugrube hergestellten beider¬ seitigen Widerlager für die Betongewölbe der Fluth- öffnungen. Bei der Ausführung der Betongewölbe selbst ereignete sich ein eigenartiger Unfall, indem zufolge eines überaus heftigen Sturmes in der Nacht vom 5. zum 6. Okt. 1901 ein Portalkrahn von seiner Befestigung hoch oben auf dem Montage-Gerüst der Eisenkonstruktion losgerissen und aus einer Höhe von 20 m auf das gerade frisch hergestellte Betongewölbe des rechten Ufers herabgeschleudert wurde. Zwar zeigten sich einige Risse, wo die Krahnwinde un¬ mittelbar aufgeschlagen hatte, ohne dass aber Bedenken für das Belassen des Gewölbes nach gründlicher Her- ausstemmung der beschädigten Stellen entstanden. Erst bei der Ausrüstung, die gleichzeitig für die grosse eiserne Mittelöffnung, sowie beide Seiten-Durchlässe vorgenommen wurde, ergab sich eine so anormale Senkung, dass die vollständige Erneuerung des be¬ schädigten Betongewölbes sich als Nothwendigkeit er¬ wies. Mit Rücksicht auf das in seinem Bestände zu erhaltende Lehrgerüst musste der Beton in mühseliger Arbeit mit Hammer und Meissei abgestemmt werden. Sonst ist von irgend welchem Unfall während der ganzen Bauzeit überhaupt nicht die Rede gewesen. Die Hauptöffnung von 135 m Stützweite wird von einem Bogenfachwerk-Träger (ohne Zugband) von be- merkenswerther Klarheit der Konstruktion überspannt. Die Anfangshöhe der Trag wände an den Pfeilern be¬ trägt 10,5 m vom Kämpfer gerechnet; dadurch ist er¬ möglicht, dass der obere Windverband bis zu den End vertikalen., die hier zu einem Portalrahmen verbunden sind, herabgeführt werden konnte, unter Ein¬ haltung einer mehr als genügenden lichten Durchfahrt für den Wagenverkehr. Entschieden muss darin ein Vorzug sowohl in konstruktiver, wie namentlich auch in ästhetischer Hinsicht erkannt werden ! Für den An¬ schluss des mächtigen Eisenbogens an die Architektur des Pfeileraufbaues, vergl. Abbildg. 5 S.273, konnte nun die organische Lösung gefunden werden ; damit ist diese Anordnung den sonstigen ausgeführten Eisenbrücken- Konstruktionen, bei denen der obere Windverband nur bis zur zweiten oder dritten Vertikale hinabreicht — so dass sich hier also Gelegenheit zu 2 Zwischenportalen mitten auf der Brücke ergibt — in ästhetischer Hinsicht unbedingt überlegen. Es ist denn auch Veranlassung genommen, die Vermittlung zwischen Eisen- und Massiv¬ bau nach Möglichkeit zum künstlerischen Ausdruck zu bringen, indem die Fläche der Blechwände des selbst¬ ständig vor dem massiven Portalmauerwerk stehen¬ den eisernen „Windportalbogens“ mit einem aus schmiedeisernem, dünnem Blech geschnittenen und ge¬ triebenen romanischen Linien-Ornament verziert sind. Als ein kleiner Nachtheil mag bei dem hohen Aufsetzen der äusseren Bogengurtung am Portal die Höhe des oberen Scheitels über dem unteren in der Mitte des Bogens hingenommen werden. Bei den ge¬ wählten Pfeilhöhen hat nämlich der Schwerpunkt- Abstand beider Gurtungen im Scheitel das ausserge- wöhnliche Maass von 4,80 m erhalten müssen, während dieselben bei sonstigen Beispielen im allgemeinen näher an einander geführt zu werden pflegen, somit sich die Wirkung des Bogenträgers vielleicht etwas geschlossen ergeben mag. Andererseits ist gerade damit eine möglichst sparsame Materialverwendung erzielt worden. Der Hauptträger ist in 18 Felder getheilt. Aus Rücksicht auf seine bessere äussere Erscheinung sind die Gurtstäbe der Hauptträger zwischen den einzelnen Knotenpunkten in stetiger Linie gekrümmt angenom¬ men. Die Querträger sind als vollwandige Blechträger von 1,30 m Stehblechhöhe unter Fahrbahnmitte an den Hängestangen der Trägerwände befestigt, zwischen welchen eine nutzbare Breite von 9,5 m zwischen den Schrammkanten der Fahrbahn und zu beiden Seiten derselben je ein 0,54™ breiter Schutzstreifen zwischen der Bordkante und den Eisenbögen verbleibt. Die Gehwege sind ausserhalb der hiernach nm von Mitte zu Mitte von einander entfernten Haupttragwände ausgekragt und weisen ausserhalb der Gurtungs-Eisen noch eine wirklich nutzbare Breite von je 3,20“ auf. (Vergl. hierzu die Abbildungen in No. 45). Die Ge¬ samtbreite der Brückenbahn auf dem Eisenüberbau erreicht damit das stattliche Maass von 18 m, zwischen den Aussenkanten der Geländer gemessen, das um so mehr zum vollen Eindruck gelangt, als die Verti¬ kalen nur in 7,5 m Abstand die Brückenbahn durch¬ setzen, sonst also überall Bewegungsfreiheit gestattet wird. Zwei Strassenbahngleise von Vollspur liegen inmitten der Fahrbahn, wobei neben dem hierfür be- nöthigten 5 m breiten Lichtraum noch Streifen von je 2,25“ Breite für beiderseitigen Wagenverkehr ver¬ bleiben. Man hat es also mit Verhältnissen zu thun, die für den grosstädtischen Strassenverkehr in voll¬ kommenem Maasse ausreichen. Die Fahrbahn-Oberkante in der Mitte der Strom¬ öffnung liegt auf + 52,20 N. N., die Unterkante der Eisenkonstruktion auf + 50,68, also 4,28 m über höch¬ stem Hochwasser von + 46,40. Nach der Annahme des Bebauungsplanes war es nur möglich, ein starkes Gefälle zur Verbindung der Höhenlagen der Strassen des linken und rechten Elbufers anzunehmen. Haupt¬ sächlich waren dafür die Höhenverhältnisse der Ufer¬ gleise des linken Ufers entscheidend, und so musste denn das bemerkenswert!! kräftige Längsgefälle von 1 : 70 für die ganze Brücke in Kauf genommen wer¬ den, was zunächst ästhetische Bedenken erregen mochte! Glücklicherweise haben sich diese in Wirk¬ lichkeit als grundlos erwiesen, indem in der äusseren Erscheinung das Bild des gewaltigen Brückenbaues in seiner imponierenden Schönheit dadurch nicht im geringsten Beeinträchtigung erfahren hat. Es liegt das hauptsächlich darin begründet, dass man bei so be¬ deutenden Abmessungen im Freien doch kaum den No. 43. 274 zur Feststellung erforderlichen Standpunkt, abgesehen etwa von einem Blick aus der Mitte des Stromes heraus, einzunehmen in der Lage ist. Uebrigens hat dieses Ge¬ fälle für die Durchbildung der Eisenkonstruktion im Einzelnen der Dortmunder Union insofern ganz erheb¬ liche Schwierigkeiten bereitet, als natürlich sämtliche Anschlüsse zwischen Vertikalen und oberen wie unteren Gurtungen durchweg verschieden zu gestalten waren, wie auch bei den Bogenkurven von einer symmetrischen Anordnung an keiner Stelle die Rede sein konnte. — _ (Schluss folgt). Architektur und Landschaft in ihren gegenseitigen Beziehungen. Von Hans Grassel in München. lenn wir, durch unsere Vorstädte in die nähere oder weitere Umgebung der Stadt wandernd, die Leistun¬ gen der bürgerlichen Baukunst der Gegenwart be¬ trachten, so fallen uns gar manche dieser Bauten auf durch ihre unruhige, gesuchte Umrisslinie, durch ihre unharmo¬ nische Farbengebung, durch überladene Einzelheiten. Hier ist es eine neue, grell roth oder gelb, oder in beiden und noch mehr Farben schablonenmässig erbaute Kirche mit leblosem, blaurothem Schieferdach, dort eine sogenannte „ Villa“ mit unzähligen Giebelspitzen, Thürmen, Baikonen und Erkern und kistenförmig abgehackter Mansarddachform, oder ein Miethhaus mit gestelzt hohen Fenstern und voll¬ gepflastert mit dem gesamten Vorrath architektonischer Formen in unschöner nachlässiger Ausführung. Die grossen schlichten und wahren Formen der umgebenden Natur betrachtend dringt es uns in die Seele wie ein plötzlicher falscher Akkord in einem erhabenen Tonwerk und seufzend entringt sich zum begleitenden Freunde wohl der Ausruf: „Wie kann man nur Derartiges hier an diesen Ort, in diese Landschaft, in dieses behäbige Städtchen stellen?!“ Als Michael Wening, der kurfürstlich bayerische Hof¬ kupferstecher und „Portier“ im Jahre 1701 seine historisch geographische Beschreibung über die bayerischen Rent¬ ämter herausgab, da waren diese trotz des vorausgegan¬ genen grossen Religionskrieges mit all seinen Verwüstungen voll der prächtigsten Städte, Märkte, Dörfer, Schlösser und Hofmarken. Es ist für jedes empfängliche Gemüth herz¬ erquickend, in diesen Bänden zu blättern und dabei in den vielen Abbildungen die Einfachheit und Natürlichkeit des damaligen Geschmackes, die Harmonie zwischen Ar¬ chitektur und Landschaft zu bewundern. Die Zeit des 18. Jahrhunderts brachte für Bayern bis gegen Ende des¬ selben verhältnissmässig wenig störende Ereignisse und so war es möglich, dass auch die Barock- und Rokoko- Periode hindurch so manche prächtige, wie einfach-schlichte Bauten neu hinzukommen konnten. Insbesondere entstanden da¬ mals neben den Schlössern und Klöstern mit ihren prun¬ kenden Innenräumen auch zahlreiche liebenswürdig er¬ dachte Bürger- und Bauernhäuser und Landsitze, bei denen die Verbindung zwischen Architektur und Landschaft eine besonders innige, gelungene war. An diese Beispiele an¬ zuknüpfen und sie weiter auszubilden, wäre ein grosser Gewinn für unsere heimathliche Bauweise gewesen ! — Da kamen die von Frankreich ausgehenden revolu¬ tionären Bewegungen und die napoleonischen Kriege, in welche fast alle Staaten Europas, insbesondere auch die bayerischen Lande verwickelt wurden. Das Nationalver¬ mögen derStaaten ging zurück und der Bürger- und Bauern¬ stand verarmte unter den drückenden Kriegslasten. Dazu kam die Auflösung der zahlreichen bayerischen Klöster, die so manchen Gewerbezweig auf dem Lande brach legte, die Umwälzungen im Gewerbestande seit den 1848 er Jahren, die Einführung der Gewerbefreiheit. Zugleich wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem Vorgänge Winckel- manns, eines deutschen, allerdings zum grössten Theil in Italien in päpstlicher Anstellung lebenden Gelehrten, eine neue Wissenschaft, die „Kunstwissenschaft“, begründet, deren Folge die zahlreichen Ausgrabungen in Griechen¬ land und die Bereicherung sämtlicher grossen Museen des Kontinentes mit Abgüssen der griechischen Ornamente und Architekturstücke war. Neben dem vielen Guten und Schönen, das uns diese Ausgrabungen brachten, richteten sie zusammen mit der Kunstwissenschaft doch auch eine ziemliche Verwirrung an, insofern, als man die Symmetrie und die Formen des griechischen und römischen Tempelbaues und später des italienischen Palastes auch auf das schlichte Bürgerhaus und rein formal anwendete. Wie der Deutsche heute noch die Ausgrabungen in Baalbek oder Babylon mit dem gröss¬ ten Interesse verfolgt, während daheim die Zeugen einer schönen volksthümlichen Kultur beachtungslos verschwin¬ den, so war auch die Begeisterung für die antike Zeit da¬ mals so gross, dass man im Gefolge der Kunstgelehrten eifrig anfing, alles in griechischer Art zu bauen. Es kam der damaligen Generation nicht zum Bewusstsein, dass diese griechischen Bauten für eine ganz andere Landschaft, ein anderes Klima und von einem ganz anders gearteten Volke errichtet worden waren, dass z. B. die „Attika“ oder 30. Mai 1903. die Dachbalustrade, welche in südlichen Ländern die Brüstung des zum Aufenthalt von Menschen und zum Auf¬ fangen des Regenwassers dienenden völlig flachen Daches bilden, bei uns vor den steileren Dächern gar keine Be¬ rechtigung habe u. dgl. ; so rein formal war die Anschauungs¬ weise geworden, so ausgestorben das natürliche künstle¬ rische Empfinden, der Gedanke an die Heimath, an das heimathliche Klima und dessen Erfordernisse. Endlich begann nach dem Kriege 1870—71 das nationale Wiedererwachen! Wie ist es aber zu verwundern, dass bei einem Volke, das fast ein volles Jahrhundert jedes selbstständige künstlerische Denken und Empfinden ent¬ behrte, das in seiner ohnmächtigen Zerrissenheit immer nur das Ausländische als das Erstrebenswerthe erachtete, dass bei diesem Volke mit dem nationalen Wiedererwachen im künstlerischen Erwachen noch nicht sogleich das Richtige gefunden wurde, dass ein Durchsuchen aller deutschen Lande nach den Zeugen der früheren deutschen Baukunst stattfand, und damit Gothik und Renaissance, Barock und Rokoko, Zopf und Empire im raschesten Wechsel sich folgten, dass die einfachsten Wohnhäuser und Schulen in ihrem Äeusseren als Rathhäuser, die gewöhnlichen Mieth- wohnhäuser als Paläste, einfache Landhäuser als Schlösser und Burgen aufgeputzt wurden, dass selbst exotische, in¬ dische und japanische Formen in der bunten Reihe sich einstellten und dass man schliesslich in das Spiel der wellenförmigen Linien die Bedeutung und den tiefen Sinn legen wollte, den vordem das poetische Empfinden der Bevölkerung, seine Geschichte, Sagen und Gebräuche in Jedem verständlicher, sympathisch berührender Weise ge¬ liefert hatten. Doch endlich können wir ausrufen, dass wir zur Besinnung gekommen sind, zum Denken an die Heimath und an das Volk, an das Erforderniss von Klima und Landschaft! Freilich, die Engländer und Amerikaner sind uns in diesem natürlichen architektonischen Empfin¬ den, in diesem Anschmiegen der Bauten an die umgebende Landschaft in der Zeit zuvorgekommen, und rascher em¬ pfindende Geister haben sich daher im ländlichen Wohn¬ hausbau theilweise dem englischen und amerikanischen Vorbilde zugewendet. Nicht mit so grossem Unrecht. „Der Engländer ist nicht so weit in der Theorie und lässt sich vom Glanze fremder Ideen nicht so blenden, wie durch¬ schnittlich der Deutsche. Dem englischen Architekten ge¬ nügt es vollkommen, das ländliche Wohnhaus unter Be¬ rücksichtigung der vollen Bequemlichkeit und Behaglich¬ keit sinngemäss, schlicht und gediegen zu bauen. Er wählt den örtlichen Baustein, studiert die örtlichen alten Vor¬ bilder und passt das Haus mit aller Sorgfalt dem gegebe¬ nen Gelände an, sodass es wie in die Natur hinein ge¬ wachsen erscheint. Dabei ergibt sich der Vorthei], dass die Plananlage das Wichtigste vom Hause bleibt und nicht eine stilistische Form! Schlinggewächse überziehen die äusseren breiten Wandflächen; Terrassen und Ruheplätze, grüne Rasenflächen und Blumenbeete leiten von dem tek¬ tonischen Werke des Menschen allmählich in die zufällige Gestaltung der Natur über, damit ein stimmungsvolles Land- schaftsbild schaffend, das in dem Beschauer das Gefühl der ungestörten Ruhe hervorbringt. Darin beruht ja die Kunst des menschlichen Bildens überhaupt, dass der Künstler in das zu schaffende Werk ein Stück seiner be¬ geisterten Seele hineinlegt, da ihm die reine Nützlichkeit allein nicht genügt.“ *) Bei diesem modernen englischen ländlichen Wohnhause ist keine Spur von der „modernen Architektur“ im heutigen Sinne der Länder des Kontinentes zu sehen, dessen Bewohner an „Fassaden“-Entfaltung ge¬ wöhnt sind. Darum kann man mit vielem Rechte zu¬ stimmen, wenn das Prinzip dieses Schaffens deutschen Baukünstlern als Vorbild dient, um daraus die Nutzan¬ wendung mit Rücksicht auf unsere klimatischen Verhält¬ nisse, auf unsere Landschaft, unsere Gebräuche und Ge¬ wohnheiten zu ziehen. Mit der Betrachtung dieser schlichten Art des Schaffens der englischen und amerikanischen Architekten hinsichtlich des ländlichen Wohnhauses sind wir auch schon mitten in der Betrachtung der Forderungen, welche das Zu¬ sammenwirken zwischen Architektur und Landschaft nöthig *) H. Muthesius, „Meister der Innenkunst“ I. 275 mm; ■ä '/'"/SM y^/z/M -W7,Z^_ •M),13' scharfe Abblidg. 2. Längen- und Höhenplan. f Für die Längen. -j1 Für die Höhen. Abbildg. i. Stadtplan von Magdeburg. la und b in Erwägung gezogene Lagen für eine spätere Südbrücke, c vorläufig in Holz erbaute Brücke.) Abbildg. 3. Lageplan. Abbildg. 4. Längs¬ schnitt durch die linke Fluthöffnung. Der Bau der Königsbrücke ln Magdeburg. macht. Und Architektur ist nicht nur der griechische Teinpelbau, Kirche und Pa¬ last, sondern ebenso gut das schlichte bürgerliche Wohn¬ haus, ja für uns noch mehr als jene. Ich muss mich bei diesen Ausführungen auf denWohn- hausbau im Zusammenhang mit der Landschaft und auf die engereHeimath beschrän¬ ken. Vieles, was für den Wohnhausbau gilt, gilt auch ohne weiteres für Kirchen, Schlösser usw. Wie bei einem Gemälde es sehr wichtig ist, welchen Rahmen es erhält, so wichtig ist auch die Umgebung jedes architektonischen Gebildes für seine Wirkung. Ein Ge¬ mälde ohne Rahmen, ohne den eigentlichen Zusammen¬ schluss der Darstellung des künstlerischen Gedankens, wirkt wenig zufriedenstell¬ end; sobald es eingerahmt ist, kommt das Kunstwerk erst richtig zur Geltung. Ein fal¬ scher Rahmen und die ganze Wirkung des Gemäldes kann beeinträchtigt, ja aufgehoben werden. Und so erscheint es denn völlig selbstverständ¬ lich, wenn wir sagen: „Die Architektur muss mit der um¬ gebenden Landschaft über¬ einstimmen“. So selbstver¬ ständlich! Und doch: wie wenig ist im allgemeinen noch das Gefühl der Bauen¬ den, wie wenig das Gefühl des Volkes dafür eingenom¬ men und dafür geschult! Der alte Fehler des Deut¬ schen, das Heimische nicht für gut, Fremdes dagegen für das Schönste und Er- strebenswertheste zu halten, spielt auch hier eine grosse Rolle. Die Sucht nach städti¬ scher Art und Sitte, die all¬ enthalben auf dem Lande herrscht, ist mit schuld, dass das Einfache und Natürliche übersehen, das Unnatürliche begehrt wird. Wie aber die meisten modernen Menschen äusserlich mehr scheinen wollen, als ihnen nach ihrem inneren Werthe zukommt, ebenso soll auch das moderne Haus äusserlich zumeist mehr aus sich machen, als es wirk¬ lich ist. Ueberall zu viel äusserlicher Schmuck und Aufdringlichkeit, und jede weitere Zuthat an Gesims und Ornament wird auch für weiteren Schmuck gehalten. Dazu das Darniederliegen des Handwerks auf dem Lande und das mit allem Möglichen, nur nicht dem Naheliegenden, Na¬ türlichen undEinfachen sich beschäftigende We¬ sen der niederen und mittleren Bauschulen! Wie erreichen wir nun die Uebereinstimmung zwi¬ schen Architektur und Land¬ schaft? Verschiedene Fälle kommen inbetracht. Bauten in der freien Landschaft, in der Nähe der Stadt und in der Stadt. Am meisten in Beziehung zur Landschaft No. 43. 276 IE NEUE FESTHALLE IN MANNHEIM * ARCHITEKT: PROF. BRUNO SCHMITZ IN CHARLOTTENBURG * * ANSICHT DER SÜDSEITE UND INNENANSICHT DES VERSAMMLUNGS-SAALES PHOTOGR. AUFNAHMEN VON ERNST WASMUTH IN BERLIN * 30. Mai 1903. 277 treten die Bauten auf dem Lande, sowohl die, welche nur zum vorübergehenden Aufenthalte der Stadtbewohner die¬ nen, als auch diejenigen, welche für das Bedürfniss der Ortseingesessenen selbst errichtet werden. Betrachten wir zunächst die Anforderungen für die Bauten auf dem Lande, so wird besonders hier unsere erste Sorge die Befriedigung des vom Bauherrn aufge- stellten Raumbedürfnisses in ungekünstelter, sinngemässer und gediegener Weise unter unnachsichtlicher Festhaltung aller Forderungen für die Bequemlichkeit des Wohnens und Anpassung an die vorhandene Umgebung sein müssen. Das Verfahren von Bauherren, sichvon derStadt einfach Pläne zu verschreiben, oder das Verfah¬ ren von Baumeistern, lediglich aufgrund von zur Verfügung gestellten Lageplänen solche Bau¬ pläne zu liefern, ohne die Oertlichkeit gesehen, die örtlich gegebenen älteren Vorbilder stu¬ diert und die zur Verfügung stehenden Baustoff e kennen gelernt zu haben, ist in hohem Grade ver¬ werflich. Was einer Gegend fremd ist, sei es an Material o der Konstruktion, kann in und mit die¬ ser Gegend nicht harmonisch wirken. Hinsichtlich des Aeusseren sehe man auf möglichst einfache und klare Umrisse und eine deutlich erkennbare Firstlinie. Das Dach breite sich über das Ganze wie ein schützender Schirm, weshalb auch die städtischen über die Dachfläche hinausragenden Giebel meist zu vermeiden sind. Gewöhnt man sich daran, statt der immer etwas trügerischen perspektivischen Zeichnungen von allen Bau¬ ten Modelle aus Pappe oder Brettchen, etwa ini Maass¬ stab i : ioo, zu fertigen, so hat man gleichzeitig ein Hilfs¬ mittel, sich vor Unnatur und allem kleinlichen Beiwerk zu bewahren. Man erkennt das Gesuchte und Gespreizte schon an der grösseren Umständlichkeit des Modellierens. Das Papiermodell gewährt aber weiter den Vortheil, den Bau injedem Augenblick vonallenSeiten besehen zu können, also jederzeit die Summe aller Perspektiven zu bieten. Jedes Bauwerk soll ferner mit der umgeben¬ den Natur förmlich zusammengewachsen erschei¬ nen. Man führe daher die Formen der Natur, Bäume, Sträucher usw. möglichst an das Gebäude heran, verwebe die Naturformen mit dem Gebäude und lasse umgekehrt die Architektur in die freie Landschaft allmählich über¬ gehen. Auch trete das Bauwerk nicht zu grob und un¬ geschlacht hervor, sondern man lasse den Zauber des Verschwiegenen und Heimlichen hinter Zäunen, Busch¬ werk oder Bäumen walten. Die meisten vorbildlichen älteren ländlichen Bauten lagern sieh in behaglicher Breite in der Landschaft dahin; dadurch gewinnen wir den Eindruck, als seien die Bauten Ueber Architektur-Photographie. n den nachfolgenden Zeilen soll der Versuch gemacht werden, unseren Lesern in Kürze eine Reihe von praktischen Winken zu geben, welche bei der photo¬ graphischen Aufnahme von Architekturen Beachtung fin¬ den mögen. Von der Voraussetzung ausgehend, dass ein grösserer Theil unserer heutigen Architekten durch den Beruf dazu gedrängt wird, sich mit dem photographischen Apparat vertraut zu machen, wollen wir uns darauf be¬ schränken, nur einige, erfahrungsgemäss sogar öfter vom Fachphotographen nicht beachtete Punkte unter gleich¬ zeitiger Begründung des „Warum“ hervorzuheben. in erster Linie ist der Standpunkt der Camera von grösster Wichtigkeit, da hiervon die ganze Bildwirkung abhängt. Der Architekt, an eine günstige Beurtheilung von Perspektiven gewöhnt, wird hier ganz besonders leichtes Spiel haben. Selbstverständlich wird er die Auf¬ nahme nicht bei voller Vorderbeleuchtung machen, da die Profilierung der Architekturtheile hierbei nicht gut zur Geltung kommt. Mitunter tritt der Fall ein, dass man vor¬ läufig, ohne einen Apparat mitzuführen, ein Gebäude be¬ sichtigt, um die günstigste Aufstellung für den Apparat zu ermitteln. Angenehm ist hierbei die Benutzung eines klei¬ nen Kompasses. Hat man einen solchen nicht zur Hand, so kann man sich, sofern die Sonne scheint, schon leicht vermittels einer Taschenuhr in folgender Weise orientieren. Man hält die Uhr flach wagrecht vor sich und dreht das Zifferblatt so, dass der kleine Zeiger gerade nach der Richtung zeigt, aus welcher die Sonne kommt. Bei dieser Stellung wird also dieser Zeiger keinen Schatten werfen. Halbiert man nun das Stück der Zifferblatt- Peri¬ pherie, welches zwischen der Spitze des kleinen Zeigers und der Zahl XII liegt, so liegt der Halbierungspunkt genau nach Süden. Natürlich wird man den Südpunkt Vormittags vor der Zahl XII, Nachmittags jedoch nach dieser Zahl liegend ermitteln. Man kann nun leicht die übrigen Himmelsrichtungen feststellen. — 278 förmlich mit der Landschaft verwachsen. Man baue also auf dem Lande nicht zu hoch, am besten nur erdgeschossig. Sind Räume im Obergeschosse nothwendig, so überlege man, ob nicht Dachräume genügen. Solche Dachräume lassen sich ungemein wohnlich und anheimelnd einrichten. Je niedriger ein Bau, um so leichter wird er sich dem sanft geschwungenen Hügel anschmiegen und um so leich¬ ter in den dahinter aufstrebenden Baumkronen einen an¬ genehmen und kontrastreichen Hintergrund finden, ebenso wie der Bau eines Schlosses auf hochstrebender Berg¬ kuppe die senkrechte Richtung dieser Naturform am besten in hochstrebenden Thürmen und Dächern gegen den Himmel ausklingen lässt. Hierher gehört auch die Forderung, dass für die Stock¬ werke und die Fenster von Landhäusern hochgestelzte städtische Maassverhältnisse vermieden werden sollten. Derartige grosse Stockwerkshöhen und hohe Fenster sind auch völlig unnöthig; denn Luft und Licht strömen in der freien Landschaft viel ungehinderter zu, als in der Stadt, und nichts ist unwohnlicher, als ein zu grell beleuchteter und ein zu hoher Raum. Aus dem gleichen Grunde sei man sparsam mit der Verwendung der Zahl der Fenster. Ist schon beim städtischenWohn- und Miethhause die grosse Zahl von Fenstern ein grosser Nachtheil für die Behag¬ lichkeit und Benützbarkeit der Wohnungen, um so mehr auf dem Lande, wo Sturm und Regen weit besser an¬ greifen können. Man sei also beim Landhaus mit emsiger Sorgfalt auf liegende, breite, behäbige Verhältnisse des ganzen Baues und auf grosse Wandflächen bedacht, man bestimme die Zahl und die Grösse der Fenster von innen nach aussen, nicht umgekehrt von der „Fassade“ nach innen, und gebe insbesondere auch den Fenstern nicht den braunen schweren Maserierton, sondern helle und leuchtende Farben, weiss, hellgrau, blau und roth. End¬ lich vermeide man möglichst den Pseudo-Schweizerstil, dieses „Mädchen für alles“, bei ländlichen Bauten m t den bekannten abscheulichen, halbkreisförmig sich öffnen¬ den Giebelgespärren, ebenso wie auch die städtischen Architekturformen und die vom Palastbau abgeleiteten herkömmlichen architektonischen Gliederungen. Wieviel könnte in dieser Hinsicht oft gespart werden! Anstelle vieler Gesimse, Ornamente usw. verwende man einfache heimische Formen, sowie die Farbe und besonders die von der Natur gebotenen Formen und Farben der Bäume, Sträucher und Blumen, sei es zur Vervollständigung und Ueberleitung der Umrisslinien oder zur Belebung der ent¬ sprechend bemessenen Wandflächen. Wie freundlich wir¬ ken die weissen Wandflächen mit dem dunklen Holz werk und dem grauen oder rothen Bach auf dem grünen Hmter- grund der Wiesen und Wälder! Wie vorzüglich eine an Eine hauptsächliche Quelle vieler Mühseligkeiten ist bei Architekturaufnahmen die zu kurze Distanz. Namentlich in engen Strassen hat man mit diesem Hinderniss zu kämpfen. Hier kann man sich oft nur durch die Benutzung eines soge¬ nannten „Weitwinkel-Objektivs“ retten; man versteht hier¬ unter eine Objektivkonstruktion, welche bei verhältniss- mässig kurzer Brennweite eine grosse Platte zeichnet. Die bis vor etwa einem Jahrzehnt gebräuchlichen Weitwinkel- systeme hatten den Nachtheil, sehr lichtschwach zu sein, was namentlich bei dunklen Innenräumen sehr störend war. Wenn man auch durch eine genügend lange Expo¬ sition ein in den Einzelheiten gutes Bild zu erzielen ver¬ mochte, so war doch die Einstellung oft mit grosser Schwie¬ rigkeit verbunden. Zudem litten diese Instrumente vielfach an dem Fehler, Bilder zu ergeben, welche sog. „Distanz- Üebertreibung“ zeigten, d. h. der Vordergrund und seine Einzelheiten wurden zu gross, wogegen die in der Ferne liegenden Gegenstände zu winzig erschienen. Hier haben nun die modernen sogen, anastigmatischen Konstruktionen Wandel zu schaffen, und so finden wir beispielsweise im Goerz’schen „Doppelanastigmat“ die Eigenschaft der Licht¬ stärke mit derjenigen der „ Weitwinkligkeit“ verbunden. Man kann mit diesem Instrument also auch ein dunkles Innere bei „voller Oeffnung“, d. h. ohne Abblendung des Objektivs einstellen, worauf man bis zur erforderlichen Schärfe abblendet. (Vergl. hierzu auch S. 205). Zudem ist ein solches Instrument ein Universal-Ob¬ jektiv, da es mit voller Oeffnung Momentaufnahmen er¬ gibt, deren Plattenlänge gleich der Brennweite des Ob¬ jektivs ist, nebenbei bemerkt eine beachtenswerthe Leistung, die jeder Fachmann bewundert. Ausserdem hat derDoppei- anastigmat noch die gute Eigenschaft, bei abgeschraubter Vorderlinse ein Bild von der doppelten Grösse des mit dem vollen Instrument erhaltenen zu geben. Hierdurch ist man in der Lage, entfernt liegende Einzelheiten oft in genügender Grösse wiedergeben zu können. Es sei jedoch bemerkt, dass die Aufnahmen mit der Hinterlinse viermal so lang exponiert werden müssen, als No. 43. passender Stelle erscheinende runde Baumkrone oder die majestätische Form der hochstrebenden Pappeln, das feine Relief zierlicher Gesträucher! Und wie belebt die Wand¬ fläche das durch die festen Rahmen der Spalierlatten in seiner Wirkung zusammengehaltene Ornament der Schling¬ gewächse, das farbige Friesband der blumengeschmückten Fensterbänke! Niemals vergesse man beim bürgerlichen Landhause diese Mitwirkung der Naturformen! Insbesondere bei den Vorkehrungen für den Blumen¬ schmuck vor den Fenstern möchte ich mit einigen Wor¬ ten verweilen. Wer kennt nicht das freundliche Aussehen, das dem einfachsten Bauernhäuschen verliehen wird durch den Schmuck der langen Reihe von Geranien, Nelken und Fuchsien, die sich über die Brüstungen der Altane und Fenster neigen? Wie herrlich stehen die rothen Farben in ihren zahlreichen Abarten zur weissen Fläche der Wände, zum naturfarbenen Braun des Holzwerkes! Wie harmo¬ nieren sie mit den buntbemalten Fensterläden! Und wie selten wird gleichwohl auf diese billige Architektur beim Bauen wirklich Bedacht genommen! Man sorge zum min¬ desten auf der Sonnenseite des Hauses für bequeme Blumengitter, aber nicht hergestellt aus dünnen Eisen¬ drähten, sondern aus kleinen Holzlättchen, und steigere die Wirkung der Blumen durch den farbigen Anstrich dieser Gitter, sei es z. B. in Grün mit weissen Spitzen oder in Weiss mit grünen oder gelben Spitzen. Kommt hierzu noch die Wirkung von in Naturfarbe belassenen, einfach gestrichenen, oder bemalten Fensterläden, so ist der Architektur meist schon genug! Bedauerlich ist es, dass die Fensterläden in neuerer Zeit den städtischen Roll¬ läden weichen müssen. Bei sehr freier Lage muss man vielleicht auf die Fensterläden deswegen verzichten, weil im Falle plötzlicher Stürme man immerhin eine gewisse Zeit braucht, bis die Fensterläden sämtlich geschlossen sind, und man hierbei stets alle Fenster öffnen und wie¬ der schliessen muss. Aber an windgeschützten Plätzen sollte man stets die hergebrachten äusseren Fensterläden verwenden, durch die zugleich eine so einfache und cha¬ rakteristische Verzierung des ganzen Baues gewonnen wird. Zudem haben ja die Rolläden auch ihre Nachtheile: durch die Schlitze im Fensterstock zieht es bekanntlich beständig, und durch die Lichtschlitze der Rolläden kann man in beleuchtete Räume hineinsehen, während die Ja¬ lousiebrettchen der gewöhnlichen Fensterläden geschlossen werden können. Möchten auch die vielverwendeten Dekorationsmale¬ reien mit ihren verzeichneten allegorischen Figuren und Engeln, mit ihren zerrissenen, aus Kartouchenwerk oder schlechten Blumenranken hergestellten Fensterumrahmun¬ gen ein baldiges Ende nehmen! Das bekannte Werk „Allegorien und Embleme" muss überall dienen, aber ge¬ wiss war mit dessen Herausgabe nicht beabsichtigt, Um¬ rahmungen von Speisekarten auch als passend für ge¬ malte Fenstereinfassungen zu erklären. Schöne, schlichte alte Vorbilder von Hausbemalungen gibt es ja doch noch, und an diesen studiere man, worauf es ankommt. Indem ich nun mit der Betrachtung dessen schliesse, womit das ländliche Wohnhaus an sich, durch seine Lage, seine Umrisslinie und seinen Schmuck mit der umgeben¬ den Landschaft in Einklang gebracht werden kann, komme ich zum umschliessenden Baumschmuck und zum Hausgarten. — (Schluss folgt.) Vermischtes. Einen Aufruf zur Bildung von Vereinigungen deutscher Architekten lässt uns die „Vereinigung Kölner Architekten“ mit der Bitte um Veröffentlichung zugehen. Der Aufruf ist von 123 Unterschriften deutscher Architekten begleitet, unter welchen sich die ersten Namen des Faches befinden. In demselben wird angeführt, es sei in den Kreisen deut¬ scher Architekten seit einiger Zeit die Frage lebhaft be¬ sprochen worden, ob es zweckmässig sei, in denjenigen Städten Deutschlands, in welchen unser Stand durch eine grössere oder kleinere Zahl namhafter Persönlichkeiten vertreten ist, die Bildung von Architekten-Vereinigungen anzuregen und er fährt dann fort: „Obwohl die Kunst der deutschen Architekten von Jahr zu Jahr sich vervollkommnet und so an Ansehen im deutschen Lande wie auch im Auslande zunimmt, kann mit dem vollen Objektiv, was ja aber bei toten Gegenstän¬ den nichts schadet. Auch für Geländehindernisse bietet die Benutzung des halben Objektivs oft einen guten Ausweg, so z. B. wenn man über eine sumpfige Wiese, einen Fluss, eine Mauer usw. hinweg zu arbeiten gezwungen ist. Diese gerade bei Architekturen öfter vorkommenden Hindernisse haben hauptsächlich die Veranlassung zur Konstruktion sogenannter „Objektivsätze“ gegeben. Diese bestehen aus einem Rohr („Körper“) mit verschiedenen einschraubbaren Linsen zum Auswechseln. So bietet z. B. der kleine Satz von Zeiss-Jena 6 ver¬ schiedene Brennweiten von 143 — 350 mm, wodurch man Aufnahmen in der Grösse von 12 x 15 cm bis zum Formate von 29 x 34 cm erzielen kann. Dieses niedliche Präzisions¬ instrument ist in einem Lederkoffer en miniature (Dimen¬ sion 6 x 6 x 8 cm) untergebracht. Preis 295 M. Man kann oft auf Architekturbildern eine auffällige Verzeichnung wahrnehmen, und zwar besteht dieselbe in den meisten Fällen in einer starken Konvergenz der in Wirklichkeit parallel senkrechten Linien nach oben zu. Diese Erscheinung hat ihren Grund darin, dass der Photo¬ graphierende den Apparat in die Höhe richtete, um den Gegenstand, etwa einen Thurm, Fabrikschornstein usw. in seiner ganzen Höhe zu fassen. Ein solches Hochrichten der Camera hat aber unbedingt die erwähnte Verzeichnung im Gefolge und es wäre ein schweres Unrecht, dieselbe etwa dem Objektiv zur Last legen zu wollen. Im Gegentheil, das Instrument würde in sich verzeichnen, wenn jener Fehler nicht aufträte, sobald man den Apparat hochrichtet. Was hat man nun in solchem Falle zu thun? Die Sache ist einfach genug: man benutzt die sog. Verstellung der Visierscheibe, welche gestattet, den hinteren Theil der Camera völlig senkrecht zu stellen. Es gelte also als feste Regel : man hat für Parallelstellung von Visierscheibe (bezw. Kassette) und Original zu sorgen, gleichgiltig, wie das Objektiv steht. i Etwaige Unschärfe kann man durch 30. Mai 1903. doch nicht verkannt werden, dass jeder einzelne unseres Standes, besonders in jüngeren Jahren, schwer unter dem Uebelstande leidet, dass nicht überall zwischen dem, seinen Beruf als Künstler ausübenden Architekten und dem Unter¬ nehmer, der lediglich Geschäftsmann ist, streng unterschieden wird, da letzterer sich in der Regel denselben Titel beilegt. Als Schutz gegen diesen Missbrauch des Namens „Architekt“ den Staat anzurufen, erscheint vorläufig völlig zwecklos, da diesem auch nur das einzige Mittel zu Gebote stände, den Titel „Architekt“ aufgrund eines Examens zu verleihen. Es würde das aber nur die Folge haben, dass die Erlangung dieses nunmehr offiziellen Titels auch von denjenigen erstrebt würde, welche denselben nur als Aus¬ hängeschild für ihr Unternehmergeschäft benutzen wollen, und die Verwirrung würde grösser sein wie bisher. Unser Streben kann nicht dahin gehen, einen beson¬ deren Titel, sondern das ihnen gebührende Ansehen den- stärkere Abblendung noch ausgleichen; im übrigen ver¬ schwindet die Konvergenz von in Wirklichkeit parallelen Linien durch die angegebene Anordnung vollständig. Inbezug auf die zu benutzenden Plattensorten sei im allgemeinen bemerkt, dass man gut daran thut, für Archi¬ tektur-Aufnahmen sich der sog. Isolar- Platten zu bedienen. Diese geben nicht die „Lichthöfe“, welche bei gewöhn¬ lichen Platten sehr leicht dort auftreten, wo starke Gegen¬ sätze Vorkommen. Wenn man z. B. ein Wald-Inneres aufnimmt, so erhält man fast immer um die Baumspitzen herum, welche gegen den hellen Himmel in der Licht¬ wirkung sehr kontrastieren, einen schleierartigen Lichthof, von Laien meist fälschlicherweise mit „Solarisation“ be¬ zeichnet. Der richtige Name für diese Erscheinung ist „Ueberstrahlung“ oder Lichthof. Sehr stark ausgeprägt findet man den letzteren auch bei Innenräumen, wenn der Apparat gegen die Fenster gerichtet wurde. Die Isolar-Platte schafft hier eine vollkommene Abhilfe. Eine sehr gute Art der Aufnahme bei Innenräumen wird man auch darin finden, dass man erst eine kurze Zeit bei Tageslicht exponiert und dann im Innenraum einen kräftigen Magnesiumblitz abbrennt; man erhält hier durch die Möglichkeit, verhältnissmässig kurze Expositionen anwenden zu können. Wer sich auf solche Arbeiten gut einrichten will, wird mit Vortheil die Voltz-Weiss’sche Magnesiumlampe, die jeder Händler liefert, in Anwendung bringen, welche auf dem Prinzip eines im gegebenen Moment sich an einer Reibfläche entzündenden Streichhölzchens beruht, das durch Ziehen an einer Schnur in Bewegung gebracht wird. Es gibt diese Lampe auch noch in einer kleinen Taschen- Ausgabe von der Form eines Zigarren -Etuis. Zum Ge¬ brauche wird dasselbe auf einen Spazierstock gesteckt, welcher mit einer Hand hochgehalten wird, deren Zeige¬ finger zugleich die Schlinge der Zugschnur erfasst. Die ganze Handhabung der Lampe ist somit durch eine Hand bewirkt. — v 279 jenigen Architekten zu verleihen, welche nach dem Urtheile ihrer eigenen Fachgenossen einen Anspruch darauf haben, als Künstler in ihrem Berufe angesehen zu werden, und das können wir unseres Erachtens nur erreichen, indem wir „Vereinigungen von Architekten“ nach dem Muster derjenigen von Berlin, Köln und Hannover gründen. Die zunächst so in einzelnen Orten gebildeten Vereinigungen würden sich dann später zu einem Verbände zusammen- schliessen. Als Grundsatz müssten die Vereinigungen es aner¬ kennen, dass nur solche Architekten zur Aufnahme be¬ rechtigt wären, welche bereits nennenswerthe Erfolge auf¬ zuweisen haben, sich in selbständiger Stellung befinden und mit Verzicht auf jede Unternehmerthätigkeit ihren Beruf in künstlerischer Weise ausüben. Andere Länder mit hochentwickeltem Architekten¬ stande haben längst ähnliche Einrichtungen, und es ist keine Frage, dass bei uns ein gleiches geschlossenes Vor¬ gehen das Ansehen des Standes wesentlich heben würde. Die in Deutschland und besonders in Preussen eigenartige grosse Ausbreitung des Beamtenstandes in der Architek¬ tenschaft ist durch die hiermit herbeigeführte Zersplitte¬ rung der Kräfte fraglos mitschuld an der ungünstigen Ent¬ wicklung unseres Standes gegenüber dem Auslande, und es erscheint schon aus diesem Grunde unerlässlich, ener- gischeSchrittezuthun, um die künstlerischen Elemente unter den deutschen Architekten vor zu geringer Bewerthung zu schützen. Die durch diesen Schutz zu erwartende Er¬ starkung schafft dann später vielleicht die Mittel, um gegen einige weitere schwere Schäden, an denen unsere Ent¬ wicklung krankt, mit Erfolg anzugehen. „Es scheint uns aber ganz ausgeschlossen“, führt der Aufruf aus, „für unsere Bestrebungen die bestehenden Architekten- und Ingenieur-Vereine und deren Verband benutzen zu können. Die Gründe dafür hier zu entwickeln, würde zu weit führen; um aber jedem Missverständniss vorzubeugen, möchten wir hervorheben, dass es uns ganz fern liegt, mit der Neubildung von Architekten- Vereinigungen den sehr verdienstvollen Architekten- und Ingenieur-Ver¬ einen irgendwie Abbruch zu thun. Ein friedliches Zusam¬ menwirken beider Vereine ist nicht nur möglich, sondern auch sicher zu erwarten, wie das die Städte Berlin, Köln und Hannover beweisen, wo es fast Regel ist, dass die Architekten gleichzeitig beiden Vereinen als Mitglieder angehören.“ — Photographische Apparate. Zunehmende Schnelligkeit und erweiterter Umfang der Studienreisen, dazu wesent¬ liche Verbesserungen in der Konstruktion der Camera und in der Entwicklung der Platten haben das Photo¬ graphieren durch Amateure zu einem ungeahnten Umfang und zu früher nicht gekannter Vollendung gebracht. Ver¬ gleicht man die neueren Apparate mit den früheren Kon¬ struktionen, ja vergleicht man nur die Neuerungen eines Jahrganges mit denen des vorhergehenden, so ist ein grosser Unterschied zu erkennen in der grösseren Leich¬ tigkeit und Handlichkeit der Apparate, wie namentlich auch ein bedeutender Fortschritt in der Konstruktion und dem Schliff der Objektive und in der Anordnung der Blenden. Um unter zahlreichen Firmen nur eine herauszugreifen: der „Camera-Grossvertrieb „Union“, Hugo Stockig & Co., Dresden- A. 16“ bietet eine Reihe verlässlicher Apparate mit allen Ausstattungs -Gegenständen, die sich in mittleren Preisen bewegen. Für den Architekten ist nicht immer der billigste Apparat der zweckmässigste; ein billiger Apparat ist meist optisch ungenügend, während Architektur- Aufnahmen verlässliche Apparate brauchen. Als solche gelten die Apparate der genannten Firma. — Preisbewerbungen. Das Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den Bau eines neuen Justizgebäudes mit Provlnzial- Arresthaus in Mainz, welches wir in No. 41 ankündigten, ist vortrefflich vorbereitet und verdient durch die Be¬ stimmung, dass zwar die Bauten durch Beamte der Staats¬ bauverwaltung ausgeführt werden, dass aber dem Verfasser desjenigen Entwurfes, welcher der Ausführung zugrunde gelegt wird, aufgrund besonderer Vereinbarung die künstlerische Mitwirkung bei der äusseren und inne¬ ren Ausbildung des Gebäudes eingeräumt werden kann, die Beachtung in weitesten Kreisen. Die Summe der Preise im Betrage von 14000 M. kann auch in anderer als der bereits mitgetheilten Weise verth eilt werden, falls das Preisgericht dies einstimmig beschliesst. Das hessische Ministerium hat sich das Recht Vorbehalten, auch solche Entwürfe zum Preise von je 1000 M. anzukaufen, welche vom Preisgericht nicht ausdrücklich hierzu empfohlen wurden. Die zeichnerischen Anforderungen sind nicht ganz gering, denn es werden neben den sonst üblichen Zeichnungen die Strassenansichten des Justizgebäudes und des Provinzial-Arresthauses im Maasstabe 1 : 100 und dazu zwei perspektivische Ansichten verlangt. Freilich ist die Arbeit nicht unwesentlich erleichert dadurch, dass den Unterlagen Vorentwürfe sowohl für das Justizgebäude wie für das Provinzial- Arresthaus beigegeben sind, sodass das Mehr dort durch die Erleichterung hier anfgewogen wer¬ den kann. Das Ausschreiben bezweckt die Erlangung sowohl brauchbarer Grundrissanordnungen, wie charakteristischer Lösungen für den Aufbau. Das Justizgebäude soll einen würdigen Bestandtheil in dem von der Stadt Mainz ein¬ geleiteten monumentalen Ausbau des Schlossplatzes bilden und demgemäss einen monumentalen Charakter tragen, welcher der Bauweise der hervorragenderen Profanbauten der Stadt Mainz und im engeren Sinne der Umgebung des Schlossplatzes entspricht. Vornehme Einfachheit wird besonders gewünscht. Das Provinzial-Arresthaus, durch eine Strasse vom Justizgebäude getrennt, aber mit diesem durch Brücken verbunden, darf sich im Aeusseren nicht als Gefängniss zu erkennen geben. Als Material für die Ansichtsflächen der beiden Gebäude ist Haustein, gege¬ benenfalls unter Verwendung von Putzflächen anzunehmen. Im Justizgebäude sind unterzubringen Raumgruppen für das Amtsgericht, für die Amtsanwaltschaft, für das Hypothekenamt, für das Landgericht, für die Rechtsan- anwälte, für die Staatsanwaltschaft, sowie Beamtenwoh¬ nungen und Nebenräume. Das Gefängniss soll enthalten: die Verwaltungs- und Betriebsräume, die Dienstwohnun¬ gen, sowie die Zellen, Schlaf- und Arbeitssäle für 226 männliche und 51 weibliche Gefangene. — Personal-Nachrichten. Preussen. Verliehen sind: dem Eisenb.-Dir. a. D. Fr. In¬ ge n o h 1 in Wiesbaden der Kronen-Orden III. Kl. ; — dem Stadt- Bauinsp. Adenaw in Aachen der Kronen-Orden IV. Kl. Die Erlaubniss zur Anlegung der ihnen verlieh, nichtpreuss. Orden ist ertheilt und zwar: dem Wirkl. Geh. Ob.-Reg.-Rath u. Minist.-Dir. im Min. der öffentl. Arb. Kirchhoff für das Komman¬ deurkreuz I. Kl. des grossh. bad. Ordens vom Zähringer Löwen, dem Geh. Ob.-Reg.-Rath u. vortr. Rath im Minist, d. öffentl. Arb. Hoff das Kommandeurkreuz II. Kl. mit Eichenlaub desselb. Ordens ; — dem Reg.- u. Brth. B a 1 1 z e r , Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. in Stettin, der kais. japanische Orden der aufgehenden Sonne III. Kl.; — dem Reg.-Bmstr. a. D. Kurth in Görlitz das Offizierkreuz des fürstl. bulgar. St. Alexander-Ordens. Ernannt sind: der Ob.-Baudir. v. Dömming ist zum ständ. Stellvertr. des Präs, des kgl. techn. Oberprüfungsamtes in Berlin, der Geh. Ob.-Brth. Dr. med Thür zum Vorsteher der Abth. I (Hochbfch.) und die Geh. Brthe. Kieschke u. Delius zu Mitgl. dies. Behörde; — der Eisenb.-Bauinsp. Kleimenhagen in Kassel zum Vorst, einer Werkst.-Insp. bei der Hauptwerkst, das.; — der Reg.-Bmstr. Strahl in Breslau (Masch.-Bfch.) zum Eisenb.-Bau¬ insp. ; — die Reg.-Bfhr. Wille aus Schleswig, S c h e n c k aus Frankfurt a. M. (Hochbfch.), Uflacker aus Elberfeld, Stellfeld aus Braunschweig , Meckelburg aus Dessau u. Sauer aus Berlin (Masch.-Bfch.) zu Reg -Bmstrn. Die Reg.-Bmstr. Strutz u. Wentrup (Hochbfch.) sind der kgl. Reg. in Frankfurt a. O. bezw. Arnsberg z. Beschäftg. überwiesen. Den Reg.-Bmstrn. Schubert in Wilhelmshaven, Wagner in Charlottenburg (Hochbfch), — W eber in Weissenfels (Wass.- u. Strassenbfch.), — Engelking in Frankfurt a. M. , Braams in Hamburg (Masch.-Bfch.) ist die nachges. Entlass, aus dem Staats¬ dienst ertheilt. - — Brief- und Fragekasten. XX. Ddrf. Sie wollen etwas viel durch den Briefkasten er¬ fahren. Da Ihre Fragen das Spezialgebiet der Kalksandstein-Fa¬ brikation betreffen, so richten Sie dieselben wohl am besten an den Herausgeber der Zeitschrift „Die Kalksandstein-Fabrikation“, Berlin SW., Friedrich-Str. 24. — Hrn. Arch. F. K. in Ch. Es ist wohl kaum nöthig, vor einem Preisausschreiben zu warnen, welches in seiner Vorbereitung auch nicht im geringsten zeigt, dass sich die Vorarbeiten fachmännischer Hilfe zu erfreuen hatten. Namentlich wird Jedem, der sich über¬ haupt die mangelhaften Unterlagen schicken liess, sofort aufgefallen sein, dass sämtliche eingegangenen Entwürfe — nicht etwa nur die durch Preise ausgezeichneten — Eigenthum des Ausschreibers des Wettbewerbes werden sollen. — Anfragen an den Leserkreis. Es wird häufig nothwendig, freiliegende eiserne asphaltirte Klosetrohre mit einem dem Raum entsprechenden Anstrich zu ver¬ sehen. Wir haben solchen Anstrich in der Regel mit Oelfarbe hergestellt, aber stets wahrgenommen, dass der Asphalt nach kurzer Zeit durchschlug. Wie kann diesem Uebelstande begegnet werden ? — Stadtbauamt W. Inhalt: Der Bau der Königsbrücke in Magdeburg. — Architektur und Landschaft in ihren gegenseitigen Beziehungen. — Ueber Architektur- Photographie. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal - Nach¬ richten. — Brief- und Fragekasten. _ Hierzu eine Bildbeilage. Der Bau der Königsbrücke in Magdeburg. _ _ Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 43. 280 1 DEUTSCHE BAUZEITUNG || || XXXVII. JAHRG. NR 44. BERLIN, DEN 4. JUNI 1903 || Blick in die Architektur-Abtheilung. Architekt: Albert Gessner in Berlin. Die Architektur auf der Grossen Berliner Kunstausstellung 1903. (Fortsetzunglaus No. 37.) eben dem Balcke’schen Repräsentationssaal mit seiner römischen Pracht besteht die eigentliche Architektur-Abtheilung derKunst- ausstellung in Moabit in allen Ehren. Ihre Einrichtung war auch dieses Jahr wieder einem aus der „Vereinigung Berliner Architekten“ ge¬ wählten Ausschuss übertragen, und auch dieses Jahr wieder ist es gelungen, ihr die würdige Entfaltung zu geben, welche ihr bei der blühenden Entwicklung der Baukunst unserer Tage zukommt. Im wesentlichen jedoch ist die Ausstellung dieses Jahres das Verdienst der Hrn. Prof. H. Solf und Architekt Albert Gessner, welche, der eine als Organisator, der andere als Ge¬ stalter des schönen Raumes, in unermüdlicher Fürsorge die Ausstellung für Baukunst geschaffen haben, wie sie sich nunmehr vor uns entfaltet. Die Ausstellungsleitung, welche vielleicht dem Ge¬ danken folgt, sich durch die Architekten nach und nach eine Anzahl intimer gestalteter Innenräume schaffen zu lassen, hat die früheren Säle für Architektur für Werke der Malerei bestimmt, der Architekturgruppe die beiden grossen Säle unmittelbar rechts von der Kuppelhalle zugewiesen und so der Baukunst eine willkommene Gelegenheit für Neugestaltungen gegeben. Als Gessner die Raumgestaltung übernahm, da war ihm sofort klar, dass nur durch eine ansprechende Untertheilung, durch Abtheilungen von etwa Zimmergrösse, Räume ge¬ schaffen werden konnten, welche der Wirkung des architektonischen Entwurfes mit seinen feinen Einzel¬ heiten entgegenkommen. So entstand die jetzige An¬ ordnung: der gedämpfte Mittelgang mit den an seinen beiden Seiten gelegenen hell beleuchteten Einzelräumen, eine basilikale Anordnung von unübertroffener Ueber- sichtlichkeit und erfreulicher Anziehungskraft auch auf die Laienbesucher Ausstellung. Der Mittelgang wurde als Wandelhalle das Hauptmotiv und gleichzeitig Ruhe¬ punkt. Hierdurch, sowie aus der Erwägung, dass auf einer Ausstellung der ausgestellte Gegenstand und nicht etwa der Rahmen die Hauptsache ist, ergab sich von selbst die zurückhaltende Dekoration des Raumes, der sich nicht aufdrängen, sondern dem Ausstellungs¬ gute als etwas Selbstverständliches anschliessen sollte, eine Absicht, die durchaus erreicht ist. Der Mittel¬ gang hat hohes Seitenlicht, die Seitenräume haben Oberlicht erhalten. In der Einzelgestaltung war möglichste Material¬ wahrheit der leitende Gedanke; ornamentaler Stuck, Allegorien und Embleme sind vermieden, dafür aber die wenigen schmückenden Theile so bedacht, dass aus ihnen eine tiefere künstlerische Wirkung spricht. Das ist vor allem der Fall bei den schönen Pfeiler¬ reliefs, die von dem Bildhauer Feuerhahn erfunden und modelliert sind und in ihrer ruhigen Linienführung, auf die der Architekt einwirkte, sich glücklich in den Raum einfügen. Die Malerarbeiten des in blaugrauem Ton gehaltenen Saales wurden von L. Sobotta aus- 281 geführt. Das Ornament, meist in Bronzeton aufge¬ tragen, ist sehr zurückhaltend angewendet. Hier, wie in den Glasfenstern, die Gottfried Heinersdorf & Co. ausführten, ging der Architekt bei seinen Entwürfen auf eine gewisse einfache Empfindung in den Motiven und ihrer Zeichnung aus. Rosenfeld & Co. lieferten die irisierenden Fliesen, mit welchen die Gliederungen an einzelnen Stellen ausgelegt sind. Im allgemeinen schwebten dem Architekten bei der Gestaltung seines Raumes weder ein historischer, noch ein ausgesprochen moderner Stilcharakter vor, sondern für die Gestaltun¬ gen waren ihm lediglich die Grundzüge architekto¬ nischen Arbeitens maassgebend. In der Axe des Saales schliesst sich an diesen eine Raumgruppe an, welche, aus feiner moderner Empfindung geboren, die Aufmerksamkeit in beson¬ derer Weise auf sich lenkt. Es ist die Raumgruppe einer von dem Architekten E. Schaudt geführten Künstlervereinigung für Architektur, Malerei und Bild¬ hauerei, die unter demNamen „NeueGruppeBerlin“ eine innige Vereinigung der drei Schwesterkünste an¬ strebt und hier zum ersten Male, wenn wir nicht irren, geschlossen auftritt. Die Raumgruppe besteht aus einem repräsentativen Eingangssaal nach dem Entwurf von E. Schaudt, an dessen übriger künstlerischer Ausstattung die Maler R. Böhland, R. Guhr (für das Brunnenbild) und Bildhauer R. Kohn thätig waren, und, an denselben anschliessend, aus einem Musik¬ zimmer, einem Herrenzimmer, einem Speisezimmer und einer Badestube. Das Musik- und das Speise¬ zimmer sind wiederum von Schaudt entworfen, wel¬ chem Maler R. Guhr und Bildhauer R. Kohn zur Seite standen; das Herrenzimmer ist ein Werk des Architekten Salzmann unter Mitwirkung von Guhr, die Badestube ein solches des Architekten William Müller, unter Mitwirkung des Bildhauers Franz Metzner. Es ist nicht wohl möglich, in Worten auch nur anzudeuten, was diese interessanten Räume an neuen Keimen für die aus einer innigen Zusammen¬ wirkung der drei Schwesterkünste hervorgehenden Ge¬ staltung des künstlerischen Innenraumes darbieten. Farbe und Form, architektonische und bildnerische Gestaltung wirken in gleicher Weise zu einer in maassvollen und würdigen Grenzen sich bewegenden neuen Auffassung des Innenraumes zusammen. - — (Schluss folgt.) Mittheilungen aus Vereinen. Pfalz. Kreisges. des bayer. Arch.- u. Ing.-Verelns. Am 17. Mai d. J. fand in Neustadt a. d. Haardt die Jahres¬ versammlung — die Co. seit Bestehen des Vereins — statt. Nachdem sich aus allen Richtungen der Pfalz die Vereins-Mitglieder in stattlicher Zahl im Saalbau einge¬ funden hatten, wurde die Besichtigung der ausgestellten Pläne vorgenommen. Dieselben toten grosses Interesse, besonders die von Hrn. Ing. Hirschmann-München aus¬ gearbeiteten Pläne zu einer Kanalisierung der Stadt Neu¬ stadt a. d. H., ferner verschiedene Pläne des Hrn. Aich. Hartung-Landau über ausgeführte städtische und länd¬ liche Bauten, dann in jüngster Zeit auseeführte Beton¬ brücken der Firma Wayss & Fr eyt ag- Neustadt , sowie die für Alterthumsfreunde interessanten Darstellungen des Bezirksing. Levy-Landau über ein bei der Bahrhof-Er¬ weiterung Landau aufgedecktes Gräberfeld aus der frän¬ kisch-allemanischen Zeit samt dessen reichem Inhalt an Fundstücken. Demnächst eröffnete der I. Vorsitzende, Hr. Dir.-Rath Müller-Ludwigshafen, die Sitzung, indem er der im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder Fa- bnkdir. Karcher in Frankenthal, Obering. Jolas in Lud- Bürgerliche Baukunst. Eine Selbstanzeige. ein Voilagenwerk*) stellt sich in den Dienst der¬ jenigen modernen Bestrebungen, die die Schönheit der bürgerlichen Baukunst nicht in der Anhäufung prunkvoller Motive und überschwänglicher Ornamentation sehen, sondern in der sin nvol len U ebereins timmun g der Form mit den Konstruktions- und Zweck¬ mässigkeitsbedingungen und in der Betonung des Echten, Gediegenen, gut Bürgerlichen und Volks- t hümlich en. Ein Theil meiner Beispiele ist dem Formen¬ schatz der Vergangenheit unserer deutschen Baukunst ent¬ nommen und zwar jener anspruchslosen Bauweise, deren Reste in den Strassen alter Städte und Dörfer uns noch heute entzücken und die uns vor Augen führen, wie trefflich es die alten Meister verstanden haben, auch bei geringstem Aufwand und in schlichtester Formensprache Wirkungen von hohem künstlerischen Reiz zu erzielen. Ein anderer Theil zeigt andere Auslührungen. Meine Bitte um ge¬ eignete Beiträge fand das bereitwilligste Entgegenkommen gerade von Seiten einiger unserer trefflichsten Meister. So sind in der ersten Lieferung vertreten: Kayser & v. Groszheim, Otto March, Hans Grassel, August Exter, Otto Lasne, Carl Hocheder, Fr. von Thiersch, Paul Kayser, Hugo Hartung, denen sich in den folgenden Lieferungen andere nicht minder bekannte Namen anschliessen werden. Sie alle haben mir nicht nur aus den reichen Schätzen ihrer Baubüreaus geeignete Werkzeichnungen zur Ver¬ fügung gestellt, sondern zum grossenTheil auch in schrift¬ lichem Gedankenaustausch werthvolle Fingerzeige gegeben für die Anlage und Fortführung meines Unternehmens. Neben rein praktischen, die Bedürfnisse des *) Bürgerliche Baukunst. Eine Vorbildersammlung für Schule und Praxis. Mit Beiträgen namhafter Architekten. Von Prof. Biuno Specht in Breslau. Breslau. Trewend & Granier (Alfr. Preussj. Erste LieleruDg. 40 Grossfolio tafeln. Pieis 12 M. wigshafen und Bezirksbmstr. Trapp in Annweiler, ge¬ dachte. Der Verein besitzt z. Zt. 98 Mitglieder. Hr. Bez.- Ing. Seitz-Ludwigshafen berichtete alsdann über die seinerzeit vom Verein her ausgegebenen „Baudenkmale der Pfalz", welche bis auf 8 Lieferungen schon in zweiter Auflage erschienen sind und welche letztere bis Ende 1905 ebenfalls neu gedruckt werden müssen, sodass als¬ dann das ganze Werk mit seinen 5 Bänden, bezw. 26 Liefe¬ rungen vollständig in 2. Auflage erschienen ist, ein Beweis von der Güte des Werkes (Preis 40 M ). Die Rechnungs¬ ablage ergab 2969,31 Pf. in Einnahme und Ausgabe; es wurde der Voranschlag für 1903 mit 1866 M. Einnahme und Ausgabe festgesetzt. Zum Abgeordneten für die dies¬ jährige Abgeordneten - Versarr mlung des Verbandes in Dresden wurde Hr. Bez.-Bmstr. Völcker-Landau gewählt. Derselbe berichtete auch in anziehender Weise über die in jeder Beziehung befriedigende Wander-Versammlung in Augsburg und kommt als alter, fleissiger Besucher die¬ ser Versammlungen zu dem Schlüsse, dass dieselben in kleineren Städten viel gemüthlicher sind, als in grösseren, da die Theilnehmer sich enger aneinander schliessen. Nach Schluss der Sitzung wurde ein Spaziergang in die Umge¬ bung von Neustadt unternommen und wenn auch der Regen Baugewerksmeisters in Stadt und Land berück¬ sichtigenden Zielen, die keiner weiteren Auseinander¬ setzung bedürfen, da sie beim Durcbblättern meines Wer¬ kes ohne weiteres einleuchten werden, hatte ich vor allem seine Brauchbarkeit für den Formenlehren-Unter- richt und das Entwerfen an Baugewerkschulen im Auge. Als Ideal eines Lehrplanes solcher Schulen schwebt mir vor die völlige Verschmelzung der Formen¬ lehr etheils mit der Baukonstruktionslehre, theils mit der Baukunde, und wer je darüber nachgedacht hat, weiss auch, dass sich dieses Ziel nicht allzu schwer er¬ reichen Hesse. Der Gewinn wäre ein ungeheurer. Die Schüler würden fortwährend den Entstehungsprozess der architektonischen Foim aus den Bedingungen des Zweckes, des Materials und der Konstruktion vor Augen haben; die Uebereinstimmung zwischen Form und Inhalt, also das, was man im eigentlichen und besten Sinne „Stil" nennt, würde ihnen zur zweiten Natur werden; sie würden ver¬ stehen lernen, dass die architektonische Form nicht etwas äusserlich Angeklebtes, sondern von Innen heraus Ge¬ wachsenes ist, dass ihr Wesen nicht „Dekoration“, son¬ dern „Gestaltung" ist. Die jetzige Unterrichtsmethode, die die konstruktive und formale Behandlung der Bautheile grundsätzlich trennt, leitet dadurch ganz von selbst zu dem verhängnisvollen Irrthum hinüber, als entspräche diese Trennung dem Wesen der Sache, als brauche auch in Wirklichkeit kein Zusammenhang zwischen Form und Konstruktion zu bestehen. Und dieser Irrthum wird noch unterstützt, wenn der Unterricht zu weit in die Formen¬ welt der Monumental-Architektur übergreift, wo ja that- sächlich — aus ästhetischen Gründen höherer Ordnung — die Abhängigkeit der Form von der Konstruktion eine losere ist, als auf dem Gebie der bürgerlichen Baukunst. Die Verwirklichung des eben gekennzeichneten Ideal- Lehrplanes wird freilich noch auf sich warten lassen. Aber nach seinen Grundsätzen kann schon jetzt im Unterricht No. 44 282 es recht gut meinte, so konnte derselbe doch den Ein¬ druck nicht verwischen, welchen die mit Recht „Palme der Pfalz'1 genannte Stadt Neustadt mit ihrer herrlichen Lage auf die Theilnehmer machte. Der Besuch der k. Realschule, welche eine ganz entzückende Lage am Berg¬ hange hat, unter Führung des Hrn. k. Rektor Schn eider, zeigte einen Musterbau. An den früheren langjährigen Vorstand, unter welchem das Vereinsleben in so hoher Blüthe stand, Hrn. k. Kreis- brth. a. D. Schlichtegroll- München, wurde anlässlich dieser Jubiläums-Feier (öojähr.) eine Ergebenheits-Depesche aulgegeben. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Homburg bestimmt. — Vermischtes. Die 44. Hauptversammlung des Vereins deutscher In¬ genieure ln München und Augsburg 1903 steht überwiegend im Zeichen des Maschinenbaues. Aus der Tagesordnung sei ein Antrag des Breslauer Bezirksvereins betr. Bildung einer Studiengesellschaft für landwirthschaftliche und ge¬ werbliche Kraftlieferung in Verbindung mit Kraftzentralen für Neben- und Kleinbahnen erwähnt. Der Festplan sieht eine grosse Reihe von Besichtigungen in München und Augsburg, eine Festvorstellung im Ploftheater in München, eine Vereinssitzung im Goldenen Saal in Augsburg und ein Gartenfest im Stadtgarten daselbst, sowie einen Aus¬ flug nach Garmisch-Partenkirchen vor. Die Veranstaltun¬ gen dauern vom 29. Juni bis 3. Juli. — Werthschätzung der Techniker. Unter diesem Stich¬ worte wird uns eine Anzeige des Magistrates von Duder- stadt übermittelt, durch welche zum 1. Juli 1903 ein Stadtbaumeister gesucht wird, der im Hoch- und Tief¬ bau erfahren ist und dessen Gehalt einschliesslich Dien staufwan d nur 1500 M. jährlich betragen und von 3 zu 3 Jahren bis 2400 M. ansteigen soll. Die Anstellung erfolgt nach sechsmonatlicher Probedienstleistung gegen vierteljährliche Kündigung. Privatarbeiten sind nur mit jedesmaliger Genehmigung gestattet. Wenn wir auch bei der augenblicklichen Ungunst der Zeiten nicht daran zweifeln, dass sich zahlreiche Bewerber für diese Stelle finden werden, so glauben wir doch nicht, dass dieses ungewöhnlich geringe Gehalt von einem Tech¬ niker erstrebt werden dürlte, welcher die baulichen An¬ gelegenheiten von Duderstadt zur dauernden Zufriedenheit ihrer Bürger verwalten kann. Es ist jedoch entgegen der Meinung des Einsenders nicht von vornherein anzunehmen, dass mit der Festsetzung eines so geringen Gehaltes eine geringe Werthschätzung der Techniker im allgemeinen zum Ausdruck kommen soll, sondern es handelt sich verfahren werden. Und diesem Bestreben sucht meine Vorbildersammlung dadurch gerecht zu werden, dass sie in der überwiegenden Mehrzahl der Blätter richtige W erk- zeichnungen darbietet mit möglichst weitgehender konstruktiver Durcharbeitung, so dass zum Minde¬ sten immer die Wechselbeziehung zwischen materieller Bedingung und Form klar zutage tritt. Denn der Anfänger muss sehen, worauf es ankommt. Gerade auf ästheti¬ schem Gebiete sind alle noch so verständigen Belehrungen verlorene Mühe, wenn das Wort nicht unterstützt wird durch überzeugende bildliche Darstellung. Und der Anfänger muss deutlich sehen, auf was es ankommt. Die photographischen Naturaufnahmen oder in kleinem Maasstabe dargestellten, oft sogar nur flüchtig skizzierten Vorbilder, wie sie die Mehrzahl der modernen Sammelwerke darbieten, setzen schon ein sehr weitgehen¬ des Versländniss der architektonischen Formensprache voraus. Welche Ungeheuerlichkeiten zutage kommen, wenn der Anfänger nach derartigen kleinen Darstellungen z. B. Uebertragungen in grösserem Maasstabe vornimmt, hat jeder Baugewerkschullehrer täglich Gelegenheit schau¬ dernd zu erleben. Darum habe ich für meine Vorbilder einen möglichst grossen Maasstab (durchschnittlich 1:20 oder 1:10, Einzelheiten 1:5 bis zur Naturgrösse) und dem entsprechend ein möglichst grosses Blattformat gewählt (72 auf 54 cm). Auch die zeichnerischen Darstellungsmittel meines Werkes, welche die denkbar einfachsten sind, erstreben als einziges Ziel grösstmögliche Deutlichkeit in formaler und konstruktiver Hinsicht. Die pikanten Manieren moder¬ ner Zeichenkunst sind für den Anfänger Gift, da sie die Aufmerksamkeit von der Hauptsache ablenken. Ueber- haupt wäre es ein Kapitel für sich, die Schäden blosszu- legen, die eine ins Krankhafte gesteigerte Sucht nach zeich¬ nerischem Raffinement, wie sie neuerdings um sich greift, für die moderneBaukunstnothwendigimGefolge habenmuss. Auf meinen Blättern sind Ausführungen in allen bei uns 4. Juni 1903. •hier vielleicht lediglich um mangelnde Aufklärung über die berechtigten Honoraransprüche von Technikern, welche die baulichen Arbeiten selbst kleiner Städte gewissenhaft und mit voraussehendem Blick zu leiten vermögen. — Ausstellung des künstlerischen Nachlasses von Arwed Rossbach. Im städtischen Museum zu Leipzig ist für kurze Zeit der künstlerische Nachlass des im vergangenen Win¬ ter verstorbenen Baurathes Dr. h. c. Arwed Rossbach ausgestellt Zeichnungen, Aquarelle und Photographien geben ein Zeugniss des reichen Schaffens des Verstorbenen aus den Jahren 1868 — 1902, in welcher Zeit er 44 Bau¬ werke meist monumentalen Charakters für verschiedene Zwecke neu errichtete oder zeitgemäss umgestaltete. — Zu Ehren des Hrn. Geh. Brth. Prof. Bubendey, der mit dem Schlüsse des Sommer- Semesters bekanntlich aus seiner Lehrstelle ausscheidet, um die Stellung des Wasserbau- Direktors in Hamburg zu übernehmen, wird die Abth. II der Techn. Hochschule in Charlottenburg am 27. Juni d. J. eine Abschiedsfeier veranstalten. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben betr. Entwürfe für die architek¬ tonische Ausschmückung der Achenbachbrücke ln Berlin, die im Zuge der Strasse „Siegmundshof“ die Spree kreuzt, wird vom Ar chitekten-Ve r ein zu Berlin für seine Mitglieder zum 11. Juli d. J. erlassen. Die Brücke ist eine Fachwerkbrücke und soll an den Endvertikalen der Eisen¬ konstruktion eine architektonische Ausschmückung er¬ halten, über deren Form und Materialien den Bewerbern freie Hand gelassen ist. Die Zeichnungen sind 1:100 und 1:25 verlangt. Es gelangen 2 Preise von 500 und 300 M. zur Vertheilung; eine andere Vertheilung der Summe der Preise kann nur auf einstimmigen Beschluss der Preis¬ richter erfolgen. Die Entscheidung über die Zuerkennung der Preise hat der „Ausschuss zur Beurtheilung der Preis¬ bewerbungen im Hochbau.“ Ueber die Heranziehung des Siegers zur Ausführung ist freie Hand Vorbehalten. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für die perspektivische Ansicht der Buffetwand eines Restau¬ rants, in schwarzer oder farbiger Darstellung für ihre Zeitschrift „Moderne Bauformen“ bestimmt, erlässt die Verlagsbuchhandlung Julius Hoffmann in Stuttgart unter Verheissung dreier Preise von 400, 250 und 150 M. Unter¬ lagen von der genannten Stelle. — Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eine Bezirksschule in Leipzig-Kleinzschocher, auf Leipziger Ar¬ chitekten beschränkt, war mit 34 Arbeiten beschickt. Den I. Preis erhielt Hr. Th. Hülssner, den II. Preis Hr. G. üblichen Materialien und in allen jenen Stilarten ver¬ treten, in denen die besondere deutsche Eigenart zum be¬ zeichnenden Ausdruck gelangt. Auch die moderne Richtung soll in den folgenden Lieferungen zum Worte kommen. Manchem Fachgenossen wird es bedenklich erscheinen, dass neben Haustein- und Backstein-Architektur auch der angebliche „unechte“ Putz als Vorbild breiten Raum ge¬ funden hat. Aber warum nicht? Jedes Material ist echt, wenn es nur zweckentsprechend verwendet und künstle¬ risch seinen besonderen technischen Eigenschaften gemäss behandelt wird, wenn es sich also offen und ehrlich als das gibt, was es wirklich ist. Nur wenn es etwas anderes Vortäuschen will, ist es unecht. So hat auch der Putz seine besondere Formengebung, die im Wesentlichen in der Betonung und eigenartigen Behandlung der Fläche und in dem vorsichtigen Relief der Profilierung besteht. Gerade dem Baugewerkschüler, der in seiner späteren Praxis in den weitaus meisten Fällen auf Putz angewiesen ist, muss das Verständniss für den echten, guten Putzstil erschlossen werden. Geschieht das nicht, so fällt er un¬ weigerlich dem Imitationsteufel zur Beute, für den der Putz nur Surrogat ist. Es gibt noch immer Schulmänner, die das Benutzen von Vorlagen im Baugewerkschul-Unterricht für verwerf¬ lich halten, weil durch mechanisches Abzeichnen grosser Missbrauch getrieben werden könne. Gewiss. Aber welche menschliche Einrichtung, und wäre es die vortrefflichste, ist nicht dem Missbrauch ausgesetzt? Soll man deshalb auf ihre sonstigen Segnungen verzichten? Soll man das Baden unterlassen, weil man dabei ertrinken kann? Jeder verständige und gewissenhafte Lehrer weiss, wie Vorlagen zu benutzen sind. Missbräuche zu verhüten aber ist Sache der leitenden Organe.*) Breslau. Prof. Bruno Specht. *) Wegen langer Erkrankung des Herausgebers musste bisher eine Fortsetzung des Werkes unterbleiben, ln nächster Zeit werden jedoch weitere Lieferungen in rascher Folge erscheinen. 283 Bock, den III. Preis die Hrn. Reichel & Kühn, sämt¬ lich in Leipzig. Zum Ankaul empfohlen wurden die Ent¬ würfe „Unsere Jugend“, „Magister“, „Einfach“. — In dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Umgestaltung des Inneren der Annenklrche in Dresden liefen 17 Arbeiten ein. Den I. Preis errang Hr. Rieh. Schleinitz in Dresden; den II. Preis die Hrn. Brth. Rumpelt und Bmstr. Krutzsch in Dresden; den III. Preis Hr. O. Menzel in Dresden. Zum Ankauf empfohlen wurde der Entwurf der Hrn. Schilling & Gräbner in Dresden. Der Wettbewerb war auf Architekten der Kreishaupt¬ mannschaft Dresden beschränkt. — Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Schutzhütte auf dem Hohenstaufen. Unter 10 Bewerbern erhielt den I. Preis von 100 M. Hr. Arch. K. Maurer in Pforzheim, den II. Preis von 50 M. Hr. Hennings in Stuttgart. — Zur Erlangung von Entwürfen für die Errichtung eines Wittelsbacher Brunnens in Eichstätt, für welchen ein Be¬ trag von rd. 40000 M. vorgesehen ist, soll ein Wettbe¬ werb ausgeschrieben werden. — Kunsthaus Zürich. Zu den bezgl. Nachrichten in No. 40 tragen wir ergänzend nach, dass durch eine ehren¬ volle Erwähnung ausgezeichnet wurden die Arbeiten der Hrn. Herrn. Lüthi in Frankfurt a. M.; Ed. Hess in Wien; Paul Ulrich in Zürich; S. R. Rütschi und S. Kaiser in Berlin. — Bücher. Deutsche Bauzeitung. Inhalts Verzeichniss, Orts- und Sach¬ register für die Jahrgänge 1878 — 1900. Berlin 1903. Deutsche Bauzeitung, G. m. b. H. 16 Bogen. Preis 6 M. Durch die Herausgabe des Inhalts-Verzeichnisses der „Deutschen Bauzeitung“ für die 23 Jahrgänge 1878 — 1900, welches sich dem früheren Inhalts-Verzeichnisse bis 1878 anschliesst, ist einem vielfach empfundenen Mangel ab¬ geholfen worden. Das Verzeichniss ist in sehr übersicht¬ licher Weise 4-spaltig, wie die Inhalts-Verzeichnisse der letzten Jahrgänge der „Deutschen Bauzeitung“ gesetzt und ist sowohl ein Orts- wie ein Sachregister. Der Preis von 6 M. ist aussergewöhnlich nieder bemessen und ist kein Aequivalent für die in dem Inhaltsverzeichniss enthaltene thatsächliche Arbeitsleistung. — Dekorative Vorbilder. Eine Sammlung von figürlichen Darstellungen, kunstgewerblichen Verzierungen, mo¬ dernen Ornamenten, dekorativen Tier- und Pflanzen¬ typen, heraldischen Motiven, Allegorien usw. für Zeichner, Maler, graphische Künstler, Dekorateure, Bildhauer, Architekten usw. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart. Jährlich 12 Lieferungen für zus. 12 M. — 14. Jahrgang. — Eine Zeitschrift, die sich bereits bis zum 15. Jahrgang entwickelt hat, trägt eine gewisse Kritik ihrer Brauchbar¬ keit in sich selbst. In dem vorliegenden Jahrgang treten uns zumtheil bemerkenswerthe, zumtheil ausgezeichnete Blätter für das gesamte Gebiet der dekorativen Flächen¬ kunst entgegen von G. Sturm, Rene Beauclair, Maurice Dufrfene, Jul. Menzel, C. Jacobs, Anton Seder, A. Herbinier, Rud. Rössler,E. Kleinhempel,J. Habert- Dys, C. F. Liisberg, Patriz Huber, Patten Wilson, Ludwig von Hofmann, H. Nisle, R. Bacard, Louis Fuchs, wie man sieht, theils in Deutschland noch weniger bekannte, theils die bekanntesten Namen der Flächen¬ kunst. Was uns neben der sorgfältigen Auswahl der Dar¬ bietungen für die verschiedensten Interessentenkreise an dieser Zeitschrift besonders erwähnenswerth erscheint, das ist die tüchtige künstlerische Wiedergabe der Ent¬ würfe bei billigem Preise. Es ist keine Uebertreibung, wenn die Verlagsbuchhandlung sagt: „Ein farbiges, so reich ausgestattetes und zugleich so überaus billiges Vor¬ lagenwerk ist bisher weder in Deutschland noch sonstwo erschienen.“ Es fehlt nicht an änlichen Werken von gleicher oder noch kostbarerer Ausstattung; sie alle aber wenden sich durch ihre Preisbemessung an einen nur engeren Kreis von Abnehmern, während das inrede stehende Werk durch seine geschickte Oekonomie zum Gemeingut der Kreise des dekorativen Gebietes geworden ist. Nicht alle Tafeln bestehen vor dem strengeren Ur- theil, welches das Werk verdient; die geringeren Tafeln sind aber in einer nur kleinen Minderzahl. — Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Schuch, W. Moderner Schriften-Atlas. 18 Alphabete im modernen Stil. Leipzig 1903. Jüstel & Göttel. 18 Tat. in Mappe. Pr. 5 M. Allltsch, Karl. Ein neues graphisches Verfahren zur Ermittelung der Querschnittsflächen der Kunstkörper im Eisenbahn- und Strassenbau. Wien 1903. Spielhagen & Schurich. Pr. 2,40 M. Ausstellung Turin 1902. 50 Taf. Farbenlichtdrucke. Gr. Fol. 32 x48 cm in 5 Lfrgn. Ernst Wasmuth 1903. Lfrg. 1 — 5. Pr. der Lfrg. 7 M. Moderne Bauschreiner-Arbeiten. Neue Vorlagen für die Praxis des Bautischlers mit Grundrissen, Schnitten und de¬ taillierten Querschnitten. Herausgegeben von Schmohl & Stähelin in Stuttgart und Kieser & Deeg in München. Vollst. in 12 Liefrgn. Ravensburg. Otto Maier. 8. u. 9 Lfrg. Pr. der Liefrg. 2 M. Bebauungsplan der Umgebungen Berlins. Abth. XI. 1:4000. Berlin 1903. Dietrich Reimer. Pr. 2 M. Lageplan von Schöneberg. Maasstab 1 : 4000 gezeichnet von A. Graewert. Berlin 1903. Alexius Kiessling. Pr. 6 M. Birk, Alfr., dipl. Ing., Prof, in Prag. Hilfsbuch für Bau¬ ingenieure. III. verbesserte und gänzlich umgearbeitete Aufl. des „Vademecum für Bauingenieure“ von Friedr. Steiner, mit 88 Abbildgn. im Text. Wien 1903. Spielhagen & Schurich. Pr. 4,50 M. David, Ludw., k. k. Hauptm. Rathgeber für Anfänger im Photographier e_n und für Fortgeschrittene. Mit 92 Textbildern und 19 Bildertafeln. 61. bis 23, verbesserte Aufl. Halle a. S. 1903. Wilh. Knapp. Pr. 1,50 M. Ehlerding, W. Künstler-Schriften. Alphabete in mo¬ dernen Formen für das moderne Kunstgewerbe. Serie I. Ravensburg 1903. Otto Maier. Pr. 2,50 M. Encyklopädie der Hygiene. Herausgegeben von Prof. R. Pfeiffer, Prof. B. Proskauer unt. Mitwirkung von Dr. Carl Oppenheimer in 25 Lieferungen zu 2 M. Leipzig 1902. F. C. W. Vogel. Feiler, Josef. Der moderne Schlosser. III. 100 Füllungs¬ gitter. Ravensburg 1903. Otto Maier. Pr. 4 M. Das Dienstgebäude des Vereins für die bergbaulichen Inter¬ essen im Oberbergamtsbezirk Dortmund in Essen a. d. Ruhr. Berlin 1902. Jul. Springer. Pr. 30 M. Francke, Adolf, Ing. Vorschriften und Rathschläge für Sachverständige, Boniteure und Gutachter aller Gewerbe, sowie die deutsche Gebührenordnung für Zeugen und Sachver¬ ständige. Hagen i.W. 1903. Otto Hammerschmidt. Pr. 1,20 M. Geiges, F , Prof. Der alte Fensterschmuck des Frei¬ burger Münsters. Liefrg. 1 und 2. Freiburg i. Br. Herder’sche Verlagshandlung. Pr. 5 M. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. J. W. in Berlin. Ist Ihre Darstellung richtig, dass die beiden Perspektiven in dem Ausschreiben nicht verlangt waren und dass Sie vor und bei der Einreichung sich Vorbehalten hatten, solche zurück zu verlangen, so hat der Bauherr kein Recht, Ihnen solche vorzuenthalten , denn er hat sie nicht bestellt. Ein Irrthum in seiner Person über den Vorbehalt Ihres Eigenthums an denselben war durch Ihre Erklärung ausgeschlossen, dass die Zeich¬ nungen zurückgesendet werden möchten. Mithin würde die Ver- urtheilung des Bauherrn zur Rückgabe erfolgen müssen, falls nicht etwa Einreden begründet werden könnten, aus welchen Ihr nach¬ träglicher Verzicht auf Rückforderung gefolgert werden könnte, oder bei Lage der Umstände die Sachverständigen zum Ausspruch gelangen , dass die Perspektiven zum vollständigen Verständniss Ihres Projektes unentbehrlich gewesen sind. — K. H-e. Hrn. J. B. in Mengede. Ueber Keller und deren Isolierung gegen Feuchtigkeit finden Sie ein ausführliches Kapitel (IX.) in „Baukunde des Architekten“, Erster Band, erster Theil. Berlin 1903. Verlag „Deutsche Bauzeitung, G. m. b. H.“ — Hrn. J. O. in Strassburg i. E. Ueber Schiebefenster-Kon¬ struktionen, bei welchen die Scheiben beider Flügel in einer Ebene liegen, erhalten Sie die beste Auskunft, wenn Sie sich an eine der bedeutenderen Firmen für Baubeschläge wenden, die Sie aus un¬ serem Anzeigentheil ermitteln wollen. — - Hrn. Arch. R. W. in Vohwinkel. Zur Beseitigung von Hausschwamm haben sich mehrfach Firmen in unserem Anzeigen¬ theil empfohlen. Wir bitten, in demselben nachzuschlage . — Anfragen an den Leserkreis. 1. Wie hat sich der vielseitig angepriesene Federwerk-Ventilator „Boreas" bewährt? Ist derselbe patentiert? Eignet sich der Venti¬ lator zu Horizontal-Ventilation für grössere Wirthschafts-Lokalitäten, in welchen zeitweise ein möglichst rascher Luftwechsel erforderlich ist? Welche Ventilatoren haben sich überhaupt bis jetzt für klei¬ nere und grössere Lokale bei Horizontal-Ventilation am besten be¬ währt? — Stadtbauamt S. 2. Wem ist ein Anstrich auf Wellblech zum Schutz gegen Tropf¬ bildung bei feuchter Luft bekannt? — Fortifikation M. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zu der Anfrage betr. bewegliche Wände zur Trennung von Sälen in No. 39 theile ich mit, dass ich im Jahre 1895 in Düssel¬ dorf einen Saalbau ausgeführt habe, der 1000 Personen fasst. Von diesem Saal können im Erdgeschoss 2 kleine Säle durch ver¬ senkbare Wände abgetrennt werden. Ueber diesen beiden kleinen Sälen befinden sich im Obergeschoss 2 gleiche Säle, welche durch Rolljalousien von dem grossen Saal getrennt werden können. Die versenkbaren Wände haben die Stärke wie Rabitzwände und schliessen die Säle in gleicher Weise wie diese Wände schallsicher ab. Zur Erzielung möglichster Leichtigkeit und Schallsicherheit ist in den Wänden rheinischer Bimskies verwendet. Die Wände haben Gegengewichte und lassen sich auch hydraulisch auf einem Stempel auf- und abbewegen. — H. vom Endt. Inhalt: Die Architektur auf der Grossen Berliner Kunstausstellung 1903 (Fortsetzung). — Mittheilungen aus Vereinen. — Bürgerliche Baukunst. Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücher. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 44. 284 2 w Ü X p p w DQ X PC W P -X- ü p p m X p c P o o H o X p * * -X- p < < C/3 H * LO v P X p 5 w p >7 K X Cd o p m > p w £ X X H X X X -X- -X- -x- * -X- -X- -X- ”iiK EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * S2SS««2SSSS ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 45. * DEN 6. JUNI 1903. * ************** Abbildg. 6. Gesamtansicht der Brücke von oberhalb. Der Bau der Königsbrücke in Magdeburg. Von Stadtbaurath O. Peters. (Schluss'. Hierzu die Abbildungen Seite 288 und 28g. as System der Hauptträger, sowie die An¬ ordnung des unteren Windverbandes sind in der Uebersichtsskizze Abbildg. 7 dargestellt. Den Brückenquerschnitt in der Mitte zeigt Abbildg. 8, S. 289. Die Hauptquerträger für die Fahrbahn-Konstruktion liegen, den Vertikalen der Hauptträger entsprechend, in Entfernungen von 7,5 m. Sie sind durch 7 Längsträger mit einander verbunden, welche zwischen sekundäre Querträger eingespannt sind. Die Abdeckung des auf diese Weise hergestellten Trägerrostes wird durch 6mm starke Buckelplatten be¬ wirkt, auf welche eine die ganze Fläche gleichmässig ausfüllende Betonschicht aufgebracht ist; letztere ist an der schwächsten Stelle noch 6 cm, im Durchschnitt 14 cm stark. Damit ist das Unterlager für das Holz¬ klotz-Pflaster des Fahrdammes geschaffen, das eine Höhe von 10 cm erhalten hat. Das Holzpflaster besteht aus australischem Tallow- Wood, einer sehr harten Holzart, für die man sich erst nach mehrfachen Erwägungen als besonders halt¬ bar gegenüber sonstigen inbetracht kommenden Sorten entschieden hatte; namentlich ist für die Entschliessung die Bewährung in Leipzig in einer Hauptstrasse mit lebhaftestem Verkehr maassgebend gewesen. DieKlötze wurden in flüssiges Bitumen getaucht und fest an ein¬ ander gedrückt, sodass nur ganz geringe Fugen ent¬ standen; darauf fand ein Verguss mit dünnflüssigem Zement in ganzer Fläche statt. Die Herstellung der Betonunterlage und des Holzpflasters von 1900 qm Fläche war der Firma H. Freese in Berlin übertragen und wurde von dieser innerhalb 6 Wochen bewirkt. Für die Fussteige ist eine Abdeckung mit 23 mm starken Stampf-Asphaltplatten — also nicht Stampf¬ oder Gussasphalt — in einheitlicher Fläche gewählt, hauptsächlich um die erfahrungsmässig unvermeidlichen Querrisse bei so grosser zusammenhängender Länge der Bahn und bei den naturgemässen Bewegungen der Eisenkonstruktion auf ein geringstes Maass und zwar auf die Fugen zwischen den Platten zu beschränken. Zur Herstellung der auch hierfür erforderlichen Beton¬ schicht wurde eine Klinkerabgleichung zwischen den Zorcseisen der ausgekragten Fusswege verwendet. Sämtliche Leitungen für Gas, Wasser und Elek¬ trizität sind unter die Fussteige verlegt und mittels eines dauernd unter der Brückenbahn aufgehängten stets betriebsfähigen Revisionswagens zugänglich ge¬ macht. Um die freie Ausdehnung der Brückentafel zu ermöglichen, sind die Längsträger am Querträger I beiderseitig an „Pendelstützen“ angeschlossen, wie Abbildg 9, S. 289, für einen Fahrbahnträger zeigt. Die Ausbildung für die Fusswegträger ist ähnlich, nur leichter, gestaltet. Zur Längenausgleichung der Schie¬ nen und Geländer sind ovale Löcher vorgesehen. Die Ausbildung der Hauptträgerkonstruktion geht aus Abbildg. 10 und 11 S. 288 hervor. Das Auflager besteht aus einem stählernen Gelenkbolzen von 260 mm Durchmesser, welcher von 2 Schalen umfasst wird, von denen die untere in wagrechter und senkrechter Rich¬ tung durch Keile verstellbar ist. Die Auflagerplatte selbst zeigt Quer- und Längsrippen und ruht auf einem Auflagerstein aus Basaltlava; die Fuge ist nur mit dünnflüssigem Zement ausgefüllt worden (vergl auch die umstehende Abbildg. 12). Der Windverband der Fahrbahntafel — vergleiche die Uebersichtsskizze Abbildg. 8 — ist an den Brücken¬ enden in eine Spitze zusammengeführt. Infolge dessen ist in den letzten Feldern ein besonderer Windträger erforderlich, der sich seitlich gegen die Vertikale am Querträger I stützt. Die Einzelheiten der letzteren Anordnung sind aus der Abbildg. 13 ersichtlich. Die seitlichen Fluthbrücken (vergl. die Abbildg. 4 in No 43) zu beiden Seiten der Eisenkonstruktion wer¬ den durch in Stampfbeton hergestellte, ausserordent¬ lich flach ausgestaltete Gewölbe von je 28,5® Spann¬ weite gebildet. Der Scheitel des Gewölbes liegt nur 2,35 m über der Kämpferlinie, sodass der segmentartig erscheinende, thatsächlich aus 3 Kreisbogen zusammen¬ gesetzte Bogen ein Pfeilverhältniss von nur 1 : 12,1 zeigt. 285 Im übrigen weist der von der Wagrechten anscheinend kaum abweichende mittlere Theil der ßogenlinie bei einer Sehnenweite von 12,72 m und einem Halbmesser von 64 m nur einen Stich von 0,32 m auf. Für die Ge¬ wölbeform ist damit eine bemerkenswert!! kühneErschei- nung erzielt worden. Die Stärke des Gewölbes an den Kämpfern beträgt 1,35 m, diejenige imScheitel 0,65 m. Bei der Betoneinstampfung waren 3 sogenannte Gelenke für die Kämpfer und den Scheitel vorgesehen. Un¬ mittelbar auf der Schalung des Lehrgerüstes waren mit Sand vollgestampfte Holzkästen angeordnet. An den Kämpfern folgten darauf 2 im Verband ge¬ legte^ Klinkerschichten von o,5im Höhe, der Rest des Kämpfer-Querschnittes wurde vorläufig ausgespart, um nach dem Ausschalen mit Beton im Mischungsver- hältniss von 1 : 4 eingestampft zu werden Im Scheitel¬ querschnitt waren nur 2 Klinkerschichten von 0,25 m Höhe vorhanden, darüber die Betonaussparung, die nach der Ausrüstung wie vor behandelt wurde. Im übri¬ gen betrug das Mischungsverhältniss für den Stampf¬ beton des Gewölbes 1 Theil Zement auf 3 Theile Elbkies und 3 Theile Steinschlag Die Gewölbe-Stirnseiten er¬ hielten eine Verkleidung von Königsteiner Sandstein. Die Ausrüstung der grossen eisernen Mic- telöffnung, sowie der beiden Seitendurch¬ lässe wurde gleich¬ zeitig vorgenommen, um eine möglichst gleichmässige Bean¬ spruchung derHaupt- pfeiler aus den bei¬ derseitigen wagrech¬ ten Schubkräften zu erzielen Die Kno¬ tenpunkte der Eisen¬ konstruktion des Bo¬ genfachwerkes ruhten auf Spindelschrau¬ ben, die Lehrgerüste der Seitenöffnungen auf Kopfschrauben. Während die Aus- rüstungfür die Haupt¬ spannung sowie das linksseitige Betonge¬ wölbe ohneZwischen- fall verlief, zeigte das rechtsseitige, wie schon bemerkt, durch Abstürzen eines Laufkrahnes vom Montagegerüst auf die frisch hergestellte Betonierung beschädigte Gewölbe doch eine so erhebliche Senkung, dass die vollständige Erneue¬ rung unter Belassen nur des alten Lehrgerüstes, Weg¬ räumung des alten Betons und Wiedereinstampfung des neuen Bogens erfolgen musste Ein Bild des Montagegerüstes der Eisenkonstruktion mit den Schiffs¬ durchlässen zeigt Abbildg. 14, Seite 289. Als Baumaterialien gelangten für den Unterbau der Brücke ausser dem zur Stampfbeton-Bereitung er¬ forderlichen Zement, Kies, Sand und Steinschlag für die Hauptpfeiler, sowie für die Widerlager und Gewölbe der seitlichen Fluthöffnungen, Kalkbruchsteine aus Plötzkau bei Bernburg a S zur Verwendung und zwar für die Verkleidung der Widerlager wie der Längsseite der Pfeiler Die dem Eisgang ausgesetzten Vorköpfe der Hauptpfeiler erhielten Basaltlava-Verkleidung, wel¬ che von Andernach a. Rh. bezogen wurde. Für die Herstellung der Stirnseiten der massiven Brückenöff¬ nungen wurde sächsischer Sandstein verwendet. Als Material zur Verkleidung der Aussenflächen der beiden Portalbauten war Kalkbruchstein vonKönigs- lutter gewählt, der mit seiner weissgrauen Farbe einen wirkungsvollen Gegensatz zu der dunklen Basaltlava der Pfeilerunterbauten bildet. Dabei wurden die Ge¬ simse aus Tuffstein hergestellt, ebenso die Zwischen¬ säulen der Fensteröffnungen in den Thürmen; die schachbrettförmigen Bänder unterhalb des Ueberganges von der viereckigen in die achteckige Thurmgestalt, 286 sowie die Blenden des Bogenfrieses unter der Traufe der Thurmkegel bestehen aus Tuffstein und Basaltlava. Zur Eindeckung der Dachflächen ist Kupfer verwendet. Die Decken der Durchfahrten bezw. Durchgänge in den Portalbauten zeigen Eichenholz-Balken und Schalung. Eine ornamentale Behandlung haben die Abschlüsse der Eisenkonstruktion gegen das massive Portalge¬ mäuer erfahren, indem die Felder des selbständig davor errichteten, konstruktiv wichtigen „Windportal¬ bogens“ Gelegenheit zur Anbringung von Verzierungen in getriebenem Eisenblech darboten. Hierdurch wird der Uebergang zum Mauerwerk der Portale ästhetisch vermittelt, von dem durchaus organisch die mächtige Eisenkonstruktion sich herauslöst. Auf den Aussen- seiten der einfach aber wuchtig gehaltenen Portal¬ architektur — in romanischer Formengebung an die Architektur der alten Klosterkirche „Unserer lieben Frauen“ zu Magdeburg anldingend, — sind die kräftig vortretenden Strebepfeiler von heraldischen Löwen gekrönt, welche farbig behandelte Wappen halten, und zwar auf der Stadtseite die von Preussen und Deutschland, auf der Ostseite die der Provinzen Sachsen und Brandenburg. Ueber den Hauptportalen befindet sich das Magdeburger Stadt¬ wappen. Auf den der Eisen -Brücke zuge¬ kehrten inneren Por¬ talen, den Windpor¬ talbögen, hebt sich noch von goldenem Untergründe die Jah¬ reszahl des Baube¬ ginnes, 1900, ab; auf der anderen Seite zeigt 1903 das Jahr der Fertigstellung der Brücke an. Zur Beleuchtung dienen zusammen 9 elektrische Bogen¬ lampen, von denen 3 für die Nachtbe¬ leuchtung bestimmt sind. Die Eingänge sind durchBogenlam- pen besonders her¬ vorgehoben; 5 hän¬ gen in der Mittellinie der Brücke. Die Thurmdurchgänge der Gehwege sind durch je 3 je 16 kerzige Glühlampen erleuchtet. Die Leitung des Brückenbaues lag in den Händen der städtischen Bauverwaltung, wobei dem Verfasser der Kgl. Brth. Stadtbauinsp. Beer und für die örtliche Bauleitung der Reg.-Bmstr. a. D. Büttner zur Seite standen. Seitens der Firma Th. Holzmann & Co. waren mit der Leitung des Brückenbaues der Chef der Berliner Abtheilung derselben, Hr. Dir. Haag, mit der Ausführung in der ersten Zeit Hr. Ing. Waag, darauf Hr. Ing. Lion beauftragt. Für den architektonischen Theil ist Hr. Arch. Eberlein inCöln mitder Ausführung der Entwurfs- und Werkzeichnungen betraut gewiesen. Der Entwurf und die Berechnung der Eisenkon¬ struktion stammen von den Hrn. Dir. Schmermund und Ob. -Ing. Bosse der Dortmunder Union. Die Montagearbeiten leitete unter dem Ob. -Ing. Bosse der Ing. Rose. Die Gesamtkosten für den Bau der Königsbrücke beliefen sich auf 1 410000 M. Hiervon entfallen auf den massiven Unterbau der Pfeiler, sowie auf die beiden Fluthöffnungen 600000 M. , auf die Eisenkonstruktion 510000 M., die Pfeileraufbauten 96000 M., die Fahr- und Gehbahnen 40000 M., die architektonische Aus¬ schmückung 26000 M., für den Wahrschaudienst zur Aufrechterhaltung eines geordneten Schiffahrtsbetriebes während der Ausführung 30000 M., auf die Rohrleitun¬ gen 14000 M., auf Titel „Insgemein“, für Büreaukosten, Pacht für Lagerplätze, Probebelastung, Gehälter, Reisen, Unvorhergesehenes 94000 M. — Abbildg. 12. Kämpfergelenk.. No. 45. Die Ausgestaltung des Friedrichspiatzes und die neue Festhalle in Mannheim. Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. (Fortsetzung aus No. 41). Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen in No. 43. as in rothem Mainsandstein errichtete Bau¬ werk erhebt sich auf einem niederen Basalt¬ sockel. Die in der Gesamterscheinung zur Mitwirkung bestimmten grossen Dachflächen sind mit einem nach der Art von Mönch und Nonne eigens konstruierten Dachfalzziegel einge¬ deckt; die Nonne hat die rothe Naturfarbe des Ziegels, während der Mönch grün glasiert ist. Die Farben¬ wirkung ist hierdurch eine mit dem Roth des Steines zusammengehende weiche und harmonische. Der Front gegen den Friedrichsplatz ist eine Vor¬ halle mit Terrasse vorgelagert, welche sich zwischen zwei mit ornamentalem Bildwerk geschmückten Kopf¬ bauten entwickelt und in welche zwei reiche Portale eingefügt sind: das Beethoven- und das Mozart-Portal. Zu beiden Seiten der den Mittelpunkt der bildnerischen Komposition bildenden Meisterköpfe stellen Chimären¬ gruppen die bezwingende Macht der Musik dar; den Köpfen sind allegorische Attribute beigegeben. Die Vorderflächen der Portalpfeiler sind mit weiblichen Relieffiguren mit allegorischer Bedeutung geschmückt. In der Behandlung der Leiber zeigt das ornamental¬ figürliche dieser beiden Portale vielfache Anklänge an Rodins Höllenpforte aus Dante’s „Göttlicher Ko¬ mödie“. Kolonnaden ziehen sich auch um den Rund¬ bau der Nordseite herum und schliessen hier eine mächtige Nische ein, die wir S. 277 abgebildet haben; pylonenartige Pfeiler mit figürlichen Endigungen flan¬ kieren sie. In ähnlicher Weise endigen fast alle Ver¬ tikalgliederungen des Baues, seien es Lisenen, Pilaster oder Pfeiler, in Bekrönungen mit monumentalen oder figürlichen Motiven. Die künstlerische Durchbildung der Haupt - Ein¬ gangshalle ist in der Abbildung S. 265 wiedergegeben. Sie wird durch Pfeiler mit Bekleidung aus pentelischem Marmor und mit Calacata-Einlagen gegliedert. An sie schliesst sich in reicherer Aufwendung die Tages¬ restauration an. An den Längsseiten des Haupt¬ vestibüls führen Treppen aus Blanc-Clair-Marmor mit Messinggeländern zum Konzertsaal Die Decke seines 45 m langen und 19“ breiten Saalmittelfeldes ist ein elliptisches Drahtputzgewölbe; die Feldertheilung und den plastischen Schmuck zeigen die Abbildung S. 265, sowie die Beilage zu No. 41. Der Inhalt des plasti¬ schen Schmuckes des Ueberganges der Stützen zur Decke besteht aus einer Darstellung der 4 Sätze der Symphonie, aus 12 Medaillons der bedeutendsten Kom¬ ponisten und aus Inschriften. Der Saal hat an der einen Kurzseite ein Orchesterpodium mit Orgel, an der anderen eine Bühneneinrichtung mit dahinter lie¬ gendem Foyer. Die Sitze sind so eingerichtet, dass sie sich durch einen kurzen Handgriff nach den bei¬ den Saalenden (Bühne oder Orchester) wenden lassen. In der Decke sind durch Glasmosaik, durch Perl¬ muttereinlagen, durch durchscheinende Gläser und durch Glühlampen besondere Farben- und Beleuch¬ tungseffekte erzielt. In glücklicher Weise ist die Orgel in die für sie bestimmte Nische komponiert. Schlichter ist der mächtige Nibelungensaal ge¬ halten. Sein Hauptschmuck in Form eines in wunder¬ voller Bewegung modellierten Nibelungenfrieses und eines gross stilisierten Wandteppichmusters ist auf die Orchesternische mit Orgel vereinigt. Die Pfeiler des Erdgeschosses sind mit Fliesen belegt. Eine mächtige Tonne, von den Bögen der Emporenöffnungen durchdrungen, überspannt den Saal. Ihr Schmuck ist stark beschränkt. Die beiden Hauptsäle stehen inbezug auf die Ausschmückung in einem gewollten künstlerischen Gegensätze. Die Raumwirkung beider Säle ist eine ungemein edle, wozu die glückliche Wahl des Querschnittprofiles wesentlich beiträgt. In einem ähnlichen Reichthum der Ausschmückung schliesst sich das Foyer den Hauptsälen an, während die übrigen kleineren Säle einfacher gehalten sind. Das Haus ist im Inneren und im Garten elektrisch 6 Juni 1903. beleuchtet; 60 Bogen- und etwa 3000 Glühlampen spen¬ den ein reiches Licht. Die Motoren haben eine Ge¬ samtleistung von 45 Kilowatt Gleichstrom in der Stunde. Die Heizung ist eine Dampfluftheizung mit Unter¬ stützung durch lokale Dampfheizkörper. Die Venti¬ lation erfolgt durch 4 Ventilatoren, die sich im Keller befinden. Die erwärmte Luft tritt in die grossen Säle von der Decke ein; die verbrauchte Luft kann durch Umschaltevorrichtungen nach oben oder unten abgesaugt werden. An der Ausführung des Baues waren betheihgt Jos.Hoffmann & Söhne in Mannheim durch Erstellung der Maurer- und Zimmerarbeiten; Rud. Hüttich in Miltenberg am Main durch Lieferung der Steinmetz¬ arbeiten am Hauptbau, und Gg. Hart mann in Mann¬ heim durch Lieferung der Umwährung und der Balu¬ straden des Gartens. Die Eisenkonstruktionen waren an Brass & Hertslet in Berlin, die Dachdeckungsarbeiten an C. Ludowici in Jockgrim in der Pfalz übertragen, während die Trägerlieferung J. Nöther in Mannheim hatte. Die Spenglerarbeiten besorgte G. Wunder, die einfacheren Glaserarbeiten F. Brenneis, beide in Mannheim. Die Inkrustierungen der Decke des Kon¬ zertsaales mit Glasstücken und Muscheln hatte C. Ule in München in Verbindung mit Kriebitzsch & Voege in Mannheim übernommen; die sonstigen Kunstver¬ glasungen sind von A. Wichmann in Berlin. Die umfangreichen Drahtputz- und Stückarbeiten waren von Boswau & Knauer in Berlin übernommen. Die Fliesen wurden durch die Fabrik von Villeroy & Boch (Vertreter J. Krebs in Mannheim) geliefert, während die Majolikaplatten der Pfeiler des grossen Festsaales und anderer architektonischer Gliederungen Kunst¬ produkte des Professors Max Läuger in Karlsruhe sind oder von Rosenfeld & Cie. in Berlin geliefert wurden. Die Tischlerarbeiten, und zwar Fenster und Thüren, stellten W. Brenneis und J. Nold in Mann¬ heim her, während die inneren Vertäfelungen an Hugo Hauser und L. J. Peter in Mannheim vertheilt waren. Die letztere Firma übernahm auch den vollständigen Ausbau der Restauration. In die Maler- und An¬ streicherarbeiten theilten sich Marno Kellner in Char¬ lottenburg und Franz Barchfeld in Mannheim. Die Heizung und die Lüftung legte Rud. Otto Meyer in Hamburg an, während die Toiletteneinrichtungen von A. Barber in Mannheim und Voltz & Wittmer in Strassburg geliefert wurden. Die Bestuhlung des Konzertsaales ist durch Paul Hyan in Berlin, die für den Festsaal durch Gebr. Reis in Mannheim gefertigt. Die Orgeln des Konzert- und des Festsaales sind treff¬ liche Werke der alten Orgelbauanstalt H. Voit & Söhne in Durlach. Die Kunstschmiedearbeiten waren getheilt; an ihnen waren betheiligt Schulz & Holde¬ ileiss in Berlin, Neuser & Lay & Söhne und J Lang in Mannheim. Die Kupfertreibarbeiten der Thürme und anderer ornamentaler Theile wurden durch G. Knodt in Bockenheim bei Frankfurt a. M geliefert. Die Bühneneinrichtung des Konzertsaales stammt von F. A. Riedinger in Augsburg. Die textilen Aus¬ stattungsgegenstände waren an Kimbel & Friede¬ richsen in Berlin und Heinr. Scharpinet in Mann¬ heim übertragen. Die Gartenanlagen wurden nach den Entwürfen des Architekten von Hrn. städt. Garten¬ inspektor Lippelt ausgeführt. Die Baukosten haben für diese grösste Halle Deutsch¬ lands rd. 2 700000 M. betragen, eine Summe, die gegen¬ über dem Umfang des Baues und seiner künstlerischen Durchbildung eine verhältnissmässig niedere ist. Sie wurde abgesehen von der feinsinnigen Oekonomie in der Aufwendung der künstlerischen Ausdrucksmittel hauptsächlich auch dadurch in so mässigen Grenzen gehalten, dass die Fassaden auf der Kämpferhöhe der oberen Fenster abgeschlossen, die Fenster in Bogen¬ form über das tiefliegende Hauptgesims durchgeführt wurden und der gesamte Dachraum für das Saalinnere 287 £Ur Ausnutzung k am . W enn hierdurch die F assaden noth- wendigerweise niedriger geworden sind, so dürfen die¬ selben unter diesen Umständen nicht für sich allein gewürdigt werden. Bei der Betrachtung der gegen den Friedrichsplatz gewendeten Vorderfront insbe- Abbildg. io. der Der Bau der Königs¬ brücke in Magdeburg. Abbildg. ii. Unterer Knotenpunkt I des Hauptträgers. sondere, welche durch die Niederhaltung des Haupt- gesimses, ja, wenn man will, eigentlich durch die Unterdrückung desselben in seiner traditionellen Be- «88 deutung, mehr den Charakter breiter Lagerung als den des Hochragenden erhalten hat, kommt das hohe, gebrochene Dach aus rothen und grünglasierten Mönchen und Nonnen zu einer so entscheidenden Mitwirkung und ist in seiner Ausbildung mit solchem Nachdruck als künstlerisch wirkender Be- standtheil des Baues zur Ausbildung gebracht, dass es unmöglich und unzulässig ist, Fassade und Dach zu trennen und jeden dieser Theile in seiner Wirkung für sich zu beobachten oder die Wirkung des Daches in der bisher vielfach üblichen Wei¬ se zu vernachlässigen bezw. es nur als einen nothwendi- gen, nicht aber auch künst¬ lerischen Bestandtheil eines Baues zu betrachten. Schon die Farbenwahl — grüne Gla¬ sur in ihrer Zusammenwir¬ kung mit dem warmen Roth des Sandsteines der Fassaden — deutet die bestimmte Ab¬ sicht des Architekten an, auf eine künstlerischeZusammen- wirkung beider hinzuarbei¬ ten. Es ist also namentlich auch in seiner Zusammenwirkung mit dem ausgedehnten Frie¬ drichsplatz nicht lediglich die Steinfassade, sondern das ganze Haus mit seinem hohen Dache inbetracht zu ziehen. Ein grösserer Gegensatz ent¬ steht zwischen der Fassade und dem Wasserthurm. Es geschah aber nicht ohne eine gewisse Absicht, dass der Architekt sich in der Gestal¬ tung des Aufbaues der Fest¬ halle über die Verhältnisse des Wasserthurmes hinweg¬ setzte. Der Grund war der, dass man beim Betrachten der Festhalle und der ganzen Umbauung des Platzes den Thurm im Rücken hat. Der Architekt glaubt auch, dass bei der Betrachtung desWas- serthurmes mit der Zeit der Umstand mildernd eintreten dürfte, dass zwischen Thurm und Festhalle sich mächtige Baumgruppen einschieben, welche vermittelnd zu den anderen Bauten überleiten. Die allgemeine künstleri¬ sche Erscheinung des Baues verräth das Durchdringen eines bestimmten Konstruk¬ tions -Prinzipes. Die Mann¬ heimer Festhalle ist ein Eisen¬ bau, dessen Stützen feuer- Abbildg. 13. Abstützung des sicher ummantelt und dessen wagrechten Windträgers unter der Decken an dieEisenkonstruk- Fahrstrasse am Querträger 1 ü als leichte DrahtputZ- (Vgl. hierzu auch Abbildg. 7.) r , .. / . . Spannungen aufgehangt sind. Wir hoffen, die hier angewendete Konstruktion später • noch eingehender besprechen zu können. Aut sie stützt sich die Erscheinungsform des Inneren und von ihr sind namentlich auch die Steinarchitektur des Aeusseren sowie die Formensprache im Einzelnen ab¬ hängig. Zumeist ist die Putzummantelung des In¬ neren in ihrer ursprünglichen Art und ohne jede Zu- that geblieben. Der Malerei ist nur an wenigen Punkten eine gewisseMitwirkunggelassen, entweder um einen Gegensatz zu schaffen, oder um eine Betonung No. 45 Kämpferknotenpunkt Hauptträger. Abbildg. 14. Montagegerüst der Hauptöffnung. 6. Juni 1903. 289 Zü erreichen. Aber auch die Farbengebung schliesst sich durchaus dem Putzcharakter des Inneren an. Dieses Prinzip der Konstruktion des Raumes als Eisenbau mit Putzummantelung und leichter Ueber- deckung der Räume durch Drahtputzhäute hat sich in akustischer Beziehung ausserordentlich bewährt, wie die wiederholten mehrtägigen Musikfeste mit ihrem wechselnden Programm von Kammer- und Chormusik, von Vokal- und Instrumental-Musik und von Solo¬ vorträgen aus beiden Gebieten dargethan haben und wie wir auch selbst beobachten konnten. Das aku¬ stische Ergebniss befriedigte allgemein und wird in allen Besprechungen der Musikaufführungen als ein geradezu glänzendes bezeichnet. — (Schluss folgt). Die neue Baupolizei-Ordnung für die Vororte von Berlin vom 21. April 1903. om 15. März 1872 bis 24. Juni 1887, also durch rd. 15 Jahre, regelte sich die Bauweise in der Umgebung - Berlins, so wie überall im Regierungsbezirk Pots¬ dam nach der Baupolizei - Ordnung für das platte Land. Berliner Vororte im heutigen Sinne des Wortes, d. h. Orte, deren wirthschaftliches Sein eng mit dem der umrahmten Stadt zusammenhängt, gab es bis etwa 1872 nicht. Doch traten allerdings in den eben entstandenen bezw. damals neu entstehenden Kolonien Westend, Lichterfelde und Frie¬ denau die ersten Anfänge derselben auf. Diese Anfänge wurden aber neben den bestehenden alten Bauerndörfern von der Bezirksregierung für so unbedeutend angesehen, dass diese mit gutem Gewissen glaubte davon Abstand nehmen zu können, für diese neuen, noch gänzlich un¬ reifen Gebilde besondere baupolizeiliche Vorschriften auf¬ zustellen. Man warf sie, als am 15. März 1872 eine neue Bauordnung für das platte Land des Regierungsbezirkes Potsdams erlassen wurde, kurzerhand mit den Bauern¬ dörfern in einen und denselben Topf. Die damalige Unterlassung hat sich bitter gerächt. Der Bauordnung vom 15. März 1872 waren, wie den meisten Bauordnungen jener Zeit, Gesichtspunkte, welche heute fast in den Rang der vornehmsten eingerückt sind, völlig fremd. Eine Gesundheitspolizei gab es im Bau¬ wesen damals noch nicht. Was den Verfassern von Bau¬ ordnungen zum Schutz von Gesundheit und Leben zu thun nothwendig erschien, beschränkte sich auf eine Reihe von Vorschriften über Konstruktion, Sicherheit der Bau¬ werke und Feuersicherheit derselben; alles Andere galt als nebensächlich. Diese Abwesenheit regelnder polizei¬ licher Eingriffe in die Bauthätigkeit hat auf die bauliche Beschaffenheit der neuen Kolonien zunächst günstig ge¬ wirkt, dank dem regelnden Einflüsse, den die Terrain- gesellschaften und die Baupolizei-Behörden vermöge ihrer diskretionären Befugnisse geübt haben. Den Terrain- und Baugesellschaften gebührt jedenfalls das Verdienst, dass sie ein geordnetes Strassenwesen ins Leben gerufen, Baum¬ anpflanzungen und Schmuckanlagen geschaffen haben, die heute der Stolz der betreffenden Orte sind, und endlich durch grundbuchliche Eintragungen von Baubeschränkungen viel Befriedigendes für Luft- und Lichtzuführung zu den Ge¬ bäuden geleistet haben. Das Bild, das die Zustände der Kolonien in ihrer Frühzeit gewährten, änderte sich jedoch infolge der rascheren Entwicklung, welche diese nach einer langen Periode des Stillstandes in der zweiten Hälfte der 80 er Jahre nahmen. Dem Drange nach aussen, namentlich dem Zuge nachWesten, der sich derStadtbewohnerschaft bemächtigte, konnte mit den bisher üblichen Ein- und Zweifamilienhäu¬ sern nicht mehr entsprochen werden und das war der Anlass, dass die Bauspekulation in eine nähere Prüfung der Rechte eintrat, welche die geltende Bauordnung von 1872 ihr gewährte. Das Prüfungsergebniss war für sie ein recht erfreuliches. Man fand, dass keine Vorschrift im Wege sei, um in den Kolonien neben Landhäusern auch Miethhäuser genau nach Berliner Muster erbauen zu können. Den kleinen Ein- und Zweifamilienhäusern wurden nun¬ mehr hochragende Genossen von 4, 5 und vereinzelt sogar 6 Wohngeschossen hinzugesellt, die zwar einen nichts weni¬ ger als angenehmen Zug in das bisherige Stilleben der Kolonien brachten, doch rasch mit Miethern gefüllt waren, trotzdem für diese Wohnweise die nothwendigen Voraus¬ setzungen (zentralisierte Wasser-Zu- und Ableitung, aus¬ reichende Verkehrsmittel usw.) noch völlig unerfüllt blieben. Die Beschwerden über die so entstehenden misslichen Zustände fanden endlich ihren Weg bis zu den Ohren auch der Behörden. Auch machten einzelne Ortschaften Ver¬ suche, für sich den Erlass von landespolizeilichen Vor¬ schriften zu erwirken, durch die sie von ihrer Eigenart sich zu retten suchten, was noch zu retten war. Sie wurden jedoch mit ihren Bestrebungen von der Bezirksregierung hart abgewiesen. Dafür kam diese auf den vom Stand¬ punkt des grünen Tisches wohl verständlichen Gedanken, alle eingerissenen Uebel mit einem Schlage durch das ein¬ fache Mittel zu kurieren: die Geltung der soeben für Berlin erlassenen neuen Bauordnung auf eine Anzahl von Orten in der Umgebung Berlins auszudehnen, eine neue Anwendung des bekannten Mittels, Beelzebub durch den Teufel selbst auszutreiben. Die Bauspekulation hatte dadurch auf der ganzen Linie gesiegt. Sie bemächtigte sich offen aller Rechte, welche die Berliner Bauordnung gewährte, ohne die Schüchtern¬ heit, womit sie schon bisher von diesen Mitteln Gebrauch gemacht hatte. Anstatt der von der Bezirksregierung erwarteten Besserung wurden daher die Zustände fast von Monat zu Monat ärger, so arg, dass schliesslich an einer Stelle: bei dem Landrathe des Kreises Teltow, die Geduld riss. Ohne vorhergegangene Berathung mit Personen von thatsächlichem Sachverständnis erliess der Landrath Hr. v. Stubenrauch am 15. Dezember 1891 für eine Anzahl von Ortschaften in der Umgebung von Berlin eine Bauordnung von grosser Strenge. Sie schoss in ihrem sachlichen Theil über das Ziel hinaus und war dabei so wenig durchdacht, dass man ihr schon aus diesem Grunde ein baldiges Ende sicher prophezeien konnte. Es trat noch rascher ein, als zu erwarten war: Schon nach weniger als 3 Wochen Geltung, am 4. Januar 1902, wurde die landräthliche Verordnung von dem Regierungs -Präsidenten ausser Wirksamkeit gesetzt, aber nicht ohne dass gleichzeitig Vorbereitungen zu einem haltbaren Ersatz in Angriff genommen wurden. Sogar die Ministerialinstanz bemächtigte sich der Angelegenheit, vielleicht aus dem rein formalen Gesichtspunkte, dass es sich um die Beschaffung einer Bauordnung handelte, welche für Gemeinden in zwei Landkreisen in Wirksam¬ keit gesetzt werden sollte; vielleicht aber auch aus dem sachlichen Grunde, Verletzungen offen daliegender Be¬ ziehungen zwischen der Bauordnung der Stadt Berlin und derjenigen ihrer nächsten Umgebung zu verhüten. Auch waren die bisherigen Kolonien und Dörfer inwischen zu stattlichen Gemeinwesen herangewachsen, dank insbeson¬ dere der Entwicklung, den der Vororte-Verkehr infolge der Eröffnung der Berliner Stadtbahn (am 7. Febr. 1883) gebracht hatte. Freilich fällt die höchste Entwicklung der Vororte in die Zeit erst nach dem 1. Oktober 1892, an welchem Tage aus Anlass der Eröffnung der erweiterten Einrichtungen der Wannseebahn eine einheitliche Ord¬ nung des gesamten Vororte-Verkehrs von Berlin ins Leben trat. Beiläufig sei hierzu kurz erwähnt, dass erst von diesem Tage an der Ausdruck Vororte seine ganz be¬ stimmte Bedeutung erlangt hat, indem darunter nur solche Vororte verstanden werden, die mit Berlin durch den von den Eisenbahnen eingerichteten speziellen Vororte- Verkehr in Verbindung gesetzt sind. Die Vorbereitungen zum Erlass einer Berliner Vor- orte-Bauordnung bestanden zunächst darin, dass von den drei betheiligten Ministerien: des Inneren, der öffentlichen Arbeiten und des Ministeriums für die geistlichen, Unter¬ richts- und Medizinal - Angelegenheiten, unter Zuziehung von Vertretern des Polizei -Präsidiums eine Kommission ins Leben gerufen wurde, die nach einigen Vorarbeiten eine kleine Anzahl von Sachverständigen aus dem Gebiete der Vororte zu Rathe zog. Ausserdem nahm sich der Berliner Architekten - Verein der Angelegenheit an und trat mit bestimmten Vorschlägen hervor, welche zum grössten Theil Eingang in den Entwurf einer Bauordnung für die Vororte von Berlin, der am 5. Dez. 1892 von der Bezirksregierung mit Gesetzeskraft erlassen wurde, Be¬ rücksichtigung gefunden haben. Allerdings ist auch diese Bauordnung in wichtigen Stücken über das hinausge¬ gangen, was von den Vertretern der Vororte damals als angemessen oder zweckmässig erkannt worden war. Das Neue in der Vororte-Bauordnung vom 5. Dezbr. 1892 war die Abstufung der Bebauung nach Klassen, deren Abgrenzung gegen einander aus dem baulichen Zustande der Strassen entnommen wurde. Es wurden damit Bezirke verschiedener Bebaubarkeit, doch ohne feste Begrenzung geschaffen. Bauklassen gab es drei, mit wech¬ selnder Bebauungsdichte, Bauhöhe und Zahl der Wohn- geschosse. Ein grosser Mangel dieser Bauordnung war der Schematismus, der bei ihrer Durchführung Platz griff. Es wurden ohne Rücksicht auf das thatsächlich vorhandene Bedürfniss, ohne Rücksicht auf Belegenheit, endlich ohne Rücksicht darauf, ob bereits eine Auftheilung des Geländes in einzelne Baustellen stattgefunden hatte oder nicht, über- No. 45. 290 massig gross bemessene Gebietstheile in Bauklasse III (Landhausbezirke) gelegt, die mit voller Ausschliesslich¬ keit nur für Wohn zwecke im engsten Sinne des Wortes dienen sollten, für die es aber an Baulustigen an vielen Stellen ziemlich ganz fehlte Die Landhausbezirke waren daher thatsächlich auf eine längere Reihe von Jahren für die Bebauung brach gelegt, sie waren auch in ihrem Bau- werthe erheblich — theilweise wohl bis auf die Hälfte — hinabgesetzt und umgekehrt andere, die den Bauklassen I und II und gemeinsamen Gemeindegebieten angehörten, unnatürlich gesteigert. Wo in einem und demselben Ge¬ mein degebiet z wei oder alle drei Bauklassen vertreten waren, fandenstchdie Gemeinden zu Bevorzugungen der einenoder anderen Bauklasse angeregt und trugen auf diese Weise zurVorbereitung der bald einsetzenden Wohnungsnoth wirk¬ sam bei. Es entwickelte sich daher bald heftiger Widerspruch sowohl seitens der Eigenthümer, als auch seitens der Ge¬ meinden, von welchen letztere zumtheil mit Recht geltend machen konnten, dass diese Entwerthung eine so grosse Schädigung der Finanzen der Gemeinden zurfolge habe, dass die Gefahr eintrete, letztere werde ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen sein. Ausser Beschwerden an die oberen Instanzen kam es in einer Anzahl von Fällen zum Ver- waltungs Streitverfahren: durchgehends ohne Erfolg, indem das Ober- Verwaltungsgericht der polizeilichen Befugniss inbezug auf den Gesundheitsschutz eine viel weiter gehende Auslegung gab, als bisher überhaupt als möglich gedacht worden war. Dass die Vororte verpflichtet sein könnten, zugunsten von Berlin in ihren Gebieten erheblich lockerer zu bauen aus dem Grunde, um dem benachbarten grossen Gemeinwesen ein höheres Maass von Frischluft zuzuführen, als es Berlin sich selbst gesichert hatte, hatte Niemand bisher behaupten mögen. Und dennoch wurde diese Forderung in der höchsten Instanz der preussischen Ver¬ waltungs-Rechtspflege sanktioniert. Ebenso hatte es bis¬ her als unmöglich gegolten, dass auf dem Wege der Bau¬ polizei-Ordnung eine so eng begrenzte Bauweise, wie die der Landhäuser vorgeschrieben worden könnte. Aber ein so schweres Unrecht einzelnen Eigenthümern und Gemein¬ den auch zugefügt worden ist, so ist dieser Ausgang der Sache vom Standpunkte der Vertretung des Gesundheits¬ schutzes doch um deswillen willkommen zu heissen, weil dadurch für alle Städte in Preussen die Bahn zur Schaffung von Bauordnungen, in welchen auch dem Ge¬ sundheitsschutz sein Recht wird, frei geworden ist. Zahl¬ reich haben die Städte diese Bahn betreten und nach dem Vorbilde der Berliner Vororte-Bauordnung neue Bau¬ ordnungen bei sich eingeführt mit zwei oder drei Bau¬ klassen, die aber nicht mit beweglichen, sondern mit festen Grenzen ausgelegt sind und daher „Zonen“ ge¬ nannt wurden. Das „Indiefernewirken“ der Berliner Vororte-Bauord¬ nung von 1892 ist es, was derselben ihre über das Oert- liche weit hinausgehende Bedeutung gegeben hat und ein etwas längeres Verweilen dabei rechtfertigt. Ihr sonstiger Inhalt ist aber kaum dazu angethan, sich bei demselben Mittheilungen aus Vereinen. Arch.- u. Ing. -Verein zu Magdeburg. In der Sitzung am 6. Mai widmete der Vorsitzende, Postbrth. Win ekler, dem verstorbenen Mitgliede Ob.-Brth. Messerschmidt herzliche Worte des Nachrufs. Nach Aufnahme des Hrn. Brth. Düsing berichtet Hr. Bauinsp. Schwarz über die Verhandlungen der Technikerfrage im Landtage. An der Hand der steno¬ graphischen Berichte erörtert er das Eintreten verschie¬ dener Abgeordneten für die berechtigten Wünsche der Baubeamten und die Stellung der Hrn. Minister und der maassgebenden Parteien zu diesen Fragen. Offen bleibt vorläufig noch die Titelfrage, welche hoffentlich unter dem jetzigen Minister eine befriedigende Lösung finden werde. Die Ausführungen des Vortragenden wurden mit Beifall aufgenommen. Aus der Mitte der Versammlung wird der Wunsch geäussert, es möge alljährlich in dieser Angelegenheit Bericht erstattet werden, damit das Interesse der Kollegen an diesen Fragen immer mehr geweckt werde. PIr. Reg.- u. Brth. Mackenthun berichtet sodann über den Aufruf der hannoverschen Architekten-Gilde zur Bil¬ dung von besonderen Privat-Architekten-Vereinen und die Stellung des Verbands- Vorstandes zu dieser Frage. Die Versammlung erklärt sich mit den seitens des Verbands- Vorstandes gemachten Vorschlägen einverstanden. — In der Sitzung am 20. Mai berichtet Hr. Reg.-Bfhr. Schüler über die auf einer im Herbst 1902 unternomme¬ nen Studienreise in Nordamerika Vorgefundenen Loko- motivarten und schildert an der Hand von Konstruktions- Zeichnungen die erheblichen Unterschiede der dortigen 6. Juni 1903. aufzuhalten. Einzig dis mag als neu daran hervorgehoben werden, dass zugelassen wurde, Vorgartenflächen (Fläcnen, die zwischen Strassenflucht und Bauflucht liegen) bei Be¬ messung des bebaubaren Flächentheils (ohne Rücksicht auf ihre Grösse) in Anrechnung zu bringen, und dass die Vorschrift getroffen wurde, dass Vorgärten „als solche“ angelegt und unterhalten werden sollten, dass sie daher nur ausnahmsweise zu gewerblichen Zwecken benutzt werden dürften. — Die Berliner Vororte haben sich nach und nach auf die der Bauordnung von 1892 entsprechende Bauweise eingerichtet; leider war dies nicht anders möglich als so, dass stellenweise sehr unerquickliche Stadtbilder entstan¬ den sind, für welche, ohne Kenntniss der Vorgänge auf dem Gebiete der Bauordnung, jede Erklärung fehlt. Doch hat die Bauordnung von 1892 sich mancherleiVerkürzungen gefallen lassen müssen und ist Gegenstand beständigen Streites geblieben. Die Behörde ist zu mancherlei Kon¬ zessionen theils imWege der Abänderung der Bauordnung, theils im Wege von Dispensen von diesen oder jenen Paragraphen gezwungen worden, ohne dadurch nochmals die lautesten Beschwerden zum Schweigen zu bringen. Zu einem eigentlichen Einleben der Vororte -Bewohner¬ schaft in die Bauordnung von 1892 ist es daher nicht ge¬ kommen; immerwährend bestand ihretwegen gewisser- maassen Krieg, der zuzeiten lauter, zuzeiten stiller ge¬ führt ward, doch nie ganz geruht hat. Als Gebrauch leichter Waffen kann man Beschwerden und Klagen beim Kreisausschuss, Bezirksausschuss, Oberpräsidenten ansehen. Mit schweren Waffen wurde gegen die Bau¬ ordnung in Klagen beim Oberverwaltungsgericht und Be¬ schwerden beim Ministerium gekämpft, mit den schwer¬ sten durch Petitionen an das Abgeordnetenhaus. Keine Tagung des letzteren seit 10 Jahren ist von Verhandlun¬ gen über die Berliner Vororte-Bauordnung frei geblieben, und es ist in der Tagespresse eine unendliche Anzahl von Bogen Papier mit Besprechungen der Mängel und Härten derselben bedruckt worden. Letztere entsprangen nament¬ lich daraus, dass durch die Schaffung von Klassen die Länge der Grenzen, auf deren beiden Seiten der Charakter der Bauweise Grundverschiedenheiten aufwies, fast bis ins Unendliche gesteigert war, sowie daraus, dass diese Grenzen in Orten mit lebhafter Bauthätigkeit sich in beständigem Flusse befanden. Dieser Zustand und insbesondere der Umstand, dass das Abgeordnetenhaus mehrfach Beschlüsse gefasst hat, welche der Staatsregierung entweder die Inangriffnahme von Abänderungen nahe legten oder sie bestimmt zu solchen aufforderten, haben endlich das Eis gebrochen und zu dem Erlass einer neuen Baupolizei- Ordnung für die Vororte von Berlin geführt, welche am 21. April d. J., also etwa 11 Jahre nach dem Inslebentreten der im obigen besprochenen Bauordnung, in Kraft gesetzt worden ist. Ein zweiter Artikel soll sich mit dieser allerneuesten Berliner Vororte-Bauordnung befassen. — (Schluss folgt.) Typen mit den in Deutschland gebräuchlichen, die von den Amerikanern zur Steigerung der Kraftentwicklung ge¬ troffenen konstruktiven Anordnungen und die zwecks Zeit- ersparniss vorhandenen Einrichtungen zur Wasser- und Kohlenentnahme, auch die Einrichtung und Vorzüge der Oelfeuerung. Für seine allgemein interessierenden Aus¬ führungen wird ihm gebührender Dank. Hr. Reg.- u. Brth. Mackenthun erläutert sodann die Herstellung von Kühn’s leichter, massiver, feuerfester Betondecke unter Holzbalken und ihre Vorzüge vor ähnlichen Deckenkonstruktionen, welche sie auch hin¬ sichtlich des Kostenpunktes zur Verwendung im Hochbau geeignet erscheinen lassen. — B. Vermischtes. Luxfer-Dachsprossen. Eine neue Form der Sprossen für Glasdächer und Oberlichte bringt das Deutsche Luxfer- Prismen Syndikat, Berlin, in den Handel, welche bei ein¬ facher Form für 2,5 m Spannweite die genügende Trag¬ fähigkeit besitzt, für Glas jeder Stärke anwendbar ist, die Anforderung erfüllt, dass sich das Glas frei ausdehnen kann, Regen und Staub sicher abhält, das Schwitzwasser auffängt und abführt und ein Auswechseln zerbrochener Platten in einfacher Weise gestattet. Die Anwendung er¬ folgt nach 2 Formen. Beiden gemeinsam ist die tragfähige Sprossenform mit den seitlichen Schweisswasserrinnen. Gehalten wird das Glas durch Deckschienen, die entweder nach Abbildg. 1 aus Kupfer- oder Zinkblech, oder nach Abbildg. 2 aus einer verzinkten, unter Umständen auch ver¬ bleiten Eisenschiene hergestellt werden kann. Die Kappe 291 wird durch Bronzebolzen, deren Köpfe unter die einwärts gebogenen oberen Ränder der Sprosse fassen, niederge¬ halten. Eine Einlage von Asbest sichert dabei ein elastisches Anliegen auf der Glasplatte und gibt die Abdichtung gegen Regen und Staub. Abbildg. 3 zeigt schliesslich dieselbe Anordnung bei Verwendung von Luxfer-Prismenplatten in Elektroglas- Fassung. Letztere erhalten dann einfach einen etwas breiteren Rand, der unter die Deckkappe geschoben werden kann. Die Sprossen lassen sich sowohl auf Holz wie auf Eisendach verwenden. Unsere Abbildgn. 4 u. 5 geben ein entsprechendes Beispiel für beide Fälle. — Chronik. Ein Liszt -Denkmal ln Stuttgart, durch den Stuttgarter Bildhauer A. Freand in den kgl. Anlagen errichtet, soll am 22. Okt. d. J. enthüllt werden. — Die Halle des Sängerfestes in Frankfurt a. M. wurde nach einem Entwurf des Hrn. Stadtbauinsp. K. Wilde errichtet. Der grosse Saal derselben hat 74 m Länge, 47 m Breite und 22 m Höhe; er fasst 7700 Personen. Das Podium ist für 1700 Sänger und 120 Musiker berechnet. — - Die neue evangelische Garnisonkirche in Ludwigsburg, nach einem Entwürfe des Hrn. Prof. Friedr. von Thiersch in München im Barockstile errichtet, wurde Pfingsten geweiht. — Das Denkmal für König Ludwig II. ln München wird nach einem Beschluss des Magistrates auf der Kohleninsel errichtet werden. — Eine Gustav Adolf-Kirche in Berlin gelangt nach einem Entwurf des Hrn. Arch. J. Kröger und mit einem Aufwande von etwa 390000 M. zur Ausführung. — Das Hotel Terminus ln München, ein nach den Entwürfen des Architekten Prof. Martin Dülfer in München in der Bayer¬ strasse errichteter Um- und Erweiterungsbau vornehmen Stiles, ist am 20. Mai d. J. in Benutzung genommen worden. — Eine Wiederherstellung des Stadtmuseums am Jakobs¬ platze ln München, des ehemaligen Landwehrzeughauses, ist be¬ schlossen und in Angriff genommen worden. — Zur Erbauung einer Festhalle in Landau (Pfalz) hat ein ungenannter Wohlthäter der „Strassb. Post“ zufolge ein Vermächt- niss von 380000 M. gemacht. — Der Bau eines städtischen Schwimmbades ln Hannover ist durch die städtischen Kollegien beschlossen worden. Die Bau¬ kosten für das an der Goseriede zu errichtende Gebäude werden mit 925 000 M. angegeben. — Die Grundsteinlegung der Tabor-Kirche ln Berlin, die nach den Entwürfen des Hrn. Brth. S c h war tzk o p f f am Görlitzer Ufer zur Errichtung gelangt, hat am Pfingstmontag startgefunden. Die Kosten des neuen Gotteshauses sind mit rd. 330000 M. berechnet. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Dem Postbrth. a. D. C u n o in Frankfurt a. M. ist der Char. als Geh. Postrth. verliehen; der Mar.-Schiff- bmstr. Sich tau ist zum 1. Juli 1903 von Kiel nach Wilhelms¬ haven versetzt. Braunschwelg. Dem Kr.-Bauinsp. Gebhardt in Ganders¬ heim u. dem Reg.- u. Brth. Breuss in Braunschweig (Eisenbfch.) 292 ist das Ritterkreuz II. Kl. des herzogl. Ordens Heinrichs des Löwen, — dem Kr.-Bauinsp. Körner in Braunschweig der Tit. Brth u. dem Kr.-Bauinsp. Bohnsack das. ist der Tit. Professor verliehen, — der Reg.-Bmstr. Förster in Helmstedt ist zum 1. März 1903 zum herzogl. Reg.-Bmstr., — der Ob.-Ing. Franke aus Dresden (Masch.-Bfch.) zum Prof, der herzogl. techn. Hochschule ernannt. — Brief- und Fragekasten. Hrn. E. E. in Hagen. Das Uebergewicht der Wahrschein¬ lichkeit spricht für ein Obsiegen der Gemeinde und das Unterliegen des Bauherrn in dem bevorstehenden Rechtsstreit, wenn nämlich der Sachverhalt dahin richtig verstanden ist : Der in Ausführung begriffene Neubau soll auf der Grenzlinie zwischen dem Grundstück des Bauherrn und dem Kirchplatze errichtet werden, welch’ letzte¬ rer unstreitig noch der Kirchengemeinde gehört, sodass er zum öffentlichen Platze im Sinne G. v. 2. Juli 1875 noch nicht erklärt ^und für den öffentlichen Verkehr noch nicht beansprucht worden [ i«t. Mithin handelt es sich in dem Bauvorhaben um einen Bau an ! der Nachbargrenze, aber um keinen solchen an einer angelegten j Strasse oder einem zum Anbau bestimmten Platze. Die Kirchen- Gemeinde braucht sich also den Bau nicht gefallen zu lassen, durch den in ihre Rechte eingegriffen wird. Aus dem Rechte, den Kirch- platz als Fussweg zu benutzen, folgt nicht die Befugniss zum An¬ bauen. Zwei ähnliche Fälle sind uns aus Berlin erinnerlich. In dem einen handelte es sich um den Neubau eines Grundstückes in der Linienstrasse, welcher Licht und Zugang vom Koppenplatz in einer Zeit erhalten sollte, als dieser noch in Privateigenthum stand. Der Bau konnte erst nach Verständigung mit dem Eigenthümer des Platzes zur Vollendung gelangen. Im zweiten Falle wurden in einem Neu¬ bau der Friedenstrasse Fenster nach einem Kirchhofe angelegt. Die Kirchhofgemeinde erreichte im Rechtswege, dass diese Fenster ge¬ schlossen werden mussten. In diesem Zustande befand sich das Haus mehrere Jahre. Erst in jüngster Zeit wurde eine Erlaubniss zum Wiedereröffnen der Fenster erreicht. Völlig nebensächlich ist, dass die frühere Grenzlinie im Baufluchtenplane als Fluchtlinie be¬ zeichnet ist, da bekanntlich erst die Anlegung der Strasse durch strassenartige Gestaltung Anbaufähigkeit gibt, welche keineswegs schon eine natürliche oder gesetzliche Wirkung der Strassenflucht- festsetzung bildet. — K. H-e. Hrn. W. M. in Sölde. Dass eine Behörde oder eine Privat¬ person verpflichtet ist, die zufolge einer Stellenausschreibung ein¬ gesandten Zeugnisse den unberücksichtigten Bewerbern portofrei zurückzusenden, ist im Bürgerlichen Gesetzbuche zwar nicht be¬ sonders ausgesprochen, wohl aber aus dem Grundsätze des B. G. B. § 270 abzuleiten. Dort heisst es zwar nur, dass schuldiges Geld dem Gläubiger portofrei zu übermitteln ist. Dagegen fehlt jeder Grund, warum dem zum Rückempfange seiner auf Verlangen des Empfängers zur Prüfung vorgelegten Zeugnisse der Anspruch auf portofreie Rücksendung fehlen sollte. Wer eine Bewerbung aus¬ schreibt, bringt sich in die Lage, eingegangene Schriftstücke zurück¬ geben zu müssen, wird also im Rechtsverhältnisse zum Schuldner einer Leistung, auf welche der Einsender (als Gläubiger) Anspruch bat. Die meisten Behörden oder Privaten, welche Bewerbungen ausschreiben, sind sich der Pflicht zur portofreien Rücksendung be¬ wusst. Es ist kaum zweifelhaft, dass im Streitfälle zugunsten des Bewerbers entschieden werden würde. Anders läge der Fall je¬ doch, wenn jemand unaufgefordert sich um eine Stellung bewor¬ ben und seine Zeugnisse beigelegt hatte. — K. H-e. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. 1. Zur Anfrage in No. 41 macht die Firma Carl Br n er in Gosslar am Harz auf den Vervielfältigungs- Apparat „Tipp-Topp“, patent¬ amtlich gesch. unter No. 190265, aufmerksam. Von dem Apparat wird gesagt, er liefere unabhängig von Kälte und Hitze stets gleich- mässige Kopien, einerlei, ob das Original mit Kopiertinte, Kopier¬ stift, Hektographentinte, Tipp-Topp-Tinte oder auf der Schreib¬ maschine geschrieben sei. Der Apparat werde da mit Vortheil ver¬ wendet, wo schnell und mit wenig Kosten 10 — 150 Abzüge be- nötbigt werden. — 2. Zur Anfrage 1 in No. 42. Die Frage, ob für Zentralheizungen Zechenkoks oder Gaskoks vorzuziehen sei, hat der Landes -Ma- schinening. A. Oslender zu Düsseldorf in einem Vortrage auf der Jahresversammlung des deutschen Vereins von Gas- und Wasser¬ fachmännern zu Mainz 1900 sehr eingehend behandelt. Er stützt sich dabei auf die umfangreichen Erfahrungen, die er beim Umbau der vielen Zentralheizanlagen der Stadtverwaltung Köln gesammelt hat, die nunmehr für Gaskoks eingerichtet sind und zur vollen Zufriedenheit arbeiten sollen. Ueber eine stärkere Beschädigung der feuerberührten Theile durch Zechenkoks wird dabei nichts berichtet. Hr. Oslender wird aber wohl bereit sein, auch darüber Auskunft zu geben. Den Anlass zum Umbau der[ früher mit Zechenkoks betriebe¬ nen Anlagen hat der Umstand gegeben, dass der Zechenkoks oft nur mit Schwierigkeiten und sehr theuer zu haben ist, dass da¬ gegen der Gaskoks bei den städtischen Gaswerken als Nebenprodukt abfällt , das meistens nicht zu entsprechend hohen Preisen abzu¬ setzen ist und oft zu niedrigen Preisen verschleudert werden muss. Der Vortrag ist im Selbstverlag des Verfassers im Druck erschie¬ nen und gibt Auskunft über die zu erwartenden Ersparnisse und die erforderlichen Umbauarbeiten bei der Umänderung von Heiz¬ anlagen für die Verwendung von Gaskoks. — Faust, Brth. in Siegburg. Inhalt: Der Bau der Königsbrücke in Magdeburg (Schluss). — Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes und die neue Festhalle in Mannheim (Fortsetzung). — Die neue Baupolizei-Ordnung für die Vororte von Berlin vom 21. April 1903. — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Chronik. Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die neue Festhalle in Mannheim. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 45. 11 DEUTSCHE BAUZEITUNG || XXXVII. JAHRG. NT 46. BERLIN, DEN 10. JUNI 1903 m I® MB 9« II II wJL „w / ' 1 ly 1 ss all ... -fg» 351 Vor Beginn des Veränderungsbaues. Amthof zu Bremgarten im Kanton Aargau, Schweiz.*) Architekt: Richard Michel in Frankfurt a. O. (Hierzu die Abbildungen S. 294.) eher dem Ufer der grünen Reuss, auf terrassen¬ förmigem Unterbau malerisch liegend, erhebt sich der ehemalige Muri -Amthof, um von allen Gebäuden des in liebliche, fruchtbare Landschaft gebetteten alten Städtchens Brem¬ garten dem von westwärts kommen¬ den Wanderer besonders in die Augen N' zu fallen. Der Behauptung einer pietätvollen Ueberlieferung zufolge soll Rudolph von Habsburg, dessen Stammburg nicht allzuweit entfernt liegt, während seines Aufenthaltes in Bremgarten auf dieserStätte gewohnt, nach anderen ein Jagdhaus errichtet haben. Nach urkundlichem Berichte wurde die Stadt Bremgarten durch den grossen Brand im Jahre 1382 bis auf ein Haus in Asche gelegt.. Am 24 Mai 1399 kaufte das Kloster Muri den Grund und Boden zur Er¬ richtung des Amthauses daselbst Kurze Zeit darauf wird man mit dem Bau des Hauses, in welchem der Amtmann der berühmten Benediktiner- Abtei seinen Sitz aufzuschlagen hatte, begonnen haben, dessen charakteristisches Aeussere mit seinen beiden mäch¬ tigen, ein hohes Satteldach begrenzenden Treppen¬ giebeln so erhalten geblieben sein wird. Am 31. Mai 1419 fand innerhalb seiner Mauern *) Das Geschichtliche wurde in der Hauptsache einem nach urkundlichen Ueberlieferungen 1883 verfassten Manuskript von ■Prof. Dr. Hans Herzog, Staatsarchivarius, entnommen. — die Vollziehung eines für das Kloster Muri höchst wichtigen Aktes, nämlich die völlige Versöhnung des Abtes Jörg mit den Konventherren in Gegenwart der eidgenössischen Rathsboten und vieler Zeugen statt. Nach der ältesten erhaltenen Bestallung (für Hein¬ rich Mündpratt von Sirnach, Thur¬ gau) die von 1582 datiert, bestan¬ den Stellung und Pflichten des im Amtshause wohnenden Amtmannes des Klosters Muri in der persön¬ lichen Anwesenheit zu Bremgarten mit dem selbstverständlichen Auf¬ träge, alles nur Mögliche zu Ehren und Nutzen und zur Entwicklung des Klosters zu thun. Unter Abt Laurenz von Heidegg traten 1547 bauliche Veränderungen ein. Sein Wappen schmückt den Kämpferknauf des Säulenpfeilers im Esszimmer und einen Gewölbepfeiler im Untergeschoss. Durch den Abt Hieronimus Frei von Diessenhofen wurden Restaurationen des Hauses vorgenommen und 1583 — 1584 das jetzige Treppen¬ haus erbaut. Die Kapelle über dem Treppenhaus wurde durch Abt Johannes Jost Singeisen 1640 er¬ richtet. Nach Aufhebung der Klöster im Kanton Aargau wurde der Muri-Amthof am 13. Januar 1841 als Staatsgut erklärt. Der Staat verkaufte später den Amthof, wodurch letzterer Privatbesitz wurde und als solcher 1870 an den Vater des jetzigen Besitzers überging. — (Schluss folgt.) 293 Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes und die neue Festhalle in Mannheim. Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. (Schluss.) ie Mannheimer Festhalle hat bei ihrer Ein- „Rosengarten“ er- Saal wurde „Nibe¬ lungensaal“, der kleine „Musensaal“ getauft. So wie in dieser poetischen Taufe die Ueberlieferungen grosser Zeiten der benachbarten weihung den Namen halten , der grosse MllRi-AMTHOFTS VE RANPERUNCSBAU , .MC ART EU - SCHWEIZ I. Obergeschoss. ■ll s. Amthof zu Bremgarten im Kanton Aargau, Schweiz. Architekt: Richard Michel in Frankfurt a. O. Rheingegend wieder lebendig werden, so ist auch in der künstlerischen Formensprache des Rosengartens die Ueberlieferung mit eines der Kunstmittel gewesen, auf welchem, nicht äusserlich, sondern in einem tieferen Sinne genommen, das Kunstwerk aufgebaut ist. Es ist nicht schwer, das künstlerische Glaubens- bekenntniss aus dem Lebenswerke von Bruno Schmitz herauszufinden, schon deshalb nicht, weil er einer der überzeugungstreuesten unserer modernen Künstler ist. Soeben ist uns das Wort „modern" aus der Feder geflossen. Der Künstler erhebt den Anspruch, dass bei aller Ueberlieferung sein grosses Mannheimer Werk im vollsten Sinne des Wortes als ein modernes betrachtet werde; modern hier freilich nicht rein äusser¬ lich genommen, wie häufig Maler und Bildhauer und aus dem Kunstgewerbe, in welchem im Gegensätze zur Bau¬ kunst die Form an erster und der Inhalt erst an zweiter Stelle stehen, hervorgegangene Architekten die Bau¬ kunst ausüben. Eine solche Kunst ist eine äusserliche geblieben, weil sie des eigentlichen architektonischen und baulichen Denkens entbehrt und die Wirkung nur an der Oberfläche sucht, ein Schaffen, das nicht Kunstschaffen im wirklichen, tieferen Sinne ist. Modern ist das Werk im Sinne freier Entwicklung und selbst¬ ständiger Aeusserung, aber gegründet auf die Er¬ fahrungen, welche die Alten vor uns und für uns gemacht haben und die man nicht auslassen kann, ohne in dieser Beziehung von vorne anfangen zu müssen. Keine Kunst ist in dem Maasse auf Er¬ fahrung gegründet, wie die Baukunst und wer glaubt, ohne die Erfahrungssätze der Vergangenheit, ohne die Kenntnisse, welche die alte Zeit in so überzeugendem Maasse aufgehäuft hat, ein Aus¬ kommen finden zu können, der steht bald vor dem Eingeständnisse eines Irrthums. Und in der That kehren die besonneren Elemente der modernen Kunstrichtung als Kampfpartei nach und nach und ohne sich ihrer persönlichen Selbständigkeit zu entäussern, zurück zur Würdigung dessen, was frühere Zeiten geschaffen haben. Bei der völlig un¬ persönlichen und sklavischen Nachahmung, in welche die Baukunst in das eine der beiden Extreme verfallen war, ist es psychologisch nur zu erklärlich, dass, als sich der Widerspruch erhob, der Kampf sich bald in das andere Extrem verlor und hier zu Ausschreitungen führte, welche das Gute der modernen Bewegung, die Befreiung des Individuums vom historischen Stilzwang, zu beeinträchtigen drohte. Jedoch es beginnt eine ruhi¬ gere Auffassung ihre Wirkung auszuüben: die Zeit der grundsätzlichen Verachtung alles Historischen ist vor¬ bei; an die Stelle des Hasses ist auch hier die Würdi¬ gung getreten und Erfahrung und Fortschritt einen sich zu einer vertieften und gemüthvolleren Auffassung des Kunstlebens. In diesem Zeichen stehen alle Werke von Bruno Schmitz, der seine reiche Kunst nie in den Dienst der Tagesbewegung gestellt hat. In diesem Zeichen steht auch der Mannheimer Rosengarten. Ein Wort noch über die künstlerischen Mitarbeiter am Bau, die Entstehung des plastischen und malerischen Schmuckes. Schmitz hat selbst ein Bildhauer-Atelier, in welchem er seine auf architektonische Erwägungen sich gründenden plastischen Arbeiten ausreifen lässt. Ist für eine plastische Einzelheit in einer Skizze der Gedanke festgelegt, so wird zunächst im Modell ihre Wirkung erprobt und dann erst die endgültige Form der Einzelheit festgestellt. Dieser natürliche Prozess entspringt aus der Unmöglichkeit, eine plastische Einzelheit zeichnerisch erschöpfend zu behandeln. So ist unter der Mitwirkung bildhauerischer Kräfte der grösste Theil des ornamentalen plastischen Schmuckes des Rosengartens entstanden. Anders liegen die Ver¬ hältnisse bei grösseren und selbständigen plastischen Werken, wie bei dem Nibelungenfries der Halle, bei den Wanddekorationen grösseren Stils im Musensaal oder bei dem Beethoven- und dem Mozartportal. In diesen kommt die ausserordentliche und gestaltungs¬ reiche Kunst des Bildhauers Professor Christian Behrens in Breslau zur vollen Geltung. Hier hat der Architekt zunächst nur die erste Anregung ge¬ geben, in den Skizzen in gemeinsamer Arbeit den allgemeinen Charakter der Plastik, die Höhen- und die Massenwirkung derselben, sowie ihre Grössenver- No. 46. 294 hältnisse festzustellen versucht, um dann die weitere Durcharbeitung der selbständigen Arbeit des Bild¬ hauers zu überlassen. Eine etwas weitergehende Ein¬ flussnahme des Architekten hat bei den Portalen statt¬ gefunden und stattfinden müssen. Sie wurden nach einer architektonischen Skizze zunächst gemeinsam im Maasstabe i : io angelegt, in ihrer Massenvertheilung und hauptsächlich ihrer Einfügung in die Gesamt¬ wirkung der Fassade durch den Architekten festgelegt, innerhalb dieser Grenzen aber wieder der freien Arbeit des Bildhauers überlassen. Freilich ist es zu diesem Zwecke nöthig, dass der Bildhauer bei aller Stärke der persönlichen Empfindung jenes feine Gefühl für die Architektur und für die harmonische Zusammen¬ wirkung des bildnerischen Werkes mit derselben be¬ sitzt, durch welche Christian Behrens in so hervor¬ ragender Weise ausgezeichnet ist. Es ist keine über¬ flüssige Forderung für die feinere künstlerische Schulung des Architekten, ihn mehr als es bisher zu geschehen pflegte, mit den Bedingungen des plastischen Kunstwerkes in eigenem Schaffen vertraut zu machen, sollen, wie es häufig jetzt geschieht, die plastische Wirkung eines Bauwerkes und seines bild¬ nerischen Schmuckes nicht auseinander fallen. Zwei Fälle konnten bisher beobachtet werden: der häufigere ist der, dass dem Bildhauer lediglich der Ort des plastischen Schmuckes bezeichnet wurde, für dessen Schöpfung er im übrigen sich selbst überlassen blieb ; oder aber, dass die Einflussnahme des Architekten so weit ging, dass der Bildhauer lediglich zum Aus¬ führenden des zeichnerischen Entwurfes wurde. In beiden Fällen waren störende Verhältnisse in die Gesamterscheinung des Werkes getragen. Im einen Falle die ungebrochene und zu stark hervortretende Individualität des Bildhauers, wenn er eine solche besass, im anderen Falle der zu stark hervortretende zeichnerische und der zu sehr mangelnde plastische Charakter der Bildwerke. Weder die völlige Sich- selbstüberlassung des Bildhauers, noch die Bean¬ spruchung desselben lediglich als Handreicher, lediglich als Ausführer zeichnerischer Entwürfe des Architekten, mag deren künstlerischer Werth an sich ein noch so hoher sein, führen zu harmonischer Wirkung, sondern, wenn der Künstler nicht den Architekten und Bild¬ hauer in sich vereinigt, die altruistische Zusammen¬ arbeit beider. Ein Ergebniss dieses interessanten Verschmelzungsprozesses von bleibendem Werth ist der plastische Theil des Rosengartens in Mannheim. Dieser Prozess erstreckt sich auch auf den malerischen Schmuck des Werkes. Bei diesem war Hr. Maler Unger in Berlin der Mitarbeiter des Archi¬ tekten. Als selbständiges Werk rührt von ihm die aufschiebbare Abschlusswand an der Bühnenseite des Konzert- oder Musensaales her; der übrige gemalte Schmuck aber ist das Ergebniss gemeinsamer Arbeit zwischen beiden. — Die Bauleitung übten, theils als Vertreter der Stadt, theils als Vertreter des Archi¬ tekten, theils nach- und theils nebeneinander aus die Hrn. Architekten Zahn, Wilh. Söhner und Lorenz. Als unter dem erhebenden Eindruck, den das im Jahre 1890 in Karlsruhe abgehaltene V. badische Sängerbundesfest bei den Theilnehmern hinterlassen hatte, von den Gesangvereinen der Stadt Mannheim, unterstützt von zahlreichen anderen Angehörigen der Stadt, an den Stadtrath das Ersuchen gerichtet wurde, die Vorarbeiten zur Errichtung einer städtischen Fest¬ halle für grössere Festlichkeiten, Konzerte, Massen¬ versammlungen, Kongresse, Ausstellungen usw. aufzu¬ nehmen, da konnte die Bürgerschaft von Mannheim kaum ahnen, dass diese Anregung zu dem glanzvollen Bauwerke führen würde, dessen Vollendung die Oster¬ glocken dieses Jahres eingeläutet haben. Freilich nicht ohne schwere Kämpfe ist es erstanden, aber es ist erstan¬ den und es ist zu aller Freude und Zustimmung erstanden. „Gar Mancher“, sagt das Programmbuch zur Weihe des Hauses mit Recht, „den Ungeduld oder Missmuth in die Kreise der Gegner getrieben, wird jetzt besiegt die Waffen strecken; denn nie hätte ein so gross ange¬ legtes Werk zu einer so hohen Vollendung gebracht werden können, wenn man mit den Mitteln gegeizt oder den schaffenden Künstler zu übereilter Arbeit getrieben hätte .... Mit berechtigtem Stolz darf heute der geniale Schöpfer auf sein abgeschlossenes, der hehren Kunst nicht minder, wie der heiteren Festes¬ freude unserer Bevölkerung geweihtes Bauwerk blicken, eingedenk Wotans grüssenden Wortes an Walhall: „Vollendet das ewige Werk! Prunkvoll prahlt der prangende Bau. Wie im Traum ich ihn trug, Wie mein Wille ihn wies, Stark und schön Steht er zur Schau — Hehrer, herrlicher Bau!“ — Die zweite Kaiser Franz Josef-Hochquellenleitung für die Wasserversorgung der Stadt Wien. air haben im Jahrg. 1900 der „Deutschen Bauzeitung“ S.545 bereits kurz auf den damals bekannt gegebenen Vorentwurf für eine zweite Hochquellenleitung zur Wasserversorgung der Stadt Wien hingewiesen, der, mit 100 Mill. Kronen Ges.- Kosten abschliessend und für einen Tagesbedarf von 20oooocbm berechnet, am 27. März 1900 durch den Gemeinderath genehmigt wurde. Die Arbeiten wurden am 11. August 1900, dem Geburtstage des Kaisers Franz Josef, durch die feierliche Grundsteinlegung einge¬ leitet und die Anlage, welche den gesteigerten Bedarf von Gross- Wien an reinem Quellwasser befriedigen soll, er¬ hielt damals den oben genannten Namen. Im Selbstverläge des Wiener Magistrates ist nun vor kurzem eine kleine Schrift des Stadtbaudir. F. Berger erschienen, welche nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung des ganzen Unternehmens den aufgrund der J900 und 1901 ausgeführten genaueren Vorarbeiten auf¬ gestellten endgiltigen Entwurf näher bespricht. Wir ent¬ nehmen dieser Darstellung nachstehende Mittheilungen. Der Entwurf sieht die Ausnutzung von 6 Quellen¬ gruppen des Salza-Flusses in den Kalkalpen nahe der österreichisch-steyerischen Landesgrenze vor, nämlich der Quellen in der „Hölle“, in 6gom Meereshöhe, der „Kläffer¬ brünne“ in 647 — 724 m, der „Siebenseenquellen“ 111 773)5 — 822,7 m, der „Schreierklammquelle“ in 834 m und der „Seisensteinquelle“ in 595 “.Höhe ent¬ springend. Sie werden durch Sammelrohre, Sammel¬ galerien, Sammelstollen und Brunnenstuben erschlossen. • Linien führ ung ist gegenüber dem Vorentwurf nicht unwesentlich verbessert und um 30,5 km imganzen verkürzt, wobei gleichzeitig ein zwischen Stössing und Laaben vorgesehener Stollen von 5 km auf 2,03 km zurück¬ geführt wird. Die Hauptleitung von den Quellen in der Hölle bis Mauer bei Wien erhält 171,217 km Länge. Daran 10. Juni 1903. schliessen als Zweigleitungen an: 12,3 km Von den Brunnen¬ grabenquellen bei Weichselboden, 5,48 km von den Siebenseenquellen bei Wildalpe, in welche noch als weitere Zweigleitung die 3,28 km lange Zuleitung der Schreierklammquelle und die 0,76 km lange Druckleitung der Seisensteinquelle einmündet. In die 182,508km lange Leitungsstrecke von Brunn¬ graben bis Mauer bei Wien entfallen 83,2km auf den regelmässigen Zuleitungskanal, 70,7 km auf Stollenleitungen, 19,5 km auf Syphons von je 2 Rohren von tioo mm Durchm., 1, 1 km auf Syphons mit 2 Rohren von je 900 mm Durchm., 1.6 km auf einfache Rohrleitungen von 395—900 mm Durchm., 44 km auf gewölbte Aquädukte mit mehreren Oeffnungen, 1.7 km auf gewölbte Kanalbrücken mit 1 Oeffnung, 0,3 km auf 5 gewölbte Rohrbrücken. Die schon erwähnten Zweig¬ leitungen sind durchweg Rohrleitungen. Von den Stollen durchbrechen 9 eine Wasserscheide in Längen von 1700 bis 5370 m (Göstlinger Alpen). Die Länge der Siphons schwankt zwischen 83m und 9500™ (zwischen der Nach¬ bargau und Lunz). Die Gefällverhältnisse lassen sich zwischen Brunnengraben und Wien nach 7 Strecken unterscheiden. Die Anpassung an das Gelände, an die zu überschreiten¬ den Wasserläufe usw. bedingte sehr erhebliche Wechsel im Gefälle. Dieses schwankt zwischen 0,22 °/00 in der längsten und letzten Strecke von Kienberg bis Mauer als kleinstem Maasse, und 2oo°/00 bei einzelnen konzen¬ trierten Abstürzen oberhalb Weichselboden. Selbst bei dem genannten geringsten Gefälle ergibt sich bei der gewählten Form des Kanalprofiles von 2,07 “ lichter Höhe und 1,9 m lichter Weite bei dem hohen angenommenen Füllungsgrad noch eine Geschwindigkeit von 0,91 m/Sek. Die Wasse rvertheilung in Wien ist so geplant, dass, soweit der Druck ausreicht, von der II. Hauptquellen- 295 leitung auch diejenigen höher gelegenen Gemeindebezirke (XVI — XIX) mit Quellwasser versorgt werden, die z. Zt. von dem -f- 274 m gelegenen Sammelbehälter von Breiten¬ see nicht mehr bedient werden können. Zu dem Zwecke ist am Wilhelminenberge bei Dornbach ein neues Hoch¬ reservoir auf + 319™ geplant, dem das Wasser von der Uebergangskammer am Ende der neuen Wasserleitung durch einen 6iomm weiten Rohrstrang zugeführt werden soll. Das genannte Sammelbecken von Breitensee und der Wasserthurm von Favoriten auf -f- 270,80 “> sollen ge¬ gebenen Falles später ebenfalls von der neuen Leitung aus, also ohne künstliche Hebung des Wassers gefüllt werden. Zu diesem Zwecke führen 2 je 950 mm weite Rohre von der genannten Uebergangskammer bei Mauer zu einer beson¬ deren auf -f- 288 m angelegten Entlastungskammer, deren Höhenlage den genügenden Druck für den bezeichneten Zweck gewährt. Diese Entlastungskammer steht durch die erwähnten beiden Leitungen auch mit dem Haupt - reservoir am Rosenhügel in Verbindung, von welchem dann auch die übrigen Reservoire (Schmeltz, Wienerberg, Laaerberg) mit Wasser aus der neuen Hochquellenleitung versorgt werden können, sodass diese also, ohne dass die bestehenden Hauptvertheilungs-Rohrstränge einem über¬ mässigen Druck ausgesetzt werden, für das gesamteWasser- versorgungsgebiet nutzbar gemacht werden kann. — Vermischtes. Zur Unterscheidung des Portlandzementes von ande¬ ren Zementen, die unter ähnlich lautenden Namen gehen. Nach einer Verfügung des preussischen Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 2,1. November 1902 sollen die als Portlandzemente angebotenen und gelieferten Ze¬ mente in allen Theilen den Normen für die einheitliche Lieferung und Prüfung von Portlandzement entsprechen, und es ist unstatthaft, anstelle von Portlandzement Misch¬ zemente, denen nach dem Brennen weitere Bestandtheile beigemischt sind, zur Anlieferung zu bringen. Falls da¬ her bei der Ausschreibung Portlandzement verlangt ist, sind auch die sogenannten Eisen-Portlandzemente nicht als bedingungsgemäss anzusehen. Hierzu ist folgende Mittheilung aus den königl. Versuchsanstalten zu Berlin 1902 V. S. 217 von Inter¬ esse: „Im Berichtsjahre sind mehrfach (in einem Falle für eine Reichsbehörde allein vier) Zemente zur Untersuchung daraufhin gelangt, ob etwa dem Zement nach dem Brennen Hochofenschlacke zugemischt sei. In verschiedenen Fällen konnte die Zumischung beträcht¬ licher Mengen von Hochofenschlacke nachgewiesen wer¬ den. Bei der bereits erwähnten Behörde hatten die im Laboratorium hergestellten Probekörper nach einigen Tagen bei Lagerung unter Wasser zu treiben begonnen; sie waren theilweise erweicht und hatten sich mit einem weissen, schleimigen Schlamm überzogen. Die Behörde schloss hieraus auf die Zumischung von Hochofenschlacke. Der Verdacht bestätigte sich bei der Prüfung in der Versuchsanstalt. Der Vergleich mit den Fresenius’schen Grenzwerthen, sowie die Ergeb¬ nisse der Analyse bewiesen, dass dem Zement, der im übrigen die Normenfestigkeit hatte, nach dem Brennen Hochofenschlacke beigemischt war. Bei der Prüfung auf Raumbeständigkeit zeigte sich die auffällige Thatsache, dass die aus dem frischen Zement hergestellten Kuchen nach 28 Tagen eben, scharfkantig und rissefrei blieben; während die Kuchen des drei Wochen alten Zementes schon nach 7 Tagen schwache Treib¬ risse hatten, sich krümmten und von der Glas¬ platte ablösten“. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für Erbbegräbnisse erlässt der Architekten-Verein zu Berlin für seine Mitglieder zum 25. Juli d. J. Vier nebenein¬ ander liegende, verschiedenen Familien gehörende Erb¬ begräbnisse sollen architektonisch einheitlich ausgebildet werden, aber doch wieder so, dass die für jede Familie vorgesehene Kopffront eine selbständige Gestaltung erhält. Geschlossene Ueberbauten werden nicht gewünscht. Die Zeichnungen sind 1 : 100 und 1 : 25 verlangt. Es gelangen 2 Preise im Gesamtbeträge von 400 M. zur Vertheilung. Das Preisgericht übt der vom Verein ständig ernannte „Ausschuss zur Beurtheilung der Preisbewerbungen im Hochbau“ aus. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für Fassaden zu drei Häusern am neuen Platze zwischen dem kgl. Schloss und dem Schlossteiche zu Königsberg 1. Pr. wird für Architekten Deutschlands zum 15. Aug. 1903 er¬ öffnet. Es gelangen 3 Preise von 2500, 1500 und 1000 M. zur Vertheilung; ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Unter den Preisrichtern be¬ finden sich folgende Vertreter des Baufaches, die in der Mehrzahl sind: kgl. Brth. Fr. Schwechten in Berlin, Geh. Brth. Baehcker, Postbrth. Prinzhausen und Stdtbrth. Mühlbach in Königsberg i. Pr. Unterlagen gegen 3 M., die zurück erstattet werden, durch den Magistrat in Königsberg. — Ein Preisausschreiben des Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Vereins betrifft Entwürfe für die Bebauung eines Theiles des in den Besitz des Reichsrathes von Cramer- Klett übergegangenen Geländes der ehemaligen Maschinen¬ bau-Gesellschaft in Nürnberg. Es gelangen 3 Preise von 1200, 900 und 700 M. zur Vertheilung. — Wettbewerb Rathhaus Ober- Schöneweide bei Berlin. Ein I. Preis wurde nicht vertheilt. II. Preise von je 2000 M. wurden den Hrn. Vogeler & Kadereit in Halensee und Prof. Hugo Behr in Görlitz zuerkannt. Den III. Preis von 1500 M. errang Hr. F. Berger in Steglitz. Zum An¬ kauf empfohlen wurden Entwürfe der Hrn. Hennings in Charlottenburg und Hochrath in München. — Brief- und Fragekasten. Hrn. Amtsbmstr. W. H. in W. Nach dem Wortlaute der Allgemeinen Bestimmungen vom 28. Mai 1876 zum Baufluchtengesetz vom 2. Juli 1875 unter III § 2 B. kann es keinem Zweifel unter¬ liegen, dass für die Aufstellung von Bebauungsplänen und Bauflucht¬ plänen das Zusammenwirken eines Feldmessers und eines Ge¬ meinde-Baukundigen erforderlich ist. Dieselbe ist in doppelter Weise gedacht, entweder wird der Plan von einem Feldmesser hergestellt, oder von dem Gemeinde- Baukundigen Ersterenfalls bedarf er der Bestätigung seiner Richtigkeit durch den Baukundigen. Letzterenfalls hat umgekehrt ein Feldmesser die Richtigkeit des vom Baukundigen hergestellten Planes zu bestätigen. Diese Be¬ stätigung soll die Uebereinstimmung der eingesetzten Maasse und Grössenverhältnisse mit der Wirklichkeit und der thatsächlichen Grundstücks-Beschaffenheit feststellen. Sie ist nothwendig oder wenigstens zweckmässig um zu verhindern, dass es versehentlich zu Plänen kommt, deren Durchführbarkeit ausgeschlossen ist, weil die katasteramtlichen Absteckungen sie verbieten würden. Ein von Ihnen aufgestellter, aber der Bestätigung eines Feldmessers entbehrender Plan würde zur Auslegung im verordneten Verfahren nicht ausreichen — - K. H-e. Hrn. Ing. O. V. in L. Uns sind Wärmeleitungs-Koeffizienten für Tuffstein bisher nicht zu Gesicht gekommen. Sollte es solche geben, so wird um Mittheilung derselben ersucht. Selbstverständ¬ lich handelt es sich nicht um Kalktuff, sondern um den Tuffstein, welcher durch Vermahlung den Trass liefert. Anfragen an den Leserkreis. 1. Gibt es für den bautechnischen Unterricht an technischen Mittel¬ schulen ein Vorlagenwerk ähnlich den „Vorlageblättern für den bau¬ technischen Unterricht an Gewerbeschulen“ von Riewel & Schmidt, Wien 1874. Verlag des österr. Museums für Kunst und Industrie — also ein Werk, in welchem für ein Beispiel, Wohn- und Ge¬ schäftshaus mittlerer Grösse, alle Konstruktionen, Einzelheiten usw. durchgearbeitet sind? W. Miller in Augsburg. 2. Ist es empfehlenswerth , ein Warenhaus in allen Geschossen mit dem sog. Steinholzfussboden auszustatten ? Ist die Haltbarkeit gegenüber Eichenböden oder Linoleum beträchtlich grösser? Und auf welche Zeitdauer kann bei starkem Begehen gerechnet werden ? — A. & K. in Metz. 3. Die Zifferblätter der Uhr eines Kirchenneubaues zu Krefeld sollen beleuchtet werden. In Krefeld, das elektrische Beleuchtung hat, wird zu diesem Zwecke allseitig Gas (Auerbrenner) empfohlen, während z. B. in Aachen nur elektrisches Licht benutzt wird. Was hat sich anderwärts bewährt und wie stellen sich die An¬ lage- und Unterhaltungskosten? — A. in Aachen. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zu der an Hrn. O. M. in Bremen gerichteten Antwort in No. 27 erhalten wir nachstehende Zuschrift der dort genannten Firma, der wir mit dem Bemerken Raum geben, dass wir von den betreffen¬ den Zeugnissen Einsicht genommen haben: In No. 27 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie im Briefkasten über unsere Spezial-Heizkörperfarben die Notiz, dass dieselben, ob¬ wohl Sie das bestgeeignete Material für den Anstrich von Radia¬ toren usw. darstellen, in der ersten Zeit der Heizperiode nach¬ bräunen. Wir erlauben uns Ihnen daraufhin zu bemerken, dass unsere Spezial-Heizkörperfarben mit der Zeit eine so bedeutende Verbesserung erfahren haben, dass selbst auch eine Veränderung des Farbentones durch Nachbräunen völlig ausgeschlossen ist. Wir erlaubten uns Ihnen zur gefl. Einsicht eine Anzahl Zeugnisse von Behörden vorzulegen, bei welchen gerade auch die Beständigkeit des Farbentones als hervorragende Eigenschaft bezeichnet wird. Heyn & Manthe in Berlin W. Inhalt: Amthof zu Bremgarten im Kanton Aargau, Schweiz. — Die Ausgestaltung des Friedrichsplatzes und die neue Festhalte in Mannheim (Schluss). — Die zweite Kaiser Franz Josef- Hochquellenleitung für die Wasserversorgung der Stadt Wien. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 46. 296 *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 47. % DEN 13. JUNI 1903. * ************** Die geplanten neuen Hafenanlagen in Bergen in Norwegen. Abbildg. 1. Ansicht der „Tyske Brygge“. Amthof zu Bremgarten im Kanton Aargau, Schweiz. (Schluss.) Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 500 und 301. er Wunsch des jetzigen Besitzers, Hrn. H. Meyer-Ganzoni, dem alten Amthofe, seinen heimlichen Räumen und Nebenanlagen eine sorgfältige, von künstlerischen Gesichts¬ punkten ausgehende Auffrischung ange¬ deihen zu lassen, das Esszimmer des ersten Ober¬ geschosses durch eine einem Wintergarten ähnliche Raumanlage zu erweitern und das Nebengebäude, welches vordem zu industriellen Zwecken gebraucht worden, zuletzt aber ganz unbenutzt geblieben war, wirthschaftlichen und wohnlichen Zwecken dienstbar zu machen, gab die Veranlassung zu den in den Jahren 1899 bis 1901 nach den Entwürfen des Hrn. Architekten Richard Michel (z. Zt. Frankfurt a. O.) ausgeführten Baulichkeiten. Hierbei wurden die alten starken Umfassungen des Nebengebäudes bis zu ent¬ sprechender Höhe zum Auf- bezw. Einbau neuer Bau¬ massen benutzt und es brauchte nach dem Plane nur die südwestliche Ecke ganz abgetragen zu werden. Die neugeschaffene Anlage, bestehend aus dem sich an den alten Amthofbau anschliessenden Hallen¬ bau, dem Thurm und Nebengebäude, im ersten Ober¬ geschoss durch einen Laufgang verbunden, enthält die in den Grundrissen S. 294 bezeichneten Räumlich¬ keiten, welche den wohnlichen, wirthschaftlichen und liebhaberischen Zwecken des Erbauers dienen. Das Nebengebäude ist theilweise unterkellert und im Dachgeschoss ausgebaut worden. Der Thurm- obertheil, zu welchem eine sehr bequem begehbare Holztreppe führt, enthält ein holzvertäfeltes Söller¬ zimmer und ein darüber liegendes Auslugzimmer, beide dem Auge herrlichen Ausblick in Nah und Fern bis zur Alpenkette bietend. Das in früherer Zeit durch Schindeln überdeckte eichene Fachwerk der alten Kapellenraum-Wandungen, hinter denen die noch gut erhaltene Hauskapelle liegt, wurde freigelegt und in sorgfältigster Weise wiederhergestellt. Die technische Ausführung der Baulichkeiten war Hrn. Bmstr.Th. Bertschinger in Lenzburg übertragen worden. Die Gesamtbaukosten für Herstellung dieser Baulichkeiten bis zur Schlüssel-Uebergabe betrugen 58 110,15 Frcs., ausschliesslich der Heizanlage für die Pflanzenhallen. Das obengenannte Esszimmer im Haupt¬ baue erhielt eine nach Entwürfen des Architekten aus¬ geführte Holzdecke mit kunstschmiederechter Licht¬ krone und eine theilweise Vertäfelung der Wandungen, dem Formcharakter der alten Bauweise entsprechend. Ausgeführt wurde hierbei die Tischlerarbeit von Hinnen & Co. und von H. Lips in Zürich; die Holz¬ schnitzarbeit von Prof. Regl in Zürich; die Lichtkrone von Egloff & Co. in Zürich Erwähnt sei noch, dass bei Wiederherstellung der alten inneren Treppenhaus- Wandungen der ursprüngliche Wandanstrich und sein Ornamentschmuck und im Hauptbau-Obergeschoss eine sehr gut erhaltene Holz-Kassettendecke mit einfacher Einlegearbeit (16. Jahrh.) aufgedeckt wurden Der Bauherr hat nicht die Mittel gescheut, das Ganze in echtem Material durchbilden zu lassen und es ist eine seinen Wünschen Rechnung tragende, im Durchschnitt gute Gesamtarbeit entstanden. — 297 Die geplanten neuen Hafenanlagen in Bergen in Norwegen. Erlangung von Plänen für die nothwendigen Hafen- un<^ Bahnhofs - Erweiterungen der Stadt Bergen in ^ Norwegen (welche z. Zt. etwa 72000 Einwohner zählt) wurde seiner Zeit ein internationaler Wettbewerb veran¬ staltet*). Die mit der Beurtheilung der Hafenpläne bei diesem Wettbewerb betraute Prüfungskommission wurde von der Stadt mit der weiteren Bearbeitung der Pläne beauftragt und hat diese durch den Vorsteher des Hafen¬ bauamtes in Bergen, Hrn. E. Holtermann, bewirken lassen. Diese Pläne, welche einen gänzlich neuen Ent¬ wurf darstellen, liegen jetzt vor. Wir entnehmen über dieselben den zugehörigen Erläuterungen, sowie den bei dem Wettbewerb seiner Zeit ausgegebenen Unterlagen die nachstehenden Mittheilungen und fügen einen Ueber- sichtsplan der Stadt mit ihren alten und neuen Hafen¬ anlagen, sowie (in No. 48) einige Querschnitte durch die neuen Kaianlagen hinzu. Da infolge des Hafenausbaues die altehrwürdige Tyske Brygge, an welcher die Kaufleute der mächtigen Hansestädte einst ihre Kontore besassen, in ihrer jetzigen Form verschwinden wird, so geben wir in unserem Kopibild eine Ansicht derselben wieder. Die Stadt Bergen liegt an dem tief in das Land einge¬ schnittenen Byfjord auf einem Landvorsprung. Der Byfjord theilt sich in zwei schmalere, Puddefjord bezw. Vaagen genannte Arme und bildet bei dem nördlichen Stadttheile Sandviken eine weite Bucht gleichen Namens. Durch einen schmalen Wasserlauf, den Nygaardsstrom, steht der Puddefjord mit einem seeartig erweiterten, vollständig ge¬ schützten Binnenbecken, dem Store Lungegaardsvand, von etwa 4 qkm Fläche in Verbindung, von welchem sich noch ein kleinerer Zipfel, der Lille Lungegaardsvand, bis tief in die Stadt hineinschiebt. Die vorherrschenden Winde kommen aus südlicher und südwestlicher Richtung und verursachen im Hafen keinen Seegang, dagegen sind einzelne der äusseren und nördlichen Theile des Hafengebietes bei Nord- und Nord¬ weststürmen starkem Wellenschlag ausgesetzt. Der Fluth- wechsel beträgt durchschnittlich 1 ™ bis 1,50 m, der höchste bisher beobachtete Wasserstand liegt 1,56“ über dem Null¬ punkt (Mittelwasser) und 0,46“ über dem gewöhnlichen Hochwasserstand. Die Verhältnisse sind also für die Aus¬ nutzung zu Hafenzwecken sehr günstige. Die jetzt vorhandenen Hafenanlagen beschränken sich fast ausschliesslich auf den bereits genannten Arm Vaagen, der ein langgestrecktes Hafenbecken von etwa X2oo m Länge bei durchschnittlich 230 Breite darbietet. Die Einfahrt wird durch einen quer vorgelegten, mit den Ufern nicht zusammenhängenden und einen kurzen von der nordöstlichen Landspitze vorgestreckten Wellenbrecher geschützt. Auf der Westseite springen einzelne Lade¬ brücken für den Fjord und Lokalverkehr vor dem Ufer vor, im übrigen ist diese Seite mit im Privatbesitz befind¬ lichen Speicheranlagen bebaut. Die einzelnen Speicher werden häufig durch senkrecht zum Ufer geführte Kanäle (Hop) von einander getrennt, daher die sägeförmige Ge¬ stalt des Ufers, welche unser Plan erkennen lässt. Die nördlichen und südlichen Theile des nordöstlichen Ufers dieses Hafenarmes sind mit Kaianlagen ausgestattet. Diese Kais besitzen Gleisverbindungen. In Sandviken sowohl wie am Puddefjord und Store Lungegaardsvand sind die vorhan¬ denen Hafenanlagen nur ganz unbedeutend, dagegen sind dort grosse private Speicher- undPackhausbauten vorhanden. Die bestehende Bahn führt nur nach Voss, einer kleinen Stadt im Inneren des Landes (von welcher man die Ausflüge nach Stalheim und nach Gudvangen am Sognefjord unternimmt), und ist schmalspurig gebaut. Sie hatte im Jahr 1901/02 einen Verkehr von 865492 Per¬ sonen und 21984t an Eil- und Frachtgütern. Für die grossen Bahnhofsanlagen, welche mit der Eröffnung der jetzt im Bau begriffenen normalspurigen Bahn nach Christiania nothwendig werden, sind mehrere Vorschläge gemacht worden, welche theils die jetzige Lage des Bahnhofes auf der Westseite des Store Lungegaardsvand festhalten, theils eine gänzliche Verlegung des Bahnhofes nach der Ost¬ seite voraussetzen. In dem letzteren Falle würde der Nygaardsstrom, der jetzt durch eine Eisenbahnbrücke ge¬ sperrt ist, freigegeben werden, sodass damit die Aus¬ nutzung des Store Lungegaardsvand als Hafenbecken er¬ möglicht würde. Ueber die Bahnhofsfrage ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Es fehlen daher in dem Hafenplan die Anschlüsse der Hafengleise an die Eisenbahnlinie. Die Planung ist jedoch eine derartige, dass Anschlüsse für beide infrage kommenden Bahnhofs¬ lagen auf alle Fälle möglich sind. Der Verkehr des Hafens in Bergen ist verhältniss- *) Ueber den Ausfall s. Dtsch. Bztg. Jhrg. 1900 S. 524, 592. mässig bedeutend. Im Jahre 1901 liefen den Hafen 8070 Dampfer an mit einem Raumgehalt von 1635000 Reg.- Tonnen (neito). Der gesamte Seeschiffs- Güterverkehr be¬ trug 1 900 000 1 (zu 1000 kg). Hiervon entfielen auf den Kaiverkehr 7770 Dampfer mit einem Raumgehalt von 1332000 Reg.-Tonnen, während sich der gesamte Güter¬ umschlag am Kai auf 1 505 000 1 stellte. Der Umschlags¬ verkehr in Bergen übertraf denjenigen von Christiania im Jahre 1901 noch um rd. 200005 Von deutschen Häfen kam er demjenigen von Danzig etwa gleich, während er Königsberg und Stettin hinter sich liess. Der Werth der zur See in Bergen ein- und ausgeführten Güter stellte sich im Durchschnitt im Jahre 1881/85 auf 43,9 Milk, 1886/90 auf 47,8 Milk, 1891/95 auf 58,1 und 1896/1900 auf 66,7 Milk Kr. Verschiedene Güter wie Kohlen, Getreide und z. Th. auch Fischereiprodukte werden durch Leichter geladen und gelöscht. Bei den vorstehenden Angaben ist der kleinere Küsten- und Lokalverkehr nicht mitgerechnet. Die jetzigen Hafenanlagen, die diesem Verkehr nur etwa 1110™ der Allgemeinheit dienende Kailänge zur Verfügung stellen, d. h. 0,7 m für einen Umschlag von 1000 *, genügen diesem grossen und stetig wachsendenVerkehr in keiner Weise mehr und wenn die Stadt nicht nach der Eröffnung der neuen Bahn in dem Wettbewerb mit Christiania und Drontheim, hinter welchen sie inbezug auf Kailänge und Ausstattung des Hafens schon jetzt sehr erheblich zurück¬ steht, unterliegen soll, so muss sie unbedingt einen grossen Theil der geplanten Anlagen in nächster Zukunft zur Aus¬ führung bringen. Bei dem Entwurf für die Hafen-Neuanlage wird vorausgesetzt, dass das Hafenbecken Vaagen als Stück¬ guthafen und Anlegeplatz für die Dampfer nach bestimmten Linien, und zwar sowohl für die aus- wie die inländischen, beibehalten wird. Für den Fjord- und Lokalverkehr sind auf der Westseite mehrere neue Ladezungen vorgesehen, darunter zwei grössere an der Stelle, wo die jetzigen Zoll- Packhäuser liegen. Auf der Ostseite ist die Anlage eines 414“ langen Kais geplant, durch welches die vorhandenen Kaistrecken zu einem einheitlichen, mit Kaimauern ver¬ sehenen Ganzen verbunden werden sollen. Dieses Kai wird mit Schuppen und Ladegleisen ausgestattet und es wird hier die Ausführung neuer Zoll- und Freilagerspeicher vorgeschlagen. Da die Ostseite den Dampfern der grossen Küsten- und überseeischen Linien Vorbehalten werden soll, so dürfte sich eine Verlegung der Zollspeicher nach dieser Seite wohl empfehlen. Am Kopf des Beckens ist an der Querseite ein kleiner Hafendamm geplant, auf welchem eine Fischhalle aufgeführt werden soll. Für den bedeutenden Fischereiverkehr Bergens ist ferner am südlichen Theil von Sandviken, Skudeviken genannt, also unmittelbar neben der Einfahrt nach dem bisher beschriebenen Vaagen, ein besonderer Fischerei¬ hafen von fast 10 ha Fläche angeordnet. Dieser Hafen wird durch eine gegen 200 m lange und 10 m breite Mole geschützt, deren innere Seite mit Kaimauern versehen wird. Hier ist eine grosse Auktionshalle für die Ver¬ steigerung der Seefische, nebst Gefrieranlagen und sonsti¬ gen Einrichtungen für Konservierung der frischen Fische vorgesehen. Hier soll sich überhaupt der Umschlag der Fische von den Fischdampfern zur Bahn vollziehen, wes¬ wegen auch die Kais mit Gleisen ausgestattet sind. Im nördlichen Theil von Sandviken sind ein kurzer, breiter Hafendamm und eine kleine Kaianlage für den Lokalverkehr, für die Anlage von Marktplätzen, sowie eine kleine Ladezunge für kleinere Fahrzeuge mit Brenn¬ holz usw. vorgesehen. Hinter den grossen privaten Speicher¬ anlagen in Sandviken wird als Zufuhrweg eine 25 m breite Verkehrsstrasse geschaffen. In dieser Strasse liegt auch ein doppeltes Ladegleis, welches mittels Tunnel die Hügel „Sverresborg“ und „Rothaugen“ durchbricht und nach einem kleinen Verschiebebahnhof auf „Koengen“, hinter der Festung Bergenhus, führt. Von diesem Bahn¬ hofe, welcher einen Theil des Bahnhofs -Erweiterungs- Planes bildet, gehen auch die Gleise des HafenarmesVaagen und des Fischereihafens aus. Bei letztgenannter Verbin¬ dung muss mit einem rd. 1200 “ langen Tunnel das „Flöifjeld“ unterfahren werden. Die Bucht von Sandviken, welche gegen nördliche Winde theilweise durch die Halbinsel Häggernäs geschützt ist, liegt gegen Westen ganz offen. Deshalb ist ein 260 ™ langer Wellenbrecher, von der Insel Kristiansholm in nordwestlicher Richtung ausgehend, geplant, durch welchen man ein grosses sicheres Hafenbecken erhält. Die grossen Getreide- und Salzdampfer, welche jetzt freiliegend an Bojen vertäut im Hafen von Vaagen löschen und den übrigen starken Verkehr beeinträchtigen, sollen in Zukunft hinter diesem Wellenbrecher liegen./^, 298 SteNo. 47. Die Rhede vor dem Hafenbecken Vaagen wird eben¬ falls durch einen Wellenbrecher geschützt und es sollen die Schiffe, welche im Sandviken keinen Platz finden, hier grosse Anschüttung, von welcher zwei kleine Ladezungen in der Richtung gegen die vorherrschenden nordwest¬ lichen Winde ausgehen. Diese sind für kleinere Fahrzeuge mit Brennholz, Baumaterialien und Aehnliches bestimmt. Am Puddefjord werden weiter gegen Westen und Süden folgende Anlagen vorgeschlagen: zwei Ladezungen von ioo und 153 m Länge mit 40 m Breite gehen von „Sydnäs“ und „Jägtevigen“ in nördlicher Richtung aus. Diese Richtung ist nicht mit den zwei früher erwähnten kleinen Ladezungen parallel, sondern etwas mehr nördlich gerichtet, um die östlichen Seiten besser zu schützen. PLAN von BERGEN mit den geplanten Hafen-Anlagen. neue KalflÖLcherv neue Lagerplätze neue Schupp eTumlagen vorTuuicLeneEisembahn/ Etierilahntunnei neue Gleisanlagen. DieTiefehJcunoen, beziehen/ sich/ auf den Mittelwasser stand ± 0 . löschen. Dieser Schutz der Rhede bewirkt ferner, dass Schiffe, welche den Hafen nur anlaufen, um Kohlen oder Proviant einzunehmen und keinen Liegeplatz am Kai brauchen, zu jederzeit ohne Gefahr beladen werden können. In der Nöstebucht, dem nordöstlichen Theil des Puddefjords, sind folgende Anlagen geplant: Ein Wellen¬ brecher, 150 m lang von der nördlichen Seite der Bucht in südwestlicher Richtung verlaufend, zwecks Schaffung eines sicheren Platzes zum Anlegen von kleineren Segel¬ fahrzeugen; ferner auf der östlichen Seite der Bucht eine 13. Juni 1903. Die westliche Seite der nördlichen Zunge wird durch die südliche Ladezunge gegen Wellenschlag geschützt und die Westseite der letzteren ist schon so weit gegen Westen 299 vorgerückt, dass sie von der Westküste des Puddefjord selbst genügenden Schutz erhalten wird. Auf diese Weise meint die Hafen-Kommission den Bau eines Wellenbrechers — entweder freiliegend oder als Fortsetzung desjenigen an der Nordseite der Nöstebucht — ersparen zu können, eine Anschauung, die jedoch nicht von allen Mitgliedern des Ausschusses getheilt wird. Bezüglich der beiden kleinen Ladezungen in der Nöstebucht ist von besonderem Schutz deshalb abgesehen, weil sich die Anlage eines kostspieligen Wellenbrechers auf den hier vorkommenden grossen Tiefen nicht rechtfertigen würde. Die Ladezungen von Sydnäs und Jägtevigen sind für den grösseren Stück¬ gutverkehr, der in Vaagen keinen Platz mehr findet, so¬ wie als Ladeplatz für eine Amerikalinie bestimmt und sind mit grossen Schuppen und Gleisanlagen ausgestattet. Die westliche Ladezunge setzt sich in eine über 300 m lange Kaianlage fort, sodass eine Flucht von 511 m Kai- länge entsteht. Diese Kaianlage, die ebenfalls mit Schuppen und Gleisverbindung versehen wird, ist für neue Stück¬ gutrouten bestimmt. — (Schluss folgt.) Amthof zu Bremgarten Im Kanton Aargau, Schweiz. Architekt: Richard Michel in Frankfurt a. O. Ansicht des Amthofes im Gesamtbilde der Stadt von der Reuss her und Ansicht der Baugruppe allein in ihrem terrassenförmigen Aufbau am Flussufer. Die neue Baupolizei-Ordnung für die Vororte von Berlin vom 21. April 1903. (Schluss.) No. 47. ach dem, was im ersten Theil dieser Veröffentlichung mitgetheilt wurde, haben die Berliner Vororte im Laufe von 16 Jahren vier Wechsel der Bauordnung an sich erfahren. Da jeder derartige Wechsel Eingriffe in das Eigenthum des Einzelnen und meist auch Eingriffe in den Haushalt der Gemeinden enthält, und da die Vororte sich theilweise über Erwarten kräftig entwickelt haben — wogegen Berlin die Erscheinung zeigt, dass der Bevölkerungs - Zu¬ nahme ineinzelnen Stadttheilen erheb¬ liche Abnahmen in anderengegenüber stehen — kann ge¬ sagt werden, dass dieBerlinerVororte eine gute Probe ihrer Leistungs¬ fähigkeit abgelegt haben. Der neuen, am 1. Mai d. J. ins Leben getretenen Bauordnung vom 21. April — die wie¬ der in der Form einer Regierungs- Polizeiverordnung erlassen worden ist — aber kann man, da sie von den Härten und Fehlern, welche die Bauordnung von 1892 enthielt, Vieles beseitigt hat und mehr als diese das Bestreben zeigt, den Besonderhei¬ ten der einzelnen Orte sich anzu¬ passen, getrost ein längeres Leben als ihrer unmittelbaren Vorgängerin prophezeien. Es sind mehr als 100 Gemeinden und ausserdem eine beträchtliche Anzahl von Gutsbezirken, auf welche die neue Bauordnung sich erstreckt. Sie liegen theilweise bis zu 30 km vom Mittelpunkte Berlins enfernt und eine An¬ zahl derselben lässt sich nicht ohne einigen Zwang un¬ ter die Berliner Vororte einreihen. Der ganze Bereich der neuen Bauord¬ nung umfasst etwa 125 000 ha Fläche, wenn wir nicht irren, etwas mehr als worauf die Bau¬ ordnung von 1892 erstreckt war. Das Mehr ist durch die Hinzunahme eini¬ ger Gemeindege¬ biete oder Theile von solchen ent¬ standen, in welchen der Mangel an bau¬ polizeilichen Vor¬ schriften über Be¬ baubarkeit, Gebäu¬ de-Abstände und -Höhen zum Scha¬ den der Nachbar¬ schaft ausgenutzt worden ist und Erhöhungen der Grundwerthe mit sich gebracht hat, die bei der weiten Entfernung von der Stadt als ungesund angesehen werden mussten. DemWei- tergehen dieserBe- strebungen ist nun- 3°° mehr ein Riegel vorgeschoben. Einen weiteren 'Einblick in die Aenderungen, die mit Einführung der neuen Vor- orte-Bauordnung verbunden sind, gewinnt man durch die Angabe, dass für 13 Vorortgememden die Vorschrift land- hausmässiger Bebauung entweder ganz aufgehoben oder auf geringere Bezirke beschränkt worden ist. Umgekehrt haben 5 Gemeinden und 2 Korporationen die Unterstellung lebentreten von dem amtlichen „Zentralbl. d. Bauverwltg.“ mit einer kurzen Begründung begleitet worden. Vergleicht man den diesmaligen mit dem früheren Begleitbericht, so erfährt man allerdings von den Hauptgründen, die zu der Abänderung geführt haben, nicht viel. Auch hier sind es zumeist die bekannten „Missverständnisse“ gewesen, welche sich im Publikum allemal einstellen, wenn die Be- unter die Vorschrift landhausmässiger Bebauung beantragt und bewilligt erhalten, während 9 Gemeinden für die Auf¬ rechterhaltung im bisherigen Umfange, bezw. Ausdehnung auf andere Gebiete eingetreten sind; auch diesen Bestre¬ bungen ist entsprochen worden. Wie die nunmehr aufgehobene, so ist auch die neue, am 1. Mai eingeführte Vororte-Bauordnung bei ihrem Ins- 13. Juni 1903. hörden einen Missgriff thun. „Es sei“ — so heisst es jetzt — „eine irrige Auffassung des Publikums gewesen, dass es sich bei der Schaffung von Landhaussiedlungen ledig¬ lich um solche nach der Art der Grunewalder gehandelt habe, die nur dem Begüterten den Aufwand eines eigenen Hauses gewähre, während an die Errichtung von Häusern mit Wohnungen für 4, 6 und 8 Familien gedacht war, die 301 sich für verhältnissmässig billige Miethe den behaglicheren Genuss einer Wohnung fern vom Getriebe der Grosstadt in gesunder Luft und anmuthiger Umgebung gestatten sollten.“ Wie schade, dass dies nicht schon bereits im Jahre 1892 erklärt worden ist! Aber noch mehr schade, dass Hunderte von ßaukünstlern sich an dem Problem vergeblich abgemüht haben, das der Bauordnung von 1892 thatsächlich entsprechende Ideal- Wohnhaus für minder Bemittelte zu erfinden. Es muss doch wohl an den Vor¬ schriften und nicht an der Erfindergabe der Baukünstler und Bauherren gelegen haben, dass die Lösung der Auf¬ gabe misslungen ist. Sie wird im Grunde wohl sehr oft auf die Unmöglichkeit hinausgekommen sein, aus vorhan¬ denen Baustellen von geringer Grösse und geringer Front¬ länge ohne LIinzukauf von Nachbarland ein grosses Grund¬ stück mit grosser Frontlänge zu machen. Es ist nun in der neuen Bauordnung die Bezeichnung „landhausmässige Bebauung“ kurzweg über Bord geworfen und erklärt, dass auch früher nur „geschlossene“ bezw. „offene“ Bebauung gemeint gewesen seien und es sich auch jetzt nur um diese beiden Bauweisen handle. Inner¬ halb der dadurch frei gewordenen Bahn hat aber der Verfasser der neuen Bauordnung eine grosse Mannig¬ faltigkeit der Bauweise, d. h. gerade dasjenige zuge¬ lassen, was die Bauordnung von 1892 nach der Aus¬ legung, welche ihr Bauherren und Architekten gaben, nicht gestatten wollte. Der „geschlossenen Bauweise“ sind in dem Geltungs¬ bereich der neuen Bauordnung rd. 39oooha, der „offenen“ rd. 86000 ha zugetheilt; es darf aber auch in ersterem Ge¬ biete offen gebaut werden. Das Gebiet der geschlossenen Bauweise zerfällt wie¬ der in zwei Theilgebiete, wofür die Bezeichnungen Bau¬ klassen I und II gesetzt sind. Zwischen beiden Klassen bestehen keine festen Grenzen, da zur Klasse I diejeni¬ gen Ortstheile (Strassen) rechnen, welche mit geregelter Wasserleitung und Kanalisation versehen sind, während zur Klasse II Ortstheile gehören, in welchen diese Ein¬ richtungen fehlen. Die Hauptunterschiede der Bauweisen sind aus folgenden Angaben ersichtlich: Bauklasse [ Bauklasse II Bebauungsfähiger Flächenantheil . . 0,5 0,4 desgl. bei Eckgrundstücken . . . 0,6 0,5 Gebäudehöhe . 18 m 15 m Zahl der Wohngeschosse .... 4 3 ausserdem bei i-seitig. Bauwich l/2 des Dachgeschosses zur Bewohnung benutz¬ bar einzurichten, bei 2-seitigem Bauwich das ganze Dachgeschoss desgleichen. Bauwichbreite . 6 m 6m Wenn die Decke des Kellergeschosses 1,50 m über dem Bürgersteig liegt im Kellergeschoss . bis 60 q™ Wohnraum. Ferner ist freigestellt einzurichten: ' im Keller- oder Dachgeschoss für Waschküchen . 40 qm im Dachgeschoss für Künstler- Ateliers 50 üm. In den der offenen Bauweise vorbehaltenen Gebiets¬ teilen sind 4 Bauklassen: A, B, C und D vorgesehen. Die Bauklasse A ist wieder darnach geschieden: ob ge- regelteWasserzuleitung und Kanalisation bestehen (Aj) oder nicht (A2). Je nachdem das eine oder andere stattfindet, kann in A1 wie in Bauklasse I. und in A2 wie in Bau¬ klasse II. gebaut werden. Sowohl in Ax als in A2 ist je¬ doch die Errichtung von Doppelwohnhäusern, bezw. Ge¬ bäudegruppen mit Längen von höchstens 50 m zulässig, wenn gleichzeitige Errichtung der einzelnen Gebäude erfolgt. Der einzuhaltende Bauwich ist, abweichend von Bauklasse I. und II., nur 5 m. Die Bauklasse B ist zwar inbezug auf den bebauungs¬ fähigen Flächentheil, die Grössthöhe der Gebäude und die Zahl der Wohngeschosse der Klasse A2 gleichge¬ stellt; doch steht sie gegen diese darin zurück, dass im Keller- sowohl als im Dachgeschoss Wohnräume nicht angelegt werden dürfen, vielmehr nur Künstler-Ateliers und Waschküchen. Doppelhäuser und Gebäudegruppen sind erlaubt, wenn die Länge nicht 40“ überschreitet. Wenn die Grenzen bereits bebaut sind, ist Bebauung ohne Bauwich gestattet, sonst beträgt derselbe 4 m. Die Bauklasse C vertritt in der neuen Bauordnung die Stelle der in der alten Bauordnung der landhausmässigen Bebauung Vorbehalten gewesenen Bauklasse. Die be¬ bauungsfähige Flächengrösse ist 0,3 (bezw. 0,4 bei Eck¬ grundstücken), die zulässige Höhe gleich der Strassen- breite zwischen den Baufluchten, die Zahl der Wohnge¬ schosse 2. Dazu darf das Dachgeschoss zu J/2 und das Kellergeschoss bis zu 3/4 zu Wohnräumen ausgebaut wer¬ den; der Bauwich ist 4™. Es sind nur zwei Häuser (und je ein Gegengebäude an Eckhäusern) bedingungsweise ge¬ stattet. Sogenannte Quergebäude auf dem hinteren Theil des Grundstückes dürfen nicht in Verbindung mit Vorder¬ gebäuden errichtet werden; sog. Seitenflügel müssen min¬ destens 10 m Abstand vom Vordergebäude erhalten. In Nebenanlagen (Nebengebäuden) dürfen höchstens 60 qna Grundfläche zu Wohnzwecken benutzt werden. Bauklasse D, welche gewissermaassen als neutrales Gebiet zwischen dem Geltungsbereich der Vororte -Bau¬ ordnung und dem Geltungsbereich der Bauordnung für das platte Land eingeschoben worden ist, steht inbezug auf die bebauungsfähige Fläche und den Bauwich der Bauklasse C gleich, ebenso mit Bezug auf den Zusammen¬ hang mehrerer Häuser, ferner die Stellung von Gebäuden hinter dem Vordergebäude und die Benutzung von Neben¬ anlagen zu Wohnzwecken. Dagegen darf die Grössthöhe der Gebäude 15 m, die Zahl der Wohngeschosse 3 betragen. Im Keller- und Dachgeschoss dürfen keine Wohnungen angelegt werden; doch ist die Anlage von Waschküchen in diesen Geschossen erlaubt. Was die Gebäude-Abstände und Hofgrössen anbetrifft, die in der neuen Bauordnung festgesetzt sind, so gelten im allgemeinen dieselben Vorschriften, die in der Bau¬ ordnung von 1892 enthalten waren; es erübrigt sich daher, auf dieselben einzugehen. Neuerungen, welche angetroffen werden, sind zum- theil von geringer Bedeutung, doch sind auch ein paar darunter, welchen grössere Bedeutung zuerkannt werden muss. Dahin gehört, dass alle zum dauernden Aufenthalt von Menschen benutzten Räume eine Mindesthöhe von 2,80 m (gemittelte Höhe, bei ungleicher Höhenlage der Decke) und nicht unter 10 qm Grundfläche haben sollen; dazu müssen sie auf eine Länge von mindestens 3 m nicht unter 1,80 m breit sein. Die Vorschrift zielt auf Vermin¬ derung menschenunwürdiger, bezw. gesundheitschädlicher Zustände bei der Anlage der Räume für Dienstpersonal und ist deshalb willkommen zu heissen. Sie kann für die bei Spekulanten beliebte Ausschlachtung des Wohnhaus- Grundrisses sehr unbequem werden und einige Rück¬ wirkung sogar auf den auch in den Vororten leider typisch gewordenen Berliner Hausgrundriss äussern. Sehr zweischneidig aber erscheinen uns ein paar andere Bestimmungen. Nach der aufgehobenen Bauordnung wurde bei Berechnung der bebauungsfähigen Fläche ein Vorgarten in ganzer Ausdehnung eingerechnet; in Zukunft soll dies nur bis zur Breite von 4 m zulässig sein. Wir fürchten, dass dadurch den Vorgartenanlagen von grösserer als 4“ Breite ein Ende bereitet ist und können das nur bedauern. Der zur Rechtfertigung dieser Bestimmung vorgebrachte Grund: es solle vermieden werden, dass bei späterer theil- weiser Einziehung der Vorgärten zur Strassenverbreiterung die unbebaute Fläche den Vorschriften über die noth- wendige Grösse derselben nicht mehr entspreche, kommt uns als Austüftelung am grünen Tische vor; man sollte diese Bestimmung so rasch als möglich wieder aus der Welt schaffen. — Für weniger bedeutungsvoll, aber eben¬ falls schädlich halten wir auch die weitere Vorschrift, dass Gesimse, sowie die an Höfen gelegenen Baikone von mehr als 2,50™ Länge und 1,25™ Breite als bebaute Fläche angesehen und als solche auch alle Bautheile angerechnet werden, die eine Höhe von mehr als 1 m über Erdgleiche haben, oder in einer Höhe von mehr als 1 m über Erd¬ gleiche errichtet sind, ferner Grenzmauern und Grenz¬ zäune aus Holz oder Eisen, deren Höhe das Maass von 1,8 m überschreitet. Dies sind Ausklügeleien, welche zu nichts anderem als Arbeitsvermehrung undVerdruss führen, ohne entsprechenden Nutzen zu schaffen. Im übrigen athmet die neue Vororte-Bauordnung den Geist, dass Luft und Licht die wesentlichsten unter den Gesundheits-Faktoren sind, und diesen beiden sich daher Ansprüche anderer Art, die an sich sehr berechtigt sein können, unterordnen müssen. Wir enthalten uns, auf Einzelheiten weiter als geschehen einzugehen. Sollen wir in wenigen Worten ein Gesamturtheil über dieselbe zusammenfassen, so kann es nur dahin lauten: dass der Verfasser der Bauordnung ersichtlich bemüht gewesen ist, für möglichst viele Fälle klare Bestimmungen zu treffen; es hat das aber zu mancher¬ lei Weitläufigkeiten geführt. Das ist auf der einen Seite ein Vortheil, auf der anderen aber auch mit dem Nachtheil verbunden, die Bauweise in starre Formen einzuzwängen, wozu die Bauweise, welche in Berlin herrschend gewor¬ den ist, ein so krasses Beispiel bietet. Um aber nicht Alles dem todten Buchstaben des Gesetzes unterzuordnen, ist in der neuen Bauordung wenigstens an vielen Stellen Milderung durch Dispens offen gelassen. Jede Bauordnung enthält Eingriffe in den Privatbesitz; viele davon berühren auch den Gemeindehaushalt recht No. 47. 302 innig. Dies gilt heute wohl von sehr zahlreichen unter den Berliner Vororten. Darauf war bei Abfassung der neuen Vororte-Bauordnung gebührend Rücksicht zu neh¬ men. Die Forderungen der öffentlichen Gesundheitspflege gehen an vielen Stellen über das, was die neue Bauord¬ nung gewährt, weit hinaus. Man kann das kaum tadeln, wenn man beachtet, dass der heutige Gesundheitsschutz, den Staat und Gemeinde verlangen, zu seiner Durchfüh¬ rung sehr viel Geld kostet. Dies Geld muss erst da sein, bevor man es ausgeben kann, d. h. die Gemeinden müssen finanziell kräftig sein, um grosse Aufgaben, die der Gesundheitsschutz fordert, auf ihre Schultern nehmen zu können. Verlangt eine neue Baupolizeiordnung zu viel, so setzt sie damit vielleicht die Leistungsfähigkeit der Eigenthümer zum Zahlen von Gemeindesteuern in einem Maasse herab, dass der Gemeinde die Mittel ent¬ gehen, um andere ebenso wichtige oder noch wichtigere Aufgaben des Gesundheitsschutzes ihrer Angehörigen in die Hand nehmen zu können. Der Eindruck, den die Haupt¬ bestimmungen der neuen Vororte-Bauordnung machen, ist der, dass der Verfasser derselben sich dieser Sachlage voll bewusst gewesen ist und versucht hat, zwischen den beiderseitigen Ansprüchen die richtige Mittellinie zu fin¬ den. Ob ihm dies überall gelungen ist, kann jedoch erst mehrjährige Erfahrung lehren. — — B. — Architektur und Landschaft in ihren gegenseitigen Beziehungen. (Schluss.) ind weder umschliessender Garten noch einzelne Bäume oder Waldbestände zunächst des Baues vor¬ handen, so müssen entsprechende Einzelbäume und Baumgruppen um das Haus herum angepflanzt werden, die dasselbe vor der Gewalt der Stürme schützen und aus denen es hervorschaut wie aus einem geheimnisvollen grünen Naturmantel. Eine schöne an passende Stelle ge¬ setzte Baumgruppe macht oft eine Menge architektonischer Kunstformen entbehrlich, und da das Verpflanzen grosser Bäume mit Frostballen heute und besonders auf dem Lande nicht schwierig ist, so betrachte man bei jedem in der freien Landschaft zu errichtenden Bauwerk den umgeben¬ den Baumschmuck als eine zurVollendung des Baues unbe¬ dingt erforderliche Ausgabe, als ein Stück „Fassade“. Beim Hausgarten ist das wesentliche seine allge¬ meine Anlage, sein Schmuck und seine Umfriedung, v. Falke sagt: „Der Garten ist die der Kunst unterworfene Natur.“ Daraus folgt, dass die Anlage eines Gartens in der That eine Kunst ist. Der Garten soll also eine Schöpfung der Kunst sein und dies nicht verleugnen. Die Natur gibt die Mittel, die Kunst die Form. Die Mittel der Garten¬ kunst sind die Bäume, Sträucher, der Rasen, die Blumen, die Wege, fliessende und stehende Gewässer, Skulpturen und Umzäunung. Die Naturformeu der Gartenkunst sind keine leblosen Formen und je nachdem die Natur vom Künstler mehr bezwungen wird, oder umgekehrt die Natur mehr hervordringt und der Künstler mehr nachgibt, desto mehr nähert sich die Anlage eines Gartens dem italienischen und französischen Gartenstil, oder dem englischen und dem modernen landschaftlichen Garten. Im französischen und englischen Garten haben die beiden Prinzipien ihren höchsten und schärfsten Ausdruck gefunden, sie bilden die Gipfelpunkte der Geschichte des Gartens. Beim italienischen regelmässigen Garten, dessen äusserste Konsequenz der französische Garten ist, schreitet die Architektur aus dem Hause heraus, die Natur wird völlig vom Geiste des Künstlers beherrscht; beim englischen Garten tritt die freie Natur bis vor die Haus- thüre. Aus der englischen Landschaft hervorgegangen, erstrebt der englische Garten die möglichste Nachahmung der Natur, er braucht daher weite Räume und hügelige Landschaft; es mangeln ihm fast alle Blumen. In seiner äussersten Entwicklung rechnet er mit Stimmungen und Sentimentalitäten. Der moderne Landschaftsgarten bringt wieder die Kunst mehr in den Vordergrund, lässt den regelmässigen Gartenstil in der Nähe des Hauses walten und erstrebt darüber hinaus der freien Natur sich anzu¬ passen. Er scheint das Richtige zu treffen. Beim Hausgarten ist der Miniatur-Englische Garten zu vermeiden und dafür der regelmässige Garten, besonders in nächster Nähe des Hauses, vorzuziehen, denn die Nach¬ ahmung der Natur im Kleinen wirkt unharmonisch. Im übrigen fragt man sich bei der Anlage des Hausgartens, was will ich alles im Garten haben, wo will ich es haben, und wie gelange ich von der Hausthüre aus am besten dazu? Die Wege seien in der ebenen Fläche gerade, nie¬ mals ohne ersichtliche Ursache gewunden; denn die ge¬ wundenen Wege in der Landschaft, welche als die natür¬ lichen bezeichnet werden, sind ebenso von Menschen¬ hand geschaffen und winden sich nur aus ganz be¬ stimmten Ursachen aus der Geraden heraus, sei es wegen der Eigenthumsgrenze, wegen eines Flusslaufes usw. Da¬ her erscheinen sie natürlich. Einen geradezu rohen Ein¬ druck macht der immer wieder zu sehende Brauch, die Wege beiderseits mit Steinen und Felsstücken einzufassen, gerade als wenn die Erdarbeiter die Arbeitsstätte eben verlassen hätten. Der Garten soll eine Schöpfung der Kunst sein! Neigt sich das Gelände des Hausgartens, so gliedere man es möglichst durch die Anlage von Terrassen in wagrechte, für das Auge übersehbare Räume. Durch klares Trennen der einzelnen Abtheilungen eines Gartens 13. Juni 1903. wird auch die behagliche Benützung desselben erhöht. Um geschlossene künstlerische Abschnitte im Garten zu schaffen, umziehe man die regelmässigen Plätze mit Hecken. Die Hecke ist überhaupt eine der ausdruckvollsten und brauchbarsten Naturkunstformen, denn sie bildet Wände und Räume, und es ist bedauerlich, dass die Hecke so wenig mehr zur Ausführung kommt. Wird im Garten Wasser verwendet, so behandle man dessen Fassungen als Gebilde von Menschenhand und lege die Becken in regelmässigen Formen an. Komisch wirken kleine seenartige Becken und fliessende Gewässer mit Zementufern. Unbefriedigend sind auch die meisten modernen Gartenhäuschen mit ihrem vielen Laubsägewerk und ihren meist nach allen Seiten offenen Wänden. Man bilde sie in ruhigen geschlossenen Formen, gebe ihnen einen zur Umgebung passenden hellen Farbenanstrich und vermeide unter allen Umständen die schrecklichen farbigen Verglasungen. Die Spätrenaissance-Periode hat eine Anzahl mustergültiger Gartensälchen hervorgebracht. Einer der wichtigsten Bestandtheile des Hausgartens ist seine Umfriedung. Gerade dieses Gebiet wird aber ausserordentlich vernachlässigt. Das« und w der modernen Garteneinfriedung bildet der möglichst schwarz ange¬ strichene eiserne Staketenzaun oder der körperlose Draht¬ zaun. Die beste Einfriedigung ist aber in Wahrheit die Mauer. Schultze - Naumburg schreibt in seinen „Kultur¬ arbeiten“ : „Jeder nur einigermassen empfängliche Mensch muss uns beistimmen, wenn wir sagen, dass die zurück¬ haltende Andeutung dessen, was traulich hinter den Mauern wohnt, mehr von einem leisen Glücksgefühl mitgibt, als der für jedermanns Blick profanierte Garten, der kahl und offen hinter Eisenstäben liegt und dem man schon von aussen ansieht, wie wenig die Bewohner sich zuhause fühlen.“ Wu eine Mauer aus irgend welchen Gründen nicht möglich ist, verbinde man Mauer mit Holzzaun oder verwende einen reinen Holzzaun auf massivem Unterbau und pflanze dahinter eine grüne Hecke. Durch den Gegensatz eines in hellen Farben gestrichenen Holz¬ zaunes mit der dahinter liegenden grünen Hecke lassen sich reizende Wirkungen in der Landschaft erzielen ; und das ist der grosse Vortheil des Holzzaunes, dass er Flächen für eine farbige Wirkung bietet. Selbstredend soll die Verwendung des Eisens nicht ausgeschlossen sein; be¬ sonders im Zusammenhang mit Mauern wirken bekannt¬ lich gut geschmiedete Gitterthore oft sehr reizvoll. In neuerer Zeit verwendet man als Garteneinfriedigung vielfach von halbkreisförmigen unten am Trottoir liegenden Oeffnungen durchbrochene Mauern, welche Oeffnungen wieder mit eisernen Stäben geschlossen sind und hinter welchen eine durchlaufende Hecke gepflanzt ist. Ich möchte dahingestellt sein lassen, ob die derart durch¬ brochenen Mauern richtig sind. Meines Erachtens würde es genügen, wenn in der geschlossenen Mauer von Zeit zu Zeit durch ein Thor ein Blick in den betreffenden Garten frei gelassen, hier aber im Inneren der Garten mit einer hübschen Perspektive angelegt würde, oder wenn hinter den geschlossenen Mauern über dieselben sich neigendes blühendes Gebüsch gepflanzt würde. Das würde den Garten benutzbar und behaglich erhalten und ande¬ rerseits doch auch den Zweck erreichen, in der Strasse freundlich zu wirken. Betrachten wir nun die Beziehungen zwischen Archi¬ tektur und Landschaft hinsichtlich der Wohnbauten vor und in der Stadt, so sind dieselben natürlich weit geringere, als bei den bisher betrachteten Wohnhäusern in der freien Landschaft. Die vorhin des näheren erörterten Forde¬ rungen nach möglichster Einfachheit und Schlichtheit, nicht zu grosser Höhe, nach thunlichster Vermeidung der eigentlichen architektonischen Gliederungen und Ge¬ simse, dafür Anwendung der Farben an den Fenstern und F ensterläden, dem Holzwerk, den Wandflächen, Anwendung des Schmuckes der Schlingpflanzen und Blumen usw. sind 303 auch hierbei einschlägig. Der Hausgarten ist hier natürlich zumeist von geringer Ausdehnung; in welch’ reizvoller, mustergiltiger Weise er aber gleichwohl durchgebildet werden kann, zeigt uns der Garten beim Hause Lenbach in München oder das Gärtchen im Schlosse Schwaneck des Hrn. Kommerz.-Rath Heilmann. Wir betrachten diesen städtischen Hausgarten am besten zugleich mit dem bei den Bauten vor und in der Stadt in der Regel baupolizei¬ lich vorgeschriebenen sog. Vorgarten, dem zwischen der Strasse und dem Hause eingeschalteten kleinen Gärtchen. Der Vorgarten hat den Zweck, ein ruhiges, vom Strassenverkehr wenig gestörtes Wohnen zu ermöglichen, die Strasse selbst zu verschönern und Staub und Schmutz derselben vom Hause abzuhalten. Wie selten wird aber in den meisten Fällen diesen Zwecken in gefälliger Form entsprochen! Im wesentlichen bilden unsere modernen Vorgärten eine Flucht ungezählter spitziger Eisenstangen, hinter denen auf den sehr schmalen Flächen einige Blumen kümmerlich ihr Dasein fristen, oder hinter denen eine Miniaturanlage im englischen Gartenstil mit den verschlun- gensten Wegen angelegt wurde: im englischen Garten¬ stil, der die grössten Flächenräume verlangt! Trotz der meist geringen Breite der Vorgärten liessen sich aber gleichwohl gute Ausführungen derselben erzielen. Die Bauordnung schreibt z. B. nicht vor, dass immer die schwarzgestrichenen Eisenstabgitter verwendet werden; sie lässt in München mit Ausnahme des Villenviertels der Theresienwiese, wo leider die eisernen Zäune unmittelbar vorgeschrieben sind, Holzzäune und sogar 80 cm hohe Mauern zu (siehe Zaun Haus Harburger, Nymphenburger- Strasse). Man mache also von dieser Erlaubniss Gebrauch, denn ein solid hergestellter Holzzaun hat für die heutige Hast des menschlichen Lebens genügende Dauer. Man versehe die vom Holzzaune gebotenen breiten Flächen mit einem hellfarbigen Anstrich, pflanze hinter dem Zaune eine Hecke, behandle überhaupt den Vorgarten mehr als einen architektonischen Garten, wie es Preisbewerbungen. •Zwei Skizzenwettbewerbe der „Vereinigung Berliner Architekten“ betreffen: i. Entwürfe für ein Bahnhofs¬ gebäude mit Beamtenwohnhaus für den neuen Berliner Vorort-Bahnhof Zehlendorf-Beerenstrasse. Für die am 8. Juli abzuliefernden Entwürfe gelangen 3 Preise von zusammen 2000 M. zur Vertheilung. 2. Entwürfe für eine Gruppe von 4 Doppelvillen an dem Platze vor die¬ sem Bahnhof. Für die am 1. Aug. abzuliefernden Entwürfe stehen Preise von zusammen 4800 M. zur Verfügung. — Einen Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Doppelwohn¬ haus für Arbeiter in Friedberg (Hessen) erlässt der dortige Bauverein „Eigener Herd ist Goldes wert". Unterlagen kostenfrei durch den Vorstand. — Wettbewerb Rathhaus Oberschöneweide. Die offizielle Bekanntmachung über das Ergebniss des Wettbewerbes enthält einige Abweichungen von den S. 296 gemachten vorläufigen Mittheilungen. Einen II. Preis von 2000 M. errang der Entwurf „Steinbau" des Hrn. Prof. Hugo Behr in Görlitz; einen II. Preis von 2000 M. ferner der Entwurf „Gruppe" der Hrn. Vogeler & Kadereit in Halensee und Berlin. Ein III. Preis von 1500 M. wurde dem Entwurf „Palmsonntag“ des Hrn. F. Berger in Steg¬ litz zuerkannt. Zum Preise von je 500 M. wurden angekauft die Entwürfe „Putzbau“ der Firn. F. & W. Hennings in Charlottenburg, sowie „Freude schöner Götterfunken“ der Hrn. A. & P. Höhrath in München. In der engsten Wahl befanden sich die Entwürfe: „Perle der Oberspree“ ; „Punkt“; „Strassenf lucht“; „Oberspree II“ ; „Salix“ und „Flieder“. Sämtliche Entwürfe sind vom 16. bis 24. d. M. von 10 — 3 Uhr in der Aula der 1. Gemeinde¬ schule in Oberschöneweide öffentlich ausgestellt. — Wettbewerb Schulgebäude Grunewald. Die Entwürfe sind vom 14. — 21. d. M. von 1—7 Uhr im Realgymnasium in Grunewald, Ecke Herbert- und Caspar -Teyss- Strasse, öffentlich ausgestellt. — Wettbewerb Gartenbau- Ausstellung Düsseldorf 1904. Den I. Preis von 1500 M. errang Hr. Stadtobergärtner H. R. Jung in Köln a. Rh. — Personal-Nachrichten. Baden. Dem Int.- u. Geh. Brth. K a 1 k h o f bei der Int. des 14. Armeekorps, ist das Ritterkreuz I. Kl. m. Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Technische Hochschule in Karlsruhe. Die Wahl des Prof. Dr. Klein zum Rektor für das Studienjahr 1903/4 ist be¬ stätigt worden; — dem Prof. Dr. Marc Rosenberg ist der Char. als Hofrath verliehen. Preussen. Dem Reg.- u. Brth. Thielen in Arnsberg, dem Kr.-Bauinsp., Brth Spanke in Dortmund u. dem Brth. Gaedertz 3°4 z. B. Em. Seidl bei seinem Hause am Bavariaring in so vorzüglicher Weise gethan hat. Möge sich überhaupt der Architekt des so sehr vernachlässigten städtischen Vor¬ gartens annehmen, da nur ein architektonischer Garten inbetracht kommen kann, und es wird auch dieses Verbindungsglied zwischen Architektur und Land¬ schaft einer erfreulichen Gestaltung zugeführt werden. Schliesslich möchte ich es auch als eine Förderung des Zusammenwirkens von Architektur und Landschaft halten, wenn auch im weiteren Sinne, dass in den Städten, insbesondere in älteren Strassen der kleineren und mitt¬ leren Städte, bei Errichtung von Neubauten auf die Nach¬ barschaft, auf Kirchen, alte Thore, Stadtmauern usw. ent¬ sprechende Rücksicht genommen und dass das neue Haus mit der Umgebung zu einem künstlerisch befriedigenden Bilde vereinigt werde. Bezügliche polizeiliche Vorschriften sind ja theilweise schon vorhanden, aber gewiss nicht aus¬ reichend, da so viel noch in dieser Hinsicht gefehlt wird (siehe z. B. den Neubau am Riederthor in Donau¬ wörth). Auch die Erhaltung alter Thorbauten, Stadtmauern usw. ist eine hier einschlägige Forderung. Aus dem vorher Gesagten ergibt sich für den Archi¬ tekten die Pflicht, bei allen Entwürfen zu ländlichen Ge¬ bäuden stets zunächst eingehende Studien an Ort und Stelle über die Lage des Bauplatzes in der Landschaft, über die ortsübliche Bauweise, einheimische Materialien und Konstruktionen usw. zu machen und von allem An¬ fang an den Bau in die gegebene Landschaft hinein zu komponieren. Bei den Hausgärten entwerfe der Architekt die Massen- und Raumvertheilung, um die Architektur mit der Landschaft in Einklang zu bringen, setze sich aber dann für das Weitere mit einem erfahrenen Landschafts¬ gärtner, deren es leider heutzutage recht wenige gibt, ins Benehmen und arbeite in Eintracht mit diesem zusammen. Durch eifriges Zusammenarbeiten zwischen Architekt und Gärtner könnte viel Gutes erreicht werden. — Hans Grässel in München. in Berlin ist der Rothe Adler- Orden IV. Kl., — dem Landbauinsp. Raesfeld in Dortmund u. dem Reg.-Bmstr. a D. Büttner in Magdeburg der kgl. Kronen- Orden IV. Kl. verliehen. Versetzt sind: der Landbauinsp. Kickton von Potsdam nach Berlin u. der Reg.-Bmstr. Markgraf von Königsberg i. Pr. nach Wormditt. Die Reg -Bfhr. Karl Caesar aus Münster, Theod. R a a b e aus Wolmirstedt, Karl Josephson aus Soest und Aug. Bode aus Hannover (Hochbfch.), — Max Rump aus Dortmund (Eisenbfch.), ■ — Edmund Ho eit je aus Elberfeld u. Reinh. Zugwurst aus Ollendorf (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Sachsen. Dem Brth. Eschke in Leipzig ist der Titel u. Rang als Fin.- u. Brth. in der 1. Gruppe der 4. Kl der Hofrang¬ ordnung verliehen. Dem Stadtbrth. Franze in Leipzig ist die Genehmigung zur Anlegung des ihm verlieh, preuss. Rothen Adler- Ordens IV. Kl. ertheilt. Württemberg. Dem Prof. Friedr. v. Thiersch in München und dem Prof. Dr. v. L e m c k e in Stuttgart, aus Anlass seines Uebertritts in den Ruhestand, ist das Kommenthurkreuz II. Kl. des Friedrichsordens verliehen. Der Tiefbauinsp. a. D. H e u s s in Heilbronn ist gestorben. Brief- und Fragekasten. Hrn. L. K. Ihre dürftige Sachdarstellung schliesst eine sichere Beurtheilung aus, ob und inwieweit der Werkmeister für die Män¬ gel verantwortlich ist, welche bei dem Bau einer Malzfabrik durch sachwidrige Lage des unteren Kellerbodens vorgefallen sein sollen. Es handelt sich nämlich um die Frage, was er ^tatsächlich über¬ nommen hat und ob namentlich die Pläne von ihm hergestellt waren. Nur wenn er sich verpflichtet hätte, die Malzfabrik so herzustellen, dass sie allen technischen Bedürfnissen entspricht und wenn er die Pläne dazu entworfen hatte, ohne dass ihm in deren Ausführung seitens des Bauherrn irgend welche Schranken gezogen worden sind, würde die Möglichkeit vorliegen, ihn für die Folgen von Miss¬ griffen verantwortlich zu machen und eine Verschuldung in seiner Person festzustellen. Gewöhnlich pflegt die Werkverdingung in- dess dem Werkmeister keinen so freien Spielraum für sein Han¬ deln und Schaffen zu überlassen. Vielmehr pflegt der Bauherr oder der Besteller sich mehr oder weniger Einfluss auf das Werk vorzubehalten, besonders wenn er Sachkundiger in Malzfabrikation ist und die besonderen Bedürfnisse für Anlagen zur Malzfabrikation kennt oder kennen müsste. Denn in solchen Fällen verstösst er schon gegen die im Verkehr gebotene Sorgfalt, wenn er einen Zu¬ stand schaffen lässt, dessen Fehlerhaftigkeit ihm nicht verborgen bleiben konnte. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit werden Sie mit einer Schadensklage also unterliegen. — K. H-e. Inhalt: Amthof zu Bremgarten im Kanton Aargau, Schweiz (Schluss). — Die geplanten neuen Hafenanlagen in Bergen in Norwegen. — Die neue Baupolizei-Ordnung für die Vororte von Berlin vom 2t. April 1903 (Schluss). — Architektur und Landschaft in ihren gegenseitigen Beziehungen (Schluss). — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Amthof zu Bremgarten im Kanton Aargau, Schweiz. Verlag der .''eutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 47. I XXXVII. JAHRG. NR 48. BERLIN, DEN 17. JUNI 1903 Die geplanten neuen Hafenanlagen in Bergen in Norwegen. (Schluss.) Hierzu die Abbildung auf Seite 307. |ezüglich weiterer kleiner Anlagen sei auf den Plan Abbildg. 2 in voriger Nummer verwiesen. Dieser zeigt auch hinter den Kaianlagen am Puddefjord eine neue Zufuhrstrasse. In dem Gesamtentwurf wird auch auf das Binnen¬ becken des „Store Lungegaards vand“ als für Hafen¬ anlagen geeignet hingedeutet; da aber bezüglich der Bahn¬ hofslage noch kein endgültiger Plan gefasst ist, so lassen sich für deren Ausbildung z. Zt. noch keine bestimmte Ufer, die man jetzt nur auf grossen Umwegen oder durch Uebersetzen bezw. durch dieLaxevaag-Fähre erreichen kann, eine Brücke mit Klappenöffnung geplant, deren Zufahrts¬ strasse mit einem Tunnel durch die Nygaardshügel nach den inneren Theilen der Stadt geführt werden müsste. Für die Brücke kommen 2 Lagen infrage, die etwa 350 m von einander entfernt liegen und im Plane eingetragen sind. Die Kaimauern, vergl. die Abbildg. 3, werden aus Blöcken von natürlichem Gestein in 2—3 cbm Grösse aus¬ geführt. Die Krone hat je nach der Höhe der Mauer eine Breite von 1,0—1,50™ und liegt 1,90™ über dem Null wasserstand. Die Sohlenbreite der Mauer ist durchweg gleich der Hälfte der Höhe gewählt. Die Sohle liegt bei den Anlagen für kleinere Fahr¬ zeuge 4 m, bei denjenigen für Schiffe grösse¬ ren Tiefganges 8 m und auf der Westseite der grossen Hafendämme am Puddefjord, wo die Dampfer der Amerikalinie anlegen sollen, 10,5™ unter dem niedrigstenWasser- stande. Die Kaimauern werden auf die durch Baggerung hergestellte Sohle un¬ mittelbar auf den festen Boden gegründet, wo aber die Wassertiefen grösser als noth- wendig sind, stehen die Mauern auf einer Sandschüttung, welche an der Krone und auf der Böschung mit Steinen abgedeckt ist. Hinter der Mauer wird eine Stein¬ schüttung, sowie Dichtungsmaterial einge¬ bracht, damit die Hinterfüllung nicht aus¬ gespült werden kann; sie soll aus Kies, grobem Sand und Steinbrocken bestehen. Die Molen, s. Abbildg. 3, S. 307, bestehen aus einer Sandschültung, welche auf der Krone und auf den Böschungen (2:3) durch eine 2“ dicke Steinbedeckung geschützt wird. Auf dieser Schüttung, welche in der Krone eine Breite von 8 ™ erhält und bis zu 5 m unter den Nullwasserstand hinauf¬ reicht, wird eine massive 7 m hohe Mauer mit einer Sohlenbreite von 5™ und einer Kronenbreite von 2,50 m bis zu 2“ über den Nullpunkt hinaufgeführt. — Nach dem Gesamtplan werden imganzen Neuanlagen mit rd. 6,1 km Kaimauer vor¬ geschlagen, sodass letztere also gegenüber dem j etzigen Zustande versechsfacht würde. Die Baukosten sind auf rd. 6 Mill. Kronen (etwa 6,5 Mill. M.) berechnet. Darunter sind die Kosten der Gleisanlagen, der An¬ lagen bei dem jetzigen Zollkai, der Zoll- und Freilagerspeicher, der Ausstattung des zukünftigen Freibezirkes, der zukünftigen Verlängerung der Wellenbrecher und der Brücke über den Puddefjord nicht einbe¬ griffen. Letztere Kosten sollen theils vom Staate und den kgl. Staatsbahnen, theils von dem Stadtbauamte übernommen wer¬ den. Ebenso ist für die nothwendige Aus¬ stattung der Anlagen mit Krahnen und anderen Hebe - Vorrichtungen im Anschlag nichts auf¬ geführt, und die Enteignung verschiedener Gebäude und Grundstücke, welche für die Durchführung der Hafenanlage von der Stadt übernommen werden müssen, nicht mitge¬ rechnet. Indessen es ist auf der anderen Seite auch dem Um¬ stande nicht Rechnung getragen, dass einige am Puddefjord durch Anschüttung gewonnene Geländeflächen verkauft werden können. Immerhin kommen unter Zurechnung der vorerwähnten besonderen Anlagen die Gesamtkosten der geplanten Hafenanlagen auf rd. 15 Mill. Kronen. Die im Store Lungegaardsvand angedeuteten Anlagen mit voller Ausstattung von Schuppen, Gleisen und ähnlichem dürften weitere 3 Mill. Kr. erfordern. — X. — Scheitelschmuck der Rossstrassen-Brücke in Berlin. Architekt, Ludwig Hoffman n. Aus: Neubauten der Stadt Berlin. Verlag von Bruno Hessling in Berlin. Vorschläge machen. Um darzulegen, was sich hier etwa schaffen Hesse, sind einige grosse Kaianlagen in den Plan ein- gezeichnel, aber noch nicht in den Anschlag einbezogen. Um die genannte Wasserfläche für grössere Schiffe benutzen zu können, muss zunächst die Eisenbahnlinie auf die Ostseite dieses Beckens verlegt werden, während sie jetzt auf einer Brücke über den „Nygaardsstrom“ geführt ist, der, wie schon erwähnt, die Verbindung mit dem Fjord herstellt. Es müssten hier im Nygaardsstrom sowie im Puddefjord selbst grosse Sprengungs- und Baggerungsarbeiten vorgenommen werden, um die nöthigen Wassertiefen zu schaffen. Ueber den Puddefjord ist zur Verbindung der Stadt mit den kleinen Ortschaften und Parkanlagen am jenseitigen 305 Mittheilungen aus Vereinen. Verein für Eisenbahnkunde in Berlin. In der unter dem Vorsitze des Geh. Reg.-Rathes Prof. Goering abge¬ haltenen Sitzung vom 12. Mai 1903 wurde von dem Di¬ rektor der Schantung Eisenbahn-Gesellschaft, Brth. Gaedertz, ein Vortrag über genannte Eisenbahn gehalten, aus welchem die raschen Fortschritte dieses Unternehmens klar zutage traten. Die Schantung-Eisenbahn ist die erste deutsche, dem Unternehmungsgeiste der grossen deutschen Banken entsprossene Arbeit, welche im fremden Lande, ohne irgendwelche Garantie oder Gewährung von Land- vorrechter, ins Leben gerufen wurde. Der Vortragende be¬ schrieb kurz die 168 000 qkm grosse Provinz Schantung mit ihren mehr als 38 Millionen Einwohnern und hob die starke Dichtigkeit der Bevölkerung hervor, welche unter Berücksichtigung der spärlichen Bevölkerung des Berg¬ landes im Mittel 280 für 1 qk“ beträgt. Die mit der dich¬ ten Bevölkerung in ursächlicher Beziehung stehende inten¬ sive Bebauung des Landes wurde beleuchtet und gezeigt, wie infolge der schlechten Wege eine Ausfuhr von Feld¬ früchten und ein Ausgleich der Erzeugnisse in schlechter Jahreszeit ausgeschlossen und auch sonst sehr schwierig sei; nur hochbewerthete Güter könnten dem im Nordosten der Provinz gelegenen Vertragshafen Tschifu und den wenigen Dschunkenhäfen der Ostküste zugeführt, die Schätze des Bodens an Mineralien und Kohlen aber unter diesen Umständen nicht gehoben werden. Nach Besprechung der bisherigen Verkehrsmittel und einer anschaulichen Beschreibung der argen Wegzustände zeigte der Redner, wie nahe es lag, in dieser an natür¬ lichen Schätzen reichen Provinz durch Eisenbahnen den Verkehr zu ermöglichen und zu heben und wie in der Konzession vom 1. Juni 1899 die durch den Staatsvertrag vom 6. März 1898 schon aufgeführten Bahnen einer deutschen Gesellschaft übertragen wurden. Dann wurden der Bahnbau, seine Unterbrechung durch die Wirren des Jahres 1900 und die energische Förderung nach deren Beilegung an der Hand zahlreicher Pläne und Photographien geschildert und betont, dass die Linie am 12. April 1903 bis zur grossen Handelsstadt Tsingtschoufu bei 241 km eröffnet worden sei und dass sie sich im Sep¬ tember bis zum Hauptseidenmarkt Tschoutsun bei 302 ktn im Betriebe befinden werde. Insbesondere wurde auf die Schwierigkeiten des Baues im Lössboden hingewiesen, die grosse Zahl von imganzen 7170“ langen, theilweise be¬ deutender Brückenbauten auf der 395 ktn langen Haupt¬ linie erwähnt und die Gründungsweise der grossen Brücken, der Oberbau sowie das Betriebsmaterial besprochen. Das gesamte Material für den Bau mit Ausnahme des Holzes, der Steine und des Fettkalkes kam aus Deutschland. Die Löschung der Materialien machte zuerst grosse Schwie¬ rigkeiten. Der Vortragende besprach ferner die Auswahl des Personals und dessen Leistungen in warmen Worten, ging auf die Aussichten des Verkehrs und dessen Einwirkung auf die Entwicklung unserer jüngsten deutschen Kolonie ein und hob hervor, wie eine Provinz von dem Umfange Schantungs wohl zwei Häfen zur Genüge versorgen könnte, da durch die Konkurrenz und die Erleichterung des Ver¬ kehrsweges der Handel überhaupt sich heben würde, wie dies schon die letzten Jahre nachwiesen. Schliesslich wurde noch kurz der weiteren im Bau befindlichen und geplanten Eisenbahnen des nördlichen China gedacht und gezeigt, welche umfassende Arbeit den deutschen Ingenieuren und der deutschen Industrie dort noch bevorsteht. Der Redner schloss mit dem Wunsche, die deutschen Industriellen und Kaufleute möchten die Gelegenheit nicht verpassen, im friedlichen Wettkampf mit anderen Völkern die Erzeugnisse unserer Industrie zum Siege zu führen. Lebhafter Beifall lohnte den Redner. — Dann sprach Hr. Eisenbahndir. Schubert ander Hand eines Modells über eine Schlagbauro sehr anke für Weg¬ übergänge, bei der neben dem Vorläuten auch durch ein weithin sichtbares Signal den Strassenfuhrwerken der bevorstehende Schrankenschluss, sowie ein etwa schon beendetes (zu früh stattgehabtes) Vorläuten angezeigt wird, was zufolge thatsächlicherVorkommnisse wichtig sein kann. Schliesslich wurde noch die von der Firma A. M eenen in Berlin in den Handel gebrachte Spiritus-Glühlichtlampe „Säkular" der Versammlung vorgeführt. — Arch.- und Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 6. März 1903. Vors. Hr. Zimmermann, anw. 74 Pers., aufgen. als Mitgl. Obering. W. Schönian in Altona. Der als Gast aus Lübeck anwesende Hr. Reg.- u. Brth. Textor hält einen Vortrag über die Umgestaltung der Eisenbahnanlagen in Lübeck. Der jetzige Lübecker Bahnhof ist 1851 erbaut; seine nur 10 m breite und 85“ lange zierliche Personenhalle, wohl der erste Eisenbau dieser Art in Deutschland, soll zu ihrer Zeit viel bewun¬ dert worden sein. Der Bahnhof wurde von Anfang an als Durchgangsbahnhof angelegt und diesem Umstande ist es zu danken, dass derselbe die bei seiner Entstehung nicht geahnte Verkehrs-Entwicklung mit verhältnissmässig geringfügiger Erweiterung bis auf den heutigen Tag be¬ wältigen konnte. Zu der Anfangslinie Lübeck-Büchen traten im Laufe der Jahre von südlicher Richtung her die Hamburgische und die Mecklenburgische Bahnlinie, später von Norden her die Eutiner und Travemünder und endlich neuerdings noch von Süden die Schlutuper Bahn hinzu, so dass zurzeit in Lübeck sich 6 Bahnlinien vereinigen. Ein Bild über die Zunahme des Verkehrs er¬ gibt sich daraus, dass die Zahl der ankommenden und ab¬ fahrenden Reisenden von 82360 im Jahre 1854 auf 1786000 im Jahre 1901, die Menge der beförderten Güter im glei¬ chen Zeitraum von 6526 1 auf 912 700 4 und die Zahl dör täglichen fahrplanmässigen Züge von 8 auf 114 gestiegen sind. Letztere Zahl wäre für eine reine Durchgangsstation nicht allzu hoch; die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, dass der Bahnhof für 6 Linien theils Anfangs- und End¬ station, theils Durchgangs- oder Kopfstation bildet, wo am liebsten jeder Zug nach oder von jeder Linie Anschluss fände. In den Stunden des Zusammentreffens vieler Züge hat sich dadurch auf dem beengten Raume die Bewälti¬ gung des Betriebes schon seit langen Jahren zu einem wahren Kunststück gestaltet. Ausser den Erfordernissen des Betriebes hat noch ein weiterer grosser Uebelstand hier wie in so vielen anderen Städten das Hauptproblem des erforderlichen Bahnhof-Umbaues gebildet, nämlich die Niveaukreuzung der Bahnhofsgleise mit einer lebhaften Verkehrsstrasse, und zwar mit der aus dem ehrwürdigen alten Holstenthor nach der Vorstadt St. Lorenz führenden Holstenthor- Strasse unmittelbar vor der Bahnhofshalle. Es wurden Entwürfe bearbeitet, diesen Niveauübergang zu beseitigen, indem man die Holstenthor-Strasse entweder über oder unter den Gleisen hinwegführte. Dabei traten für eine den modernen Bedürfnissen entsprechende Ausdehnung der Gleisanlagen noch zwei erschwerende Umstände hin¬ zu: einerseits das Verlangen der Bevölkerung, die schönen alten Wallanlagen der Stadt ungeschmälert zu erhalten, andererseits das Erforderniss eines guten Gleisanschlusses des dicht neben dem altenBahnhofe gelegenen Seehafens, dessen Entwicklung und Ausdehnungsfähigkeit der Stadt vor allem am Herzen lag. Die erwähnten Entwürfe führ¬ ten deshalb zu keinem brauchbaren Ergebnisse, bis man sich entschloss, den Bahnhof an eine andere Stelle etwas weiter ab von dem Inneren der Stadt zu verlegen, wobei es gelungen ist, diese Zunahme der Entfernung auf ein recht geringes, für den Verkehr nach dem Bahnhof nicht erheblich ins Gewicht fallendes Maass zu beschränken und dem letzteren dabei doch seinen Charakter als Durchgangs- Bahnhof zu bewahren. Als Ergebniss jahrelanger Ver¬ handlungen wurde das Projekt so gestaltet, dass dasselbe den Bedürfnissen sowohl des Eisenbahnbetriebes als des städtischen Verkehres und des Seehafens genügte. Der erste Spatenstich zur Ausführung fand in diesem Frühjahr statt. Eine Beschreibung des in grossen Zügen aufgestellten Planes ohne Wiedergabe von Zeichnungen verbietet sich; es mag nur erwähnt werden, dass das an der Fackenburger Allee belegene Empfangs-Gebäude von etwa 2500 qm Grund¬ fläche ähnlich wie beim neuen Zentralbahnhof in Hamburg quer über den tiefliegenden Gleisen angeordnet ist, sodass von demselben die Bahnsteige durch hinabführende Treppen erreicht werden. An Erdarbeiten'sind 1,75 Mill. cbm Boden auszuschachten, wovon nur etwa 0,25 Mill. zur Anschüttung von Dämmen, die überschüssigen 1,5 Mill. aber zur Auf¬ füllung tiefliegender Marschländereien an der Trave und am Elbe-Trave-Kanal verwendet werden sollen. Welche Ausdehnung die Anforderungen an einen zeitgemässen Personen-, Güter- und Rangirbahnhof mit allem Zubehör erheischen, mag daraus hervorgehen, dass imganzen 75 k™ neue Gleise herzustellen sind. An neuen Strassen sind rd. 40 0ooqm anzulegen und zu befestigen Der Kosten¬ anschlag beziffert sich auf 9 600 000 M. Die Bauzeit ist auf 4 Jahre bemessen. Bei dem hanseatischen Verwandtschaftsgefühl, das hier stets der ehrwürdigen Schwesterstadt Lübeck entgegen¬ gebracht wird, fand der Vortrag ungewöhnlich lebhaftes Interesse. Redner schliesst mit dem Wunsche, die hiesigen Fachgenossen nach 4 Jahren — wenn sie bereits aus der grossen Bahnhofshalle Hamburgs ausfahren werden — in dem zwar kleineren, aber hoffentlich bis zum hundert¬ jährigen Jubiläum der Lübeck-Büchener Eisenbahn seinen Aufgaben gewachsenen neuen Bahnhofe in Lübeck be- grüssen zu können. — j^0 306 No. 48. Vermischtes. Der Städtebau an der Technischen Hochschule in Char¬ lottenburg. Durch Erlass des Hrn. Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten vom 4. Juni 1903 ist die durch den Staatshaushaltsetat für 1903 in der Abtheilung für Architektur neuerrichtete Dozentur für „Städtebau, sowie Anlage und Einrichtung von Gebäuden vom Standpunkte der allgemeinen Wohlfahrt und Volkserziehung" dem bisherigen Privatdozenten, Landesbrth.Th. Goecke, vom 1. April 1903 ab übertragen worden. — Zum Stadtbaurath für Hochbau bezw. Stadtrath in Frankfurt a. M. ist, wie wir bereits S. 215 mittheilten, Hr. Baudirektor Schaumann in Lübeck gewählt worden. Wie wir der „Frankf. Ztg.“ entnehmen, wurde das An¬ fangsgehalt desselben auf 14000 M. festgesetzt und in die¬ ser Höhe auch vom Bezirksausschuss genehmigt. — Die Provlnzial-Kommisslon für die Denkmalpflege in Brandenburg beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung vom 8. d. M. nach Bewilligung von Beisteuern für die Wiederherstellung von Altarschreinen in Lindena und Pröttlin, von Wandmalereien in Neumarkt, für Bemalung Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben des Münchener Technikervereins betraf Entwürfe zu Arbeiter-Wohnhäusern für 4 Familien für die Marktgemeinde Zwiesel und zeitigte 37 Arbeiten. Es war der Charakter des städtischen Miethshauses zu vermeiden und auf die schlichten Formen des Bauern- und des alten Bürgerhauses zurückzugehen. Unter den Preisrichtern waren als Angehörige des Baufaches die Hrn. Ob.-Brth. Ludw. Stempel in München; Kreisbrth. Fr. Bauer in Landshut und städt. Brth. Hans Grässel in München. Den I. Preis erhielt Hr. Theod. Haid; den II Preis Hr. Hans Gemeinhardt; den III. Preis Hr. Mich. Mayer, sämtlich in München. Zum Ankauf empfohlen wurden Arbeiten der Hrn. Jos. Zun n er und Joh. Dötsch in München, sowie Bufler undBichlmeier inlmmenstadt. Eine lobende Anerkennung erhielten die Hrn. Jak. Bender in München, K. Hochhäusler in Eglfing, V. Ballmann, A. Thiel, H. Moser und A. Koschade in München. — Ein Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Gesellschafts¬ haus in Plauen i. V. wird von der „Neuen Erholungs-Ge¬ sellschaft" dorten zum 15. Okt. d. J. ausgeschrieben. Es gelangen 2 Preise von 1000 und 600 M. zur Vertheilung; a . Querschnitt b. Kaimauerprofil bei 9-11,5 nassen iei e. Die geplanten neuen Hafenanlagen in Bergen in Norwegen. Abbildg. 3. Kai- und Molenquerschnitte. eines Fachwerkhauses in Havelberg (1576), Instandsetzungen der Annakapelle in Havelberg, des Rathhauses in Jüterbog usw , in der Hauptsache mit der Neuausgabe des ßergau’- schen Kunstinventars der Provinz Brandenburg. Die Frage nach dem zu wählenden Format rief eine längere Erörterung hervor, an der sich hauptsächlich Prof. Jul. Lessing, der Oberpräsident Dr. v. Bethmann-Hollweg, der Landesdir. Dr. v. Manteuffel, Provinz.-Kons. Büttner, Prof. Dr. Jentsch und Prof. Walle betheiligten. Gegen¬ über dem Vorschläge des dafür eingesetzten Unteraus¬ schusses entschied sich die Kommission schliesslich gegen die Trennung von Abbildung und Text im Format des „Cicerone“ und wählte das Format des Posen 'sehen Inventars, dessen Abmessungen in Grossoktav die Unter¬ bringung von Abbildungen und Tafeln in den einzelnen Bänden selbst gestatten. Die Kosten werden sich auf etwa 120000 — 140000 M. belaufen. — Rosengarten Mannheim. Die Hrn. Ingenieure Ph. Fuchs & Priester in Mannheim bitten uns mitzutheilen, dass auch sie an der Lieferung und Aufstellung der Toiletteneinrichtungen der neuen Festhalle betheiligt wa¬ ren, und zwar stammen von ihnen die Toiletten für die Restauration, die Künstlerräume und für die kleinen Säle. — ein Ankauf nicht preisgekrönter Enwürfe für je 250 M. ist Vorbehalten. Dem Preisgerichte gehören als Archi¬ tekten an die Hrn. Stadtbrth. Fleck, Brth. Hempel und Prof. Vogel in Plauen, sowie Stadtbrth. Pommer in Leipzig. — Unterlagen gegen 5 M., die nach Einreichung eines Entwurfes auf Verlangen wieder zurückerstattet wer¬ den, durch den Vorstand. — Ein Preisausschreiben des Spar- und Bauvereins in Posen betrifft Skizzen für ein Familienwohnhaus für Arbeiter. Für 3 Preise stehen 1000 M. zur Verfügung. Dem Preis¬ gerichte gehören u. a. an die Hrn. Ob.-Brth. Stölting, Int.- u. Brth. Knitterscheid und Prof. Binder in Posen. Frist 5. Aug. 1903. Unterlagen gegen 1 M. — Der Wettbewerb betr. Entwürfe zu Fassaden am Schloss¬ plätze in Königsberg ist sorgfältig vorbereitet und mit reich¬ lichen Unterlagen (Lagepläne, Grundrisse, Photographien, Ansichtspostkarten, Bauordnung) versehen. Es handelt sich um eine anziehende Aufgabe: um Entwürfe zu Fassa¬ den für 3 Häuser, welche den neuen Platz zwischen Schloss und Schlossteich einsäumen. Die Grundrisse für diese Häuser liegen vor. Die Häuser sollen im Erd- und im ersten Obergeschoss Läden bezw. Geschäftsräume, darüber Miethswohnungen enthalten. Die Bauten müssen sich der 17. Juni 1903. 307 Eigenart des Schlossbaues möglichst anschliessen und dem neuen Platze einen ruhigen , monumentalen Charakter sichern. Bei der Ausbildung der Fassaden ist der Cha¬ rakter eines gewöhnlichen Geschäfts- oder Miethshauses zu vermeiden. Das Material soll wetterbeständig sein, doch sind Sandstein und Granit nach Möglichkeit einzu¬ schränken. Die zeichnerischen Leistungen halten sich in angemessenen Grenzen. Ueber die Ausführung behält sich der Magistrat die Entscheidung vor. — Einen internationalen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Regierungspalast in Lima erlässt die peruanische Regierung zum 31. Dez. 1903. Das mit einem Aufwand von etwa 3 Mill. M. zu errichtende Gebäude soll die Residenz des Präsidenten sowie die Diensträume von 6 Ministerien aufnehmen. Für die beiden besten Entwürfe sind Preise von etwa 5800 und 2000 M. in Aussicht ge¬ stellt. Die näheren Bedingungen sind durch die peruani¬ schen Konsulate zu erfahren. — Ein Wettbewerb betr. Entwürfe zu Deckengemälden für die protestantische Kirche in Kaufbeuren wird von der Kirchenverwaltung für in Bayern lebende Künstler aus¬ geschrieben. Der I. Preis besteht in der Uebertragung der Ausführung, der II. beträgt 600, der III. 400 M. — In einem engeren Wettbewerb betr. Entwürfe für eine neue katholische Pfarrkirche zu S. Paulus in Trier liefen 11 Arbeiten ein. Den I. Preis errangen die Hrn. W. Schmitz & J. Wirtz in Trier; den II. Preis Hr. A. Menken in Berlin und den III. Preis Hr. L. Becker in Mainz. Preisrichter waren u. a. die Hrn Geh. Reg.- Rath Prof. Chr. Hehl in Charlottenburg; Reg - und Brth. Berensberg in Trier und Dombaumstr. L. Arntz in Schwarz-Rheindorf. — Wettbewerb Rathhaus Dresden. Die zum 1. Juli ein¬ zuliefernden Entwürfe sind nicht im Stadthaus am See No. 2, sondern imBaubüreau an der grossen Plauen ’- sehen Strasse 19 abzuliefern. — Chronik. Der neue Dammthorbahnhof in Hamburg ist am 7. d. M. dem Betriebe übergeben worden. Die Ueberleitung des Verkehrs, bei welcher grosse technische Schwierigkeiten zu überwinden waren, vollzog sich ohne Unfall. ■ — - Das neue Künstlerhaus in Nürnberg soll am Salzstadel¬ zwinger am Königsthor mit einem Aufwande von rd. 600000 M. erbaut und im Herbste 1905 seiner Bestimmung übergeben werden. — Die Einweihung der neuen protestantischen Dreieinig¬ keitskirche in Nürnberg, in der Vorstadt Gostenhof errichtet, hat am 7. Juni d. J. stattgefunden. Das in spätgothischem Stil gehaltene Gotteshaus wurde nach einem mit einem I. Preise aus¬ gezeichneten W ettbewerbs-Entwurf des Hrn. Prof, von Mecenseffy in München errichtet. — Der Bau von Rathhäusern wird in verschiedenen Stadt¬ gemeinden um Berlin geplant. Das Rathhaus in Schöneberg ist schon lange nicht mehr ausreichend, Wilmersdorf hat 3,5 Mill. M für ein neues Rathhaus am Fehrbelliner Platz bereitge¬ stellt, Friedenau will rd. 350000 M. für ein Amtshaus aufwenden.— Mit dem Bau des Stadttheaters in Thorn wird nach den Plänen von Fellner & Helmer in Wien jetzt begonnen. Der Bau soll 1904 eröffnet werden. Der Staat gibt 150000 M. Zuschuss. — Ein Denkmal für den Chemiker Prof. Kekule, ein Werk vom Bildhauer Hans Everding in Rom, ist am 9. Juni in Bonn enthüllt worden. — Die ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt ln Char¬ lottenburg (Fraunhoferstrasse), die im vorigen Jahre bereits im Bau vollendet wurde, soll vom 13. Juni ab allgemein zugänglich sein. Die Ausstellung, die in der Hauptsache derUnfallverhütung gewidmet ist, wird Maschinen im Betriebe vorführen, alle Einrich¬ tungen für Arbeiterwohlfahrt einordnen, Vorträge veranstalten usw. — Der Bau eines Industriepalastes in Wien mit einem Auf¬ wande von 2 — 3 Mill. Kronen wird von einem bez. Comite vorbe¬ reitet. Als Bauplatz sind zunächst Gelände auf den Gründen der ehemaligen Franz Josefs-Kaserne oder am Schwarzenberg-Platz in Aussicht genommen. — Der Bau einer Festhalle für 10 000 Personen für Frank¬ furt a. M. wird von den leitenden Kreisen der Stadt angestrebt. — Ueber den Lorenzstrom bei Quebec ist eine für Eisen¬ bahn- und Strassenverkehr bestimmte Brücke im Bau, die eine Ges.-Länge von 1005 m erhalten und den Strom mit einer einzigen, als Ausleger konstruierten Oeffnung von 549m Sp.-W. überschreiten wird. Die lichte Höhe beträgt mit Rücksicht auf die Schiffahrt 45,7 m über H. W. Die Brücke nimmt 2 Eisenbahngleise zwischen den Hauptträgern und ausserhalb derselben je einen Fahrdamm für Strassenbahn und sonstiges Fuhrwerk auf. — • Die Grundsteinlegung der Bismarckwarte auf den Müggel- bergen fand am 23. Mai statt. Errichtet wird das Denkmal nach dem preisgekrönten Entwurf des Hrn. Arch. Otto Rietz-Berlin mit einem Kostenaufwand von 120000 M. Als Material wird aus¬ schliesslich Rüdersdorfer Kalkstein verwendet. — Personal-Nachrichten. Preussen. Dem Kr.-Bauinsp. a. D. Schlachter in Frank¬ furt a. M. ist der Rothe Adler-Orden IV. Kl., dem Ob.-Baudir. Dr.- Ing. Franzius in Bremen der Stern zum königl. Kronen-Orden II. Kl., dem Reg.- u. Brth. Lieckfeldt in Düsseldorf, dem Prof. 308 Dr. D ö r p f e 1 d in Athen und dem Betr. -Dir. der Schantung-Eisenb.- Gesellsch. Brth. H. FI i 1 d e b r a n d in Tsingtau ist der kgl. Kronen- Orden 111. Kl, dem Reg.-Bmstr. Mattem in Berlin der kgl. Kronen-Orden IV. Kl verliehen. Dem Prof. Br. Schmitz in Charlottenburg ist die Erlaubniss zur Anlegung des ihm verlieh. Ritterkreuzes I. Kl. des bad. Ordens vom Zähringer Löwen und dem Brth. H a a c k in Eberswalde die Erlaubniss zur Annahme und Tragen des kais. chines. Drachen- Ordens III. Stufe, III. Kl. ertheilt. Den Eisenb.-Dir.-Mitgl. und zw.: den Reg.- u. Brthn. Urban in Breslau, v. Flotow in Magdeburg, Sartig in Breslau, Caspar in Halle a. S., G a n t z e r in Berlin, Thewalt in St. Joh -Saar¬ brücken, S e 1 i g e r in Danzig, We r n e r in Münster i. W , Rimrott in Frankfurt a. M., Haas in Berlin und Rettberg in Hannover, den Eisenb. -Dir. Wagner in Breslau und Mackensen in Mag¬ deburg, ferner den Reg.- u. Brthn. v. Schütz in Berlin 4, Hahn in Hildesheim, Paffen in Braunschweig 2 und Viereck in Koblenz , den Eisenb. - Dir. Othegraven in Dortmund und Schlesinger in Tempelhof ist der Char. als Geh. Brth. verliehen. Der Wasser-Bauinsp. Brth. Stringe in Czarnikau ist z. Reg.- u. Brth. ernannt. Versetzt sind: Die Eisenb. -Bau- u. Betr.-Insp. Lepöre in St. Joh. -Saarbrücken, als Vorst, der Bauabth. nach Koblenz und Becht el in Kirchberg als Vorst, der Bauabth. nach Morbach; der Reg.-Bmstr. Gülden pfennig von Berlin nach Gr.-Strehlitz. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr. : H a u s s i g der kgl. Min.- u. Milit.-Baukommission in Berlin, R. Schaefer der kgl. Reg. in Aachen und Fr. Schröter der kgl. Weserstrom- Bauverwaltg. in Hannover. Die Reg.-Bfhr. Wilh. Techsner aus Steglitz und Aug. Dinkgreve aus Badbergen (Wasser- u. Strassenbfch.), — Rud. Kirberg aus Elberfeld und Otto Hallensieben aus Hars- leben (Eisenbfch.), — Gg. O e r t e 1 aus Liegnitz (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Die Reg.-Bmstr. O. Römermann in Berlin, Rieh. Müller in Sosnowice-Sielce und Kochs in Wesel ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienste ertheilt. Der Wasser-Bauinsp. a. D. Brth. Siber in Königsberg i. Pr. und der Eisenb. -Bau- u. Betr.-Insp. Lucae in Schmiedeberg sind gestorben. Brief- und Fragekasten. Anmerkung der Redaktion. Die Anfragen für unseren Brief- und Fragekasten häufen sich in der letzten Zeit in einer solchen Weise, dass die Beantwortung derselben bei dem bescheidenen Raum, den wir dieser nur zur Verfügung stellen können, sich gegen unseren Willen vielfach verzögert. Wir sehen uns daher zu der Bemerkung genöthigt, dass wir nur noch die Anfragen von all¬ gemeinem Interesse berücksichtigen können, welchen der Nachweis des Bezuges unseres Blattes beigefügt ist. Wenig Aussicht auf Beantwortung haben ausserdem die Anfragen, deren Erledigung auf dem Wege der Anzeige möglich ist. Grund¬ sätzlich sollte der Briefkasten nur dann in Anspruch genommen werden, wenn andere Wege versagen. — Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Stadtbauamt W. Zur Frage in No. 43. Der haltbarste und zugleich freundlich aussehende A n st rieh von getheerten bezw. asphaltierten Röhren erfolgt durch Aluminium - Bronze. Be¬ handlung wie jede andere Bronze. Ich habe aber auch schon ver¬ schiedene Bauten eingerichtet mit Röhren , welche nur innen ge- theert und aussen mit Oelfarbe grundiert waren. Nur auf solchen Röhren ist ein heller Lackfarbenanstrich dauerhaft möglich. — Franz Hai big in Düsseldorf. Streichen Sie zuerst die Flächen mit einem Weissquast dreimal deckend mit verdünntem Zement, genau so wie mit Kalkmilch; nachdem der letzte Anstrich trocken ist, können Sie mit Tapeten sowie mit jedem Anstrich draufgehen, ohne dass der Asphalt jemals wieder durchschlägt. Die Oelfarbe muss selbstverständlich vorher abgelaugt werden, weil der Zement sonst abspringt. Maurer, Ingen, in St. Johann. Ich habe vielfach und mit Erfolg die Rohre mit Oelfarbe streichen lassen und in noch frischem Zustande mit feinem, trocke¬ nem, gesiebtem Sande bestreuen lassen. Die Rohre erhalten da¬ durch ein sandsteinartiges Aussehen und zeigen kein späteres Durch¬ schlagen von Asphalt. W. Schütz, Architekt in Berlin. Wenn getheerte oder asphaltierte Klosetröhren 2 — 3 mal mit einer Schellacklösung gut deckend überstrichen werden, können dieselben ohne Gefahr des Durchschlagens sowohl mit Oelfarbe gestrichen, als auch übertapeziert werden. Ich wende dieses Ver¬ fahren seit längerer Zeit mit gutem Erfolge an. — Architekt G. in Mainz. Bei dem Neubau der hiesigen Heilstätten sind die eisernen as¬ phaltierten Rohre, soweit sie ausserhalb des Mauerwerkes ip den Geschossen liegen, vor dem Montieren auf einem starken Feuer abgebrannt und nachher grundiert und gestrichen worden. Der Oelfarbenanstrich hat bis jetzt gut gehalten. Der Versuch, den Anstrich asphaltierter Eisenwaaren durch vorheriges Streichen mit Schellak haltbarer zu machen, hat zu keinem Ergebniss ge¬ führt; der Asphalt schlug nach kurzer Zeit durch. Waren kleinere Stücke vor dem Verlegen nicht abgebrannt, so ist es auch mit einer starken Stichflamme gelungen, den Asphalt genügend zu entfernen. — Zwick in Beelitz. Inhalt: Die geplanten neuen Hafenanlagen in Bergen in Norwegen (Schluss). — Neubauten der Stadt Berlin. — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. _ _ Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 48. .Stockwerk. ERDGESCHOSS = GRUNDRISS EUBAUTEN DER STADT BERLIN* * VORDER-ANSICHT UND GRUNDRISS DES WOHNHAUSES DEN NE WITZ -STR ASSE N5- 24a ALS ZUGANG ZU DER STÄDTISCHEN VOLKS¬ BADEANSTALT DER GLEICHEN STRASSE UND GRUNDRISSE DER VOLKS - BADEANSTALT IN DER ODERBERGER-STRASSE ****** AljjS DEM ZWEIBÄNDIGEN TAFELWERKE MIT DEM GLEICHEN TlfflEL AUS DEM VERLAGE VON BRUNO HESSLING, G. M. B. H III BERLIN S.W. **************** DEUTSCHE BAUZEITUNG XXXVII. JAHRGANG - N° 49 = EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 49. * DEN 20. JUNI 1903. * «sssssssssasss Abbildg. x. Gesamtansicht der Wehranlage und der Einlass-Schleuse. (Aufnahme vom 4. Juni 1902.) Ueber die Wasserbauten des Elektrizitätswerkes Wangen a. d. Aare (Schweiz). Ingenieur: Ob.-Brth. R. Schmick in Darmstadt. angen a. d. Aare ist eine kleine Amtsstadt des Kantons Bern und liegt dicht an der Aare unweit der Stadt Solothurn. Etwa 3 km oberhalb von Wangen schneidet die Grenze der Kantone Bern und Solothurn den Fluss, der von hier ab in reissendem Lauf etwa 10 km dahin strömt, bis er in das Staugebiet des Elektrizitätswerkes Wynau tritt, das ebenso wie das Wangener Werk nach den Entwürfen und unter der Bauleitung des Verfassers ausgeführt wurde. Auf dieser Strecke hat der Fluss bei Niederwasser ein Gefälle von 10, 8m, somit ein verglichenes Gefälle von rd. 1:900, das sich jedoch thatsächlich sehr ungleichmässig vertheilt. Das Werk bei Wangen, dessen bauliche Anlagen nach¬ stehend beschrieben werden sollen, dient der Aus¬ nutzung der letzten noch im Mittellauf der Aare vor¬ handenen grossen Wasserkraft. Diese war ursprüng¬ lich in mehrere kleine Theilkonzessionen zersplittert, von denen keine für sich allein lebensfähig gewesen wäre. Dem zielbewussten Vorgehen eines schweizer Fabrikanten, des Hrn. R. Müller-Landsmann in Zürich, glückte es schliesslich, die Konzession für die einheitliche Anlage zu erlangen, und von ihm ging diese dann an die Elektrizitäts-A.-G. vorm. W. Lah- meyer & Co. in Frankfurt a. M. über, die als Bau¬ herrin das umfassende Werk herstellen lässt. Als geringste Wassermenge sind für das in¬ betracht kommende Einzugsgebiet theoretisch minde¬ stens 75 cbm/Sek. angegeben. In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse jedoch erheblich günstiger. In den Frühjahrs- und Sommermonaten steigt die Wasser¬ menge infolge der Gletscherschmelze ganz bedeutend und beträgt während des sog. Sommerhochwassers zwischen 200 und 500 cbm/ Sek. Als theoretisches höch¬ stes Hochwasser ist von Lauterburg eine Wasser¬ menge von 1865 cbm/Sek. berechnet, die jedoch auf¬ grund der vorliegenden, zum Theil von ihm selbst aus¬ geführten Messungen sicher zu hoch gegriffen ist. Die Regierung des Kantons Bern hat bei Ertheilung der Konzession zur Berechnung des Durchfluss - Quer¬ schnittes eine grösste Hochwassermenge von 1600 cbm vorgeschrieben. Die in Rechnung zu stellende Wassermenge bewegt sich somit zwischen den Grenzen 75 und 1600 cbm, zeigt also ein ausserordent¬ lich günstiges Verhältniss zwischen N.W. und H.W., das einerseits dem ausgedehnten Gletschergebiet im Quellgebiete der Aare, andererseits dem regulierenden Einflüsse der von ihr durchflossenen drei Seen, des Brienzer-, Thuner- und Bielersees, zu verdanken ist. Für die Ausnutzung des angegebenen Ge¬ fälles war als Bedingung maassgebend, dass einer¬ seits auch bei höchstem H.W. die durch Einbau eines Stauwehres hervorgerufene Aufstauung des Flusses sich nicht über die erwähnte Kantonsgrenze Bern- Solothurn hinaus erstrecken durfte, während anderer¬ seits die untere Grenze durch das Ende des Stauge¬ bietes des bereits erwähnten Elektrizitätswerkes Wynau gebildet wurde. Als Stauhöhe bei N.W. war eine Höhe von -f 421,53 m N. N. in der Konzession ge¬ nehmigt, was bei der Wehrstelle eine Erhöhung des N. W. um rd. 1,5 m bedeutet. Zur Beurtheilung der im Laufe eines Jahres zu gewinnenden Wasserkraft wurden die in den Jahren 1893 — 1898 (die bezügl. der Niederschläge er¬ hebliche Verschiedenheiten zeigen) bei der Wangener Strassenbrücke, rund 1,5 km unterhalb der Wehrstelle, angestellten Beobachtungen zugrunde gelegt. Aus diesen Beobachtungen hat sich nun ergeben, dass der gemittelte N.W.-Stand, wie er in den 3 Wintermonaten Dezember bis Februar meist unterschritten wird, nur O, 5 m unter dem durchschnittlichen Jahres wasserstand sich befindet — in den übrigen drei Vierteln des 309 Jahres wird dieser Stand durchweg und zumtheil be¬ trächtlich überstiegen — und ferner wurde durch Messung festgestellt, dass bei gewöhnlichem N.W. eine Wassermenge von mindestens ioo cbm/Sek. vorhanden ist. Während drei Vierteln des Jahres kann man also auf eine Triebwassermenge von rd. ioo cbm und mehr rechnen. Nur an einem Tag im Jahr durchschnittlich ist ein Wasserstand beobachtet worden, der 0,40 m unter dem angegebenen N.W. -Stand sich einstellt und und schwankt für die übrigen Wasserstände in seinen äussersten Grenzen zwischen den Werthen 9,27“ und 6,31 m. Für das höchste H.W. der letzten Zeit, das vom Jahre 1896, würde sich das Gefälle auf rd. 7,20 m berechnen. Aufgrund der so ermittelten Werthe für das Gefälle ergeben sich nun unter Berücksichtigung der Triebwassermenge und eines Wirkungsgrades der Turbinen von 75% die vorhandenen Kräfte. Es ist schon oben gezeigt, dass die geringste für den eine theoretische Abflussmenge von 75 cbm an- Wassermenge im Kanal mit Sicherheit zu 74 cbm an gegfeben ist, während thatsächlich mindestens 80 cbm im Fluss vorhanden sein werden. In den Zeiten mittleren Wasserstandes, in welchen derFluss etwa 2ooTage lang über 150 cbm durchschnittlich abführt, ist daher durch geringe Aufstauung des normalen Wasserstandes bei der Abzweigung des Oberwasserkanales eine Wassermenge von 120 cbm/Sek. mit Sicherheit zu gewinnen. Ueber diese Wassermenge hin¬ aus zu gehen, erschien mit Rücksicht auf eine möglichst gleichmässige Kraftgewinnung nicht möglich. Beim kleinsten Wasser sollen ge¬ mäss der Konzession noch mindestens 6,5 cbm in dem Flusse verbleiben. Da aber, wie er¬ wähnt, die Wasserführung des Flusses wohl nie unter 80 cb“,Sek hinuntergehen dürfte, so stehen als kleinste nur äusserst selten zu erwartende Wassermenge rd. 74 cbm Zur Verfügung. Bei N.W. wird die Aare nach den vor- ammnmi stehenden Ausführungen durch das Wehr bis zur Höhe + 421,53 m N.N. aufgestaut und das Betriebswasser in dieser Höhe in den Ober¬ wasserkanal bei der Kanalschleuse eingeleitet. In dem noch zu beschreibenden Oberwasser¬ kanal von rd. 8 km Länge geht nun zur Ueber- windung der verschiedenenReibungswiderstände genommen werden kann, dass weiterhin an 9 Monaten im Jahre mindestens 100 cbm vorhanden sind und dass diese Triebwassermenge sich an rd. 200 Tagen im Jahre bis auf 120 cbm steigern lässt. Bei M.W. ergibt sich daher die an der Turbinenwelle vorhandene t< - 3,0, - * Abbildg. 2. Lageplan des Wehres und der Einlaufschleuse. Abbildg. 3. Querschnitt durch das Stauwehr. auf der normalen Strecke und bei den verschiedenen Querschnitts- Verengungen, die an einigen Stellen noth- wendig waren, imganzen ein Gefälle von 1,27“ ver¬ loren, so dass der Oberwasserspiegel beim Turbinen¬ haus auf + 420,26“ N.N. liegt. BeiM.W., bei welchem der Kanal I20cbm/Sek. führt, ist seine Wassertiefe 0,40“ grösser, daher der Oberwasserstand + 420,66“ N.N. Von dem Maschinenhaus führt ein kurzer und breiter Unterwasserkanal nach der Aare zurück, in¬ folge dessen steht das Unterwasser beim Maschinen¬ haus nur wenig über dem an der Mündung in die Aare vorhandenen Wasserspiegel. Unter Berück¬ sichtigung des geringen Gefälles, das auf dem Wege nach dem Fluss verbraucht wird, steigt das Unter¬ wasser bei M.W. auf die Höhe + 411,87“ N.N.; bei N.W. dagegen auf + 411,39“ N.N. und fällt bei Wasser¬ klemme bis auf + 410,99“ N.N. herab, während es sich beim höchsten H.W. bis + 414,35“ N.N. erhebt. Das Nutzgefälle hat somit bei M.W. den Werth 420,66 — 411,87 = 8,79“, steigt bei N.W. auf 8,87“ 3l° Wasserkraft zu 10548 P. S. , für N.W. sinkt dieser Werth bis auf 8 870 P. S. herab und ebenso vermin¬ dert er sich bei höheren Wasserständen. Für das oben angegebene höchste H. W. von 1896 wären immer noch 8640 P. S. vorhanden gewesen, während für die äusserst seltenen Fälle des niedrigsten und des höchsten je beobachteten Wasserstandes die Kraft im einen Falle 6860 P.S., im anderen 7572 P.S. beträgt. Für die Errichtung des nach der Konzession ge¬ statteten Wehres waren nun folgende Erwägungen maassgebend. Der normale N. W.-Stand erreicht bei der Wehrstelle die Höhe + 420“ N. N.; für ein grösstes H. W. von 1600 cb“ wurde an demselben Querprofil die Höhe + 422,75 “ N. N. theoretisch ermittelt; eine Aufstauung des letztgenannten Wasserstandes um 50°“ reicht gerade bis an die Kantonsgrenze. Es erschien sonach zulässig, das N.W. um 421,53 — 420,0 = 1,53“ anzustauen, während für das höchste H.W. nur 0,5“ Erhöhung des ungestauten Wasserspiegels erlaubt war. Demzufolge ist das Wehr so eingerichtet, dass No. 49. bei N.W. die konzessionierte Höhe von + 42 1,53 mN. N. vorhanden ist, bei H.W. aber der Querschnitt soweit frei gelegt werden kann, dass ein Durchfluss von i6oocbm/Sek. höchstens einen Wasser¬ stand von + 423,25 m N. N. erzeugt. Hieraus ergab sich die Theilung des Wehres in ein festes und in ein beweg¬ liches Wehr von entsprechender Leis¬ tungsfähigkeit. (Vergl. hierzu den Lage¬ plan Abbildg. 2 und das Kopfbild der Gesamtanlage). Für die Wahl der Breite des Wehres waren seine Lage und die Wasserspiegelbreite, die der Fluss bei N.W. bisher einnahm, maassgebend; rd. 1400” oberhalb der Aarebrücke bei Wangen zweigte auf der linken Ufer¬ seite eine Nebenrinne ab, um sich je¬ doch schon wieder 0,5 k“ weiter unter¬ halb mit dem Hauptstrom zu vereinigen. Oberhalb der Abzweigung war der Wasserspiegel bei N.W. im Mittel rd. 80 “ breit. Dementsprechend ist die Wehrbreite zu rd. 120 m, das ist das 1,5 fache der ursprünglichen Flussbreite bei N.W., angenommen. — Für die Anlage des Wehres zeigte sich die Stelle unterhalb der erwähnten Stromtheilung am geeignetsten. Die rechte, sehr unregelmässige Uferseite der Aare liess sich durch geeignete Ein¬ bauten gut an die beabsichtigte Wehr¬ anlage anpassen. Den verschiedenen Zwecken entsprechend ergaben sich drei wesentlich verschiedene Theile des Wehres, nämlich : das eigentliche Stau¬ wehr, der Grundlauf und die Flossgasse. Der feste Wehrrücken, vergl. den Querschnitt durch das Wehr Abbildg. 3, wird gebildet aus einer in Beton mit Granitquader -Verkleidung hergestellten Schwelle, die bis zur Höhe -f 419,38“ N. N. reicht. Nach der tiefsten Lage des Thalweges von + 417,73“ N.N. geht dieser feste Rücken bis zu +416,23“ N.N. hinab. Er ist wegen des theilweise aus Schwemmsand bestehenden Unter¬ grundes auf hölzerne Pfähle gegründet und mit dem Sturzboden durch 5 Spund¬ wände gegen Unterwaschung gesichert. Auf dem festen Wehrrücken sitzen dann bewegliche eiserne Schütze auf ; sie rei¬ chen bis zu der konzessionierten Stau¬ höhe empor und sind somit 2,15“ hoch. Die Gesamtansicht des Stauwehres wäh¬ rend des Baues, Abbildg. 4, sowie die zugehörige Uebersichts-Zeichnung, Ab¬ bildg. 5, lassen die Anordnung deutlich erkennen. Für die Wahl eines Schützenwehres war bestimmend, dass ein solches er- fahrungsgemäss den dichtesten Ab¬ schluss für eine Stauvorrichtung bildet, ausserdem leicht und rasch zu bedienen ist und sich zudem bei dem Elektrizitäts¬ werk Wynau in der hier gewählten Kon¬ struktion durchaus bewährt hat. Die Schütze sind, um nicht ein zu grosses Gewicht zu erhalten und da¬ durch die Bedienung des Wehres zu erschweren, 4,6 “ breit gewählt, vergl. Abb. 6, S. 312; geführt werden sie an festen eisernen Böcken, die eine Versteifung unter sich und eine dauerhafte Ver¬ ankerung mit dem darunter befindlichen Wehrkörper erhielten. Als Schütztafeln sind flussaufwärts gekrümmte Blech¬ wände von 10 ““ Stärke verwendet, hinter denen Versteifungsrippen derart 3TI 20. Juni 1903. No. 49. sitzen, dass jede Rippe gleich viel Druck auszuhalten hat. Den Reibungswiderstand an den Führungen ver¬ mindern gerillte Leisten aus Bronze, bei denen die Gleitflächen sich nicht aneinander festsaugen können. Die Schütze hängen an je zwei Zahnstangen und lassen sich mittels Aufzugsvorrichtungen von einer eisernen Wehrbrücke aus bewegen. Um diese Brücke nicht zu schwer und kostspielig zu gestalten, ist das ganze Stauwehr in zwei genau gleichartig ausge¬ bildete Theile von je 37,24 m Breite zerlegt; auf je¬ den dieser Theile entfallen somit acht Schütze. Die einzel¬ nen Wehrabschnitte werden von ge¬ mauerten Pfeilern von je 2,5 m Stärke abgeschlossen, auf denen die Wehr¬ brücken aufruhen. Zur Abführung der Geschiebemengen ist neben dem Stau¬ wehr auf der lin¬ ken Uferseite (vergl. den Lageplan Ab- bildg. 2), zunächst dem Einlauf nach dem Triebkanal ein Grundlauf von 23,60 m lichterWeite angeordnet, durch den auch ein gros¬ ser Theil des H.- W.hindurchfliessen soll. Seine Sohle ist deshalb auf die grösste Flusstiefe von 417, 73111 + N.N. gelegt. Der Breite nach ist derselbe in 7 gleiche Felder ein- getheilt, deren Ver¬ schluss bis zur nor¬ malen Stauhöhe hinauf je zwei über¬ einander hängende, von einander ge¬ trennte bewegliche eiserne Schütze bil¬ den. Dem grösse¬ ren Wasserdruck entsprechend sind die Schütze hier schmäler als bei dem Stauwehr ge¬ halten und ausser¬ dem mussten sie aus geraden Blech¬ wänden gebildet werden, um bei der Bewegung anein¬ ander vorbei kom¬ men zu können. treibenden Schwimmkörpern zwischen dem Fach werk der Versteifungsglieder zu verhindern. Auf der rechten Uferseite ist endlich eine Floss- gasse von 15 m 1. W. angelegt, deren Oeffnung durch ein einziges Schütz von gleicher Breite und von 1,20 m Höhe verschlossen werden soll. Die Flossrinne liegt zwischen der Ufermauer und einer in den Fluss ge¬ bauten, auf Pfählen gegründeten Betonmauer; ihre Sohle besteht aus zwei Lagen Bohlen auf einem doppelten Balkenrost, der seinerseits auf eingerammten Befestigung Schützführun¬ dienen auch eiserne Böcke, an den Seiten hölzerne Verschalungen erhalten Pfählen in um Qfnol/on Kl Kon Zur der gen hier die haben, um ein Steckenbleiben von stromabwärts Portal der Gemeindeschule in der Chi istiania- Strasse. Architekt: Ludwig Hoffmann. Aus: Neubauten der Stadt Berlin. Verlag von Bruno Hessling in Berlin. _ r /«,v. c - a , . 0 ■ ■ 0. ■ ^ WWv / / \\ 1 f ' 0 !'■ ■ ' \oTO. L 1 fr°~- „-fF 7sj-, - - ! 1 “ - - "*J - - Schnitt a- b. Abbildg. 6. Bewegliche Schütze des Stauwehres. _ _ befestigt ist. Infolge der grossen Entfernung der Flossgasse von der Einlaufschleuse nach dem Ka¬ nal wird das Oeffnen der Schütze hier fast ohne störenden Einfluss auf die Wasserhöhe beim Einlauf¬ bauwerk sein. In das linke Widerlager neben dem Grundlauf ist schliesslich ein Fischpass eingebaut, der hierhin verlegt wurde, weil zu erwarten steht, dass der Strom¬ strich und damit die Fische sich nach dem Grundlauf hinziehen werden. — (Schluss folgt.) 3t2 Gartenstädte. m vergangenen Winter hatte die „Gartenstadt- deren Vorstand und Ausschüsse aus Schriftstellern, Künst- Gesellschaf t“ in Berlin einer gut besuchten Ver- lern, Sozialpolitikern, Bodenreformern u. a. bestehen, be- sammlung im Architektenhause durch Ansprachen trachtet sich zunächst noch als Propaganda- und Studien- und Vorträge, zumtheil von Lichtbildern unterstützt, ihre gesellschaft zur Vorbereitung und weiteren Ausgestaltung Ziele vorgeführt, die auf die Gründung neuer Städte, so- der sie bewegenden Ideen, die zu verwirklichen nach genannter „Gartenstädte“ ausgehen. Die Gesellschaft, ihrer Meinung bereits in England, wenn auch erst in Ansiedelungen kleineren Umfanges, versucht sei und deren Uebertragung auf deutsche Verhält¬ nisse und auf einen grösseren Maasstab noch ein¬ gehender Prüfung bedürfe. In der von ihr her¬ ausgegebenen Flugschrift No. 2 stellt Hr. Bernh. Kampffmeyer die englische Gartenstadt - Be¬ wegung dar, nachdem Hr. Heinr. Hart in einem einleitenden Vorworte die Nothwendigkeit einer Vermählung von Stadt und Land, d. h. von den Vorzügen beider Ausdruck gegeben hat. Die Sehnsucht nach der freien Natur, nach einem Stückchen Garten stecke in jedem Grosstädter, doch möchte er auf die Dauer nicht die verfeinerte Kultur, das städtische Leben vermissen. Wie sind diese Gegensätze zu versöhnen? Wie die Ge¬ sellschaft hofft, in Gartenstädten. Dieldee der Gartenstadt ist früher imDeutschen Reiche als in England aufgetaucht. Im Jahre 1896 erschien eine Flugschrift von Theod. Fritsch in Leipzig unter dem Titel: „Die Stadt der Zu¬ kunft“, mit Plänen und Vorschlägen für neu zu gründende Städte nebst Angaben über ihre finan¬ zielle Durchführbarkeit. Erst zwei Jahre später gab Ebenezer Howard in London unabhängig von dieser ersten Veröffentlichung ein Buch heraus, genannt „T o Morrow* — in späteren Auflagen „Gar¬ den Cities of to Morrow“ — das zur Begründung von Gartenstadt- Gesellschaften den Anstoss gab. Was heisst nun Gartenstadt? Von Gärten durchsetzte und umgebene Städte haben wir doch genug: zu Städten herangewachsene Vororte mit offener Bauweise, Niederlassungen mit Land¬ häusern, die alten Landstädte. Damit sie aber zu Gartenstädten werden, ist zweierlei nöthig: Erstens sollen sie den vollen gesundheit¬ lichen und wirthschaftlichen Komfort moderner Grosstädte bieten inbezug auf Wasserversorgung, Entwässerung und Beleuchtung, inbezug auf öffent¬ liche Bade- und Sportanstalten, inbezug auf die eigenen Verkehrsmittel und die durchgehenden Haupt-Eisenbahnlinien usw. Neben gesunden und bequemen Wohnungen werden sie also auch dem Handel und Gewerbe Raum zu gewähren haben. Zweitens sollen sie nicht den Umfang von Grosstädten erreichen, überhaupt nicht — und zwar auch aus künstlerischen Gründen nicht — über eine gewisse Grösse hinausgehen, damit rings um die Stadt herum Aecker, Wiesen, Gärten und Forste dauernd als solche erhalten, der städti¬ schen Bebauung also entzogen bleiben. Dem¬ nach muss der Grund und Boden im Besitze der Gemeinde sein. Landwirthe und Gärtner werden in der nahen Stadt ihren Absatzmarkt haben, wäh¬ rend die städtischen Abfälle dem Lande wieder zugute kommen sollen. Demnach wird die Einwohnerzahl auf 30000 be¬ schränkt, die für sie erforderliche Bodenfläche zu 24.00 angenommen. Die Stadt liegt mög¬ lichst in der Mitte — auf sie entfallen 400 ha, also 1 /g der Gesamtfläche. Der Rest von 5/6 bleibt „Land“. Den Mittelpunkt der Stadt bildet ein Garten von 1,25 ha Grösse (vergleiche den Lage¬ plan Seite 314). Um diesen Garten herum stehen Rathhaus (schlecht gelegen, da weit ab vom Stadt¬ verkehr!), Theater, Konzerthaus, Bibliothek, Mu¬ seum, Bildergalerie usw., Hospital (man denke an Karlsruhe). Von der Mitte strahlen in gerader Richtung sechs breite Radialstrassen (der Verfasser nennt sie „Boulevards“) aus, die Stadt in ebenso viele Theile (Sektionen) zerlegend. Um den Gürtel öffentlicher Gebäude legt sich der Zentralpark von 58 ha Ausdehnung, am äusseren Rande eingefasst vom sog. Kristallpalast, einem ringförmigen Glas¬ bauwerke, das (wie in Kurorten) theils Verkaufs¬ stände, Erfrischungshallen aufnehmen, theils als Wintergarten, Wandelbahn für die Parkbesucher bei schlechtemW etter dienen, endlich auch als Kaufhaus, „ , Markthalle (ebenfalls schlecht gelegen, da fern von Gemeindeschule in der Oderberger-Strasse. Milderer Theil der lassaue. der Eisenbahn und den Wohnungen kleiner Leute) Architekt: Ludwig Holtmann in Berlin. benutzt werden soll. Dann kommt die fünfte Aus: Neubauten der Stadt Berlin. Verlag von Br. Hessling in Berlin. „Avenue“ (vornehm wie in New-York), die erste 20 Juni 1903. 3T3 Ringstrasse, an der nun die eigentliche städtische Be¬ bauung beginnt. Drei weitere Häusergürtel folgen, von Ringstrassen getheilt. Die dritte oder „grosse Avenue" ist 132 m breit mit einem mittleren Parkstreifen von 46 ha, in dem sich die Schulen und Kirchen der sechs Stadttheile erheben sollen. Die Häusergürtel sind für Wohnzwecke in 5500 Grundstücke aufgetheilt, deren Grösse rd. 210 qm beträgt, gerade gross genug, um Einfamilien- Häuser darauf erbauen zu können. Es wird jedoch ge¬ stattet, auch mehrere Grundstücke zusammen zu legen und mit Mehrfamilienhäusern zu bebauen, falls nur rd. 210 cl“ Bodenfläche auf je eine Familie entfallen (Miets¬ häuser für Beamte, Offiziere, Junggesellen, alleinstehende Damen!). Bei Anlage von Gärten erhält das Grundstück zweckmässig 25—30 m Tiefe. Die Hausfront beträgt dann 7— 8m; der Verfasser setzt also geschlossene Häuserreihen, die typische englische Bebauung, voraus. Offene Bau¬ weise ist nicht vorgesehen. Der Aussenring ist Fabriken, Zimmerplätzen, Lager¬ häusern, Molkereien, Kohlenlagern usw. Vorbehalten. Diese Grundstücke grenzen innen nach der Strasse, aussen nach einer Eisenbahn, die die ganze Stadt umkreist und an die Gleise einer Hauptverkehrslinie anschliesst, gegebenenfalls auch an einem schiffbaren Fluss oder Kanal entlang führt. Vor der Stadt sollen neben gärtnerischen und landwirth- schaftlichen Betrieben verschiedenen Umfanges den Ar¬ beitern kleine Pachtgrundstücke (in Berlin Laubenkolonien Neubauten der Stadt Berlin von Ludwig Hoffmann.*) (Hierzu eine Doppelbeilage, die Abbildgn. auf S. 312, 313, 315 u. in No. 48.) n den vorliegenden beiden Bänden ist ein Theil der ungemein fruchtbaren und erfolgreichen Thätigkeit des Stadtbaurathes Ludwig Hoffmann in Berlin niedergelegt, eine Thätigkeit, wie sie in dieser Reichhaltig¬ keit und diesem Umfange kaum einem anderen Architekten vergönnt sein dürfte. Ueber die Grundzüge seines künst¬ lerischen Schaffens hat sich Hoffmann im Vorwort zum ersten Bande wie folgt ausgesprochen: „In einer Stadt, die aus verschiedenen Kunstperioden früherer Jahrhunderte vortreffliche Bauwerke besitzt, in welcher auch die in den letzten Jahrzehnten errichteten Gebäude verschiedene Aus¬ drucksweise zeigen, gebietet schon die Rücksicht auf die jeweilige Umgebung, sich bei der Lösung neuer Aufgaben verschiedener Formensprachen zu bedienen. Des Archi¬ tekten Thätigkeit wird erst dann eine künstlerische, wenn es ihm gelingt, in gefälligen Formen Gedanken auszu¬ drücken und hierbei beabsichtigte Wirkungen zu erzielen. Durch planloses Aneinanderfügen bekannter oder unbe¬ kannter Motive, seien diese auch noch so prunkvoll, wird niemals ein Kunstwerk entstehen. Die beste Grundlage für die künstlerische Gestaltung eines Gebäudes ist eine klare, ungezwungene und den Bedürfnissen in einfacher Weise Rechnung tragende Grundrissdisposition. Sie bringt eine natürliche und deshalb gute Vertheilung der Massen, sowie der Oeffnungen in den Flächen mit sich. Ist diese Grundlage gut, so bedarf es nur weniger Kunstmitte], um das Gebäude zu einer angenehmen künstlerischen Wirkung zu bringen. Anderenfalls vermögen auch die reichsten Motive in grosser Anzahl nicht, die ungünstige Wirkung einer ungenügenden Grundlage zu unterdrücken". Die beiden *) 2 Bände mit 50 u. 50 Tafeln. Berlin 1902 u. 1903. Bruno Hessling. genannt) überlassen werden. Ausser der ländlichen Be¬ bauung sind hier nur Industrie- und Landwirthschafts- schulen, soziale Wohlfahrtsanstalten usw. zu errichten. Ein Stadtwald darf nicht fehlen. Ist eine derartige Gartenstadt fertig, so wird daneben eine zweite gegründet, wiederum mit einer ländlichen Umgebung, sodass die städtisch bebauten Kerne niemals zusammenwachsen können. Nach des Verfassers Meinung würden Gruppen von Gartenstädten, die um eine etwas grössere, mittlere Stadt von 58 000 Einwohnern (also doch über die sonst grundsätzlich empfohlenen 30000 hinaus¬ gehend) geordnet und durch Eisenbahnen mit einander verbunden seien, die heutigen Grosstädte ersetzen können. Der vorstehend kurz beschriebene Plan der Gartenstadt ist stark schematisch; wenn auch der Verfasser dem durch die Bemerkung vorzubeugen sucht, dass von Fall zu Fall den natürlichen Bodenverhältnissen Rechnung getragen werden müsse, so meint er doch gleichzeitig, dass der Plan immer etwas Geometrisches an sich haben werde, wenn allen Anforderungen modernen Verkehrswesens und Strassen- baues (Strassenbahnen und Kabel, Tunnels für die Rohr¬ leitungen usw.) genügt werden solle. Er tröstet sich in dem Wahne, die Gartenflächen in der Stadtmitte, wenn sie nur gross genug sind, die Häuserzeilen in den Radial¬ strassen, wenn sie nur nicht vier- oder fünfstöckig empor¬ steigen, wenn sie nur von Hintergärten begleitet werden, würden die geometrische Anlage des Stadtgrundrisses weniger auffallen lassen. Hierin liegt mehr als ein Irrthum. In Städten von 30 000 Einwohnern wird schwerlich sich ein Verkehr ent¬ falten, den zu bewältigen die höchsten Mittel der Technik erforderlich wären. Selbst die Radialstrassen werden für den Verkehr von sehr verschiedener Bedeutung sein; die nach dem Bahnhofe, den Hafenanlagen usw. hin von anderer und höherer, als die nach dem Walde, dem platten Lande hin. Unterscheidungen nach dieser Richtung würden am ersten zur Individualisierung des Stadtplanes führen. So¬ dann werden Einfamilienhäuser an den Verkehrsstrassen sicherlich nicht dem Bedürfnisse entsprechen — hierhin gehören Geschäftshäuser, die auch eine Gartenstadt nicht entbehren kann und soll. Endlich tragen Gärten hinter geschlossenen Häuserreihen kaum etwas zur Erscheinung des Stadtbildes bei, man müsste es denn vom Luftballon aus betrachten und dann fiele die Strassengeometrie erst recht in die Augen. Soll demnach auch die Stadtbau¬ kunst zu ihrem Rechte kommen, so muss man die Sache doch wohl anders anfangen. Gut sind nur die Baublocks gebildet, besser jedenfalls als in dem von Th. Fritsch (siehe oben) gegebenen Plane, in dem Steinwürfel wie auf einem Schachbrette gerade aus und über Eck aufmarschieren. Wie vorhin schon angedeutet wurde, soll das ganze Grundeigenthum der Gartenstadt verbleiben, also nicht in Privatbesitz übergehen Die Gründung ist so gedacht, Bände enthalten je 50 Tafeln theils in Lichtdrucken nach Aufnahmen nach der Natur, theils, was im Vergleich hier¬ zu besonders wichtig ist, in geometrischen, mit Maassen versehenen starken Linienzeichnungen. Den Tafeln ist ein kurzer erläuternder Text vorausgeschickt, der, wieder¬ um reich illustriert, eine erwünschte Ergänzung der künst¬ lerischen Darstellungen ist. Die in dieser Nummer, sowie in No. 48 und 50 wiedergegebenen Abbildungen sind durch das Entgegenkommen der Verlagsbuchhandlung diesem Texte entlehnt. Der erste bereits vor längerer Zeit er¬ schienene Band enthält das Kinderasyl in der Kürassier¬ strasse, das Volksbad in der Bärwaldstrasse (s. auch Dtsch. Bztg. Jahrg. 1901, No. 102/3), das Strassenreinigungs- Depot im Köllnischen Park, die Gemeindeschule in der Oderbergerstrasse, das städtische Wohnhaus in der Denne- witzstrasse, die Gemeindeschulen in der Duncker- und der Grenzstrasse, die Feuerwache in der Fischerstrasse und das Standesamt an der Fischerbrücke. Der zweite, vor kurzem erschienene Band enthält in gleicher Ausführlich¬ keit wie der erste Darstellungen der Gemeindeschule in der Christianiastrasse, des Volksbades in der Dennewitz- strasse, der Möckernbrücke, der Alsenbrücke, der Ge¬ meindeschule in der Wilmsstrasse, der Gemeindeschulen in der Glogauer- und in der Rigaerstrasse, der Grünauer- strassenbrücke, der Rossstrassenbrücke, des Volksbades in der Oderbergerstrasse, der Spielhalle im Friedrichs¬ hain, des Lehrerwohnhauses in der Emdenerstrasse und des Schulgebäudes in der Wiclefstrasse. Schon diese kurze Aufzählung der fertigen Bauten gibt ein unge¬ fähres Bild des ausgebreiteten und vielseitigen baukünst¬ lerischen Schaffens der Stadt Berlin, dessen Darstellung in weiteren Bänden eine Fortsetzung finden soll. Die fast durchweg schönen Aufnahmen sind von E. v. Brauchitsch in Berlin, die Lichtdrucke von C. G. Röder in Berlin und Leipzig gefertigt. — (Schluss folgt.) No. 49. 3N dass eine Gesellschaft zu¬ verlässiger Männer eine Landfläche, die bisher rein landwirthschaftlichen Zwecken gedient hat, er¬ wirbt und das dazu erfor- derlicheKaufgeld leihweise aufbringt. Dann würden aufgrund eines Bebauungs¬ und Auftheilungsplanes die Grundstücke pachtweise zu den verschiedenen Zwecken der Ansiedelung, zur städischen Bebauung und ländlichen Bewirt¬ schaftung abgegeben, aus den Pachterträgen vorab Zinsen und Tilgungsraten für den Kaufpreis bezahlt, der Rest an die zu grün¬ dende Gemeinde zur Be¬ streitung der öffentlichen Lasten — zum Bau von Strassen und Schulen usw. — überlassen. Die Pacht¬ erträge glaubt derVerfasser ziemlich hoch einschätzen zu können, weil das Zu¬ sammenströmen vieler Menschen an einem Orte und die sich daraus erge¬ bende geistige und körper¬ liche Gemeinarbeit in Ge¬ stalt von wissenschaftlichen Anstalten und technischen Erfindungen, von Museen und Schulen, Bibliotheken und Theatern usw. den Bo¬ denwerth ständig steigert. Er will auf diese Weise das gegenwärtig nur eini¬ gen Wenigen, den zufälli¬ gen Boden-Besitzern, den Boden - Spekulanten aus der Gründung und dem Wachsthum der Städte zu- Pfeilerfüllung der Spielhalle im Friedrichshain. triebe oder Zweignieder¬ lassungen auf das Gebiet der Gartenstadt verlegen. Hierzu möge es erlaubt sein, einige Zweifel zu äussern. Zum Ersten: Das Bild ist für England gemacht. Verpachtung des Bodens zur Bebauung ist dort ebenso hergebracht, wie die fast ausschliessliche Erbauung von Einfamilien¬ häusern. In den Garten¬ städten soll nun die Ge¬ meinde alleinige Besitze¬ rin des Bodens werden, während sonst neben dem zum Theil freien Eigen- thume der Boden im Be¬ sitze grosser Lehnsherren zu sein pflegt, die ihn nicht verkaufen dürfen. Ob die Bodenwerthe und damit die Pachterträge dann aber ebenso steigen werden, um über die Verzinsung und Tilgung des Kaufpreises hinaus und nicht allein dieses, sondern auch der Schulden hinaus, die zu¬ nächst doch für die ersten Einrichtungen der Stadt (Strassen und Entwässe¬ rungsanlagen, Wasser- und Elektrizitätswerke, Eisen¬ bahnen und Kanäle usw.) gemacht werden müssen, damit der Ansiedlung die Wege geebnet werden, noch einen Ueberschuss für die Stadtverwaltung erzielen zu können, wird sich kaum berechnen las¬ sen, Das Beispiel der bei Birmingham von Cadbury gegründeten Ortschaft E 1 -i -I i fliessende Vermögen der Gemeinde in ihrer Gesamtheit zuführen. Einen Ansiedlungskern von einigen Tausend Köpfen hofft er mit Hilfe der Industrie zu gewinnen, mit kleineren und grösseren Unternehmern, die ihre Be- 20, Juni 1903. Bournville, die jetzt 3000 Einwohner — meist Arbeiter — hat, ist ohne Beweiskraft, weil der Gründer und Wohl- thäter der Gemeinde den Boden einschl. der fertigen Strassen usw. geschenkt hat. Der Vorzug dieser Grün- 3l5 düng sowohl, wie der von Port Sunlight, einem Fabrik¬ dorfe mit 2000 Einwohnern bei Liverpool, gegenüber ähn¬ lichen Arbeiter- Ansiedlungen in Deutschland, wie z. B. denen von Krupp bei Essen, muss vielmehr darin erblickt werden, dass die Wohnung des Arbeiters unabhängig von seinem Brodherrn gemacht ist. Zweitens: Wie viel das System der Bodenverpach¬ tung und wie viel die Gewohnheit, familienweise für sich allein ein Haus zu bewohnen, in England dazu beitragen, den Bodenwerth verhältnissmässig niedriger zu halten, als in den Ländern des Kontinentes, wird schwer festzustellen sein. Jedenfalls eignet sich beides, die Bodenrente so¬ wohl als auch der Bau von kleineren Häusern, weniger zur Spekulation, als der Verkauf von Bauland und die Erbauung von Miethskasernen. Immerhin wird auch in England spekuliert — es kommt also nur auf den Grad an; der Spekulation überhaupt beizukommen, wären noch andere Mittel erforderlich. Und nun zum Dritten, zugleich zur Nutzanwendung für Deutschland: Die Niederlassungen grosser Fabrik¬ betriebe, mit denen ja Ansiedlungskerne gegeben sind, wie z. B. der Aktiengesellschaft vormals Sc’nwartzkopff bei Königs-Wusterhausen und der Firma A. Borsig bei Tegel würden schwerlich auf gepachtetem Boden entstanden sein — sollte selbst Cadbury nicht sein Fabrikgrundstück in Bournville als freies Eigenthum von dem Gemeinde¬ besitze ausgeschlossen haben? In unserem Vaterlande wird man auch kaum der Neigung begegnen, sich mit einem eigenen Hause auf einem Baugrunde ansässig zu machen, über den man nicht frei verfügen kann. Die Engländer Todtenschau. Städt. Baurath Hartwig Eggers in München f. Am 14. Juni starb in München nach kurzer Krankheit der städtische Baurath Hr. Hartwig Eggers, ein um die bau¬ liche Entwicklung der bayerischen Hauptstadt in hohem Maasse verdienter Baubeamter. Der Verstorbene, der im 63. Lebensjahre stand, war am 8. Febr 1841 in Itzehoe in Schleswig-Holstein geboren und gehörte der städtischen Verwaltung von München bereits seit dem Jahre 1865 an. In dieser Verwaltung rückte er durch seine Tüchtigkeit vom einfachen Techniker bis zum Baurath auf; in seiner umfassenden Thätigkeit waren ihm die grössten Bauwerke, wie die Bauten des Schlacht- und Viehhofes, die Erweite¬ rungsbauten der Krankenhäuser rechts und links der Isar, ein Schulhaus an der Wittelsbacherstrasse, ein Sanatorium bei Harlaching, Badeanstalten, Bauten für das Feuerlösch¬ wesen usw. anvertraut. — Valere Deslre Joseph Dumortier f. Die Theilnehmer des IV. internationalen Architekten-Kongresses des Jahres 1897 in Brüssel werden mit lebhaftem Bedauern vernehmen, dass der Vorsitzende jenes Kongresses, der Provinzial- Chef- Architekt von Brabant, Valöre Dösire Joseph Dumortier in Brüssel, am 4. Juni d. J in St. Gilles gestorben ist. Du¬ mortier war am 2. April 1848 in Wasmes geboren und machte seine Studien in Frankreich. Seit 1874 war er Professor für Zeichnen und Modellieren in Ixelles, einer Vorstadt von Brüssel, dann an der Normalschule in Brüssel, um seit 1887 seine Thätigkeit als Chefarchitekt der Pro¬ vinz Brabant zu entfalten. Neben mehreren anderen Ge¬ bäuden war die aus einem Wettbewerb hervorgegangene Errichtung des Justizpalastes in Nivelles sein Werk. Sein Hauptverdienst besteht neben seiner praktischen Thätig¬ keit in der 1874 erfolgten Begründung der Zeitschrift „L’Emulation“, in welcher sich die Thätigkeit der moder¬ nen Architekten Belgiens wiederspiegelt, und in der Be¬ gründung der Zentralgesellschaft der belgischen Archi¬ tektur, die in jenen Kongresstagen ihr 25jähriges Stiftungs¬ fest feierte und deren langjähriger Vorsitzender er in wiederholten Amtsperioden war. — Preisbewerbungen. Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für den Neubau des Postsparkassen- Gebäudes ln Wien liefen 32 Arbeiten ein. Ein I. Preis wurde nicht vertheilt. Einen Preis von je 3000 Kr. erhielten die Entwürfe der Hrn. Otto W agner, F. v. Krauss, Theod. Bach, Prof. v. Ferstel und Fassbender & Tremmel. — Einen Wettbewerb betr. Vorentwürfe für ein Kranken¬ haus und eine Altersversorgungs-Anstalt des israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache in Köln a. Rh. er¬ lässt das Kuratorium zum 1. Okt. d. J. Es gelangen 3 Preise von 3000, 2000 und 1000 M. zur Vertheilung; auf ein¬ stimmigen Beschluss des Preisgerichtes kann die Ver¬ theilung auch in anderer Weise erfolgen. Ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Dem 7-gliedrigen Preisgericht gehören die folgenden 3 316 haben eben aus der Noth eine Tugend gemacht und was man von ihnen lernen kann, ist vornehmlich die Förderung des Einfamilienhauses. Nur für den beweglichen Theil der Bevölkerung, namentlich für den Industriearbeiter, könnte und sollte auch durch Miethshäuser (womit nicht gesagt ist Mieths kasernen) auf dem der Gemeinde — ausser für öffentliche Zwecke — reichlich vorzubehaltenden Grund- eigenthume gesorgt werden. (Von Baugenossenschaften in Erbbaurecht, von den Gemeinden selber usw.). Im übrigen aber wird die Bodenfrage in dem Sinne zu lösen sein, in dem der Admiralitätsrath Schrameier in Tsingtau gewirkt hat, also durch vorsichtigen Verkauf seitens der Ge¬ meinde mit Bauverpflichtung innerhalb einer gewissen Frist unter Vorbehalt eines Rückkaufrechtes für den Fall des Weiterverkaufes und durch entsprechende Besteuerung des Zuwachswerthes. Stellt die Gartenstadt-Gesellschaft hierauf ihr Ziel, so würde sie es damit vielleicht ins Bereich der Möglichkeit rücken, obwohl es immer noch fraglich bleibt, ob der Landarbeiter, dem die Genüsse einer vollkommen einge¬ richteten Stadt so nahe vor die Augen gerückt werden, nun nicht erst recht den Pflug stehen lässt, um sich der Industrie in die Arme zu werfen. Erfreulich ist es aber auf alle Fälle, dass nunmehr diejenigen zur Mitarbeit auf¬ gefordert werden, die nachher den Schaden und die Kosten verfehlter Stadtanlagen zu tragen haben, die Städte¬ bewohner. Dadurch treten die bisher nur in engeren Fachkreisen erörterten Städtebaufragen an das breite Licht der Oeffentlichkeit. — mn r' Architekten an: Bauinsp. Fr. Ruppel in Hamburg, Postbrth. K. Bing und Stadtbauinsp. J. Kleefisch in Köln a. Rh. Unterlagen durch das Kuratorium, Unter- Sachsenhausen 11— 15. — Zweiter Wettbewerb Kaiserin Elisabeth-Denkmal Buda¬ pest. Auch der wiederholte Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein Kaiserin Elisabeth- Denkmal in Budapest hat ein Ergebniss nicht gehabt. Keiner der Ent¬ würfe wurde als zur Ausführung geeignet erkannt und daher die Preise nicht vertheilt. Die Bildhauer Matrai, Margo, Teltsch und Zala sollen gegen eine entspre¬ chende Entschädigung zu einem engeren Wettbewerb be¬ rufen werden. Den Bildhauern Danko, Fadrusz, Rintel und Rona wurde eine Entschädigung von je 4000 Kr. sowie die Berechtigung zuerkannt, an einem weiteren enge- renWettbewerb, zu dem auch andere hervorragende Künst¬ ler zugelassen werden, auf eigene Kosten theilzunehmen. — Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zu Fassaden für die Altstadt von Frankfurt a. M. Zum Preise von je 1000 M. wurden angekauft die Entwürfe der Hrn. W. Moessinger, Th. Martin, Heinr. Müller, Karl Wagner, Heinrich Kays er, Otto Sturm, Jul. Ruppert in Gemein¬ schaft mit Wilh. Barth, Brth. Neher, Frhr. v. Lersner, K. Poppe in Gemeinschaft mit Arth. Hartmann, Herrn. Senf, Friedr. Sander, Stadtbmstr. Jos. H. Richter, Göttelmann in Gemeinschaft mit Althaus, Stef. Simon, G. W. Landgrebe, Brth. v. Hoven, Claus Mehs und Stadtbmstr. Geldmacher. Sämtliche Entwürfe sind bis 30. Juni d. J. in der Aula der Klingerschule, Hermes- weg 34, öffentlich ausgestellt. — Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Schulgebäude der Gemeinde Grunewald bei Berlin liefen 13 Arbeiten ein. Den I. Preis von 1500 M. errangen die Hrn. Zaar & V ahl in Berlin; den II. Preis von 1000 M. die Hrn. O. Gröffel & Könke in Bremen; den III. Preis von 750 M. Hr. Becker in Grunewald. Der Entwurf mit dem Kennworte „ländlich“ wurde zum Ankauf empfohlen. — Brief- und Fragekasten. Hrn. B. & L. in H. Da Alkaliengehalt von Laugen keinen Ein¬ fluss auf erhärteten Zementmörtel ausübt und Spuren von Schwefel¬ säuregehalt mehr oder weniger wirkungslos sind, so scheint es uns, dass Sie mit Aussicht auf Erfolg Zementmauerwerk oder Zement¬ beton für die Laugen-Behälter einer Seifenfabrik anwenden können. Sollte Jemand aus dem Leserkreise über besondere Erfahrungen gebieten, so würden wir für Mittheilung derselben dankbar sein. — Hrn. Arch. G. P. in Hirschberg i. Schl. Wir haben diese Frage schon einmal in diesem Jahre im Briefkasten beantwortet. Vergl. S. 236. Noch nähere Angaben zu machen, sind wir nicht ermächtigt. — _ _ Inhalt: Ueber die Wasserbauten des Elektrizitätswerkes Wangen a d Aare (Schweiz). — Gartenstädte. — Neubauten der Stadt Berlin von Ludwig Hoffmann. — Todtenschau. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. _ _ _ _ Hierzu eine Doppelbeilage: Neubauten der Stadt Berlin. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 49. EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * «sssssrssstsrst«:» Die deutsche Städteausstellung in Dresden AUZEITUN G. GANG. % * N2* 50. sic DEN 24. JUNI 1903. sic m 20. Mai ist die deutsche Städteausstellung in Dresden auf dem Gelände des ständigen Ausstellungspalastes an der Stübel- Allee durch ihren hohen Protektor, den König von Sachsen, in feierlicher Weise eröffnet wor¬ den. Es ist damit ein Gedanke verwirklicht, der vor vier Jahren auf einer Versammlung deutscher Oberbürger¬ meister in Karlsruhe, wenn wir uns nicht irren, von dem Vertreter der Stadt Stuttgart angeregt worden ist. Den Stand des deutschen Städtewesens zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Entwicklung der grösse¬ ren Gemeinden Deutschlands in den letzten Jahrzehnten und die Fortschritte auf den verschiedenen Gebie¬ ten der Gemeinde - Ver¬ waltungen in dieser Zeit zu veranschaulichen, an¬ dererseits auch, im Zu¬ sammenhänge damit, die Erzeugnisse deutscher Ge¬ werbetreibender für den Bedarf grösserer Gemein¬ de- Verwaltungen zur Dar¬ stellung zu bringen, das ist die Aufgabe, welche sich die Veranstalter der Ausstellung — die Stadt Dresden, unterstützt von zahlreichen grösseren Städten — gestellt haben. Es lag der Gedanke nahe, „dass einmal dasjenige, was die moder¬ ne Stadt charakterisiert, was insbesondere die deutschen Städte auf den verschiedensten Gebieten ihrer Thätigkeit geleistet haben und was als gut und vorbildlich betrachtet werden könnte, soweit es sich irgend äusserlich dar¬ stellen lässt, auf einer deutschen Städteausstel- lungzusammengefasstund zur Anschauung gebracht werden möchte. Es sollte damit zunächst fallen den zahlreichen bei den Ge¬ meinde - Verwaltungen thätigen Bürgern und Be¬ amten eine Gelegenheit gegeben werden, die Verhältnisse der anderen grösseren deutschen Ge¬ meinden gerade auf den¬ jenigen Gebieten kennen zu lernen und zu studieren, auf welchen diese beson¬ ders Hervorragendes ge¬ leistet haben.“ Mit diesen Worten erklärte der Vor¬ sitzende der Ausstellungs¬ leitung, der Ob.-Bürger- mstr. der Stadt Dresden, Hr. Geh. Finanzrth. a. D. Beutler, das Ziel, das man sich bei Veranstal¬ tung der Ausstellung ge¬ steckt habe. Wir glauben, dass neben diesem ausgesprochenen Zwecke der Belehrung auch der nicht besonders zum Ausdruck gebrachte Gedanke einen nicht un¬ wesentlichen Antheil an dem Zustandekommen der Aus¬ stellung gehabt hat, dass nämlich die deutschen Stadtver¬ waltungen zeigen wollten, was sie aus eigener Kraft, ohne Unterstützung von aussen, ja mitunter nicht ohne Kampf gegen wenig wohlwollende Einflüsse, geleistet haben. Es ist nicht ohne Interesse, die Ausstellung auch von diesem Standpunkte zu betrachten und wer sie durchwandert hat, wird sich nach dem Gesamtbilde des Gesehenen sagen müssen, dass der hier zum Ausdruck gebrachte Stolz auf die eigene Leistung auf vielen Gebieten ein berechtigter ist, während der Besucher sich andererseits auch der Erkenntniss nicht wird verschliessen können, dass die Entwicklung der Städte auf manchen Gebieten einen Weg genommen hat, Die Feuerwache an der Fischerstrasse. Architekt: Ludwig Hoffman n. Aus: Neubauten der Stadt Berlin. Verlag von Bruno Hessling in Berlin. 3r7 der nicht als ein erfreulicher, nicht als ein gesunder be¬ zeichnet werden kann. Es gilt letzteres namentlich von der Entwicklung des Stadtplanes und des Stadtbildes, welche zumeist, selbst bei unseren grösseren Städten, erst sehr spät nach weiteren Gesichtspunkten in Hinsicht auf die praktischen Erfordernisse des Verkehres, der wirt¬ schaftlichen und sozialen Verhältnisse, oder in Hinsicht auf eine künstlerische und erfreuliche Wirkung behandelt und geleitet worden ist. Was hier eine kurzsichtige Augenblicks¬ politik einer noch nicht weit zurückliegenden Zeit ver¬ schuldethat, muss jetzt mühsam mit grossen Opfern gebessert werden. Aber gerade aus den Fehlern, sowohl der eigenen, wie der anderen, wenn man sie nur schliesslich erkennt, lässt sich ja am meisten lernen. — Wir haben es also mit einerFachausstellung zu thun, allerdings nicht mit einer solchen im engeren Sinne, die sich nur an einen kleinen Kreis Wissender wendet, aber doch mit einer Ausstellung, die dem grossen Publikum nur in einzelnen Theilen Interesse abgewinnen kann und nur in wenigen Zweigen von ihm wirklich verstanden wer¬ den wird. Eine grosse süddeutsche Tageszeitung sprach vor Eröffnung von einer „gänzlich papierenen“ Ausstellung. Wir glauben, dass der Berichterstatter nach einem Besuche der Ausstellung anderer Meinung geworden ist, denn seine Charakterisierung trifft weder wörtlich genommen, noch dem Sinne nach, den sie offenbar haben sollte, zu. Die Ausstellungsleitung hat mit einem starken Besuche von Nichtfachleuten kaum gerechnet, jedenfalls demselben nur geringe Konzessionen gemacht. Denn abgesehen von täglichen Konzerten, abendlicher wirkungsvoller Beleuch¬ tung des Gartens, leuchtendem Springbrunnen, Darstellung charakteristischer Städtebilder als beleuchtete Kulissen auf dem dunklen Baumhintergrunde des „Grossen Gartens“, Lichtbildervorträgen usw. wird dem Vergnügen für ge¬ wöhnlich nichts weiter geboten. Die Ausstellung zerfällt, wie schon erwähnt, in 2 Haupt¬ gruppen: die Ausstellung der Stadtgemeinden und diejenige der Industrie. Erstere nimmt für sich fast den ganzen Ausstellungspalast in Anspruch, letztere ist in besonderen Ausstellungshallen und Pavillons rechts und links neben dem Hauptgebäude im Park untergebracht. An der I. Gruppe haben sich 128 Städte aus Deutsch¬ land betheiligt. Davon entfallen 76 auf Preussen, 11 auf Sachsen, 8 auf Bayern, 6 auf Baden, 4 auf Württem¬ berg, 3 auf Hessen, 2 auf Mecklenburg, 2 auf Elsass- Lothringen, je 1 auf die freien Hansestädte Bremen, Hamburg, Lübeck und der Rest von 12 auf die übrigen kleinen Staaten, namentlich die sächsich -thüringischen. Die Gruppe der Städte zerfällt in 8 Abtheilungen : I. Fürsorge der Gemeinden für Verkehrs Verhältnisse, für Beleuchtung, Strassenbau und Entwässerung, Brücken und Häfen, einschl. des gesamten Tiefbau- und V ermessungs- wesens, der Strassenbahnen usw. II. Stadterweiterungen, Baupolizei u. Wohnungswesen. III. Fürsorge der Gemeinden für öffentliche Kunst, Architektur, Malerei, Bildhauerei usw. IV. Fürsorge der Gemeinden für die Gesundheit und allgemeine Wohlfahrt. Polizeiwesen. V. Schulwesen, Volksbildung. VI. Armenwesen, Krankenpflege, Wohlthätigkeits-An- stalten, Wohlthätigkeits-Stiftungen. VII. Kassen- und Finanzverwaltung einschl. Steuer¬ verwaltung, städtische Gewerbebetriebe und städtischer, zur Gemeindeverwaltung nicht unmittelbar benutzter Grund¬ besitz, sowie Einrichtungen der Gemeinden für Sparkasse und Buchwesen. VIII. a) Registratur- und Büreau-Einrichtung, b) Sta¬ tistik und Litteratur. Diese Abtheilungen nehmen den ganzen vorderen Theil des Ausstellungspalastes (der hintere enthält nur einen Saal, sowie Restaurations- und Wirthschaftsräume) nebst den in den beiden grossen Lichthöfen geschaffenen Ein¬ bauten für sich in Anspruch und zwar die Abtheilungen I, IV und VI den rechten Flügel; II, V, VII, VIII den linken, während der ganze Mitteltrakt zu einer Ehrenhalle ausge- gebildet ist und nebst dem anderen Theile des linken Flügels der Gruppe III, der Abtheilung für Kunst und Kunst¬ gewerbe zugetheilt wurde. Die Kuppelhalle, welche zugleich die Eiutrittshalle des Gebäudes ist, schmückt lediglich das in Bronze aus¬ geführte Reiterstandbild König Alberts von Baumbach, dahinter schliesst sich die Haupthalle an, die von Arch. Fritz Schumacher in stimmungsvoller Weise ausgestaltet wurde. Durch einen dämmrigen hohen gewölbten Mittel¬ gang von einfacher wuchtiger Form in blaugrüner Tönung, der durch Einbauten geschaffen wurde und in welchem eine Kaiserbüste Aufstellung gefunden hat, tritt man in den hell erleuchteten Hauptraum, dem ein Gipsabguss des Neptunbrunnens im Garten des ehemaligen Marcolinischen 3l8 Palais (jetztStadtkrankenhaus Friedrichstadt; den wirkungs¬ vollen Abschluss gibt, zu welchem niedrigere Wände im Charakter des Halleneinbaues, bekrönt von stilisierten Lor¬ beerbäumen, einen Uebergang bilden. Der Saal enthält im übrigen nur die beiden grossen Modelle der Rathhäuser von Leipzig und Hannover und die Standbilder von Bismarck und Moltke. Neben dem Halleneinbau entstanden 2 grössere Räume, in welchen Modelle und Entwürfe so¬ wie photographische Aufnahmen von Rathhäusern und städtischen Museen nebst ihrer künstlerischen Aus¬ schmückung Aufnahme gefunden haben. Reicheren Schmuck zeigt auch die vordere Halle des linken Seitenflügels, in welcher der für die Architektur- Abtheilung der Bauausstellung 1900 von W a 1 1 o t geschaffene Einbau einer säulengetragenen Halle mit mittlerer Kuppel, welcher sich seitlich nach den Ausstellungskojen öffnet und der einen feinen Rahmen für die hier ausgestellten Gegenstände aus dem künstlerischen Besitz der Städte bildet, wohl unverändert erhalten geblieben ist. Die übrigen Räume sind in einfacher aber würdiger Weise ausgestaltet und durch Eintheilung in Kojen zur Auf¬ stellung eines reichen Materials von Zeichnungen, Photo¬ graphien und Modellen geeignet gemacht. Die Orientierung ist eine günstige, sodass man bei einem Rundgange sicher ist, keine Räume zu übersehen. Wer ein Bild von dem gewinnen will, was eine bestimmte Stadt ausgestellt hat, wird allerdings mehrfache Wege machen müssen, da die Gegenstände nach den vorher¬ gehenden Ausführungen nach bestimmten Materien ge¬ ordnet sind, also die Ausstellungs-Gegenstände einer Stadt sich zerstreut in verschiedenen Sälen finden. Unter dem Ausstellungsgut, auf das wir uns Vorbe¬ halten, später nach Wahl im Einzelnen zurückzukommen, interessieren den Architekten und den Ingenieur natur- gemäss die Abtheilungen I— IV am meisten, da hier seine eigenen Werke allein- oder vorherrschen. Auch die Ab¬ theilungen V und VI bringen reiches Material an Plänen und Modellen der für diese Zwecke geschaffenen baulichen Anlagen. Einiges findet sich dann auch noch in Abthei¬ lung VII. Auf Abtheilung VIII einzugehen, werden wir uns versagen. Die Unterabtheilung für Statistik bietet dem Techniker, namentlich in den zusammenfassenden Darstellungen, die nicht eine einzelne Stadt behandeln, sondern vergleichende Ergebnisse einer ganzen Reihe von Städten geben, allerdings ebenfalls viel schätzenswerthes Material, hier würde aber ein eingehenderes Studium nöthig sein, um Werthvolles herauszuschälen, als ein immerhin nur flüchtiger Gang durch die Ausstellung zulässt. Was die ausgestellten Gegenstände selbst anbetrifft, so herrschen allerdings die Zeichnung, der Plan, das ge¬ druckte Wort vor, aber die Städte haben es sich zumeist angelegen sein lassen, durch die Art der Darstellung, durch reichliche Beigabe von Photographien und Schaubildern, namentlich aber auch durch zahlreiche, gut ausgeführte Modelle die Arbeiten auch dem Laien schmackhafter und verständlicher zu machen. Namentlich die Modelle wer¬ den nach dieser Richtung ihren Eindruck nicht verfehlen. Es ist erfreulich, dass dieses treffliche Mittel zur Erleich¬ terung der Vorstellung und zur besseren Beurtheilung der gewollten räumlichen Wirkung auch für den praktischen Gebrauch wieder mehr Eingang gefunden hat, als das bis¬ her lange der Fall war, und dass die Stadtvertretungen, die hierfür früher vielfach recht schwer zu haben waren, die oft beträchtlichen Mittel bewilligen, deren Ausgabe aber der praktische Erfolg zumeist durchaus rechtfertigt. Einzelne Städte, z. B. Berlin und Hamburg, haben hierin ganz Besonderes geleistet. Es finden sich hierunter und auch unter den Zeichnungen, die auf die Schaustellung berechnet sind, naiurgemäss manche gute alte Bekannte wieder, die schon anderwärts: in Chicago, Paris, Düssel¬ dorf, auf der Bauausstellung in Dresden und auf Archi¬ tekturausstellungen zu sehen waren; aber auch viele neue Erscheinungen sind zu verzeichnen, die offenbar ihre Ent¬ stehung erst der Städteausstellung verdanken. Die zweite Hauptgruppe bildet die Ausstellung der Industrie. Es war nicht ganz leicht, hier eine Grenze zu ziehen, wie weit die Gewerbe zugelassen werden sollten. Man kann diese Grenze sehr weit und sehr eng stecken. Bei einer solchen Veranstaltung werden daher Zahl und Art der eingehenden Meldungen den Gesamtcharakter der zustande kommenden Ausstellung zumeist bestimmen und so war es wohl auch hier. Neben Dingen, die mit dem Zwecke der ganzen Ausstellung thatsächlich im engen Zusammen¬ hang stehen, finden sich auch solche, bei welchen dieser Zusammenhang nur noch schwer festzustelien ist. Es darf jedoch anerkannt werden, dass auch hier alles fern ge¬ halten worden ist, was in den vornehmen Rahmen der Ausstellung nicht passt. Andererseits vermissen wir auch Vieles, was wir hier gesucht haben würden. So ist nament- No. 50. lieh das Verkehrswesen, das doch in der Entwicklung der Städte heute eine so grosse Rolle spielt, soweit die Ver¬ kehrsmittel selbst infrage kommen, fast ganz vernachlässigt. Die Städte, die bisher zumeist allerdings nicht selbst die Unternehmer der Verkehrsanlagen sind, bringen in der Hauptsache nur Pläne ihres Strassenbahnnetzes und statistische Mittheilungen; nur wenige, wie z. B. Königs¬ berg i. Pr., geben auch Konstruktionen und Photographien vom Oberbau- und Wagenmaterial, Berlin und Barmen- Elberfeld stellen ihre Hoch- und Untergrund- bezw. Schwebebahnen aus, das ist aber auch so ziemlich alles. Die Industrie selbst begnügt sich mit der Ausstellung einiger weniger Strassenbahnwagen. Hier ist also eine empfindliche Lücke vorhanden. Die Ausstellungs-Gegenstände der Industrie sind in einer Reihe grösserer, in Holz gebauter Hallen unterge¬ bracht, unter denen namentlich die grosse Halle für Bau¬ wesen und allgemeine Industrie sowie die Halle für Maschinenbau zu nennen sind, ausserdem in einer Reihe kleinerer, von den Firmen selbst aufgeführter Pavillons. Hervorragendes Interesse verdient unter den eigenen Ausführungen der Industrie die sehr geschickt angelegte Str assenbaugruppe, die, aus abwechselnd hoch und tief liegenden Theilen bestehend, Gelegenheit gab, sowohl die Befestigung der Strassendecke, wie an Strassen-Quer- schnitten in natürlicher Grösse und mit den in der Praxis verwendeten Materialien die in die Strassenkörper gebette¬ ten Leitungen der städtischen Versorgungsnetze in klarer, auch dem Laien verständlicherWeise kenntlich zu machen. Neben diesen beiden Hauptgruppen der Ausstellung finden sich noch eine Reihe von Sonder-Veranstaltungen, die theils noch im Hauptgebäude, theils in eigenen Pavillons untergebracht sind. Die bedeutendste und für denTechniker interessanteste derselben ist die Sonderausstellung der städtischen und von den Städten konzessionierten Gas- und Wasserwerke, an welcher neben dem deutschen Mittheilungen aus Vereinen. Arch - und Ing.-Verein zu Hamburg. Vers, am 3. April 1903. Vors. Hr. Zimmermann. Anwes. 58 Personen. Hr. Wendemuth widmet dem Andenken des Hrn. Wasserbaudir. Buchheister einen warm empfundenen Nachruf. Der Verstorbene ist 1868 in die Strom- und Hafenbauverwaltung eingetreten und stand während der letzten 5l/2 Jahre an ihrer Spitze. Sein Hauptwerk ist der Ausbau und die weitsichtige Planung der Hafenanlagen. Maassgeblich sind und bleiben auch seine Arbeiten auf dem Gebiete des Strombaues, insbesondere ein dem Senat erstattetes ausführliches Gutachten. Seine rastlose, ohne Schonung des Körpers durchgeführte Thätigkeit wurde schliesslich gehemmt durch langwierige und tötliche Er¬ krankung der inneren Organe. Seine Freunde und seine Untergebenen bewahren dem vortrefflichen und bedeuten¬ den Manne ein dauerndes Andenken. Der Vortrag des Hrn. Culin über Strassenbahn- Oberbau enthält eine Geschichte der Entwicklung des Strassenbahngleises aus seinen ersten Anfängen bis zu den jetzigen, übrigens immer noch nicht völlig befriedi¬ genden Formen. Des Redners Vater hat 1862 die erste deutsche Strassenbahn Berlin-Charlottenburg, sodann die ersten Linien in Hamburg gebaut. Zuerst waren Flach¬ schienen üblich, deren Höhe allmählich vergrössert wurde, bis man 1881 zu I-Schienen überging. Mit der Vervoll¬ kommnung der Walztechnik bildete sich das heutige so¬ genannte Phönixprofil aus, das übrigens schon 1873 vom Redner vorgeschlagen war. — Eine sehr gut bewährte Eigenart des Hamburgischen Strassenbahngleises ist die beiderseitige Ausfütterung der Schiene mit Eichenholz, wodurch ein guter Pflasteran¬ schluss erzielt wird. Die Betonunterbettung der Gleise, von welcher in Hamburg bereits 90 ausgeführt sind, gilt gegenwärtig als die verhältnissmässig widerstands¬ fähigste Gleisunterlage. Hr. Schimpff fragt, warum in Hamburg die Spur¬ halter als senkrechte Flachschienen ausgebildet werden. Redner antwortet, dies geschehe, um eine Lochung der Schienen zu vermeiden, indem der Schienenfuss in einem Ausschnitt des Spurhalters eingeklemmt wird. Auf die weitere Frage nach der Laschenform erwidert Redner, dass man von den früheren einfachen oder Winkellaschen zu Kremplaschen übergegangen sei, die mehr Auflager¬ fläche für die Schienen bieten. Das Schweissverfahren mittels Thermit sei des jetzigen hohen Aluminiumpreises wegen zu theuer. Der Vorsitzende kommt zurück auf die Bemerkung des Redners, dass man gewöhnlich am Strassenbahngleise ohne richtige Werthschätzung seiner Bedeutung und seiner technischen Schwierigkeiten achtlos vorüber gehe. Der 24. Juni 1903. Verein von Gas- und Wasser-Fachmännern, der mit Messinstrumenten usw. auftritt, sich 44 Städte mit Zeichnungen, Modellen, Photographien und Leitungsth eilen usw. betheiligt haben. Die Ausstellung nimmt eine grössere eigene Halle ein. Die Sonderausstellung der deutschen Sicherheits-Polizeibehörden fand im Hauptgebäude, rechter Flügel, Unterkunft. Wir nennen noch die besonderen Veranstaltungen „Samariter-Wesen“, „Volks-Krank¬ heiten und ihre Bekämpfung“, „Ausstellung des Verbandes deutscher Arbeits - Nachweise “ , des „Verbandes deutscher Gewerbe-Gerichte“, die zu¬ meist im Hauptgebäude untergebracht sind, und der Dres¬ dener Gartenbauvereine, welche den Park geschmückt haben. Einen Sonderpavillon hat der „Verband der Feuerbestattungs-Vereine deutscher Sprache“ er¬ richtet, in welchem in geschickter Weise für die Sache der Feuerbestattung Propaganda gemacht wird. — Ein übersichtlicher Katalog, der in ausreichenderWeise die einzelnen Ausstellungsgüter charakterisiert, ist dem Besucher ein guter Führer. Wir vermissen in demselben allerdings eine kurze Einleitung, die über Zweck und Wesen der Ausstellung Aufschluss zu geben hätte. Ein¬ zelne Städte haben ihre Ausstellungs- Gegenstände durch kleine Druckschriften erläutert, wie Aachen, Breslau, Frankfurt a. M., Köln, Krefeld, Leipzig und andere, welche an die Interessenten ohne Entgelt abgegeben, oder käuflich überlassen werden, wie z. B. von der Stadt Dres¬ den, welche in Mappe vereint, aber auch einzeln käuflich, neben einem guten Stadtplan in 14 Sonderschriften einen „Führer durch das Verwaltungsgebiet der Stadt Dresden“ herausgegeben hat. Dieser kurze Ueberblick über die Gesamtveranstaltung der Dresdener Städteausstellung möge vorläufig genügen, um klar zu legen, was der Besucher und namentlich der Techniker dort erwarten darf und finden wird. — - Fr. E. - Vortrag habe bewiesen, dass dies nicht gerechtfertigt sei und dass bei näherer Beschäftigung auch die scheinbar wenig anziehende Frage des Strassenbahn- Oberbaues an Interesse gewinne. — St. Vereinigung Berliner Architekten. In der 6. ordentl. Vers, vom 16. April d. J., die unter dem Vorsitz des Hrn. v. d. Hude tagte und von 61 Mitgliedern und 1 Gast be¬ sucht war, theilte der Vorsitzende zunächst mit, dass die 3 für den Denkmaltag in Erfurt gewählten Vertreter, die Hrn. Fritsch, Hehl und Stiehl, die Wahl ange¬ nommen hätten und gab sodann dem Letztgenannten das Wort zu kurzen Ausführungen über das Vortragsthema, das er sich für den Denkmaltag gewählt habe, nämlich über „die Klcinbürgerhäuser der mittelalterlichen deutschen Städte“. Unter Vorlage einer Reihe von Zeichnungen führte Redner aus, wie das deutsche Bürger¬ haus, dessen Entwicklung nachzugehen bei den reicheren, im Inneren vielfach geänderten, in ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung oft nicht mehr erkennbaren Anlagen seine Schwierigkeiten hat, sich doch schliesslich auf einen einfachen Grundtypus zurückführen lasse, der in allen Theilen Deutschlands wiederkehrt: auf das Kleinbürger- und Handwerkerhaus mit seinem einfachen Grundriss, seinem fast ungetheilten Raum, in welchem die oft bis zum Dach durchgehende Diele den Kern der ganzen Anlage bildet, um den sich wenige kleine Kammern gruppieren, Redner ist nicht der Ansicht, dass das städtische Haus als eine Fortbildung des Bauernhauses anzusehen sei, glaubt viel¬ mehr, dass die Bauernhaustypen und die städtischen Wohn¬ häuser sich nebeneinander entwickelt haben, wahrschein¬ lich auf der gleichen älteren einfachsten Grundlage des einräumigen Hauses. An die mit Interesse aufgenommenen Ausführungen schliesst sich eine längere Besprechung, an welcher nament¬ lich Hr. Hehl und der Vortragende theilnahmen. Ersterer möchte die vorgeführten Bürgerhaustypen doch einer etwas späteren Entstehungszeit zuschreiben Der Vorsitzende theilt dann im Anschluss mit, dass er diesen Vortrag und die 3 Vertreter der Vereinigung zum Denkmaltage an¬ melden werde. Hr. George Hartmann erläuterte darauf mit einigen Worten seine ausgestellten Arbeiten, zumeist Wettbewerbs- Entwürfe, und einige kleinere Ausführungen. Darauf erstattete Hr. v. Groszheim in zwangloser Weise unter Vorlage einer grossen Zahl schöner Photo¬ graphien Bericht über eine von ihm ausgeführte sechs¬ wöchentliche Reise nach Egypten, die sich bis nach Assuan und Philae erstreckte, wo mit Bedauern die Veränderungen wahrgenommen wurden, welche die Insel Philae durch das Stauwerk bei Assuan erlitten hat, unter dessen erhöhtem Wasserspiegel die Tempelruinen jetzt fast ganz verschwin- 3i9 den und jedenfalls ihrem sicheren Verfall entgegen gehen. Im übrigen wurden die bekannten Punkte Gizeh, Luxor, Karnak u. a. besucht. Redner sprach sich ausserordentlich be¬ friedigt von seiner Reise aus, die er mitStangenin bequemer Weise ausführte und schilderte in anschaulicher Weise Land und Leute, sowie natürlich vor allem die alten Bauwerke, deren Grossartigkeit wir noch heute bewundern müssen. — Architekten- Verein zu Berlin. Vers, am 4. Mai 1903. Vors. Hr. Hinckeldeyn, anwes. 34 Mitglieder und 1 Gast. Der Vorsitzende leitete die Versammlung mit Worten ehrenden Gedenkens für das verstorbene Mitglied Elb- strombaudir. H. Messerschmidt ein und ertheilte nach geschäftlichen Mittheilungen das Wort Hrn. Bürckner zur Erläuterung des Klosetspülers, Patent Rühle, her¬ gestellt von der Fabrik für Metall- und Holzbear¬ beitung der Dresdener Fuhrwesenges. , A. - G., Vertreter Hr. Ing. G. Wasmuth in Berlin. Redner erläuterte an dem ausgestellten Modell die Besonder¬ heiten und die zweckmässige Anwendung des Spülers. Derselbe arbeitet automatisch mit einer abgemessenen Wassermenge von nur 6 *. Der Spülbehälter wird erst gefüllt, wenn der Deckel des Klosets gehoben und damit durch einen Hebel der Niederschraubhahn geöffnet wird, welcher den Behälter mit der Wasserleitung verbindet! Dann strömt das Wasser aus der Leitung ein und kom¬ primiert dabei die Luft im Behälter, sodass derselbe wie ein Windkessel wirkt und daher das Wasser bei Schliessung des Klosetdeckels, wodurch ein Schluss der Zuleitung und gleichzeitig ein^Oeffnen des Ablaufventiles bewirkt wird, mit ziemlicher Kraft in das Becken schleudert und so trotz der geringen Menge starke spülende Wirkung erzielt. Es soll im Vereinshause demnächst ein Versuch mit diesem Spüler gemacht werden, der nach vorstehendem sparsam arbeitet, nicht einfrieren kann, da er nicht gefüllt still steht und ausserdem verhältnissmässig geräuschlos sein soll. Es sprach sodann Hr. Marggraff über „Bauge¬ danken der Renaissance“. Die interessanten Aus¬ führungen des Redners, die durch zahlreiche Zeichnungen und z. Th. seltene Stiche aus dem eigenen Besitze des Red¬ ners erläutert wurden, fanden den Beifall der Versammlung. PIr. Wal 16 machte hierauf noch kurze Mittheilungen über den Schutz des geistigen Eigenthums an den Werken der Baukunst, worauf nach Beantwortung einiger Titel- und Rangfragen aus dem Fragekasten die Versammlung schloss. — Erdgeschoss -i-H-i-i -1 i i r Das Standesamt an der Fischerbrücke und die Feuerwache an der Fischerstrasse. Architekt: Ludwig Hoffmann in Berlin. Aus: Neubauten der Stadt Berlin. Verlag von Bruno Hessling in Berlin. Neubauten der Stadt Berlin von Ludwig Hoffmann. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen auf S. 317, 320 und 321. n den herrschenden Gegensätzen des Kunstlebens unserer Tage steht die Kunstübung von Ludwig Hoffmann, wie sie sich an den zahlreichen Bauten, mit welchen er bis heute die Stadt Berlin beschenkte, zeigt, auf der äussersten Seite jener Richtung, welche den Stil nicht zum Range einer persönlichen Neuschöpfung erhöhen will, sondern ihn völlig zurücktreten lässt gegen die vitalen Forderungen, die der Zweck und das innere Wesen des Bauwerkes selbst stellen und die demnach den künstlerischen Eklektizismus als das Kunstmittel betrachtet, welches dem Werke seine Form, welches ihr die freie Herrschaft über den Stil gibt. Es ist das ein Eklektizis¬ mus durchaus im Sinne Goethes, nach welchem ein Eklek¬ tiker Jeder ist, „der aus dem, was ihn umgibt, aus dem, was sich um ihn ereignet, sich dasjenige aneignet, was seiner Natur gemäss ist“. In Deutschland rang und ringt fortwährend noch die Ueberlieferung mit den Forderungen des Tages. Imganzen hat sich die Ueberlieferung als die stärkere Macht erwiesen, wie sie es auch in England und Frankreich bis heute geblieben ist. Sie steht aber heute nicht mehr in so starkem Gegensätze zu dem, was man die moderne Kunst genannt hat, wie noch vor wenigen Jahren. Die Kampfstimmung hat ihren Höhepunkt überschritten, sie hat der Besonnenheit Platz gemacht und damit einer Annäherung die Wege geebnet. Man war in der leiden¬ schaftlichen Bewegung, die gleich einer ungestümen Brandung daherbrauste und die Losung ausgab: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“, nicht völlig klar darüber, was man vom Künstler zu verlangen hatte; man wurde darüber erst klar, als die Kunstmittel, wel¬ che die moderne Kunst zu benutzen pflegte, sich zu erschöpfen drohten, als die neuen Brunnen, die man nicht tief genug gegraben hatte, zu versiegen schienen. Da be¬ sann man sich, dass man den Begriff der modernen Kunst etwas weiter erstrecken, etwas vertiefen, von der Ober¬ fläche auch in den inneren Gehalt des Kunstwerkes führen müsse. Man verliess den allein seligmachenden Weg der Form und wählte den tieferen Weg der Ausbildung auch des Inhaltes. Man leitete die Ausbildung nicht mehr nach dem Tageserfolge, sondern mehr nach dem Spinoza’schen Grundsätze der Auffassung der Dinge sub specie aeterni- tatis. Nun hatte der Satz: „Der Kunst ihre Freiheit“ seine Berechtigung insofern, als man auch zur Benutzung der nationalen Vergangenheit schritt. Mit der Vertiefung, mit der Verinnerlichung trat die Kunst der nationalen Psycho¬ logie näher; man erkannte, dass man gleich England auf völlig nationalem Boden zu Kunstbildungen gelangen kann, die nicht modern im Modesinne dieses Wortes, die aber gleichwohl als eine Kunst der Zeit betrachtet werden können. Diese Erkenntniss steht in keinem so weiten Gegensätze mehr zu der Kunst von Ludwig Hoffmann und wer unter dieser natürlichen Vermittelung die Bauten Hoffmanns betrachtet, wird an ihnen viele Freude erleben. Ihnen sind keine Schlagworte aufgeprägt, sie greifen nicht in den Kampf des Tages ein. Sie suchen ihre Form bald hier, bald da; sie wählen dieselbe durchaus nach ihrem natürlichen Bedürfniss, sie kleiden sich so, wie es ihre Bestimmung erheischt. Diese unbefangene Wahl der Formen, ihre souveräne Verwendung, ihre völlige Unter¬ ordnung unter den leitenden Gedanken des Bauwerkes, das sind die Grundzüge Hoffmann’scher Kunst. — 320 No. 50. Fisc/ter-Strafse Hauptversammlung vom 18. Mai. Vors. Hr. Launer, Kassenabschlüsse für das vergangene und des Voran- anwes. 6t Mitgl. und i Gast. Schlages für das kommende Jahr vornehmen zu können. Die Zahl der Erschienenen war nicht ausreichend, um Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen, Ehrung des die einer Hauptversammlung zufallende Billigung der Andenkens des verstorbenen Mitgliedes, Geh. Admiralitäts- Das Standesamt an der Fischerbrücke. Arch.: Ludw. Hoffmann. Aus: Neubauten der Stadt Berlin. Verlag Br. Hessling-Berlin. 24. Juni 1903. 321 Rathes Rechtem, sowie Hinweis auf die im Architekten¬ hause veranstaltete Gruner-Ausstellung (vergl. Dtsche. Bztg. S. 271) erhielt daher Hr. Reg.- u. Brth. Sievers das Wort zu einem Vortrage über den „Teltow-Kanal". Unter Hinweis auf unsere Veröffentlichungen über den¬ selben Gegenstand in den No. 11 und ff. d. Jhrgs. können wir auf eine Wiedergabe der Ausführungen des Redners, die das allgemeine Interesse der Versammlung fanden, verzichten. Den Schluss der Sitzung bildete die Berathung einer Reihe von Monatswettbewerben. Hr. Ilaesler er¬ stattete Bericht über den Entwurf zu einer Sparschleuse, dem ein Vereinsandenken nicht zutheil werden konnte. Hr. Suadicani besprach den Entwurf zu einem Abstell¬ bahnhof mit Kopfstation. Dem Verfasser, Hrn Reg.- Bfhr.Schilbach, wurde ein Vereinsandenken zuerkannt. — An Besichtigungen wurden in der angegebenen Zeit folgende vorgenommen: Am 11. Mai das Kaiser Friedrich-Museum, Arch. Geh. Hofbrth. Ihne, und der städtische Bau der Museums-Brücken, die unmittelbar unterhalb des Museums den Schleusenkanal und die Spree überschreiten, den Hauptzugang zum Museum bilden und bekanntlich auf dem Mittelbau zwischen beiden Spannun¬ gen ein Kaiser Friedrich-Denkmal aufnehmen sollen. Die Spreebrücke hat des sehr schlechten Baugrundes wegen am rechten Ufer eine Gründung mit Pressluft erfordert, die von der ausführenden Firma Ph. Holzmann & Cie. in Frankfurt a. M. mit Holzkaisson bewirkt wurde. Am 15. Mai wurde in Gemeinschaft mit dem Verein für Eisenbahnkunde die östliche Strecke des Teltow- Kanales bis zur Spree besucht, nachdem im Vorjahre mehrere Ausflüge nach der Weststrecke gerichtet waren. Am 6. Juni galt der Besuch zunächst dem reizvollen städtischen Kinderasyl in der Kürassierstrasse, erbaut von Stadtbrth. L. PI offmann, sodann dem neuen, präch¬ tigen Geschäftshause „Spindlershof ", dem Werke der Architekten Kayser & von Groszheim in Berlin. — Vermischtes. Kaiserin Elisabeth Denkmal in Wien. Eine interessante Nachricht kommt aus Wien. Danach hat das Comite für die Errichtung des Kaiserin Elisabeth-Denkmals in Wien den einstimmigen Beschluss gefasst, den Entwurf der Denkmalarchitektur, sowie des Gartentheiles im Volks¬ garten, auf welchem das Denkmal errichtet werden soll, dem Architekten k. k. Ob.-Brth. Prof. Friedr. Ohm an n in Wien zu übertragen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Bildhauer Prof. Idans Bitterlich, Plerm. Klotz und Steph Schwartz zur Anfertigung eines lebensgrossen Modelles einer Elisabeth-Statue einzuladen. Man darf demnach annehmen, dass die künstlerische Wirkung der Denkmalanlage in erster Linie im architektonischen Auf¬ bau derselben gesucht wird. Das wäre immerhin auch hier ein Anfang, die Denkmalanlagen der Zukunft mannig¬ faltiger zu gestalten, als es bisher der Fall war. — Glaseindeckung „Antl-Pluvlus“ von Degenhardt in Berlin (vorm. Fr. Basse Nachf. in Kassel). Seit einiger Zeit ist von obiger Firma ein durch D.R. P. 139677 und D.R.G.M. 198254 geschütztes Glaseindeckungs-System eingeführt, das Vor¬ züge aufweist, die ihm eine rasche Verbreitung gesichert haben. Unter anderem ist die etwa 2000 grosse Glas¬ dachfläche des Hauptbahnhofes in Kassel in dieser Weise eingedeckt, und für die Hallendächer in Breslau und Ham¬ burg soll das System ebenfalls zur Anwendung kommen. Wie in unserer Abbildung die Theilfiguren c und f am besten zeigen, wird bei dieser Anordnung eine Sprosse von U-förmigem Querschnitt benutzt, die zugleich das Tropf- und Schweisswasser der Glasfläche aufsammelt. In diese Rinne sind brückenartige Querbindungen, die nach oben in einen Stehbolzen auslaufen, eingesetzt und mit den Schenkeln des U- Eisens seitlich verschraubt. Auf diesen Brückchen liegt ein durchgehendes Flacheisen und auf diesem ruhen auf Filzunterlage die Glasscheiben seitlich auf. Sie werden gedeckt durch einen zweiten Filzstreifen mit darüber liegendem, seitlich abgebogenem Deckblech und elastisch festgehalten durch eine um den Stehbolzen gelegte Spiralfeder aus nicht rostendem Metall, die durch die Bolzenmutter entsprechend angespannt wird. Die Anordnung zeigt als weitere Eigenthümlichkeit, dass auf die Stehbolzen (also in der Richtung der Sprosse ver¬ laufend) ein umgekehrtes LJ -Eisen aufgelegt ist, welches als Träger für das Auflegen von Bohlen bei Reparaturen und bei Reinigung der Glasflächen dienen soll. Sehr ein¬ fach gestaltet sich, wie Theilfigur g zeigt, die Ueberdeckung der Glastafeln am Stosse grösserer, also getheilter Glas¬ flächen. (N.B. Die Figur ist der Raumersparniss wegen wagrecht gezeichnet, muss aber natürlich in der Neigung der Dachfläche liegen). Die sonst üblichen keilförmigen 322 Zwischenstücke werden hier überflüssig, denn die Quer¬ stege nebst Längsschiene zur Unterstützung der Glastafeln werden einfach um die Stärke der letzteren höher ge¬ nommen, sodass diese nun übereinander greifen können und so eine sichere Ueberdeckung und Auflagerung er¬ reicht wird. In den Theilfiguren a, b und c sind First¬ bildungen und Anschlüsse an Mauern dargestellt, während Theilfigur d die Anwendung einer etwas anders geform¬ ten, noch tragfähigeren Rinnensprosse zeigt. Als Vorzüge dieser Konstruktionsweise lassen sich folgende anführen: die doppelte Filzlage gibt eine gute Abdichtung gegen Staub, Russ, Schnee und Regen; trotz¬ dem durchdringendes Wasser wird, da die Unterlags¬ schiene der Glasplatten schmaler ist als die Rinne, mit Sicherheit von letzterer aufgefangen (die seitlichen Rinnen in den Querstegen haben dabei den Zweck, das Tropf¬ wasser von der Fuge zwischen Brückchen und u Eisen und von der Verschraubung abzuhalten); die Spiralfedern sichern eine grosse Elastizität, sodass selbst bei starken Bewegungen der Rinne für die Glasplatten keine Bruch¬ gefahr besteht; da die Rinne vollständig frei unter den Glasplatten liegt, also durch die Aussentemperatur kaum beeinflusst wird, so bildet sich an derselben kein Schweiss¬ wasser; die Glasflächen sind ohne besondere Rüstungen sicher begehbar; sie lassen sich schliesslich mit Rücksicht auf ihre Dichtigkeit und sichere Schweisswasserabführung in sehr flachen Neigungen ausführen (Kassel und Breslau 1 : 4), wodurch die ganze Konstruktion einfacher und billiger wird. — Preisbewerbungen. Die beiden Skizzenwettbewerbe der „Vereinigung Berliner Architekten“, die wir bereits S. 304 ankündigten, stellen vor allen Dingen in Aussicht, „wenn möglich, einem der Sieger an diesen Wettbewerben die weitere Be¬ arbeitung der Pläne und die Oberleitung der Bau¬ ausführung zu übertragen.“ Das Stationsgebäude soll Betriebsräume für die Wannseebahn, sowie Beamten¬ wohnungen mit allem Zubehör enthalten. Die Beamten¬ wohnhäuser für zus. 8 Familien können als 2 gesonderte Landhäuser oder als 1 Doppelhaus entworfen werden. Durch die gewählte Architektur, über deren Stil keine Vorschriften gemacht sind, dürfen keine aussergewöhnlichen Unter¬ haltungskosten entstehen; eine mässige Verwendung von Werkstein kann stattfinden. Im übrigen wird besonderer Werth auf reizvolle Gruppierung und malerische Wirkung bei einfachen Formen gelegt. Es sind ausgesetzt ein I. Preis von 1000 und zwei II. Preise von je 500 M.; eine andere Art der Vertheilung der Gesamtsumme dieser Preise No. 50 kann nur auf einstimmigen Beschluss der Preisrichter stattfinden. Diese sind die Hrn. Brth. von Groszheim, Brth. R. Schultze, Prof. H. Solf, Prof. C. Zaar und Gern. -Brth. Echtermeyer. In dem zweiten Wettbewerb handelt es sich um Ent¬ würfe von 8 herrschaftlichen Landhäusern oder 4 Doppel- Landhäusern, welche gegenüber dem neuen Bahnhofe errichtet werden und mit diesem den zukünftigen Bahn¬ hofplatz einsäumen sollen. Auch hier ist ein Stil nicht vorgeschrieben, aber auch eine reizvolle Gruppierung und malerische Wirkung bei einfachen Formen verlangt. Für den Umfang der Wohnungen sind nähere Angaben ge¬ macht. Es sind 3 Preise von 2oco, röco und 1200 M. aus¬ gesetzt; eine andere Vertheilung der Gesamtsumme dieser Preise kann nur auf einstimmigen Beschluss des Preisge¬ richtes erfolgen. Dieses besteht aus den Hrn. Brth. v. Groszheim, Brth. R. Schultze, Arch. Rieh. Wolf f en¬ stein, Prof. C. Zaar und Arch. P. Garnn. Wir zweifeln nicht, dass diese beiden interessanten Wettbewerbe eine rege Betheiligung finden werden. — Der Wettbewerb der „Neuen Erholungsgesellschaft“ ln Plauen 1. V. betrifft Entwürfe zum Umbau und zur Er¬ weiterung des bestehenden Hauses bei möglichst geringer finanzieller Belastung der Gesellschaft, oder zu einem Neubau, wenn dieser ein besseres Erträgniss in Aussicht stellt. Die Zeichnungen sind x : 200 verlangt, dazu eine nicht farbige Perspektive. Hinsichtlich der weiteren Be¬ arbeitung der Bauaufgabe und der Uebertragung der Aus¬ führung hat sich die Gesellschaft zwar volle Freiheit Vor¬ behalten, „es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass sie hierzu den ersten Sieger heranzieht“. — In einem Wettbewerb des Münchener Architekten- und Ingenieur-Vereins zur Erlangung von Entwürfen für eine katholische Kirche in Solln bei München liefen 25 Arbeiten ein. Den I. und III. Preis errangen die Entwürfe der Hrn. Gebrüder Rank in München; den II. Preis eine Arbeit des Hrn. W. Spannagel in München. Ein Entwurf des Hrn. PaulThiersch erhielt eine lobende Erwähnung. — In dem Wettbewerb betr, Bebauungspläne des Beamten- Wohnungs-Bauverelns zu Graudenz liefen 13 Arbeiten ein. Das Preisgericht, welchem als Sachverständige die Hrn. Reg- u. Brth. Gette und Stadtbrth. Witt in Graudenz angehörten, hat den I. Preis nicht vertheilt. Den II. Preis von 140 M. erhielt Hr. Erw. Lorenz in Dresden; je ein III. Preis von 80 M. fiel den Hrn. Schmauch in Schneide¬ mühl und Burkhardt in Dresden zu. — Wettbewerb der Deutschen Linoleum-Werke Hansa zu Delmenhorst betr. Linoleummuster. In 404 Sendungen gingen iit4 Muster ein Den 1. Preis (1000 M.) erhielt einstimmig Hr. Arch. L. Paffendorf in Köln; den II. und III. Preis (500 und 300 M.) Zeichner Paul Hofmann in Gera, den IV. Preis (200 M.) Julius Gerstmann in Liegnitz. Es wurden zum Ankauf empfohlen: drei weitere Entwürfe von Paffendorf in Cöln, ein weiterer Entwurf von Hof¬ mann in Gera, und je ein Entwurf von Conrad Kuhn in Berlin; Hans Hascher in Leipzig; Felix Hering in Chem¬ nitz; Max Buchholz in Berlin; Hans Rickers in Berlin; Anton Rieger in Karlsruhe. — Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eine Friedhofskapelle mit Grüften für eine Bausumme von 100000 Kr. erlässt die Stadt Salzburg für in Oesterreich ansässige Architekten deutscher Nationalität zum 15. Sept. 1903. Es gelangen 3 Preise von 1000, 700 und 500 Kr. zur Vertheilung; ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe ist Vorbehalten. Dem Preisgerichte gehören u. a. an die Hrn. Reg.-Rath Vitus Berger, Bmstr. Chr. Josef, Brth. Hans Müller, Brth. Ferd. Nebesky, Prof. Jos. Schu- bauer in Salzburg, und Ob. -Brth. A. v. Wielemanns in Wien. — Bücher. Linienführung der Eisenbahnen und sonstigen Verkehrswege von Franz Kreuter, ord. Prof, der Ing.-Wissen- schaften a. d. kgl. bayer.Techn. Hochschule München. Mit 80 Abbildgn. Wiesbaden 1900. C. W. Kreidel’s Verlag. Pr. geh. 7,50 M., geb. 9 M. Dies dem Altmeister Pressei gewidmete Werk be¬ handelt im ersten Theil die Linienführung auf rein wirth- schaftlicher Grundlage, im zweiten die technischen Grund¬ lagen der Linienführung, im dritten die „Ausübung“, d. h. die Vorbereitungen zum Bau. Der der Schule der Brennerbahn entstammende Ver¬ fasser bietet seine in langjähriger Bauthätigkeit gewonne¬ nen Erfahrungen und Anschauungen als Lehrstoff dar. In der Theorie knüpft er hauptsächlich an Launhardt an. Die allgemeinen Betrachtungen, welche den ersten Theil einleiten, schliessen mit einem Vergleich des Werthes 24. Juni 1903. der Staats- und der Privatbahnen (S. 7 u. 8), welcher in ein sehr entschieden zugunsten der letzteren lautendes Urtheil ausläuft. Hier darf man wohl etwas anderer Meinung sein, wie das bereits im „Zentralbl. d. Bauv.“ 1900 S. 591 zum Ausdruck gebracht ist. Wir wollen uns aber auf den Streit nicht einlassen, zumal uns nichts ferner liegt, als die Leistungen des Privat-Eisenbahnbaues, die Hr. Kreuter anführt, herabsetzen zu wollen. Wichtiger für den Werth des vorliegenden Buches ist ein sehr gesunder Grundsatz, der sich wie ein rother Faden hindurebzieht. Er lautet in des Verfassers eigenen Worten (im Vorwort): „Man erwarte aber nicht die Entwicklung bequemer Formeln, aufgrund deren sich mühelos im blin¬ den Vertrauen Berechnungen anstellen lassen, die von grosser Tragweite sein und dem Ingenieur eine schwere Verantwortung aufbürden sollen. Gebrauchsformeln . . . sind .... nothwendig . . . . ; man muss sich aber der Grenzen ihrer Giltigkeit stets klar bewusst bleiben und imstande sein, gegebenen Falles zutreffendere Grundlagen einer Schätzung, d. i. angenäherten Berechnung, aufzufinden und auszudrücken.“ Dementsprechend leuchtet überall das Bestreben her¬ vor, der Sache auf den Grund zu gehen und die Lösung der Aufgabe aus den jeweiligen Bedingungen des Ver¬ kehres und des Geländes folgerichtig und rechnungsmässig zu entwickeln. Andererseits konnten die behördlichen Verfügungen, die in den einzelnen Ländern hinsichtlich des Eisenbahnbaues gelten, ausser Betracht bleiben, da es dem sachlich über seine Aufgabe aufgeklärten Ingenieur leicht wird, sich mit jenen abzufinden. Imganzen sind die Gründlichkeit und die Vollständig¬ keit anzuerkennen, mit welchen der Verfasser seinen Stoff behandelt, und zwar sowohl in theoretischer wie ganz be¬ sonders auch in praktischer Richtung. Das Werk kann jedem Ingenieur, der mit Vorarbeiten für Verkehrswege, namentlich Eisenbahnen, zu thun haben wird, zum Studium und zum Nachschlagen empfohlen werden. — H-e. Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: — Handbuch der Arbeiterwohlfahrt. Herausgegeben von Dr. Otto Dämmer in 2 Bänden. Stuttgart 1903. Ferdin. Enke. Lfrg. 6 und 7, Pr. je 4 M. Lfrg. 8 Pr. 4,40 M. Geässler, I.., Arch. Das bürgerliche Wohnhaus. Eine Sammlung einfacher bürgerlicher Wohnhäuser dargestellt in Ansichten, Grundrissen, Schnitten und Details. Für den Ge¬ brauch in Schule und Praxis. II. Heft: Eingebaute Häuser. Hildburghausen 1902. Otto Pezoldt. Pr. 5 M. Haupt, Albrecht, Prof. Dr. Backsteinbauten der Re¬ naissance in Norddeutschland. 25 Tafeln gr. Fol. in Mappe. Frankfurt a. M. Heinrich Keller. Die Marienkirche in Reutlingen. Eine Denkschrift auf Veranlassung des Reutlinger Kirchenbauvereins und mit Unterstützung von kunstsinnigen Privaten herausgegeben von Prof. Dr. Gradmann, Ob.-Konsistorialrth. Dr. Merz und Ob - Brth. Dolmetsch. Stuttgart 1902. Konrad Wittwer. Pr. 10 M. Kann-Gyula. Architektonische Skizzen und Studien. 40 Bl. in Lichtdruck. Wien 1903. Anton Schroll & Co. Pr. 10 M. Die Lehr- und Erziehungs-Anstalt für Knaben — Freim aurer- Institut zu D r e s d e n - S t r i e s e n. Arch.: Hermann Kickeihayn, Dresden. 20 Lichtdruck-Tafeln von Dr. Trenkler & Co. in Leipzig. Keim, A W. Ueber Mal-Technik. Ein Beitrag zur Be¬ förderung rationeller Malverfahren. Leipzig 1903. A. Foerster. Pr. 8 M., geb. 9 M. Kossmann, B, Prof. Entwurf-Skizzen. 18 Taf. gr. Fol. in Mappe. Leipzig 1903. Seemann & Co. Pr. 12 M. Lutsch, Hans, Geh. Reg. Rth. Verzeichn iss der Kunst¬ denkmäler der Provinz Schlesien, Band VI. Denkmäler-Karten. Breslau 1902. Wilh. Gottl. Korn. Pr. 9 M Maier, Karl O. Schriften-Sammlung für Techniker aller Art. 44 Alphabete. Ravensburg. Otto Maier. Pr. 1,50 M Dr. Miethe, Prof. Grundzüge derPhotographie. III. Aull. Halle a. S. 1903. Wilh. Knapp. Pr. 1 M. Nordheim, H. Vademecum für Zeitungsleser. Eine Erklärung der in Zeitungen vorkommenden Fremdwörter und Ausdrücke im Verkehrsleben. Hannover 1902. Gebr. Jänecke. Pr. 1 M. Rückwardt, Hermann, Arch. u. Hofphotograph. Malerische Architektur-Studien von Rothenburg ob der Tauber. 30 Lichtdr.-Taf. gr. Fol. Leipzig. Paul Schimmelwitz. Chronik. Die neue Kirche ln Bornim bei Potsdam wurde am n. Juni d. J. feierlich eingeweiht. Das nach den Entwürfen des Geh. Reg - Rath v. Tiedemann durch Landbauinsp. Kickton ausgefühlte Gotteshaus enthält 700 Sitzplätze und beanspruchte 105000 M. — Ein Denkmal für Charles Garnier, den Erbauer der Pariser Oper, ist in Paris am 15. Juni eingeweiht worden. Das Denkmal besteht aus einem Unterbau in rothem schottischen Granit, der von Pascal gezeichnet ist, der Bronzebüsle des Architekten von Carpeaux, sowie in zwei jugendlichen Gestalten von Thomas, welche „Die Arbeit“ und „Die Zukunft“ verkörpern. — Die Errichtung neuer Lagerhausgebäude in Leipzig wird in einer Denkschrift der Leipziger Handelskammer als ein unab- 323 weisbares Bedürfnis für den Handel und die Industrie Leipzigs erklärt. Die Bauten sollen Einrichtungen für Lagerung, Versen¬ dung, Konservierung der Waaren, sowie für eine zweckentspre¬ chende kaufmännische Leitung des Betriebes haben. — Eine Nathanael-Kirche in Friedenau bei Berlin, nach dem Entwurf des Hrn. Arch. J. Kröger in Berlin errichtet, geht ihrer Vollendung entgegen. — Ein Reichsbankgebäude ln Würzburg gelangt im Stile der Renaissance und mit einem Aufwande von rd. 250000 M. an der Schweinfurterstrasse zur Errichtung. — Ein Volkstheater ln München, nach dem Entwürfe des Hrn. Arch. C. Tittrich in München mit etwa 1200 Sitzen an der Josephspitalstrasse errichtet, wird im Spätherbst d. J. in Benutzung genommen. Die Anordnung ist eine amphitheatralische. Die Bühne bat 15 m Rampenbreite und 18 m Tiefe. — Neue klinische Bauten in München. Der bayerische Staat hat beschlossen, eine neue Augenklinik, eine neue medizinische Poliklinik (Reisingerianum) und eine neue Anatomie in München zu errichten. Für die Anlage der Augenklinik und der Poliklinik ist das Gelände des Heiliggeistspitales bestimmt. Der Bauplatz, der sich noch im Besitze der Stadtgemeinde befindet, wird, vorbehalt¬ lich der Genehmigung des Landtages, vom Staate erworben werden. Die Entwürfe stammen von Hrn. Ob.-Brth Stempel in München. — Die Troitzki-Brücke in St. Petersburg, deren Bauaufwand mit 6 Milk Rubel angegeben wird, wurde nach etwa 3-jähriger Bau¬ zeit aus Anlass der Jubiläumsfeierlichkeiten der Gründung der Stadt im Mai d. J. feierlich dem Verkehr übergeben. — Ein Neubau des mineralogischen Institutes der Univer¬ sität Würzburg wurde mit Beginn dieses Sommersemesters seiner Bestimmung übergeben. Das Institut enthält Sammlungsräume für die geologische und die mineralogische Abtheilung, Hörsäle, Räume für Mikroskopie, Photographie, Laboratorium, Bibliotheksräume usw. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Geh. Reg.-Rath Wiskow, vortr. Rath im Auswärtigen Amt ist z. Geh. Ob.-Brth., der Reg.-Bmstr. a. D. K a u n und der Reg.-Bmstr. Römermann sind zu kais. Reg.-Räthen und Mitgl. des Pat. -Amtes, der Mar.-Bfhr. Ahnhudt ist z. Mar.-Schiffbmstr. und die Mar.-Bfhr. Ilgen und Artus sind zu Mar.-Masch.-Bmstrn. ernannt. — Der Mar.-Masch.-Bmstr. Artus in Kiel ist nach Wilhelmshaven versetzt. Dem Kanalbauinsp. Gilbert bei dem kais. Kanalamt ist der Char. als Brth. mit dem persönl. Range eines Rathes IV. Kl. verliehen. Vesetzt sind: die Garn.-Bauinsp., Brth. Rathke in Koblenz zur Int. des VI. Armee-Korps unt. Uebertragung der Geschäfte des Int.- u. Brths., Berninger in Allenstein nach Koblenz II, Baehr in Berlin nach Allenstein. Luedecke in Berlin als techn. Hilfsarb. zur Int. des III. Armee-Korps. Baden. Dem Garn.-Bauinsp. Brth. Ätzer t in Metz ist das Ritterkreuz I. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Der Bahnbauinsp , Ob. -Ing. Eissenhauer in Singen ist unt. Verleih, des Tit. Brth. zum Kollegialmitgl. der Gen. -Dir. der Staats- eisenb. ernannt. Bayern. Der Ob.-Bauinsp. Ehr ne v. M e 1 c h t h a 1 ist als Staatsbahning. nach Schweinfurt und der Dir.-Ass. d e C i 1 i a in Regensburg als Staatsbahning. nach Buchloe berufen. Der Dir.- Ass. Koch in München ist z. Dir.-Rath bei der Eisenb.-Betr.-Dir. Regensburg und der Dir.-Ass. G ö 1 1 n e r z. Ob.-Bauinsp. bei der Gen.-Dir. befördert. Versetzt sind: Der Dir.-Ass. Rathmayer in Eger zur Zentral- Werkst. Weiden; die Eisenb.-Ass. Dr. Uebelacker in Lichten- fels als Vorst, zur Betr.-Werkst. Eger, Schöner in Augsburg zur Eisenb.-Betr.-Dir. Bamberg und Fried in München zur Betr.- Werkst. Augsburg. Preussen. Dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. v. B o r r i e s in Hamburg ist der Rothe Adler-Orden IV. Kl. verliehen. Dem Arch. Jac. Marchand in Köln ist die Erlaubniss zur Annahme und Anlegung des ihm verlieh. Ritterkreuzes des päpstl. St. Gregorius-Ordens ertheilt. Der Reg.-Bmstr. P 1 i n k e in Hoyerswerda ist nach Hannover versetzt. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Teschner der kgl. Oderstrom-Bauverwaltg. in Breslau , Dinkgreve der kgl. Reg. in Potsdam, G. Sievert der kgl. Eisenb.-Dir. in Hanno¬ ver, Bühren der kgl. Eisenb.-Dir. in St. Joh. -Saarbrücken und Z i e m e c k der kgl. Eisenb.-Dir. in Danzig. Die Reg.-Bfhr. Paul Jordan aus Münster und Alex. Heyne aus Berlin (Hochbfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Der Eisenb.- Bau- u. Betr.-Insp. Donnerberg in Kassel ist gestoiben. Sachsen. Dem Brth. Dressier in Dresden ist der Tit. und Rang als Fin.- u. Brth. in der I. Gruppe der IV. Kl. der Hofrang¬ ordnung verliehen. Der Fin.- u. Brth. E s c h k e in Leipzig ist in den Ruhestand getreten. — Der Bauinsp. Christoph ist z. Vorst, des Brückenbau-Bür. ernannt. Versetzt sind: Der Brth. Cunradi in Reichenbach zur Betr.- Dir. Zwickau, die Reg.-Bmstr. Callenberg in Chemnitz zur Masch.-Insp. Dresden-A., Michauck in Chemnitz zur Masch.-Insp. Chemnitz, M ü 1 1 e r in Dresden z. Werkst.-Bür. Dresden-A., Thiele zur Werkst.-Insp. Chemnitz, Pokorny in Dresden.-N. z. Baubür. Markneukirchen, Schreiber in Markneukirchen zum Allgem. Techn. Bür. und Schmidt in Zittau z. Baubür. Dresden-A. Württemberg. Dem kais. Geh. Brth. v. Kapp in Stuttgart ist die Erlaubniss zur Annahme und Anlegung des ihm verlieh. Ritterkreuzes des belg. Leopold-Ordens ertheilt. Dem Eisenb.-Masch.-Insp. Süssdorf in Friedrichshafen ist der Tit. eines Ob.-Insp. verliehen. Der Ob.-Brth. v. Laissle, Prof, an der Techn. Hochschule in Stuttgart, ist in den Ruhestand getreten und ist demselben bei diesem Anlass der Tit. eines Baudir. mit dem Rang auf der IV. Stufe der Rangordnung verliehen. Brief- und Fragekasten. Wir bitten unsere Abonnenten und Leser, davon Kenntniss nehmen zu wollen, dass sich unsere Redaktion nunmehr SW. 11, Könlggrätzer - Strasse 104, und unsere Expedition und Verlag SW. 11, Königgrätzer - Strasse 105 befinden. Deutsche Bauzeitung, G. m. b. H. Hrn. Arch. P. U. in Zürich. Sie richten an uns folgende Anfrage: „Bei einer Architektur-Konkurrenz in Zürich enthielt das Programm die Bestimmung, dass nur „schweizerische und in der Schweiz niedergelassene Architekten“ konkurrieren durften. Nun hat die Jury einem jüngeren deutschen Architekten einen Preis zugesprochen, von dem es sich herausstellt, dass er nie Aufenthalt in der Schweiz gehabt hat, dass er aber seine Schriften unter Anmeldung der Niederlassung bei einer Ortsbehörde in der Schweiz deponiert hat, und zwar ist dies bald nach Aus¬ schreibung der Konkurrenz erfolgt. Der Betreffende hat am Orte ein Zimmer in Miethe genommen , hat es aber nie bewohnt und wird es auch nach eigener seither erfolgter Aussage nicht bewohnen. Der Bauherr, der das Konkurrenz- Ausschreiben veranlasst hat, weigert sich nun , den Preis zur Auszahlung zu bringen , da der Betreffende thatsächlich weder früher noch während der Zeit der Arbeitsleistung in der Schweiz niedergelassen war. Der Architekt seinerseits glaubt zur Aufrechthaltung seines Anspruches berech¬ tigt zu sein.“ Hierauf ertheilt unser juristischer Sachverständiger folgende Antwort: Sofern das Preisausschreiben die Bedingung enthält, dass die Bewerber nur „schweizerische und in der Schweiz nieder¬ gelassene Architekten“ sein sollen, sind von der Bewerbung alle ausgeschlossen, bei welchen diese Eigenschaften nicht zutreffen. Betheiligt sich am Wettbewerb Jemand, der weder nach Geburt noch nach der Niederlassung Schweizer ist, so drängt er sich wider¬ rechtlich und bedingungswidrig in den Kreis der Bewerber. Die Ausschreibungs-Beschränkung spricht deutlich aus , dass der Aus¬ schreibende nur mit denjenigen in ein Rechtsverhältniss treten will, welche der Schweiz angehören. Er würde die Vorlagen eines Nicht¬ schweizers demgemäss uneröffnet und unberücksichtigt gelassen haben, wenn ihm bei deren Einsendung die Ausländer-Eigenschaft des Bewerbers bekannt gewesen wäre. Weil er mit Ausländern nichts zu thun haben wollte, hat der Ausschreibende auch keine Pflicht, dem ausländischen Bewerber den Preis zuzubilligen, selbst wenn letzterer objektiv auf den Preis Anspruch hätte erheben können. Denn das Verschweigen seiner Ausländer-Eigenschaft stellt eine unerlaubte Handlung dar. Dass durch solche keine Rechte erwor¬ ben werden können, ist ein allgemeiner Rechtsgrundsatz, der dem Schweizer Obligationsrechte gleichfalls eigen ist. Wenn also nicht etwa der Bewerber durch Niederlegung seiner Papiere und An¬ meldung seiner Niederlassung bei der Ortsbehörde, sowie durch Miethen eines Zimmers die Erfordernisse erfüllt hat, welche in der Schweiz für die Niederlassung vorgeschrieben sind (was von hier aus nicht übersehen werden, dortseits durch Anfrage bei der Polizei- Behörde leicht festgestellt werden kann), so hat er keine Aussicht, mit einer auf Zahlung des Preises gerichteten Klage durchzudringen. Dass ein gleichgearteter Fall bereits die Gerichte beschäftigt hätte, ist hier nicht bekannt geworden. Wohl aber ist kaum zu bezweifeln, dass die Gerichte zur Anspruchs-Ablehnung gelangen werden. K. H-e. Inhalt: Die deutsche Städteausstellung in Dresden. — Neubauten der Stadt Berlin. (Schluss). — Mittheilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücher. — Chronik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. — Verband deutscher Arch.- und Ing.-Vereine Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantworü. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine, An die Einzelvereine! Dresden-Berlin, den 20. Juni 1903. Die Mitglieder des Verbandes werden darauf hingewiesen, dass vom 6. bis 13. April 1904 in Madrid der VI. internationale Architekten -Kongress stattfinden wird, zu welchem der Arbeits- Ausschuss des Kon¬ gresses, Simeon Avalos, ständiger Sekretär der Akademie der Künste, als Vorsitzender und die beiden Sekretäre M. Alberto de Palacio und Luis M. Cabello y Lapiedra in Madrid, Einladung ergehen lassen. Seitens des Ausschusses ist dem Unterzeichneten Verbands-Vorsitzenden die Aufforderung zugegangen, auf eine rege Betheiligung am Kongresse hinzuwirken. Wir machen also schon jetzt die Mitglieder des Ver¬ bandes auf denselben aufmerksam und hoffen, dass er auch in den Kreisen der deutschen Architekten reges Interesse finden werde. — Bezüglich des Programmes verweisen wir auf spätere Mittheilungen an anderer Stelle des Verbands-Organes. Der Verbands- Vorstand: Waldow, Vorsitzender. F. Eiselen, Geschäftsführer. 324 No. 50. GHLQSS KLINK BEI WAREN IN MECKLEN¬ BURG * AR CH,; GRISEBACH & DINKLAGE IN BERLIN * ANSICHT DES SPEISESAALES UND DER HALLE IM ERDGESCHOSS * * = DEUTSCHE BAUZEITUNG = * XXXVII. JAHRGANG 1903 * * NR. 51 * *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 51. * DEN 27. JUNI 1903. * ************** Schloss Klink bei Waren in Mecklenburg. Architekten: Grisebach und Dinklage in Berlin. (Hierzu die Abbildungen S. 329 und eine Bildbeilage.) Ansicht von der Seeseite. twa 8 k[n südwestlich von der mecklenburgi¬ schen Stadt Waren liegt auf einer Landenge zwischen dem Kölpin- und dem Müritz-See dasRittergutKlink, das vor einigen Jahren in den Besitz des Hrn. Arthur Schnitzler aus Köln übergegangen und von diesem durch den An¬ kauf umfangreicher benachbarter Ländereien zu einer grösseren Herrschaft erweitert worden ist. Dem Wohn- bedürfniss des neuen Eigenthümers und den Erforder¬ nissen der von ihm beabsichtigten, mit allen modernen Hilfsmitteln ausgerüsteten Wirtschaftsführung ent¬ sprachen die alten Gutsgebäude sowohl nach ihrer Einrichtung, wie auch zumtheil nach ihrer Lage so wenig, dass es am zweckmässigsten erschien, von vorn herein auf jede Umgestaltung oder Erweiterung derselben zu verzichten. So entschloss man sich, sie gänzlich zu beseitigen und einen völlig neuen Wirth- schaftshof sowie ein neues Herrschaftshaus zur Aus¬ führung zu bringen. Nur mit dem letzteren, das unter den gegenwärtigen Verhältnissen natürlich als „Schloss“ gestaltet werden musste und einigen nach künstlerischen Ansprüchen errichteten, für Wohnzwecke bestimmten Nebengebäuden — sämtlich Schöpfungen der Archi¬ tekten Grisebach & Dinklage in Berlin — wollen die nachfolgenden Zeilen sich beschäftigen, während die zu landwirthschaftlichen Zwecken dienenden Bau¬ ten hier unberücksichtigt bleiben sollen. Von eigenartiger Schönheit ist die Lage des Schlosses, das seinen Platz zwischen Park und Wirth- schaftshot auf einer massigen Bodenerhebung am Westufer des Müritz-Sees erhalten hat. Nach allen Seiten grossartige Ausblicke, die sich in der obersten Halle des Hauptthurmes zu einem fast den ganzen Horizont umfassenden Panorama vereinigen. Nach Süden hin Felder, Wiesen, Wälder und zwischen ihnen einzelne Ortschaften, nach Westen der Kölpin- und Fleesen-See, nach Norden über den Wellen der so- sogenannten Innen-Müritz die Stadt Waren, nach Osten jenseits der hier nur 3 km breiten Aussen-Müritz aus¬ gedehnte Kiefern- Waldungen. Nach Südosten endlich — bei nicht völlig klarem Wetter schier unabsehbar — die von Dampfern und Seglern durchfurchte Haupt¬ fläche des Müritz-Sees, der bei einer Ausdehnung von 138 3QC R?2P ifpmv/Mtims- Ablenkung Kieseinzug in as durch durch das Einlaufbau werk ein. Die Axe des Einlaufes zv Stromrichtung in einem Win¬ kel von rd. 700 ab (vergl. den Lageplan Abbildg. 2 in No. 49). Diese ist kräftig genug, um den nach dem Einlaufbauwerk wünschenswerthem Maasse abzu¬ schwächen Zur weiteren Sicherheit gegen das vom Strom gebrachte Ge¬ schiebe ist die Schwelle des Einlaufes um rd. 1 m über die Sohle des Grund¬ laufes erhöht. Dicht hinter der Oeffnung ist eine Schleuse (vergl. Abbildg. 7) ein¬ gebaut, die aus 6 Oeffnungen von zu¬ sammen 30 m Weite besteht. Dieein- zelnen Oeffnungen sind durch eiserne Schütze verschliessbar und zwar sind imganzen je 3 Schütze vorgesehen. Zu oberst liegt ein festes Schütz, das über H.W. hinausragt, bis nahe auf die nor¬ male Stauhöhe hinabreicht und den bei H.W. abtreibenden festen Gegenständen den Eingang nach dem Kanal verwehrt; unter diesem sind noch 2 übereinander¬ liegende bewegliche Schütze von ver¬ schiedener Höhe angeordnet, die unab¬ hängig von einander bedient werden können. Ihre Konstruktion ist ähnlich wie bei dem Grundlauf, indem auch hier die Schütztafel aus einer eisernen Blech¬ wand von iomm Stärke gebildet wird, der eiserne Rippen als Versteifung dienen. Mit dieser Einrichtung ist es möglich, im Bedarfsfälle, wie dies namentlich bei plötzlich kommenden Anschwellun- erwünscht sein kann. Ingenieur: Ob.-Brth. R. Schmiele in Darmstadt. (Schluss) sich vor dem Eintritt in den Kanal grösstentheils ab- lagern. Die Mündung des Kiesfanges nach dem Fluss1 wird in der Regel durch eine Schleuse von 25™ Weite das Wehr aufgestaute Wasser tritt in den Kanal eiet von der een die Einlauföffnung so weit zu drosseln, dass gerade nur die erforderliche Wasser¬ menge vom Fluss her etn- dringen kann, im übrigen Abbildg. 7. Schützenböcke der Einlaufschleuse. aberden Schwimmkörpern und Geschieben durch das herabgelassene untere Schütz der Eintritt verwehrt bleibt. Sollte das Wasser stark mit festen Schwimmkörpern treiben, so kann weiterhin noch das obere grosse Schütz etwas herab¬ gelassen werden, um so ein Untertauchen der Schwimm¬ körper unter das feste Schütz und damit ein Eindrin¬ gen hinter die Schleuse zu verhindern. Die Schütze werden, ähnlich wie beim Wehr, an eisernen, kräftig versteiften Böcken geführt, auf denen ein Bedienungs¬ steg zur Einstellung der Schleuse angebracht ist. Hinter der beschriebenen Schleuse fällt nun die Sohle wiederum bis auf die Tiefe der Grundlaufsohle, um weiterhin in schwachem Gefälle nach der Aare hin zu verlaufen. Hierdurch ist ein Kiesfang gebil¬ det, in dem die im W asser mitgeführten Sinkstoffe verschlossen gehalten. Sie liegt mit ihrer Oberkante 40 cm über der konzessionierten Stauhöhe des N.W.; sobald daher das Wasser hinter der Einlaufschleuse sich höher einstellen sollte, wirkt die 25“ breite Kies¬ schleuse selbstthätig als Ueberfall. Die in der Regel geschlossene Kiesschleuse wird bei Anschwellungen und insbesondere bei H.W. zur Vergrösserung des Durchfluss-Querschnittes beliebig weit geöffnet. Auf der kanalwärts gelegenen Seite des Kiesfanges befindet sich dann in der Sohle wieder ein Absatz von rd. 1 m, wodurch eine weitere Einlaufschwelle nach dem eigentlichen Triebwerkskanal entsteht. Hinter dieser Schwelle liegt abermals eine Schleuse von derselben 326 No. 51. /In der Fluthbruclte. Abbildg. ii. Normal-Querschnitte des Ober-Wasser-Kanales. Abbildg. is. Lageplan des Ob.-Wasser- Katiales und der Fluthbrücke. Konstruktion, wie die Einlaufschleuse vorn am Strome, und erst hinter dieser Schleuse beginnt der Kanal selbst. Mit dieser Einrichtung lässt sich bei H. W. vermeiden, dass zu viel Wasser in den Kanal ein- treten und hier Zerstörungen an den Uferwänden oder an der Sohle anrichten kann. Ausserdem ist es bei richtiger Bedienung der Schleusen unbedingt ausge¬ schlossen, dass treibende Gegenstände vom Fluss in den Kanal gelangen können; ebenso ist der Kies¬ einzug, soweit überhaupt möglich, verhindert. Von der Kanalschleuse führt der Oberwasser- Kanal nach dem rd. 8 km unterhalb liegenden Tur- binenhause. Wie bereits angegeben, fördert er bei N. W. ioo ^"vSek. und ist bei 40 cm höherem Stau im¬ stande, 120 cbm abzuleiten. Das Gelände, auf das der Kanal zu liegen kommt, ist fast durchweg eben und 27. Juni 1903. 327 weist nur geringe Höhenunterschiede auf; nur an zwei Stellen treten steile Hänge dicht bis zur Aare heran und versperren so dem Oberwasserkanal den Weg. Hier waren daher umfangreiche und wegen starken Wasserandranges schwierige Erdbewegungen und Fels¬ sprengungen zu bewältigen. Zwischen dem Kanal und dem Flusslauf sind an diesen Stellen zur rechtsseitigen Begrenzung des Kanales Ufermauern errichtet. Unsere Gelände hat der Kanal verschieden gestaltete Quer¬ schnitte erhalten, vergl. Abbildg. u, Seite 327, auch ist theilweise ein Uferbelag aus Betonplatten vorgesehen (s. auch Abbildg. 9). Die Sohlenbreite beträgt fast durch¬ weg 17 m; die Uferböschungen sind in einer Neigung von 1 : 2 angelegt und haben ausserdem zur Erhöhung ihrer Standsicherheit in 3m Höhe über der Sohle eine Berme von im Breite erhalten. Die Wassertiefe ist Abbildg. 9. Uferdeckung des Ober-Wasser-Kanales mit Platten. (Aufnahme vom August 1901.) Abbildungen 8, 9 und 10 zeigen einige Strecken des Kanales während der Ausführung. Das Wasserspiegel -Gefälle des Kanales beträgt 1 : 8000, während seine Sohle ein Gefälle von 1 : 6000 besitzt; die mittlere Geschwindigkeit steigt in den ohne Deckung ausgeführten Strecken nicht über 1 m,Sek. Je nach der Bodenart und seiner Lage in oder über dem 328 bei N. W. 4m und steigt bei M. W. und 120 cbm Wasser¬ führung auf rd. 4,4 m an. Etwas über 2 km unterhalb des Wehres geht der Kanal unter einer auf zwei hohen Pfeilern ruhenden Eisenbahnbrücke hindurch und es musste dort der Querschnitt soweit eingeschränkt werden, dass der Kanal, ohne die Wasserbewegung zu beunruhigen, No. 51. Ansicht von der Paikseite. DACHGESCHOSS Schloss Klink bei Waren in Mecklenburg1. Architekten: Grisebach & Dinklage in Berlin. zwischen den Pfeilern hindurch geführt werden konnte. Der Kanal wurde, wie der Theillageplan dieser Strecke Abbildg. 12, S. 327, zeigt, in die breiteste Mittelöffnung der Brücke verlegt und die beiden Pfeiler durch eiserne Spundwände und durch Einbetonieren gegen etwaige Unterspülungen geschützt; der Bach unterfährt nun- 27. Juni 1903. mehr oberhalb der Brücke mittels eines gemauerten Dückers den Kanal und geht dann durch die rechts¬ seitige Oeffnung der Eisenbahnbrücke; die Strasse endlich kreuzt kurz oberhalb der Brücke den Kanal und den rechts von ihm verlegten Gebirgsbach mittels einer Betonbrücke, vergl. Abbildg. 13, und gewinnt so 329 die linke Öeffnung der Eisenbahnbrücke, um dann in einer Gegenkrümmung wieder in ihre ursprüngliche Führung einzumünden. Da zwischen dem Kanal und dem Eisenbahndamm ein grosses Grundstück abge¬ schnitten wird, so musste zur Bestellung dieses Landes noch eine Feldwegbrücke über den Kanal und den Bach erbaut werden, die aus einfachen eisernen Fach¬ werkträgern besteht. Ferner wurde die Mauer zwischen Kanal und Moosbach benutzt, um einen Ueberfall von 25 m Breite anzulegen, der alles im Kanal über die normale Höhe ansteigende Wasser nach dem verleg¬ ten Bachbett und von hier unmittelbar nach der un¬ weit vorbeiziehenden Aare ableitet. Diese Anlage war mit Rücksicht auf die vielen und auf engem Raum zu- zammengedrängten Kunstbauten sehr schwierig. Auch sonst sind noch mehrere Kunstbauten nothwendig geworden, so eine Strassenbrücke von rd. 45 m Spannweite für eine Landstrasse, die der Kanal unweit Wangen durchschnitt; sie ist schief zur Kanal¬ richtung genau in dem ursprünglichen Verlauf der Strasse angeordnet und hat als Hauptträger zwei halb¬ parabelförmig gekrümmte Träger aus Fachwerk er¬ halten, die am unteren Ende die 5,4 m breite Fahrbahn aus Zoreseisen mit Schotterbelag tragen und durch einen oberen Windverband versteift sind. Ferner mussten zur Aufrechterhaltung des Ver¬ kehres nach zwei in der Aare befindlichen fliegenden Fähren Stege angelegt werden, die in jeweils drei Oeffnungen den Kanal überbrücken. Die Tragekon¬ struktion bilden Fachwerkträger mit parallelen Gur- Kanal. nung, die für die Sicherheit des Betriebes und den Bestand der Maschinentheile von grösster Bedeutung ist. Die Maschinenanlage ist zurzeit noch im Bau begriffen, soll jedoch im Laufe dieses Jahres soweit fertig gestellt werden, dass sie wenigstens zumtheil dem Betriebe übergeben werden kann. Den Uebergang des Wassers vom Maschinenhause nach der Aare vermittelt ein rd. 70'" langer Unter¬ wasserkanal. Er führt das Wasser in den Fluss zurück an einer Stelle, wo sich bereits der Stau des unterhalb gelegenen Elektrizitätswerkes Wynau be¬ merkbar macht. Am rechten Ufer entsteht zwischen dem Unterwasserkanal und dem herantretenden Flusse eine Landzunge, die künstlich verlängert und dadurch in den Stand gesetzt wurde, den bei Hochfluthen in der Aare herrschenden Geschiebegang vom Unter¬ wasserkanal möglichst abzuweisen. — Die Arbeiten wurden im Winter des Jahres 1899/1900 begonnen und sind in dieser Zeit gut gefördert wor¬ den. Bis heute sind geleistet: rd. 1 400000 cbm Erd¬ bewegung, 45000 cbm Beton, ioooo'I"’ Spundwände, 47 000 cim Ufersicherung, 600 ‘ Fisenkonstruktionen. Die Gründungsarbeiten am Wehr sind durchweg im Schutze von Fangedämmen erfolgt. Dabei war für das 120 m breite Wehr nacheinander die Herstellung dreier Baugruben nothwendig, die vom linken Ufer nach dem rechten vorrückten. Zuerst wurden das Ein¬ laufbauwerk mit der Kiesschleuse und der grösste l heil des Grundlaufes ausgebaut; die Kiesschleuse konnte dann bei Anlage der zweiten, mitten im Strom Moosbach. tungen; an den Ufern ruhen sie auf gemauerten Land¬ festen, in dem Kanal jedoch auf je zwei eisernen Unter¬ stützungsjochen auf. Die Fahrbahn der Stege ist in Holzbohlen hergestellt. Es wurden auch mehrfach Quellen und Tagewasser¬ rinnen durch die hohen Aufschüttungen längs des Kanales der Ablauf verlegt; sie sind daher an geeig¬ neten Orten zusammengezogen und in das Kanalbett eingeleitet worden. Bei einem tiefeingeschnittenen Mühlenbache war ein Einleiten wegen der zu tiefen Lage des Wasserlaufes nicht möglich, er hat deshalb seinen neuen Lauf mittels Rohrdückers unter dem Kanal hinweg unmittelbar in den Fluss hinaus erhalten. Bei 7 km Länge, wo der Kanal abermals dicht an den Fluss herantritt und, wie bereits erwähnt, eine rechtsseitige Ufermauer erhält, ist diese gleichzeitig da¬ zu benutzt, um hier ähnlich wie bei der Fluthbrücke einen 25“ langen Ueberfall anzulegen, der zu hoch gespanntes Wasser unmittelbar nach der Aare ableitet. Unweit des Ortes Bannwyl, in 8 km Entfernung vom Wehr, liegt nahe bei der Aare das Maschinen¬ baus. Hier erweitert sich der Kanal auf etwa das Doppelte seiner normalen Wasserspiegelbreite unter gleichzeitiger kräftiger Hebung seiner Sohle. Bevor das Wasser auf die in 7 gleichartig ausgebildeten Kam¬ mern aufgestellten Turbinen trifft, hat es noch einen auf einer senkrechten Stufe angebrachten Rechen zu durchlaufen, der die Schwimmkörper zurückhält, die der Kanal auf seinem langen Laufe etwa aufgenommen haben sollte. Infolge der vorhandenen Stufe werden feste Sinkstoffe vom Eintritt in die Motorenkammern abgehalten und dem Leerlauf zugeführt, eine Anord- gelegenen Baugrube zur Umleitung des Wassers mit grossem Vortheil benutzt werden. Zuletzt kam die Flossgasse mit der rechten Wehrhälfte an die Reihe, die zurzeit ebenfalls noch im Bau begriffen sind. Sämtliche Arbeiten wurden, soweit nur angängig, durch Maschinen bewältigt, wobei in grösstem Maasse von der Verwendung elektrischer Kraft, die das be¬ nachbarte Aare-Emme-Kanalwerk lieferte, Gebrauch gemacht wurde. Bagger, Pumpen, Rammen, Mörtel¬ maschinen und natürlich auch die Beleuchtung, die bei den häufig in der Nacht auszuführenden Arbeiten in grossem Umfang nothwendig wurde, sie alle wur¬ den betrieben durch Elektrizität, um ein neues Werk zur Schaffung elektrischer Energie erstehen zu lassen. Bei so ausgedehnter Ausnützung der Maschinenkraft konnte die Zahl der einzustellenden Arbeitergruppen in weitem Maasse eingeschränkt werden; dennoch sind bis zu 900 Arbeiter täglich beschäftigt gewesen. Sämtliche Tiefbauten und ein grosser Theil der Eisenkonstruktionen, insbesondere Brücken und alle mit dem Mauerwerk in Verbindung zu setzenden Eisen- theile waren der A.-G. Albert Buss & Co. in Basel übertragen, während die beweglichen Schütze zum grösseren Theil und alle Aufzugsvorrichtungen von den von Roll 'sehen Werken in Gerlafingen und Bern geliefert und aufgestellt werden. An der Entwurfsverfassung hatte wesentlichen Antheil Hr. Reg.-Bmstr. K. H übler in Darmstädt; mit der Bauleitung an Ort und Stelle ist der zurzeit noch in Wangen thätige Hr. Ing. Eltz betraut. — R. Schm ick. 330 No. 51. Die neue Bauordnung urch Eingemeindung der Vororte Jersitz, St. Lazarus und Wilda, durch Aufhebung der reichsgesetzlichen Baubeschränkungen in den Festungsrayons und in¬ folge Abtretung der bisherigen Stadtumwallung von Seiten des Reichs-Militärfiskus an den preussischen Staatsfiskus zur Einebnung und Bebauung ist für die Entwicklung der Provinzialhauptstadt Posen eine neue Zeit angebro¬ chen. Die Bauordnung für Alt-Posen vom Jahre 1877 und die ländliche Bauordnung für die Vororte entsprachen nicht mehr der neuen Sachlage und den neuen Zielen. Für das gesamte Stadtgebiet ist deshalb nach längeren Berathungen am 31. März d. J. eine neue Baupolizei-Ver¬ ordnung erlassen worden, die, obschon mit mannigfachen Aenderungen, sich stützt auf einen im Auftrag des Ma¬ gistrates vom Unterzeichneten aufgestellten Entwurf. Die Bauordnung zerfällt in sechs Abschnitte: Bau¬ polizeiliches Verfahren, Schutzmaassregeln während der Bauausführung, Bauten an unfertigen Strassen usw., Ein¬ heitliche Bauvorschriften, Abgestufte Bauvorschriften, Schlussbestimmungen. Die „Einheitlichen Bauvorschriften“ des vierten Abschnittes gliedern sich nach a) Zugänglich¬ keit, Stellung, Aeussere Gestaltung der Gebäude, b) Festig¬ keit und Feuersicherheit, c) Gesundheit, d) Gewerbliche Anlagen. Die Abstufung der Bauvorschriften im fünften Abschnitt ist vorgenommen: 1. nach Gebäudegattungen, 2. nach örtlichen Bezirken. Allgemeinere Bedeutung mögen besonders diese abgestuften Vorschriften besitzen. Die Verordnung unterscheidet als Gebäudegattun¬ gen: a) Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser und Mehr¬ familienhäuser, b) Kleine Häuser und grosse Häuser. „Kleine Häuser“ sind solche, bei denen die Stockwerkshöhe nicht mehr als 3,5 m, die Gebäudetiefe nicht mehr als nm, die unverspannte Länge von Tragemauern nicht mehr als 8 m und die Anzahl der Wohnungen nicht mehr als 8 beträgt; dabei darf die Hälfte dieser Wohnungen aus höchstens 3, die andere Hälfte aus höchstens 4 Räumen (einschl. Küche) bestehen. Die verlangten Mauerstärken sind für kleine Häuser um durchschnittlich etwa 1/2 Stein ermässigt. Die Breite der Flurgänge soll in Ein- und Zweifamilienhäusern, bezw. kleinen Häusern wenigstens 90 ctn, in Mehrfamilien¬ häusern bezw. grossen Häusern wenigstens 160 cm be¬ tragen; bei einem „kleinen Hause“ ohne Seiten- und Hinter¬ gebäude wird auf den sonst geforderten durchgehenden Flur verzichtet. Die verlangte Treppenbreite beträgt für Ein- und Zweifamilienhäuser 90 cm. In Mehrfamilienhäusern muss die zum obersten Vollgeschoss und weiter führende Treppe 1 m, für jedes tiefer liegende Geschoss 15 cm mehr, breit sein; die Zahl der nothwendigen Treppen richtet sich nach der Zahl der Wohnungen und nach der Grösse der bebauten Fläche. Was die Feuersicherheit der Treppen betrifft, so genügen unverputzte Eichenholztreppen oder sonstige Holztreppen mit verputzter Unterfläche für Ein- und Zweifamilienhäuser, die nicht mehr als zwei Ober¬ geschosse besitzen. In Ein- und Zweifamilienhäusern mit mehr als zwei Obergeschossen und in Mehrfamilienhäusern mit nicht mehr als zwei Obergeschossen sind von unten ver¬ putzte Holztreppen zulässig, welche in massiven Treppen¬ häusern liegen. In Mehrfamilienhäusern mit mehr als zwei Obergeschossen werden unverbrennliche Treppen in massiven Treppenhäusern verlangt. Die geforderten lichten Stockwerkshöhen betragen 2,50“ in Dachge¬ schossen und unbewohnten Zwischengeschossen, 2,80“ in Obergeschossen der „kleinen Häuser“, sowie der Ein- und Zweifamilienhäuser, 3 m in den Obergeschossen aller an¬ deren Häuser und in allen Erdgeschossen. In Mehr¬ familienhäusern werden unter Küchen, Waschküchen und Baderäumen massive Decken verlangt, in Ein- und Zwei¬ familienhäusern nicht. Nach örtlichen Bezirken werden unterschieden: die Bauklasse I mit höchstens fünf Wohngeschossen (einschl. Erdgeschoss), beschränkt auf den Kern der Altstadt; die Bauklasse II mit vier Wohngeschossen für die äusseren Theile der Altstadt und die bereits stark angebauten Theile der Vororte; die Bauklasse III mit drei Wohngeschossen, die dem baldigen Ausbau entgegengehenden Aussentheile der Vorortbezirke umfassend; endlich die Bauklasse IV mit nur zwei Wohngeschossen. Auf die Festlegung der Grenzen zwischen den verschiedenen Klassenbezirken waren neben der voraussichtlichen baulichen Zweckbe¬ stimmung die örtliche Lage und die zeitigen Bodenwerthe von Einfluss. Von Bauklasse II sind in diesem Sinne ge¬ wisse Flächen als „Fabrikbezirke“ abgetrennt, auf welchen der Bau gewerblicher Anlagen begünstigt ist. Die Bezirke der Bauklassen III und IV theilen sich in Flächen mit vor¬ geschriebenem Bauwich (lila und IVa) und in solche ohne Bauwich (III b und IVb). Für offene und halboffene 27. Juni 1903. für die Stadt Posen. Bauweise, d. h. mit Bauwich, sind Theile aus den bisheri¬ gen Festungsrayonsund solche Aussengebiete vorgeschrie¬ ben, die nach ortskundigem Urtheil für eine weiträumige Bebauung mitbesseren Wohnungen besonders geeignet sind Bei Ermittelung der zulässigen Stockwerkezahl wird u Umst. auch das Dachgeschoss mitgezählt, und zwar in Bauklasse I, sobald es überhaupt Räume zum dauernden Aufenthalt von Menschen, in Bauklasse II, sobald es mehr als eine ganze Wohnung, in Bauklasse III und IV aber nur, wenn es mehr als zwei ganze Wohnungen enthält. Die letztere Bestimmung ist nach Ansicht des Unterzeich¬ neten recht unerwünscht, weil dadurch selbst in den Landhaus -.Bezirken der Bau eigentlicher Miethhäuser für zahlreiche Familien ermöglicht und eine andere zur Ab¬ kehr vom grossen Miethhause getroffene Bestimmung in ihrerWirkung beeinträchtigt wird. Diese Sonderbestimmung besteht darin, dass in Bauklasse IV ausser den allgemein zugelassenen zwei Wohngeschossen in Einfamilien¬ häusern (nach hannoverschem Vorbilde) ein für Wirth- schaftszwecke dienendes Untergeschoss, dessen Fussboden nicht höher als 20 cm über der Strasse liegt, und in „kleinen Häusern“ ein zweites oberes Vollgeschoss gestattet sind. In denBezirken der offenen und halboffenen Bauweise, lila und IVa, sind sowohl Einzelhäuser als Gruppen von 2 bis 5 an einander gebauten Häusern zulässig. Der geringste Bauwich, d. h. Grenzabstand, beträgt für Einzelhäuser oder Hauspaare in Klasse lila 3 m + V15. der Gebäudetiefe, in Klasse IVa 2m-f l/15 der Gebäudetiefe. Bei Gruppen von 3, 4 und 5 Häusern wächst der am Ende der Gruppe geforderte Bauwich je um 1 m. Auch steht es in den fraglichen Baubezirken den Eigenthümern frei, zwei gegenüberliegende Blockseiten in geschlossener Reihe zu bebauen, wenn im Inneren des Blockes ein überall wenigstens 20 m breiter unbebauter Raum und an den beiden anderen Blockseiten eine (aus zwei Bauwichen bestehende) Lücke von 20 m Breite gesichert ist. Die Ge¬ bäude können beliebig hinter die Baufluchtlinien zurück¬ treten und brauchen ihr nicht parallel zu stehen. Wo kein Bauwich verlangt ist, kann die Baupolizei-Verwaltung im Einvernehmen mit dem Magistrat eine rückwärtige Baulinie vorschreiben, um das Blockinnere innerhalb ge¬ schlossener Häuserreihen frei zu halten. Bei Mindesthof breiten von 5,5 m in den Klassen I und II, bezw. 4® in den Klassen III und IV beträgt die Mindesthoffläche in den vier Klassen 0,30, 0,33, 0,40 und 0,45 des Baugrundstückes, bei Eckgrundstücken weniger; Hofgemeinschaften sind zulässig. Für Ein- und Zwei¬ familienhäuser kann die Hofbreite bis auf 2,5 m einge¬ schränkt werden. Die zulässige Höhe der Vordergebäude beträgt in den Klassen I 20 m, II für Fabriken 22 m und für Wohn¬ häuser 17,5™, III 15 m. Für Klasse IV ist die Höhe nur durch die allgemein gültige Regel begrenzt, dass die Ge¬ bäudehöhe die Strassenbreite nicht übersteigen darf, dass jedoch überall eine Gebäudehöhe von 11 m statthaft ist. Ist b die Hof breite, h die zulässige Gebäudehöhe am Hofe, so ist in den Klassen I und II h = zb, in III h = 1,5 b, in IV h = b. Zumtheil ist diese nicht übertrieben grosse Fürsorge für den Lichteinfall leider dadurch auf¬ gehoben, dass in den Klassen I und II stets Seitenflügel in Höhe des Vorderhauses auf 8m Länge, jedoch nicht über die halbe Tiefe des unbebaut zu haltenden Hofraumes hinaus zugelassen sind, falls der Flügel nur die nöthigen Wirthschaftsräume und eine Nebentreppe enthält. In grösserem Abstande als 24 m von der Baufluchtlinie darf nur in Fabrikvierteln die Gebäudehöhe das Maass von 11 m übersteigen. Gesundheitlich sind von allgemeinerer Bedeutung noch das Verbot der Kellerwohnungen und die Forderung eines Abortes für jede Familienwohnung. Nur ausnahms¬ weise kann im Kellergeschoss eine Hausmeisterwohnung, die nicht nach Norden liegt, gestattet und ein Abort für zwei Familien geduldet werden. Für Abweichungen von der Strassenflucht- linie durch Vorsprünge und Rücksprünge ist auch bei geschlossenem Reihenbau eine gewisse Freiheit gelassen. Insbesondere darf jeder Neubau bis zu im hinter die Strassenflucht zurücktreten und den Zwischenraum nach Belieben für Vorsprünge ausnutzen; ein angemessener Anschluss an die Nachbargebäude ist jedoch zu bewirken. Tritt ein Neubau noch weiter als im zurück, so kann die Einfriedigung des Grundstückes in der Strassenfluchtlinie gefordert werden. Aeusseres Holzfachwerk ist gestattet bei ge¬ schlossener Bebauung für Erker, Veranden, Ziergiebel u. dergl., bei offener und halboffener Bauweise allgemein für das Dachgeschoss und das darunter liegende Stockwerk. 33i Der neuen Posener Bauordnung liegt das Bestreben für den Mittelstand, das „kleine Haus" für die minderbe¬ zugrunde, den städtischen Anbau mannigfaltiger zu ge- mittelten Volksschichten zu begünstigen. Die Festsetzungen stalten, gesundheitliche Fortschritte zu erzielen und an- des Bebauungsplanes werden hoffentlich diesen Bestre¬ stelle der Miethkaserne das Ein- und Zweifamilienhaus bungen Vorschub leisten. — t Stübben Vermischtes. Das Jubiläum der 25-jährlgen Lehrthätlgkeit des Ober- baurathes Prof. Karl Schäfer in Karlsruhe wird am 17. und 18. Juli von seinen jetzigen und ehemaligen Schülern und Freunden festlich begangen. Am 17. Juli findet ein Kommers statt, für den 18. Juli ist in Gemeinschaft mit dem Jubilar ein Festausflug nach Heidelberg geplant. Wir sind über¬ zeugt, dass die früheren Schüler und die zahlreichen Ver¬ ehrer des Altmeisters deutscher Baukunst durch ihr Er¬ scheinen die Anerkennung der Bedeutung und der Ver¬ dienste bekunden "werden, die der Jubilar für die ge¬ samte deutsche Baukunst sich in seiner Lebensthätigkeit erworben hat. — Auszeichnungen von Künstlern. Wie nunmehr amtlich bekannt gegeben wird, wurden aus Anlass der Besichtigung des neuen Rathhauses in Frankfurt a. M. durch S. M. den Kaiser die Erbauer desselben, die Hrn. Architekten v. Ho ve n und Neher, zu königlichen Bauräthen ernannt. Da¬ mit hat die langjährige und in hohem Maasse erfolgreiche Thätigkeit dieser beiden hervorragenden Baukünstler, eine Thätigkeit, die durch den malerischen Gruppenbau des neuen Rathhauses gekrönt wird, eine gewiss allseits mit Beifall begrüsste öffentliche Anerkennung gefunden. — nicht nur den schaffenden Künstler und den Begründer einer neuen Epoche bewundern, hier lernt man den reinen, edlen Menschen lieben": Von diesem Werke gibt die in Rede stehende Schrift eine das Lebensbild Schinkels ab¬ gerundet schildernde Darstellung. „Nicht durch viel eigene Worte“ hat der Verfasser seinen Genius beschrieben, „son¬ dern dadurch, dass er Schinkel soviel als möglich selbst zu Worte kommen lässt“. Wo er aber mit eigenen Worten in die Darstellung eingreift, da geschieht es mit Ausdrücken höchster Begeisterung und Verehrung. Die schöne Schrift ist auf das reichste illustriert und mit ihren Abbildungen eine nie versiegende Quelle geistiger, künstlerischer Labung und Aufrichtung für den, welcher in dem lauten Getriebe unserer Gegenwart manchmal unmuthig zu werden droht. — Preisbewerbungen. Drei Wettbewerbe des Vereins der Architekten und Bauingenieure zu Dortmund betreffen Entwürfe zu einem Wirthschaftsgebäude für den Gewerbeverein in Dortmund, Skizzen zur Bebauung eines Baublocks des Beamten- Wohnungsvereins in Dortmund mit 30—40 Häusern und Entwürfe für den Neubau einer Kirche nebst Pfarrhaus und Konfirmandensälen für die evangelische Reinoldi-Ge- meinde zu Dortmund. — Bücher. Künstler-Monographien. In Verbindung mit Anderen her¬ ausgegeben von H. Knackfuss. XXVIII. Schinkel. Von Hermann Ziller. Mit 127 Abbildungen von Gemälden, Bauten, Skulpturen und Zeichnungen. Bielefeld und Leipzig. Verlag von Velhagen & Klasing. Pr. 3 M. — Es ist schon einige Jahre her, dass die vorstehende Schrift erschienen ist; da sie aber in den Kreisen der Baukünstler noch nicht so bekannt zu sein scheint, wie sie es verdient, so möge mit einem kurzen Worte auf diese liebevolle, von dem reichen und vielseitigen Schaffen Schinkels ein abgerundetes Bild gewährende Darstellung aufmerksam gemacht werden, deren billiger Preis zugleich ihrer weitesten Verbreitung entgegenkommt. Es ist eine leicht zu machende Wahrnehmung, dass die künstlerische Werthschätzung Schinkels bei tiefer empfindenden Be- urtheilern stetig gewachsen ist und umso mehr zuge¬ nommen hat, als die Ausschreitungen der letzten Jahre sich ausbreiteten und einen Anspruch erhoben, zu dem sie als eine Modeerscheinung nicht berechtigt waren. Die¬ sen lauten und vordringlichen Erscheinungen gegenüber flüchteten feinere Naturen gerne in die stillere aber tiefere Kunstübung der Vergangenheit und suchten in dem Lebens¬ werke von Künstlern die stärkende Kraft zu eigenem Schaffen, deren Kunst nicht eine im und mit dem Lärm des Tages angepriesene Handelswaare von meist nur flüchtiger Bedeutung, sondern eine aus innerer Ueber- zeugung hervorquellende göttliche Gabe von ewiger Dauer ist. Kaum eine anziehendere Erscheinung in dieser Be¬ ziehung gibt es auf dem Gebiete der Baukunst als Schin¬ kel, der in dem, was er in einer nüchternen, sparsamen Zeit gebaut hat, mehr aber noch in dem, was er hat bauen wollen, sowie in seinen malerischen Kompositionen und schriftlichen Arbeiten sich „zu dem einzigen, univer¬ sellen Genius erhebt, zu welchem seine Verehrer mit Be¬ geisterung emporblicken". Das Lebenswerk Schinkels ist uns im „Schinkelmuseum“ der Technischen Hochschule zu Charlottenburg fast lückenlos erhalten. „Hier strömt", wie Ziller mitRecht sagt, „immer neu dieQuelle unvergänglicher Schönheit für Jeden, der schöpfen will, hier lernt man Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Erweiterung des Saalbaues im Zoologischen Garten ln Düsseldorf erlässt der Vorstand für in Düsseldorf ansässige Architekten zum 20 Aug. d. J. Es gelangen 3 Preise von 800, 300 und 300 M. zur Vertheilung. Preisrichter sind u. a. die Hrn. Geh. Brth. J. Stübben-Köln, Prof. J. Kleesattel, Arch. A. Bender und Bmstr. M. Grunwald-Düsseldorf. — Wettbewerb betr. Fassadenentwürfe für das neue Polizei¬ gebäude in Bremen. Unter 27 Entwürfen errang den I. Preis der des Hrn. K. Börnstein; den II. Preis ein Entwurf der Hrn. W. Wellerdick & Fr. Ludewig; den III. Preis errang Hr. F. Bässmann. Zum Ankauf empfohlen wur¬ den Entwürfe der Hrn. W. Wellerdick & Fr. Ludewig, H. Ohnesorge und A. Abbehusen. Falls Hr. Börn¬ stein nicht in Bremen wohnt, gelangt der I. Preis nicht zür Vertheilung. — _ Brief- und Fragekasten. Wir bitten unsere Abonnenten und Leser, davon Kenntniss nehmen z u wol 1 en , d ass sich u n s er e Redaktion nunmehr S.W. 11, Königgrätzer Strasse 104, und unsere Expedition (Inseraten-Annahme) und Verlag S.W. 11, König¬ grätzer Strasse io5 befinden. — Geschäftszeit 8V2 — 6 Uhr. Deutsche Bauzeitung, G. m. b. H. Hrn. Fr. M. in Freiburg. Wir theilen Ihre Ansicht, dass wenn bei einer Stellenmeldung „Handskizzen in Briefform“ verlangt sind, dies Skizzen beliebiger Art sein können, welche lediglich den Zweck haben, die zeichnerische Fertigkeit des Bewerbenden darzu- thun. Man sollte übrigens die Einsendung solcher Handskizzen oder überhaupt von zeichnerischen Unterlagen nicht von allen Bewerbern, sondern nur von solchen fordern, welche in die engste Wahl kommen. Sehr viele Stellenbesetzungen werden immer noch mit einem Aufwande an Mühe vollzogen, der ganz überflüssig ist und bei einigem Entgegenkommen gegen die Be¬ werber erheblich eingeschränkt werden könnte. — Inhalt: Schloss Klink bei Waren, ln Mecklenburg — Ueber die Wasser¬ bauten des Elektrizitätswerkes Wangen a. d. Aare, Schweiz (Schluss). — Die neue Bauordnung für die Stadt Posen. — Vermischtes. — Bücher. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. — Ludwig Franzius f. Hierzu eine Bildbeilage: Schloss Klink bei Waren i. Mecklbg. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwort!. Albert Hof mann. Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Ludwig Franzius f. In den Frühstunden des 23. Juni verschied in Bremen nach längeren Leiden im Alter von 71 Jahren der Ober-Baudirektor der freien Hansestadt, Dr. ing. h. c. Ludwig Franzius. Das deutsche Ingenieurwesen beklagt durch seinen Tod den Verlust eines seiner glänzendsten Vertreter. Was der Verstorbene für Bremens Handel und Schiffahrt durch die Korrektur der Unterweser, durch die Sicherung des Fahrwassers der Aussenweser, durch die Hafenbauten in Bremen und Bremerhaven gethan hat, wie er zahlreichen anderen Arbeiten des deutschen Wasserbaues mit Rath und That zur Seite stand, das haben wir geschildert, als wir im vorigen Jahre zu seinem siebzigsten Geburtstag einen Abriss seiner Lebensthätigkeit gegeben haben. Sein reiches Wirken wird sein Andenken bei uns allzeit zu einem gesegneten machen! — 332 No. 51. ItJiiiiiililllllllltJllliliilliiillill || DEUTSCHE BAUZEITUNG l| II XXXVII. JAHRG. NR 52. BERLIN, DEN 30. JUNI 1903 || IIIIIHIIllllllllllllllllllllllllll Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Tagesordnung der XXXII. Abgeordneten-Versammlung in Dresden am 31. August und 1. Septbr. 1903. I. Geschäftlicher Thell. 1. Allgemeine Mittheilungen. Vorlage des Geschäftsberichtes. 2. Bericht über die Einnahmen des Verbandes aus den litterarischen Unternehmungen desselben. 3. Vorlage der Abrechnung für 1902. Bericht der Rechnungsprüfer. Wahl von 3 Vereinen zur Prüfung der Abrechnung für 1903. 4. Vorlage des Voranschlages für 1904. Festsetzung der Mitglieder-Beiträge für dieses Jahr. 5. Vorlage einer Uebersicht über die bisherigen Ausgaben für das Werk „Das deutsche Bauernhaus“; gegebenen Falles Bewilligung von Mitteln aus dem Verbandsvermögen zur Fertigstellung des Werkes. 6. Antrag des Vorstandes, dem Verein „Alt-Rothenburg“ auch weiterhin einen Jahresbeitrag zu bewilligen. 7. Wahl zweier neuer Vorstands-Mitglieder anstelle des ausscheidenden Verbands-Vorsitzenden Hrn. W aldow (seit 4 Jahren im Vorstande) und des Vorstands-Mitgliedes Hrn. Neher (seit 2 Jahren im Vorstande), § 26 der Satzungen. 8. Antrag des Vorstandes betr. die Bildung ständiger Fachausschüsse zur Unterstützung des Vorstandes (die besondere Vorlage ist den Vereinen bereits zugegangen). 9. Bericht über den Fortgang desWerkes „Das Bauernhaus im Deutschen Reiche und in seinen Grenzgebieten“. 10. Bericht über die Neuauflage des Normalprofilbuches für Walzeisen. 11. Bericht über die in Gemeinschaft mit dem Verein deutscher Ingenieure und dem Verein deutscher Eisen¬ hüttenleute unternommene Herausgabe des Werkes über den Feuerschutz von Eisenkonstruktionen. 12. Bericht über die Thätigkeit des Ausschusses für die Wahrnehmung der Wettbewerbs-Grundsätze. 13. Bericht über die Kosten der vom Mittelrheinischen Architekten- und Ingenieur-Verein vorgeschlagenen Umgestaltung des Mitglieder-Verzeichnisses. 14. Antrag des Architekten- und Ingenieur- Vereins zu Hamburg auf Austausch kurzer gedruckter Jahres¬ berichte zwischen den einzelnen Verbands- Vereinen. 15. Nicht auf der Tagesordnung stehende Mittheilungen geschäftlicher Art. II. Technisch-wissenschaftlicher Thell. A. Ausführung der Beschlüsse der Abgeordneten-Versammlung in Augsburg. 16. Gebühren der Architekten und Ingenieure als gerichtliche Sachverständige (Referent: der betr. Verbands- Ausschuss). 17. Nachprüfung der Bestimmungen über die zivilrechtliche Haftbarkeit der Architekten und Ingenieure (Referent: der betr. Verbands-Ausschuss). 18. Prüfung der gegen die Normalien für Hausentwässerungs-Leitungen erhobenen Bedenken (Referent: der betr. Verbands-Ausschuss). 19. Aufstellung eines Werkvertrages zwischen Bauherrn und Unternehmer mit allgemeinen Bedingungen (Referent: der Verein der Architekten und Bauingenieure zu Dortmund). 20. Aufstellung einheitlicher Bestimmungen zur Berechnung und Ausführung von Betoneisen-Konstruktionen (Referent: der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Aachen). B. Neue Anträge. 21. Antrag der „Vereinigung Berliner Architekten“ auf Abänderung der Grundsätze für Wettbewerbe (Referent: der mit dem Entwürfe der neuen Fassung beauftragte Wettbewerbs- Ausschuss des Verbandes). 22. Antrag der „Vereinigung Berliner Architekten“ auf Aufstellung eines Kommentars zur Gebührenordnung (Referent: die „Vereinigung Berliner Architekten“). 23. Nachträgliche, noch nicht in die Tagesordnung aufgenommene Anträge. Dresden-Berlin, den 25. Juni 1903. Der Verbands-Vorstand. Waldow. Bubendey. v. Schmidt. Neher. Eiselen. Ludwig Franzius *}\ m 23. Juni ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der durch seine Persönlichkeit wie durch sein Lebens¬ werk mit Kraft und Erfolg daran gearbeitet hat, den Beruf des deutschen Ingenieurs zu der Höhe empor¬ zuheben, die er heute einnimmt. Ludwig Franzius ver¬ einigte in sich alle grossen Eigenschaften seines friesischen Volksstammes, weiten Scharfblick des Geistes und tiefe Fülle des Herzens; „koolen Kopp und heetes Hart“, wie das Sprichwort sagt. Er war eine geniale Künstlernatur, die selbst den spröden Stoff der Rechenkunst und der Konstruktion im trügerischen Element des Wassers ge¬ schmeidig zu machen verstand. Geboren am 1. März 1832 zu Wittmund, dem östlich¬ sten Ort Ostfrieslands, im Angesicht der Nordsee, studierte er in Hannover und wurde dort Wasserbauinspektor. Das umwälzende Jahr 1866 fand ihn mit Freuden bereit, dem preussischen Banner seiner friesischen Vorfahren wieder zu huldigen und der neuen Regierung seine Kräfte zu widmen. Er kam ins Ministerium nach Berlin und als Lehrer des Wasser- und Brückenbaues an die damalige Bauakademie. Jeder, der in jenen Jahren ihn als solchen hören konnte, gewann sofort das Gefühl: „Der Mann kennt sein Sach“. Keiner hörte ihn ein Semester lang, sei er Ingenieur oder Architekt, ohne für ihn zu schwärmen. 333 Durch seine unverwüstliche Lebensfrische und Herzens¬ güte gewann er alle Herzen im Sturm. Obgleich kein geborener Redner, war er im Vortrag schlicht, klar und ungemein fasslich, sodass er alle Verstehenden überzeugte, die Uebrigen überredete. Selbst den unglücklichen „Hoch¬ bauern“ , die in den damaligen spanischen Stiefeln der „beiderseitigen Ausbildung“ durch die Akademie hinken mussten, wurde sein „Zwangskolleg“ ein Genuss. Wäre er in diesem Berufskreise geblieben, so hätte er auch dort seinen schönen und glänzenden Weg gefunden. Aber schon 1875 eröffnete sich ihm ein grösseres Feld, als er einen Ruf nach Bremen annahm, um das gesamte Bauwesen dort zu leiten; einen Ruf, dem er um so lieber folgte, als er seiner Nordsee wieder näher kam. Mit ihm zog in jener Geschlechter- und Geldrepublik der rechte Mann in die rechte Stelle ein. In dem Menschenalter seiner dortigen Thätigkeit hat es Franzius verstanden, die volle Macht seiner Persönlichkeit und seines grossen Blickes dafür einzusetzen, dass die riesigen Umwälzungen des Handels und Wandels an der Weser in die denkbar günstigsten Bahnen geleitet wurden. Vom ersten Tage an trat er gewissermaassen in ein persönliches Verhält- niss zu dem Flusse, an dem die alte Stadt liegt; er hat nicht geruht und gerastet, bis er ihn in Feindschaft und Freundschaft zu dem gezwungen hat, zu dem er ihn machen wollte: zur neuen Lebensader des Handels. Vor 500 Jahren war Bremen eine Seestadt. An der alten Schlachte legten die Hansekoggen, die Orlogschiffe und Grönlandsfahrer an, deren Modelle heute noch die ehrwürdige Rathhaushalle zieren. Aber schon im Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Wasserverhältnisse der¬ art aufs Trockne gerathen, dass die Seeschiffe kaum noch halbwegs zur Stadt hinauf kommen konnten. Die Grün¬ dung Bremerhavens rettete damals die Stadt vor dem kaufmännischen Untergang, ohne aber den Fluss zu ver¬ bessern. Mit Buhnen („Schiengen“) und Baggern wurde so gut oder schlecht wie möglich der Versandung ent¬ gegen gearbeitet, die trotzdem unaufhaltsam fortschritt. Natürlich, denn das fehlerhafte System der Winterdeiche liess alle Sinkstoffe im Flussbett liegen und hob dies da¬ durch künstlich immer mehr gegen die rechts und links tief liegen bleibenden Ländereien. Jede Hochfluthwelle, die alle 20 — 25 Jahre wiederkehrte, wurde um einige Centimeter, ja Decimeter höher, als die Vorgängerin. In¬ folgedessen wurden die Deiche immer wieder erhöht und verstärkt. Der Zustand war schliesslich so, dass der Fluss bis über +6™ stieg, während die Strassen der Vorstädte auf etwa -f- 1,2 m liegen. Dies musste anders werden. Aber wie? Inzwischen setzte die grosse Bismarckische Wirth- schaftspolitik ein, für die die Ausnahmestellung der Hanse¬ städte ein Dorn im Auge war. Es begannen die Zoll¬ plackereien, um die Väter dieser Städte zur Einsicht zu Zum achtzigsten Geburtstag von Julius Carl Raschdorff. m 2. Juli vollendet der Professor an der Technischen Hochschule in Charlottenburg und Dombaumeister in Berlin, Geheime Regierungsrath Julius Carl Rasch¬ dorff, das 80. Lebensjahr als ein gnädiges Geschenk der Vorsehung. Ein langes Leben voll reicher Arbeit zieht bei diesem Anlass an uns vorüber. Der Jubilar, zu dessen Ehren eine Reihe von Feierlichkeiten und Veranstaltungen geplant sind, darunter seitens der Technischen Hochschule eine Ausstellung seiner Werke, wurde am 2. Juli 1823 in Pless in Oberschlesien geboren und bezog Ostern 1845 zu dreijährigem Studium die Bauakademie zu Berlin. Am 6. April 1848 bestand er die Prüfung als Bauführer, 5 Jahre darauf die als Baumeister. Seine selbständige praktische Thätigkeit begann Raschdorff mit den Hochbauten der Eisenbahnlinien Münster-Rheine und Rheine- Osnabrück. Am 1. November 1854 wurde er Leiter des Hochbau¬ wesens der Stadt Köln a. Rh., in welcher Stellung er bis 1872 blieb und hier eine ungemein vielseitige, vielleicht seine erfolgreichste Wirksamkeit entfaltete. Die hier ent¬ wickelte Thätigkeit verdient um so grössere Würdigung, als sie den in den strengen Ueberlieferungen der Schinkelschen Schule erzogenen Baukünstler auf für die damalige Zeit neuen, selbständigen Bahnen zeigt. Denn neben zahlreichen Gemeindebauwerken, die er neu zu errichten hatte, waren ihm bedeutende Wiederherstellungen alter Bauten anver¬ traut, die in jedem einzelnen F alle ein eingehendes und liebe¬ volles Einzelstudium verlangten und Raschdorff dazu führten, dass er seine künstlerischeAnschauungsweisevölligwandelte. Die Wiederherstellungs-Arbeiten an St. Gereon, St. Maria Lyskirchen, St. Andreas, an der Vorhalle von St. Maria im Kapitol, am Gürzenich und am Rathhaus, an diesen Perlen des alten Köln, das durch sie veranlasste ver¬ bringen, dass sie nicht als fossile Knochenreste im leben¬ digen deutschen Körper stecken bleiben konnten. Auch den Bremern wurde es allmählich klar, dass sie ihren Freihafen nur auf den Schiffsverkehr einschränken müssten und dass ausser der Umschlagstelle der Güter weiter kein Land ausserhalb des deutschen Zollverbandes liegen blei¬ ben dürfe. Jetzt aber wurde es für die Kaufmannschaft mit einem Male eine Frage auf Leben und Tod, ob diese Umschlagstelle an die Stadt kommen könne oder an der Wesermündung hängen bleiben müsse. Dann musste aber der Fluss so vertieft werden, dass wenigstens kleinere Seeschiffe bis zur Stadt hinauf kommen und dort löschen könnten. Da trat Franzius mit seinem grossen Entwurf der Weserkorrektion hervor und zeigte den Weg, mit einem Schlage aus dem doppelten Dilemma des fehlen¬ den Wassers im Sommer und Herbst und des über¬ mässigen Wassers im Frühling herauszukommen. Nach dem Vorgang der Schotten am Clyde wollte er die Fluth- welle der Nordsee zwingen, bis zur Stadt hinauf zu laufen und auf ihrem Rücken die Schiffe heran zu tragen. Aber wieviel ungünstiger lagen die Wasserverhältnisse an der Weser gegen die vor Glasgow! Dort die grosse Fluthwelle des Weltmeeres, hier die kleine der östlichen Nordsee; dort ein unbedeutendes Flüsschen, mehr ein Meeresarm, hier ein Fluss von 600 km Länge! Um die ungeheuren Schwierigkeiten zu schildern, die sich von allen Seiten der genialen, grossartigen Idee entgegen thürmten, bedürfte es eines Buches. Engherzigkeit, Zag¬ haftigkeit, Krämergeist, Kirchthurms-Politik, Zöpfe aller¬ seits; alle jene Teufelsgeister kamen zusammen, sein Lebenswerk ungeboren sterben zu lassen. Es bedurfte seiner ganzen friesischen Zähigkeit und einer glücklichen Begabung für liebenswürdigen weltmännischen Verkehr, um Franzius nicht verzweifeln zu lassen und die erforder¬ lichen 30 Millionen von der kleinen Bremer Staatsgemein¬ schaft bewilligt zu erhalten. Glücklicherweise fand er unter der Kaufmannschaft eine Reihe von gescheuten, weit blickenden Männern, die seine Gedanken zu den ihrigen machten und dafür an seiner Seite kämpften. Vor Allem den begabten, redegewandten, jetzt verstorbenen Christof Papendiek, dem es mit an erster Stelle zu danken ist, dass das Werk ausgeführt wurde und heute in einer nicht einmal von seinem Vater geahnten Weise sich be¬ währt hat. Franzius gewährleistete bei „ordinärem Hoch¬ wasser" im Stadthafen eine Wassertiefe, dass Schiffe mit 5m Tiefgang löschen könnten; heute können dies solche mit 6,5 m. Der Weg, wie er dies erreicht hat, ist zu be¬ kannt, als dass ich darauf einzugehen brauchte. Der völlig wilde Flusslauf wurde begradigt, seine Ufer durch Leit¬ dämme so ausgebildet, dass er wie ein langgestreckter Halbkegel ganz allmählig von der Mündung bis zur Stadt sich verengte und verflachte. Hierdurch wurde das Fluss¬ gleichende Studium der Werke der deutschen Vergangen¬ heit wirkten sehr bestimmend auf die baukünstlerische Entwicklung Raschdorffs ein und kommen in seinen nach¬ folgenden Bauausführungen zu sprechendem Ausdruck. Es ist, mit dem Maasstäbe jener Zeit gemessen, über¬ raschend, zu beobachten, mit wie tiefem Empfinden sich der Schüler einer Schule, die noch unter dem ungeschwäch¬ ten Einfluss ihres Meisters auch nach seinem Tode stand, sich in das künstlerische Fühlen der deutschen Vergan¬ genheit von der romanischen Zeit der ehrwürdigen Kirchen¬ bauten bis zur Uebergangszeit zur Renaissance, in welche das köstliche Kleinod des Kölner Rathhauses gefasst ist, und über die eigenartige niederrheinische Gothik hinweg einlebte. Am 2. Sept. 1878 erfolgte die Ernennung Rasch¬ dorffs zum etatmässigen Professor an der Technischen Hochschule zu Berlin, nachdem er in sechsjähriger Thätig¬ keit als Privatarchitekt in den Rheinlanden und über deren Grenzen hinaus eine freie und bedeutsame fach¬ liche Thätigkeit gehabt hatte. An der Hochschule ist er der Vertreter der Baukunst der Renaissance. Hier be¬ gründete er auch das Architektur-Museum, dessen Grund¬ stock der künstlerische Nachlass Schinkels bildet und das seinerseits in nicht zu ferner Zeit den wichtigen Bestand- theil eines auf breiterer Grundlage zu gründenden Museums für Baukunst bilden dürfte. Ein Besuch des damaligen preussischen Kronprinzenpaares im Atelier des Künstlers im Dezember 1881 gab die Anregung zu einer Reihe von Bauaufgaben von zum Theil monumentalster Bedeutung, wie zur englischen Kirche im Monbijou-Garten in Berlin, für die Erweiterung des Berliner königlichen Schlosses, für den Neubau des Domes zu Berlin, für ein Sommerpalais im Bellevue- Garten zu Berlin und für das Mausoleum an der Friedenskirche in Potsdam. Der grösste Theil dieser An¬ regungen ist durch den Jubilar in Wirklichkeit übersetzt worden, einiges ist durch andere Kräfte verwirklicht wor- No. 52. 334 bett auf der weitaus grössten Strecke vertieft und so günstige Zu- und Abfluss - Bedingungen geschaffen, dass auch das Frühlings-Oberwasser glatt abfliessen kann. Seit der Mitte der 8oer Jahre begann das jahrelange Ringen, Kämpfen und Arbeiten, bis nach xo Jahren das Ziel er¬ reicht war. Damit war Franzius in Bremen und weit über die Grenzen seines Wirkens hinaus als genialer Wasserbaukünstler für den ganzen Rest seines Lebens und für alle Zeiten anerkannt. Er hat noch die freudige Ge- nugthuung erleben können, dass nicht nur der Stadthafen verdoppelt, verdreifacht werden musste, sondern dass sich zu gleicher Zeit die grossen Hafenbauten an der Weser¬ mündung in ebensolchem Siebenmeilenschritt erweiterten. Dass die alte Hansestadt in den letzten 15 Jahren ein völlig anderes Gesicht gewonnen hat, ist die Folge des grossen Lebensgeschickes, das durch die enge Gemeinschaft mit dem mächtigen Reich ihr gelächelt hat; dass aber sich heute ihr neues Gesicht lächelnd in dem fluthenden Wasser, dem Lebensnerv der Stadt, wiederspiegeln kann, ist das Werk von Franzius. Gegen dieses Hauptwerk treten alle anderen Schöpfun¬ gen seines Lebens zurück, so bedeutend sie auch an und für sich gewesen sind. Er musste das gesamte bremische Staatsbauwesen neu aufbauen, das sich unter seiner Ober¬ leitung und der Führung von einer Reihe tüchtiger Fach¬ genossen aufs glücklichste den veränderten, grösseren Wirkungs-Bedingungen angepasst hat. Dass alle Beamten freudig für ihn und unter ihm arbeiteten, verdankten sie seiner glücklichen Naturanlage, seinem fortiter in re, suaviter in modo. Das grosse Hochwasser vom Dezember 1880 und März 1881 mit seinen Deichbrüchen liess seine Sorge für Bewältigung des Oberwassers nicht ruhen; daraus ent¬ sprang die Anregung, das Winterwasser dazu zu benutzen, die umliegenden Wiesen zu berieseln, was meines Wissens bereits an zwei Stellen unter seiner Lei¬ tung durchgeführt wurde. Ferner der Neubau der drei Stadtbrücken mit besseren Vorfluth - Ver¬ hältnissen, der Eisenbahn¬ brücke und der Fahr¬ brücken über die Grosse und die Kleine Weser. Letztere ist gerade jetzt soweit vollendet, dass sie benutzt werden kann. An¬ deres Grosses blieb bis heute im Entwurf stecken : so der Anschluss an den Mittelland-Kanal und die Anlage eines grossen Binnenland - Hafens im Süden der Stadt und theil- weise Umleitung der We¬ ser. Hoffentlich reifen sie einer glücklichen Zukunft entgegen. Dass er auch für das Hochbauwesen tiefes Ver- ständniss und eine glück¬ lich leitende Hand hatte, war bei seiner Künstler¬ natur selbstverständlich: trieb er doch in seinen Mussestunden neben der Musik mit gewandter Hand das Aquarelliren und in seinen späteren Jahren so¬ gar noch die Bildhauerei! Auch an den Staatsbauten der letzten 30 Jahre in Bremen, dem Gerichts¬ hause, dem Naturge- schichts - Museum, der Stadtbibliothek, der Neu¬ bebauung ganzer Stadt- theile erkennt man un¬ schwer seine sichere Füh¬ rung heraus, die Allem die richtige Stelle und Lage zu geben wusste. Seinem unermüdlichen Andrängen ist es auch zu verdanken, dass end¬ lich jetzt ein besonderer Architekt für die Stadt¬ erweiterung und für den Bebauungsplan angestellt ist, nachdem auch in Bre¬ men Jahrzehnte lang nur so „ hingewurstelt “ und von der Hand in den Mund gelebt wurde. Unzählig sind seine Rathschläge für Hafenan¬ lagen und Wasserbauten aller Art in der ganzen Welt. Einem zufälligen Gespräch im Rathskeller war es zu verdanken, dass der Kaiser seine Ansichten über Helgoland und seine Düne hörte. Bei der kongenialen Natur beider Männer war es nicht Wunder zu nehmen, dass ihm bald darauf die Leitung der Arbeiten auf der Düne gegen die Seefluthen übertragen wurde, und dass er die Düne aller Voraussicht nach für lange Zeit thatsächlich gerettet hat. Eine mittheilende Natur, wie er sie hatte, konnte das nicht im Inneren vergraben, was sie wusste und konnte: die Mitwirkung des Verstorbenen beim Handbuch der Ing.-Wissensch., dem Deutschen Baubandbuch und den BACKST, ^ PLATT ' U. ROLL St rölor e n ■ _■ Schloss Klink bei Waren in Mecklenburg. Wirtbschafts-Gebäude. Architekten: Grisebach & Dinklage in Berlin. 30. Juni 1903. 335 verschiedenen Fachzeitschriften und Fachwerken ist be¬ kannt. Ich erwähne nur seine zu erstgenanntem Werke mit Sonne und Lincke gemeinsam gearbeiteten Abschnitte überWasserbau und Baumaschinen. Auch in diesenWerken zeigt sich wieder die ganze Grösse seiner Persönlichkeit: sie sind schlicht, einfach, klar und unweigerlich treffsicher. Ein glückliches Familienleben verschönte die Stunden seiner Müsse. Das Schicksal vergönnte ihm, seine vier Söhne zu tüchtigen Männern, seine Tochter zur glücklichen Gattin herangereift zu sehen und sich an einer Schaar von Enkelkindern erfreuen zu können; aber es ersparte ihm auch nicht, den herben Trank zu kosten, der geliebten Ge¬ fährtin seines Lebens das letzteLebewohl zurufenzu müssen. Seitdem war es einsam um den alternden Mann ge¬ worden, und in seine Gespräche mischte sich manch¬ mal ein leiser Ton der Entsagung, der dem schwellenden, hellklingenden Akkord seines Lebens nicht recht passen wollte. Ein allzulanges Siechthum blieb ihm erspart: wer Vermischtes. Ehrung für Oberbaurath Prof. Karl Schäfer in Karls¬ ruhe. Am i. Juli, 7 Uhr Abends, findet im Architekten¬ hause in Berlin (Untergeschoss) von ehemaligen Schülern, Freunden und Verehrern des Meisters eine Besprechung über eine etwaige Betheiligung an dem Karlsruher Feste zur Feier seines 25-jährigen Lehrerjubiläums oder über eine etwa anderwärts zu veranstaltende Feier des Tages statt. Zu dem bezgl. Aufruf im Anzeigentheil unserer No. 51 sind noch die Hrn. Prof. Hugo Hartung in Dresden, Land- bauinsp. Karl liiert in Halle a. S. und Prof. Friedr. Ratzel in Karlsruhe hinzugetreten, deren Zustimmung vor dem Druck des Blattes nicht mehr eingelaufen war. — • Preisbewerbungen. Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die künstlerische Ausgestaltung der Nordseite des Theater¬ platzes in Dresden bei Gelegenheit des Neubaues der Augustusbrücke daselbst erlässt der Rath von Dresden für deutsche Architekten zum 2. Nov. 1903. Es gelangt ein Preis von 2000 M. für den besten Entwurf zur Ver- theilung und es werden ausserdem den Preisrichtern 4000 M. zur Auszeichnung weiterer Entwürfe zur Verfügung ge¬ stellt. Dem Preisgerichte gehören ausser den Hrn. Ob.- Bürgermstr. Beutler und Stadtverord.-Vorst. Dr. Stöckel an die Hrn. kgl. Brt. Adam, kgl. Ob.-Brt. Klette, Arch. Scholz, Arch. Schümichen und Geh. Brt. Prof- Dr. P. Wallot, sämtlich in Dresden, sowie Stadtbrt. Prof. Hugo Licht in Leipzig und Stadtbrt. kgl. Brt. Ludw. Hoff¬ man n in Berlin. Unterlagen durch die Kanzlei des Tief¬ bauamtes, Stadthaus an der Kreuzkirche 611 in Dresden. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Vorentwürfen für Badehäuser im fürstlichen Bade zu Pyrmont wird von der waldeckischen Domänenkammer in Arolsen für Archi- ihn vor einem halben Jahre sah, glaubte ihm noch nicht recht, wenn er sagte, dass sein Herz nicht mehr so wollte, wie es sollte. Noch aus Südfrankreich, wo er Erholung gesucht hatte, klangen seine Grüsse muthig und lebens¬ frisch. Aber der Sorgenbrecher bezwang auch ihn. Nun ist er dahin. Wer ihn aber gekannt hat, vor dem bleibt sein Bild in der vollen Lebenskraft stehen: diese Hünen¬ gestalt mit ihren thatkräftigen Gesichtszügen, den blitzen¬ den Augen und der ungelichteten Fülle schloweisser, starrer Haare: „He was a man, take him for all in all . . . .“ Ihm gilt das Goethe’sche Wort: „Höchstes Glück der Erden¬ kinder bleibt doch die Persönlichkeit". Mit seinen Hinterbliebenen trauern wir Fachgenossen alle an seinem Grabe. Aber wir rufen gleichzeitig ihm den schmerzlich-freudigen Gruss über das Grab hinaus zu: „Wohl dem Lande, das solche Söhne gebärt; Glück dem Stande, dem solche Männer angehören; Heil dem Volke, das solche Helden in Ehren hält!“ — „ , , _ Rauschenberg. tekten deutscher Reichsangehörigkeit zum 5. Sept. d. J. erlassen. Es gelangen 3 Preise von 2000, 1200 und 750 M. zur Vertheilung; ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Dem 7-gliedrigen Preisge¬ richte gehören als Architekten an die Hrn. Geh. Brt. Stiehl-Kassel, Ob.-Brt. Schäfer-Karlsruhe, Geh. Brt. Stübben-Köln und Landesbauinsp. Müller in Arolsen. Unterlagen gegen 3 M., die zurückerstattet werden, durch die „Fürstliche Brunnendirektion zu Pyrmont“. — Zur Erlangung von Plänen zur Erbauung einer neuen kath. Pfarrkirche nebst Pfarrhaus in Aachen waren 9 Archi¬ tekten zu einem engeren Wettbewerbe aufgefordert. Den I. Preis erhielt Hr. Arch. Ed. Endler-Köln, den II. Preis Hr. Bmstr. Peters- Aachen, zwei III. Preise wurden den Hrn. Prof. Kleesattel in Düsseldorf und Diözesan-Brt. Statz in Köln zuerkannt. — In einem wiederholten Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein Künstlerhaus ln Dresden liefen 14 Ar¬ beiten ein. Einen Preis von je 1000 M. erhielten die Hrn. C. Franke in Altona, M. H. Kühne und Schilling & Gräbner in Dresden. Ein Entwurf der Hrn. Rumpel & Krutzsch in Dresden wurde für 500 M. angekauft. — Brief- und Fragekasten. Anfragen an den Leserkreis. Wo findet man nähere Angaben über Herstellung, Unter¬ haltung, Abnützung usw. von chaussierten Strassen mit Theer- und Pechguss? V. in L. Inhalt: Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. — Ludwig Franzius f — Zum achtzigsten Geburtstag von Julius Carl Rasch¬ dorff — Schloss Klink bei Waren in Mecklenburg. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. den. Das bedeutendste dieser Werke, zugleich die Krone des künstlerischen Schaffens Raschdorffs, der Berliner Dom, ist in Lage, Massenwirkung und künstlerischer Durch¬ führung freilich nicht ganz ohne Widerspruch geblieben. Der Dom bildet den vorläufigen Endpunkt einer lan¬ gen und vielseitigen Reihe von Bauwerken, die durch den Jubilar errichtet wurden und welche so ziemlich das ganze Gebiet des Hochbauwesens umfassen. Kirchliche Gebäude in einer Reihe von Orten in Oberschlesien, die Wiederherstellung der bereits genannten alten roma¬ nischen Kirchen in Köln, eine Kirche in Langenberg a. Rh., Grabkirchen in Potsdam für Kaiser und Kaiserin Friedrich, in Muskau für den Grafen Arnim, in Ober¬ schlesien für den Fürsten Donnersmarck, in Schönlinde in Böhmen eröffnen diese Reihe. Die Friedhöfe in Köln, Lorch, Ruhrort und Grevenbroich bergen zahl¬ reiche Grabdenkmale, die nach den Entwürfen Rasch¬ dorffs zur Ausführung gelangten. Lehranstalten für Kunst und Wissenschaft, zum grössten Theil ausgeführt, zum Theil aber auch nur Entwurf geblieben, oft im Wett¬ bewerbs-Verfahren errungen, schuf Raschdorff für Köln, Düsseldorf, Berlin, Strassburg i E., Bielefeld, Siegen, Mülheim a. Rh., Mayen, Rinteln, Hanau, Düren, Bonn, Homberg und Leipzig. Das Museum Wallraf-Richarz in Köln wurde von ihm 1861 nach Stülers Skizzen entworfen und ausgeführt. Die grösste Zahl seiner wissenschaftlichen Lehranstalten erhielt Köln, die bedeutendste war der Aus¬ bau der Technischen Hochschule in Berlin nach Lucaes Tode und die Errichtung des Gebäudes für Naturwissen¬ schaften hier. In der Gruppe der Verwaltungs-Gebäude steht an erster Stelle die Wiederherstellung und die Erwei¬ terung des Rathhauses in Köln. Es folgen das Provinzial- Ständehaus für Düsseldorf, Postgebäude für Braunschweig, 336 Erfurt, Heidelberg, Hamburg, die jedoch vou der Ver¬ waltung selbst, zumtheil unter erheblichen Abweichungen vom ursprünglichen Entwurf, ausgeführt wurden. Der Justizpflege dienen die Strafanstalten in Ratibor und Köln und das Amtsgericht in Langenberg. Gebäude für die öffentliche Gesundheitspflege erhielten nach Raschdorffs Entwürfen Köln, Bielefeld, Knechtsteden a. Rh., Linden¬ burg bei Köln, Meiningen, Krefeld, Oberschlesien, Kreuz¬ nach, Bonn und Düren. Gebäude für den geselligen Verkehr erstanden in dem Festhause Gürzenich in Köln, das wieder¬ hergestellt und nach einer Zwirner’schen Skizze erweitert wurde; in dem Stadttheater in Köln (1870—72), dem Kasino Saarbrücken, sowie in einer Reihe anderer Bauten in Köln. Hier liegt, wie schon erwähnt, der unbedingte Schwerpunkt der Thätigkeit des Meisters; das bezieht sich auch auf die Geschäfts- und auf dieWohnhäuser. Landhäuser in Rolands¬ eck, Brühl, Ehrenbreitstein, Mehlem und Eitorf, Burghäuser in Marhof bei Köln, Lorch, Heidchen bei Aachen, Etzweiler bei Düren und Weltheroth bei Eitorf führen in aufsteigen¬ der Linie zu den Schlössern Cochem an der Mosel, dem in den Jahren 1874 — 76 ausgeführten Ravenö’schen Besitz, und Bassenheim bei Koblenz, in der gleichen Zeit als Landsitz des Freiherrn Abr. v. Oppenheim entstanden. Erweite¬ rungs-Entwürfe für das königliche Schloss in Berlin und ein Neubau-Entwurf für ein Schloss im Bellevue-Park in Berlin hatten eine praktische Folge nicht. Eine nicht unbe¬ deutende litterarische Thätigkeit ergänzt die Bauthätigkeit. Es ist selbstverständlich, dass eine so ausgebreitete und fruchtbare baukünstlerische Thätigkeit nicht ohne viel¬ fache äusserliche Anerkennung blieb. Zu den bereits er¬ folgten zahlreichen Auszeichnungen wird der Festtag neue bringen. Möge sich der Meister ihrer noch lange in voller Frische erfreuen können! — No. 52. EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUNG. GANG. * * N2- 53. * DEN 4. JULI 1903. * ssssssstsasssts* Die Erweiterung des Rathauses in München. Architekt: Prof. Georg V. Hauberrisser in München. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 340 und 341.) Aenderungen des ursprünglichen Entwurfes gewünscht und auch gemacht wurden; im allgemeinen wurde dieser Entwurf jedoch beibehalten. Gegen den Aus¬ bau des schönen Giebels am Marienplatz, der einem umgearbeiteten Entwurf entsprang, hatten sich Stimmen erhoben, die jedoch dank eines Gutachtens des da¬ maligen Baurates und Dombaumeisters Franz Den- zinger zum Schweigen gebracht wurden. Die zweite Bauperiode fällt in die Zeiten vom s ist ein schöner Brauch, dass die Städte schon seit Alters denjenigen Gebäuden, die der Oeffentlichkeit dienen, eine sorgfältige bauliche Ausgestaltung gaben und nament¬ lich sind es die Rathäuser, denen man diese Sorgfalt zuteil werden liess. Eines der be¬ merkenswertesten Beispiele dieser Art aus der Gegen¬ wart ist das neue Rathaus in München. Dasselbe liegt in der Mitte der Stadt und wird, wie der untenstehende linie den Teil der ersten und zweiten, westlich der¬ selben den Teil der letzten Bau¬ periode, die noch nicht abge¬ schlossen ist. Aus einer im Jahre 1865 ver¬ anstalteten Rathausbau - Konkur¬ renz ging der Architekt Georg Hauberrisser als Sieger hervor; ihm wurden auch die Ausführungs- Arbeiten übertragen und er be¬ gann im Jahre 1867 mit den Bau¬ arbeiten des ersten Bauteiles. Am 25. Aug. 1867 wurde der unter den östlichen Doppelsäulen des Hauptportales am Marienplatz be¬ findliche Grundstein gelegt und im Jahre 1873 war dieser Bauteil bis auf einige innere Einzelheiten vollendet. Esistnaturgemäss, dass im Laufe der Bauzeit mancherlei fertig gestellten Rathauses umfasst 9150 q™, wovon 4600 qm auf den ersten Bauteil (1867 — 1873) und 4550 qm auf den Ausbau entfallen. Wirklich über¬ baut wurden in der ersten Periode 3725 p X o co N h 5 z H X ip h 33 u Z < * z p p co p z Q Z z p 33 o < 2 III d H N P X * x X * EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 55. * DEN 11. JULI 1903. * «sssssssssssss Der Hauptsaal der Dresdener Städte -Ausstellung. Architekt: Fritz Schumacher in Dresden. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite cc2 u. 353.) ei der Umgestaltung des grossen Haupt¬ saales des Dresdener Ausstellungs-Gebäudes, der bereits dreimal — von Wallot, Gräb- ner und Kreis — • in ein völlig neues Ge¬ wand gekleidet wurde, hat der Architekt mit einer grossen Schwierigkeit zu kämpfen: er muss seine Absichten so einrichten, dass die reiche feste Archi¬ tektur, die der Saal besitzt, unter der neuen Hülle völlig unversehrt bleibt. Im vorliegenden Fall war dieser Kampf mit gegebenen Elementen äusserlich dadurch erschwert, dass der Architekt mit weit geringeren Mitteln wie seine Vorgänger zu arbeiten hatte, innerlich aber vor allem dadurch, dass er im Saale Raum schaffen musste für mehrere Dutzend grosser Bauten-Modelle und einige hundert M 7 1 > M Ja — — ( — =— . x . dx = Jb — — / — — — xd: r, 2 oJ E . Ja 2 oJ L . Jb . 2 Fa2 x2 T 2 Fb2 «2 , , hierin ist Jn — - . ; J,. — - . — ; demnach 0 4 h- u h Xx2 x /i2 . 4 Ja — 2 O' S h2 Jb 3 W./13 2 Fa2x2 Xh 3 4 li2 ’ Xh 3 , . . f = , i ; analog folgt X 9 Fb2 W. a2 9 Fb2 ’ demnach und W — X = l2.W a2 T b2 a2 T b2 Die Auflagerdrücke der Sparren sind daher: W . h a _ W ■ h b J~L 7 * ö " 7ö t -D 7 • -f b 2 + b2 d. h. die wagrechten Querschnitte der Pyramide bleiben unter dem Einfluss des Winddruckes Eoenen, Die weitere statische Berechnung des Helmes soll hier unterbleiben, da nur die grundlegenden Vorzüge der Moller’schen Kon¬ struktion hervorgehoben werden sollten. Man sieht schon bei einem Vergleich der Systeme, dass das Moller’sche eine bedeutende Holzersparnis bedeutet, selbst wenn man die Ecksparren gegen die des Leitholf’schen Ent¬ wurfes bedeutend verstärkt. Das statische System ist in beiden Fällen nur angenähert zu berechnen. Das System der sich überschneidenden Fachwerke hat nicht den Vor¬ zug, statisch bestimmt zu sein. — W. Thiel in Berlin. Mittheilungen aus Vereinen. Mittelrheinischer Arch.- und Ing.-Verein zu Darmstadt. Innerhalb des nunmehr zu Ende gegangenen ersten Halb¬ jahres 1903 fanden unter dem Vorsitz des Hrn. Imroth eine Anzahl bemerkenswerter Vorträge an den Vereins¬ abenden statt. In der Vers, am 5. Januar machte Hr. v. Weltzien Mitteilungen über die geschichtliche Entwicklung von Augsburg. Auf die interessanten Ausführungen des Redners, der als Vertreter des Vereins die vorjährige Wanderversammlung des Verbandes in Augsburg besucht hatte, versagen wir uns mit Rücksicht auf die ausführ¬ licheren Mitteilungen über denselben Gegenstand gelegent¬ lich genannter Versammlung*) näher einzugehen. Mit einem Hinweis, dass auch die modernen Gebäude Augsburgs das Theater, die Bibliothek, das Justizgebäude und mehrere städtische Schulen neben den alten Bauten volle Beachtung verdienten, schloss der inhaltvolle und ansprechendeVortrag. Einen anschaulichen Ueberblick über den meteoro¬ logischen Dienst im Grossherzogtum Hessen gab Hr. Dr. Greim in der Versammlung vom 19. Januar. Nach einleitenden Worten über den Zweck der meteorologischen *) Vgl. Dtsche. Bauztg. Jhrg. 1902 S. 499. 15. Juli 1903. Beobachtungen schilderte der Vortragende die Verhältnisse vor der Einführung der seit 1901 zustande gekommenen Neuorganisation dieses Dienstes, welche nunmehr mit dem Grundsatz der freiwilligen Beobachter völlig brach und eine geordnete Einteilung in Stationen (2. und 3 Ordnung und Regenstationen) unter der Leitung des der Ministerial- Abteilung für Bauwesen angegliederten hydrographischen Bureaus mit sich brachte. Das Verfahren bei den Be¬ obachtungen wurde genau beschrieben und an einigen praktischen Beispielen der Nutzen hervorgehoben, welchen die Beobachtungen für die Planung von Bauten für Kanäle, an Flüssen und Talsperren, sodann die Niederschlags¬ und Schnee-Beobachtungen für die Land- und Forstwirt¬ schaft, die Luftdruck Beobachtungen für gewisse Quellen (Nauheimer Sprudel) haben; endlich wurde auch betont, dass zur Klarstellung von Prozess-Angelegenheiten eben¬ falls das hydrographische Bureau von Justizbehörden ver¬ schiedentlich in Anspruch genommen worden sei. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Aussprache, in welcher durch Hrn. Koch die Wichtigkeit der meteorologischen Wissen¬ schaft und ihrer praktischen Uebung für Wasserbautech¬ niker gewürdigt und angeregt wurde, Beobachtungen an einzelnen Stationen auch auf die Verdunstungshöhe aus¬ zudehnen. Hieran schlossen sich noch Mitteilungen des 359 Vorsitzenden Hrn. Imroth, dessen Leitung das hydro¬ graphische Bureau untersteht, über die künftigen Auf¬ gaben des Bureaus, wie Darstellungen der Bewegung der Pegelstände, Anfertigung einer Wasserkarte, eines Wasser¬ buches, Angaben über Klimatologie u. dergl. Ein besonderes Interesse bot der stark besuchte Ver¬ einsabend am 2. Februar durch die Mitteilungen des Hrn. Hofmann über den Stand der Arbeiten zur Wieder¬ herstellung des Wormser Domes. Seit einer Reihe von Jahren in seiner Eigenschaft als Dombaumeister mit Untersuchungen an dem ehrwürdigen Bauwerk befasst, war der Vortragen¬ de wie kein zweiter in der Lage, dieFra- ge der Wiederher¬ stellung des Domes und deren Ent¬ stehen klar darzu¬ legen. Ausgehend von einem gedräng¬ ten Ueberblick, der das wechselvolle Schicksal desBaues, dem näher Prüfen¬ den zugleich aber die Ursache seines Verfalles — dieFeh- ler der Gründung — vor Augen führte, besprach Redner kurz die verschie¬ denen von hervor¬ ragenden Fachmän¬ nern erstatteten Gutachten, die Ver¬ handlungen des Kunstrates und die durch die genauen Fundament -Unter¬ suchungen als rich¬ tig bestätigte Stell¬ ungnahme desDom- baumeisters, welche schliesslich denSieg davon trug und zu der Abtragung der Vierungskuppelund Niederlegung des Westchores und zu deren nun als voll¬ kommen gelungen zu bezeichnenden Wiederaufbau führ¬ te. Bei dem Bericht über die Hauptver Sammlung des Ver¬ eins, die am 4. Juli in Worms stattfand und mit einer Be- sichtigungdesDoms unter Hofmanns Leitung verbunden war, wird Gelegen heit sein, aufgrund eigener Anschau¬ ung auf das Em zelne des Vortrages und der Wieder¬ herstellung über¬ haupt zurückzu kommen. In der Vers, am 1 6. F ebruar hielt Hr. Klingelhöffer Vortrag über „Neu¬ ere Gerichts¬ und Gefängnis¬ bauten imGross- herzogtum Hessen“. Nach einigen einleitenden An¬ gaben über das staatliche Hochbauwesen in Hessen im Allgemeinen und nach Mitteilungen über den Geldwert der im Geschäftsbereich der Ministerien der Finanzen und des Inneren errichteten Gebäude und die dafür aufge¬ wandten Unterhaltungsbeträge ging der Redner auf die Bauten im Bereich des Justizministeriums über, deren Wert auf 9 bis 10 Mill. M. zu schätzen ist, während für die laufende Unterhaltung jährlich 90000 M. aufgewendet werden. Dabei entstanden in den letzten 12 Jahren Neu¬ bauten im Betrage von zusammen 4 Millionen M. und es sind im Bau begriffen solche für etwa 2 Mill. M. Die erhöhte Bautätigkeit in den letzten Jahren ist aus der Einführung des bürgerl. Gesetzbuches, der Anlegung von Grundbuchämtern usw. im wesentlichen mit zu erklären. Zurzeit bestehen etwa 50 Amtsgerichte, von welchen 30 in dem Staate gehörigen, 20 in gemieteten Gebäuden unter¬ gebracht sind. Von den ersteren wurden eine Anzahl näher besprochen und hierbei die verschiedenen Anlage¬ typen erläutert. Im Anschluss hieran folgten noch Mit¬ teilungen über den Bau von Haftlokalen. Nach Erwäh¬ nung der Zellen- Gefängnisse und Landes Zuchthäuser wurde noch näher auf das im Bau be¬ griffene grössere Justiz - Gebäude in Darmstadt einge¬ gangen und auf den in Mainz geplanten Justizpalast hinge¬ wiesen, für welchen Pläne durch ein all¬ gemeines Preisaus¬ schreiben gewon¬ nen worden sind. Am 28. Februar fand im Darmstädt. Hof das Winterfest in üblicher Weise unter starker Be¬ teiligung statt und hatte einen guten Verlauf. Sehr fesselnd ge¬ staltete sich auch der am 16. März von Hrn. Pütz er gehaltene Vortrag über den „Neubau derlutherischen Sankt Matthäus- Kirche in Frank¬ furt a. M.“, ein Bau, dessen Uebertra- gung dem genann- tenArchitekten auf¬ grund eines Wett¬ bewerbes zuteil wurde. Eine nähere Besprechung kann unter Hinweis auf die in No. 41 des „Zentralbl.derBau- verwaltg.“ erschie¬ nene Veröffentlich¬ ung unterbleiben. In der Vers, am 30. März sprach Hr. Sch mick über die von ihm entworfe¬ nen und unter sei- nerOberleitungaus- geführten Wa s ser- bauten zum Ele¬ ktrizitätswerk Wangen a. d.Aare (Schweiz). Die gan¬ ze Anlage, welche für die Ausnutzung der Wasserkräfte ein überaus lehr¬ reiches Beispiel ab¬ gibt, ist den Lesern der „Dtschn. Bztg.“ in den ausführ¬ lichen in No. 49 und 51 enthaltenen Darlegungen veran¬ schaulicht worden. Der Verein folgte dann noch am 6. April einer Ein¬ ladung des historischen Vereins, in welchem Hr. Meissner einen Vortrag über die Baugeschichte der Abtei Seligenstadt a. M. hielt, deren Zeitabschnitte von den vorkarolingischen bis zu den späteren Bauten aufgrund der von dem hessischen Finanzministerium ver- anlassten Untersuchungen und anhand selbstgefertigter Auf¬ nahmen verfolgt wurden. Am 4. Juli fand die Hauptversammlung (Wander¬ versammlung) des Vereins in Worms statt. — Haus Wiesenack in Grunewald. Architekten: Ludw. Ott e & Wipp erlin g in Berlin. No. 56. Vermischtes. Neuerungen in der Koptoxyl-Fabrikatlon. Unter „Kop- toxyl" versteht man bekanntlich ein Erzeugnis der Firma B. Harras in Böhlen, das dadurch entsteht, dass dünne, in mehrfacher Lage kreuzweise aufeinander gelegte Holz- fourniere nach Einbringung eines Kittes zwischen den einzelnen Lagen unter hohem hydraulischem Druck auf etwa die Hälfte der früheren Dicke zusammengepresst werden. Das Holz wird dabei nach Aufstreichung des Kittes, dessen Zusammensetzung Geheimnis ist, auf beiden Seiten der Fourniere zunächst in grossen Heizräumen voll¬ kommen getrocknet. Erst nach völliger Zusammenziehung erfolgt auf trockenem Wege die Zusammenpressung. Da¬ her erklärt es sich, dass Koptoxylplatten im Gegensatz zu auf gewöhnlichem Wege verleimten Holze, das hierbei erst noch Feuchtigkeit aufnimmt, nach dem Zusammenpressen selbst bei grosser Hitze nicht mehr schwindet oder sich wirft. Das Koptoxyl wird daher neuer¬ dings zur Verklei¬ dung von Heiz¬ körpern ver¬ wendet. VonVor- teil ist dabei, dass die durchlochten Koptoxyl-Platten sich in den man¬ nigfachsten Mus¬ tern hersteilen und dem Stile der Paneele anpassen lassen. Der oft störendeEindruck der blechernen Verkleidungen kann dadurch leicht umgangen werden. — Eine weitere Anwen¬ dung dieses Fabri¬ kates ist diejenige zu Kranken¬ haustüren. Die vonseiten der Hy¬ gieniker empfoh¬ lene Bildung ganz glatterTürflächen unter Vermei¬ dung jeden Win¬ kels, derzuBakte- rien - Ablagerun¬ gen geeignet ist, lässt sich in der üblichen Art der Holz ver arbeitun g nur mit hohen Kosten erreichen, während sich aus Koptoxyl - Platten Krankenhaus¬ türen mit beider- , seitig glatten Flä¬ chen nach ge schützter Kon¬ struktion leicht hersteilen lassen. Sitzungssaal im Regierungsgebäude zu Rudolstadt, ausgef. in Koptoxyl-Architektur. Auf ein Blind- Architekt: Adolf Hartung in Berlin, rahmenwerk wer¬ den beiderseits Koptoxylplatten aufgeleimt, sodass das Rahmenholz gestützt und verstärkt wird und kein Quellen, Reissen, Senken der Türen mehr eintreten kann. Neben hoher Haltbarkeit derselben wird der Tür noch der Vorzug der Schalldämpfung durch den inneren Hohlraum zuge¬ sprochen. Durch Ausfüllung desselben mit Kieselguhr oder Schmirgelkork kann der schallsichere Abschluss der Kran¬ kenzimmer von einander noch verstärkt werden. Die Türen können ausserdem durch eine im Inneren derselben ein¬ gespannte Eisenblechplatte feuerfest und diebessicher ge¬ macht werden. Diese glatten Türen lassen sich übrigens durch Intarsien ohne jeden Vorsprung in ansprechender Weise dekorieren. Dieselbe Türkonstruktion lässt sich auch mit Füllungsteilung ausführen, indem die Rahmenhölzer in entsprechender Stärke beiderseits aufgeleimt werden. Ein Beispiel dieser Ausführungsart zeigt unsere Abbildung, welche den Sitzungssaal des Regierungs - Gebäudes in Rudolstadt wiedergibt. — Die Versuche, auf Koptoxyl zu malen, haben ebenfalls günstige Erfolge gezeitigt. Die Benutzung von Koptoxyl -Wandplatten zu Gemälden bietet mancherlei Vorteile, die z. T. in der Maltechnik selbst liegen, zumteil darin bestehen, dass ein Platzen, Reissen oder Abspringen der bemalten Flächen ausge¬ schlossen ist und dass schliesslich die Wandgemälde nach Bedarf leicht entfernt werden können. Koptoxyl-Telephonzellen, die versetzbar mit seit¬ lichen Lichteinlässen hergestellt werden, haben sich als schallsicher bewährt und werden von öffentlichen An¬ stalten, Hotels, Fabriken schon häufig verwendet, weil sie sehr geringen Raum erfordern und an jeder Wand oder frei im Raum aufgestellt werden können. — Die geplanten Hafenanlagen der Stadt Berlin an der Oberspree sind ihrer Verwirklichung anscheinend wieder einen Schritt nä¬ her gekommen. DieFrage derHer- stellung ausrei¬ chender Hafen¬ anlagen, denen auch Eisenbahn- Anschluss ver¬ schafft werden kann, beschäftigt die beteiligten Kreise schon seit langem. Es ist wohl ein Jahr¬ zehnt her, dass die Aeltesten der Kaufmannschaft den Plan eines solchen Hafens ausarbeiteten, der mit Speichern ausgerüstet den langen schmalen Uferstreifen am rechten Ufer der Spree zwischen der Oberbaum¬ brücke und der Ringbahnbrücke einnehmen sollte. Die Stadtgemein¬ de, dieinzwischen den Hafen am Urban ausgeführt hat, brachte die¬ sem Gedanken damals nicht ein entsprechendes Interesse entge¬ gen, wie man überhaupt mehr geneigt war, die Schaffung von Lösch- und La¬ de-Gelegenheiten alseinePflichtdes die Wasserstras¬ sen besitzenden Fiskus anzusehen. Diese Anschau¬ ung hat sich in¬ zwischen, wenig- stensimMagistrat, anscheinend we¬ sentlich geändert und namentlich ist der derzeitige Stadtbrt. Fr.Krause, der von Stettin her an städtische Initiative auf diesem Gebiete ge¬ wöhnt war, wohl die treibende Kraft nach dieser Richtung gewesen. Der Magistrat hat durch ihn einen Entwurf zu einer Hafenanlage ausarbeiten lassen, der sich ebenfalls auf das oben genannte Gelände bezieht, das in seiner ge¬ streckten Länge von rd. 1360 m Wasserfront, an einer durchgehenden Verkehrsstrasse, der Stralauer Allee, ge¬ legen und mit der Anschlussmöglichkeit an die Ringbahn sich zu diesem Zwecke ganz besonders eignet. Der Hafen soll mit ausreichenden Ladegleisen zum Ueberladen von Schiff in Bahn, mit einem Getreidespeicher für 50 000 1 (mit teilweisem Ausbau als Silo), Lagerschuppen und zahl¬ reichen Kranen ausgestattet werden. Die Kosten der Anlage ohne den im städtischen Besitz befindlichen Grund und Boden sind auf 7,5 Mill. M. veranschlagt. Die Berliner Handelskammer hat sich zu diesem Plane gutachtlich und 15. Juli 1903 361 im wärmsten Sinne zustimmend geäussert. Sie hält die schleunige Schaffung eines solchen Hafens für die Weiter¬ entwicklung des Verkehres und die volle Ausnutzung der BerlinerWasserstrassen für eine dringende Notwendigkeit. — Für die IV. Wanderversammlung des Internationalen Ver¬ bandes für die Materialprüfungen der Technik, die, wie wir bereits in No. 33 d. J. mitteilten, im Jahre 1904 in St. Peters¬ burg stattfinden wird, und zwar in der Zeit vom 18. — 24-Aug., sind die Vorbereitungen unter Beteiligung des Geh. -Rats Prof. Belelubsky bereits im Gange. Die Arbeiten des Kongresses werden mit einem Ausflug nach Moskau und einem Festmahle daselbst abschliessen, ausserdem ist ein Ausflug nach den finnischen Wasserfällen geplant. Die in Druck zu legenden Berichte, Vorträge und Anträge müssen bis spätestens zum 15. Januar 1904 an den der¬ zeitigen Verbandsvorsitzenden Hrn. Prof. L. v. Tetmajer in Wien eingesandt werden. — - Ehrendoktoren der Technischen Hochschule in Berlin. Zu Ehrendoktoren sind kürzlich auf Senatsbeschluss vom 8. Mai d. J. auf Antrag der Abt. für Schiff- und Schiffsmaschinen¬ bau ernannt worden die Herren: Kommzrt. Stahl in Bredow-Stettin, Dir. der Stettiner Masch.-Bau-A.-G. „Vul¬ kan“, in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Ausgestaltung und Entwicklung des deutschen Schiffbaues; Geh. Kommzrt. Ziese in Elbing, Ing. und Inhaber der Schichauer Werke Elbing und Danzig, in An¬ erkennung seiner hervorragenden Verdienste um die kon¬ struktive Durchbildung und Ausgestaltung des deutschen Kriegs- und Handelsschiffbaues; sowie auf Antrag der Ingenieurabt. und Senatsbeschluss vom 22. Mai d. J. Hr. Baudir. C. von Bach in Stuttgart, Prof, an der Techn. Hochschule in Stuttgart, wegen seiner hervorragenden Ver¬ dienste um die wissenschaftliche Entwicklung des Ma¬ schinenbaues und seiner bahnbrechenden Tätigkeit als aka¬ demischer Lehrer und Forscher. — Die Raschdorff Ausstellung ln der Technischen Hoch¬ schule in Charlottenburg ist ausser von 10 — 2 Uhr nun¬ mehr auch von 2 — 5 Uhr geöffnet. — Preisbewerbungen. Wettbewerb betr. Entwürfe zu Fassaden am Schloss¬ platz in Königsberg i. Pr. Wir werden gebeten, darauf htnzuwirken, dass die Einsendungsfrist für die Entwürfe dieses Wettbewerbes (15. Aug.j mit Rücksicht auf die Reisezeit und im Hinblick auf andere gleichlaufende Wett¬ bewerbe verlängert werde und stehen nicht an, diesem Wunsche im Sinne der interessanten Aufgabe zu ent¬ sprechen. Eine Verlängerung der Frist bis 15. Sept. oder i.Okt. lässt sich vielleicht ohne Schwierigkeit ermö glichen. — Zur Erinnerung an Theophil Hansen. b'^yls ist ein bemerkenswertes S}fmptom, dass in diesen I Tagen in Wien der 90. Geburtstag des am 13. Juli 1813 in Kopenhagen geborenen und am 17. Febr. 1891 in Wien gestorbenen Meisters des Wiener Parlaments- Gebäudes, der Börse und einer bekannten Reihe anderer Wiener Monumentalwerke mit einer gewissen Lebhaftigkeit und unter zahlreicher Teilnahme der Kunstkreise und des Bürgermeisters von Wien, dessen Ehrenbürger Hansen war, begangen wurde. Am 8. Juli fand in der Aula der Aka¬ demie der bildenden Künste die vom Hansen-Klub ver¬ anstaltete Feier statt, bei welcher Prof. F. v. Feld egg, ein Hansen-Schüler, die Festrede hielt, um zu sagen, was Hansen seinerzeit gewesen und was seine Wirksamkeit heute noch bedeute. Der Schüler feierte den Meister als einen modernen Baukünstler, der Zweck und Bedürfnis fest im Auge behielt und dessen Streben stets auf das Monumentale gerichtet war. Sein grosser Erfolg als Lehrer beruhte einmal darauf, dass Hansen eine volle Persönlich¬ keit gewesen sei, und dass er andererseits ein Künstler voll echter Begeisterung und lauterer Ueberzeugungstreue war. „Und da unsere Zeit deutlicher als die ihr vorausgegan¬ genen Jahre erkennt, dass es auch in der Kunst wesent¬ lich darauf ankommt, aus Eigenem ursprünglich zu ge¬ stalten, so ist auch unsere Zeit berufen, einem Künstler wie Hansen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, in ihm einen Vorläufer ihres eigenen Glaubens zu erkennen. Hansen ragt, als Künstler von höchster Initiative und Eigen¬ art in unsere Tage, er ist ein moderner Meister“. — Bei dieser Gelegenheit gibt die „N Fr. Pr.“ ein Ge¬ spräch mit k. k. Ob. -Brt. Alexander v. Wielemans wie¬ der, welches eine Reihe so bemerkenswerter Züge ent¬ hält, dass es unseren Lesern zur Erinnerung an den nun¬ mehr schon mehr als ein Jahrzehnt heimgegangenen grossen Architekten willkommen sein wird. Wielemans äusserte In dem Wettbewerb des „Bayerischen Arch.- und Ing.- Verelns“ betr. Skizzen für die Bebauung des Geländes der ehemaligen Maschinenbau-Aktiengesellschaft am Laufertor- graben in Nürnberg liefen 7 Entwürfe rechtzeitig ein. Der I. Preis kam nicht zur Verteilung; aus der Preissumme wurden ein II. und zwei III. Preise gebildet. Den II. Preis von 1100 M. errang der Entwurf des Hrn. R. Senf in Gemeinschaft mit M. Schneider in Lindau; die beiden III. Preise von je 850 M. fielen den Hrn. Aug. Blössner in München und P. Bonatz in Stuttgart zu. — Der Wettbewerb der „Vereinigung Berliner Architekten betr. Entwürfe für ela Stationsgebäude Zehlendorf-Beeren¬ strasse der Wannseebahn war mit 17 Arbeiten beschickt. Mit dem I. Preise wurde der Entwurf „Ohne Ornament“ des Hrn. G. Hart ausgezeichnet; zwei II. Preise wurden den Entwürfen „Es ist so wenig usw.“ des Hrn. Eugen Kühn und „Wannseebahn" des Hrn. Otto Kuhlmann zu erkannt. — Bücher. Ueber Ermittelung der Einheitspreise für Steinmetzarbeiten. Von Prof. R. Heyn in Dresden. Wiesbaden, 1903. C. W. Kreidel’s Verlag. Pr. 80 Pf. Das vorstehend angekündigte Werkchen ist ein sehr an¬ erkennenswerter und nach meinem Dafürhalten glücklicher Versuch, die anschlagsmässige Ermittelung von Einheits¬ preisen für Steinmetzarbeiten auf eine zweckmässige Weise zu bewirken. Bisher behalf man sich meist mit erfahrungs- mässigen Ueberschlagspreisen für gewisse Klassen von Steinmetzarbeiten nach ihrem Kubikinhalte (cbm), wollte man nicht aufgrund ausführlicher Werkzeichnungen sich die Preise der Arbeiten bei Sonder-Fachleuten einholen, denen man sich jedoch im Voraus dadurch verpflichtete. Vorstehendes Schriftchen sucht nun unter Berücksichtigung aller einschlagenden Verhältnisse, wie der Flächeninhalte bei verschiedener Oberflächen-Bearbeitung unter Zugabe des sogen. Arbeitszolles (2 cm), der dafür nöthigen Arbeits¬ zeit, der verschiedenen Härte des Materiales, des sich er¬ gebenden Abfalles, der Gestalt der Flächen und schliess¬ lich des Rohmaterialpreises, wie der Transportkosten alge¬ braische Ansätze oder Formeln zusammenzustellen, in welche nur die auf Erfahrungen beruhenden jeweiligen Lohnpreise (Stundehlöhne) und Materialwerte eingesetzt zu werden brauchen, um einen zutreffenden Gesamtpreis für die betr. Arbeiten zu erhalten. Eine Anzahl von Bei¬ spielen sind zur näheren Erläuterung ausgeführt. Obwohl besonders für Elbsandstein- und (sächs.) Granit¬ arbeiten berechnet, lässt sich doch diese Methode der Ver¬ anschlagung auch für alle anderen Verhältnisse anwenden, wenn nur die den erwähnten Gesteinsarten entsprechenden über den als 33 jähriger Mann 1846 nach Wien gekomme¬ nen Meister: „Ich bin kein Schüler Hansens, ich kann mich aber zu seinen Freunden zählen und ich hatte wieder¬ holt Gelegenheit, mit ihm kollegial zu verkehren, über Kunstprobleme zu debattieren und zu — streiten. Hansen kannte und anerkannte nur die griechische Antike; er hielt alles Folgende in der Baukunst für schlecht, verfehlt; er predigte immer wieder die Rückkehr zur Antike, zur Kunst des perikleischen Zeitalters. Schon die Römer behagten ihm nicht mehr. Seine Lebensarbeit war, die griechischen Formen für moderne praktische Zwecke zu verwerten. In Athen durfte er auch den köstlichen Marmor verwen¬ den, und so kann seine Akademie daselbst als sein voll¬ endetstes Werk bezeichnet werden. Er pflegte zu sa¬ gen, wenn von der antiken Herrlichkeit in 200 bis 300 Jahren nichts mehr übrig bleiben werde — würden seine Werke in Athen, zum Beispiel das Haus des Demetrius, die Akademie, die beste Vorstellung von der antiken Baukunst geben. Im Wiener Parlaments-Ge¬ bäude durfte er den Forderungen des modernen Lebens nicht ganz aus dem Wege gehen, aber auch hier betonte er in allem die Antike. Da er die römische Kunst als minderwertig hasste, trat er auch in scharfen Gegensatz zu Semper. Auf der Wiener Akademie, als er einem Schüler die Zeichnung korrigierte, rief er aus: „So — nota bene wie ich — haben es die Griechen gemacht! So die Römer! Und so machen Sie es!“ Seine Begeiste¬ rung für die antike Welt erwachte schon während seiner Studienzeit in Kopenhagen. Thorwaldsen dürfte ihn mächtig beeinflusst haben. Aus seiner Kopenhagener Zeit stammt der Entwurf zu einem Zirkus in streng griechischer Auffassung. Das Waffenmuseum im Arsenal hat seinen Wiener Ruhm begründet; hier behandelte er — da es mit der Antike nicht ging und das Kriegsministerium als Besteller nicht so perikleisch fühlen wollte wie er — byzantinische Motive in sehr glücklicher Weise. Derselbe Hansen konnte auch Gotiker sein, wie das Schloss Hornstein beweist. No. 56. 362 Härtegrade, ortsüblichen Preise usw. berücksichtigt wer¬ den. Es sei daher vorstehendes Werkchen den Fachge¬ nossen, insbesondere jüngeren und ungeübteren, em¬ pfohlen, zumal für letztere das Buch im Format der Kolle¬ gienhefte gehalten ist und als Ergänzung der Vorträge über Veranschlagen benutzt werden kann. Der Preis (80 Pfg.) ist ein sehr mässiger. — Prof. A. Gottschaidt, kgl. Baurt. in Chemnitz. Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Reiff, H. , Ob.-Reg.-Rat. Neue allgemeine Bauordnung für das Königreich Württemberg mit den Voll¬ zugs-Bestimmungen und weiteren auf das Bauwesen sich be¬ ziehenden Gesetzen, Verordnungen und sonstige Vorschriften. Stuttgart 1902. W. Kohlhammer. Pr. 4 M. Ruff, Franz, Ziviling. Auskunftsbuch für statische Be¬ rechnungen (Schnellstatiker). Kräftepläne zu Fach- weiken, Tabellenmagazin, Vorschriften für stat. Berechnungen usw. auf dem Gebiete des Bau- und Ingenieurwesens in neuester Anordnung. Frankfurt a. M. Schneider, J. Finanzieller Berater in allen Grundstücks¬ und Hypotheken- Angelegenheiten des städt. Grundbesitzes. Berlin S.W., Herrn. Schild. Schneider, M., Ing. Die Maschinen-Elemente. Ein Hilfs¬ buch für technische Lehranstalten sowie zum Selbststudium geeignet in 2 Bänden. 7. Liefrg. : Zahnräder und Reibungs¬ räder, mit 13 Taf. Braunschweig 1903. Fr. Vieweg & Sohn. Pr. 4,50 M. von Seiller, Hugo, Ing. Die Zentralheizung. Ein Leit¬ faden zur Projektierung und Berechnung von Heizungsan¬ lagen und zur Beurteilung von Projekten für Baumeister, Architekten usw., mit ixöAbbildgn. Wien 1903. A. Hartleben. Pr. 4. M., geb. 5,40 M. Siedek, Rieh., k. k. Ob.-Baurat. Studie über eine neue Formel zur Ermittelung der Geschwindigkeit des Wassers in Bächen und künstlichen Gerinnen. Sonderdr. aus der Zeitschr. des österr. Ing.- u. Arch.-Vereins 1903. No. 7 u. 8. Wien 1903 Wilh. Braumüller. Dr. Swoboda, Heinr. Zur Lösung der Riesentorfrage. Das Riesentor des Wiener St. Stefansdomes und seine Re¬ staurierung. Wien 1902. Ant. Schroll & Co. Chronik. Eine technische Hochschule in London, welche an die Londoner Universität anzugliedern wäre, soll nach dem Muster der Berliner techn. Hochschule errichtet werden. Die ersten Bau¬ kosten im Betrage von rd. 6 Mill. M. sollen durch freiwillige Bei¬ träge bereits aufgebracht sein. — - Die Wiederherstellung des Schifferhauses an der Treib am Vierwaldstättersee durch Hrn. Arch. E. Probst in Zürich ist kürzlich vollendet worden. — Ein Denkmal Kaiser Ludwigs des Bayern in Welssen- burg a. S. wurde am 5. Juli enthüllt. Das Brunnen-Denkmal wurde durch Bildhauer Dittler entworfen und begonnen und nach dessen 1901 erfolgtem Tode durch Bildhauer Drumm in München vollendet. — Aber als Gotiker trat er insbesondere dem Dombaumstr. Schmidt entgegen, mit dem er persönlich sehr befreundet war. Schmidt bevorzugte das Konstruktive, Strenge, Hansen das Dekorative, Zierliche, die reiche Gotik von St. Stephan. Seine Betonung der Antike für moderne Profanzwecke hat im Heinrichshof in Wien ein grossartiges Paradigma für Zinshäuser geschaffen, das in Wien selbst und in ande¬ ren Grosstädten unzähligemale nachgebildet und wieder¬ holt wurde." Als v. Wielemans an seinem Justizpalast in Wien arbeitete, konnte Hansen den Tadel nicht unter¬ drücken: Der Freund hätte zu antiken Motiven zurück¬ kehren, er hätte keine Fehler gegen den „strengen Stil" begehen sollen. „Wie ein Prophet, wie ein Märtyrer trat er für seine Ueberzeugung, für seinen künstlerischen Glauben ein, er war vollständig ruhig, ohne Zweifel in¬ betreff des Sieges seiner Ideen, Da waren auf die Börse, auf das Parlament Schornsteine zu setzen; hässliche Dinge, welche die Griechen nicht kannten. Rasch werden diese Schornsteine in Säulen umgewandelt, aus denen dann die Rauchwolken zum nichtgriechischen Himmel emporsteigen. An der Börse verwendet er Dreifüsse, aus denen es raucht; am Parlament will er das Rauchen durch Aufstellung von Gesellen des Hephästos geläufig machen. Seine Ausdrucksweise war scharf, drastisch, beleidi¬ gend, wenn man seinen antiken Ideen zu widersprechen wagte. Für ihn war ja die alte Kunst Glaubenssache, da ab es kein wenn und aber. Unserem grossen Dombmstr. chmidt rief er einmal bei einem Glase Weines zu: „Smit" — er hatte immer die fremdartige Aussprache — „du hättest als junger Student nach Athen gehen sollen, da wäre aus dir etwas geworden!“ Hansen hatte in Wien keine eigentlichen grossen Schüler. Seine klassische Richtung behauptete sich nicht; Barock und Renaissance bemächtigten sich der Ringstrasse, der Paläste und der Museen. Polychromie lag ihm be¬ sonders am Herzen; Gold, Gold, Gold, er konnte sich an dieser kostbaren Farbe nicht satt sehen. Die gegossenen 15. Juli 1903. Der Neubau der Daimler-Motorenfabrik in Cannstatt erfolgt durch die Firma Wayss & Frey tag in München und Neu¬ stadt a. H. als Eisenbetonbau. Das zweigeschossige Gebäude wird 131m lang und 45 m breit; als Bauzeit werden für dasselbe nur 3 Monate angegeben. — Die Talsperren der Neisse. Von den sechs Talsperren der Görhtzer Neisse, die nach dem Hochwasser des Jahres 1897 nach dem Entwürfe des Hrn. Geh. Reg.-Rt. Piof. Intze in Aachen und mit einem Kostenaufwande von rd. 6,5 Mill Kronen erbaut werden sollen, sind 2 Talsperren, die im Harzdorfer Tal bei Reichenberg i. B. und die im Gebiete der Schwarzen Neisse bei Friedrichswald im Bau. Zu ersterer wurde am 27. Juni der Grundstein gelegt. — Das Melanchthon-Haus in Bretten wird am 20. Okt. d. J. eingeweiht werden. — Zum Bau einer Festhalle in Görlitz, zu welchem bereits 300000 M. vorhanden sind, bewilligten die Stadtverordneten 100000 M. Die Errichtung eines Ledigenheims in München nach dem Vorbilde des Albergo Popolare in Mailand und der englischen Rowton- Häuser ist durch den „Verein für Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse in München“ eingeleitet. Das Heim soll 3—400 Betten fassen und zunächst für männliche Arbeiter bestimmt sein. — Eine Erlöserkirche in Bad Homburg gelangt nach den Entwürfen des Hrn. Brt. Franz Schwechten in Berlin zur Aus¬ führung. • — Die Einweihung einer Bismarcksäule auf dem Hausberge bei Friedrichsruh, nach dem Entwürfe des Hrn. Arch. Wilh. Kreis in Dresden errichtet, hat am Tage der Sommersonnenwende, am 21. Juni d. J., stattgefunden. — Ein neues Gebäude der Handelskammer zu Berlin gelangt nach dem Entwürfe der Architekten Cremer & Wolffenstein in Berlin zur Ausführung. Das Gebäude soll bis Ende 1904 voll¬ endet werden. — Die Erneuerung des Fassadenschmuckes des Maximilia- neums in München, der bisher in Fresken von Piloty, Echter und Diez bestand, ist nunmehr durch die Bayerische Mosaik-Kunst¬ anstalt in München in Glasmosaik erfolgt und nahezu vollendet. — Die Errichtung eines Stadttheaters in Thorn mit einem Bauaufwand von 450000 M. nach den Entwürfen der Architekten Fellner & Helmer in Wien ist nunmehr durch die Stadtverord¬ neten- Versammlung beschlossen worden. — Die Volksheilstätte für Lungenkranke im Regierungs¬ bezirk Koblenz wurde am 1. Juni 1903 ihrer Bestimmung über¬ geben. Dieselbe ist im romantischen Wiedbachtal, 19 km oberhalb der Stadt Neuwied a. Rh., bei Waldbreitbach erbaut und fasst 100 Kranke, sowie 20 Mann Personal. Die Anlage setzt sich zu¬ sammen aus dem Hauptbau mit den Krankenräumen nebst den Liegehallen, dem Wirtschaftsgebäude mit dem Speisesaal, dem Maschinengebäude mit Dampfwäscherei , dem Wohnhause für den Arzt und dem Stallgebäude mit der Maschinisten-Wohnung, sowie einem Eishause. Für die Heizung wurde Niederdruckdampf und zur Beleuchtung elektrisches Licht gewählt; als Krafterzeuger dienen 2 Deutzer Sauggasgenerator-Anlagen. — Die Drahtseilbahn auf den Mendelpass in Tirol, welche die auf 1365 m gelegene Passhöhe mit Kaltem und Bozen ver¬ bindet, wird voraussichtlich im August d. J. eröffnet werden können. Die Drahtseilbahn schliesst an eine bis zum Fusse des Mendelge¬ birges herangeführte Adhäsionsbahn an und überwindet auf 2380 m Länge 850 m Höhe. — Karyatiden des Musikvereinssaales wurden vergoldet, die Säulen des Parlamentes hätten vergoldet werden sollen. Man gestattete ihm einen Versuch an der linken Gebäude- Ecke; man bat ihn hierauf, das Gold zu entfernen. Er liess es mit Deckfarben überstreichen, und heute schlägt, wie er beabsichtigt hat, der goldene Grund wieder durch. Mit Pilcz, der die vier Viktorien geschaffen hat, mit dem um ein Jahr älteren Rahl, der den Pleinrichshof bemalt hat, stand Hansen auf gutem Fusse. Letzterer ging ja ebenfalls antiken Formen nach. Die Viktorien samt Viergespannen wollte Hansen in Guss herstellen lassen, um sie ebenfalls zu vergolden. Für Wandmalereien des Parlamentes hat er ein antikes Verfahren wieder entdeckt: Die Farben wer¬ den auf den feuchten Bewurf aufgetragen und dieser dann mit heissen Eisen „gebügelt", geglättet. Der unermüdliche Architekt war ein sehr beliebter Lehrer. In seinen wenigen freien Stunden war er auch Kleinkünstler in griechischem Geiste; Möbel, Silbervasen und -Aufsätze, Goldschmuck seiner Erfindung haben sich in Wiener Bürgerfamilien erhalten. Rührend war sein Verhältnis zu Ferstel, mit dem er sehr befreundet war. Beide schätzten sich ausserordentlich; Ferstel schrieb ihm vom Sterbebette aus zu seinem siebzigsten Geburtstage (1883): „Allen voran blieb Dein Beispiel maassgebend. In einer Reihe gerade zu rechter Zeit geschaffener Werke hast Du in so überzeugender Weise die alleinige Berech¬ tigung der klassischen Architektur auf dem Gebiete unse¬ res Profanbaues naehgewiesen, dass diese Richtung fortan die maassgebende blieb.“ Mit Hansen ging, im Gegensätze zu Ferstels Prophe- zeihung, der letzte Vertreter der klassizistischen Schule, die in Deutschland unter Schinkel Triumphe gefeiert hatte und auch in Frankreich blühte, von uns. Er war einer der wenigen Baumeister seiner Zeit, welche auf klassischem Boden die klassische Kunst kennen gelernt hatten; er war der letzte Grieche der Baukunst, der den antiken Ideen noch einmal zum glänzenden Siege verhalf." — 363 Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Dem Postbauinsp. Langhoff in Kiel ist der Char. als Brt. mit dem persönl. Range eines Rates IV. Kl. verliehen. — Die Mar. -Bfhr. Peters und Otto Neumann in Danzig sind zu Mar.-Masch.-Bmstrn. ernannt. Baden. Der Reg.-Bmstr. Stauffert iu Gernsbach ist zur Eisenb.-Bauinsp. Basel versetzt Preussen. Verliehen ist: den Geh. Brtn. Karl Schmidt in Kassel, van de Sandt in Münster i. W. und Werchan in Berlin beim Uebertritt in den Ruhestand der Rote Adler-Orden III. Kl. mit der Schleife; — dem Kr.-Bauinsp. Brt. Beilstein in Diez a. d. Lahn, dem Brt. Herzberg in Berlin, dem Stadtrat Arch. Hanau und dem Stadtbauinsp. Wilde in Frankfurt a. M. der Rote Adler-Orden IV. KL; — dem Kr.-Bauinsp. Brt. Arenberg in Kassel aus Anlass des Uebertritts in den Ruhestand der kgl. Kronen-Orden III. Kl. ; — - dem Stadtbmstr. N a t h in Hagen i. W. und dem Arch. v. Kramer in Frankfurt a. M. der kgl. Kronen- Orden IV. Kl. Der Reg.- u. Brt. Herr in Essen ist z. Geh. Brt. und vortr. Rat im Min. der öffentl. Arb. ernannt. Technische Hochschule in C h a r 1 o 1 1 e n b u r g. Die Wahl des Prof. Dr. H e 1 1 n e r zum Rektor für die Amtszeit vom i. Juli 1903 bis dahin 1904, sowie die Wahlen der Hrn. Abt.-Vorst. sind bestätigt worden und zw.: Prof. Dr. Zimmermann für Architektur, Reg.- und Brt. Prof. Grantz für Bauingenieurwesen, Geh. Reg -Rat Prof. Dr. R i e d 1 e r für Masch. -Ingenieurwesen, Prof. Ro m be rg für Schiff- und Schiffsmaschinenbau, Prof. Dr. v. Knorre für Chemie und Hüttenkunde, Geh. Reg. -Rat Prof. Dr. Lampe für Allgem. Wissenschaften. — Der Doz., Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Prof. C a u e r ist z. etatm. Prof, ernannt und ist demselben die Professur für Eisenbahnwesen verliehen. — Dem Arch. H. S e e 1 i n g in Neubabelsberg ist die Erlaubnis zur Führung des Tit. als fürstl. reuss. Brt. ei teilt. Versetzt sind: die Reg.- und Brte. Demanget in St. Joh.- Saarbrücken als Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. nach Kassel, A. W e g n e r (Hochbfch.) in Kassel zur kgl. Eisenb.-Dir. in Frankfurt a. M., Flender in Lissa als Vorst, der Eisenb. -Betr.-Insp. 2 nach Breslau und Dyrssen in Krefeld als Mitgl. (auftrw.) der kgl. Eisenb.-Dir. nach Münster i. W. ; — der Eisenb.-Dir. Ph. Müller in Hagen als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. nach Angerburg; — - die Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Schräder in Lüneburg als Mitgl. (auftrw.) der kgl. Eisenb.-Dir. nach Essen a. R., Wilh. Schmidt in Gera als Mitgl. (auftrw.) der kgl. Eisenb.-Dir. nach St. Joh.- Saarbrücken, Otto Lehmann in Kottbus als Mitgl. (auftrw.) der kgl. Eisenb.-Dir. nach Kassel, Jahn in Breslau als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. nach Gera, Am Ende in Inowrazlaw als Vorst der Eisenb.-Betr.- Insp. 2 nach Kottbus, Menzel in Ostrowo als Vorst, der Eisenb.- Betr.-Insp. 2 nach Inowrazlaw, Eh rieh in Stargard als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. x nach Krefeld, Günter in Morbach als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.- Betr. Insp. 1 nach Fulda, Hässler in Posen als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.-Betr.-Insp. 1 nach Lissa, Kr üger in Hanno¬ ver als V orst. (auftrw.) der Eisenb -Betr.-Insp. nach Lüneburg, M o e s e r in Potsdam als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.-Betr.-Insp. 2 nach Star¬ gard i. Pomm., Linke in Könitz als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.-Betr.- Insp. nach Ostrowo, Heinr. Schaefer in Essen als Vorst, (auftrw.) der Eisenb -Betr.-Insp. 2 nach Hagen i. W., K r o m e in Stettin nach Danzig als Vorst, (auftrw.) der das. neu erricht. Eisenb.-Betr.- Insp. 2, Bernh. M e y e r in Angerburg zur kgl. Eisenb.-Dir. in Königs¬ berg i. Pr., Gutjahr in Dortmund als Vorst, der an die Eisenb.- Betr.-Insp. 3 in Hagen angeglied. Bauabt., Hartwig in Bromberg in den Bez. der kgl. Eisenb.-Dir. in Breslau, Ad. Schräder in Danzig als Vorst, der Eisenb.-Bauabt. nach Neukirchen und Horn in Schwarmstedt als Vorst, der Eisenb.-Bauabt. nach Schmiedeberg i. R. ; — die Eisenb.-Bauinsp. Weule in Essen als Vorst, der Eisenb. -Werkst.-Insp. nach Meiningen , G a d o w in Meiningen als Vorst, der Eisenb.-Werkst.-Insp. 2 nach Dortmund, Trenn in Dortmund als Vorst, der Eisenb.-Masch.-Insp. 2 nach Essen a. R. und Sc he er in Erfurt als Vorst, (auftrw.) der Eisenb -Werkst.- Insp. 1 nach Darmstadt; — der Reg.-Bmstr. Pistor in Danzig in den Bez. der kgl. Eisenb.-Dir. in Posen. Dem Reg.- u. Brt. H, Lehmann im Minist, d. öffentl. Arb. ist die Stelle eines Mitgl. der kgl. Eisenb-Dir. in Berlin verliehen. — - Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Bischoff in Koesfeld ist mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorst, der das. neu erricht. Eisenb.-Betr.-Insp. beauftragt. Versetzt sind: Die Kr.-Bauinsp. Brt. Schultz von Königs¬ berg nach Allenstein und Trimborn von Hersfeld nach Kassel; der Wasser-Bauinsp. Brt. Kn i spei von Köpenick nach Liegnitz; die Reg.-Bmstr. Fritsch von Pforta nach Hersfeld, Hartmann von Emden nach Georgenburg, Rassow von Halle nach Pforta und Raffelsiefen von Frankenberg nach Wormditt. Der Landbauinsp. Dr.-Ing. Muthesius bei der kais. deutschen Botschaft in London ist zur anderweiten Verwendung im Staats¬ dienste abberufen. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Frz. Behrens der kgl. Eisenb.-Dir. in Essen a. R., Papmeyer der kgl. Eisenb.-Dir. in Kassel , Will. W o 1 f f der kgl. Eisenb.-Dir. in Erfurt, Winkelmann der kgl. Eisenb.-Dir. in Kassel und Francke der kgl. Eisenb.-Dir. in Erfurt. Die Reg.-Bfhr. Karl Müller aus Merzig, Frz. Meyer aus Münster i. W., Erwin Linken bach aus Wesel und Wilh. Frhr. v. T e 1 1 a u aus Erfurt (Hochbfch ), — Kurt Michael aus Löbnitz und Frz. Bar nick aus Marienwerder (Wasser- u. Strassenbfch.), — Jos. B e n d i x aus Dülmen und Steph. Horstmann aus Warendorf (Eisenbfch.) , — - Arth. Ehrenhaus aus Berlin, Kurt Dorenberg aus Breslau und Waclaw Suchowiak aus Buk (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Der Geh. Brt. z. D. A 1 1 e n 1 o h in Koblenz und der Kr.- Bauinsp. Brt. Arenberg in Kassel sind in den Ruhestand getreten. Der Reg.-Bmstr. Otto V o 1 1 m a r in Krefeld ist aus dem Staats¬ dienste ausgeschieden. 364 Sachsen. Dem Reg.-Bmstr. K ü c h 1 e r in Oeynhausen ist die Erlaubnis zur Annahme und Anlegung des Ehrenkreuzes IV. Kl. (Ritterkreuz II. Kl.) des fürstl. Lippeschen Hausordens erteilt. Württemberg. Dem Stadtbmstr. a. D. W e n z e 1 in Heilbronn ist das Verdienstkreuz verliehen. Der Prof. Weitbrecht an der Techn. Hochschule in Stutt¬ gart ist z. Rektor für das Studienjahr 1903/4 ernannt. Brief- und Fragekasten. Anmerkung der Redaktion. Die Anfragen für unseren Brief- und Fragekasten häufen sich in der letzten Zeit in einer solchen Weise, dass die Beantwortung derselben bei dem bescheidenen Raum, den wir dieser nur zur Verfügung stellen können, sich gegen unseren Willen vielfach verzögert. Wir sehen uns daher zu der Bemerkung genöthigt, dass wir nur noch die Anfragen von all¬ gemeinem Interesse berücksichtigen können, welchen der Nachweis des Bezuges unseres Blattes beigefügt ist. Wenig Aussicht auf Beantwortung haben ausserdem die Anfragen, deren Erledigung auf dem Wege der Anzeige möglich ist. Grund¬ sätzlich sollte der Briefkasten nur dann in Anspruch genommen werden, wenn andere Wege versagen. — Hrn. Eisenb.-Bau- und Betr.-Insp. M. ln Bremen. In Berlin bestehen folgende Beschränkungen für die Verwendung von Kalksandsteinen. Diejenigen Kalksandstein - Fabrikanten, die ihr Fabrikat in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Rixdorf in Vertrieb bringen wollen, müssen zunächst eine allgemeine Genehmigung er¬ werben. Zu diesem Zwecke unterliegen die Steine einer Prüfung durch die technisch-mechanische Versuchs- Anstalt zu Charlotten¬ burg inbezug auf Festigkeit, Frost- und Wetterbeständigkeit, als¬ dann einer Brandprobe, geleitet durch die Versuchsanstalt unter Zuziehung von Baubeamten der Abteilung III. des königl. Polizei- Präsidiums. Aufgrund des Ergebnisses der Prüfungszeugnisse der Versuchsanstalt wird vom Polizei - Präsidium die Genehmigung für Berlin erteilt unter Festsetzung der Tragfähigkeit (mindestens 7 kg), die je nach der Güte und Beschaffenheit des Baustoffes schwankend ist. Die zulässigen Beanspruchungen der Steine der verschiedenen Fabriken bewegen sich in den Grenzen von 7 — 14 kg für 1 qcm. Bei 14 kg werden sie den Hartbrandsteinen gleichwertig erachtet. Die Kalksandsteine werden auch für Schornsteine und Brandmauern zugelassen. Finden Kalksandsteine bei Hochbauten für alle Geschosse Verwendung, dann soll in der statischen Be¬ rechnung der Eisenkonstruktionen für die auftretenden Belastungen das höhere Gewicht von 1900 kg für 1 cbm Mauerwerk in Ansatz gebracht werden, weil die Steine wesentlich schwerer sind. — K. Hrn. C. D. in Wiesbaden. In der Frage der Rostbildung der Heizkessel wenden Sie sich am besten an eine der in unserem Anzeigenteil genannten Firmen für Zentralheizungen. — Wir sehen nicht ein, weshalb ein akademisch gebildeter Architekt, der ein Architektur-Büreau für künstlerische Bauarbeiten seit 30 Jahren betreibt, Konkurrenzen gewonnen und einen Schlossbau ausgeführt hat, sich nicht „Architekt“ nennen sollte. Die Bezeichnung „Archi¬ tekt“ ist lediglich eine Berufsbezeichnung. Die Bezeichnung eines solchen Architekten als „Bauunternehmer“ mag, wenn er nicht eigene Unternehmungen gemacht hat, nicht zutreffend sein, eine Beleidigung, die gerichtlich zu ahnden wäre, liegt darin, wenn nicht besondere Umstände obwalten, nicht. — - Hrn. P. H. in Dresden. Nahezu sämtliche Konkurrenzen, die überhaupt ausgeschrieben werden, finden in unserem Blatte eine offizielle Anzeige oder doch eine Erwähnung. Es sind dar¬ unter auch mehrere kleinere Wettbewerbe. Sollten Sie sich aber nicht zur Beteiligung an einem derselben entschliessen können, so müssen Sie abwarten, bis ein Wettbewerb angekündigt wird, der Sie zur Mitarbeit veranlassen könnte. — Hrn. Arch. W. D. in Halle a. S. Wir haben mit Interesse von dem uns vorgelegten Briefwechsel Kenntnis genommen, halten die Angelegenheit aber nicht für bedeutend genug, um sie in unserer Zeitung zu behandeln. — Hrn. C. D. in B. und E. M. in E. Für die erfolgreiche Bewerbung um Stellen für den mittleren technischen Eisenbahn¬ dienst sind Voraussetzung das Zeugnis zum Militärdienst als Ein¬ jährig-Freiwilliger, die Absolvierung einer Baugewerkschule mit Tiefbaukurs, sowie eine praktische Tätigkeit. Die Meldung erfolgt bei den Eisenbahn-Direktionen , von welchen auch alle weiteren Auskünfte zu beziehen sind. — Hrn. W. & L. in Düsseldorf. Wir empfehlen Ihnen, Ihre Anfrage an eines der grösseren Berliner Vermietungs-Büreaus, z. B. Leclaire & Meissner, Jerusalemer Str. 14, und Jsr. Schmidt Söhne, Leipziger Str. 86 in Berlin, zu richten. Sie werden dort die er¬ schöpfendste Auskunft über die angeregten Fragen erhalten. — Anfragen an den Leserkreis. Wer fertigt mathematisch richtige Sonnenuhren? (Vertikaluhr auf 4 Seiten einer freistehenden Säule.) Es handelt sich nur um die Zifferblätter mit Stab, in Metall. — Arch. L. J. in Heidelberg. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage in No. 52. Angaben über das Oelen der Chausseen bezw. über Pech-Makadam finden sich in den etzten lahrgängen der „Zeitschrift für Transportwesen und Strassen- >au“ (Berlin W. 35), sowie in der „Asphalt- und Theerindustrie- ieitung“ (Berlin W. 9). Auch das „Bulletin des Travaux Publics le Belgique“ brachte 1899 S. 308 eine ausführliche Notiz. Es wäre ehr zu wünschen, dass auf Chausseen bei Berlin Probestrecken meeleet würden. — E. Dietrich. Inhalt: Haus Wieseuack in Grunewald. — Ueber hölzerne Turm¬ helme — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. _ Bücher. — • Zur Erinnerung an Theophil Hansen. — Chronik. — Personal- Nachrichten. — Brief- und Fragekasten Verlag der Deutschen Bauzeitung, G m. b. H., Berhn. . Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berhn. No. 5 6 *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN *, *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 57. * DEN 18. JULI 1903. * ************** Villa Friedrichsruh in Löbtau bei Dresden. Architekten I Schilling & Gräbner in Dresden. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 369.) ie eigenartige Grundrissanlage der hier darge- I Oj|vlg stellten Villa Friedrich (Friedrichsruh) in Löb- a Pvyi I tau t>ei Dresden entstand aus dem Wunsche P des Bauherrn heraus, im Erdgeschoss einmal ' - die sämtlichen dem Tages- und dem gesell¬ schaftlichen Verkehr dienenden Räume vereinigt und zweitens ihre Folge durch einen Wintergarten unterbro¬ chen zu sehen, welcher sowohl dem die Diele betretenden Besucher sofort den schönen Anblick gepflegter Pflanzen¬ gruppen darbietet, wie auch durch seine Lage ermöglicht, von den meist benutzten Wohnräumen aus genossen zu werden. Der Eintretende steigt auf einer bedeck¬ ten Freitreppe zu einer polygonalen Vorhalle auf und betritt von dieser die geräumige Diele; sein Blick fällt dabei unmittelbar auf den Wintergarten. Zur Linken liegen Kloset und Bad, daneben das Wohn¬ zimmer mit Beziehung zum Wintergarten. Auf den Wintergarten folgen Herrenzimmer und Esszimmer, letzteres mit der Küche in Verbindung stehend. Das Obergeschoss enthält lediglich Gast- und Schlafzimmer. Die Gruppierung der Räume und ihre Ausbildung im Aeusseren sind mit bestimmter Absicht auf male¬ rische Wirkung berechnet. Bei der künstlerischen Durch¬ bildung der Aussenerscheinung kamen als Materialien neben Putzflächen Elbsandstein mit sparsamer Bild¬ hauerarbeit, auf einigen Flächen Antragearbeiten und 365 Holz zur Verwendung, das letztere mit ausgesproche¬ nem Einfluss auf die Gesamthaltung des Hauses. Die Architekten machten an diesem Hause auch für sie zum ersten Mal den Versuch, die Sockelquaderung ohne Abdeckgesimse unmittelbar in die Putzfläche übergehen zu lassen und eine natürlichere Wirkung der Bossen- quader dadurch zu erzielen, dass dieselben nicht mit dem Hammer bearbeitet, sondern ohne Bearbeitung ledig¬ lich mit der natürlichen Sprengfläche versetzt wurden. Daraus ergab sich eine ungleich günstigere Wirkung, als bei der üblichen Art der Bossenbearbeitung. Das Innere ist ohne besonderen Aufwand ausge¬ bildet und lediglich den gut bürgerlichen Verhältnissen des Besitzers angepasst. Die Ausführung der Diele z. B. erfolgte nahezu ganz durch den Zimmerpolier, sodass lediglich die Treppe durch den Tischler ein¬ gesetzt wurde. Hierdurch, sowie durch entsprechende Bildungen des Aeusseren wurde eine gewisse sym¬ pathische Hinneigung zu der etwas weniger verfeinerten Sprache des Bauernhauses erzielt. In der Ausstattung des Speisezimmers hat das Holz eine reiche Verwen¬ dung gefunden; die übrigen Räume sind schlicht und dauerhaft gehalten. Die Antragearbeiten führte Bild¬ hauer Hasenohr in Dresden aus; die ornamentalen Schnitzarbeiten wurden nach den Zeichnungen der Architekten in geschickterWeise durch Tischlermeister Hengst in Pirna, welcher auch das Speisezimmer aus¬ führte, geschnitzt. Die Gesamtkosten des schönen Ein¬ familienhauses haben einschliesslich der Kosten für die Einfriedigung rd. noooo M betragen. — Die geplanten Binnenschiffahrts- Anlagen in Bremen*). (Nach einem Vortrage des Ober-Baudirektors Franzius, Dr.-Ing. (f), gehalten am 25-jähr. Stiftungsfeste des Arch.- u. Ing.-Vereins zu Bremen am 13. Dezember 1902.) Faler hier besprochene Entwurf eines Schiffahrtskanales )' und Industriehafens auf dem linken Weserufer be- B=™ zweckt in aller Kürze gesagt,, dass in gleicher Weise, wie durch den älteren und neueren Teil des Freihafens nebst Zubehör der Stadt Bremen der Verkehr mit Seeschiffen eröffnet worden ist, auch den Fluss- und Kanalschiffen gleiche umfassende Gelegenheit geboten und daneben die Entwicklung der Industrie gefördert werde. Zu diesem Zwecke ist, wie die Planskizze Abbildg. 1 darstellt, beabsichtigt, das zurzeit noch unbebaute Ge¬ lände des linksseitigen Weserufers neben dem be¬ reits enger bebauten dortigen Gebiete mit einem schiff¬ baren Kanäle zu durchziehen, der von der Haupt- oder Grossen Weser gegenüber der Lüneburgerstrasse mit einer Schleuse abzweigend zunächst einen Teil des Stadtwer¬ ders durchschneidet, sodann die sogenannte Kleine Weser kreuzend, am Buntentore mit einer Schleuse in das Binnen¬ deichsland eintritt und nach einigen stärkeren, durch die vorhandene Bebauung gebotenen Krümmungen sich im¬ ganzen in schlanker Linie dem Weserdeiche zwischen Woltmershausen und Rablinghausen wieder zuwendet, ihn mit einer Schleuse durchschneidet und endlich fast genau gegenüber der neuen Mündung des auf dem rechtsseitigen Ufer liegenden Freihafens in die Weser wieder einmündet. Diese Einmündung geschieht mittels einer etwa 500 m lan¬ gen, unten offenen Kanalstrecke oder eines ebenso langen Hafenbeckens. Nach diesen vorläufigen Andeutungen über die Linie des Kanales, der weniger ein Verkehrsweg, als vielmehr ein langgestreckter Hafen zu nennen ist, dessen beide Ufer entweder zum unmittelbaren Löschen und Laden oder zur Anlegung von Fabriken dienen, und welcher an ge¬ eigneten Stellen demnächst ähnliche Zweigkanäle absen¬ den soll, um dem kommenden Bedürfnis in weitestem Um¬ fange zu genügen, sind zunächst die etwas radikal klingen¬ den, vorzugsweise wirtschaftlichen Fragen aufzuwerfen: Ist es denn überhaupt nötig und nützlich, dass man der Zeit soweit vorgreift und etwas entwirft und festlegt, was erst vielleicht nach einem Menschenalterwirken kann? Soll man nicht lieber derartige Ziele dem allmählichen freien Werdeprozess überlassen, der wie die grosse Mutter Natur arbeitet, je nach augenblicklicher Möglichkeit und Not¬ wendigkeit? Und soll der Staat für alles das sorgen, was doch im wesentlichen nur der Entwicklung der privaten Tätigkeit dient; könnte er nicht wenigstens, wenn ein ge¬ wisses planmässiges Vorgehen zweckmässig sein sollte, dieses der Privatunternehmung überlassen? Diese und ähnliche Fragen hat sich auch der Ver¬ fasser schon vor etwa 12 Jahren, bei den ersten Gedanken zu dem jetzt vorliegenden und seitdem möglichst geheim gehaltenen Entwürfe vorgelegt. Es lag gewiss nahe, mit der Vorlegung des Entwurfes zu warten, bis durch Entscheidung über das Zustande¬ kommen des Mittelland- Kanales und seiner ebenbürtigen Verbindung Bremens durch die kanalisierte Weser auch dem kurzsichtigsten Auge die Notwendigkeit einer derartigen Binnenhafen-Anlage für Bremen klar geworden wäre. Seit einer Reihe von Jahren ist aber leider die Hoffnung auf die baldige günstige Lösung der für ganz Deutschland so wichtigen Kanalfrage immer mehr in die Ferne gerückt, und somit konnte gerade diese kräftigste Begründung und Förderung des vorliegenden Entwurfes nicht eintreten. *) Anmerkung der Redaktion. Wir haben im Vorjahre S. 554 u. ff. bereits eine Mitteilung über diesen Gegenstand gebracht, glauben aber, dass diese Ausführungen des jüngst verstorbenen Meisters des Wasser¬ baues über sein letztes, von ihm noch eingeleitetes Werk unseren Lesern noch mancherlei Interessantes bringen werden. Wir drucken die seinerzeit beigegebene Planskizze erneut ab. — 366 Aber glücklicherweise musste das peinliche Warten auf die grosse Kanalfrage endlich wegen lokaler Verhält¬ nisse, die sich in den letzten Jahren in Bremen vollzogen hatten, als so gefährlich erscheinen, dass nicht länger ge¬ zögert werden durfte. Allerdings war schon auf Antrag des Verfassers im Jahre 1891, aufgrund eines sehr allge¬ meinen und in der Hauptsache nur schematischen Planes, am oberen Ende der binnendeichs liegenden Kanalstrecke durch den freihändigen Ankauf zweier etwa 800 m langen Grundstücke verhütet, dass die dort schon damals rasch zu¬ nehmende Bebauung die spätere Durchführung des Kanales übermässig erschweren würde. So glaubte man, den Aus¬ gang der grossen Kanalfrage abwarten zu können. Aber die private Spekulation wartete nicht, sondern bemächtigte sich seit den letzten Jahren gerade derjenigen bis dahin unbebauten Grundstücke, durch welche der Kanal geführt werden sollte. Dieses Vorgehen war um so schmerzlicher, als selbstverständlich der Gesamtplan bis zur Beschlussfassung über die etwaige Zwangsent¬ eignung geheim gehalten werden musste, um nicht auf der ganzen Linie durch tatsächliche oder fingierte Anlagen eine erhebliche Wertsteigerung hervorzurufen. Damit aber nicht durch solche nicht zu verhindernde Privatspekulation, mochte sie die Erbauung billiger Wohnungen oder die Er¬ richtung von Fabriken bezwecken, die Durchführung eines noch zur Befahrung mit grösseren Flusschiffen genügend geraden Kanales gehindert würde, musste, ohne jeden Zeitverlust trotz der traurigen Aussicht für den Mittelland- Kanal, der vorliegende Entwurf zum Abschluss gebracht und die baldigste Genehmigung zur Erwerbung der Grund¬ fläche durch Enteignung beantragt werden. Wenden wir uns nun der zweiten oben aufgeworfenen Frage zu, ob denn überhaupt eine solche Kanalanlage als Stammanlage für die tunlichste Förderung von Industrie und der Binnenschiffahrt für Bremen zweckmässig und gar notwendig erscheint. Man kann nämlich dagegen sofort einwenden, dass Bremen bis jetzt den Mangel einer solchen Anlage nicht empfunden und sich bei die¬ sem Zustande doch wohl befunden habe. Auch lässt sich mit dem besten Willen zur Bejahung dieser Frage kein strenger Beweis führen, denn alle derartigen wirt¬ schaftlichen Vorherberechnungen beruhen auf mehr oder weniger anfechtbaren Annahmen. Aber durch Vergleichung mit ähnlich belegenen Häfen ist die völlig sichere Ueber- zeugung zu gewinnen, dass für Bremen die fragliche An¬ lage ebenso segensreich sein wird, wie sie es anderswo tat¬ sächlich gewesen ist. Und hier braucht man nicht weit zu suchen und kann z. B. die vielen ähnlichen Anlagen der neueren Zeit, wie die in Mannheim, Ruhrort, Duis¬ burg usw., übergehen, denn es zeigt uns Hamburg den allertreffendsten Beleg der Zweckmässigkeit. Hamburg hat bekanntlich vor Bremen den grossen Vorzug genossen, seit frühester Zeit eine grosse natürliche Binnenwasserstrasse, die Elbe mit ihren vielen Verzwei¬ gungen, zu besitzen, während Bremen erst seit kurzem einen merklichen und sich hoffnungsvoll entwickelnden Schiffsverkehr auf der durch ein ungleich stärkeres Ge¬ fälle schwieriger zu befahrenden Weser mit deren weit kleinerem Hinterlande aufweisen kann. Imganzen über¬ trifft zurzeit die Elbflusschiffahrt Hamburgs den Weser¬ verkehr Bremens rd. um das Elffache und bedeutet etwa 6 Mill. l, ein- und ausgehend. Zur Bewältigung dieser riesigen Binnenschiffahrt hat schon seit längerer Zeit Ham¬ burg grossartige Kanal- und Hafenanlagen schaffen müssen, die neben dem unmittelbaren Verkehr auch ebenso sehr der Entwicklung einer eigenartigen Industrie dienen. Wo nämlich der Seeverkehr und der Binnenverkehr sich treffen, No. 57. muss erfahrungsmässig sich" eine gewisse Industrie ent¬ wickeln, wenn ihr die Gelegenheit durch günstige Boden¬ verhältnisse ausserdem erleichtert wird. In Hamburg bestehen z. Zt. zwei von einander unab¬ hängige, durch mehrere Schiffsschleusen von der Elbe aus zugängliche Binnenkanal-Systeme , das ältere schon vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts angelegte des Hammer¬ brooks und das erst in den letzten Jahrzehnten begonnene des Billwärder- Ausschlages. Weil im Hamburger Hafen seit langer Zeit die sog. Schute (ein kleines offenes Fahr¬ zeug, das mit Stangen und Rudern bewegt wird) eine grosse Rolle spielt, und noch heute den Verkehr zwischen dem Seeschiff und dem Speicher fast ausschliesslich ver¬ mittelt, so sind auch die älteren Hammerbrooks-Kanäle weit mehr zum Verkehr mit Schuten als mit den grösse¬ ren Elbkähnen angelegt, indem sie bei geringer Breite nach zwei sich rechtwinklig kreuzenden Richtungen ge¬ führt sind, wogegen die neueren Hammerbrook- und die Billwärder-Kanäle längere Züge von grösserer Breite be¬ sitzen. Offenbar ist in letzterer Anlage die Absicht, auch den grösseren Elbkähnen jederzeit den Zuweg zu gestatten, maassgebend gewesen. In beiden Fällen wird ein an¬ nähernd konstanter Wasserspiegel gehalten, sodass wegen des Hochwassers der Elbe in der äusseren Bedeichung mehrere Abschleusungen erforderlich wurden. Diese sind in eigenartiger Weise so eingerichtet, dass durch je zwei nahe hintereinander liegende Torpaare die Schuten, und Aufschwung des Hamburger gesamten Handels statt¬ fand, lässt unzweifelhaft auf den inneren Zusammenhang schliessen. Es würde sicherlich ohne die beschriebenen Hilfsanlagen der Hamburgische Handel weder seine Gross¬ artigkeit noch auch seine Vielseitigkeit besitzen. Der Um¬ fang des Bremischen Handels kommt nun dem des Ham- burgischen Handels vor etwa 20—30 Jahren völlig gleich, wobei aber jede der Hamburgischen ähnlichen Anlagen für Binnenschiffahrt fehlt. Mag auch in mancher Bezie¬ hung eine Verschiedenheit in einzelnen Handelszweigen bestehen, so darf doch gewiss behauptet werden, dass im grossen ganzen der jüngere und kleinere Handelsplatz ähnliche Einrichtungen zu treffen habe, um zu ähnlicher Macht zu kommen, wie der grössere sie gewonnen hat. Es wäre freilich wohl zu viel gewagt, wenn Bremen schon gleich in demselben Umfange, wie es Hamburg bis jetzt getan hat, die fraglichen Anlagen schaffen wollte. Es muss vielmehr denselben sicheren Weg gehen, eine be¬ scheidene Stammanlage schaffen, welche mit wachsendem Bedürfnisse um das vielfache vergrössert werden kann. Und weiter zielt die jetzt für Bremen entworfene Anlage auch nicht. Sie muss freilich zwischen den beiden Schleu¬ sen in dem Hauptdeiche in ihrer ganzen nahezu 6 km be¬ tragenden Länge durch den nötigen Grunderwerb festge¬ legt werden, damit nicht eine rücksichtlose Privatspeku¬ lation die ganze Linie verschlechtern oder gar unterbrechen kann. Auf der anderen Seite musste aber auch alles das Abbildg. 1. Lageplan. mittels eines dahinter liegenden längeren Beckens und eines dritten Torpaares auch längere Fahrzeuge geschleust werden können, wobei das mittlere Tor offen bleibt. Zurzeit besitzen diese beiden Kanalsysteme eine Länge von 20 km und nehmen mit den bebauten Flächen rd. 570^ ein, das ist etwa so viel wie die bremische Altstadt, öst¬ liche und westliche Vorstadt und Freihafen zusammen. Ausser diesen Anlagen dienen noch verschiedene Strecken des Elbufers, des Billeflusses und neuerdings auch auf der Insel Wiihelmsburg dem Binnenschiffs- Verkehr und der damit verbundenen Industrie. Nur zum kleinsten Teile sind Gleise zu den Grundstücken und dem Kanalufer geführt. Auf den Ufergrundstücken sind besonders Brennmate¬ rialien und zwar Steinkohle und Koks, sodann Baumate¬ rialien aller Art, ferner Lebensmittel u. dergl. gelagert, während die gewerblichen Betriebe hauptsächlich auch solche sind, die von der Wasserverbindung grösseren Nutzen haben, wie Gesamt- Bauunternehmungen, Holz¬ schneidereien, Zimmereien, Steinhauereien, Pflaster-Unter¬ nehmungen, Mörtelwerke, Dachpappe- Fabriken, Schmiede und Schlossereien, kleinere Maschinen-Fabnken, sowie Schiffbauanstalten, Kokereien, Asphalt-Fabriken, Fass- und Kistenfabriken, Oelmühlen, Malzfabriken, Kaffeeröstereien, chemische Fabriken u. dergl. mehr. Die Tatsache nun, dass der grössere Teil dieser Kanal¬ anlage und die meisten der genannten gewerblichen Be¬ triebe erst in den letzteren Jahrzehnten geschaffen und ins Leben getreten sind, in denen auch der grossartigste zurzeit weggelassen werden, was erst in fernerer Zukunft als Erweiterung der ursprünglichen Anlage auf dem einen oder anderen Wege ausführbar erscheint. Nun ist schliesslich noch die dritte Frage zu bespre¬ chen, ob es nötig ist, dass der Staat derartige Anlagen ins Leben rufen und nicht besser dieses der Privatunter¬ nehmung überlassen soll? Diese Frage liegt tatsächlich hier näher, als bei der Schaffung eines grösseren Seehafens, bei Flusskorrektionen, Eisenbahnen und dergleichen, denn es sind nicht so grosse Anfangssummen wie bei diesen aufzuwenden, und es soll gerade der privaten Tätigkeit die Ausnutzung überlassen werden. Die Antwort ist aber in der Hauptsache schon durch den Umstand gegeben, dass wohl in den aller¬ seltensten Fällen die Wahl zwischen den beiden schaffen¬ den Mächten geboten wird. Es liegt dies vorzugsweise darin, dass eine solche Anlage erst nach einer längeren aber ungewissen Reihe von Jahren einen genügenden Er¬ trag durch unmittelbare Einnahmen gewähren wird, um das Privatkapital anlocken zu können. Dieser eine Grund würde an sich genügen, dass solche nützliche und not¬ wendige Anlagen wenigstens in ihren bestimmenden An¬ fängen vom Staate unternommen werden müssen, es kommen aber noch weitere Umstände hinzu, die vorzugs¬ weise den Staat dazu befähigen. Wenn, wie im vorliegenden Falle, am betreffenden Orte gar kein Anhalt durch vorhandene ähnliche Ein¬ richtungen geboten ist, und wenn trotzdem sich der Ent- 18. Juli 1903. 367 Werfende ausser den sämtlichen rein bautechnischen An¬ ordnungen auch den späteren Wirtschaftsbetrieb im Vor¬ aus klar machen muss, so ist wohl selbstverständlich, dass die dazu nötigen Kenntnisse vorzugsweise nur bei erfah¬ renen Ingenieuren gesucht werden dürfen. Der vorliegende Entwurf muss sich aber auch in vielen Beziehungen be¬ stehenden Anlagen anpassen. Es werden Strassen ge¬ kreuzt, wodurch neben der Anlage von Brücken Aende- rungen am Kanalisationsplan eines ganzen Stadtgebietes erforderlich werden, auf die Entwässerung grösserer länd¬ licher Gebiete muss gebührende Rücksicht genommen werden usw. Der Entwurf greift also in Interessen ein, deren Wahrnehmung den Organen des Staates obliegt. Durch den Besitz eines geschulten Beamtenstandes ist der Staat in der Lage, allen Verhältnissen Rechnung zu tragen und dadurch zu einem Entwürfe zu gelangen, der sich in den Rahmen der bestehenden Verhältnisse gut einfügt. Ein fernerer wichtiger Grund, weshalb der Staat be¬ sonders berufen ist, derartige Anlagen zu planen, ist das Enteignungsrecht. Es kann zwar dieses Recht auch unter Umständen auf Private übertragen werden, was je¬ doch fast stets bedenkliche Seiten hat. Ueber den Entwurf selbst seien nur noch einige kurze Angaben gemacht, zumal da eine eingehendere Bearbei¬ tung der Einzelheiten noch bevorsteht. Was zunächst die obere Verbindung mit der Grossen Weser anlangt, so ist neben der untersten Wehranlage, die zu dem Plane der Kanalisierung der Weser von Bremen /{uSjgeöaotes /(ana/prof >/ / y/erscA/'/f/y] . bis Minden gehört, eine ebenlaiis dainn gehörige Schleuse erforderlich, um von der Grossen Weser mittels des Kanales auf dem Werder zur Kiemen Weser zu gelangen. Bei Bearbeitung jenes Entwurfes war zwar angenommen, dass eine einzige Schleuse mit einem Oberhaupt und zwei ver¬ schiedenen Unterhäuptern den Weg vom Oberwasser der Grossen Weser sowohl nach dem Unterwasser derselben als auch nach der Kleinen Weser vermitteln könne. Aber es würde dann bei gestiegenem Schiffsverkehr später eine Verdoppelung des einen oder anderen Schleusenweges unmöglich gemacht. Deshalb werde jetzt, nach genauerer Bearbeitung, die Anlage je zweier getrennter Schleusen vorgezogen, die dann später jede nach Bedarf und unab¬ hängig von einander verdoppelt werden können. Ueber die Kanalstrecke auf dem Werder ist nichts besonderes hier zu sagen, als dass der in dem Zuge der Werderstrasse nach dem Kuhhirten und nach der Wehr¬ stelle, woselbst in Verbindung mit dem Wehre jedenfalls eine feste Brücke zu denken ist, mit einer ebenfalls festen Brücke zu überbrücken sein wird. Nach Kreuzung der Kleinen Weser gelangt das von oben kommende Schiff an die Schleuse am Buntentor, die wie die eben besprochene neben dem Wehre und wie auch die unterste Schleuse bei Rablinghausen für die grössten Weserschiffe bequem zugänglich und namentlich mit den vollkommensten Vorrichtungen zum raschen Durch¬ schleusen versehen sein muss. Weil die beiden eigentlich zum Kanal gehörenden Schleusen in einem Winterdeiche liegen, so muss ihr Aussenhaupt zugleich eine hochwasser¬ sichere Deichschleuse bilden, während das Unterhaupt und die Kammer nur eine geringere Höhe zu haben brauchen. Jedenfalls wird eine Strassenbrücke erforderlich. 368 Am eigentlichen, innerhalb des Deiches liegenden Kanal ist zunächst die Höhe seines Wasserspiegels das wichtigste Stück. Davon ausgehend, dass demnächst die Niedrigwasserstände in der Weser an der unteren Schleuse, ähnlich wie die der Kleinen Weser an der oberen Schleuse, sich auf 3—4 m unter Bremer Null stellen werden, wäh¬ rend das Hochwasser für gewöhnlich nahezu 1 m unter Null sein wird und die natürliche Bodenhöhe etwa auf Null bis 1 m über Null liegt, so ist ein nahezu gleichbleiben¬ der Wasserspiegel des Kanales von 1 “ unter Null ange¬ nommen. Derselbe kann durch Einlassen bei Hochwasser und Ablassen bei Niedrigwasser im Wesentlichen mit Hilfe der in den Schleusen anzubringenden Vorrichtungen fast stets reguliert werden. Um aber für die Zeit eines hohen Oberwassers keine zu hohen Stände zu bekommen, ist am unteren Ende ein mässiges Pumpwerk vorgesehen. Bei dieser Einrichtung ist der Kanal auch für die daneben liegenden landwirtschaftlich betriebenen Grundflächen ohne Nachteil und unter Umständen auszunutzen. Dem besprochenen Wasserspiegel gemäss empfiehlt es sich, alle eigentlichen Uferstrassen und Löschplätze tunlichst niedrig, etwa auf 1 m über Null anzulegen, da¬ gegen alle eigentlichen Verkehrsstrassen in einer solchen Höhe über den Kanal hinwegzuführen, dass feste Brücken noch eine lichte Höhe von 4,8 “ finden und dabei die Strassenrampen nicht zu lang werden. Unter Umständen, um namentlich lange Rampen zu vermeiden, dürfen aber auch niedrigere bewegliche Brücken nicht geschont werden. Der Querschnitt des Kanals (vgl. Abbildg. 2) ist anfangs nur für 2grösste Schiffs¬ breiten anzule¬ gen, jedoch nach und nach zu einer 3 und 4- schiffigen Breite umzugestalten, sobald dazu streckenweise das Bedürf¬ nis herantritt. Die Tiefe wird zu etwa 4“ unter Null zu nehmen sein. Der gleich¬ bleibende Wasserspiegel bedingt an den meisten Stel¬ len keine besonders starke Ufereinfassungen, die sogar im Anfang der Kanalaus¬ führung entbehrlich erschei¬ nen. Ausser den längeren Strecken, wo zu einer oder beiden Seiten Lösch- und Ladestrassen anzulegen sind, sollen an geeigneten Stellen auch kleinere Lösch¬ hafen angelegt werden. Diese dienen zugleich dazu, dass Achate an verschiedenen Stellen wenden können. Auf der unteren Hälfte des etwa 6km langen Kanales sind zu beiden Seiten etwa 100 m breite Streifen für gewerbliche Anlagen vorgesehen. Da die untere Hälfte auch ohne besondere Schwierigkeit mit Eisenbahngleisen versehen werden kann, so ist auch dort schon von Anfang her darauf Bedacht genommen, wobei nicht ausgeschlossen er¬ scheint, dass demnächst das jetzt schon eine Strecke vor Woltmershausen vorbei geführte Gleis sich mit dem an der Westseite des Kanales entlang zu ziehenden Gleise in der Nähe der untersten Schleuse verbindet und die hier nur anzudeutenden und im wesentlichen dem unmittel¬ baren Austausch zwischen Fluss- und Seeschiff sowie dem ruhigen Liegen beider Schiffsarten dienenden Hafenbecken auf dem Rablinghauser Groden umfasst. ^ Die geplante Stammanlage ist nach Südosten oder Nordwesten er¬ weiterungsfähig. Was nun die Ausführung betrifft, so muss zweifellos die Stammanlage völlig fertiggestellt sein, sobald der Mittellandkanal vollendet sein wird. Aber bis dahin ver¬ geht noch manches Jahr und die Notwendigkeit, gute Plätze für Verkehr und Industrie am Wasser zu schaffen tritt immer dringlicher an Bremen heran. Dabei erscheint es wohl nicht notwendig, gleich von vornherein den ganzen zu rd. 16 Mill. M. veranschlagten Kanalhafen zu bauen. Man kann sich nämlich auch zunächst damit begnügen, eine einzige Schleuse am oberen oder unteren Ende aus¬ zuführen und die Kanalstrecke in kleinerer oder grösserer Länge daran zuschliessen. Dass für die Wahl des einen oder anderen der beiden Endpunkte nur der grössere Nutzen für die Gesamt-Interessen entscheidend sein wird, erscheint selbstverständlich. — No. 57. Der Wert der Austrocknungsfristen. Von Professor H. Christian Nussbaum in Hannover. m vergangenen Herbste hat der „Deutsche Verein für öffentl. Gesundheitspflege“ in München getagt. Der einzige Gegenstand seiner Tagesordnung, welcher für Bautechniker Interesse bot, lautete: „Feuchte Wohnun¬ gen. Ursache, Einfluss auf die Gesundheit und Mittel zur Abhilfe.“ Neue Gesichtspunkte sind weder von den Be¬ richterstattern diesem Gegenstände abgewonnen worden, noch hat die Erörterung desselben sie hervortreten lassen. Dagegen ist den behördlich anzusetzenden Austrocknungs¬ fristen zwischen der Rohbauabnahme und dem Beginn der Verputzungen ein Wert beigelegt worden, den sie meiner Erfahrung nach durchaus nicht besitzen. Das Ein¬ halten der Aus¬ trocknungsfris¬ ten führt viel¬ mehr einige be¬ deutsame Nach- teile techni¬ scher und wirt¬ schaftlicher Art herbei. Daher ist es wichtig, festzustellen, ob der gesundheit¬ liche Nutzen, den sie bieten, diese Nachtei¬ le aufzuheben vermag — und ob er über¬ haupt stets er¬ reicht wird. Derwirtschafr liche Nachteil beruht im Zeit¬ verlust. In vie¬ len Fällen ge¬ lingt es aller¬ dings, die Fer¬ tigstellung des Rohbaues der¬ art zu leiten, dass die Dauer derWinterruhe und der -Aus¬ trocknungsfrist zusammen fal¬ len. Aber der Zweck der letz¬ ter enwird dann — - wie wir noch sehen werden — in der Regel nicht erreicht. In anderen Fäl¬ len kann die Dauer der Aus¬ trocknungsfrist ausgenutzt wer¬ den zur Fertig¬ stellung der Dach -Ein deck - ung, der Staa- ker- und ande¬ rer Arbeiten, die vor Beginn der Verputzun¬ gen erledigt sein müssen. Nicht selten aber, besonders beiAnwendung massiver Zwi¬ schen -Decken, bedeutet die Austrocknungs¬ frist einen fühl¬ baren Zeit- und damit Zinsen¬ verlust für den Bauherrn. Namentlich für das rechtzeitige Fertigstellen grosser Geschäftshäuser bildet die Austrock¬ nungsfrist oft ein Hindernis, das belangreiche Zinsenver- luste zurfolge hat. Dieser Fall tritt dann ein, wenn der Rohbau Ende des Sommers fertig gestellt worden ist und nun der Herbst für die Vollendung des Gebäudes verloren geht. Man muss dann häufig die Verputzungen in einer Villa Friedrichsruh in Löbtau bei Dresden. Arch.: Schilling & Gräbner in Dresden. Jahreszeit ausführen, die jeden Tag denselben ein gebie¬ terisches Halt zurufen kann, oder ihre Güte und Dauer¬ haftigkeit infolge von Nachtfrösten infrage stellt. Zu diesem in Einzelfällen auftretenden technischen Fehler der Austrocknungsfristen gesellt sich ein ständiger, sobald Kalkputz, Kalkzementputz oder reiner Zementputz in Anwendung kommen. Die Erhärtung dieser Ver¬ putzungen und ihr Haften am Mauerwerk gelingen nur dann tadellos, wenn sie auf feuchtem Mauerwerk zur Aus¬ führung gelangen. Der durch eine Austrocknungsfrist er¬ zielten Austrocknung muss daher künstlich wieder ent¬ gegen gewirkt werden durch Befeuchten der Wand¬ flächen. Erfolgt dasAnfeuchten durch ziemlich kostspieliges Waschen der Flächen mit¬ tels Bürsten in gründlicher Weise, dann werden die durch die Aus¬ trocknungsfrist hervor gerufe- nenMängeleini- germaassen auf¬ gehoben, aber damit zumeist auch ihr gesund- heitlicherErfolg. Wird dagegen das Anfeuch¬ ten nur durch Sprengen her¬ vorgerufen , dann kann der Innenputz we¬ der eine aus¬ reichende Er¬ härtung errei¬ chen, noch fest auf dem Mau¬ erwerk haften. Denn der Was¬ sergehalt der Wandfläche ist zu niedrig und zu ungleich- mässig verteilt, um einen lang¬ samen , allein zum Ziele stei¬ niger Erhär¬ tung führen¬ den Austrock¬ nungs-Vorgang hervorzurufen. Ferner bleibt der Staub, wel¬ cher während der langen Aus¬ trocknungsfrist auf denFlächen sich abgelagert hat, haften und verhindert den Putz, einen in¬ nigen Zusam¬ menhang mit dem Mauer¬ werke einzu¬ gehen. — Will man auf Innen¬ mauern Kalk¬ putz zu steini¬ ger Erhärtung undfestemVer- band mit dem Mauerwerk bringen, so gelingt dieses (nach meinen Ver¬ suchen) ausschliesslich, wenn derselbe auf staubfreien Wänden mit hohem Feuchtigkeitsgehalte ausgeführt wird. Im anderen Falle hört der Umwandlungs- Vorgang des Aetzkalkes in kohlensauren Kalk (durch Aufnahme von Kohlensäure aus der Luft) so frühzeitig auf, dass nur eine äussere Haut von i — 2, höchstens 3 mm Stärke aus kohlen- 18. Juli 1903. 369 saurem Kalk gebildet wird. Da eine ausgiebige Wasser¬ aufnahme der Innenwände nur ausnahmsweise zustande kommt, nachdem das Gebäude fertiggestellt worden ist, so bleibt dieser Zustand für alle Zeit bestehen. Das Ein¬ schlagen von Nägeln in getünchte Putzflächen pflegt ihn uns in meist recht unangenehmer Weise vor Augen zu führen; denn jener Umwandlungsvorgang des Aetzkalkes in kohlensauren Kalk kann nur bei einem ganz bestimm ten Wassergehalte des Kalkes zustande kommen. Er be¬ ginnt, nachdem die Wassersättigung aufgehört hat und setzt bereits aus, ehe Lufttrockenheit erzielt worden ist. Wird dem Kalk von neuem Feuchtigkeit zugeführt, dann beginnt auch jener Vorgang wieder. An Aussenwänden kann man dieses in der Regel beobachten. Diese durch die Austrocknungsfristen hervorgerufenen Mängel sind belangreich genug, um es geraten erscheinen zu lassen, an die neuerdings wieder erhobene Behauptung von dem gesundheitlichen Nutzen der Austrocknungsfristen den Maasstab sachlicher und wissenschaftlicher Kritik zu le¬ gen. Seit nunmehr fünfzehn Jahren habe ich eine grosse Zahl sorgfältiger Untersuchungen über den Wassergehalt von Neubauten nach der Rohbauabnahme, nach Fertig¬ stellung des Wandputzes und kurz vor dem Tapezieren der Wandflächen ausgeführt. Fasse ich das Ergebnis dieser Untersuchungen zusammen, dann lautet es: Der Wassergehalt der Wände z. Zt. des Beziehens eines Neubaues steht in vollster Abhängigkeit von den Witterungs-Verhältnissen, die seit der Rohbau¬ abnahme geherrscht haben. Das Einhalten einer Austrocknungsfrist bleibt belanglos, falls die Witterung der Austrocknung ungünstig war. Unter günstigen Verhältnissen war — auch ohne das Einhalten einer solchen Frist — stets ein Trockenheitsgrad erreicht, der jede Beanstan¬ dung des Beziehens ausschloss. Neubauten, die im Spätherbst unter Dach gebracht worden waren, den ganzen Winter über „geruht“ hatten und im März mit Wandputz versehen waren, erwiesen sich kurz vor dem Tapezieren (zwischen Mitte Mai und Anfang Juni) noch als stark wasserhaltig (3 bis 4 °/0), so¬ bald Winter und Frühling regnerisch gewesen waren. Dagegen fand ich bei einer grossen Zahl von Bauten, deren Ausbau unter günstigen Witterungs -Verhältnissen stattgefunden hatte, vor dem Tapezieren nur noch einen Wassergehalt der Wände von 1 bis iV2°/o> obgleich die Rohbauabnahme erst zwischen Anfang und Mitte Septem¬ ber stattgefunden hatte und mit dem Tapezieren Ende Fe¬ bruar begonnen wurde. Im allgemeinen aber erwiesen sich diejenigen Neu¬ bauten als zum Beziehen am geeignetsten, deren Ausbau im Laufe des Sommers vollendet wurde. Nur in aus¬ nahmsweise nassen Sommern traten Ausnahmen von dieser Regel ein. Das Einhalten von Austrocknungsfristen war für diese Bauten ohne jeglichen nachweisbaren Einfluss. Auch für das Verhalten der Feuchtigkeit nach dem Beziehen der Neubauten ergab sich, dass der Herbst für das Einziehen günstiger ist als das Frühjahr. Der Herbst bietet in der Regel trockenes sonniges Wetter bei leb¬ haftem Wind, und das im Spätherbst meist bereits be¬ ginnende Heizen übt ebenfalls einen höchst günstigen Einfluss auf das weitere Austrocknen oder die Trocken¬ erhaltung der Wohnhäuser. Namentlich die mit Zentral¬ heizung ausgestatteten Gebäude liessen in keinem Falle Misstände hervortreten, wenn sie Ende September oder Anfang Oktober bezogen worden waren. Sehr häufig dagegen traten solche Misstände auf, wenn der Einzug im Frühling erfolgt war und milde Witterung ein Heizen wenig oder nicht mehr erforderlich machte. An dem kalten Mauerwerk bildete sich dann aus der war¬ men Luft Schwitzwasser in so grosser Menge, dass feuchte Flecke von oft bedeutender Ausdehnung entstanden, die in vielen Fällen erst im Herbst zum Verschwinden gebracht werden konnten. Auf Grund meiner reichen Untersuchungs- Ergebnisse und langjährigen Erfahrung muss ich daher den Austrocknungsfristen eine irgend er¬ hebliche Bedeutung absprechen. Weit richtiger scheint es mir, sie aufzuheben, dagegen eine Neu¬ bauabnahme vor demTapezieren anzusetzen, bei ihr prüfen zu lassen, wieviel Wasser der Wand¬ putz zu dieserZeitnoch enthält undvondemBe- fund dieser Prüfung die Erlaubnis zum Einziehen abhängig zu machen. Die Prüfung gestaltet sich ziemlich einfach, da es aus¬ reicht, die nach Norden oder Westen gelegenen Wände eines oder einiger Räume des untersten Wohnungsge¬ schosses zur Untersuchung zu ziehen. Erweist sich der Wassergehalt von dem Innenputz ihrer Aussenwände nicht höher als i‘/2 bis 2 °/0, dann kann man mit Sicherheit da¬ rauf rechnen, dass die höher gelegenen Geschosse und die nach Süden oder Osten gelegenen Räume des gleichen Geschosses Lufttrockenheit erreicht haben. Denn für sie herrschen günstigere Austrocknungs-Verhältnisse, weil die Besonnung und die Durchlüftung kräftiger erfolgen. Es kommt hinzu, dass das Wasser der Obergeschosse zwar langsam aber in belangreicher Weise im Mauerwerk herab¬ sickert, um entweder in den Erdboden zu gelangen oder über Isolierschichten stehen zu bleiben, die es hieran hindern*). Weit bedeutungsvoller aber als die Ueberwachung der Neubauten erscheint mir eine Vorschrift über das Trockenerhalten der Wohnhäuser. Das Anschlägen des Regens ruft in den nach den Wetterseiten gelegenen Aussen¬ wänden immer wieder eine hochgradige Durchfeuchtung hervor, die sich bei Wänden von 1 bis U/g Stein Stärke nicht selten bis zur Wassersättigung steigert, falls an¬ dauerndes Regenwetter herrscht. In der Provinz Hannover war dieses z. B im Herbst 1901 sowie im Frühling und Sommer 1902 der Fall und hat die Durchfeuchtung zahl¬ reicher Wohnräume zurfolge gehabt. Der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Neubauten ist ein meist rasch vorübergehender Misstand, dem sich nur selten jemand auszusetzen braucht. Die stets wieder¬ kehrende Durchfeuchtung der Wetterseiten aber beein¬ flusst einen sehr grossen Teil der Wohnungen dauernd auf das ungünstigste. Die Vorschrift, freistehende Wetter¬ seiten der Wohngebäude mit einer für Wasser undurch¬ lässigen oder mindestens Wasser dauernd abweisenden Schicht zu versehen, ist daher ein hygienisches Erfordernis. Früher hat man diesem Erfordernis entgegengestellt, dass durch eine solche Schicht die Porenlüftung aufgehoben werde. Heute wissen wir, dass die Porenlüftung für Wände von mehr als 1 Stein Stärke überhaupt bedeutungslos ist, dass sie selbst in Räumen mit schwachen Wänden die Fensterlüftung nicht entbehrlich macht und ihre Bedeutung gegenüber der des Trockenerhaltens der Wohnungen stets weit zurücktritt. Auch das langsamere Austrocknen der mit einer solchen Schicht versehenen Wände ist, soweit die Wetterseiten in Betracht kommen, eine irrige An¬ nahme. Der Schutz vor dem Schlagregen lässt den Aus¬ trocknungsvorgang in ihnen weit günstiger verlaufen, als es ohne denselben der Fall ist, falls nicht ganz ausser- gewöhnlich trockene Witterung herrscht. Ein einziger heftiger Schlagregen pflegt den Wassergehalt dieser Wände gewaltig zu erhöhen, ein wochenlang anhaltender Regen sie mit Wasser ganz oder nahezu zu sättigen. — Vermischtes. Die Schäferfeier in Berlin, die am Sonnabend den 18. Juli. Abends 8 Uhr, im Motivhaus zu Charlottenburg, Hardenbergstr. 6, stattfindet, findet lebhaften Wiederhall in weiteren Kreisen. Die Teilnahme an der Feier ist nicht auf den Kreis der Fachgenossen beschränkt, sondern es sind auch die Zugehörigen anderer Berufskreise will¬ kommen, wenn sie sich zu den Verehrern Schäfers rech¬ nen. Ueber die Form der neben dem Kommers für den Meister geplanten Ehrung sind Beschlüsse bereits gefasst, die bei der Feier bekannt gegeben werden. Ein „Schäfer- Jugendheft“ mit einem prächtig gezeichneten Kopfe des Jubilars wird den Festgenossen überreicht werden. - — Eine Abschiedsfeier zu Ehren Bubendeys veranstaltete der Archltekten-Verein zu Berlin am 13. d. M. in den Räumen des Vereinshauses. Trotz der ungünstigen Jahreszeit hatten sich einige 50 Personen, an ihrer Spitze der derzeitige Vereins- Vorsitzende Hr. Ministerialdir. Hinckeldeyn, eingefunden, um mit dem nach Hamburg zur Uebernahme der Stelle des dortigen Wasserbau-Direktors übersiedeln¬ den Vereinsmitgliede bei einem zwanglosen einfachen Mahle noch einmal zusammen zu sein. Der Vorsitzende feierte den Scheidenden, in welchem der Verein ungern ein eifriges Mitglied verliere, der seine Tätigkeit gerne in den Dienst des Vereins gestellt habe, zeitweilig als Vor¬ sitzender, vielfach als Vortragender, der seine Hörer stets zu fesseln gewusst habe. Dem Verluste des Ver¬ eins stehe jedoch die höhere Aussicht gegenüber, dass Bubendey in seinem neuen, verantwortungsvollen aber auch an schönen Aufgaben reichen Amte, seine Kräfte nun noch mehr als bisher in den Dienst der gesamten Technik stellen könne. Hr. Ob.-Baudir. v. Doemming *) Die Untersuchung wird am besten durch einen Chemiker ausge¬ führt. Auch für das Feststellen des Tatbestandes in Wohnungen, die der Mieter wegen ihres Feuchtigkeitsgehaltes verlassen will, oder die behörd¬ lich geräumt werden sollen, sollte jedes Baupolizeiamt Über einen Chemiker als Mitglied verfügen. 370 No. 57. feierte insbesondere den Fachkollegen aus dem Wasser¬ bau, mit dem er gern zusammen gearbeitet habe, und die Familie desselben. Hr. Bubendey dankte mit warmen Worten für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Er hob hervor, dass sein 8-jähriger Aufenthalt in Berlin als Lehrer an der Technischen Hochschule einerseits und die Heran¬ ziehung zu mannigfachen anderen Aufgaben, sowie die Berührung mit zahlreichen Personen, es ihm jetzt wesent¬ lich erleichtert hätten, die verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen, die ihm jetzt zugefallen sei. Das Schei¬ den von Berlin werde ihm dadurch erleichtert, dass der Weg zwischen Hamburg und Berlin ja kein allzu weiter sei, sodass er hoffen dürfe, auch weiterhin häufiger sich in dem alten Kreise bewegen zu können. Die schlichte Abschiedsfeier legte Zeugnis von den warmen Sympathien ab, die sich der Gefeierte hier er¬ worben hat. — Studie zu einem Fächergewölbe in Zement-Eisenkon¬ struktion. Dekorativ ist wohl kein Gewölbe so günstig, wie das Fächer- oder Trichtergewölbe, doch wird es in Stein nur selten ausgeführt, vermutlich wegen der schwierigen während die erste Hälfte unrichtig ist. Es wird die Ver¬ dienste Hauberrissers um den Münchener Rathausbau in keinerWeise schmälern, wenn ich Sie ersuche, Ihren Lesern gegenüber festzustellen, dass von den drei Preisen, die im damaligen Wettbewerb ausgesetzt waren, der erste Preis nicht zur Verteilung gelangte, der zweite an die Architek¬ ten Ludw. und Emil Lange in München und der dritte an die Architekten F. Bluntschli und O. Tafel (damals in Paris) fiel. F. Bluntschli in Zürich. Eine erhebliche Verbilligung des elektrischen Lichtes ist für Berlin geplant. Die Berl. Elektr.-Werke haben bei dem Magistrat die Herabsetzung des Strompreises für elektr. Beleuchtung von 55 auf 40 Pfg. für 1 Kilowattstunde beantragt, unter Wegfall des bisherigen Brennstunden- Rabattes. Hiermit wird namentlich für die kleineren Ab¬ nehmer eine bis 27% gehende Ermässigung des Preises herbeigeführt. Das elektrische Licht dürfte infolgedessen und ausserdem mit Rücksicht auf die Einführung der neueren wesentlich sparsameren Lampen durch diese Maassregel eine erhebliche Ausdehnung erfahren. Vergleichsweise sei angeführt, dass die Preise für 1 Kilowattstunde sich stellen Herstellung und geringen Tragfähigkeit infolge der zwischen den Trichtern sich ergebenden, durch 4 Kreise begrenzten wagrechten Scheitelflächen. Dagegen eignet sich das Ge¬ wölbe ganz besonders zur Ausführung in Zement-Eisen- konstruktion. Das Eisengerippe der T richter besteht aus kreis¬ förmigen Stäben mit gleichem Halbmesser nach Meridianen und mit verschiedenen Stäben nach Parallelkreisen, das Gerippe der Scheitelfläche aus geraden Stäben. Die Meridianstäbe sind heruntergeführt bis auf den Boden und dienen mit Zement-Umhüllung als Feuerschutz von Eisen¬ stützen, welche das Gebälk oder Dach über dem Gewölbe tragen. Die Eisenstützen bestehen aus 4 Winkeleisen, welche bequeme Verbindung anderer Konstruktionsstücke nach 4 Seiten gestatten und ebenso leicht die Herstellung ganzer, halber und viertel Säulen ermöglichen. Auch Stern¬ gewölbe lassen sich wie Fächergewölbe über solchen Stützen leicht ausführen. — C. Dollin ge r. Die Erweiterung des Rathauses in München. In dem in Ihrer Nummer 53 veröffentlichten Artikel über den Anbau an das Rathaus in München findet sich der Satz: „Aus einer im Jahre 1865 veranstalteten Konkurrenz ging der Architekt Georg Hauberrisser als Sieger hervor, ihm wurden auch die Ausführungs-Arbeiten übertragen.“ Dieser Satz entspricht den Tatsachen nur in seiner zweiten Hälfte, auf 55.5 Pf. in Christiania, 56 in Kopenhagen, 59,8 in Wien, je 60 Pf. in Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, München, 66,6 Pf. in Rotterdam, 68 Pf. in Breslau, je 70 Pf. in Köln, Leipzig, Nürnberg, 72 Pf. in Hannover, 94,4 Pf. in Buda¬ pest. Die Preise in Berlin würden also wesentlich billiger gegenüber den anderen Städten werden, um so mehr, als keine Gebühren für Elektrizitäts-Zähler erhoben werden. — Hausbeleuchtungs - Anlage mit Benzin oder Spiritus¬ dynamo. Wir haben auf S. 633 Jhrg. 1902 bereits auf die Vorteile der Stromerzeugung für elektrische Hausbeleuch¬ tung, und zwar für solche Gebäude, die wie alleinstehende Landhäuser, Hotels, Gutshöfe nicht an eine elektrische Zentrale angeschlossen werden können, durch besondere, sehr kompendiöse und leistungsfähige Maschinenaggregate der Schuckertwerke hingewiesen. Beiliegende No. 14 der Nachrichten der inzwischen vereinigten Siemens-Schuckert- Werke bringt wieder interessante Mitteilungen über diesen Gegenstand. Die Motore werden vorläufig in zwei Grössen von 3 und 4,5 p. S geliefert; dazu gehört eine zweipolige Dynamomaschine, die bis 1,75 K.-W. leistet, und eine kleine Akkumulatoren -Batterie. Die Bedienung der Maschine ist so einfach, dass sie vom Hauspersonal besorgt wer¬ den kann. Es ist dadurch dem Hausbesitzer auf dem Lande ermöglicht, sich den zu Beleuchtungs- und Heizungs- 18. Juli 1903. 37i zwecken erforderlichen elektrischen Strom selbst und einschl. der Amortisation zu einem Preise zu erzeugen, der sich nicht höher stellt als derjenige des elektrischen Lichtes in den Grosstädten. — Zum Dombaumeister in Köln a. Rh. ist der Landbau¬ inspektor Bernh. Hertel in Berlin ernannt worden. Hertel, der 1862 in Kevelaer geboren wurde, war, nachdem er 1890 das preuss. Baumeister-Examen gemacht hatte, nahe¬ zu ein Jahrzehnt als Privat-Architekt in Rheinland und Westfalen tätig und stellte als solcher u. a. die St. Lamberti¬ kirche in Münster wieder her. In den Staatsdienst zurück¬ getreten, war er zunächst in Münster und Ruhrort, dann in Berlin tätig. Im vergangenen Jahre wurde er Privat¬ dozent für mittelalterliche Baukunst an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Hertel ist der vierte in der Reihe der neueren Dombaumeister in Köln. — Die XVI. Hauptversammlung des Vereins deutscher Gartenkünstler findet vom 9. — 13. Aug. 1903 in München statt. Auf der reichhaltigen Tagesordnung befinden sich u. a. Beratungen über die „Grosse Gartenbau-Ausstellung zu Düsseldorf 1904“, „Förderung der Landesverschönerung“, sowie ein Vortrag des Hrn. Stadtgarten-Dir.Trip- Hannover über „Die Stellung der schönen Gartenkunst im Kunstleben unseres Volkes und in ihrer Beziehung zu den modernen Künsten“. Zahlreiche Ausflüge und Besichtigungen er¬ gänzen die Beratungen. — Die kleine goldene Medaille der Grossen Berliner Kunst¬ ausstellung 1903 ist den Architekten kgl. Brtn. Franz von Hoven und Ludwig Neher in Frankfurt a. M. für ihre Rathausgruppe zuerkannt worden. — Preisbewerbungen. Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein Kreishaus in Bromberg wird vom Kreisausschuss des Land¬ kreises Bromberg für deutsche Architekten mit der etwas kurzen Frist zum 15. Sept. d. J. erlassen. Es gelangen 3 Preise von 1500, 800 und 500 M. zur Verteilung; die Ge¬ samtsumme der Preise kann auch in anderen Teilbeträgen verliehen werden. Ein Ankauf nicht preisgekrönter Ent¬ würfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Das Programm ent¬ hält ferner die bei öffentlichen Wettbewerben ungewöhn¬ liche und vielleicht auch unbillige Bestimmung: „Wird dem Architekten, dessen Entwurf preisgekrönt worden ist, die Aufstellung des speziellen Bauprojektes über¬ tragen, dann wird der zugefallene Preis auf das zu verein¬ barende Honorar angerechnet.“ Das Preisgericht besteht aus 10 Personen; unter diesen befinden sich aber nur 2 Ver¬ treter des Baufaches: die Hrn. Reg.- u. Brte. Schwarze und Achenbach. Diese beiden Vertreter des Baufaches würden selbst dann in der Minderheit sein, wenn die als beschlussfähig bestimmte Minderzahl von nur 5 Mitgliedern des Preisgerichtes anwesend ist. Das Arbeitsausmaass ist im Hinblick auf die Preise etwas reichlich. Es wer¬ den verlangt: Lageplan 1:500, Grundrisse und Quer¬ schnitte 1:200, 3 Ansichten 1:100, ein Schaubild, ein Erläuterungsbericht und ein Kostenüberschlag der quadra¬ tischen und der kubischen Einheit. Die Baukosten sollen den Betrag von 170 000 M. nicht überschreiten. Das Raum¬ programm gibt zu besonderen Erwähnungen keinen An¬ lass; über Stil und Material sind Vorschriften nicht ge¬ macht. — Rathaus-Wettbewerb Dresden. Es liefen 94 Entwürfe ein gegen 77 Entwürfe des Wettbewerbes von 1901. Der I. Preis wurde nicht verteilt. Die Gesamt-Preissumme von 20 000 M. wurde in vier II. Preise von je 5000 M. zerlegt und diese an die Entwürfe der Hrn. Karl Roth in Darm¬ stadt, F. Ostendorf in Berlin, Jänicke & Wilmsen in Berlin und Meckel in Freiburg i. Br. verliehen. Zum Ankauf empfohlen wurden die Entwürfe der Hrn. Franz Kuhn in Heidelberg und Lossow & Viehweger in Dresden. Die öffentliche Ausstellung der Entwürfe findet vom 16. Juli bis 9. August, täglich von 10—5 Uhr statt. — In einem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Handels¬ kammer-Gebäude in Trier, auf Trierer Architekten beschränkt, erhielt Hr. Ernst Brand den I. Preis und die Ausführung, während ein Entwurf der Hrn. Schmitz und Wirt z zum Ankauf empfohlen wurde. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Mar.-Schiffbmstr. Schirmer wird mit dem 1. Nov. d. J. von Wilhelmshaven nach Kiel versetzt; der Mar.-Schiffbmstr. B ü r k n e r ist z. Beaufsichtigung nach Hamburg kommandiert. Der Bauinsp. L o h s e bei der Ostasiat. Besatzungs-Brigade ist aus dem Reichsdienst entlassen worden behufs Rücktrittes als Reg.- Bmstr. in den Dienst der allgem. Bauverwaltung. Bayern. Zu Eisenb.-Ass. sind ernannt: die Staatsbauprakt. Lehr in Bamberg, Lauböck in Nürnberg, Höhn in Passau, 372 Gleich in Salzburg, Klotz in Donauwörth, Keim in Hof, Schlier in Ansbach, Martin in Kempten und Arnold in Aschaffenburg. Der Ob.-Masch.-Insp. Hauck in Nürnberg ist s. Ans. entspr. in den Ruhestand versetzt. Im Bereiche der Postverwaltupg sjnd folgende die Baubeamten betr. Veränderungen eingetreten: Die Postass. Rapp in Nürnberg und Glauning in Bamberg sind Zu Ob -Postass. bei der Gen.- Dir. bezw. dem Oberpostamte Augsburg befördert; der Ob.-Postass. Wild in München ist zur Gen. -Dir. versetzt. Preussen. Dem Reg.- u. Brt. Tornow in Metz ist der Rote Adler-Orden III. Kl. mit der Schleife und der kgl. Krone, dem Kr.- Bauinsp. G y s s 1 i n g in Gumbinnen der Rote Adler-Orden IV. Kl., dem Bildhaner D u j a r d i n in Metz und dem Landes-Brt., Geh. Brt. W o 1 f f in Posen der kgl. Kronen-Orden III. Kl., dem Garn.-Bauinsp. Zeyss in Berlin, dem Arch. Brecher in Metz, dem Arch. Langenbach in Barmen und dem Arch. W i 1 1 e in Rom ist der kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verliehen. Techn. Hochschule in Aachen. Der Senat für das Jahr 1. Juli 1903 bis dahin 1904 besteht aus den Hrn : Rektor Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. Bräuler (Eisenbahnbau) als Vors., den Vorst, der Abt. Prof. Damert (Architektur), Prof. Dr. Schumann (Bau¬ ingenieurwesen), Prof. Junkers (Maschinen-Ingenieurwesen), GeR Bergrat Prof. Lengemann (Bergbau und Hüttenkunde, Chemie und Elektrochemie), Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. v. Mangoldt (allgem. Wissenschaften), den Mitgl. Prof. Dr. Grotrian, Prof. Dr. Wüst und Geh. Reg.-Rat Dr. W ü 1 1 n e r. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr. Alfr. Singer dem kgl. Polizei-Präs, in Berlin, Lohse der kgl. Eisenb.- Dir. in Berlin und F o e 1 1 n e r der kgl. Eisenb.-Dir. in Breslau. Die Reg.-Bfhr. Osk. Thunsdorff aus Königsberg, Otto B 1 e 1 1 aus Brandenburg, Erh. Gortzitza aus Gumbinnen und Emil P 1 o k e aus Gurkau (Hochbfch.), — Gg. Oppermann aus Meppen u. Otto Schroeder aus Buchholtz (Wasser- u. Strassen- bfch.), — Willy Banck aus Berlin und Witold v. Wyszynski aus Kosten (Eisenbfch.), — Otto A h 1 f aus Linden v. H., Wilh. Weil aus Wiesbaden, Fr. Eckhardt aus Daaden und Otto Kessler aus Berlin (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Der Kr.-Bauinsp. Brt. Breymann in Göttingen ist gestorben. Brief- und Fragekasten. Hrn. E. F. in Stuttgart. Der Sachverhalt, welcher zu der vorgelegten Frage veranlasst hat, ist unklar dargestellt und bietet Raum für Zweideutigkeiten. Scheinbar handelt es sich um die Auf¬ stellung eines Bebauungsplanes für ein der Bebauung erst zu er- schliessendes Ortsgebiet, welcher zwar bereits angefertigt ist, ohne indes bisher höchstinstanzlich genehmigt zu sein. Auf diesem Plane soll ein Bauwerk errichtet werden , für welches die polizei¬ liche .Erlaubnis bereits eingeholt und erteilt ist, das jedoch ein Nachbar beanstandet. Die Gründe, aus denen er dies tut, liefert die Darstellung nicht. Doch gestattet Ihre Bemerkung, „der Nach¬ bar suche auf privatrechtlichem Wege“ die Bauausführung zu ver¬ eiteln, die Annahme, dass der Einspruch darauf gestützt wird, die beregte Baustelle käme an keine angelegte öffentliche Strasse zu liegen und der Bau werde zur Verletzung der Rechte des Einspre- chendeu führen. Sollte diese Annahme zutreffen und der beregte Nachbar beweisen können, dass der Bau zur Verletzung seiner eigenen wohlerworbenen Rechte führen würde — weil vielleicht der Neubau an das Grundstück des Einsprechenden grenzt, welches zwar zum Strassenland bestimmt, dagegen seinem Eigentümer für dasselbe noch nicht entzogen ist — so würden die Gerichte nicht umhin können, entweder durch einstweilige Verfügung oder durch Urteil die Bauausführung zu untersagen, bis die beregte Grundfläche wirklich öffentliche Strasse geworden ist und dem Privateigentum entzogen sein wird. In diesem Falle hätten Sie bezw Ihr Bauherr also mit der Annahme zu rechnen, im Rechtsstreite zu unterliegen. Sollte jedoch der Fall anders geartet sein, so würden wir einer genaueren Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse bedürfen, um Ihre dahingehende Frage beantworten zu können, ob bereits Vor¬ entscheidungen in ähnlichen Fällen ergangen sind. — K. H-e. Hrn. M. M. in K. E. Maassgebend für den Umfang der Beiträge, welche die Anlieger zu den Herstellungskosten einer neuen Strasse zu leisten haben, ist das Ortsstatut, dessen Erlass das G. vom 2. Juli 1875 § 15 vorsieht und welches mutmaasslich auch für Köln-Ehrenfeld erlassen sein wird. Da nun die Anlieger ge¬ setzlich die Kosten der Freilegung, ersten Einrichtung usw- zu tragen haben, kann nicht bedenklich sein, dass der Wert des Strassenlandes mit in Ansatz gebracht werden darf. Nirgends sind die Gemeinden verpflichtet, etwaige der Gemeinde gehörige Grund¬ stücke unentgeltlich herzugeben. Es würde unbillig sein, wenn die Gemeinden die Kosten des Grunderwerbes, welcher für die Stfasse gebraucht wird, in den Selbstkostenpreis einrechnen dürfen, sobald sie neue Erwerbungen vorzunehmen haben, dagegen den Grundwert ausser Ansatz zu lassen hätten, sofern sie Gemeinde-Grundstücke für Strassenzwecke der bisherigen Nutzungsart entziehen und für Strassenzwecke verwenden. Danach ist Ihre Frage dahin zu be¬ antworten, dass der Wert der Grundfläche, welche aus Gemeinde¬ gut hergegeben war, von den Anliegern zu vergüten ist, sofern nicht das Ortsstatut etwas abweichendes bestimmt, woran zu zweifeln ist. — K. H-e. Hrn. A. Sch. in Lübeck. Wenden Sie sich an die Württem- bergische Metallwarenfabrik in Geisslingen. Dieselbe kann Ihnen zweifellos das gewünschte Verfahren für Patinabildung angeben. — Inhalt: Villa Friedrichsruh in Löbtau bei Dresden. — Die geplanten Bionenschilfahrts-Anlagen in Bremen. — Der . Wert der Austrocknungs¬ fristen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. Brief- und Fragekasten. _ Hierzu eine Bildbeilage: Villa Friedrichsruh in Löbtau Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Willi. Greve, Berlin. No. 57. 1 DEUTSCHE BAUZEITUNG 11 | XXXVII. JAHRG. NR 58. BERLIN, DEN 22. JULI 1903 |fg Der wiederholte Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein neues Rathaus in Dresden. (Hierzu die Abbildungen S. 375.) as im Jahre 1900 von der Stadt Dresden erlassene Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den Bau eines neuen Rathauses, welches mit 77 Arbeiten beschickt war und über welches wir im Jahrg. 1901 No. 26 ff ausführlich berichtet haben, hatte nach der Ansicht der städtischen Körperschaften von Dresden keinen Entwurf gezeitigt, welcher zur Ausführung hätte angenommen werden können. Immerhin aber hatte das Preisausschreiben eine Klärung über die Zweck¬ mässigkeit der Bebauung der in Aussicht genomme¬ nen Flächen zurfolge und man glaubte aus seinem Ergebnis und nach Erwägung aller inbetracht kom¬ menden örtlichen Verhältnisse ersehen zu müssen, dass eine Ueberbrückung der Gewandhaus-Strasse und eine Bebauung des von der Gewandhaus-Strasse, der Kreuzstrasse und der Maximilians- Allee umschlosse¬ nen Geländeteiles nicht erwünscht, dass vielmehr die Ausgestaltung eines Platzes vor der Hauptschau¬ seite des Rat¬ hauses eine ge¬ wisse praktische und künstlerische Notwendigkeit sei, trotzdem die das künftige neueRat- haus umziehen¬ den Alleestrassen die stattliche Brei¬ te von 41 m haben. Es erschien zu¬ gleich die gewon¬ nene Ueberzeu- gung als ein so wertvolles neues künstlerisches Motiv für die Anlage und die Gruppierung des nunmehr auf einen kleineren Flächenraum beschränkten Rathauses, dass die Grund¬ lagen zur Erbauung desHauses nicht unwesentlich andere werden mussten und das Raumprogramm einer viel¬ leicht die Gesamterscheinung des Gebäudes verändern¬ den Umarbeitung zu unterziehen war. Der inzwischen erfolgte Ankauf dreier der Kreuzkirche benachbarter Grundstücke durch die Stadt hatte auf diese Verhält¬ nisse geringeren Einfluss, da schon im ersten wie dann auch im zweiten Preisausschreiben der in absehbarer Zeit erfolgende Uebergang sämtlicher auf diesem Ge¬ lände gelegenen nicht städtischen Grundstücke in städti¬ schen Besitz und die Erstreckung der Planung auf das Gesamtgelände zur Grundlage der Entwürfe gemacht waren. Durch den Fortfall jedoch des erstgenannten Geländeteiles wurde dem geplanten Rathause gegen früher soviel Platz entzogen, dass Aenderungen in der Raumforderung notwendig erschienen. Gleichwohl ent¬ schloss man sich, dem neuen Rathause den Charakter eines Geschäfts- und Repräsentations-Hauses zu lassen, denn die Forderung nach Anlage eines etwa 400 Luftraum und 4 qm Grundfläche entfallen. Es müssen so viele Räume vorhanden sein, dass die ledi¬ gen, über 14 Jahre alten Personen nach Geschlechtern getrennt in besonderen Räumen schlafen können und dass jedes Ehepaar für sich und die noch nicht 14-jährigen Kinder einen besonderen Schlafraum besitzt; solche be sonderen Räume können aber auch durch Verschläge von mindestens 2m Höhe hergestellt werden. Die vorstehen¬ den Bestimmungen gelten auch für den Teil, der dem Vermieter nach Abvermietung oder Weitervermietung einer Wohnung verbleibt. — Für Beschaffenheit und Grösse der Schlafräume für Dienstboten und Gewerbegehilfen gilt dasselbe, was oben angegeben ist. Dienstboten und Ge¬ werbegehilfen dürfen — abgesehen von Ehegatten — mit Personen anderen Geschlechtes von über 14 Jahren nicht in demselben Schlafraum untergebracht werden. Zimmer¬ mieter, Einlieger, Schlafgänger dürfen nur aufgenommen werden, wenn die Schlafräume derselben von denjenigen des Wohnungsgebers und seiner Familienmitglieder bau¬ lich oder in einer Weise, die den unmittelbaren Verkehr ausschliesst, getrennt sind. Sowohl die Schlafräume der Zimmermieter usw., als auch diejenigen des Vermieters und seiner Angehörigen müssen hinsichtlich des Luftraumes und der Grundfläche den Vorschriften entsprechen, die oben angegeben sind. Wir sind nicht sicher, dass solche Vorschriften überall ihren Zweck erfüllen, stimmen aber dem Grundgedanken der Vorschriften gern zu. So einschneidend jedoch die angegebenen Vorschriften auch sind, so leicht es vielleicht ist, dem Zwecke derselben „aus dem Wege zu gehen", und welche Mehrkosten bei der Herstellung von Wohnungen sie auch rnit sich bringen werden, so liegt der Schwerpunkt des Gesetzentwurfes doch nicht in ihnen, sondern in denVorschriften zu 4 oben, welche bestimmt sind, die Durchführung der Wohnungsauf sicht zu sichern. Was hiervon bekannt gegeben wird, lässt noch nicht viel Genaueres erkennen, z. B. nicht, ob es sich um eine Wahrnehmung der Wohnungsaufsicht ganz oder überwiegend durch Beamte oder im Ehrenamt tätige Per¬ sonen handelt, welchem Berufe die Beamten der Wohnungs¬ aufsicht angehören sollen und Anderes. Es ist nur festgesetzt, dass in Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern ein Wohnungsamt errichtet werden muss, für kleinere Ge¬ meinden ein Wohnungsamt errichtet werden kann und dass auch mehrere Gemeinden sich zur Errichtung eines Wohnungsamtes zusammentun dürfen. DieWohnungsämter sollen mit dem erforderlichen, in geeigneter Weise vor¬ gebildeten Personal, „insbesondere mit einer genügenden Zahl beamteter Wohnungsaufseher“ besetzt sein. Letztere haben das Recht, bei Ausübung der Wohnungs¬ aufsicht alle Räume, die zum dauernden Aufenthalt von Menschen benutzt werden, sowie die dazu gehörenden Nebenräume, Zugänge, Aborte usw. zu betreten. Wenn Mängel vorgefunden werden, so soll zunächst Abhilfe durch Belehrung, Rat, Mahnung versucht werden und erst wenn dies nicht fruchtet, ist Einschreiten der Polizei zu veran¬ lassen. Den Regierungs Präsidenten und den Oberpräsi¬ denten sollen nach Maassgabe des Bedürfnisses besondere Wohnaufsichts-Beamte, welchen die Ueberwachung der Wohnungsaufsicht der Gemeinden obliegt, beigegeben wer¬ den. Wir würden glauben, dass es sehr zu empfehlen sei, in den Wohnungsämtern neben fest angestellten Be¬ amten auch ehrenamtlich tätigen Personen einen ausgiebigen Raum zur Betätigung zu überlassen. Das, wie überhaupt der Gedanke der Wohnungsaufsicht, dürfte am einfachsten dadurch erreichbar sein, dass man die Woh¬ nungsämter zu Bestandteilen der bestehenden Gesundheits Kommissionen macht. Die Durchführung des Gesetzes soll allmählich ge¬ schehen. Es ist auch an den (recht wahrscheinlichen) Fall gedacht, dass die Vergünstigungen, welche für die Häuser mit kleinen Wohnungen vorgesehen sind, keinen solchen Anreiz auf die Bauunternehmer ausüben, dass sie sich der Herstellung kleiner Wohnungen mehr als bisherzuwenden. Abzuwarten bleibt, was der Landtag an dem Gesetzent¬ wurf etwa verwirft oder ändert; es scheint uns nicht, dass derselbe ungeändert zur Verabschiedung gelangen könnte. Denn dem guten Zweck, mit dem man nur einverstanden sein kann, treten Bedenken in der Richtung hinzu, ob nicht das Gesetz an manchen Stellen die private Bautätigkeit, auf die es doch am meisten ankommt, mehr als erträglich einengen wird. — _ g _ Ueber die Pläne für Stadt- und Vorortbahnen in Hamburg. (Schluss.) ie konstruktive Durchbildung der Schwebebahn zeigt gegenüber der Anlage in Barmen- Elberfeld manche Neuerungen, welche sich teils schon während des Betriebes der Elberfelder Strecke, teils bei dem Weiter¬ bau nach Barmen als zweckmässig herausgestellt haben, ü WM teils durch Hrn. Petersen eingeführt sind. Es sei daher auch hierüber noch einiges mitgeteilt. Die tragende Konstruktion der Schwebebahn ist be¬ kanntlich derart ausgebildet, dass die Schiene jedes Gleises unmittelbar auf dem Schienenträger aufliegt und mit diesem 4x0 No. 63. 8. August 1903. 411 Ueber die Pläne für Stadt- und Vorortbahnen in Hamburg. Abbildg. 5. Bahnhofs -Anlage der Schwebebahn an der Reeperbahn. fest verbunden ist. Der Schienenträger ruht auf Konsolen des Hauptträgers, der seinerseits schliesslich von Stützen oder Portalen getragen wird. Da die Schienen unmittel¬ bar auf dem Schienenträger ruhen, können sie an den Stössen verschweisst werden und erfordern nur, ebenso wie die kontinuierlich durchlaufenden Träger alle 200 — 400 m eine Ausgleichfuge für die Wärme- Ausdehnung, die mit Schienen¬ auszug überdeckt wird. In diesem durchlaufenden Schienen¬ strang ist z. T. das sanfte Fahren auf der Schwebebahn be¬ gründet. Aus der seitlichen Aufhängung der Schienenträger an den Hauptträger entsteht natürlich eine exzentrische Belastung letzterer, der durch die besondere dreiwandige Trägerform begegnet wird, wie sie Rieppel für Barmen- Elberfeld konstruiert hat. Bei diesem Träger werden die infolge der exzentrischen Lage der Last auftretenden Dreh¬ momente von einem wagrecht liegenden Träger aufge¬ nommen, ohne eine wesentliche Zusatzbelastung der lot¬ rechten Tragwand hervorzurufen. Für Hamburg kommt ausser dem Rieppelträger noch ein von Petersen auf ähn¬ licher Grundlage konstruierter steifer vierwandiger Träger mit offenem oder auch mit steifem Querrahmen zur An¬ wendung. Die beiden Systeme sind in der Abbildg. 4 a, b und c wiedergegeben. Da der Rieppelträger ziemlich unempfindlich gegen etwaige Fundamentsetzungen ist, so kommt dieser bei Ueberbrückung von unzuverlässigem Untergrund haupt¬ sächlich infrage, wobei die Brücken selbst als einfache Balken aufgelagert werden sollen. Das System Petersen setzt unnachgiebige Fundamente voraus, wird also haupt¬ sächlich dort anzuwenden sein, wo die Stützen als Portal¬ bögen auf den Kanten der Bürgersteige stehen. Diese Brücken werden alsdann zweckmässig als kontinuierliche Träger in der ganzen Länge zusammenhängend ausge¬ bildet. Auch ist beabsichtigt, den Bahnkrümmungen mit rung der Stützen in der Elbmarsch und in den Kanälen benötigt Pfahlrammungen mit Beton- und Quader- Ab¬ deckungen. Um in den Fleeten die Schiffahrt möglichst unbehindert zu lassen, sind hier die Stützen in der Breite tunlichst beschränkt. Ueber den Isebeck- Kanal werden ähnliche Stützformen wie in Elberfeld gewählt, hier liegen die Fundamente in den Böschungen. Bei allen Stützen ist eine architektonische Ausschmückung in Aussicht ge¬ nommen. Der Aufwand an architektonischer Ausschmückung der Haltestellen wird sich naturgemäss nach der örtlichen Lage richten. Abbildg. 5, S.411, zeigt den Entwurf der Halte¬ stelle Reeperbahn und gibt ein Bild von der geplanten Ausstattung der Haltestellen in der Stadt. Bei der Einrichtung der gesamten Anlage ist auf eineFahr- gesch win digkeit von 50 km in derStun de Rücksicht genommen. Die Anlagekosten für den Bau der zunächst vorge¬ schlagenen 21,2 km langen Strecken mit voller Betriebs- ausrüsturg belaufen sich auf 35,5 Mill. M. Ueber die wirtschaftliche Grundlage des Unternehmens seien noch die hauptsächlichsten Angaben gemacht. Zum Zweck des Baues und der Betriebsübernahme der Vor¬ ortbahn nach dem Schwebebahn-System soll eine Aktien- Gesellschaft in Hamburg mit einem Kapital von 10 Mill. M. gegründet werden, welches von der Kontinent. Ges. und von den Hamburger Elektrizitätswerken aufzubringen ist. Für den Rest der Bausumme sollen Obligationen in zwei Serien von je 12,3 Mill. M. ausgegeben werden. Die Kon¬ zessionsdauer soll 90 Jahre beiragen, nach welcher die gesamten Anlagen mit dem Wagenpark an den Staat fallen. Nach 15 Jahren steht aber schon dem Staat das Erwerbsrecht unter gewissen Bedingungen zu ; der fest¬ zustellende Erwerbspreis soll aber dann mindestens 140% vom Nennwert des Aktien-Kapitales betragen. Verlangt werden ferner die freie Ueberlassungdes Grund und Bodens ,±JL. 20 + 6 l 2 h h 1H ' + ¥)] (, + t j rechts Vierwandiger Träger ,mit offenen Quer¬ rahmen, Bauart Petersen. Gurtkraft proportional. P (*-*) links rechts. a. Dreiwandiger Träger, Bauart Rieppel. Gurtkraft proportional _P 2)1 ' P ~ T _ p ~ T = — . — links. Ii ü einem im Grundriss gebogenen vierwandigen Träger zu folgen. Statische Bedenken liegen hiergegen nicht vor, wohl aber dürfte hierdurch gegenüber der polygonalen Führung der Tragwände wie in Elberfeld eine günstigere ästhetische Wirkung erzielt werden. Die Uebertragung der in dem Viadukt wirkenden Längskräfte geschieht durch die Schienenträger, die ebenso wie die Brücken an denselben Stellen wie die Gleise, also in Abständen von 200 — 400 m, eine Ausgleich¬ fuge für die Wärmeausdehnung erhalten, während dieUeber- tragung der Längskräfte auf die Fundamente durch die mit Kugelgelenken ausgestatteten Stützen erfolgt. Die Stützenform wird in jedem Falle dem Strassen- Querschnitt angepasst. In engeren Strassen und in Strassen mit Bäumen kommen Portalstützen, in breiten Strassen und auf Plätzen Einzelstützen vor. Auch in den Fleeten ist die Stützenform von der Breite derselben abhängig. Ein Beispiel zeigt unsere Abbildg. 3, Seite 399 Die Fundie- Vierwandiger Träger mit steifen Ouer- rahmen. Gurtkraft proportional. P 2 h Abbildg. 4 a — c. an die Gesellschaft durch den Staat und eine gewisse Zinsgarantie. — Der schon erwähnte, vorläufig bekannt gegebene Be¬ schluss des Bürgerschafts- Ausschusses stellt beide Entwürfe dem Senate zur Prüfung zu und spricht sich dabei gleich für den geeigneten Anschluss der Stadtteile Eimsbüttel, Hammerbrook und Billwärder - Ausschlag aus. Es soll ein Einheitstarif von 10 Pfennig für die III. Klasse und 20 Pfg. für die II. Klasse angestrebt werden. Ausserdem sollen noch Arbeiterzüge zu billigen Tarifen abgelassen, Rückfahrkarten zu 10 Pf. eingeführt, sowie Wochenabonne¬ ments zu 1 M. und Monatsabonnements zu 3 M. ausgegeben werden. Bezüglich der Schwebebahn, die nach diesen Be¬ schlüssen keinesfalls auf eigene Rechnung des Staates ge¬ baut werden soll, wird ein Ankaufsrecht nach längstens 30 Jahren Vorbehalten und zwar zu Bedingungen, die nicht ungünstiger sein dürfen, als sie im preussischen Kleinbahngesetz vorgesehen sind. — Das ist der augenblickliche Stand der für die Verkehrs- Entwicklung Hamburgs hochwichtigen Frage. — X. Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Garn.-Bauinsp. Hohn in Mannheim wird zum 1. Jan. 1904 als techn. Hilfsarb. zur Int. des XIV. Armee- Korps versetzt. Baden. Dem Prof. Rehbock an der Techn. Hochschule in Karlsruhe ist das Ritterkreuz I. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Die Eisenb.-Ing. Speckter in Karlsruhe und Nagelstein in Lauda sind landesherrlich angestellt. Preussen. Dem Reg -Bmstr u. Eisenb.-Dir. a. D. Schirmer in Stettin ist der Rote Adler-Orden IV. Kl. verliehen. Dem Min.- u. Ob.-Baudir. Hinckeldeyn ist die Erlaubnis zur Annahme und Anlegung des ihm verlieh, fürstl. Schwarzburg. Ehrenkreuzes I. Kl. erteilt. Dem Eisenb.-Dir Reiche, bisher Vors, der Dir. der Star- gard-Küstriner Eisenb., ist der Char. als Geh. Brt. verliehen. — Die Wahl des Geh. Reg.-Rats, Prof. Dr.-Ing. Ende zum Präs, der Akademie der Künste in Berlin für das Jahr 1. Okt. 1903 bis da¬ hin 1904 ist bestätigt worden. Inhalt: Der wiederholte Wettbewerb zar Erlangung von Entwürfen für ein neues Rathaus in Dresden (Schluss) — Bevorstehender Erlass eines Wohnungs-Gesetzes für Preussen (Schluss). — Ueber die Pläne für Stadt- und Vorortbahnen in Hamburg (Schluss). — Personal-Nachrichten. Hierzu eine Bildbeilage: Entwürfe für ein neues Rathaus in Dresden. _ Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 63. 412 11 DEUTSCHE BAUZEITUNG 11 || XXXVII. JAHRG. NR 64. BERLIN, DEN 12. AUG. 1903 || Zum Andenken an Charles Garnier. m 20. Juni dieses Jahres hat man in Paris vor der Bibliothek der Grossen Oper, seines bedeutendsten Werkes, an der Ecke der Rue Scribe und der Rue Werk Pascals, in seinem bildnerischen Teil mit Aus¬ nahme der Büste ein Werk des Bildhauers Thomas. Die Büste ist eine Wiederholung des trefflichen plastischen Auber, ein Denkmal für Charles Garnier errichtet, welches, wie die hier wiedergegebene Abbildung zeigt, zu den eigenartigsten Werken der neueren Denkmalkunst gehört. Das Denkmal ist in seinem architektonischen Aufbau das Bildwerkes, welches seinerzeit Carpeaux nach dem ju¬ gendlichen Garnier schuf. Das Denkmal erreicht eine Höhe von 8 es besteht aus rotem schottischem Granit. Auf seiner Vorderfläche ist in Goldlinien der Grundriss 4i3 der Grossen Oper wiedergegeben. Die Inschrift spricht die Widmung: „Charles Garnier 1825 — 1898“ aus. Ueber dem unteren Sockel erhebt sich ein kleinerer Sockel für die Aufstellung der Büste, der an seiner Vorderseite mit dem Wappen von Paris geschmückt ist. Den unteren Sockel begleiten zur Seite grosse Voluten, auf welchen die lebhaft bewegten bronzenen Jünglingsgestalten „Zeichen¬ kunst" und „Ruhm" sitzen. Es ist nur natürlich, dass die Reden, welche bei der Enthüllung des schönen Denkmals gehalten wurden , in erster Linie auf die Grosse Oper Bezug nahmen. Der Erfolg, den damals Garnier als junger und unbekannter Architekt errang, ist um so bemerkenswerter, als er gegen eine starke Hofströmung erkämpft werden musste. Aus einem internationalen Wettbewerb waren fünf Architekten als Sieger hervorgegangen, unter welchen ein engerer Wettbewerb um die Ausführung eröffnet wurde. Die Stimmung war mit Bezug auf die vom Hofe Napoleons III. ausgehenden Bestrebungen eine so skeptische, dass nur drei Architekten an dem engeren Wettbewerb teilnahmen: Garnier, Ginain und Garnaud. Garnier blieb Sieger und durfte in i5jähriger Bauzeit (1861 — 1876) das Werk er¬ richten und vollenden, auf welches die französische Nation mit berechtigtem Stolze dem Ausland gegenüber hinblickt. So wie die Oper ein volkstümliches Werk geworden ist, so ist das Denkmal ihres Erbauers durch öffentliche Bei¬ träge erstanden. „Souscription publique“ verkündet das Denkmal selbst nicht ohne Stolz. — Der Siegwart-Balken. (Nach Vorträgen des Ziviling. Stobrawa in Köln a. Rh., gehalten in den Architekten-Vereinen zu Köln, Düsseldorf und Bremen.) den kleinsten und grössten Querschnitt wieder. Die Stärke der Eiseneinlagen schwankt zwischen 5 und 10 mm. Neben diesen Normalprofilen werden noch andere, Spezialprofile, erstellt. Wie bei allen anderen Konstruktionen aus Beton mit Eisen nimmt auch bei dem Siegwartbalken das Eisen die Zugspannungen auf, während der Beton hauptsächlich zur Aufnahme der Druckspannungen bestimmt ist. Da Abbildg. 5. Eiserne Kernform. aus Rücksichten der Herstellung der Balken nur ein grob¬ körniger Sand (Mischungsverhältnis 1 Zement auf 5 Sand), kein grober Kies verwendet wird, so ist die Druckfestig¬ keit eine hohe. Die Balken werden hohl hergestellt, da¬ mit sie bei annähernd gleicher Tragfähigkeit ein kleineres Gewicht als volle Balken erlangen, was namentlich im Hinblick auf die Transportkosten wichtig ist, und ausserdem dürfte sich eine Decke aus hohlen Balken günstiger in- bezug auf Schalldämpfung und Wärmeleitung verhalten, als eine massive. Die Seitenflächen der Balken werden geriffelt ausgeführt, damit der Zementverguss der Fugen sich innig mit dem Balken verbindet und das Ganze eine zusammenhängende ebene Decke bildet. Ein guter Aus¬ guss der Balkenfugen ist sehr wesentlich und macht die Böden tragfähiger und sicher vor Rissen. Die in den Seitenwandungen der Balken eingelegten Eisendrähte haben gewöhnlich 5— 8mm Stärke und ihre Zahl ist in der Regel sechs. Zwei davon verlaufen pa¬ rallel zur Unterkante des Balkens, die vier übrigen werden an den Enden nach oben abgebogen und am Ende in eine Schleife umgebogen, um die Ankerwirkung zu verstärken und um die negativen Auflagermomente aufzunehmen. Bei der Herstellung der Balken werden die Drähte durch geeignete Vorrichtungen angespannt, so- dass sie beim Einstampfen des Betons ihre Lage genau bei¬ behalten. Der Zementzusatz muss der dünnen Wandun¬ gen wegen verhältnismässig reichlich, genommen werden; um so zuverlässiger wird die Adhäsion zwischen Beton und Eisen erreicht, worauf auch die Zerteilung des Eisens *) Anmerkung der Redaktion. Durch diese Herstellung in der Fabrik ist dem Verbraucher jedoch die eigene Kontrolle über die Güte der Materialien und der Ausführung benommen, die höchstens durch Belastungs¬ proben, zu denen es aber zumeist an Zeit fehlen wird, in etwas ersetzt werdea kann. Absolute Zuverlässigkeit und Sachkenntnis des Unter¬ nehmers ist also hier in noch höherem Maasse die Vorbedingung der An¬ wendung des Systems, als bei der Herstellung der Betoneisen-Konstruktion im Bau. |,«2&g|ine interessante Erweiterung und Verbesserung der | ^ nach den Verfahren von Monier, Hennebique, Koenen u. A. mehr und mehr in Anwendung kommen¬ den Decken- Konstruktionen aus Beton und Eisen bildet ein von dem Arch. Siegwart in Luzern erfundenes Ver¬ fahren, nach welchem die zu verlegende Betondecke vorher in einzelnen Streifen oder Balken fabrikmässig hergestellt wird. Es werden armierte hohle Zement- bezw. Betonbalken, in deren Seitenwandungen Rund¬ eisen bezw. Drähte zur Auf¬ nahme der Zugspannungen ein¬ betoniert sind, in der Fabrik hergestellt und kommen als aus¬ getrocknete fertige Tragbalken auf die Baustelle, wo sie ohne Verschalung frei auf den Trage¬ mauern dicht nebeneinander ver¬ legt werden. Die Längsfugen werden sodann vergossen und es ist somit in kürzester Frist von Stockwerk zu Stockwerk ein geschlossener, sofort wieder nutzbarer Arbeitsboden herge¬ stellt. Hierin liegt ein Vorzug gegenüber der üblichen Her¬ stellung von Decken aus armier¬ tem Beton oder aus Steinmate¬ rial, da diese abhängig ist von Witterung und Temperatur und da solche Böden auch nicht so¬ fort nach der Herstellung be¬ nutzt werden dürfen, sondern geraume Zeit zur Erhärtung und Trocknung brauchen. Die Ge¬ rüste und Verschalungen der armierten Betonböden müssen ebenso lange stehen bleiben, bis diese Trocknungs- und Erhär¬ tungsprozesse vorüber sind, und solange sind diese Böden auch unbenutzbar und die stehen bleibenden Gerüste für den weiteren Ausbau der Räume störend Ein weiterer Vorteil der Zementhohlbalken ist der, dass man zum Verlegen keiner anderen geschulten Leute bedarf, als der gewöhn¬ lichen stets vorhandenen Bauarbeiter; die von den Be¬ hörden meistens verlangte ständige ^Kontrolle fällt hier ausser Betracht. Es möge ferner nicht unberücksichtigt bleiben, dass die auf dem Bau selbst hergestellten Massivdecken mit Eiseneinlagen nur dann Anspruch auf Tragsicherheit und Vorhandensein der rechnerischen Tragfähigkeit machen können, wenn der Beton in durchaus homogener Mischung eingestampft und in seinem Abbinden nicht durch Er¬ schütterungen, Frost oder viel Regen gestört wird: die maschinelle Durchführung der Betonmischung und die Herstellung einer schablonenmässig genau ausgeführten Arbeit wird sich in einer Fabrik jedenfalls leichter aus¬ führen und überwachen lassen, als auf dem Bau*). Die einzelnen Balken haben eine gleichmässige Breite von 25cin und werden in vier Qaerschnittsformen herge¬ stellt, und zwar 12, 15, 18 und 21cm hoch, je nach der Spannweite und Belastung. Wir geben in Abbildg. ia u. b No. 64. 414 cJ-gt rbo^vg-c WMSffl'- , ' >' / ; Abbildg. ra und b. Grösster und kleinster Normal-Querschnitt. Abbildg. 2. Decke mit Unterzügen. Abbildg. 3. Deckenbildung mit gestossenen Balken. Abbildg. 4. Auflagerung auf eisernen Unterzügen und Ausbildung überkragender Konstruktionen. 12. AugUSt I903. in einzelne Drähte durch die gleichzeitige V ergrösserung der Ad¬ häsionsfläche günstig einwirkt. Die Verlegung der Balken erfolgt ganz wie diejenige von Holz¬ balken auf den abgegli¬ chenen Tragemauern oder auf Unterzügen von I-Trägern und zwar so dicht neben¬ einander, dass die etwas vor¬ stehenden Unterkanten der Bal¬ ken einander berühren und eine sich nach oben verbreiternde offene Vergussfuge bleibt. Zur Teilung grösserer Spannweiten können anstelle der I-Träger auch Unterzüge in armiertem Beton, die nach den gleichen Grundsätzen gebaut sind, ver¬ wendet werden. Diese Unter¬ züge können unter oder zwi¬ schen die Balken gelegt wer¬ den, falls an Raum gespart werden soll. Letztere Anord¬ nung zeigt Abbildg. 2. Das eine Auflager-Ende der Balken wird von Anfang an massiv hergestellt, das andere durch einen eingelegten Betonring verstärkt. Die Balken werden in den genannten Profilen in beliebigen Längen, in Luzern bis 5,5 m( jn Italien bis 6,5 in Russland bis 7,5 m Spannweite hergestellt. Es lassen sich aber auch für grös¬ sere freitragende Spannweiten kurze Balken verwenden, indem man den einzelnen Teilen un¬ gleiche Längen gibt, die Stoss- fugen abwechselt und in die Zwischenfugen besondereDraht- anker einlegt und dannvergiesst, vergl. Abbildg. 3. Die Balken eignen sich, ab¬ gesehen von ihrer Verwendung zu ebenen Decken, auch zu Terrassen, Holzzementdächern, Treppenpodesten, Baikonen, so¬ wie zu senkrechten Wänden mit seitlichem Druck in Kohlen¬ bunkern, Speichern usw., zu Heizungs - Kanälen, Gehwegen steinerner und eiserner Brücken und zur Abdeckung von Indu¬ striekanälen. Für auskragende Konstruktionen muss die Draht¬ armierung der Belastungsweise entsprechend in anderer Anord¬ nung eingelegt werden, vergl. Abbildg. 4. Die Fertigstellung der Decken und der Fussböden bereitet wei¬ ter keine Schwierigkeit. Ist ein Parkettboden vorgesehen, so werden in die Zwischenfugen die Lagerhölzer eingekeilt, auf denen der Blindboden oder auch unmittelbar das Parkett befestigt wird. Handelt es sich um einen Plattenbelag, Mosaik u. dergl., so wird dieser Bodenbelag un¬ mittelbar auf den Zementbalken in eine Mörtellage gebettet. Soll ein Korkteppich oder Linoleum gelegt werden, so wird der hier¬ zu notwendige Gipsestrich über einer Lage Sand hergestellt, um ihn von der Deckenbewegung unabhängig zu machen. Die untere Fläche der Balken kann über Kellerräumen ungeputzt gelassen werden, für andere Räumlichkeiten genügt ein ein¬ faches Abfilzen mit Gips. Für 4*5 bessere Räume werden die Balken mit glatter Unterseite hergestellt, sonst rauh, damit auch gewöhnlicher Putz da¬ ran haftet. Eine Reihe von Belastungsproben, die in den letzten beiden Jahren, zumteil auch in der Versuchsanstalt in Charlottenburg, gemacht worden sind, haben durchweg gute Ergebnisse gehabt und bei drei bis vierfacher Nutz¬ last nur Durchbiegungen von einigen Millimetern gezeigt. Der Preis der Siegwart-Balkendeeke für die oben genannten Spannweiten, fertig im Bau versetzt und mit Fugenausguss, stellt sich billiger wie die auf den Baustellen mittels Schalungen und Gerüsten ausgeführten Decken. Die Herstellung der Balken, wie sie in der Fabrik der Siegwart- Balken A.-G. in Luzern geübt wird, vollzieht sich folgendermaassen : Die Balken werden nicht einzeln hergestellt, sondern in 2,5 m breiten Schichten. Der Hohl¬ raum wird durch je ein eisernes Kernmodell, Abbildg. 5, gebildet, an welchem mittels Drahtbügeln die Rundeisen¬ einlagen und Anker an den Seitenwandungen unverrück¬ bar befestigt sind. Die Kernmodelle können durch einige Kurbeldrehungen einer Schraube in ihrem Querschnitte verkleinert und nach der Erhärtung des Betons her¬ ausgezogen werden. Die einzelnen Balken werden durch Zerschneiden der Schichten in frischem Zustande durch eigenartig konstruierte Schneidemaschinen von einander getrennt. Nach erfolgtem Schnitt wird das Ganze ge¬ ebnet, mit etwas trockenem Sand bestreut, und sogleich kann eine weitere Lage Balken darauf hergestellt werden usw. bis zu 8 Schichten übereinander. Die Schneide¬ maschine ist dazu in der Höhe verstellbar eingerichtet. Ein solcher Block enthält bei 5 m Balkenlänge 100 qm Decken und stellt etwa eine Tagesleistung dieser Fabrik der, die etwa 25 Arbeiter imganzen beschäftigt, einschliess¬ lich aller Nebenarbeiten, wie Betonmischen, Zutragen, Draht biegen und befestigen an den Kernmodellen, Trans¬ port der fertigen Balken aufs Lager, Verladen der zu versendenden Balken, Reinigen usw. Sechs bis acht Stunden nach dem Einstampfen ist der Belon soweit erhärtet, dass die zusammenlegbaren Kern¬ modelle herausgezogen und anderweitig verwendet wer¬ den können, während man die Balken noch 4 bis 6 Tage fest werden lässt, bevor sie von einander getrennt und auf’s Lager gebracht werden. Nach 2 bis 4 Wochen, je nach der Güte des verwendeten Zementes, haben die Balken dann genügende Tragfähigkeit erreicht, um auf die Bauten geliefert werden zu können. Die Fabrikation der Balken und die zu ihrer Her¬ stellung notwendigen Maschinen sind durch Patente in allen Ländern geschützt, jedoch sind Lizenzen auch an grössere Betonbaugesellschaften in Deutschland vergeben, sodass die Fabrikation also auch hier erfolgen wird. Eine grössere Anzahl von Privat- und Staatsbauten in der Schweiz sind bereits mit Siegwart- Balkendecken versehen worden. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben des Architekten Vereins zu Berlin betrifft Entwürfe für die Parzellierung und Bebauung eines Baublocks im Westgelände von Schöneberg. Der Baublock, für den nur Wohnhäuser inbetracht kommen, hat eine Länge von 280 und eine wechselnde Breite von 51— 67 m. Die Parzellierung soll so stattfinden, dass die unbebauten Teile sämtlicher Grundstücke zur ausgiebigen Durchlüftung und Beleuchtung des Inneren des Blockes eine zusammen¬ hängende Fläche bilden. Die Ausnutzung darf nicht hinter dem Zurückbleiben, was nach der bisher üblichen Art der Bebauung möglich ist. Die Gebäude sollen durchweg 5 be¬ wohnbare Geschosse mit „hochherrschaftlichen“ Wohnun¬ gen von 8 — 12 Zimmern erhalten. Das Berliner Zimmer soll vermieden werden. Es sind zu liefern ein Bebauungs¬ plan 1 : 500, 2 Grundrisse 1 : 200, eine Fassade 1 : 100. Zwei Preise von 600 und 400 M., deren Summe auch anders verteilt werden kann, sind in Aussicht gestellt. Termin 19. Sept. Das Preisgericht bildet der betr. Ausschuss des Architekten-Vereins. — Zu einem Preisausschreiben betr. Entwürfe für eine katholische Kirche zu Mayen, Reg.-Bez. Koblenz, sind in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen ansässige Architekten eingeladen. Für die zum 1. Nov. d. J. ein¬ zusendenden Entwürfe stehen ein I. Preis von 15°°) ein II. Preis von 900, ein III. Preis von 600 und 4 IV. Preise von je 250 M. zur Verfügung. Dem 7gliedrigen Preisgericht gehören als Architekten an die Hrn. Reg - u. Brt. v. Behr in Koblenz, Diözesanbmstr. Renard und Prof. Rincklake in Köln, sowie Stadtbmstr. de Witt in Mayen. Bedingungen und Bauprogramm unentgeltlich, Lageplan und Profilzeich¬ nungen gegen 5 M. durch Hrn. Dechant Kir vel in Mayen — Von dem Wettbewerb zur Gewinnung von Plänen für ein Regierungs-Gebäude in Lima, ausgeschrieben von der Peruanischen Regierung (vergl. S. 308) mit Frist zum 31. Dez. d. J. erhalten wir jetzt nähere Nachricht. Das Gebäude, das mit einem Kostenaufwande von 3 Mill. M. zu errichten ist und eine Fläche von fast i4Coo p X 77 X III X - - • EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUNG. GANG. * * N2- 65. * DEN 15. AUG. 1903. * *sss«sss*«ssss Abbildg. 1. Die Schwabentor-Brücke in Freiburg i. Br. Die neuen Strassenbrücken in Freiburg im Breisgau. Von M. Buhle, Stadtbmstr. in Freiburg. (Hierzu eine Bildbeilage.) m Jahre 1897 berichteten wir in No. 29 der „Dtschn. Bauztg.“ kurz über das Ergebnis des Wettbewerbes, der für 3 Fahrbrücken und 3 Fussgängerstege in Freiburg i. Br. seitens der Grossherzog]. Strassen-Bauverwaltung in Ge¬ meinschaft mit der Stadtgemeinde ausgeschrieben war. Das Hochwasser der Dreisam vom 8. und 9. März 1896 hatte die Schwabentor -Brücke und den Fabrik- strassensteg hinweggerissen. Bei der Kaiserstrassen- Brücke und der Gartenstrassen-Brücke lag während des Hochwassers zeitweilig die Gefahr einer Hinterspülung der Widerlager vor; die Weite dieser Brücken erschien unzureichend und da sie auch hinsichtlich der Breite nicht mehr dem wachsenden Verkehr genügten, so waren auch hier neue Bauwerke in Aussicht genom¬ men. Es war ferner schon längst der Wunsch der Be¬ völkerung, an zwei anderen Stellen der Dreisam eine Verbindung zwischen den beiderseitigen Stadtteilen zu erhalten, und man beschloss, auch hier zwei Fuss¬ gängerstege zur Ausführung zu bringen, sodass sich der Wettbewerb auf 3 Brücken und 3 Stege erstreckte. Das Ergebnis des Wettbewerbes (insgesamt 25 Ent¬ würfe für 6 Bauwerke von 11 Bewerbern) war kein recht befriedigendes. Die Ausführung der 6 neuen Bauwerke hat sich wesentlich anders gestaltet, als dies nach dem Wettbewerb erwartet werden konnte. Es wird daher nicht ohne Interesse sein, auf die Bau¬ werke nunmehr nach ihrer Vollendung etwas näher einzugehen, wobei z.T. auch noch auf die wechselvolle Vorgeschichte zurückgegriffen werden muss. Die Bedingungen für den Wettbewerb waren un¬ günstig. Das Flussprofil sollte nach Vorschrift der Staatsbehörde in 34 m Weite und bis zur Höhe von 3,7 m über der Flussohle (1,2™ über dem angenomme¬ nen Höchst-Hochwasser) von allen Finbauten frei sein; keine Teile der Ueberbrückung sollten unter diese Linie hinabreichen, andererseits konnten die beiderseitigen Strassen, welche 5 — 6m über der Flussohle liegen, nicht gehoben werden; die Brückenmitte durfte nicht wesent¬ lich höher gelegt werden, als die den Wasserlauf seit¬ lich begleitenden Strassen; es sollten aber auch die Konstruktionsteile der Brücken möglichst nicht aus der Verkehrsbahn herausragen, um Aussicht und Ver¬ kehr in keiner Weise zu beschränken. Es war daher für den Brücken-Konstrukteur ein nur sehr knapper Raum vorgeschrieben, in welchem er seine Konstruk¬ tion unterbringen musste. Vergeblich hatte die Stadt¬ gemeinde versucht, eine Einschränkung der Brücken¬ weite durchzusetzen, hatte doch die alte Kaiserstrassen- Brücke nur 18 m Lichtweite, die zerstörte Schwaben¬ tor-Brücke 3 Oeffnungen von ungefähr je 6m; ausser¬ dem besass die nicht zur Erneuerung vorgesehene staatliche Eisenbahnbrücke auch nur 18 m Weite, bei etwas grösserer Lichthöhe als die Kaiserstrassen- Brücke. Es war die stadtseitig erstrebte Herabminde¬ rung der Lichtweite von 25 m nicht durchzusetzen, ob¬ gleich diese Einschränkung nur kleine hochliegende Vorlandteile getroffen hätte. Die maassgebenden Be¬ hörden verlangten für den Fall einer solchen Ein¬ schränkung, dass der ganze Dreisamlauf mit senkrechten Mauern von 25“ Abstand auf städtische Kosten ein¬ gefasstwerde, was die Stadtgemeinde ablehnte, und zwar in der Hauptsache mit Rücksicht auf gutes Aussehen. Die Wettbewerbspläne zeigten daher vorwiegend Fachwerkträger von knapper Höhe, mit unten wagrechter oben mässig gekrümmter Gurtung. Für die Schwaben¬ tor-Brücke, an deren Stelle allein die Dreisam ein von senkrechten Mauern begrenztes Profil von 25 m Weite 417 hat, lief auch ein Entwurf zu einer Bogenbrücke mit aussergewöhnlich flachem Bogen, i : 18,5 Pfeilmaass, von Klönne in Dortmund ein; ebenso wurde für die Kaisei'- strassen-Brücke eine Bogenbrücke von 34 m Weite, aber mit sehr knappen Abmessungen im Scheitel (0,52 m) und mit ebenfalls sehr flachem Pfeil (1:17,5) eingereicht. Die knappe Scheitelhöhe beeinträchtigte im Zusammen¬ hänge mit der geringen Pfeilhöhe das Sicherheits- Empfinden und der sehr flache Bogen liess das Bau¬ werk nicht mehr als schön erscheinen. Für die Garten- strassen-Brücke war ein Entwurf eingereicht, welcher in der Seitenansicht den Eindruck einer Bogenbrücke machen sollte; es waren 2 Balkenträger mit im Pfeil¬ maass von 1 : 34,2 gekrümmten Gurtungen vorgesehen, deren aus der Verkehrsbahn herausragende Obergurte sich hinter den gusseisernen Geländern verbergen sollten. Für 2 Stegbauten, bei denen die Mitte 0,5 m höher als bei den Brücken gelegt werden durfte, waren Bogen-Konstruktionen in Beton und Eisen vorgeschla¬ gen, die aber einen etwas schweren Eindruck machten und dadurch den Charakter der Bauwerke als „Stege für Fussgänger“ kaum genügend zum Ausdruck brachten. Ueber die Wettbewerbs-Bedingungen hinwegge¬ setzt hatten sich Krone inAnklam und Bodo Ebhardt in Berlin-Grunewald, die eine Steinbrücke planten, bei der sie mit dem Bogen am Widerlager 0,87 m tiefer als vorgeschrieben, also bis 0,33 m über die angenommene höchste Hochwasserlinie hinabgingen. Der Entwurf wurde angekauft; er zeigte in überzeugendster Weise, wie viel schöner sich die Bauwerke in dieser Weise ge- Bei der Kaiserstrassen-Brücke, jetzt Kaiser-Brücke, der Gartenstrassen-Brücke, jetzt Friedrichs-Brücke, dem Luisensteg und dem Mariensteg reichen die Eisen-Kon¬ struktionen 0,60 m, 0,60 m, 0,40 m und 0,20 m tiefer, als es nach den Wettbewerbs-Bedingungen statthaft war, lie¬ gen also daselbst immer noch 60 cm, 60 cm, 40 cm und 20 em über dem angenommenen Höchst-Hochwasser, und die neuen eisernen Bogen -Konstruktionen konnten mit einemPfeilmaass von 1:12 bis 1:13,5 ausgeführt werden. Zuerst wurde die „Schwabentor-Brücke“ als die am dringendsten notwendige Brücke erbaut. Für diese ist die staatlichersei ts gestellte Forderung für die Höhe des Durchflussprofiles zugrunde gelegt, die mit Rücksicht auf die senkrechten Ufermauern hier auch gerechtfertigt erscheint. Für die Eisen-Konstruktionen dienten als Grundlage die von der Masch inenbau- A.-G. Nürnberg bei dem Wettbewerb vorgeschlagenen Konstruktionen. Es wurden jedoch Vollwand-Träger ausgeführt, während die Gesellschaft nur Fachwerk vorgeschlagen hatte, weil der schwere Vollwand-Träger besser zu der mittelalterlichen Architektur passt, die man für den Schmuck des Bauwerkes anstrebte. Für die architektonische Ausbildung fand nochmals zwischen Hermann Bil ling und Fritz Bauer ein engerer Wett¬ bewerb statt, für dessen besonderes Programm der erste Billing’sche Entwurf Anhaltspunkte gab. Der Bauer’sche Entwurf ist ausgeführt worden. Die schwere Brücken-Konstruktion mit den diagonal einander gegenüber stehenden Türmen (in denen ein bei Plochwasser benutztes Wasser -Wachlokal und die Abbildg. 3 b. Bogenfuss und Auflager der Kaiserbrücke. stalten lassen würden , so dass die Stadtgemeinde sich aufs neue bemühte, einentsprechendesEntgegenkommen der Staatsbehörden zu erreichen. Nach 1 ‘/2jährigen Ver¬ handlungen glaubte sie an ihr Ziel gelangt zu sein und veranstaltete bezügl. der architektonischen Aus¬ gestaltung der geplanten Stein brücke einen engeren Wettbewerb zwischen Bodo Ebhardt, Fr. Bauer in Freiburg und Hermann Billing in Karlsruhe (letztere beiden hatten bei dem ersten Wettbewerb in Gemein¬ schaft mit J. Kübler in Esslingen und W. O. Luck in Frankfurt den ersten und zweiten Preis für die Kaiserstrassen-Brücke erhalten), aus welchem Fr. Bauer als Sieger hervorging. Im letzten Augenblick erklärte die Staatsbehörde jedoch, dem Plane ihre Zustimmung nicht geben zu können. Eine derart flach gespannte Steinbrücke (1 : n) sei wohl ausführbar, wo man auf Felsen gründen könne; der hier zur Verfügung stehende Untergrund — grobes mit Sand vermischtes diluviales Flussgeschiebe — biete dagegen nicht die erforderliche Sicherheit. An diesem Bescheide änderten auch weit¬ gehende Sicherheits-Vorschläge der Stadtgemeinde und auch ein günstiges Gutachten des Hrn. Prof. Müller- Breslau in Berlin nichts. Die Stadtgemeinde musste endgiltig den Plan aufgeben, eine oder mehrere Stein¬ brücken über die Dreisam auszuführen. Wenigstens der Erfolg aber wurde erzielt, dass man schliesslich mit eisernen Bogenbrücken am Widerlager tiefer hin¬ abgehen durfte, als es früher gestattet werden sollte. Diesem Umstande ist es zu danken, dass im grossen Ganzen die geplanten Bauwerke in schöner Form ausgeführt werden konnten, so dass sie dem Stadt¬ bilde zur Zierde gereichen. 418 Stellfallen eines bei der Brücke abzweigenden Gewerbe¬ baches untergebracht sind), die ebenfalls diagonal gegen einander stehenden Standbilder von Albertus Magnus, dem gelehrten Mönch, der an der Planung des Münsters mitgearbeitet hat, und dem Ritter Martin Malterer, der seinen verwundeten Herrn, Herzog Leopold von Oesterreich, beschirmt und über ihm in der Schlacht bei Sempach seinen Tod fand (in Sand¬ stein von Bildhauer Seitz in Freiburg ausgeführt), vereinigen sich zu einem mittelalterlich anmutenden Bilde von originellem Reiz, wenn der Plan auch wegen der ungewöhnlichen Stellung der Türme und Stand¬ bilder und der befürchteten Beeinträchtigung der Aus¬ sicht durch die Türme anfänglich sehr viele Gegner fand. Es dürfte jetzt aber wohl nur Wenige geben, die den damaligen gegnerischen Standpunkt noch verfechten möchten. Nur die wenig glückliche Art der Bemalung der äusseren Brückenträger hat noch nicht viele Freunde erworben und wird wohl eines Tages geändert werden. Auch breiter hatte man die Brücke gewünscht (sie besitzt 2X3™ Gehwege und 8m Fahrbahn), wofür ein Bedürfnis selbst bei bedeu¬ tender Zunahme des Verkehres nicht anerkannt wer¬ den kann, während das Architekturbild kaum ge¬ wonnen haben würde. Die Eisenkonstruktion ist dreiteilig und besteht aus 2 Fussweg-Brücken und 1 Fahrbrücke, die ohne eigent¬ liche Verbindung neben einander gelegt sind. Von der Erschütterung der Fahrbahn durch Fuhrwerke wird deshalb auch auf die Gehwege kaum etwas über¬ tragen. Die 4 Fahrbahnträger haben ein Verhältnis zwischen Höhe und Länge von 1 : 24,6; die geringe No. 65. Brückenmitte Querschnitte 15. August 1903. 419 Höhe kommt im Brückengewicht entsprechend kräftig zum Ausdruck und lässt die Querversteifung, durch welche örtliche Lasten auf möglichst viele Hauptträger übertragen werden, als sehr zweckmässig erscheinen. Wir geben in unserer Bildbeilage eine Gesamtansicht der Brücke, in Abbildg. i einen Blick auf die Fahr- bahnundin Ab- bildg. 2 einen Querschnitt des Ueberbaues. — PAls zweites Bauwerk kam die Kaiser- Brücke zur Ausführung. Die Firma Pb. Holz mann & Co. in Frank¬ furt a. M. lie¬ ferte der Staats- Behörde die Konstruktions¬ zeichnungen dieser Brücke, während die Stadtgemeinde die Architektur durch Arch. Fr. Bauer in Frei¬ würde aber einen hässlichen Buckel in dem geraden Strassenzuge gegeben haben, in dem die Brücke liegt. Jetzt ist die Brücke 0,25 m höher als die seitlich vor¬ beiziehenden Strassen, von denen die Fahrbahn zur Brückenmitte mit rd. 1:76 steigt. Das Bild würde auch dann ein günstigeres gewesen sein, wenn die Ver¬ hältnisse nicht die knappe Scheitel stärke und die massi¬ ge Pfeilhöhe 1:13,5 bedingt hätten. Die aus Granit herge- stelltenWider- lager zeigen an den Ecken mittelalterlich gehalteneAuf- bauten, ge¬ krönt von Kai¬ ser - Standbil¬ dern aus Bron¬ ze in doppelter Lebensgrösse (FriedrichBar- barossa und Heinrich V., modelliertvon Bildhauer Jul. Seitz in Frei¬ burg ; Maximi- lianl. und Ru¬ dolf von Habs¬ burg, model¬ liert von Prof. Dietsche in Karlsruhe). Bei den seit¬ lich von den Kaiser- Stand¬ bildern ange¬ brachten Kan¬ delabern hat sich derArchi- ten liess. Wir geben in den Abb. 3—5 eine Aufnahme der Brücke , einen Querschnitt, so¬ wie eines der auf der Brücke stehenden Kai¬ ser-Standbilder wieder. Der Querschnitt zeigt im beson¬ deren die wenig Übliche Lä n gS- Abbildg. 4. Standbild Friedrich I. Barbarossa auf der Kaiser-Brücke. Abbildg. 5. Die Kaiser-Brücke. anordnung der Belageisen, bedingt durch die geringe verfügbare Höhe, und die Verwendung von die Haupt¬ träger deckenden Eisenkasten, weil hier der Platz für Belageisen nicht mehr vorhanden war. Das Bauwerk würde gefälliger geworden sein, wenn man die Mitte hätte höher legen können, als es geschehen ist. Das tekt, wohl um den Eindruck der Standbilder nicht zu be¬ einträchtigen, etwas reichlich Zurückhaltung auferlegt. Die Laternen könnten ohne Schaden entfernt werden, da sie ihren Zweck doch nicht mehr zu erfüllen haben. Die Brücke hat inzwischen elektrische Beleuchtung von anderen Punkten her erhalten. (Schluss folgt.) No. 65. 420 Abbildg. 8. Französischer Städtebau. Abbildg. i — 4. Zahnstrasse. (Nach L' Architecture 1903) 1. Obergeschoss. Erdgeschoss. 15. August 1903. 42 t Französischer Städtebau. (Hierzu die Abbildungen S. 42t.) on Frankreich und Belgien hat der deutsche Städte¬ bau viel gelernt; aber er ist nicht bei seinen Vor¬ bildern stehen geblieben, sondern hat sich weiter entwickelt, indem er von der Geometrie sich befreite und der Phantasie Spielraum schuf. Nun wirkt das deutsche Beispiel zurück nach Brüssel, wo Buls und andere in unserem Sinne wirken, und nach Paris, wo Eugen Hönard kürzlich mit grosser Wärme eine vielgestaltigere Strassenanlage befürwortet hat.*) Henard erkennt an, dass Strassen- anlagen wie die Avenue der elyseischen Felder und die Avenue des Boulogner Waldes, dass die prächtigen Monu¬ mentalbauten mit ihren grossen Perspektiven der StadtParis den künstlerischen Stempel aufgedrückt und sie zu einer der schönsten Städte der Welt gemacht haben; aber er beklagt lebhaft das Alignement ä outrance, dessen unver¬ söhnliche Härte die Mehrzahl der neuen Pariser Strassen einförmig und reizlos gemacht hat, indem es den Schmuck derStadt nicht förderte sondern beeinträchtigte. DasSchau- bild einer solchen Strasse kann wirkungsvoll, ja monu¬ mental sein, namentlich wenn Abends das Licht aus den Läden den freien Raum überflutet und der Verkehr zu Wagen und zu Fuss das grosstädtische Leben wieder¬ spiegelt. Aber der unverbesserliche Nachteil der ununter¬ brochenen geraden Richtung ist die schnelle Verkürzung *) L’Architecture, 19^3, No. 5, 15 und 16. aller Linien der Perspektive: die Schornstein - Aufsätze über den Dächern treten am meisten in die Erscheinung. Die Bäume sollen nicht bloss Schatten spenden, sondern auch mit ihren Blätterkronen den lebendigen Gegensatz schaffen zu der steinernen Unbeweglichkeit der Häuser; allein unerwünscht ist es, dass sie unter Umständen das Bild der Strasse für sich allein in Anspruch nehmen, in¬ dem sie die Architektur verdecken. Der Stadt Paris steht die grosse Aufgabe bevor, die entbehrlich gewordene Umwallung, einen Gürtel von 120 m Breite und 33 km Länge, der Bebauung entgegenzuführen, l iier empfiehlt nun Henard, statt einer harten Zerstückelung in kleine Bissen mittels Anlage von 30 m breiten Ifaupt- und 75 m breiten Nebenstrassen mit 5 oder 10 m tiefen Gärtchen, die Anwendung einiger neuer Strassenarten, die er in Wort und Bild ausführlich darlegt. Eine dieser Arten ist die Zahnstrasse (Boulevard ä redans), s. Abbildgn. 1, 2, 3 und 4. Die vor- und zurück- springende Bauflucht nennt er alignement dedouble’, auf¬ getrennte Fluchtlinie. Die einspringenden Höfe sollen mit Bauverbot belegt, als Ziergärten, Restaurationsgärten usw. benutzt, auch von vornherein mit einigen hochstämmi¬ gen Bäumen bepflanzt werden, deren Kronen in den Strassenraum vortreten, s. Abbildg. 4. Bei 36™ Strassen- breite schlägt Henard 36 “> Länge der vorspringenden Bau¬ körper bei 28 m Länge und 20 m Tiefe der^Zahnlücken'vor, Abbildg. 6. Schaubild einer Sägestrasse. Abbildg. 5. Sägestrasse. Abbildg. 7. Wellenstrasse. Französischer Städtebau. Landkirchen. h°hem Grade anziehendes und doch leider auch t ÜP wiederum ein vielfach so abstossendes Kapitel! Wer P-r^i kennte sie nicht, jene kleinen Kathedralen, jene ledig¬ lich auf das geringere Bedürfnis an Sitzplätzen verkleiner¬ ten Stadtkirchen, mit denen ein falscher Stolz des bäuer¬ lichen Kirchengemeinderates, eine irregeführte vermeint¬ lich fortschrittliche Gesinnung des geistlichen Bauherrn und nicht zuletzt ein an der Unrechten Stelle betätigter künstle¬ rischer Ehrgeiz des Architekten unsere Orte des Landes leider nur zu häufig mit neuen Gotteshäusern bedacht haben. Keine örtliche Ueberlieferung, keine Rücksicht auf die Um¬ gebung, selten ein einheimisches Material, sondern alles meist fremd, vom Turm bis zum Chor, vom Sockel bis zur Spitze, vom Grundstein bis zum Dachstein. Welcher Freund un¬ serer deutschen Dorflandschaft mit ihrer unendlichen Ver¬ schiedenheit des Charakters und der Erscheinung, mit ihrem verträumten Stilleben, mit ihren roten Ziegeldächern und vom grünen Moos bewucherten Strohhütten, mit ihren Granitfindlingen und ihrem lebensvollen Fachwerk, mit ihren Grashalden und ihren Linden- Alleen, mit ihrem Finken¬ sang und ihrem Harzgeruch hätte nicht ein schmerzliches Ge¬ fühl gehabt, wenn er das mit abweisendem Stolz in die Lüfte ragende hochmütige Gotteshaus bemerkte, mit welchem moderne Baugesinnung das Dorf beschenkt hat. Am schlimm¬ sten ist es in der näheren Umgebung der Städte, wo die landflüchtige Bewegung, das zentripedale Hindrängen zu einer grossen Gemeinschaft, den Natürlichkeitssinn fast er¬ stickt haben. So weit die heisse Atmosphäre des Stein¬ staubes und des Asphaltgeruches reicht und den Linden¬ duft und den Harzgeruch verdrängt, soweit die Steinwüste ihre Arme hinausstreckt und den mit Sauerkirschbäumen eingesäumten, von wogenden Kornfeldern begleiteten Feld¬ weg in eine breite Stadtstrasse von charakterloser Regel¬ mässigkeit verwandelt hat, soweit und viel viel weiter noch erblicken wir jene unglücklichen Dörfer, in welchen die neuen Gotteshäuser mit dem falschen Pathos städti¬ scher Grossucht die runden dunkelgrünen Massen der alten Linden durchbrechen und verächtlich auf die niede¬ ren Ziegeldächer der Bauernhäuser oder der Wirtschafts- Gebäude des Gutes herniederschauen. Stadtkirchen auf dem Lande, Villen Kolonien neben den Dörfern, landhaus- mässige Bebauung nach scharfsinnig ausgeklügelten Bauord¬ nungen anstelle der freien Dorfsiedlungen — das sind so einige Errungenschaften unserer sogenannten fortgeschrit¬ tenen Kultur. Nur weit, weit ab von dem Dunstkreis der Städte, nur abseits vom Schienenwege, in verlassener, dem Verkehr entrückter Gegend bestreicht der Rauch der Hütten noch Gotteshäuser, welche Angehörige ihres Dorfes und nicht Fremdlinge in demselben sind. Jedoch die Aufmerksamkeit ist bereits seit Jahren auf diesen Punkt gelenkt. Im Süden wie im Norden, im Osten wie im Westen regt es sich, gegen eine falsche Ueber- lieferung anzukämpfen und dem Lande zu geben, was des Landes ist. Die Orte sind nicht mehr so ganz gering an Zahl, in welchen die Dorfkirche das nur ihr eigen¬ tümliche und nicht ein fremdes Gepräge erhält. Emen beredten Beweis führt unter anderen das Werk, auf welches die Aufmerksamkeit des Leserkreises hiermit hingelenkt sei. „Landkirchen von Schilling & Gräbner in Dresden“*) sind von der Giibers’schen Buchhandlung in Leipzig herausgegeben und von Paul Schumann mit einem treffenden Geleitsworte versehen worden. Die Grundfrage, *) Landkirchen, entworfen und ausgeführt von Schilling & Gräbner. Mit einem Geleits wort von Prof. Dr. Paul Srhumann. 18 Tafeln in Lichtdruck. Leipzig, Gilbrrs’sche Verlag=>buchhandlg. Eugen Twietmeyer. Pr. 18 M in Mappe. 422 No. 65. um die Bildung herrschaftlicher Pariser Wohnungs-Grund¬ risse zu erleichtern. Eine zweite neue Strassenart soll die Sägestrasse sein (Boulevard ä redans trianguiaires), s. Abbildg. 5; und 6. Hier würden die dreieckigen Rücksprungflächen Gelegen¬ heit zur Pflanzung von Baumgruppen (in Rautenform) ge¬ ben, zwischen welchen im Strassenbilde die Gebäude un- verdeckt sichtbar sind. Der vorderste Baum solcher Gruppen könnte in der sonst üblichen Weise an der Bürgersteigkante Platz finden. Die Grundstücksgrenzen müssten unter 45 0 schief zur Strassenrichtung verlaufen. Die dritte Strassenart endlich ist die Wellenstrasse (Rue simple ä alignement brise), s. Abbildg. 7. Henard will nicht etwa die ganze 33 lange Um¬ wallung auf diese Weise bebaut sehen, sondern empfiehlt, für den Anfang einen derartigen Versuch zu machen, dessen mannigfache Ausgestaltung dann folgen könne. Besonders warm tritt er für die, nach seiner Ansicht auch wirtschaftlich vorteilhafte, Anwendung der „Zahnstrasse" als Hauptboulevard des neuen Gürtels ein; die dem Bou- logner Gehölz und sonstigen zu schaffenden Parkanlagen zugewandten Strecken dieser Zahnstrasse will er in frei¬ erem Rhythmus und offener Bauweise den Pflanzungs¬ flächen angliedern. Zugleich empfiehlt er, mehr als bis¬ Mitteilungen aus Vereinen. Mittelfränk. Arch.- u. Ing.-Verein zu Nürnberg. Vers, vom 27. Febr. 1903. Vors.: Hr. Ob.-Brt. C. Web er. Hr. Ing. Kullmann spricht über „Vorstudien über Wasser¬ versorgungen“. Redner schildert in ausführlicher Weise alle zur Auf¬ stellung des Planes für eine Wasserversorgungs- Anlage nötigen Vorarbeiten, das Aufsuchen geeigneter Einzugs¬ gebiete, Begehen und Aufnahme des infrage kommenden Geländes, Untersuchung der geologischen Verhältnisse des Untergrundes, Berechnung der Niederschlagsmengen, Her¬ stellen von Bohrversuchen und Betrieb der Versuchs¬ brunnen, chemische und bakteriologische Untersuchungen des gewonnenen Wassers usw., indem er alle diese Ar¬ beiten an einer grossen Zahl von Plänen der von ihm selbst aufgestellten Entwürfe über die Wasserversorgung der beiden bayerischen Städte Passau und Ansbach er¬ klärt. In der ersteren Stadt ist es bisher beim Entwurf verblieben, während die Anlage in Ansbach bereits fertig gestellt ist. Mit einer Beschreibung des Ansbacher Wasser¬ werkes, welches diese Stadt in vollkommen zufriedenstellen¬ der Weise mit gutem Wasser versorgt, schliesst Redner seinen mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrag. — Vers, vom 24. April 1903. Vors. Hr. Ob.-Brt. C. Weber. Hr. Arch. Otto Fischer hält den angekündigten Vortrag über „Schloss Schwarzenberg und seine Wieder¬ herstellung“, welchen wir in einer der nächsten Num¬ mern wiedergeben. Die durch viele Zeichnungen und auf welcher die in dem Werke veröffentlichten Kirchen aufgebaut sind und welche auch einer Reihe anderer Mit¬ glieder der jüngeren Dresdener Architektenschaft, wie Schleinitz, Reuter, Kandier usw. zur Richtschnur diente, ist die Frage: „Wie kann man Landkirchen bauen, die den Landmann ländlich anmuten, die ihm als ein boden¬ ständiges Stück seines Dorfes erscheinen, in denen er sich religiös erhoben, zugleich aber heimisch fühlen kann?“ Schumann antwortet mit dem Hinweis auf die hier ver¬ öffentlichten Kirchen und sagt von ihnen: „Nirgends sehen wir Säulen und Pfeiler mit Kapitellen, Attiken, profilreichen klassischen Gesimsen usw. sich breit machen; die ganze Skala der akademisch-monumentalen Architekturformen ist mit voller Absicht von diesen Dorfkirchen ferngehalten. Was wir sehen, das sind die alten guten volkstümlichen Formen, wie sie aus der Konstruktion und aus dem schlichten, aber echten Material von jeher hervorgegangen sind und noch immer hervorgehen. — — Ein echt volkstümlicher Dorfkirchenstil ist in ihnen wieder lebendig geworden“. Die Kirchen, die in dem inrede stehenden Werke veröffentlicht sind, sind die Gotteshäuser in Hohenfichte, Stenn, Langenau, Dux, Klostergrab, Hohenelbe, Bergen, Schellenberg, Cannewitz, Turn und Wiesa, zum kleineren Teile Gotteshäuser in Sachsen, zum grösseren Teile aus der nordböhmischen „Los-von-Rom“-Bewegung hervorge¬ gangene Kirchen. Die für ihre Errichtung aufgewendeten Beträge halten sich fast durchweg in den bescheidenen Grenzen, welche einen Architekten, der seine Kunst mit der ganzen Liebe ausübt, die ein völliges Aufgehen in seinem Werke zur Voraussetzung hat, zur grössten Anspannung seines Scharfsinnes veranlassen, um aus der ihm gestellten Aufgabe ein praktisch und künstlerisch gleich wertvolles Ergebnis zu zeitigen. Dass es geschehen ist, dass es in hervorragendem Maasse geschehen ist, das mögen die 15. August 1903. her gebogene Strassenrichtungen anzuwenden und die schachbrettartige Blockteilung zu vermeiden. Die Henard’schen Vorschläge sind für Paris ein Er¬ eignis. Wenn es auch keineswegs als ein Endziel der Strassenanlage betrachtet werden kann, dass nunmehr statt der geraden Strassen und „Avenuen“ gewohnter Art die beschriebenen drei Strassenarten und einige andere, mehr oder weniger gesuchte Ausbildungen zur schema¬ tischen Einführung gelangen, so würde doch ohne Zweifel der Bau einer Zahnstrasse nach Henards Angaben ge¬ eignet sein, die lastende Einförmigkeit zu brechen und zu einer phantasievolleren Gestaltung neuer Teile der Pariser Stadterweiterung den Anstoss zu geben. Der innigere Anschluss an die Eigentümlichkeit des Geländes, die Be¬ schränkung oder Unterbrechung grosser Strassenlängen und die biegsamere Führung der Baulinien — auch diese Gesichtspunkte sollten in Paris mehr als bisher befolgt werden. Dabei braucht man die gerade Linie keineswegs ganz zu verlassen; aber in geeigneten Fällen braucht man auch vor ganz unregelmässigen Strassenbildungen, etwa nach Abbildg. 8, Seite 421 (dem Wettbewerbs - Entwurf des Unterzeichneten für den Brünner Bebauungsplan ent¬ nommen), nicht zurückzuschrecken — J. Stübben. Photographien erläuterten interessanten Ausführungen des Redners, welche mit lebhaftem Beifall entgegengenommen wurden, veranlassten die Versammlung zu beschliessen, es solle der heurige Sommerausflug des Vereins nach Schloss Schwarzenberg unternommen werden. — K. Arch.- u. Ing.-Verein zu Hamburg. Die in No. 53 er¬ wähnten Bohrarbeiten für eine Grundwasser-Versorgung Hamburgs sind nicht von der Desenniss & Jakobi A.-G., sondern von der FirmaP. Hof f mann in Berlin ausgeführt.— - - — — n. Vermischtes. Hölzerne Turmhelme. Neben der Moller’schen Kon¬ struktion, der in No. 56 d. Ztg. das Wort geredet wird, gibt es eine zweite nicht minder gute, die wie jene aus dem Mittelalter stammt. Sie wird nur, vielleicht weil Möllers Forderungen zu sehr zum Dogma geworden sind, weniger angewandt. Sie besteht im Wesentlichen in der Versteifung und Verstärkung der 8 Ecksparren durch 4 Andreaskreuze, die tunlichst dicht, doch ohne sich zu berühren, über einander liegen und je zwei Sparren diagonal Zusammenhalten. Die Ecksparren erhalten somit die von Möller geforderte Verstärkung, aber das Helm¬ innere bleibt nicht frei, wiewohl an Holz weniger als durch Balkenlagen in Geschossen benötigt werden dürfte. Die Vorzüglichkeit der Konstruktion leuchtet ein, auch ohne durch Rechnung umständlich erwiesen zu sein. „In den herkömmlichen Dachkonstruktionen ist viel unbe- schönen Blätter des vorliegenden Werkes selbst erzählen. Ibsen sagte einmal als ein Ausfluss der strengen Selbst¬ kritik, die seine psychologische Kunst auszeichnet: Dichten heisse Gerichtstag über sich selbst halten. Jedes wahre Kunstwerk, und sei es an sich noch so unansehnlich, ist eine Dichtung und damit ein Selbstbekenntnis. So auch die Dorfkirche, welche in der Tat eine Dorfkirche und nicht eine lediglich verkleinerte Stadtkirche ist. Sie ist ein Ge¬ dicht, ein Selbstbekenntnis, ein Geständnis. In ihr wie in jedem mit dem Herzen und dem Gemüt geschaffenen Kunstwerk hält der Künstler Gerichtstag über sich selbst, prüft seine Gesinnung und lässt diese Gesinnung andere erkennen. Und nicht nur die Gesinnung, sondern auch die Phantasie. Albrecht Dürer schrieb in der ihm eigenen anschaulichen und lebendigen Art in seinen Tagebüchern, Phantasie sei „innerlich durch und durch voller Figur“. Wir haben zu Beginn dieses Jahrganges auf den Seiten 33, 37 u- 39 eine Reihe der Landkirchen für Dörfer und kleine Landstädte, mit welchen Schilling & Gräbner Sachsen und das nördliche Böhmen beschenkt haben, zur Darstellung gebracht, Gotteshäuser, die auch in dem hier besprochenen Werke wiederkehren. Wer ihre mannigfaltige Gestalt be¬ trachtet, wie sie immer neu und immer anders den Be¬ dürfnissen des einzelnen Falles angepasst ist, wird nicht leugnen können, dass sie „innerlich durch und durch voller Figur“ sind. Mögen sie in diesem Reichtum der Phantasie, des Gemütes und der Form, mögen sie in ihrer volks¬ tümlichen Gestalt weithin im Lande Nachfolge und Nach¬ ahmung finden. Denn was die Baukunst in allen ihren Lebensäusserungen am nötigsten braucht, ist ein unbe¬ fangenes Zurückgehen auf ein natürliches und ein Natur¬ empfinden; beides vereinigt sich in diesen anspruchs¬ losen Landkirchen in glücklicher, zur unabhängigen Nach¬ ahmung drängenden Weise. — — H. — 423 wusstes statisches Empfinden niedergelegt, welches man nicht ohne Schaden abstreifen darf, um nur die Konstruk¬ tion einer einfachen Berechnung zugänglich zu machen", heisst es in No. 56 d. Ztg. sehr richtig, und es empfiehlt sich daher, nicht bis an die Grenze des rechnerisch Mög¬ lichen in der Ersparung an Holz zu gehen, sondern sich mehr die bewährten Ausführungen des Mittelalters zum Vorbilde zu nehmen. Bei eingehender Betrachtung zeigt sich, dass die Holzmenge derselben keineswegs immer übertrieben gross ist; selbst dass in den Riesenhelm der St. Johanniskirche in Lüneburg, der aus dem Anfänge des 15. Jahrhunderts stammt, etwa 7000 lfde. «1 Holz verbaut sind, die 300—350^01 enthalten, kann als nicht zu viel be¬ zeichnet werden. Ebenso fest und ebenso sparsam ist der dem Ende des 15. Jahrh. angehörige Helm der Kirche in Grifte bei Kassel konstruiert, in dem die 4 Andreas¬ kreuze zweimal (in verschiedenen Höhen) angewandt sind. Neuerdings ist die Konstruktion wieder zur Verwendung gekommen an den von Prof. Schneider erbauten Helmen der St. Martinskirche in Kassel; auch eine Anzahl von mir erbauter Helme zeigt sie. Ausser den Helmen in Kassel finden sich Abbildungen aller genannten in dem von mir und W. Stüber im Verlage von Wilh. Ernst & Sohn herausgegebenen Hochbau-Lexikon unter „Helm“. — Hannover. Dr. G. Schönermark. Die Genehmigung zur Ausführung der einschlenlgen Schnellbahn zwischen Liverpool und Manchester wurde vom Parlamente vor kurzem erteilt. Die elektrisch zu betrei¬ bende Bahn wird nach dem System Behr erbaut und wird eine Länge von 55km besitzen. Diese Strecke wird bei einer Höchst-Geschwindigkeit von 177 k“/i St. in 20 Minuten, also der Hälfte der Zeit zurückgelegt werden, welche jetzt die Schnellzüge brauchen. Die Züge sollen sich in 10 Minuten- Abstand folgen. Das Anlagekapital soll 42 Mill. M. be¬ tragen. Bei 4000 Personen im täglichen Verkehr und den bisherigen Fahrpreisen wird eineVerzinsung von 5% dieses Kapitals nach Abzug aller Betriebskosten, Abschreibungen usw. berechnet. Neueren Mitteilungen zufolge soll jedoch die Geldbeschaffung bisher Schwierigkeiten machen. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für ein Erbbegräbnis der Familie Naumann in Dresden, für die Mitglieder des Dresdener Architekten- Vereins, war mit 34 Arbeiten beschickt. Als Bausumme waren 30000 M. angenommen. Das Preisgericht bestand aus den Hrn. Ob.- Brt. Reichelt, Arch. Kraft und Prof. Seitler. Je ein Preis von 200M. wurde den Entwürfen der Hrn. Hertzsch, Kolbe, Menzel, Fr. Hartmann und H. Thüme in Dresden zuerkannt; je einen Preis von 100 M. erhielten die Entwürfe der Hrn. G. Richter in Radeberg, Schefer, M. H. Kühne und E. Fleischer in Dresden, sowie Wilh. Kreis in Blasewitz. — Zu dem Wettbewerb des Architekten-Vereins zu Berlin betr. Entwürfe zu Erbbegräbnissen liefen 5 Arbeiten ein. Die Preissumme von 500 M. wurde in einen I. Preis von 400 und einen Ih Preis von 100 M. geteilt. Beide Preise fielen an Entwürfe der Hrn. Herrn. Jansen in Gemein¬ schaft mit William Müller in Berlin. — In dem Wettbewerb der „Vereinigung Berliner Archi¬ tekten“ betr. Entwürfe für Villen der Kolonie Zehlendorf- West bei Berlin liefen 8 Arbeiten ein. Den I. Preis errang Hr. Otto Kuhlmann, den II. Preis Hr. Eugen Kühn und den III Preis die Hrn. Alfr. J. Balcke und C. Sickel. Sämtliche Entwürfe sind bis einschl. 20. Aug. Potsdamer Strasse 121 öffentlich ausgestellt. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Den Reg.-Räten Hintz u. Schaefer, Mitgl. des Pat.-Amtes, ist der Char. als Geh. Reg.-Rat verliehen. Bayern. Dem Prof, an der Techn. Hochschule v. Thiersch in München ist die Bewilligung zur Annahme und zum Tragen des ihm verlieh. Komtui kreuzes 11. Kl. des kgl. württemb. Friedrichs- Ordens und dem Reg.-Rat Opel in München die Erlaubnis zur Annahme des ihm verlieh. Ritterkreuzes I. Kl. des kgl. sächs. Albrechts-Ordens erteilt. Dem Gen. -Dir. der kgl. Staatseisenb. Ritter v. Ebermayer ist das Präd. Exzellenz verliehen. Der Dir.-Ass. Zeis in Bamberg ist zur Eisenb.-Dir. Regens¬ burg versetzt. — Dem Eisenb.-Ass. Arnold in Aschaffenburg ist die erbet. Entlass, aus dem Staatseisenb -Dienst bewilligt. Hessen. Dem Arch. Fredriksson in Mainz ist das Ritter¬ kreuz I. Kl des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verlieh. Der Kr.-Bauinsp. T heiss, bisher in Lauterbach, ist zum Kr.- Bauinsp. des Kr. Dieburg, die Reg.-Bfhr. Frz. Beck, Rud. Reuling (Hochbfch.), Ed. Wolfskehl, Fritz Hartmann (Eisenbfch.) u. Ludw. Möller (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. 424 Preussen. Dem Postbauinsp. Witt holt in Kassel ist die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verlieh. Ehrenritterkreuzes II. Kl. des grossh. Oldenburg. Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig erteilt. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Caesar dem Techn. Bür. der Hochbauabt. des Minist, der öffentl. Arb., Metzger der kgl. Eisenb -Dir. in Königsberg i. Pr., Henkel und K oester der kgl. Eisenb -Dir. in Berlin, Jo ehern der Dir. in Köln, Urbach der Dir. in Erfurt und Fehling der Dir. in Breslau. — Der der kgl. Reg. in Königsberg überwi sene Reg.- Bmstr. Gortzitza ist von diesem Aufträge entbunden Der Reg.-Bmstr. A n t z e in Kassel ist nach Potsdam versetzt. — Der Reg.-Bmstr. Max C o n r a d ist aus d. Staatsdienste entlass. Dem Reg -Bmstr. v. Kobylinski in Wöterkeim ist die naebges. Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. Sachsen. Den Strassen- u. Wasserbauinsp. Brtn. Ringel in Meissen und Schmidt in Dresden ist das Ritterkreuz I. Kl. des Albrechts-Ordens u. dem Strassen- u. Wasser-Bauinsp. Lindig in Dresden der Tit. und Rang als Brt. in der IV. Kl. der Hofrang- Ordnung unter No. 14 verliehen. Württemberg. Dem Ob -Masch.-Mstr. tit. Brt. Beyerlen und dem Ob.-Insp. N a 1 1 i n g e r , Vorst, des masch -techn. Bür. der Gen. -Dir. de;r Staatseisenb sind die Dienstrechte eines Brts. verliehen. Dem Masch. -Insp. Dr.-Ing. Roser am Ing.- Laboratorium der Techn. Hochschule in Stuttgart ist die nachges. Dienstentlassung gewährt und die erled Stelle des Masch.-Insp. dem Ing. Schmid in Berg übertragen. — Die neu erricht. Prof, an der Techn. Hoch¬ schule in Stuttgart sind übertragen: Prof. Dr. Lueger für Wasser¬ bau und Prof. Berg für Maschinen-Ingenieurwesen. ;Der Eisenb.-Bauinsp. Kräutle in Jagstfeld ist zum Brt. bei der Gen.- Dir. der Staatseisenb befördert; dem Eisenb.-Bauinsp. Hebsack er ist der Tit. u. Rang eines Brts. verliehen. Die Abt.-Ing , tit. ßauinsp. Wagen mann, Korherr und Hoffacker sind zu Eisenb.-Bauinsp. bei der Gen. -Dir. der Staats¬ eisenb , Frhr. von Kechler-Schwandorf z. Bauinsp. bei der Hauptmagazins-Verwaltung Esslingen befördert. Der Tel -Ing. Weegmann in Stuttgart ist zum Telegr.-Insp. mit der Dienststellung eines Bez. -Beamten befördert. Der Reg.-Bmstr. Brumm ist z. Telegr.-Ing. (etatm. Reg.- Bmstr.) bei der Telegr.-Insp. Stuttgart ernannt. Brief- und Fragekasten. Hrn. S. W. ln Luxemburg. Ein guter Zementestrich und ein guter Gipsestrich sind für Linoleum eine völlig gleichwertige Unterlage. Wir empfehlen aber trotzdem einen Zementestrich mit nicht zu magerer sandiger Oberschale, der gut geebnet aber nicht abgeglättet sein soll, weil an der rauhen Oberfläche das Klebe¬ material besser haftet. Wir raten von einem Gipsestrich ab, weil derselbe, wenn auch aus bestem Material hergestellt, bei nur ge¬ ringer Verunreinigung durch andere Materialien selbst über ein Jahr nach seiner Fertigstellung häufig noch treibt. — Hrn. Bautechn. H. in Rumburg. Es sind uns keine Be¬ stimmungen bekannt, nach welchen Deutsch-Oesterreicher von einer Beschäftigung auf deutschen Stadtbauämtern ausgeschlossen sind. Bei einer etwaigen Verwendung von Ausländern kann es sich aber doch nur um eine vorübergehende Beschäftigung und nur im Aus¬ nahmefall um dauernde Anstellung handeln. — - Hrn. Alfr. B. ln Schöneberg. Für die Stellung als Bahn¬ meister kommt hauptsächlich die Absolvierung einer Tiefbau- Ab¬ teilung der preussischen Baugewerkeschulen inbetracht. Abteilun¬ gen dieser Art bestehen an den Baugewerkschulen in Aachen, Berlin, Breslau, Buxtehude, Deutsch-Krone, Erfurt, Frankfurt a. O., Kattowitz, Münster, Nienburg und Posen. — Hrn. M. B. ln Werdohl. Wenn wir Ihre den Hausschwamm betr. Anfragen beantworten wollten, wie es der Bedeutung des Gegenstandes zukommt, so müssten wir Ihnen bei der Verschieden¬ artigkeit der Anschauungen einen längeren Aufsatz schreiben, wo¬ zu der Briefkasten nicht der Oit ist. Wir hoffen jedoch, in Bälde einen zusammenfassenden Aufsatz veröffentlichen zu können, welcher den Einzelheiten der Schwammfrage in allgemein interessierender Weise nähertritt. — Hrn. J. S., Schweiz. Granit ist als Material für Pferdeställe der Vorzug vor den Sandsteinen zu geben, wenn man nicht für Flächen und andere geeignete Stellen die glasierten Tonziegel vor¬ ziehen will. Die Brandmauer erstreckt sich lediglich bis an die Fassadenmauer, welche bis zur Grenze durchgeht und nicht bis an die vordere Fassadenfläche. — Hrn. A. K. ln München. Die betr. Haustypen dürften Sie in dem vom „Verband deutscher Arch.- u. Ing. Vereine“ herausge¬ gebenen Werke „Das deutsche Bauernhaus“ (Verlag von G. Küht- mann in Dresden) finden. — Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zu der entsprechenden Fragebeantwortung in No. 50 die Mit¬ teilung, dass ich in Verfolg dieser Angelegenheit in Erfahrung ge¬ bracht habe, dass die Niederlassung des betreffenden Architekten zwar als formell vollzogen angesehen werden muss, dass aber die Gerichte hierzulande eine blos fingierte Niederlassung zum Zwecke der Erreichung eines gewissen Vorteiles nicht schützen. Eine Ab¬ lehnung des Anspruches durch das Gericht erscheint daher auch von diesem Standpunkte aus als zweifellos. — x- Inhalt: Die neuen Strassenbröcken in Freiburg im Breisgau. — Fran¬ zösischer Städtebau. — Landkirchen. — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekastea. _ _ _ _ Hierzu eine Bildbeilage: Die Schwabentor-Brücke in Freiburg i. Br. _ _ Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantworü. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin No. 65. Villa Meyer in der Kolonie Prinz Ludwigshöhe bei München. Architekt: Gustav Meyer in München. (Hierzu die Abbildungen s. 427.) ie hier besprochene Villa wurde in der im Isartale herrlich gelegenen und zu München gehörigen Wald - Villenkolonie Prinz Lud¬ wigshöhe vor zwei Jahren erbaut. Sie be¬ steht im Erdgeschoss aus 3 Zimmern, von das grosse Speisezimmer insofern zugleich einer Diele vertritt, als in ihm die zum welchen den Zweck ■ersten Obergeschoss führende Treppe untergebracht ist. Die architektonische Verkleidung dieser Treppe zusammen mit dem unter dem zweiten Laule befind¬ lichen Erker, der um eine Stufe höher als das Zimmer liegt und mit Truhen und Bänken versehen ist, bildet ein hübsches dekoratives Motiv und schafft ein lauschi¬ ges Plätzchen. Dieses Zimmer trägt ausserdem durch verschiedene Einbauten (Kamin, Eckpodium) und durch eine bis zur Balkendecke reichende Holzverkleidung in dunkler Farbe den Stempel eines behaglichen und wohn¬ lichen Raumes. Vor dieses Speisezimmer ist nach Osten die geräumige Glashalle vorgelegt, welche ver¬ möge ihrer doppelten Verglasung als Wintergarten benutzt wird. Ihre breiten Schiebefenster ermöglichen, sie vollständig zu öffnen. Neben diesen genannten Räumen enthält das Erdgeschoss hoch Küche und Nebenräume. Im ersten Oberge¬ schoss sind die Schlafzimmer un¬ tergebracht, sowie zwei grössereTer- rassen nach Süden und Osten ange¬ legt. Die Wände des ersten Ober¬ geschosses sind in 1 Stein starkem Schwemmstein- Fachwerk ausge¬ führt, woraufDach- latten, Schalung und Dachpappe zur Unter - Kon¬ struktion für die äussere senkrech¬ te Tonfliesen- Ver¬ kleidung ange¬ bracht sind. Diese Konstruk¬ tion der Aussen- wände, welche durch die äussere Architektur be¬ dingt ist, hat sich vorzüglich be¬ währt und hält das Hausinnere sehr warm. Sämtliche Fenster sind Dop¬ pelfenster mitRoll- läden. Das ganze Haus ist unter¬ kellert und mit einer Warmwasser-Heizung, sowie mit elektrischer Beleuchtung versehen. Der Dachstock ist nicht ausgebaut. Die äussere Architektur ist im englischen Charakter sehr ein¬ fach gehalten. Das Haus ist bis über Erdgeschoss¬ höhe in Terranova geputzt und mit Rosen und Wein bepflanzt. Von da ab beginnt die rote Ton- fliesen-Bekleidung. Das Dach ist ebenfalls rot, mit Biberschwänzen gedeckt. Die Holzteile sind teils weiss, teils rot gestrichen. Die Holzgalerien der Fenster dienen im Sommer zur Aufnahme blühender Blumen. Die rote Farbe des Hauses und der steilen Dächer ergibt zusammen mit dem herrlichen grünen Buchen- und Tannenwald, von welchem die Villa auf allen Seiten eingeschlossen ist, eine dem Auge wohltuende Farbenstimmung. Die Baukosten betrugen bei etwa 190 bebauter Fläche (ohne Glashalle) und bei 1825 cbm umbauten Raumes, von Kellersohle bis Dachfussboden gerechnet, 55 000 M. — M. — 4*5 Vermischtes. Dunstschlot aus doppelter Asphalt-Steinpappe mit Draht¬ geflechteinlage. Für Lüftungsanlagen, die besonders bei Stallgebäuden eine so wichtige Rolle spielen, ist von der Firma Louis Lindenberg, Asphaltpappe- Fabrik inSte tti n, eine Neuerung auf den Baumarkt gebracht worden, die so überzeugend praktisch ist, dass das kgl. preuss. Mini¬ sterium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten ihre Vorzüglichkeit anerkannt und ihre Verwendung angeord¬ net hat. Es handelt sich um Dunstschlote aus einer doppel¬ ten Lage von säurefester Asphalt-Steinpappe, die durch eine Zwischenlage von einem in diese eingepressten starken Drahtgeflecht grosse Steifigkeit und Haltbarkeit erhalten und sich durch folgende Vorzüge vor Dunstschloten aus anderen Materialien auszeichnen: 1. Ist das verwendete Material die beste Asphaltpappe, sehr dauerhaft und kann nicht von den Stalldünsten an¬ gegriffen werden, wie dies bei den gewöhnlichen hölzer¬ nen Dunstschloten der Fall ist, bei welchen doch allmählich Fäulnis eintritt, oder bei Blechschloten, die im Laufe der Zeit verrosten; 2. sind die Schlote infolge Anwendung einer gut be- sandeten oder bekiesten Pappe auch genügend feuerfest, was bei hölzernen Dunstschloten nur durch eine Pappe- Ummantelung zu erzielen ist; 3. lassen die Schlote die Stalldünste niemals in den Futterboden durchdringen, was wenigstens bei Holzschloten, wenn diese nicht mit Pappe oder einem sonstigen Material umkleidet werden, mit der Zeit trotz bester Zimmerarbeit stets der Fall ist; 4. kann eine Kondensierung der Stalldünste innerhalb der Schlote nicht stattfinden, da eine doppelte Papplage einen anerkannt schlechten Wärmeleiter darstellt. Aus diesem Grunde bedürfen die neuen Schlote nicht einer besonderen Isolierungs- Ausfüllung bezw. einer solchen Ummantelung, wie sie für Holz-, Blech- und Steingut¬ röhrenschlote erforderlich ist; 5. ist die neue Schlotkonstruktion von geringem Ge¬ wicht, leicht und schnell zu ersetzen, Vorzüge, die allen übrigen Dunstschloten mehr oder minder abgehen, und 6 stellen sich die Kosten um etwa >/3 geringer als diejenigen der Schlote aus Holz, Blech, Steingut usw. Demnach kann der neue Dunstschlot für Stallgebäude, Fabrikgebäude usw. empfoh'en werden. Die leicht und völlig dunstdicht zusammensetzbaren Schlote werden auch in Teillängen von im mit einem Durchmesser von 40 cm im Lichten, auf Wunsch auch mit 25, 30 und 50 “ Durchm. , geliefert. Auch können die dazu erforderlichen Aufsätze aus starkem Zinkblech, als einfache Kappen-Hauben und Sauger von der Firma bezogen werden. — Prof. Schubert, Kassel. Preisbewerbungen. Wettbewerb Rathaus Dresden. Die interessanten Be¬ merkungen des Hrn. Diestel über die Turmstellung gaben den Anstoss, einige bisher zurückbehaltene Be¬ denken nunmehr doch verlauten zu lassen. Die Turm¬ frage könnte nämlich vielleicht noch aus einem anderen Gesichtspunkte behandelt werden, welcher bisher noch nicht besonders beachtet worden ist, soweit der Unter¬ zeichnete die Lage übersehen kann. Auch der Unterzeich¬ nete glaubt, dass eine für die nahen Standorte ungünstige Lage des Turmes in diesem Falle mehr Unheil anrichten könnte als ein etwaiger Missklang im Stadtbilde, welcher immerhin nur den wenigsten deutlich bemerkbar sein würde; man darf doch schliesslich dahinter das auch örtlich Nächstliegende nicht zurücksetzen. Nun liegt aber, sollte man meinen, ausserordentlich nahe die Erwägung, dass der Bau weitaus am häufigsten von derjenigen Stelle aus gesehen werden wird, wo die relativ grösste Verkehrs- Entwicklung in seiner Nähe stattfindet, und das ist doch wohl dort, wo die Prager bezw. Seestrasse die Ringsti'asse (Friedrichs-Allee) kreuzt; an dieser Stelle, also etwa an der Ecke des Victoriahauses, wird von den ungezählten Tausenden, welche alljährlich vom Hauptbahnhof her ihren Einzug in Dresden halten, die grosse Mehrzahl das neue Rathaus überhaupt zum ersten Male zu Gesicht bekommen; allerdings nur, wenn dieses so angelegt wird, dass es von dort aus überhaupt in die Augen fällt, nicht aber etwa erst aufgesucht werden muss, um nicht über¬ sehen zu werden. Nun bietet sich von dort aus — weniger nach der Theorie als tatsächlich — das vollkommene Bild eines sogenannten „Tiefenplatzes“ dar, dessen Ab¬ schluss das neue Rathaus bilden wird; eine leichte hohle Krümmung der nördlichen Strassenwand unterstützt noch diesen Eindruck, sodass ein aus der Südfront, am besten in der Nähe der südöstlichen Ecke (siehe den Ent¬ wurf des städtischen Hochbauamtes) aufragender Turm von entsprechender Höhe das Strassenbild ähnlich be¬ herrschen würde, wie das für eine Reihe der berühm¬ testen Städtebilder in ganz ähnlicher Weise zutrifft; ge¬ nannt seien die Piazza dei Signori zu Vicenza (abgebildet in Sitte’s „Städtebau“) und der Markusplatz, sowie die Piazzetta von Venedig (mit dem Campanile). Ein gleich wirkungsvolles Bild wird für jenen Standort durch kein anderes Motiv, auch nicht durch einen Mittelturm, zu er¬ zielen sein, ja das Rathaus wird anderenfalls von dort aus kaum beachtet werden. Demgegenüber ist der neue Platz vor der Ostfront des Hauses inbezug auf dieses ein aus¬ gesprochener „Breitenplatz“, zu dessen Beherrschung eine Fassade ohne besonders betonte Vertikaltendenz nicht blos hinreichend, sondern sogar erwünscht sein möchte. — Bei meinem eigenen Entwurf bin ich teilweise aus den oben skizzierten Erwägungen heraus auf die über¬ trieben genannte Turmanlage gekommen. Nebenbei frei¬ lich auch aus Rücksicht auf das Stadtbild, das sich von den umliegenden Höhen aus bietet, und für das meines Erachtens die Höhe des Turmes allerdings noch wichtiger scheint, als dessen Lage. Gerade der übergrosse Reich¬ tum an Türmen und Türmchen, von denen keiner ein entschiedenes Uebergewicht hat, erforderte nach meinem Empfinden einen wirklich überragenden Turm — so etwa wie in Wien, Strassburg usw. der Münsterturm das Heer SchlossSchwarzenbergundseine Wiederherstellung. (Nach einem Vortrag des Hrn. Arch. Otto Fischer im Mittelfränk- Arch.- u. Ing. -Verein in Nürnberg.) m Fusse des Steigerwaldes in Franken, nahe bei dem Städtchen Scheinfeld, liegt das geschichtlich und architektonisch merkwürdige Schloss Schwarzen¬ berg, der Stammsitz des Fürstengeschlechtes gleichen Namens. Bis ins 13. Jahrh. gehen die geschichtlichen Nachrichten über das Schloss zurück. Anfangs wieder¬ holt den Besitzer wechselnd, kommt es im Jahre 1421 an die Familie Schwarzenberg, welcher es bis heute verblieb. Mancherlei Schicksale hat das Bauwerk im Laufe der Jahr¬ hunderte zu erdulden. Im Jahre 1525 muss es eine Be¬ lagerung aufständischer Bauern über sich ergehen lassen. Man zeigt noch heute in einem alten Turm an der Be¬ festigungsmauer die Kugel eingemauert, welche aus einer der Feldschlangen von damals stammt. An der südöst¬ lichen Ecke dieser Mauer steht der originelle Stückturm. Derselbe war kurz vor der Belagerung in der sogen. Manier Albrecht Dürers errichtet worden. Das einschnei¬ dendste Ereignis war aber wohl der Brand im Jahre 1607, über den der damalige Besitzer Graf Wolfgang Jakob selbst schreibt: „Was gestalt der Allmechtige mich mit einem sehr starken schweren Creutz heimgesucht in deme Don¬ nerstags (26. April 1607) nechsthin zu nacht gegen ein Uhren mein Schloss Schwartzenberg zue oberst underm Dach mit Feuer angangen, alle Zimmer undt Gemach gantz bis unden auss, abgebrandt und dasselbe in solcher kurzen Zeit, dass mir nicht allein ein merkliches so nicht aussgebracht werden mögen verdorben, sondern auch ich 426 undt die Meinigen uns blöslich aus der Gefahr salviren undt retten mögen usw.“ Wolfgang Jakob schätzt den Verlust auf 200000 Gulden, für die damalige Zeit eine sehr beträchtliche Summe. Gleichwohl beginnt er sofort mit dem Wiederaufbau. Auf Veranlassung seiner Ge¬ mahlin, einer geborenen Fugger aus Augsburg, zieht er den berühmten dortigen Stadtbmstr. Elias Holl zu Rate. Wenn auch bezweifelt wird, dass Graf Wolfgang Jakob das Stammhaus nach dem Plane Holls habe erbauen lassen, so erinnern doch die zahlreichen Giebel und welschen Kappen an die Bauweise des Augsburger Meisters. Tat¬ sache ist, dass der Graf neben Holl in den Jahren 1608 und 1609 noch die berühmten Nürnberger Meister Stein¬ metz Jakob Wolf und dessen Sohn Jakob Wolf, dermalen Stadt- und Werkmeister dortselbst und Erbauer des Rat¬ hauses, beigezogen hat. Bei dem Wiederaufbau des Schlosses ist der alte hohe Turm, schwarzer Turm genannt, scheinbar unberührt ge¬ blieben. Im Schlosshof ist ein Stiegenturm errichtet wor¬ den, mit einer welschen Kappe bekrönt, deren Spitze einst ein Schwan zierte, das Helmzeichen der bayerischen Schwarzenberge, weshalb der Turm auch Schwanenturm heisst. Wann der Plan gefasst wurde, die neue Schloss¬ kirche zu erbauen und welchem Meister die Ausschmückung der schönen Renaissancekirche anvertraut war, konnte nicht ermittelt werden. Vollendet wurde sie im Jahre 1616. Der imposante Hochaltar aus rotem Stuckmarmor mit der Jahreszahl 1615 trägt die Schwarzenberg- und Fugger’schen Wappen. Eine schöne Holzdecke, mit reicher Figuren¬ malerei geschmückt, spannt sich segmentbogenförmig über (Fortsetzung auf Seite 428.) No. 66. der übrigen beherrscht. Das Homerische ,s!s xoiqavog iaio)' schien mir hier durchaus am Platze. — Die Auflösung der schweren Masse in ringförmige Hallenstockwerke nach dem Vorbild von Pisa hielt ich dann für ein geeignetes Mittel, um diese Masse mit der zarteren Gliederung der Rathausfassade in Harmonie zu bringen. — Hans Freude, Architekt in Görlitz. Das Preisausschreiben betr. Entwürfe für ein Stadthaus im Anschluss an das Rathaus zu Bremen stellt eine der schwierigsten, aber auch der dankbarsten Aufgaben. Es handelt sich darum, das neben dem Rathause gelegene Stadthaus, in welchem sich zurzeit der Senats-Sitzungssaal, SCHNITT a-b. Kaiser -Denkmal und dem voraussichtlich binnen kurzem durch einen hervorragenden Neubau ersetzten Eckhause des Marktes und des Kaiser-Wilhelm- Platzes zu gewähren und, abgesehen von der Verbesserung des Verkehres, Ge¬ legenheit zu einer würdigen Gestaltung des Raumes zwi¬ schen Liebfrauenkirche und dem neuen Stadthause zu geben. Das Programm deutet die Möglichkeit „eines grösseren Turmes an der Ostecke“ des neuen Gebäudes, also gegen den Domshof zu, an. Der Neubau soll vier Geschosse erhalten und zwar ausser dem Kellergeschoss ein Erd- und zwei Obergeschosse. Im Kellergeschoss soll ausser Räumen für das Staatsarchiv und einigen kleineren anderen Räumen ein Weinlagerraum für die Ratskeller -V erwal- tung, der mit dem bestehenden Rats¬ keller in sachge- mässer Verbindung steht, angelegt wer¬ den. Die jetzigen Ratskeller - Räume sollen unverändert bleiben. Das Erd¬ geschoss soll imAn- schluss an die „un¬ tere Rathaushalle“ die Räume für die Regierungs-Kanzlei und das Staats-Ar¬ chiv enthalten. Das Hauptgeschoss mit den Repräsentati¬ ons-Räumen usw. muss in unmittel¬ barer Verbindung mit der„oberen Rat¬ haushalle“ stehen. Im zweiten Ober¬ geschoss sind die Sitzungs-Säle der Deputationen und Kommissionen un¬ terzubringen. Die Grundrisse sind i : 200, sämt¬ liche Aufrisszeich¬ nungen i : ioo ver¬ langt; dazu zwei Schaubilder. Für den Bau stehen 1,5 Mill. M. zur Verfü¬ gung. Die für die Unterlagen zu ent¬ richtenden 10 M. werden bei Einlie- Villa Meyer in der Kolonie Prinz Ludwigshöhe bei München. Architekt: Gustav Meyer in München. ERDGESCHOSS. 1. 0BERGESCH0S5 die Regierungs - Kanzlei, das Staatsarchiv, die Polizei- Direktion und einige kleinere Verwaltungen befinden, ab¬ zutragen und an seiner Stelle einen Neubau auszuführen, der bei freier Wahl des Stiles sich dem Rathause, ohne die ehrwürdige Erscheinung desselben zu beeinträchtigen, zu einem harmonischen Gesamtbilde anschliesst und dessen Räume nur zu Regierungs- und Repräsentations-Zwecken dienen sollen. Die gegebene Platzbegrenzung für den Neubau ist unter den Gesichtspunkten festgesetzt, einen freien Durchblick von der Mitte des Domshofes nach dem 19. August 1903. ferung eines Entwurfes zurückerstattet. Wenn auch über die Beteiligung eines Preisträgers bei der Ausführung im Pro¬ gramm leider nichts gesagt ist, so ist die Aufgabe doch eine so ungewöhnliche und anziehende, dass eine lebhafte Beteiligung erwartet werden darf. Wir verfehlen jeden¬ falls nicht, die Beteiligung angelegentlichst zu empfehlen, trotzdem die (in Vergleich zu anderen Rathaus-Konkur¬ renzen übrigens nicht niedrigen) Preise im Verhältnis zu dem Arbeitsausmaass, welches durch den Maasstab 1 : 100 bedingt ist, uns nicht unwesentlich zu gering scheinen. — 427 Das Preisausschreiben betr. Entwürfe für eine katholische Kirche in Mayen, welches wir S. 416 ankündigten, verdient die besondere Beachtung der dazu eingeladenen Kreise, weil, „wenn angängig, dem Verfasser eines der ausgezeichneten Entwürfe die weitere Ausar¬ beitung bezw. die Ausführung übertragen wer¬ den“ soll. Es handelt sich um einen Bau von etwa 180000 M. Bausumme, dessen Stil den Bewerbern mit der Maassgabe überlassen bleibt, dass das Eifelklima mög¬ lichst einfache Dachlösungen wünschenswert macht. Die Kirche, neben welcher später noch ein Pfarrhaus angelegt werden soll, ist so auszubilden, dass sie ausser Chor und Turm im Schiff ohne Emporen Raum bietet für 600 Sitz¬ plätze, 300 Kinderplätze und 900 Stehplätze. Als Bau¬ material werden hauptsächlich heimische Steine, also Basalt¬ lava und Tuffsteine, mfrage kommen ; es können jedoch auch andere Materialien, z. B. Pfälzer oder Trierer Sandstein, in Aussicht genommen werden. Backstein ist für die äussere Verblendung auszuschliessen. Verlangt sind ein Lageplan 1 : 625, die geometrischen Zeichnungen 1 : 200, ein Schaubild, sowie die üblichen Berichte. Bei der Beurteilung und Ausstellung werden nur die verlangten Ausarbei¬ tungen berücksichtigt. Den Preisrichtern steht es frei, die Summe des I. Preises auch in anderer Art zu verteilen, falls keiner der Entwürfe des I. Preises würdig sein sollte. — Ein Preisausschreiben um Entwürfe für eine Frledhof- anlage der Stadt Lahr 1. B. mit Leichenhalle, Einsegnungs¬ raum usw. erlässt der Siadtrat in Lahr für in Deutsch¬ land ansässige Architekten mit Frist zum 15. Sept. 1903. Ausgesetzt sind 3 Preise von 1000, 500, 300 M., der An¬ kauf weiterer Entwürfe für je 200 M. bleibt Vorbehalten. Unter den 5 Preisrichtern sind die Hrn. Ob.-Brt. Prof. Schäfer in Karlsruhe, Stadtbmstr. Thoma in Freiburg i. Br., Stadtbmstr. Nägele in Lahr. Unterlagen gegen portofreie Einsendung von 2 M. vom Stadtbauamt. — In dem Wettbewerb um den figürlichen Schmuck des neuen Justizgebäudes ln Hamburg, bei welchem es sich um 6 Entwürfe handelte, haben je einen I. Preis von 400 M. erhalten die Bildhauer E. Albrecht in Steglitz für 3 verschiedene Arbeiten, G. Morin in Berlin, H. Arnold in Charlottenburg und Fr. Drexler in München, je einen II. Pr. von 200 M. für 4 versch. Arbeiten E. Cauer & H. Bendorff in Berlin und H. Arnold in Charlottenburg. Ein II. Preis wurde zwischen F.&W. Everding in Bremen und Fr. Hecht in Dresden geteilt. — Wettbewerb Volksschulgebäude Marburg. Unter 79 Ent¬ würfen wurde der 1. Preis mit 1000 M. Hrn. H. Schlumpp in Charlottenburg, der II. Preis mil 700 M. den Hrn. Otto Kohtz und H. Knab in Kassel und der III. Preis mit 300 M. Hrn. Franz Thyriot in Gross -Lichterfelde zuerkannt — Personal-Nachrichten. Preussen. Dem Arch. u. Ing. Kirchenpauer in Hamburg ist der Rote Adler-Orden III. Kl., dem Brt. Goldstück er, Ob.- Ing. der oriental. Eisenb. in Konstantinopel, dem Bauinsp. Sperber den Raum. Im 30jährigen Kriege hat das Schloss wieder¬ holt unter Plünderung zu leiden. Völlig verschuldet kommt es in den Besitz des Grafen Johann Adolf. Dieser liess den beim Brande 1607 verschonten schwarzen Turm, der inzwischen baufällig geworden war, abtragen und in reich gegliederter Form wieder aufbauen als Erinnerungszeichen an die i. J. 1670 erfolgte Erhebung des Hauses Schwarzen¬ berg in den Reichsfürstenstand. Auch das Schloss liess er neu ausbauen und einrichten. Um 1656 wird der grosse Saal auf der Nordseite vollendet; die nach dem Schloss¬ hofe gelegenen Fenster sind mit sehr schönen Masken und Ornamenten im Stile der Spätrenaissance geschmückt. Be¬ merkenswert sind die i. J. 1664 für die beiden grossen Säle angeschafften, jetzt noch vorhandenen eisernen Oefen. Dieselben wurden in Hanau gegossen und sind mit Szenen aus der Geschichte des Simson und mit dem Schwarzen- berg’schen Wappen geziert. Zimmer und Säle wurden mit marmornen Kaminen, Holzdecken und Täfelungen und reichen Malereien versehen. Nach Johann Adolf I. hat kein Mitglied des fürstlichen Hauses mehr auf längere Zeit seinen Wohnsitz im Stamm¬ hause aufgeschlagen, die Nachfolger verlegen dauernd ihren Sitz nach Oesterreich. Da nunmehr keine nennenswerten Bauherstellungen am Schlosse mehr stattfanden, kam das¬ selbe im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte mehr und mehr in Verfall. 1797 wurde die schöne Schlosskirche angeblich wegen Baufälligkeit geräumt und ein Saal im Schlosse für den Gottesdienst hergerichtet. Im 19. Jahr¬ hundert diente der herrliche Raum als Magazin für Wagen, Kanonen und Baumaterialien. Viele mit Frescomalereien versehene Bretter vom Tonnengewölbe sollen zum Legen eines Fussbodens in derDirektor wohnung verwendet worden 428 und dem Wasser-Bauinsp. Wendern 11 th in Hamburg der Rote Adler-Orden IV. Kl. verliehen. Die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verlieh, nmhtpreuss. Orden ist erteilt und zw. dem fürstl. reuss. Brt. S e e 1 i n g in Neu¬ babelsberg des fürstl. reuss. Ehrenkreuzes II. Kl.; dem Arch. Möhringin Berlin des Ritterkreuzes des Ordens der kgl. ital. Krone. Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Weise in Heilsberg ist z. Reg - u. Brt. ernannt. — Dem Arch. Hofbrt. L. H e i m in Berlin ist der Char. als Geh. Hofbrt. verliehen. Der Wasser-Bauinsp. Brt. v. Fragstein und Niemsdorff ist von Breslau nach Lötzen versetzt. Der Reg - u. Brt. Sprengell in Altona ist zur Wahrnehmung der Geschäfte eines Referenten in das Ministerium der öffentl. Arb. kommittiert; der Reg.-Bmstr. Grages in Frankfurt a. M. ist d. Min. der öffentl. Arb. zur Beschäftigung bei den Eisenb. -Abt. überwiesen. Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Rudow in Bielefeld ist als Vorst, der Eisenb. -Bauabt. nach Murowana-Goslin versetzt! Verliehen ist den Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. : K. Schulz in Elberfeld die Stelle eines Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. das. und Linke in Ostrowo die Stelle des Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. das. Der Reg.-Bmstr. Springer in Kattowitz ist zum Eisenb -Bau- u. Betr.-Insp. ernannt. In den den Staatsdienst übernommen sind: die Reg.-Bmstr. a. D. Grosse u. Hannemann, unt. Ernennung zu Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp., der Masch.-Insp. Stange unt. Ernennung zum Eisenb.- Masch.-Insp., bisher bei der Ostpreuss. Südbahn; der Betr-Insp. Krolow in Kolberg, unt. Ernennung zum Eisenb.-Bau- u. Betr.- Insp., der Masch.-Insp. Diekmann in Naugard, unt. Ernennung zum Eisenb. -Masch.-Insp , bisher bei der Altdamm-Kolberger Eisenb., der Betr.-Dir. Kleiböcker in Kiel, unt. Ernennung zum Eisenb.- Bau- u. Betr.-Insp , bisher bei der Kiel Eckernförde-Flensburger Eisenb. ; der Reg.-Bmstr. a D. (Masch.-Bfch.) G. B o d e in Dortmund, bisher bei der Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn. Brief- und Fragekasten. Wir bitten wiederholt dringend, sämtliche für die Redaktion bestimmte Sendungen nicht an die persön¬ liche Adresse eines der Redakteure, sondern lediglich adressieren zu wollen: An die Redaktion der Deutschen Bauzeitung, Berlin S. W. 11, Königgrätzer Strasse 104. Anfragen an den Leserkreis. Es besteht die Absicht, nach Art der vor 200 Jahren üblich gewesenen Malverfahren die Fronten des Justiz-Neubaues in Mün¬ chen farbig zu behandeln. Als Malgrund stehen unverputzte Flächen aus handgeschlagenen Backsteinen „Münchener Fabrikation“ zur Verfügung. Der zur Herstellung dieser Backsteine verwendete! Lehm besitzt einen ziemlichen Gehalt an Bittersalzen, deren Aus-: Witterung vor sich gehen muss, ohne dass die auf die Backstein¬ flächen aufgetragene Farbensrhicht diesen Prozess verhindert oder die Farbenschicht selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Da ge¬ eignete Anhaltspunkte über Ausführung derartiger, auf unver-, putzten Backstein aufgebrachter Malereien nicht bestehen, wird um Mitteilung zweckdienlicher Malverfahren gebeten. Erfordernisse sind Dauerhaftigkeit, Leuchtkraft der Farben, ohne jedoch den Glanz der Oelfarbe zu besitzen, leichte und rasche Ausführbarkeit, sowie Aehnlichkeit mit dem Aussehen einer Freskobehandlung. — Inhalt: Villa Meyer in der Kolonie Prinz Ludwigshöhe bei München. — Schloss Schwarzenberg und seine Wiederherstellung. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Ei seien, Beilin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. sein. Erhöhte Sorgfalt wird in dieser Zeit den das Schloss umgebenden ausgedehnten Beamtenwohnungen, den land¬ wirtschaftlichen Gebäuden und der Brauerei zugewandt. Da sich am Stammhause immer mehr Schäden zeigten, liess Fürst Johann Adolf II. in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Instandsetzung der Grund¬ mauern, der Aussenseiten und des schwarzen Turmes vor¬ nehmen. Auch liess er die Bilder in der Ahnengallerie wiederherstelien und ergänzen. Dem Sohne Johann Adolf II , dem jetzt regierenden Fürsten Adolf Josef, war es Vorbehalten, das Stammhaus und die Schlosskirche einer gründlichen Wiederherstellung zu unterziehen. In den Jahren 1900 — 1902 wurden die erforderlichen umfangreichen Arbeiten vorgenommen. Besonders erwähnenswert ist die Wiederherstellung der Frescomalereien am Tonnengewölbe der Kirche durch die Maler Georg Sehachinger und Martin Wiegand und den Dekorationsmaler Keller mit seinem Sohne, sämtlich aus München. — Durch den Kunstsinn und die Pietät dieses Für¬ sten ist nunmehr das ganze Schloss in seinem alten Glanze neu erstanden und eines der schönsten Denkmäler des Frankenlandes aus dem Zeitalter der Renaissance hoffent¬ lich dauernd vor dem Untergange bewahrt worden. Dem Besucher des Schlosses begegnen die meist czechischen Angestellten mit Freundlichkeit, im Kloster hinter dem Schlosse wird dem Wanderer freie Zehrung an Obst, Brot und braunem Klosterbier gereicht. Redner schliesst mit Dankesworten für das ihm er¬ zeigte Entgegenkommen zweier Herren des fürstlichen Hofstaates, des Hrn. Dir. A. Mörath und des die Bau¬ arbeiten leitenden Obering. Sedlaceck. — No. 66. USIKZIMMER. ENTWURF: ARCH. E. SCHAUDT, AUSFÜHRUNG: LION KIESSLING, FENSTER¬ ENTWÜRFE: MALER G UHR, AUSFÜHRUNG: OTTO VITT ALI, DEKOR. PLASTIK: BI LDH. KOHN ESTSAAL. ENTW.: ARCH. E. SCHAUDT, MALEREI: MALER BÖHLAND, BRUNNEN¬ BILD: MALER GUHR, DEK. PLASTIK: BILDH. KOHN, BÜSTEN: BILDH. METZNER. DIE ARCHITEKTUR AUF DER GROSSEN BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1903 * = DEUTSCHE BAU ZEITUNG * XXXVII. JAHRGANG 1903 * N2; 67 = EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * »»**«**««»«*** AUZEITUNG. GANG. * * N2- 67. * DEN 22. AUG. 1903. * Wohnzimmer mit Bibliothek. Entwurf von Wilhelm Kim bei in Berlin. Die Architektur auf der Grossen Berliner Kunstausstellung 1903. (Schluss aus No. 44.) Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 433. ir haben zum Schlüsse unserer die Aus¬ stellung betreffenden Ausführungen in No. 44 der Innenräume der „Neuen Gruppe Berlin“ gedacht; wir geben in dieser Nummer drei derselben wieder: den Festsaal nach dem Entwürfe von E. Schaudt, das Badezimmer nach dem Entwürfe von Will. Müller und das Musikzimmer wiederum nach dem Entwürfe von E. Schaudt in Berlin. Leider lässt die Abbildung des Badezimmers weder die feine Farbe der Materialwirkung, noch die zarten Feinheiten der plastischen Teile von Franz Metzner erkennen. — Diesen Räumen schliessen sich an ein auf Grün gestimmter, seinen Schwerpunkt in der Farben¬ wirkung suchender Empfangsraum von Arthur Biber¬ feld, ein ansprechender Wohnraum von Hermann Friling in Berlin, ein gutgestimmtes und mit Zurück¬ haltung entworfenes Schlafzimmer von Georg Hon old in Berlin, ein Speisezimmer der „Steglitzer Werk¬ statt“, maassvoll und gefällig in der Form, sowie vor allem eine Folge von vier Räumen von Wilhelm Kimbel in Berlin — Empfangszimmer, Wohnzimmer, Esszimmer und Schlafzimmer — welche den Versuch zur Ausgestaltung einer besseren bürgerlichen Miet¬ wohnung darstellen sollen Wir führen von diesen Räumen das Speisezimmer und einen Teil des Wohn¬ zimmers im Bilde an. Was die schönen Räume neben ihrer vollendeten technischen Herstellung auszeichnet, das ist eine gesunde, dem Material in Form und Farbe gerecht bleibende Kunstsprache, die in frischer Auf¬ fassung gleich weit entfernt bleibt von den Aus¬ schreitungen der modernen Bestrebungen in der Kunst des Innenraumes, wie von den verflachten landläufigen Auffassungen derselben. Kimbel ist einer der wenigen Gestalter des modernen Möbels, welche in ihren Wer¬ ken ein strenges struktives Gefühl mit architektonischem Geiste vereinigen. — Von dem übrigen Austellungsgut zunächst ein Wort demAlten und von diesem insbesondere den Aufnahmen des Königl. Denkmäler-Archives in Berlin. Es hiesse Wasser ins Meer tragen, wollten wir die unter der Leitung Meydenbauers gefertigten schönen Auf¬ nahmen des Domes von Worms, der Burg Eltz, der katholischen Pfarrkirche in Andernach, des Domes von Limburg, des Schlosshügels von Meissen, des Münsters in Aachen, von Baalbek, der Hagia Sophia in Kon¬ stantinopel usw. hier wieder rühmen. Sie bilden neben etwa 9000 anderen Aufnahmen bereits einen festen Be¬ stand unseres deutschen Kunstbesitzes und werden in dem zukünftigen Architektur - Museum, welches wir in nicht allzu weiter Ferne erwarten dürfen, zu den Grund¬ lagen des Gründungsmateriales zählen. Zum Alten zählen ferner die wirkungsvollen Studien von Otto Günther- Naumburg in Charlottenburg über die Rathäuser in Bi'eslau und Posen, die breiten Skizzen von Emil Högg 429 aus Ivoburg und Torbole, die Aufnahmen gotischer Türen von E. Küpers in Berlin, die Strasse aus Hildesheim von Caes. Rave in Charlottenburg, die Studie aus Chorin von Ed. Siedle in Berlin, die Apotheke in Heppenheim von Ad. Doebber in Ber¬ lin, sowie die Aufnahmen des Hrn. von Rechen¬ berg in Charlottenburg aus Stendal, aus Lehnin und aus Bernau. Vor allem aber die prächtigen Aquarelle von Heinrich Schweitzer in Berlin aus S. Marco in Venedig, Monreale bei Palermo und vom Palazzo Massimo in Rom, die mit zu dem Besten ge¬ hören, was die Ausstellung aus dem Gebiete der Kunst der Wasserfarben bietet. Von der Baukunst unserer Tage sei hier nur einiges von dem erwähnt, was nicht schon in dieser Zeitung berührt wurde. Allem voran steht der deut¬ sche Rathausbau, vertreten in erster Linie durch den Rathaus-Neubau in Frankfurt a. M. der Architekten v. Hoven & Neher; die zur Ausstellung gelangte Vogelperspektive gehört mit zu dem Vollendetsten architektonischer Darstellungskunst; sie ist ein Werk des Hrn. Brt. von Hoven. Die wuchtige, in bemer¬ kenswerter Weise nach neuen Gestaltungen suchende Fassade ihres Charlottenburger Rathauses stellen die Hrn. Reinhardt & Süssenguth in Charlottenburg aus. Man muss es bei aller Macht der architek¬ tonischen Wirkung immer wieder bedauern, dass ein so bedeutendes Monumental -Gebäude sich wie jedes Wohn- oder Geschäftshaus glatt in die Strassenfront einreiht. Eine feingestimmte, interessante Gruppierung zeigt die Gruppe für Rathaus und höhere Töchter¬ schule, die Herrn. Jansen in Berlin für Wilmersdorf plante. Bei einer Parkhalle desselben Verfassers für Remscheid klingen niederdeutsche Motive an. Der Kirchenbau findet Vertreter in Jürgen Kröger in Wilmersdorf und Otto Kühl mann in Charlottenburg. Festerer stellte die Garnisonkirche in Oldenburg mit einer Innenansicht, die P. Gathemann malte, sowie pine Kirche für Westend bei Charlottenburg, eine zweitürmige Anlage auf einer Eckbaustelle aus. Eine sehr malerisch in Fachwerk und Sandstein gedachte Anlage ist die Gruppe Kuhlmanns aus Kirche und Pfarrhaus für Münster am Stein. Zwei feine Gottes¬ häuser stammen von Dinklage & Paulus in Berlin; namentlich die für eine Eckbaustelle gedachte Gruppe aus Kirche und Pfarrhaus ist ein ansprechender Ver¬ such malerischer Gruppierung. Die Ausmalung der Jakobi-Kirche in Stettin zeigt Hans Seliger in Berlin; mit ihr berühren wir das Gebiet der Kirchen-Ausstattung, welchem die überwiegende Tätigkeit des verstorbenen Alexander Linnemann in Frankfurt a. M. gewidmet war, dessen reiches, deutsches Schaffen in einer Son- der-Ausstellung einem weiteren Kreise vorgeführt ist. Den Theaterbau vertritt allein Carl Moritz in Köln, jedoch mit zwei bedeutenden Beispielen: mit einer Aussenperspektive des neuen Stadttheaters in Köln, sowie mit einem eigenartigen Entwurf für das Dort¬ munder Stadttheater. Der Ideal-Architektur sind Stu¬ dien und Entwürfe von Franz Brantzky in München und Köln (Bismarckturm, Eingangshalle für eine Uni¬ versität, Grabanlage), Jos. Reuters in Wilmersdorf (monumentale Zentralanlage) und W. v. Tettau (Ent¬ wurf zu einer Gruftkapelle) gewidmet. Alle diese Ent¬ würfe und Studien zeichnen sich durch eine ungemein bestechende Darstellung aus. Der vorzüglichen Dar¬ stellung ist auch eines der schönsten Blätter dieser Abteilung, die Marienburg im Schnee von Arthur Kick ton in Potsdam, zu verdanken.. Wie hier das leuchtende Rot des in der scheidenden Abendsonne erglänzenden Backstein - Mauerwerkes der Burg in Gegensatz tritt zu den blaugrauen Schatten der Schnee¬ massen, auf welche sich die beginnende Dämmerung legt, ist hervorragend schön dargestellt. Bauwerke bedeutenderen Umfanges sind noch das Seemannshaus in Wilhelmshaven von Breslauer & Salinger, in welchem die Künstler mit Glück versucht haben, die Ergebnisse der Landkunst für die Bereicherung der Formensprache zu gewinnen und der Kunst der Küsten¬ länder Finfluss auf die Ausbildung zu lassen, das Kurhaus „Stahlbrunnen“ für Godesberg a. Rh , eine grossgedachte, terrassierte Anlage von Erdmann & Spindler in Berlin, sowie die Volksbank für Koblenz, ein Konkurrenz-Entwurf von Kurt Diestel in Dresden- Blasewitz, der durch die Gliederung der Massen inter¬ essiert. Das Wohnhaus tritt mit wenigen aber zum grössten Teil anziehenden Beispielen auf. Schloss Bartmannshagen in Pommern und Villa Düren in Godesberg a. Rh. von Erdmann & Spindler ver¬ einigen deutsch -englische Einflüsse zu wohnlichem Ausdruck. Das Vorwerk für ein Jagdschloss von Gust. Gebhardt in Berlin, die Grunewald-Villa von P. F. Karchow in Berlin erstreben deutschen Cha¬ rakter, während eine Villa für Schlachtensee von A. J. M. Lange in Grunewald Einflüsse der Wiener Architektur- Bewegung aufgenommen hat. Das Kauf- und Wohn¬ haus Ostermayr in Nürnberg von Paul Pfann in Mün¬ chen entspricht in seiner kraftvollen deutschen Re¬ naissance den Forderungen der Oertlichkeit. Das bedeutendste Beispiel des Wohnhauses ist das Haus Wilke in Guben von Spalding & Grenander in Berlin, von welchem leider nur zwei Blatt ausgestellt sind, welche diesen hervorragend schönen und reichen Besitz auch nicht annähernd vertreten. Mit zu dem köstlichsten an intimer Kleinarbeit gehören die Innen¬ räume eines Hotels von Gustav Halmhuber in Stutt¬ gart. Diese Entwürfe sind in Erfindung und Dar¬ stellung gleich anziehend. In den beiden Familien¬ gräbern des Künstlers ist es in erster Linie die weiche Aquarellmalerei, durch die sie wirken. Als einziges Beispiel für die architektonische Ausgestaltung einer Brücke ist die Brücke über das Syratal von Bruno Möhring in Berlin ausgestellt. Ornamentale Ent¬ würfe von Aug. Unger in Berlin, sowie ein Entwurf zu einem Speisezimmer von Wilh. Kirnbel in Berlin mögen diesen kurzen Ausstellungsbericht beschliessen. Die Ausstellung reiht sich ihren Vorgängerinnen mit gleichem Werte an und ist eine würdige Vertretung des Faches. — — H. — Entwurf zu einer neuen Donau-Main-Wasserstrasse von Kelheim nach Aschaffenburg1.). eit einem Jahrzehnt etwa beschäftigt die Frage der Schaffung eines leistungsfähigen Grosschiffahrts¬ weges zwischen der Donau und dem Main, und da¬ mit auch dem Rhein, lebhaft diejenigen Kreise in Bayern, welche es für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes für notwendig halten, dass dieses angeschlossen werde an das grosseWasserstrassennetz der Nachbarstaaten und sich rechtzeitig einen Anteil sichere an dem Verkehr, ehe dieser durch den fortschreitenden, teils eingeleiteten, teils erstrebten Ausbau genannter Wasserstrassen unter Umgehung Bayerns in neue Bahnen gelenkt wird. Mit besonderem Nachdruck werden diese Bestrebungen ver¬ treten von dem unter der Leitung des rührigen I. Bürger¬ meisters von Nürnberg, des Geh. Hofrats Dr. von Schuh, *) Denkschrift zu dem technischen Entwurf einer neuen Donau-Main- Wasserstrasse von Kelheim nach Aschaffenburg, bearbeitet von Ed. Fab er, Kgl. Bauamtmann und Vorstand des Technischen Amtes des Vereins für Hebung der Fluss- und Kanalschiffahrt in Bayern. Mit 7 Kartenbeilagen. Verlegt von dem Verein für Hebung der Fluss- und Kanalschiffahrt in Bayern 1903. stehenden „Verein für die Hebung der Fluss- und Kanalschiffahrt in Bayern“, der in seinem hohen Pro¬ tektor, dem Prinzen Ludwig von Bayern, die nach¬ drücklichste Unterstützung seiner Bestrebungen findet. Ebenso hat die Regierung dieser Frage stets ein reges Interesse entgegengebracht, aber alle Bemühungen des Vereins, die Einstellung von Mitteln zu Vorarbeiten für eine solche Wasserstrasse in den Etat zu erreichen, oder die Regierung zur Vornahme solcher Vorarbeiten zu veran¬ lassen, zu welchen die Mittel auf privatem Wege aufge¬ bracht werden sollten, scheiterten bisher an dem Wider¬ stande des Hauses der Abgeordneten. Der Verein beschloss daher, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, durch Aufstellung eines generellen Ent¬ wurfes einer neuen Donau-Main-Wasserstrasse für die Grosschiffahrt die technische Möglichkeit und den wirt¬ schaftlichen Wert einer solchen nachzuweisen. Zu diesem Zwecke wurde ein eigenes Technisches Amt in Nürnberg geschaffen, das zunächst von dem zu diesem Zweck aus No. 67. 430 dem Staatsdienst beurlaubten Bauamtmann He n sei, nach dessen Ernennung zum Vorstande des staatlichen hydro¬ technischen Büreaus durch Bauamtmann Faber geleitet wurde. Die Vorarbeiten wurden am i. Januar 1897 ein- geleitet und die Aufstellung des generellen Entwurfes war im März 1902 abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in einer Denkschrift niedergelegt, die vor einiger Zeit der Oeffent- lichkeit übergeben worden ist. Wir entnehmen dieser Denkschrift die nachstehenden kurzen Mitteilungen über die wesentlichen Gesichtspunkte des Entwurfes, sowie den Plan der Linienführung, des Längenprofils*) und die An¬ gaben über die gewählten Kanalquerschnitte. Bayern besitzt in dem „Ludwig-Kanal“, der von der Donau bei Kelheim über Neumarkt und Nürnberg bis an den Main bei Bamberg geführt ist, bereits eine Wasser¬ strasse, welche die beiden grossen Stromgebiete des Rheins und der Donau mit einander verbindet. In den Jahren 1836—46 nach den Entwürfen des Geh. Ob.-Brts. Frhrn. v. Pechmann erbaut und damals mit Recht als eine her¬ vorragende technische Leistung angestaunt, erweckte dieser Kanal ausserordentliche Hoffnungen, die in der Folgezeit sich in keiner Weise verwirklichten, der Kanal blieb von untergeordneter lokaler Bedeutung. Die 177,645 km lange Wasserstrasse, die ebenfalls im Lageplan und Längen¬ profil eingetragen ist, zweigt 35 km oberhalb Regensburg bei Kelheim a. D. ab und benutzt zunächst auf 32 k“ das Tal der Altmühl bis Dietfurt, folgt von da dem Ottmaringer Tal bis Beilngries und überschreitet im Zuge des Sulza¬ tales die Wasserscheide von Neumarkt; er tritt dann in das vordere Schwarzachtal ein, in welches er jedoch nicht hinabsteigt, weil eine Führung in dem engen Tale mit zu grossen Schwierigkeiten verknüpft gewesen wäre. Der Kanal verläuft vielmehr auf längerer Strecke wagrecht und etwa parallel zu dem Tale, kreuzt dasselbe bei Wendel¬ stein, um sich dann scharf nach Norden zu wenden und bei Fürth in das Tal der Regnitz zu gelangen; das letzte Stück von Bamberg bis zum Main fällt mit diesem kana¬ lisierten Flusse zusammen. Die 24 ,079 k“ lange Scheitel¬ strecke des Kanales liegt auf + 417,7 “N.N., während der Ausgangspunkt von der Donau bei Kelheim auf +388,5“ N. N., die Mündung der Regnitz in den Main bei Bischberg auf + 230,9 m N. N. liegt. Das zu überwindende Gefälle des Anstieges beträgt also 79,2“, des Abstieges zum Main 186,8 m, wozu 101 Schleusen erfordert werden von 2,6 m mittlerem Gefälle. Die mittlere Haltungslänge stellt sich nur auf 1,69 k“ (sie sinkt bis 282 m). Die Schleusen haben bei 32,1“ nutzbarer Länge 4,64“ lichte Weite. Die Wasser¬ tiefe entspricht derjenigen des Kanales von 1,46 m unter normalen Verhältnissen. Die Wasserspiegelbreite des Kanalprofiles beträgt 15,8“, der Querschnitt 18,8 m. Nur in der Scheitelhaltung, die gleichzeitig als Sammelbecken dient, ist die Tiefe auf 2,04 m, die Wasserspiegelbreite auf 16,3 m Breite gesteigert. Der Kanal kann von Schiffen von etwa 120 1 Tragfähigkeit befahren werden. Seine Kosten stellten sich auf rd. 27,88 Mill. M. oder rd. 159000 M für 1 km. Der Kanal erfüllte, wie schon bemerkt, die grossen auf ihn gesetzten Hoffnungen in keiner Weise. Zwei Gründe waren dafür hauptsächlich maassgebend: vor allem die für den Schiffahrtsverkehr damals gänzlich un¬ genügenden Verhältnisse im Main und der Donau, sowie der wenig glückliche Zeitpunkt der Fertigstellung des Kanales, als bereits das neue Verkehrsmittel der Eisen¬ bahnen eine Bedeutung gewonnen hatte, neben welchem man den Wert guter Wasserstrassen lange Zeit völlig übersah. Mit diesem Verkehrsmittel konnte ein Kanal mit so geringer Leistungsfähigkeit naturgemäss den Kampf nicht aufnehmen. Dem technischen Amt war nun die Aufgabe gestellt, „zu untersuchen, ob es möglich sei, zwischen Donau und Main eine Wasserstrasse herzustellen, welche den neueren Anforderungen der Schiffahrt entspricht, zu bestimmen, in welcher Weise dies geschehen kann, und zu berechnen, was die Ausführung einer solchen Wasserstrasse kostet.“ Die ausgeführten Untersuchungen erstrecken sieh auf den die beiden Flüsse verbindenden Schiffahrts-Kanal und den Ausbau der Mainwasserstrasse bis zu den der Gross¬ schiffahrt bereits zugänglichen Grenzen. Bezüglich der Donauwasserstrasse sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, die vorliegende Denkschrift bezieht sich daher nur auf die ersten beiden Aufgaben. Für die Führung des Kanales war von vornherein als feststehend anzusehen, dass derselbe Nürnberg als bedeu¬ tendste Industriestadt Bayerns unter allen Umständen be¬ rühren müsse. Für den Anschluss an die Donau kamen zwei Linien inbetracht: die Linie des Ludwig-Kanales mit Ueberschreitung der Wasserscheide bei Neumarkt und *) Das Längenprofil gibt die Hauptlinie Kelheim-Neumarkt-Nürnberg- Bamberg sowie den weiteren Verlauf der Wasserstrasse im Maintal wieder. Die zum Vergleich untersuchten Abkürzungen sind derart eingetragen, dass sie mit ihrem unteren Ende an dem entsprechenden Anschlusspunkt an¬ setzen, während der obere Anschlusspunkt an die Hauptlinie durch wag¬ rechte Uebertragung des oberen Endpunktes der Abkürzungslinie aufge¬ sucht werden muss. 22 AugUSt I903. 431 aber dieser Beschluss ist noch keineswegs maassgebend; endgiltig werden erst Rath und Stadtverordnete über den Bau beschliessen, nachdem alle Vorarbeiten für einen solchen Beschluss beendigt sein werden. Diese Vorar¬ beiten haben schon vor einigen Wochen begonnen und werden — dessen dürfen alle, denen der neue Rathhaus¬ bau am Herzen liegt, gewiss sein — mit aller Gewissen¬ haftigkeit, Sorgfalt und Sachlichkeit ohne irgend welche persönlichen Rücksichten erledigt. Es handelt sich eines- theils darum, den Bauplatz noch weiter abzurunden, und die Verhandlungen darüber werden voraussichtlich in einigen Wochen erledigt sein. Weiter handelt es sich um die Beschaffung eines endgiltigen Bauplanes. Da ist es nun durchaus nicht ausgeschlossen, dass ein engerer Wett¬ bewerb unter Urhebern preisgekrönter und angekaufter Entwürfe und vielleicht auch wenigen anderen hervor¬ ragenden Architekten veranstaltet wird, die sich etwa be¬ reit erklären, ohne weiteres Entgelt daran theilzunehmen, nur mit der Aussicht, als Preis die Oberleitung des Baues zu erhalten. Indess, diese Einzelheiten stehen selbstver¬ ständlich noch keineswegs fest. Wir wollen heute nur nochmals feststellen, dass alle Befürchtungen, die laut ge¬ worden sind, der festen Grundlage entbehren. Das Schick¬ sal des Rathhausneubaues ist noch nicht entschieden und wir dürfen zuversichtlich hoffen, dass darüber in einer Dresdens durchaus würdigen Weise entschieden werden wird.“ — Es ist uns bekannt geworden, dass die leitenden Kreise der Stadt von dem besten Willen beseelt sind und that- sächlich eine weitere Entwicklung der Angelegenheit im Auge haben, wie sie der Bedeutung des Baues, der Be¬ deutung der Kunststadt Dresden und nicht zuletzt auch den Erwartungen der Fachgenossen entsprechen würde. Möchte es gelingen, alle dem Werke schädlichen Unter¬ strömungen zu besiegen! — Preis be Werbungen. Wettbewerb katholische Pfarrkirche in Bonn. Der von uns S. 304 angekündigte Wettbewerb, zu dem alle deutschen Architekten eingeladen sind, wird als Ideenwettbewerb zur Klärung des Bauvorhabens, der Stellung der Kirche, ihrer Erscheinung auf dem Bauplatz usw. aufgefasst. Für den Bau der Kirche nebst Wohnungen für die Geistlichen ist ein rechteckiger, rings von Strassen umzogener Bauplatz vorgesehen, welcher an der Schumannstrasse und dem Ivessenicher Weg liegt. Das Gotteshaus soll Raum für 2200 Personen bieten; auf freien Blick auf Kanzel und Hauptaltar wird grosser Werth gelegt. Gruppirung der Bauanlage, Wahl des Baustiles und der Baumaterialien sind dem Wettbewerber mit der Maassgabe überlassen, dass die Eigenart der Entwicklung der Bauformen in den Rhein¬ landen volle Beachtung findet. Die Baukosten sind auf 400 000 M. bemessen. Die Zeichnungen nur in Liniendar¬ stellung sind 1:200 verlangt; erwünscht, jedoch nicht ge¬ fordert ist ein Schaubild. Die S. 304 genannten Preise können auch in anderen Abstufungen vertheilt werden. Das Preisgericht kann einen Ankauf von Entwürfen für je 400 M. empfehlen. Ueber die Bauausführung ist freie Entschliessung Vorbehalten. Anerkennung verdient, dass für die Wettbewerber keine konfessionellen Grenzen ge¬ zogen sind. — Wettbewerb Erlöser - Kirche in Breslau. In diesem Wettbewerbe, der für die in Breslau ansässigen evangel. Architekten und eine Anzahl besonders eingeladener Künstler ausgeschrieben war (vergl. Dtsche. Bztg. S. 100), hat unter 22 eingegangenen Arbeiten den I. Preis in Höhe von 2000 M. der Entwurf mit dem Kennworte ,,Ein Ei“, Verfasser Hr. Prof. Hocheder in München, den II. Preis in Höhe von 1500 M. der Entwurf „Gemeinde“ des Hrn. Brth. March in Charlottenburg, erhalten, während zwei UI. Preise in Höhe von je 1250 M. den Entwürfen mit dem Kennzeichen einer Rose bezw. dem Kennwort „Kirchlich geformt“ verliehen wurden, als deren Verfasser sich die Hrn. Arch. Kröger in Berlin, und Reg.-Bfhr. Fritz Bebla aus Breslau, z. Zt. in Ehrenbreitstein, ergaben. Seitens der technischen Mitglieder des Preisgerichtes wurde der Gemeinde Hr. Prof. Hocheder als Architekt für die Aus¬ führung empfohlen. — Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Theater in Jekaterinoslav (siehe Seite 76) waren 14 Entwürfe einge¬ laufen, 13 aus Russland und 1 aus Frankreich. Den I. Preis von 1400 Rbl. erhielt der Entwurf „Nicopol“ des Hrn. Siegfried Lewy, den II. Preis von 1000 Rbl. der Entwurf „Espeiientia“ des Hrn. S. Ginger in St. Petersburg und den III. Preis von 600 Rbl. der Entwurf „Schto uspel“ der Hrn. Joltowsky & Brailowski in Moskau. — Chronik. Ein Umbau der Bahnanlagen in Graz mit einem Auf wände von 5 — 6 Mill. Kronen ist beschlossen und von der Regierung ge¬ nehmigt worden. — Die Vollendung einer neuen Kellerhalle der Spaten¬ brauerei in München, nach Entwürfen des Hrn. Prof. Gabriel von Seidl in München , wird zum Oktoberfest erwartet. Den Mittelpunkt der umfangreichen Baugruppe bildet der 1700 qm Grund¬ fläche einnehmende Festsaal, um welchen sich die übrigen Betriebs¬ räume gruppiren.. Der Stil ist der des Münchener Barock. — Der Bau einer festen Rheinbrücke zwischen Petersau und Mombach bei Biebrich ist geplant und die Vorai beiten sind eingeleitet. — Die Errichtung eines neuen Gebäudes des Finanzmini¬ steriums in Stuttgart ist mit einem Kostenaufwande von r 7 10000 M. in Aussicht genommen. — Die Errichtung eines Pfarrhauses nebst Küsterei an der Thomaskirche in Leipzig ist den Hrn. Weiden bach & Tschammer übertragen worden. — Ein Gewerkschaftshaus mit Arbeiterherberge in Frank¬ furt a. M. soll mit einem Aufwande von 600 000 M., ohne innere Einrichtung, erbaut werden. — Die Erbauung eines Umschlaghafens in Oppeln ist mit einem Gesammtkostenaufwande von 1 120 000 M. beschlossen worden. — Ein internationaler archäologischer Kongress in Athen, welcher sich neben anderen einschlägigen Fragen insbesondere mit einer Wiederherstellung des Parthenon zu beschäftigen haben wird, ist noch für dieses Jahr in Aussicht genommen. — Ein Antiken-Museum im Theseustempel in Wien wurde eingerichtet, in welchem die österreichischen Funde aus Ephesos aufgestellt werden sollen. Das im Volksgarten liegende Museum ist Montags und Donnerstags von 9 — 1 Uhr zugänglich. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Reg.-Bmstr. Klein in Frankfurt a. M. ist z. Garn.-Bauinsp. ernannt. Baden. Der Reg.-Bmstr. Ferd. Grimm in Heidelberg ist der Gen. -Dir. der Staatseisenb. zugetheilt. Bayern. Dem kg], Ob.-Brth. v. Kramer, Dir. des bayer. Gewerbemuseums in Nürnberg, ist die Erlaubniss zur Annahme des ihm verliehenen kgl. preuss. Rothen Adler-Ordens III. Kl. und dem Ob. -Reg. -Rath Ritter v. Z enger bei der Gen. -Dir. der Staatseisenb. in München die Annahme des Komthurkreuzes des kais. österr. Franz-Josef-Ordens ertheilt. Der Bez.-Ing. Basslerin München ist nach Mühldorf versetzt. Braunschweig. Dem Prof. Pfeifer an der Techn. Hoch¬ schule in Braunschweig und dem Kr.-Bauinsp. Osten in Holz¬ minden ist das Ritterkreuz II. Kl. des herz. Ordens Heinrichs des Löwen verliehen. — Dem Reg.-Bmstr. Clemens in Seesen ist die nachges. Ent¬ lassung aus dem herz. Staatsdienste ertheilt. — Der herz. Reg.- Bmstr. Nagel in Blankenburg ist zur Strassen- u. Wasserbauinsp. Seesen versetzt. Preussen. Die Erlaubniss zur Annahme und Anlegung der ihnen verliehenen fremdl. Orden ist ertheilt und zw.: dem Ob.- Brth. Gross mann in Königsberg i. Pr. der Ritter-Insignien I. Kl. des herz, anhalt. Hausordens Albrechts des Bären ; dem Reg.- u. Brth. Schugt in Neuwied des Offizierkreuzes des Ordens Stern von Rumänien; dem kgl. Hofbrth. Geyer in Berlin des Ehren¬ kreuzes III. Kl. des fürstl. hohenzollei n. Hausordens. Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. M e i 1 1 y in Hannover ist nach Gandersheim zum Bau der Str. Gandersheim — Elze-Düngen versetzt. Dem Ing. Eug. Hartmann in Frankfurt a. M. ist das Prä¬ dikat Prof, beigelegt. Versetzt sind: der Kr.-Bauinsp. Jaensch von Wetzlar als Laudbauinsp. nach Arnsberg, der Landbauinsp. Stiehl von Ko¬ blenz als Kr.-Bauinsp. nach Wetzlar, der Wasser-Bauinsp. Brth. H o e c h von Geestemünde als Hafenbauinsp. nach Kolbergermünde und der Hafenbauinsp. Brth. Dohrmann von Kolbergermünde als Wasserbauinsp. nach Geestemünde. Dem Reg.-Bmstr. Ludw. Lubszynski in Krefeld ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste ertheilt. Brief- und Fragekasten. Hrn. Gebr. M., Bautzen. Von der Aufnahme Ihrer Anfrage im Briefkasten versprechen wir uns keinen Erfolg. Wir verweisen Sie auf die zahlreichen Mittheilungen in der Dtschn. Bztg. 1893 S. 87, 184, 224, 241, 246, 1894 S. 407, 1895 S. 274 u. 290, 1897 S. 232, 242 u. 354, 1900 S. 564. — Hrn. Arch. B. H. in Charlottenburg. Das versiegelte Cou¬ vert mit der Adresse des Verfassers muss Ihnen selbstverständlich zurückgesendet werden, da ja in dem unverletzten Couvert der Nachweis besteht, dass das Konkurrenz-Geheimniss gewahrt ge¬ blieben ist. — Hrn. Bfhr. H. in Dahn. Wir müssen Sie mit Ihrer Anfrage, die kein allgemeines Interesse hat, auf den Anzeigentheil unserer Zeitung verweisen. — Hrn. Arch. B. in Frankfurt a. M. Wir nennen: „Die Glas ind.ustrie“, Berlin; „Sprechsaal“, Koburg; „Deutsche Glaserzeitung St. Lucas", Berlin; „Die Glashütte“, Dresden; „Centralblatt für Glas¬ industrie und Keramik“, Wien; „lllustr. Fachblatt für die Glas-, Porzellan- und Steingut-Industrie“, Zittau i. S. usw. — Inhalt: Die Revherbrücke bei Magdeburg. — Mittheilungen aus Ver¬ einen. — Der Landmesser im Städtebau. — Vermischtes. — Freisbewer- bungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwort!. Albert Hofmann, BerFn Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 53. 332 EUTSCHE XXXV. JAHR- *BERLIN * srssssssstsrsrstsusrst SzastBSE AUZEITUNG. GANG. * * N°: 54. * DEN 6. JULI 1901. * Die wirthschaftliche Vorlage in Oesterreich. ährend inPreussen Regen die grossen wasser¬ wirtschaftlichen Pläne der Regierung, deren Durchführung den Abschluss einer seit Jahr¬ zehntenverfolgten zielbewussten Kanalpolitik bilden und ein die sämmtlichen grossen deut¬ schen Ströme mit einander in Verbindung setzendes Wasserstrassennetz schaffen sollte, von der Mehrheit einer unter agrarischem Einflüsse stehenden Volksver¬ tretung trotz der mit diesen Plänen verbundenen be¬ deutsamen Aufgaben der Landesmelioration eine ab¬ lehnende Haltung eingenommen wird und die Vorlage infolge dessen zum zweiten Male auf unbestimmte Zei vertagt wurde, hat sich in unserem NachbarlandeOester- reich mit förmlich elementarer Gewalt die Erkenntniss von der Wichtigkeit eines leistungsfähigen Wasser- strassennetzes neben einem entsprechend ausgebauten Eisenbahnnetze für die wirthschaftliche Entwicklung des Landes Bahn gebrochen, und ein Parlament, das zerrissen von Partheileidenschaften und Nationalitäten¬ hass zur Unthätigkeit verurtheilt schien, hat in wenigen Monaten zwei Vorlagen von weittragendster Bedeutung durchberathen und angenommen: „Das Gesetz be¬ treffend den Bau von Wasserstrassen und die Durchführung von Flussregulirungen“ sowie „Das Gesetz betreffend die Herstellung mehre¬ rer Eisenbahnen auf Staatskosten und die Festsetzung eines Bau- und Investitions-Pro¬ grammes der Staatseisenbahn-Verwaltung für die Zeit bis Ende des Jahres 1905. Während Oesterreich bisher künstliche Wasser¬ strassen überhaupt nicht besass und die meist nur mit ihrem Oberlaufe in das Land fallenden natürlichen Wasserstrassen wenig benutzen konnte, sodass z. Zt. von dem Gesammtverkehr nur rd. 5,7 % auf den binnen¬ ländischen Wasserverkehr gegenüber 94,3 % des Eisen¬ bahnverkehres entfallen (in Deutschland und Frank¬ reich 25%), wird mit der Durchführung der Vorlage ein für 600 ‘-Schiffe benutzbares Wasserstrassennetz, theils von Kanälen, theils von kanalisirten Flüssen mit 1600 — 1700 km Gesammtlänge und mit einem Kosten- aufwande geschaffen werden, der auf 750 Mill. Kronen (625 Mill. M.) geschätzt wird. Gleichzeitig sieht das 2. Gesetz den Bau einiger besonders wichtigen Linien (namentlich eine 2. Verbindung mit Triest) zur Ver¬ vollständigung des Staatsbahnnetzes und den Ausbau der vorhandenen Anlagen zur Erzielung einer grösse¬ ren Leistungsfähigkeit mit einem Kostenaufwande von rd. 487 Mill. Kr. (406 Mill. M.) vor. Man ist in Oesterreich lange Zeit der Anschauung gewesen, dass der Bau künstlicher Wasserstrassen nicht eine Aufgabe des Staates, sondern privater Unter¬ nehmung zu überlassen sei. Schon im Jahre 1872 ist eine Konzession z u m Bau eines Donau-Oder-Kanales ertheilt worden, die aber infolge des nachfolgenden wirthschaftlichen Niederganges nicht ausgenutzt wer¬ den konnte, und wiederholt ist man auf diesen Plan, dessen Durchführung wirthschaftlich, mit Rücksicht auf die dieser Wasserstrasse zufallenden Massentrans¬ porte von Kohle usw., am meisten versprach, von Privat¬ unternehmungen zurückgekommen. Diese Pläne, die Bestrebungen des Deutsch-Oesterr. Binnenschiffahrts- Verbandes, die Verhandlungen des österr. Wasser- strassentages, des österr. Ingenieur- und Arch. -Vereins, des Donau-Moldau-Elbe-Kanalcomites, schliesslich die hydrotechnischen Vorarbeiten des Handelsministeriums anfangs der 90 er Jahre haben der Vorlage die Wege geebnet, die von der Regierung, nachdem anfangs März dieses Jahres ein dahin zielender dringlicher An¬ trag von 124 Abgeordneten aller Partheirichtungen im Landtage gestellt war, diesem am 26. April d. J. vor¬ gelegt wurde. Bereits am 25. Mai d. J. erstattete der aus 36 Mitgliedern bestehende, unter dem Vorsitz des Wiener Bürgermeisters Lueger tagende Wasserstrassen- Ausschuss seinen Bericht und schon am 1. Juni wurde die Vorlage in erweiterter Form vom Landtage mit 198 gegen 46 Stimmen, am 10. Juni vom Herrenhause einstimmig angenommen. Am 12. Juni erhielt das Gesetz die kaiserliche Genehmigung. In dem kurzen Zeitraum von kaum 7 Wochen hat also der Reichs¬ rath die Arbeit erledigt und zwär gleichzeitig mit der Eisenbahnvorlage, die schon am 6. Juni d. J. die Be¬ stätigung des Kaisers erhielt. In ähnlicher Weise, wie die preussische Kanal¬ vorlage sich durch Hinzufügung bedeutender Auf¬ gaben der Landesmelioration zu einer „wasserwirt¬ schaftlichen“ Vorlage auswuchs, ging es auch der Re¬ gierungsvorlage in Oesterreich, die nur den Bau der nachstehend bezeichneten 4 Kanäle mit den dazu ge¬ hörigen Kanalisirungen der einbezogenen Flusstrecken vorsah. Durch den Landtag wurde die Ausführung bedeutender Flussregulirungs - Arbeiten hinzugefügt, für welche von den aus Staatsmitteln für die Zeit 333 sehr beträchtlichen Windungen des Mains abschneiden, also den Weg erheblich verkürzen würden: es sind die 3 Abkürzungsstrecken Heidenfeld- Arnstein -Himmelstadt, Würzburg-Hettstadt-Nürnberg und schliesslich von Lohr über den Spessart nach Aschaffenburg. Bezüglich der diesen Wasserstrassen zu gebenden Leistungsfähigkeit war einerseits bestimmend, dass auf dem kanalisierten Main jetzt als Normalschiff etwa das 1000 ‘-Schiff anzusehen ist und dass es daher angebracht erscheine, diesen vom Rhein kommenden Schiffen auf der Mainwasserstrasse selbst jedenfalls den Weg möglichst weit ins Land hinein zu öffnen. Für den Kanal dagegen erschien das Maass als angemessen, das bei den grossen Plänen in Preussen und Oesterreich in wirtschaftlicher Beziehung als erforderlich angesehen worden ist und die Grundlage dieser neuen Wasserstrassen-Pläne bildet, d. h. also die Bemessung des Kanal Querschnittes auf ein 600 Schiff. Auf dieser Grundlage ist der Entwurf aufgestellt. Ist ein Hauptfehler des alten Ludwig - Kanales die grosse Zahl kleiner Haltungen, welche die Geschwindigkeit des Verkehres ausserordentlich herabdrücken, so ist bei dem Entwürfe der neuen Wasserstrasse das Gefälle mög- Baupolizei-Gesetz der Stadt Hamburg vom 23. Juni as Hamburger Baupolizei-Gesetz stammt aus dem Jahre 1882 und ein neues steht bereits in Aus¬ sicht. Es könnte demnach überflüssig erscheinen, sich noch mit dem bald ausser Kraft tretenden Gesetze, das von H. Ols hausen mit allen Nachträgen und damit zusammenhängenden Verordnungen neu herausgegeben worden ist (Hamburg, Otto Meissners Verlag 1902) zu be¬ schäftigen, wenn nicht seine Bestimmungen in den abge¬ laufenen 20 Jahren nach einer Richtung hin abgeändert und ergänzt worden wären, die im Verein mit der Ten¬ denz der weiter dazu erlassenen, den Bebauungsplan und die Förderung des Kleinwohnungsbaues betreffenden Sondergesetzen erkennen Hessen, wohin der Kurs in Zu¬ kunft steuert und dieser Kurs ist, obwohl nicht ein ge¬ waltig vorwärts stürmender, so doch ein solcher, dass er den Zeichen der Zeit folgend, auch den Kaufmanns¬ staat Hamburg allmählich in sozialeres Fahrwasser trägt. Allerdings weniger im eigentlich baupolizeilichen Sinne — im Gegenteil könnten z. B. die fast auf die Aus¬ rottung des Holzes in der Architektur gerichteten Vor¬ schriften zu einer Umkehr anregen; denn nicht nur in der Stadt und der Vorstadt St, Pauli, sondern auch in den Vororten, die allerdings seit dem Jahre 1894 'n das Stadtgebiet einbezogen sind, müssen die Umfassungswände der Gebäude durchweg massiv sein. Ausnahmen wer¬ den nur für Nebengebäude von höchstens 60 qm Grund¬ fläche und 6m Höhe, für kleinere Baulichkeiten, wie Lust¬ häuschen, Lauben, Windfänge bis zu 40 q.“ Grundfläche, Lagerräume, Stallungen usw. ohne Feuerstellen gestattet. Sogar Dachfenster von ausgemauertem Fachwerk müssen mit Metall oder Schiefer (nicht mit Dachsteinen?) bekleidet werden; Holzgesimse, Bretterverkleidungen sind an den Aussenwänden verboten, nur Baikone, Dachüberstände und sonstige architektonische Verzierungen (1), die keine ausschliesslich durch Holz gebildete Hohlräume enthalten, unter gewissen Bedingungen zugelassen. Mehr oder min¬ der ähnliche Beschränkungen enthalten ja heutzutage fast alle Bauordnungen und im Inneren grosser Städte bei eng- räumiger Bebauung sind sie auch am Platze. Wie die geschichtliche Entwicklung der Städte lehrt, ist die Um¬ wandlung des ursprünglichen Holzbaues in den Steinbau namentlich auch in Hamburg schon früh angestrebt wor¬ den. An der Notwendigkeit dieses Vorganges besteht also kein Zweifel. Es fragt sich aber doch, ob man da¬ mit unterschiedslos nach aussen hin bis an das Weichbild gehen soll. Ausgemauerte Fachwerkgiebel, Holzerker, vorgekragte Drempelwände z. B., diese einfachen Hilfs¬ mittel einer gesunden bürgerlichen Kunst, vermöchten noch am ersten einer weitergehenden Entartung zur Papp- und Stuckarchitektur Einhalt zu tun. Würden nur die Hölzer nicht zu schwach gewählt und fluchtrecht mit der Ausmauerung eingebaut, die Fachwerkteile gegen die Nachbarhäuser hin massiv begrenzt, u. a, auch in altnieder¬ sächsischer Bauweise mit Dachsteinen behängt, so könnte wohl in Wohn Strassen, bei weiträumiger, wenngleich geschlossener Bauweise, besonders im Falle nur Reihen¬ bebauung mit Vorderhäusern möglich wäre, dem Holzbau wieder eine etwas grössere Daseinsberechtigung zuge¬ standen werden. Die neueste Bauordnung, die“ für Posen, läss'Uwenig- stens für Erker, Veranden und ähnliche Vorbauten wieder Holz zu, jedoch nur, wenn Eichenholz verwendet wird. In Hamburg wirkt offenbar noch der Schrecken über den letzten grossen Brand nach, obgleich sich dieser wohl liehst konzentriert, also die Länge der Haltungen nach Möglichkeit verlängert, soweit dies andere Rücksichten, namentlich die Frage der Wasserversorgung und der zweckmässigsten Konstruktionen zur Ueberwindung der Staustufen gestatten. Da letztere Frage noch keineswegs als geklärt angesehen werden kann, ist der generelle Ent¬ wurf derart aufgestellt, dass vorläufig ein Schleusen- Kanal inbetracht gezogen ist, dessen Trace jedoch so ge¬ wählt werden konnte, dass neben den Schleusentreppen später bei stärkerem Verkehr mechanische Hebewerke gebaut werden können, wenn hierüber weitere Erfahrun¬ gen vorliegen.*) (N B. Im Lageplan und Längenprofil ist der Entwurf jedoch derart dargestellt, als wenn grössere, durch eine Kammerschleuse nicht zu überwindende Ge¬ fälle durch Hebewerke überwunden würden. Die Kosten der Herstellung des Kanal-Bettes sind dementsprechend auch berechnet und stellen sich dann keinesfalls niedriger als bei Anwendung von Schleusentreppen, die sich dem Gefälle besser anpassen lassen. Die Bauwerke selbst sind dagegen so berechnet, als wenn nur Schleusen zur An¬ wendung kämen.) — (Schluss folgt.) 1882 und die nachträglich erlassenen Ergänzungen. nur deshalb hat so weit ausbreiten können, weil die Be¬ bauung eine sehr dichte, von Speichern durchsetzte, und der ältere Fachwerkbau nur ungenügend oder gar nicht gegen den Angriff des Feuers gesichert war, auch eine im heutigen Sinne leistungsfähige Feuerwehr nicht be¬ standen hatte. Die am 1. Juli 1886 an den Wasserseiten noch vorhanden gewesenen hölzernen Lauben und Baikone sollten nach dem geltenden Gesetze ohne Entschädigung fortgeräumt werden. Die Erneuerung vorhandener Um¬ fassungswände aus Fachwerk lässt die Baupolizei nur in beschränktem Maasse zu; zur Ausbesserung der Ausluch¬ ten, Ausbauern, hölzernen Lauben und Baikone bedarf es einer besonderen pohzedichen Genehmigung. Zu derartigen Bestimmungen lässt sich wohl die Frage aufwerfen, ob sie nicht die auf die Erhaltung alter -Stadt¬ bilder gerichteten Bestrebungen lähmen können, nicht etwa, weil es die Behörde an dem erwünschten Entgegenkommen fehlen lassen würde, sondern weil es dem Durchschnitts¬ bürger an Verständnis für die Denkmalpflege mangelt und es ihm vor der Möglichkeit einer umständlichen Ausnahme- Behandlung graut — lieber reisst er „das alte Gerümpel" ab. Man braucht dabei keineswegs der Meinung zu sein, alles im geschichtlichen Sinne Erhaltenswerte müsse nun auch erhalten werden — die Bedürfnisse des lebenden Geschlechtes fordern oft gebieterisch freie Bahn zu ihrer Befriedigung; was man aber verlangen kann, ist, dass sich im künstlerischen Sinne Gleichwertiges anstelle des Fallen¬ den erhebt, und zum mindesten dürfen polizeiliche Be¬ stimmungen dem nicht im Wege stehen, im Geiste des Alten Neues schaffen zu können. Wenn man sieht, welche Bautätigkeit sich anstelle der malerischen Ecken und Winkel in der südlichen Neu¬ stadt, die gegenwärtig umgebaut wird, breit macht, so vermag keine rechte Freude über die unzweifelhaft gross¬ artige Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse auf¬ zukommen. Gilt Lichtwark nichts als Prophet in seinem Vaterlande? Auch die durch den Bebauungsplan gegebene Grundlage mit der schematischen Verbrechung der Block¬ ecken, mit der Geradeführung der Strassen anstelle früherer Krümmungen mit der brutalen Durchbrechung der bisher geschlossenen Schaarmarktwandung u. a. lässt künstlerische Rücksichten vermissen. Erklärlich ist im übrigen der polizeiliche Krieg gegen das Holz-Fachwerk in Stadt und Vorstadt St. Pauli, da die Bauordnung sich hier sehr weitherzig zeigt inbezug auf die Bauhöhe, die um 6 m die Breite der vorliegenden Strasse übersteigen darf bis zu einer grössten Fronthöhe von 24 m (bei wagrechtem Abschlüsse der Front, sonst dürfen auch einzelne Teile höher gehen, wenn andere um ebensoviel darunter bleiben) und noch von Ziertürmchen, Turmhelmen und kleinen Kuppeln usw. überragt werden kann. Dabei werden öffentliche Gewässer längs der Strasse der Breite zugerechnet. Gesundheitliche Bedenken gegen eine so hohe und, es sei gleich hinzugesetzt auch dichte Ueberbauung — denn die Hofbreite vor den Fenstern der Seitenflügel und Hinterhäuser beträgt in den Vororten zwar 2/3 der Gebäudehöhe, mindestens 4 m, in Stadt und Vorstadt aber nur 1/3 der Gebäudehöhe, mindestens 2,5 m — ist insoweit Rechnung getragen, als in Häusern, die einschliesslich des *) Bekanntlich sind solche weiteren Erfahrungen durch den Bau eines Probehebewerkes im geplanten Donau-Moldau-Kanal im nächsten Jahrzehnt zu erhoffen. Vergl. die Ausschreibung eines Wettbewerbes für den Bau eines Hebewerkes bei Prerau S. 244. 434 No. 67. Erdgeschosses mehr als 5 Geschosse haben, ausser den be¬ wohnbaren Kellerräumen nur die 5 unteren Geschosse als Wohnungen und Werkstätten benutzt werden dürfen. Ideal sind diese Verhältnisse immerhin nicht; sie scheinen aber bis an die Grenze des in der alten, von jeher eng zu¬ sammengedrängten Stadt praktisch Erreichbaren zu gehen. Warum jedoch überhaupt ein absolutes Maass für die Bauhöhe festsetzen, wenn die Zahl bewohnbarer Ge¬ schosse beschränkt ist?! Etwa aus feuerpolizeilichen und ästhetischen Bedenken, wie die gegen amerikanische Turm¬ häuser? Die Bauhöhe in den Vororten gleich der Strassen- breite ist als normal anzusehen. Ideal sind auch nicht die Hamburg noch eigentümlichen Wohnhöfe, obwohl in den darauf sich beziehenden Vor¬ schriften die energisch bessernde Hand zu spüren ist. Sie verdanken ihre Entstehung der zu tiefen Blockteilung des Bebauungsplanes, dürfen nur 3 Geschosse (einschl. Erd¬ geschoss) hoch errichtet werden und müssen an Hofplätzen liegen, deren Breite in den Vororten gleich der Gebäude¬ höhe, in Stadt und Vorstadt gleich 2/3 der Gebäudehöhe, mindestens 3,5 m beträgt. Erst bei mehr als 30 Wohnun¬ gen und mehr als 50 m Tiefenlage hinter der Strassenlinie treten Einschränkungen ein. Das soziale Uebel der Gross¬ städte liegt aber in den Hofwohnungen. Einen erfreulichen Gegensatz dazu bilden die Vor¬ gärten und Vorplätze; in Wahrung alter Bausitte, die so oft zu reizvoller Belebung der Strassenbilder geführt hat, dürfen die zwischen der Strassen- und der Bauflucht sich erstreckenden Flächen mit Haus- und Kellertreppen, Licht¬ schächten, Kellern, mit Uebergängen zwischen Wohnung und Garten, sofern sie nicht die Erdgeschosshöhe über¬ schreiten, mit Sitzhallen, Lauben usw. bis auf die halbe Tiefe, doch höchstens bis auf 4“ von der Bauflucht ab gerechnet bebaut werden. Eine Baufluchtlinie muss der Staat festsetzen, wenn die Hälfte der Grundeigentümer einer Strasse oder einer Strassenseite es beantragen. Die Festsetzung von Vorgärten können die Anlieger verlangen; andererseits kann aber auch der Staat dem die Strasse anlegenden Unternehmer auferlegen, zunächst einen Teil des Strassenlandes als Vorgarten einzufriedigen, bis nach staatsseitiger Kündigung dieser Teil unentgeltlich zur Strasse abgetreten werden muss, wobei der Staat nur die Kosten der Strassen än der ung zu tragen hat. Auf diese Weise ist es leicht möglich, unberechenbaren Verkehrs- Anforderungen jederzeit zu entsprechen. Länger durchgehende Hauptverkehrs -Strassen oder Teile einer solchen sollen 20— 30 m und sonstige längere Strassenzüge mindestens 17 m breit mit der Einschränkung angelegt werden, dass in der Stadt und Vorstadt keine grösseren Breiten vorgeschrieben werden sollen. Unter besonderen örtlichen Verhältnissen, sowie für blosse Neben¬ strassen — damit dürften reine Wohnstrassen gemeint sein — kann aber bis auf 8m Breite herabgegangen werden, besonders dann, wenn diese Strassen lediglich tiefe Bau¬ blöcke aufschliessen sollen und wenn die Baufluchten hinter die Strassenfluchten zurückgelegt werden. So anerkennenswert nun diese Bestimmung auch ist, so scheint doch aus ihrer Fassung hervorzugehen, als ob die Aufteilung zu grosser Baublöcke immer noch von Fall zu Fall Privatunternehmern überlassen bleibt, ist also von einer Anschauung getragen, die im Zeitalter des sogen, „freien Spiels der Kräfte" zwar die allein herrschende war, deren Ansehen in der mehr sozial denkenden Gegenwart aber doch schon stark angefochten ist. Bei einem derartigen Verfahren wird das Bauland dem Gross¬ kapital zugetrieben, das zunächst gar nicht bauen, sondern möglichst hohe Bodenpreise erzielen will. Jede nach¬ trägliche Aufteilung eines Blockes, bei welcher der an die Strasse abzutretende Boden als Bauland bewertet werden muss, wird dann zu einer blossen Rechenaufgabe, deren Ergebnis nicht immer zum Vorteil des öffentlichen Wohles ausfallen wird. Dieser unerwünschten Folge entgegen zu wirken, wird vom Gesetze die Anlage von Privatstrassen zu fördern gesucht. Die zu den Kosten der Strassenanlagen ebenso wie zu den Sielleitungen und Strassen-Verbreiterungen zu leistenden Beiträge können nämlich allgemein auf Wunsch der Zahlungspflichtigen statt in Kapital durch eine während 30 Jahren mit 6°/0 vom Kapital zu erhebende und mit dem Privigelium der Grundsteuer ausgestattete Jahresrente berichtigt werden. Dasselbe gilt nun insbesondere auch für Zahlungen bei Uebernahme von Privatstrassen, sofern die Kosten nicht unter 10 M. für 1 m Strassenfront bleiben. Im übrigen kann der Staat die Uebernahme von Privat¬ strassen jederzeit verlangen und den Unterhaltungs¬ pflichtigen steht dies zu, sobald die bebauten Fronten die Hälfte der bebaubaren ausmachen und die beiden Enden der Strasse mit bereits vorhandenen öffentlichen Strassen verbunden sind. Vor der Uebernahme durch 22. August 1903. den Staat sind die Strassen ordnungsmässig herzustellen, wobei für Strassen, die breiter als 17 m sind, den Her¬ stellungspflichtigen nur die Kosten einer Strasse bis 17 m Breite auferlegt werden. An neuen Privatstrassen können die Bauplätze auch schon vor der Uebernahme durch den Staat als selbständige Grundstücke ins Grundbuch eingetragen werden, falls Sicherheit geboten wird, dass die Strasse für den öffentlichen Verkehr benutzt werden kann, mit Siel-, Wasser- und Gasleitungen ausgestattet, gehörig unterhalten und beleuchtet wird. Demnach kann u. Umst. schon eine einfache Befestigung der Strasse ge¬ nügen, solange sie eben Privatstrasse bleibt, eine will¬ kommene Abmilderung des Verbotes an unfertigen Strassen zu bauen, wie es sonst fast überall in Deutschland besteht. Einen weiteren Fortschritt bekunden die Bestimmun¬ gen über den Bebauungsplan für die Vororte auf dem rechten Elbufer. Während diejenigen Gesetzesvorschriften, die sich mit dem Inhalte der eigentlichen Ortspolizei-Ver¬ ordnungen decken, nur 2 Abstufungen in der Bebauung vorsehen, wie vorhin ausgeführt worden ist, so wird eine weitere Individualisierung der Wohnbedürfnisse durch den Stadtbauplan herbeizuführen gesucht, wie folgt: In bereits vorhandenen oder neu anzulegenden Strassen oder in solchen Strassenteilen, die an beiden Enden durch andere Strassenzüge oder Kanäle begrenzt werden, können den Grundstücken, sei es an einer, sei es an beiden Seiten der Strasse vordere, hintere oder seitliche Baulinien, sowie Beschränkungen inbezug auf die Bebauung der Bauwiche vorgeschrieben werden. Wenn einem Grundstück infolge seiner Lage an zwei oder mehreren Strassen oder den Grundstücken desselben Baublockes verschiedene Bau- bezw. Ausnutzungs-Be¬ schränkungen auferlegt sind, so müssen im Bebauungs¬ pläne die Linien vermerkt werden, bis wohin die Be¬ schränkungen gelten sollen (Geltungslinien). Schadenersatz -Ansprüche können nicht hergeleitet werden: a) aus dem Verbot der Errichtung von Fabriken, Wirt¬ schaften und die Nachbarschaft belästigenden Betrieben; b) aus dem Verbot der Errichtung von mehrge¬ schossigen Miethäusern bezw. von Wohnhöfen, wenn das Grundstück der Teil eines Baublockes ist, auf dem sich mehrgeschossige Miethäuser bezw. Wohnhäuser noch nicht befinden, ferner von Wohnhöfen sowie aus der Vorschrift hinterer Baulinien, wenn der betreffende Bau¬ block durch eine Geltungslinie durchschnitten wird und das infrage stehende Grundstück in einem Teile des Bau¬ blockes liegt, für den die betreffende Beschränkung im Bebauungspläne vorgesehen und bei der vorhandenen Bebauung innegehalten ist. Ausnahmsweise wird Ent¬ schädigung gewährt, wenn ein von dem Verbot betroffenes Grundstück unmittelbar neben der Geltungslinie liegt an der Stelle, wo Strassenlinie und Geltungslinie sich kreu¬ zen, jedoch nur mit einem zur Geltungslinie parallelen Streifen von 20 m; c) in Landhausstrassen aus derVorschrift hinter er Bau¬ linien, wenn das Grundstück an einer Strasse liegt, an der die bestehendeBebauung diehintere Baulinie nicht überschreitet. Zusammenlegung findet statt, wenn es zur zweckmässi- genBebauung erforderlich erscheint oderwenn es dieEigen- tümer der grösseren Hälfte der Gesamtfläche beantragen. Die Errichtung von Wohngebäuden und die Benutzung bisher nicht zum Bewohnen bestimmter Gebäude zum Wohnen ist nur auf Grundstücken gestattet, die an end- giltig oder vorläufig fertiggestellten Strassen belegen sind. Nicht zum Bewohnen bestimmte Gebäude dürfen er¬ richtet werden, wenn sie durch einen befestigten Weg mit einer mindestens vorläufig fertiggestellten Strasse in Verbindung stehen. Das Hinterland (das also hinter der hinteren Baulinie liegt) darf bebaut werden: a) mit denjenigen Anlagen mit denen vordere Bau¬ linien überschritten werden dürfen (bei Baulinien bis zu 1 m Abstand von der Strassenlinie mit Haus- und Keller¬ treppen, Lichtgräben usw., Portalen, Schutzdächern, bei Baulinien von 1 — 3 m Abstand von der Strassenlinie wie vor nur mit Vorbauten, die nicht mehr als 1,2 m über die Baulinie vortreten, bei Baulinien von mehr als 3“ Ab¬ stand von der Strassenlinie mit Haus- und Kellertreppen, mit Lichtgräben bis zu höchstens 5 m über die Baulinie, mit Vorbauten um nicht mehr als */3 des Abstandes zwischen Strassen- und Baulinie bis höchstens 4 m bezw. wo dieses 1/3 weniger als 1,2 m beträgt, bis zu diesem Maasse, mit Lusthäuschen u. dergl. von nicht mehr als 10 lm Grund¬ fläche, sofern der Abstand der Baulinie von der Strassen¬ linie mindestens 7 m beträgt. b) mit Nebengebäuden (Wohnungen für Dienstboten, Ställe. Treibhäuser, Waschküchen desgl. bis 8 m First¬ höhe und einer Grundfläche von x/5 der Hinterlandfläche. 435 (Feuerstellen sind nur, falls mit Koks oder anderen rauch¬ losen Brennstoffen beheizbar, zulässig). — Ein besonderes Gesetz ist endlich zur Förderung des Baues kleiner Wohnungen am 21. Mai 1902 er¬ lassen worden. Zu diesem Zwecke dürfen öffentliche Grundstücke, an denen Hamburg noch reich ist, versteigert werden (an die Verpachtung im Wege des Erbbaurechtes scheint man dort nicht zu denken!), wobei anstelle des Kaufpreises eine jährlich mit 4°/0 des Kaufpreises zu ent¬ richtende, seitens des Eigentümers mit dem Betrage des Kaufpreises ablösbare, im Grundbuche an erster Stelle einzutragende Rentenschuld treten kann. Die darauf zu erbauenden Gebäude dürfen in den Obergeschossen (einschl. des hohen Erdgeschosses) nur; a) Wohnungen von 30 — 35 qm lichter Fläche (Stube, Küche und Kloset, Speisekammer oder Schrank), b) desgl. von 35—48 lichter Fläche (2 Stuben usw. wie vor), c) desgl. von 48— 60 qm lichter Fläche (3 Stuben usw. wie vor) enthalten. Dazu gehört je ein Keller und Bodengelass. Wenigstens der 20. Teil der in einem Gebäude befind¬ lichen Wohnungen muss der Gattung zu a) und höchstens der 6. Teil der Gattung zu c) angehören. Grosse Schank¬ wirtschaften dürfen in den Häusern nicht betrieben werden. Ferner ist ein durch Anleihe zu beschaffender Betrag von 1 200000 M. zur Verfügung gestellt, um daraus an die Ersteher der versteigerten Grundstücke oder an sonstige Bauunternehmer Darlehen gegen 4% Zinsen zur Erbauung von Häusern mit kleineren Wohnungen zu gewähren. In der Regel sollen die Darlehen über die Höhe von 25% des Feuerkassenwertes nicht hinausgehen; sie sind durch eine Hypothek sicherzustellen, deren Betrag unter Hinzu¬ rechnung der ihr im Range vorgehenden Belastungen 75% der Feuerkasse nicht überschreitet. Auf Verlangen ist das Kapital 10 Jahre unkündbar und von da ab in Jahresraten von 10 °/0 rückzahlbar. Bei Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen bleibt dem Staate das Kündigungsrecht Vorbehalten. Die Grundsteuer (Reg.-Bmstr. R. Goldschmidt in Berlin hatte in einem Schriftchen vom Jahre 1900 vorgeschlagen, jedem Hausbesitzer für eine kleine Wohnung, die er be¬ reits besitzt oder herstellt, V2% seiner Grundsteuer zu er¬ lassen, wobei die Grundstücksgrösse soweit mit in Rechnung zu ziehen sei, dass die grösseren Häuser keine höheren Steuerlasten erreichen als die kleineren) wird für diese 10 Jahre erlassen, sofern und solange der Mietzins (einschl. Wassergeld und Treppenbeleuchtung usw.) den Betrag von 6 M. für 1 qm lichter Fläche nicht überschreitet. Von keiner Treppe dürfen mehr als 12 Wohnungen zugänglich sein, bis zu 16 ausser den im Erdgeschoss be¬ findlichen, sofern die lichte Fläche der in den Oberge¬ schossen befindlichen Wohnungen nicht mehr als 800 qm beträgt. Zur Zusammenlegung der Höfe werden Erleich¬ terungen gewährt, auch können die Hintergebäude mit 4 Geschossen einschl. Erdgeschoss erbaut werden. Soweit das Hamburger Baugesetz! Mit dem Klein¬ wohnungsbau ist man aber auch schon praktisch vorge¬ gangen und zeigen namentlich die neueren Häuser des rührigen Spar- und Bauvereins eine glückliche Grundriss¬ anlage, die in Hufeisenform einen nach der Strasse hin offenen Vorhof oder Vorplatz umfasst, sodass fast gar keine Hinterwohnungen mehr, geschweige denn Hinter¬ häuser entstanden sind. Dabei hat sich die für ein Vorder¬ haus zulässige Bauhöhe am ganzen Gebäude durchführen lassen, während bei der üblichen Anlage von Wohnhöfen das Hinterland nur in geringerer Höhe hätte bebaut werden dürfen. Auf bereits durch den Stadtbauplan festgelegtem Bauland wird man schwerlich anders oder gar besser bauen können. Zu wünschen bleibt aber doch, dass in den Vororten, in den Wohnstrassen der Industrieviertel, wo man es noch in der Hand hat, die Ausnutzung des Baulandes durch den Bebauungsplan je nach den Bedürf¬ nissen zu regeln, auch weniger tiefe Blöcke für eine niedrigere Reihenbauweise vorgesehen werden, um die Bevölkerungsdichte, die bei gleicher Bauhöhe im Klein¬ wohnungshause natürlich eine stärkere ist, als im bürger¬ lichen Miethause, gleichmässiger zu verteilen. -r-. Todtenschau. Dr. H. Scheffler, Ob. -Baurat f. Mit dem am 13. d. M. im 83. Lebensjahre in seiner Vaterstadt Braunschweig, in der er auch den weitaus grössten Teil seines Lebens ver¬ bracht hat, verstorbenen Ob.-Baurat H. Scheffler ist eine eigenartige Persönlichkeit dahingegangen, ein tüchti¬ ger Eisenbahnfachmann und bedeutender technischer Fach¬ schriftsteller, der sich aber mit dem gleichen Erfolge auf dem rein wissenschaftlichen Gebiete der Mathematik, Physik, Nationalökonomie und Philosophie betätigte, ja durch diese letzteren, von den Zunftgelehrten nicht immer wohlmeinend aufgenommenen Arbeiten, vielleicht einen noch bekannteren Namen gemacht hat, als durch seine fachliche Tätigkeit. Nachdem er früher im herzogl. braunschweig. Staatsdienst gestanden hatte, war er von 1870—85 Eisenbahn-Direktor bei der braunschweig. Eisenb.-Ges. Seitdem lebte er lediglich seinen Studien. — Preisbewerbungen. Rathaus-Wettbewerb Kiel. Es fällt auf, dass dieser Wettbewerb, dessen Frist am 8. Juni d. J. ablief, bis heute unentschieden ist. Ende Juni suchte die Stadtbauverwaltung zur Vorprüfung der Entwürfe usw. einen Architekten; bis zum Zusammentritt des Preisgerichtes scheint die Ange¬ legenheit bis heute aber noch nicht gediehen zu sein. Nicht mit Unrecht führen die Teilnehmer des Wettbewerbes Klage über eine so aussergewöhnlich lange Hinausziehung der Entscheidung, welche schwer verständlich erscheint. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Dem Ob.-Brt. Grimm im sächs. Kriegs¬ minist. ist der Char. als Geh. Brt., dem Garn.-Bauinsp. Kämmel in Riesa, Hartung in Dresden III und Osswald in Chemnitz ist der Char. als Brt. verliehen. Der Reg.-Bmstr. M u n d t in Dresden V ist zum Garn.-Bauinsp. ernannt. Sachsen. Verliehen ist: dem Brt. Krantz, vortr. Rat im Finanz-Min., den Ob.-Brtn. Loeser,Nobe und P o e g e in Dres¬ den, dem Prof. Geh. Hofrat Mehrtens in Dresden das Ritter¬ kreuz I. Kl. des Verdienst-Ordens; dem Postbrt. Geh. Postrat Schmedding in Leipzig die Krone zum Ritterkreuz I. Kl. des Albrechts-Ordens, — dem Fin.- u. Brt. Schmidt in Dresden und dem Ob.-Brt. R e h in Dresden das Ritterkreuz I. Kl. des Albrechts- Ordens mit der Krone; den Betr.-Insp. Brtn. Aufschläger in Chemnitz u. F a 1 i a n in Leipzig, Brt. Gläser in Dresden I, den Bauinsp. Brtn. Grüner in Dresden, K a t z e r in Zittau und M a y in Riesa, dem Brt. Rohr¬ werder in Dresden , den Int.- u. Brtn. Glausnitzer bei der 436 Int. des XII. Armee-Korps u. Kräh bei der Int. des XIX. Armee- Korps das Ritterkreuz 1. Kl. des Albrechts-Ordens; den Stadtbauinsp. Lachmann und Seyfert in Leipzig das Ritterkreuz II. Kl. desselben Ordens; — dem Fin - u. Brt. Wiechel in Dresden und dem Eisenb.-Dir. Hempel in Zwickau der Tit. u. Rang eines Ob.-Brts.; — den Brtn. Bau mann und Friedrich bei der Gen. -Dir. der Staats- eisenb. in Dresden der Tit. u. Rang eines Fin.- u. Brts. in Gruppe 1 der IV. Kl. der Hofrangordnung; — den Bauinsp. Cristoph in Dresden, Claussnitzer in Geithain, Müller in Pirna, Rein¬ hold in Chemnitz der Tit. u. Rang eines Brts. in Gruppe 14 der IV. Kl. der Hofrangordnung; — dem Ob.-Brt. Prof. Frühling in Dresden der Tit. u. Rang eines Geh. Brts. Der Arch. Prof. Bluntschli in Zürich ist zum Mitgl. der Bildenden Künste in Dresden ernannt. Brief- und Fragekasten. Wir bitten wiederholt dringend, sämtliche für die Redaktion bestimmte Sendungen nicht an die persön¬ liche Adresse eines der Redakteure, sondern lediglich adressieren zu wollen: An die Redaktion der Deutschen Bauzeitung, Berlin S.W. 11, Königgrätzer Strasse 104. Hrn. J. B. F. in Mainz. Die neuen Massivdecken in Stampf¬ beton mit Eiseneinlage besitzen gegenüber den gewölbten und den Holzdecken durchweg den Nachteil einer gewissen gesteigerten Hellhörigkeit, die man in den Kauf nehmen muss. Durch elastische Auflagerung (auf Korkplatten, Filz) der Trägerenden und Decken¬ ränder hac man diesem Uebelstande wohl mit einigem Erfolge ab¬ zuhelfen gesucht, da sich der Schall- namentlich auch durch die Wände fortpflanzt — Anfragen an den Leserkreis. Bei einer Schaufenster-Anlage (in etwa 10 m tiefem Raume), bestehend aus 2 Auslagen, 3,4 m breit und 3,1 m hoch (mit darüber befindlichem Zwischenstock) , in einer etwa 20 m breiten Strasse mit gegenüberliegenden 3 stückigen Gebäuden, macht sich der Uebel- stand bemerkbar, dass die Spiegelscheiben blenden, so dass man die ausgestellten Gegenstände nicht deutlich erkennen kann. Der Fussboden des Raumes liegt etwa 25 cm unter der Schaufenster- Soolbank , seitliche Beleuchtung ist nicht vorhanden. Wie kann diesem Uebelstande abgeholfen werden? — Arch. H. in Rudolstadt. Inhalt: Die Architektur auf der Grossen Berliner Kunstausstellung 1903 (Schluss). — ■ Entwurf zu einer neuen Donau-Main- Wasserstrasse von Kelheim nach Aschaffenburg. — Baupolizei-Gesetz der Stadt Hamburg vom 23 Juni r882 und die nachträglich erlassenen Ergänzungen. — Todtenschau. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Von der Grossen Berliner Kunstausstellung 1903. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 67. Entwurf zu einer neuen Donau-Main-Wasserstrasse von Kelheim nach Aschaffenburg. (Schluss.) ie Linie des neuen Kanales von Kelheim über Neu¬ markt und Nürnberg nach Bamberg fällt mit der alten Kanallinie im wesentlichen zusammen, doch sind auf längere Strecken Abweichungen bedingt durch die stärkere Konzentrierung des Gefälles. Die Scheitelhal¬ tung ist ebenfalls auf der alten Höhe von + 417,7 m N. N. angenommen, ihre Länge aber noch erheblich, auf 48,4 km vergrössert. Der Endpunkt nach der Donau zu liegt bei Beilngries. Von hier steigt der Kanal mit 4 Staustufen um 79,2 m zur Donau herab (darin einbegriffen eine Schleuse bei der Mündung in die Donau mit 1,6 m Gefälle bei N.W. im Flusse), während 14 Staustufen den i86,8m hohenAbstieg zum Main vermitteln. Die mittlere Die Schleusen sollen 67 ™ nutzbare Kammerlänge, 8,6 m lichte Weite und 3 m Wassertiefe bei Normalwasserstand erhalten. Als Vorbild dienten die Sparschleusen des Dort- mund-Ems- und des Elbe-Trave-Kanales. Die Anzahl der Sparbecken beträgt je nach dem Gefälle 1 oder 2. Der regel¬ mässige Kanalquerschnitt, siehe die Abbildg. 3, erhält in Anlehnung an die Maasse des Dortmund-Ems- Kanales eine Sohlenbreite von 18 m und eine Wassertiefe von 2,5 “. DasVerhältnis zum eingetauch¬ ten Schiffs - Querschnitt stellt sich dann wie 1:4. Die Brücken sollen durchweg 37,2 m 1. W. zwischen denWiderlagern und 4 m lichte Höhe über dem nor¬ malen Wasserstand erhalten. Der so ausgebildete Kanal erfordert bei 177,5 km Länge Seiten Uanäle längs des Mains. Höhe einer Staustufe stellt sich also auf 15,33 m- -Zwölf Stufen haben ein mittleres Gefälle von 6,05“, sind also mit Kammerschleusen zu überwinden, die übrigen sechs zeigen 15, 20, 2t, 28, 49,7 und 59,7 m Gefälle, sodass hier mecha¬ nische Hebewerke inbetracht kommen könnten. Die mitt¬ lere Länge der Haltungen beträgt dabei 10,2 km (abgezogen die Endhaltungen in Donau und Main, sowie die Schleusen¬ längen). Diese Längen sinken allerdings bis 5,4 km, falls man sich entschliessen sollte, einen reinen Schleusenkanal auszuführen, der 33 Schleusen bei Gefällen bis zu iom er¬ fordern würde. Die Untersuchungen über denWasserverbrauch lassen es jedoch bei einem Verkehr von über 1 Mill. 4 Güter im Jahre zweckmässig erscheinen, wenigstens die Staustufen bei Beilngries mit 49,7“, Ochenbruck mit 59,7 m undWorzel- dorf mit 28 m als mechanische Hebewerke zu konstruieren. Gedacht sind die beiden ersteren als geneigte Ebene mit Querbahn, die letztere als geneigte Ebene mit Längsbahn. einen Kostenaufwand von 130 Mill. M., das sind 732 394' M. für 1 km. Daran nehmen die Schleusen mit rd. 11,60, die 3 Hebewerke mit rd. 14,64, die Einrichtungen usw. zur Wasserversorgung mit 17,4, die Betriebseinrichtungen mit rd. 1 Mill. M. teil. Auf die Herstellung des Kanales selbst mit allen übrigen Bauwerken usw. fallen 56,8% oder rd. 73,8 Mill. M. Mit besonderer Sorgfalt ist die Frage der Wasser¬ versorgung des neuen Kanales behandelt. Die Denkschrift verbreitet sich zunächst über die eigenartige geologische Beschaffenheit des Zuflussgebietes, das zum grössten Teil dem fränkischen Jura, zum kleineren der mittelfränkischen Keuperlandschaft angehört. Das Vorhandensein mehrerer WasserführenderSchichten, von denen zwei über der Schei¬ telhaltung liegen, und von ausgedehnten Grundwasserbecken in den mächtigen Sandablagerungen längs des Kanales sind für die Wasserversorgung des letzteren von günsti¬ gem Einfluss. Die Denkschrift verbreitet sich dann über die 437 jährliche V erteilung der Niederschläge imGebiete desLudwig- Kanales, wobei die monatlichen Beobachtungen in den 3 Jahren 1899— 1901 des kgl. hydrotechnischen Büreaus in München herangezogen werden, da die älteren Aufzeich¬ nungen kein sicheres Bild geben, und stützt sich dann in ihren Folgerungen vor allem auf die eingehenden Beob¬ achtungen und Messungen, welche seit 44 Jahren von dem Kanaiamt des Ludwig-Kanales über dessen Speisewasser- Verhältnisse angestellt worden sind. Der Berechnung derjenigen Wassermenge, auf welche mit Bestimmtheit für die Speisung des geplanten Kanales gerechnet werden kann, werden dabei vorsichtshalber die Zahlen zugrunde gelegt, wie sie die besonders wasserarme Zeit Mitte der 60 er Jahre aufweist, Zahlen, deren Tiefstand seitdem nicht wieder erreicht worden ist. Die erforderliche Speisewassermenge des Kanales wird ermittelt unter Zugrundelegung einer wirklichen Betriebsdauer von 270 Tagen im Jahre. Die Anzahl der Schiffe, die erforderlich sind, um 1,5, 2 bezw. 4 Mill. t im Jahre zu befördern, werden durch Vergleich mit der Main¬ schleuse bei Kostheim im Jahre J900 ermittelt zu 7832, 10443 und 20886 Schiffen, welche 29, 39 bezw. 78 tägliche Schleusungen erfordern würden, wenn jedes Schiff einzeln zu schleusen wäre. Unter Berücksichtigung der in den Schleusen stattfindendenKreuzungenwerden dieSchleusen- Füllungen jedoch auf 25, 33 und 52 vermindert. (N.B. Bei 4 Mill. t ist auf alle Fälle eine Verdoppelung der Schleusen erforderlich.) Der Wasserbedarf für den Kanal wird auf dieser Grundlage für einen 2 Mill. t Verkehr ermittelt, d. h. einen Verkehr, wie er z. Zt. in Frankfurt a. M. besteht. Es erfordern unter Annahme von 3 Hebewerken zwischen Beilngries und Worzeldorf oberhalb Nürnberg die Kanal¬ haltungen dann folgende mittlere sekundliche Wasser- Lieferungen: der Abstieg zur Donau vom Südende der Scheitelhaltung auf 41,32 Länge 1,8 ^bm, welche aus der Sulz und Altmühl mit Sicherheit gedeckt werden können, vom Südende der Scheitelhaltung bis ins Maintal bei Bamberg auf 136,18 ktn Länge 3,5 cb“. Dieser Bedarf ist gedeckt aus den seitherigen Zuflüssen des Ludwig-Kanales, aus dem natürlichen Grundwasserbecken bei Neumarkt, aus der Regnitz, und durch eine Reihe von Sammelweihern, welche den Ueberfluss der wasserreichen Perioden für die wasserarmen aufspeichern sollen. Letztere müssen den Hauptanteil von 2,5 cb“ liefern. Vorgesehen sind 5 Sammelweiher bei Labersricht, Kettenbach, Bäcker¬ mühle, Unterölsbach und Hagenhausen mit einer Fassungs¬ kraft von 44,5 Mill. cbm, deren Kosten ohne Leitgraben sich auf rd. 9,02 Mill. M., d. h. auf 20,3 Pfg. für 1 cbm ge¬ sammelten Wassers stellen. Die angegebenen Wassermengen sind nach den an- gestellten Ermittelungen auch bei einer aussergewöhnlichen Trockenheit, wie sie im allgemeinen in 10 — 15 Jahren nur einmal eintritt, zu beschaffen, in mittelnassen Jahren stei¬ gern sie sich derart, dass sie auch für einen jährlichen Güterverkehr von 4 Mill. t genügen würden. Ein Teil des im Kanäle fliessenden Speisewassers würde sich zu Kraftzwecken verwenden lassen. Es können etwa 1636 P. S. gewonnen werden. Wie schon bemerkt wurde, ist auch eine Linienführung des Kanales von Stepperg a. D. über Graben und Nürnberg nach Bamberg inbetracht gezogen, die gegenüber der ersteren 10 km kürzer ist und in der Scheitelhaltung 7,7 “ tiefer gelegt werden könnte. Die Kosten stellen sich um rd. 12 Mill. M. niedriger. Die Gefällverhältnisse des Kanales gehen im übrigen aus dem Längenprofil, Abbildg. 2 in No. 67, hervor. Der wesentliche Nachteil dieser Linie gegenüber der über Kelheim ist ein Umweg von rd. 60 “ in der Richtung nach der unteren Donau (da Stepperg 70 k“ oberhalb Kelheim liegt). Die Ausgestaltung der Wasserstrasse im Main von Bamberg bis Aschaffenburg ist nach zwei Gesichtspunkten bearbeitet, das eine Mal lediglich in Gestalt einer Kanali¬ sierung des vorhandenen Flusslaufes, das andere Mal unter teilweiser Benutzung des Flusses und Anlage von Seiten¬ kanälen auf längere Strecken. Der Main ist bekanntlich von seiner Mündung in den Rhein bis Frankfurt a. M. in den Jahren 1883 — 1886 durch den preussischen Staat kanalisiert und für 1000 t-Schiffe befahrbar gemacht, durch Herstellung einer Mindest- Wassertiefe von 2 “, während früher bei N. W. kaum 0,90 m vorhanden waren. Die ganze Strecke von Frankfurt bis Kostheim ist in 6 Haltungen geteilt. Die Folge war eine ungeahnte Verkehrs-Entwicklung. Während 1880/82 vor der Kanalisierung der Verkehr 9442 t betragen hatte, stieg er 1887 auf 494193 t, und nachdem 1892/93 weitere Ver¬ kehrsverbesserungen geschaffen waren, durch Verlänge¬ rung der Schleusen zur Aufnmahme ganzer Schleppzüge und Vertiefung der Wasserstrassen, sodass 1500 t-Schiffe verkehren können, im Jahre 1896 auf 1 753 799 b Gleich- 438 zeitig stieg aber auch der Eisenbahnverkehr von Frank¬ furt/ohne den Transitverkehr) von 898711 1 in den Jahren 1884—1886 auf 1639229 t im Jahre 1896. Durch die im Jahre 1900 durch die hessische Regierung erbaute Stau¬ anlage bei Oberrad ist der Main in gleicher Weise bis ober¬ halb Offenbach kanalisiert (von der Mündung in den Rhein ab 47,7 km) und es schwebt der Plan einer Fortsetzung der Kanalisierung der 42 km langen Strecke bis Aschaffen¬ burg durch den bayerischen Staat in Gemeinschaft mit Preussen. Dies erfordert 6 weitere Staustufen, die eben¬ falls durch Nadelwehre hergestellt werden sollen, während die Schleusen wie auf der alten Strecke als Schleppzugs¬ schleusen auszubilden sind. Die Wassertiefe soll 2,5“ be¬ tragen, sodass 1500 t-Rheinschiffe bis Aschaffenburg ge¬ langen könnten. Die Kosten sind auf 24 Mill. M. ver¬ anschlagt. Es lag nun nahe, die weitere Kanalisierung des Mains bis Bamberg aufwärts in der gleichen bewährten Weise vorzusehen. Diese Ausführung würde in baulicher Be¬ ziehung auch keinen besonderen Schwierigkeiten begegnen und ebenso ist die Wasserversorgung im kanalisierten Main bis Bamberg, die nur 8 cb“/Sek. erfordern würde, reichlich gedeckt, um selbst den grössten auf der unteren Strecke fahrenden Schiffen den Weg bis dahin zu öffnen. Dagegen ist vom betriebstechnischen Standpunkt aus das bisherige System zur Fortsetzung auf der 300,3 km langen Strecke bis Bamberg, die durch 55 Wehre in Haltungen von im Mittel nur 5,56 m geteilt werden müssten, kaum geeignet, um einen bedeutenden Verkehr heranzuziehen und den Wettbewerb mit den Eisenbahnen aufzunehmen, da hier nicht die besonderen günstigen Umstände mit¬ sprechen, welche auf dem Unter-Main, trotzdem die Hal¬ tungen dort auch nur 7.3 km lang sind, die Verkehrs-Ent¬ wicklung bedingten. Die Kosten der Kanalisierung wür¬ den für die Gesamtlänge von 302,5 km betragen 95 Mill. M , also 314 049 M. für x km. Einbegriffen ist darin eine Korrektion des Mains an besonders scharfen Krümmungen in einer Gesamtlänge von 15 k“ mit einem Kostenaufwande von rd. 4,04 Mill. M. Günstiger gestalten sich die Betriebs-Verhältnisse bei dem gemischten System, d. h. teilweiser Kanalisierung des Flusses und teilweiser Herstellung von Seitenkanälen, welche längere Haltungen und weniger dem Hochwasser und dem Eisgang ausgesetzte Schleusen gestatten. Die örtlichen Verhältnisse und namentlich auch die Erhaltung des Anschlusses der Wasserstrassen zu Handel und In¬ dustrie treibenden Ortschaften usw. bestimmen die Lage und Ausdehnung dieser Seitenkanäle, denn die Wasser¬ strasse muss ausser ihrer Aufgabe als Strasse des grossen Durchgangs-Verkehres auch die örtlichen Bedürfnisse be¬ friedigen. Im Lage- und Höhenplan, Abbildgn. 1 und 2 in voriger No., ist dieser Entwurf eingetragen. Die Länge der herzustellenden Seitenkanäle, die an einigen Stellen scharf vorspringende Bergrücken im Tunnel durchfahren, beträgt 204,4 kmt die Länge der benutzten Mainstrecken 78,1 km; der Anteil der ersteren an der Gesamtlänge der Mainwasserstrasse beträgt also 72,4%. Erforderlich wer¬ den hierbei zwischen Bamberg und Aschaffenburg 17 neue Wehranlagen (d. h. nur etwa x/3 der Zahl bei reiner Ka¬ nalisierung). Nutzbar gemacht wird ferner das Wehr bei Bischberg und das seitlich der Wasserstrasse liegende bei Schweinfurt, sodass insgesamt 19 Wehre dem Aufstau dienen. Von den 17 neuen Wehren stauen 14 (ausserdem das Wehr bei Bischberg) den Main an den Kreuzungs- bezw. Berührungsstellen mit den Seitenkanälen an und dienen zugleich zur Ableitung des Wassers in die Seiten- Kanäle. Neben denselben sollen Kammerschleusen für die Kleinschiffahrt angelegt werden, die aber bei höheren Wasserständen auch 6oot-Schiffen den Durchgang gestatten. Sie dienen der Grosschiffahrt bei denjenigen H.W.-Ständen, die einen Verschluss der Seitenkanäle erforderlich machen. Dieser Verschluss erfolgt durch Sicherheitstore mit zwei Durchfahrten von je 12“ Lichtweite. Die kurze Dauer dieser H.W.-Stände macht die Anordnung einer Schutz- Schleuse nicht erforderlich. In der kanalisierten Main¬ strecke sind ausserdem 3 und in den Seitenkanälen 20 Kammer - Schleusen für die Grosschiffahrt angeordnet. Erstere haben bei normalem Stau ein mittleres Gefälle von 2,6 m, letztere ein solches von 5,7 m ; alle besitzen 12 m Lichtweite und 117,2“ nutzbare Kammerlänge. Die An¬ zahl der Staustufen beträgt also nur etwa die Hälfte der¬ jenigen bei reiner Kanalisierung, die mittlere Haltungs¬ länge 12,283 k“ statt 5,56 k“. Bezüglich der Abmessungen der Fahrrinne im kanali¬ sierten Main, die sich der unteren Strecke anpasst, und der Querschnitte der Seitenkanäle vergl. Abbildg. 3. Die Kosten der so ausgebauten 282,5 km langen Wasser¬ strasse würden 120 Mill. M. betragen, d. h. 424 779 M. für 1 k“. Die Kosten von 1 km kanalisierter Flusstrecke stellen No. 68. sich dabei auf 332906 M., für 1 Seitenkanal auf 459882 M. Die Gesamtkosten ergeben sich also um 25 Milk M. höher, als bei einer Kanalisierung. Demgegenüber stehen als Vorteil: die Vereinfachung des Betriebes, die Verbilligung der Unterhaltung und der Betriebskosten der Wehre und Schleusen, die Möglichkeit einer gleichmässigeren Aus¬ nutzung der Wasserkräfte. Es wird herausgerechnet, dass die verwertbare Wasserkraft in den Seitenkanälen min¬ destens durchschnittlich für das ganze Jahr 10 192 P. S., die an den 18 Wehren zu gewinnende Wasserkraft 8544 P. S., die gesamte vorhandene Wasserkraft also 18736 P. S. betragen würde. Diese Wasserkräfte könnten für die In¬ dustrie nutzbar gemacht werden. Zum Schlüsse werden die schon erwähnten, im Lage¬ plan ersichtlichen Abkürzungslinien der Mainwasserstrasse untersucht, welche die grossen Serpentinen derselben abschneiden sollen. Die Denkschrift kommt jedoch im allgemeinen zu dem Ergebnisse, dass sich diese Abkür¬ zung aus Rücksichten des Betriebes nicht empfiehlt und keinen wesentlichen wirtschaftlichen Nutzen verspricht. Zahlreiche Tabellen über die Wasserverhältnisse, die Kosten der Strecken und der Bauten im Einzelnen, über den Verkehr auf der vorhandenen Main-Wasserstrasse und schliesslich einige Vergleiche der Kosten der geplanten Donau-Main-Rhein-Wasserstrasse mit den österreichischen und preussischen Wasserstrassenplänen, vervollständigen die interessante Denkschrift, welche nunmehr eine feste Grundlage für die weitere Behandlung der ganzenFrage gibt. - - Fr. E. — Der internationale Kongress für Feuerverhütung. m Zusammenhänge mit der in diesem Jahre in Lon¬ don (Earl’s Court) veranstalteten Feuerschutz- Aus¬ stellung ist in den Tagen vom 8. bis 9. Juli ein inter¬ nationaler anscheinend gut besuchter, auch vonverschiedenen Staaten und Städten offiziell beschickter Kongress für Feuer¬ verhütung, einberufen durch das 1897 gegründete und um die systematische und wissenschaftliche Behandlung der Frage wohlverdiente „British Fire Prevention Com¬ mittee“, unter der Leitung des durch seine schrifstelle- rische Tätigkeit über den Theaterbau und Feuerschutz auch im Auslande bekannten Londoner Architekten Edwin O. Sachs abgehalten worden. Die Verhandlungen des Kon¬ gresses sind nicht ohne technisches Interesse. Sie fanden ausser in Gesamtsitzungen in besonderen Abteilungen statt, deren 6 gebildet waren über: „Konstruktion und Ausstattung von Gebäuden“, (Vorsitz: Hr. Geh. Brt. Stübben in Köln), „Elektrische Sicherheits¬ und Allarmvorrichtungen“, „Aufbewahrung von Oe len und Selbstentzündung", „Regelmässige Ueberwachung der Gebäude hinsichtlich der Feuersgefahr“, „Verluste durch Feuer, und Feuer¬ versicherung“, „Versuche über Feuersicherheit und einheitliche Bestimmungen hierüber“. Aus den einleitenden Worten des Vorsitzenden ent¬ nehmen wir, dass dieser Kongress, der alle diejenigen vereinigen sollte, welche in den „vorbeugenden Maass¬ regeln zur Verhütung des Ausbruchs und der Ver¬ breitung eines Feuers“ interessiert sind, der erste seiner Art ist, während „Feuerwehr-Kongresse“ bereits wiederholentlich, zuletzt in Berlin gelegentlich der Feuer¬ schutz-Ausstellung daselbst, abgehalten worden sind. Redner erhofft von dem Kongress die Wirkung, dass sich ein inter¬ nationales Büreau für Feuerverhütung bilden möge, dass er neben dem Zweck des Austausches von Erfahrungen auch den einer internationalen Festlegung von Bestimmungen über die Prüfung der Widerstandsfähigkeit der Materialien und Konstruktionen gegen Feuer haben würde. Von den Vorträgen der I. Abteilung sind hervor¬ zuheben: „Moderne Lagerschuppen und Speicher in der freien und Hansestadt Hamburg“ von Branddirektor Westphalen in Hamburg. Der Vortrag erstreckte sich auf die Konstruktion der neuen grossen Kaischuppen, von denen jeder in einem Geschoss von 10000 unge¬ teilter Grundfläche die Ladung eines grossen Ozean¬ dampfers aufnehmen und vorübergehend lagern kann*) und auf die Anordnung der neuen Staats-Speicheranlagen. Während die ersteren, da man sie feuersicher gegenüber einem grossen Feuer doch nicht hersteilen könnte, nur in Holz ausgeführt sind mit Pappdach, so dass nach einem etwaigen Brande die Aufräumungsarbeiten nicht behindert werden, sind letztere, in denen grosse Mengen wertvoll¬ ster Waren lange Zeit lagern mit massiven Aussenwänden, feuersicherer Dachdeckung und glutsicher umhüllter tra¬ gender Eisenkonstruktion im Inneren hergestellt. Ebenso sind alle Decken massiv (System „Koenen“) ausgeführt. Jedes Geschoss ist für sich abgeschlossen, sodass also das Risiko ein geringeres ist. Die gesamte Konstruktion einschl. der Treppenanlagen darf als mustergiltig angesehen werden. Leider kommen die Versicherungs-Gesellschaften bisher in keiner Weise entgegen, während durch eine erhebliche Herabsetzung der Prämien diese Bestrebungen, die Feuers¬ gefahr zu vermindern, unterstützt werden sollten. „Stadtbauplan und Bauordnung inbezug auf Feuerschutz“ war das Thema, das Hr. Geh. Brt. Stübben-Köln behandelte. Bezüglich des „Stadtbauplanes“ kam Redner zu dem Ergebnis, dass wenn dieser ein geordnetes Verkehrs¬ netz mit teils geraden, teils massig gekrümmten Strassen *) Vergl. die näheren Ausführungen S. 2-4 Jahrg. 1903. 26. August 1903. zeigt, so besitzt er, wie für Verkehr, Gesundheit und Sicherheit, so auch für den Feuerschutz die besten Eigen¬ schaften. Selbständiger und einschneidender seien dagegen die Anforderungen des Feuerschutzes an die „Bauord¬ nung“. Diese Vorschriften betreffen: den Verkehr zur Brandstelle, den Verkehr auf der Brandstelle, die Ver¬ hütung des Entstehens von Schadenfeuern, die Verhütung der Ausbreitung des Feuers und schliesslich die Rettung von Menschen. Die Anforderungen des Verkehrs wer¬ den befriedigt durch die Lage des Grundstückes an der Strasse oder durch unbehinderte feuersichere Zugänge, im Inneren der Gebäude durch die Lage, Zahl und Aus¬ bildung der Treppen. Das Entstehen von Schaden¬ feuern wird durch die Bestimmungen der Bauordnung verhütet, welche die Entfernung der Gebäude von Eisen¬ bahnen, die Anlage von Feuerstätten, Schornsteinen, Aschenbehältern, Gasleitungen, elektrischen Einrichtungen, Blitzableitern, Backöfen usw. regeln, und endlich wird demselben durch Sonder-Bestimmungen über Theater und Warenhäuser entgegengearbeitet. Die Ausbreitung des Feuers wird durch eine grosse Anzahl von Bestimmungen der Bauordnung verhindert, die sich auf die Abstände der Gebäude von einander, die Bauart der Mauern, Decken, Dächer, Schächte und Ge¬ simse, auf die Herstellung geeigneter Brandabschnitte und Löscheinrichtungen beziehen. Die Rettung der Menschen wird durch diejenigen Bestimmungen der Bauordnung unterstützt, welche den frühzeitigen Einsturz der Konstruktionen im Brande ver¬ hindern sollen. Hierhin gehören die Vorschriften über die massive Bauart von Mauern, Decken, Treppen und Dächern, bezügl. der glutsicheren Umhüllung von Eisen¬ konstruktionen usw., hierhin gehören aber auch die Vor¬ schriften, welche den gefährdeten Bewohnern und der Feuerwehr einen möglichst kurzen und sichereren Rück¬ zugsweg gestatten. Hierunter fallen die Vorschriften über die Grössthöhe der Gebäude, die höchste Fussbodenlage von Wohnungen, die grösste Anzahl der Wohngeschosse, die Einschränkung der Zulassung von Dachwohnungen und Hinterwohnungen, die schon erwähnte günstige Lage und ausreichende Zahl der Treppen usw. Redner fasste seine Ausführungen schliesslich in fol¬ gende Schlussätze zusammen: 1. Der Schutz der Städte und ihrer Bewohner vor Schadenfeuer verlangt, dass sowohl im Stadtbauplan als in der Bauordnung auf den Feuerschutz sorgfältig Bedacht genommen werde. 2. Der Stadtbauplan soll den Verkehr zur Brandstelle sichern und das Ausbreiten des Feuers erschweren. 3. Die Bauordnung soll den Verkehr zur Brandstelle und den Verkehr auf der Brandstelle sichern, das Entstehen von Schadenfeuer und die Ausbreitung desselben erschweren, den frühzeitigen Einsturz der Ge¬ bäude verhüten und insbesondere die Rettung der Menschen erleichtern. 4. Für besonders feuergefährliche Betriebs¬ stätten, für grosse Warenhäuser, Theater und sonstige Versammlungshäuser sind strenge Sondervorschriften not¬ wendig. 5. Die Festsetzungen des Stadtbauplanes, der Bauordnung und der Sondervorschriften bedürfen der öffentlichen Zwangsgiltigkeit. 6. Die Bestimmungen über Kontruktionsarten und Konstruktions -Materialien sollen indess nur grundsätzlich gehalten sein, um technischen Fortschritten freie Bahn zu lassen. Ausserdem sprachen noch: A. B. Markusowsky, 2. Adjutant der städt. Feuerwehr in Budapest, über „F euer- verhütung im allgemeinen und in den Theatern im besonderen“, Branddir. A. Dittmann in Bremen über „Die Einwirkung der Feuerwehr auf allge¬ meine Feuerverhütung“. Redner sucht letztere na¬ mentlich in regelmässigen Revisionen von Speichern, Lagern mit feuergefährlichen Gegenständen, Fabriken, Mühlen, Holzbearbeitungs -Werkstätten, Krankenhäusern 439 und Schulen, Theatern und Kirchen, Feuerungs- und Schornsteinanlagen, in der Einwirkung auf die Baupolizei hinsichtlich der Anlage und Konstruktion der Treppen, feuersicheren Decken, feuersicheren Türen, glutsicheren Umkleidung der Eisenkonstruktionen, ferner in der Ein¬ wirkung auf Behörden und Publikum hinsichtlich Be¬ schaffung geeigneter Löschgeräte und Beobachtung von Vorsichts - Maassregeln , schliesslich der Erziehung des Publikums nach letzterer Richtung. Ueber „ die Notwendigkeit einer allgemein an¬ erkannten einheitlichen Methode betreffs der Versuche zur Ermittelung der Feuersicherheit der Materialien und Konstruktionen", also über ein Thema, das der Vorsitzende in seinen Einleitungs¬ worten schon gestreift hatte, sprach der Kommandant Welsch der Feuerwehr in Gent. Er lenkte die Aufmerk¬ samkeit namentlich auf die sorgfältigen Arbeiten des schon genannten „British Fire Prevention Com¬ mittee“, dessen Einrichtungen in vieler Hinsicht als vorbildlich gelten könnten. Jetzt würde in oft ziemlich zwecklosen Versuchen, denen einerseits die wissenschaft¬ liche Grundlage, andererseits die nötige Autorität in der Person des Veranstalters fehle, viel unnützes Geld aus¬ gegeben. Hier sei eine bessere Organisation anzustreben, die ihre Früchte tragen werde. Wenn derartige Organisationen in grösserem Maass¬ stabe zustande kämen, so würde das jedenfalls ein sehr wert¬ volles Ergebnis dieses I. Feuerverhütungs-Kongresses sein. — Vermischtes. Die Wandheizöfen und Wandbadeöfen von Junkers & Co. in Dessau unterscheiden sich von anderen Gasöfen durch die Besonderheit ihrer Konstruktion und ihrer An¬ bringung. Während Oefen sonst zumeist auf dem Fuss- boden aufgestellt werden, sind diese Oefen unmittelbar an der Gasleitung an der Wand aufgehängt, bedürfen also keiner weiteren Unterstützung und nehmen keine Fuss- bodenfläche für sich in Anspruch. Abbildg. i zeigt das System eines Wandheizofens. Die Aufhängung erfolgt entweder an einer von oben kommenden Gasleitung mittels eines Stutzens bei Gr, der mit Langgewinde und Gegen¬ verengt werden. Das Wasser muss stets unbehindert aus- fliessen. Das Kondenswasser fliesst durch den Stutzen C aus. Die Abgase entweichen bei A. Ein Schornstein ist zwar zur Erzeugung des nötigen Zuges an sich nicht er¬ forderlich, jedoch ist aus sanitären Rücksichten die Ab¬ führung der Gase, ebenso wie bei dem Heizofen, trotz¬ dem eine vollkommene Verbrennung im Ofen eintritt, in einen guten Schornstein notwendig. Es sind dem Ofen stündlich mindestens 3,8 cbm Gas zuzuführen. Ein Vollbad von 1601 erfordert nach Angabe der Firma zur Erwärmung von 10 auf 35 °C. i 6 Minuten. Die Preise der Oefen sind mässige. Ihre besonderen Vorzüge haben ihnen bereits weitere Beachtung verschafft. Abbild Abbild«; co-fc Warme Luft Kalte Luft eizgase mutter versehen ist, oder bei einer von unten kommenden Leitung mittels des Kreuzstückes Gl. Die Installation ist also eine sehr einfache. Die Konstruktion des Ofens ist derart, dass die von unten angesaugte kalte Luft von hinten durch die von den heissen Gasen umspülten vorn ansteigenden Rohre hindurchstreicht und, nachdem sie deren Wärme aufgenommen hat, vorn heraustritt und in die Höhe steigt. Durch die auf diese Weise entstehende lebhafte Luftbewegung und durch den Umstand, dass die nach unten gerichteten Strahlen des Deflektors den Fuss- boden und die unteren Luftschichten erwärmen, wird eine möglichst gleichmässige Erwärmung angestrebt. Die Heiz¬ gase sind vollständig dicht von den Luftkanälen abge¬ schlossen und können nur aufwärts nach dem Abzugs¬ rohr A abgehen, sodass eine Verunreinigung der Zimmer¬ luft und ein Rücktritt der Gase verhindert wird. Abbildg. 2 zeigt einen Wandbadeofen, der in derselben Weise an der Wand bei G aufgehängt werden kann. Sie werden in runder, oder besser in rechteckiger Form ge¬ liefert. Der Wasseranschluss erfolgt bei W an die Wasser¬ leitung oder an ein Reservoir. Der Auslauf für das warme Wasser ist nach allen Seiten drehbar. Er darf auf keinen Fall durch ein Ventil oder sonstwie geschlossen sein oder Zum Ehrendoktor der Technischen Hochschule In Karlsruhe ist nach Mitteilung der Tagesblätter der Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. F. Reuleaux in Berlin ernannt worden. — Preisbewerbungen. Zum Wettbewerb Volksschulgebäude in Marburg erhalten wir eine Beschwerde, wonach die im Pro¬ gramm ausdrücklich zugesagte öffentliche Ausstel¬ lung der Entwürfe derart inszeniert sei, dass man von einer solchen eigentlich nicht sprechen kann. Nach diesen Mitteilungen sind die Arbeiten in un¬ geeigneten, schwer auffindbaren Räumen ohne vor¬ herige Bekanntmachung nicht ausgehängt, sondern nur in Stapeln ausgelegt. Die Bewerber, welche bei der Preisverteilung leer ausgegangen sind, haben also nicht einmal die Genugtuung, dass ihre Arbeiten der Oeffentlichkeit bekannt werden. Es ist das leider ein Verfahren das nicht vereinzelt dasteht. Bei den ausschreibenden Stellen wird nur zu oft vergessen, dass die Bewilligung oft nicht einmal zureichender Preise nicht entfernt ein Aequivalent ist für die Summe umsonst geleisteter Arbeit, die jeder Wettbewerb fordert, und dass daher mindestens alle bei der Ausschreibung über¬ nommenen Pflichten auf das Peinlichste erfüllt werden sollten. — Im Anschluss hieran sei er¬ wähnt, dass der Miterwerber des II. Preises nicht Arch. H., sondern Julius Knab in Kassel ist. — Ein Preisausschreiben zur Gewinnung eines Thea¬ ter-Architekten veranstaltet die Direktion des NeuenTheaters, die in Berlin auf diese Weise „zur Verwirklichung ihrer bühnenreformatorischen Pläne einen geeigneten Architekten sucht“. Wir geben den Wortlaut des Ausschreibens wieder: „Es soll für die Dichtung „Schwester Beatrix“ von Maurice Maeterlinck nach den im Buche angegeben Vorschriften ein fertiger Entwurf des Bühnenbildes gemacht werden. Dieser Entwurf soll plastisch ausgeführt werden. Dazu ist erforderlich: Zeichnung der Konstruktion für ein auf der Bühne praktisch verwendbares Material. Die Maasse der Bühne sind: Prospekte 12 m lang, 7,5 m hoch, Bühnen¬ tiefe 11,5 m. Termin der Einsendung an das Büreau des Neuen Theaters 8 Tage nach Ercheinen der nächsten Nummer dieser Zeitung. Der erste Preis besteht in einem Honorar von 100 M. Die Jury bilden die Herren Max Reinhardt, Max Kruse, Louis Korinth“. Wir haben diesem eigenartigen Ausschreiben nichts hinzuzufügen! Inhalt: Entwurf zu einer neuen Donau-Main-Wasserstrasse von Kel- heim nach Aschaffenburg (Schluss). — Der internationale Kongress für Feuerverhütung. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Verband deut¬ scher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Die Verhandlungen der XXXII. Abgeordneten -Versammlung in Dresden beginnen Montag, den 31. August, vormittags 9 Uhr, im oberen Saale des kgl. Belvedere. Vergl. das Programm in No. 62. Der Geschäftsführer: F. Ei seien. 440 No. 68. £ Ll! W o o (X m p w c 0 CO < cc H CO 2 W P Ul p W * * P < O co W IX cq 2 l — l O (X D CQ UJ K U P * -X- w « o :P (X CQ co 2 O s Q W 2 u w Q E-< co O W ® N P O <3 P CQ W w o co H P P Q X m X III X EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *********** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 6g. * DEN 29. AUG. 1903. * ************** Abbildg. 6. Der Luisensteg (im Hintergründe der Mariensteg). Die neuen Strassenbrücken in Freiburg im Breisgau. Von M. Buhle, Stadtbmstr. in Freiburg. (Fortsetzung.) Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 444 und 445. er Mariensteg und der Luisensteg sind mit ihrer Mitte im über die Höhe der seit¬ lichen Strassen herausgehoben, von denen man mit i : 20 gegen die Stegmitte steigt. Es sind 2 gefällige Bauwerke geworden, leicht erscheinend in der gewählten Konstruktion eines Bogenfachwerkes mit Gurtungen von nur 18 cm Höhe. Günstig wirkt auch die bei einer Fussgängerbrücke mögliche starke Krümmung der Brückenbahn. Wir bringen als Abbildg. 6 ein Bild des Luisensteges, das auch noch den Mariensteg im Hintergrund zeigt. Der Wettbewerbs-Entwurf von A. Sachse in Trier, dem die Widerlager hinsichtlich ihres äusseren Ansehens entnommen sind, nahm Vollwand- Bogenträger von 0,70 m Höhe in Aussicht, die reichlich schwer gewirkt haben würden Anstelle des zur Zeit des Wettbewerbes in der Fabrikstrasse geplanten Fussgängersteges über die Dreisam ist eine Fahrbrücke hergestellt worden. Hier konnte bei gleichfalls rd. 34 m Brückenlänge eine Bogen¬ brücke nicht infrage kommen, denn der Strasse war an der Brücke keine grössere Höhe als 5,2“ über Flussohle zu geben, während 3,7 m als Lichthöhe frei¬ zuhalten waren. Um den Ausblick in keiner Weise zu beeinträchtigen , kamen als Hauptträger wenig ge¬ krümmte Parallelträger zur Ausführung, die nur bis zur Geländehöhe hinaufragen und ein Verhältnis von x : T4 zwischen Höhe und Länge zeigen. Die Träger sind dementsprechend kräftig ausgefallen, im beson¬ deren mussten sie eine erhebliche Gurtungsbreite (9ocra) erhalten, um die nötige Sicherheit gegen Knickung zu erzielen, weil die Querträger nicht mit den Haupt¬ trägern zu einem starren Ganzen verbunden, sondern auf Kugelgelenken in den Hauptträgern gelagert sind, sodass eine Eckaussteifung zwischen Haupt- und Quer¬ trägern also nicht zur Ausführung gebracht werden konnte. Diese Gelenklagerungen waren auch in den W ett¬ bewerbs-Entwürfen der Maschinenfabrik Esslingen (Ober-Ingenieur Kübler) vorgesehen gewesen, und ihre Verwendung ermöglichte die Vermeidung schiefer Eckverbindungen (die Brücke kreuzt die Flussrichtung unter einem Winkel von 80 °); nur die Querträger an den Enden der Hauptträger sind mit diesen fest ver¬ bunden. Abbildg. 7, Seite 445 zeigt den Querschnitt der Brücke. Die Brückengeländer sind in Gusseisen, in moderner, flacher Formengebung hergestellt. Als letztes Bauwerk ist an der Stelle der Garten- strassen-Brücke die Friedrichs-Brücke zur Ausfüh¬ rung gekommen, die erst Ende Mai d. J. dem Verkehr übergeben wurde. Sie führt ihren Namen zu Ehren des Grossherzogs Friedrich von Baden, in dessen 50. Regie¬ rungsjahr, im Jahrei902, siein Angriff genommen wurde. Auf die Brückenbaustelle münden eine Reihe von Strassen und die Lage der Brücke wurde vermittelnd so gewählt, dass ihre Richtung mit keiner der Strassen ganz zusammenfällt, vergl. den Lageplan Abbildg. 8. Dieser Umstand und die platzartigen Erweiterungen vor der Brücke gestatteten es, die Gefäll-Verhältnisse so zu ändern, dass die Brückenmitte um 0,80 m höher als die der alten Brücke gelegt werden konnte, welche in gleichmässiger Neigung verlaufend die beiderseitigen Strassenzüge mit einander verband. Es sind hierbei allerdings Steigungen von 1 : 33 auf der einen Brücken¬ seite notwendig geworden, aber solche Steigungen sind in Freiburg nichts Ungewöhnliches und von jeglichem Fuhrwerk leicht zu überwinden. Die Höherlegung der Brücke ermöglichte es, derselben ein Pfeilmaass von 1:12 zu geben. Es wurde besonders Wert darauf ge¬ legt, in der Brückenmitte so viel Konstruktionshöhe zur Verfügung zu haben, dass die Gehbahn frei über den Bogen hinweg geführt werden konnte. Die Gehwege ruhen auf je 2 Vollwand-Bogenträgern mit Kämpfergelenken und paralleler Begrenzung von 60 cm Höhe, während diese bei den Fahrbahnträgern 70 cm beträgt. Senkrechte Stützen, die im Abstand von 1,225 m bei den Gehwegen, 2,450 m bei der Fahr¬ bahn auf die Bogen gestellt sind, tragen die Quer¬ träger (soweit diese nicht zwischen den Bogen selbst eingebaut sind), auf welchen bei den Gehwegen die in Zementeisen -Konstruktion hergestellte Trageplatte unmittelbar aufruht, während diese Querträger bei der Fahrbahn die Unterstützung für sekundäre Längsträger bilden, auf denen die Belageisen der Fahrbahn liegen. An den inneren Gehwegträgern sind leichte Blech¬ wände, in dunkler, matter Farbe gehalten, angebracht, welche die Oeffnungen zwischen den senkrechten Stützen auf den Bogen ausfüllen und gleichzeitig die Leitungen für Gas und Wasser decken. Die Brücke hat dadurch in keiner Weise ein schwereres Aussehen erhalten und wirkt ruhiger als mit den stark zerteilten Durchblicken zwischen offenen Stützen. reicher Ausgestaltung, Ausbildung einzelner Brücken nach der schöneren, aber wegen der starken Wider¬ lager kostspieligeren Bogenform. Ausserdem war man, wie bei der Schwabentor- und Fabrikstrassen-Brücke zu Konstruktionen gezwungen, die im Verhältnis zur Brückenlänge äusserst bescheidene Höhen haben, also schwer in der Konstruktion werden. Im Jahre 1896 wurden bewilligt: Schwabentor-Brücke Kaisers trassen-Br. Gartenstrassen-Br. Fabriksteg Mariensteg Luisensteg 25 m Spw., i4m Breite 130 000 M. 34 m „ 16 m 150 000 )) 34 m „ 13 m )) 145 000 )) 34 m „ 3 m )f 32 000 )) 34 m „ 4 m 41 000 )) 34 m „ 4 m n 39 000 )) Zusammen . . . 537000 M. Die Brückenlichtweiten sind im wesentlichen die- Abbildgn. 9 und 10 zeigen einen Querschnitt der Brücke und die Seitenansicht eines Stückes des Geh¬ wegträgers nebst Schnitt durch das Widerlager. Es ist daraus ersichtlich, dass auch bei dieser Brücke eine vollständige Trennung der Fahrbahn von den beiden Gehwegen durchgeführt ist. Die Grundriss-Skizze zu dem Querschnitt lässt erkennen, dass bei der um 8 0 schiefen Brücke die Ständer auf den Hauptträgern mit ihrer Querschnittsachse um 8° gegen die Achse der Hauptträger gedreht sind, so dass sich die Querträger, vollständig geradlinig über sämtliche Stützen reichend, als kontinuierlicheT räger ausbilden Hessen. Die Aussenträger sind möglichst weit vor¬ gerückt, damit die seitlichen Ornamente nicht in den Schatten der Gehbahn fallen, der sie leicht unwirksam machen würde, wie dies z. B. bei der Kaiserbrücke der Fall ist, wo der schöne, geschmiedete Blatt¬ fries, welcher den Bogenträger oben säumt, kaum wahrgenommen wird. Die in hellem Sandstein aufgeführten Widerlager sind bekrönt durch Stein¬ brüstungen, deren Abschluss gegen die Brücke hin durch Laternen tragende Steinpfeiler, gegen die Landseite durch Flaggenmaste tragende Endpostamente hergestellt ist. Eigenartig ist die Ausbildung der schmiedeisernen Geländer der Brücke, deren naturalistisches Rankenwerk sich baumartig aus den Vertikalen derBrücken- Konstruktion, welche die Stämme bilden, entwickelt, so dass die Gehbahn von solchen getragen scheint. Zur Erzielung grösserer Mannigfaltigkeit sind eine Reihe verschiedenerF ormen der heimischenFlora zur Verwendung gelangt. Mächtige aus Schilf hervorblickende Drachen bilden den Endabschluss, während die Mitten einerseits durch das grossherzogliche Wappen, ande¬ rerseits durch das Freiburger Wappen, gehalten von den zugehörigen Greifen und Löwen, herausgehoben sind. Auch die Laternenträger und die Zierranken der Flaggenmaste zeigen ähnliche der Natur ent¬ liehene Formen. Die Entwürfe zu der Dekoration sind im Hoch¬ bauamt bearbeitet, während Gebr. Armbrüster in Frankfurt a. M. die kunstvolle Schmiedearbeit, Josef Schmidt & Sohn in Frankfurt a. M. den naturfarbi¬ gen Anstrich ausgeführt haben. Das Ganze ist von eigenartigem Reiz. Ein Gesamtbild der Brücke geben wir in unserer Bildbeilage wieder. Mit der Vollendung dieses letzten Brückenbaues ist das Werk zum Abschluss gelangt, welches nach den Verwüstungen des Hochwassers vom März 1896 eingeleitet wurde. Der Aufwand ist ein viel grösserer geworden, als man sich ursprünglich vorstellte. Mit der Ausführung sind eine Reihe von Wünschen aufgetaucht, die an¬ fänglich nicht berücksichtigt waren. Die Brücken, die Freiburg vorher besass, waren alle einfachster Natur. Erst durch den Wettbewerb kam der Wunsch nach selben geblieben, die Breiten teilweise anders ausge¬ führt. Die tatsächlichen Aufwendungen betrugen: Schwabentor-Brücke 8 + 2 . 3 = 14 m breit 206000 M. Kaiser-Brücke 9 + 2 . 3,5 = 16 m breit 317 000 ,, Friedrichs-Brücke (früher Gartenstr.-Brücke) 9,5 + 2 . 3,5 = 16,5 “ „ 2S7 000 ,, F abrikstrassen - Brücke 5,1 + 2. 2, 2 = 9, 5 m nutzbareBreite (Konstruktionsbreitei 1,90™) 112 000 ,, Mariensteg 3™ breit 52000 Luisensteg 3m „ 51000 Zusammen . . . 995 000 M. Abbildg. 8. Lageplan der Friedrichs-Brücke. Es sind also nahezu doppelt so hohe Mittel auf¬ gewendet worden, als ursprünglich beabsichtigt war. Von den 1896 bewilligten Kosten hatte der Staat zu tragen übernommen: bei der Schwabentor-Brücke 60000 M , bei der Kaiser-Brücke im Zuge der früheren Landstrasse Frankfurt-Basel 50000 M., bei der Garten- strassen-Brücke 25000 M. Tatsächlich hat der Staat bei der Kaiser-Brücke einen höheren Aufwand als vor¬ gesehen, nämlich 90 000 M. auf sich übernommen. In die Ausführung der bezeichneten Brückenbau¬ werke haben sich verschiedene Behörden geteilt. Den Unterbau der Schwabentor-Brücke leitete die Grossher¬ zogliche Rheinbau-Inspektion Freiburg, die an die¬ ser Stelle gleichzeitig das Flussbett korrigierte, während das städtische Tiefbau amt und Hochbauamt sich in die Eisenkonstruktionen und den architektonischen Aufbau teilten. Bei der Kaiser-Brücke ruhte die Bau¬ leitung für die Ingenieur-Arbeiten in den Händen der Grossherzoglichen Wasser- und Strassenbau- Inspektion Freiburg, während das Hochbauamt, wie auch bei den übrigen Bauwerken, welche vom Tief¬ bauamt ausgeführt wurden, hinsichtlich der Architektur beteiligt War. - (Schluss folgt.) No. 69. 442 Zur XXXII. Abgeordneten-Versammlung des Verbandes deutscher Arch.- und Ing.-Vereine in Dresden. m 31. d. M. beginnen in Dresden die Verhandlungen der 32. Abgeordneten-Versammlung des Verbandes deutscher Arch.- und Ing.-Vereine, die nach der reichen Tagesordnung einen anregenden Verlauf verspre¬ chen und bezüglich mancher Fragen, die sie behandeln werden, allgemeines Interesse verdienen. Es sind gerade 25 Jahre her, dass der Verband ge¬ legentlich seiner 3. Wanderversammlung im Jahre 1878 in Dresden getagt hat, eine Zeit reicher Entwicklung für die Stadt, die in dem blühenden Gemeinwesen klar zum Ausdruck kommt. Die Entwicklung des Verbandes in die¬ ser Zeit zu verfolgen, kann hier nicht unsere Aufgabe sein. Er hat sein Teil mitgearbeitet an den Fortschritten der Technik und an der allgemeinen Hebung des Ansehens, welche die technischen Wissenschaften und ihre Vertreter in dieser Zeit erfahren haben. Seine Tätigkeit ist, wenn auch in ihren Erfolgen im einzelnen nicht immer feststell¬ bar, jedenfalls keine vergebliche gewesen und wir dürfen hoffen, dass der Verband auch in Zukunft erfolgreich die Ziele weiter verfolgen wird, die er sich bei seiner Gründung gesteckt hatte. Dem Geschäftsbericht für 1902/1903 entnehmen wir nachstehende Mitteilungen: Der Verband zeigt in der Zahl seiner Mitglieder noch immer eine stetige Zunahme. Ist auch die Zahl der ihm angehörigen Vereine von 38 wieder auf 37 infolge Auflösung des „Technischen Vereins zu Görlitz“ zurückgegangen, so ist die Anzahl der Mitglieder seit dem Vorjahre doch wieder um 119 gestiegen und be¬ trug am 1. April d. J. 7365. Der Tod hat dem Verbände wiederum eine Reihe von um die Technik hochverdienten Männern entrissen, unter denen wir nur den Geheimen Baurat Dr. James Hobrecht, den Schöpfer der Berliner Kanalisation, und den Ober- Baudirektor Ludwig Franzius, Dr.-Ing., den Meister der Wasserbaukunst, nennen. Unter den Arbeiten des Verbandes ist die Herausgabe des grossen Werkes „Das Bauernhaus im Deutschen Reiche und in seinen Grenzgebieten“, das seiner Vollendung entgegengeht, an erster Stelle zu nennen. Seitens des Reiches sind zu dieser Arbeit, in welcher in 100 Blatt Zeichnungen mit erläuterndem Text die leider immer mehr verschwindenden Reste unserer älteren bäuerlichen Baukunst sorgsam zusammengetragen sind, 30000 M. beigesteuert, während die eigentliche Arbeit zu¬ meist von Verbands-Mitgliedern unentgeltlich geleistet ist. Von den 10 Lieferungen, in welche das Werk geteilt ist, sind 8 bereits erschienen und die 9. wird voraussichtlich noch in diesem Jahre abgeschlossen. Der Text wird zu¬ sammen mit der letzten Lieferung im nächsten Jahre zum Abschluss kommen. Er soll bekanntlich in einer histo¬ rischen Einleitung von Hrn. Prof. Dr. Dietrich Schäfer in Berlin und in baugeschichtlichen und technischen Er¬ läuterungen bestehen, die für Norddeutschland Hr. Geh. Reg.-Rat Prov.- Konservator Lutsch in Berlin, für Süd¬ deutschland Hr. Prof. Kossmann in Karlsruhe über¬ nommen haben. Zusammen mit den auf der gleichen Grundlage be¬ arbeiteten Werken des Oesterreichischen Architekten- und Ingenieur-Vereins und des Schweizerischen Ingenieur- und Architekten- Vereins wird so ein vollständiger Ueberblick über diesen in seiner Ursprünglichkeit so eigenartigen Zweig heimatlicher Baukunst gegeben. Vielleicht wird diese Ar¬ beit auch nicht ohne Einfluss auf die Wiedererweckung einer auf gesunder Grundlage ruhenden bäuerlichen Kunst sein, auch hier dem Streben nach Heimatkunst wieder die Wege weisen. Auf technischem bezw. technisch-wirtschaftlichem Ge¬ biete liegen andere Arbeiten des Verbandes, die dieser allein oder in Gemeinschaft mit anderen technischen Ver¬ einigungen unternommen hat. Zu den letzteren gehört ein demnächst erscheinendes „Musterbuch für den Feuerschutz von Eisenkonstruktionen“ und die neue 7. Auflage des „Deutschen Normalprofilbuches für Walzeisen“. Bei beiden Arbeiten ist der „Verein deutscher Ingenieure“ und der „Verein deutscher Eisen¬ hüttenleute“ beteiligt. Das den Feuerschutz der Eisenkon¬ struktionen behandelnde Werk ist im Aufträge der 3 Ver¬ bände von Hrn. Zivilingenieur Hagn in Hamburg nach vorher festgesetzten Gesichtspunkten bearbeitet. Zu den Beratungen des gemeinschaftlichen Ausschusses der 3 Vereine wurden noch Vertreter der Berufsfeuerwehr und der Versicherungs-Gesellschaften herangezogen. Von den letzteren wird erhofft, dass sie bei in sachgemässer Weise geschützten Eisenkonstruktionen später die Versicherungs¬ prämien entsprechend der verringerten Feuersgefahr her¬ untersetzen werden, wodurch dann wieder ein weiterer Ansporn gegeben würde, die Feuersicherheit durch An¬ wendung solcher Schutzkonstruktionen von vornherein zu erhöhen. Bei der Neubearbeitung des Normalprofilbuches für Walzeisen, dessen frühzeitiger Aufstellung die deutsche Walzindustrie zum nicht geringen Teil ihren Vorsprung vor derjenigen Englands und stellenweise selbst noch Amerikas verdankt, soll dieses mal versucht werden auch mit den Schiffbauern eine Einigung zu erzielen, und deren von den Baukonstruktionseisen abweichende Profile ebenfalls in das Normalprofilbuch aufzunehmen (NB. Die jetzt darin enthaltenen Schiffbauprofile haben die Zustimmung der Schiffbau-Interessenten nicht gefunden). Es ist daher zu der Bearbeitung als 4. Gleichberechtigter noch der „Verein deutscher Schiffswerften“ hinzugetreten und ausserdem nehmen Vertreter des Reichsmarine-Amtes an den Be¬ ratungen teil. Allein hat der Verband die Aufstellung von „Nor¬ malien für Hausentwässerungs-Leitungen“ in die Hand genommen. Veranlassung gab hierzu das von den betreffenden Fachleuten und vielen Stadtverwaltungen lebhaft empfundene Bedürfnis, bei gleichzeitiger Ver¬ besserung eine grössere Vereinheitlichung in die Anord¬ nung dieser Anlagen zu bringen und damit auch durch Vereinfachung der betreffenden Industrie Erleichterungen zu verschaffen. Die erste Bearbeitung dieser Normalien, die Ende 1900 erschien, fand aber in verschiedenen Kreisen, teils der Industrie, teils der Verbraucher, so lebhaften Widerspruch, dass der Verband unter Zuziehung aller infrage kommenden Interessenten -Gruppen nochmals in eine neue eingehende Prüfung der Frage eintrat, deren Ergebnisse bereits in No. 38 veröffentlicht wurden. Alle einzelnen Interessen, die z. T. recht weit auseinander¬ gehen, haben natürlich auch mit dieser Neuaufstellung, bei welcher namentlich die Wandstärken der gusseisernen Röhren nicht unwesentlich verringert worden sind, nicht völlig befriedigt werden können. Es darf aber erhofft werden, dass die Normalien in der neuen Gestalt sich nun allmählich allgemeine Anerkennung erringen werden. Der mit der Nachprüfung der Normalien betraute Ausschuss hat auch den zweiten Teil seiner Aufgabe, die Aufstellnng von Bestimmungen über die bei der Aus¬ führung der Leitungen maassgebenden hygienischen und technischen Gesichtspunkte, in Angriff genommen. Die übrigen Aufgaben, welche der Verband z. Zt. be¬ arbeitet und welche Gegenstand der Verhandlungen in Dresden bilden, betreffen solche Fragen, welche die künst¬ lerischen, wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse der Architekten und Ingenieure berühren. Es stehen fol¬ gende Gegenstände zur Beratung : „Gebühren der Architek¬ ten und Ingenieure als gerichtliche Sachverständige“ ; „Zivil- rechtliche Haftbarkeit der Architekten und Ingenieure“; „Abänderung der Grundsätze für das Verfahren für Wett¬ bewerbe“; „Aufstellung eines Kommentars zur Gebühren¬ ordnung für Arbeiten der Architekten und Ingenieure“. Gegen die Festsetzungen der Reichs- Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige vom 30. Juni 1878 und gegen deren Handhabung durch die Gerichte werden schon seit langer Zeit lebhafte Klagen aus dem Kreise der Architekten und Ingenieure erhoben, die schliesslich dazu geführt haben, dass seitens des Verbandes und des Ver¬ eins deutscher Ingenieure ein gemeinschaftlicher Ausschuss eingesetzt wurde, der eine Eingabe an das Reichs-Justiz¬ amt ausgearbeitet hat, die nunmehr zur Beratung steht. Der Ausschuss ist zu der Ansicht gekommen, dass durch eine gesetzliche Neuregelung der Gebührenordnung über¬ haupt oder durch Festsetzung besonderer Taxvorschriften für Architekten und Ingenieure nicht viel zu erhoffen sei. Er ist ferner der Ansicht, dass eine allgemeine Verteuerung der Rechtspflege zu vermeiden sei, dass dagegen die¬ jenigen Unterscheidungen, welche die Gebührenordnung selbst hinsichtlich der Gutachten zwischen den gewöhn¬ lichen und den schwierigen Fällen macht, mehr als das bisher geschieht, von den Gerichten beachtet werden sollten. Denn während für die ersteren ein Stundensatz von höchstens 2 M. für die Aufstellung eines Gutachtens vorgesehen ist, setzt § 4 D. G. O. für schwierige Fälle aus¬ drücklich fest, dass diese nach dem „üblichen Preise“ zu vergüten sind. Als übliche Preise sind aber die Fest¬ setzungen der Gebührenordnung für Architekten und In¬ genieure anzusehen, die für Gutachten usw. überhaupt eine Verrechnung nach Stunden ausdrücklich ablehnt, da eine solche für eine derartige Arbeit einen durchaus falschen Maasstab abgeben würde. Es liegt dann aller¬ dings für die Gerichte eine gewisse Schwierigkeit vor, den „üblichen Preis“ zu ermitteln. Hierzu würden sich aber die beiden grossen Verbände den Gerichten gerne zur Verfügung stellen. 29. August 1903. 443 Widerlager Querschnitte in ßrückenmitte. E n Des weiteren wird in der Eingabe darauf hinge¬ wiesen, dass bei der Her¬ anziehung von Sachver¬ ständigen der § 404 der Zi¬ vilprozess-Ordnung mehr beachtet werden sollte, wonach für die Mehrzahl der vorkommenden Fälle zumeist die öffentlich be¬ stellten Sachverständigen und nur ausnahmsweise besondere Sachverstän¬ dige für den bestimmten F all herangezogen werden sollen. Werden dieseaber herangezogen, so muss es sich um einen schwierigen Fall handeln und es ist dann die höhere Bemess¬ ung der Vergütung ge¬ rechtfertigt. Der „Verein deutscher Ingenieure" hat auf seiner diesjährigen Hauptver¬ sammlung die Eingabe noch nicht endgiltig an¬ genommen, die Frage vielmehr als noch nicht spruchreif auf ein Jahr vertagt. Auch der Ver¬ band wird daher in Dres¬ den nur grundsätzlich zu der Sache Stellung neh¬ men können, und es wer¬ den sich daran noch weitere Verhandlungen knüpfen. Ueber „die zivilrecht¬ liche Verantwortlichkeit für Leistungen der Architekten und Ingenieure“ hat der Ver¬ band bereits im Jahre 1886 Bestimmungen herausgegeben, die leider in den Fachkreisen viel zu wenig bekannt sind, während sie nach dem Urteile maassgebender Rechts- Sachverständiger durchaus geeignet erscheinen, die Ver¬ antwortlichkeit der Architekten und Ingenieure auf ein angemessenes und billiges Maass zurückzuführen, während die Architekten und Ingenieure nach bestehenden gesetz¬ lichen Bestimmungen ohne besondere vertragliche Fest¬ legung ihrer Verantwortlichkeit, unter ungünstigen Um¬ ständen ohne entsprechendes eigenes Verschulden in einem Maasse herangezogen werden können, das in keinem Ver¬ hältnis steht zu den vom Bauherrn dem Architekten ge¬ währten Gegenleistungen. Es kann also den Fachgenossen nur dringend empfohlen werden, allen Verträgen diese „Bestimmungen“ ausdrücklich zugrunde zu legen. Es handelte sich jetzt darum festzustellen, ob nach Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches diese Bestimmungen eine entsprechende Abänderung erfahren müssten. Die Ar¬ beiten des damit betrauten Ausschusses haben ergeben, dass wesentliche Aenderungen nicht erforderlich sind. Das Wettbewerbswesen hat in den letzten Jahren eine Entwicklung genommen, die in vieler Hinsicht nicht als erfreulich bezeichnet werden kann. Einerseits werden viele Wettbewerbe ausgeschrieben, die entweder zu un¬ bedeutend sind, um die Allgemeinheit damit zu behelligen und die andererseits oft viel besser durch unmittelbaren Auftrag erledigt werden könnten; es wird so alljährlich eine bedeutende Summe von Kraft vergeudet, die viel besser an andere Aufgaben gewendet würde; andererseits werden leider noch recht oft bei Wettbewerben Preise ausgesetzt, die in keinem Verhältnis stehen zu der ver¬ langten Leistung. Leider kann den Fachgenossen der Vorwurf nicht erspart werden, dass sie in der Stellung als Preisrichter nur zu oft die Bedingungen nicht einer genügend scharfen Prüfung unterziehen und so diese Zu¬ stände selbst mit verschulden. Hier muss in aller erster Linie eine Reform einsetzen. Ohne diese sind alle Be¬ strebungen des vom Verbände eingesetzten Ausschusses, der die Misstände im Wettbewerbswesen bekämpfen und Einhaltung der vom Verbände aufgestellten „Grundsätze für das Verfahren bei Wettbewerben“ erstreben soll, mehr oder weniger nutzlos, oder können doch höchstens in einem Einzelfalle Erfolg _ haben. Jeder Architekt oder Ingenieur, der das Amt eines Preisrichters übernimmt, sollte sich daher vor allem klar werden, welche Verpflichtungen er damit gegenüber seinen Fachgenossen eingeht. Eine I Mitschuld trägt allerdings auch die Fachwelt selbst, wenn sich bei den ungünstigsten Wettbewerben, selbst wenn in der Fachpresse dringend vor einer Beteiligung gewarnt wird, doch fast immer Konkur¬ renten einstellen, oft in überraschender Zahl. Auch hier kann nur dadurch eine Besserung erreicht wer¬ den, indem das Verantwortlichkeits-Gefühl des Ein¬ zelnen gegenüber der Allgemeinheit gestärkt wird. Auf die zu den im Jahre 1897 angenommenen „Grundsätzen“ gemachten Abänderungs-Vorschläge soll hier nicht näher eingegangen werden. Wir be¬ halten uns das für später vor. Sie beziehen sich vorwiegend auf eine angemessenere und bestimm¬ tere Art der Preisbemessung. Was schliesslich die Frage der Aufstellung eines Kommentars zur Gebührenordnung der Architekten und Ingenieure betrifft, so ist damit keineswegs be¬ absichtigt, eine Ergänzung oder gar Abänderung der Gebührenordnung zu geben. Es hat sich nur bei der notwendigen knappen Fassung, die diesen Be¬ stimmungen gegeben werden musste, herausge¬ stellt, dass in einigen Punkten der Wortlaut zu Meinungs - Verschiedenheiten Anlass geben kann. Ebenso wie bei der Auslegung von Gesetzen häufig auf die Motive zurückgegriffen werden muss, ehe sich eine bestimmte Praxis herausgebildet hat, so liegt der Fall auch hier, und es sollen lediglich einige kurze Erläuterungen nach Maassgabe der Absichten gegeben werden, die bei der Aufstellung der Gebührenordnung zugrunde gelegen haben. Das sind, abgesehen von den mehr internen Angelegenheiten des Verbandes, im wesentlichen die Fragen, welche auf der diesjährigen Abgeord- neten-Versammlung in Dresden zur Verhandlung kommen werden. Die Anmeldungen zur diesjährigen Versammlung sind ausserordentlich zahlreich. Nur 3 Vereine haben keine Vertretung angemeldet. Es handelt sich aller¬ dings auch z. T. um die Entscheidung von Fragen, die für die Weiterentwicklung des Verbandes von grosser Wichtigkeit sind. — Fr. E. No. 69. Die deutsche Städteausstellung in Dresden. ü II. Fürsorge der Gemeinden für öffentliche Kunst. as, was der „Deutschen Städteausstellung“ in Dres¬ den ihren eigentlichen Glanz verleiht, das ist die Ab¬ teilung III, in welcher die Fürsorge der Gemein¬ den für öffentliche Kunst zur Darstellung gebracht ist. Und nicht nur auf der Städte-Ausstellung, sondern auch im Leben der Städte selbst bildet diese Fürsorge eines der glänzendsten Kapitel. Sie erinnert trotz der zahl¬ reichen Anforderungen, welche heute in sozial-politischer Hinsicht an die modernen Städte herantreten, durchaus in der das wichtige Kapitel der Stadterweiterungen, der Baupolizei und des Wohnungswesens entfaltet ist, bei welchen die öffentliche Kunst doch auch eine einfluss¬ reiche Rolle spielt oder wenigstens spielen sollte. Auch im Schulwesen, welches in Abteilung V zur Vorführung ge¬ langt, ist es, so weit die baulichen Leistungen der Gemein¬ den inbetracht kommen, mit in erster Linie auch die Kunst, auf welche die vorwiegendsten Maassnahmen gerichtet sind. Aehnliches ist bei den Gebäuden für die Kranken¬ pflege und die Wohltätigkeit der Fall. Man kann heute von der grössten Mehrzahl der Städte sagen, dass sie Ansicht des inneren Gehweg • Hauptträgers. (\n.p. 9 Die neuen Strassenbrücken in Freiburg im Breisgau. an jene Zeiten deutschen Städtewesens, in welchen viele Städte durch eigene Verfassung oder durch eine selbst¬ ständige Regierungsform der Staatsgewalt gegenüber un¬ abhängiger dastanden, als es heute der Fall ist, wo die Städte in der Staatsgewalt aufgehen und einem grossen Teile ihrer Initiative entsagen mussten. In der Ausstellung sind dieser Abteilung die Haupträume zugewiesen und ihr Umfang übertrifft den aller anderen Abteilungen, trotzdem in mehreren derselben die Fürsorge für öffentliche Kunst keine geringe Rolle spielt, wie z. B. in der Abteilung I, Für¬ sorge der Gemeinden für die Verkehrs Verhältnisse, für Strassenbau, Brücken und Häfen; dann in der Abteilung II, 29. August 1903. kaum noch reine Nutzbauten mit einer lediglich dem un¬ abweisbaren Bedürfnis angepassten Ausstattung aufführen, sondern dass von dem glänzenden Rathaus, der Krone der baulichen Tätigkeit der Städte, bis herab zum unschein¬ barsten Bedürfnishäuschen die Kunst die Begleiterin und Verschönerin des Notwendigen geworden ist. Hiervon werden nicht zum geringsten auch die Einrichtungen zur Erhaltung und Förderung der öffentlichen Gesundheit, wie die öffentlichen Gartenanlagen, die Bäder usw. berührt, und selbst den Schlachthöfen und den Gebäuden für das Feuerlöschwesen gibt die Kunst häufig einen willkomme¬ nen Schmuck. So erstreckt sich denn das Gebiet der 445 Kunst im Städtewesen fast in alle Abteilungen der Aus¬ stellung hinein. Die Abteilung III, der hier jedoch vorwiegend die Aufmerksamkeit gewidmet sein soll, zerfällt in 5 Gruppen: A. Architektur; B. Malerei und graphische Künste; C. Bild¬ nerei; D. Edelmetallkunst und E. Verschiedenes. Die Gruppe A erfordert naturgemäss das Hauptinteresse. Es gehörten dem Vorstande der Abteilung folgende Archi¬ tekten an: Brt. Richter-Dresden als Vorsitzender; Hof- brt. Fröhlich-Dresden; Hofrt. Prof. Dr. Gurlitt-Dresden; Prof. H. Har tun g - Dresden; Stadtbauinsp. Sachsse- Dresden; Prof. F. Schumacher-Dresden und Stadtbrt. Dr. Wolff in Hannover. Vieles von dem, was in dieser Abteilung geboten wird, ist von uns schon eingehender behandelt worden; von anderem dürfen wir die Hoffnung hegen, dass es noch in ausführlicherer Weise in unserer Zeitung folgen wird, als es hier anzuführen möglich ist. Aus diesem Umstande glauben wir die Berechtigung ableiten zu dürfen, bei die¬ sem so ungemein umfangreichen Gebiete nur das Haupt¬ sächlichste zu erwähnen. Ein Wort vor allem den Modellen, die bei volkstüm¬ lichen Vorführungen dem bisherigen Brauch entsprechend eine Hauptrolle spielten und diese Rolle auch auf der Städte¬ ausstellung behaupten. Modelle sind bisher in der Hand des kundigen Architekten ein bewährtes und viel ange¬ wendetes Mittel gewesen, über die Wirkung und die Be¬ ziehungen einzelner Bauteile zu einander, über die Wirkung eines Bauteiles in sich, über die Wirkung eines Orna¬ mentes usw. Rechenschaft abzulegen. Sie sind auch dem Laien gegenüber ein recht brauchbares Mittel, ihn über die ungefähre räumliche Gestaltung eines Gebäudes zu belehren, die er sich aus den geometrischen Darstellungen nicht oder doch nur schwer und selbst aus den Schau¬ bildern nicht ohne Schwierigkeit aufbauen kann. Modelle aber mit ihrer grauen, eintönigen Masse, mit der fremden, oft ungenügenden Hand, die zwischen der künstlerischen Absicht und ihrer fertigen Gestalt liegt, versagen meistens völlig, wenn es sich darum handelt, neben dem Aufbau eines Werkes in seinen grossen Zügen auch die feinere künstlerische Wirkung zu geben. Wer die meisten der, wie wir wissen, künstlerisch sehr bedeutenden Bauten, die auf der Ausstellung durch Modelle vertreten sind, nur nach diesen Modellen beurteilen würde, seien sie weiss, grau oder farbig, würde ein ganz ungenügendes Bild von der künstlerischen Wirkung der Bauten erhalten. Für die Wiedergabe des künstlerischen Eindruckes erscheint uns ein gut gezeichnetes Schaubild nicht unwesentlich wert¬ voller, wie das beste Modell, wenn das Schaubild auch einem geringen Teile seiner Beschauer in Absicht und Wirkung verschlossen bleiben sollte. Wir meinen daher, das Modell sollte die Rolle des bewährten Hilfsmittels im Atelier vor kundigen Augen nicht überschreiten und nicht den Anspruch erheben, das Bauwerk selbst im engeren Raume und verkleinerten Maasstabe ersetzen zu wollen. Falsche Schlussfolgerungen über den künstlerischen Gehalt sind nicht allein nach unserer Erfahrung die notwendige Folge dieser grösseren Bedeutung, die das Modell anstrebt. In der Auswahl der hier zu erwähnenden Werke folgen wir, ohne in den Städten eine Unterscheidung ein- treten zu lassen, der alphabetischen Anordnung, die der Katalog beobachtet. Da ist zunächst Aachen mit seiner wundervollen Rathausgruppe, durch die das Stadtbild eine Bereicherung erfahren hat, wie sie ihm die baulustigsten Zeiten des Mittelalters nicht gewähren konnten. Das im Jahre 1883 durch Brand zerstörte, seiner Türme und des Daches beraubte Rathaus, ein ursprünglich karolingisches Bauwerk, wurde nach den Entwürfen des Hrn. Prof. Georg Frentzen in Aachen und unter der Leitung des Hrn. Stadtbrt. Laurent in Aachen in mustergiltiger Weise wiederhergestellt und erhielt in dem angegliederten Ver¬ waltungsgebäude, 1901 — 1902 nach den Entwürfen des Hrn. Prof. F. Pützer in Aachen durch PIrn. Stadtbrt. Laurent mit einem Auf wände von 700000 M. errichtet, eine Ergänzung, welche jene schöne Baugruppe zu einer einzig dastehenden in deutschen Landen macht. Des Um¬ baues des Stadttheaters durch Heinr. Seeling in Berlin haben wir bereits Jahrg. 1898 S. 249 gedacht. Altenburg stellte mit einer Summe von 150 000 M. sein in den Jahren 1562 — 1564 von Grossmann in Weimar erbautes Rathaus wieder her. Augsburg sandte als sein stolzestes Ge¬ bäude sein Rathaus, den 1615 — 1620 durch Elias Holl er¬ richteten Prachtbau, und schloss ihm das neue Polizei- Gebäude (1 Mill. M ), die neue Bibliothek (s. Jahrg. 1894 S. 233) und das von Fellner & Helmer bereits 1876/77 errichtete Stadttheater (r 500000 M.) an. Barmen vertritt Hartigs Ruhmeshalle (630000 M.) ; Berlin bereicherte die Ausstellung durch eine grössere Auswahl der unter Ludwig Hoffmann errichteten Bauten, auf die wir be- 446 reits mehrfach eingingen. Bielefeld berichtet über inter¬ essante Bestrebungen: über die Vereinigung des neuen Rathauses und des neuen Stadttheaters zu einer Gebäude¬ gruppe zum Zwecke der Steigerung der Massen- und der Piatzwirkung. Das 1902 erbaute Stadttheater (500000 M.) wurde nach Bernhard Sehrings Entwurf, das im gleichen Jahre zur Ausführung gelangte Rathaus (750000 M.) nach dem Entwurf des Hrn. Stadtbrt. Ritscher in Bielefeld errichtet. Das erstrebte Ziel ist wohl erreicht und ver¬ dient die volle Beachtung der Fachkreise. Ein umfang¬ reiches neues Rathaus errichtete Braunschweig in den Jahren 1894—99 nach dem gotischen Entwurf des Hrn. Stadtbrt. Winter in Braunschweig und wandte hierfür eine Gesamtsumme für die Bau- und Einrichtungskosten von über 2 Mill. M. auf. Das von Bremen ausgestellte alte Rathaus, welches 1405 — 1410 errichtet, in seiner heutigen Gestalt im Wesentlichen ein Ergebnis des Umbaues durch Lüder von Bentheim ist, erregt neben seiner dauern¬ den Wertschätzung augenblicklich das besondere Interesse durch den Neubau eines Verwaltungs- Gebäudes, welcher im Anschluss an dasselbe geplant ist und durch welchen eine ähnliche Baugruppe entstehen dürfte, wie sie Aachen besitzt. Dem Rathause sind eine Anzahl Bauwerke an¬ gefügt, welche der inneren Stadt von Bremen ihr charak¬ teristisches Gepräge verleihen. Breslau ist in dieser Ab¬ teilung lediglich durch sein schönes, wiederhergestelltes Rathaus vertreten. Cassel legt Zeugnis ab von seinen neueren Baubestrebungen: neues Rathaus (Arch. K. Roth in Darmstadt, Bausumme 1650000 M.) und Murhard- Bibliothek (Arch. E. Hagberg in Friedenau, Bausumme 400000 M.), zwei Bauwerke, die in der neueren Bauge¬ schichte der alten hessischen Residenz eine bemerkens¬ werte Stelle einnehmen dürften. An mehreren Rathäusern sind in hervorragendem Maasse die Hrn. Architekten Reinhardt & Süssenguth in Charlottenburg beteiligt. Zu dem Rathause in Charlottenburg fertigten sie die Pläne und erhielten sie die künstlerische Oberleitung. Der Vollendung des stattlichen Monumentalbaues (4 Mill. M.) wird zur Feier des 200jährigen Stadtjubiläums, 1905, ent¬ gegen gesehen. In welch’ ausgezeichneter Weise die ge¬ nannten Architekten das Rathaus in Dessau errichteten, haben wir soeben erst (S. 377 ff.) durch die Veröffentlichung desselben dargetan. Bei dem neuen Rathause in Elberfeld (1 800000 M.) war ihnen gleichfalls die künstlerische Leitung übertragen. Ein höchst anziehendes Bild gewährt Dort¬ mund, sowohl in dem wiederhergestellten alten Rathause und dem neuen städt. Verwaltungs-Gebäude (Arch.: Stadt- Brt. Kullrich), wie auch in dem neuen Stadttheater, welches für 1 Mill. M. Prof. Martin Dülfer in München errichtet. Nicht minder anziehend ist das Bild, welches Duisburg in seinem neuen, durch Prof. Friedr. Ratzel in Karlsruhe errichteten Rathause (s. No. 1 d. J. ff.) dar¬ bietet. — Danzig, Erfurt, Freiberg, Hildesheim, Lübeck, Magdeburg, Nürnberg und eine Reihe ande¬ rer alter Städte haben aus dem reichen Schatz ihrer alten Denkmäler beigesteuert. Fürth wird vertreten durch sein durch Fellner & Helmer in Wien 1902 vollendetes Stadttheater (712 000 M.), Gelsenkirchen durch Rathaus (Wiethase, 500000 M.) und Stadthalle (Bachmann, 250 000 M.). Eine zielbewusste künstlerische Tätigkeit bei allen seinen baulichen Unternehmungen, die Veranlassung dazu geben, entfaltet Halle unter der Leitung von Genz- mer. Am Beginn dieser neueren Epoche steht das Stadt¬ theater von Heinr. Se eling (1884/86 erbaut, 1280000 M.); ihm folgt unter anderen Bauten 1894/96 das Paul Riebeck- Stift, nach den Entwürfen der Hrn. Spalding & Grenan- der durch Schaumann erbaut (762500 M). In neuerer Zeit entfaltet Hr. Stadtbauinsp. Rehorst eine künstlerische Tätigkeit, auf die wir wohl gelegentlich noch einmal zu¬ rückzukommen hoffen dürfen; sie ist neben anderen kom¬ munalen Bauten vor allem auch der Wiederherstellung der Moritzburg gewidmet. Mit seinem stolzen Rathause (s. Jahrg. 1895, S. 297) ist Hamburg in die Städteausstellung einge¬ zogen. Altem (Leibnizhaus, Haupt; altes Rathaus, Hase) und Neuem (neues Rathaus, 6 Mill. M. Eggert; Lister- turm, Schaedtler, 416000 M. und Ratsapotheke, Ro- wald, 182000 M) widmet Hannover in gleicher Weise seine Fürsorge. Eine sehr lebhafte Fürsorge der Stadt¬ gemeinde für Erhaltung der altertümlichen und künstle¬ rischen Eigenart der Stadt bei gleichzeitiger Rücksicht¬ nahme auf die Bedürfnisse der Neuzeit ist ein Ruhmes¬ titel von Hildesheim. Mit einem trefflichen Rathause be¬ schenkte Prof. v. Hauberrisser St. Johann a. Saar (er¬ baut 1897 — 1899; Baukosten 750000 M.). Aus Köln a. Rh. interessieren neben den neueren Bauten vorwiegend die Wiederherstellungen des alten Rathauses (Raschdorff) und der Torburgen (Eigelstein, St. Severin) durch Jos. Stübben. In Leipzig steht die Hochbautätigkeit der Stadt fast durchaus im Zeichen von Hugo Licht. Das No. 69. Grassi-Museum (vollendet 1895, Baukosten 1200000 M.), das Konservatorium der Musik (vollendet 1886, Baukosten 780000 M.) und vor allem das neue Rathaus (Baukosten 6700000 M.), dessen Vollendung im nächsten Jahre er¬ wartet wird, sind typische Beispiele einer ausgezeichneten künstlerischen Tätigkeit, welche die Ausstellung vorführt. In Liegnitz verspricht der Rathaus-Neubau nach dem Entwurf des Hrn. Stadtbrt. Oehlmann weit mehr, als man sonst von den Rathäusern kleinerer Städte zu er¬ warten gewohnt ist. In Magdeburg ist das Ohmann'- sche Museum für Kunst und Kunstgewerbe in der Aus¬ führung begriffen und dürfte einer unserer eigenartigsten Museumsbauten werden (s. Jahrg. 1899 No. 96). Dass Mannheim seinen Friedrichsplatz mit Festhalle (s. No. 29 ff.) zur Ausstellung bringt, ist nur natürlich; ist es doch die bedeutendste Unternehmung des Hochbaues, die seine neuere Bautätigkeit auszeichnet. München stellte von seinen grossartigen baulichen Unternehmungen in dieser Abteilung nur das Hauberrisser’sche Rathaus aus (s. No. 53), während andere Bauwerke in andere Abteilungen ein¬ gereiht wurden; dasselbe ist bei Berlin und bei mehreren anderen Städten der Fall. Es ist durch diese Zerteilung nach Materien nicht gelungen, den umfassenden Eindruck hervor¬ zurufen, den die bauliche Tätigkeit dieser Städte bei ge¬ schlossenem Auftreten gemacht haben würde. Hier liegt vielleicht ein Organisationsfehler der sonst allem Anschein nach vorzüglich organisierten Ausstellung vor. Münster beschränkte sich auf die Wiedergabe alter Bauten, Nürn¬ berg im Gegensätze hierzu auf neue Werke der Bau¬ kunst. Das neue Amtsgebäude am Fünferplatze (Arch. Vermischtes. Der IV. Tag für Denkmalpflege findet in Erfurt am 25. und 26. Sept. d. J. statt. Dem Tage werden vorgelegt werden die Berichte der Ausschüsse für die Behandlung der Frage der Steinerhaltung und für die Feststellung der Kennzeichnung von wiederhergestellten Teilen eines Bauwerkes, ferner ein Bericht über die Er¬ haltung von farbigen Altertümern (Wandmalereien, plastische Werke) von Prof. Borrmann, über die wegen des Handbuches der deutschen Denkmäler unter¬ nommenen Schritte, von Hofrat Oechelhäuser, über die den Denkmalschutz betr. Gesetzgebung in Oester¬ reich, durch Prof. Neuwirth, in Italien durch Geh.-Rat Loersch und in Hessen durch Minist. -Rat v. Biege¬ leben, über die Erhaltung von Altertumsfunden, von Prof. Rathgen. Die Verhandlungen werden sich ferner erstrecken auf die mit der Wie der her Stellung des Meissner Domes zusammenhängenden Fragen, Bericht¬ erstatter Hofrat Prof. Dr. Corn. G u r 1 i 1 1 , auf die Vorbildung zur Denkmalpflege, auf die Bedeutung der Gestaltung der Strassenfluchtlinien in den Städten vom Stand¬ punkte der Denkmalpflege, Berichterstatter Geh. Brt. Stübben, Gegenberichterstatter Hofrat Prof. Dr. Corn. Gurlitt und Geh. Ob.-Brt. Prof. Hofmann, usw. Gegebe¬ nenfalls soll anstelle einer etwa ausfallenden Position der Tagesordnung eine Verhandlung über die Aufnahme, Sammlung und Erhaltung der Kleinbürgerhäuser mittelalterlicher Städte treten mit einleitendem Be¬ richt durch Stadtbauinsp. O. Stiehl. Auf dem Denkmaltage werden verschiedene Vereine des Verbandes deutscher Arch.- u. Ing. -Vereine durch be¬ sonders beauftragte Mitglieder vertreten sein, so der Ar¬ chitekten- Verein zu Berlin und die Vereinigung Berliner Architekten, der Bayerische und der Hamburgische Arch.- und Ing.-Verein und andere. Im Uebrigen können auch solche Fachgenossen dem Denkmaltage anwohnen, welche nicht Vertreter einer Körperschaft oder eines Vereines sind. Es empfiehlt sich jedoch, dass diese sich bei dem Vorsitzenden, Hrn. Geh. Justizrat Loersch in Bonn anmelden. Im Anschluss an den Denkmaltag findet vom 28. bis 30. September ebenfalls in Erfurt die Generalversamm¬ lung des Gesamt- Vereins der deutschen Ge- schichts- und Altertums-Vereine statt. Aus den zahlreichen Verhandlungs- Gegenständen derselben sei nur ein Bericht des Finanz- und Baurats Schmidt in der V. Abteilung erwähnt betr.: Die Bestrebungen des Ausschusses zur Pflege heimatlicher Bauweise in Sachsen und Thüringen. Im Zusammenhänge mit den beiden Versammlungen veranstaltet die Denkmäler-Kommission der Provinz Sachsen mit Unterstützung des preussischen Staates und der thürin¬ gischen Staaten eine kunsthistorische Ausstellung von Werken der bildenden Kunst (namentlich Altarbilder und geschnitzte Altäre) und des Kunsthandwerkes des Mittel¬ alters und der Renaissance namentlich aus den sächsisch- thüringischen Landen, in den Nebenräumen des Erfurter 29. August 1903. Hans Pylipp, vollendet 1899, Baukosten 1250000 M.) bildet eine malerische Ergänzung des alten und des Essen- wein’schen Rathauses. Das neue Stadttheater mit Saalbau (Arch. Heinr. Seeling in Berlin) verspricht eine Bau¬ gruppe von grossartigem Eindruck zu werden. Die Kosten des in der Ausführung begriffenen Theaters allein sind auf 3 250 000 M. veranschlagt. Der Saalbau soll erst später zur Ausführung gelangen. Aus Strassburg interessiert hauptsächlich die protestantische Jung- St. Peterskirche, die durch Karl Schäfer mit einem Auf wände von 470000 M. in ausgezeichneter Weise wiederhergestellt wurde. Wies¬ baden sandte sein Theaterfoyer (Arch. Genzmer; Bau¬ kosten 584000 M.), die Höhere Mädchenschule von demsel¬ ben (Baukosten 715000 M.) und das Rathaus von Hauber- risser, 1890 vollendet (Baukosten 1240000 M.). Die neue Bautätigkeit von Worms erhielt ihr charakteristisches Ge¬ präge im wesentlichen durch Beispiele, die von Karl Hofmann herrühren. Aus der Gruppe B dieser Abteilung, Malerei und graphische Künste, wären es vorwiegend die ganzen Stadtansichten und die einzelnen Städtebilder, die unsere Aufmerksamkeit fesselten, wenn wir darauf näher ent¬ gehen könnten. Grössere Bedeutung hätte die Gruppe C, Bildnerei, wegen der zahlreichen Brunnen, Kaiser- und anderen Denkmäler, mit welchen die Städte ihre Plätze und Märkte seit Alters schmückten. Aber auch sie können wir nur streifen. Die Ueberfülle der Städte-Ausstellung zwingt zu Beschränkungen, die wir uns nur ungern auf¬ erlegen, zu denen wir aber durch die Verhältnisse- unseres Blattes leider gezwungen sind. — — H. — Domes, die grosses Interesse verspricht, da sie viele aus¬ gewählte Stücke enthalten wird, die bisher wenig oder garnicht bekannt waren. — Der VI. Verbandstag des deutsch- österreichisch- unga¬ rischen Verbandes für Binnenschiffahrt findet vom 9. — 12. Sept. d. J. in Mannheim statt. Aus den Verhandlungs- Gegenständen heben wir hervor: Bericht „über den gegen¬ wärtigen Stand der Bestrebungen zur Förderung der Fluss- und Kanalschiffahrt im deutschen Reiche“, desgl. „in Oester¬ reich“, „die Planfeststellung und Enteignung für die Wasser¬ strassen in Oesterreich“, „die Verbesserung der Schiffbar¬ keit der oberen Donau von Kelheim bis Ulm“, „die Ein¬ richtung der Grosschiffahrt auf dem Neckar“, und „die Verbindung von Rhein und Donau durch Württemberg“, „die Regulierung der oberösterreichischen Donaustrecke“, „der Pardubitz-Prerau-Krakauer Kanal“, „Industriehäfen mit besonderer Berücksichtigung der Anlagen am Rhein“ usw. Preisbewerbungen. Wettbewerb um den grossen Staatspreis auf dem Gebiete der Architektur. An diesem, vom Senat der kgl. preussi¬ schen Akademie der Künste mit Frist zum 20. Febr. 1904 ausgeschriebenen Wettbewerb können sich Preussen be¬ teiligen, die das 32. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Die Wahl des Gegenstandes ist frei. Konkurrenz¬ fähig sind alle Arten selbständig durchgeführter Entwürfe von grösseren Bauten, die ausgeführt oder für die Aus¬ führung entworfen sind, aus denen ein sicherer Schluss auf die künstlerische und praktische Befähigung des Bewer¬ bers gezogen werden kann. Perspektiven sind obliga¬ torisch. Der Preis besteht in einem Stipendium zu einer einjährigen Studienreise von 3000 M. und 300 M. Reise¬ entschädigung. Näheres durch das Büreau der kgl. Aka¬ demie der Künste in Berlin. — Zum Wettbewerb für eine Friedhof-Anlage der Stadt Lahr i. B., die wir in No 66 ankündigten, seien noch einige Angaben des Programmes nachgetragen. Gegenstand bil¬ det der Entwurf zu der gesamten Anlage, die auf einem terrassenförmigen Gelände mit Höhenunterschieden bis zu 44 m hergestellt werden soll. Verlangt werden: ein Lage¬ plan 1 :5oo mit Eintragung sämtlicher Baulichkeiten und der gärtnerischen Anlagen, die übrigen Grundrisse und Schnitte für die Leichenhalle 1 : 200 oder 1 : 100, desgl Ansichten derselben 1 : xoo, desgl. der Wärterwohnung (für Aufseher und Totengräber), eine perspektivische Skizze der Leichen¬ halle, die erforderlichen Zeichnungen für die Eingänge und Tore (Maasstab ?), eine Skizze für einen einfachen Brunnen in Stein, ein Erläuterungsbericht, eine annähernde Kostenberechnung der Hochbauten nach cbm umbauten Raumes. Die Zeichnungen können in Bleistift oder ein¬ facher Strichmanier hergestellt sein. Die ganze Friedhof- Anlage soll einfach aber würdig ausgebildet und mit reich¬ lichen Anpflanzungen versehen sein. Sie muss aufnehmen: 4000 gewöhnliche Gräber für Erwachsene, 700 Rabatten¬ gräber, 1700 Kindergräber und soll dabei noch genügenden Raum für die Anlage grösserer Familiengräber bieten. 447 Die Bausumme für die Leichenhalle soll 60000 M. nicht überschreiten. Guter roter Sandstein steht verhältnismässig billig zur Verfügung, seine Verwendung ist aber nicht Be¬ dingung, ebenso wird der Stil freigestellt. Es ist in Aus¬ sicht genommen, dem Verfasser des „angenommenen“ (?) Entwurfes die künstlerische Leitung für die baulichen An¬ lagen zu übertragen unter Mitwirkung des Stadtbauamtes für die Bauausführung. Hierdurch und durch die zuge¬ lassene einfache Art der zeichnerischen Darstellung wird ein gewisses Aequivalent für die sonst wohl zu knapp bemessenen Preise geboten. Die Aufgabe ist jedenfalls eine interessante. — Im Wettbewerb um Fassaden am Hauptmarkt in Trier, zu welchem nur in Trier ansässige Architekten zugelassen waren, sind unter 7 Entwürfen als die 3 besten Arbeiten die Entwürfe der Hrn. Arch. Schmitz & Wirtz, Reitz & Sievernich und Tillmanns, als gute, verwendbare Vorschläge die Entwürfe der Hrn. Arch. Bindernagel, Marx und Frinken anerkannt worden. — Im Wettbewerb für ein Doppelwohnhaus ln Friedberg des Bauvereins „Eigener Herd ist Goldes wert“ erhielten den I. Pr. Arch. Carlo Zimmer in Darmstadt, je einen II. Pr. die Arch. Fr. Pohl in Homburg v. d H. und G. Müller in Friedberg, den III. Pr. Stadtbmstr. Zipp in Friedberg. Zum Ankauf empfohlen wurden die Entwürfe der Arch. Ph. Kahm in Eltville a. Rh. und Th. Wieth in Herbornseelbach, sowie des Arch. Wilh. Wey n and in Mainz. — Personal-Nachrichten. Freussen. Die Erlaubnis zur Annahme und Anlegung der ihnen verlieh, nichtpreuss. Orden ist erteilt und zw.: dem Reg.- u. Brt. Bremer in Königsberg i. Pr. des Ritterkreuzes I. Kl. des grossherz. hess. Verdienstordens Philipps des Grossmütigen ; dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Riemann in Frankfurt a. M. des Ritter¬ kreuzes II. Kl. des herz, braunschweig. Hausordens Heinrichs des Löwen; dem Eisenb.-Bau-' u. Betr-Insp. Schmidt in St. Johann- Saarbrücken des fürstl. reuss. (j. L.) Ehrenkreuzes III. Kl. Dem Kr.-Baumstr. Massing in Trier und dem Ing. M Kl ause, Dir. der Firma A. Borsig in Berlin, ist der Char. als Brt verliehen. Der Wasser-Bauinsp. John in Loetzen ist nach Zölp versetzt. Der Eisenb.-Bau- u. Betr. Insp. Krolow in Kolberg ist mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. das. betraut. Versetzt sind: Der Eisenb.-Bau- und Betr.-Insp. Hamilton in Altona nach Neumünster als Vorst, der Bauabt. das. und der Reg.-Bmstr. F o e 1 1 n e r in Schreibendorf in den Bez. der kgl. Eisenb.-Dir in Halle a. S. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Scheel der kgl. Eisenb.-Dir. in Berlin, S c h 1 o 1 1 der Dir. in Kassel, Ernst der Dir. in Hannover, Hasse, bisher zum Reichsmar.-Amt beurl., der Dir. in Breslau und der grossherz. hess. Reg.-Bmstr. Möller der Dir. in Erfurt. Versetzt sind die Reg.-Bmstr. : Wentrup von Bochum nach Königsberg i. Pr. und K noetzelein von Berlin nach Brieg a. O. Dem Reg.-Bmstr. O. Keindorff in Berlin ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienste erteilt. Aus dem Staatsdienste ausgeschieden sind die Reg.-Bmstr.: S. Brune in Wilhelmshaven, E. Röhlke in Danzig infolge Er¬ nennung zum kais. Mar.-Hafenbmstr. und E. Kossmehl in Idstein infolge Ernennung zum Oberlehrer an d. kgl. Baugewerkschule das. Sachsen. Dem Ob. -Brt. Homilius in Dresden, dem Eisenb.- Dir. Rühle v. Lilienstern in Leipzig und den Brtn. Richter und Schneider in Altenburg ist die Erlaubnis zur Annahme u. zum Tragen der ihnen verlieh, herz. S.-Altenburg'schen Jubiläums- Medaille erteilt. Württemberg. Die neuerricht. Prof, für maschinentecbn. Fächer an der Baugewerkschule in Stuttgart ist dem Dr.-Ing. Ensslin das. übertragen. Der Eisenb.-Bauinsp., tit. Brt. Lambert in Ravensburg ist in den Ruhestand getreten. Der Eisenb.-Bauinsp. Brt. Harttmann in Heilbronn ist gestorben. Brief- und Fragekasten. Wir bitten wiederholt dringend, sämtliche für die Redaktion bestimmte Sendungen nicht an die persön¬ liche Adresse eines der Redakteure, sondern lediglich adressieren zu wollen: An die Redaktion der Deutschen Bauzeitung, Berlin S.W. 11, Königgrätzer Strasse 104. Hrn. Arch. F. P. in Opladen. Ohne Kenntnis des Vertrags- Wortlautes kann ein untrügliches Urteil nicht gewonnen werden, ob der Bauherr zum Rücktritt vom Verdingungs-Verträge berech¬ tigt war, weil der Zimmermeister sich Ihrer Bauleitung fernerhin nicht unterstellen wollte. Bei der üblichen Fassung derartiger Verträge fehlt gewöhnlich ein Rücktrittsrecht für den Fall von Streitigkeiten zwischen dem gedungenen Werkmeister und dem zur Bauleitung bestimmten Baukundigen. Das Uebergewicht der Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, dass der Bauherr die Werk¬ verdingung gebrochen hat und dem Ziramermeister ersatzpflichtig geworden sein wird. Trifft dies zu, so ist der Bauherr dem Zimmer¬ meister, den er an Fertigstellung seiner Leistung behindert hat, zum vollen Schaden ersatzpflichtig, während er selbst weder wegen Fertigstellungsverzug noch wegen der Mehrforderung dessen, wel¬ scher die fehlenden Leistungen verrichtete, einen Ersatzanspruch ? besitzt. Nur wenn ausnahmsweise der Werkvertrag die Verpflichtung des Zimmermeisters aussprach, sich Ihrer Bauleitung bedingungslos zu unterwerfen, würde die Weigerung des Zimmermeisters, dies fernerhin zu tun, als ein Verstoss gegen wesentliche Vertrags-Be¬ dingungen behandelt werden können, welcher dem Bauherrn den Anlass zum Rücktritt vom Vertrage geben konnte. Dann wird aber der Bauherr einen Schadenersatz- Anspruch an den Zimmermeister besitzen und ihm nur zur Zahlung der wirklichen Leistungen ver¬ pflichtet sein. Der Schaden des Bauherrn wird dann einerseits den Nachteil aus der verspäteten Vollendung des Bauwerkes, an¬ dererseits die Mehrkosten umfassen , welche durch die erhöhten Preise entstanden sind, welche der zum Ersatz angenommene Zimmermeister beansprucht hat. Er hat dann also dieserhalb ein Klagerecht. Ausgeschlossen ist jedoch ein solches aus dem Grunde, dass der Zimmermeister einen anderen dazu bestimmt haben sollte, die Ausführung der noch fehlenden Gebäude-Bestandteile abzulehnen, weil nicht ersichtlich ist, dass solches aus Chikane wider den Bau¬ herrn geschah, indem es vielmehr auf andere Gründe zurückgeführt werden könnte. Nach alledem gewinnt es den Anschein, als ob die Aussichten Ihres Bauherrn auf Gewinnen des Rechtsstreites recht schwach liegen. — - K. H-e. Hrn. E. C. in Belllngen. Der Begriff „Bauaufseher“ schliesst in sich, dass ein solcher Techniker so lange auf der Baustelle an¬ wesend zu sein hat, wie die Arbeitszeit dauert. Ist nichts weiter vereinbart, so gilt sein Gehalt jedenfalls für die ortsübliche Arbeits¬ zeit der Bauhandwerker, auch wird er bei monatlichem Gehalt, falls gelegentlich mal länger gearbeitet wird, aus seinem längeren Verbleiben auf der Baustelle wohl nicht gleich einen Anspruch auf Extravergütung herleiten können. Falls diese Fälle sich häufen, so ist es allerdings nicht mehr als recht und billig, dass die Verwal¬ tung ihn dafür besonders honoriert. — Hrn. R. in Messkirch i. B. Eine solche b es on dere Fach¬ schule ist uns nicht bekannt. Hier muss die praktische Ausbildung event. in Verbindung mit dem Besuche der Baugewerkschule (für Ihren Fall in Karlsruhe) eintreten. — Hrn. Arch. A. B. in Baden b. Wien. Fassaden in Putzbau finden sie namentlich in „Münchener Baukunst der Gegenwart“, München 1899. Im übrigen wird auch die „Architektonische Rund¬ schau“ und die „Berliner Architekturwelt“ manches bieten. Be¬ züglich Ihrer zweiten Frage können wir Ihnen keine Auskunft geben. Wenden Sie sich doch an das Büreau von Siemens & Halske in Wien. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zu der in No. 58 gestellten Anfrage, betreffend Entfernen des durch Koksgas verursachten Irisierens einzelner Ofenkacheln, wäre zu den bereits erfolgten vergeblichen Ver¬ suchen anzuführen, dass die rationelle Fortsetzung weiterer Ver¬ suche die vorherige Kenntnis der fraglichen Glasurstruktur bedingt, ohne welche es kaum oder nur zufällig gelingen dürfte, den un¬ schönen Farbenanflug neben gleichzeitiger Schonung der Kacheln zu entfernen. Zudem hindert die senkrechte Lage der glatten und wasserdichten Glasurschicht jede nennenswerte Einwirkung flüssi¬ ger oder konsistenter Chemikalien, weil die hierzu erforderliche Einwirkungsdauer in diesem Falle nur nach einzelnen Sekunden zählt. Es wäre daher zweckdienlich, je eine Kachel oder Gesims¬ stück beider Oefen auszulösen, und die mit der Glasurschicht wag¬ recht zu lagernden Flächen versuchsweise mit konzentrierten Al¬ kalilaugen oder gelösten ätzenden Alkalisalzen ausgiebig zu nässen. Wenn diese Mittel versagen sollten, was voraussichtlich nicht zu gewärtigen ist, wäre von Anwendung unterschiedlicher Mineral¬ säuren Umgang zu nehmen, weil dieselben zufolge der chemischen Zusammensetzung der Irisierungsschicht nur schaden können. Diese bindet sich dadurch an im Freien befindliche, alkalireiche Gläser und glasierte Steine, dass deren Alkaligehalt durch Einwirkung der umgebenden feuchten Luft oder Atmosphärilien ausgelaugt wird, wodurch eigenartige Farbenerscheinungen entstehen, welche den Sammelnamen erblinden und irisieren führen und bezüglich ihrer chemischen Zusammensetzung zumeist aus Kalciumsilikat bestehen. Ob nun fragliche Farbenerscheinung nur auf Kondensierung der durch Koksgas mittelbar produzierten Dunstmenge zurückzuführen ist, oder ob die vorwiegend aus Kalciumsilicat bestehende Irisie¬ rungsschicht auch durch Kohlen- und Schwefeldioxyd beeinflusst ist, darüber kann nur chemische Analyse Aufschluss erteilen. Voraussichtlich werden einzelne Kachelteile nach Entfernung der unschönen Farbenspiele grell hervortretende Flecken und Glasurdefekte aufweisen, so dass es angezeigt erscheint, im allge¬ meinen von chemischer Reinigung abzusehen. Falls die Oefen in je einer Zimmerecke stehen, ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die den Wänden zugekehrten Kachelflächen intakt sind, in welchem Falle dem Uebel durch Umsetzen der betr. Kachelreihen leicht abgeholfen werden kann. Indem beide Oefen laut Angabe in Prima-Qualität geliefert wurden , muss dieser Angabe entgegengehalten werden, dass erst¬ klassiges meissener Fabrikat keine alkalireiche, leichtflüssige und sehr leicht zu beeinflussende Glasur aufweisen darf, und wenn dies doch zutrifft, so ist im vorliegenden Falle entweder eine bewusste Unregelmässigkeit unterlaufen, oder aber das Fabrikat ist entspre¬ chend der bezahlten Qualität minderwertig, in welchem Falle der Fabrikant oder Lieferant zur Ersetzung der Kosten herangezogen werden kann. — - B. Haas, Architekt in München. Inhalt: Die neuen Strassenbriicken in Freiburg im Breisgau (Fort¬ setzung). — Zur XXXII. Abgeordneten-Versammlung des Verbandes deut¬ scher Arch.- und Ing.-Vereine in Dresden. — Die deutsche Städteausstelluog in Dresden. II. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nach¬ richten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die Friedrichs-Brücke in Freiburg i. Br. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Ei seien, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. 448 No 69. IH1HBBBHBHBB1BHHHBB1BHHHBBHHHHI 11 fl MM DEUTSCHE BAUZEITUNG 11 ■■ mm fl XXXVII. JAHRG. NR 70. BERLIN, DEN 2. SEPT. 1903 m MM H BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB 11 Abbildg. i. Die Solisbrücke über die Albulaschlucht. Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. (Mit photographischen Aufnahmen von A. Reinhardt in Chur.) m x. Juli d. J. ist die 62,8 km lange, ein- gleisigeEisenbahnlinie vonThusis amHinter- Rhein nach St. Moritz im Ober-Engadin bis zur Station Celerina, 2,6 km von St. Moritz entfernt, dem Verkehr übergeben worden. Das letzte Stückchen, welches das internationale Bad St. Moritz an das europäische Eisenbahnnetz anschliesst, hat nur deshalb noch nicht in Betrieb genommen wer¬ den können, weil über die Lage des Bahnhofes an diesem Orte eine Einigung nicht rechtzeitig genug er¬ zielt wurde. Die Eröffnung des Reststückes ist für den 1. Juli 1904 vorgesehen. Mit der Fertigstellung dieser Bahn, die vorwiegend der Erleichterung des Fremdenverkehres dienen wird, ist ein langgehegter Wunsch des Kantons Graubünden erfüllt, die Herstellung einer besseren Verbindung mit dem von der Schweiz her nur schwer zugänglichen Engadintale, das von Oesterreich und Italien her weit leichter zu erreichen war, als auf dem langen und be¬ schwerlichen Wege über den Albulapass und daher mit den Nachbarländern fast in lebhafteren Beziehungen stand als mit dem eigenen Mutterlande. Die neue Linie stellt nun eine bequeme Verbindung her über Chur nach Zürich und dem Bodensee und damit einen unmittelbaren Anschluss an die Eisenbahnlinie des grossen Durchgangs-Verkehres. Für die Strecke von Chur nach St. Moritz ist für den Sommer ein Verkehr von täglich 6 Zügen in jeder Richtung in Aussicht genommen, die diesen Weg in etwa 3V2— 4 Stunden zurücklegen, zu dem man bisher eine Tagereise brauchte. DieFahrpreise sind dabei auf 22,5 Fr. in der I., 15 Fr. in der II. Kl. (36 bezw. 24 Fr. bei Rückfahrt) bemessen. Die neue Eisenbahnlinie bildet einen Teil des Rhätischen Schmalspur-Bahnnetzes, dessen erste Linie anschliesst an die Hauptbahn Zürich-Chur bei Land¬ quart, von dort im Tale des Landquart-Flusses nach Davos-Platz und weiterhin nach Davos geführt ist und im Jahre 1890 dem Verkehr übergeben wurde. Hieran schloss sich der Bau der Linie Landquart- Chur und Chur-Thusis, welche letztere im Frühjahr 1898 in Be¬ trieb genommen werden konnte. Die günstigen Be¬ triebs-Ergebnisse der Linie nach Davos und die hohen Kosten und Ausführungs-Schwierigkeiten, welche der Anlage einer normalspurigen Bahn entgegenstanden, gaben Veranlassung, auch für die übrigen Linien der Rhätischen Eisenbahn die Spur von 1 m zu wählen. Die Fortsetzung der Linie Chur-Thusis bis St. Moritz auf 62,8 km Länge und eine weitere Zweiglinie, die von Reichenau am Vereinigungspunkt des Vorder- und Hinter-Rheins auf 19,4 km Länge im Tale des ersteren bis Ilanz zu führen war (eröffnet 1. Juni 1903), wur¬ den gesichert durch Bundesbeschluss vom 20. Juni 1898, nach welchem eine Beihilfe von 8 Mill. Fr. (Aktien II. Ranges) für den Bau der beiden Bahnen bewilligt wurde. Den Rest der auf 26 Mill. Fr. ver¬ anschlagten Bausumme, die sich durch besondere Aus¬ führungs-Schwierigkeiten schliesslich jedoch auf 29,2 Mill. Fr. steigerte, wurde durch den Kanton von Grau¬ bünden und die beteiligten Gemeinden aufgebracht. Für beide Linien sind die generellen Entwürfe von Obering. Moser aufgestellt, während die Aufstellung der speziellen Entwürfe und die Ausführung unter Lei¬ tung des Ober -Ingenieurs der Rhätischen Bahnen Hennings erfolgte, der hier seine beim Bau der St. 449 Gotthard-Bahn gesammelten Erfahrungen verwerten konnte. Der Liebenswürdigkeit des letzteren verdanken wir auch die Materialien für die nachstehenden Ausfüh¬ rungen, die sich auf die Albulabahn als die technisch und wirtschaftlich bedeutsamere beschränken sollen, trotz¬ dem die Linie Reichenau-llanz keineswegs ohne techni- scheslnteresse ist. Die Hauptschwierigkeiten liegen dort darin, dass der Bahnkörper, um dem unsicheren Unter¬ gründe loser Geröllhalden zu entgehen, auf längere Strecken dem Rheinbett abgewonnen werden musste, wodurch ausgedehnte Uferbauten erforderlich wurden, die zu den Kosten der Bahnanlage ganz erheblich bei¬ tragen. Die Steigung der Bahn beträgt nur io%0 und es war mit Ausnahme von 3 Stellen, die mit Tunneln von zusammen 787 m Länge unterfahren werden muss¬ ten, möglich, die Linie durchweg offen zu führen. Wesentlich anders liegen die Verhältnisse bei der Albulabahn, die auf etwa 47,5 km Länge einen Höhen¬ unterschied von 1 122,90 m zu überwinden hat, wozu Steigungen von 25 "/00 im Anfang und 35°/00 auf der späteren Strecke erforderlich sind. Von 4 700,50 m N N. bei Thusis bis -f 1823,40 m N. N. am höchsten Punkte des 5866 m langen Albulatunnels, mit welchem sie den Piz Giumels unterfährt, erhebt sich die Bahn und ist damit die höchst gelegene Adhäsionsbahn, die bisher in Europa für Winterbetrieb ausgeführt ist. Ausser dem Haupttunnel sind 40 kleinere mit zus. rd. 10 km Länge erforderlich geworden, sodass also rd. 25 % der ganzen Länge im Tunnel liegen, während die Täler und Schluchten mit zahlreichen Viadukten von zusammen 2,7 km Länge überschritten werden. Von den Tunneln sind mehrere zur Gewinnung grösserer Entwicklungs¬ längen als Kehrtunnel ausgeführt, kurz die Schwierig¬ keiten des Baues sind derartige, dass die Albulabahn in dieser Beziehung der Gotthardbahn, mit der sie sich an Bedeutung für den Verkehr naturgemäss nicht messen kann, an die Seite gestellt werden darf, während sie diese inbezug auf die von ihr erschlossenen Natur¬ schönheiten wohl noch übertrifft. In die zumeist wild¬ romantische, stellenweise düstere Gebirgsnatur bringt die Bahnlinie, ebenso wie die schöne Poststrasse über den Albulapass, die nun bald demselben Schicksal der Verödung verfallen wird, wie vor ihr die Gotthardstrasse und nach ihr die Simplonstrasse, keinen Missklang, viel¬ mehr ein interessantes neues Motiv. Es ist das nament¬ lich dem Umstande zu verdanken, dass die kühnen Bau¬ werke, hergestellt in schlichten, wuchtigen Formen aus dem zumeist an Ort und Stelle gebrochenen Gesteine, sich trefflich in ihre Umgebung einpassen, wie das Beispiel der Solisbrücke (Abbildg. 1), die bei Station Solis in kühnem Bogen die Albulaschlucht überspannt und gewissermaassen als das Wahrzeichen der Albula¬ bahn betrachtet werden kann, zeigt. Nur eine einzige Eisenbrücke, mit der dicht hinter Thusis der Hinter¬ rhein überschritten wird, ist auf der ganzen Strecke zu verzeichnen, während die Linie Reichenau-llanz, die mehrfach gezwungen ist, das breite Bett des Vorder¬ rheins zu kreuzen, deren allerdings mehrere besitzt. Nachstehend sei das neueste Werk schweizerischer Ingenieurkunst in seinen Hauptzügen wiedergegeben. _ (Festsetzung folgt.) Die neuen Slrassenbrücken in Freiburg im Breisgau. (Schluss.) kreuzen. Die Fahrbahnen der Brücken sind sämtlich mit Steinpflaster auf Betonunterlage mit Asphaltverguss versehen, und zwar mit Natursteinen von etwa 10 bis 11 cm Höhe, auf der Schwabentor- Brücke (Quarzit- Sandsteine), Kaiser-Brücke (Granit), Fabrikstrassen- Brücke (Quarzit -Sandsteine), und mit Mansfelder Schlackensteinen von 9 cm Höhe auf der Friedrichs- Brücke. Zur Verwendung von Holzpflaster, wie es ja neuerdings für Brücken mit Vorliebe angewendet wird, hat sich Frei bürg nicht entschliessen wollen, weil dieses Pflaster eine besonders sachkundige Unterhaltung er¬ fordert, für welche in einer Mittelstadt wie Freiburg das darauf geübte Personal fehlt. Freiburg besitzt bisher überhaupt noch kein Holzpflaster. Für die Gehwege der Brücken sind, wie für die Stege, meistens eisenarmierte Betonplatten hergestellt, auf denen in 3 Fällen das in Freiburg beliebte und sehr dauerhafte Rheinkiesel -Pflaster in Zement versetzt, in 2 Fällen Asphalt und bei dem sechsten Bauwerk eine Zement¬ mörteldecke aufgebracht wurde. Bei sämtlichen Brücken und Stegen, mit Ausnahme der im staatlichen Aufträge geplanten Kaiser-Brücke, verlaufen die oberen Gurtungen mit Rücksicht auf besseres Aussehen trotz Vermehrung der Kosten in leicht geschwungenen, stetig gekrümmten Linien. Abbildg. 10, S. 445, welche einen Teil des Längs- 1 2 3 4- 5 0 7 ö 9 IO Brücke Trägerart Lichtweite, g Fluss- richtune 3 Stützweite Breite der Brücke m Zahl der Hauptträger Höhe der Hauptträger in Brückenmitte zwischen den Gurtplatten gemessen Verhältnis zwischen Höhe und Stützweite der Haupttt äger Pfeilmaass des Bogens Gewicht der Eisen¬ konstruktion ohne Geländer t I Schwabentor-Brücke . einfache Blechträger 25,4 27,10 2X3+8=14 8 Gehbahn: 1,10 Fahrbahn: i 50 1 : 24,6 1 : 18,1 - 196,5 2 Kaiser-Brücke . vollwandige Blechbogen mit Kämpfergelenken u. ausgesteiften Zwickeln 34.0 35, e° 2X3,50+9= 16 6 0,60 1 : 59,3 2,65 (1:13-5' 229,7 3 Luisensteg . Fachwerksbogen mit Kämpfergelenken 34.0 35,0 3,° 2 0,65 1 : 53,9 2,60 (1 : 13,1) 36,8 4 Mariensteg . desgleichen 34,o 35,0 3,0 2 0,65 1 : 33,9 2,60 fl : 13,1' 35.4 5 Fabrikstrassen - Brücke einfaches Streben- Fachwerk 32,8 34,47 Konstruktions¬ breite 11,90; Nutzbreite 2X2,2 +5,1 =9.5 2 2,45 1 : 14,1 - 219,5 6 Friedrichs-Brücke . . . vollwandiger Blechbogen mit Kämpfergelenken u parallelen Gurtungen 34,o 34,90 2X3, 5 + 9, 5= i6,5 9 Gehbahn . o,6o Fahrbahn: 0,70 1 : 56,8 1 : 49,9 2,74 (1 : 12) 301,2 s sei uns vergönnt, noch auf einige technische Einzelheiten einzugehen. Die für gewöhnlich so bescheidene Dreisam, in der man monate¬ lang nur Spuren von Wasser sieht, zeigt an der Grobheit des abgelagerten Geschiebes, dass sie zu Zeiten ein reissendes Wildwasser ist, das mit Geschwindigkeiten von sekundlich 5“ und mehr dahintost. Ist auch die Sohle durch Schwellen in i5m Abstand von einander gesichert, so sind doch Ver¬ tiefungen der Sohle nicht ausgeschlossen, und es sind deshalb die Widerlager, obgleich der gute Baugrund im allgemeinen unmittelbar zutage liegt, bis auf 1,2 m unter Flussohle hinabgeführt und mit eingerammten Pfahlwänden umgeben, die bis 3,2“ unter die Flussohle reichen. In dem groben Flussgeschiebe haben sich nur kräftig beschuhte, eichene Rundpfähle von 25 bis 30 cm Stärke rammen lassen. Abbildg. 10 auf S. 445 zeigt auch einen Schnitt durch die Widerlager der Friedrichs-Brücke, wie er ähnlich auch für die vom Tiefbauamt ausgeführten Stegbauten Verwendung fand. Die Widerlager sind aus Beton unter Verwendung des an Ort und Stelle gewonnenen Kieses hergestellt. Die Widerlager der sechs Bauwerke sind sämtlich parallel zur Flussrichtung gestellt, die Eisenkonstruktionen da¬ her zumeist schief, entsprechend den Winkeln, unter welchen die zu überführenden Strassen den Flusslauf 45o No. 70. Schnittes der Friedrichs-Brücke wiedergibt, lässt auch die Ausbildung der konzentrierten Stösse der Gurtun¬ gen erkennen, wie solche bei allen sechs Bauwerken zur Ausführung gelangt sind. Die Hauptträger sind jeweils in drei Stücken fertig angeliefert worden, da¬ mit die Zeit für die Montage auf der Baustelle mög¬ lichst kurz gehalten werden konnte, was durch den Umstand bedingt war, dass mit den Bauten jeweils erst im April, nach Abgang des Frühjahrs-Hochwassers begonnen werden durfte, während schon im November der Flusslauf frei von allen Einbauten sein sollte. Von Interesse dürfte die vorstehende Zusammen¬ stellung der Abmessungen und Gewichte für die mit beschränkter Konstruktionshöhe ausgeführten Brücken¬ bauten sein. Durch die Ausführung der sechs Brückenbauwerke an der Dreisam ist der Reiz dieser Stadtgegend wesent¬ lich erhöht, so dass der Fremde mit Interesse einen Gang durch die Dreisam- Anlagen unternehmen wird, wo er auf 750 m Länge fünf von den sechs Bauwerken in das Grün der Anlagen eingebettet antrifft und sein Auge erfreuen kann an der mittelalterlich anmuten¬ den Schwabentor - Brücke, der standbildgekrönten Kaiser-Brücke, an den elegant geschwungenen leichten Stegen und an der Friedrichs-Brücke mit ihrem eigen¬ artigen Rankenwerk 1 Zusammen mit der umfassenden Sicherung der Flussufer, die durch umfangreiche Felsenpflasterungen nach dem Hochwasser 1896 durchgeführt ist, sind hier Verhältnisse geschaffen, die eine Wiederholung von Ereignissen ausgeschlossen erscheinen lassen, welche jenes Hochwasser mit sich brachte, das Brücken zerstörte, Ufer und Strassen zerriss und durch den Tod zweier bei dem Zusammensturz der Schwabentor- Brücke in Ausübung ihrer Dienstpflicht verunglückten höheren Beamten ein dauerndes und trauriges An¬ denken in Freiburg i. Br. hinterlassen hat. — M. Buhle. Vorlesungen über Statik der Baukonstruktionen und Festigkeitslehre.*) Von G. Ch. Mehrtens, Geheimer Hofrat und Professor an der Technischen Hochschule in Dresden. er Verfasser beabsichtigt, seine Vorträge über Statik der Baukonstruktionen und Festigkeitslehre in drei Bänden zu veröffentlichen, von denen der erste, jetzt vorliegende Band die „Einführung in die Grund¬ lagen“ enthält, während der zweite Band die „Berechnung der Vollwandtragwerke sowie auch der Fachwerke“ und der dritte Band „besondere Systeme, Konstruktions-Ein¬ zelheiten, Nebenspannungen und dynamische Einflüsse“ bringen soll. Das Werk weicht in seiner Gesamt-Anord¬ nung wesentlich von anderen Werken, die den gleichen Gegenstand behandeln, ab. Die vom Verfasser gewählte eigenartige Behandlungsweise ist nur zum kleinsten Teil durch den Umstand bedingt, dass die Statik der Baukon¬ struktionen zusammen mit der Festigkeitslehre gebracht wird; die Anordnung ist vielmehr dadurch eine so eigen¬ artige geworden, dass der Verfasser den gesamten von ihm zu behandelnden Stoff ohne Rücksicht auf Herkömm¬ liches in solcher Weise gegliedert hat, wie es der heutige Stand des Faches empfehlenswert erscheinen liess. Viele Aufgaben des behandelten Gebietes, die früher zu den schwierigsten gezählt und demnach herkömmlicher Weise erst in späteren Abschnitten behandelt wurden, sind jetzt so weit geklärt und die Lösungen derselben so vereinfacht, dass in der Tat kein Grund mehr vorliegt, diese nicht gleich zu Anfang mit in den Kreis der Betrachtungen zu ziehen und dadurch von vorn herein dem Hörer oder dem Leser eine allgemeinere, weitere Auffassung der Aufgaben zu vermitteln. In weicher Weise der Verfasser vorgeht, lässt sich am einfachsten durch eine kurze Wieder¬ gabe des Inhaltes seines Werkes zeigen. In dem ersten Abschnitt „Das Wesen der Konstruktion“ werden zunächst die Eigenschaften der Baustoffe, die Begriffe der Elasti¬ zitätsgrenze, Proportionalitätsgrenze und Streckgrenze, so¬ wie aufgrund der Wühlerischen und Bausehinger’schen Versuche die Einflüsse des Spamrangs- und Belastungs¬ wechsels erörtert. Dann geht der Verfasser auf die zu¬ lässige Beanspruchung ein und zeigt wie diese, je nach¬ dem ruhende oder bewegte Lasten auf die Konstruktion einwirken, verschieden zu bemessen ist. Es werden nun die Konstruktions-Systeme als vollwandige und gegliederte, als ebene und räumliche erläutert. Die Verbindungen der Glieder als starre oder Gelenkverbindungen und die Be¬ dingungen der Stützung werden besprochen und es wird gezeigt, wie diese Verbindungen grundsätzlich konstruktiv ausgebildet werden müssen, um angenähert den theore¬ tischen Annahmen zu entsprechen. Der Verfasser geht dann zu Gebilden von Stäben und Scheiben und zu Raum¬ fachwerken über, zeigt, unter welchen Bedingungen diese Gebilde starr sind, bei welcher Gestaltung sie eine endliche oder unendlich kleine Beweglichkeit zulassen oder über¬ zählige Stäbe besitzen und erörtert den Begriff der statisch bestimmten und statisch unbestimmten Fachwerke. Für die verschiedenen Gebilde werden Beispiele gegeben, wie solche im Bauwesen Vorkommen. Am Schlosse dieses Abschnittes bringt der Verfasser einen geschichtlichen Rückblick und gibt hierbei den für viele Aufgaben der Statik so ungemein wichtigen Satz der virtuellen Ver¬ schiebungen. Der zweite Abschnitt „Aeussere Kräfte“ behandelt die Zusammensetzung und das Zerlegen von Kräften, die Er- #) Verlag von W. Engelm&mi in Leipzig» I. Band. Einführung in die Grundlagen. Pr. sd M., geb. 21 M. mittelung der statischen Momente und der Querkräfte, so¬ wie die Beziehungen zwischen den Momenten und Quer¬ kräften ebener Träger, und zwar werden für alle diese Aufgaben sowohl die rechnerischen wie die zeichnerischen Lösungen gebracht. Im dritten Abschnitte „Innere Kräfte der Stabwerke“ werden zunächst die Stabspannungen statisch bestimmter, starrer Stabwerke bei gegebener Belastung nach den Me¬ thoden von Ritter, Culmann und mit Hilfe Cremona’scher Kräftepläne ermittelt; es werden dann Gebilde, die aus Stäben und Scheiben zusammengesetzt sind und bei denen sich die vorgenannten Methoden nicht ohne weiteres an¬ wenden lassen, behandelt. Für diese Gebilde und Raum¬ fachwerke wird die Ermittelung der Stabkräfte mit Hilfe des Henneberg’schen Tauschverfahrens gezeigt. Auf Raum¬ fachwerke wird auch die Ritter’sche Methode angewendet, indem statt der Drehpunkte Drehachsen gesucht werden, die durch sämtliche geschnittenen Stäbe mit Ausnahme des zu berechnenden Stabes hindurchgehen. Des weiteren behandelt der Verfasser Verschiebungspläne nach Williot, sowie aufgrund des Satzes vom augenblicklichen Dreh¬ punkt, und untersucht mit Hilfe derselben Stabgebilde auf ihre Starrheit. Zum Schlüsse dieses Abschnittes wird die Berechnung von Raumfachwerken unter Anwendung des Satzes der virtuellen Verschiebungen erläutert. Der vierte Abschnitt behandelt die „Spannungen in geraden Stäben“. Es werden zunächst die Flächenmomente ebener Querschnitte behandelt und werden dann die einfachen Belastungsfälle Zug und Druck, Schub und Verdrehung, sowie Biegungs-Beanspruchung durchgenommen. Schliess¬ lich wird noch die Biegung unter Annahme veränderlicher Elastizitätszahlen, sowie in Konstruktionen mit elastisch ungleich widerstehenden Querschnittszonen (Beton Kon¬ struktionen mit Eiseneinlagen) untersucht. Aus dieser kurzen Inhaltsangabe ist ersichtlich, dass der Verfasser die Erörterung von Stabwerken derjenigen von vollwandigen Systemen voran stellt und die Stabweike sofort möglichst allgemein behandelt, indem er die Be¬ trachtungen zugleich auf Raumfachwerke ausdehnt. Als ich das Inhaltsverzeichnis durchsah, hatte ich gewisse Be¬ denken, ob es empfehlenswert sei, schon bei der Ein¬ führung in die Grundlagen des behandelnden Gebietes die Fachwerke in dieser Allgemeinheit zu erörtern. Beim Lesen des Buches sind mir diese Bedenken aber ge¬ schwunden. Die heute zur Verfügung stehenden Be¬ handlungsweisen und Lösungen sind so einfach nnd durch¬ sichtig, dass bei klarer Darstellung gerade diese, früher als schwierig erachteteten Aufgaben sich sehr gut zu An¬ fang mit erörtern lassen. Allerdings ist, wie gesagt, eine klare einfache Darstellung hierzu die Vorbedingung, und in dieser Beziehung ist das Mehrtens’sche Werk vortreff¬ lich. Der Verfasser sagt in der Vorrede, dass er in seiner Arbeit theoretisch nur wenig Neues bieten könne, da er während des grösseren Teiles seiner fachmännischen Laufbahn als ausführender Ingenieur tätig gewesen sei und zu theoretischen Arbeiten keine Zeit gefunden habe. Abgesehen davon, dass eine eigenartige, zusammenhän¬ gende Darstellung eines grösseren theoretischen Gebietes immer eine sehr dankenswerte Arbeit ist, hat doch auch gerade diese langjährige praktische Tätigkeit des Verfassers einen guten Einfluss auf das Werk geübt; mit sicherer Hand scheidet der Verfasser das dem Ingenieur Nötige von theo¬ retischen Erörterungen, die mehr akademischen Wert haben. 2. September 1903. 45i Das Buch wird nicht nur als Lehrbuch für Studierende Aufgaben der Statik, die sich in technischen Zeitschriften technischer Hochschulen dienen, sondern auch den im zerstreut vorfinden, werden hier in einheitlicher, geklärter praktischen Leben stehenden Ingenieuren viel Wertvolles Form geboten. Das Erscheinen eines solchen Werkes ist bieten. Neuere Behandlungsweisen und Lösungen von aufs wärmste zu begrüssen. — R. Krohn. Vermischtes. Als billiges und gefahrloses Beleuchtungsmittel für kleinere Städte und einzeln liegende Häuser und Betriebe empfiehlt Hr. Ing. O. Klahr e in Fürth i.B. das Aerogengas Und zur Erzeugung desselben die Aerogengas -Apparate D. R.-P. No. 103 512 und 109 300. Diese erzeugen auf automatische Weise eine Abart des Luftgases, das Aerogen¬ gas, welches als die billigste der bisher bekannten künst¬ lichen Beleuchtungen bezeichnet wird. Das Gas ist un¬ gefährlich, denn es ist nicht giftig und nur in engen Gren¬ zen und sehr schwer mit Luft zu mischen, es darf des¬ halb als nicht explosiv bezeichnet werden. Die Aerogengas- Apparate sind nicht konzessionspflichtig, bedürfen daher keiner besonderen polizeilichen Genehmigung und können da, wo es sich um lokale Beleuchtung von Fabriken, Villen, Hotels, Restaurants usw. handelt, in Wohnhäusern Auf¬ stellung finden. Ausser einer Reihe von französischen und holländischen Städten haben die Gemeinden Ründeroth, Reg.-Bez. Köln a. Rh., seit 1900 und Telgte bei Münster i. W. seit 1901 Aerogengas-Zentralen. 1902 wurden erbaut: die Aerogengas-Anlagen zu Rahden i. W., Kelheim i. B., Ringe i. Dänemark, Balk i. Friesland, Wassenaar i. Holland. Eine grössere Anzahl von Städte-Anlagen, darunter drei für Holland, eine für Gross-Tabarz i. Th. usw., sind im Bau begriffen. Die neue grosse Pflege-Anstalt Herrn- protsch der Stadt Breslau ist seit Mitte vorigen Jahres durch Aerogengas beleuchtet, ebenso einige Bahnhöfe, darunter Satzkorn, woselbst das Gas auch zum Kochen und zum Betriebe der Wasserstation benutzt wird. Das glänzende, strahlend weisse Licht ist beliebt. Das Aerogen¬ gas kann das Steinkohlengas ersetzen, denn es liefert Licht, Heizung und Kraft. Es werden, wie beim Auerlicht, Brenner mit Glühstrümpfen und Zylindern verwendet. Der Preis der Beleuchtung stellt sich nach obiger Quelle für 1000 Brennstunden mittleren Jahresverbrauches bei einer Lichtstärke von 40—50 Hefnerkerzen, bei Selbster¬ zeugung des Gases, sowie Verzinsung und Tilgung der Anlagekosten wie folgt: Aerogengas 8—12 M. Petroleum 19—21 M., Acetylen 2t bis 30 M. Der Verkaufspreis in den Städten stellt sich dagegen für Steinkohlengas auf 14—22 M., für Aerogengas auf 18—21 M. und für elektrisches Glüh¬ licht auf 58 bis 115 M. für die gleiche Lichtmenge. — Die Zahl der Promotionen zum Doktor- Ingenieur an den deutschen technischen Hochschulen beläuft sich nach einer Zusammenstellung des Reichsanzeigers (abgesehen von den Ehrendoktoren) bisher auf 25, von denen 13 auf Berlin, 5 auf Dresden, 5 auf Hannover und 2 auf Aachen entfallen. Der Fachrichtung nach waren darunter: 6 tech¬ nische Chemiker, 5 Maschinen- Ingenieure, 4 Hütten-Inge- nieure, 3 Architekten, 2 Elektrotechniker, 2 Chemiker, je 1 Elektrochemiker, 1 Schiffbauer und 1 Bauingenieur; der Landesangehörigkeit nach: 20 Reichsdeutsche, 2 Ame¬ rikaner, je 1 Norweger, Oesterreicher und Rumäne. — Zu unserem Artikel über das neue Rathaus in Dessau in No. 59 und 60 erhalten wir von den Architekten nach¬ träglich folgende Richtigstellungen: Der in der Bildbeilage und im Grundriss S. 378 als Stadtverordneten-Sitzungssaal bezeichnete Raum ist für die Gemeinderats-Sitzungen be¬ stimmt; die Stadtverordneten tagen in einem anderen Gebäude. Die dekorativen Malereien dieses Saales, des Vorsaales und Ratskellers sind nicht von der Firma Korn & Küchel (nicht Kachel) in Dessau, sondern von Marno Kellner in Charlottenburg ausgeführt, während die vor¬ genannte Firma die Malereien des Haupteinganges, der grossen Vorhallen und der Treppenhäuser nach Ent¬ würfen von Witt ig unter „Oberleitung von Kellner her¬ gestellt hat. — Die Abend-Ausstellungen Im Kunstgewerbe-Museum in Berlin werden vom 1. Sept. d. J. ab wieder im Lichthof des Museums bei elektrischer Beleuchtung in den Stun¬ den von 7,30—9,30 Uhr täglich, ausgenommen Sonntag und Montag, stattfinden. Eröffnet werden diese Ausstellungen mit der Vorführung der vom Kunstgewerbe-Museum im Laufe der Jahre herausgegebenen Abbildungswerke usw. Preisbewerbungen. Einen internationalen Wettbewerb zur Gewinnung von Plänen für das Madrider Kasino schreibt die Kasino-Ge¬ sellschaft in Madrid mit Frist zum 15. Dez. d. J. aus. Die Bausumme des auf einem nahezu rechteckigen, zwischen zwei Strassen liegenden, an den Seiten eingebauten Grund¬ stück von 32 m mittlerer Breite und 73“ mittlerer Tiefe zu errichtenden Gebäudes, soll möglichst 2 Mill. Pesetas (1,6 Mill. M.) nicht überschreiten. Ausgesetzt sind 3 Preise von 20000, 10000 und 5000 Pesetas (zus. also 28 000 M.). DieEnt- würfe gehen dafür in das Eigentum der Gesellschaft über. Falls der I. Preis einem Spanier zufällt, so soll ihm gegen eine weitere Entschädigung von 15000 Pes. die Leitung der Ausführung übertragen werden, ist es ein Ausländer, so soll ihm eine weitere Entschädigung von 7500 Pes. dafür bewilligt werden, dass die Leitung der Ausführung einem spanischen Architekten übertragen wird. Das Preis¬ gericht ist nicht genannt. Es besteht aus der Direktion und den von ihr zu wählenden Personen. Die Arbeiten sollen spätestens 3 Monate nach Eingang beurteilt und 14 Tage ausgestellt werden. Den Preisen entsprechend ist eine beträchtliche Ar¬ beitsleistung verlangt. An Zeichnungen werden die beiden monumental aber bezüglich Skulpturen und sonstiger schwieriger Steinmetzarbeit (mit Rücksicht auf deren hohen Preis) einfach zu haltenden Fassaden, sowie die er¬ forderlichen Grundrisse und Schnitte (ohne Angabe des Maasstabes) und die Einzelheiten schwierigerer und neuer Konstruktionen gefordert. Verlangt werden ferner Er¬ läuterungsbericht, Bedingnisheft und Kostenanschlag. Die Schriftstücke können in spanischer, französischer, engli¬ scher und italienischer Sprache eingereicht werden. Das Programm gibt genaue Angaben über die Anzahl und Höhe der Stockwerke, überhaupt über den Raum¬ bedarf. Unter den grösseren Räumen nimmt ein Festsaal von 24 m Länge zu 12 m Breite zu 8m Höhe die erste Stelle ein. Die zu beachtenden baupolizeilichen Vorschrif¬ ten sind in dem Programm abgedruckt, das durch die spanischen Konsulate bezogen werden kann. Zweck¬ mässiger Weise ist es in englischer und französischer Sprache ausgegeben. — In dem Wettbewerb betr. eine Häusergruppe für den Beamten-Wohnungsverein InDortmund (s. Seite 332), welcher auf die Mitglieder des Vereins der Architekten und Bau¬ ingenieure zu Dortmund beschränkt war, erhielten den I. Preis Hr. Arch. Marx, den II. Preis die Hrn. Arch. Düchting & Jänisch, den III. Preis Hr. Arch. Grabo. — Wettbewerb des Spar- und Bauvereins in Posen um ein Arbeiter- Wohnhaus (s. No. 48). Unter 41 eingegangenen Entwürfen erhielt den I. Preis von 500 M. Hr. Arch. Aug. Rae der in Posen. Den Entwürfen der Hrn. Arch. Otto Meister und Hans Lichtwald in Posen wurde je ein III. Pr. von 250 M. zuerkannt. — Brief- und Fragekasten. Hrn. Bez.-Bmstr. J. ln Weimar. Ein Werk, das Neubauten im Stile der malerischen mittelalterlichen Befestigungswerke ent¬ hielte, ist uns nicht bekannt. Vorwürfe dieser Art würde Ihnen vielleicht Viollet le Duc, Dictionnaire raisonne de l’architecture frangaise, bieten. — _ _ Inhalt: Die Albula Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. — Die neuen Strassenbriicken in Freibarg im Breisgau (Schluss). — Vor¬ lesungen über Statik der Baukonstruktionen und Festigkeitslehre — Ver¬ mischtes. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. — Verband deutscher Architekten- und Ingenieur -Vereine. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine. Dresden, den 31. August 1903. Die in Dresden tagende Abgeordneten-Versammlung hat am heutigen 1 age anstelle des satzungs- gemäss am 1. Januar 1904 ausscheidenden Vorsitzenden das bisherige Vorstands-Mitglied Baurat L. Neher in Frankfurt a. M. zum Verbands-Vorsitzenden für die Jahre 1904 und 1905 gewählt. Als neues Mitglied tritt in den Vor¬ stand Dir. Ad. Haag in Berlin. Der Verbands-Vorstand: Waldow, Vorsitzender. F. Eiselen, Geschäftsführer. 45a No. 70. 2 2 ^ w N U h — < co cc r; O £ 2 N h 2 w x hrl < gm c ec 2 W co ^ Tn P D 2 ol 2 d cc 2 < H co m m 2 < co Q Q m p tx z D X o w cc P w m u Z 2 D O 2 h ^ co m cc D 2 ^ ° 2 2 > 2 X r, X p * 2 O < 2 X D 2 H W P cc N D C ra w 2 O co H D u p EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * ******* **** ************** AUZEITUN G. GANG. * * N2- 71. * DEN 5. SEPT. 1903. * ************** Abbildg. 2. Der Schmittentobel- und Landwasser-Viadukt unterhalb Filisur. Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. (Fortsetzung.) Hierzu eine Bildbeilage und der Lageplan auf Seite 457. ie Bahn verfolgt gleich der Poststrasse von Thusis das ziemlich gestreckte Albula-Tal aufwärts bis Preda, aber während die Strasse von dort aus den tief eingeschnittenen Al- bulapass mit seiner höchsten Erhebung von + 2315“ N. N. überschreitet, um bei Ponte in das Inn- tal einzutreten, durchbricht die Eisenbahn von Preda bis Spinas mit einem geradlinigen Tunnel von 5866™ Länge den Gebirgszug, der sich zwischen das Albula- und das Bevertal einschiebt, gerade unter der Spitze des sich bis 2785 m erhebenden Piz Giumels und ver¬ folgt dann bis zum Eintritt in das Inntal bei Bevers das Tal des Beverin-Baches. Von dort liegt die Bahn im Inntal selbst (vergl. den Plan Abbildg. 3). Bestimmend für die Linien - Führung vor dem Durchbruch des Gebirges war die Richtung und Höhen¬ lage des Tunnels. Moser hatte hierfür 3 verschiedene Vorschläge gemacht, einen mit 45 %0 Steigung, 5744 m Tunnellänge, zwei mit je 35°/oo Steigung und 7520 m bezw. 5840“ Tunnellänge. Für letzteren Plan ent¬ schied man sich als den für den Betrieb wesentlich vorteilhafteren und erzielte dabei noch den Vorzug der Führung der Eisenbahn in günstigerem Gelände. Sowohl was die landschaftliche Szenerie wie die technische Ausführung betrifft, zeigt die Albula-Bahn in ihrem Verlaufe ausserordentlich wechselvolle Bilder. Gleich auf der ersten Strecke dicht hinter Thusis, wo sie mit der einzigen Brücke (abgesehen von einer kleinen Beverin-Brücke), die in Eisen erstellt wurde, von 80 m Spannweite, den Hinterrhein überschreitet, nämlich von der Station Sils bis Tiefenkastel setzen die bedeu¬ tendsten Schwierigkeiten ein, welche diese Strecke, abgesehen von dem grossen Tunnel, zu der teuersten machen. Die Bahn drängt sich hier durch das schmale, schluchtartige, von steilen und stark zerklüfteten Fels¬ wänden eingefasste Tal, zunächst auf der linken, dann nach Kreuzung der Albula bei Station Solis auf der rechten Seite desselben mühsam hindurch. Von der nur 12,6 km langen Strecke liegen nicht weniger als 4x06™, also 33% in Tunneln, deren Zahl sich auf 14 beläuft, i5°/0 auf 27 Talübergängen bezw. Lehnen¬ viadukten mit zusammen 1300“ Länge. Die Länge der Tunnel schwankt auf dieser Strecke zwischen 25 und 986™ (bei Solis), die der Bauwerke zwischen 18 und 238 m, darunter die 164 m lange massive Brücke bei Solis (vergl. Abb. x in No. 70), die mit einer Mittel¬ öffnung von 42“ die Albulaschlucht in 85 m Höhe über dem Wasserspiegel überspannt. Die Steigung (vergl. das Längen- und Höhenprofil, Abbildg. 4) beträgt, ab¬ gesehen von den eingelegten Horizontalen bei den Stationen und streckenweisen Ermässigungen, 25 °/00, die kleinsten Halbmesser der Krümmungen gehen, wie auf der ganzen Bahnlinie, auf 120111 herab. DieKostendes Unterbaues waren auf 275000 Fr. für ikm veranschlagt, haben sich jedoch etwas höher gestellt. Die Bahn steigt von T 700,5™ N. N. bei Solis auf + 887,0™ N. N. bei Tiefenkastel. Dazwischen liegen die beiden Stationen Sils und Solis. Das zu durchfahrende Gestein besteht aus Bündner Schiefer, dessen Festigkeit sehr wechselt und der bei stellenweise sehr brüchiger Beschaffenheit 453 euu0|0Q uoije^s starke Sicherungen des zcJOw iSu°ne)S Bahnkörpers erforderte. Für die Bauwerke fand sich vielfach brauchbares Material in nächster Nähe. Landschaftlich ist dieser Teil der Bahn der ab¬ wechselungsreichste und schönste auf der unteren Strecke. Einen zweiten Abschnitt bildet die Strecke von Tiefenkastel bis Filisur mit 10,4 km Länge. Die Bahn, die auf dieser Strecke mit demselben Gefälle von 25 °/00 sich bis + 1083,50 m N.N. er¬ hebt, hält sich dauernd am rechten Ufer der Al- bula und erfordert bis zur Station Bad Alvaneu (vor¬ her die Zwischenstation Surava) keine besonderen Kunstbauten. Die Kosten dieses Teiles stellen sich daher auch nur etwa auf die Hälfte des vorigen. Um so kühnere Bauten wurden auf der folgenden Teilstrecke Alvaneu-Fili- sur erforderlich, wo zu¬ nächst der Schmitten¬ tobel, dann das Land¬ wasser mit mächtigen Viadukten zu überbrücken waren. Von der Kühnheit dieser Bauwerke, von de¬ nen das letztere mit 6 Oeffnungen von je 20 m Spannweite in 65 m Höhe über dem Wasserspiegel das Tal überschreitet, und von der Grossartigkeit der Szenerie gibt unser Kopfbild (Abbildg. 2) wenigstens einen schwachenBegriff. Der Landwasser-Viadukt liegt ausserdem noch in einer scharfen Krümmung von aus¬ nahmsweise nur 100 ra Halbmesser, und verschwindet unmittelbar in einem 216 m langen Tunnel. DieSteigung ist auf der Brücke auf 200/on ermässigt. Das Gestein auf dieserStrecke besteht zunächst noch inBündnerschiefer, dann in Muschelkalk, unterster Trias, Grauwacke. Bei der Station Filisur ist Vorsorge getroffen, dass eine von Davos her im Zuge des Landwasser¬ tales später etwa zu erbauende Bahn anschliessen kann. Es würde dann ein vollständiger Ring: Chur- Landquart-Davos-Filisur-Thusis-Chur gebildet werden. Von Filisur an steigern sich die Schwierigkeiten der Linienführung, da die einfache Tallänge nicht mehr ausreicht zur Ueberwindung der Höhenunter¬ schiede, trotzdem von hier an die stärkere Steigung von 35%o beginnt, die nur in längeren Tunneln auf 3o%o ermässigt wird. Bis Station Bergün, deren Höhenlage auf + 1375,6 m N. N. durch örtliche Ver¬ hältnisse festgelegt ist, sind auf 9,3 km Länge 292,1 m zu ersteigen. Es ist dazu ein Mehr von 1200 m er¬ forderlich, das durch künstliche Entwicklung mittels einer Schleife oberhalb Filisur, von der 698“ im Tunnel unter dem Greifenstein liegen, gewonnen werden musste. Die Lage ist hier verhältnismässig am günstigsten, trotzdem gehört die Führung der Bahn an dieser Stelle mit zu den schwierigsten Aufgaben der ganzen Linie. Es drängen sich auf dieser kurzen Strecke auch wieder die Kunstbauten. Es liegen hier 8 Viadukte und Brücken mit zusammen 316“ Länge, von denen die beiden Stulsertobel-Brücken mit 25 bezw. 23“ Spann¬ weite der Wölbung, die bedeutendsten sind, und ausserdem i2Tunnel mit zus. 2215,1 m, darunter nächst dem Greifenstein -Tunnel 2 Tunnel von über 400 m Länge. Die Kosten des Unterbaues der Strecke stellen sich etwa auf 230000 Fr. für 1 km. Bei der kleinen Station Stuls ist das erste Ausweichegleis angeordnet. Die interessanteste Strecke der ganzen Bahn, was die Linienführung anbetrifft, ist diejenige von Bergün No. 71. 45+ Kilometer 0 nach Preda, also bis zum Anfang des grossen Albula- Tunnels. Auf etwa 6 k“ Länge des unmittelbaren Tal¬ weges ist hier ein Höhenunterschied von 4i6m zu überwinden, wozu eine Gesamt-Länge von 12,28 km erforderlich wird, falls das Höchstgefälle mit 35 %o nicht überschritten werden soll. Dazu ist eine grosse Reihe von Schleifen und Kehrtunneln erforderlich, wie dies aus dem Sonder-Lageplan dieses Teilstückes, Abbildg. 5, ersichtlich ist. Auch unsere Bildbeilage, die im Vergleich mit dem Lageplan leicht den Stand- 5 September 1903. punkt erkennen lässt, von welchem aus die Aufnahmen gemacht sind, gibt ein gutes Bild von der Schwierig¬ keit, mit welcher hier der Ingenieur zu kämpfen hatte. Namentlich gilt das von dem Teilstück von Station Muot bis Preda, auf welchem die Eisenbahn nicht weniger als 4 mal hin und zurück den Albulafluss kreuzt und wo in verschiedener Höhenlage zwei Kehrtunnel fast über derselben Stelle eingelegt werden mussten. Auch bei diesen Tunneln, die zus. 2826 m Länge besitzen, ist der Krümmungs-Halbmesser von 120 m angewendet. Die bedeutendsten sind der Rugnux- und der Toua- Tunnel mit 661,8 bezw. 677 m. An Viadukten weist die Strecke 9 mit zusammen 676 m Länge auf. Die bedeutendsten unter ihnen sind der Val Tisch Viadukt mit 3 Oeffnungen zu 20, 3 zu 8m und 40 m Höhe, und der 3. Albula- Viadukt mit 8 Oeffnungen (3 zu 20, 5 zu iom Spannweite), 137 m Ges -Länge und 28 m Höhe über Talsohle. Die Kosten des Unterbaues ent¬ sprechen denen der vorigen Strecke mit rd. 230000 Fr. für 1 km. Besondere Vorkehrungen waren hier für den Schutz der Bahnstrecke gegen Schneeverwehungen und Lawinensturz zu treffen. Die Bahn ist daher nach Möglichkeit auf Dämme gelegt, vergl. die Bildbeilage, wo aber Einschnitte nicht zu vermeiden waren, sind zur leichteren Schneeräumung seitliche Schlitze ange¬ legt. Wo die Kreuzung von Lawinengängen nicht umgangen werden konnte, sind Galerien oder andere Schutzbauten zur unschädlichen Abführung eingelegt. Eine zweite Ausweichestelle ist bei der Station Muot vorgesehen, die ausserdem als Wasserstation dient. Das Gestein, welches auf der Strecke ange¬ troffen wird, ist Dolomit, Lias und Bündner Schiefer. Von Preda bis Spinas durchläuft der grosse Albula- Tunnel den Piz Giumels in 5866 m Länge. Er steigt bis etwa zur Mitte mit 10 °/o0 und fällt dann bis zum Ausgang mit 2 0/oo- Die höchste erreichte Meereshöhe ist + 1823,4“ N.N. Durchfahren werden der Reihe nach kalkige und mergelige Schiefer des Trias, Zellen¬ dolomit, Kasannasschiefer, fester Albulagranit, Muräne und Granitsand mit grossen Findlingen. Wir kommen auf die Absteckung und Ausführung des Tunnels und seiner Profile noch später zurück. Die Kosten stellen sich auf 7 Mill. Fr., also auf 1200 Fr. für 1 m. Ver¬ anschlagt waren die Arbeiten mit 5,7 Mill. Fr., also mit 972 Fr. für 1 m. Die Mehrkosten ergeben sich aus den besonderen Schwierigkeiten, dem bedeutenden Wasserandrang und der forcierten Arbeit, sowie aus dem Umstande, dass der Unternehmer während der Ausführung versagte und diese behufs rechtzeitiger Fertigstellung des Tunnels in eigene Regie der Rhäti- schen Eisenbahn-Gesellschaft genommen werden musste. Von dem Tunnelaustritt bei Spinas bis Bevers verfolgt die Bahn das breite Tal des mehrfach mit kleinen Brücken zu kreuzenden Beverinbaches, in welchem sie auf hohem Damm zum Schutz gegen Schneeverwehung und Lawinen geführt wird. Letztere erfordern trotzdem einige besondere Schutzbauten. Von dort über Samaden bis Celerina, dem vorläufigen Endpunkt, verfolgt die Bahn das linke Ufer des Ein¬ flusses ohne Schwierigkeiten zu finden. Von Cresta an verengt sich das bisher breite Inntal zu der engen Charnadüra-Schlucht, wo 2 vorspringende Bergrücken mit 2 kleineren Tunneln von zus. etwa 600 m Länge in Gneissgestein durchfahren werden müssen Am Ufer des St. Moritzer Sees endigt schliesslich die Bahn. Die letzte Strecke von Spinas bis St Moritz von 12,35 km Länge erfordert entsprechend den einfachen Verhältnissen für den Unterbau einen Kostenaufwand von rd. 90000 Fr. Das Längenprofil zeigt bis Bevers den Abstieg zum Inntal mit zumeist 32 %0 Gefälle, ist dann bis Samaden -f 1708,70“ N. N. fast wag¬ recht. Von da steigt die Bahn mit Steigungen bis zu 16,5 %o bis zur Höhe von + 1774,50“ bei St. Moritz wieder an, Anfangspunkt und Endpunkt der ganzen Linie sind also um 1074“ in der Höhe unterschieden. Die Gesamtkosten des Unterbaues der Albulabahn stellen sich auf 17844000 Fr. oder im Durchschnitt auf 288000 Fr. auf 1 k“. Rechnet man den Tunnel ab, SO kommen I9OOOO Fr. auf I k“. — (Fortsetzung folgt.) 4i5 Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Sitzungsbericht der XXXII. Abgeordneten -Versammlung in Dresden am 31. August und 1. September 1903. 1. Sitzungstag am 31:. August 1903. er Verbands-Vorsitzende leitet die Verhandlungen durch kurze Worte der Begrüssung ein, indem er zunächst darauf hinweist, dass die Abgeordneten- Ver¬ sammlung vor 25 Jahren zuletzt in Dresden getagt hat, und indem er der Hoffnung Ausdruck gibt, dass die Verhand¬ lungen, deren Leitung ihm zum letzten Male in seiner Amtsperiode anvertraut sei, einen erspriesslichen Verlauf nehmen möchten. Er gedenkt sodann der Verluste, die der Verband im vergangenen Jahre durch den Tod von Mitgliedern er¬ litten hat, und widmet den Dahingegangenen warme Worte der Erinnerung. Ihr Andenken ehren die Versammelten durch Erheben von den Sitzen. Als Vertreter der Regierung wohnen der Versammlung bei die Hrn. Minist.-Dir. Geh. Rat Dr. Ritterstädt, Minist. - Dir. Geh. Reg.-Rat Roscher, Generaldir. der Staats- Eisenb. Geh. Rat von Kirchbach und Geh. Reg.-Rat Morgen¬ stern, als Vertreter der Stadt Dresden Hr. Bürgermstr. Leupold und Hr. Stadtbrt. Ob-Brt. Klette, denen der Vorsitzende den wärmsten Dank der Versammlung für ihr Erscheinen ausspricht. Namens der Regierung und der Stadt begrüssen sodann Hr. Geh. Rat Dr. Ritterstädt und Hr. Bürgermstr. Leupold die Erschienenen, indem sie dem Interesse der beiden Verwaltungen an den Be¬ strebungen des Verbandes Ausdruck geben und den Ver¬ handlungen einen günstigen Verlauf wünschen. Vor Eintritt in die Verhandlungen wird sodann die Liste der Anwesenden durch Aufruf festgestellt, wobei sich die Anwesenheit von 105 Stimmen ergibt, während bei voller Vertretung aller Vereine 112 Stimmen vorhan¬ den sein müssten. Es sind zugegen mit je 1 Stimme die Mitglieder des Vorstandes: die Hrn. Waldow, Geh. Brt., Bubendey, Geh. Brt. u. Wasserbaudir., Frhr. v. Schmidt, Prof., Ne her, Brt., Ei seien, Reg.-Bmstr. a. D. Ferner sind die Vereine vertreten durch folgende Abgeordnete: 1. Architekten-Verein zu Berlin mit 22 Stimmen durch die Hrn: Beer, Brt. u. Wasserwerksdir., Boettcher, Reg.- und Brt., Cramer, Brt., Grantz, Reg.- und Brt., Prof., Haag, Ing., Dir., Hinckeldeyn, Minist.-Dir., Knoblauch, Bmstr, Körte, Reg.-Bmstr., Launer, Geh. Brt., Dr. Thür, Geh. Ob.-Brt., Walle, Prof. 2. Württembergischer Verein für Baukunde zu Stuttgart mit 4 Stimmen durch die Hrn: Feil, Arch., und Zügel, Brt. 3. Sächsischer Ingenieur- und Architekten-Verein zu Dresden mit 8 Stimmen durch die Hrn.: Andrae, Ob-Brt., Franze, Stadtbrt., Rachel, Finanz- u. Brt., Schmidt, Finanz- u. Brt. 4. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover mit 6 Stimmen durch die Hrn.: Soldan, Reg.-Bmstr., Unger, Brt., Dr. Wolff, Stadtbrt. 5. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hamburg mit 6 Stimmen durch die Hrn.: C. O Gleim, Ing, H. Olshausen, Baupolizeidir., Zimmermann, Baudir. 6 Architekten- und Ingenieur-Verein zu Cassel mit 1 Stimme durch Hrn.: Till, Arch. 7. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Lübeck mit 1 Stimme durch Hrn.: Baltzer, Baudir. 8- Schleswig-Holsteinischer Architekten- und Ingenieur- Verein zu Kiel mit 2 Stimmen durch Hrn.: Kruse, Stadtbrt. 9. Bayerischer Architekten- und Ingenieur - Verein zu München mit 8 Stimmen durch die Hrn.: Littmann, Prof., Miller, Prof., Fr. Völcker, Bez - Bmstr., Waller stein er, Reg.-Bmstr. 10. Architekten- und Ingenieur- Verein zu Breslau mit 1 Stimme durch Hrn.: Henry, Arch. 11. Badischer Architekten- und Ingenieur-Verein zu Karls¬ ruhe mit 4 Stimmen durch die Hrn.: Baumeister, Ob.-Brt., Billin g, Prof. 12. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Oldenburg mit 1 Stimme durch Hrn.: Dittmann, Brt. 13. Ostpreussischer Architekten- und Ingenieur-Verein zu Königsberg i. Pr. mit 2 Stimmen durch Hrn.: Grosze, Eisenb.-Bauinsp. 14. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Frankfurt a. M. mit 2 Stimmen durch Hrn.: Kölle, Stadtrat. 15. Westpreussischer Architekten- und Ingenieur-Verein zu Danzig mit 2 Stimmen durch Hrn.: Lehmbeck, Reg.- und Brt. 16. Architekten und Ingenieur- Verein für Elsass-Loth- ringen zu Strassburg i. Eis. mit 2 Stimmen durch Hrn.: Bettcher, Postbrt. 17. Mittelrheinischer Architekten- und Ingenieur- Verein zu Darmstadt mit 4 Stimmen durch die Hrn.: Imroth, Geh. Ob.-Brt. und Schmick, Ob.-Brt. 18. Architekten-Verein zu Dresden mit 2 Stimmen durch Hrn.: Seitler, Prof. 19. Architekten- und Ingenieur- Verein für Niederrhein und Westfalen mit 4 Stimmen durch die Hrn.: Schott, Ing., und Stübben, Geh. Brt. 20. Verein Leipziger Architekten mit 1 Stimme durch Hrn.: Weidenbach, Arch. 2r. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Braunschweig mit 1 Stimme durch Hrn.: Häseler, Geh. Hofrt., Prof. 22. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Magdeburg mit 2 Stimmen durch Hrn.: Mackenthun, Reg.- u. Brt. 23. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Bremen mit 2 Stimmen durch Hrn.: Oeltjen, Brt. 24. Architekten- und Ingenieur- Verein zu Aachen mit 1 Stimme durch Hrn.: Sieben, Reg.-Bmstr. 25. Polytechnischer Verein zu Metz mit 1 Stimme durch Hrn.: Heidegger, Geh. Brt. 26. Architekten- und Ingenieur- Verein Mannheim -Lud¬ wigshafen zu Mannheim mit 1 Stimme durch Hrn.: Tillessen, Arch. 27. Mecklenburgischer Architekten- und Ingenieur- Verein zu Schwerin i. M. mit 1 Stimme durch Hrn.: Dreyer, Landbmstr. 28. Vereinigung Berliner Architekten mit 2 Stimmen durch die Hrn.: v. d. Hude, Geh. Brt., und Solf, Prof. 29. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf mit 1 Stimme durch Hrn.: Dorp, Reg.- u. Brt. 30. Bromberger Architekten- und Ingenieur- Verein mit 1 Stimme durch Hrn.: Voss, Reg.- und Brt. 31. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Münster i. W. mit 1 Stimme durch Hrn.: Rokohl, Brt. 32. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Potsdam mit 1 Stimme durch Hrn.: Bohne, Hofbrt. 33. Architekten- und Ingenieur - Verein zu Erfurt mit 1 Stimme durch Hrn : Kickton, Stadtbrt. 34. Verein der Architekten und Bauingenieure zu Dort¬ mund mit 1 Stimme durch Hrn.: Grabo, Arch. Nicht vertreten waren folgende Vereine: 1. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Osnabrück, 2. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Stettin, 3. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Posen. Es wird nunmehr in die Verhandlungen eingetreten. I. Geschäftlicher Teil. Mit Rücksicht auf den Umfang der Tagesordnung werden zur Abkürzung der Versammlungsdauer die ein¬ zelnen Punkte der Tagesordnung durch den Geschäftsführer nur aufgerufen, und wenn neue Eingänge seit Aufstellung des Geschäftsberichtes vorliegen, hinsichtlich dieser kurz erläutert. Meldet sich Niemand zum Wort, so ist dieser Punkt, falls nicht eine formelle Abstimmung erforderlich ist, im Sinne der Vorstandsvorschläge erledigt. Zu 1 der Tagesordnung: Allgemeine Mittei¬ lungen und zu 2 der Tagesordnung: Einnahmen aus den literarischen Unternehmungen des Ver¬ bandes, findet sich nichts zu erinnern. Die letztge¬ nannten Einnahmen haben sich nach den inzwischen ein¬ gegangenen Abrechnungen noch etwas günstiger gestellt, als im Geschäftsbericht angegeben. Zu 3 der Tagesordnung: Abrechnung für 1902. Seitens der Hrn. Rechnungsprüfer Gerber, Mackenthun und Rachel ist die Abrechnung zwar als richtig be¬ funden, es werden jedoch seitens derselben Vorschläge für eine andere Art der Aufstellung der Abrechnnng ge¬ macht, die ein klareres Bild von der jeweiligen Vermögens¬ lage des Verbandes geben sollen, als dies jetzt nach Meinung der Rechnungsprüfer der Fall ist. Das von den Hrn. vorgelegte Schema wird, nachdem der Vorstand sich einverstanden erklärt hat, angenommen, im übrigen dem Vorstande einstimmig Entlastung erteilt. Zur Prüfung der Abrechnung für 1903 werden die bis¬ herigen 3 Vereine bestimmt. Zu 4 der Tagesordnung: Voranschlag für 1904, Festsetzung der Mitglied er beiträge für 1904. Bei diesem Punkt knüpft sich eine lebhafte Debatte an die Festsetzung der Höhe der Mitglieder - Beiträge, nachdem No 71. 455 durch Hrn. Beer namens des Berliner Architekten -Ver¬ eins eine Herabsetzung derselben auf 1,25 M. für den Kopf beantragt worden ist. An der Debatte beteiligen sich die Hrn.: Beer, Eiselen, Schott, Mackenthun, Grosze, Weidenbach, Henry, Dr. Wolff, die meist gegen eine Herabsetzung sprechen. Der Vorschlag des Hrn. Beer wird mit 67 Stimmen abgelehnt, der Voran¬ schlag wird darauf einstimmig genehmigt. Zu 5 der Tagesordnung: Rechnungslegung über die bisherigen Ausgaben für das Werk „Das Bauernhaus im deutschen Reiche und in seinen Grenzgebieten“. Die Vorlage wird durch Kenntnis¬ nahme erledigt. Zu 6 der Tagesordnung: Weitere Bewilligung eines Jahresbeitrages an den Verein „Alt-Rothen¬ burg“. Der Antrag des Vorstandes auf Weiterbewilligung für 5 Jahre wird einstimmig angenommen. Zu 7 der Tagesordnung: Wahl eines neuen Vorsitzenden, sowie eines neuen Vorstandsmit- Zu 8 der Tagesordnung: Bildung ständiger Fachausschüsse zur Unterstützung des Verbands¬ vorstandes. Zu der Vorlage werden besondere An¬ träge seitens der Hrn. Baumeister, Beer, Henry, Stübben und Unger gestellt. Ueber die ganze Frage entwickelt sich eine lebhafte, langdauernde Auseinander¬ setzung. Es werden schliesslich folgende Beschlüsse ge¬ fasst in Vereinigung der Anträge Beer, Stübben und Unger. 1. Die Zweckmässigkeit der Ausschüsse wird anerkannt. 2. Es wird die Bildung von 3 Ausschüssen beschlossen und zwar: a) eines Ausschusses für Architektur, b) eines Ausschusses für Ingenieurwesen und c) eines Ausschusses für allgemeine Fachfragen. Diese Ausschüsse sind aus Baubeamten und in der Privattätigkeit stehenden Architekten bezw. Ingenieuren zusammenzusetzen. Die Ausschüsse zu a und b sollen HnrfJJail mm ■ ~|p mm »1 jjjl| Pi Abbildg. 3. Lageplan der Albulabahn. (Aus der Schweizei ischeu Bauzeitung, Band XXXVIil.) Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. gliedes. Der bisherige Vorsitzende muss satzungsgemäss ausscheiden. Zur Vorbereitung der Neuwahl wird ein 10 gliederiger Ausschuss gewählt, bestehend aus den Hrn : Waldow (als Vorsitzendem), Hinckeldeyn, v. d. Hude, Imroth, Gleim, Baumeister, Körte, Dr. Wolff, Stübben, Littmann, wobei die Stimme des Hrn. Vor¬ sitzenden bet Stimmengleichheit den Ausschlag geben soll. Der Ausschuss erstattet später Bericht, dass er sich bezüglich des Vorsitzenden auf Hrn. Neher in Frank¬ furt a. M. geeinigi habe. Da weitere Vorschläge aus der Versammlung nicht gemacht werden, wird zur Abstim¬ mung geschritten. Abgegeben werden 61 Stimmzettel mit 100 Stimmen, deren einer (mit 2 Stimmen) unbeschrie¬ ben ist, während 14 Stimmen zersplittert sind; die übri¬ gen 84 Stimmen fallen auf Hrn. Neher, der somit gewählt ist. Hr. Neher nimmt die Wahl mit Dank an. Für die hierdurch freiwerdende Stelle eines Vorstandsmitgliedes wird durch Zuruf Hr. Haag, Berlin, gewählt, der eben¬ falls die Wahl mit Dank annimmt. das Recht haben, sich bei ihren Beratungen nach Be¬ darf in Unterabteilungen zu zerlegen, und zwar nach beamteten und in der Privattätigkeit stehenden Fach¬ genossen. Die beiden Ausschüsse zu a und b sollen aus je 10 Mitgliedern bestehen, der zu c aus 5 Mitgliedern. Bei letzterem Ausschuss soll zwischen beamteten und in der Privattätigkeit stehenden Architekten und Ingenieuren keine Unterscheidung vorgenommen werden. Zur Vorbereitung der Wahl für diese Ausschüsse wird ein 7 gliedriger Ausschuss gewählt, bestehend aus den Hrn. Bubendey, Cramer, Henry, Neher, v. Schmidt, Solf, Thür. Wieweit dieser Ausschuss die einzelnen Gegenden Deutschlands bei dem Vorschlag für die zu wählenden Persönlichkeiten berücksichtigen will, bleibt ihm überlassen, jedoch sollen die vorgetragenen Wünsche einzelner Vereine nach Möglichkeit beachtet werden. Der Wahlausschuss schlägt nach der Mittagspause folgende Herren für die zu bildenden Ausschüsse vor: 5. September 1903. 457 a) Ausschuss für Architektur. 1. Beamte: Grassel in München, Hossfeld in Berlin, Radke in Düsseldorf, Waldow in Dresden, Zimmermann in Hamburg. 2. Private: Billing in Karlsruhe, Dülfer in München, Gildemeister in Bremen, Henry in Breslau, Reimer in Berlin. b) Ausschuss für Ingenieurwesen. 1. Beamte: Beer in Berlin, Bücking in Bremen, Jäger in Augsburg, Klette in Dresden, Kölle in Frankfurt a. M. 2. Private: Lauter in Frankfurt a. M., Gleim in Ham¬ burg, Reverdy in München, Rieppel in Nürnberg, Taaks in Hannover. c) Ausschuss für allgemeine Fachfragen. Baumeister in Karlsruhe, Hinckeldeyn in Berlin, Kayser in Berlin, Schmick in Darm¬ stadt, Stübben in Köln. Die Ausschüsse werden nach diesen Vorschlägen durch Zuruf von der Versammlung gewählt. Die an¬ wesenden Ausschussmitglieder nehmen die Wahl an. Die vom Vorstand vorgeschlagene Erläuterung zu § 23 der Verbands-Satzungen wird einstimmig angenommen. Zu 9 der Tagesordnung: Fortgang des Werkes „Das Bauernhaus im deutschen Reiche und in seinen Grenzgebieten“. Die Sache wird durch Kennt¬ nisnahme erledigt. Zu 10 der Tagesordnung: Neuauflage des Nor¬ malprofilbuches für Walzeisen. Durch Kenntnis¬ nahme erledigt. Zu 11 der Tagesordnung: Herausgabe eines Werkes über den F euerschutz von Eisenkonstruk¬ tionen. Durch Kenntnisnahme erledigt. Zu 12 der Tagesordnung: Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses für die Wahrnehmung der Wettbewerbs-Grundsätze. Diese Frage wird mit Punkt 21 verbunden und später behandelt. Zu 13 der Tagesordnung: Kosten der vom Mittelrheinischen Verein vorgeschlagenen Um¬ gestaltung des Mi tglie der - Verzeichnisses. Der Geschäftsführer legt Proben für die Form des gewünsch¬ ten, nach Städten geordneten Registers vor und gibt noch eine nähere Begründung zu den Kosten. Die Versamm¬ lung erkennt ein Bedürfnis für die Aenderung nicht an und lehnt sie mit Rücksicht auf die Kosten ab. Zu 14 der Tagesordnung: Antrag des Ham¬ burger Vereins auf Austausch kurzer gedruckter Jahresberichte zwischen den einzelnen Ver¬ bands-Vereinen. Trotz nochmaliger Begründung des Antrages durch den Hamburger Vertreter Hrn. Zimmer¬ mann wird es von der Versammlung abgelehnt, den Einzel¬ vereinen eine derartige Verpflichtung aufzuerlegen. Doch wird allseitig als wünschenswert bezeichnet, dass ein Austausch solcher Berichte stattfinden möchte, welche ohnehin von einzelnen Vereinen verfasst und gedruckt werden. Zu 15 d er Tagesor dnung: Nicht auf der Tages¬ ordnung stehende Mitteilungen geschäftlicher Natur. a) Eintritt eines Verbands-Mitgliedes in den Vorstands¬ rat des Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik in München. Der Verband ist seitens des Vorstandes dieses Museums aufgefordert worden, eben¬ falls einen Vertreter in den Vorstandsrat zu entsenden. Die Versammlung hält es für eine Ehrenpflicht des Ver¬ bandes, an dieser für die technische Wissenschaft überaus wichtigen Neuschöpfung mitzuwirken, und beschliesst, in den Vorstandsrat sein Mitglied Hrn. Geh. Rat Kopeke, Dr. Ing. in Dresden, zu entsenden. b) Teilnahme technischer Vereine an der Weltausstellung in St. Louis. Der Geschäftsführer berichtet kurz über die Sachlage. Danach wird eine Be¬ teiligung des Verbandes als solchem nicht für angebracht gehalten. c) Teilnahme des Verbandes am VI. inter¬ nationalen Architekten-Kongress in Madrid 1904. Der Geschäftsführer erstattet Bericht über die an den Verband in dieser Sache bisher gelangten Mitteilungen. Dazu nimmt Hr. Stübben das Wort und beantragt, dass die persönlich von der Kongressleitung eingeladenen Ver¬ bands-Mitglieder Hinckeldeyn, Stübben und Waldow unter Zuziehung der Hrn. Neher und von Schmidt er¬ mächtigt werden, den Verband in dieser Frage zu ver¬ treten und für eine Beteiligung der deutschen Architekten an dem Kongress zu wirken. d) Teilnahme des Verbandes am IV. Tage für Denkmalpflege in Erfurt 1903. Der Geschäftsführer 458 macht entsprechende Mitteilung über diese Frage, soweit dieselbe den Verband bisher überhaupt beschäftigt hat. Danach haben eine Reihe von Vereinen dem Vorstande angezeigt, dass sie zu dem Denkmaltage Vertreter entsen¬ den werden. Es erübrigt sich daher die Abordnung eines besonderen Vertreters vonseiten des Verbandes. II. Technisch-wissenschaftlicher Teil. Mit diesem Teile der Beratung wird in der Nachmittags- Sitzung fortgefahren, nachdem zuvor das Protokoll der Vormittags-Sitzung durch die Versammlung genehmigt ist. (Punkt 18 der Tagesordnung wird auf Antrag des Vor¬ standes vorweggenommen.) Zu 18 der Tagesordnung: Prüfung der gegen die Normalien für Hausentwässerungen erhobe¬ nen Bedenken. Hr. Schmick berichtet als Vorsitzen¬ der des betr. Ausschusses über den Sachverhalt und legt anschliessend daran einen Beschluss des Ausschusses vor, den dieser am 30. August d. J. in der Angelegenheit ge¬ fasst hat; dieser Beschluss lautet: „Der Ausschuss hat in seinerSitzung vom 30. Aug. beschlossen, dass die neuer¬ dings aus dem Kreise der ostdeutschen Giessereien er¬ hobenen Einwände gegen die festgestellten Normalien zu einer Aenderung — abgesehen von der inzwischen er¬ folgten Streichung der für die Röhren von 125 “>m Durch¬ messer vorgesehenen zweierlei Wandstärken — keinen Anlass geben und zwar aus folgenden Gründen: 1. Eine Verminderung der Wandstärken der 100 und 150 mm-Röhren um je 1/2 mm erscheint ungerechtfertigt, da Punkt 3 der zu den Normalien gehörigen Erläuterungen eine einseitige Minderung der Wandstärke um 10% und Punkt 18 eine Gewichts-, d. h. eine Wandstärken -Ver¬ minderung um 3 % zulässt. 2. Die von den genannten Giessereien gewünschte Festsetzung über die Herstellung der Röhren und die Art des Eisens gehört nicht in diese Normalien, die sich nur mit Formen, Abmessungen und Gewichten befassen. Es wird beabsichtigt, diesen Punkt in den noch zu bearbei¬ tenden Vorschritten für die Ausführung der Grundstücks- Entwässerungen durch Feststellung der zu beanspruchen¬ den Eigenschaften zu behandeln. Sollten Verwaltungen Röhren 1. Schmelzung für ungeeignet halten, so bleibt es ihnen unbenommen, dies in den Verträgen, wie es auch jetzt vielfach bei Druckröhren geschieht, zum Ausdruck zu bringen.“ Der Ausschuss stellt daher den Antrag, die Norma¬ lien in der vorliegenden Fassung anzunehmen. Hr. Herz¬ berg, der als Mitglied des Ausschusses (aber nicht als Abgeordneter) anwesend ist, und das Wort durch die Versammlung erhält, hebt hervor, dass mit dieser Arbeit des Ausschusses, um die sich Hr. Lindley besonders verdient gemacht habe, nach seiner Ueberzeugung etwas wirklich Gutes geleistet sei, das auch Anerkennung von aussen finden werde; er bittet daher ebenfalls, die Arbeit des Ausschusses möglichst einstimmig anzunehmen, was auch geschieht. Ebenso werden die weiteren Anträge des Vorstandes inbezug auf die geschäftliche Handhabung der Sache genehmigt. Auf Anregung des Hrn. Beer wird beschlossen, dass als Zeitpunkt für die obligatorische Einführung der Nor¬ malien der 1. Jan. 1906 in Aussicht genommen werden soll. Hr. Stübben beantragt, dem Ausschuss und insbe¬ sondere auch Hrn. Lindley den Dank der Versammlung für seine mühevolle Arbeit auszusprechen, was geschieht. Zu 16 der Tagesordnung: Gebühren der Archi¬ tekten und Ingenieure als gerichtliche Sachver¬ ständige. Der Geschäftsführer teilt hierzu mit, dass in¬ zwischen ein Antrag des „Vereins deutscher Chemiker“ ein¬ gegangen sei, worin dieser ersucht, die Beschlussfassung auszusetzen und mit dem Verein wegen einer neuen Ein¬ gabe in gemeinsame Beratung zu treten. Bei diesem An¬ träge habe sich erst ergeben, dass die von den Chemikern allein aufgestellte Eingabe, die bisher als ein Entwurf an¬ gesehen wurde, bereits im April d. J. an die zuständigen Stellen eingereicht worden ist. Des weiteren legt der Geschäftsführer einen Abänderungsvorschlag zu einem Teile des mit dem „Verein deutscher Ingenieure“ verein¬ barten Entwurfes der im Geschäftsbericht abgedruckten Eingabe vor, die auch den Wünschen des genannten Ver¬ eins entsprechen dürfte. Hr. Unger legt im Anschluss an diese Ausführungen seinen persönlichen Standpunkt zu der Frage dar, der von der Vorlage wesentlich abweicht. Nachdem Hr. Cramer seine grundsätzliche Auffassung der Arbeit des Ausschusses dargelegt hat, der sich auch Hr. Eiselen durchaus anschliesst, wird seitens der Ver¬ sammlung nach langer Debatte beschlossen, die Frage zur nochmaligen Beratung an den bisherigen Ausschuss zu¬ rückzuverweisen. No jx. If. Sitzungstag. Vor Eintritt in die Verhandlungen wird das Protokoll der Nachmittags-Sitzung vom 31. August durch die Ver¬ sammlung genehmigt. Zu 17 der Tagesordnung: Nachprüfung der „Bestimmungen über die zivilrechtliche Verant¬ wortlichkeit für Leistungen der Architekten und Ingenieure“. Die vom Ausschuss vorgeschlagene F assung, die nur in wenigen Punkten von der Aufstellung vom Jahre 1886 abweicht, wird angenommen. Es wird ferner be¬ schlossen, die Schrift auf Kosten des Verbandes an die Einzelvereine nach Maassgabe ihrer Mitgliederzahl zu ver¬ teilen und die Bestimmungen ausserdem im Verbandsorgan zum Abdruck zu bringen, unter Empfehlung an die Ver¬ bands-Mitglieder, diese Bestimmungen bei Abschluss von Verträgen mit Bauherren stets zugrunde zu legen. Bezüglich der Herausgabe der Motive zu den Be¬ stimmungen wird anerkannt, dass eine solche wünschens¬ wert ist. Der bisherige Ausschuss wird mit dieser Ar¬ beit betraut. Zu 19 der Tagesordnung: Antrag des Vereins der Architekten und Bauingenieure zu Dortmund auf Aufstellung eines Vertrages zwischen Bau¬ herrn und Unternehmer mit allgemeinen Be¬ dingungen. Die Versammlung beschliesst, diese Frage zur weiteren Beratung dem neugewählten ständigen Aus¬ schuss zu übertragen, dem es überlassen bleibt, zu be¬ stimmen, an welchen seiner Unterausschüsse die Bear¬ beitung abgegeben werden soll. Zu 20 der Tagesordnung: Aufstellung einheit¬ licher Bestimmungen zur Berechnung und Aus¬ führung von Betoneisen-Konstruktionen. Der Ge¬ schäftsführer erstattet Bericht über die Schritte, welche der Verbandsvorstand in dieser Sache bereits getan hat, und über die vorläufige zustimmende Antwort, die vom Vor¬ sitzenden des „Deutschen Beton -Vereins“ eingegangen ist. Ueber die zweckmässige Behandlung dieser Frage entspinnt sich eine lebhafte Debatte, an welcher die Hrn.: Launer, Baumeister, Stübben, Schott, Miller, Cramer, O lshausen und Sieben teilnehmen. Es wird schliesslich folgender Antrag Baumeister - Launer - Stübben angenommen: Der Verband ernennt einen 5-gliedrigen Ausschuss mit dem Aufträge, in Gemeinschaft mit dem „Deutschen Beton -Verein“ so schnell als möglich vorläufige Vor¬ schriften für den Eisen-Beton-Bau aufgrund der bisher vorliegenden Untersuchungen und Erfahrungen aufzu¬ stellen. Der Vorstand des Verbandes wolle zu diesem Zwecke mit dem „Deutschen Beton-Verein“ in Verbindung treten. Dieser Ausschuss soll damit beauftragt werden, 1. eine an den Herrn Reichskanzler zu richtende Eingabe zu entwerfen, mit dem Ziele, für das ganze Deutsche Reich amtliche Vorschriften aufgrund wissenschaftlich-technischer Versuche zu erlassen; 2. auch andere zur Förderung der Sache dienliche Schritte in Vorschlag zu bringen. In diesen Ausschuss werden gewählt die Hrn. : L a u n e r in Berlin, Miller in Augsburg, Bürstenbinder in Ham¬ burg, Cramer in Berlin, Linse in Aachen. Als Ersatz¬ männer werden die Hrn. Barkhausen in Hannover, Lukas in Dresden und Reverdy in München gewählt. Zu 2r der Tagesordnung: Antrag derVereini- gung Berliner Architekten auf Abänderung der „Grundsätze für Wettbewerbe“. Zu dem bereits vorliegenden, eingehend begründeten Abänderungsvor¬ schlag des mit dieser Arbeit von Verbandswegen be¬ trauten Ausschusses gibt Hr. Solf als Vertreter der Ver¬ einigung und Mitglied des Ausschusses noch einige Er¬ läuterungen und weist namentlich die Wirkung der vor¬ geschlagenen Preisbemessungen an einigen Beispielen grösserer Wettbewerbe der letzten Jahre nach. Er betont ferner, dass die Tätigkeit des Ausschusses in der praktischen Durchführung der Grundsätze nur dann Vermischtes. Eine Ausstellung modernen Kunstgewerbes in Dresden ist von einer Reihe Dresdener kunstgewerblicher Firmen für die Zeit vom 14. November bis 15. Januar im Dresdener Ausstellungspalast an der Stübel-Allee geplant. In 30 ver¬ schiedenen Räumen sollen neben Wohnungs-Einrichtungen nach künstlerischen Entwürfen auch kunstgewerblich durch¬ gebildete Gegenstände in Glas, Porzellan, ferner Schmuck usw. vorgeführt werden. Es werden sich darunter auch 3 Zimmer, die das im Bau befindliche neue Landtags- Gebäude, am Schlossplatz aufnehmen wird, befinden. Einer dieser Räume, ausgeführt nach Entwürfen von Wilh. Kreis wird als sächsischer Repräsentationsraum auf die Weltausstellung in St. Louis geschickt werden. Von den anderen Räumen seien genannt: ein Salon von Peter 5. September. 1903. Erfolg haben könne, wenn die Fachgenossen selbst den Ausschuss unterstützten, wenn insbesondere die Preis¬ richter die Programme stets sorgfältig auf die Einhaltung der Grundsätze prüfen wollten. An der Debatte beteiligen sich die Hrn. Zimmer¬ mann, Henry, Haag, Dr. Wolff, Körte, Bubendey und Cramer. FIr. Zimmermann stellt den Antrag, die Annahme der abgeänderten Grundsätze bis zur nächsten Abgeordneten-Versammlung zu vertagen, um den Einzel¬ vereinen in Rücksicht auf die Wichtigkeit des Gegenstandes Gelegenheit zu eingehender Prüfung zu geben. Dieser Antrag wird angenommen mit dem Zusatze Stübben, dass der Wettbewerbs- Ausschuss jedoch ermächtigt wird, die Preisausschreiben bis zur nächsten Versammlung na¬ mentlich hinsichtlich der Preisbemessung nach Maassgabe des vorliegenden Entwurfes der Grundsätze zu prüfen. Auf Antrag Solf werden dem Wettbewerbs-Ausschuss jährlich 200 M. für die Beschaffung von Wettbewerbs- Unterlagen bewilligt. Auf Antrag Cramer wird ferner für die Geschäftsstelle die Anschaffung eines Telephons genehmigt. Zu 22 der Tagesordnung: Antrag der Ver¬ einigung Berliner Architekten auf Aufstellung eines Kom mentars zur Gebührenordnung. Namens des vorläufig mit der Arbeit betrauten Ausschusses er¬ stattet Hr. Körte zunächst Bericht. Der bisherige Aus¬ schuss wird mit der Weiterarbeit beauftragt und der Vor¬ stand ersucht, die Einzelvereine nochmals aufzufordern, sie möchten entsprechendes Material an den Ausschuss senden. Zu 23 der Tagesordnung (nachträglich aufge¬ nommen): Anträge des ostpreussischen Vereins in Königsberg. a) Zulassung aller Diplom -Ingenieur e zur 2. Staatsprüfung im Baufache. Der Antrag wird in der vorliegenden Fassung angenommen. b) Erhöhung des gesetzlichen Schutzes von Kunstdenkmäl ern und Städtebildern. Der Antrag wird von Hrn. Grosze mit Rücksicht auf die Ausfüh¬ rungen des Geschäftsberichtes zurückgezogen. c) Hr. Weidenbach stellt den neuen Antrag, es möge vom Verbände ein Schema aufgestellt werden für einen Vertrag zwischen Bauherrn und Architekt, bezw. Ingenieur. Hr. Grabo schlägt vor, diese Arbeit zu verbinden mit der im Entwürfe schon vorliegenden Arbeit des Dort¬ munder Vereins. (Punkt 19) Der Antrag wird ange¬ nommen, die weitere Bearbeitung ebenfalls dem neuen ständigen Ausschuss übertragen. — Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Der Hr. Vor¬ sitzende weist noch auf einen gedruckt vorliegenden Be¬ richt des Hamburger Vereins über die Wohnungsfrage in Hamburg hin und empfiehlt die verdienstvolle Arbeit dem Studium durch die Vereine. Sodann nimmt er in warmen Worten von der Ver¬ sammlung Abschied, dankt den Vereinen für das ihm ent¬ gegengebrachte Vertrauen und dem Vorstande für seine tatkräftige Mitarbeit. Hr. v. d. Hude drückt als Senior der Abgeordneten dem Vorsitzenden den wärmsten Dank der Versammlung für seine Amtsführung aus und fordert die Anwesenden auf, sich zu seiner Ehrung von den Plätzen zu erheben. Da der Schluss des Protokolles noch nicht vorgelegl werden kann, wird ein Ausschuss, bestehend aus den Hrn. Waldow, Schm ick, Ung er und Zimmermann, gewählt, der den Wortlaut desselben am Abend genehmigen soll. Dresden, den 1. September 1903. Der Geschäftsführer: Die Schriftführer: F. Eiselen. Thierfelder. Wernekke. Genehmigt Meissen, den 1. September 1903. Waldow. Schmick. Unger. Zimmermann. Olbrich, ein Speisezimmer von Prof. Peter Behrens, ein Schlafzimmer und ein Salon von Bai Ile Scott, ein Damenzimmer von Mackintosh usw. Im übrigen soll die Ausstellung auch zeigen, dass künstlerisch und tech¬ nisch gute Leistungen auch für einfache Verhältnisse mög¬ lich sind; zu dem Zwecke wird auch eine Arbeiterwohnung und eine solche für kleinbürgerliche Verhältnisse ausge¬ stellt werden. — Preisbewerbungen. Im Fassadenwettbeweib für drei Häuser am Schloss und Schlossteich in Königsberg i. Pr. (vergl. S. 296, 307 und 362) hat das Preisgericht bei 45 Entwürfen einstimmig folgende Preis Verteilung beschlossen: I. Preis Hr. Arch. Jos. Franke in Gelsenkirchen-Ueckendorf ; II. Preis Hr -159 Arch. Alb. Möllinghoff in Berlin; III. Preis Hr. Arch. Hrm. Senf in Frankfurt a. M. ; zum Ankauf empfohlen der Entwurf des Hrn. Arch. Wilh. Behrens in Charlotten¬ burg; eine lobende Anerkennung dem Entwürfe des Hrn. Arch. Erich Bassarke in Graudenz - Dresden. Die Ent¬ würfe sind vom 2. bis 15. September in der Kgl. Bau¬ gewerkschule in Königsberg ausgestellt. — Wettbewerb Friedhof in Lahr. Der Einlieferungstermin für diesen Wettbewerb ist auf S. 428 irrtümlich auf den 15. Sept. d. J. angegeben, während er tatsächlich auf den 15. November fällt. — Bücher. Pharusplan zu den Bauordnungen für Berlin und seine Umgebung. Pharus Verlag Berlin W. 9. Preis gefalzt 7 M., auf Leinwand gezogen in Kalikodeckel 10 M., als Wandkarte 11 M. Der soeben erschienene Plan ist amtlich für dienst¬ liche Zwecke des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten in der Plankammer des letzteren bearbeitet und umfasst nicht nur das Gebiet der neuen Baupolizeiordnung für die Vororte von Berlin vom 21. April 1903, sondern das Ge¬ samtgebiet aller in Geltung befindlichen Baupolizeiord¬ nungen für Berlin und seine Umgebung. Der Plan reicht (nördlich) von Oranienburg - Klosterfelde bis (südlich) Königswusterhausen - Dahlwitz - Ahrensdorf , von (östlich) Rüdersdorf - Kagel - Spreenhagen bis (westlich) Potsdam- Steglitz - Crampnitz und umfasst insbesondere auch alle 144 in der neuen Bauordnung genannten Ortschaften. In einer tabellarischen Uebersicht enthält er eine Erklärung der einzelnen Bestimmungen der Baupolizeiordnungen; ferner enthält derselbe ein vollständiges Verzeichnis sämt¬ licher in der neuen Bauordnung genannter Orte. Die Bauklassen usw. sind durch 17 Farben unterschieden. Der Plan bildet also ein wertvolles Hilfsmittel für Behörden und Architekten. — Bel der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Uebersichtsplan von Charlottenburg im Maasstab 1:6250. Berlin 1903. Dietrich Reimer (E. Vohsen). Pr. 6 M. Becking, Ed., Keramiker. Fliese n-Böden nach Gemälden des XV. und XVI. Jahrhunderts von Jan van Eyck, Hans Holbein d. Ae., Hans Memling, Dürik Bouts, Meister von St. Severin u. a. m. 48 Chromotafeln 4°. Stuttgart 1903. Jul. Hoffmann. Bericht des Provinzial-Konservators der Kunst¬ denkmäler der Pro v. Schlesien über die Tätigkeit vom 1. Jan. 1900 bis 31. Dez. 1902. Breslau 1903. Grass, Barth & Co. (W Friedrich). Dr. jur. Bredt, F. W , kgl. pr. Ger. -Ass. Das Eigentum am Strassburger Münster und die Verwaltung des Frauenstiftes. Rechtswissenschaftliche Untersuchung. Strass¬ burg 1903. J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel). Pr. 1,20 M. Erlacher, Gg. J. , Ing. Briefe eines Betriebsleiters über Organisation technischer Betriebe. Mit 12 Abb. im Text und 5 Formularen. Hannover 1903. Gebr. Jänecke. Pr. 1,50 M. Fritze, E., Ob -Baurat. Die Veste Heldburg. Neue Beiträge zur Geschichte deutschen Altertums. 18. Lfrg. Abdruck aus: „Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens“. Meiningen 1903. Brückner & Renner’sche Hofbuchhandlg. Dr. Gllnzer, E., Ob.-Lehrer. Kurzgefasstes Lehrbuch der Baustoffkunde nebst einem Abriss der Chemie. 3. viel¬ fach vermehrte u. verbesserte Aufl. Dresden 1903. Gerh. Kühtmann. Pr. 4 M., geh. 4,20 M. Hopp, Ad. Haus-Kanalisations- und Haus-Wasser- leitun gs - Anlagen amerikanischen Systems. Leipzig 1903. F. Leineweber. Pr. 2 M. Hydrographischer Dienst in Oesterreich. Grund¬ sätzliche Bestimmungen für die Durchführung von Fluss¬ kilometrierungen. Wien 1903. K. k. Hof- u. Staatsdruckerei. Kraft, Max, Prof. Das System der Technischen Arbeit. I. Abt.: Die ethischen Grundlagen. II. Abt.: Die wirtschaft¬ lichen Grundlagen. III. Abt.: Die Rechtsgrundlagen. IV. Abt.: Die technischen Grundlagen. Leipzig 1902. Arthur Felix. Pr. Abt. I— III je 5 M , Abt. IV 7 M. Kühl, J. H. Grundriss der Geometrie. Ein Leitfaden für den Unterricht. II. Stereometrie mit 123 Text¬ figuren. 2. vermehrte Aufl. , bearbeitet von A. Kasten, Dresden 1903. Gerhard Kühtmann. Pr. 1,80 M. , geb. 2 M. Chronik. In Lübeck ist ein Bismarck-Denkmal, ein Werk des Bild¬ hauers Hundrieser in Charlottenburg, am 2. Sept. enthüllt wor¬ den. Die Herstellungskosten des Denkmals — Bronzefigur von 3,5 m Höhe auf Granitsockel — stellen sich ausschl. Fundament auf 32 000 M. — Der Landes-Ausstellungspark in Berlin wird einer Umge¬ staltung der Restaurations- und gärtnerischen Anlagen nach Ab¬ schluss der diesjährigen Kunstausstellung nach den Plänen der Brte. Kayser & v. Groszheim bezw. des Tiergartendir. Geitner unterzogen. — Der Plan eines Nordparkes auf den Rehbergen bei Berlin ist vom Magistrat nach den Plänen der städt. Parkdeputation jetzt genehmigt worden. Der Park soll 25 ha Fläche erhalten , wovon 460 etwa 2/3 noch zu erwerben sind. Der Ges.-Wert des Grund und Bodens stellt sich auf etwa 2,4 Mill. M. — Im Ostseebad Zoppot b. Danzig ist eine neue grosse städtische Kaltsee-Badeanstalt mit einem Kostenaufwande von 70000 M. er¬ richtet worden. Ein neues Warmbad mit 50 Badezellen usw. mit einer Baukostensumme von 300000 M., ist in Ausführung begriffen. Verfasser und Ausführende der Entwürfe sind Stadtbmstr. P. Puch¬ müller und Arch. H Dunkel. — Für den Bau des Stadttheaters in Halberstadt ist der Entwurf des Arch. Sehring in Berlin zur Ausführung gewählt. Das Theater soll 845 Sitzpläze enthalten und einen Kostenaufwand von 450 000 M. erfordern. — Das „British Museum“ in London soll mit einem Kosten¬ aufwande von 4 Mill. M. nach dem Entwürfe des Arch. Henry Tan n er erweitert werden. — Das Präsidialgebäude des deutschen Reichstages, das gleichfalls nach den Plänen Wallots erbaut ist, wird am 1. Okto¬ ber d. J. übergeben werden. Es enthält die Amtswohnungen des Präsidenten und des Direktors, deren Dienst- und Arbeitsraum im Reichstagsgebäude selbst liegen. — Die neue Nathanaelkirche in Schöneberg wird am 31. Ok¬ tober d. J., am Reformationsfeste, ihrer Bestimmung übergeben. Die Gesamtkosten des nach den Plänen von Arch. Jürgen Kröger aus¬ geführten Baues stellen sich auf 250000 M. Die Chorfenster sind von Prof. Geiges in Freiburg gemalt. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Geh. Brt. Petri im Reichseisenbahn¬ amt ist z. Geh. Ob. -Brt. ernannt und die Ernennung des nichtständ. Mitgl. des Pat.-Amtes, Geh. Reg.-Rat Hausding in Berlin, ist auf weitere 5 Jahre erstreckt. Der Brt. Rathke von der Int. des VI. Armee-Korps ist z. Int.- u. Brt. ernannt. Bayern. Befördert sind: Die Dir.-Ass. M. Hauck in Nürnberg zum Ob.-Mascb.-lnsp. bei der Zentralwerkst, das , St. F i s c h e r in Nürnberg zum Dir. -Rat bei der Eisenb.-Betr.-Dir. das. und die Eisenb.-Ass. Hinkelbein in Lindau als Vorst, der Betr. -Werkst, das., Hensolt in München bei der Eisenb.-Betr.-Dir. Weiden, Koch in München bei der Gen. -Dir., K a 1 e r in Schwandorf als Vorst, der Betr.-Werkst. das zu Dir.-Ass. Preussen. Dem Reg.- u. Brt. K ü n z e 1 in Bonn u. dem hamburg. Bauinsp. Schnauder in Hamburg ist der Rote Adler-Orden IV. Kl., dem Wasser-Bauinsp. Ortloff z. Zt. in Bacharach und dem hamburg. Ob. -Ing. Vermehren in Hamburg der kgl. Kronen- Orden III. Kl. verliehen. Der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Kleyböcker in Kiel ist z. Eisenb.-Dir. mit dem Range der Räte IV. Kl. ernannt. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Witte der kgl. Reg. in Potsdam, Josephson und Baumgarten der kgl. Eisenb.-Dir. in Köln, Kirberg der Dir. in Hannover und Hallensleben der Dir. in Magdeburg. Dem Reg.- und Brt. Karsch in Frankfurt a. M., bisher in Essen, und dem Reg.-Bmstr. Klewitz in Koblenz ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienste erteilt. Württemberg. Dem Brt. Kübler bei der Minist.-Abt. für das Hochbanwesen ist die ord. Prof, für Eisenbahn- und Strassen- bau, auch Tunnelbau an der Techn. Hochschule in Stuttgart und dem Eisenb.-Bauinsp., tit. Brt. V e i g e 1 e in Feuerbach die Eisenb.- Bauinsp.-Stelle, verbunden mit den Dienstrechten eines Brts., in Esslingen übertragen. Der Bauinsp. Beisbarth in Stuttgart ist gestorben. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. A. S. in Bonn. Ihre Darstellung liefert kein klares und volles Bild des Sachverhaltes, weshalb hiermit festge¬ stellt wird, wie wir denselben auffassen. Nachdem bereits 1874 das fragliche Haus in derjenigen Bauflucht aufgeführt wurde, in der es heute noch steht, wurde 1897 dieselbe Bauflucht in gesetz¬ licher Form festgestellt und hierdurch eine unbebaut gebliebene Vorderfläche von 32 qm zum Strassenland gezogen. Jetzt erst er¬ warben sie das beregte Grundstück in Kenntnis der beregten Vor¬ gänge und wollen Ersatz für die Baubeschränkung bezüglich dieser 32 qm, weil Ihnen deren Benutzung als Vorgarten versagt wird. Unter diesen Umständen fehlt Ihnen ein Klagerecht gegen die Stadt auf Schadloshaltung wegen Entwertung der 32 qm durch die Ent¬ ziehung ihrer Bebaubarkeit bezw. wegen deren Inanspruchnahme für Verkehrszwecke, weil diese Verhältnisse in der Besitzzeit Ihres Vorbesitzers eingetreten sind und höchstens diesen geschädigt haben würden, welcher indess binnen der Verjährungsfrist dieserhalb An¬ sprüche nicht erhoben hat, also mit den Zustands-Veränderungen einverstanden gewesen sein wird. Weil in Ihre Besitzzeit keine Handlung fällt, welche eine Zustands-Veränderung herbeigeführt hat, fehlt für Sie eine Schädigung und damit eine Grundlage für einen Ersatzanspruch aus eigenem Rechte. Würde die Verjährungs¬ frist für den Vorbesitzer noch nicht abgelaufen sein und er einen Ersatzanspruch noch besitzen, so würden Sie zu dessen Verfolgung erst befugt sein, nachdem er Ihnen solchen ausdrücklich abgetreten hätte. Denn der Grundstückserwerb überträgt noch nicht ohne weiteres Schadenersatz-Ansprüche, selbst wenn sie in gewisser Be¬ ziehung zum veräusserten Grundstück stehen. Danach verspricht eine Klage gegen die Gemeinde keinen Erfolg. — K. H-e. Inhalt: Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin (Fortsetzung!. — Verband deutscher Arch.- und Ing.-Vereine, Sitzungsbericht der Abgeordneten-Versammlung. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. Bücher. — Chronik — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Die Albulabahn im Engadin. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 71. Blick auf das linke Elbufer bei der Augustusbrücke in Dresden. Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Die Abgeordneten-Versammlung des Verbandes hat in ihrer Sitzung am 31. August d. J. in Dresden einstimmig beschlossen, die gemäss den Beschlüssen der Augsburger Abgeordneten-Versammlung 1902 noch¬ mals geprüften und abgeänderten „Normalien für Hausentwässerungs-Leitungen“ in ihrem ersten fertig gestellten Teile betr. die Form und Stärke der „Deutschen Normal- Abflussrohren, D. N. A.“ entsprechend dem Anträge des für diese Arbeit eingesetzten Verbands-Ausschusses endgiltig anzunehmen Sie hat gemäss diesem Anträge und im Gegensatz zu der Bekanntmachung in No. 38 der „Deutschen Bauzeitung“ genehmigt, dass auch die in die Erde zu verlegenden Rohre von 125 mm Durchmesser nur eine Wandstärke von 6 mm erhalten sollen, im übrigen aber die Einsprüche, welche von einigen Seiten auch gegen die neuen Fest¬ setzungen erhoben werden, als unbegründet zurückgewiesen. Die neuen Normalien*) kommen nunmehr durch die Geschäftsstelle des Verbandes zur Ausgabe. — Dresden-Berlin, den 3. September 1903. Der Verbands-Vorstand: Waldow, Vorsitzender. Eiselen, Geschäftsführer. Von der XXXII. Abgeordneten-Versammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine in Dresden. m ie XXXII. Abgeordneten-Versammlung des Verbandes nahm am Montag, den 3t. August, ihre Verhandlungen in Dresden, im oberen Saale des an der Brühl’schen Terrasse gelegenen, jedem Dresdner Besucher wohl be¬ kannten Kgl. Belvedere auf, nachdem schon am Abend vorher in denselben Räumen die Dresdner Kollegenschaft, *) Von der „Geschäftsstelle des Verbandes“ Berlin N.W. 52 können nunmehr die Zeichnungen usw. für die „deutschen Nor¬ mal-Abflussröhren“ bezogen werden und zwar: I. Zeichnungen in natürlicher Grösse: Satz A. Gusseisenrohre 37 Blatt zum Preise von 200 M. » B. Tonrohre 5 „ „ „ „ 20 „ II. 3 Tafeln A. B. C. enthaltend: A. sämtliche Rohrformen im Maasstabe 1 : 10, B. die schematische Darstellung der Rohre mit Gewichtsangabe, C. die Konstruktions-Angaben für die Muffe, dazu 1 Blatt kurze Erläuterungen zus. für den Preis von 1,50 M. (Bei Einzelbezug dazu 10 Pf. Porto). Diese Tabellen können erst in der zweiten Hälfte des Monats September zur Ausgabe kommen. — - die Vertreter des „Sächsischen Ingenieur- und Ar¬ chitekt en- Vereins “ und des „Dresdner Architek¬ ten- Vereins“ die aus allen Teilen Deutschlands herbei¬ geeilten Abgeordneten gastlich empfangen hatten. Der Eröffnung der Versammlung, die durch Be- grüssungsworte des derzeitigen Vorsitzenden, Hrn. Geh. Brt. Waldow in Dresden, eingeleitet wurde, wohnten als Vertreter der Regierung bei die Hrn.: Minist.-Dir. Geh. Rat Dr. Ritter st ädt, Minist.-Dir. Geh. Rat Dr. Roscher, Generaldir. der Sächs. Staats-Eisenb. Geh. Rat v. Kirch- bach und Geh. Reg.-Rat Morgenstern, als Vertreter der Stadtgemeinde Dresden Hr. Bürgermstr. Leupold und Hr. Stadtbrt. Ob.-Brt. Klette, ein erfreuliches Zeichen für das Interesse, welches den Bestrebungen und Ver¬ handlungen des Verbandes von Regierung und Stadtver¬ waltung entgegengebracht wird. Auch in den Ansprachen, welche die Hrn. Geh. Rat Dr. Ritterstädt namens der Regierung, Hr. Bürgermstr. Leupold namens der Stadt¬ gemeinde hielten, kam die Wertschätzung technischer 461 Leistungen und das Interesse an den Arbeiten des Ver¬ bandes zum beredten Ausdruck. Hr. Bürgermstr. Leupold erkannte auch dem „hochangesehenen Organ“ des Ver¬ bandes, der „Deutschen Bauzeitung“ einen besonderen An¬ teil an der „achtunggebietenden Stellung“ zu, welche der Verband „im Kulturleben des deutschen Volkes einnimmt.“ Auch an dem Festmahle, welches den ersten Ver¬ sammlungstag abschloss, nahmen die genannten Herren teil, während bei dem von der Stadtgemeinde gestifteten Frühstück, das die Verhandlungen dieses Tages in ange¬ nehmer Weise unterbrach, Hr. Stadtbrt. Klette präsidierte. Nach Schluss der Beratungen am 2. Verhandlungs¬ tage wurde eine ge¬ meinsame Fahrt nach Meissen unternom¬ men, wo man zunächst der altberühmten Kgl. Po r z e 1 1 a n-M a n u f a k- tur einen Besuch ab¬ stattete. Unter der Lei¬ tung der Herren Direk- torenundBetriebsleiter wurde der Werdepro¬ zess des Porzellans ein¬ gehend verfolgt und schliesslich die Muster¬ sammlungbesichtigt, in welcher manch’ schö¬ nes Stück die Auf¬ merksamkeit fesselte. DurchVertreter der Stadtgemeinde herz¬ lich empfangen und geführt, erstieg die Ge¬ sellschaft sodann die malerische Albrechts- burg, von der hohen Schlossbrücke herab von Fanfarenbläsern in mittelalterlicherTracht festlich begrüsst. Nach eiliger Stillung des erstenDurstes im Burg¬ keller, von dessen baumbestandener Ter¬ rasse sich ein köstli¬ cher Fernblick hinweg über die braunen Zie¬ gel-Dächer der Stadt bietet, wurde der inter¬ essante Dom besucht, dessen Westfront be¬ reits eingerüstet ist, um denAusbau derTürme nach den Schäfer-’ sehen Plänen in An¬ griff zu nehmen. Der Meister, dessen Entwürfe tags zuvor in einer Audienz die endgiltige Genehmigung des Königs erhalten hatten, war selbst zugegen und konnte interessante Aufschlüsse über die ursprüngliche Gestalt der Turmendigungen geben. Ein fröhliches Mahl im Burgkeller schloss sich an, bei welchem viele der fremden Gäste es sich nicht nehmen Hessen, auch den auf den rebenbekränzten Hügeln Meissens wachsenden Wein zu probieren, dessen Genuss jedenfalls der Stimmung keinen Abtrag tat. (Im Rats¬ keller soll übrigens auch ein guter Tropfen des heimischen Gewächses liegen.) Dann folgte ein gemeinsamer Gang durch die reich ausgemalten restaurierten Räume der Albrechtsburg, die wie bei besonderen fest¬ lichen Gelegenheiten im Glanze elektrischen Bogenlichtes erstrahl¬ ten, während derMeis- sener Männer-Gesang- verein seine Weisen ertönen Hess; ein stim- mungsvollesBild. Dann hastete man zum Bahn¬ hof, um den Zug nach Dresden nicht zu ver¬ säumen. Auf der Elb¬ brücke angekommen, an deren Stelle sich hoffentlich bald wieder eine massive Brücke erheben wird, die sich besser als die nach 1866 nach der Spren¬ gung im Kriege er¬ baute hässliche Eisen¬ konstruktion in das Stadtbild einfügt, for¬ derte ein Böllerschuss vomSchlosse auf, noch¬ mals zurückzuschauen, und dann erstrahlte der Burgberg in rotem ben¬ galischen Lichte, seine bewegten Umrisslinien scharf vom dunklen Nachthimmel abhe¬ bend Voll Dank über dieliebenswürdigeAuf- nahme und etwas er¬ müdet von all den gebotenen Genüssen kehrte man spät abends nach Dresden zurück. Diese Ermüdung kam zum grossen Bedauern der Dresdener Fach¬ genossen auch am Neue Fassade des Georgenbaues am Schloss in Dresden. Architekten: Hof- Ob.-Brt. Dünger und Hofbrt. Frölich in Dresden. Paul March "{*. m 20. Juli d. J. ist Kommerzienrat Paul March, das langjährige Haupt der Tonw aren - Fahr ik Ernst March Söhne in Charlottenburg dahin ge¬ schieden. Ein Mann, dessen verdienstvolle Tätigkeit nicht allein die Entwicklung des von ihm vertretenen Industrie¬ zweiges und der diesem verwandten Gewerbe mächtig gefördert, sondern auch zum Bauwesen in so enger Be¬ ziehung gestanden hat, dass dessen Angehörige ihm ein dankbares Gedächtnis schulden. Ist est doch ein nicht unwichtiges Blatt der deutschen und insbesondere der Berliner Baugeschichte des letzten halben Jahrhunderts, das sich vor uns entrollt, wenn wir den Verlauf seiner Lebensarbeit verfolgen. Es ist 80 Jahre her, seit Schinkel den Versuch unter¬ nahm, das Aeussere seiner Werder’schen Kirche wiederum in der altheimischen Weise eines unverputzten Ziegelbaues mit Gliederungen und Figuren aus Terrakotta zu ge¬ stalten. Zehn Jahre später entstand neben einigen kleineren Fassaden das zweite, noch glänzendere Beispiel dieser Bauart, das Gebäude der alten Bauakademie. Die Terra¬ kotten zu diesen Ausführungen wurden von 2 Berliner Fabrikanten, Feilner und Gormann geliefert, deren technische Leistung um so höher zu bewerten ist, als eine solche Arbeit von ihnen nur vereinzelt gefordert wurde, während sie im übrigen auschliesslich mit der Herstellung glasierter Kachelöfen sich beschäftigten. Zu diesen beiden Werkstätten trat dann i. J. 1836 die Charlottenburger Tonwaren- Fabrik von Ernst March, eines ehemaligen Lehrlings von Feilner. Von diesem aufs 462 beste geschult und zugleich auf der Kunstakademie durch Schadow im Modellieren ausgebildet, war er nach längerer Tätigkeit in Westdeutschland und Frankreich i. J. 1833 als Geschäftsführer und Teilhaber in die Fabrik seines alten Meisters eingetreten. Selbständig geworden, betrieb er zunächst die Herstellung von Geräten für die Zucker¬ siederei, um sodann mehr und mehr den Aufgaben des Bauwesens sich zu widmen. Zwar waren diese vorläufig noch beschränkter Art. Eigentliche Terrakotten -Bauten, wie jene oben genannten, kamen in den folgenden Jahren nicht mehr zur Ausführung und was bei den schlichten Backstein-Kirchen aus der ersten Regierungszeit Friedrich Wilhelm’s IV. an Formsteinen und Ornamenten gebraucht wurde, war nicht von Bedeutung. Im Wohnhausbau aber war noch auf lange hinaus die Putz- Architektur Allein¬ herrscherin. So handelte es sich neben Wasserleitungs- Röhren und Fliesen im wesentlichen um die Anfertigung von Figuren, Vasen und Ornamenten, die als dauer¬ hafterer Ersatz für den sonst üblichen Stuck in die Archi¬ tektur eingefügt und gleich dieser mit einem Oelfarben- Anstrich versehen wurden, ohne ihrem Stoffe nach zur Geltung zu kommen. Unter den öffentlichen Bauten gleicher Herstellungsart, für welche March’sche Terra¬ kotten zur Verwendung kamen, sind die Schlosskuppe], das Kriegsministerium und das Neue Museum zu nennen; für letzteres lieferte die Fabrik auch die farbigen Fuss- boden-Beläge. Immerhin blieb den rastlosen Anstrengun¬ gen ihres Inhabers, denen dieser leider schon i. J. 1847 erliegen sollte, der Erfolg nicht versagt. Die March’sche Werkstatt hatte um diese Zeit den beiden älteren Geschäften, von denen das Feilner’sche später ganz einging, das Gor- No. 72. nächsten Tage zum Ausdruck, bei dem Ausfluge nach der Bastei, der die ganze Veranstaltung abschloss. Trotz des herrlichen Wetters war die Zahl der Teilnehmer nur eine verhältnismässig kleine. Es war aber fast zu viel geboten worden, um so mehr, als die Städte-Ausstellung doch Jeden fesselte und mancher der Abgeordneten auch weiterhin an einem der zahlreichen Kongresse teilzu¬ nehmen hatte, welche die Stadt Dresden aus Anlass ihrer Ausstellung in diesem Jahre in ihren Mauern begrüssen darf. Um so mehr gebührt aber den Dresdener Fachge¬ nossen der Dank, dass sie trotz der grossen Inanspruch¬ nahme dieses Jahres, in so nachdrücklicher und erfolg¬ reicher Weise bemüht waren, den Teilnehmern der Ab- geordneten-Versammlung neben den ernsten Stunden der Arbeit auch genussreiche der Erholung zu bieten. — (Schluss folgt.) Vermischtes. Zum Oberbaudirektor ln Bremen ist Baurat Hermann Bücking in Bremen gewählt worden, der langjährige Mitarbeiter von Ludwig Franzius, dessen Nachfolger er nun wird. Bücking, der z. Zt. im 57. Lebensjahre steht, ist seit 1876 im bremischen Staatsdienste tätig. Seit 1895 war ihm die selbständige Leitung der Korrektionsarbeiten der Unter-Weser übertragen und namentlich hat er sich persönlich um die Korrektionsarbeiten der Aussenweser besondere Verdienste erworben. Es erscheint daher nur naturgemäss, dass er nach Franzius Tode in dessen Stelle tritt. (Vergl. unsere Mitteilungen Jahrg. 1901 S. 154 ge¬ legentlich seines 25jährigen Dienstjubiläums.) — Zu Ehrendoktoren der Technischen Hochschule in Karls¬ ruhe sind auf Antrag der Abteilung für Maschinenbau er¬ nannt worden Geh. Reg.-Rat Prof. G. Herrmann an der Technischen Hochschule in Aachen und der Maschinen- Fabrikant H. Sulzer-Steiner in Winterthur, Schweiz (vergl. auch No. 68 S. 440). Todtenschau. Ewald Bellingrath, Dr. Ing. f. In den letzten Tagen des August verstarb in Dresden im 65. Lebensjahre der durch seine Bestrebungen um die Entwicklung und Ver¬ besserung des Schiffahrtsbetriebes auf verschiedenen deutschen Strömen durch Einführung der Kettenschiffahrt bekannte Ingenieur E. Bellingrath, Generaldirektor der „Kette, deutsche Elbschiffahrts-Gesellschaft“ in Dresden. In Barmen 1838 geboren, studierte er in Lüttich, Karls¬ ruhe und Zürich, war zunächst in der Eisenindustrie tätig und widmete sich dann der Aufgabe, die sein Lebenswerk wurde, indem er die genannte Gesellschaft 1869 gründete, die bis 1874 die Legung der Kette auf der ganzen deut¬ schen Elbe durchgeführt hatte und damit der Elbschiffahrt einen ungeheuren Aufschwung gab. Auch die Errichtung der Kettenschiffahrt auf Neckar und Main ist sein Werk. Durch Erfindung eines Kettengreifrades griff er auch prak¬ tisch verbessernd ein. Seine schriftstellerische Tätigkeit und seine sonstigen Bestrebungen liegen sämtlich auf dem Gebiete der technischen und wirtschaftlichen Hebung des Schiffahrts-Betriebes. Die Technische Hochschule in Dresden ernannte ihn im Vorjahre zum Dr. Ing. ehrenhalber. Preisbewerbungen. Einen Wettbewerb um Pläne für 2 Arbeiterkolonien zu Eschweller-Pumpe schreibt der Eschweiler Bergwerks- mann’sche sich auf sein ursprüngliches Gebiet, dieOfenfabri- kation zuiück zog, bereits entschieden den Rang abgelaufen. Nach einer Zwischenzeit von 5 Jahren, während welcher der Fabrik ein bewährter Werkmeister Vorstand, übernahm i. J. 1852 der älteste Sohn ihres Begründers, Paul March, dem einige Jahre später sein Bruder Emil M. zurseite trat, deren Leitung. Sie wurde zunächst auf Rechnung der Familie fortgeführt und ist erst i. J. 1865 in das Eigentum der beiden Brüder übergegangen. Was der Vater kraftvoll begonnen und vorbereitet hatte, das haben in den folgenden Jahrzehnten seine Söhne mit nicht geringerer Tatkraft und Umsicht, voll Hingebung und Verständnis sowohl für die technische wie für die künstlerische Seite ihres Fachgebietes fortgesetzt und zur Vollendung geführt. Als Paul March an die Spitze des Geschäftes gelangte, hatte er erst ein Alter von 22 Jahren erreicht, war jedoch für seinen Beruf trefflich vorgebildet. In allgemeiner Be¬ ziehung auf der Berliner Gewerbeschule, künstlerisch auf der Kunstakademie, technisch durch eine mit Strenge durch¬ geführte Lehrzeit in der eigenen Fabrik und durch eine mehrjährige Beschäftigung in hervorragenden Werkstätten Deutschlands, Frankreichs und Englands. Seiner ersten selbständigen Wirksamkeit gereichte es zum Vorteil, dass die durch die Ereignisse des Jahres 1848 eingeleitete Stockung des Geschäftslebens und der Bautätigkeit nach- liess und ein neuer Aufschwung sich vorbereitete. Uebri- gens kamen neben den Aufgaben des Bauwesens, welche bis auf weiteres den ersten Rang behaupteten, allmählich auch diejenigen der Gasfabrikation und der chemischen Industrie zur Geltung. 9. September 1903. verein unter deutschen Architekten aus. Es sind zu¬ sammen 8 Preise ausgesetzt und zwar je 1 Preis zu 4000 bezw. 2000 M. und je 3 Preise zu 1000 bezw. 500 M. Dem Preisgericht gehören an die Hrn. Geh. Brt. Stübben in Köln, Reg.- und Brt. Kosbab und Brt. Daniels, beide in Aachen, Brt. Schmohl in Essen a. Ruhr und Bergrat Othberg in Eschweiler-Pumpe. Unterlagen gegen kosten¬ freie Einsendung von 5 M., die nach Einreichung eines Ent¬ wurfes zurückertattet werden, vom gen. Bergwerksverein. — Wettbewerb Höhere Mädchenschule in Esslingen a. N. Man schreibt uns, dass zu diesem am 1. Sept. d. J. abge¬ laufenen Wettbewerb (vergl. S. 248) nicht weniger als 308 Entwürfe eingegangen sind. Eingefordert waren 875 Programme. — _ Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. J. H. in Wischwill. Wofern die zur Ableitung der Tages- und Wirtschaftsgewässer hergestellte Tonröhrenleitung zwischen dem Neubau und Flusse durchweg auf dem eigenen Grundstücke sich befindet und nicht etwa bei ihrer Ausführung gegen die Regeln der Technik verstossen ist, hat der Bauherr oder der Bauausführende eine Klage der Nachbarn nicht zu fürchten, weil die auf ihren Grundstücken befindlichen Wasseradern ver¬ siegen und die Wassermengen abnehmen. Sollten umgekehrt je¬ doch fremde Grundflächen unbefugterweise benutzt sein oder die Ausführung Fehler verraten, so würden B. G. B. §823,831 denk¬ barerweise den geschädigten Nachbarn eine ausreichende Grundlage zur erfolgreichen Anstellung von Ersatzansprüchen bieten können. Um ein untrügliches Urteil zu fällen, müsste die Sachdarstellung weit vollständiger sein, als die gebotene ist. Zu bemerken bleibt, dass die Chaussee und deren Gräben mutmaasslich dem Eigentümer der Tonröhrenleitung nicht gehören werden, weshalb der Wege¬ herr die Entfernung der Leitung und die Wiederherstellung des alten Zustandes zu fordern berechtigt sein würde. — K. H-e. Hrn. E. B. in Merseburg. Eine Baustillehre, die allen von Ihnen gestellten Anforderungen entspricht, gibt es noch nicht. Eine Bauformenlehre in der gedachten Art gibt es nur für die Gotik, „Ungewitter, Lehrbuch der got. Konstruktionen“. Für moderne Fassaden empfehlen wir Ihnen die „Münchener Baukunst der Gegen¬ wart“, auch „Der Architekt“, Wiener Monatshefte, Verlag A. Schroll & Co. Eine Anleitung zu zeichnerischen Ausführungen der ge¬ wünschten Art ist uns nicht bekannt. — Hrn. H. S. in Apolda. Ein Buch wie das gewünschte gibt es bisher nicht. Sie werden aber mit Nutzen von folgenden Büchern Gebrauch machen können: Beieistein, Die Wasserleitung im Wohngebäude, Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke, bei Bernh. Fr. Voigt in Leipzig; und König, Die Wasserversorgung, bei O. Wigand in Leipzig erschienen. Anfragen an den Leserkreis. Welche Firma liefert Kyserling’sche Basalt-Zement-Stufen- beläge oder ähnliche Materialien ? — E. M. in Glogau. Von den öffentlichen Bauten Berlins aus den fünfziger Jahren d. v. Jahrh., an denen die Fabrik beteiligt war, mögen hier die Markus-, Michaels- und Bartholomäus-Kirche ge¬ nannt werden. Eine der ersten Anwendungen des Back¬ stein-Baues mit Terrakotten für Privatzwecke zeigten die mittlerweile beseitigten) Comtoir-Gebäude der Borsig’schen Werke am Oranienburger Tor. Ein aus derselben Zeit stammendes grosses Werk der Figuren-Plastik in Terra¬ kotta sind die Reliefs und Figuren an den älteren Eisen¬ bahn-Brücken bei Dirschau und Marienburg; es fand so¬ viel Anerkennung, dass die Meister der Berliner Töpfer- Innung sich gedrungen fühlten, seinen Schöpfer zum Meister h. c. zu ernennen. Selbstverständlich breitete mit der Ausführung aufwändigerer Putzbauten auch die oben er¬ wähnte Anwendung des Terrakotten-Schmuckes als Ersatz für Stuck oder Zinkguss immer weiter sich aus; sie hat bis heute nicht aufgehört. — Die eigentliche Blütezeit für die dem Bauwesen ge¬ widmete Tätigkeit der March’schen Werke aber brach an, nachdem durch den i. J. 1859 begonnenen Bau des Berliner Rathauses ein kräftiger Anstoss zur Wiederaufnahme des Terrakotten- Baues gegeben worden war. Ausschlaggebend für diese Rückkehr zu den Schinkel’schen Bestrebungen war wohl der innerhalb der Architektenschaft wie im Volke immer stärker erwachende Sinn für monumentale Echtheit der Architektur, der hier wie an anderen Orten Norddeutsch¬ lands zunächst dem altgewohnten heimischen Baustoffe des gebrannten Tones zugute kam. Auf den Anklang, den sie im Publikum fand, hat aber vielleicht auch der Umstand hin¬ gewirkt, dass die zum Rathause verwendeten Laubaner Blendziegel und die aus demselben Stoff hergestellten 463 March’schen Terrakotten in ihrer sauberen Form und ihrer tiefroten Färbung wesentlich günstiger wirkten, als die aus märkischem Ton geformten blassrötlichen Ziegel und Terra¬ kotten der älteren Bauten (mit Ausnahme der Bauakademie). Zunächst war es die Stadtgemeinde, die für ihre Aus¬ führungen den Ziegelfugen- bezw. Terrakotten-Bau auf¬ nahm und auf Jahrzehnte hinaus ausschliesslich zur An¬ wendung brachte. Ihrem Beispiel folgten sodann — wenn auch nicht in gleicher Ausschliesslichkeit — der Staat, die meisten der zu baulichen Unternehmungen schreitenden Er¬ werbs-Gesellschaften und z. T. selbst die Privat-Bauherren. Es ist damals eine nicht geringe Summe ernster und ehrlicher Arbeit an die technische wie an die ästhetische Entwicklung des Terrakotten -Baues gesetzt und es sind nach beiden Richtungen sehr anerkennenswerte Erfolge erzielt worden — namentlich seitdem der durch die Einigung Deutschlands herbeigeführte Aufschwung aller Verhältnisse etwas grösseren Aufwand beim Bauen gestattete. An dieser Arbeit und an diesen Erfolgen aber war neben einzelnen führenden Architekten, wie Martin Gropius, Ende & Böckmann u. a, in erster Linie Paul March beteiligt. Keinem neuen Versuche, zu welchem vor allem das der Schinkel’schen Zeit noch fremde Streben nach reicherer farbiger Ausstattung der Bauten mittels glasierter Majolika anregte, hat er sich versagt und fast jedem solchen Versuche war unter seinen Händen glückliches Gelingen beschieden. Jedenfalls ist aus den March’schen Werkstätten niemals Minderwertiges, geschweige denn Misslungenes hervorgegangen. Und wenn hier und da Bedenken gegen die ästhetische Berechtigung gewisser, dem Werksteinbau entlehnter Architekturformen oder gegen die konstruktive Sicherheit der aus grossen Tonkästen gebildeten Gesims- Anordnungen laut geworden sind, so haben sich diese Be¬ denken stets nur wider den für die Aufgabe verantwortlichen Architekten, niemals aberwider den ausführendenKeramiker gerichtet, dessen Leistung an sich jederzeit tadellos war. Nicht zu unterschätzen ist hierbei der wohltätige Ein¬ fluss der Schwierigkeiten, welche die March’sche Fabrik insofern zu überwinden hatte, als ihr mittlerweile durch eine Mehrzahl neuer Tonwaren - Fabriken ein scharfer Wettbewerb entstanden war. Im unmittelbaren Anschluss an ebenso ergiebige wie vorzügliche Tonlager begründet, konnten diese Fabriken die übliche Durchschnittsware er¬ heblich billiger liefern als die March’sche, welche ihren Rohstoff von den verschiedensten Punkten her bezieht, dadurch aber freilich in der Lage ist, ihren Erzeugnissen jede geforderte Eigenschaft und Farbe geben zu können. Wenn sie infolgedessen auch genötigt war, sich allmählich auf die Lösung der feinsten und schwierigsten Aufgaben ein¬ zuschränken, so ist sie andererseits wohl gerade dadurch zu ihrem unablässigen Vorwärtsstreben angespornt worden. Trotz dieses Wettbewerbes ist die Zahl der Berliner Bauten, welche während des inrede stehenden, mehr als ein Menschenalter umfassenden Zeitabschnittes mit March’¬ schen Terrakotten und Majoliken ausgestattet wurden, so gross, dass es kaum möglich ist, auch nur die wichtigsten unter ihnen zu nennen. Von Kirchen kommen insbeson¬ dere die Lucas-Kirche, die Christus- und Thomas-Kirche, die Zions-, Dankes- und Himmelfahrts-Kirche inbetracht. Unter den öffentlichen Bauten des Staates und Reiches ragen das alte Chemische Institut in der Georgen-Strasse, das zum Finanzministerium gehörige Haus in der Doro- theen-Strasse, die neue Münze, das Generalstabs-Gebäude, die Kriegsakademie, die Kunstschule und das Kunstge¬ werbe-Museum — unter den städtischen Bauten nächst dem Rathause und dem Fr. Werder’schen Gymnasium die Volks-Badeanstalt in Moabit hervor. Dazu treten an Ge¬ sellschafts- und Privatbauten: die Passage, die ehemalige Villa Kabrun und das eigene, mit grösster Liebe bis in die kleinsten Einzelheiten keramisch ausgestaltete Haus Paul Marchs, das Pringsheim’sche Haus, das (inzwischen beseitigte) Cafe Helms an der Schleuse, das Ausschank- Gebäude der Patzenhofer Brauerei in der Friedrich-Strasse und das neue Ravene’sche Geschäftshaus. Die letztge¬ nannten 4 Bauten und der Figuren-Fries des Graefe-Denk- mals sind glänzende Beispiele farbiger Majolika-Dekoration, denen ausserhalb Berlins noch das sogen. „Inselgebäude des Kölner Hauptbahnhofes und die grossen (in Stein ein¬ gelegten) heraldischen Adler an den Portalen der neuen Eisenbahn-Brücken bei Dirschau und Marienburg sich an¬ reihen. Von auswärtigen Terrakotten -Bauten der älteren Art seien schliesslich noch die Universitäts - Gebäude in Königsberg, Budapest und Rostock sowie die Paulskirche in Schwerin erwähnt. — Die Reihe der Ausführungen, an denen die March’sche Werkstatt ihre Leistungsfähigkeit bewähren konnte, wird in Zukunft allerdings kaum noch eine erhebliche Erwei¬ terung erfahren. Fast ebenso schnell wie jene Blüte des Terrakotten-Baues sich entwickelt hatte, ist sie bekanntlich 464 auch dahingewelkt. Mehr und mehr ist im Laufe der letzten beiden, namentlich aber des letzten Jahrzehntes sowohl für öffentliche Gebäude wie für alle besseren Wohnhäuser der Werksteinbau in Aufnahme gekommen und es scheint nicht, als ob er von seiner beherrschenden Stellung jemals wieder verdrängt werden würde. Denn es sind wohlberechtigte innere Gründe, nicht etwa blos ein Wechsel der Mode und des Geschmackes, die hierauf hingewirkt haben. Gewiss sind auch diese Einflüsse nicht zu unterschätzen. Man kann es wohl verstehen, dass die Einförmigkeit der Fassadenbilder, welche insbesondere die massenhaften Berliner Schulhausbauten gewähren, schliess¬ lich ermüdend wirken musste, und dass man nach ab¬ wechslungsreicheren, bewegteren Gestaltungen sich sehnte, als sie der von der älteren Berliner Architektur-Schule gepflegte, auf eine verhältnismässig kleine Zahl von Mo¬ tiven beschränkte und zumeist in starren Linien auftretende Backstein- bezw. Terrakotten-Bau darzubieten vermochte. Aber entscheidend ist doch wohl die in der Architekten¬ schaft zum allgemeinen Durchbruch gelangte Erkenntnis gewesen, dass die anzustrebende Echtheit der Archi¬ tektur nicht nur auf den Baustoff, sondern zugleich auf die Konstruktion bezogen werden müsse. Eine Erkennt¬ nis, welche dahin führen musste, nur den Backsteinbau mittelalterlicher Art als gesund anzuerkennen, jede Nach¬ ahmung von Werksteinformen in Terrakotta dagegen als eine Künstelei anzusehen. Eine solche Künstelei konnte als ein erlaubter Notbehelf angesehen werden, so lange die für einen echten Werksteinbau erforderlichen Kosten, die für einen Terrakotten-Bau aufzuwendenden Kosten wesent¬ lich überschritten. Dies trifft gegenwärtig kaum noch zu — insbesondere nicht, wenn die ornamentale Ausstattung des Baues von der hergebrachten Massen-Anwendung gewisser Schmuckformen absieht und in eigenartigen Bildungen sich bewegt. Und ebenso wenig kann — zum mindesten für Berlin — heute noch davon die Rede sein, dass es sich beim Terrakotten-Bau um die Anwendung eines hei¬ mischen Baustoffes, also gleichsam um eine patriotische Tat handle, seitdem die besseren Ziegel und Terrakotten (bezw. der Rohstoff zu den letzteren) aus ebenso weiter Entfernung bezogen werden müssen, wie der Werkstein. Mögen immerhin auch in Zukunft farbige Majoliken zum Schmucke der Architektur verwendet, mögen vereinzelt auch noch Terrakotten-Bauten der älteren Art ausgeführt werden: ihre Vorherrschaft dürfte für immer gebrochen sein. Sie gehört bereits der Geschichte an. — Selbstverständlich kann ein solcher Ausgang der Be¬ wegung nicht das Verdienst derjenigen schmälern, die sie einst hervorgerufen und gefördert haben. Auch sind ihre Anstrengungen keineswegs vergeblich gewesen; denn sie haben für ihr Teil erfolgreich daran mitgewirkt, jenen im Volke fast ganz erloschenen und selbst den Fachleuten fremd gewordenen Sinn für Echtheit der Architektur aufs neue anzufachen. Wer will sagen, ob ohne ihre Vor¬ arbeit der Putzbau so schnell in seine natürlichen Grenzen zurückgedrängt und dem Monumentalbau die Bahn er¬ öffnet worden wäre? Am wenigsten aber kann das Ver¬ dienst der an erster Stelle stehenden keramischen Werk¬ statt und ihres Leiters Paul March eine Einschränkung erleiden. Wie er vor seinen Zeitgenossen dastand, als ein Mann, dessen unübertroffene und in aller Welt anerkann¬ ten Leistungen einen Stolz des Berliner Kunstgewerbes bildeten, so wird er auch fernerhin eingeschätzt werden. In der Fabrik selbst musste das allmähliche Zurück¬ treten der für das Bauwesen bestimmten Arbeiten natür¬ lich eine Veränderung des Betriebes herbei führen. Sie hat wiederum an ihre Anfänge angeknüpft und den Schwer¬ punkt ihrer Tätigkeit in die Herstellung von Geräten für die immer kräftiger aufblühende chemische Industrie Deutschlands verlegt. Am 1. Jan. 1899 ging die Leitung an den ältesten Sohn P. March’s, Hrn. Albert March, über. — Auch was Paul March neben seiner eigentlichen Be¬ rufsarbeit — insbesondere als Vorstands-Mitglied des Ver¬ eins zur Beförderung des Gewerbefleisses und als lang¬ jähriger Vorsitzender des „Deutschen Vereins für Fabri¬ kation von Ziegeln, Tonwaren, Kalk und Zement“ — für gemeinnützige Zwecke geleistet hat, war bedeutend und hat reiche Früchte getragen. Doch würde es zu weit führen, an dieser Stelle näher darauf einzugehen. Ein dauerndes und ehrenvolles Andenken ist ihm nicht nur bei denen gesichert, die den liebenswürdigen Mann in seiner rastlosen Tätigkeit persönlich kennen gelernt und verehrt haben. — — F. — Inhalt: Verband deutscher Architekten- und Ingenieur -Vereine. Von der XXXII. Abgeordneten - Versammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine in Dresden. — Paul March j. Ver¬ mischtes. — Todtenschau. — Preisbewerbungen. — Brief- u. Fragekasteu. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 72 jj 90 E 69 ^ B bRi Q 6 [1 t l 8 . fj Aus Passau. Abbildg. 6. Südost-Ansicht des Domes nach einer Radierung des Leonardus Abent v. J. 1576. neuert worden ist und wie dieser erste Steinbau beschaffen war, ist nicht überliefert. Nach der kirchlichen und poli¬ tischen Stellung, die das Bistum Passau im frühen Mittel- alter einnahm und nach verschiedenen Angaben, die von grossen im Dom gefeierten, durch die Anwesenheit des Kaisers und seines Gefolges verherrlichten Festen berichten, darf man jedoch vermuten, dass schon diese ältere, allmählich vergrösserte und immer reicher ausge¬ stattete Kirche zu den vornehmeren Kathedralen Deutsch¬ lands gehörte und an Umfang hinter dem heutigen Bau nicht allzu sehr zurückgestanden hat; vielleicht ruht der letztere zumteil noch auf ihren Fundamenten. In ihrer schliesslichen Gestalt wird man sie als eine dreischiffige Basilika romanischen Stiles mit Querschiff und Krypta sich zu denken haben. Dieser erste frühmittelalterliche Dom erlitt i. J. 1181 eine Zerstörung durch Brand, die jedoch eine vollständige nicht gewesen sein kann. Angesichts der vielfältigen und andauernden politischen Wirren und Nöte, die bald dar¬ auf über das Bistum herein brachen, behalf man sich viel¬ mehr länger als ein Jahrhundert mit der notdürftig her¬ gestellten Ruine, bis i. J. 1285 ernstlich mit einem Neubau bezw. Ausbau der Kirche begonnen wurde. Von diesem Zeitpunkte an kann man die Baugeschichte des Domes wenigstens in den allgemeinen Zügen verfolgen; denn abgesehen von den Aufschlüssen, die der Bau selbst ge¬ währt, und die in verschiedenen urkundlichen Nachrichten vorliegen, sind auch 2 (in den Jahren 1493 und 1576 ver¬ öffentlichte, aber wohl schon früher entstandene) Ansich- 16. September 1903. ten des mittelalterlichen Domes vorhanden, die den je¬ weiligen Zustand des Werkes erkennen lassen. Von Dilettantenhand gezeichnet, sind diese hier (nach dem Ehrhard’schen Buche) wiedergegebenen Abbildungen in den formalen Einzelheiten natürlich völlig missverstanden und unzuverlässig. Immerhin darf man voraussetzen, dass die Zeichner bemüht gewesen sind, das darzustellen, was sie wirklich sahen, und dass aus ihren Skizzen mit Sicher¬ heit wenigstens auf die Hauptmotive der Anlage ge¬ schlossen werden kann. In der älteren Skizze (Abbildg. 5), deren Entstehungszeit vielleicht bis zur Mitte des 15. Jahrh. zurückverlegt werden darf, gehören dem i. J. 1285 begonnenen und im Laufe des 14. Jahrh. fortgesetzten Bau ersichtlich die Türme (wohl auch noch das diesen zunächst liegende Stück des Hoch¬ schiffes) und das Seitenschilf an. Denn die Strebepfeiler des letzteren, welche bei dem demnächst zu erwähnenden Umbau des 15. und 16. Jahrh. durch Hinausrücken der Aussenmauern in die Kirche einbezogen und zur Bildung flacher Seitenkapellen verwendet worden sind *), springen nach aussen vor. Der Bau, dessen Gerüst bis zur Höhe der Seitenschiffe noch im heutigen Dome enthalten sein dürfte, scheint danach ein Werk des Uebergangsstiles, teilweise auch der Früh- und Hochgotik gewesen zu sein. *) Durch dieses Hinausrücken der Seitenschiffs-Mauern ist es bewirkt, dass — wie der Grundriss in Abbildg. 4 zeigt — das Querschiff nicht mehr vorspringt, sondern einspringt. Dass diese Aenderung noch aus dem Mittel- alter und nicht erst aus der Barockzeit berrührt, geht daraus hervor, dass der spätgotische Kreuzgang des Domes an die nördliche Seitenschiffs- Mauer angebaut war. 477 zu erwähnen, die über die Bebauung vom XIT. und XIII., dann weiter von Jahrhundert zu Jahrhundert bis einschl. des XVII., sowie über die Veränderungen seit dem Jahre 1870 Aufschluss geben. In dem die bauliche Entwicklung der Altstadt von Mannheim schildernden Plane ist nach einer Farbenskala das Hausalter angegeben. Ein Modell gibt ferner einen plastischen Ueberblick über die vormals zu¬ lässige Bebauung in geschlossener Reihe mit 4 Geschossen und 1 Mansarde an 15 ™ breiten Strassen mit verbauten Höfen im Vergleiche zu der jetzt nach der Bauordnung von 1892 zugelassenen Bebauung in Gruppen oder mit Bauwich, 3 Geschossen und 1 Mansarde an 12 breiten Strassen mit unverbauten Höfen, womit das Ideal einer Bebauung nur mit Vorderhäusern erreicht erscheint. In Dresden sind bei geschlossener Bauweise nur kurze Seitenflügel zulässig; etwaige Hinterhäuser müssen selbständige Gebäude bilden — auch hierin liegt ein grosser Fortschritt gegenüber der Bebauungsart, wie sie z. B. noch Berlin selbst in den Vororten beherrscht. Bei offener Bauweise (2- und 3 geschossig mit ausgebautem Dachge¬ schoss) muss der Bauwich so breit angelegt werden, wie die halbe Gebäudehöhe ausmacht, mindestens aber 6 m (ausnahmsweise 4,5“). Gruppenhäuser sind aber bis auf 5° m Frontlänge zulässig, wenn der Bauwich von beiden Seiten 10 Breite erhält. Sehr klar ist die Zonenbauordnung von Breslau durch schematische Bautypen dargestellt. Die innere Stadt bildet den Bezirk A (Bauklasse), die Vorstadt mit geschlossener Bauweise und 2/3 Bebaubarkeit (ausschl. Vorgarten) den Bezirk B. Dann kommt ein Ausnahme¬ bezirk C wie vor, jedoch nur mit l/% Bebaubarkeit. Die Bezirke D und E umfassen Kleinburg-Scheitnig, also Vor¬ orte, die zum Stadtgebiet gehören, und zwar ersterer mit offener Bauweise und 5m Bauwich, letzterer mit geschlosse¬ ner Bauweise bei 3/10 Bebaubarkeit (einschl. Vorgarten). Weiter der Uebersichtsplan von den Bauzonen Magde¬ burgs, der in Abteilung I hängt. Dann aus Hannover eine Darstellung schematischer Schnitte über die zulässige Zahl von Wohngeschossen, sowie über die Mindesthöhe und Beleuchtung bewohnbarer Räume. Schliesslich sei noch auf die Illustration zur Bauord¬ nung Hannovers über die Zulässigkeit von Holzfachwerk in den verschiedenen Baustufen als sehr lehrreich hinge¬ wiesen. Der Holzbau sollte in der Tat wieder glimpf¬ licher behandelt werden! — ™ „ , 1h. Goecke. Vermischtes. Mitteilungen über die Herstellung von Betonkörpern mit verschiedenem Wasserzusatz sowie über die Druckfestigkeit und Druckelastizität derselben. Veröffentlicht von C. Bach. Stuttgart 1903. Hof Buchdruckerei Zu Gutenberg, Carl Grüninger (Klett & Hartmann). Mit 11 Tafeln. Die vorliegende Veröffentlichung ist das Ergebnis von Untersuchungen, welche auf Veranlassung des „Deutschen Beton-Vereins“ mit Unterstützung des württemb. Minist, des Inneren (Abt. für Strassen- und Wasserbau) im Vor¬ jahre durchgeführt worden sind, um vor der Vereinbarung einheitlicher Prüfungsmethoden für Beton die Frage zu klären, ob es zweckmässiger sei, den Beton plastisch oder erdfeucht, d. h. mit mehr oder weniger Wasser aufzu¬ bereiten. Die Herstellung der Probekörper — Würfel von 30 cm Seitenlänge zur Bestimmung der Druckfestigkeit und Zylinder von 25 c“> Durchmesser und im Länge zur Be¬ stimmung der Druckelastizität — wurde dabei in den Werken der Hrn. Kommerz.-Rat Eugen Dyckerhoff in Biebrich a. Rh. (Dyckerhoff & Widmann) und Fabrikdir. Hoch in Ehingen i. Württ. (Stuttgarter Zementfabrik) und auf Kosten der betr. Firmen bewirkt, während die Ver¬ suche selbst unter Leitung von Bach’s in der Material- Prüfungsanstalt der Technischen Hochschule in Stuttgart und auf Kosten der württemb. Regierung vorgenommen wurden. Aus diesen Ergebnissen werden nun von den Beteiligten verschiedene Schlussfolgerungen gezogen und zwar liegen bisher die Meinungsäusserungen vor, welche von den Hrn. D yckerhof f und Hoch, bezw. von Hrn. Brt. Braun in Ulm abgegeben worden sind. Das ganze Ma¬ terial ist nun in der Weise veröffentlicht, dass der ursprüng¬ lich vereinbarte Arbeitsplan, der Bericht über die davon Im Jahre 1405 begann Fürstbischof Georg, Graf von Hohenlohe einen Umbau des Domes im Stile der Spät¬ gotik. Der zuerst in Angriff genommene Chor war 1. J. 1444 zur Zeit der Anwesenheit des Aeneas Sylvius noch nicht fertig, also sehr langsam gefördert worden. Ueber den weiteren Fortgang der Arbeiten, die sich bis ins 16. Jahrhundert hinein erstreckten — an dem zur Höhe der Vierung emporführenden Treppentürmchen sollen die Jahreszahlen 1522, 1523 und 1524 eingehauen sein — fehlen nähere Nachrichten. Jedenfalls steht fest, dass dieser spät¬ gotische Bau niemals zur Vollendung gelangt ist. Denn aus der i. J. 1576 veröffentlichten Skizze (Abbildg. 6) ist ersichtlich, dass zur Zeit ihrer Aufnahme der Vierungstui m mit einem provisorischen Zeltdach abgeschlossen, und dass ein stilgemässer Umbau der Westtürme überhaupt noch nicht begonnen war, wenn auch deren Form mittlerweile eine Aenderung erfahren hatte. Als eine Besonderheit des Domes kann es angesehen werden, dass sowohl die Westfront des Hochschiffes, wie die Fronten des Quer¬ schiffes eines Giebelabschlusses entbehrten; das Dach des Hochschiffes endigte mit einem Walm, über den Flügeln des Querschiffes waren selbständige abgewalmte Sattel¬ dächer errichtet. Auf der Dachgalerie des Hochschiffes standen mächtige Heiligen -Figuren, von denen ein Kopf — wahrscheinlich derjenige des heiligen Stephan — noch heute vorhanden ist und unter dem wenig schmeichel¬ haften Namen des „Passauer Tölpel“ eine gewisse Volks¬ tümlichkeit erlangt hat; er ist neuerdings in das kleine Museum aufgenommen worden, das der Bayerische-Wald- verein in einem zur Aussichtswarte umgewandelten Turm 478 etwas abweichende tatsächliche Herstellung der Beton¬ körper in Biebrich und Ehingen, der Bericht über die Er¬ gebnisse der Versuche in Stuttgart und schliesslich die be- zeichneten Meinungsäusserungen zusammengefasst werden, ohne dass daraus endgiltige Schlussfolgerungen gezogen werden. (Es sei hier gleich bemerkt, dass der „Deutsche Beton-Verein“ in seiner Hauptversammlung im Februar 1903 beschlossen hat, noch eine Reihe weiterer Druck¬ proben mit verschiedenem Kies- und Sandmaterial in verschiedenen Zusammensetzungen sowie in verschiede¬ nem Mischungs-Verhältnis und Alter auszuführen.) Trotz¬ dem wird es nicht ohne Interesse sein, auf die Sache selbst etwas näher einzugehen. Der Arbeitsplan sah, um unmittelbare Vergleiche zu ermöglichen, die Verwendung gleichartiger Materialien zu den Probekörpern und die Ausführung der Proben nach den gleichen Grundsätzen vor. Zur Verwendung kamen Ehinger Zement, und zwar mit Rücksicht auf den prak¬ tischen Zweck der Versuche nicht ausgesuchte, sondern mittlere Handelsware, Donausand und Kies, sowie Jura- Steinschotter, alle drei nach bestimmten Vorschriften aus¬ gesiebt und aus feinem und grobem Material nach be¬ stimmtem Verhältnis gemischt. Die Probekörper sollten in genau vorgeschriebener Weise an beiden Orten herge¬ stellt werden. Die Versuche wurden in 8 Versuchsreihen vorgenommen, davon 6 mit einem maschinell hergestell¬ ten Beton, 2 mit Handbeton. In jeder Versuchsreihe wurde mit zwei Mischungen von 1 Raumteil Zement, auf 2,5 Sand, auf 1,75 Feinkiessteine bezw. Feinschotter, auf 3,5 Grob¬ kiessteine bezw. Maschinen- oder Handschlag-Grobschotter (also ein Mischungs-Verhältnis das mit 112,5:5 zu be¬ zeichnen ist) bezw. im Verhältnis 1:4:2, 8: 5, 6 (nach üb¬ licher Bezeichnung 1:4:8) gearbeitet, wobei zumeist die der Feste Oberhaus eingerichtet hat. Da eine Beschrei¬ bung Passau’s aus dem Jahre 1505 berichtet, dass einige Statuen des Domes wegen ihres hohen Standpunktes kaum gesehen werden könnten, so darf man schliessen, dass in diesem Jahre das Hochschiff bereits vollendet war. Die architektonische Ausgestaltung der Einzelheiten des Baues war — wie die noch erhaltenen, wenn auch stark beschädigten Fassaden seines östlichen Teiles er¬ kennen lassen — eine überaus feine und zierliche, freilich mit einem Anklang ans Handwerkmässige. Insbesondere in der gleichmässigen Ueberspinnung aller Flächen mit einem Netz zarter Gliederungen, das zu dem Masstabe des Ganzen nicht recht passen will, macht sich dieser Zug geltend; doch ist es nicht unmöglich, dass dereinst die Dach¬ galerie mit ihrem Figurenschmuck den Gesamt-Eindruck vorteilhaft beeinflusst hat. Höher stand, wenn man aus der Architektur des als einziger Rest der Anlage geretteten Portales an der Nordwest-Ecke auf jene schliessen darf, der gleichzeitig mit dem Umbau des Domes erneuerte Kreuzgang. In seiner malerischen Haltung und seiner fast an Metallguss erinnernden Plastik zählt dieses Portal zu den besten Leistungen deutscher Spätgotik. — Seine letzte grössere Umgestaltung erfuhr der Dom nach dem Stadtbrande von 1662, bei welchem nicht nur seine Bedachungen, sondern auch die gesamte reiche Aus¬ stattung des Inneren vernichtet worden waren; nachträg¬ lich stürzten noch die vom Regen durchweichten Gewölbe des Langhauses und mit ihnen ein Teil der Mauern und Pfeiler ein. Erst 2 Jahre später begann der Herstellungs¬ bau, zu dessen Ausführung der bis dahin in Prag wir- No. 74. erdfeuchte Mischung bei den Würfeln in 3, bei den Zylin¬ dern in 7 Schichten, die plastische Mischung bei den Wür¬ feln in 2, bei den Zylindern in 5 Schichten in die eisernen Formen eingestampft wurde. Von jedem Mischungsver¬ hältnis wurden je isWürfel und 6 Zylinder erdfeucht bezw. plastisch hergestellt und untersucht. (Für den Handbeton nur Würfel zu den Druckproben.) Bei dem erdfeuchten Ver¬ fahren, das bei Herstellung eigentlichen Stampfbetons in Anwendung kommt, ist der Wasserzusatz so zu bemessen, dass ein erdfeuchtes Gemenge entsteht, das sich mit der Hand gerade noch ballen lässt, während bei dem plasti¬ schen Verfahren die Wassermenge so weit gesteigert wer¬ den muss, dass die entstehende plastische Mischung nach dem Stampfen eine weiche Masse darstellt. (Die Firma Dyckerhoff & Widmann ist ein Hauptvertreter des ersteren Verfahrens.) Als zweckmässiges Mass hat sich für den erdfeuchten Beton ein Wasserzusatz von 4%, für den plastischen ein solcher von 5,7 °/0 herausgestellt. Diese Zahlen sind auch für die fette Mischung angewendet, für die magere 3,7 bezw. 5.5%. Ausserdem sind noch zwei weitere Versuchsreihen mit 4,85 bezw. 4,62% Wasser¬ zusatz für Handbeton hinzugefügt worden. Die tatsächliche Ausführung der Proben ergab von diesen Vorschriften mancherlei Abweichungen. Die Versuche hatten bezüglich der Druckfestigkeit folgende mittlere Ergebnisse: Mischung Proben aus Biebrich 1 : 2,5 : 5 | 1:4:8 Proben aus Ehingen 1 : 2,5 : 5 1:4:8 nach 28 Tagen nach 28 Tagen Erdfeucht Plastisch Erdfeucht Plastisch 293.6 I 23°, 1 249.4 | 160,6 nach rd. ioo Tagen 320.4 I 247,4 286.7 196,4 257.9 j 198,3 260,5 | 184,3 nach rd. iod Tagen 297,8 I 233,5 319,0 234,9 Es hat also jede der beiden Firmen mit dem ihr ver¬ trauteren Verfahren höhere Festigkeiten erzielt, als die andere unter gleichen Verhältnissen. Der erdfeuchte Be¬ ton zeigt nach 28 Tagen bei beiden Firmen eine grössere Festigkeit, als der plastische. Diese Unterschiede ver¬ schwinden aber mit dem Fortschritt der Erhärtung, sodass der erdfeuchte Beton der Biebricher Proben und der plastische Beton der Ehinger Proben nach 100 Tagen namentlich für die fettere Mischung keine grossen Unter¬ schiede mehr zeigen. Anderseits ergaben die Versuche sowohl für den erdfeuchten als für den plastischen Beton eine höhere Druckfestigkeit für den Maschinenbeton gegen¬ über dem Handbeton und ebenso höhere Festigkeit für den mit Maschinenschotter als den mit Grobkiessteinen herge¬ stellten Beton. Die elastischen Längenänderungen für 1 kg Pressung bezogen auf die Längeneinheit liegen bei der Mehrzahl der Versuche zwischen 1 : 300000 und 1 : 400000. Auf die Einwände, die von den Beteiligten namentlich hinsichtlich der verschiedenen Art der Herstellung ge¬ macht werden und die Meinungsäusserungen derselben über den Wert der einen oder anderen Herstellungsweise, wollen wir hier nicht eingehen und das Ergebnis der weiteren Versuche abwarten. Jedenfalls zeigen aber die kende italienische Architekt Carlo Lurago*) berufen wurde. Man entschied sich dafür, den noch im leidlichen Zustande befindlichen östlichen Teil des Domes (Chor, Vierung und Querschiff) vorläufig im Aeusseren möglichst unverändert zu lassen, das Langhaus mit der Westfront dagegen einer Erneuerung im Stile der Zeit zu unter¬ werfen. Doch wurden auch bei diesem, soweit es mög¬ lich war, die Mauern und Pfeiler des alten Baues benutzt. Selbstverständlich ging es auch an jenen östlichen Teilen nicht ohne jede Veränderung ab. Bei deren Neu¬ bedachung wurde die beim Brande zerstörte Dachgalerie mit ihren Figuren nicht wieder hergestellt. Statt der abgewalmten Satteldächer über den Flügeln des Quer¬ schiffes, hinter denen allerdings arge Schneefänge sich be¬ funden haben mussten, wurden diese Flügel mit Pult¬ dächern versehen, die nach Osten hin abgewalmt sind, nach Westen aber mit einer Giebelmauer schliessen, die in sehr unschöner (wenn auch nur von wenigen Stand¬ punkten auffälliger) Weise in das Achteck des Vierungs¬ turmes einschneidet. Die Strebepfeiler des letzteren, die schon an dem gotischen Bau einer stilgemässen Endi¬ gung entbehrt zu haben scheinen, erhielten kugelförmige Bekrönungen; das über sie hinaus geführte glatte Mauer¬ werk des Achtecks wurde mit einem Gesims abgeschlossen und über diesem ein neues achteckiges Haubendach er- *) Carlo Lurago lautet seine eigene Unterschrift in den zu Passau vorhandenen Urkunden; der Name kommt jedoch auch in der Schreibart Luragho und Lorago vor. Als ein Werk von ihm ist neben seinen in Gurlitt’s „Geschichte des Barockstils“ erwähnten Prager Bauten neuerdings noch das Jesuiten-Kollegium in Glatz ermittelt worden. Nach Gurlitt’s An¬ gaben war Lurago 1638 in Fermo geboren und ist 1679 gestorben. 16. September 1903. Versuche aufs neue, wie verschieden die Festigkeits-Er¬ gebnisse bei den gleichen Materialien selbst bei aner¬ kannten Firmen, die den Betonbau als Spezialität betreiben, durch die Verschiedenheit der Verarbeitung werden können, wie wenig Sicherheit also die Vorschrift eines bestimmten Mischungsverhältnisses bestimmter Materialien bietet, wie notwendig die Aufstellung einheitlicher Prüfungsmethoden für den Betonbau ist. — Bücher. Anleitung zur statischen Berechnung von Elsenkonstruk¬ tionen im Hochbau. Von Ing. H. Schloesser. 3. verbesserte Aufl. Bearbeitet und herausgegeben von Ing. W. Will. Vlg. von Julius Springer. Berlin 1903. Preis geb. 7 M. Der Wert des Schlösser’ sehen Werkes besteht in seiner unmittelbaren Verwendbarkeit für den praktischen Ge¬ brauch, indem für die selbst im einfachen Wohnhausbau vorkommenden Eisenkonstruktionen, d. h. also für die ge¬ walzten Träger in ihren verschiedenen Anwendungs-, Auflagerungs- und Belastungsformen, sowie für eiserne Stützen unter Voransetzung der zu verwendenden For¬ meln (ohne Entwicklung derselben), die in der Praxis am häufigsten vorkommenden Fälle sofort an durchgerech¬ neten Zahlenbeispielen erläutert werden. Diesen Grund¬ satz hat auch der nach dem Tode Schlossers eingetretene neue Verfasser festgehalten, im übrigen aber das ganze Werk, sowohl was die Beispiele, als die Tabellen, Profile und Koeffizienten betrifft, zeitgemäss umgearbeitet und erweitert. Seinen Zweck, die rasche Anfertigung ein¬ facher statischer Berechnungen entsprechend den bau¬ polizeilichen Anforderungen, auch ohne eingehendere Kenntnis der Statik selbst zu ermöglichen, erfüllt das Werk auch in der neuen Auflage nach wie vor in vollem Masse. — Bericht über die VI. Hauptversammlung des deutschen Beton- Vereins. Berlin 1903. Vlg. d. Tonindustrie-Ztg. Der Bericht über die am 20. und 21. Febr. d. J. in Berlin abgehaltene Versammlung liegt jetzt vor und bringt neben den Mitteilungen über die Vereins-Angelegenheiten, über die von uns schon besprochene Beton-Prüfungspresse (Dtsche. Bztg. 1902 S. 322) und über die an anderer Stelle näher besprochenen, auf Veranlassung des Vereins aus¬ geführten Versuche mit erdfeuchtem und plastischem Beton, die Wiedergabe des Vortrages von Reg.-Bmstr, Mörsch über die „Theorie der Betoneisen-Konstruktionen“, der sich im wesentlichen mit dem von demselben Ver¬ fasser in unserer No. 33 u. ff., Jahrg. 1903, gebrachten Artikel deckt, den Vortrag von Hrn. Landbauinsp. Hertel über die „Betonpfahlgründung am Land- und Amtsgericht Wedding in Berlin“ (vergl. auch die Artikel Jahrg. 1902 S. 582, sowie die illustrierte Mitteilung S. 647) und eine Reihe allgemein interessanterVerhandlungs Gegenstände.— Preisbewerbungen. Wettbewerb Waisenhaus in Dessau (vergl. No. 73). Für den Neubau ist ein io85oqm grosser, an 2 Strassen gelegener, nahezu rechteckiger Platz, dessen Hauptfront richtet. Ob die gegenwärtig vorhandene Kuppelhaube noch die damals von Lurago geschaffene ist, dürfte übrigens nicht zweifellos feststehen; es wäre immerhin möglich, dass die Ausführung einer Kupferbedachung der Dom¬ kuppel, von der aus dem Jahre 1755 berichtet wird, ge¬ legentlich einer Erneuerung derselben erfolgt ist, die nicht nur ihre Konstruktion, sondern auch ihre Form betraf. Nach meiner persönlichen Empfindung wenigstens scheint die schöne sanft geschwungene Umrisslinie dieser Kuppel eher auf die Zeit von 1755, als auf diejenige von 1665 hin¬ zuweisen. In voller Selbständigkeit ging der Architekt beim Aus¬ bau des Langhauses und der Westfront vor. Denn er begnügte sich hier keineswegs damit, den aus dem Brande geretteten konstruktiven Bestand zu ergänzen und in neue architektonische Formen zu kleiden — wie das in so vielen ähnlichen Fällen geschehen ist — sondern er führte zugleich eine wesentliche Aenderung im Organismus des alten Baues durch. Von den früheren, vor den Seitenschiffen stehenden Türmen der Westfront blieb nur das untere Geschoss erhalten, das nach der Kirche geöffnet wurde; statt ihrer wurden zwei neue Türme errichtet, die ihren Platz neben den Seitenschiffen erhielten. Es mag diese Neuerung, die seltsamer Weise in keiner der über den Passauer Dom handelnden Schriften betont wird, also den Verfassern derselben nicht zum Bewusstsein gekommen zu sein scheint, einerseits zum Zwecke einer Erweiterung des Innenraumes erfolgt sein; anderseits aber lag ihr zweifellos der Wunsch zugrunde, die Westfassade des Domes breiter und stattlicher entwickeln zu können. 479 eine Länge von 140 m besitzt, vorgesehen. Das Gebäude soll für mindestens 35 Knaben und 25 Mädchen hinrei¬ chenden Raum bieten, wobei die Verdoppelung der An¬ stalt durch Anbau oder Neubau in einfacherWeise möglich sein muss. Auf diese Möglichkeit der Erweiterung und auf malerische Gruppierung wird besondererWertgelegt. Reine Baukosten für das zunächst zu errichtende Gebäude jedoch einschl. Baueitungkosten , Heizungsanlage usw. 100000 M. Entwürfe, welche diese Bausumme wesentlich überschrei¬ ten würden, sind von der Zuerkennung eines Preises aus¬ geschlossen. Verlangt werden: Lageplan 1:500, Grund¬ risse aller Geschosse, Hauptfront und eine Nebenfront, zwei Durchschnitte in 1:200, Erläuterungsbericht und Kostenanschlag nach Kubikmeter umbauten Raumes von Kellersohle bis Oberkante Hauptgesims. (Die Ablieferungs¬ frist ist in den Bedingungen auf den 16. November d. J. angegeben, soll aber entsprechend der Bekanntmachung erst am 15. Dezember d. J. enden). Die Ausschreibung entspricht durchaus den Grundsätzen des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. — Im Wettbewerb Rathaus Geringswalde, beschränkt auf sächs. Architekten, haben Preise die Entwürfe der Hrn. Arch. Schleinitz in Dresden und Zeisig in Leipzig, so¬ wie die Arbeit mit dem Kennwort „Gut deutsch“ erhalten. — Chronik. Die Anlage eines grossen Holzhafens in Thorn, auch eines der mit der preuss. wasserwirtschaftlichen Vorlage verbunden ge¬ wesenen Unternehmen, geht jetzt durch Gründung einer Aktien- Gesellschaft seiner Verwirklichung entgegen Die preuss Regierung und die Stadtgemeinde Thorn werden sich mit je P/2 Mill. M. be¬ teiligen. Mit den Arbeiten soll bereits imFrühjahr begonnen werden. — Das neue Kunstgewerbe-Museum in Flensburg, das nach den Entwürfen des Geh. Brts. M ü h 1 k e in Schleswig errichtet und im Inneren vom Museums-Dir. Sauermann in Flensburg ausgestattet wurde, ist am 13. Aug. d. J. seiner Bestimmung über¬ geben worden. — Zum Bau der Rickenbahn in der Schweiz zwischen Watt- wil-Kaltbrunn-Uznach, welche mit einem längeren, tief gelegenen I unnel den Ricken durchbricht, sind die Tunnelarbeiten zum zweiten- male ausgeschrieben, nachdem die erste Ausschreibung keine günsti¬ gen Ergebnisse gehabt hat. Die Kosten der ganzen Linie sind ur¬ sprünglich auf rd. 11 Milk Fr. veranschlagt, werden sich jedoch nach den Erfahrungen am Simplontunnel wohl nicht unerheblich steigern. — Die neue Volks-Lungenheilstätte Ambrock bei Dahle im Volmetal für 200 männliche Kranke wird anfangs Oktober er¬ öffnet werden. — Die Restaurierungsarbeiten am Mannheimer Schloss, die vor 7 Jahren in Angriff genommen wurden, sind beendet. Sie haben einen Kostenaufwand von 1,4 Mill. M. erfordert. — Die Kanalisierung des Mains aufwärts bis Aschaffen¬ burg ist Gegenstand einer erneuten Konferenz der Mainufer-Staaten am 21. September d. J. in Nürnberg. — Eine neue Synagoge ist in Limburg a. L. nach dem Entwurf des Arch. Heinrich Spahr in Marburg a. L. mit einem Ivostenauf- wande von 120000 M. ausgeführt und am 4. d. M. eingeweiht worden. — - Der Bau einer Bergbahn auf den Wendelstein wird von einer Münchener Ingenieurfirma geplant. Der von Münchenern be¬ sonders stark besuchte Berg hat 1816 m Höhe. — Die Trassierungsarbeiten der Togo-Eisenbahn Lome- Palome, deren Länge 122km beträgt, sind beendet. Die Kosten der Schmalspurbahn von 75 cm Spur sind auf rd. 7 Milk M., d. s. 57 650 M. für 1 km veranschlagt. — Welchen Wert man hierauf legte, erhellt wohl am besten aus dem Umstande, dass man sich nicht gescheut hat, die schmale Gasse zwischen der fürstbischöflichen Residenz und dem Dom mit dem neuen Südturm zu überbauen; der letztere ruht infolgedessen nur auf 2 Mauern. Einer näheren Beschreibung der von Lurago ge¬ schaffenen neuen Domfassade enthebt mich der in Abb. 7 mitgeteilte Aufriss, an dem man sich nur den obersten Teil der Türme über dem Hauptgesims sowie den plasti¬ schen Schmuck hinweg zu denken hat. Im Grundgedanken ihrer allgemeinen Anordnung, namentlich des mittleren Teiles, hängt sie ersichtlich mit der um einige Jahre früher begonnenen Fassade der Theatiner - Kirche in München zusammen, wenn auch die abweichenden durch den An¬ schluss an die alten Kirchenschiffe bedingten Breiten- und Höhen - Verhältnisse des Passauer Baues vielfach eine selbständige Lösung erforderlich gemacht haben. Die Ausgestaltung der Türme dagegen lehnt nach den Stu¬ dien des Dombaumeisters bis zu einem gewissen Grade an diejenigen des Salzburger Domes sich an. Alles in allem wird man diese Fassade als das wohl abgewogene Werk eines erfahrenen Meisters bezeichnen dürfen, dem insbesondere ein feiner Sinn für Massenverhältnisse zu eigen war. Nicht am wenigsten zeigt sich dieser Sinn in der Art und Weise, wie die mit einem Giebel-Aufbau für das Totenglöckchen der Bischöfe gekrönte Westfront der Kreuzgang-Kapellen mit in die Domfassade gezogen wor¬ den ist; es ist dadurch, soweit dies überhaupt möglich war, der ungünstige Eindruck gemildert worden, der sich aus 480 Personal-Nachrichten. Bayern. Der Dir.-Rat Sperr in Weiden ist z. Reg.-Rat bei der Eisenb.-Dir. das. befördert. Versetzt sind: Der Reg.-Rat Roos in Weiden nach Regens¬ burg; die Ob.-Bauinsp. Rünnewolff in München als Dir.-Rat zur Eisenb.-Betr.-Dir. Weiden, Fahr in Ochsenfurt als Staatsbahn- Ing. nach Nürnberg, Seefried in München zur Gen.-Dir. der Staatseisenb. und Kessler in Nabburg als Staatsbahningen. nach Schwandorf; die Dir.-Ass. Wünsch er in München zur Eisenb.- Betr.-Dir. Nürnberg und Lang in Lichtenfels zur Betr.-Dir. Bam¬ berg; die Eisenb.-Ass. Kober in Bamberg zum Staatsbahning. Bamberg II in Lichtenfels und Bauer in Bamberg zum Staats¬ bahning. Würzburg IV in Aschaffenburg. Der Reg.-Rat Maier in Augsburg und der Ob.-Bauinsp. Stettner in Regensburg sind gestorben. Preussen. Dem Arch. W. Hanau, Dir. der A.-G. Schneider & Hanau, und dem Stadtbauinsp. Wilde in Frankfurt a. M. ist der Rote Adler Orden IV. Kk, dem Arch. v. Kramer in Frank¬ furt a. M. der kgl. Kronen-Orden IV. Kk verliehen. Dem Prof. Dr. Dörpfeld in Athen ist die Erlaubnis zur An¬ legung des ihm verlieh. Offizierkreuzes des französ. Ordens der Ehrenlegion erteilt. Der Geh. Ob. -Reg.-Rat und vortr. Rat Pannenberg ist z. Präs, der kgl. Eisenb.-Dir. in Münster i. W, die Reg.-Bmstr. Morgen¬ stern in Koblenz und B. Schmitz in Hamburg sind zu Eisenb.- Bau- u. Betr.-Insp. ernannt. Dem Stadtrat Behnke in Frankfurt a. M. ist der Char. als Geh. Brt. verlieben. Der Reg -Bmstr. O t z e n in Rheydt ist zur kgl. Eisenb.-Dir. in Hannover versetzt. — Der Reg.-Bmstr. Fr. Voss ist in das techn. Bür. der Wasserbau- Abt. des Minist, d. öffentl. Arb. berufen. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr. Dieser der kgl. Eisenb.-Dir. in Frankfurt a. M. und Bl eil der Dir. in Breslau. Dem Reg.-Bmstr. Bandtlow in Könitz ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. Brief- und Fragekasten. Hrn. Bfhr. O. St. in Saargemünd. Sowohl nach der Deutschen Gewerbe-Ordnung, als auch nach dem Bürgerlichen Ge¬ setzbuch ist der Arbeitgeber nur verpflichtet dem Angestellten bei seinem Abgänge einen Beschäftigungs-Nachweis auszustellen, den er auf Verlangen des Ausscheidenden noch auf dessen Leistun¬ gen und Führungen auszudehnen hat. Mithin ist ohne Unterschied, ob Sie nach Art Ihrer Beschäftigung als gewerblicher Techniker im Sinne Gew.-Ord. § 133 a. oder als Angestellter im Dienstver¬ hältnis zu behandeln sind, Ihr Arbeitgeber gesetzlich berechtigt, Ihnen ein vorläufiges Attest zu verweigern und fehlt Ihnen umge¬ kehrt jedes Rechtsmittel, ihn zur Ausstellung eines solchen zu zwingen. — K. H-e. Hrn. Arch. A. B. in Baden b. Wien. In Ergänzung unserer Antwort in No. 69 verweist die Firma E. Wasmuth in Berlin noch auf die in ihrem Verlage erscheinende Zeitschrift ,, Architektur des 20. Jahr hunderts“ und das Werk „Charakteristische Details“, die beide mustergiltige Putzbaute n enthalten. — Anfragen an den Leserkreis. Der Leserkreis der Deutschen Bauzeitung wird um Angaben gebeten, in welchen deutschen Städten von 20—30000 Einwohnern im letzten Jahrzehnt Krankenhäuser errichtet worden sind? D. V. in Qu. — Inhalt: Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. — Die deutsche Städteausstellung in Dresden. (Ifk Schluss.) — Aus Passau (Fortsetzung). — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Bücher. — Chronik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. der abweichenden Lage der Dom-Achse zur Achse des dem Dome vorliegenden Platzes ergab. Am wenigsten befriedigt die auch den anderen Bauten des Architekten eigene Be¬ handlung der Einzelformen, die bei aller Korrektheit doch etwas flach und trocken wirkt und des lebensvollen, hin¬ reissenden Schwunges anderer gleichzeitiger Barockbauten entbehrt. Nach den an beiden Türmen eingehauenen Jahres¬ zahlen sind diese und damit wohl der ganze Fassadenbau i. J. 1675 abgeschlossen worden. Gleichzeitig war auch die Erneuerung der Kirchenschiffe, deren Pfeiler und Bögen mit einer Barock-Architektur ummantelt und deren Gewölbe in Flachkuppel-Form ausgeführt wurden, ent¬ sprechend gefördert worden; denn es wird berichtet, dass bei dem zweiten grossen Stadtbrande i. J. 1680 die Stucka¬ turen und Gemälde des eben wieder hergestellten Domes starken Schaden erlitten. Ob Lurago diesen Arbeiten bis zu seinem Tode vorgestanden hat oder ob dieselben nach seinem Entwurf aber unter anderer Leitung fortgesetzt worden waren, nachdem während des Baues das schon bis zur Gewölbehöhe empor geführte Kirchenschiff wieder eingestürzt war, ist nicht überliefert. Ebenso ist unbe¬ kannt, auf welche Teile des Aeusseren und wie weit sich die durch den Brand von 1680 veranlassten Beschädigungen erstreckt haben. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass damals die schon fertig gestellte stilgemässe Bekrönung der beiden Westtürme zerstört und durch die flachen Not¬ dächer ersetzt worden ist, die bis vor kurzem über dem Hauntgesims der dritten Turmgeschosse sich befanden. — (Fortsetzung folgt.) No. 74. IE ALBULA-BAHN VON THUSIS NACH ST. MORITZ IM ENGADIN DIE SOLISBRÜCKE ÜBER DIE AL- BULA-SCHLUCHT * PHOTOGRA- PH ISCHE "AUFNAHME VON ANT. REINHARDT IN CHUR * * * - DEUTSCHE BAUZEITUNG = XXXVII. JAHRG. 1903 - N^ 75 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * srsssrss*««»** ************** AUZEITUNG. GANG. * * N2- 75. * DEN 19. SEPT. 1903. * *S*SSR*S«XSSS* Abbildg. 7. Mustailbrücke unterhalb Station Tiefenkastel. (Photographische Aufnahme von A. Reinhardt in Chur.) Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. (Fortsetzung.) Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 484 u. 485. ur Herstellung des Bahnkörpers war eine Erd- und Felsbewegung vonrd. i,25Mill. cbm erforderlich. Dazu kommt die Ausführung von 75ooocbm Trockenmauern und 18000 cbm in Mörtel hergestellter Futtermauern. In Abbildg. 8 a — g sind die Normalien für den Unterbau zur Darstellung gebracht. Die regelmässige Planums¬ breite der eingleisigen Bahn mit 1 m Spur beträgt bei Dammschüttung danach 3,80™, die Breite des 0,30“ starken Bettungskörpers 2,40 m. Im Einschnitt erhöhen sich die Planumsbreiten und die Bettungsstärken. Die Kronenstärken der in Mörtel hergestellten Futtermauern 481 mit V5 Anzug schwanken zwischen 0,50“ für 1- — 3™ Höhe und 0,60 — 1,80 m bei 4 — 12 m Höhe. Die senk¬ rechten Stützmauern mit Vs Anzug an der Rückseite haben 0,70“ Kronenbreite für 1 und 2m Höhe, 0,90 bis 2, 10 111 für 3 — 12 m, und schliesslich die hinten senk¬ rechten, vorn mit Vs geneigten 0,60 m obere Stärke für 1 und 2 m Höhe, 0,75 — i,9om für 3 — 12 m Höhe. Zum Schutze gegen Lawinengang sind zahlreiche Galerien ausgeführt, von denen Abbildg. 8 h ein Bei¬ spiel gibt. Die längeren Galerien öffnen sich seitlich in Bogenstellungen. Die Zahl der Tunnel, einschl. des grossen Albula- Tunnels von allein 5866 m Länge und einschl. der beiden zwischen Celerina und St. Moritz gelegenen Tunnel ist 39; ihre kleinste Länge sinkt bis auf 25 m herab, die mittlere Länge (unter Auslassung des Haupt¬ tunnels) ist 266 m. In Abbildg. 9 sind die verschiedenen Querschnittstypen des Albula-Tunnels eingezeichnet. Die Lichthöhe über dem Bettungskörper beträgt 5m, die Lichtweite am Kämpfer des Gewölbes 4,50 m. Je nach Beschaffenheit des durchfahrenen Gebirges ist keine Ausmauerung — nur auf 1637™ Länge — , nur ein Deckengewölbe, ein Gewölbe nebst Widerlager und schliesslich auch noch ein 0,50™ starkes Sohlen¬ gewölbe nach Type 5 (auf 266 m Länge) eingelegt. Die Stärke des Deckengewölbes schwankt je nach dem Druck zwischen 0,30— 0,65 m im Scheitel, 0,40 — 0,75“ am Kämpfer, das Widerlager zwischen 0,40 — 0,95“ am Fuss. Nach Type 3 ist rd. V3 des ganzen Tunnels ausgemauert. Die lichte Querschnittsfläche ist bei den voll ausgemauerten Profilen ia, 3, 4, 5 gleich 19,91 cim. Die Ausbruchfläche schwankt hierfür zwischen 27,43 bis 37,35 i“1. Die garnicht ausgemauerten Querschnitte 1 und 2 haben 24,77 bezw. 23,65 ", sodass diese Anordnung sich da empfiehlt, wo der Raum zur Unter¬ bringung des Mechanismus sehr knapp ist. Die Anordnung lässt sich übrigens ebenso gut für grosse Tore, wie für kleine Türen und Wandschränke an¬ wenden. In Abbildg. 5 sei schliesslich noch eine einfache Anordnung „Simplex-Beschlag“ derselben Firma für ver¬ schiebbare Türen aus Spiegelglasscheiben für Bibliotheks¬ und Ausstellungs - Schränke usw. vorgeführt. Die Be¬ wegung erfolgt hier auf unteren Rollen, die wieder in einem Kugellager laufen. Auf die mannigfachen Neuerungen für den selbsttätigen Türverschluss werden wir später besonders zurückkommen. Verschiebbare oder imganzen aufklappbare Fenster (abgesehen von den beweglichen Oberflügeln) 23. September 1903. namentlich für grosse Fenster in Geschäftshäusern, Re¬ staurationen, in höheren Stockwerken von Wichtigkeit ist. Durch einen am Futterrahmen rings umlaufenden Ver¬ schluss von U-förmigen Eisenschienen kann der Rahmen mit einem einzigen Handgriff abgedichtet oder gelöst wer¬ den. Der in Abbildg. a etwas umständlich erscheinende Mechanismus hat nur den Zweck, entweder die obere Achse d zu Lüftungszwecken, oder die im Schwerpunkt liegende Achse c bei Reinigung einzuschalten. Bei Fen¬ stern, die sich nur um eine lotrechte Achse drehen sollen, fällt dieses ganze Getriebe fort. In Fenster-Verschlüssen bringt die Firma Franz Spengler einige Neuerungen. Abbildg. 7 stellt ein neues Kantenbaskül „Spenglers Kuppel-Einreiber“ dar, bei wel¬ chem sich die Verschlussnasen beim Oeffnen in den Flügel zurückbewegen, sodass die Anwendung geschlossener 491 Schliessbleche möglich wird, wie beim gewöhnlichen Ein¬ reiber. Die älteren Anordnungen dieser Art besassen den Uebelstand, dass die Schliessbleche und Futterstücke durchbrochen sein mussten und dass beim Schwinden des Holzes diese Löcher sich zeigten, unter Umständen sogar offene Ritzen entstanden. Bei Fensterdrückern und Türgriffen ist es wich¬ tig, dass diese entsprechend der Holzstärke genau ange¬ passt werden können, ausserdem ist es wünschenswert, die Griffe unabhängig von den eigentlichen Beschlägen nachträglich einsetzen zu können, da bei uns in Deutsch¬ land die Lieferung der Beschläge und der Bronzegriffe oft in zwei Händen hegt und dann leicht eine Verzögerung der Anschlagarbeiten durch das Fehlen der Griffe entsteht. Diesen Uebelständen begegnen die Griffe Abbildg. 8 u. 9 für Fenster, Abb. 10 für eine Tür. Die Stifte St haben einen gleichmässigen, ganz genau gezogenen quadratischen Quer¬ schnitt, der in ebenso genau hergestellte Löcher der Ver¬ schlüsse passt; die Arretierungsplättchen a, Abb. 8 u. 9, sowie die Schraubrosetten r verhindern das Herausziehen der Griffe, auch wenn bei verquollenen Fenstern eine bedeutende Kraft zum Oeffnen der Flügel angewendet wird. Die gieichmässige Stiftdicke und die mehrfache Durchbohrung des Stiftes gestattet ein Hineinschieben entsprechend der Holzstärke, erleichtert also die Montage und verhindert ein Schlottrigwerden. Dasselbe gilt von der Konstruktion des Drückerdornes eines Türverschlusses, wie diesen Abbildg. xo darstellt. Bücher. Brockhaus’ Konversatlons- Lexikon. 14. vollst. neubearb. Aufl. Neue revidierte Jubiläums- Ausgabe. F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin, Wien 1903. Preis für den eleg. geb. Band 12 M. Mit ausserordentlicher Schnelligkeit ist die vorliegende Auflage des wertvollen Nachschlagewerkes gefördert wor¬ den. Es liegt uns bereits der 12. Band vor, sodass der Abschluss des ganzen Werkes wohl Mitte nächsten Jahres erwartet werden darf. Gleich den vorhergehenden sind die zuletzt fertig gestellten Bände reich an vortrefflichem Karten- und Stadtplan-Material, wir weisen nur hin auf die Stadtpläne von London, Newyork, Paris, auf die Karte der Schiffahrtsanlagen in Belgien und den Niederlanden, des Londoner Bahnnetzes usw., wie denn überhaupt das Ver¬ kehrswesen eingehende Berücksichtigung findet. Hierher gehören auch die gut illustrierten Artikel: Lokomotiven, Luftschiffahrt, Motorwagen. Unter den der Baukunst ge¬ widmeten Illustrationen seien hervorgehoben die Abbil¬ dungen zu den Artikeln: Museen, die Beispiele aus Berlin, London, Amsterdam, Wien usw. wiedergeben; Parlaments- Gebäude, welche durch das Reichstags- Gebäude in Berlin, die Parlamente in London und Budapest veranschaulicht werden; Pariser Bauten, Bauten in London und vor allem das auf Vollseite gut wiedergegebene Reichsgericht in Leipzig. Unter den der bildenden Kunst gewidmeten Tafeln sei auf die recht gute Reproduktion der Athenae- gruppe des Pergamon-Altares besonders hingewiesen. — Preisbewerbungen. Einen Wettbewerb um Entwürfe zum Neubau eines Krankenhauses für den Ges.-Armen-Verband Nienstedten in Dockenhuden bei Blankenese, Kr. Pinneberg, schreibt der Gemeindevorsteher in Dockenhuden mit Frist zum 1. Nov. d. J. aus und zwar unter deutschen Architekten, welche Reichsangehörige sind, mit Verheissung von 3 Preisen von 1000, 600 und 400 M. Als sachverständige Preisrichter werden genannt Hr. Baudir. Zimmer man n in Hamburg, kgl. Brt. Weiss in Altona und die „Baukommission“. Unterlagen gegen 3 M. vom Ausschreiber. — Zum Wettbewerb um Pläne für 2 Arbeiter-Kolonien zu Eschweiler-Pumpe sind nunmehr die Bedingungen und Lagepläne zur Ausgabe gekommen. Es handelt sich um zwei von einander getrennte Anlagen für die Grube Anna bei Alsdorf und die neue Schachtanlage Adolf bei Streif¬ feld, beide im Landkreis Aachen. Die erste Anlage um¬ fasst eine geschlossene Fläche von rd. 13 ha, die andere eine mehr zerteilte von rd. 30 ha. Bei letzterer Kolonie sind auf einem abgetrennten Grundstück auch Beamten¬ wohnungen zu errichten. Verlangt werden die Bebauungs¬ pläne der beiden Kolonien im Masstab 1 : 1000; die Ent¬ würfe für Arbeiter- und Beamtenwohnungen, und zwar für mindestens je zwei verschiedene Lösungen nach den verschiedenen im Programm angegebenen Forderungen des Raumbedarfs in x : 100, wobei Grundrisse aller Geschosse mit eingezeichneten Möbeln gefordert werden und Aufrisse und Schnitte, soweit diese zur Klarstellung und Veranschla¬ gung erforderlich sind. In gleicher Weise sind Skizzen in Eine einfache Feststell- Vorrichtung für Doppel- Fenster zeigt Abbildg. xi, die vor ähnlichen Anordnungen den Vorzug hat, dass sie durch selbsttätige Federung des am Aussenflügel befestigten Armes je nach der gewünsch¬ ten Oeffnung in den Zahnbogen des Innenflügels eingreift und diesen damit feststellt. Der Apparat ist also auch im Dunklen leicht einzustellen. Zum Schlüsse seien noch einige Neuerungen an Markisengetrieben erwähnt. Abbildg. 12 stellt einen Kurbelantrieb von Br. Mädler dar, welcher besonders wenig Platz wegnimmt. Die Windekurbel a kann samt der Stütze b abgenommen werden, sodass dann die Stange c, welche durch die Kurbel betätigt wird und mit dem Kugel¬ gelenk d auf die zum Getriebe führende Stange e wirkt, an die Wand geklappt werden kann. Abbildg. 13 a — c stellt ein Markisengetriebe der Firma F. W. Killing dar, das sich von anderen dadurch unter¬ scheidet, dass sofort bei Herausnahme der Kurbel selbst¬ tätige Hemmung eintritt. Das Getriebe arbeitet nur mit Kegelrädern, ausserdem rasch und mit geringem Kraftauf¬ wand. Wie die Abbildung zeigt, ist auf der Antrieb¬ achse a eine Klauenkuppelung b angebracht, welche der¬ artig durch den Stift f befestigt ist, dass sie sowohl achsial verschoben werden, als auch im ausgerückten Zustande an der jeweiligen Drehung der Achse a teilnehmen kann. Bei herausgenommener Kurbel cl drückt die Feder c den Stift f und die damit verbundene Kuppelung b gegen die Nase d, wodurch Arretierung des Getriebes bewirkt wird. — 1 : 200 für die dem gemeinsamen Gebrauch dienenden Ge¬ bäude, als da sind Konsumanstalt, Wasch- und Badeanstalt, Schlachthaus, Bäckerei, Fleischerei, Erholungsheim, Volks¬ schule, Verwahrschule mit Kindergarten usw. zu liefern. Zu allen Bauten sind überschlägliche Kostenanschläge nach Quadratmeter bebauter Fläche und Kubikmeter umbauten Raumes aufzustellen, die Anordnungen ausserdem kurz zu erläutern. Die einzureichenden Entwürfe können sich ent¬ weder auf die Ges.- Arbeit erstrecken oder nur auf Teile derselben, nämlich: Bebauungsplan, Entwurf der Arbeiter¬ häuser, Entwurf der Beamtenhäuser, Skizzen zu den gemein¬ sam benutzten Gebäuden. Für die besten Gesamt-Entwürfe sind die beiden Preise von 4000 und 2000 M.. für die Teil- Entwürfe oder für entsprechende Teile von Ges.-Entwürfen je 3 Preise von 1000 M. bezw. je 500 M. ausgesetzt, auch kann das Preisgericht die Ges.-Preissumme von 10 500 M. bei Einstimmigkeit anderweitig verteilen. Die Summe muss bei wettbewerbsfähigen Arbeiten auf jeden Fall zur Vertei¬ lung kommen. — Uns will diese ganze Art derPreisverteilung etwas kompliziert erscheinen und leicht geeignet, unter den Beteiligten am Wettbewerb nachträgliche Verstimmungen über die Entscheidung des Preisgerichtes hervorzurufen. — Brief- und Fragekasten. Hrn. H. K. in A. Dass jungen Leuten mit Volkschulbildung in 18 Monaten nicht die theoretische Ausbildung eines „Ingenieurs“ beigebracht werden kann und dass es insbesondere unmöglich ist, mit einer Klasse von über 100 Schülern innerhalb 10 Wochen den Lehrstoff der gesamten niederen Mathematik zu bewältigen, wird Ihnen wohl von jedem Fachmann bestätigt werden. Wenn An¬ stalten , die derartiges versprechen , an einzelnen Orten Deutsch¬ lands noch geduldet werden , so fehlt es dort offenbar an der nötigen staatlichen Beaufsichtigung und Kontrolle und es ist der¬ jenige, der gegen diese Misstände ankämpfen will, zunächst darauf hingewiesen, ein Einschreiten der Staatsbehörden im Verwaltungs¬ wege zu beantragen. Durch richterliches Urteil in einer Privat- Beleidigungsklage kann jene oben erwähnte Frage natürlich nicht entschieden werden ; viel eher könnte, wenn andere auf gesunder Grundlage errichtete Schulen ähnlicher Art sich zu einem ent¬ sprechenden Vorgehen entschlössen, eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbes Aussicht auf Erfolg haben. Unsererseits in eine Polemik gegen bestimmte, namentlich bezeichnete Anstalten einzu¬ treten , müssen wir ablehnen, da wir deren Zustände nicht aus eigener Anschauung kennen. — Hrn. A. K. in Stolp i. P. Ihre sehr einfach klingende Frage ist wohl überhaupt noch nicht zu beantworten, da sie nicht allein theoretisch, sondern nur durch praktische Versuche zu lösen ist. Wir verweisen Sie auf die Mitteilungen über „Zugwiderstände“, Hdbch. der Ing.-Wiss. V. Bd. I. Abt. In den betr. Formeln kommt nun zwar der Einfluss des Winddruckes, der mit dem Quadrat der Zuggeschwindigkeit Wächst, mit zum Ausdruck, der ihm allein zu¬ kommende Wert ist aber unseres Wissens noch nicht festgestellt. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage in No. 72. Kieserling’sche Basalt-Zement- Stufenbeläge liefert das Zement-Baugescbäft von Robert Kieser¬ ling in Altona (Elbe) sowie die Meiendorfer Zement-Industrie, In¬ haber Ingenieur C. Friebe in Meiendorf in Holstein. — Inhalt: Der Freihandzeichen - Unterricht an technischen Schulen in seiner gegenwärtigen Bedeutung und Begrenzung (Schluss). — Einige Neuerungen an Tür- und Fensterbeschlägen. — Bücher. — Preisbe¬ werbungen. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. i. V. F. Eiselen, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 76. 492 IE ALBULA-BAHN VON THUSIS NACH ST. MORITZ IM ENGADIN. DIE SOLIS- BRÜCKE IM BAU * PHOTOGR. AUFNAHME VON A. REINHARDT IN CHUR * * * = DEUTSCHE BAUZEITUNG = XXXVII. JAHRGANG 1903 NR. 77 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * ««SSÄSSSt SS**** AUZEITUNG. GANG. * * N2- 77. * DEN 26. SEPT. 1903. * «ssss*«sssssss Aus Passau. Abbildg 9. Westfassade des Domes nach ihrem Ausbau durch Heinrich Frhrn. v. Schmidt. (Nach einer photogr. Aufnahme von Alphons Adolph in Passau.) Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. (Fortsetzung statt Schluss.) Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen auf Seite 496. harakteristisch für die Albula-Bahn sind die zahlreichen kühnen und sich trefflich in die Landschaft einfügenden Steinbrücken und Viadukte, von denen wir mehrere bereits im Bilde vorgeführt haben. Einschliesslich der Brücke über den Hinterrhein bei Thusis, deren mitt¬ lere, den Strom überspannende 8om weite Oeffnung jedoch in Eisen erstellt ist, sind es bis St. Moritz 54 mit einer Gesamtlänge von 2975“ Die längste unter diesen ist die eben genannte Brücke mit 238 m, während der Landwasser- Viadukt mit 65™ die bedeutendste Bau¬ höhe besitzt. In grösster Höhe über Talsohle liegt schliesslich mit 85 m die schon mehrfach erwähnte und dargestellte Solis -Brücke über die Albula- Schlucht (vergl, das Kopfbild in No. 70, desgl. in No. 74, so¬ wie die Bildbeilage in Nr. 75). Diese Brücke besitzt in ihrer die Schlucht überspannenden Mittelöffnung von 42 m Weite gleichzeitig die grösste Spannung aller Steinbrücken der Bahn. Eine Uebersicht über die Ge¬ samtanordnung gibt die Skizze in Abbildg. 12. Ihre Gesamtlänge ist 164 m und sie besitzt neben der grossen Mittelölfnung 6 Oeffnungen zu je 10 m, 4 zu je 8 01 Lichtweite. Das halbkreisförmige Hauptgewölbe, das unmittelbar auf den Fels gegründet ist, hat 1,4 m Scheitel- und 2,6 m Kämpferstärke. Das Gewölbe ist in gut bearbeiteten Schichtsteinen hergestellt, während für Bauwerke von 12 — 30 m Spannweite nur gespitzte Steine, unter 12 m nur Bruchsteine zur Verwendung kamen. Die Konstruktion des gesprengten Lehrge¬ rüstes, das einen Kostenaufwand von 18000 Fr. er¬ forderte, während die Steinkonstruktion 115000 Fr. kostete, geht aus dem Kopfbilde in No. 74 und der Bild¬ beilage zu vorliegender Nummer deutlich hervor. Das Gewölbe wurde in verzahnten Ringen hergestellt und 3 Wochen nach Schluss ausgerüstet. Während sich das Gerüst bei der Wölbarbeit um 50 mm setzte, zeigte sich am Gewölbe selbst nach der Ausrüstung eine messbare Senkung nicht mehr. Die Unternehmung Munari, Cayre & Marasi, welcher die ganze Strecke von Km. o bis 11 übertragen war, führte die Brücke in der kurzen Zeit von Anfang Mai 1901 bis Juli 1902 aus. Seit Dezember 1902 ging bereits der Baubetrieb über die Brücke. Das Bauwerk liegt ausnahmsweise in einer Wagrechten, während fast alle übrigen in der 493 SOLIS - BRÜCKE. O %o regelmässigen Steigung der Strecke liegen. Die Zu¬ führungs-Viadukte fallen z. T. in Krümmungen. Der Querschnitt entspricht der allgemeinen Anordnung der Steinbrücken, wie diese in Abbildg. 13 b darge¬ stellt ist, der Brücken¬ körper hat also oben 3,6 m Breite, während durch Auskragung eine lichte Weite von 4,0 m zwischen den Gelän¬ dern erreicht ist. Die Brückenstirnen haben einen Anzug von 1/40. Bei den hohen Bau¬ werken gilt dieser An¬ zug für die Pfeiler nur für die obersten 10 m, dann schliesst sich, wieder für 10 m, ein Anzug V30 , weiterhin ein solcher von V?o an. Es gilt dies sowohl für die Stirn- wie für die Seitenflächen der Via- duktpfeiler Abbild,. _ Die nachstgrössten . , , , , . , . 0 °. ,. Anordnung der bedeutendsten Spannweiten zeigen die Massiv-Bauwerke. Muttnertobel - Brücke mit 30 m, die Mtistail- Brücke mit 27 und die ^ beiden Stulsertobel- Brücken mit 25 bezw. 23 m Spw. Von der Müstail-Brücke, die nur eine Schlucht in der Berglehne überspannt, mit dem unmittelbar darüber stehenden Kirchlein gibt Abb. 7 in No. 75 ein überaus malerisches Bild. Die Lehrgerüst - Konstruk¬ tion weicht von der¬ jenigen der drei ande¬ ren genannten Brücken ab , die ebenfalls ge¬ sprengte Konstruktio¬ nen in ähnlicher An¬ ordnung wie die Solis- Brücke aufweisen. Hier ist dagegen ein mittle¬ rer Gerüstpfeiler auf¬ gestellt, auf den die ra¬ dial gestellten Streben die Last zunächst un¬ mittelbar übertragen. Das nach der Stützlinie geformte Gewölbe hat 1 m Scheitel- und 1,5 m Kämpferstärke. Der bedeutendste — h. i65ofrVM. - Viadukt der ganzen Linie ist der Landwasser-Viadukt unterhalb Lilisur, der im Kopfbild No. 71 erscheint und in den Abbildgn. 10 u. 11, No. 75 im Bau und im fertigen Zustand dargestellt ist. Er hat 6 Halbkreisgewölbe von je 20 m Spw. und 0,9 m Gewölbestärke im Scheitel, 1,35 m am Kämpfer. Die grösste Höhe über Talsohle stellt sich auf 65 m, die Pfeiler besitzen eine obere Stärke von 3,5 m. Das Bauwerk liegt ausserdem in einer Krümmung von nur 100 m Halbmesser und verschwindet mit dem einen Ende in einem Tunnel. Die Pfeiler zeigen zur Erhöhung der Standsicherheit daher nach der Aussenseite des Bogens einen stärkeren Anlauf, als den angegebenen. Die Steigung der Strecke, die hier 25 %o beträgt, ist mit Rücksicht auf die Erleichterung des Betriebes auf 20 °/f0 auf der Brücke ermässigt. Die Lehrgerüste sind freitragende gesprengte Konstruk¬ tionen — wie bei allen höheren Viadukten — , die LAND WAS SER "VIADUKT 20 %0 20,0 - = 1 [ ALBULA - VIADUKT. Längsschnitt Schnilt im doppelten Maassrabe — i- *■/ / b / ■ ' 5 1 Abbildg. 13 a und b. sich auf eingemauerte Eisenschie¬ nen an den Pfeilern stützen, vergl. Abbildg. 6 in No. 74. Für den Auf¬ bau der niedrigeren Pfeiler an den 494 No. 77. EfciiJ isriv.v. Talwänden sind leichte Rüstungen aufgestellt. Für die Aufmauerung der 50— 55 m hohen mittleren Pfeiler, die sich unmittelbar von der Talsohle erheben, wendete die Unternehmung Müller & Zeerleder, welche die ganze Bahnstrecke von Km. 17,5—29,5 ausführte, eiserne Dienstbrücken an, die mit dem Fortschritt des Pfeileraufbaues gehoben wurden, wie Abbildg. n, No. 75 deutlich zeigt. DieseDienst- fep •. brücken stützten sich auf eiserne Gerüst-Konstruktionen, die mit dem Fortschritt der Pfeiler stock¬ werkweise aufgehöht wurden und im Pfeiler-Mauerwerk nachher stecken blieben. Zwischen den Untergurten der Dienstbrücken liefen elektrisch betriebene Lauf- \(( * ^ krane von 5 1 Tragfähigkeit zum Versetzen der Werksteine, die aus einem i,5km entfernten Stein¬ bruch mittels Transportbahn her- x angeführt wurden. DieKostendes « Bauwerkes betragen 260000 Fr. < Die Ausführung wurde innerhalb eines Zeitraumes von etwa zwei Jahren bewirkt. Die freitragen¬ den Lehrgerüste erlitten Setzun¬ gen von 50—80 mm, während sich nach der Ausrüstung keine weite¬ ren Setzungen mehr zeigten. Auf die zahlreichen übrigen Massivbauwerke einzugehen, ver¬ bietet uns der Raum ; sie zeigen auch in ihren Anordnungen und in der Art der Ausführung nichts Neues. In den Skizzen der Ab¬ bildg. 12 ist noch der grösste der 3 Albula-Viadukte hinter Km. 41 wiedergegeben, der ebenfalls eine mittlere Spannweite von 20 m auf¬ weist, sich aber nur bis 28 m Höhe erhebt. Ausserdem geben wir in Abb. 17 noch eine Ansicht des Schmittentobel-Viaduktes wieder. Dagegen seien noch einige kurze Erläuterungen hinsichtlich der Brücke über den Hinterrhein beiThusis gegeben. Das Bauwerk besteht aus der grossen Strom¬ öffnung in Eisen und beiderseits anschliessenden Stein-Viadukten mit 3 Oeffnungen zu je 15 m bezw. 3 Oeffnungen zu je iim und 1 zu 15 m. Die Gesamtanordnung des Bauwerkes ist in der Skizze Abb. 14 u. 15, die Gesamterschei¬ nung in der photographischen Aufnahme während der Probe- Belastung im Winter 1901 , Ab¬ bildg. 16, zur Darstellung ge- f ^ g-^ bracht. Die ganze Brücke liegt in der Steigung von 25 %0, wäh¬ rend die Anschluss- Viadukte z. T. auch noch in Krümmungen fallen. Der eiserne Ueberbau ist von der Maschinenfabrik Th. Bell & Cie. , A.-G. in Kriens, konstruiert und ausgeführt. Die ganze Rhein¬ breite ist in einer Oeffnung von 80 m Lichtweite, 81,87™ Stütz¬ weite der Eisen - Konstruktion, überspannt. Letztere besteht in einem Halbparabelträger mit obenliegender Fahrbahn, statisch bestimmtem doppeltem Netzwerk mit Zwischenverti¬ kalen, welche die zwischen die Knotenpunkte des Obergurtes fallenden Querträger auf die Kreuzungs¬ punkte der Netzwerkstäbe abstützen. Die Entfernung der beiden Hauptträger ist 5™, vergl. die Brücken- 26. September 1903. Querschnitte Abbild 15, ihre Höhe in der Mitte 8,2™, ail den Enden 5,3™, die Entfernung der Querträger 3,15™. Der Querschnitt ist nur an den beiden Enden durch Diagonalkreuze versteift; im übrigen wird die nötige Quersteifigkeit lediglich durch die Horizontalverbände erzielt, deren je einer am Ober- und N Untergurt angeordnet ist. Der untere c. trägt gleichzeitig einen Revisionssteg. Die auffällige Stärke des unteren Quer¬ riegels im Endfelde hat seinen Grund darin, dass hier bei etwa nötigen späte¬ ren Hebungen der BrückeWinden unter¬ gesetzt werden sollen. Die in 1,35™ Ent¬ fernung liegenden I-förmigen durch- \+0'£Z- I l< - ■ ■ 1200 ■ ->1 ENDQUERVERBINDUNG. v Lam' 270 jo ju Abbildg. 15. Querschnitte. o :3 u laufenden Längsträger sind auf den 4 Querträgern zentrisch und längsver- ^ schieblich gelagert. Nur in Brücken- 2 mitte sind sie mit diesen fest verbun- 5 den, um die Bremskräfte auf die Haupt- träger zu übertragen. Der Berechnung wurde eine ständige Last von 3,8 t Brückenlänge und eine Verkehrslast für 1 ™ durch 3 Lokomotiven von je 49,5 1 Gewicht, mit angehängten Güterwagen von je 14,62 t einschl. Ladung, zugrunde gelegt. (Näheres über diese Brücke siehe in der Schweiz. Bauzeitung Jahrg. 1902 No. 15, welche die Einzelheiten der Eisen¬ konstruktion wiedergibt.) — (Schluss folgt.) 4S-5 Vom VI. Verbandstage des deutsch-Österreich-ungarischen Verbandes für Binnenschiffahrt zu Mannheim. j&ISLi ie Verhandlungen des Verbandstages, der vom 9. bis 12. d. M. in Mannheim tagte, wurden durch eine An¬ sprache des Vorsitzenden, Geh. Reg. -Rat Witting- Berlin eröffnet, der auf die Feststadt Mannheim als den schlagendsten Beweis hindeutete, dass die Binnenschiffahrt trotz der Eisenbahnen nichts von ihrerBedeutung eingebtisst habe, dass sie ausserdem als ein Mittel zu betrachten sei, der Allmacht des Staates auf dem Gebiete des Tarifwesens doch noch zu einem guten Ende würden geführt werden. Der preussische Vertreter, Unterstaatssekretär im Ministe¬ rium der öffentlichen Arbeiten Schultz, ging mehr auf die letzten Hochwasserkatastrophen in Schlesien und die ge¬ plante gemeinschaftkche Aktion in der Bekämpfung der Hochwasserschäden zusammen mit dem Nachbarstaate Oesterreich, als auf die Binnenschiffahrt ein. Von dem Schicksal der Kanalvorlage enthielten seine Ausführungen Abbildg. 16. Die Brücke über den Hinterrhein bei Thusis während der Belastungsprobe. Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. Abbildg. 17. Der Scbmittentobel-Viadukt. •-) in etwas entgegen zu treten, hier einen Ausgleich herbeizu¬ führen. So hoffe er denn auch trotz allem auf die Durch¬ führung der Kanalvorlage, da kein Parlament auf die Dauer sichdenVorzügendesBinnenschiffahrtswesensverschliessen könne. Die Notwendigkeit des Ausbaues der Binnenwasser¬ strassen erkannte auch der Vertreter der badischen Regie¬ rung, der Minister des Inneren Schenkel an, der der Zu¬ versicht Ausdruck gab, dass die Verhandlungen über die Re¬ gulierung des Oberrheins, die sich z. Zt. zerschlagen hätten, 496 nichts. Einen Ueberbück über den gegenwärtigen Stand der Bestrebungen zur Förderung der Fluss- und Kanal¬ schiffahrt im Deutschen Reiche gab General - Sekretär Ragoczy, über den Stand der gleichen Bestrebungen in Oesterreich Hofrat Prof. Oelwein in Wien, über die¬ jenigen in Ungarn Sektionsrat von Krisztinkovich in Budapest. Auf wirtschaftlichem und verkehrspolitischem Gebiete bewegte sich ein grosser Teil der Vorträge. Ueber „die No. 77. AUS Passau. Abbildg. 8. Innen-Ansicht des Domes. (Photogr. Aufnahme von Alphons Adolph in Passau.) Aus Passau. (Fortsetzung.) Hierzu die Abbildung auf Seite 493. nmittelbar nach diesem Brande begann am Dome die Tätigkeit eines zweiten italienischen Meisters, des Carlo Antonio Carlone*). Seinem dekorativen Genie und dem Geschick seiner Mitarbeiter ist die Aus¬ gestaltung des Inneren und damit derjenige Teil des Baues zu danken, der für dessen künstlerischen Rang aus¬ schlaggebend geworden ist. Denn wenn der gotische Dom und die Fassade Lurago’s unter den Werken ihrer Zeit auch mit Ehren sich behaupten konnten, so reicht ihr Wert doch nicht an diese glänzende Schöpfung des Barockstiles heran, die in Deutschland kaum ihres Gleichen findet. An dem überwältigenden Eindrücke, den sie darbietet, haben allerdings die im wesentlichen schon durch die ursprüng¬ liche romanische Anlage bestimmten Verhältnisse des Kirchenraumes ihren nicht zu unterschätzenden Anteil. *) Carlo Antonio Carlone, ein Mitglied der weitverzweigten oberitalienischen Künstlerfamilie dieses Namens, deren ältere Angehörige bereits zu Anfang des 17. Jahrhunderts an den Kirchenbauten Genuas sich beteiligt hatten, ist nach Gurlitts Ermittelungen von 1667 — 1678 zunächst in Wien tätig gewesen und von dort nach Passau berufen worden, wo er i. J. 1708 starb. Zu den Werken, die er unter Mitwirkung seiner Ver¬ wandten Giovanni Battista, Bartolomeo und Giovanni Carlone sowie eines zahlreichen Stabes anderer italienischer und deutscher Stukkateure und Maler während seines Aufenthaltes in Passau geschaffen hat, gehören die Um- und Neubauten in den Klöstern Kremsmünster, St. Florian, Garsten, Schliersee u. a. Mächtig in ihren Abmessungen und in sich aufs feinste abgewogen, gewährten sie zugleich der Erfindung des formengebenden Architekten den freiesten Spielraum. Aber wie hoch auch immer diese für eine glückliche Lösung der gestellten Aufgabe günstige Grundlage ange¬ schlagen werden mag, so kann hierdurch das Verdienst, sie in rechter Weise ausgenutzt zu haben, doch niemals verkleinert werden. Nach der durchaus einheitlichen Haltung des vor¬ handenen Kirchen-Ausbaues ist es wenig wahrscheinlich, dass sich die Tätigkeit Carlone’s auf eine Ergänzung der bereits von Lurago geschaffenen und beim Brande be¬ schädigten Dekoration beschränkt haben sollte. Es ist vielmehr anzunehmen, dass er diese von grundaus, d. h. selbst in den Formen ihres architektonischen Gerüstes umgestaltet oder erneuert hat.**) Das letztere kommt in der kraftstrotzenden Form seiner Gliederungen zu klarster Erscheinung. Korinthische Pilaster, denen sichViertelsäulen anschmiegen, tragen das mittels Telamonen und Konsolen weit ausladende verkröpfte Gebälk, auf das die Gurtbögen des Hochschiffes sich stützen; zwischen diesen Verkröpfun¬ gen ist das die Höhe des Triforiums einnehmende Gebälk in schwächerer Ausladung durchgeführt. Unter ihm öffnen **) Auch wäre es sehr wohl möglich, dass Lurago an der inneren Dekoration des Domes überhaupt nicht mehr beteiligt gewesen ist und dass Carlone seine Wirksamkeit in Passau bereits einige Jahre vor dem Brande von 1680 begonnen hatte. 26. September 1903. 497 Interessen - Gemeinschaft von Eisenbahn- und Wasserstrassen in Baden“ sprachen Reg.-Rat Brand, Mitglied der General-Dir. der badischen Staatsbahnen in Karlsruhe, und Handelskammer-Syndikus Dr. Emming- haus in Mannheim. Beide Redner erkannten eine solche Interessen-Gemeinschaft durchaus an, da der eine Verkehrs¬ weg den andern nicht beeinträchtige, sondern befruchte, ihm neuen Verkehr zuführe. Mannheim als Binnenschiffahrts¬ hafen sei hierfür der sprechende Beweis. Fast 1/3 des Ge¬ samtgüterverkehrs der badischen Staatseisenbahnen ent¬ falle auf Mannheim. Der Vertreter Mannheims sieht die Ursache der höchst erfreulichen volkswirtschaftlichen Ent¬ wicklung zum nicht geringen Teile in der verständnis¬ vollen Würdigung der wirtschaftlichen Bedeutung der Binnenschiffahrt, deren sich die Leitung des badischen Staatsbahnwesens von Anfang an befleissigt habe. Ueber „Wasserwirtschaft und Landwirtschaft“ sprach der Geschäftsführer des Mittelland-Kanal-Vereins Ing. Abshoff in Hannover. Redner wies darauf hin, dass durch die Arbeiten des inzwischen aufgelösten Hoch¬ wasser-Ausschusses, der zur Hälfte aus hervorragenden Landwirten bestanden habe, ausdrücklich wieder bestätigt worden sei, dass die Regulierung und Unterhaltung der Ströme in erster Linie im Landeskultur-Interesse, erst in zweiter Linie im Interesse der Schiffahrt erfolge. Trotz¬ dem bringen 3/4 der Kosten hierfür die Industrie und die Städte auf, die auch gern noch zu weiteren Opfern be¬ reit seien, wenn man auch ihren Interessen entsprechen wolle. Redner führt dann im Einzelnen noch Mittel auf, die eine weitere Verbesserung der jetzigen Verhältnisse auch im Interesse der Landwirtschaft bringen würden. Redner sowohl, wie namentlich Bergrat Gothein in Breslau, hielten vor allem die Einheitlichkeit der Wasser¬ wirtschaft für ein dringendes Erfordernis; letzterer will diese jedoch weder in die Hände des Landwirtschafts-Mi¬ nisteriums noch in die des Arbeitsministeriums gelegt sehen, denn bei ersterem würden die Verkehrs- Interessen leiden, während letzteres zu sehr im Eisenbahnwesen stecke. Es müsse ein eigenes Ministerium hierfür geschaffen werden. Ebenfalls auf wirtschaftlichem Gebiete lag der Vor¬ trag von Dr. Vosberg-Rekow in Berlin, der über „die Fernwirkung der Verkehrsmittel“ sprach und die jetzige Verkehrspolitik, welche den Ansprüchen des inter¬ nationalen Verkehrs und Handels nicht genügend gerecht werde und auch im inneren Verkehr an zu grosser Eng¬ herzigkeit leide und fast mehr durch den Finanzminister als durch die Rücksicht auf den Verkehr geleitet werde, einer scharfen Kritik unterwarf; ferner der Vortrag des Rechtsrates F.Ditthorn inRegensburg, über „Die Bedeu¬ tung der Donauwasserstrasse für den Petroleum- Verkehr“, des Handelskammer-Syndikus Dr. Behrend sich die Arkaden der Seitenschiffe, denen dieOeffnungen der äusseren Kapellenreihen entsprechen; flache korinthische Pilaster-Vorlagen mit verkröpftem Gebälk nehmen auch hier die Bögen auf, die über den Doppelpfeilern der Ka¬ pellen und der Seitenschiff-Joche zu tonnenartigen Gurten sich verbreitern. Sämtliche Gewölbe des Langhauses und der Querschiffs-Flügel sind als elliptische Flachkuppeln auf Zwickeln gestaltet; in der Vierung ist unterhalb des mit einer Flachkuppel überwölbten Tambours ein auf Zwickeln ruhender Galerie-Umgang hergestellt; der Chor hat ein einheitliches grösseres Spiegelgewölbe erhalten. Die Fenster des Langhauses zeigen sowohl im Hochschiff wie in den Nebenschiffen die Halbkreisform; diejenigen des Chores, der Querschiffs-Flügel und des Tambours sind durch ent¬ sprechende Einsätze in die schlanken, ihres Masswerkes beraubten Oeffnungen des alten gotischen Baues in Rund¬ bogenfenster und elliptische Oeffnungen zerlegt bezw. ver¬ wandelt worden. Sein warmblütiges Leben aber erhält dieses Gerüst erst durch den plastischen und malerischen Schmuck, der in verschwenderischer Fülle darüber ergossen ist. Zu der ornamentalen Durchbildung der Kapitelle, Friese, Archi¬ volten, Bogenlaibungen usw., die fast durchweg im Sinne der strengeren Renaissance gehalten ist, gesellen sich zahlreiche Kartuschen in mannichfach bewegter Umriss¬ linie, vor allem aber eine Schar von Figuren — Putten, weibliche Idealgestalten und Engel — die am Fusse der Archivolten stehen, auf deren Rücken sich lagern und an die Gewölbezwickel des Hochschiffes sich schmiegen. Alle diese frei in Stuck modellierten Gebilde, die mit voller Sicherheit des Könnens und in meisterhafter Be¬ rechnung ihrer Wirkung an der für sie bestimmten Stelle geschaffen sind, zeigen eine erstaunliche, nie versiegende Kraft und Frische der Erfindung und sind trotz ihrer Zu¬ gehörigkeit zu einem geschlossenen Ganzen doch von solcher Eigenart, dass auch nicht ein Anhauch des Scha¬ blonenhaften aufkommen kann. — In trefflicher, nirgends 498 in Magdeburg über „Bedingungen und Grenzen für die Erhebung von Schiffahrtsabgaben“. Die Auf¬ stellung bestimmter Leitsätze zu dieser letzteren Frage wurde einem Ausschuss überwiesen. Auf technischem Gebiete lag zunächst der Vortrag des Hrn. Bauamtmann Fab er in Nürnberg, der über „Die Verbesserung der Schiffahrt auf der oberen Donau von Kelheim bis Ulm“ sprach, eine Aufgabe, die Redner z. Zt. im Aufträge des bayerischen Kanalvereins bearbeitet. Redner hält es für möglich, durch Regulierung der Niederwasserrinne einen lohnenden Betrieb für Schiffe von 200 — 300 1 Ladefähigkeit einzurichten. Redner weist darauf hin, dass die starke Geradelegung geschiebeführen¬ der Flüsse für die Schiffahrt von grossem Nachteil ge¬ wesen sei. Es sei zur Erforschung des Verhaltens solcher Flüsse erforderlich, Versuchsbauten in grösserem Mass- stabe auszuführen, wie er das schon in den 80er Jahren für den Oberrhein vorgeschlagen habe. Die Streitfrage, ob Korrektur des Flussbettes, ob Seitenkanal, würde für diesen Flusslauf dann längst entschieden sein. Von auswärtigen Rednern sprachen Prof. Hrasky aus Prag über „Die Einheitlichkeit in der technischen Lösung f ür Wasserstrassen und die Bodenmelio¬ ration des anliegenden Geländes“, Ministerialrat Blum aus Wien über „Die Schiffbarmachung der Weichsel in Oesterreich“ u. a. Die übrigen Vorträge waren ebenso wie der zuerst genannte den süddeutschen Wasserstrassen gewidmet. Stadtbaurat Eisenlohr aus Mannheim sprach über „In¬ dustriehäfen mit besonderer Berücksichtigung der Anlagen am Rhein“, wobei Redner naturgemäss eingehend auf den Mannheimer Industriehafen hinwies, den die Stadt von 1897 — 1903 mit einem Kostenaufwand von 6,9 Mill. M. ausgeführt hat und zwar als den ersten deutschen Hafen, der ausschliesslich der Industrie dient. Von besonderem Interesse waren schliesslich die Aus¬ führungen über die „Einrichtung der Grosschiffahrt auf dem Neckar und die Herstellung einer Ver¬ bindung von Rhein und Donau durch Württem¬ berg“ von Geh. Hofrat Dr. v. Jobst-Stuttgart, Vors, des Komitees für die Hebung der Neckarschiffahrt. Wir haben über den Plan der Kanalisierung des Neckars bis Esslingen, der vorläufig an der ablehnenden Haltung Badens scheiterte, seinerzeit schon berichtet. Redner führte aus, dass nach den Plänen vom Jahre 1900 es möglich sei, mit einem Kostenaufwand von 40—50 Mill. M. eine 2 m tiefe, für 600 t- Schiffe brauchbare Wasserstrasse bis Esslingen aufwärts zu schaffen. Es würden dabei erhebliche Wasserkräfte gewonnen, welche wesentlich zur Verbesserung der Wirt¬ schaftlichkeit des Unternehmens beitrügen, indem sie einen Wert von rd. 26 Mill. M. darstellten. Durch diese Kana¬ aufdringlicher Weise fügen in diesen Rahmen die Decken¬ gemälde in den Gewölbekappen und Spiegeln, den Zwickel- Medaillons und den Kassetten-Feldern der breiten Seiten¬ schiffs-Gurte sich ein; ihre Haltung in tiefen gedämpften Tönen lässt sie innerhalb der graugrünlich gefärbten Ar¬ chitektur fast wie Gobelins erscheinen. Aufs wesentlichste trägt weiterhin zu der künstle¬ rischen Erscheinung dieses Innenraumes, von deren Schön¬ heit die Abbildg. 8 nur eine schwache Vorstellung gibt, seine gleichfalls nach dem Entwurf und unter Leitung Carlone’s geschaffene Ausstattung bei. Diejenige des Chores, der ehemals durch ein lettnerartiges Gitter vom Querschiff abgeschlossen war, ist leider nicht mehr vorhanden; nur die als Erker vorspringenden Ausbauten der beiden (an¬ scheinend noch aus dem Mittelalter stammenden), in den Ecken von Chor und Querschiff gelegenen und nach bei¬ den sich öffnenden Logen sind übrig geblieben. Erhalten sind dagegen die Altäre und die diesen eingereihten Por¬ tale an den Aussenwänden des Langhauses und des Quer¬ schiffes. Nach einem einheitlichen Grundgedanken ent¬ worfen — und zwar derart, dass der mittlere von Säulen mit verkröpftem Gebälk eingefasste Aufbau mit dem Altar¬ bild oder der Tür von einem mächtigen, in das Halbkreis¬ fenster der Kapelle hineinragenden Wappen bekrönt wird — zeigen diese im Rahmen der Kapelien-Arkaden um so eindrucksvoller hervortretenden Altäre im einzelnen eine virtuose Mannichfaltigkeit, die das Gesamtbild glücklich belebt. Besonders aber entzücken sie durch ihre, zum¬ teil durch Verwendung bunter Marmorarten erzielte far¬ bige Haltung, die — ebenso wie dies bei den Decken- biidern hervorgehoben werden musste — harmonisch mit dem Ganzen zusammenklingt und doch eines selbständigen Reizes nicht entbehrt. Das Gleiche gilt von den wenigen noch im Dom vorhandenen Epitaphien*). Nicht den letzten *) Es kann überhaupt nicht nachdrücklich genug betont werden, dass der Reiz, welchen die in den deutschen Donauländern entstandenen Bauten aus der Blütezeit des Barockstiles darbieten, in nicht minderem Grade auf No. 77. lisierung würde eine erhebliche Verbilligung des Trans¬ portes von Massengütern, in erster Linie also der Ruhr¬ kohle, eintreten. Eine der Grosschiffahrt dienende Ver¬ bindung zwischen Rhein und Donau liesse sich am besten in Neckarrems unterhalb Cannstatt vom Neckar abzweigen und durch das Rems-, Aal-, Kocher- und Brenstal nach Lauingen an der Donau führen. Diese Verbindung wäre um 48 km kürzer als der Main-Donau- Kanal (siehe No. 67), um 84 Mill. M. billiger und ausserdem würde die Fahr¬ zeit 11 Stunden weniger betragen. Die Kosten würden betragen 40 Mill. M. für die Strecke Mannheim-Neckarrems, wo der Anschluss an die Linie Cannstatt-Stuttgart-Esslin- gen erfolgt, 92 Mill. M. bis zur Donau bei Lauingen und 58 Mill. M. für einen Donau - Kanal Lauingen - Kelheim (den Ausgangspunkt des geplanten Donau-Main-Kanales). Aus den sich an diesen Vortrag anschliessenden Er¬ örterungen geht hervor, dass die Stadt Mannheim ihren anfänglichen Widerspruch gegen den Plan der Neckar- Kanalisierung nicht mehr aufrecht erhält, trotzdem der Todtenschau. Regierungsbaumeister August Menken f. Am 10. Sept. verschied in Berlin nach längerem Leiden im besten Mannesalter der Architekt Reg.-Bmstr. August Menken. Der Tod nahm ihn vorzeitig aus einer ausgebreiteten Bau¬ tätigkeit heraus, die vorwiegend dem Kirchenbau gewid¬ met war. Menken war Rheinländer, im Jahre 1858 in Köln a. Rh. geboren und machte seine fachlichen Studien an der Bauakademie in Berlin. 1886 wurde er Regierungs- Baumeister. Seine praktische Tätigkeit begann mit der Wiederherstellung alter Bauwerke und führte ihn auf das Baubüreau für den Zentralbahnhof in Frankfurt a. M. Im Jahre 1885 errang er den Schinkelpreis des Architekten- Vereins zu Berlin. Von seinen hauptsächlichsten Werken seien genannt die katholische Garnison - Kirche in der Hasenheide in Berlin, ein romanischer Werksteinbau; die Ludwigs-Kirche in Wilmersdorf, ein romanischer Back¬ steinbau; die evangelische Kirche zu Obornik, ein gotischer Backsteinbau (s. S. 136 f. d. J.), das Vereinshaus Treviris in Trier (Jahrg. 1901, No. 51) usw. An dem Wettbewerb betr. Entwürfe für die Kaiser Wilhelms- Akademie in Berlin war er mit einem stilistisch bemerkenswerten Entwürfe beteiligt (s. Seite 240). — Architekt Georg Brüggemann f. Am 5. d. M. verschied unerwartet in Budapest der Arch. G. Brüggemann, ein geborener Berliner (1865), der nach Absolvierung seiner Studien nach Budapest übersiedelte. Dort wirkte er an¬ fangs im Atelier des Arch. Ignatz Alp är (1886 — 1892). In den Jahren 1892 — 94 erbaute er mit dem Unterzeichneten gemeinsam die Palais des „Ausstattungs-Vereins“ und des Rang unter diesen Austattungsstücken behauptet auch der prachtvolle, aufs glücklichste in die Architektur des Raumes eingeschaltete Prospekt der grossen Orgel auf der West¬ empore des Mittelschiffes. — Soviel über das Werk des Carlone und seiner künst¬ lerischen Mitarbeiter, das mit der Aufstellung einer neuen Kanzel und zweier kleineren Orgel- und Sängerbühnen an den vorderen Pfeilern der Vierung i. J. 1713 zum Ab¬ schluss gelangte. Von dieser Zeit bis zu derjenigen des Bischofs Hein¬ rich v. Hofstätter scheint der Dom erhebliche Verände¬ rungen nicht erfahren zu haben; es sei denn, dass meine früher geäusserie Vermutung hinsichtlich einer Erneuerung der Vierungs- Kuppel i. J. 1755 zuträfe. Im Südwestturm wurde 1737 eine neue 181 Zentner schwere Glocke, die sogen. „Stürmerin“ angebracht. Zahlreiche kleinere Be¬ schädigungen an den Kunstwerken des Inneren brachten natürlich die Kriegsstürme im ersten Jahrzehnt des 19. Jahr¬ hunderts mit sich, während welcher der Dom nur mit Mühe vor der Gefahr gerettet wurde, in ein Magazin um¬ gewandelt zu werden. Damals, insbesondere nach der Säkularisation von 1803, gingen — bis auf geringe Reste — auch sein kostbares Inventar und der gesamte Kirchen¬ schatz verloren. Eine noch grössere Gefahr hätte dem Bau gar leicht aus dem Eifer des Bischofs Heinrich erwachsen können. Denn angesichts seiner offenbaren Vorliebe für die mittel¬ alterliche Kunst und im Hinblick auf die Tatsache, dass die Klagen über den Untergang des alten gotischen Domes und die Entstellung der von diesem übrig gebliebenen Teile innerhalb der Passauer Geistlichkeit noch heute nicht ganz verstummt sind, ist es keineswegs unwahrscheinlich, die Meisterschaft der farbigen Behandlung ihrer Innenräume zurückzu- führeo. ist, als auf das, was Architekt und Bildhauer an ihnen geleistet haben. Sie verdienen nach dieser Seite zum Gegenstände eines besonderen Studiums gemacht zu werden, und es ist zu verwundern,“ dass die Archi¬ tekturmaler sie so selten aufsuchen. — 26. September 1903. Mannheimer Verkehr darunter zunächst jedenfalls leiden würde. Der Verbandstag fasste schliesslich, einerseits auf An¬ regung des Bürgermstrs. Hofrat Dr. v. Schuh in Nürnberg, soweit der Main infrage kommt, anderseits auf Antrag der Handelskammern in Dortmund, Duisburg, Essen, Mülheim a.Ruhr und Ruhrort usw., eine Resolution, in welcher als ein dringendes wirtschaftliches Bedürfnis die Fortsetzung der Mainkanalisierung bis Aschaffenburg, die Kanalisierung des Neckars und die Umwandlung des Oberrheins bis Kehl und Strassburg in eine leistungsfähige, regelmässig benutzbare Wasserstrasse anerkannt wird. „Diese Inter¬ essen dürfen durch die Schwierigkeiten der Kostenverteilung auf die beteiligten Staaten nicht Not leiden, anderseits auch nicht durch Bedingungen erschwert werden, die gegenüber dem grossen und allgemeinen wirtschaftlichen Werte der Wasserstrassen nicht berechtigt sind“ usw. — Für den nächsten Verbandstag im Jahre 1905 wird Stettin als Versammlungsort gewählt. — „Zion-Vereins“. Von 1894 an wirkte er selbständig. Die Bauten Klösz, Wünsch u. a., sowie die Ausgestaltung der Bahnsteig- und Wartehallen der Franz- Josefs-Untergrund- sowie der Stadtbahn sind sein Werk. Durch seine künst¬ lerische Begabung, seinen biederen Charakter und seine Feinfühligkeit hat er sich in seiner neuen Heimat viele Freunde erworben. — Rob. Fleischl-Budapest. Preisbewerbungen. Zu dem Preisausschreiben betr. Vorentwürfe für Bade¬ häuser ln Pyrmont (S. 336) liefen 19 Arbeiten ein. Den I. Preis errangen die Hrn. A. Karst und H. Fanghänel in Kassel; den II. Preis die Hrn. Meissner & Liborius in Magdeburg ; den III. Preis die Hrn. Jürgensen & Bach¬ mann in Charlottenburg. Der Entwurf „Hylliger Born“ wurde zum Ankauf empfohlen. — Wettbewerb Rathaus Geringswalde. In Ergänzung unserer Nachrichten auf den S. 480 und 488 teilen wir mit, dass zu dem Wettbewerb 10 Architekten aufgefor¬ dert waren und dass die Entwürfe der Hrn. Schmidt & Johlige in Leipzig, R. Schleinitz in Dresden, Jul. Zeissig und Paul Burghardt in Leipzig mit Preisen ausgezeichnet wurden. — Im Wettbewerb evangel. Kirche der Freiheiter Ge¬ meinde ln Kassel (vergl. S. 152), beschränkt auf Architekten des Regierungsbezirks Kassel, erhielten unter 40 Entwürfen den II. Preis von 1500 M. Hr. Arch. Arnolt, je einen III. Preis von 1000 M. Hr. Arch. Langenberg für jeden seiner beiden Entwürfe und Hr. Arch. W. Hausen, sämt¬ lich in Kassel. Ein I. Preis wurde nicht zuerkannt. — dass der baufreudige und opferwillige Kirchenfürst zu¬ nächst mit dem Gedanken einer Wiederherstellung jener Teile im gotischen Stile sich getragen hat. Ein solches Unternehmen wäre aber nicht nur für die Harmonie des Inneren verhängnisvoll geworden, sondern hätte — bei dem unzureichenden Verständnis, das man damals noch insbesondere den Schöpfungen der Spätgotik entgegen¬ brachte — auch in sich misslingen müssen. Zum Glück unterblieb es — sei es, dass man schliesslich doch nicht den Mut zu einem so kühnen Vorgehen aufbringen konnte, sei es, dass man die damit verbundenen Kosten scheute. Man entschloss sich vielmehr zu dem Versuche, die erforder¬ lichen Ergänzungen und Erneuerungen im Sinne des Barock¬ stils auszuführen. Und ist dieser Versuch auch gleichfalls wenig günstig ausgefallen, so kann doch — wenige Aus¬ nahmen abgerechnet — der dadurch angerichtete Schaden wieder gut gemacht werden. Unersetzlich ist freilich die zum Zwecke einer voll¬ ständigen Freilegung des Inneren erfolgte Beseitigung der eisernen Abschlussgitter am Chor (gewiss eines Meister¬ werkes der Schmiedekunst von 1684), sowie der oben erwähnten beiden kleineren Orgelbühnen an den Vierungs¬ pfeilern. Der Eindruck des Kirchenraumes hat dadurch schwerlich an Macht gewonnen, zweifellos aber an ma¬ lerischem Reiz eingebüsst. Unersetzlich ist ferner der Verlust des alten Hochaltares und des Chorgestühls; doch ist es fraglich, ob diese Ausstattungs-Stücke nicht schon vor der Zeit des Bischofs Heinrich ihren Untergang gefunden hatten. Der neue, mit vergoldeten Kupferplatten beklei¬ dete, von einem hohen Kruzifix überragte Altartisch, so¬ wie das in Eichenholz hergestellte Chorgestühl und der Bischofssitz, welche dieser errichten Hess, wirken in ihrer schwächlichen Formengebung gar zu unbedeutend und lassen vom Geiste des Barock wenig verspüren; sie haben überdies an dem blauroten Kattunvorhang, mit dem man die alten Ledertapeten der unteren Chorwände verdeckt hat, einen sehr unvorteilhaften Hintergrund. Besser ge- 499 Jungen sind die Ergänzungen an den Figuren der Seiten¬ altäre. Der Wiederherstellung der Altarbilder und der ganzen farbigen Ausstattung des Inneren kann man sogar volle Anerkennung zollen. Am Aeusseren wurden — abgesehen von dem Neu¬ bau der Sakristei, durch den die Ostansicht des Domes nicht eben verbessert worden ist, nur einige unwesent¬ liche Veränderungen an der Westfassade ausgeführt. Die Vasenbekrönungen auf der Attika des nördlichen Anbaues mussten weichen ; dagegen wurden in der (zugemauerten) Fensternische des Hochschiffes, in den entsprechenden beiden Nischen der mittleren Turmgeschosse, sowie auf den Ecken der oberen Abschlüsse der Seitenschiffe grosse, von dem Bildhauer Knabl in München gefertigte Heiligen- Figuren angebracht. Selbstverständlich durfte auch das Heinrichs-Kreuz nicht fehlen, das — aus vergoldetem Blech hergestellt — seinen Platz im Giebeldreieck des Hoch¬ schiffes erhielt. — In diesem Zustande verblieb der Dom, bis der i. J. 1890 an die Spitze der Diözese gelangte zweite Nach¬ folger des Bischofs Heinrich, Bischof Dr. Michael v. Rampf, sich dazu entschloss, durch den Ausbau der bis dahin unvollendet gebliebenen beiden West¬ türme seine Kathedrale auch im Aeusseren zu künstle¬ rischem Abschluss zu bringen. Mit der Bearbeitung eines Entwurfes hierzu wurde i. J. 1892 der Professor an der Technischen Hochschule zu München Heinrich Frei¬ herr v. Schmidt beauftragt, den der Bischof einige Jahre später zum Dombaumeister von Passau ernannte. In vollster Hingebung und mit ernstem Eifer hat der Künstler die Lösung der ihm gestellten Aufgabe sich an¬ gelegen sein lassen. Zunächst wurden Nachforschungen darüber angestellt, ob vielleicht noch ein Fassaden-Entwurf Lurago’s erhalten sei, der über dessen Absichten Aufschluss geben konnte. Alle Bemühungen, einen solchen Plan in den Archiven von Passau, Prag, Landshut und München oder in den Bibliotheken der benachbarten österreichi¬ schen Klöster aufzufinden, erwiesen sich jedoch als ver¬ geblich. Aufgrund eingehender Vorstudien an verwandten Baudenkmälern, die sich in erster Linie auf die Theatiner¬ kirche in München und den Dom in Salzburg, aber auch auf verschiedene italienische Turm-Anlagen erstreckten, entstand dann nach mannichfachen, alle nur möglichen Lösungen ins Auge fassenden Versuchen allmählich ein Entwurf, der — in einem sorgfältigen Modell von 1:25 dargestellt — i. J. 1894 sowohl in München wie in Passau zur öffentlichen Ausstellung gelangte. Er fand nicht nur den Beifall des Bauherrn, sondern wurde ebenso von dem Kunstausschuss der obersten bayerischen Baubehörde gebilligt und ist mit einigen unwesentlichen Aenderun- gen auch der Ausführung zugrunde gelegt worden. Die Abbildg. 7 in No. 74 gibt ihn im Aufriss wieder, während die Abbildg. 9 eine nach der Natur aufgenommene An¬ sicht des vollendeten Baues zeigt. Ausgangspunkt für diesen Entwurf war die Notwendig¬ keit, die neuen Turmabschlüsse einerseits mit der Lurago’- schen Fassade in Einklang zu bringen, anderseits sie in die richtige Beziehung zu der vorhandenen Vierungs- Kuppel zu setzen. Dass die letztere unter allen Umstän¬ den in ihrer bisherigen, historisch gewordenen Form er¬ halten werden müsse, war — entgegen einigen Stimmen, die wiederum von einer gotischen Gestaltung dieses Bau¬ teiles schwärmten — von vornherein festgestellt worden. Beide Rücksichten verboten eine bedeutende Erhöhung der Türme, weil diese anderenfalls zu dem mittleren Teil der Fassade in einem eben so unschönen Verhältnis gestan¬ den haben würden, wie sie die Wirkung des Vierungsturmes herabgedrückt hätten. So wurde denn den alten vier¬ seitigen Turmkörpern nur ein verhältnismässig niedriges Achteck-Geschoss aufgesetzt und dieses im Grundriss so weit eingezogen, dass hinter der jenen Turmkörpern als Krönung hinzugefügten Bailustrade noch ein schmaler Um¬ gang frei blieb. Der im Mauerwerk des dritten Turmge¬ schosses vorbereitete Uebergang ins Achteck beweist übrigens, dass auch Lurago eine ähnliche Lösung beab¬ sichtigt hatte. Die Ecken dieser neuen vierten Geschosse, die zur Aufnahme der Domglocken bestimmt und dem¬ gemäss mit grossen Schallöffnungen durchbrochen wur¬ den, sind durch kräftige Pilaster verstärkt, die in etwas an die Strebepfeiler des Vierungsturmes erinnern. Eine noch engere Beziehung zu diesem aber wurde dadurch hergestellt, dass die über den Türmen errichteten, mit Kupfer gedeckten Dachhauben als das genaue, nur ent¬ sprechend verkleinerte Abbild der alten Domkuppel ge¬ staltet wurden. In ihrer Gesamthöhe von 68,35 m stehen die Türme nur um 0,68 m hinter der Kuppel zurück. Der Erfolg seiner Arbeit hat dem Architekten eine glänzende Genugtuung bereitet. Aus mühseligen, mit pein¬ lichster Gewissenhaftigkeit durchgeführten Erwägungen und Kompromissen hervorgegangen, entbehrt sein Werk dennoch nicht der künstlerischen Frische und wirkt es fast wie ein glücklicher „Wurf“. Erst durch ihn hat die Hauptfassade des Passauer Domes die ihr zukommende Würde und Bedeutung gewonnen. Erst durch ihn ist — soweit das überhaupt möglich war — eine Vermittelung zwischen den östlichen und westlichen Teilen des Baues herbeigeführt worden, die in dessen seitlichen Ansichten bisher schmerzlich vermisst wurde. Die Tätigkeit des Dombaumeisters beim Ausbau der Westfront beschränkte sich jedoch keineswegs auf die Vollendung der Türme. Die Fassade Lurago’s war auch insofern unvollendet geblieben, als ihr der für ein Bau¬ werk dieses Ranges unerlässliche künstlerische Schmuck fehlte; der Eindruck trockener Nüchternheit, den sie schon infolge ihrer architektonischen Formengebung gewährte, wurde dadurch noch verstärkt. Und was Bischof Heinrich ihr an Schmuck hinzugefügt hatte, war so verfehlt, dass es beseitigt werden musste, bevor eine künstlerische Er¬ gänzung der Fassade überhaupt infrage kommen konnte. Es gereicht dem Kunstverständnis und der Vorurteils¬ losigkeit des Bischofs Michael zu hohem Ruhme, dass er sich dieser Einsicht nicht verschlossen und — unbeirrt durch eine falsche Pietät für das Werk seines Vorgängers — einem solchen Vorgehen zugestimmt hat. Die 5 Knabl’- schen Figuren, die zu dem Stil des Domes schlechterdings nicht passten, sind demnach wieder entfernt*) und in den beiden Nischen des zweiten Turmgeschosses durch neue stilgemässere Figuren ersetzt worden. Die Figur in der grossen Mittelnische kam ganz in Fortfall, da hier das ursprünglich vorhandene Fenster des Hochschiffes wieder geöffnet wurde. An die Stelle der Figuren auf den Eck¬ pfeilern der Seitenschiffe traten Vasen, wie sie auch auf der Attika des nördlichen Anbaues wieder aufgestellt und als Aufsätze der Turm-Ballustraden verwendet wurden. Eine reichere und bedeutsame Bekrönung — eine Marien¬ figur und 2 seitlich gelagerte Heiligen-Gestalten — erhielt der Giebel des Hochschiffes, in dessen innerem Felde statt des Heinrich-Kreuzes ein aus Wolken und Strahlen her¬ vor blickendes Gottesauge angebracht wurde. — Alle diese von dem Bildhauer E. Pfeif ler in München modellierten und in Kelheimer Kalkstein ausgeführten Skulpturen sind aufs beste gelungen und haben die künstlerische Wirkung der Fassade nicht unwesentlich gesteigert. — Der Ausbau der Westfront begann zu Anfang d. J. 1896 unter der örtlichen Leitung des kgl. Bauamtmannes Brühlmeyer zu Passau, dem Architekt Ebert aus Bam¬ berg zurseite stand; seine Vollendung ist gleichzeitig mit dem fünfzigjährigen Priester- Jubiläum des Bauherrn am 17. Juni 1898 gefeiert worden. — Damit dürfte die Tätigkeit am Passauer Dom vor¬ läufig ihr Ende erreicht haben. Zwar bietet sich für einen baufreudigen Bischof von der Gesinnung des inzwischen leider verstorbenen Bischofs Michael noch manche Ge¬ legenheit zu entsprechender Betätigung. Eine gründliche Instandsetzung und Ergänzung der in ihren dekorativen Gliederungen stark verwitterten gotischen Teile des Domes darf wohl nicht lange mehr verschoben werden. Vielleicht könnte infrage kommen, ob man in dieser Ergänzung nicht noch etwas weiter gehen und wenigstens den Querschiffs- Flügeln ihre alte, mit Figuren geschmückte Dachgalerie zurückgeben will; die zurzeit noch immer recht unschöne Seitenansicht des Baues würde dadurch ausserordentlich gewinnen. Erwünscht wäre ferner eine neue würdige Ausstattung des Chores im Geiste des Carlone, die diesen bis jetzt minderwertigsten Teil des Innenraumes auch künstlerisch zu der Bedeutung erhöbe, die er im Kultus der katholischen Kirche beanspruchen kann. Notwendig jedoch scheint mir vor allen Dingen eine sorgfältige Aufnahme und Untersuchung des Domes, durch welche dessen Geschichte besser klar gestellt wer¬ den könnte, als ich es mit den mir zugebote stehenden schwachen Hilfsmitteln zu tun imstande war. Fast wäre ich versucht, die Aufmerksamkeit der Berliner Boissonnet- Stiftung auf diese Aufgabe zu lenken. Aber ich habe Furcht, damit das bayerische Selbstgefühl zu verletzen, das wohl Mittel und Wege finden wird, sie aus eigener Kraft ZU lösen. — (Fortsetzung folgt) *) Sie haben bis auf eine gelegentliche Wiederverwendung an ande¬ rer Stelle ihren Platz auf der „Römerwehr“ erhalten. Inhalt: Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin (Fortsetzung). — Vom VI. Verbandstage des deutsch-österreich-ungarischen Verbandes für Binnenschiffahrt zu Mannheim. — Aus Passau (Fortsetzung). — Todtenschau. — Preisbewerbungen. Hierzu eine Bildbeilage: Die Albula-Bahn im Engadin. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 77. 500 11 DEUTSCHE BAUZEITUNG 1 gj| XXXVII. JAHRG. NT 78. BERLIN, DEN 30. SEPT. .903 || ilHHIHHIlHHlHlHHEaillllllli Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin. (Schluss.) er auf der Albula-Bahn verwendete Oberbau ist in Abbildg. 18 zur Darstellung gebracht. Auf der Strecke mit geringerer Steigung, also von Thusis bis Filisur, ist ein etwas leichteres Schienenprofil von 25 k?/m Gewicht, auf den stärkeren Steigungen von Filisur bis St. Moritz ein solches von 27 ks/m Gewicht zur Anwendung gekommen. Die Schienen ruhen, von Klemm platten gehalten, auf flusseisernen Querschwellen, deren eigenartige Form aus der Abbildung hervorgeht und eine möglichst feste Lagerung im Schotterbett erzielen soll. Querschwellen aus imprägnirtem Eichenholz sind nur in Nebengleisen zur Verwendung gekommen. Der Schienenstoss ist ein schwebender, mit kräftiger Winkellasche. Die Schwellen haben am Stoss 37, dann 60 und 70,5, im übrigen 82 cm Entfernung. Bei 12 m Schienenlänge ent¬ fallen also auf jede Länge 16 Querschwellen. Die normale Spurweite von 1 m erfährt bei Halbmessern über 500 m keine Erweiterung; letztere beträgt 4 mm bei Halbmessern von 450 500 m und steigt bis auf 24 mm bei Krümmungen mit 100 — 140 m Halbmesser. Die Lokomotiven, welche auf der Linie zur Ver¬ wendung kommen, sind Doppelverbund-Lokomotiven nach der Bauart Mailet mit einem Leergewicht von Fi I i sur - S? M ori tz. '. ‘27,00k9 W- 102,33. kr - 50 - Lasche n pro Fi I . B.- 7,813 kS F.= 20,00 1cm W.-2G^ä. Thusis-Filisur u. Reichenau -Jlanz. E. ~25,00k9 F.-32,009cm tv- 95,8 kr-- - SO - >1 Aus Passau. (Fortsetzung.) Hierzu die Abbildung auf Seite 503. ollte ich die übrigen Ba¬ rockbauten der Stadt in glei¬ cher Ausführlich¬ keit behandeln wie den Dom, so würde dies ebenso den Um¬ fang meiner Ar¬ beit in unzulässi¬ ger Weise stei¬ gern, wie über deren Zweck hin¬ aus gehen. Denn nicht eine er¬ schöpfende Be¬ sprechung der Passauer Bau- Denkmäler, für welche meine flüchtigen Studien auch bei weitem nicht ausreichen würden, will ich geben, sondern lediglich einen Hinweis, aus dem andere Fachgenossen hoffentlich die Anregung zu einem Besuche des Ortes Abbildg. 10. Kanzel und Empore in der Studien- (Jesuiten-) Kirche. (Aus: Gurlitt’s Geschichte des Barockstiles.) und zu eigenen, gründlicheren Studien schöpfen werden. Ich begnüge mich daher, nur die wichtigsten jener Bauten kurz zu berühren. Unter den Kirchen der Barockzeit ist nächst dem Dom die ehemalige Jesuiten-Kirche St. Michael die bedeutendste; seitdem das Kollegium, zu dem sie gehörte, in ein „kgl. Studiengebäude“ sich verwandelt hat, ist auch ihr der Name der „Studienkirche“ beigelegt worden. Ihre Vollendung fällt in das Jahr 1677, doch enthält sie wahrscheinlich erhebliche Teile eines älteren, von dem Orden bereits im ersten Dritteil des 17. Jahrh. errichteten Baues, der ein Opfer des Brandes von 1662 geworden war. Welcher Meister sie geschaffen hat, ist nicht über¬ liefert. Der in mässigen Abmessungen gehaltene Bau folgt in seiner Anlage dem bekannten Schema der Jesuiten- Kirchen. Ein breites, von einer Tonne überwölbtes Mittel¬ schiff mit zweigeschossigen Seitenschiffen, die unten in Kapellen zerlegt sind, oben Emporen enthalten. An der Westfront ein Giebel zwischen 2 Türmen; der schmalere Chor mit einem abgewalmten Satteldach überdeckt Die Architektur des Aeusseren, das mit einem Marmor- Portal geschmückt ist, kann nicht gerade hervorragend genannt werden. Anziehend ist dagegen der Innenraum, von dessen — offenbar durch einen italienischen Meister ge¬ schaffenen — Stuckverzierungen Abbildg. 10 eine Probe gibt. In den Kapellen steht nach Osten hin je ein Altar, nach Westen hin ein Beichtstuhl, über dem eine Art Epitaphium angeordnet ist. Zu dieser reichen Ausbildung 501 38,9 1 und einem grössten Dienstgewicht (einschl. Schnee¬ pflug) von 46 L Die 4 Triebachsen sind paarweise gekuppelt. Die Laufachse ist vorn angeordnet und als Lenkachse ausgebildet, um ein sanftes Durchfahren der Kurven zu ermöglichen. Sie sind mit automati¬ scher Luftsaug -Bremse, System Hardy, mit Luftre- pressions- und Handbremse ausgerüstet. Als Leistung ist von diesen Lokomotiven verlangt, dass sie einen 70 1 schweren Zug (ohne Lokomotive) auf einer grössten Steigung bis 45 %o mit einer Mindest-Geschwindigkeit von 15 km bewegen. Sie sind von der „Schweize¬ rischen Lokomotiv- und Maschinen-Fabrik" in Winterthur erbaut. Die festgesetzte Höchst-Ge¬ schwindigkeit beträgt 40 km, die gewöhnlich nicht überschrittene 30 km. — Die Wagen sind sämtlich mit Hand- und Hardy- Bremse ausgerüstet, elektrisch beleuchtet (System Stone) und mittels Dampt von der Lokomotive heiz¬ bar. Die Gepäck- und Güterwagen haben 10 1 Trag¬ fähigkeit. Zum Schlüsse unserer Ausführungen sei noch eine Zusammenstellung der Kosten der Albula-Bahn ge¬ geben. Diese haben betragen bei rd. 62 km Ges. -Länge: Vorstudien, Organisation, Verwaltung, Bauleitung . 1320000 Fr., Bauzinsen . 525 000 Enteignungen . 525 000 ” Unterbau, ohne Albula-Tunnel . . . 10744000 „ Unterbau, Albula-Tunnel . 7070000 Oberbau . 1 601 000 „ Hochbauten der Bahnhofsanlagen . 943000 „ Telegraph, Signale, Einfriedigungen, Schranken usw . 123000 „ Rollendes Material . 1 600 000 „ Mobiliar . 100 000 „ Gesamtsumme . . 24551000 Fr. Die neue Eisenbahnlinie wird manchem, den die Kostenfrage bisher zurückhielt, die Naturschönheiten des Ober-Engadin erschliessen. Für die Tüchtigkeit schweizerischer Ingenieure bildet sie einen neuen Denkstein. — _ Fr E _ Vermischtes. Preisverteilung in der Deutschen Städteausstellung in Dresden. Unter 640 Firmen, welche ausgestellt hatten, sind 37 goldene, 68 silberne und 80 bronzene Medaillen, sowie 125 Ehrenurkunden verteilt worden. Die goldene Medaille erhielten u. a : A.-G. Mix & Genest, Telephon- und Telegraphen werke in Berlin W. ; Bergmann-Elektr.-Werke, A.-G. (Masch.-Abt.) in Berlin N.; Adolf Bleichert & Co. in Leipzig- Gohlis; A. Borsig in Tegel bei Berlin; Christoph & Unmack, A.-G. in Niesky (Ober¬ lausitz); Deutsche Steinzeugwarenfabrik für Kanalisation und ehern. Industrie in Friedrichsfeld in Baden; Deutsche Tonröhren- und Schamottefabrik, Münsterberg in Schlesien; Fr. Chr. Fickentscher, G. m. b. H. in Zwickau i. S.; Geiger’- sche Fabrik für Strassen- und Hausentwässerungs- Artikel, G. m. b. H. in Karlsruhe i. B.; Hildesheimer Sparherdfabrik A. Senking in Hildesheim; Gebrüder Jehmlich in Dresden; Königin-Marienhütte, A.-G. in Cainsdorf i.S ; Gebr. Körting in Körtingsdorf bei Hannover; G. G. Kuhn, G. m.b. H., Masch.- u. Kesselfabr. in Stuttgart-Berg; „Phönix“, A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb in Laar bei Ruhrort; Popp & Weisheit, Baugeschäft in Nürnberg; Pumpen- und Gebläsewerk C. H. Jaeger & Ko. in Leipzig- Plagwitz; Reh & Ko., Asphalt-Ge¬ sellschaft San Valentino in Berlin N.W.; Rietschel & Henne¬ berg in Berlin S. und Dresden; Sachs. Masch.-Fabr. vorm. R. Hartmann, A.-G. in Chemnitz ; H. Schaffstaedt, Fabrik für gesundheitstechnische Anlagen in Giessen; G. Schiele & Ko., Masch.-Fabr. und Eisengiesserei in Frankfurt a. M.-Bocken- heim; Oskar Schimmel & Ko., A.-G. in Chemnitz; Siemens der Seitenschiffe, die in der Verzierung der Archivolten und Emporen -Brüstungen wohl des Guten zuviel getan und die architektonische Klarheit beeinträchtigt hat, steht die einfache Behandlung des Mittelschiff- Gewölbes, an dem nur die Gurte verziert sind, in fühlbarem Gegensatz. Ersichtlich waren hier Deckengemälde geplant und es wäre um so mehr erwünscht, einen Ersatz für sie zu schaffen, als neuerdings auch die Altäre und die Kanzel farbig ausgestattet worden sind. Vielleicht wird man später noch den vorläufig nur mit flachen Zeltdächern versehenen Türmen stilgerechte welsche Hauben geben. — Der Studienkirche nahe verwandt und jedenfalls unter dem Einflüsse der Jesuiten-Kunst entstanden ist die Stadt- Pfarrkirche St. Paul, die — anstelle eines 1662 zer¬ störten mittelalterlichen Baues errichtet — i. J. 1678 zur Vollendung gelangte; sie besitzt jedoch nur einen West¬ turm und ist im Inneren nicht so reich ausgestattet wie jene. Leider hat sie durch die wohlgemeinte Fürsorge des Bischofs Heinrich, die sich in der Studienkirche auf Anbringung einiger Kreuzweg-Bilder und seiner bekannten Heinrichs-Kreuze beschränkte, noch weiteren Schaden er¬ fahren. Zunächst hat der Kirchenraum eine unangenehm süssliche Ausmalung in matten Tönen erhalten, die freilich bei nächster Gelegenheit durch eine bessere ersetzt wer¬ den kann. Schlimmer — weil kaum wieder gut zu machen — ist es, dass i. J. 1864 der Turm mit einem Pyramiden- Helm bekrönt worden ist, der, an sich wenig reizvoll, zu der Barock-Architektur der Kirche in scharfem Wider¬ spruch steht. Es ist dies um so mehr zu bedauern, als der auf der Höhe des Altstadt-Hügels (oberhalb des als „Paulusbogen“ zumteil noch erhaltenen ältesten Stadttores) gelegene Bau eine sehr hervorragende Stelle im Stadt¬ bilde behauptet, das er von der Donau-Seite her geradezu & Halske, A.-G., Berliner Werk in Berlin S.W. ; Stettiner Schamottefabrik, A.-G., vorm. Didier in Stettin, und Berliner Anhaitische Masch.-Bau-A.-G. in Berlin N.W. ; Wagenbau¬ anstalt und Waggonfabrik für elektr. Bahnen (vorm. W. C. F. Busch), A.-G. in Bautzen; Rud. Wolle, Zementbaugeschäft in Leipzig; Oskar Winter, Abt. Fabrikation in Hannover. Die silberne Medaille haben u. a. die folgenden mit dem Bauwesen in näherer Berührung stehenden Firmen erhalten: A.-G. vorm. H. Meinecke in Breslau- Karlowitz; A.-G. Sachs. Elektr. -Werke vorm. Pöschmann & Ko. in Dresden; Allg. Städtereinigungsges. m. b. H. in Wiesbaden; Deutsche Barackenbaugesellschaft (System Brümmer), G. m. b. H. in Köln; Deutsche Röhrenreinigungsges. Otto Mie- risch & Ko. in Dresden-F.; Dresdener Stuhlbankfabrik A. Lickroth & Ko. in Dresden; Elektr.-A.-G. vorm. Schuckert & Ko. in Nürnberg; Oswald Faber, Turngerätefabrik inLeipzig- Lindenau; Heinrich Freese in Berlin S.O.; Germania, Lino¬ leumwerke, A.-G. in Bietigheim (Württbrg.); Bernh. Göbel, Kunsttischlerei in Freiberg i. S.; Grünzweig & Hartmann, G. m. b. H„ Korksteinfabrik in Ludwigshafen a. Rh. ; Moritz Hille, G. m. b. H., Motorenfabrik in Dresden-Löbtau; Dr. Th. Horn, Fabrik von Tachometern und elektr. Messge¬ räten in Grosszschocher-Leipzig; Kelle & Hildebrandt, Eisen¬ giesserei in Dresden; König Friedrich-August-Hütte, Masch.- Fabr. in Potschappel b. Dresden; Aug. Kühnscherf & Söhne, Werkstätten f . Eisenkonstr. u. Masch.-Bau usw. in Dresden- A. ; C. G. Kunath, Granitwerke in Dresden ; Laboratorium f. ehern. Feuerschutz- u. Löschmittel, Conr. Gautsch, G. m.b. H. in Mün¬ chen ; Gebr. Liebert, Kunstglasereiin Dresden ; Carl Ludo wici, Falzziegel werke in Jockgrim i. d. Pfalz; Masch.- und Appa- beherrscht. Hier wäre ein Turm mit kräftig entwickelter, in bewegter Umriss- Linie gestalteter welscher Haube, wie er ursprünglich wohl auch in Aussicht genommen aber aus Sparsamkeits-Rücksichten nicht zur Ausführung ge¬ kommen war, ganz besonders am Platze gewesen. Uebrigens könnte die etwas nüchterne und ärmliche äussere Erschei¬ nung der Kirche mit geringen Mitteln auch heute noch wesentlich gehoben werden, wenn man über der in nackter Konstruktionsform gehaltenen Ostwand des Langhauses einen sogen. „Zwischengiebel“ errichtete. Als ein uner¬ laubter Eingriff in den Organismus eines geschichtlichen Baudenkmales könnte eine solche Bereicherung wohl keinesfalls angesehen werden. — Wegen ihrer Stellung im Stadtbilde muss auch die auf dem Höhenzuge jenseits des Inn gelegene, zweitürmige Wallfahrts - Kirche Mariahilf erwähnt werden, zu welcher aus der Innstadt ein bedeckter Treppenaufgang emporführt. Das i. J. 1627 begründete, nach 1662 erneute und in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Bischof Heinrich hergestellte Bauwerk, mit dem ein Ka¬ puziner-Kloster verbunden ist, rechtfertigt bei näherer Besichtigung allerdings nicht das Interesse, das es von fernher — insbesondere durch die eigenartig durchbrochene Form seiner Turmhauben — gewährt. — Die Kirche des Augustiner-Chorherren -Stiftes St. Nicola — eine ursprünglich gotische, 1716 in Barock¬ formen umgebaute Anlage, die an Grösse dem Dome zu¬ nächst stand — dient seit 1809 als Magazin für die in den Klostergebäuden eingerichtete Kaserne. Sie ist damals ihrer ganzen prachtvollen Ausstattung beraubt worden, soll jedoch neben einigen vorwiegend aus dem Mittelalter stammenden Grabdenkmälern noch wertvolle, wenn auch (Fortsetzung auf Seite 504.) 502 No. 78. Nach einem engeren Wettbe¬ werb betr. Entwürfe für eine Nazareth - Kirche in Hannover, unter mehreren hannoverschen Architekten ausgeschrieben, wurde der Entwurf des Hrn. Arch. Otto Lüer in Hannover zur Ausführung bestimmt. — Aus Passau. Abbildg. n. Treppenhaus im bischöflichen Palaste. & Ko. in Leipzig; Tilsiter Möbel-Fabrik, Dampf-Sägewerk Georg Salomon & Ko., A.-G. in Tilsit; Jul. Tittelbach Nachf., Inh. E. Fischer in Meissen-Buschbad; J. A. Topf & Söhne, Feuerungsapparate- und Maschinenbau- Anstalt in Erfurt; Vogel & Schlegel, Maschinen-Fabrik in Dresden -Plauen; Wagenbauanstalt der Strassen-Eisenbahr.-Ges. in Hamburg; Carl Wegener, Ing. in Berlin S.W. Von den ausstellenden Firmen standen 22 ausser Wettbewerb. — Preisbewerbungen. Einen internationalen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Umwandlung des grossen Auffahrts-Hofes des Grand-Hotel ln Paris in einen Wintergarten erlässt die Direktion mit Frist zum 10. Dezember 1903 Für 3 Preise steht der etwas mässige Betrag von 6000 Frcs. zur Verfügung. Die für Geschäftszwecke vortrefflich auszu¬ nutzende Lage des bisherigen Auffahrtshofes am Boule¬ vard des Capucines und die Lage grosser Säle an die¬ sem Hof haben die Direktion veranlasst, dem Hofe eine Brief- und Fragekasten. Hrn. Ziviling. A. L. in M.- Gladbach. x. Ihre Sachdarstellung ist so unklar, dass ein Bild der tat¬ sächlichen Verhältnisse nicht zu ge¬ winnen ist, was eine untrügliche Ant- (Photogr. v. Alphons Adolph:) wort Ihrer Frage verhindert. Wird Ihre Frage richtig verstanden, so hat B. bei Aufführung einer Wand dadurch einen Fehler begangen, dass er deren Mitte nicht auf der Grenze errichtet hat, sondern so, dass die Mauermitte 10 cm zu weit innerhalb seines eigenen Grundstücks gefallen ist, obschon diese Mauer die Natur einer gemeinsamen Mauer erlangen sollte und deshalb genau je zur Hälfte auf die beiden benachbarten Grundstücke zu stehen kommen musste. Der vor¬ gefallene Fehler würde danach von B. selbst verschuldet sein. Aus seinem eigenen Verschulden kann man kein Recht erwerben. Folge¬ weise ist, soweit Ihre Sachdarstellung reicht, der Rechtsgrund nicht zu erkennen, aus welchem der am Vorfall schuldlose A. verpflichtet sein soll, für die Folgen des von B. vorsätzlich oder fahrlässig ge¬ übten Versehens vermögensrechtlich einzutreten. A. hätte dann eine Klage des B. auf käuflichen Erwerb eines Grundstücks-Streifens von jo cm Breite oder auf Schadloshaltung nicht zu fürchten. Wollen Sie eine untrügliche Antwort, so müssen Sie ein vollständig klares Bild der Verhältnisse liefern. Uebrigens wird Ihnen jeder dort ansässige Anwalt die Frage beantworten können, während sie keine allgemeine Bedeutung hat und sich zur weiteren Erörterung im Fragekasten nicht eignet. K. H-e. 2. Luxferprismen haben sich zur Beleuchtung dunkler Räume durchaus bewährt, falls die Anordnung zweckentsprechend getroffen wird. Wenden Sie sich bezügl. letzterer an das Deutsche Luxfer¬ prismen- Syndikat in Berlin S.W. 68. rate-Bauanstalt für komplette Wäscherei- und Desinfektions- Anlagen vorm. Emil Martin, G. m, b. H. in Duisburg a. Rh.; Meisenbach, Riffarth & Ko., graphische Kunstanstalten in Dresden-A.; Otto Rud. Meyer, G. m. b. H. , Fahr für Zentralheizungen in Mannheim- Waldhof ; P. Johs. Müller & Ko., Fabr. f. Schulartikel in Dresden-A.; Nationale Radiator- Gesellschaft m. b. H. in Berlin S.; Pharus-Verlag, G. m. b. H. Berlin W.; R. Reiss, Fabrik technischer Artikel in Lieben¬ werda; RheinischeSteinzeugwerke, G.m.b.H. in Köln a. Rh.; Alfred Roscher, Reg.-Bmstr. in Dresden-A. ; Sächs. Gusstahl- fabrik in Döhlen b. Dresden; Gebr.Schmidt, Fabrik f. Klosett¬ anlagen u. Dampf-Desinfektionsapparate in Weimar; Oscar Schöppe, Fabrik für Feuermelde-Anlagen in Leipzig; Ed. Schürmann & Otto Türcke, Inhaber: Ed. Schürmann, Eisen¬ werk in Coswig b. Dresden; Schweder & Kie., Fabrik für Abwässer -Reinigungsanlagen in Gross -Lichterfelde; Carl Sparmann & Ko., Granit-Syenitwerke in Demitz-Thumitz; Spiritus-Glühlicht- Ges. „Phöbus“ in Dresden-A.; Karl Fnedr. Schumann, Arch. in Hosterwitz b. Dr. ; Staerker & Fischer, Fabrik australischer Hölzer in Leipzig; H. Stier, Ing , Dres¬ den-Plauen; Telephon- und Telegraphenweike Stöcker andere Bestimmung zu geben und die Wageneinfahrt nach der rue Scribe zu verlegen. Alles Nähere durch die Direktion des „Grand Hotel". — Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Weltpost¬ vereins Denkmal ln Bern (s. Jahrg. 1902, S. 172 und 600) liefen 122 Arbeiten ein, von welchen 6 durch Preise aus¬ gezeichnet wurden. Einen Preis von je 3000 Frcs. er¬ hielten die Entwürfe der Hrn. Hans Hundrieser in Charlottenburg, George Morin (? D. Red.) in Berlin, Bildh. Ernest Dubois in Gemeinschaft mit Arch. Renö Patouillard in Paris, sowie Rene Marceau in Paris. Einen Preis von je 1500 Frcs. errangen die Arbeiten der Hrn. Giuseppe Chiattone in Lugano und Prof. Ign. Taschner in Breslau in Gemeinschaft mit Aug. Heer in München. Sämtliche Entwürfe sind in der Reitschule in Bern für 4 Wochen öffentlich ausgestellt. Zur Erlangung des Ausführungs- Entwurfes ist ein engerer Wettbewerb unter den Preisträgern beabsichtigt. — Wettbewerb Krankenhaus Dockenhuden. In diesem Wettbewerb handelt es sich um ein Krankenhaus nach näherem Bauprogramm, für wel¬ ches eine Bausumme nicht ge¬ nannt, aber als leitender Ge¬ sichtspunkt „höchste Vollkom¬ menheit in gesundheitstechni¬ scher Beziehung bei grösstmög- lichster Sparsamkeit“ angegeben ist. Die Gebäude sind als Back¬ steinfugenbauten zu errichten. Der Masstab der Entwürfe ist 1:200. „Es ist beabsichtigt, demjenigen, derden ersten Preis erhält, auch die tech¬ nische Leitung des Baues unterOberleitungderBau- kommission zu übertragen, doch behält sich die letztere die Entscheidung vor“. Die Ent¬ scheidung des Preisgerichtes wird in den „Norddeutschen Nachrichten“ veröffentlicht. Die¬ se werden nur wenigen Fach¬ genossen zur Hand sein; bisher war es üblich, die Entscheidung auch in mindestens einem Fach¬ blatte zu veröffentlichen. Ueber die Zurückzahlung des Betrages von 3 M. für die Unterlagen bei Einreichung eines Entwurfes ent¬ halten die Unterlagen nichts. — • 30. September 1903. 5°3 stark beschädigte Fresko-Gemälde enthalten und ist jeden¬ falls einer näheren Untersuchung wert. Mir ist sie leider nicht zugänglich gewesen. — Als eine anmutige Schöpfung des ins Rococo über¬ gehenden Barockstiles ist endlich noch die aus d. J. 1751 stammende kleine Kapelle des städtischen Waisen¬ hauses zu nennen. Der auf’s zierlichste ausgebildete gewölbte Raum ist ganz in Weiss gehalten; sein farbiger Schmuck beschränkt sich im wesentlichen auf den der Fensterseite gegenüber angeordneten Marmor-Altar, neben dem je 2 übereinander liegende, mit schönen Metallgittern geschlossene Oeffnungen eine Verbindung mit dem Inneren des Hauses hersteilen. Einen Hauptreiz der Anlage bildet der über ihr ausgebreitete Hauch der Unberührtheit, den selbst die an den Seitenwänden aufgemalten unvermeid¬ lichen Heinrichs-Kreuze kaum zu stören vermögen. — Der bedeutendste Profanbau Passau's aus der eigent¬ lichen Barockzeit, die alte fürstbischöfliche Resi¬ denz, welche heute die Geschäftsräume des kgl. Land- und Amtsgerichtes enthält, ist leider nur in sehr verstümmel¬ tem Zustande auf unsere Tage überkommen. Auf dem schmalen Gelände zwischen der Südseite des Domes und den ehemaligen Befestigungswerken des Inn-Ufers gelegen, stammt sie in ihrer ursprünglichen Gestalt vermutlich schon aus frühmittelalterlicher Zeit und enthält zweifellos auch noch manche mittelalterliche Teile. Wiederholte Um- und Erneuerungs-Bauten, zu denen namentlich die Brände von 1181, 1662 und 1680 Veranlassung gaben, haben die Anlage etwas verwickelt gestaltet; doch muss sie nach den darüber vorliegenden Nachrichten prachtvoll ausgestattete Räume enthalten haben. Heute ist mit Aus¬ nahme einiger dürftiger Reste von Saal- Dekorationen von dieser Pracht so gut wie nichts mehr vorhanden; die ehemals an erster Stelle gerühmte Hofkapelle ist zum Holzgelass herabgewürdigt worden. Das Aeussere des Baues scheint mit Rücksicht auf seine Lage stets sehr schlicht gewesen zu sein. Seinen einzigen Schmuck auf der dem Dom zugekehrten Innenseite bilden einige statt¬ liche Portale, unter denen das zur Hofkapelle führende a. d. J. 1693 das aufwändigste ist; auf den Säulen, die es einrahmen, stehen schräg gestellte Atlanten. Wert¬ voll ist es, dass auch seine ursprüngliche Tür sich er¬ halten hat. Das durch den Südturm des Domes mit den oberen Geschossen der alten Residenz in Verbindung stehende ansehnliche Haus an der Südseite des Domplatzes stammt a. d. J. 1745 und war vormals der Sitz des fürstlichen Hofrats-Kollegiums und der Hofkammer. Das dem nörd¬ lichen Ausgang der Innbrücke gegenüber stehende Re¬ douten- Gebäude und das westlich daran stossende Theater sind erst i. J. 1783 entstanden, nachdem der damalige Fürst Kardinal Graf v. Auersperg einen Teil der Stadtmauer am Inn hatte abbrechen und das hinter ihr liegende Ge¬ lände in eine Promenade hatte umwandeln lassen. An künstlerischem Wert steht den vorerwähnten Ge¬ bäuden das östlich an die alte Residenz angeschlossene bischöfliche Palais, ehemals die neue f ürstbischöf- liche Residenz weit voran. Der schon in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrh. begonnene, aber erst i. J. 1771 unter dem Kardinal Grafen v. Firmian vollendete Bau ver¬ dankt seine Entstehung wohl eben so sehr einem ver¬ feinerten Wohnbedürfnis der Passauer Kirchenfürsten, wie ihrem Verlangen, den Rang ihres Residenz-Schlosses auch durch dessen äussere Erscheinung zum Ausdruck zu brin¬ gen. Auf 3 Seiten freistehend, kehrt das Gebäude 2 da¬ von einem öffentlichen Platze, dem vor dem Chor des Domes liegenden Residenz-Platze zu. Die Anlage selbst ist dreigeschossig und die Fassade derart angeordnet, dass auf einen durch Blendbögen gegliederten Unterbau 2 durch eine jonische Pilasterstellung zusammengefasste Oberge¬ schosse folgen; eine mit Vasen und Figuren besetzte Dach¬ galerie macht über dem Hauptgesimse den Schluss. Die lange Hauptfront entbehrt der Risalit-Vorsprünge; sie wird lediglich durch 2 Marmor-Portale unterbrochen, über denen baldachinartig je ein Balkon vorgekragt ist. Die zu diesen Baikonen führenden Türen des ersten Obergeschosses sind in reichster Weise mit einem frei vortretenden Schmuck von Figuren und Gehängen aus Bronze ausgestattet. In der Dachgalerie werden die Achsen der Portale durch halb¬ kreisförmig abschliessende, von Figuren bekrönte Aufsätze betont. — Atmet schon in dieser Fassaden-Gestaltung der Geist des Rococo, so ist er in der Durchbildung des Inneren noch stärker und reiner zum Wort gekommen. Leider sind in den Wirren, die der Auflösung des Fürstentums Passau vorangingen und unmittelbar folgten, die meisten der kostbaren Saaldekorationen des Palastes zugrunde ge¬ gangen. Was davon erhalten ist, zählt — wie die in Abbildg. 11 mitgeteilte Ansicht des Treppenhauses be¬ weisen dürfte — zu dem Edelsten und Feinsten, was Deutschland an Schöpfungen der Rococozeit aufzuweisen hat. — Der Architekt des Baues ist unbekannt. Ob Gur¬ litt, der ihn dem jüngeren Cuvilliös (1736—1770) zuweisen möchte, mit seiner Vermutung Recht hat, sei dahingestellt. Die grösste Ausdehnung unter allen Profanbauten der Stadt besitzt das ehemalige Jesuiten-Kollegium, das heute als K. Studiengebäude zur Aufnahme verschie¬ dener Lehranstalten, sowie der Kreis- und Studien-Biblio- thek dient. Der in seiner ersten Anlage i. J. 1625 voll¬ endete dreigeschossige Bau, der jedoch nach dem Brande von 1662 neu ausgebaut und wohl erst später durch die um den kleineren nördlichen Hof liegenden Teile ver- grössert worden ist, macht in der strengen Geschlossen¬ heit seiner Massen einen mächtigen kastellartigen Eindruck, ohne besonderes architektonisches Interesse darzubieten. Im Inneren haben das alte Refektorium, sowie der in seiner farbigen Haltung sehr malerisch wirkende Biblio¬ thek-Saal noch ihre Rococo-Dekoration, ein neben dem letzteren liegendes einfenstriges Zimmer noch seine reiche Stuckierung aus der Zeit des ursprünglichen Baues sich bewahrt. — Ein bedeckter Gang verbindet das Kollegium mit der Studien-Kirche; ein anderer Gang führt nach den in einem isolierten turmartigen Bau angeordneten Abort- Anlagen — also eine Nachahmung des „Dansk" in den Schlössern des preussischen Ritterordens. — Ausser den genannten sind in Passau noch zahlreiche andere Gebäude aus den letzten 140 Jahren der fürst¬ bischöflichen Herrschaft vorhanden, welche schon damals einer öffentlichen Bestimmung gedient haben oder — wie die palaisartigen Wohnsitze der meist aus vornehmen Geschlech tern stammenden Mitglieder des Domkapitels — nachträg¬ lich für eine solche eingerichtet worden sind. Manche von ihnen — wie z. B. das ehemalige gräflich Stahremberg’- sche Kapitular-Haus am Domplatz, in welchem 1552 der Passauer Religionsfriede geschlossen wurde — tragen In¬ schrifttafeln, aus denen hervorgeht, dass ihr konstruktiver Bestand noch aus der Zeit vor dem Brande von 1662 her¬ rührt, wenn auch nach dieser Katastrophe ihr äusseres Kleid erneuert werden musste. Fast alle sind stattliche Werke und entbehren nicht eines monumentalen Gepräges; an vielen finden sich auch interessante Einzelheiten und ihr Inneres dürfte hier und da noch wertvolle Stückarbeiten bergen. Was ihnen jedoch fast ganz fehlt, ist die persön¬ liche Eigenart: es sind Beispiele bestimmter Typen, aber keine Individuen. Ein Ergebnis, das sich einerseits wohl aus der fast gleichzeitigen — gewissermassen fabrik- mässigen — Herstellung dieser Gebäude nach den grossen Stadtbränden herleiten lässt, wie es anderseits in sehr be¬ zeichnender Weise die geringe Geltung wiederspiegelt, welche innerhalb einer geistlichen Körperschaft die ein¬ zelne Peisönlichkeit beanspruchen darf. Aehnliches trifft auch für die grosse Masse der älteren Wohnhäuser zu, die einander mehr oder weniger glei¬ chen und entweder an die durch den Dombau Luragos beeinflussten Monumentalbauten des Zeitabschnittes nach 1662 oder an die durch den Bau der neuen Residenz ein¬ geleitete Geschmacksrichtung anknüpfen. Sichtbare Giebel oder Dächer sind in der Minderheit. Meist sind über den Häusern mehrere kleine, durch Zwischenrinnen getrennte Satteldächer errichtet, die nach der Strasse hin durch eine hohe, von den Bodenfenstern und Abfallröhren durch¬ brochene Mauer mit wagrechtem Abschluss verdeckt werden. In den Erdgeschossen sind fast durchweg rund- bogige Oeffnungen angelegt, deren eiserne Läden in der ganzen Stadt nach einem einheitlichen Muster gestaltet sind. Ueber den Haustüren sollen früher vielfach Schutz¬ dächer sich befunden haben. — Darf man in dieser Bau¬ weise, die auch in anderen, an der alten Handelsstrasse längs des Inn und der Salzach gelegenen Städten vor¬ herrscht, italienische Einflüsse erkennen, so ist hierauf und auf den Wunsch, gegen Brände besser geschützt zu sein, wohl auch die häufige Anwendung der Wölbung in den Wohnhäusern Passaus zurückzuführen. Der naive Volksglaube erklärt sich diese allerdings so, dass man auf diese Weise gegen die Laune der Fürstbischöfe sich habe sichern wollen, denen es von Zeit zu Zeit beliebte, ihre aufsässige Stadt von der Veste Oberhaus aus mit Stück¬ kugeln zu bewerfen. Ein Vorgang, der sich allerdings mehrfach — aber noch im Mittelalter — abgespielt hat. Dass auch manche Einzelheiten an den besseren Wohn¬ häusern Beachtung verdienen, brauche ich wohl kaum hervorzuben. So enthält z. B. die Schustergasse mehrere Beispiele feiner alter Putz-Architektur. — Inhalt: Die Albula-Bahn von Thusis nach St. Moritz im Engadin (Schluss). — Aus Passau (Fortsetzung). — Vermischtes. — Preisbewer¬ bungen. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktien verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 78. 5°4 ANDHAU3 DER FRAU BAURAT E. WENTZEL- HECKMANN IN NEU - BABELSBERG * * * ARCHITEKTEN: KAYS E R & VON GROSZHEIM, KÖNIGLICHE BAURÄTE IN BERLIN * * * ANSICHTEN DER VILLA * * * * * * = DEUTSCHE BAUZTG. XXXVII. JAHRG. N2: 79 HZ *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * ************** AUZEITUNG. GANG. * * N2- 79. * DEN 3. OKT. 1903.* «s:*s**sg*s:s«s# Die Besitzung der Frau Baurat E. Wentzel-Heckmann in Neubabelsberg bei Berlin. Architekten: Kgl. Bauräte Kayser & v. Groszheim in Berlin. (Hierzu eine Bildbeilage, sowie die Abbildungen S. 507.) n den Ufern des Griebnitz-Sees, eines der zahlreichen Havelseen, welche die westliche Landschaft um Berlin so ungemein reizvoll und anziehend machen, liegt eineländlicheBe- sitzung der verwittweten Frau Brt. E. Wentzel-Heckmann in Neu¬ babelsberg, welche von der gewöhnlichen Art der Landsitze nicht unwesentlich ab¬ weicht. Der Griebnitz-See umzieht zwi¬ schen Wannsee und Neuendcrf südlich den Potsdamer Forst von Stolpe bis Klein-Glienicke; er ist ein im rechten Winkel gebogenes schmales Gewässer, dessen südlichster Teil bei der Station Neubabelsberg der Bahn Berlin-Potsdam fast die Bahnstrecke berührt. Die gün¬ stige Verkehrslage, sowie die schön be¬ waldeten Ufer haben hier eine Villen¬ kolonie entstehen lassen, welche zu den vornehmsten Kolonien um Berlin zählt. Etwa in der Mitte derselben liegt die in¬ rede stehende Besitzung, die aus zwei, durch die Strasse getrennten Teilen be¬ steht: aus der auf dem grösseren Ge¬ ländeteil gegen den See gelegenen Villa der Besitzerin, Luisenstrasse 9, sowie aus dem über der Strasse gelegenen „Heim¬ garten“, Luisenstrasse 13, einer Lehr¬ gärtnerei für Mädchen, die als eine Wohl¬ fahrtsanstalt der freigebigen und gross¬ herzigen Besitzerin aufzufassen ist. Das Gelände beider Teile umfasst etwas über 4 preussische Morgen. Die Lageverhält¬ nisse der beiden Teile zeigt der Lageplan S. 507. Die hier dargestellte Villa ist die am nordwest¬ lichen Rande des Besitzes gelegene; die in der Mitte des Grundstückes gelegene geht auf frühere Zeiten zurück. Wie die Hauptansicht der Villa zeigt, fällt das Gelände gegen den See erheblich ab; die Strasse und der Eingang zur Villa liegen 9,9 m über dem Spiegel des Sees. Bildet der letztere die nordöstliche, die Strasse die südwestliche Begrenzung des Grund¬ stückes, so ist die seitliche Begrenzung durch Gärten gegeben. Die Villa, ein Boccia- und ein Lawn -Tennis -Platz ge¬ hören zu den Neuanlagen. Das lang ge¬ lagerte Gebäude erstreckt seine Haupt¬ achse nach der Tiefe des Geländes und besteht aus Portierflügel mit Haupteingang, Zwischenbau mit „Kreuzgang“ und Gar¬ tenhalle, Wirtschaftsflügel mit Küchen nebst Nebenräumen, Fremdenzimmern, Wohnungen für das Personal, und aus dem Wohnhause der Besitzerin mit Ve¬ randa. Diese Dreiteilung der Bestimmung kommt im Aufbau deutlich zum Ausdruck. Die Lage der Räume im Einzelnen geht aus den Grundrissen mit genügender Klar¬ heit hervor. Das Aeussere, bei welchem in Form¬ gebung und Gruppierung mit Glück eine malerische Wirkung ei strebt wurde, ist, unter sparsamer Verwendung von Sand¬ stein hauptsächlich für die Stützen, in Ziegelfugenbau und Putz errichtet. Das Dach ist in der lebhafteren Flächenwirkung des Kronendaches mit Ziegeln gedeckt. Aus Passau. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen auf Seite 508 und 509. zum Hof halte der Fürst¬ bischöfe gehörten oder de¬ ren Zweck mit ihrer geist¬ lichen Stellung sich be¬ rührte — der Dom, die Re¬ sidenz, die Kapitular-Höfe, die Klöster — drängen auf derlnnseite sich zusammen, während die Bürgerhäuser sich dort auf einen verhält¬ nismässig kleinen Bezirk be¬ schränken, dagegen fast die ganze Donauseite einneh¬ men. Ein natürliches Ergeb¬ nis der Tatsache, dass der Handel, welcher die Haupt- Erwerbsquelle der Einwoh¬ nerschaft bildete, vorzugs¬ weise durch die Wasser¬ strasse der Donau vermittelt wurde. Nach dieser öffnet sich die Stadt — ähnlich wie in so vielen Hafenorten — durch zahlreiche kleinere Strassen, die von den gros¬ sen, parallel dem Flusse lau¬ fenden Haupt- Strassenzü- gen senkrecht zur Ufer¬ strasse hinabführen. Auf der Innseite fei den diese Quer¬ strassen fast ganz ; dieWeJlen des Stromes bespülten hier unmittelbar die nur von we- nigenAusfall-Pforten durch¬ brochene Festungsmauer. um Schluss meiner den älteren Baudenkmälern Passau’s gewidmeten Ausführungen will ich noch etwas länger bei dem Rat¬ hause der Stadt verweilen, das nächst dem Dome das Interesse der Architekten wohl am meisten fesseln dürfte. Wie der Dom setzt es im wesentlichen aus mittel¬ alterlichen und barocken Tei¬ len sich zusammen. Und wie jene Schöpfung der alten Passauer Landesfürsten, so ist auch dieses Denkmal der in der Bürgerschaft ihrer Residenz entwickelten Kraft durch eine kürzlich ausge¬ führte glückliche Herstellung erst zur künstlerischen Voll¬ endung gelangt. Wer einen prüfenden Blick auf den Stadtplan wirft, wird ohne weiteres ersehen, dass innerhalb der ehemals insel¬ artig abgeschlossenen Alt¬ stadt ein in engerem Sinne bischöfliches und ein bürger¬ liches Gebiet sich scheiden. Fast alle Gebäude, die einst O io i 1 i 1 1 1 1 ; 1 ; 1 - Abbildg. 13. Turm des Rathauses. Arch.: 20m — 1 - i Heinr. Frhr. v. Schmidt. 5°5 Das Innere ist nnt vornehmer Schlichtheit durchge- schaftszimmer und die unter der Veranda liegende bildet; es ist in der Hauptsache die Wirkung der Grotte. — Das Haus hat Warmwasserheizung mit ange- durchweg gewählten echten Materialien, auf welcher schlossener Lüftungsanlage, elektrisches Licht von seine Stimmung beruht. Besonders berücksichtigt in einer eigenen Primärstation, sowie Wasser- und Gas- der künstlerischen Durchbildung sind der Kreuzgang, anlagen. Die Abwässer werden mittels einer Rohr- die Gartenhalle, die Diele, der Speisesaal, die Gesell- drainage-Leitung auf dem Grundstück versickert. — — - - (Schluss folgt). Die deutsche Städteausstellung in Dresden*). (Schluss.) V. Die dem Verkehr dienenden Anlagen. Brücken, Hafenanlagen, Strassen. Hn Abt. I der Ausstellung sind diejenigen Anlagen vereint, welche die „ Fürsorge der Gemeinden für - die Verkehrsverhältnisse, für Strassenbau und Ent¬ wässerung, Brücken und Häfen, einschl. des ges. Tiefbau- und Vermessungswesens, der Strassenbahnen usw." be¬ treffen. Wir behalten uns vor, die Entwässerung der Städte im Zusammenhänge mit der Bewässerung derselben später besonders zu besprechen. Hier seien nur der Brücken- und Hafenbau, sowie der Strassenbau kurz behandelt. Eine wichtige Rolle im Städtebau spielen die Strassen- B rücken, nicht nur als verbindende Verkehrsanlagen, welche für die Bebauung und Entwicklung ganzer Stadt¬ teile oft erst die Vorbedingung schaffen, sondern auch, indem sie das Stadtbild durch die Art ihrer Ausgestaltung wesentlich beeinflussen. Wie trefflich die Meister früherer Zeiten es verstanden haben, die Brückenbauten als eine Bereicherung dem Stadtbilde einzufügen, davon zeugt noch manch’ altes Bauwerk. Leider müssen diese den Forderungen des modernen Verkehrs, denen sie nicht mehr genügen, mehr und mehr weichen. Wir erinnern nur an die Kurfürsten-Brücke in Berlin, die Augustus- Brücke in Dresden und die alte Mainbrücke in Frankfurt. (Letztere kann jedoch, wenn auch mit einigen Umgestal¬ tungen, vielleicht noch erhalten werden.) Um so nüchter¬ ner sind vielfach die Bauwerke der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ausgefallen und oft nur der Befrie¬ digung des augenblicklichen Bedürfnisses dienend. Eine veränderte Anschauung und ein erfreulicher Aufschwung macht sich dagegen wieder in den letzten Jahrzehnten des Jahrhunderts geltend, und in der gemeinsamen Tätigkeit des Ingenieurs und des Architekten entstanden manche Bauwerke von hervorragender technischer und künstle¬ rischer Bedeutung. Leider fehlen in der Ausstellung ge¬ rade die schönsten und bedeutendsten Beispiele unseres grössten Stromes, die Rheinbrücken von Mainz, Bonn* 1), Düsseldorf und Worms2), die, wenn auch nicht durch¬ weg allein aus eigener Kraft der Städte erbaut, diesen doch vorwiegend ihre Entstehung verdanken. *) Berichtigung. Im Abschn. IV, Gartenkunst S. 486 ist statt Kaisergarten in „Dortmund“, Stadtgärtner „Jansen“ zu setzen „Ober- hausen“ und „Jensen“. l) Vergl. Jahrg. 1895 S. 49 u. ff., sowie Jahrg. 1898 S. 645 u. ff. 2) Vergl. Jahrg. 1896 S. 109 u. ff, sowie 1900 S. 562 u: ff. Inmitten dieser Donaustadt hat sich die allmählich er¬ starkte Bürgerschaft Passau’s i. J. 1298 ihr Rathaus ge¬ gründet, in dessen ungestörten Besitz sie allerdings erst 100 Jahre später gelangen sollte. Seine Stelle — an einem grösseren Platz, dem Fischmarkt, und gegenüber der alten Haupt-Landungsstelle der Donauschiffe — konnte nicht wohl besser gewählt sein und erweist ihre Vorzüge heutigen Tages noch ebenso, wie es im Mittelalter der Fall war. Nicht der geringste Vorzug ist es für eine warmblütige und festfreudige Bevölkerung, dass jener Platz mit dem Rathause (und dem Ratskeller!) als Rückhalt und dem Georgenberge als Hintergrund neben seinen gewöhnlichen Nützlichkeits-Zwecken auch denjenigen eines Festplatzes in geradezu idealer Weise zu dienen vermag. Dankbar erinnere ich mich noch eines glänzenden bayerischen Sängerfestes, das ich i. J. 1898 dort mit erlebt habe und das in der Vorführung lebender, auf mächtigen Donau- Fahrzeugen gestellter Bilder gipfelte. — Doch nunmehr zu dem Gebäude selbst. — Wie der Grundriss des Hauptgeschosses in Abbildg. 12 erkennen lässt, ist es nicht als einheitliche Anlage errichtet worden, sondern durch die Verbindung verschiedener, früher selbst¬ ständiger Häuser entstanden. Durch die hierbei unver¬ meidlichen baulichen Aenderungen sind allerdings die ursprünglichen Grundstück - Grenzen zumteil etwas ver¬ wischt worden. Zunächst gelangte der (ehemals zur Be¬ festigung der Stadt gehörige) Eckturm mit den beiden anstossenden Wohnhäusern an der Schrottgasse und am Fischmarkt in den Besitz der Gemeinde. Anstelle des letzteren wurde um die Wende des 14. Jahrhunderts der grosse, in seinen Umfassungswänden noch heute erhaltene Saal erbaut, dessen durch ein stattliches Portal zugäng¬ licher Unterbau (später zum Ratskeller eingerichtet) früher 506 Was die Zahl der in den letzten Jahrzehnten ge¬ schaffenen Brückenbauten und die dafür aufgewendeten Summen betrifft, so steht Berlin unter den 23 Städten, welche Brücken ausgestellt haben, jedenfalls oben an. Seit dem Jahre 1876, in welchem die Stadt die Strassen und Brücken vom Staate sämtlich übernahm, sind etwa 50 Brücken neu geschaffen bezw. umgebaut, bis zum Ende des Jahr¬ hunderts nicht weniger als etwa 27 Mill. M. dafür ausge¬ geben worden. Dass bei einer solchen Massenproduktion nicht alle Bauten von gleichem Werte sind, ist begreiflich. Ausgestellt sind in Modellen die in der Form des märki¬ schen Backsteinbaues gehaltene Oberbaumbrücke, die ge- wissermassen das Eingangstor zur Stadt von der Ober¬ spree bildet (erbaut 1894—1896, Baukosten 1711000 M ), die technisch- interessante Mühlendamm- Anlage3) mit den damit zusammenhängenden Bauten, durch welche die für die Schiffahrt lange verschlossene Spree demVerkehr durch die Innenstadt freigegeben wurde (erbaut 1889 — 1892, Bau¬ kosten 1180357 M.), die Friedrichsbrücke und von den neuesten Bauwerken die Rosstrassenbrücke (erbaut 1901 und 1902, Baukosten 300000 M ), deren dekorative Aus¬ schmückung ausserdem in grösserem Masstabe vorgeführt wird. Zahlreiche Photographien und das Prachtwerk „Die Strassenbrücken Berlins"4) vervollständigen diese Ausstellung, die ein anschauliches Bild von der umfassen¬ den Leistung der Stadt auf dem vorliegenden Gebiete gibt. Allerdings bietet diese Zusammenstellung nicht viel Neues. Erfreulich ist dabei insbesondere die auch bei anderen Städten sich geltend machende Erscheinung, dass der Steinbau mehr und mehr wieder in sein Recht eintritt und überall da zur Anwendung kommt, wo die technische Möglichkeit hierzu vorliegt. Es sei daher gleich hier das bedeutendste, erst im Entstehen begriffene Massivbauwerk angeführt, das die Ausstellung zählt, die Syratal-Brücke der Stadt Plauen i. V. Die Brücke hat einen Bogen von 90 “ Spannweite und übertrifft damit alle bisher ausgeführten Massivbrücken. (Grösste Spannweite bisher die Brücke über das Petrus¬ tal in Luxemburg mit 84,65“, vergl. Jahrg. 1902, S. 521 u. ff.). Sie wird nach dem System Liebold, d. h. in Bruch¬ stein mit Zementmörtel, nach den Entwürfen der Hrn. Ing. Caesar Liebold und Stadtbrt. Fleck von der Firma 3) Vergl. Jahrg. 1893 S. 173 u. ff. l) Vergl. unsere Besprechung Jahrg. 1902 S. 173, unzweifelhaft eine entsprechende Halle für den Marktver¬ kehr enthielt. Weiter dürfte das Haus an der Ecke des Fischmarktes und der Marktgasse und schliesslich das schmale , von dieser bis zur Schrottgasse reichende „Durchhaus“ erworben worden sein. — Alle diese Teile sind in ihrem Kern noch mittelalterlichen Ursprungs, während das erst neuerdings zum Rathause gezogene, ehemalige fürstbischöfliche „Dikasterialhaus" (rechts im Vordergründe von Abbildg. 14), das die Gruppe nach der Stadtseite hin abschliesst, nach der am Portal befindlichen Inschrift aus dem 16. Jahrhundert stammt. Der grosse Stadtbrand von 1662, der auch das Rathaus in Asche legte, hat dann weitgehende Erneuerungen und Ergänzungen der einzelnen Bauten notwendig gemacht, die natürlich das Gepräge ihrer Zeit tragen. Dies hat — namentlich in den Vorhallen, Treppenhäusern und Hausgängen des Inneren, wo die verschiedenen Stilformen in naiver Weise zusammenstossen — vielfach zu malerisch anziehenden Wirkungen geführt. Es kann mir jedoch nicht einfallen, an dieser Stelle eine selbst nur flüchtige Beschreibung des Passauer Rat¬ hauses versuchen zu wollen. Vielleicht unterzieht sich gelegentlich ein am Orte wohnender Sachverständiger der immerhin nicht ganz reizlosen Aufgabe, den geschichtlichen Werdegang dieser verwickelten Anlage näher zu erforschen und den Bestand dessen festzustellen, was sich im Inne¬ ren und Aeusseren noch von den Leistungen der alten Passauer Architekten und Bildhauer erhalten hat. Meiner¬ seits muss ich mich auf eine kurze Würdigung der Be¬ reicherungen beschränken, die dem Hause jüngst zuteil geworden sind — des ihm hinzugefügten neuen Turm¬ baues und der künstlerischen Ausstattung seiner Säle. (Fortsetzung auf Seite 508.) No. 79. tiefer heller. Liebold & Co, Langebrücke bei Dresden, mit einemKostenaufwande von rd. 500 000 M. hergestellt (dazu noch Grunderwerb 184098 M„). Architektonisch nicht günstig ist die Durchbrechung derStirnmauern über den Widerlagern mit rund¬ lichen Oeffnungen. Durch die prächtige Darstellung und durch den künstlerischen Wert fallen die neueren Brücken der Stadt München auf. Es sind durchweg Massiv - Konstruktionen (meist Betonbrücken) von z. T. erheblicher Spannweite , bis 65 m, und mit Gelenken ausgerüstet, deren technischer Entwurf und deren Ausführung in den Händen der Firma Säger & Wörner in München ruhte, während zu der architektonischen Ausgestaltung zu¬ meist Prof. Friedr. v. Thiersch in München bezw. Prof. Th. Fischer in Stuttgart herangezogen wurden. Es sind das die Reichenbach-, Cor¬ nelius- und Maximilians - Brücke, bezw. die Prinzregenten-, Max Josef-, Wittelsbacher - Brücke, die mit einem Kostenaufwand von zu¬ sammen 5 11 Milk M. teils fertig gestellt, teils in Ausführung begriffen oder geplant sind. Die weitest gespannte Brücke (unter den ausgestellten Bauwerken) mit eisernem U eberbau zeigt Ma gde- burg in seiner Königsbrücke5) mit 2 Oeffnungen von je 135 m Spw. (Bogen über der Fahrbahn mit Zug¬ band), die zudem die bedeutende Breite von 18 m besitzt. Die Brücke, welche eine Baukostensumme von 1,5 Mill. M. erforderte, ist in schönen Zeichnungen und vortreff¬ lichen grossen Aufnahmen zur Dar¬ stellung gebracht. Mannheimführt aus seinem Wettbewerb um die neue Neckarbrücke den interessan¬ ten Entwurf der Nürnberger Mas ch. -Fabrik mit ausserordent¬ lich flach gespanntem Mittelbogen0), Zweigelenkbogen von ii3m Spw., 1/15)5 Pfeil, Arch. Prof. Billing in Karlsruhe, vor. Breslau stellt teils massiv gewölbte Brücken, die Gröschel-und Fürsten-Brücke, teils eiserne, die Passbrücke und dieDom- brücke aus, letztere bemerkenswert durch ihre Ausbildung als Gerber¬ scher Gelenkträger in der Form einer versteiften Hängebrücke. Ein ähnliches System zeigt die bekannte Grosse Weser Brücke der Stadt Bremen, die zusammen mit an¬ deren Brücken - Zeichnungen aus¬ gestellt ist. Dresden interessiert namentlich durch die zur Ausführung bestimmten Pläne für den Neubau der Augustus-Brücke, dem die alte Brücke 5; Vergl. Jahrg. 1903 S. 273 u. ff. 6) Vergl. Jahrg. 1901 S. 274 u. ff 3. Oktober 1903. 507 bekanntlich aus Rücksichten des Verkehres weichen muss.7) Die massive König Albert-Brücke und die flach gespannte Carola-Brücke (Zweigelenkbogen mit 55,75™ grösster Spw.), sowie die jetzt nach Erbauung der neuen Eisenbahn-Brücke zu einer Strassenbrücke umgewandelte massive Marien- Brücke vervollständigen die Ausstellung. Besondere Beachtung verdienen die Brücken der Stadt Königsberg. Hier verboten die niedrige Lage der Stadt und der rege Schiffsverkehr bis ins Stadtinnere die Anlage fester Brücken. Anderseits forderte der Strassenverkehr eine möglichst geringe Un¬ terbrechung in seiner freien Bewegungsfähigkeit. So ent¬ standen die grossen mit Druckwasser betriebenen Klappbrücken, die z. T. vor¬ bildlich für ähnliche Aus¬ führungen geworden sind. Die bedeutendste und neue¬ ste (erbaut 1892 — 96, Bau¬ kosten 504 000 M.) ist die Schmiedebrücke mit einer Lichtweite von 22,5 m und einer Entfernung der Dreh¬ achsen von 28,3 m. Sie er¬ reicht damit die grösste Spann¬ weite der Klappbrücken auf dem europäischen Festlande. Kleinere Konstruktionen die¬ ser Art sind die Hohe Brücke und die Köttel- Brücke, von nahezu gleicher Spannweite (18,8 bezw. 18,5 m zwischen den Drehachsen). Sie zeich¬ nen sich durch die eigenartige Anordnung der Gegenge¬ wichte aus, die bei ersterer dauernd unter, bei der an¬ deren dauernd üb er Wasser bleiben. Verschiedene Städte sind auch im Brückenbau zur Anwendung von Beton¬ eisenkonstruktion über¬ gegangen. Braunschweig und Plauen i. V. zeigen Aus¬ führungen nach System Möller, bei welchem die Fahr¬ bahnplatte von einzelnen nach der Kettenlinie gestalteten Rippen getragen wird, in welchen Flacheisen die Zugspan- 7) Vergl. Jahrg. 1902 S. 637 und Jahrg. 1903, S. 53 nungen aufnehmen8). In der Strassenbaugruppe im Aus¬ stellungsgarten führt das Zementbaugeschäft von Wolle in Leipzig eine solche Brücke für Fussgängerverkehr in Natur vor. Zahlreiche Zeichnungen ähnlicher Brücken finden sich auch im Ausstellungsraum dieser Firma, während weitere Stampfbeton- und Monier-Brücken sowohl in den Pavillons von Win djschild & Langelot wie vonDycker- hoff &Widmann in Dres¬ den ausgestellt sind. Die Stadt Strassburg schliess¬ lich, die überhaupt in der Zulassung des Betoneisen¬ baues vorgeschritten ist, zeigt eine kleine Hennebique- Brücke. Es handelt sich um die Magdalenen-Brücke, de¬ ren Spannweiten allerdings nur 7,9 m betragen. Die obere Fahrbahnplatte wird hiervon geraden Betonbalken getra¬ gen, deren Eiseneinlagen nach dem genannten System ausgebildet sind. Inbezug auf geringe Konstruktionshöhe können diese Ausführungen mit einfachen eisernen Blech¬ träger - Konstruktionen in Wettbewerb treten. Auch die Städte Augs¬ burg, Danzig, Duisburg, Frankfurt a. M., Fürth, Halle a. S., Hamburg, Hanno v er, Liegnitz .Mün¬ chen, Würzburg, die wir nicht alle einzeln aufführen können, sind mit Zeichnun¬ gen, Schaubildern, bezw.Pho- tographien vertreten. Ihre Ausführungen sind zumeist bekannt, einzelne davon, wie z. B. der „Eiserne Steg“ in Frankfurt a. M. , eine Fach¬ werks - Hängebrücke mit 3 Gelenken, als erstes Beispiel einer typischenKonstruktion, andere, wie die Hamburger Brücken, durch die abwech¬ selungsvolle und gefällige Art der Ausgestaltung be¬ merkenswert. Im Allgemeinen ist es ein erfreuliches Bild, welches wir aus dieser Abteilung gewinnen, die ein Zeichen dafür 8) Vergl. die nach dem gleichen System erbaute Reyher-Brücke in Magdeburg. Jahrg. 1901, S. 329. Aus Passau. Abbildg. 16. Gemeinde-Sitzungssaal im Rathause. Nachdem der alte (übri¬ gens sehr schmucklose) mittelalterliche Turm des Rathauses, der nach dem Brande von 1662 eine wel¬ sche Haube erhalten hatte, i. J. 1807 dem Abbruch ver¬ fallen war, hat jenes fast 3 Menschenalter hindurch seines Wahrzeichens ent¬ behrt. So blieb es der Bür¬ gerschaft unserer Tage Vor¬ behalten, einen würdigen Ersatz dafür zu beschaffen. I. J. 1888 begann nach dem Entwürfe des Prof. Hein r. Freiherrn von Schmidt, dessen enge Beziehungen zu Passau von diesem Auf¬ träge ihren Ausgang nahmen, die Ausführung des neuen Turmes.*) I. J. 1893 ist er vollendet worden. Für den Bau, dessen Aufriss in Abbildg. 13 dar¬ gestellt ist, waren die Grund- *) Eine erste Mitteilung über den Bau aus der Feder des Archi¬ tekten, begleitet von einer Ansicht seines Entwurfes, ist bereits in No. 21, Jhrg. 1888 d. Ztg. erschienen. Ich brauche, nachdem inzwischen 15 Jahre verflossen sind, vor einigen nicht zu umgehenden Wiederholun¬ gen wohl nicht zurück zu scheuen. 5°8 Svstfa - tLt (J««» stite) 0 10 20 30 W1 1 . t 1 . 1 _ i _ ! _ I Abbildg. 12. Hauptgeschoss des Rathauses. riss-Abmessungen insofern vorgeschrieben, als er auf den noch vorhandenen Grundmauern des älteren Turmes errichtet werden sollte. Ebenso konnte an¬ gesichts der Tatsache, dass die Fassaden des Rathauses noch ihre alte gotische Form zeigen, von vorn herein kein Zweifel darüber bestehen, dass auch der neue Turm in gleichem Stile zu halten sei. Dieser beginnt mit einem bis zum Hauptgesims des Rathauses reichenden schlichten Unterbau, der in seinem obersten Innenraum den Tresor der Stadtkasse enthält und auf der Donau¬ seite mit dem grossen baye¬ rischen Landeswappen ge¬ schmückt ist. Es folgt ein von schlanken Masswerk- Fenstern durchbrochenes zweites Geschoss, in wel¬ chem das städtische Fest¬ geläute Platz gefunden hat; 2 Fanfaren -Bläser neben dem Fenster der Hauptfront geben dieser Bestimmung symbolischen Ausdruck. Das dritte Geschoss, das (Fortsetzung auf Seite 510.) No. 79. ist, dass die Städte sich die bedeutsamen Fortschritte, welche sowohl der Stein- wie der Eisen- Brückenbau in Abbildg. 14. Blick durch die Schrottgasse auf den Rathausturm und die Veste Oberhaus. Abbildg. 15. Festsaal des Rathauses nach seiner Ausschmückung durch Prof. Ferd. Wagner, Aus Passau. den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts ge¬ macht hat, ebenfalls zu eigen gemacht haben. — Einen ungeheuren Auf¬ schwung des Verkehrs lassen die ausgestellten Hafen- und Kaianlagen erkennen.Nicht nur die Seestädte, sondern auch die an den grossen Bin¬ nen -Wasserstrassen liegen¬ den Städte wetteifern mit¬ einander, durch geschützte und zur schnellen Entladung und sicheren Bergung der Güter wohleingerichtete Ha¬ fen-Anlagen den Verkehr an sich heranzuziehen. Bei den Seestädten kommt dazu die schwierige Aufgabe, durch Vertiefung der Fahrrinne die grossen Seeschiffe möglichst weit ins Binnenland hineinzu¬ führen. Hier haben Bremen und Lübeck besonders Be¬ deutendes geleistet, ersteres durch die Korrektion der Unter- und Aussenweser, letzteres durch die Korrektion und Vertiefung der Trave. Lübeck hat allein für diese Zwecke 47,5 Mill. M. ausge¬ geben, Bremen bis Ende 1899 etwa 37,6 Mill. M. Von welchem Erfolge die Arbei¬ ten gekrönt waren, zeigt für Bremen die Angabe, dass die Fahrtiefe bis zur Stadt 1887 nur 2,75™, 1 899 dagegen 5,8 m betrug, während in Bremer¬ haven eine solche von 9 *n erreicht war. Bremen führt ausserdem seine Hafenanla¬ gen in Bremen selbst und in Bremerhaven in Plänen und konstruktiven Einzelheiten vor. Bis 1902 sind in der Stadt Bremen für die ursprüng¬ liche Freihafen-Anlage nebst den in Ausführung begriffe¬ nen, Erweiterungen rd. 40 Mill. M. ausgegeben, in Bremerhaven rd. 48 Mill. M.; das macht also für die sämt¬ lichen dem Seeschiffahrts- Verkehr dienenden Anlagen der freien Stadt Bremen 125,6 Mill. M. Welche be¬ deutende Ausführungen diese ausserdem für ihren Binnen- schiffahrts - Verkehr plant, haben wir bereits mehrfach berichtet9). Bekannt ist fer¬ ner, dass Bremen auch für die Kanalisierung der Ober¬ weser bis zum Anschluss an den geplanten Mittelland¬ kanal zu grossen Opfern be¬ reit ist. Für die Erschliess¬ ung des Binnenlandes, ohne welche eine gedeihliche Ent¬ wicklung desSeehafens nicht zu erwarten ist, hat auch Lübeck Bedeutendes ge¬ leistet. Seine Ausstellung ent¬ hält die allerdings schon von mehreren Ausstellungen her bekannten Pläne des Elbe- Trave - Kanales mit seinen interessanten Schleusen-An- lagen mit Klapptoren undHe- ber-Einrichtungen nach dem Hotopp’schen System, für welchen 23,55 Mill. M. von der Stadt aufgewendet wurden. Der Bedeutung des Ham¬ burger Hafens entspricht die Ausstellung der hierauf bezüglichen Pläne und Mo- 9j Vergl. Tahrg. 1903 S. 366 ff. 1902 S. 554 und 3. Oktober 1903. 5°9 delle, unter denen ein grosses Uebersichtsmodell der gan¬ zen Hafenanlagen im Masstabe i : 1000 auffällt, das immer¬ hin einen schwachen Begriff von deren ungeheurer Aus¬ dehnung gibt. Ein interessantes Bild von der Entwicklung dieses Hafens geben ferner 3 Pläne des Zustandes von 1854, 1882 und 1903. Im ersten Zeitpunkt gab es weder Kaimauern noch eigentliche Hafenbecken. Die Schiffe legten daher im freien Strom an Ducdalben an. Im Jahre 1882 betrug die Kailänge erst 4,1 km, die Hafenfläche 55 ha. Im Jahre 1903 ist die Uferlänge (zumeist mit Kaimauern versehen) auf 22,7 km, die Hafenfläche (einschl. des noch im Ausbau befindlichen Kuhwärderhafens) auf 316,1 ha ge¬ stiegen, die überdachte Schuppengrundfläche von 57 688 auf 379958 ci“>. Seit 1859 sind hierfür zusammen 157 Mill. M. ausgegeben. Auf die Wiedergabe von Einzelheiten müssen wir an dieser Stelle leider verzichten; wir können jedoch auf mehrfache, mit Plänen ausgestattete Veröffentlichun¬ gen in früheren Jahrgängen verweisen10). Erwähnt sei nur, dass Hamburg ebenfalls eine Verbesserung für den Binnenschiffahrts-Verkehr plant, indem eine unmittelbare Verbindung von dem Hafen am Kuhwärder zur Oberelbe hergestellt werden soll. Weitere Verbesserungen des Fahrwassers der Unterelbe sind ebenfalls im Werke. Die übrigen deutschen Seestädte haben sich diesem Teile der Ausstellung leider fern gehalten (einige, wie Stettin, sogar der ganzen Ausstellung). Unter den Rheinhäfen treten Strassburg, Worms, Mannheim, Mainz, Köln, Düsseldorf und Krefeld auf den Plan. Der Rheinhafen bei Strassburg ist mit einem Ges.-Aufwand von 6 Mill. M. hergestellt. Von den ausgestellten Zeichnungen interessiert das ganz in Henne- bique-Bauweise ausgeführte Lagerhaus, die auf festen Bau¬ grund gegründete, zwischen Fangedämmen aus I Eisen und wagrechten Bohlen ganz in Beton hergestellte Ufer¬ mauer, die nur einen Kostenaufwand von 265 M. für 1 m erfordert hat und die Ausführung der neuen Rheinschleuse. Der Hafen von Worms zeichnet sich durch sein schönes Lagerhaus11) und eine ausgedehnte städtische Hafenbahn aus, die den Güterverkehr zwischen Hafen, Staatsbahnhof und einigen industriellen Anlagen vermittelt.12) Mann¬ heim giebt ausser einer Uebersicht über seine umfang¬ reichen Hafenanlagen (nächst Duisburg und Ruhrort die bedeutendsten deutschen Binnenschiffahrtsanlagen) vor¬ wiegend Pläne seines Industriehafens, der die erste aus¬ schliesslich der Industrie gewidmete Anlage dieser Art in Deutschland darstellt. Er wurde 1897 — 1903 mit einem 10) Vergl. Jahrg. 1896: S. 218, 1899: S. 34, 1901: S. 443, 1903: S. 254. 11) Vergl. Jahrg. 1891, S. 266. 12) Vergl. den Stadtplan im Jahrg. 1900, S. ^62. Kostenaufwande von 6.9 Mill. M ausgeführt. Der Hafen ist unter teilweiser Benutzung eines alten Rheinarmes von etwa 6,5 km Länge und 300 m Breite am rechten Ufer des Neckars angelegt und von letzterem Flusse durch eine Kammer¬ schleuse zugänglich, während das untere in den Rhein mündende Hafenende völlig offen steht. Die hochwasser¬ freien Uter sind mit Gleisanlagen ausgestattet. Imganzen sind so 7,2 k™ Uferlänge vorhanden und 124 ha Uferfläche, wovon jedoch etwa 236000 qm durch Strassen- und Gleis¬ anlagen in Anspruch genommen werden. Die Stadt hofft dadurch der Industrie, die am Rheinhafen selbst keine Stelle mehr fand, die Gelegenheit zu ausgedehnten Anlagen zu geben. Die Hafenanlagen in Mainz13), Köln14), Düsseldorf15) haben wir schon früher veröffentlicht, sodass wir hier von näherem Eingehen absehen können. Zu den neuesten Anlagen am Rhein gehört der Hafen von Krefeld, der erst im Jahre 1905 fertig werden soll. Die Stadt will vorwiegend damit dem Grossgewerbe eine neue und den neuzeitlichen Anforderungen entsprechende Heimstätte schaffen und wagt für diesen Zweck die Summe von 11 Mill. M. für den Hafen einschliesslich der Verbindung zum Rhein nebst Gleisanlagen und allem Zubehör. Die Stadtgemeinde rechnet dabei zum nicht geringen Teile auf den Aufschwung des Verkehres nach Herstellung der Verbindung vom Dortmund-Ems-Kanal zum Rhein und endlichem Ausbau des Mittelland- Kanales. Auch der Gedanke einer Fortsetzung dieses Kanales vom Rhein zur Maas und Schelde, also eine Ver¬ bindung mit den belgischen Wasserstrassen, vor allem mit Antwerpen, ist hierbei schon erwogen worden. Die Stadt Krefeld hat diese Pläne schon auf der Düssel¬ dorfer Ausstellung in eleganter Form zur Darstellung gebracht. Diese Pläne sind jetzt zur Dresdener Aus¬ stellung überführt. Wir müssen es uns leider versagen, auf die übrigen, mit dem Rhein in naher Beziehung stehenden Häfen wie Duisburg und Frankfurt a. M. hier näher einzugehen; auch auf den Hafen von Dortmund, den wir gelegentlich der Schilderung der Ausführung des Dortmund-Emskanales zur Darstellung gebracht haben10), auf den am gleichen Kanal gelegenen Hafen von Münster, auf die Mainhäfen von Offenbach und Würzburg und den Elbhafen von Magdeburg können wir hier nur hinweisen. Einige Worte seien dagegen noch dem Oderhafen von Breslau gewidmet, der ebenfalls zu den neusten städtischen Anlagen gehört. Er ist erst im September 1901 eröffnet, seine Baukosten betrugen 5,75 Mill. M. Der städt. Handelshafen 13) Vergl. Jahrg. 1887: S. 265. 14) Vergl. Jahrg. 1898: S. 269 ff. 15j Vergl. Jahrg. 1896: S. 641 ff. 16) Vergl. Jahrg. 1898 S. 38p von einem auf Kragsteinen vorgestreckten Galerie-Umgange — dem bezeichnendsten Bestandteile eines deutschen Rat¬ haus-Turmes — bekrönt wird, enthält die Uhr, deren mächtige Zifferblätter im Aeusseren durch farbige, von Prof. Ferdinand Wagner in Passau ausgeführte Fresko- Malereien eingerahmt werden. Auf der nördlichen (Donau-) Seite die in prächtigen Figuren verkörperten 3 Flüsse Inn, Donau und Hz; nach Westen hin (mit Beziehung auf die alte Georgenburg und den Dom) St. Georg und St. Stephan; nach Süden hin St. Valentin und St. Michael; auf der Ost¬ seite endlich — nach Oesterreich hinüber grüssend — ein Herold mit der bayerischen Landesfahne und ein Banner¬ träger der Stadt Passau. Innerhalb der Galerie, an wel¬ cher auf allen 4 Seiten das Stadtwappen — ein geschun¬ dener Wolf — angebracht ist, erhebt sich dann noch ein stark eingezogener zweigeschossiger Auf bau für die Türmer- Wohnung. ln überaus glücklicher Bereicherung seines ursprünglichen Entwurfes, dessen spätgotisches Gepräge dadurch wesentlich verstärkt worden ist, hat der Künstler diesen Aufbau durch kurze zierliche Strebebögen mit den Eckpfosten der Galerie verbunden. Ueber dem Ansatz der Bögen stehen an den Ecken des Turmkörpers 4 in Kupfer getriebene geharnischte Rittergestalten; eine Blend¬ galerie und ein Wappenfries schmücken die glatten Flächen. Den Abschluss macht ein steiles, mit roten Ziegeln ein¬ gedecktes Helmdach, aus dessen First ein schlanker Dach¬ reiter bis zur Höhe von rd. 68 m emporschiesst. — Das Ganze unfraglich eine Meisterschöpfung, wie sie selbst einem bewährten Künstler nicht immer gelingt. In seinem Masstabe und in seinen Stilformen dem Hause, zu dem er gehört, sowie der ganzen Umgebung aufs trefflichste angepasst, fügt dieser Turm dem Stadtbilde, in dem seine Schönheit erst zu voller Geltung kommt, als eines seiner wertvollsten Glieder sich ein — vereinigt er Kraft mit Zierlichkeit, Reichtum mit monumentaler Ruhe. Vielleicht noch höher zu bewerten ist vom Standpunkte des Archi¬ tekten die Selbständigkeit seiner Erfindung und der boden¬ wüchsige Zug süddeutscher Eigenart, der sich in ihr aus¬ spricht. — 5io Hat an dieser Wirkung des Turmes seine farbige Haltung und insbesondere sein Bilderschmuck wesent¬ lichen Anteil, so wurde dem Maler, der dem Architekten hier seine Hilfe lieh, gleichzeitig Gelegenheit zu noch be¬ deutsamerem Schaffen im Inneren des Hauses gegeben. Es galt, den grossen Festsaal, den Gemeinde-Sitzungssaal und den Ratskeller mit monumentalen Malereien aus¬ zustatten. Die Gestalt dieser Räume ist nicht mehr die ursprüng¬ liche, sondern entstammt einem Ausbau, der nach dem Brande von 1662 ausgeführt wurde. Carlo Lurago, dem er anvertraut worden war, ging hierbei in ganz ähnlicher Weise vor, wie am Dome; d h. er liess die noch erhalte¬ nen gotischen Teile des Baues — hier also die Umfassungs¬ wände — als ein Denkmal der alten Zeit in ihrer Archi¬ tektur unangetastet, während er die neu hinzugefügten Teile in die ihm geläufigen Formen des s. Z. herrschen¬ den Barockstiles kleidete. Der grosse, bis dahin wohl mit einer Holzdecke versehene Festsaal, um den es sich in erster Linie handelte, wurde von ihm in eine gewölbte Halle verwandelt. Zwei in die Mitte eingestellte Säulen mit den entsprechenden Halb- und Viertelsäulen-Vorlagen an den Wänden und in den Ecken tragen — durch weit¬ gespannte rundbogige Gurte verbunden — die 6 elliptischen Zwickelkappen der Decke. Die räumliche Wirkung dieser in den äussersten Abmessungen 19 m langen, 14,6 m tiefen und 10 m hohen Halle ist eine ausserordentlich glückliche. Ziemlich konventionell sind dagegen die architektonischen Formen behandelt: derbe Säulen toskanischer Ordnung, deren Schäfte der Schwellung entbehren, und schlichte in Felder zerlegte Gurte. Die Fenster zeigen, wie schon er¬ wähnt, ihr altes gotisches Masswerk, das an dieser Stelle nicht im mindesten stört; die Türen wurden mit barocken Umrahmungen und Verdachungen versehen. Offenbar war die ganze Anlage von vornherein auf vollständige Bemalung eingerichtet, wie sie — den urkundlichen Nachrichten zufolge — ja auch der zerstörte mittelalter¬ liche Saal besessen hatte. Einstweilen wurde die farbige Belebung des Raumes auf einen gelbrötlichen Anstrich No. 79. ist am Zusammenfluss der Stromoder mit der als Gross¬ schiffahrtsweg ausgebauten alten Oder in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes der Rechten-Oder-Ufer-Bahn errich¬ tet, mit der er in Gleisverbindung steht. Zunächst ist ein Becken von 800 m Länge zu 50 m Breite in Verbindung mit der Schiffahrtsoder ausgebaut. Nur die für Speicher¬ anlagen vorgesehenen Uferstrassen sind mit Stampfbeton- Uf ermauern eingefasst, sonst sind abgepflasterte Böschungen hergestellt. Die Kaianlagen sind mit feststehenden und fahrbaren Kranen, mit Kohlenkranen, Speichern usw. aus¬ gestattet. Alle Ladeeinrichtungen, Schiebebühnen usw. werden elektrisch bewegt. Bei voller Ausnutzung der jetzigen Einrichtungen ist ein Güterverkehr von 500000 t im Hafen zu bewältigen. Erweiterung durch Herstellung weiterer Becken ist vorgesehen. Die schönen Kaistrassen in W ürzburg und nament¬ lich in Düsseldorf, die mit einer tiefen, dem Güter-Um- schlagsverkehr dienenden Uferstrasse und einem hoch¬ gelegenen Promenadenkai ausgestattet sind, führen uns schliesslich zu dem letzten Gegenstände unserer Bespre¬ chung, den städtischen Strassen über, denen wir noch einen kleinen Abschnitt widmen wollen. — (Schluss folgt.) Vermischtes. Flächenglasmosaik mit Unterpialung als ein ähnlich dauerhafter Ersatz für das erheblich teurere Stiftmosaik bringt die Kunstanstalt für Glasmosaik K. J. S c h u 1 1 z Söhne in Marburg auf den Markt. Die verschieden gefärbten Gläser werden in grösseren Stücken mosaikartig auf einer glatten Fläche zusammengesetzt und mit einem besonders hergestellten Zement hintergossen, sodass 1,5 — 2 cm starke Platten entstehen, die man nun an der Verwendungsstelle einsetzen kann. Der Zement stellt auch eine feste Ver¬ bindung der Stossfugen her und gibt, an der Vorderseite sichtbar, dem ganzen ein dem Mosaik ähnliches Gepräge. Zur Erhöhung der dekorativen Wirkung lassen sich die Gläser auch noch mit Metallfarben untermalen, die auf der Rückseite der Gläser eingebrannt werden, also durchaus dauerhaft sind. Zur Verwendung können alle möglichen Glassorten kommen wie Kathedral-, Antik-, Opaleszentglas und alle modernen Zierglassorten. Die Farbenabtönung ist ebenso wie bei Glasstiftmosaik eine sehr reichhaltige (rd. 1200 Töne). Der Preis des Flächen- mosaikes stellt sich gegenüber Stiftmosaik um so billiger, je reicher der Karton ist, und zwar nach Angabe der Firma auf 1/s — 1/5 des Preises des Stiftmosaiks. Das Flächenglasmosaik wird daher Anwendung finden können, wo man eine den Witterungseinflüssen durchaus wider¬ stehende Dekoration braucht und wo für Glasstiftmosaik die Mittel nicht vorhanden sind. An Feinheit der Wirkung kann es letzteres naturgemäss nicht erreichen und wird zweckmässiger Weise vorwiegend da zur Anwendung zu bringen sein, wo Flächenwirkung beabsichtigt ist. — Arch. P. Schenk in Marburg. Preisbewerbungen. Zur Erlangung von Entwürfen für ein polnisches Thea¬ ter in Warschau wurde ein, wie es scheint, nicht allge- der Säulen und Gurtenfelder (etwa im Tone des giallo antico) beschränkt; die Wände und die Gewölbefelder wurden weiss getüncht. Zu einer Ausführung der von Lurago beabsichtigten malerischen Ergänzung seines Werkes hat es den nächsten 2 Jahrhunderten, während welcher die Stadt unter so viel¬ fachen Kriegs- Drangsalen zu leiden hatte und durch das Abnehmen des Handels in ihrem Wohlstände mehr und mehr zurückging, sowohl an Mut wie an Mitteln gefehlt. Erst ihr neuerliches Wiederaufblühen hat allmählich den Wunsch gezeitigt, das so lange Versäumte nachzuholen — ein Wunsch, dessen Erfüllung durch das Miteintreten des bayerischen Staates dann noch wesentlich erleichtert worden ist. Professor Ferdinand Wagner, der i. J. 1896 zur Lösung der Aufgabe berufen wurde, hat sich dieser nicht nur mit dem Eifer eines echten Künstlers hingegeben, sondern für sie auch die volle Liebe eingesetzt, die er gegen seine Vaterstadt im Herzen trägt. Der von ihm aufgestelUe Plan ging inbezug auf die allgemeine Anord¬ nung des Bilderschmuckes, welche Abbildg. 15 zur An¬ schauung bringt, von dem Gedanken aus, dass von den unteren Saalwänden nur die beiden zunächst der Front liegenden, grossen ungeteilten Flächen der Ost- und West¬ wand zur Aufnahme von Gemälden zu bestimmen, die übrigen von Fenstern und Türen durchbrochenen Felder nur dekorativ zu behandeln, die Mehrzahl der bildlichen Darstellungen aber auf die Lünetten und die auf den Ge¬ wölbefeldern angebrachten Medaillons zu verteilen seien. Ihrem Gegenstände nach sind jene beiden vom bayerischen Staate gestifteten grösseren Wandgemälde, welche den Empfang der Chriemhilde durch ihren Oheim Bischof Piligrin und die in Passau vollzogene Hochzeit Kaiser Leopolds I. mit der bayerischen Prinzessin Eleonore dar¬ stellen, sowie (bis auf ein von der Uhr eingenommenes Feld) die Lünettenbilder der Sage und Geschichte Passau’s entlehnt, während die Gewölbe-Malereien in symbolischer Beziehung zu den Darstellungen der zugehörigen Wand¬ felder stehen. 3. Oktober 1903. meiner Wettbewerb ausgeschrieben, der am 21. Okt. d. J. fällig ist. Die Baugruppe, welche, der russischen Sitte ent¬ sprechend, ausser dem eigentlichen Theater eine Bibliothek einen Vortragssaal und einen Theeausschank umfassen soll, wird etwa 410000 Rbl. beanspruchen. Für die besten Entwürfe sind 3 Preise von 5000, 1000 und 300 Rbl aus¬ gesetzt. — _ Personal-Nachrichten. Baden. Der Kulturinsp. S i e b e r t in Karlsruhe ist zur Wasser- und Strassen-Bauinsp. Offenburg versetzt. Der Reg.-Bmstr. Imhoff in Karlsruhe ist behufs Uebertritts in den kgl. preuss. Staatsdienst aus dem staatl. Dienste entlassen. Bayern. Der Ob.-Bauinsp. Horn in Würzburg ist auf die Dauer eines weiteren Jahres im Ruhestand belassen. — Der Ob.- Ing., Ob.-Postinsp. Mir us in München ist s. Ansuchen eutspr. in den Ruhestand getreten. Bremen. Den Ob. -Lehrern am Technikum Ing. Krüger u. Hartmann und Arch. Mänz ist der Tit. Prof, verliehen. Preussen. Dem Int.- u. Brt. a. D. Geh. Brt. Steinberg in Breslau ist der Rote Adler-Orden III Kl. mit der Schleife, dem Kr.-Bmstr. Schollmeyer in Trebnitz i. Schl, der Königl. Kronen- Orden IV. Kl. verliehen. Dem Reg.- u. Brt. R o 1 o f f in Marienwerder ist der Char. als Ob.-Brt. mit dem Range der Ob.-Reg.-Räte verliehen und ist der¬ selbe als Elbstrom-Baudir. nach Magdeburg, der Reg.- u. Brt. Niese von Thorn nach Marienwerder versetzt. Der Reg.-Bmstr. Rosenfeldt in Wilhelmshaven ist der kgl. Eisenb.-Dir. in Erfurt zur Beschäftigung überwiesen. — Der Reg.- Bmstr. L u n o w in Dortmund ist infolge Ernennung zum kgl. Ober¬ lehrer an den vereinigten Maschinenbauschulen das. aus dem Staats¬ dienste ausgeschieden. Versetzt sind: der Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Reiser in Königsberg i. Pr. nach Rastenburg zur Leitung der ausführl. Vor¬ arbeiten für die Nebenbahn Angerburg-Rasten burg-Bischdorf; der Eisenb.-Masch.-Insp. Diekmann in Naugard als Vorst, (auftrw.) der Masch.-Insp. 2 nach Magdeburg; der Reg.-Bmstr. Lands¬ berger von Trier nach Potsdam. Den Reg.-Bmstrn. Wülsten in Frankfurt a. M. und Ed. Ru- b a c h in Köln ist die nachges. Entlassg. aus dem Staatsdienste erteilt. Selbstverständlich kann ich hier weder auf die einzel¬ nen Kompositionen noch auf den inneren Zusammenhang der ganzen (durch die von X. Zettler in München ausge¬ führten Glasmalereien der Fenster noch vervollständigte) Bilderreihe eingehen. Sie will gesehen, aber nicht be¬ schrieben werden. Der Eindruck, den ich selbst von ihr empfangen habe, ist ein sehr bedeutender. Innigstes Ver¬ ständnis für den von Gemälden einer solchen Bestimmung zu fordernden geistigen Gehalt und hohes malerisches Können haben eine Leistung zuwege gebracht, auf welche der Künstler ebenso stolz sein kann wie die in ihren Besitz gelangte Stadt. Es ist ein Festraum vornehmster Art, der hier durch die Raumschöpfung des alten italienischen Meisters und die vollendende Hand des modernen Malers entstanden ist. Der einzige Einwand, den ich mir erlauben möchte, bezieht sich auf die etwas unruhige, farbige Haltung der Saal-Architektur. In wohlgemeinter Pietät gegen das Werk Luragos hat man nämlich den Säulen und zumteil auch den Gurtenfeldern ihre alte, intensiv gelbrötliche Färbung belassen, ohne zu bedenken, dass diese nur in dem beabsichtigten Gegensätze des tragenden architek¬ tonischen Gerüstes zu dem kalten Weiss der Gewölbe und Wände ihre Berechtigung hatte. Gegenüber der jetzigen reichen Farbenstimmung des Saales würde, meinem Em¬ pfinden nach, eine dunkle Färbung der Säulen (etwa im Tone von Syenit) und eine Vergoldung jener Gurtenfelder entschieden günstiger wirken. Der neben dem F estsaal liegende Gemeinde-Sitzungs¬ saal (Abbildg. 16), von dem zur Bildung eines quadratischen Deckenfeldes ein auf schwarzen Marmorsäulen ruhender, jetzt als Zuhörer-Galerie benutzter Bogengang abgetrennt ist, hat durch Prof. Wagner den Schmuck eines grossen (in Abb. 1, S. 466 besonders dargestellten) Deckengemäldes, einiger stillebenartiger Medaillon-Bilder in der Voute und eines friesartigen Gemäldes an der Rückwand erhalten; das letztere zeigt in der Mitte eine auf die Verleihung der bayerischen Verfassung durch König Max I. bezügliche Allegorie, zu den Seiten das mittelalterliche und das neue Passau. — Leichterer Art sind die in einem durch ein 5ii Der Reg.-Bmstr. a. D. Menken in Berlin und der Reg.-Bfhr. Hülse aus Elberfeld sind gestorben. Sachsen. Dem Ob.-Brt. Wiechel in Dresden ist die An¬ nahme und das Tragen des ihm verliehenen Kgl. preuss. Kronen- Ordens III. Kl. gestattet, dem Hofbrt. Frölich in Dresden diej. des Kgl. preuss. Roten Adler-Ordens IV. Kl. u. dem Eisenb.-Dir. Rühle v. Lilienstern in Leipzig diej. des persischen Löwen- und Sonnenordens III. Kl. Dem Dir. der Baugewerkschule in Dresden, Brt. Prof. Löwe ist das Ritterkreuz I. Kl. des Albrechts-Ordens verliehen. Sachsen-Altenburg. Der Reg.- u. Brt. W a n c k e 1 in Alten¬ burg ist z. Geh. Brt. ernannt. Brief- und Fragekaslen. Die Laufbahn der unteren und mittleren Techniker in Preussen und dem Deutschen Reiche betr. Anfragen haben sich in den letzten Wochen so gehäuft, dass wir sie nicht im ein¬ zelnen beantworten können, da der Raum unseres Briefkastens hierfür nicht ausreichen würde. Wir bemerken daher nur kurz Folgendes: Die Absolvierung einer Eaugewerkschule ist nicht er¬ forderlich für die Karriere der Bahnmeister und Zeichner der Eisen¬ bahnverwaltung, die Wasserbau warte und Festungsbauwarte. Be¬ züglich der Bahnmeister und Wasserbauwarte vergl. unsere Mit¬ teilungen S. 236 u. S. 100. Die Festungsbauwarte rekrutieren sich aus Pionier-Unteroffizieren, welche die Festungsbauschule in Charlottenburg absolviert haben und zu Wallmeistern befördert wor¬ den sind. Sie beziehen 7400 — 3200 M. und können nach ihren Fähig¬ keiten auch zu Festungs-Oberbauwarten mit 2600 — 4000 M. Gehalt befördert werden. Die Zeichner der Eisenbahnverwaltung haben nach 3 jähriger Beschäftigung eine Prüfung abzulegen. Nach Anstellung erhalten sie 1500—2200 M. Gehalt.' Aus ihnen werden nach der Tüchtigkeit Zeichner I Kl. ausgesucht, die 1650 — 2700 M Gehalt beziehen. Die Absolvierung einer staatlich anerkannten Baugewerk¬ schule und das Einjährigen-Zeugnis setzt die Laufbahn der Bau¬ schreiber und Techn. Sekretäre der Allgem. Bauverwaltung, der Techn. Eisenbahn-Sekretäre und der Garnisonbau¬ warte voraus. Die Bauschreiber haben einen 3jährigen Vorbe¬ reitungsdienst durchzumachen und erhalten nach Anstellung 1500 bis 3300 M. Gehalt. Die Technischen Sekretäre haben nach weiterer zweijähriger Dienstzeit als Bauschreiber eine Prüfung zu bestehen. Gehalt 2100 — 4200 M. Die Technischen Eisenbahn-Sekretäre müssen eine zweijährige praktische Tätigkeit durchgemacht haben und sich weiterhin einer 3 jährigen Vorbereitungszeit unterwerfen. Gehalt 2100 — 4200 M. Die Garnisonbauwarte haben ausser der zweijährigen praktischen Tätigkeit noch eine zweijährige Vorbereitung durchzu¬ machen und sich dann einer Prüfung zu unterziehen. Gehalt 1500 bis 3300 M. Im Reichspostdienst gibt es nur wenige feste Stellen für ältere Techniker. Eine bestimmte Vorbildung ist nicht vorgeschrieben. Denjenigen, die sich über alle einschlägigen Fragen genauer unterrichten wollen, empfehlen wir das Werk von Prof. W. Lange in Bremen „Die Laufbahn der Techniker“. — • Hrn. Arch. W. S. in Stettin. Das Verlangen des Amtsvor¬ stehers ist begründet. Eine Klage oder eine Beschwerde gemäss B.-V.-G. v. 30. Juli 1883 § 127 ff. verspricht nicht den allergeringsten Tonnengewölbe überspannten Saale des Ratskellers aus¬ geführten Bilder. — Welche Anerkennung die Wiederherstellung ihres Rat¬ hauses bei der Passauer Bürgerschaft gefunden hat, be¬ zeugt die Tatsache, dass die beiden daran beteiligten Künst¬ ler, Heinrich Freiherr v. Schmidt und Ferdinand Wagner zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt worden sind. Eine wohlverdiente, aber — im Hinblick auf das Verhalten der meisten anderen städtischen Körperschaften Deutschlands — immerhin ebenso seltene wie erfreuliche Auszeich¬ nung. — Hoffentlich sind mit den beiden besprochenen Unternehmungen die Bestrebungen zur künstlerischen Aus¬ gestaltung des Rathauses noch nicht zum Ende gelangt. Es ist ebenso wahrscheinlich, dass in alter Zeit auch die Fassade am Fischmarkt mit Bildern geschmückt war, wie es gewiss ist, dass ein solcher Schmuck mit den Malereien des neuen Turmes trefflich zusammen klingen würde. Ebenso könnte die malerische Wirkung der inneren Vor¬ räume durch eine geschickte farbige Ausstattung, die ja nicht aus figurenreichen Bildern zu bestehen brauchte, wesentlich gehoben werden. Mich deucht, dass das heutige Passau die vielleicht nie wiederkehrende Gunst, einen Künstler vom Range und der Schaffensfreudigkeit Ferdinand Wagners zu besitzen, auch entsprechend ausnutzen sollte. — Ich bin damit an der für meine Arbeit gesteckten Grenze angelangt. Denn eine Beschäftigung mit den im letzten Jahrhundert entstandenen öffentlichen und Privat¬ bauten Passaus, unter denen sich manches tüchtige, aber kein künstlerisch hervorragendes Werk befindet, würde ebenso wenig lohnen, wie eine solche mit den spärlichen, noch weniger hervorragenden Denkmälern der Stadt. Doch will ich die Anregung, die ich unwillkürlich aus dem Stich¬ wort „Denkmäler" schöpfe, dazu benutzen, um den mehr¬ fachen Wünschen und Ratschlägen, die ich — unberufen, aber in ehrlicher Zuneigung zu der mir vertraut und lieb gewordenen Stadt — bereits geäussert habe, noch einen letzten anzureihen. Als ich am Eingänge meiner Darlegungen die land¬ schaftlichen Reize von Passau und Koblenz gegen ein¬ ander abwog, musste ich bereits betonen, wie die Rhein- Erfolg. Denn nachdem durch Landes -Polizei- Verordnung vom 1 Juni 1903 rechtswirksam ein Mindestmass der Höfe vorgeschrie¬ ben ist, welches das früher zulässige übersteigt, darf die Orts- polizei-Behörde keine Baugenehmigung mehr erteilen, welche den Grundsätzen des heute gütigen Polizeirechtes widerstreitet. Es ist nebensächlich, dass Ihr Bauvorhaben und Bauerlaubnisgesuch schon am 28. Mai 1903 eingereicht worden ist. Denn hätte die Ortspolizei an diesem Tage vielleicht einen Bau noch genehmigen dürfen, dessen Vorschriften dem alten Rechte entsprachen, so war sie doch jeden¬ falls nicht verpflichtet, die ihr obgelegene Prüfung der Gefahrlosig¬ keit Ihres Bauvorhabens binnen drei Tagen zu beenden und inner¬ halb dieser kurzen Frist einen endgiltigen Beschluss zu fassen, zu¬ mal damals die Strasse, für welche der Bau geplant, noch nicht einmal anbaufähig war. Erst nach erlangter Anbaufähigkeit der betreffenden Strasse war die Ortspolizei zur Prüfung des Bauvor¬ habens und zur Erteilung der Bauerlaubnis veranlasst, da vorher ein Gesuch vorlag, welches selbst dann nicht zulässig war, falls es dem örtlichen Polizeirechte entsprochen hätte. Nach alledem hat der Amtsvorsteher durchweg im Rahmen seiner Befugnisse und Pflichten gehandelt. — K. H-e. Hrn. A. H. L. in Frankenhausen und B. M. in Marien¬ werder. Verboten ist die Führung des Meistertitels eines be¬ stimmten Baugewerkes, falls dieser Titel nicht durch ein vor der Innung abgelegtes Examen erworben ist. Sie dürfen sich also nicht Maurer- oder Zimmermeister nennen. Bezüglich des Titels „Baugewerksmeister“ besteht ein allgemeines gesetzliches Verbot nicht. Wir verweisen jedoch auf die Antwort auf S. 216 d. Jahrg. Von den Innungen anerkannt werden natürlich nur die Baugewerks¬ meister, welche sich dem Innungsexamen unterworfen haben. — ■ Hrn. E. R. in Strassburg i. E. Ein zusammenhängendes Werk über neuere Wasserkraftanlagen ist uns nicht bekannt. Ueber neuere „Wasserkraftanlagen in Norwegen und Schweden“ ist von Prof. Holz in Aachen vor einigen Jahren eine Arbeit in der Zeitschrft. f. Bauwesen veröffentlicht worden, die auch als selb¬ ständige Schrift im Verlage von Ernst & Sohn in Berlin, er¬ schienen ist. — Anfragen an den Leserkreis. x. Welche Mischung hat sich für weissen, dauerhaften Fugen¬ mörtel am besten bewährt? K. B. in G. 2. Wie sollen Wände und Dach eines Schuppens zur Aufbe¬ wahrung von gebranntem Kalk beschaffen sein, um denselben auf längere Zeit vor zu schnellem Zerfall zu schützen? — O. in J. Inhalt: Die Besitzung der Frau Baurat E. Wentzel - Heckmann in Neubabelsberg bei Berlin. — Aus Passau (Schluss'. — Die deutsche Städte¬ ausstellung in Dresden. VI — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Landhaus der Frau Baurat E. Wentzel- Heckmann in Neubabelsberg. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwort!. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. und Moselstadt ihrer Rivalin an Donau und Inn neuer¬ dings einen Vorsprung dadurch abgewonnen hat, dass der Vereinigungspunkt ihrer beiden Ströme in monumen¬ taler Weise hervorgehoben worden ist. Jedem Besucher Passau’s, der Koblenz kennt, wird sich von selbst die Frage aufdrängen, ob es nicht möglich sei, Aehnliches auch hier durchzuführen. Und es ist möglich! An der Spitze der schmalen Halbinsel zwischen Donau und Inn, gegenüber der Ilzmündung, streckt sich — ausser¬ halb der Mauerreste, die als Ueberbleibsel der schon im Mittelalter zerstörten Burg Ort gedeutet werden, — eine niedrige (in den Abbildgn. 2 und 3 deutlich erkennbare) Landzunge weit in die Wässer der drei vereinigten Flüsse hinaus; sie wird gegenwärtig zu sehr unter¬ geordneten Zwecken benutzt. Es könnte nicht schwer sein, sie durch Ufermauern hochwasserfrei zu machen und hier einen Platz zu gewinnen, der sich zur Errichtung eines Denkmals eignete, wie nur wenige Punkte in den deutschen Landen. Zwar scheint es mir ausgeschlossen, dass für ein Denkmal desjenigen Masstabes, der hier allein berechtigt wäre, die Mittel der Bürgerschaft Passau’s reichen würde. Aber warum sollte ein solches Werk, für das eine würdige Bestimmung wohl leicht zu finden wäre, nicht auf die Unterstützung des ganzen Bayern¬ landes und seiner Staatsregierung hoffen dürfen? Warum sollte man sich, so weit die blau-weisse Fahne weht, nicht dafür erwärmen, hier an den Ostmarken des Reiches und inmitten der Wellen seiner beiden bedeutendsten Ströme ein „Bayerisches Eck" erstehen zu lassen, dessen Denk¬ mal als ein Merkzeichen deutscher Kraft nach dem Unter¬ lauf der Donau hinausschaute? — Würden auch noch die zunächst anstossenden, wenig wertvollen Häuser mit ihren Gärten hinzugezogen, so liesse sich als Hintergrund des Denkmals sogar noch eine kleine Parkanlage schaffen. Passau aber würde den vielen Anziehungspunkten, die es bereits besitzt, einen neuen und zwar den zugkräftig¬ sten hinzugefügt sehen. — Möge man meinen Vorschlag in „wohlwollende Er¬ wägung“ ziehen! — Waren i. Mecklenburg. K. E. O. Fritsch. No. 79. 512 i DEUTSCHE BAUZEITUNG 1 II XXXVII. JAHRG. NE 80. BERLIN, DEN 7. OKT. 1903 || IMHaHHIHHHMHIIHHIIlIHHUHin Die Besitzung der Frau Baurat E. Wentzel-Heckmann in Neubabelsberg bei Berlin. Architekten: Kgl. Bauräte Kayser& v. Groszheim in Berlin. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen auf Seite 515. as überder Strasselie¬ gende Ge¬ bäude für den Wirt¬ schaftsbetrieb hat bei aller Einfachheit eini¬ ge interessante Züge. Es ist zuinteil ein-, zumteil zweigeschos¬ sig, n. förmig gela¬ gert und wendet sich mit dem offenen Hof gegen die Strasse. Es ist die Nordseite des Hauses. Seine Südwestseite ist, wie der kleine Quer¬ schnitt zeigt, zu einer die ganze Ausdeh¬ nung der Hausseite einnehmendenW ein- pflanzung unter Glas benutzt. Hinter dem Wirtschafts - Gebäu¬ de liegen die Treib¬ haus - Anlagen und zwar u. a. ein Rosen¬ haus, ein Kalthaus, ein Vermehrungs¬ haus sowie andere für den Gärtnereibe¬ trieb nötige Anlagen, denn die Anlage ist zur unentgeltlichen AusbildungvonGärt- nerinnen bestimmt. Das Wirtschafts¬ gebäude enthält Ge¬ schäfts-, Speise- und Wohnzimmer für die Gärtner-Oberin und für iöLehrmädchen; Wirtschafts - Räume und Pferdestall, Wa¬ genremise, Kutscher¬ wohnung und son¬ stigen Beigelass. Im Keller-Geschoss be¬ findet sich die Pri¬ märstation zur Er¬ zeugung von Elek¬ trizität mit Gasmotor von 20P.S., Dynamo- Maschine von 920 bis 1040* Umdrehungen Architektur der Diele der Villa. 5(3 sammengetragen. Nach des Verfassers Angabe soll es abgesehen von seiner patriotischen Tendenz überall praktischen Nutzen stiften, wo man dem Altreichs¬ kanzler im Denkmal danken will. Im vorliegenden x. Band sind wohl alle zu Ehren Bismarcks errichteten Denkmäler enthalten, Türme und Säulen, Statuen und Büsten, Spring¬ brunnen und Eichen, Ehrenschilder und Votivtafeln usw. Auch das Mausoleum und der Sarkophag in Friedrichsruh sind zur Darstellung gebracht, das Bismarck - Museum in Schönhausen, das Schloss in Friedrichsruh, das Geburts¬ haus in Schönhausen sind abgebildet und beschrieben, gehören aber wohl nicht hierher, da sie nicht unter den Begriff „Denkmal" fallen. Die nach photographischen Aufnahmen hergestellten Abbildungen sind sauber aus¬ geführt, lassen aber Zwecks Beurteilung der Grössen¬ verhältnisse der Denkmäler zu einander sehr schwer einen Vergleich zu, da sie leider nicht in einem ein¬ heitlichen Masstab gezeichnet sind. Das wäre wenigstens für die Türme und Säulen, wenn das Werk den ge¬ dachten praktischen Nutzen tatsächlich bringen soll, des Verfassers erste Aufgabe gewesen! — _ Bei der Redaktion d. Bl. eingegangene Bücher: Neumeister, A., Prof. Deutsche Konkurrenzen, XV. Band. Heft io, No. 178: Töchterschule für Essen ; Heft 11, No. 179: Rathaus für Eberswalde. XVI. Band. Heft 1, No. 181: Lan¬ deshaus für Wiesbaden ; Hefts, No. 182: Bugenhagen-Kirche für Stettin. Leipzig 1903. Seemann & Co. Abonnem.-Pr. für den Bd. (12 Hefte mit Beibl.) 15 M. Einzelne Hefte 1,80 M. Ronczewski, Konstantin, Arch. Gewölbeschmuck im rö¬ mischen Altertum. Studien und Aufnahmen. Berlin 1903. Georg Reimer. Pr. 12 M. Rost, Otto, Arch. Vorschläge zu neuen Bestimmun¬ gen für eine Berliner Baupolizei-Ordnung resp. zu einem deutschen Baugesetz. Berlin 1903. Rieh. Eckstein Nachf. (H. Krüger). Rowald, Paul, Stadtbauinsp. Brauch, Spruch und Lied der Bauleute. 2. vervollständigte Auflage. Hannover 1903. Schmorl & v. Seefeld Nachf. Pr. 2,50 M., geb. 3 M. Schlotke, J., Dir. Lehrbuch der Differential- und Inte¬ gralrechnung. Mit 106 Figuren. Dresden 1903. Gerh. Kühtmanu. Pr. 7,80 M., geb. 8,50 M. Schreiber, Hans, Dir. Neues über Moorkultur und Torf¬ verwertung. II. Jahrg. 1901 — 1902. Staab bei Pilsen 1903. Deutsch-österreichischer Moorverein; für Deutschland Leipzig. G. E. Schulze. Pr. 3 M. Schultze, G. A. UeberF ern- und Signal-Thermometer. Ein Hilfsbuch bei der Auswahl und Veranschlagung von Tem- peratur-Kontroll-Anlagen. Berlin 1903. Schönebergerstr. 4. Senz, Aug., Reg.-Bmstr. Leitfaden zum Entwerfen und Berechnen hoher Kamine. In einfachster Weise unter Berücksichtigung der neuesten Gutachten der königl. Akademie des Bauwesens dargestellt für Prüfungsbehörden und Industrielle. 2. Aufl. Essen 1903. G. D. ßaedecker. Pr. kart. 1,60 M. Die Literatur des Städtewesens in technischer und hygienischer Beziehung. Dresden 1903. Ernst Schürmann. G. m. b. H. Stübben, J., Geh. Brt. Die Bedeutung der Bauordnun¬ gen und Bebauungspläne für das W ohnungs- wesen. Mit einem Literaturverzeichnis. Die Wohnungs¬ frage und das Reich. Eine Sammlung von Abhandlungen, herausgeg. vom Verein Reichs-Wohngesetz. Heft V. Göttin¬ gen 1903. Vandenhoeck & Ruprecht. Pr. 1 M. Uebrick, R. Thorn, Illustrierter Führer mit 30 Abbildgn. und einem Stadtplan. Norddeutsche Städte und Landschaften, No. 13. Danzig 1903. A. W. Kafemann G. m. b. H. Pr. 1,20 M. Preisbewerbungen. Wettbewerb betr. die Saalerweiterung des Zoologischen Gartens in Düsseldorf. Es liefen 14 Arbeiten von Düssel¬ dorfer Architekten ein. 3 gleiche Preise von 533,33 M. wurden den Entwürfen der Hrn. Karl Hecker, Klein & Dörschel und Ph. & L. Ziesel zuerkannt. — Einen internationalen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Parlamentspalast in Montevideo erlässt die betr. Kommission der gesetzgebenden Körperschaften von Uruguay zum 15. April 1904. Es gelangen 3 Preise von 30000, 15000 und 7500 Fr. zur Verteilung. Deutsche Bewerber erhalten die Unterlagen durch die Gesandtschaft von Uruguay in Berlin, Kronprinzen-Ufer 25. — In einem Wettbewerb des Bayerischen Architekten- und Ingenieurvereins betr. Entwürfe für ein Rathaus in Freising liefen 35 Arbeiten ein. Den I. Preis errang Hr. Arch. Schulz in München, den II. Preis Hr. Arch. Senf in Lindau und den III. Preis Hr. Arch. Tr 00s t in München. Eine lobende Erwähnung fanden die Entwürfe der Hrn. Gebr. Rank, Ass. Blumentritt und Arch. Knöpfle, sämtlich in München. — Personal-Nachrichten. Bayern. Der Bauamtm. Eiseubiegler in Hof ist s. An¬ träge entspr. in den Ruhestand getreten ; dem Reg.- u. Kr.-Bauass. D i 1 1 m a r in Landshut ist die hierdurch erled. Bauamtm.-Stelle in 516 Hof verliehen. Der Reg.- u. Kr.-Bauass. Hof in Speyer ist nach Landshut versetzt; der Bauamtsass. Rheinberger in Passau ist z. Reg.- u. Kr.-Bauass. für das Landbfch. der Reg. der Pfalz be¬ fördert; der Staatsbauassist. Brill in Nürnberg ist z. Ass. beim Land¬ bauamte Passau ernannt. — Dem Staatsbauassist. Ka iser in Kaisers¬ lautern ist die Assessorstelle beim Landbauamte Freising verliehen. Der Eisenb.-Betr.-Dir. Eickemeyer in Würzburg ist unt Ver¬ leihung des Tit. eines Kgl. Ob.-Reg.-Rats in den Ruhestand getreten. Bremen. Der Ob.-Ing. Süchting ist z. Dir. des Elektriz.- Werkes und der Reg.-Bmstr. Hotzen z. Bmstr. bei der Poliz.- Dir. ernannt. Preussen. Aus Anlass des Uebertritts in den Ruhestand ist verliehen: den Geh. Brtn. Schaper in Köln, Schwedler u. C r ü g e r in Erfurt, G r a p o w in Berlin, Spoerer in Köln a. Rh. und Holzheuer in Danzig, sowie dem Reg.- u. Brt. Massalsky in Tilsit der Rote Adler- Orden III. Kl. mit der Schleife; — dem Präs, der kgl. Eisenb.-Dir. in Bromberg Naumann der Kgl. Kronen-Orden II. Kl. mit dem Stern; — den Ob.-Brtn. van den B e r g h in Elberfeld, Koch in Danzig und Ramm in Magdeburg der Kgl. Kronen-Orden II. KL; — den Reg.- u. Brtn. Kaerger in Altona und Hanke in Dortmund, den Eisenb.-Dir. Memmert in Oppum und Böcke r in Witten der Char. als Geh. Brt.; — dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Auffermann in Essen a. R. der Char. als Brt. Den Wasser-Bauinsp. Brtn. Jensen in Flensburg und Jacob in Liegnitz, sowie dem Bauinsp. Brt. Lodemann in Berlin, aus Anlass ihres Uebertritts in den Ruhestand, dem Kr.-Bauinsp. Brt. Dittmar in Jüterbog, dem Wasser-Bauinsp. Brt. Duis in Leer dem Kr.-Bauinsp. Rieck in Birnbaum und dem Stadtbrt. Heuser in Aachen ist der Rote Adler-Orden IV. Kl.; — dem Reg.- u. Brt., Geh. Brt. B a 1 z e r in Köln der Kgl. Kronen-Orden III. Kl. und dem Stadtbauinsp. Freygang in Barmen ist der Kgl. Kronen- Orden IV. Kl. verliehen. Die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreuss. Orden ist erteilt und zw. : dem Reg.- u. Brt. R i e k e n in Görlitz des Ritterkreuzes I. Kl. des Kgl. Sächs. Albrechtsordens; dem Ob- Brt. W i 1 d e in Erfurt, den Eisenb.-Dir. Brettmann und H ü 1 1 i g in Jena der aus Anlass des 5ojähr. Reg.-Jubiläums des Herzogs von Sachsen-Altenburg gestifteten Erinnerungs-Medaille; dem Ob.- Brt. Ramm in Magdeburg und dem Geh.-Brt. Alken in Hannover des Ritterkreuzes I. Kl. des Herz Braunschweig. Hausordens Heinrichs des Löwen; dem Garn.-Baubeamten , Brt. Atzert in Metz des Ritterkreuzes I. Kl. des Grossh. Bad. Ordens vom Zähringer Löwen; dem Ob.-Brt. a. D. Rauchfuss in Kiel des Kais. Russ. St. Annen- Ordens III. Kl. ; dem Prof. Geh. Reg.-Rat Reuleaux in Berlin des Kommandeurkreuzes I. Kl. des Kgl. Schwed. Wasa-Ordens. — Der Reg.- u. Brt. Breusing in Hannover ist z. Geh. Brt. und vortr. Rat im Min. der öffentl. Arb. ernannt. Dem Brt. Honthumb in Münster ist der Char. als Geh. Brt. und dem Eisenb.-Dir. Franckenbergin Altona der Char. als Brt. verliehen. Sachsen. Den nachgen. Beamten ist die Erlaubnis zur An¬ nahme u. Tragen der ihnen verliehenen Auszeichnungen erteilt: dem Ob.-Brt. Dannenfelser in Leipzig, dem Fin.- u. Brt. Friedrich, dem Stadtbrt. Ob.-Brt. Klette und den Stadträten, Brtn. Adam u. Richter in Dresden des Kgl. Preuss. Roten Adler-Ordens IV. KL; dem Masch.-Insp. Meyer in Dresden des Kgl. Preuss. Kronen-Ordens IV. KL Brief- und Fragekasten. Hrn. Zmstr. Fr. in Zeuthen. Die Fassung der Police-Be¬ dingung ist zweideutig. Die Versicherungs-Gesellschaft wird deren strenge Auslegung verlangen und auszuführen versuchen, dass sie nur für Haftschäden aus Gesetz v. 7. Juni 1871 und für Ansprüche aus Gesetz v. 6. Juli 1884 §§ 96 — 98 einzutreten brauche, die übrigens jetzt durch Gesetz v. 30. Juni 1900 ersetzt sind. Folgt der Richter dieser strengen Auslegung, so muss er Ihnen den Anspruch auf Ersatz der 65,70 M. versagen, weil dieselben ihre Stütze weder im Gesetz v. 7. Juni 1871 § 3, noch im Gesetz v. 6. Juli 1884 §§ 96 bis 98 finden, sondern eine Zwangsvorschrift des letzteren Gesetzes § 5, Abs. 9, zur Grundlage haben. Ueberwiegend pflegen jedoch die Gerichte die Police-Bedingungen in ausdehnendem Sinne aus¬ zulegen. Ein geschickter Sachwalter wird Ihnen leicht zum Siege verhelfen. — K. H-e. Hrn. Arch. A. W. in Berlin. Da die beiden in Ihrem Atelier für Architektur Beschäftigten auch bei der Leitung von Bauten tätig und in dieser Eigenschaft die Bauplätze zu betreten veranlasst sind, können sie bei Ausübung ihrer Berufsverrichtungen Bauunfälle er¬ leiden und liegt für sie der Fall des Gew.-Unf.-Ges. vom 30. Juni 1900 vor. Verunglücken sie auf den BauteD, so haben sie Anspruch auf Schadloshaltung. Seit nun die Gerichtshöfe sich auf den Stand¬ punkt gestellt haben, dass der Arbeitgeber aus eigenen Mitteln Dem ersatzpflichtig ist, welcher Fürsorge- Ansprüche besessen haben würde, wenn der Beitritt zur Berufsgenossenschaft erfolgt wäre, ist es für Sie allerdings ratsam, Ihren Betrieb bei der nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossenschaft anzumelden. Dieselbe würde zwar befugt sein Ihre Mitgliedschaft abzulehnen. Täte sie dies, so ge¬ winnen Sie dadurch den sicheren Vorteil, der etwaigen Schaden- Ersatzklage Ihres verunglückten Angestellten durch den Einwand zu begegnen, dass Sie an der ausgebliebenen Unfallsfürsorge schuldlos sind. — K. H-e. Anfragen an den Leserkreis. Welcher Putz eignet sich am besten zur Verwendung in Essig¬ fabriken, wo der Kalkmörtelputz von der Essigsäure vollständig zerstört wird? W. in Aue. Inhalt: Die Besitzung der Frau Baurat E. Wentzel - Heckmann in Neubabelsberg bei Berlin (Schluss.) — Mitteilungen aus Vereinen; — Ver¬ mischtes. — Bücherschau. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 80. IE PAULUSKIRCHE IN BASEL. ARG HIT.: CURJEL & MOSER IN KARLSRUHE IN BADEN * ANSICHT DES INNEREN MIT ALTAR UND ORGEL * * * = DEUTSCHE BAUZEITUNG = XXXVII. JAHRGANG 1903 NO. 81 ■ - ?V • v EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * srsrsrsrs'rs's««** AUZEITUNG. GANG. * * N2- 81. * DEN io. OKT. 1903.* - ^ [ i k: jsjl JhR| Altar, Kanzel und Orgelempore. Die Pauluskirche in Basel. Architekten: Curjel & Moser in Karlsruhe in Baden. (Hierzu eine Bildbeilage und die Abbildungen S. 520 und 521.) |g"Sgggjg; en Auftrag zur Errichtung der zweiten pro- jif; TWm testantischen Kirche in Basel, der Paulus- 1 Pvto ij kirche, erlangten die Architekten Curjel & | Moser in Karlsruhe i. B. nach einem sehr ehrenvollen Siege in einem durch zahlreiche Teilnehmer beschickten Wettbewerbe, welchen das Baudepartement Basel-Stadt im Jahre 1896 ausgeschrie¬ ben hatte. Unter 56 Entwürfen befanden sich 2 Ent¬ würfe der genannten Verfasser, von welchen der eine mit dem I., der andere mit einem II. Preise ausge¬ zeichnet wurde. Der mit dem I. Preis gekrönte Ent¬ wurf gelangte mit nur unwesentlichen Aenderungen zur Ausführung; es ist der in den beistehenden Ab¬ bildungen verwirklichte Entwurf. Die Form der Baustelle — an der Arnold-Böcklin- Strasse und dem Steinenringweg — hatte die über¬ wiegende Mehrzahl der Teilnehmer des Wettbewerbes zu einer zentralen Lösung der Grundrissanlage ver¬ anlasst und auch der ausgeführte Entwurf zeigt diese Lösung in einfachster und doch wiederum in einer reichen Form: einfach im Grundgedanken, reich in der Hinzufügung von Bauteilen, die ausser einer prak¬ tischen Zweckbestimmung zugleich einem künstle¬ rischen Ziele dienen konnten. Die Lage der Kirche in einer langen Strassenflucht war dann weiter die Veranlassung, dem Aufbau eine möglichste Massenent¬ faltung zu geben, und so entstand der Vierungsturm. Die Grundrissanlage ist keine ungewöhnliche und nicht so sehr in ihrem Grundgedanken, als in der Einzel¬ ausbildung liegen die bestechenden Vorzüge der Anlage. Durch eine dreiteilige Vorhalle, an welcher seitlich ge¬ rade Treppenläufe zu den Emporen des Haupt- und des Querschiffes liegen, gelangt man in das kurze Haupt¬ schiff, welches in die^weiträumige Vierung übergeht, 5i7 _ bahn auf andere Verkehrs¬ anlagen immerhin offen halten wollte. Das Normalprofil des lichten Raumes wird später im Zusammenhänge mit den Betriebsmitteln dargestellt werden. Es galt hier wieder¬ um, um die Kosten der An¬ lage herabzusetzen , eine möglichste Beschränkung . herbeizuführen, jedoch un-~ tervollerAufrechterhaltung der Bequemlichkeit der Rei¬ senden und der Zweck¬ mässigkeit der Konstruk¬ tion. Aus letzterem Grunde ist man, wie schon erwähnt, nicht soweit in der Höhen¬ beschränkung gegangen, wie in Budapest, sondern hatdenW agenkastenboden über die Räder gelegt, wo¬ durch auch die Unterbrin¬ gung der Motoren wesent¬ lich erleichtert wird. Die Höhe derW agen von Schie¬ nen- Oberkante stellt sich dann auf 3,i8,dieBreite des Wagenkastens auf 2,30 m. Da die Wagen mit Sehiebe- thüren ausgerüstet sind, so ist die Breite des lichten Profils (in der freienStrecke) nur auf 2,78 m bemessen, während die Höhe auf 3, 30 m festgesetzt ist. Selbstverständlich ist die ganze Strecke der Stadt¬ bahn zweigleisig herge¬ stellt. Die Gleisentfernung in der Geraden beträgt bei der Hochbahn 3 m, bei der Untergrundbahn3,24m,weil dort Stützen zwischen den Gleisen angeordnet sind. II. Die Unter grundbahn. a) Ausgestaltung. Das Längsprofil der westlich. Untergrundbahn- Strecke ist in Abbildg. 4 bis zum Anfang der Rampe zur Darstellung gebracht. Der Uebergang von der Untergrundbahn zur Hoch¬ bahn ist in Abb. 5, S. 520, in grösserem Maasstabe wie¬ dergegeben. DieTiefenlage der Bahn unter der Strasse ist natürlich so knapp als möglich gewählt. Mit Rück¬ sicht darauf, dass über dem Tunnel auf der Mittelpro¬ menade Rasen angelegt und seitlich neben den Bord¬ schwellen wieder Bäume ge¬ pflanzt werden sollen, ist eine Ueberschüttungshöhe bis zu 70 cm gewählt worden. Es ergiebt sich dann von Unterkante der Decken¬ träger gerechnet eine Kon¬ struktionshöhe bis 1,20 m. (In Budapest beträgt diese Höhe in Asphaltstrassen nur 0,60 m, in gepflasterten Strassen 0,85“). Für die Abzweigung zum Potsdamer Bahnhof ist das Längsprofil nicht besonders zur Darstellung ge¬ bracht. Die Hochbahn liegt dort nach der Ueber- schreitung des Landwehrkanales und des Ufers (Königin Augustastrasse) etwa auf + 40,5. Sie fällt dann mit 1 : 38 bis zum Anfang der End-Haltestelle, deren Schienen- oberkanteimWesentlichen wagrecht auf +31,0 N.N. liegt. Der gesammte überwundene Höhenunterschied stellt sich also auf 9,5 m. Die Tiefenlage des Tunnels unter der Strasse ist hier etwa dieselbe wie im Westen. Der normale Querschnitt der Untergrundbahn im Westen ist in Abbildg. 6 a u. b auf folg. Seite in der freien Strecke, in Abbildg. 7a u. b in einer Haltestelle (Wittenbergplatz) dargestellt. Der Tunnel-Querschnitt ist zur Verringerung der Konstruktionshöhe der Decke durch eine Stützenreihe getheilt, welche mittels Unterzuges die Deeken-Quer¬ träger stützt. Es bietet das auch den Vortheil, dass zwischen den Gleisen ein Bankett entsteht, welches den Arbeitern als Zufluchtsplatz und auch zur Ablegung von Materialien dienen kann. Wie aus Abbildg. 6b her¬ vorgeht, sind diese Unterzüge immer nur über 2 Stützen hinweggeführt, um durchgehende Träger zu vermei¬ den und die Trägerquerschnitte besser auszunutzen. Die Tunneldecke ist so stark ausgeführt, dass die¬ selbe an jeder Stelle eine Belastung von 20 ‘-Wagen (Raddruck mit Rücksicht auf Stösse zu 6 1 gerechnet) bezw. durch eine 23 1 schwere Dampfwalze aushalten kann. Die Deeken-Konstruktion der Strassen-Kreuzun- gen unterscheidet sich daher an sich nicht von derjenigen unter den Promenaden. Stellenweise ist jedoch mit Rücksicht auf die geringere Konstruktionshöhe die Ein¬ lage niedrigerer Querträger in dichteren Abständen er¬ forderlich geworden. Die gesammten Tunnelwände sowie die Decken sind in Stampfbeton hergestellt. Da der Tunnel zu etwa 2/3 seiner Höhe im Grundwasser liegt, so war eine besondere sorgfältige Abdichtung der Sohle und der Seitenwände erforderlich. Dieselbe ist hergestellt durch eine 3 fache Lage von Asphaltpappe, in jeder Lage sorgfältig mit Goudron überstrichen, die bis 20 cm über den höchsten Grundwasserstand reicht. Diese Dichtung wird von oben durch eine einfache Lage überlappt. Die zwischen den Deeken-Querträgern eben¬ falls in Beton gestampfte Decke ist mit einer doppelten Schicht von Asphaltpappe überdeckt. Zum Schutze der Dichtungen ist die Fundament¬ sohle zunächst mit einer 20 cm starken Lage von Sand¬ beton, Mischung 1:6, abgeglichen, während an den Seitenwänden eine solche Schicht 10 cm stark herge¬ stellt ist. Ueber der Abdeckung folgt wieder zum Schutz eine 10 cm starke Schicht Sandbeton 1 : 3, dann der Kiesbeton, der aus 1 Theil Portland-Zement zu 1/ 2 Theil hydraul. Kalk zu 7 Theilen Kies besteht. Die Baugrube ist, da auf beiden Seiten unmittel¬ bar neben derselben während des Baues der Betideb der elektrischen Strassenbahnen und der übrige Fuhr¬ werksverkehr aufrecht zu erhalten waren, beiderseits mit 12 cm starken Holzspundwänden eingefasst. Nur längs der Strecke, auf welcher sich die Bahn der Kaiser Wilhelm-Gedächtnisskirche bis auf 5m nähert, hat man eine Ausnahme gemacht, da hier alle Erschütterungen vermieden werden mussten. Hier sind eiserne I-Träger mit leichten Handrammen unter Wasserspülung einge¬ rammt, zwischen welchen Bohlhintersetzungen einge¬ bracht wurden. Wir kommen hierauf später noch bei der Ausführung zurück. Zu erwähnen ist noch, dass alle 25™ im Tunnel seitliche Nischen als Zuflucht für die Arbeiter, Auf¬ stellung von Geräthen usw. angebracht sind. Zur Beseitigung des an den offenen Haltestellen eindringenden Tagwassers und des Drängwassers an etwaigen undichten Stellen sind in der Tunnelsohle 2 Rigolen angeordnet, die mit Platten aus Stampf¬ beton abgedeckt sind. Abbildg. 6a zeigt die Form, wie sie allgemein zur Anwendung gekommen ist. Das sich sammelnde Wasser wird am tiefsten Punkte, wenn erforderlich durch eine kleine Pumpenanlage, abge¬ pumpt werden. No. 84. Der lichte Tunnelquerschnitt in den geraden Strecken (in den Krümmungen sind natürlich Er¬ weiterungen erforderlich) stellt sich auf rd. 21 cim. Es wird nicht uninteressant sein, hier einen Vergleich mit anderen Untergrundbahnen zu ziehen. Es sind daher verschiedene Beispiele im gleichen Maasstabe gezeichnet in den Abbildgn. 8 — 12, S. 521 zusammen¬ gestellt, die keiner weiteren Erläuterung bedürfen. dass die Sohle bei der Ausführung nicht abgerundet, sondern abgetreppt hergestellt worden ist. (Auch die Befestigung der elektrischen Arbeitsleitung ist etwas anders geworden, wie später dargestellt werden wird.) Die mit Rücksicht auf möglichst schnelle und bequeme Entleerung und Füllung der Züge 80 cm über S.-O. hohen Bahnsteige sind mit Stampfbetonmauern mit Granitabdeckung eingefasst und mit Gussasphalt ge- In den Haltestellen der Untergrundbahn ist das deckt (Potsdamer Bahnhof mit Eisenklinkern). Die Profil auf i2,64m in der Breite erweitert, da beider- Wände der Bahnhöfe sind mit weissen Kacheln ver- seits je ein 3,5“ breiter Bahnsteig hinzutritt, während kleidet, während die Tunnel wände nur glatt geputzt sind, der Abstand zwischen den Bahnsteig- Vorderkanten Aehnlich ist die Anordnung der Tunnelstrecke auf 5,64 m bemessen ist. Um an Höhe zu sparen, sind der Abzweigung nach dem Potsdamer Bahnhof und die Deckenquerträger hier in gleiche Höhe mit dem der Haltestelle selbst, vgl. Abbildg. 13a u.b. Mit Rück- Unterzug gelegt. Die übrige Anordnung ist aus den sicht auf die grosse Nähe der vorhandenen Baulich- Abbildg. 7 a u. b ersichtlich. Zu bemerken ist jedoch, keiten sind hier jedoch Spundwände zur Einfassung 19. Oktober 1901. 5L9 luftd die Vorstände der Ministerial-Abteiiüngen wiederüni durch Schaffung selbständiger zentraler Verwaltungs¬ ämter (z. B. eines zentralen Tarif-, Abrechnungs-, Wagen¬ amtes usw.) von Geschäften minder wichtiger Art nach Möglichkeit zu entlasten und sie dadurch in den Stand zu setzen, ihre ganze Arbeitskraft den grossen und grund¬ sätzlichen Fragen zu widmen. Immerhin wird jedoch dem Minister und seinen Abteilungen eine ungewöhnlich grosse Geschäftsaufgabe verbleiben und der ministerielle Ver¬ waltungskörper für das Verkehrswesen eine grössere Zahl von Referenten und Hilfsbeamten erfordern, als sie irgend eines der zur Zeit vorhandenen bayerischen Staatsmini¬ sterien besitzt. Dafür wird aber anderseits dem Minister selbst ein starker unmittelbarer Einfluss auf die gesamte Verkehrsverwaltung und die Möglichkeit einer kräftigen Initiative in allen wichtigen Fragen in weit höherem Masse als bis¬ her ermöglicht, und er wird in den Stand gesetzt, alleFä- den der weit¬ verzweigten Verkehrs-Ver¬ waltung tat¬ sächlich in sei¬ ner Hand zu vereinigen. Ein lieber- gangs-Stadi- um bis zum Inslebentreten der künftigen Organisation ist dadurch be¬ dingt, dass die endgiltigeFest- stellung des Organisations- planes für die Verkehrs - An¬ stalten so um¬ fassende Vor¬ arbeiten erfor¬ dert, dass die neue Verwal¬ tungs-Ordnung in keinemFalle vor Ablauf von 2 — 3 Jahren wird in Kraft treten können. In der Zwi¬ schenzeit wer¬ den neben dem zu schaffenden Verkehrsmini¬ sterium noch die beiden Ge¬ neral-Direktio¬ nen als selb¬ ständige Instan¬ zen bestehen bleiben. Es wird jedoch ihreVerschmel- zung mit dem Ministerium so¬ fort einzuleiten und soweit _ „ möglich schon Die Pauluskirche in Basel. Architekten: Ueber den Personalbedarf des neuen Ministeriums besagt die Denkschrift: Es ist angenommen, dass das Verkehrsministerium im Uebergangsstadium, d. i. vor der Neuorganisation der Verkehrsanstalten, mit Rücksicht auf den vorläufigen Fortbestand der beiden Generaldirektionen mit einem Stande von 20 Beamten für den Referatsdienst, 17 Beamten für den Bureau- und formellen Dienst und einem Botenpersonal von 6 Bediensteten das Auskommen finden wird. Als Referentenposten wurden in dem Etat- voranschlage wie bei den übrigen Staatsministerien im allgemeinen Ministerial- und Ober- Regierungsratstellen, übergangsweise auch eine Regierungsratstelle, für die Referatshilfsarbeiter Direktionsratstellen, für den Bureau- und formellen Dienst die Stellen von Geheimen Sekretären, Registratoren, Kanzlei Sekretären usw. vorgesehen. Es bleibt dem Minister Vorbehalten , bei eintretender Notwendigkeit weitere Beamte der Verkehrs¬ verwaltung zur Dienstleistung in das Ministe¬ rium einzube¬ rufen. Eine sol¬ che Verwen¬ dung von Be¬ amten der bei¬ den General¬ direktionen im Verkehrsmini¬ sterium wird sich im übri¬ gen auch da¬ durchergeben, dass schon im Uebergangssta¬ dium eine all¬ mähliche Ver¬ schmelzung dieser Zentral¬ stellen und zwar vor allem derStaatsbahn- General-Direk- tion mit dem Ministerialkör- per einzuleiten sein wird. Die Auf¬ gaben der Neuorgani¬ sation der Verkehrs -Ver¬ waltung fasst die Denkschrift dahin zusam¬ men , dass es sich darum han¬ delt, den ge- samtenVerwal- tungs- Apparat einfacher zu gestalten und hierdurch ein¬ erseits eine zweckentspre¬ chendere Ge¬ schäftsabwick¬ lung herbeizu¬ führen, ander- Curjel & Moser in Karlsruhe. seits aber auch den hochange- vor dem Ins¬ lebentreten der endgültigen Neu- Organisation allmählich durchzuführen sein. Die Unterbringung des Verkehrsministeriums soll vom 1. Januar 1904 an zunächst im Gebäude der Gene¬ raldirektion der Staatseisenbahnen erfolgen. Nach Durch¬ führung der Neuorganisation der Verkehrsanstalten ist die alsbaldige Herstellung eines Neubaues erforderlich, der den Gegenstand einer gesonderten Gesetzesvorlage bildet. wachsenen Aufwand angemessen abzumindern. Eine der vornehmsten Aufgaben des Verkehrs - Ministeriums im Uebergangsstadium wird darin bestehen, den Organi¬ sationsplan auszuarbeiten, seine Durchführung vorzu¬ bereiten und schon alsbald diejenigen Vereinfachungen eintreten zu lassen, die vor dem endgültigen Insleben¬ treten der neuen Verwaltungs- Ordnung ermöglicht wer¬ den können. — Formenlehre für Baugewerkschulen. s haben sich während der letzten 10—12 Jahre in den technischen Fachblättern, auf dem Katheder und bei sonstigen Gelegenheiten mahnende Stimmen erhoben, die für unsere Baugewerkschulen nach einer dringend n*ötigen Reorganisation des Unter rieht es der Bauformenlehre riefen und ihre Forderung be¬ gründen konnten mit dem Hinweis auf die Tatsache, dass diese Formenlehre nicht mehr im Einklang stehe mit den seit Jahrzehnten völlig gewandelten Anschauungen über das Wesen baukünstlerischen Gestaltens, dass sie vielmehr als ein Rest der immer mehr im Abblühen begriffenen klassizistischen Anschauung fortbestehen, ohne für die No. 81. 520 heutige Praxis einen recht brauchbaren Wert zu bedeuten, und eher den Anlass zur Entstehung von unglückseligen verkehrten Bauerscheinungen geben. Diesem berechtigten Verlangen nach Beseitigung einer derartig veralteten Disziplin kommt jetzt ein jüngst in Trewendt & Granier's Verlag in Breslau erschienenes Werkchen, betitelt: „Leit¬ faden der ar¬ chitektoni¬ schen For- menlehrefür Baugewerk¬ schulen", be¬ arbeitet von Prof. Bruno Specht in Breslau *), ent¬ gegen, bezw. bereitet den Weg zur Er¬ füllung dessel¬ ben vor, sobald es die hoffent¬ lich nicht lange ausstehende Einführung in den Unterricht erlangt hat. Prof. Bruno Specht ist einer der eifrigsten, wenn nicht der eifrigste Vor- kämpferm die¬ ser schweben¬ den Frage, und deshalb wohl in erster Linie berufen, an die Lösung derzeit- gemässen Auf¬ gabe heranzu¬ treten. Was er will, ist amdeut¬ lichsten aus dem den Leit¬ faden beglei¬ tenden Vor¬ wort zu ent¬ nehmen. Er strebt vor Allem die Beibrin¬ gunggesunder Grundbegriffe über das We¬ sen des schön- heitlichen Ge- staltens an und seine Methode besteht zu¬ nächst in der sachlichen Er- klärungderFor- men aus den Bedingungen des Materials, der Konstruk¬ tion und des Zweckes, dann in der stufen¬ weisen Erklä¬ rung der For¬ men aus den allereinfach¬ sten Anfängen heraus. Das ganze Werkchenzer- fällt in 4 Teile, von denen bis jetzt nur die beiden ersten vorliegen. Der erste Teil be¬ handelt ausser allgemein Einleitendem und der Erklärung des Stilbegriffes: Die Profile in Stein und Holz und die Gesimse in Stein und Holz. Der zweite Teil handelt zunächst von den *) Erster Teil, 48 S. 0,60 M.j zweiter Teil, 39 S. 0,55 M. — 10. Oktober 1903. Stützen in Stein und Holz, dann von der Gestalt und Gliederung der Umfassungen. Von den noch nicht er¬ schienenen Teilen wird sich das dritte [Bändchen mit der Bildung von Erkern, Veranden, Baikonen, Giebeln usw. befassen, und das vierte einen geschichtlichen Ueberblick der Entwicklung der Baukunst geben. Man ersieht aus dieser In¬ halts - Angabe, dass der Stoff fürBaugewerk- schulenmitreif- licherUeberle- gung und hoh¬ em Verständ¬ nis für diese Lehr- Aufgabe ausgewählt ist; man möchte nichts dazu fü¬ gen, aber auch nichts entbeh¬ ren; das was gegeben ist, muss gegeben werden, wenn alle bei bürger¬ lichen Bauten vorkommen¬ den wesent¬ lichen Fälle ge¬ troffen sein sollen. Vortrefflich ist, um nur eini¬ ges herauszu¬ heben, das Ka¬ pitel über die Profile und die Entwicklung derselben aus der einfachen Abschrägung, vortrefflich die für steten Ver¬ gleich beque¬ me Nebenein¬ anderstellung gleichartiger Aufgaben in Stein undHolz ; vorzüglich ist dabei auch die Schwierigkeit überwunden, die bei die- semSystem die gleichzeitige Berücksichti¬ gung des Stil¬ charakters der Renaissance und des Mittel¬ alters herein¬ trägt. Das Ka- pitelüberHolz- gesimse ist durch das Aus¬ einanderhalten von Hauptge¬ sims - Formen mit sichtbaren und verschal- tenSparren,mit sichtbaren und verschalten Balken usw. so klar, wie es in diesem engen Rahmen über¬ haupt möglich ist, gegeben. Ganz das Glei¬ che kann vom zweiten Teil gesagt werden und hier ist ganz besonders die einfache Art, wie die Stütze behandelt ist, und das richtige Mass, das hier eingehalten wurde, voll anzuerkennen. Das Inhaltsverzeichnis gibt dann weiter Aufschluss über die Anordnung des Stoffes, die so getroffen ist, dass 521 vom Einzelnen und Kleinsten ausgehend allmählich zur Bildung des Ganzen fortgeschritten wird. Dieser Weg ist der gleiche, der auch im Sprachunterricht als der zu¬ treffendste, sicherste und wohl auch der kürzeste bezeich¬ net wird. Der Erlernung der Buchstaben, Worte und Sätze dort entspricht hier die Aneignung der Profile, Ge¬ simse und ganzer Architekturstücke in der gebrachten Reihenfolge. Der Leute, selbst der Fachleute, sind heute noch nicht wenige, für welche die Baukunst erst bei der sogenannten Kunstform anfängt und welche die wichtigste Arbeit, die dem Anlegen dieser Kunstformen an den Baukörper vorangeht, völlig zu übersehen pflegen, ja überhaupt nicht ahnen. Diesen Leuten, sofern sie Bauleute sind, wäre es gesund, wenn man ihnen das gefährliche Spielzeug, Bauformen genannt, scheinbar eanz nehmen würde, damit ihre Auf¬ merksamkeit ausschliesslich gerade auf das, was sie zu übersehen pflegen, das aber wichtiger und unentbehrlicher ist, als die Einzelform, gerichtet werden könnte, nämlich auf die Bewältigung dessen, was den Augenein¬ druck „Haus“ hervorbringt. Dann würde bald auch das verschwinden, was man immer noch so häufig an¬ treffen kann, dass das „Haus“ von sogenannter Archi¬ tektur förmlich aufgezehrt oder hinter lauter Architektur so versteckt wird, dass man Mühe hat, es herauszusehen. Soll es aber dahin kommen, so ist es vor allem nötig, dass auch im Unterricht die Baukunstform endlich ein¬ mal in die sekundäre Stellung, die ihr zukommt, so be¬ stimmt und überzeugend als möglich zurückgedrängt wird. Ein wirksamer Schritt nach dieser Richtung vorwärts ist ja schon durch das in dem Leitfaden Bruno Specht’s durch¬ geführte Angliedern der Bauform an Konstruktion und Material gemacht. Aber sollte man in der Schule nicht gleich ganz radikal Vorgehen und das Wort Bauformen¬ lehre als selbstverständliches Lehrfach nicht besser ganz verschwinden lassen? Das was nötig ist, hierüber zu lehren, liesse sich zum allergrössten Teil in der Baukonstruktions¬ lehre unterbringen und das Uebrige könnte unter einem unverfänglicheren Titel, etwa als „Anleitung zum Ent¬ werfen“, im Unterricht auftreten. Der Kern dieser „Anleitung zum Entwerfen wäre das, was auf S. 32 — 33 des Leitfadens, zweiter Teil, gebracht ist; es braucht das hier Gebotene nur noch erweitert und vertieft zu werden. Das, was der naiv betrachtende Mensch zunächst als Augeneindruck empfängt, ist, wie gesagt das Haus als Ganzes und seine zunächst gesehenen Teile sind die auf¬ gehenden Massen bezw. Wände einerseits und das ab¬ schliessende Dach in seiner Vielgestaltigkeit anderseits; dann sind es die Formen der nackten Oeffnungen und ihre gegenseitige Lage in den Umfassungen, sind es Aus¬ bauten wie Baikone, Erker, Giebel usw. und zuletzt erst werden Gliederungen und Profile gesehen. Die erstge¬ nannten gröberen Teile aber sind die Elemente, mit denen beim Entwerfen zuerst gearbeitet werden sollte, bis sie Gestalt gewinnen, ohne dass man vorerst auch nur eine Kunstform dazu anzuwenden braucht. Sind an einem Bauwerke diese eben erwähnten grundlegenden Gestaltun¬ gen nicht geglückt, so ist keine nachträgliche Gliederung mehr im Stande, den verfehlten Körper fehlerlos zu machen oder das Verfehlte an ihm zu bemänteln. Besitzt aber der Körper dagegen selbst eine angenehme Gestalt, so lassen sich die Gliederungen, wenn sie verständnisvoll zum Zweck der Verstärkung des in der Massenanlage beabsichtigten Eindruckes angewendet werden, wie selbst¬ verständlich zwanglos anlegen, so dass sie wie verwachsen aussehen mit dem Körper, dem sie angehören. In der Praxis sind wir heute schon auf dem Stand¬ punkt angelangt, dass die Gliederungen mehr und mehr dem individuellen Empfinden des Einzelnen anheim ge¬ geben sind, und es ist eine grosse Beruhigung zu bemer¬ ken, mit welch’ geringem positiven Formenvorrat der Ein¬ zelne arbeiten und doch im Stande sein kann, seine Ge¬ danken deutlich genug auszudrücken. Wie muss es erst in Zeiten der Blüte der Kunst, wie sie sich in der Einheit eines Stiles ausgeprägt hat, eine Lust gewesen sein zu gestalten, in Zeiten, wo das, was man heute Kunst oder Sulform nennt, garnicht in Frage stand, sondern wo diese Dinge unbewusst Eigen¬ tum jedes Einzelnen waren und wo der Sinn sich unein¬ geschränkt in die Sache selbst versenken konnte, um sie in ihrer ganzen Tiefe und Wesenheit zu durchdringen. Ja, nur auf solchem Wege mögen Kunstwerke entstehen können, die so wahrhaft überzeugend wirken, wie die Gebilde der Natur selbst. Wie am Baume die Blätter die äussersten und letzten Triebe sind, aber doch durch ihr Fehlen im Winter den Begriff „Baum“ nicht aufzuheben vermögen, ebenso sind am Bauwerk die Gliederungen die letzten Ausklänge der Baumasse und ihr Fehlen vermag ebensowenig den Be¬ griff „Haus“ zu verändern. Dementsprechend würde man gut tun, den natürlichen Entwicklungsgang auch in der Schule einzuhalten und das, was das Grundlegende und Ursprüngliche ist, „das Haus als Ganzes“, auch zuerst und daran unzertrennlich angeschlossen erst das, was die Entwicklung allmählich an ihm herausgebildet hat, nachein¬ ander vorzubringen. Dann kann und wird es nicht mehr Vor¬ kommen wie jetzt so oft, dass man die Hauptsache über der Nebensache, das Primäre über dem Sekundären vergisst. Wenn ich den gegenwärtigen Anlass benutzt und die Frage aufgeworfen habe, ob der vom Verfasser des Leit¬ fadens gewählte Lehrgang vom Kleinsten zum Grösseren auf das Ganze vorschreitend wohl der beste sei, oder auch andere Wege gangbar seien, so tat ich das, weil mir die Frage höchst zeitgemäss erscheint und ich sie für die gesundeWeiterentwicklung des begonnenen ersten Schrittes einschneidend halte und weil ferner ich mich selbst schon vielfach mit ähnlichen Gedanken beschäftigt habe und gerne auch einen Baustein zum Gelingen des unternomme¬ nen Werkes beitragen möchte. Und wenn ich dabei zu einem anderen Ergebnis als der Verfasser gekommen bin, so möge er mir das nicht als Absicht anrechnen, sein un¬ bestrittenes Verdienst irgend schmälern zu wollen, son¬ dern überzeugt sein, dass ich trotz dieser kleinen Meinungs¬ verschiedenheit mich doch über die zuerst von seiner Seite geschehene verdienstvolle Tat von ganzem Herzen freue. Die angeschnittene Frage hat mit dem Inhalt des Specht'schen Leitfadens tatsächlich auch nichts zu tun, sie ist vielmehr eine Frage nach der Form, in welcher der vortrefflich ausgewählte Stoff dem Schüler am frucht¬ bringendsten geboten werden kann. Es kann auch heute noch niemand sagen, welche von den beiden gegenüber¬ stehenden Meinungen in Zukunft Recht behalten wird, das wird erst die Praxis beantworten müssen. Nach meiner Meinung ist die stoffliche Anordnung praktisch ganz gleich- giltig, so lange das Buch nur für den Lehrer als Anhalt und Mass für den zu behandelnden Stoff zu dienen hat, und ihm freigestellt ist, nach seinem Ermessen die Reihenfolge einzurichten. Wenn aber der Leitfaden dem Schüler in die Hand gegeben werden soll, so erscheint mir doch der von mir angedeutete Weg als der richtigere. Mag dem nun aber so oder so sein, auf alle Fälle muss es auf das freudigste begrüsst werden, dass der strittige Gegenstand nunmehr in ein Stadium gerückt ist, das den Behörden das Handeln ermöglicht. Es ist jetzt für das, was man beseitigt haben will, der notwendige Ersatz end¬ lich geboten. Vor Erstellung dieses Ersatzes wäre es immerhin ein gewagtes Spiel gewesen, das Alte zu ent¬ fernen; jetzt aber ist das Hindernis beseitigt und es steht nichts mehr im Wege, an den deutschen Baugewerk¬ schulen den reorganisationsbedürftigen Unterricht im Ent¬ werfen von Bauten durch Einführung des neuen Lehr¬ buches so bald als möglich in die den modernen Kunst¬ anschauungen entsprechenderen Bahnen zu lenken. — München, den 6. Oktober 1903. C. Hocheder. Versuch über den Verlauf eines wagrechten Wasserstrahles unter Wasser. ei Versuchen mit einem Spülbagger, der im wesent¬ lichen aus Spülröhren mit einer grossen Anzahl gleichlaufender wagrechter Düsen besteht, fand ich, dass der Weg der Wasserstrahlen keine gerade Linie bildet, wie anzunehmen wäre. Da mir vollständige Klar¬ heit in dieser Beziehung für meine Baggerkonstruktion von grosserWichtigkeit war, sah ich mich veranlasst, genaue wissenschaftliche Versuche und Messungen anzustellen. Hierzu stellte mir Hr. Hofrat Brauer, Prof, der Tech¬ nischen Hochschule in Karlsruhe, seinen Assistenten, Hrn. Ing.Urban,und einen gut justierten Woltmann’schen Elügel gütigst zur Verfügung, während er selbst die Messungen zeitweise prüfte. Der Ort der Messungen war der soge¬ nannte Lautersee in Karlsruhe. Die Versuchsstelle war sehr günstig, da der Wasserstand des Sees, sowie Druck und Zufluss des Versuchs wassers aus dem hart daran liegenden städtischen Wasserreservoir sehr gleichmässig erhalten werden konnten. Der Apparat, mit welchem der Versuch gemacht wurde, bestand aus einem Spülrohr (siehe Skizze), in welchem 5 Düsen von je 15 mm Durch¬ messer angebracht waren. Derselbe war so aufgestellt, dass die Düsen und deren Wasserstrahlen genau wagrecht waren und zwar aus besonderen Gründen 40 cm über dem vollständig ebenen Seeboden und 1,74 m unter Wasser- No. 8t 522 Spiegel. Die Messungen wurden in den in der Skizze eingetragenen Entfernungen von 1,5, 2, 2,5, 3, 4, 5, 6, 7, 8 “ und 32“ gemacht. An den einzelnen Stationen wurden von der Düsenrichtung aus (1,74“ unterWasser) alle 10 cm nach rechts und links, nach oben und unten, bis der Wolt- mann’sche Flügel keinen Ausschlag mehr gal), Messungen vorgenommen. Wo das Ergebnis vollständig gleichmässig war, wurden an jedem Aufstellungspunkte 3, im anderen Falle 5—6 Messungen vorgenommen und das Mittel ein¬ geführt. Auf diese Weise wurde ein möglichst richtiges Ergebnis erzielt. DerWasserdruck, am Spülrohrmanometer gemessen, betrug 0,8 Atm. Als Weg des Wasserstrahles und als seine Achse wurde die Verbindungslinie der Punkte der grössten Wassergeschwindigkeit angenommen ( A B). Genaue Messungen in grösserer Entfer¬ nung als 8m von den Düsen waren nicht | mehr erhältlich. Dagegen zeigte sich in % einer Entfernung von 32 m auf der Wasser- £3 der Linie ABD gegeben wäre. Betrachtet man diese Linie, so ergibt sich, dass der Wasserstrahl nach seinem Austritt aus den Düsen bis zu den Punkten « und ß nahe der Seesohle herabgeht, dann abgestossen die Richtung B — D einschlägt und bei D senkrecht an die Oberfläche tritt. Der Weg des Wasserstrahles ist also nicht gerad¬ linig in der Richtung der Düsen verlaufend, sondern eine abwärts gebogene Linie, welche von der Sohle ab wieder nach der Wasseroberfläche strebt. Dieser krummlinige Verlauf des Wasserstrahles lässt sich meines Erachtens nur auf die Wechselwirkung des durchflossenen Wassers auf den Wasserstrahl, also das durch- fliessende Wasser, zurückführen. Durch den Wasserstrahl wird das Wasser rings um denselben abgesaugt und in gleicher Richtung bewegt. Das abgesaugte Wasser aber wird naturgemäss hauptsächlich von oben nach unten er¬ gänzt; es entsteht eine Strömung von oben nach unten, und die lebendige Kraft derselben drückt Verlauf der Linie der grössten Geschwindigkeit bei unter Wasser eintretenden Wasserstrahlen. Messungen vom April 1808 im Lautersee in Karlsruhe. Austritt des Wasserstrahles. den Wasserstrahl abwärts, bis er auf der Sohle aufstösst und nach der Wasseroberfläche zu ver¬ läuft. Dass der Wasserstrahl senkrecht zur Wasserfläche ausgetreten ist, kann wohl nur daher kommen, dass er in seiner Bewegungsrichtung einen grösseren Widerstand gefunden hat, als senkrecht aufwärts, und deshalb letzte¬ ren Weg gewählt hat. Allgemein Hesse sich das gefun¬ dene Ergebnis durch den Satz ausdrücken: „Durch¬ dringen sich zwei Flüssigkeiten, so bildet der Weg der Durchdringenden infolge Wechselwir¬ kung eine abwärts gebogene Linie". — Fr. Kretz, Zivil-Ing. — - - - - -'^ÄrucV^voVw. fläche ein gelber Punkt (D), welcher sich nach und nach kreisförmig vergrösserte mit leichtem Aufquellen. Es war die Stelle, an der der Wasserstrahl, gefärbt von dem schlammartigen Niederschlage der Seesohle, zutage trat. Es war dadurch der Endpunkt des Wasserstrahles gegeben. Dass aber die gefärbte Fläche kreisrund war, lässt darauf schliessen, dass der Wasserstrahl senkrecht zur Wasserfläche endete, da sonst diese Fläche eine ovale Form angenommen hätte. Der weitere Verlauf des Wasserstrahles zwischen dem Punkt B und D wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Linie B—D zusammen¬ fallen, sodass also der Weg des Wasserstrahles mit Vermischtes. Zum Wiederaufbau des Campanile von San Marco. Die vor etwa einem Monat von den politischen Zeitungen gebrachte Nachricht, dass Luca Beltrami, dem die Leitung des Wiederaufbaues des Campanile im Frühjahr dieses Jahres übertragen worden war, von dieser Aufgabe zu¬ rückgetreten sei, weil er an der Möglichkeit zweifle, den Bau auf den alten Fundamenten zu errichten oder diese ohne Gefahr für die benachbarten Gebäude angemessen zu verstärken, hat gewiss allenKunstfreunden eine schmerz¬ liche Ueberraschung bereitet. Nunmehr bringt die Gazzetta di Venezia vom 4. d. M. die Nachricht, dass die von den Gemeinde-Behörden Venedigs eingesetzte Kommission zur Leitung der Arbeiten für den Wiederaufbau des Turmes ihre Voruntersuchungen abgeschlossen und bereits mit den Vorarbeiten zur Gründung bego. uen hat. Die Zeitung bringt den dem Sindaco darüber erstatteten Bericht über den Stand der Arbeiten, dem ein weiterer eingehender Bericht sobald als möglich folgen soll. Aus dem vorliegen¬ den kann man entnehmen, dass die Kommission den Wiederaufbau auf dem alten Fundamente nach entspre¬ chender Verstärkung desselben für ausführbar hält und sich, wie es scheint, im allgemeinen dem von Beltrami 10. Oktober 1903. verfolgten Plane anschliessen wird. Venedig und mit ihm die ganze Welt dürfen also hoffen, den Campanile in seiner alten Form, aber in solider Ausführung wieder er¬ stehen zu sehen. — Es sei schliesslich noch bemerkt, dass Mitglieder der Kommission sind die Hrn. Gaetano Moretti, Filippo Lavezzari, E. Fumiani, Antonio Orio, Manfredo Manfredi. — Preisbewerbungen. Der internationale Wettbewerb zur Erlangung von Ent¬ würfen für ein Parlamentsgebäude in Montevideo betrifft die Errichtung eines Gebäudes für die beiden Kammern der Republik Uruguay, für die Kammer der Senatoren und die Kammer der Deputierten. Es sind demgemäss als Mittelpunkt der Anlage zwei Hauptsäle verlangt: ein Saal für 200 Senatoren und Deputierte für die gemein¬ schaftlichen Sitzungen der beiden Körperschaften und ein Saal für 150 Deputierte; dazu die nötigen Tribünen. Um die Säle lagern sich die übrigen Räume des Parlaments- Palastes, die keine Veranlassung zu einer besonderen Er¬ wähnung geben. Die Bausumme beträgt 700000 Pesos (1 Peso = 4,367 M.), Das Arbeitsausmass ist unnötig gross; es sind Zeichnungen 1:100 und dazu Einzelheiten der haupt- 523 sächlichsten Architekturteile i : io (!) verlangt. Ueber den Stil sind Angaben nicht gemacht. Die Jury setzt sich zu¬ sammen aus der für den Bau ernannten Parlaments-Kom¬ mission, verstärkt durch Techniker, welche diese bezeich¬ nen wird. Namen sind nicht genannt, auch nicht ange¬ deutet, ob, entsprechend dem internationalen Charakter desWettbewerbes, auch das Preisgericht ein internationales sein wird. Es gelangen 3 Preise von 6000, 3000 und 1500 Pesos oder von 26202, 13 iox und 6550 M. zur Verteilung. Die Preise sind nicht unansehnlich, jedoch ist die Jury nicht verpflichtet, sie zu verteilen. Die Kommission behält sich das Recht vor, an den preisgekrönten Ent¬ würfen, die in das Eigentum des Staates übergegangen sind, alle Veränderungen vorzunehmen, welche sie für zweckmässig hält. Wenn die Kommission sich ent- schliesst, den Verfasser des mit dem ersten Preise aus¬ gezeichneten Entwurfes mit der Leitung der Ausführungs¬ arbeiten zu betrauen, so wird sie mit ihm eine entspre¬ chende Entschädigung vereinbaren. — Man sieht, die Be¬ dingungen desWettbewerbes weichen in den Hauptpunkten doch von dem ab, was die mitteleuropäischen Länder (Deutschland, Frankreich, Oesterreich-Ungarn) bei inter¬ nationalen Wettbewerben festgesetzt haben. Wer nicht über viel Zeit und über einen kräftigen Ueberschuss an Optimismus verfügt, dem raten wir nicht zur Beteiligung. Die Unterlagen sind nur spanisch verfasst, was für Be¬ werber, die der spanischen Zunge nicht mächtig sind, eine unerwünschte Schwierigkeit sein dürfte. — Wettbewerb höhere Mädchenschule Esslingen. Es lief die ungewöhnlich hohe Zahl von 309 Entwürfen ein. Den I. Preis von 1500 M. errang Hr. Rob. Bischof in Karls¬ ruhe; den II. Preis von 1000 M. gewannen die Hrn.Hummel & Förstner in Stuttgart; der III. Preis von 750 M. fiel Hrn. Ed. Jüngerich in Charlottenburg zu. Die Entwürfe „Im rechten Winkel“, „Im Rahmen der Mittel“ und „Den deutschen Mädchen“ wurden zum Ankauf empfohlen. Sämtliche Entwürfe sind bis 18. d. M. im Festsaale der Realschule in Esslingen öffentlich ausgestellt. — Zu dem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein öffentliches Schlachthaus ln Altenessen liefen 28 Arbeiten ein; unter ihnen errang den I. Preis von 1500 M. die des Hrn. Reg.- Bmstr. Rud. Lion in Frankfurt a. M., den II. Preis von 1000 M. die des Hrn. Arch. Walter Frese in Düren und den III. Preis von 500 M. die der Hrn. Salzmann & Ganzlin in Düsseldorf. Sämtliche Entwürfe sind bis 22. d. M. im Rathaussaale in Altenessen öffentlich ausgestellt. — Chronik. Die Erbauung einer Stadthalle mit Sommertheater in Lübeck ist mit einem Aufwande von 800000 M. geplant. Die Mittel sind 7/s private und Vs staatliche. — Das Huttenschlösschen in Würzburg, welches in Gefahr war, durch Strassenerhöhungen in seiner Wirkung beeinträchtigt zu werden, ist dieser Gefahr durch einen Beschluss der alten Herrn des Korps „Rhenania“, welchem das Schlösschen gehört, enthoben. Die geplante Strasse wird in einem Bogen um das Haus herumgeführt, das freiwerdende Gelände durch das Korps erworben und das Haus selbst gehoben. — Die Wiederherstellung des Obertores in Neuss mit einem Aufwande von 110000M. ist durch die beteiligten Faktoren: Stadt, Provinz und Staat, beschlossen worden. — Der Sitzungssaal im Ständehause des preusslschen Mark¬ grafentums Oberlausitz in Görlitz ist nach den Entwürfen und unter Leitung des Hrn. Prof. Hugo Behr in Görlitz neu ausge¬ stattet worden. — Die Fortsetzung der Ausschmückungsarbeiten amMünster in Aachen und ihre Ausdehnung nach Fertigstellung des Oktogones auf das Sechzehneck im unteren Umgänge und zwar gleichfalls nach den Entwürfen des Hrn. Prof. Herrn. Schaper in Hannover ist nunmehr in Aussicht genommen. — • Zu Denkmalpflegern in Hessen sind die Hrn. Prof. Wickop , Walbe und Pützer in Darmstadt ernannt worden. — Die Adolf-Brücke über das Petrustal in Luxemburg (vergl. Dtsche. Bztg. 1902 S. 521 ff.) ist nunmehr dem Verkehr übergeben worden. Die Ges.-Kosten, welche der Luxemburgische Staat trägt, stellen sich auf 1,4 Mill. M. — Kreishaus Hanau. Das nach dem preisgekrönten Entwurf und unter der künstlerischen Oberleitung von Prof. F. Pützer in Darmsladt ausgeführte Kreishaus für den Landkreis Hanau wurde am 28. September feierlich eingeweiht. Die örtliche Bauleitung ver¬ sah der kgl. Baurat Becker in Hanau. — Der Neubau des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums in Stutt¬ gart, ein auf 636000 M. veranschlagtes Werk des Hrn. Brt. Geb¬ hardt, ist vollendet worden. Die Bauleitung lag in den Händen des Hrn. Reg.-Bmstr. Wechsler. — Das neue Heim des Königln-Katharlna-Stiftes in Stutt¬ gart ist kürzlich fertig gestellt worden. Das im Uebergangsstile der deutschen Spätgotik zur Frührenaissance errichtete Haus, dessen Bausumme mit 566000 M. berechnet wurde, ist ein Werk des Hrn. Stadtbrt. Mayer in Stuttgart, welchem die Hrn. Reg.-Bmstr. Cloos und Ing. Kerschbaum als Mitarbeiter zurseite standen. - — ■ Die Auferstehungs- Kirche zu Braunau in Böhmen (eine der öfter erwähnten „Los von Rom“-Kirchen) wurde am 8. Sept. 524 eingeweiht. Dieselbe ist nach den Entwürfen des Arch. Heinrich Wolf in Berlin im deutschen Renaissancestil erbaut und verursachte bei einem Fassungsraum von 750 Personen 85000 Kr. Baukosten. — Katholische Kirche ln Rybnik. In Rybnik in O.-Schl. ist mit dem Bau einer zweiten katholischen Kirche begonnen worden, welche mit 1950 qm überbauter Grundfläche die grösste Kirche Oberschlesiens werden wird. Die Baukosten sind mit 420000 M. veranschlagt, die Bauzeit ist auf 4 Jahre angenommen. Der Entwurf stammt von Arch. Schneider in Oppeln, in dessen Händen auch die Leitung liegt. — Personal-Nachrichten. Preussen. Versetzt sind: Die Geh. Brte. : Daub in Frankfurt a. M. als Ob.-Brt. (auftrw.) zur Kgl. Eisenb.-Dir. in Danzig, Farwick in Mainz als Ob.-Brt. (auftrw.) zur Kgl. Eisenb.-Dir. in Magdeburg und Gust. Schmitz in Essen als Mitgl. der Kgl. Eisenb.-Dir. nach Köln a. Rh.; — die Reg.- u. Brte.: Bremer in Mainz als Ob.-Brt. fauftrw.) zur Kgl. Eisenb.-Dir. in Königsberg i. Pr., Berger in Frankfurt a. M. als Mitgl. der Kgl. Eisenb.-Dir. nach Köln, Boie in Kattowitz als Mitgl. der Dir. nach Hannover, Liepe in Münster i. W. als Mitgl. der Dir. nach Mainz, Riemer in Magdeburg als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Essen a. R., Partensckyin Königs¬ berg i. Pr. als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Danzig, F i d e 1 a k in Könitz als Vorst, der Eisenb.-Betr.-Insp. nach Hirschberg i. Schles. und Bauer in Glogau als Vorst, der Betr.-Insp. 1 nach Tilsit; — die Eisenb -Dir. Recke in Kattowitz als Mitgl. der Kgl. Eisenb.- Dir. nach Erfurt und Kleyböcker in Kiel als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.-Betr.-Insp. 2 nach Glogau; — die Eisenb.-Bau- u. Betr.- Insp. : Kulimann in Trier als Mitgl. (auftrw.) der Kgl. Eisenb.- Dir. nach Kattowitz, S a m a n s in Kattowitz als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Frankfurt a. M. , Hartmann in Bremen als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Mainz, Schreiber in Duisburg als Mitgl. (auftrw ) der Dir. nach Altona, Kobe in Essen als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Elberfeld, G u t b i e r in Duisburg als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Hannover, Kressin in Gleiwitz als Mitgl. (auftrw ) der Dir. nach Kattowitz, Brosche in Meiningen als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Erfurt, Galmert in Hirschberg als Mitgl. (auftrw.) der Dir. nach Altona, Stuhl in Bochum als Vorst, der Eisenb.- Betr.-Insp. 2 nach Köln-Deutz, Wächter in Hameln als Vorst, der Betr.-Insp. nach Bochum, Falkenstein in Glogau als Vorst, der Betr.-Insp. 1 nach Gleiwitz, B i n d e 1 in Altona als Vorst, der Betr.-Insp. 1 nach Trier, Oesten in Köln als Vorst, der Betr.- Insp. 1 nach Frankfurt a. M., Michaelis in Tarnowitz als Vorst, der Betr.-Insp. 1 nach Duisburg, Barschdorf fin Stargard als Vorst, der Betr.-Insp. 1 nach Köln , Jaspers in Nideggen als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp. nach Tarnowitz, Peters in Neu¬ münster als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp. 2 nach Könitz, R i c h a r d in Lünen als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp nach Altena, Stock¬ fisch in Pr.-Stargard als Vorst, (auftrw) der Betr.-Insp. nach Kattowitz, Schürmann in M -Gladbach als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp 3 nach Glogau, Schlüter in Paderborn als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp. nach Meiningen, Schnock in Witten als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp. 4 nach Essen a. R., K. Hartwig in Hannover als Vorst, (auftrw) der Betr.-Insp. 2 nach Hameln, L ü p k e in Recklinghausen als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp. 2 nach Duisburg, Weh de in Berlin als Vorst, (auftrw.) der Betr.- Insp. 1 nach Bremen, Bernh. Meyer in Königsberg als Vorst, (auftrw.) der Betr.-Insp. 1 nach Stargard i. P., Raabe in Stettin als Vorst, der Bauabt. nach Lünen, Schröder in Magdeburg nach Dortmund als Vorst, der an die Betr.-Insp. 3 angeglied. Bauabt., Kraus in Erfurt als Vorst, der Bauabt. nach Recklinghausen, Nacke in St. Joh.-Saarbrücken als Vorst, der Bauabt. nach M.- Gladbach und Kühn in Breslau als Vorst, der Bauabt. nach Pr.- Stargard; — die Eisenb. -Bauinsp. : Reppenhagen in Berlin als Vorst, einer Werkst. -Insp. bei d. Eis.-Hauptwerkst. nach Grunewald, U n g e r in Grunewald als Vorst, der Eisenb.-Masch.-Insp. 5 nach Berlin, Kohlhardt in Glückstadt als Vorst, der Masch.-Insp nach Wittenberge, Kette in Wittenberge als Vorst, der Masch.-Insp. nach Königsberg i. Pr., Bluhm in Langenberg nach Opladen, als Vorst, der das. neu erricht. Werkst -Insp , L. Hellmann in Erfurt, als Vorst, (auftrw.) einer Werkst.-Insp. bei der Eisenb.-Hauptwerkst. nach Witten, Staehler in Ostrowo als Vorst, der Werkst -Insp. nach Langenberg, Wes sing in Breslau als Vorst, (auftrw.) der Masch.-Insp. 2 nach Münster i. W., Beeck in Duisburg als Vorst, (auftrw.) eine Werkst.-Insp. bei der Hauptwerkst, nach Oppum, Füllner in Halle a. S. zur Masch.-Insp. nach Dirschau u. M eissei in Halle als Vorst, (auftrw.) der Masch.-Insp nach Ostiowo; — der grossh. hess. Reg.-Bmstr. Rothamel in Kreuznach in den Bez. der kgl. Eisenb.-Dir. in St. Joh.-Saarbrücken; — die Reg.-Bmstr. Wilh. Schmitz in Saarbrücken in den Bez. der Dir. in Berlin und Queitsch in Dirschau in den Bez. der Dir. in Halle a. S. Die Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Zschirnt in Frankfurt a. M. und Cloos in Köln a. Rh. sind mit der Wahrnehmung der Ge¬ schäfte eines Mitgl. der kgl. Eisenb.-Dir. beauftragt. Dem Eisenb.-Dir. Aug. Meyer in Magdeburg ist die Leitung der Eisenb.-Masch.-Insp. 1 das. und dem Eisenb.-Bau- u. Betr.- Insp. Rhode in Essen a. R. die Leitung der Betr.-Insp. 1 das. übertragen. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr. v. Wys- zynski der Kgl. Eisenb.-Dir. in Hannover und Ad. Wagner in Erfurt der Dir. in Halle a. S. Der Reg.-Bmstr. Euler in Hagen i. W. ist infolge Ernennung zum Kgl. Oberlehrer an der höh. Maschinenbauschule das. aus dem Staatseisenb -Dienste ausgeschieden. _ _ Inhalt : Die Pauluskirche in Basel. — Ein Bayerisches Staatsministerium für Verkehrs - Angelegenheiten. — Formenlehre für Bangewerkschulen. — Versuch über den Verlauf eines wagrechten Wasserstrahles unter Wasser. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. — Personal-Nachrichten. Hierzu eine Bildbeilage: Die Pauluskirche in Basel. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion vciautwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 81. m pi Bi DEUTSCHE BAUZEITUNG Ifi XXXVII. JAHRG. NR 82. BERLIN, DEN 14. OKT. 1903 || IHIIIIHIIIHHHIIIIIUUIIHII Die Pauluskirche in Basel. Architekten: Curjel & Moser in Karlsruhe in Baden. (Schluss.) Hierzu die Abbildung S. 527. as Innere der Kirche ist durchaus gewölbt; der Besucher, welcher unter den drei 4,5 m hohen Kreuzgewölben her das Hauptschiff betritt, umfasst mit einem Blick den ganzen freien, weiträumigen Innenraum, der grösser wirkt, als er tatsächlich ist, weil die Gewölbe nur auf massiger Höhe angelegt sind In der Vierung vollzieht sich der Zusammenschluss der Kreuzarme mit dem höher gewölbten Mittelraum. Die Gewölbe sind durch ein reiches Rippenwerk ausgezeichnet, welches mit dazu beiträgt, die gute Akustik des Gotteshauses zu gewährleisten. In den künstlerischen Anordnungen ist der Grund¬ satz verfolgt, den grössten Teil der Mittel auf die Aus¬ bildung der in der Hauptachse gelegenen Teile, auf die das Auge des Besuchers zuerst trifft, zu vereinigen. Deshalb bildet die Vereinigung von Altar, Kanzel und Orgel zu einem erhebenden Dreiklang architektoni¬ scher Anordnung den Hauptpunkt des Inneren. Hier sind die architektonischen Ausdrucksmittel zum Höch¬ sten, was die Mittel zuliessen, gesteigert. Durch diese Steigerung und Vereinigung erhält, wie die Architekten mit Recht bemerken, „das Gotteshaus eine Seele, ein Gesicht, einen seiner Bestimmung entsprechenden Aus¬ druck, dem der Besucher sich unterwerfen muss.“ In der Klarheit dieses Ausdruckes liege der Unterschied zwischen diesem Gotteshaus und einem Gotteshause des sogenannten Renaissance- Prinzipes, in welchem Wände und Decken ohne Unterschied mit Schmuck überladen seien und der Raum keine Richtung, keinen Ausdruck, der Besucher aber auch keinen nachhaltigen Eindruck habe. Es sei zu bedauern, dass der Grund¬ satz der Zerteilung des Schmuckes auch in vielen neugotischen Kirchen befolgt sei und „geradezu den Charakter und die Verhältnisse der Räume zerstört“ habe. Es liegt ohne Zweifel viel Wahres in diesen Erwägungen. Auch in der Gestaltung anderer Teile dieses schönen Bauwerkes bekundeten die Architekten eine selbständige und unabhängige Anschauung. Ueber der herrlichen Kanzelwand, die in Stein ausgeführt ist und in der mit Goldmosaik ausgelegten Nische die Kanzel enthält, die von hinter dem Altar her, der als einfacher Tisch gestaltet ist, von beiden Seiten durch Treppen zugänglich ist, erhebt sich die Orgel. Sie steht mit ihren metallenen Pfeifen vor Wänden 525 eben erwähnte Glashalle und mit Ausnahme der im niedri¬ gen Langbau belegenen gemeinsamen Speisesäle und Ver¬ waltungszimmer die übrigen Räume des Erdgeschosses ein, während die Mädchen in den beiden Obergeschossen des höher geführten Gebäudetheiles hausen. Für die anderen Kurgäste ist am Südgiebel des alten Gebäudes ein neues Hospiz, Abbildg. io, gleichzeitig aber auch am nördlichen Giebel zur ausschliesslichen Benutzung der Kinderheilstätte eine von oben bis unten massiv durch¬ gehende Treppe angebaut. Der Hospizbau ist als ein ein¬ faches Gasthaus eingerichtet, im Gegensätze zu den stets rissigen Fachwänden des alten Flauses aber mit massiven Wänden durchgeführt und gegen die Einflüsse der Winter- B SAlrtJj. f ORÄ&tuu’ ^1 Amtu ' r oiLiMuit f lüwatfH' SAtaJuM«. Spou - Saal / J ^maCov . Lr~ m - ■ ■ Abbildg. 8 u. 9. Seehospiz in Kolberg- witterung durch aufstellbare Klappläden in den Fenster¬ öffnungen geschützt. Die Küche hegt im Sockelgeschoss so, dass sowohl der Speisesaal des Hospizes als auch die Speiseräume der Heilstätte bequem mittels eines Auf¬ zuges bedient werden können. Für den Aufenthalt im Freien ist am Hause sowohl wie in dem hinter liegenden Garten bezw. Spielplätze durch Sitzhallen gesorgt. Die zweite Baugruppe auf dem Hinterlande umfasst die Badeanlage nebst Kesselhaus und Waschküche. Da die natürliche Soole nur etwa 10 0 Wärme besitzt, wird sie zum Baden durch Dampf erwärmt und zwar mittels Schafstädt’scher Apparate, in denen der vom Dampfkessel kommende Dampf dem Wasser entgegen strömt. Wasser wird nun je nach der ärztlichen Verordnung den Appa¬ raten verschieden zugeführt, starke Soole, schwache Soole, nach Bedarf auch mit Süsswasser gemischt. Auf dem Dachboden des aus diesem Grunde höher geführten Bade- haustheiles sind deshalb drei grosse, und zwar mit Rück¬ sicht auf die Soole aus Holz gefertigte, Bottiche aufgestellt, in welche die zutage tretende Soole durch Pulsometer befördert wird. Die Bottiche stehen über dem Fussboden erhöht und haben Ablasshähne zur zeitweisen Entleerung des Soolschlammes. Auch sämmtliche Badewannen sind Böttcherwaare, die Zuflussleitungen aus obigem Grunde aus Kupfer hergestellt. Abge¬ lassen wird das gebrauchte Badewasser inner¬ halb der drei, mit je 5 Badewannen ausge¬ statteten Kinder-Baderäume, durch offene, in den Zementestrich eingelassene Rinnen, im übrigen durch Thonrohr-Leitungen. Die Fuss- böden des Kinderbades sind mit Lattenrosten ab¬ gedeckt, die des mit Einzelzellen ausgestatteten Hospizbades als Terrazzo hergestellt. Im Ober¬ geschoss des höher geführten Theiles finden je nach Bedürfniss noch weitere 24 Kinder oder weniger bemittelte Hospizgäste Unterkunft. Die Badeeinrichtungen rühren von dem in derartigen Anlagen wohlerfahrenen Ing. L. E. Becker in Berlin her. Im übrigen ist die gesammte Bauausführung, abgesehen von der von A. Senking zu Hildesheim hergestellten Kücheneinrichtung, dem Baugeschäft von Th. Marten in Kolberg als General-Unternehmung übertragen gewesen, dessen inzwischen ver¬ storbener Chef der allmählich emporgewachse¬ nen Anstalt stets ein warmes Herz zugewen¬ det hatte. Die vollendete Einrichtun geführten Hospizbau 55 000 M. betragen. Baukosten für die im Winter von 1898 auf 1899 Badehausgruppe einschl. der ganzen Bade¬ haben 35 000 M., für den von 1899 — 1900 aus- (Schluss folgt.) Zur Förderung der gemeinnützigen Bauthätigkeit durch die Gemeinden. (Schluss.) j|n Leipzig ist man ebenfalls in gleichem Sinne vor¬ gegangen. Ein grosses Gelände ist von einer neu gegründeten Baugesellschaft zum Zwecke der Er¬ richtung kleiner Wohnungen in Erbpacht gegeben und zwar für einen Pachtzins von 12 Pf. für 1 q™. Welche Bedeutung dem Erbbaurechte zu dem ge¬ dachten Zwecke beizumessen ist, geht auch aus dem Um¬ stande hervor, dass im vergangenen Juli im niederöster¬ reichischen Landtage der Abgeordnete Dr. v. Phi¬ lipp ovich die Anregung gegeben hat, die Regierung aufzufordern, dass sie eine dem heutigen Bedürfnisse ent¬ sprechende Ausgestaltung der Normen des Bürgerlichen Gesetzbuches über das getheilte Eigenthum mit besonderer Beziehung auf die Verwendung des Bodens zu Bauzwecken in Erwägung ziehe. Zweck dieser Ausgestaltung soll auch hier sein, die Gemeinden in den Stand zu setzen, den ihnen gehörigen Grund und Boden in ihrem Eigenthum zu behalten und doch im Interesse der Bau- und Wohnungs¬ politik zu verwerthen. Die Richtung der Ausgestaltung soll die des Erb -Baurechtes des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches sein. Nach den Normen dieses Gesetzbuches kann ein Grundstück in der Art belastet werden, dass demjenigen, zu dessen Gunsten die Belastung erfolgt, das veräusserliche und vererbliche Recht zusteht, auf oder unter der Oberfläche des Grundstückes ein Bauwerk zu haben. Das Erb-Baurecht kann auch auf die Benutzung eines für das Bauwerk nicht erforderlichen Theiles des Grundstückes erstreckt werden, wenn sie für die Benutzung des Bauwerkes Vortheil bietet. Dagegen ist die Beschränkung des Erb-Baurechtes auf einen Theil eines Gebäudes, ins¬ besondere auf ein Stockwerk, nicht zulässig. Das Erb-Bau¬ recht erlischt nicht durch den Untergang des Bauwerkes; es ist ein dingliches Recht, und es finden auf dasselbe die für den Erwerb des Eigenthums und die Ansprüche aus dem Eigenthum geltenden Vorschriften Anwendung. Ueber das Wesen des Erbbaurechtes enthielt die „Nat.-Ztg.“ vom 4. Juni d. J. die folgenden übersichtlichen 526 Ausführungen: „Die neue gesetzliche Grundlage für das Erbbaurecht findet sich in den §§ 1012 — 1017 des B. G.-B., deren erster lautet: „Ein Grundstück kann in der Weise belastet werden, dass demjenigen, zu dessen Gunsten die Belastung erfolgt, das veräusserliche und vererbliche Recht zusteht, auf oder unter der Oberfläche des Grundstückes ein Bauwerk zü haben (Erbbaurecht).“ - — Diese Rechts¬ form, die auch dem römischen Recht und dem preussischen Landrecht nicht fremd war, hat eine ausgedehnte Anwendung eigentlich nur in England gefunden, wo sie sogar in ihren verschiedenen Variationen durchaus die Vorherrschaft ge - niesst. In Deutschland beginnt sich ihr erst jetzt die öffent¬ liche Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ihre Vortheile beruhen darin, dass sie Staat und Gemeinde in die Lage versetzt, an der „Zuwachsrente“, an der grossentheils durch öffent¬ liche Aufwendungen verursachten Werthsteigerung des Grund und Bodens theilzunehmen, ohne selbst als Bau¬ herren auftreten zu müssen, und andererseits darin, dass sie auch dem Kapitallosen die Möglichkeit gewährt, ein Haus gegen blosse Zinszahlung zu eigenthums-ähnlichem Recht zu erwerben. Die Dauer des Erbbaurechtes ist ge¬ setzlich nicht begrenzt; ihre Festlegung bleibt den Zweck¬ mässigkeits-Erwägungen im Einzelfall überlassen. In der Regel dürfte für Wohnhäuser die Frist auf 70—99 Jahre bestimmt werden. Bei Ablauf des Rechtes wird, je nach Vereinbarung, namentlich im Falle kurzer Fristen, dem bisherigen Gebäude-Eigenthümer ein Theil des Gebäude- werthes erstattet. So soll es in jenen Städten geschehen, die in Deutschland als erste daran gehen, Bauland in Erb¬ baurecht zu vergeben, Halle a. S. und Frankfurt a. M. Als Frist sind hier 70 bezw. 80 Jahre ins Auge gefasst. Von anderen Städten, die den gleichen Weg beschreiten wollen, sind Leipzig, Hamburg und München zu nennen. In Preussen ist das Erbbaurecht den Gemeinden durch die ministeriellen Wohnungserlasse vom März d. J. in Erinne¬ rung gebracht worden. Eine Möglichkeit zu seiner Anwen¬ dung in grösstem Stil bietet sich der Regierung in Dahlem. No. 85. Den zu optimistischen Erwartungen, die vonboden-refor- matorischer Seite auf das Erbbaurecht gesetzt werden, stehen Befürchtungen gegenüber, die sich auf die in Eng¬ land gemachten Erfahrungen stützen. Da die Eigenthümer der Gebäude in der letzten Zeit vor dem Heimlall an die Grundbesitzer kein Interesse an der Erhaltung der Baulich¬ keiten haben, und da mit Rücksicht auf das sehr umständ¬ liche Gerichtsverfahren die Grundherren in London lange Zeit stillschweigend auf die Instandhaltungspflicht der In¬ haber verzichteten, machte sich vielfach ein geradezu ge¬ meingefährlicher Verfall der Baulichkeiten bemerkbar, der sich zu einem Krebsschaden des Londoner Wohnungs¬ wesens auswuchs. Es wäre aber übereilt, aufgrund die¬ ses Misstandes das System überhaupt zu verwerfen. In London selbst haben die Grundherren seit einiger Zeit strengere Bestimmungen in den Bodenleihverträgen ein¬ geführt und ihre Einhaltung durchgesetzt, und an anderen Stellen könnte man von Anfang an die nöthigen Lehren aus jenen Zuständen ziehen. Zumal nach Einführung einer Wohnungsinspektion, wie sie in verschiedenen Theilen Deutschlands bereits begonnen hat; bei. straff gehandhabter Bau- und Wohnungspolizei wäre dem bezeichneten Uebel- stande wohl vorzubeugen. Ein anderes, gewichtigeres Be¬ denken könnte darin liegen, dass unter dem System des Erbbaurechtes der spekulative Anreiz zum Wohnungsbau stark eingeschränkt würde. Nun soll ja aber das System in Deutschland bei weitem nicht die Alleinherrschaft an- treten; der vorhandene Raum für das freie Spiel der Kräfte wird nicht beschränkt. Wohl aber kann, und das ist kein Nachtheil, bei der Neuerschliessung von Bauland verhindert werden, dass das betr. Gelände aus Spekulations¬ gründen der Bebauung entzogen wird. Das Erbbaurecht gilt ja nur für Grundstücke, die Bebauungszwecken dienen, und der Termin bis zur Herstellung des Bauwerkes kann im Vertrage festgelegt werden. Die grösste praktische Schwierigkeit wird nicht in den bisher angedeuteten Be¬ denken, sondern in der Beleihungsfrage zu suchen sein. Aber auch hier ist zu berücksichtigen, dass für das Erb¬ baurecht ein besonderes Grundbuchblatt angelegt werden kann, und dass für das Darlehen nicht nur das Gebäude an sich, sondern das Nutzungsrecht am Boden überhaupt haftet. In erster Linie werden die aufgrund des Erbbau¬ rechtes errichteten Bauwerke auf Amortisations-Hypotheken derjenigen öffentlichen Anstalten rechnen können, die in ge¬ meinnützigem Interesse Gelder zur Förderung des Bauesvon Kleinwohnungen flüssig zu machen beabsichtigen; aber auch das Privatkapital braucht sich ihnen keineswegs zu entziehen. Bis zu einem gewissen Grade werden sich bei uns immerhin die negativen Erwägungen aller Voraussicht nach dauernd geltend machen; an eine allgemeine Aus¬ dehnung des Erbbaurechtes, wie sie in England aufgrund einer ganz anderen Struktur des Bodenbesitzes herrscht, ist nicht zu denken. Wohl aber kann das Erbbaurecht sich als willkommene Erleichterung namentlich für Bau¬ genossenschaften erweisen, da es ihnen die Durchführung ihrer Aufgabe mit verhältnissmässig sehr geringem Kapital ermöglicht. Der Privatkapitalist wird nach wie vor das volle Eigenthum bevorzugen, der kapitalarme Privatmann aber in vielen Fällen gern die Gelegenheit zu eigenthums¬ ähnlicher Erwerbung eines Hauses benutzen, und Staat oderGemeinde geniessen den Vortheil derWerthsteigerung. In der beschränkten Anwendung, die in Deutschland zu gewärtigen ist, kann von dem Erbbaurecht erwartet wer¬ den, dass es sich als eines jener Kompromisse zwischen dem individualistischen und kommunalistischen System, ohne die es in der modernen Wirthschaft nicht abgeht, in wohlthätigem Einfluss auf die Gesammtlage des Woh¬ nungsmarktes bewähren und für die Ausschreitungen der Spekulation einen Hemmschuh bilden wird, ohne doch die befruchtende Wirksamkeit der freien Konkurrenz zu unterbinden. Für Städte mit einigermaassen ausgedehntem Grundbesitz wird es, soweit in ihnen Wohnungsmangel herrscht, jedenfalls nützlich sein, sich ernsthaft mit dem durch das B. G. B. neu dargebotene Mittel zu beschäftigen“. — Vermischtes. Deutsche Baubeschläge. Obgleich es häufig zu grossen Unzuträglichkeiten, namentlich bei Bauten individueller Art, führt, wenn die eigentlichen Beschlagarbeiten ge¬ sondert von den dazu gehörigen Bronzearbeiten vergeben werden, so ist in Deutschland diese Praxis doch noch vielfach im Gebrauche, weil der heimische Fabrikbetrieb sich bisher nur auf Bestellung allereinfachster Waaren und auf Anfertigung von rohen Theilstücken, welche noch der 23. Oktober 1901. Nacharbeit des Schlossers bedürfen, beschränkte und Kom¬ plettbeschläge von nur wenigen deutschen Firmen herge¬ stellt werden. Anders verhält es sich z. B. in Frankreich, England und Amerika, wo selbst weniger häufig verlangte gute, zum Anschlägen fertige Beschlagtheile fabrikmässig hergestellt und in den Handel gebracht werden. Es lässt sich damit die Thatsache erklären, dass jene Länder in der technischen und künstlerischenVollkommen- heit ihrer Beschlagarbeiten Deutschland noch immer voraus sind und dass noch vielfach solche Beschläge fremdländischen Ursprungs hierher eingeführt werden, welche sehr wohl auch im Inlande hergestellt werden könnten. Die vermehrte Aufmerk¬ samkeit, welche von Bau¬ herren und Architekten auf die Ausstattung der Innen-, räume gelegt wird, nicht minder als die sich stets, mehrende Anzahl der Bau¬ ausführungen, bei welchen vom Althergebrachten ab¬ gewichen werden muss, und die gänzlich veränderten Verkehrs- und Betriebs¬ mittel mussten es wohl möglich machen, dass auch die heimischen Beschlag¬ artikel sich denselben Ruf im Auslande erwerben, wie ihn sich die deutschen Kunstschmiedearbeiten be¬ reits errungen haben. Dass es an erfreulichen Zeichen der Besserung in diesem Sinne nicht fehlt, beweisen die beigefügten Abbildungen von Bronze¬ beschlägen aus dem Pa¬ lais der Khedivah- Mutter in Konstantinopel, welche nebst den übrigen Schlosser¬ arbeiten von der Firma Franz Spengler, Berlin S.W., Lindenstr. 44, nach den Angaben des Archit. A. Lasciac- Kairo ausgeführt und geliefert worden sind. — Bronze-Beschläge aus dem Palais der Khedivah-Mutter in Konstantinopel, nach Angaben des Architekten A. Lasciac in Kairo. Ausgeführt von Franz Spengler in Berlin. 527 Todtenschau. Kgl. Brt. Dr. phll. Oskar Mothes f. In Dresden starb am 4. Okt. d. J. der Architekt Brt. Dr. phil. Oskar Mothes, ein Fachgenosse, der seinen Namen durch gebaute und geschriebene Werke in weiterem Kreise bekannt gemacht hat. Molhes wurde am 27. Dezember 1828 in Leipzig ge¬ boren, wo er auch den Hauptteil seines Lebens ver¬ brachte. Er war ein Schüler von Gottfried Semper in Dresden und widmete sich nach längeren Reisen in Italien und Spanien einer vielseitigen Praxis, die vorwiegend dem Kirchenbau gewidmet war. Eine grössere Reihe kirch¬ licher Gebäude in Sachsen und den umhegenden Grenz¬ gebieten verdankt ihm seine Entstehung, darunter die englische Kirche in Karlsbad, die Marienkirche in Posen, die Wiederherstellung der Mathäikirche in Leipzig, der Marienkirche in Zwickau usw. Auch auf dem Gebiete des Burg- und des Schlossbaues war er seiner roman¬ tischen Neigung entsprechend tätig (Rudelsburg, Wiesen¬ burg usw.). Neben der praktischen Bauausführung arbei¬ tete er in ausgebreitetem Masse schriftstellerisch. Das „Illustrierte Baulexikon“ in 4 Bänden, das „Illustrierte archäologische Wörterbuch“ in 2 Bänden, die „Geschichte der Baukunst und Bildhauerei Venedigs“ in 2 Bänden und die „Baukunst des Mittelalters in Italien“ sind die Hauptwerke dieser Tätigkeit. — Preisbewerbungen. Ein Wettbewerb des französischen Ziegler- und Kalk¬ brenner- Vereins (Union Ceramique et Chaufournihre de France) hat der „Deutsch. Töpf.- u. Ziegl.-Ztg.“ in Berlin zufolge die möglichste Einführung keramischer Erzeug¬ nisse und den Ersatz von Gebrauchs - Gegenständen aus anderen Materialien durch solche aus gebrannter Ton¬ erde zum Ziel. Es handelt sich um den Entwurf eines Gasthauses einer Provinzstadt, bei welchem die Verwen¬ dung von Baumaterialien aus gebranntem Ton auch für die Ausstattung des Inneren und zwar sämtlicher Räume in weitestem Umfange zu erstreben ist. Der Gasthof soll 60—80 Fremdenzimmer enthalten; ein Hauptnachdruck ist auf die keramische Ausstattung der Repräsentations¬ räume, wie Halle, Speisesaal, Salons, Treppenhaus, Flure zu legen, eine nicht geringere Aufmerksamkeit aber auch der Küche, den Toiletten, Waschräumen usw. zu widmen. Der Gedanke ist, dass alle diese Räume, welche bisher fast ausschliesslich mit Gegenständen aus Materialien aus¬ gestattet waren, welche sich für die Dauer nicht zweck¬ entsprechend erwiesen, durch keramische Erzeugnisse ausgestattet werden, die eine häufigere Reinigung mit Wasser zulassen und dennoch das Auge befriedigen. Es gelangen Preise von 2000, 1000, 600 und 400 Fr. und neben diesen noch Medaillen zurVerteilung. Der in diesem Preis¬ ausschreiben zum Ausdruck gebrachte Gedanke verdient volle Beachtung. — Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Wiederaufbau des Schlosses Christiansborg ln Kopenhagen ist durch den dänischen Minister der öffentlichen Arbeiten Hage beim Folkething beantragt. Das alte königl. Resi¬ denzschloss Christiansborg war eine umfangreiche Bau¬ anlage, welche im Südosten von Kopenhagen, auf dem inselartigen Slotsholmen am Hafen liegt und an die kgl. Bibliothek, an die Ministerien sowie an das Thorwaldsen- Museum grenzt. Das Schloss wurde zum ersten Mal 1794 durch Brand zerstört und in den Jahren 1826—1828 durch den dänischen Architekten Christian Frederik Hansen, den Vater des Wiener Meisters, wieder aufgebaut. Am 3. Okt. 1884 wurde es zum zweiten Mal vom Feuer heimgesucht und brannte bis auf die Mauern aus. Nur die Schloss¬ kirche und der Marstall konnten vor dem Feuer bewahrt werden. Es besteht nun die Absicht, dieses Schloss mit einem Aufwande von 6 Mill. Kr. (1,12 M ) ausschl. der künstlerischen Ausschmückung wieder aufzubauen und zu Repräsentations-Zwecken für den König sowie für die Zwecke des Reichstages zu benutzen. Zur Erlangung ge¬ eigneter Entwürfe hierfür soll der Weg des Wettbewerbes beschritten werden. — Münchener Brunnen- Wettbewerbe. In einem Preisaus¬ schreiben der Stadtgemeinde München zur Erlangung von Entwürfen für einen Monumentalbrunnen am Kost¬ torplatz liefen 23 Arbeiten ein Der I. Preis wurde einem Entwürfe der Bildhauer Düll & Petz old, der II. Preis dem Bildh. Prof. Hugo Kaufmann, der III. Pr. dem Bildh. Prof. Franz Bernau er zuerkannt. Ein weiteres Preisausschreiben der Stadtgemeinde München betr. Entwürfe für einen Brunnen am Isar¬ tor hatte 64 Modelle gezeitigt. Der I. Preis fiel hier dem Bildh. K. Killer, der II. Pr. dem Bildh. H. Netzer und der III. Pr. dem Bildh. F. Drexler zu. — In dem Wettbewerb betr. Entwürfe für eine zweite Oberneustädter Kirche in Kassel ist die Entscheidung ge¬ fallen. Den I. Preis von 2000 M. erhielten die Hrn. Karst & Fanghänel, den II. Preis von 1500 M. Hr. Prdvöt und den III. Preis von 1000 M. Hr. W. Wellerdick, sämtlich in Kassel. Zum Ankauf wurden empfohlen die Entwürfe der Hrn. F. Günther in Frankfurt a. M. und J. Gross in Wiesbaden. Sämtliche Entwürfe sind bis 23. Okt. täglich von 10—4 Uhr im ehemaligen Offiziers- Kasino in Kassel öffentlich ausgestellt. — Wettbewerb betr. Entwürfe für eine Handelshochschule in Köln a. Rh. Es liefen 67 Arbeiten ein. Den I. Preis von 9000 M. erhielt der Entwurf „Hansaforum“ des Hrn. Privatdoz. Dr.-Ing. E. Vetterlein in Darmstadt; je einen II. Preis von 5000 M. der Entwurf „Idee“ des Hrn. Prof. Friedr. Ratzel in Karlsruhe und der Entwurf „Handel schafft Wandel“ der Hrn. Jürgensen & Bachmann in Charlottenburg. Sämtliche Arbeiten sind bis 25. Oktober im Lichthof des Kunstgewerbe - Museums in Köln öffent¬ lich ausgestellt. — Personal-Nachrichten. Preussen. Verliehen ist: Dem Landesbauinsp. Brt. Wie n h o ld t in Königsberg, dem Ob.-Brt. Dannenfelser in Leipzig, dem Brt. Adam, dem Fin.- u. Brt. Friedrich, dem Hofarchit., Hofbrt. Frölich, dem Ob.-Brt Klette und dem Brt. Richter, sämtl. in Dresden der Rote Adler-Orden IV. Kl.; dem Fin.- u. Brt. Wiechel in Dresden der Kgl. Kronen-Orden III. Kl.; dem Reg.- Bmstr. Gilowy in Hannover und dem Eisenb.-Masch -Insp. Meyer in Dresden der Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. Dem Brt. Zimmermann, Schiffbaudir. bei der Stettiner Maschinenbau-A.-G. „Vulkan“ in Stettin ist die Erlaubnis zur An¬ legung des ihm verlieh. Kais. Russ. St. Annen-Ordens III. Kl. erteilt. Versetzt sind: der Landbauinsp. Brt. Borggreve von Oppeln nach Düsseldorf, der Kr.-Bauinsp Bennstein von Schneidemühl als Landbauinsp. nach Oppeln, der Kr.-Bauinsp. Koch von Guben als Landbauinsp. nach Marienwerder, der Landbauinsp. D e w a 1 d von Marienwerder als Kr.-Bauinsp. nach Guben ; die Wasser-Bauinsp. Joseph von Königsberg nach Flensburg und Römer von Hoya nach Gückstadt; der Kr.-Bauinsp. Gronewald von Sagan nach Göttingen. Ernannt sind die Reg.-Bmstr. : Hobrecht in Potsdam und Kozlowski in Fürstenwalde zu Wasser-Bauinsp., P. Hermann in Münster i. W. z. Masch.-Insp. Der Amtssitz der Kr.-Bauinsp. Rawitsch ist von Lissa nach Ra witsch verlegt. — Der Reg.-Bmstr. Wedding ist z. Bauinsp. bei dem Salzwerk in Bleichrode ernannt. In den Ruhestand getreten sind: der Grossh. Hess. Eisenb.-Dir. Querner, die Reg.- u. Brte. z. D. V o 1 1 r a t h in Marburg a. L. und Busse in Wiesbaden, der Eisenb.-Dir. z. D. B r o s i u s in Hannover, der Brt. z. D. Eibach in Darmstadt; die Wasser-Bau¬ insp. Brte. J e n s e n in Flensburg und Jacob in Liegnitz ; der Bauinsp. Brt. Lodemann in Berlin. Den Reg.-Bmstrn. Wilh. Barrink in Bromberg u. O. Hotzen in Bremen ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. Der Reg.- u. Brt. a. D. Gier und der Reg.-Bmstr. a. D. Karl Teichen in Berlin sind gestorben. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. F. E. in C. Das Obsiegen mit einer Schadenersatz¬ klage gegen die Stadt M., weil Ihre zum Wettbewerb eingereichten Zeichnungen durch Zahlen und anderweit verunziert sind, ist un¬ sicher. Denn dass in der Absicht, Ihnen zu schaden gehandelt wor¬ den sei, werden Sie selbst nicht behaupten. Nun gewährt B.-G.-B. § 276 zwar schon einen Schadenersatzanspruch aufgrund des Nach¬ weises einer vorgefallenen Fahrlässigkeit. Sie müssten jedoch be¬ weisen, dass die städtischen Behörden die im Verkehr erforderliche Sorgfalt ausser Acht gelassen haben. Dies wird Ihnen schwerlich gelingen; denn die Veränderungen an den Zeichnungen können ja auch unbefugterweise von Dritten, ohne Wissen und gegen den Willen der Stadtbehörden bewirkt sein. Wir können also zur Klage nicht raten, jedenfalls müssten Sie sich eines sehr gewandten An¬ waltes bedienen, weil die Stadt sicher durch einen Rechtskundigen vertreten sein wird, der den Vorwurf einer geübten Fahrlässigkeit energisch zurückweisen wird und dem Ihr Vertreter gewachsen sein müsste. — K. H-e. Hrn. J. B. in Kassel. Wir schlagen dem Betreffenden zur Ausbildung auf dem Gebiete der Beleuchtung und Wasserversorgung den Besuch des Technikums in Bremen vor, woselbst in letzterer Zeit Kurse für Gas und Wasser eingerichtet sind. Will er eine Hochschule besuchen und reichen hierzu seine Vorkenntnisse aus, so würde diejenige in Karlsruhe in Aussicht zu nehmen sein, wo¬ selbst den betr. Fächern eine besondere Sorgfalt entgegen gebracht wird. — — r- Anfragen an den Leserkreis. 1. Wo befinden sich in Deutschland bezw. in Mitteleuropa nor- malspurige Güterwagen von 30 — 50 t Tragkraft mit Selbst- entlade-Vorrichtungen in Betrieb? — H. & C. in W. 2. Welche Firma liefert Gipswände nach A. Bruckner s Bau¬ system? — L. in Böhrigen i. S. Inhalt: Die Pauluskirche in Basel (Schluss.) — Mitteilungen aus Ver¬ einen) — Vermischtes. — Todtenschau. — Preisbewerbungen. — Personal Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H„ Berlin. Für die Redaktioi verantwort! Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin No. 82 528 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * «ststsstst ***«« «st************ AUZEITUNG. GANG. * * N2- 83 * DEN 17. OKT. 1903. * *ss*s«sssssss* Goldgewinnung. Gemälde von Wilhelm Volz j-. Das Haus für Handel und Gewerbe in München. Arch.: Prof. Friedr. v. Thiersch in München. (Hierzu eine Bildbeilage sowie die Abbildungen auf Seite 532 und 533.) m 1. April 1901 ist in München ein öffent¬ liches Gebäude seiner Bestimmung über¬ geben worden, welches in interessanter Weise versucht, auf historischer Grund¬ lage eigene Wege zu gehen. Das „Hau für Handel und Gewerbe“ des Architekten Prof. Fried¬ rich von Thiersch ist dem Künstler auf dem Wege des Sieges in einem Wettbewerbe zugefallen, welcher im November des Jahres 1898 entschieden wurde. Das Haus ist eine gemeinsame Unternehmung der Handels- und Gewerbekammer für Oberbayern, sowie des Münchener Handelsvereins, welche beide bis dahin in ungenügenden, ja in teilweise unwürdigen Räumen untergebracht waren. Zur Besserung dieser Verhält¬ nisse erwarben sie ein Grundstück zwischen Maximilians¬ platz und Otto -Strasse, ein Gelände von regelmässi¬ ger rechteckiger Form, mit der Hauptfront gegen die Eschen -Anlage. Die Bebauung dieses Grundstückes 'eigen die Grundrisse S. 532. Bei den nicht sehr reichl¬ ichen räumlichen Verhältnissen bedurfte es einer nicht geringen Dispositionsgabe des Architekten, um alles interzubringen, was die Bedürfnisse der beiden Körper- ;chaften forderten und daneben doch auch durch An- agen, welche ein Erträgnis versprachen, eine gewisse /erzinsung zu erzielen. Zu diesem Zwecke sind das anze Unter- und das Erdgeschoss dem Betriebe eines iafe- Restaurants überlassen. Im Untergeschoss liegen ie Speisen- und die Kaffeeküche mit allen ihren Neben- elassen wie Spülraum, Speisekammer, Vorratskammer, onditorei, Wein-, Bier- und Kohlenkeller, dann die esselanlagen für die Heizung und Lüftung des Hauses, 'as Erdgeschoss dient zur Aufnahme der Gäste. Die olle vordere Hälfte des Grundstückes enthält eine rossräumige Restauration, bestehend aus dem mittle- ;n Restaurant, dem rechts gelegenen Billardsaal und ~m links sich anreihenden Cafe. Neben dem Billard- lal liegt, mit besonderem Eingang von der Strasse, e „Schwemme“. Eingänge vom Maximiliansplatz ld von der Otto - Strasse führen einerseits zu den orsenräumen des I., II und III. Obergeschosses, ander¬ es zu den Mietwohnungen des IV. Obergeschosses. 1 I. Obergeschoss befinden sich die Räume des andelsvereins : der durch zwei Geschosse reichende irsensaal mit Lese- und Schreibzimmer, Telephon- id Telegraphenräume, Sekretariat, Vorstandssitzungs¬ und Kursnotiz-Zimmer. Sämtliche Räume sind von grossen Vorplätzen zugänglich; geschickt sind die zuge¬ hörigen Nebenräume untergebracht. Die Grundrissan¬ lage hat einen Zug einfacher Grösse. Im zweiten Ober¬ geschoss befinden sich die Bureaus der Handels- und Ge¬ werbekammer, sowie der Sitzungssaal derselben, wel¬ cher, an der Ecke der Ottostrasse und der Eschenanlage gelegen, in das dritte Obergeschoss hinaufreicht. Im letzteren hat der „Kaufmännische Verein“ von München Aufnahme gefunden und es ist hier auch, gegen die Ottostrasse, die Wohnung des Restaurations-Pächters untergebracht. Das vierte Obergeschoss enthält zwei geräumige Mietwohnungen, das Dachgeschoss eine Hausmeisterwohnung sowie Gelasse für das Dienst¬ personal des Wirtes. Im Aeusseren ist die Farbe in entschiedener Weise zur Mitwirkung herangezogen. Zweifarbiger Sandstein, in wechselnden wagrechten Schichten sowie zu den scheitrechten Bögen der Oeffnungen verwendet, ist auf das Erdgeschoss beschränkt; zu ihm ist in den Obergeschossen durch angetragenes Stuckornament auf farbigen Putzgründen zwischen glatt aufsteigenden Lisenen unter Anlehnung an die einheimische Putz¬ technik ein frischer Gegensatz gefunden. Die orna¬ mentalen und figürlichen Schmuckteile der Fassaden wurden durch Prof. Ernst Pfeiffer und die Firma Meile & Blersch nach den Entwürfen des Archi¬ tekten modelliert. Eine lebhaftere Farbenwirkung durch aufgemalte Kasetten hat das als grosse Hohlkehle ge¬ bildete Hauptgesims erhalten. Die Erd-, Maurer- und Zimmerarbeiten waren an die Firma Heilmann & Littmann in München über¬ tragen; Holzmann & Ko. lieferten die Hausteine des Erdgeschosses, das Granitwerk Blauberg die Woh¬ nungstreppen und die Stufen des Börsenaufganges. Die Eisenkonstruktionen waren an F. S. Kustermann übertragen. Es waren ferner vergeben: die Spängler- arbeiten und die Blitzableitung an Weber & Ru cker in München; die Dachdeckerarbeiten an das Tonwerk Ergoldsbach; die Fliesenböden und Wandverklei¬ dungen an J. Kaffel in München; die Terrazzoböden an Johann Odorico und die Schlosserarbeiten an das Eisenwerk München. Im Schlussartikel noch einige Worte über die innere Ausstattung. — (Schluss folgt.) 529 unter Grundwasser, d. h. 6 m unter Tunnelsohle abge¬ senkt. (Der Grundwasserspiegel besitzt vom Nollen- dorf-Platz bis zum Zoologischen Garten, wo sich schon der Einfluss des Unterwassers im Landwehrkanal gel¬ tend macht, etwas Gefälle. Während der Bauzeit wurde ein mittlerer Grundwasserstand von + 31,70 N.N. be¬ obachtet.) In diese, unten geschlossenen und auf die unteren 5m mit durchbrochenem Kupfermantel versehe¬ nen Schutzrohre wurde das eigentliche Saugerohr, 80 mm stark, eingesetzt und an eine 300 mm im Durchmesser haltende, innerhalb der Baugrube verlegte Leitung an¬ geschlossen, die zur Pumpe führte. Die Brunnen wur¬ den beiderseits versetzt, ausserhalb der Spundwände angeordnet und jede Reihe war an eine besondere Lei¬ tung, sowie eine Pumpe nebst Maschine von 40 — 50 P.S. angeschlossen. Jede Strecke enthielt 25 — 30 Brunnen. Mittels derselben wurde das Grundwasser bis unter Tunnelsohle, also um rd. 3 — 4m abgesenkt, so dass sämmtliche Arbeiten der Ausschachtung und der Her¬ stellung des Tunnelprofiles im Trockenen ausgeführt werden konnten. Natürlich machte sich diese erhebliche Absenkung des Grundwassers auch ausserhalb der Baugrube bis auf grössere Entfernungen geltend, es haben sich hier¬ aus jedoch keine erheblicheren Weiterungen ergeben. Nach Absenkung des Grundwassers, dem natür¬ lich die Ausschachtung bis zum Wasserspiegel und die Absteifung der Spundwände mit 2 über einander liegenden Reihen von Quersteifen voranging, folgte der weitere Aushub, dann die Herstellung der Schutz¬ schichten an Sohle und Wand (an letzterer z. Th. unter Zuhilfenahme von Drahtgeweben), die Verlegung der Dichtung bis über Grundwasserhöhe und die Herstel¬ lung der Sohle nebst den Seitenwänden in Schicht¬ höhen von 30 cm, wobei hölzerne Lehren zur Aus¬ bildung der inneren Querschnittsform benutzt wurden. Nach Entfernung der in Höhe des Gr.-W. -Spiegels ge¬ legenen Quersteifen wurde dann der obere Theil der Tunnelwandung hergestellt und schliesslich das Eisen¬ werk eingebaut. Abbildg. 20 u. 21 zeigen verschiedene Stufen dieser Bauausführung. Zu erwähnen ist noch, dass der ausgehobene Boden über eine Rampe in von Pferden gezogenen Lowriezügen zutage gefördert und meist zur Aufhöhung neuer Strassenzüge auf Schöneberger Gebiet verwendet wurde. Die Herstellung des Betons erfolgte auf maschi¬ nellem Wege. Jede Strecke hatte ihre Betonmisch¬ maschine. Im ganzen wurden auf der westlichen Tunnel¬ strecke rd. 30000 cbm Beton verarbeitet und eingebracht. Die Gesammtstrecke von rd. 1,5 km Länge wurde in 3 grösseren Abtheilungen ausgeführt, deren erste von dem Westende der Tauenzienstrasse bis Wittenberg¬ platz, die zweite vom Wittenbergplatz bis Eisenacher¬ strasse reichte, während die dritte, vom Westende der Tauenzienstrasse an bis zur Stadtbahn, den Beschluss bildete. Mit Rücksicht auf die Aufrecht¬ erhaltung des Strassenbahnverkehrs usw. auf dem Auguste Viktoria-Platz musste letztere Strecke wieder in 3 Theile zerlegt werden. Mit den eigentlichen Bau¬ arbeiten ist im August 1900 begonnen worden. Die Ausführung der Erd- und Beton-Arbeiten ist von der A.-G. für Bahnen und Tiefbau in Berlin bewirkt worden. Die Kosten der Herstellung der westlichen Strecke einschl. aller Nebenarbeiten, wie Verlegung der Gleise der Strassenbahn und der Leitungen, Her¬ stellung provisorischer Brücken an den Strassen- kreuzungen, Wiederherstellung des Pflasters stellen sich auf 2V2 — 3 Milk M. Interessant gestaltet sich die eben in Angriff genommene Weiterführung der Untergrundbahn in der Hardenberg-Strasse. Zunächst ist die Stadtbahn zu kreuzen; infolge dessen müssen die Fundamente zweier Säulenreihen, welche die Ueberführung der Hardenberg -Strasse stützen und zwischen denen die Untergrundbahn hindurch geführt werden muss, etwa 4,5 m tiefer herabgeführt werden. Zu dem Zwecke werden zunächst an der einen Säulenreihe, später an der anderen mit trapezförmigen, durch Eisendiagonalen versteiften Holzböcken, die mit ihren Enden auf Schrauben-Spindeln und Schwellenstapeln ruhen, die Brückenträger unterfangen, sodass dann die Säulen und die alten Fundamente entfernt werden können. So¬ dann werden, ebenfalls unter Grundwasserabsenkung, die Baugruben für die neuen Fundamente bis rjm unter Geländeoberkante abgeteuft. Auf der weiteren Strecke bis zur Fasanen-Strasse sind unter den oberen Boden¬ schichten starke Mergellager erbohrt worden, die be¬ stimmend auf die Ausführungsart der Wasserhaltung sein werden. Die Ausführung auf dieser weiteren Strecke ist der „Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen“ von der Firma S. & H. aufgrund einer Ausschreibung übertragen. Bei der zum Potsdamer Platz abzweigenden Unter¬ grundbahnstrecke machten die beschränkten örtlichen Verhältnisse eine etwas komplizirtere Art der Bau¬ ausführung nothwendig; denn erstens durfte mit Rück¬ sicht auf die Nähe der Gebäude nicht gerammt wer¬ den, sodass also die Baugrube nicht mit Spundwänden umschlossen werden konnte, und ausserdem mussten die nicht genügend tief gegründeten Mauern der längs des Tunnels stehenden Baulichkeiten unterfangen und bis zur Sohle des Tunnels herabgeführt werden. Die Arbeit musste ferner mit grösster Beschleunigung aus¬ geführt werden, trotzdem weitere erschwerende Be¬ dingungen durch die Aufrechterhaltung des Verkehrs von und zum Bahnhofe, sowie in der Königgrätzer Strasse gestellt waren. Um diesen Anforderungen des Verkehrs zu entsprechen, musste die Bauausfüh¬ rung in 2 Abschnitten erfolgen. Zunächst, und zwar in der zweiten Hälfte des Jahres 1900, wurde das Tunnelstück vom Tunnelmund an der Grenze der Häuser Köthener Strasse 13 u. 14 bis zur Mitte des Droschken-Halteplatzes am Potsdamer Bahnhof aus¬ geführt und erst nach Wiederherstellung der Strassen¬ decke die zweite Strecke bis zur Königgrätzer Strasse in Angriff genommen. Diese Strecke wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1901 gebaut. Die Theilung der Bauausführung war erforderlich, um den Droschken¬ verkehr auf dem Potsdamer Bahnhof nicht unterbrechen zu müssen. Begünstigt wurde die Ausführung andererseits durch eine etwas höhere Lage des Tunnels zum Grund¬ wasser und durch das Vorhandensein einer Thon¬ schicht unter der wasserführenden Sandschicht, welche die Grundwasserhaltung erleichterte. Vortheilhaft für die Beschleunigung der Ausführung und die Ver¬ minderung der Baukosten war es ferner, dass die aus¬ gehobene Erde über die Einschnittsrampe hinweg auf einem bis zum Hafenplatz reichenden Transportgleis unmittelbar bis zum Schiff gebracht werden, und dass andererseits die Baumaterialien auf dem Wasserwege angefahren und auf dieser Transportbahn wieder zur Baustelle befördert werden konnten. Die Nähe des offenen Wasserlaufes gestattete ferner die unmittelbare Ableitung des erpumpten Wassers mittels einer unter dem nördlichen Bürgersteige der Köthener Strasse verlegten Thonrohrleitung von 40 cm Durchmesser. Die Ausführung gestaltete sich, abgesehen von dem letzten Stück in der Königgrätzer Strasse, der¬ art, dass zunächst die Baugrube in voller Breite bis nahezu auf Grundwasserhöhe abgeschachtet wurde. Innerhalb der Baugrube wurden dann, wie auf der westlichen Strecke, anfangs in zwei, später in einer Reihe die Brunnen in Abständen von 9m auf eine Tiefe von rd. 13 m unter Strasse niedergebracht und mittels 30 cm weiter Hauptrohre an Lokomobilen angeschlossen, die das Wasser in einen Sammel¬ brunnen abgaben, welcher es der oben erwähnten Ab¬ leitung zum Landwehr-Kanal zuführte. Um ein Auf¬ steigen des Grundwassers in den Brunnenrohren, deren obere Theile nach vollendeter Arbeit ausgezogen wurden, sowie ein Eindringen des Wassers in den Tunnel nach Einstellung der Pumparbeit zu verhin¬ dern, wurden in die Tunnelsohle gusseiserne, die Brunnenrohre umfassende Hauben eingesetzt, die nach Ausziehen der Rohre und raschem Verfüllen der Löcher mit Sand mittels aufgeschraubten Deckels geschlossen und dann vollständig einbetonirt wurden. 53° No. 86. Abbildg. 23. Einblick in den Tunnel zwischen dem Potsdamer Bahnhof und den Hinterhäusern der Köthener Strasse während der Ausführung. Abbildg. 21. In Ausführung begriffener Tunnel. Einbau der Decke. Im Gegensatz zu dem Arbeitsvorgang auf der westlichen Strecke wurden nun¬ mehr zunächst die Seitenmauern herge¬ stellt, während der Erdkern dazwischen als Arbeitsbühne stehen blieb. Dieser Arbeit musste jedoch die Unterfangung der Gebäude und die Herabführung ihrer Fundamente vorausgehen. Bei dieser Aus¬ führung ist man zumtheil mit dreifacher Sicherheit vorgegangen, indem man selbst¬ verständlich die Mauern nur stückweise unterfing und in abgeteuften Baugruben tiefer führte, ausserdem aber dieMauern mit Triebladen absteifte und ferner noch mit quer durchgesteckten Trägern bockartig stützte. Abbildg. 22 aufS. 532 zeigt eine der¬ artige Ausführung am Empfangsgebäude des Potsdamer Hauptbahnhofes. Die Trä¬ ger der Böcke sind dabei auf Schrauben¬ spindeln gelagert, um ein festes Anpressen an die zu stützende Mauer durch Nach¬ ziehen der Schrauben jederzeit zu er¬ möglichen. Für die Seitenmauern wurden 2 ra breite ausgesteifte Schlitze hergestellt und die Mauern dann einschl. Sohlen- und Seiten-Schutzschicht, sowie Asphaltfilz- Einlage in einzelnen Pfeilern schichtweise zwischen den Quersteifen bis über Grund¬ wasser hergestellt. Nachdem man diesen Pfeilern nun 8 Tage Zeit zum Erhärten gelassen hatte, wurden Steifen zwischen Baugrubenwandung und Pfeiler einge¬ setzt, sodann die durchgehenden ersten Quersteifen herausgenommen. Es war nur möglich, zwischen den Pfeilern die Lücken zu schliessen. Erst nach vollstän¬ diger Hochführung der Seitenmauern wurde das Mittelstück der Tunnelsohle eingebracht. Um einen innigen Zusam¬ menschluss der einzelnen Theile des Quer¬ schnittes zu ermöglichen, wurden die sich berührenden Betonflächen aufgerauht. Ab¬ bildg. 23 zeigt die Tunnelstrecke kurz vor dem Empfangsgebäude des Potsdamer Hauptbahnhofes mit dem Blick nach der Königgrätzer Strasse. Die Seitenmauern sind bereits hochgeführt, die Tunnelsohle ist eingebracht und man beginnt mit der Aufstellung der Mittelstützen, während in dem hinteren Theile nach der König¬ grätzer Strasse zu noch die Ausschach¬ tungs-Arbeiten im Gange sind Eine Ausnahme von dieser Ausführung macht das letzte zur Aufnahme eines Aus¬ ziehgleises bestimmte Stück des Tunnels unter der Königgrätzer Strasse, das aus den auf S. 520 schon erwähnten Gründen mit Luftdruck gegründet werden musste (vgl. Abbildg. 14 in No. 84). Das Tunnel¬ stück ruht auf 2 hölzernen Caissons, deren äusseres 20 m, das innere 6 m Länge besitzt. Die Absenkung erfolgte bis rd. 13 m unter Gelände-Oberkante und bis rd. gm unter Grundwasser Auf der Decke der Arbeits¬ kammer wurde der Tunnel während der Absenkung als eisernes Rahmenwerk mit Betonwänden aufgebaut und mit abge¬ senkt. Die Ausführung bietet nur insofern etwas Bemerkenswerthes, als sie unmittel¬ bar in einer lebhaften Verkehrs-Strasse unter voller Aufrechterhaltung des Stras- senbahn- und sonstigen Fuhrwerks -Be¬ triebes erfolgen musste. Zu bemerken ist noch, dass die Ge¬ bäude an der Köthener Strasse, auf deren Hinterland der Tunnel zumtheil liegt, von denen einzelne sogar vorüber¬ gehend während der Ausführung ihrer ?6. Oktober 1901. 531 vorspringenden Theile, Erkerbauten usw. entkleidet werden mussten, sämmtlich von der Bahngesellschaft erworben worden sind. Es hat dies einen Grund¬ erwerb von rd 3 Milk M. erfordert, der aber durch den Verkauf der Grundstücke, die genau so aus¬ nutzungsfähig wie früher geblieben sind, wieder aus¬ geglichen werden kann. Die reinen Baukosten der Untergrundbahn-Strecke zumPotsdamerBahnhof stellen sich auf rd. 1. Milk M. — Die'.Ausführung der Erd- und Betonarbeiten wurde für diese Strecke seitens der Firma Siemens & Halske an die mindestfordernde „Gesellschaft für den Bau von Untergrund¬ bahnen“ vergeben. Die gesammten Arbeiten, welche im Juli 1900 begonnen wurden, haben etwa einen Zeitraum von 13 Monaten erfordert. — (Fortsetzung folgt.) Abbildg. 22. Unterfangung des Empfangsgebäudes des Potsdamer Haupt- Bahnhofes. Strassen und deren Bebauung in Beziehung zum preussischen Fluchtlinien-Gesetz. Von Stadtbauinspektor Lammers in Hannover. n ie Grundlage für den Städtebau Preussens bildet in rechtlicher wie auch in praktischer Beziehung das 1 Gesetz betreffend die Anlegung und Veränderung von Strassen und Plätzen in Städten und ländlichen Ort¬ schaften vom 2. Juli 1875 — das sogen. Fluchtlinien-Ge¬ setz. Abgesehen davon, dass dieses Gesetz die Festsetzung der Fluchtlinien regelt und so die Grundlage für die Auf¬ stellung der Bebauungspläne bildet, giebt es ausser anderem den Gemeinden die Befugniss, besondere Ortsstatute be¬ züglich des Anbaues und der Strassenkosten zu erlassen, die für die Stadt sowohl wie für den Grundstückbesitzer von grösster Bedeutung sind. Die Bestimmungen des Flucht¬ liniengesetzes und der zugehörigen Ortsstatute haben in gleicher Weise Giltigkeit für fiskalische Grundstücke und Bauten, wie für solche von Körperschaften und Privat¬ leuten. Ausnahmen kennt das Gesetz nicht. Von besonderer Wichtigkeit sind die Bestimmungen der §§ 12 und 15 des Fluchtlinien-Gesetzes. Nach § 12 kann nämlich durch Ortsstatut festgestellt werden, dass an Strassen oder Strassentheilen, welche No. 86. 53a Aus dem Wettbewerb des Vereins ,,Lüder von Bentheim“ in Bremen. (Hierzu die Abbildung auf Seile 517.) Entwurf von Erdmann & Spindlei in Berlin. (Gruppe B, II. Preis.) er dankenswerthe Wettbewerb des Vereins „Luder von Bentheim“ in Bremen betr. neue Fassaden für Bremens Altstadt hat ein vorzügliches Ergebniss durch die künstlerische Reife der mit Preisen ausgezeich¬ neten Entwürfe gehabt. Bekanntlich waren 3 Gruppen von Fassaden zu entwerfen, welche die in den eigenartigen Verhältnissen von Bremens Altstadt möglichen Lösungen berücksichtigen sollten. In allen 3 Gruppen sind die Ar¬ chitekten der beistehenden Fassaden sowie der Fassaden S. 517, die Hrn. Erdmann & Spindler in Berlin, sieg¬ reich gewesen. Sie erhielten in Gruppe A den II. Preis, in Gruppe B gleichfalls den II. Preis und in Gruppe C den III. Preis. Die Entwürfe zeichnen sich ebenso sehr durch ihre malerische Anlage wie durch ihr strenges Stilgefühl aus, eine Eigenschaft, die namentlich in den Fassaden der Gruppe C, in den Kontor- und Lager¬ häusern, zum Ausdruck kommt. Die Architekten hatten den Wunsch, die Entwürfe bei uns zu veröffentlichen, weil die Wahl des Reproduktions-Verfahrens der grossen Veröffentlichung über den Wettbewerb (siehe Seite 462) dem künstlerischen Gehalt der Entwürfe nicht ganz ge¬ recht wurde. — 26. Oktober 1901. 533 noch nicht gemäss den baupolizeilichen Bestimmungen des Ortes für den öffentlichen Verkehr und den Anbau fertig gestellt sind, Wohngebäude, die nach diesen Strassen einen Ausgang haben, nicht errichtet werden dürfen. Diese Möglichkeit, ein Bauverbot ausüben zu können, ist den Stadtverwaltungen sehr wichtig, dem Grundstückbesitzer häufig sehr unbequem. Gemäss § 15 kann durch Ortsstatut festgesetzt werden, dass von dem Unternehmer einer neuen Strasse bezw. von den angrenzenden Eigenthümern — - von letzteren so¬ bald sie bauen — die Strassenkosten aufgebracht werden. Fast alle Gemeindebehörden haben von diesem Rechte Gebrauch gemacht und gemäss § 12 und 15 ein Ortsstatut erlassen. Diese Ortsstatute sind in den verschiedenen Städten keineswegs gleich, aber den gerichtlichen Ent¬ scheidungen folgend, haben die jetzigen Ortsstatute in ihrem neuesten Wortlaut grosse Aehnlichkeit mit einander. Manche schiessen noch über das gesetzliche Maass hinaus. Bei der Wichtigkeit dieser Bestimmungen wird es nicht ohne Interesse sein, nachstehend eine zusammenhängende kurze Darstellung der gesammten Verhältnisse zu geben. Da die Ortsstatute in den einzelnen Städten verschieden sind, so haben die Ausführungen zwar nicht immer volle Giltigkeit, jedoch werden sie im Allgemeinen zutreffend sein. Genaueren Aufschluss giebt der vorzügliche — aber umfangreiche • — Kommentar von Friedrichs, welcher im Nachstehenden ebenfalls benutzt worden ist. — Das Fluehtlinien-Gesetz unterscheidet zwei Arten von Strassen, nämlich historische Strassen und nicht¬ historische Strassen. Die letzteren, also die nichthisto¬ rischen Strassen, zerfallen wiederum in zwei Gruppen, nämlich: fertige und unfertige Strassen. Zwar könnte man die historischen Strassen an sich ebenfalls eintheilen in fertige und unfertige, denn es giebt thatsächlich sehr viele historische Strassen, die doch nicht fertige Strassen im Sinne der jetzt gütigen strassenbau- polizeilichen Bestimmungen sind; das Fluchtl.-Ges. macht aber keinen Unterschied zwischen fertigen und unfertigen historischen Strassen, sondern giebt allen historischen Strassen gleichmässig dieselben Vorrechte vor anderen. Der Ausdruck „historische“ Strasse, der jetzt als technische Bezeichnung allgemein gebraucht wird, hat allerlei Missverständnisse zurfolge gehabt. Eine historische Strasse braucht keineswegs eine geschichtlich bedeutungs¬ volle alte Strasse, eine alte Heerstrasse oder dergl. zu sein. Das Wesentliche derselben ist vielmehr, dass sie eine vor dem Inkrafttreten des betr. Ortsstatutes zum Fluehtlinien-Gesetz, also meistens vor 1875, zum Anbau bestimmte und fertige Ortsstrasse war. Ferner muss sie dem Verkehr innerhalb der Ortschaft gedient haben. Die Entscheidung, ob eine Strasse eine historische ist oder nicht, ist sehr schwer zu treffen. Die Prozesse zwischen Stadtgemeinden und den betr. Strassenanliegern sind un- gemein häufig. Für die Entscheidung aber wird immer wesentlich sein, ob bei Erlass des Ortsstatutes die betr. Strasse als ein ebenbürtiges Glied des gesammten Strassen- netzes den übrigen Strassen der Gemeinde gleichgestellt wer¬ den konnte. Dieser Charakter kann einer historischen Strasse nicht durch spätere Aenderungen, auch nicht durch Ab¬ änderung der Baufluchtlinien wieder genommen werden. Alle Strassen hingegen, die als historische Strassen nicht erachtet werden können, fallen in die grosse Gruppe der „nicht historischen“ Strassen. Als solche 'sind sie, wie schon oben erwähnt, entweder „fertig“ oder „un¬ fertig“. Fertig ist die Strasse nur dann, wenn sie in voller Breite freigelegt und den zurzeit der Fertigstellung gütigen strassenbau - polizeilichen ortsstatutarischen Be¬ stimmungen entsprechend befestigt ist. Bis dieser Zustand erreicht ist, bleibt sie eine unfertige, d. h. in der Anlegung begriffene, eine projektirte Strasse. Ist aber eine Strasse fertig, so kann sie durch Aenderung bezw. Verschärfung der strassenbau-polizeilichen Anforderungen nicht wieder zu einer unfertigen werden, auch nicht durch Aenderung bezw. Auseinanderziehen der Baufluchten. Für den baulustigen Anlieger ist die Art der Strasse von der allergrössten Bedeutung. Liegt das Grundstück an einer historischen Strasse, so kann dem Anlieger das Bauen an dieser Strasse, vorausgesetzt dass der Plan den besonderen baupoliz. Bestimmungen entspricht, nicht verbo¬ ten werden. Auch können aus Anlass des Anbaues an einer solchen Strasse weder Herrichtungskosten der Strasse noch Abtretungen von Strassenland gefordert werden, es sei denn, dass die betr. Strasse bei Erlass des Ortsstatutes, also etwa 1876, zwar fertig gestellt, aber noch völlig unbebaut war. Ebenso kann unter den obigen Voraussetzungen ein Bauverbot nicht ausgedehnt werden auf diejenigen nicht¬ historischen Strassen, die fertig sind. Doch kommt hier der hinkende Bote nach, denn die Gemeinde-Behörde ist berechtigt, die antheiligen Strassenkosten einzuziehen, so¬ bald an der Strasse gebaut wird. Sofern also die anthei¬ ligen Herrichtungskosten noch nicht gezahlt sind, werden diese anlässlich des Baues fällig. Diese Kosten sind übri¬ gens auch dann zu zahlen, wenn die Strasse fertig gestellt und die Festsetzung der Fluchtlinien vor Beginn des Baues auf dem anliegenden Grundstück stattgefunden hat. Noch schlimmer steht es für den Anlieger, wenn er an eine nichthistorische Strasse grenzt, die noch unfertig ist. Dieser Fall ist in der Praxis der am häufigsten vor¬ kommende und verdient daher besondere Beachtung. An unfertigen Strassen kann man zwar Fabrikgebäude, Thürme u. dergl. errichten, wenn aber Wohngebäude hergestellt werden sollen, die nach dieser Strasse einen Ausgang er¬ halten, so ist nicht nur die Genehmigung der Baupolizei- Behörde nöthig, sondern die Gemeinde -Behörde muss vorher dieser ihre Zustimmung geben. Wenn also der Entwurf auch allen baupolizeilichen Ansprüchen genügt, so kann doch die Baupolizei erst dann die Baugenehmigung ertheilen, wenn die Gemeinde-Behörde dem Projekt zuge¬ stimmt hat. Diese aber wird ihre Zustimmung in der Regel erst dann geben, wenn das Strassenland abgetreten ist und die Strassenkosten baar bezahlt bezw. hinterlegt sind.*) Betrachten wir nun die Verhältnisse bei Bebauung eines Eckgrundstückes. An zwei historischen Strassen ge¬ legen, können keine Zweifel obwalten, dass für ein solches das Bauen ohne Weiteres erlaubt ist. Ist die eine Strasse *) Anmerkung der Redaktion. Vorausbezahlung zu fordern ist die Gemeinde übrigens nicht befugt, auch nicht dazu, Sicherheit durch grundbuchliche Eintragung zu verlangen. Denn die Last ist dinglich und die Gemeinde kann ihre Forderung im Verwaltungs-Beitreibungs-Ver- fahren sich jederzeit durchfechten. Der zweiteTag fürDenkmalpflege inFreiburg i.Br. am 23. September 1901. jm 23. Sept. d. J. hat in Freiburg i. Br. als ein Theil der Generalversammlung des Gesammtvereins der - 1 deutschen Geschichts- und Alterthums-Vereine der zweite Tag für Denkmalpflege stattgefunden. Die Theil- nehmerliste dieses Tages wies rd. 90 Namen auf. Die Versammlung fand im Festsaale der Hochschule statt. Der Vorsitzende, Hr. Prof. Geh. Justizrath Dr. Lo ersch- Bonn, begrüsste die Versammlung und ertheilte sodann Hm. Minist -Rath Dr. Böhm das Wort, der die Erschienenen im Aufträge des grossh. bad. Kultusministeriums willkommen hiess. Der Redner gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass dieses Jahr Freiburg i. Br. als Ort der Tagung gewählt worden sei. Die badische Regierung habe den Bestre¬ bungen des Gesammtvereins stets das wärmste Interesse entgegengebracht und Baden dürfe sich der ersten Schritte in dieser Hinsicht rühmen, da schon die Markgrafschaft Baden-Durlach den Anfang in der Erhaltung und der ge¬ setzlichen Schirmung der Denkmäler gemacht habe. Wich¬ tiger als gesetzgeberische Maassnahmen sei die Erziehung des Volkes zum Denkmalschutz. Dass dieses Ziel erreicht werden könne, beweise das opferwillige Eintreten Privater und unserer Gemeinden für die Denkmäler, die sich in anderen Staaten, wo zu dem Zwecke des Schutzes Ge¬ setze bestehen, nicht der Fürsorge erfreuen, wie in Deutsch¬ land. Der Redner schloss mit dem Wunsche, dass sich diese Liebe und Begeisterung für die Erhaltung der Denk¬ mäler immer mehr ausbreiten und vertiefen mögen. Der Vorsitzende sprach der grossh. bad. Regierung für die erneute Versicherung ihres Wohlwollens den wärm¬ sten Dank aus, ebenso den übrigen deutschen Staaten, deren Vertreter so zahlreich erschienen. Daran schloss sich sein im Druck erschienener Bericht über den Tag zu Dresden und die Verlesung eines Schreibens des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine, der dem „Tage für Denkmalpflege“ Anerkennung und Dank aus¬ spricht und eifriges Mitwirken zusagt. Es folgten Berichte über die den Denkmalschutz und die Denkmalpflege betreffende Gesetzgebung in ihren neuesten Ergebnissen. Hr. Geh. Ob.-Reg.-Rth. v. Bremen- Berlin sprach über die Gesetzentwürfe Preussens. Wäh¬ rend in Spanien und Italien Gesetzentwürfe in Vorbereitung seien, finde man in Deutschland wohl eine Reihe Vor¬ schriften geistlicher und weltlicher Behörden, aber erst geringe Ansätze zu einer einheitlichen Gesetzgebung. In Preussen habe man schon vor 50 Jahren das Bedürfniss hierzu empfunden und danach gestrebt, durch gesetzgebe¬ rische Maassnahmen die städtischen Behörden in der Denk¬ malpflege zu unterstützen. In Preussen gelte heute das Ent¬ eignungsgesetz, das besonders bei Privatdenkmälern auch genüge. Das Ziel müsse sein, eine organische Verbindung zwischen Staat und Gemeinden zu schaffen. Der Vorsitzende besprach hierauf den Gesetzentwurf No. 86. 534 historisch und die andere eine nichthistorische und selbst noch unfertige, so könnte das Bauverbot nur dann An¬ wendung finden, wenn ein Ausgang nach der unfertigen Strasse geplant ist. Dereinst aber, wenn die unfertige Strasse fertig gestellt ist, sind die antheiligen Herrichtungs¬ kosten dieser Strasse zu bezahlen. Diese Last ist dinglich, die Kosten sind daher von Demjenigen zu zahlen, der um diese Zeit gerade Besitzer des Grundstückes ist. Liegt das fragliche Grundstück an einer Ecke einer fertigen aber nichthistorischen und einer unfertigen Strasse, so ist die Sachlage bezügl. des Bauverbotes dieselbe wie vorher. Nur bezügl. der Strassenkosten kommt noch hinzu, dass die antheiligen Herrichtungskosten der bereits fertigen Strasse eingefordert werden können, sobald gebaut wird. Handelt es sich schliesslich um ein Eckgrundstück, welches an zwei unfertigen Strassen liegt, so darf die Baupolizei erst nach Zustimmung der Gerheinde-Behörde den Bau genehmigen. Die Fälle, in denen das zu be¬ bauende Grundstück an drei oder mehr Strassen liegt, sind nach Vorstehendem unschwer zu beurtheilen, denn es kommt immer nur darauf an, ob ein Wohnhaus einen Ausgang nach einer unfertigen Strasse erhalten soll. Ist dies der Fall, so ist jedes Mal die Zustimmung der Ge¬ meinde-Behörde erforderlich. Diese Zustimmung wird in der Regel jedoch erst dann gegeben werden, wenn die Frage der Herrichtungskosten der Strassen sowie der Landabtretung geregelt ist. Hierbei wird die Gemeinde- Behörde oft die Neigung haben, diese Frage gleich für das ganze Grundstück zu regeln, und erst, wenn dies ge¬ schehen ist, die Zustimmung der Baupolizei-Behörde mit¬ theilen, sodass die letztere dann die Baugenehmigung er- theilen kann. Liegt der Ausgang eines Eckgrundstückes an der abgestumpften Ecke, so gilt meistens dieser Aus¬ gang als nach beiden Strassen führend. Bei dem Anbau an unfertigen Strassen ist also die Lage des Ausganges eines Wohngebäudes entscheidend. Gleichgiltig erscheint es dabei, ob der Ausgang unmittel¬ bar oder mittelbar auf die Strasse führt. Auch Ausgänge, welche neben den Hauseingängen vorhanden sind, kommen inbetracht, so Hofausgänge, Ladenausgänge. Ueberhaupt kann in allen Fällen, bei welchen ein Ausgang aus dem Hause und dem Grundstück nach der unfertigen Strasse führt, seitens der Gemeinde-Behörde die Ausführung des Baues untersagt werden. Unter Wohngebäuden sind solche Gebäude verstan¬ den, die zum Wohnen bestimmt sind. Räume, die nur dem Gewerbebetriebe dienen, gehören nicht hierher, selbst wenn sich darin Menschen den ganzen Tag aufhalten; auch nicht solche Gebäude, welche zum längeren Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, z. B. Schulen. Dagegen reicht es hin, wenn das Gebäude auch nur theilweise zumWohnen benutzt wird. Wenn z. B. in einem grossen Bibliotheks- bezw. Archivgebäude oder in einer Schule eine Wohnung für einen Portier eingerichtet werden soll, kann das Bau¬ verbot Anwendung finden. Dasselbe gilt von einer kleinen Wohnung auf einem noch so grossen Fabrikgrundstück; jedoch macht das Vorhandensein einer ständigen Nacht¬ wache in einer Fabrik diese nicht zu einem Wohnhause. Ein Gefängniss ist trotz des unfreiwilligen Aufenthaltes seiner Insassen als Wohngebäude anzusehen. von Bern, dem der Grundsatz der Inventarisirung zugrunde liege; das Gesetz könne sich nur auf kleinen Gebieten geltend machen, bedeute aber immerhin einen Fortschritt. Hr. Min. -Rath Frhr. v. Bieg eieben- Darmstadt be¬ richtete über den hessischen Gesetzentwurf, der gedruckt auflag und welchen er sehr eingehend begründete. Wohl habe man eingewendet, der Staat solle nicht in die Frei¬ heit des Volkes eingreifen, das selbst gewillt sei, frommen Sinnes seine Denkmäler zu hegen und neue zu schaffen. Aber es sei zu bedenken, dass sich die Zeiten gegen frü¬ her geändert, dass der Staat heute viele Aufgaben habe übernehmen müssen, die früher andere Organe erfüllten. Die Regierung wünsche, der Kirche in der Aufgabe des Denkmalschutzes ein Helfer zu sein, ja diese solle an erster Stelle stehen, und auf den pietätvollen Sinn de., Volkes werde der Staat stets Rücksicht nehmen. Dabei sollen nicht polizeiliche Gesetze und polizeiliche Hand¬ habung von Gesetzen eintreten, sondern sorgfältige Ab wägung der öffentlichen Interessen gelten. Hessen sei Kräftig vorangeschritten, und mit Recht, denn ein Klein¬ staat könne wegen der leichteren Uebersichtlichkeit inten¬ siver und rascher auf dem Gebiete der Gesetzgebung zu Gunsten des Denkmalschutzes arbeiten, als ein Grosstaat, demgegenüber der Kleinstaat dadurch auch seine Existenz¬ berechtigungvertrete. Der Redner schloss mit demWunsche, dass alle Edelgesinnten Zusammenwirken möchten, zum Wohle des geliebten deutschen Vaterlandes. Ein Beschluss, in dem die Versammlung ihre Zustim- 26. Oktober 1901. Dem Bauverbot der Gemeinde-Behörde sind auch unterstellt die Erweiterungen von bereits bestehen¬ den Wohngebäuden. Es darf jedoch nicht jede auch noch so geringfügige Erweiterung eines Wohnhauses dem „Errichten eines Wohnhauses“ im Sinne des § 12 gleich¬ gestellt werden; wenn z. B. nur ein offener Balkon, eine Veranda gebaut werden soll, wenn Fenster ausgebrochen werden, so kann dies nicht dem Errichten eines Wohn¬ gebäudes gleich erachtet werden. Wird dagegen ein bisher zu anderen Zwecken be¬ nutztes Bauwerk in ein Wohnhaus umgewandelt, so kommt dies dem Errichten eines Wohngebäudes gleich, selbst wenn damit bauliche Aenderungen nicht verbunden sind. In solchen Fällen kann die Polizeibehörde die Benutzung zu Wohnzwecken zwangsweise hindern, falls nicht etwa die Gemeinde-Behörde nachträglich ihre Zustimmung giebt. Auch der Wiederaufbau eines abgebrochenen oder durch Naturereignisse (Feuer, Ueberschwemmung usw.) zerstör¬ ten Wohngebäudes fällt unter das Bauverbot. Diese Be¬ stimmung kann also eine grosse Härte in sich schliessen. Im Vorstehenden wurde das Bauen an einer Strasse, sei es an einer historischen oder nichthistorischen, sei letztere fertig oder unfertig, erörtert. Es erübrigt nun noch die Bebauungsfrage bezüglich des zwischen den Strassenfluchten belegenen Geländes, also auf dem fluchtlinienmässigen Strassenlande, zu behandeln. Der betr. Paragraph des Gesetzes besagt: „Mit dem Tage, an welchem die vorgeschriebene Offenlegung des Fluchtlinien- Planes beginnt, tritt die Beschränkung des Grundeigen- thümers, dass Neubauten, Um- und Ausbauten über die Fluchtlinie hinaus versagt werden können, endgiltig ein“. Den Gegenstand des Bauverbotes für Strassengelände bilden also: Neubauten, Um- und Ausbauten. Unter Neu¬ bauten ist alles zu verstehen, was im technischen Sinne „gebaut“ wird, also ausser Häusern auch Thürme, Denk¬ mäler, Thore, Portale, Spaliere, Mauern, Kanäle, offene Schuppen. Ausgenommen sind einzig und allein Um¬ zäunungen und Umwährungen, gleichgiltig ob diese massiv sind oder ob es sich nur um einen Holz- oder Drahtzaun handelt. Schwieriger sind die Begriffe der „Um- und Ausbauten“. Hier kommen alle die Fälle inbetracht, in denen es sich um bauliche Vornahmen an Bauten han¬ delt, die ganz oder theilweise über die festgesetzte Bau¬ flucht hinaus springen. Diese „Um- und Ausbauten“ stehen im allgemeinen in der Mitte zwischen Neubau und Re¬ paratur. Keineswegs soll der Besitzer gezwungen wer¬ den, solche Gebäude bezw. Gebäudetheile dem Verfall preiszugeben, sondern Reparaturen sind durchaus statt¬ haft, auch wenn dieselben so umfangreich sind, dass eine baupolizeiliche Genehmigung nöthig ist. Kommen aber die geplanten Reparaturen einem wirklichen Umbau oder gar Neubau gleich, so kann die Gemeindebehörde diese Arbeiten verbieten. Einen Umbau wird man da annehmen können, wo die Umgestaltung behufs einer von der bisherigen ab¬ weichenden Benutzung vorgenommen wird; doch ist eine solche neue Zweckbestimmung keineswegs unbedingt er¬ forderlich. Erhält das Gebäude durch den Um- und Aus¬ bau eine besondere Werthsteigerung, so haben die Ge¬ meindebehörden besonderen Anlass, den Bau zu ver- mung zu dem von Hessen vorbildlich gethanen Schritte ausdrückt, wurde einhellig gefasst. Eine lebhafte Erörterung knüpfte sich an einen An¬ trag des Hrn. Prof. Dr. Mehlis-Neustadt a. d. H. auf Er¬ möglichung der Enteignung wichtiger Denkmäler zu Gunsten des Reiches. Dieser begründete die Nothwendigkeit, für Deutschland, wie in anderen Staaten längst geschehen, ein solches Gesetz zu schaffen, mit dem Hinweis auf die Pfalz, wo sich viele archäologisch werthvolle Denkmäler (Burg¬ ruinen) in Privatbesitz befänden, deren Bestand daher ge¬ fährdet sei. Hr. Ob.-Bürgermstr. Struckmann-Hildesheim trat in längeren Ausführungen für ein Gesetz em, das den Polizeibehörden gestatte, eine Bauverordnung zu erlassen, die eine unschöne und unpassende Bauweise verbiete. In Hildesheim, der an architektonischen Bauten berühmten Stadt, bestehe eine solche Verordnung und wirke sehr segensreich. Ferner müsse das Enteignungsrecht auch den Gemeinden übertragen werden, da der Staat unmög¬ lich alle werthvollen Bauten kaufen könne. Hr. Geh. Ob.-Reg.-Rth. v. Bremen entgegnete, der Staat übe das Enteignungsrecht zu Gunsten der Gemein¬ den und werde, wenn sie sich mit entspr. Anträgen an ihn wendeten, diese nicht zurückweisen. Polizeiliche Ver¬ ordnungen fänden kaum überall Anklang. Hr. Konservator Wolff-Strassburg i. E. sprach über die in den Reichslanden geltende Einwerthung (classement) der Denkmäler und ihre praktische Wirkung. Er gab zu- 535 bieten. Jedoch werden Billigkeitsgründe bei der Ent¬ scheidung, ob der Umbau zugelassen werden soll oder nicht, jedenfalls oft den Ausschlag geben. Für den Baulustigen ist, wie ersichtlich, die Sachlage nicht immer leicht zu durchschauen. Das Fluchtlinien- Gesetz ist zwar kurz, aber es birgt eine unverhältniss- mässig grosse Zahl von zweifelhaften Fragen in sich. Die Benutzung des Handbuches von Friedrichs ist sehr zeit¬ raubend und bietet dem mit der Sache nicht besonders Vertrauten häufig nicht gewünschten Aufschluss. Wenn aber der Baulustige, sei er Privatmann, sei er staatlicher Be¬ amter, sei er angehender Grundstücksbesitzer, spätere un¬ liebsame Verzögerungen in der Ertheilung der Bauerlaub- niss und Ueberraschungen bezüglich derStrassenkosten und Strassenland-Abtretungen vermeiden will, so kann dem¬ selben nur empfohlen werden, sich rechtzeitig an das be¬ treffende Bauamt bezw. an den betr. Beamten, der diese Sachen bearbeitet, zu wenden. Dies wird in fast allen Fällen das kürzeste und beste Verfahren sein, um sich vor Schäden zu bewahren. — Vermischtes. Die Direktion der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe i. B. ist nach dem Tode von Götz an den Direktor der Kunst¬ gewerbeschule in Zürich, Prof. K. Hoffacker, überge¬ gangen, welcher durch diese Berufung seinem Heimath- lande — Hoffacker ist in Heidelberg geboren — wieder¬ gegeben ist. Bei der Stellung, die Götz im öffentlichen Kunstleben Badens sich zu erringen wusste, bedarf es für jeden Nachfolger der Anspannung der äussersten Kräfte, um diese Stellung im gleichen oder höheren Maasse aus¬ zufüllen. Jedenfalls aber kann dieses von Hoffacker er¬ wartet werden, der ausserdem unbefangen genug sein wird, die jüngeren Kräfte, die sich regen, zur freien Ent¬ faltung ihrer Kunst, wenn sie eine persönliche ist, zu führen. In diesem Sinne ein Glück auf! — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben der Stadt Koethen betrifft Ent¬ würfe für ein Hospitalgebäude, ein Doppelwohnhaus für Pfarrer und ein Einfamilienhaus für den Oberbürger¬ meister und wendet sich an die Architekten Deutschlands. Es gelangen 3 Preise von 1500, 1000 und 500 M. zur Ver- theilung. Dem Preisgerichte gehören u. a. an die Hrn. Prof. J. Vollmer in Berlin, Reg.- und Ob.-Brth. Janus- kowski in Dessau, Reg.-Bmstr. Gothe und Stdtbmstr. Bunzel in Koethen. Näheres nach Einsicht der Unter¬ lagen, die gegen 2 M., welche zurückerstattet werden, durch die Hospitalinspektion z. St. Jacob in Koethen be¬ zogen werden können. — Personal-Nachrichten. Baden. Der Dir., Prof. K. Hoffacker in Zürich ist zum Dir. der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und, gleichzeitig z. ord. Kollegial-Mitgl. b. Gewerbeschulrath ernannt. — Dem Reg.-Bmstr. Riegger in Ueberlingen ist der Tit. Bahnbauinsp. verliehen. Bayern. Der Eisenb.-Ass. Rathmayer in Nürnberg ist z. Vorst, der Betr.-Werkst. Eger berufen. — Der Ob.-Ing. Volkert in Nürnberg ist z. Kanalamts-Dir. ernannt. Der Ob.-Bauinsp. Schmidt v. Zabierow in Passau und der Ob.-Ing., Ob.-Bauinsp. Siry in Landshut sind in den Ruhe¬ stand getreten. Ernannt sind : die Ob.-Ing. Rosmann in Regensburg, Ben- k e r t in Kempten, Pfeiffer in Bamberg, Wagner in Weiden, v. Moro in Würzburg, Lehn er in Ingolstadt, Roos in Weiden, H ä n 1 e i n in Nürnberg, Knorr in Würzburg, Längenfelder bei d. Gen. -Dir., Straub in München, Bauer in Rosenheim, Spiegel in Augsburg, Frobenius in Regensburg, F örder- reuther bei d. Gen. -Dir., Körper in Bamberg, Schrenk in Nürnberg, S c h m i d in Rosenheim, Ebert bei d. Gen. - Dir., Schilcher in Augsburg, Bullinger in München u. Welcher bei d. Gen. -Dir. zu Reg.-Räthen; — die Bez.-Ing. Grimm in Bamberg, v. Müller in Nürnberg, Opel bei der Gen. -Dir., Dereum in Kempten, Kieffer in Rosenheim, Zange in Regensburg, Markert in Würzburg u. W i c k 1 e i n bei d. Gen. -Dir. zu Dir.-Räthen ; — die Bez.-Ing. Götz in Nürnberg, Maier in Augsburg, Schlagintweit in Regensburg, Quinat in Nürnberg, v. Fei- litzsch in Bayreuth, Zahn in Ingolstadt, Wagner in Rosen¬ heim, Schöntag in Ingolstadt, Roscher bei d. Gen.-Dir., Thenn in Augsburg, Panzer in Ansbach, Wagner in München (bish. in Eger), Perzl in Weiden, Lutz in Regensburg, Sperr in Neu-Ulm, Rabl in Rosenheim, Edinger in Memmingen, Marg- graff in München, Frank in Donauwörth, Weikard in Nürn¬ berg, Horn in Würzburg, Bassler in Mühldorf, Rlinnewolff bei d. Gen.-Dir. (bish. in Aschaffenburg), Haase in Regensburg, Stettner in Schweinfurt, Wöhrle in Würzburg, Hartwig in Treuchtlingen, Kalckbrenner in Nürnberg, Hofmann in München, Schiesing in Nürnberg, Haberstumpf in Schwein¬ furt, März in Nürnberg, Schnitzlein bei d. Gen.-Dir., v. Ese¬ beck in Lindau (bish. in Buchloe), Barth in Hof, Schwenck in München, Fries in Bamberg, Gar eis in Regensburg, Loy in Bamberg, Stein in Kitzingen, Rosskopf bei d. Gen.-Dir., Wagner in Nürnberg, Z e n n s in München, Mangold in Rosen¬ heini, Fahr in Würzburg, Reinsch in Kempten, v. Pechmann in Rosenheim, v. B e z o 1 d in Augsburg, Gumprich in Kempten, Rexroth in Marktredwitz , Demeter in Lichtenfels, Stumpf in W eiden, Liedererv. Liederscronin Schweinfurt, M a i s t r e in Buchloe (bish. in Kempten), K ö s s 1 e r bei d. Gen.-Dir., v.Neu- beck in München, Marggraff in Augsburg, Westhoven in Rosenheim, Steinhäuser in Nürnberg, Kieffer in Bayreuth, Eger mann bei d. Gen.-Dir. , Hafner in Ansbach , F 1 e i d 1 in Kronach, Ehrne v. Melchthal in Wasserburg, Weiss in Landshut, Reif in Nördlingen, Kuffer in Bamberg, Schmitt in Schwandorf, Bleibinhaus in Kirchseeon, W e i n g a r t und Seefried in München, Grossmann in Rosenheim, Landgraf in Miltenberg, Kessler in Nabburg, Englmann in Amberg, Dr. Groeschel in München , Riedenauer in Würzburg, Beutel bei d. Gen.-Dir., Dasch in Passau, Müller in Eisen¬ stein und H e i n t z in Würzburg zu Ober-Bauinsp. — Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. N. in Düsseldorf. Eine Norm für litterarisch- technische Arbeiten giebt es natürlich nicht, dazu kommt es doch auch zu sehr auf die Art der Arbeit an. Als Anhalt sei Ihnen angegeben, dass bei selbständigen Leistungen, wie z. B. für die Bearbeitung von Lehr- und Handbüchern besserer Art 60—120 M., im Durchschnitt 80 M. für den Druckbogen von Verlagsfirmen gezahlt werden. Höhere Preise sind Ausnahmen. — Inhalt: Die elektrische Hoch- und Untergrundbahn in Berlin von Siemens & Halske. — Strassen und deren Bebauung in Beziehung zum preussischen Fluchtlinien - Gesetz. — Aus dem Wettbewerb des Vereins „Lüder von Bentheim“ in Bremen. — Der zweite Tag für Denkmalpflege in Freiburg i. Br. am 23. September 1901. — Vermischtes. — Preisbe¬ werbungen. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. nächst eine Uebersicht über die Thätigkeit der franzö¬ sischen Regierung zur Denkmalpflege in Elsass-Lothringen. Diese Thätigkeit habe gleich nach der französischen Re¬ volution eingesetzt. Es seien Vorschriften zur Klassifi- zirung erlassen, Kostenanschläge aufgestellt und ein Archiv angelegt worden. Dieses befinde sich jetzt in Paris; es sei aber der deutschen Regierung gelungen, Abschriften der Akten und Pausen von den Zeichnungen zu erlangen, die im kaiserl. Archiv zu Strassburg aufbewahrt seien. Es folgten dann Berichte der Hrn. Prov.-Konservator Haupt-Eutin und Museums-Dir. Meier- Braunschweig über Hilfsmittel der Denkmalkunde, insbesondere über Werth und Einrichtung der Denkmäler-Archive und ver¬ wandter Sammlungen. Zum Schlüsse hielt Hr. Arch. Kempf-Freiburg einen Vortrag über das Freiburger Münster. In warmherzig empfund m, begeisterten Worten und schöner Sprache bot der Redner auch den Freiburger Hörern viel Fesselndes und Neues. Die Rechtsgescbichte des Münsters behandelte in einem ausgezeichneten Vortrage Hr. Prof. Dr. Stutz. Beide Vorträge, welche unter verschiedenen Gesichts¬ punkten eine Geschichte des Münsters lieferten, Hessen insofern auch eine entgegengesetzte Auffassung hervor¬ treten, als Hr. Kempf die Ansicht vertrat, dass die erste Kirche der Stadt Freiburg (oratorium, ecclesia oder capella genannt) nicht das Münster gewesen sei bezw. nicht 536 auf dem Münsterplatz gestanden habe, während Hr. Prof. Dr. Stutz an der bisherigen Ueberlieferuug festhielt, dass das Münster das erste und längere Zeit einzige Gottes¬ haus der Stadt Freiburg gewesen sei. Hr. Kempf stützte seine Beweisführung unter Anderem auf die Thatsaehe, dass Freiburg von Herzog Konrad von Zähringen als eine Kaufmannsstadt gegründet worden sei, woraus als höchst¬ wahrscheinlich geschlossen werden müsse, dass sie auch ihr erstes Gotteshaus, das auf dem Franziskanerplatz in der Nähe des heutigen Rathhauses erbaut worden sei, dem heil. Martin, dem Schutzpatron der Kaufleute, ge¬ weiht haben werde. Es handelt sich bei der Entschei¬ dung über diese Frage um ein Problem. Hr. Prof. Dr. Stutz bezeichnete die ganze Rechtsgeschichte des Münsters als einen langsamen, aber glorreichen Aufstieg zu den für immer festgeordneten Rechtsverhältnissen, wie sie nun durch den jüngsten Vertrag zwischen der Stadt und der Kirchenfabrik geschaffen worden sind. Es ist ein schöner Gedanke gewesen, den er dabei ausge¬ sprochen hat, dass die Universität, wenn sie auch äusser- lich jedes Recht an das Münster im Laufe der Zeit ver¬ loren habe, dieses Recht doch in höherem Sinne wieder gewinnen und durch ihre Forschungen in idealster Weise den herrlichen Bau sieh aufs Neue zu eigen machen könne. — (Schluss folgt.) No. 86. DEUTSCHE BAUZEITUNG. XXXV. Jahrgang No. 87. Berlin, den 30. Oktober 1901. Heilstätten und Heilanstalten. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen auf Seite 539. 3. Das Auguste- Viktoria-Heim zu Eberswalde. iesem schon früher in der Dtsch. Bztg. (vgl. Jhrg. 1896 | S.86) als Lehrkrankenhaus vorgeführten Mutterhause ‘ der in der Provinz Brandenburg zu einem Verbände zusammengeschlossenen Vaterländischen Frauenvereine ist im Laufe der Zeit auch eine Heilstätte angegliedert wor¬ den und zwar für Lungenkranke, in der einfachen Weise der ursprünglichen Anlage am Grabowsee, nämlich mit Döcker’schen Baracken. Es sind davon bis jetzt fünf auf¬ gestellt, von welchen eine als Speisesaal eingerichtet ist. Eine sechste soll noch als Liegehalle aufgestellt werden. Die ganze Anlage befindet sich mitten im Walde und bildet eine von der Hauptanstalt verpflegte Kolonie für sich, die auch von jener durch einen Zaun geschieden ist. Aber auch die Heilanstalt selbst hat bald das Bedürf- niss nach einer Erweiterung gefühlt und diese Erweiterung hat in Verbindung mit den Anforderungen der Heilstätte eine Verbesserung und Vergrösserung der wirthschaft- lichen Anlagen nach sich gezogen. Das neue im Bau begriffene Krankenhaus (vgl. die Ab¬ bildungen S. 539) soll mit dem alten Gebäude durch einen überdeckten Gang verbunden werden. Da sich hier die Zufahrt zum Wirthschaftshof befindet, ist auch an dieser Stelle der Eingang zum neuen Hause angenommen wor¬ den, sodass ausser der Vorfahrt zum Haupteingange des alten Gebäudes kein weiterer Zugang die Anstalt nach aussen hin öffnet. Die beschränkte Baustelle im Verein mit dem Umstande, dass die nach dem Walde hin be- legene Vorderfront ausschliesslich Krankenräumen vorzu¬ behalten war, zwang dazu, einen Grundriss in der Form eines Winkelhakens (vgl. die Abbildg.) zu wählen, dessen nach hinten sich erstreckender Flügel die Räume für die ärztliche Behandlung und dessen nach vorne ausgehender, die gesammte Bauanlage seitlich abschliessender Flügel die grösseren Krankensäle für die dritte Klasse enthält. Dieser Flügel steht nur, wie baupolizeilich allgemein er¬ forderlich, 5 m von der Grenze ab. Um nun den aus ge¬ sundheitlichen Rücksichten erforderlichen und auch für Krankenräume polizeilich vorgeschriebenen grösseren Ab¬ stand von einer etwaigen Bebauung des Nachbargrund¬ stückes sicher zu stellen, ist mit der benachbarten Stadt¬ gemeinde ein in das Grundbuch eingetragenes Ueberein- kommen dahin getroffen worden, dass bei einer etwa ein¬ tretenden Bebauung die Gebäude 15 m von der Grenze zu¬ rückzubleiben haben. Zwischen den beiden Flügeln ist das Krankenhaus mit Rücksicht auf die vielen Einzelräume, die für die I. u. II. Klasse verlangt wurden, mit einseitigem Längs¬ flur angelegtworden. Bei dieser Gelegenheit mag eingeschal¬ tet werden, dass sich die Längsfluranlage auch für andere Zwecke nicht immer umgehen lassen wird, wie schon im ersten Beispiel der Kottbuser Lungenheilstätte gezeigt ist, und dass sie auch, wenn zweckmässig durchgeführt, keineswegs die allgemeine Verurtheilung verdient, die ihr jetzt gewöhnlich in der Litteratur über den Krankenhaus¬ bau zutheil zu werden pflegt. Fenster und Thüren müssen nur so angelegt und die Flurwände grösserer Kranken¬ säle so oft von inneren Fenstern durchbrochen werden, dass Querlüftung überall möglich ist. Die Flurgänge dienen dann zugleich als Wandelbahnen. Im vorliegenden Bei¬ spiele ist ausserdem durch Versetzung der Haupttreppe gegen den Flurgang eine mit Sitzplätzen ausgestattete Aufenthaltshalle geschaffen worden. Für die III. Klasse ist den Krankensälen ein Tagraum vorgelegt, der im Sommer durch Aushängen der die grosse Mittelöffnung schliessen- den Fenster zu einer offenen Halle umgewandelt werden kann. Sämmtliche Decken des Hauses sind massiv, bis auf die Balkendecke des Mansardengeschosses, in dem eine Anzahl von Zimmern für die Krankenschwestern vor¬ gesehen sind. Da im Hause keine epidemisch Kranken Aufnahme finden, so war diese vortheilhafte Anordnung wohl zulässig. Auf dem Hofe dahinter ist ein Waschhaus (vgl Abb. und Lageplan) für maschinellen Betrieb nebst Desinfek¬ tions-Anlage angeordnet. Auch befindet sich darin die von einem Gasmotor getriebene Pumpe zur Wasserversorgung der ganzen Anstalt. Für den Maschinisten ist im Ober¬ geschoss des höher geführten Gebäudetheiles eine Wohnung vorgesehen. Etwas abseits gelegen hat an der Nachbar¬ grenze der Obduktionsraum Platz gefunden; von hier aus finden auch unauffällig die Beerdigungen statt. Ein massiver Eiskeller wird mitten im Walde angelegt. Die Baukosten für das neue Krankenhaus sind auf 157000 M. veranschlagt, für das W7aschhaus einschl. der maschinellen Einrichtungen 33000 M. Dazu kommen noch für das Nebengebäude 5000 M. und für die allgemeinen (Wasserversorgungs-, Entwässerungs-, Pflasterungs- usw.) Anlagen 14000 M. — Theodor Go ecke. Mittheilungen aus Vereinen. Pfalz. Kr.-Ges. des bayerisch., sowie unterrhein. Bezirks- Verb. des badisch. Arch.- u. Ing. -Vereins. Beide Vereine veranstalteten am 6. Okt. unter Führung der Vereins- Vorstände Ob. -Ing. Jolas, Ludwigshafen, und Stdtbrth. Eisenlohr, Mannheim, einen gemeinschaftlichen Ausflug nach Ludwigshafen und Mannheim, zu welchem sich trotz ungünstiger Witterung etwa 70 Theilnehmer, darunter 16 Damen, eingefunden hatten. Zunächst wurde auf fest¬ lich beflaggtem Dampfer eine 3 ständige Fahrt durch die umfangreichen Hafenanlagen beider Städte unternommen. Von dem Winterhafen beim Bahnhofe Ludwigshafen ging die Fahrt nach der Landungsbrücke in Mannheim zur Aufnahme der bad. Vereinsgenossen und deren Damen, sodann nach dem bayer. Luitpoldhafen*) und nachPassirung dreier Drehbrücken, sowie einer Kammerschleuse bei Mundenheim — etwa 2,7 km oberhalb der Rheinbrücke — wieder in den offenen Rhein; hierauf stromabwärts nach den Mannheimer Hafenabtheilungen und zwar in den Mühlauhafen — 2,1 km lang — , dann in den Neckar strom¬ aufwärts bis zur Friedrichsbrücke — Uferlänge 3,25 km — , ferner wieder stromabwärts durch eine Kammerschleuse nach dem zumtheil noch in der Bauausführung begriffenen Mannheimer Industrie- und Flosshafen (Ing. Stdtbrth. Eisenlohr). Mächtige Baggermaschinen besorgen die Aufhöhung des westlichen Ulergeländes , welches mittels einer im Bau begriffenen Drehbrücke Schienengleis-Ver¬ bindung mit den Mannheimer Bahnhöfen erhalten wird. Leider verhinderte die Einrüstung der Drehbrücke die Dampferfahrt nach dem nördlich sich anschliessenden Alt¬ rheine, woselbst sich schon seit Jahren hochbedeutende Industrien angesiedelt haben. S. Deutsche Bztg. Jahrg. 1897 S. 613/14. Im eigentlichen Industriehafen bemerkte man unter anderem ein im Rohbau nahezu fertiggestelltes Mühlen¬ werk mit Silo-Anlage, welches am gleichen Abend durch den orkanartigen Sturm leider zum theihveisen Einsturz gebracht wurde. Die Dampferfahrt endete am südlichen Ende des Industriehafens, bei dem vor einigen Jahren neu erbauten Elektrizitätswerke der Stadt Mannheim (Arch. Ritter bei der Firma Holzmann & Co.). Dieses wurde unter Führung des Ing. Franz der Firma Brown, Boveri & Cie. eingehend besichtigt. Hierauf verfügte man sich mit der elektrischen Strassen- bahn nach den umfangreichen und weiträumigen Depot¬ anlagen derselben (Arch. Lindner) unter Führung des Strassenb.-Dir. Löwit. Auf dem nun folgenden Gange nach dem neuen Park¬ hotel „Pfälzer Hof“ wurden die in grösserer Zahl in mehr oder minder reicher Ausführung erstandenen Neubauten des betreffenden Stadttheiles, bei welchen vielfach der sogenannte „Jugendstil“ vertreten ist, besichtigt. Beson¬ deres Interesse errregten die neue Oberrealschule (Arch. Uhlmann) und die im Bau begriffene neue Festhalle der Stadt Mannheim (Arch. Prof. Bruno Schmitz). Ein vor¬ zügliches Abendessen in dem schon genannten Hotel (Arch. Köchler & Karg) bildete 'den Schluss des in der anregendsten Weise verlaufenen Ausfluges. — -.jrmR Vermischtes. Zum 70. Geburtstage von C. Kopeke Das Fest seines 70. Geburtstages beging am 28. d. M. i voller geistiger und körperlicher Frische der Geheime Rath C. Kopeke in Dresden, Vortragender Rath im kgl. sächs. Finanz- Ministerium, dessen Name als der eines Förderers nament¬ lich des deutschen Brückenbaues sowohl vom Standpunkte 53/ Verbesserung der Schiffbarkeit der Donau von Kelheim bis nach Ulm. (Nach den Untersuchungen von Bauamtmann Ed. Fab er.*) §r tts'urch den bayer. Verein für Hebung der Fluss- und h Kanalschiffahrt und auf Kosten der Handelskammer in Ulm sind durch das unter der Leitung des kgl. Bauamtmannes Ed. Faber stehende technische Amt des ge- nanntenVereines Studien angestellt worden, die Ende dieses Jahres zum Abschluss kommen und welche einerseits die Frage der Schaffung eines Grosschiffahrtsweges für 600 t Schiffe im Tale der bayerischen Donau bisÜlm aufwärts lösen sollen, anderseits, da die Ausführung einer solchen Wasserstrasse jedenfalls noch in weiter Zukunft liegen würde, die Mittel und Wege feststellen sollen, mit Hilfe deren die Schiffahrts-Verhältnisse auf der Donau schon jetzt mit geringeren Mitteln verbessert werden können, um so durch Steigerung des Verkehres dem Plane eines Gross¬ schiffahrtsweges vorzuarbeiten. Nach der ersten Untersuchung ist nachgewiesen, dass der geringe Wasserstand der stark fallenden Donau ober¬ halb Kelheim die Schaffung eines Grosschiffahrtsweges durch Flussregulierung nicht gestattet. Es ist daher ein Seiten¬ kanal, möglichst am hohen Ufer, vorgesehen, der bei 168,5 km Länge von Kehlheim bis Ulm 127™ Gefälle mit 13 Staustufen (also mittlere Länge mit 13 km verhältnis¬ mässig günstig) zu überwinden hätte. Als Querschnitt ist ein dem Dortmund-Ems-Kanal entsprechendes Profil ge¬ dacht. Der Kanal würde dann den Abmessungen der geplanten Österreich. Wasserstrassen entsprechen und auch den Massen, wie sie für die zum Rhein durch das Neckar- tal bezw. durch den Main- Donau- Kanal**) führenden, ge- jplanten und z. T. schon näher untersuchten Anschlüsse angenommen sind. Den Untersuchungen über die Verbesserung der Schif¬ fahrts-Verhältnisse im Donaustrom selbst geht eine Schilde¬ rung des jetzigen Zustandes voraus, aus welchem die Schlüsse für eine Verbesserung der Verhältnisse gezogen werden. Die Donau hat von der Einmündung der Iller oberhalb Ulm, von wo an sie flössbar und schiffbar wird, bis zur Reichsgrenze unterhalb Passau eine Länge von 386,71 km. Nach Durchbrechung der Rauhen Alb (Jura- Kalk) tritt sie unterhalb Ulm bei Thalfingen in eine breite Talebene, die sie bis Hofkirchen-Pleinting, Km. 322, ver¬ folgt; dort wird der südliche Teil des bayerischen Waldes (Urgebirge) erreicht, den sie bis jenseits der Landes¬ grenze in engem Bette durchzieht. Die Donauebene zwi¬ schen Thalfingen und Hofkirchen wird durch 2 Einschnü¬ rungen unterhalb Stepperg bezw. Weltenburg in drei Abschnitte geteilt. Innerhalb dieser Ebene ist das Fluss¬ bett zumeist in leicht beweglichen, teilweise mit Lehm¬ schichten durchsetzten Geröllboden eingeschnitten. Das Geschiebe besteht hauptsächlich aus Kalk und wechselt in seiner Grösse von feinstem Gruss bis zu Geröllstücken von 14 cm Länge, 8 cm Breite, 7«^ Stärke (letzteres je¬ doch nur an den Mündungen der Iller und des Lech). Infolge dieser Bodenbeschaffenheit zeigte der Flusslauf vor seiner planmässigen Korrektion, die seit Mitte der 30 er Jahre im vorigen Jahrhundert allmählich du chge- führt wurde, ein vielfach gewundenes, stark verwildertes Bett. Schon vorher hatte man, lediglich im Interesse der besseren Wasserabführung und zum Schutze der anlie¬ genden Ortschaften und Ländereien, namentlich in der „oberen Donau" (von der Illermündnng bis Km. 121,07, d. h. bis zur schwäbisch-oberbayerischen Grenze), zahl¬ reiche Durchstiche ausgeführt, von denen der sogen. Karolinenkanal zwischen Lauingen und Dillingen der be¬ deutendste ist und seinerzeit als eine hervorragende tech¬ nische Leistung galt. Die durch Durchstiche hergestell¬ ten Begradigungen bilden zus. 44% der ganzen Strecke der oberen Donau. Die längste Gerade hat 8km Länge. An der „mittl er en Donau" (von Km. 121,07 bis Km. 209, d. h. bis zur Einmündung des Regenflusses bei Regens¬ burg reichend) bestehen die älteren Bauten hauptsächlich in Ufersicherungen. Die Durchstiche späterer Zeit sind zugleich auch im Interesse der Schiffahrt ausgeführt; sie liegen alle oberhalb Weltenburg, von wo ab die felsigen Ufer eine Verwilderung des Flussbettes an sich Verhin¬ dern. Die Begradigungen machen auf dieser oberen Strecke etwa 42 °/0 aus. In der „unteren Donau“ waren die Korrektionsarbeiten vorwiegend auf den Schutz der vorhandenen beweglichen Ufer gerichtet. Die Herstellung von Durchstichen erwies sich nicht als nötig. Als Normal¬ breiten sind bei den späteren Ausführungen festgehalten an der Mündung des Lech etwa 76“, der Ilm 102“, des -*) „Studien über die Verbesserung der Schiffbarkeit der Donau von Kelheim bis Ulm“ von Ed. Faber, königl. Bauamtmann, Vorstand des techn. Amtes d. Ver z Hebung d. Fluss- und Kanalschiffahrt in Bayern Verbands-Schriften, neue Folge, Heft XIX des deutsch-österr.-ungar. Ver¬ bandes f. Binnenschiffahrt. Vlg. v. A. Tröschel in Berlin.. **) Vergl. S. 430 ff. Regen 124™, der Isar 175 m und schliesslich an der Inn- Mündung 233,5 m- b>ie Korrektion, die mit Parallelwerken durchgeführt wurde, ist der Hauptsache nach beendet. Die Ufer sind mit Steinbauten, meist mit D/2 Rissiger Böschung gegen Abbruch gesichert. Die Untersuchungen erstrecken sich auf die Strecke von Ulm bis Kelheim (Km. 194), also auf diejenigen Strecken der Donau, die gegenüber dem früheren Zu¬ stande am meisten durch die Korrektion verändert sind. Sie haben ergeben, dass der Talweg streckenweise bei jedem Hochwasser von Ufer zu Ufer wechselt und zwar; dass die Veränderungen um so grösser, die Uebergänge um so schroffer sind, je mehr der Flusslauf durchdieKorrektioas- arbeiten begradigt wurde. Betrachtet man die Donau von Ulm bis Km. 165, d. h. die mit Durchstichen verkürzten Strecken des Flusses, so fallen auf die fast alljährlich wechselnden Lagen des Talweges 28,2%, auf Flusstrecken mit festliegendem Talweg 258%, auf diejenigen Strecken, die zwischen den beiden Grenzwerten liegen 46,0%. In den Strecken mit alljährlich wechselnder Lage des TalJ weges schwankt dieser ausserdem auf kurzen Strecken; im Mittel 415™, zwischen dem einen und anderen Ufer, bei den festhegenden Strecken dagegen in mittleren Län-i gen von 943 m. Die Untersuchungen, die sich auf Karten“ materialien stützen, die bis auf das Jahr 1874 zurück¬ gehen, stellen nun fest, dass eine dauernde Festhaltung des Talweges nur in den gewundenen Flusstrecken möglich ist, dass dann ausserdem ein bestimmtes Verhältnis zwischen den Halbmessern auf einander folgender Gegenkrümmun¬ gen, zwischen den Längen der Krümmungen selbst und denjenigen der dazwischen liegenden Geraden bestehet! muss. Zu genauen Feststellungen dieser Verhältnisse reichen die Untersuchungen aber noch nicht aus, nur ge¬ wisse Grenzwerte lassen sich festlegen. Ausser der Veränderlichkeit des Talweges kommt für die Schiffbarkeit ferner die Tiefe über den Schwellen im Talweg in Betracht. Im Jahre 1899 wurden Aufnahmen der ganzen Strecke bis Kelheim bei anhaltendem Niedrig¬ wasser gemacht. Die kleinsten Wassertiefen über den Schwellen fanden sich zu 20, 25, 60 bei Km. 20—23 (Leipheim), Km. 71 und von Km. 122 — 167 (von oberhalb Ingolstadt bis gegen die Weltenburger Enge) Da¬ zwischen liegen mehrere Strecken grösserer Tiefen bis zu 1,50“. Der Verlauf der Tiefen über den Schwellen im Talweg entspricht danach durchaus nicht der Zu¬ nahme der Niederwassermenge von Ulm bis Kelheim, sowie der Abnahme des Gefälles auf dieser Flusstrecke. Es entspricht vielmehr im allgemeinen der geringste Wasserstand den Strecken mit veränderlichem Talweg und schroffem Uebergang von einem zum anderen Ufer, das sind aber vorzugsweise die geraden oder sanft ge¬ krümmten Strecken. Der Verfasser kommt danach zu dem Schlüsse „dass die Grundrissform eines Flusses, sobald die Sohle zwischen den Ufern beweglich ist und dieNiederwassermenge geschlossen zum Abfluss kommt, die Ausbildung des Talweges vorwiegend beherrscht“. Diese Folgerung wird auch durch Vergleiche mit der bayerisch-badischen Rheinstrecke bei Deftenheim dicht oberhalb Germersheim und dem Inn zwischen Kiefers¬ felden bis Flintsbach näher begründet, wo Verhältnisse vorliegen, die nur so ihre Erklärung finden könnten. Eine wesentliche Verbesserung der Schiffbarkeit der in Betracht kommenden Donaustrecken würde also durch Festlegung der Flussrinne in ganzer Länge erreicht wer¬ den. Hierzu stehen nach den Ausführungen des Ver¬ fassers bei Flüssen mit beweglicher Sohle zwei Mittel zur Verfügung; die Herstellung einer entsprechenden Grund¬ rissform der auf Niederwasser oder unter demselben ge¬ legenen Ufer, oder der Einbau von Grundschwellen (unter welchen in diesem Falle nicht durchgehende Schwellen, sondern buhnenartige, vom Ufer zur Flussmitte gerichtete flach abfallende Bauten verstanden werden sollen) oder an deren Stelle die vollwandigen, flach geböschten Ufer selbst. Nach Versuchen am Oberrhein und Inn kömmt Verfasser zu dem Ergebniss, dass zur Regulierung einer Flussrinne mit beweglicher Sohle solche buhnenartigen Bauten, die also nur eine den anderen Verhältnissen an¬ gepasste Umformung der norddeutschen Bauweise sind, sehr wohl mit gutem Erfolge und mit mässigen Kosten zu verwenden seien, während man dafür bisher aus¬ schliesslich Parallelwerke für geeignet hielt. Diese Grund¬ schwellen genügen in geraden Strecken, dagegen werden vollwandige Bauten um so notwendiger, je stärker die Stromkrümmungen sind und je höher die Wasserge¬ schwindigkeit dort anwächst. Die nötige Ausdehnung No. 84. 538 3' 2i. Oktober 1903. 539 der Regulierungsarbeiten lasse sich dagegen erst durch einen Versuch feststellen. Was durch übermässige Be¬ gradigung im Interesse der Melioration an den Flüssen gesündigt ist, kann nach Ansicht des Verfassers für die Schiffbarkeit aber nur dann in vollem Masse wiederge¬ wonnen werden, wenn durch Einschalten von Windungen innerhalb gerader oder sanft gekrümmter Flusstrecken Fest¬ punkte für die weitere Festlegung der Flussrinne geschaffen würden, d. h. also, wenn die unter den früheren Anschau¬ ungen ausgeführten Arbeiten z.T. wieder beseitigt werden. Bezüglich der ohne grossen Zwang zu erreichenden Mindestwassertiefen glaubt Verfasser, dass sich auf die für die Schiffahrt nötige Breite bis Ulm etwa 0,70, bei Donau¬ wörth 1,20, bei Ingolstadt r,3o und bei Kelheim etwa 1,70 m Wassertiefe erzielen lassen würde. Was hiermit schon Vermischtes. Die Herstellung einer unmittelbaren Verbindung für Flusschiffe von der Oberelbe zu den neuen Häfen am Kuh- wärder in Hamburg ist der Gegenstand einer Vorlage, welche der Senat der Bürgerschaft kürzlich vorgelegt hat. Diese neue 75 m breite Wasserstrasse verbindet , vom Spreehafen abzweigend, den Veddelkanal mit dem eben¬ falls auf 75 m zu verbreiternden Müggenburger Kanal (vergl. unsere Lageplanskizze der Hamburger Hafenanlagen in No. 72, Jahrg. 1901 und den Plan S. 398 d. J.) und schliesst letzteren mit einer Doppelschleuse an die Oberelbe an. Es wird damit erreicht, dass die oberelbischen Kähne, wenn sie nach Kuhwärder fahren wollen oder von dort kommen, nicht die; stark benutzte Reede des hamburgischen Freihafens befahren müssen. In diese neue Wasserstrasse soll ausser¬ dem dicht vor der von Hannover kommenden Eisenbahn¬ linie ein 5701“ langer, 220 m breiter Hafen für Zollabfer¬ tigung eingeschaltet werden, wodurch eine Entlastung der seit 1872 bestehenden Zollabfertigungsstelle Entenwärder erreicht wird, die für den gesteigerten Verkehr der Elb¬ kähne schon seit langem ungenügend ist. Im Zusammen¬ hang mit diesen Arbeiten ist auch ein Gleisanschluss vom Rangierbahnhof Wilhelmsburg der preuss. Staatsbahnen nach den zu verpachtenden Lagerplätzen an der Veddel und Peute geplant. Die Gesamtkosten des neuen Unter¬ nehmens sind auf 8,3 Mill. M. veranschlagt, davon ent¬ fallen 6 665 000 M. auf die Wasserstrasse nebst Hafen, 1 621000 M. auf die Veränderung bezw. Neuschaffung von Eisenbahnanlagen. — Pauluskirche Basel. Die Architekten dieser Kirche bitten uns, nachzutragen, dass Hr. Arch. W. Mund aus Hannover, zurzeit Lehrer an der Gewerbeschule in Basel, die Leitung des Baues an Ort und Stelle hatte und durch seine Umsicht sich die ungeteilte Anerkennung der Ge¬ meinde und der Architekten erwarb. Ausserdem war Hr. Mund während der Bauzeit der Kirche künstlerischer Mit¬ arbeiter der Architekten. — Preisbewerbungen. Gedenkbrunnen Essen. Der Oberbürgermeister von Essen macht bekannt, dass die für den Wettbewerb betr. den Gedenkbrunnen eingelaufenem Modelle abzuholen seien, dass aber die Stadtgemeinde auch „bereit"^ sei, die Modelle usw. „auf Gefahr und für Rechnung des Künstlers wieder zurückzusenden“. Diese „Bereitwilligkeit“ wird bei den beteiligten Künstlern nur gemischte Gefühle erwecken. Wir meinen, es wäre nur eine kleine und unter allen Um¬ ständen von einem grossen Gemeinwesen zu gewährende Gegenleistung für den grossen Aufwand an Mühe und künstlerischer Kraft gewesen, wenn die Stadt Essen den leidtragenden Künstlern ihre Modelle wohlverpackt und ohne jede Ausgabe für den Empfänger wieder zu¬ rückgesendet hätte. — _ Personal-Nachrichten. Baden. Dem Hofrat Dr. v. Oechelhäuser, Prorektor der Techn. Hochschule in Karlsruhe ist das Ritterkreuz I Kl. mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Bayern. Dem Bauamtm Werle in Nürnberg ist die Vorst.- Stelle der Sekt, für Wildbachverbauungen in Rosenheim über¬ tragen; dem Bauamtm. Jungkunz in Weilheim ist die Stelle bei dem Strassen- u. Flussbauamte Nürnberg verliehen; der Staats¬ bauassist. v. Oelhafen in Roseuheim ist z. Ass. beim Str.- u. Flussbauamte Weilheim ernannt. Der Prof, für Baukunde Ed. Zimmermann ist z. Vorst, der Bautechn. Abt. der Kgl. Industrieschule Kaiserslautern ernannt. Eisass - Lothringen. Dem Mel. -Bauinsp. Herrmann in Mülhausen ist der Char. als Kais. Brt. mit dem Range der Räte IV. Kl. verliehen. Preussen. Dem Geh. Mar .-Brt. und Schiff bau-Dir. W i e s i n g e r in Danzig ist der Rote Adler-Orden III. Kl. mit der Schleife und dem Grossh. Hess. Finanz-Min. G n a u t h der Kgl. Kronen-Orden I. Kl. verliehen. erreicht wird, geht daraus hervor, dass während der 10 Jahre von 1893 bis 1901 Schiffe von 1 m Tiefgang an etwa 160 Tagen im Jahre wegen mangelnder Fahrtiefe auf den Schwellen nicht bis Donauwörth hinauf gelangen konnten. Die Studie besitzt nach ihrem ganzen Inhalte eine über den besonderen Fall der Donauregulierung hinaus¬ gehende Bedeutung. Sie schliesst mit dem zu beher¬ zigenden Nachweise, dass bei den Millionen, die alljähr¬ lich zur Verbesserung unserer Flüsse verausgabt werden, mehr als bisher für Versuche ausgegeben werden sollte und zwar nicht nur für Versuche im Flussbaulaboratorium, welche, so wertvoll sie auch sind, die Nachprüfung in der Natur doch nicht überflüssig machen, sondern vorwiegend für Versuche am Flusslaufe selbst. Was hierfür ausgegeben werde, würde reichliche Zinsen bringen. — Der Geh. Brt. K i e s c h k e , vortr. Rat im Min. der Öffentl. Arb , ist z. Geh. Ob.-Brt. ernannt. Versetzt sind: Der Wasser-Bauinsp. Priess von Breslau nach Königsberg i. Pr., die Reg.-Bmstr. P 1 i n k e von Hannover nach Nienburg a. W. «nd Weinrich von Berlin nach Wiesbaden. Der Reg.-Bmstr. B e u s t e r ist der Kgl. Oderstrom-Bauverwaltg. in Breslau zur Beschäftigung überwiesen. Dem Reg.-Bmstr. Preetz in Berlin ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienste erteilt. Der Königl. Sächs. Geh. Hofrat, Brt. Prof. G i e s e , der Kr.- Bauinsp. Brt Schultess in Karthaus und der Landesbauinsp. Voigt in Berlin sind gestorben. Württemberg. Dem Kgl. Preuss. Reg.-Bmstr. Pippow ist die Stelle des Vorst, der Masch.-Insp. Heilbronn mit der Dienst¬ stellung eines Masch -Ing. übertragen. Versetzt sind: Die Eisenb.-Bauinsp. Dulk in Ehingen nach Ravensburg und Fischer in Freudenstadt nach Heilbronn. Der Abt.-Ing., tit. Eisenb.-Bauinsp. Kallee bei dem bautechn. Bür. der Gen. -Dir. ist z. Bauinsp. in Jagstfeld, und der Abt.-Ing., tit. Eisenb.-Bauinsp. Kleemann in Stuttgart z. Eisenb.-Bauinsp. mit noch zu bestimmenden Wohnsitz befördert. Dem Eisenb.-Bauinsp. Ott bei der Gen. -Dir. ist der Tit. u. Rang eines Brts. verliehen. Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. J. Z. in Prag. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen , dass alle Massivdecken bezüglich der Schall¬ undurchlässigkeit hinter guten Holzdecken zurückstehen. Das gilt noch mehr von den dünnen Betoneisen-Konstruktionen. Im allge¬ meinen gilt auch bei Schulbauten eine Aufschüttung von 10 cm Stärke auf den Massivdecken als ausreichend. Im übrigen spricht die Uebertragung des Schalles durch die Wände, namentlich bei den allseitig eingespannten Massivkonstruktionen, wesentlich mit. Anscheinend verstehen Sie unter Betoneisendecken speziell solche, bei denen auch die eisernen Unterzüge durch Betonbalken mit Eiseneinlage ersetzt sind. Ob solche in Schulbauten in Deutschland schon in grösserem Masstabe Anwendung gefunden haben, ist uns nicht bekannt. Vielleicht erhalten wir hierüber Auskunft aus dem Leserkreise. Jedenfalls gilt auch hierfür der allgemeine Grundsatz, dass sichtbare Unterzüge in Schulklassen nicht zu empfehlen sind, dass vielmehr zweckmässiger Weise diese durch Herstellung einer leichten, ebenen Unterdecke zu verdecken sind. Diese Unterdecke ist zugleich das beste Mittel zur Schalldämpfung. — Hrn. Zimmerstr. M. B. ln Offenburg. Vielleicht finden Sie den nötigen Anhalt in einer offenbar von amtlicher Stelle ausge¬ gangenen Mitteilung der badischen Fagesblätter, die aus Anlass der bevorstehenden Neuherausgabe der Adressbücher veröffentlicht wurde. Danach darf den Titel „Meister“ in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerkes, also Blechnermeister, Schlosser¬ meister usw. nur der führen, der die Meisterprüfung bestanden und in seinem Handwerk das Recht zur Anleitung von Lehrlingen er¬ worben hat. Wer den Meistertitel unbefugt führt, verfällt der Strafe. Die Handwerksmeister, welche bereits am r. Oktober igoi das Handwerk persönlich und selbständig ausübten und Lehrlinge anleiten durften, können den Meistertitel weiter führen. Der Hand¬ werker jedoch, der nach dem genannten Zeitpunkt erst sein Ge¬ schäft begonnen hat, kann den Meistertitel nur nach Ablegung der Meisterürüfung führen. — Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Beantwortung der Frage von R. B. in G. in No. 79. \orzüg- lichen weissen Fugenmörtel erzielt man durch fetten Kalkmörtel, dem Lüneburger Krön kalk beigemischt wird. Der trockene, grobpulverige Kronkalk ist mit dem Kalkmörtel mittels Durch¬ knetung mit der Kelle innig zu vermischen. Der Mörtel streicht sich gut. Die Tonnen des Kronkalkes tragen eine eingebrannte Krone. — _ N. in H. Als weissen Fugenmörtel empfehlen wir unseren Marmor¬ zement, der sich auch mit jeder Erdfarbe leicht tönen lässt. Walkenrieder Gipsfabrik, Albrecht Meier & Co. Seit einigen Jahren fuge ich meine Rohbauten mit einer Mischung von 1 Teil Marmorzement, 2 Teilen Weisskalk, 3 Teilen weissem Sand, eine Mischung, die sich bis jetzt gut bewährt hat. Sielken, Architekt. Inhalt: Das Haus für Handel und Gewerbe in München (Schluss). — Verbesserungen der Schiffbarkeit der Donau von Kelheim bis nach Ulm. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Personal - Nachrichten. isrief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 84. 540 IE BEIDEN HAUSER STOLLWERCK IN KÖLN AM RHEIN * ARCHITEKT: PROFESSOR BRUNO SCHMITZ IN CHARLOTTENBURG * * * * * HAUS HEINRICH STOLLWERCK * = DEUTSCHE BAUZEITUNG = XXXVII. JAHRGANG 1903 - N^ 85 XXXVII. JAHR- * BERLIN * [GANG. * * N2- 85 1 ~ - r^vT^nn »«» Die beiden Häuser Stollwerck in Köln a. Rh. Arch : Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. (Hierzu eine Bildbeilage sowie die Abbildungen auf Seite 544 und 545 ) I. Das Haus des Herrn Generalkonsul Karl Stollwerck. m Jahre 1898 beschloss Hr. Generalkonsul Karl Stollwerck in Köln a. Rh., auf einem Gelände an der Ecke der Volksgarten- und Hardefust-Strasse ein den Zwecken vorneh¬ mer Lebenshaltung und Geselligkeit dienen¬ des Haus zu errichten. Mit den Entwürfen für dasselbe wurde Hr. Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg be¬ traut; sie entstanden im Herbst und Winter 1898 und fanden die alsbaldige Genehmigung des Bauherrn, so- dass am 20. Febr. 1899, dem Verlobungstage des Stoll¬ werck ’schen Paares, die Feier der Grundsteinlegung begangen werden konnte. Das vollendete Haus, welches für seine Fertigstellung den Betrag von rd. 800000 M. erforderte, ist in den diesem Aufsatze beigegebenen Abbildungen dargestellt, lieber seine Gestaltung ent¬ nehmen wir einer Niederschrift des Architekten in der Chronik des Hauses das Folgende: Die gegen die Strasse vertiefte Lage des Grund¬ stückes machte die Ausführung eines zweigeschossigen Unterhauses notwendig, auf dem sich das Erdgeschoss, ein erstes Obergeschoss, sowie ein vollständig ausge¬ bautes Dachgeschoss erheben. Das untere Kellerge¬ schoss ist für die Zwecke des Heiz- und Weinkellers ein¬ gerichtet, während das obere Kellergeschoss vollstän¬ dig für Küchen- und Wirtschaftsräume ausgenutzt ist. Im Erdgeschoss befinden sich, wie der S. 544 darge¬ stellte Grundriss zeigt, die lediglich der Geselligkeit und Repräsentation gewidmeten Räume. Die Schlaf¬ zimmer dagegen haben ihre Lage im ersten Ober¬ geschoss erhalten und stehen in Verbindung mit Bade- und Ankleidezimmer, Boudoir, Frühstücks-, Wobn- und Arbeitszimmer. Ausserdem sind in diesem Ge¬ schosse noch Räume für die Mutter vorgesehen, be¬ stehend aus Salon, Schlafzimmer mit Bade- und An- kleideraum. In dem vollkommen ausgebauten Dach¬ geschoss ist der grössere Teil des Raumes für Frem¬ denzimmer, welche sich um einen Mittelraum mit Oberlicht gruppieren, eingerichtet, während die kleinere, ebenfalls in sich abgeschlossene Hälfte die Dienstboten¬ räume, sowie die Waschküche mit Plättstube aufnimmt. Den Verkehr zwischen den im Erdgeschoss liegenden Gesellschaftsräumen und den Wohnzimmern des ersten Obergeschosses vermittelt die in der grossen Diele ge¬ legene Haupttreppe, während eine steinerne Neben¬ treppe sämtliche Stockwerke mit einander verbindet. Der Haupteingang für das Haus liegt an der Volks¬ gartenstrasse und führt nach Zurücklegung eines Wind¬ fanges in das Vestibül mit daneben liegenden Kleider¬ ablagen für Damen und Herren. Vom Vestibül aus be¬ tritt man durch eine Flügeltür die grosse Halle, welche eine Grösse von 9X 14 m hat und durch 2 Geschosse reicht. Dieser mit hoher Wölbung überdeckte, bis zur Geschoss¬ höhe mit braunem Holzpaneel ausgestattete Raum, auf dessen durch eine Holzgalerie geteilten und mehr¬ fach durchbrochenen Wänden ein prächtiges Gläs- gemälde mit Motiven von Glaube, Hoffen und Liebe, von der Künstlerhand August Ungers in Berlin, seine Farben in buntem Akkord wiederstrahlt, während die¬ sem Gemälde gegenüber ein hoher Steinkamin aus irischem Marmor bis zur hohen Wölbung hinaufragt, bildet des Hauses Mittelraum, von welchem aus alle übrigen Räume des Erdgeschosses und ersten Oberge¬ schosses zugänglich sind. Der Dielenkamin zeigt ein offenes Feuer und ist zu beidenSeiten durch reiche Holz¬ schranken mit Sitzgelegenheiten eingefasst. Auf seinem Hauptgurte befindet sich unterhalb der grossen Haus¬ uhr der Wahlspruch des Hauses: „Mein Wort und Ehr’, mein Hort und Wehr.“ Die Hauptpfosten der Kaminschranken tragen die schwere, über dem Kamine für Rednerzwecke balkon¬ artig vorspringende und mit einem bezüglichen Relief von Prof. Christian Behrens in Breslau geschmückte Holzgalerie und endigen über der letzteren in zwei in Holz geschnittene, ausserordentlich charakteristische Figuren, „Deutschland“ und „Frankreich“ darstellend, ebenfalls von Behrens. Das Deckengewölbe ist mit einem freihändig in Stuck angetragenen Ornament, zu dem die vier Jahreszeiten die Motive hergaben, dekoriert; aus seiner Mittelrosette hängt eine mächtige Laterne aus Bronze mit fazettierten Krystallgläsern herab. Um diese Mitteldiele gruppieren sich der grüne Speisesaal, ein als Bildergalerie benutzter weisser Salon, der rote Saal, das goldene Musikzimmer und das mit dunklem Holz ganz vertäfelte Billard- oder Rauchzimmer. Der langgestreckte, mit einem reich stuckierten Gewölbe überdeckte Speisesaal hat eine hohe, bis zum Gewölbe reichende Vertäfelung in grüner Lackarbeit erhalten. Auf der einen Kopfseite befindet sich der die ganze Höhe des Saales ein¬ nehmende Kamin aus Saalburger Marmor mit Relief von Behrens, von dessen Meisterhand auch die reich ausgebildete ornamentale Einstellung zwischen dem Speisesaal und der wintergartenariigen, muschel- und glassteingeschmückten Apsis, sowie die Marmorreliefs an den Türen herrühren. Die drei Fenster auf der einen Längswand, deren Brüstungen zur Erzielung einer geschlosseneren Wirkung erst über Manneshöhe beginnen, haben Glasgemälde nach Kartonen von August Unger, den in der Arbeit liegenden und daraus fliessen¬ den Segen darstellend, erhalten. Das grosse Büfett, in seinem oberen Teile als Etagerenbau aufgefasst, in seinem unteren Teile einen geschlossenen Schrank zeigend, und andere kleinere Schränke sind in die Architektur mit verbaut; lediglich Tische und Stühle, ebenfalls in grüner Lackarbeit, befinden sich als lose Möbel im Raume. Der sich an den Speisesaal anschliessende weisse Salon (S. 544), welcher in seiner Ausstattung einfacher gehalten werden musste, um ihn zur Aufnahme der Bilder geeignet zu machen, bildet mit seiner matt¬ grauen Wandbespannung und seinen weissen, beschei¬ den gehaltenen, die ganze Decke und den oberen Teil der Wände überziehenden flachen Ornamenten, in denen sich Medaillons: Kunst und Wissenschaft, Han¬ del und Industrie, von Bildhauer Schneider befinden, eine gute Vermittlung zu dem daran anstossenden grossen roten Saal, in welchem durch hohe, in rotem Sandelholz ausgeführte, breite, mit Gold- und Bronze¬ reliefs versehene Pilasterarchitekturen, durch die kasset- tierte ernste Decke, durch den schwarzen Marmorkamin und die violette Sammetbespannung der Wände eine feierlich -ernste Wirkung angestrebt wurde. Auch hier tragen die einzelnen Kassettenfelder wieder von der Hand Ungers herrührende pikante Malereien über das Thema: „Tages Arbeit, Abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste“, während in den Bronzereliefs durch mytho¬ logische und antike Szenen (Hebes Fall, beim Götter¬ mahl - — Aeneas, vor dem Gewitter die sichere Höhle aufsuchend — Siegfried, Fafners Schätze erbeutend — ), die Grazie am häuslichen Herd, die Gastlichkeit des Hauses und des Mannes im Kampf bewahrte Kraft, von der Hand des Hrn. Prof. Behrens dargestellt sind. — _ (Schluss folgt.) Die Kraftversorgung der Lungenheilstätte Sülzhayn irn Harz. g1“ 1 "^|ie Lungenheilstätte Sülzhayn liegt in den Vorbergen ‘ des Südharzes (nächste Bahnstation: Ellrich der Linie Nordhausen-Herzberg) und ist zur Aufnahme von 120 männlichen erholungsbedürftigen Angehörigen der Norddeutschen Knappschafts-Pensionskasse zu Halle a. S. bestimmt. Das Anstalts-Personal umfasst etwa 30 Personen. Ausserdem hat der Anstaltsarzt in seiner Dienstwohnung noch eine Anzahl Krankenbetten zu seiner Verfügung, so- dass die Kopfzahl der Anstalts-Bewohner an 200 heran¬ reicht. Maschinenkraft ist in der Anstalt erforderlich für folgende Zwecke: 1. Zur Erzeugung des elektrischen Lichtes. Durch die Firma Schumann’s Elektr.- Werke in Leipzig- Plagwitz ist eine Beleuchtungsanlage für Gleichstrom von 110 Volt Spannung und 65 Ampöre Stromstärke einge¬ richtet. Der Bedarf ist von ursprünglich 300 Lampen auf 480 Lampen von 16 bezw. 25 Kerzen Leuchtkraft gestiegen. 2. Zum Antrieb der Maschinen für den Wirtschafts¬ betrieb, nämlich: 1 Wäschetrommel, 1 Trockenzentrifuge, 1 Wäsche-Spülvorrichtung, 1 Fahrstuhles für Wäsche, mit einem Kraftverbrauch von zus. rd. 4 P. S., 1 Wäschemangel, 1 Kartoffel-Schälmaschine mit zus. rd. 1,5 P.S.Kraft verbrauch. 3. Zum Betriebe einer Kläranlage nach System Rothe & Ko. in Güsten in Anhalt. Das Rührwerk derselben ver¬ braucht etwa 2 P. S., die Schlammpumpe, welche nur alle Tage 2—3 Mal je 4—5 Minuten im Gange ist; etwa 1 P. S. Diese Anlage wurde erst nachträglich eingerichtet. Der grösste Kraftbedarf tritt an langen Winterabenden ein (Schlafzeit für die Kranken ist 9 Uhr Abends), wenn gleich¬ zeitig die Waschmaschinen in Tätigkeit stehen. Die Anstaltsgebäude liegen hoch und malerisch im Buchenwald am Südabhange des Steierberges. Der Berg wird von 2 Tälern eingeschlossen, welche sich an seinem Fusse vereinigen. Die in denselben herniederrauschenden Bäche bieten die Gelegenheit zu einer Kraftversorgung, wie sie für ein Genesungsheim am angemessensten ist: ohne Staub, Rauchentwicklung und störendes Geräusch. Der bauleitende Architekt hat sich diese Gelegenheit auch nicht entgehen lassen und zunächst den rechtsseitigen Tosbornbach mittels eines kleinen hölzernen Wehres, einigen Brunnen von etwa 30 cbm Fassungsvermögen zu¬ gestaut. Diese Behälter liegen in der Halde eines ver¬ lassenen Steinkohlen-Bergwerkes und nahmen auch dessen Abfluss, sowie denjenigen des daselbst in den Tosborn mündenden Annatälchens auf. Von einem der unter einander verbundenen Brunnen nahm die Speiseleitung der Turbine, bestehend aus guss¬ eisernen Muffenrohren von 175 mm Durchm. ihren Ursprung. Die Leitung verfolgt auf rd. 1100 m die Chaussee Ellrich-Be- neckenstein und den Bachlauf des Tosborns, bis sie mit 75 m Fall das massive Turbinenhäuschen am Fusse des Steierberges erreicht. Dieses liegt neben der Chaussee auf der Landspitze, welche der Tosborn mit dem von links herabkommenden Klinzwasser bildet. Es liegt daher die Möglichkeit vor, auch letzteres zum Betriebe der Turbine heranzuziehen. Letztere, System Girard, mit radialer, regu¬ lierbarer innerer Beaufschlagung und wagrechter Welle soll bei 24 Sek./Lit. (dem höchsten Wasserverbrauch), 75 “ Druckhöhe und 470 Minuten-Umdrehungen etwa 15 eff. P. S. leisten.*) Die Kraft wird auf einen Elektromotor über¬ tragen und ist unter Mitbenutzung einer im Keller des Haupt-Anstaltsgebäudes aufgestellten Akkumulator-Batterie von 60 Zellen auch jetzt — trotz des erheblich gesteigerten Lichtbedarfes und des Mehrverbrauches durch die Kläranlage — noch zur Versorgung der Anstalt hinreichend, wenn die genügende Betriebs-Wassermenge vorhanden ist. Es zeigte sich indessen sehr bald, dass es daran wäh¬ rend des grössten Teiles des Jahres fehlte. Die Nord¬ deutsche Knappschafts-Pensionskasse hat sich daher um Vorschläge zur Aufrechterhaltung eines gleichmässigen und sicheren Betriebes an den Unterzeichneten gewandt. Darauf ist zunächst die Feststellung der Niederschlags- Gebiete und die Messung der Abflussmengen des Tosborns und des Klinzwassers nachgeholt worden. Die Einzeich¬ nung der Wasserscheiden in die Generalstabskarte, vergl. *> Der Preis der Turbine betrug; einschl. des Zubehörs und eines .sehr viel Kraft verbrauchenden, später abgelegnen Bremsregulators, System Schrieder, rd. 2500 M. 542 No, 85. Abbildg. t, ergab oberhalb der Stauanlage im Tosborn ein Gesamt-Niederschlagsgebiet von 2qkm und oberhalb der vom Klinzwasser durchschnittenen, zur Anlage eines Stau¬ weihers oder dergl. geeigneten „Teichwiese“ ein Nieder¬ schlagsgebiet von i,8 qkm. Zur Vornahme von Wasser¬ messungen erwies sich ein unterhalb der Vereinigung der beiden Bäche gelegenes altes Wehr von 2 m lichter Breite als geeignet (Niederschlagsgebiet 5,35 qkm), Ein zweites Wehr von 1,5 m Breite wurde oberhalb der Mündung des Klinzwassers in den Tosborn provisorisch eingebaut (Nieder¬ schlagsgebiet 2,6 <5km). Die Höhen h der Ueberfallslamellen wurden mit dem Zollstock über der Schneide des Ueber- falles gemessen und die Wassermenge Q nach der Formel: Q — f* - b .h V 2 gh aus 2 aufgestellten Tabellen entnommen ([i = 0,60; b — 1,5 m bezw. 2,0 “>). Die Art der Messung, sowie die Vernach¬ lässigung des Grundwasser-Abflusses liefert Werte von Q, welche etwas hinter der Wirklichkeit Zurückbleiben. Die Messungen umfassen nur einen Zeitraum von 168 Tagen. Sie begannen am 27. Mai und endigten am 10. Nov. 1899. Für das Gesamt-Niederschlagsgebiet von 5,35 qkm war der durchschnittliche sekundliche Abfluss 43,4 für die Mess¬ stelle am Klinzwasser mit 2,6 (ikn> Niederschlagsgebiet 18 1 und daher für den Tosborn mit 2,75 qk“ Niederschlags¬ gebiet gleich dem Unterschied, nämlich gleich 25,4 *. An Abbildg. 1. Uebersicht der Niederschlags-Gebiete. 47 Tagen des August, September und Oktober ist der Abfluss des Klinzwassers auf 3—5 Sek./Lit., der des Ge¬ samt-Niederschlagsgebietes auf 10 — 14 Sek /Lit. herabge¬ gangen. Das entspricht einem Abfluss von 1—2 Sek./Lit. für 1 qkm. Dagegen stieg am 16. August der Gesamtabfluss plötzlich von 19 auf 267 Sek./Lit., den höchsten beobach¬ teten Abfluss, um am 17. August wieder auf 19 Sek./Lit. zu¬ rückzugehen. Die Beooachtungen umfassen die trockenste Zeit eines sehr trockenen Jahres. Es können Hochwasser¬ mengen bis 1 cbm und mehr für 1 qkm abfliessen. Es war keine Zeit, das etwas dürftige Ergebnis der Messungen für das Gutachten abzuwarten, da namentlich der Lichtmangel zu sehr unerquicklichen Zuständen für die Anstalt führte. Die Grösse der Niederschlagsgebiete und anderweite Erfahrungen bezüglich der Abllussmen- gen mussten allein die Unterlage für die Beurteilung der zweckmässigsten Abhilfe geben. Es wurden dabei folgende Möglichkeiten inbetracht gezogen: 1. Eine Kraftmaschinen-Anlage. Für eine solche sprach die schnelle und unbedingt wirksame Lieferung des Kraftbedarfes. Es schien geboten, eine der ispferdigen Turbine gleichwertige Kraft zu erzeugen, um vollen Er¬ satz bei Wassermangel zu haben. Als Aufstellungsort konnte nur das vorhandene Turbinenhaus (nicht die An¬ staltsgebäude selbst) inbetracht kommen, einerseits, um eine Belästigung der Insassen durch das Arbeiten der Maschine zu vermeiden, anderseits, um die vorhandenen Anlagen ohne grosse Veränderungen auszunutzen und eine gemeinsame Ueberwachung herbeizuführen. 24. Oktober 1903. Obgleich sich die Beschaffung und der Betrieb einer Dampfmaschinen- Anlage nicht erheblich teurer gestellt hätten, sprachen doch das geringere Raum- und Aufsichts¬ bedürfnis, der zu erwartende intermittierende Betrieb, die im Winter oft recht erschwerte Anfuhr der Kohlen von der 8 km entfernten Bahnstation Ellrich her mehr für einen Petroleum- oder Benzinmotor. Das Anlagekapital für einen ispferdigen Dampfmotor einschl. Kesselanlage und Gebäulichkeiten wurde nach einer von Ziv.-Ing. Körte in Barmen aufgestellten Tabelle zu rd. 11 000 M., die jährlichen Betriebskosten, Zinsen, Amortisation, Kohlen, Schmierung, Bedienung und Repa¬ ratur zu 3500 M. geschätzt. Nach einer Angabe von Gebr. Körting in Hannover sollte ein Benzinmotor gleicher Stärke einschl. Kühlanlage rd. 6ooo M. kosten. Die baulichen maschinellen Aende- rungen und die Kühlwasserleitung wurden auf ebensoviel geschätzt. Die jährlichen Betriebskosten berechnen sich hierfür wie folgt: Amortisation und Verzinsung io°/0 = . . [200 M. Reinigung und Bedienung . 400 „ Schmierung . . 200 „ Benzinverbrauch für 5 Bestriebsstunden an 200 Tagen im Jahre zu 1,20 M. . . 1200 „ zusammen 3000 M. 2. Eine Stauweiher- Anlage im Annatälchen. Sollte der in jeder Beziehung für eine entlegene Heil¬ stätte angemessene Wasserkrafibetrieb schnell vervoll¬ kommnet werden, so musste sich der Blick zuerst nach dem Tosborn richten, wo eine Leitung bereits zur Ver¬ fügung stand In dem benachbarten Ilfeld sind nach den Mitteilungendes meteorologischen Institutes in 250™ Meeres¬ höhe in den Jahren 1892, 1893, 1894 Niederschlagshöhen von bezw. 454, 634, 734 beobachtet worden. Da das gut bewaldete Niederschlagsgebiet der beiden infrage kommenden Bäche zwischen 200 und 500 m Meereshöhe liegt, so schien die Annahme einer Niederschlagshöhe von 600 mm für dasselbe und einer Abflusshöhe von 70% der ersleren nicht zu hoch. Aus dem 2 qkm grossen Niederschlagsgebiet des Tosborn war daher bei vollstän¬ digem Ausgleich der Abflussmengen eine ausreichende Betriebswassermenge von 2 000 000 . 0,6 . 0,7 . 1000 „ „ , T . ■ - - — ? - L - — 26 Sek./Lit. zu erwarten. 60.60.24. 365 Als Ausgleich-Behälter konnte nur das zwischen Ehren- berg und Krödberg oberhalb der vorhandenen kleinen Behälter belegene Annatälchen inbetracht kommen, dessen Füllung vom Tosborn aus mittels Wehr und Fangkanal leicht zu erreichen gewesen wäre. Nach einer überschläg¬ lichen Berechnung würden indess zur Aufspeicherung von nur 40ooo<=bm — ein Vorrat für 55 Tage bei 24 Sek./Lit. Beaufschlagung, 12 stündigem Betrieb einschl. 4 Sek /Lit. täglichen Zufluss gerechnet — eine 20 m hohe Mauer und ein Gesamt-Kostenaufwand von über 100000 M. erforder¬ lich gewesen sein 3. Anlage je eines für den Tagesausgleich hin¬ reichenden Wasserbehälters im Tosborn und Klinz- wassertale. Musste das Projekt eines Stauweihers für die vorhandene Anlage als zu kostspielig aufgegeben werden, so brauchte doch auf einen Ausgleich- Behälter nicht gänzlich verzichtet zu werden. Bei einem Abfluss von 2 Sek /Lit. für 1 qkm*) in der trockensten Zeit war auf einen Ablluss aus dem Gesamt-Niederschlagsgebiet von 3,8 qka> (2,0 qkm für den Tösborn , 1 ,8 qkm für das Klinz¬ wasser) von 7,6 Sek./Lit. zu rechnen. Die Menge musste sich für eine 8stündige tägliche Arbeitszeit auf 22,8 Sek./Lit. steigern lassen, vorausgesetzt, dass das in der Nacht und in den Arbeitspausen ungenutzt vorüberströmende Wasser im Hochbehälter aufgefangen wurde. Schon die unbe¬ deutenden Sammelbecken von 30 cbm Inhalt hatten sehr günstig gewirkt und den vorübergehenden Betrieb in trockener Zeit überhaupt erst ermöglicht. Am Tosborn wäre ein Becken von 2.2. (24 — 8) . 60 . 60 1 — rd. 2 30 cbm, am Klinzwasser ein solches von 1,8 . 2 . (24 — 8) . 60 . 60 1 = rd. 210 cbm Fassungsraum erforderlich gewesen. Das Gefälle vom Klinz- wasserbehälter bis zur Turbine konnte allerdings nur auf 65™ gegenüber dem von 75™ des Tosbornbehälters gebracht werden. Die nur die Hälfte betragende Leitungslänge und die Annahme eines grösseren lichten Durchmessers von 20™ (gegen 17,5 cm) Hess indessen beim Klinzwasser einen um 5 m geringeren Druckhöhenverlust erwarten, so dass der Gefällsunterschied tatsächlich nur etwa 5 m betragen hätte. *1 Die später angestellten Abflussmessungen ergaben, dass das Min¬ destmass während des Sommers 1899 in den Tagen vom 23. — 30. August noch etwas tiefer herabging. 543 Die Kosten für das Tosbornbecken (rd. 300 cbm)( das Klinz- wasserbecken (rd. 250 cbm), die neue Leitung von 600 m Länge, Bacheinbauten, Anschlüsse u. dergl. wurden zu zusammen 30000 M., die jährliche Verzinsung, Amorti¬ sation und Unterhaltung zu 1500 M. veranschlagt. 4. Anlage eines Tagesausgleichs- Behälters für den Tosborn und eines Stauweihers für das Klinz- wasser. Als vierte Lösung wurde unter Beibehaltung bezw. Verbesserung der Tosborn Anlagen der Bau eines Stauweihers im Klinztale ins Auge gefasst. Die Unter¬ gegend als Baumaterial gewonnen und die Eröffnung eines Steinbruches versprach Erfolg. Die topographische Aufnahme der Teichwiese ergab, dass mit einem mässigen Damm an ihrem unteren Ende eine nicht unbedeutende Wassermenge sich aufspeichern liess. In der Tat soll die Wiese, wie ihr Name andeutet, schon als Teich gedient haben. Für den vorliegenden Zweck erschien es nicht nötig, einen vollständigen Ausgleich der abf liessenden Wassermengen herbeizuführen, wozu ein Teichinhalt von rd. 25oooocbin erforderlich gewesen wäre. Es genügte Weisser Saal. I. Obergeschoss. Haus Karl Stollwerck in Köln a. Rh. Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. suchung des Untergrundes der schon erwähnten Teich¬ wiese ergab, dass in der Talmitte unter einer 5 m starken Humus- und Tonschicht, in welche Gerolle und Findlinge eingebettet waren, teilweise verwitterter Porphirit anstand. Das Steinmaterial wird an anderen Punkten der Um- Neue Baupolizei-Ordnung für einen n Düsseldorf ist am 12. August d. J. für einen etwa 90 ha grossen Teil des Gemeindegebietes eine Bau¬ polizei - Ordnung erlassen und unmittelbar inkraft gesetzt worden, die mit Bezug auf Anforderungen ästhe¬ tischer Art wahrscheinlich nur wenige Ihresgleichen hat. Soviel sich erkennen lässt, handelt es sich um ein noch unbebautes oder nur sporadisch bebautes Aussengelände, ein Wasservorrat von 50 — iooooocbm, um eine Reserve für 6—8 Wochen der trockensten Zeit zu haben. Das Gefälle bei mittlerem Wasserstande im Teich konnte unter Berücksichtigung des geringen Druckhöhen-Verlustes zu 15 m weniger als beim Tosborn angenommen werden. — _ . (Schluss folgt.) Teil des Stadtbezirkes Düsseldorf. dem in den meisten Strassenzügen der Charakter der Vornehmheit verschafft werden soll, während für eine geringe Zahl anderer Strassen wenigstens so viel erstrebt wird, dass der Rang der zu errichtenden Wohnhäuser nicht unter einem etwas höher liegenden Masse zurück¬ bleibt. Notwendig verbindet sich mit der Absicht nach Erzielung einer im Aeusseren würdigen Haltung der No. 85. 544 Wohnhäuser die andere, den Ansprüchen, welche die Stärkere Bewohnung als durch zwei bezw. drei Familien öffentliche Gesundheitspflege stellt, gerecht zu werden, ist verboten. Geschäftsläden oder Schankräume an den An allen Strassen auf dem betr. Gelände werden Vor- Strassenseiten und Werkstätten geringeren Umfanges wer- derhäuser, doch mit Seitenflügeln oder einem Mittel- den „ausnahmsweise“ nur an denj Hofseiten der Häuser in Haus Karl Stollwerck in Köln a. Rh. Musikhalle. — Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. flügel, zugelassen. Die Häuser dürfen nur Wohnzwecken dienen und sind zum Bewohnen durch höchstens zwei, und an Strassen, wo Häuser mit drei vollen Geschossen erlaubt sind, durch höchstens drei Familien einzurichten. 24. Oktober 1903. solchen Strassen zugelassen, die geschlossen bebaut wer¬ den dürfen. Bei Häusern, die in jedem Geschoss zwei an ein ge¬ meinschaftliches Treppenhaus anschliessende, sonst aber Roter Saal im Erdgeschoss. 545 völlig getrennte und in sich abgeschlossene Wohnungen enthalten, derart, dass das gemeinschaftliche Treppenhaus zwischen den Wohnungen liegt (sogen. Doppelhäuser) kann gestattet werden, dass sie von 4 und da, wo 3 volle Geschosse zugelassen sind, von 6 Familien bewohnt werden. Doch tritt die Beschränkung ein, dass solche Doppel¬ häuser in der Strassenfront wenigstens 24 m lang sein müssen und auch keine Seitenflügel, • sondern nur einen Mittelflügel erhalten dürfen, der bis 25“ hinter die Bau¬ flucht reichen kann. Die Doppelhäuser müssen eine ein¬ heitliche architektonische Ausbildung erhalten und einen Bauwich von mindestens 8m gegen die seitlichen Nachbar¬ grenzen einhalten. Einfamilienhäuser müssen eine Front¬ länge von mindestens 7 m, Mehrfamilienhäuser eine solche von mindestens 12“» besitzen. Türme, Giebel, Dachluken und andere Aufbauten dürfen mit „besonderer“ Genehmigung der Baupolizei- Behörde über die Kniestockwand Höhe von 1,75 m hinaus¬ ragen und bei Erfüllung gewisser Voraussetzungen mehr als V3 der Gebäudefrontlänge ausmachen: „wenn sie ledig¬ lich im Interesse einer hervorragenden architektonischen Ausgestaltung des Gebäudes ausgeführt werden und wenn für das über dem letzten Obergeschoss liegende Geschoss der Charakter des Dachgeschosses imganzen gewahrt bleibt“. Aehnlichen Beschränkungen sind Vorbauten in die Vor¬ gärten hinein unterworfen. Solche können bis zu 1ji über die planmässige Vorgartentiefe hinaus gestattet werden, wenn die dabei stattfindende Inanspruchnahme der Vor¬ gartenfläche über ein gewisses Mass hinaus durch Zurück¬ treten anderer Bauteile wieder ausgeglichen wird. Bis auf wenige, die Ausnahme bildende Strassen des betreffenden Gebietes muss überall offen und mit dem Abstande von 5 m von der Nachbargrenze gebaut werden; zugelassen ist jedoch die Ermässigung des Bauwiches an einer Seite bis auf 4“, wenn derselbe an der anderen Seite um ebenso viel über 5 m hinaus verbreitert wird. In einigen Strassen des Gebietes, das der offenen Bebauung Vorbehalten ist, dürfen mit besonderer Genehmigung der Baupolizei-Behörde je zwei bezw. je drei Häuser unmittel¬ bar aneinander gebaut werden, wenn die so entstehenden Gebäudegruppen eine einheitliche architektonische Aus¬ bildung erhalten und für die Gruppen von je zwei Häusern ein Bauwich von wenigstens 8 m, und für diejenigen aus drei Häusern ein solcher von wenigstens 10 m Breite gegen die seitlichen Nachbargrenzen eingehalten wird. Eine Bauerlaubnis wird in Fällen dieser Art erst erteilt, wenn im Grundbuch auf das Nachbargrundstück , an dessen Grenze gebaut werden soll, eine Eigentums Beschränkung des Inhaltes eingetragen worden ist: dass bei der späte¬ ren Bebauung auch dieses Grundstückes das neue Ge¬ bäude an der Grenze des Grundstückes errichtet wird, und wenn ein Plan über die architektonische Ausgestaltung der ganzen Gebäudegruppe bei der Baupolizei-Behörde eingereicht ist, der die Genehmigung derselben erhalten hat. Die nach dem Bauwich gelegenen Gebäudefronten sind „in angemessener Weise“ architektonisch auszubilden. Es sind gewisse Vorbauten in den Wich hinein zulässig, hinsichtlich welcher ähnliche Beschränkungen wie für Vorbauten an den Strassenfronten festgelegt sind. Bei¬ spielsweise kann die Baupolizei eine Ueberdachung des Bauwiches für Einfahrten oder Eingänge gestatten, ebenso das Vortreten von Hauptgesimsen oder überhängenden Dächern, wenn es zur Verschönerung oder Vervollständi¬ gung der Gebäudearchitektur dient. In den der offenen Bebauung vorbehaltenen Strassen wird bei Berechnung des überbaubaren Grundstücksteiles ausser der Vorgartenfläche auch der Bauwich der vorge¬ schriebenen Grösse bis zur Plälfte der mittleren Tiefe des Hauses (einschliesslich seiner Seiten- oder Mittelflügel ge¬ rechnet) vorweg in Abzug gebracht. Die Errichtung von Nebengebäuden ist nur insoweit zu¬ lässig, als sie ausschliesslich hauswirtschaftlichen Zwecken dienen. Sie dürfen bis zur obersten Dachkante (First) nicht mehr als 8m hoch sein und müssen von dem Haupt¬ hause überall 8m entfernt bleiben. Nur in dem Falle, dass sie mehr als 30 m hinter der Bauflucht liegen, dürfen sie bis auf 2,5“ an die Nachbargrenze herantreten, bezw. unmittelbar an derselben errichtet werden. Wie bei den Wohnhäusern so tritt auch bei den Aus¬ bauten, Einfriedigungen usw. das Bestreben hervor, durch polizeiliche Einwirkung ästhetischen Interessen zur Geltung zu verhelfen. So z. B. wird verlangt, dass Einfriedigungs¬ mauern in der Regel die Höhe von 2,5 "> nicht über¬ schreiten dürfen und bis auf 20“» Entfernung hinter der Bauflucht in gutem dauerhaften Material und in gefälli¬ ger Ansicht hergestellt werden. „Bei besonders guter und geschmackvoller Ausführung“ kann bei solchen Einfriedi¬ gungen, ebenso wie bei den an der Strasse errichteten die Verwendung von hartem Holz zugelassen werden. Die Baupolizei-Behörde ist berechtigt, auch die Herstellung von überhängenden Dächern und von „Zierrat“ an den Fassaden aus glatt gehobeltem Holz zuzulassen, wenn dies mit dem Interesse der Feuersicherheit vereinbar ist und zur architektonischen Verschönerung der Gebäude beiträgt. Spezifisch gesundheitlicher Natur ist die Forderung, dass Fachwerksbau im 1. Obergeschoss wenigstens 0,26” stark und in den darüber liegenden Geschossen 0,13 m stark hintermauert wird. Andere Vorschriften beziehen sich auf Verkehrs- und Feuersicherheit der Gebäude und sind gegenüber dem Inhalt der übrigen Vorschriften von wenig Belang. Die Tragweite derselben ist auch aus dem Grunde nicht ge¬ nau übersehbar, weil alle Bestimmungen der B. P.-O. für den Stadtbezirk Düsseldorf v. 25. April 1896 sowie der Polizei-Verordnungen v. 1. März 1898 und v. 22. März 1901, welche mit den Vorschriften der Verordnung v. i2.Aug. d. J. nicht im Widerspruch stehen, auch für das Gelände der letzteren Verordnung unterworfen ist, ihre Giltigkeit behalten. — Wir wissen nicht, ob in Deutschland irgendwo eine Baupolizeiverordnung besteht, wodurch einer so weit¬ gehenden Pflege ästhetischer Interessen wie hier der ge¬ setzliche Boden verschafft werden soll. Vielleicht ist es in vornehmen Kurstädten, wie z. B. Wiesbaden der Fall; doch sind wir darüber im Augenblick nicht genau genug unterrichtet. Ein anderes nahe liegendes Beispiel bietet Hildesheim. Indessen ist dort die Sachlage insofern eine andere, als es sich um den Schutz der Polizei für Be¬ stehendes, geschichtlich Gewordenes, und gewisser- massen Geheiligtes handelt, während in Düsseldorf die Schaffung von Neuem, über die Gewöhnlichkeit Hinaus¬ gehendem erstrebt wird. Man kann dieses Bestreben von mehreren Seiten aus ansehen und sich z. B. fragen: ob es überhaupt empfehlens¬ wert ist, die Polizei in ästhetischen Dingen mit Richter¬ gewalt auszustatten, wie in der Düsseldorfer Verordnung vom 12. August d. J. sicher geschieht? Und man wird darauf zu der Antwort kommen, dass dies nicht wohl¬ getan sei, und anderseits auch die Polizei sich eine Last und eine Verantwortlichkeit aufbürdet, woran sie schwer zu tragen haben kann. Verständlich wäre die Ueber- nahme der Last, wenn entweder die Stadt besondere Gründe hat, für das betreffende Gelände eine nur vor¬ nehme Bebauung zu wünschen, oder wenn das Gelände sich bereits in Händen befindet, in deren Absichten eine derartige Bebauung liegt. In letzterem Falle würden Schwierigkeiten, die von der Rechtsprechung im Ver- waltungs - Streitverfahren sonst sicher zu erwarten sind, in Wegfall kommen. Dass Klagen gegen einzelne Be¬ stimmungen der neuen Bauordnung Erfolg haben wür¬ den, ist nach der vom Ober- Verwaltungsgericht beständig aufrecht erhaltenen Auffassung: dass baupolizeiliche Be¬ schränkungen von der Art wie die in Düsseldorf eingeführten nur mit dem Schutz gesundheitlicher Interessen begründet werden können, uns nicht zweifelhaft. — — ß. — Mitteilungen aus Vereinen. Architekten -Verein zu Berlin. In der Versammlung am 12. Okt. hielt Hr. Landbauinsp. Dr. Ing. Muthesius einen Vortrag über die Anlage des englischen Hauses. Der Redner, der während seiner 7 jährigen Tätigkeit bei der deutschen Botschaft in London reichlich Gelegenheit gehabt hat, die Verhältnisse kennen zu lernen, führte aus, dass trotz des in Fülle nach Deutschland gedrungenen Abbildungsstoffes über das englische Haus die Grund¬ sätze seiner Anlage und seines Aufbaues noch wenig be¬ kannt seien. Das englische Haus interessiere vorwiegend durch seine Sachlichkeit. Das Klima gebe die Richt¬ schnur für seine Stellung auf dem Gelände die so er- 546 folge, das alle Wohnräume, vor allem aber die Schlaf- und Kinderzimmer, einen möglichst grossen Anteil an der Sonne erhielten. Gegen die Strasse schlösse sich der englische Hausbesitzer durch eine Mauer oder dichte Hecke ab, die Front seines Hauses wäre nach dem Gar¬ ten gerichtet. Der Standpunkt, dass das Gesicht des Hauses nach der Strasse gewendet sein müsse, sei für den Engländer undenkbar; geradezu unfassbar sei ihm aber, wie Ortsbehörden vorschreiben könnten, dass Vor¬ gärten durch ein Drahtgitter den Blicken des Strassen- publikums zu erschliessen seien. Redner charakterisierte sodann die einzelnen Räume des Hauses, wobei er her¬ vorhob, dass das englische drawing room gleichzeitig die Zwecke des Hauptwohnzimmers, des Salons und des No. 85. Zimmers der Frau in sich vereinige, wodurch sich das Wohnprogramm sehr vereinfache. An dem Wirtschafts¬ teil des Hauses rühmte er dessen ungemeine Verzwei¬ gung, die es mit sich brächte, dass die Wirtschaftsräume etwa ein Drittel der Nutzfläche des Hauses einnähmen, im Gegensatz zur deutschen Wohnung, wo sie nur ein Sechstel bis ein Zehntel ausmachten. In weiterer Aus¬ führung kam er auf die Anlage des Gartens zu sprechen. Der moderne englische Garten würde immer regelmässig angelegt; der Landschaftsgarten, das, was wir englischen Garten nennen, bestehe heute nur noch ausserhalb Eng¬ lands. Es würden heute im englischen Garten weder Schlängelwege, noch künstliche Felsen und Ruinen, noch unregelmässige Weiher angelegt, noch überhaupt Land¬ schaftsbilder geschaffen, sondern man habe sich das Rüstzeug des alten geometrischen Gartens wieder ange¬ eignet, allerdings mit Weglassung seiner Schrullen. Vor dem Hause dehne sich eine Terrasse aus, vor dieser liege ein Blumenziergarten mit regelmässigen Beeten, vor diesem dann der weite Rasenplatz. Seitlich schlössen sich der Gemüse- und der Obstgarten, sowie die nie fehlen¬ den Spielplätze an. Alles sei regelmässig abgeteilt und die Einzelteile wagrecht abgeglichen, sodass der Garten eigentlich ein Terrassengarten sei. An der Zugangsseite des Hauses lege man jetzt einen quadratischen Vorhof an. Von der äusseren Erscheinung des englischen Hauses be¬ merkte der Redner, dass sie ganz einfach und bescheiden sei, man vermeide Güederungen, Spitzen und Ecken und strebe das Grossflächige an; ausserdem bestehe die Vor¬ stellung, dass das freiliegende Haus breit gelagert sein müsse. Der Vortrag wurde durch eine reiche Anzahl von Lichtbildern erläutert, meist entnommen aus dem Illustra¬ tionsmaterial eines im Druck befindlichen Werkes über das englische Haus, mit dessen Herausgabe der Redner beschäftigt ist. — Arch.- und Ing.-Vereln zu Hamburg. Vers am 2. Okt. 1903. Vors. Hr. Classen, anwes. 58 Pers. Aufgen. die Hrn. Stoltz, Feindt und Neugebauer. Der Vorsitzende teilt mit, dass Hr. Göbel sich wegen Ueberhäufung mit Dienstgeschäften genötigt gesehen hat, das Schriftführeramt niederzulegen; ferner dass durch die Verbands-Abgeordneten eine Zusammenkunft der drei Hanseatischen Vereine am 3. Okt. verabredet worden ist, bei der u. a. die neuen Häfen und die Baustelle des Bismarck- Denkmales besichtigt werden sollen. Hr. Hey¬ mann macht an Hand von Plänen und Modellen Mit¬ teilungen über Kreissägen unter Wasser, welche in Cux- hafen häufig zur Anwendung gelangt sind. Hierzu ist eine Plattform, auf welcher das Sägegerüst verschieblich ist, erforderlich; die genaue Höhe des Schnittes erhält man durch Einnivellieren der Säge. Das Sägegerüst besteht in der Regel aus einem Unter- und einem Oberschlitten, zwecks genauer Einstellung der Säge. Auch zum Durch¬ schneiden von Biechwänden unter Wasser ist eine Kreis¬ säge angewendet worden. Die Leistungen der Kreissägen unter Wasser können sehr bedeutend sein, bis zu 2olfd.“ starker Spundwand an einem Tage. Beim Schneiden alten Holzwerkes wird die Säge leicht stumpf und muss häufig ausgewechselt werden. Die Sägevorrichtung fällt je nach den Verhältnissen der Arbeitsstelle ganz verschieden aus. Die Firma F. H. Schmidt ist für Sägearbeiten unterWasser besonders gut eingerichtet. — St. Vermischtes. Gisaldruck. Die lithographische Anstalt von Bogdan Gisevius in Berlin hat seit einiger Zeit mit Erfolg ein patentiertes Vervielfältigungs-Verf ahren eingeführt, mit Hilfe dessen unter Anwendung eines besonderen Be¬ lichtungsverfahrens schwarze Strichzeichnungen in unver¬ kürztem Masstabe unmittelbar druckfertig für die Schnell¬ presse auf eine Aluminium-Druckplatte gebracht werden. Zur Vervielfältigung verwendbar sind, jedoch ohne die An¬ fertigung von Zwischenkopien, wie bei dem Lichtpausver¬ fahren und der Autographie Strichzeichnungen auf gut licht¬ durchlässigem, glattliegendem Papier bis zu V3mm Stärke (selbstverständlich auch auf Pauspapier und Pausleinwand). Glatte, bläulich weisse Papiere verdienen dabei den Vor¬ zug; die Kopie wird um so schärfer, je schärfer und schwärzer die Zeichnung ausgezogen ist. Die Kopie ent¬ spricht genau dem Original, das dabei in keiner Weise verletzt wird. Die Herstellung der fertigen Druckplatte ist bei Abmessungen bis zu 135 cm Länge in etwa 2 Stunden möglich und es kann dann sofort der Druck in beliebiger Auflage (mindestens 1000 Abzüge von einer Platte) er¬ folgen. Das Verfahren arbeitet also ausserordentlich rasch und ist nicht teurer als der autographische Druck ohne die Herstellung der Fettpause (die ja hier ganz in Weg¬ fall kommt). Wie^bei der Lithographie lassen sich auch 24. Oktober 1903. bei dem Gisaldruck Aenderungen und Korrekturen ohne jede Schwierigkeit ausführen, ferner auch mehrfarbige Drucke herstellen, wobei naturgemäss für jede Farbe eine besondere Druckplatte hergestellt werden muss. Wir haben uns durch vorgelegte Proben von der Güte der Wiedergabe und durch einen Besuch der Gisevius’- schen Anstalt von der Schnelligkeit und Genauigkeit des Verfahrens überzeugt, das durch Anwendung des elek¬ trischen Lichtes unabhängig von der Tagesbeleuchtung ist. Das Geheimnis des Verfahrens besteht in der Zusammen¬ setzung des lichtempfindlichen Ueberzuges der Aluminium¬ platte, die zunächst mit der Zeichnung im Lichtpaus¬ rahmen eingespannt, mit Bogenlampen belichtet und dann 2 mal mit verschiedenen Flüssigkeiten abgewaschen und wieder belichtet und schliesslich geätzt wird. Nach Trock¬ nung der Platte kann dann die Druckfarbe aufgewalzt werden und der Druck beginnen. Flecke auf der Platte lassen sich vorher leicht abreiben, kleine Fehler durch Abreiben, Nachziehen mit Fettusche und Nachätzen aus¬ bessern. Die Aluminiumplatten sind nach Abschmirgeln mit Bimsmehl wieder verwendbar. Da die Original-Zeich¬ nung bei der Einspannung und auch der Bogen beim Druck nicht feucht gemacht wird, so tritt ein Verziehen der Blätter nicht ein, die Wiedergabe entspricht also genau dem Masstabe des Originals. Wir halten das Verfahren für geeignet, in der Ver¬ vielfältigung technischer Zeichnungen eine vollständige Um¬ wälzung herbeizuführen, da es an Genauigkeit, Schnellig¬ keit der Herstellung und Billigkeit wohl von keinem an¬ deren übertroffen wird. — Ueber die Ausführung der eisernen Landungsbrücke bei Lome bringt die „Dtsche. Kolonialztg.“ einige inter¬ essante Mitteilungen. Der Unterbau der auf eisernen Pendeljochen ruhenden Eisenkonstruktion besteht aus je einem Pfahlbündel von 3 Pfählen für jeden Jochfuss. Diese Pfähle sind geschweisste Flusseisenröhren, die gegen¬ einander geneigt eingerammt und am Kopfe fest mitein¬ ander verbunden sind. Sie wurden zum Schutz gegen den Angriff des Seewassers innerhalb einer weiteren Schutzröhre mit Beton umhüllt. Auch die Pendeljoche sind mit Beton umkleidet. Die Montage der ganzen Brücke einschl. des Rammens der Pfähle wurde von der Brücken¬ bauanstalt Gustavsburg bei Mainz (Abt. der Nürnberger Masch.-Fabrik) mit einer Hilfsbrücke bewirkt, wie sie von der genannten Firma schon bei der Aufstellung des Viaduktes der Schwebebahn Barmen - Elberfeld in An¬ wendung gekommen ist. Diese, auf dem fertigen Brücken¬ teil sich um je eine Feldlänge freischwebend vorschiebende Konstruktion, gestattete zuerst vom Kopfende das Rammen der Pfähle, sodann die Aufstellung der Joche und schliess¬ lich das Ueherschieben der eisernen Brückenträger, — Zur Frage des Honorares für architektonische Arbeiten. Man übersendet uns die No. 4870 des „General-Anzeiger für Bonn und Umgegend" vom 19. Sept. d. J. und macht uns auf eine Anzeige aufmerksam, die folgendermassen lautet : Hiesiger Architekt empfiehlt sich zur Anfertigung aller Bureau- Arbeiten. Es kosten: Objekt von Baugesuch (komplett) Kostenanschlag bis 10 000 Mark 20 Mark 20 Mark IO OOO — 15 000 „ 25 „ 25 „ 15 OOO — 20 000 „ 35 „ 25 „ 20 OOO — 25 000 „ 45 „ 35 „ 25 OOD - 30 000 „ 55 „ 35 „ 30 OOO — 40 000 „ 65 „ 43 „ 40 0^0 — 50 000 „ 75 „ 45 n 50 OOO — 75 °°° „ IOO „ 60 „ 75 000 - 100 000 „ <50 " 80 * Gefl. Offerten unter R. S. 123 an die Expedition. Der Einsender bemerkt hierzu mit Recht: „Wofür haben wir denn unsere Honorarnorm? Wie kann da das Baugewerbe blühen und wie soll man noch Freude am Ge¬ schäft haben, wenn man für solche Preise arbeiten muss?" Uns scheint bei dieser Bescheidenheit die Aufstellung eines Tarifes überhaupt überflüssig und viel mehr die schlaue Praxis jenes einsiedlerischen Sonderlings im Ge¬ birge am Platze zu sein, der, nach der Vergütung für von ihm geleistete Dienste gefragt, antwortete: „Geben S’, was S’ wollen, i sag’: vergelt’s Gott." Denn es wäre doch immerhin nicht unmöglich, dass ein Bauherr in einer frei¬ lich seltenen Anwandlung von Grossmut bei einem solchen Apell an seine Freigebigkeit die Sätze jenes Tarifes nicht unwesentlich überböte. — Ausbesserung ausgetretener Steintreppen. Wir erhalten folgende Mitteilung: Seit Jahren hat man auf der Stadt- und Ringbahn in Berlin die Treppen und Podeste, welche eine starke Abnutzung zeigten, mit Kunstgranit überzogen, der¬ art, dass nach Fertigstellung der Arbeit die wiederherge- 547 stellte Treppe den Eindruck einer neuen, massiven Treppe macht. Der Kunstgranit wird 7—20 “>m stark breiartig auf¬ getragen und erhärtet je nach den Witterungs -Verhält¬ nissen in 24 — 48 Stunden, nach welcher Zeit die Treppen und Podeste dem Betriebe übergeben werden. Auf dem Schlesischen Bahnhof, Bahnhof Alexanderplatz, Börse, Zoo¬ logischer Garten, Charlottenburg, Gross-Görschen-Strasse, liegt Kunstgranit auf Naturgranit, auf dem Bahnhof Zoolo¬ gischer Garten an anderer Stelle in Eisenkonstruktion, Ge¬ sundbrunnen auf Holz seit 4 Jahren. Auch bei letzterer Treppe, die beim Begehen vibriert, haben sich bis heute noch keine Haarrisse gezeigt, das Material besitzt also neben hoher Widerstandsfähigkeit einen gewissen Grad von Elastizität. Ebenso wurden in der Kadetten-Anstalt in Gross-Lichterfelde grössere Kunstgranit-Arbeiten auf Holz ausgeführt. Wenn bei einem Millionenverkehr (die Haupt¬ treppe des Bahnhofs Alexanderplatz wurde in 2 Jahren von 11 Millionen, die Holztreppe des Bahnhofs Gesundbrunnen in 3 Jahren von 20 Mill. Menschen beschritten) der Kunst¬ granit auf mindestens 4 — 5 Jahre durchschnittlich Wider¬ stand leistet, so ist damit die Unverwüstlichkeit des Mate¬ riales für Fussböden wohl dargetan. Nachdem die durch das Abglätten entstandene Schlammhaut abgetreten oder abgeschliffen ist, kann man den Fussböden als fugenlos, undurchlässig und staubfrei bezeichnen. Ausser Granit können auch andere Gesteinsarten für die Fussböden Ver¬ wendung finden, je nach den Anforderungen, die gestellt werden. Diese Arbeiten werden von dem Baugeschäft Paul Arendt in Eberswalde, nach dem Verfahren L. Ke ding, welcher der Firma angehört, ausgeführt. — Chronik. Die neue Eisenbahn - Dampffährenverbindung Warne- münde-Gjedser ist am 1. Okt. in Gegenwart des Königs von Däne¬ mark und des Grossherzogs von Mecklenburg-Schwerin dem Ver¬ kehr übergeben worden. Es sind 4 Dampffähren in Dienst ge¬ stellt, welche je einen ganzen Eisenbahnzug aufnehmen können, sodass auf diese Weise eine unmittelbare Verbindung des deutschen und des dänischen Eisenbahnnetzes hergestellt ist. Die Fähren be¬ sitzen eine Geschwindigkeit von 13,5 Knoten. — Ueber eineEisenbahn-Dampffahren-Verbindung zwischen Schweden und Deutschland wurde kürzlich ein amtliches Gutachten der schwed. Staatseisenbahn-Verwaltung veröffentlicht. Diese Ver¬ bindung ist namentlich als Verbesserung des Güterverkehres ge¬ plant. Als Ausgangspunkt sind in Schweden Malmö oder Trelleborg gedacht. Von dort würde der Weg nach Sassnitz (rd. 104 km) der kürzeste und billigste sein. — Das Erholungsheim für deutsche Lokomotiv-Beamte zu Hann. -Münden, durch Hrn. Arch. Max Küster in Hannover ent¬ worfen und ausgeführt, wurde am 7. Aug. d. J. feierlich eingeweiht. Das stattliche Haus besteht aus Unter-, zwei Ober-, sowie Dach- und Giebelgeschossen und stellt eine Verbindung dar zwischen Sandsteinrauh-, Putz- und Fachwerkbau. — - Das neue Stadttheater ln Bern wurde am 3. Okt. eröffnet. Das von dem Berner Architekten R. v. W ur st em b e r ger er¬ baute Haus fasst 940 Sitz- und 160 Stehplätze. Der Zuschauer¬ raum besteht aus Parkett und 3 Rängen, welche ohne Stützen in den Raum eingebaut sind. Die Bühneneinrichtung ist von Lauten¬ schläger in München. — Ein Zentral- und Hauptsammelbahnhof für das Essener Kohlenrevier soll aus den Bahnhöfen Langendreer-Nord und -Süd geschaffen werden. Die Neuanlage ist mit 11,5 Mill. M. veranschlagt. — • Die Herstellung eines Gebäudes für das neue bayerische Verkehrsministerium und für ein zentrales Briefpostamt in München ist durch den Finanzausschuss der bayerischen Kammer beschlossen worden. Das Gebäude soll mit einem Aufwande von 9900000 M. an der Arnulf-, Hasen-, Mars- und Hopfenstrasse er¬ richtet werden. — Wiederherstellungs-Arbeiten am Stephansdome ln Wien sollen nach folgendem Programm ausgeführt werden: 1) Wieder¬ herstellung der Votivbildwerke und Epitaphien am Aeusseren des Domes; 2) Vollendung der Wiederherstellung der Westfassade mit Ausschluss des Riesentores; 3) Vollendung der Arbeiten an der Herzogenkapelle; 4) Wiederherstellung der Wände und Strebe¬ pfeiler an der Nordseite der Kreuzkapelle und 5) Wiederherstellung des südlichen Heidenturmes. — Eine Wiederherstellung des Rathauses in Reutlingen erfolgte nach den Entwürfen des Hrn. Malers F. Hummel in Reutlingen. — Der Neubau der höheren Töchterschule in Zehlendorf bei Berlin wurde Mitte Oktober eingeweiht. Das Haus ist mit einem Aufwande von 254000 M. durch die Architekten Höniger & Sedelmeyer in Berlin errichtet worden. — Ausstellung von Werken Olbrichs in Darmstadt. Eine Ausstellung — umfassend Architektur und Kunstgewerbe — ■ ver¬ anstaltet von Prof. J. M. Olbrich im Ernst Ludwighause der Künstler-Kolonie in Darmstadt, wurde am 9. Oktober vom Gross¬ herzoge im Beisein des Kaisers und der Kaiserin von Russland, der Königin von England, des Grossfürsten und der Grossfürstin Sergius, des Prinzen und der Prinzessin Heinrich sowie Prinzessin Ludwig Battenberg eröffnet. Die Ausstellung umfasst die Arbeiten des Künstlers seit der Ausstellung vom Jahre 1901 bis Okt 1903. — Die Denkmäler des Kaisers und der Kaiserin Friedrich vor dem Brandenburger Tor zu Berlin sind am 18. Okt. ent¬ hüllt worden. Die Denkmäler sind in der Anlage den Denkmälern der Siegesallee verwandt. Das Standbild Kaiser Friedrichs ist von 543 Prof. Brütt; dem Standbild zur Seite sind die Büsten des General¬ feldmarschalls Grafen Blumenthal und des Prof. v. Helmholtz auf¬ gestellt. Das Standbild der Kaiserin Friedrich ist ein Werk des Bildhauers F. Gerth. Ihm zur Seite befinden sich die Büsten Eduard Zellers und A. W. v. Hofmanns. Die Architektur der gesamten Denkmalanlage stammt von dem Geh. Ob.-Hofbrt. J h n e ; an der Her¬ stellung des ornamentalen Teiles war Prof. Aug. Vogel beteiligt. — Die Enthüllung des Frankfurter Einheitsdenkmales hat am 18. Okt. stattgefunden. Das Denkmal ist ein Werk des Arch. Hessemer und des Bildhauers Kaufmann, deren Entwurf in einem Wettbewerb den I. Preis erhielt. Das Denkmal, welches 120000 M. beansprucht hat, erhebt sich vor der Paulskirche als ein Obelisk, der an der Basis von 3 Bronzegruppen des freige¬ sinnten Bürgertumes, der Sänger von Einheit und Freiheit und der deutschen Hochschulen begleitet ist. — Die Grundsteinlegung des christlichen Soldatenheimes ln Metz hat am r6. Okt. stattgefunden. Das Haus wird nach den Entwürfen des Hrn. Arch. Friedr. Schütte in Barmen errichtet. — Die Errichtung einer elektrischen Kraftzentrale bei Zürich ist durch die Schweiz, die Stadt Zürich in Verbindung mit anderen Gemeinden dadurch geplant, dass die Sihl hinter Einsiedeln gestaut und das so gewonnene Wasser durch den Etzel zum Zürichsee hinunter ins Turbinenhaus geleitet wird, wodurch man öroooP.S. zu gewinnen hofft. Die Anlagesumme ist mit 35670000 Fr. ge¬ schätzt. Nach Errichtung der Anlage käme in Zürich die 11 stündige Pferdekraft eines Abonnenten auf etwa 50 Fr. gegen das 12 bis 15 fache von heute zu stehen. Man hofft neben dem Bund auch die Kantone St. Gallen, Zug, Schwyz für das Werk gewinnen zu können. Zunächst ist beabsichtigt, das Werk mit 23,5 Mill. Fr. für 27000 P.S. zu errichten. In diesem Falle käme die P.S. auf 77 Fr. — Die Einweihung der Canisluskirche in Wien hat am 18. Okt. stattgefunden. Das neue Gotteshaus steht in der Lust- kandl- Gasse, ist im romanisch - gotischen Uebergaugsstile erbaut und fasst etwa 3000 Besucher. Die Kirche hat eine Unterkirche, die sich unter Querschiff und Chor hinzieht. Architekt derselben ist Gustav Ritter von Neumann. — Das Melanchthon - Haus in Bretten ist am 20. Okt. feier¬ lich eingeweiht worden. Das Haus, an welchem nacheinander die Architekten Vollmer & Jassoy in Berlin, Herrn. Billing in Karls¬ ruhe und Jung in Berlin tätig waren, ist ein eigenartiges Denk¬ mal des grossen Reformators. Es ist im gotischen Stil aus rotem Wertheimer Sandstein errichtet, enthält im Erdgeschoss eine zwei- schiffige Halle mit den Statuen Melanchthons, Luthers, Bugenhagens, Jonas, Brenz, Calvins und Buzers, und im Obergeschoss 4 Zimmer: das Städtezimmer, das Fürstenzimmer, das Theologenzimmer und das Humanistenzimmer. — Die Errichtung eines Triumphbogens am Eingang zur Döberltzer Heerstrasse in Charlottenburg soll der „Post“ zu¬ folge beabsichtigt sein. Seine Kosten werden auf 1 Mill. M. veranschlagt. — Ein Pallas- Athene- Brunnen auf dem Platze vor den neuen Hochschulen für die bildenden Künste und für Musik in Charlottenburg (Steinplatz) ist nach derselben Quelle geplant. — Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. Chr. H. Mit Glas geschlossene Licht-Oeffnungen in Brandmauern nach dem Nachbargrundstück zu sind keineswegs durch das bürgerliche Gesetzbuch verboten. Auch ist es nicht richtig, dass durch letzteres alle landesgesetzlichen Bestimmungen aufgehoben seien. Es können jedoch durch baupolizeiliche Vor¬ schriften bestimmte Materialien ausgeschlossen sein. So lässt die Berliner Baupolizei Falconnier-Glasbausteine in solchen Oeffnungen nicht zu und diesem Beispiele werden wohl auch viele andere preussischen Städte folgen. In Bayern und Wüittemberg sind solche mit Glasbausteinen geschlossene Oeffnungen bis 1 qm Fläche da¬ gegen gestattet. Die badischen Verhältnisse kennen wir nicht. Dem Nachbar steht ein Einspruchsrecht nicht zu, jedoch kann er, falls er selbst später an der Grenze baut, diese Oeffnungen ohne weiteres schliessen. — Hrn. F. M. in Saarbrücken. Nach Ihrer Darstellung der Verhältnisse ist Ihr Architekt in keiner Weise berechtigt, für seine Forderungen die Fragebeantwortung in unserer No. 13 in An¬ spruch zu nehmen, denn diese Fragebeantwortung ging von einer ganz anderen Grundlage aus, als sie nach Ihrer Sachdarstellung bei Ihrem Falle vorliegt. Es ist doch wohl allmählich Grundsatz beim Honorarwesen der deutschen Architekten geworden, dass jede Tätigkeit des Architekten ihre entsprechende Entlohnung findet, aber auch nur die wirkliche Arbeitsleistung. Es ist ein ganz ungerechtfertigtes Verlangen, ein Honorar für Teile eines Entwurfes zu verlangen, die nicht geliefert, aber ohne Aen- derung für die weiteren Arbeiten benutzt wurden. — Anfragen an den Leserkreis. 1. Welche Mittel gibt es und welche Erfahrungen liegen hierüber vor, um die Wirkung der beim Verzinnen und Gelbbrennen ent¬ stehenden, besonders für die Atmungsorgane so gefährlichen Gase wenn auch nicht ganz, so doch teilweise wenigstens aufzuheben oder abzuschwächen? — A. K. in Nürnberg. 2. Welche feuersicheren Anstriche für Holz haben sich in der Praxis bewährt und wer liefert solche? — Stadtbmstr. Fr. 3. Wer übernimmt die innere Einrichtungvon Moorbadeanstalten ? Kreisblatt-Expedition in Liebenwerda. Inhalt: Die beiden Häuser Stollwerck in Köln a. Rh. • — Die Kraft¬ versorgung der Lungenheilstätte Sülzhayn im Harz. — Neue Baupolizei- Ordnung für einen Teil des Stadtbezirkes Düsseldorf. — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Chronik. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Haus Karl Stollwerck in Köln a. Rh. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion vci autwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 85. EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 86. * DEN 28. OKT. 1903. * ««««artcsstsrsssssst Berliner Neubauten. No. 108. Der Saalbau der Brauerei Königstadt A.-G. an der Schönhauser Allee. Architekten: Cremer & Wolffenstein in Berlin. (Hierzu die Abbildungen S. 552.) er Bau eines neuen zeitgemäss ausgestatteten Restaurationslokales auf ihrem ausgedehn¬ ten Gelände an der Schönhauser Allee zu Berlin war seit langen Jahren schon ein lebhaft gehegter Wunsch der 1871 gebildeten Aktiengesellschaft Brauerei Königstadt, da die alten Ausschanklokale den Anforderungen der Neuzeit wenig mehr entsprachen. Die Errichtung des Neubaues ver¬ zögerte sich jedoch bis zum vergangenen Jahre; die Verzögerung lag darin, dass eine aus dem Jahre 1862 stammende Baufluchtlinie für die Schönhauser Allee eine zweckmässige Ausnutzung des brachliegenden Vorgartenlandes sehr erschwerte. Nach längeren Ver¬ handlungen mit der Stadt Berlin jedoch gelang es der Gesellschaft, die ungünstige Bauflucht zu besei¬ tigen, sodass nunmehr eine Neuanlage geschaffen werden konnte, welche den gesteigerten Ansprüchen an einen modernen Bierausschank in jeder Weise ent¬ spricht. Mit den Entwurfsarbeiten der neuen Anlage wurden die Architekten Cremer & Wolffenstein in Berlin betraut und es wurde ihnen auch die Oberleitung über die Bauausführungen übertragen. Die eigentümlichen Gelände-Verhältnisse haben zu einer höchst eigenartigen Anlage geführt. In der Höhe der Strasse ist das Untergeschoss des Saal¬ baues angelegt, an welches sich, der Strasse entlang, eine Flucht von 10 Läden anschliesst, an die, auf der dem Saalbau entgegengesetzten Seite des Grund¬ stückes im rechten Winkel eine Kegelbahn stösst, sodass das Gartengrundstück auf 3 Seiten von Ge¬ bäuden umgeben ist. Zwischen dem Saalbau und den Läden befindet sich ein breiter Treppenaufgang zum Garten. Ueber den Läden, die aus je einem eigentlichen Ladenraume und einem durch eineWendel- treppe zugänglichen Oberraum bestehen, ist eine offene Terrasse als Fortsetzung des hochgelegenen Gartens angelegt, während über der Kegelbahn und dem letzten Laden, nur wenige Stufen über das Gartengelände erhöht, eine gedeckte Halle mit daranschliessenden Aborten sich hinzieht. Inmitten des von den Gebäu¬ den eingeschlossenen Gartens steht der achteckige Musikpavillon. Das Untergeshoss des Saalbaues ent¬ hält in seiner vorderen Hälfte gegen die Strasse umfang¬ reiche Tages-Restaurations-Räumlichkeiten, an die sich nach rückwärts, etwa die zweite Hälfte der Fläche ein¬ nehmend, die Aborte, die Küchen mit allen ihren Neben¬ gelassen, sowieVorrats- undKellerräume anreihen. Zur Bedienung des Gartens ist ein breiter Kücheneingang geschaffen, der zunächst in einen Vorraum führt, wo die Speisenabgabe stattfindet. An beiden Seiten des Untergeschosses ziehen sich zur Erhellung der hinteren, in das Gelände eingebauten Räume Lichtgräben hin. Ein breiter Treppenaufgang an der rechten Ecke des Saalbaues führt zur Höhe des Saalbodens. Dem 549 Saale sind gegen die Strasse in einem Zwischenge¬ schoss Garderoben und Aborte vorgelagert; über die¬ sem Zwischengeschoss ist eine die ganze Stirnseite des Saales einnehmende Galerie angeordnet. Zur Seite des Saales gegen den Garten, durch wenige Stufen nur mit diesem verbunden, liegen Vorraum, Nebensaal und Büfett- Raum, nach rückwärts Neben¬ treppen und kleinere Nebenräume, darunter ein Raum für Tische. Ueber diesen Nebenräumen wölbt sich die Orchesternische, zu deren Seite Musikerzimmer und Garderobe, sowie eine kleine Wohnung von 3 Zimmern für den Oekonomen sich befinden. Der Saal ist 37 m lang, 22 m breit und 15 m hoch; seine wohlgelungenen räumlichen Verhältnisse gehen aus dem Schnitt S. 552 sowie aus unserem Kopfbilde her¬ vor. Reichliches Tageslicht flutet durch grosse Fenster¬ öffnungen von drei Seiten in den Saal. Das Saal- " 0 / * Grundrisse des Unter-, des hohen Erdgeschosses Und des Saales in Galeriehöhe. 550 No. 86. gewölbe ist in Monierkonstruktion erstellt und an dem eisernen Dachstuhl aufgehängt. Unsere Abbildungen geben erschöpfende Auskunft über die Anlage, welche mit all’ der Sorgfalt und Findigkeit geplant ist, durch welche die meisten Schöpfungen der Architekten in den Grundrissen sich auszeichnen. Der Aufbau, als Putzbau durchgeführt, ist in einem massvollen Barock gehalten. Die Gesamtausführung war der Firma Jos. Frankel in Berlin übertragen. Neben ihr wirkten mit für die Bildhauer- und Stückarbeiten E. Bammrich & Ko.; für die Eisenkonstruktionen Breest & Ko.; für die Zimmerarbeiten Benno Mirauer; für die Malerarbeiten Walter Senftleben und J. Bodenstein; für die Tischlerarbeiten H. Gockisch, die Glaserarbeiten J. Schmidt, die Schlosserarbeiten H. Scherbel, die Kunstschmiedearbeiten Paul Marcus und Golde & Räbel. Die Bleiverglasungen waren an F. Eissing, die Gas-, sowie die Be- und die Entwässerungsanlage an L. Moses, die Heizanlagen an Janeck & Vettef (Hauptgebäude) und Pflaum & Gerlach (Läden) übertragen. Die Kochmaschinen lieferten Förster & Runge, die Kücheneinrichtung L. Moses und A. Bertuch, die Fleisch - Kühlanlage Leo Bahr, die Fahrstühle Carl Flohr. Die elektrische Beleuchtung der Säle, des Gartens und der Terrasse stammt von Siemens & Halske A.-G. In der Tagesrestauration wurde eine Beleuchtung von Milleniumslicht in Ver¬ bindung mit elektrischem Licht angeordnet. Das erstere Licht lieferte die Milleniumslicht-Ges. Ham¬ burg. In die Beleuchtungskörper teilten sich Schaffer &Hauschner, Siemens & Halske und G. Leander; die Lederstühle lieferten Ferd. Vogts & Ko., die Stühle aus gebogenem Holz Gebr. Thonet, die Tische Markgraf & Tau, Richter & Scherler sowie Breitschu&Grünig, die Büfetts M. Schacht¬ meyer & Ko. Sämtliche Firmen befinden sich mit der genannten Ausnahme in Berlin. - — Die beiden Häuser Stollwerck in Köln a. Rh. Areh : Prof. Bruno Schmitz in Charkntenburg. (Schluss.) Hierzu die Abbildung auf S. 553. on dem roten Saal aus fällt der Blick durch möbliert und es ist dafür Sorge getragen, dass jedes eine breite Wandöffnung in den gold- und dieser Zimmer mit einem Bad und einer Toilette ver- mosaikschimmernden Musiksaal, zu welchem bunden ist. man von der Diele aus durch eine tiefdunkle Mit der örtlichenBauaufsichtv/ar während der ganzen Polisander-Schiebetür über 3 Stufen abwärts Dauer des Baues, mit nur kurzen Unterbrechungen, gelangt, während vom roten Saal aus ein erkerartiger der Bauführer Hr. O. Dietrichkeit betraut, welcher Vorbau in ihn hineinragt. Auf braunschwarzen, den seines nicht leichten Amtes mit Umsicht waltete, ganzen Raum umfassenden, gewisserin assen seinen Alle die hier aufgezählten Ausführungen sind in Sockel bildenden Bänken wieder aus Polisanderholz der kurzen Zeit von Anfang 1899 bis Anfang 1901 erheben sich die onyxbedeckten Wände mit ihren unter vielen Lasten und Mühen entstanden. Diese goldigen Mosaikornamenten bis zur völlig vergoldeten Ausführungen sind aber nur möglich gewesen durch das gewölbten Decke. Nach hinten wird der Raum abge- ungeteilte Vertrauens- und Freundschafts -Verhältnis, schlossen von einer in Mosaik und reicher opaleszenter welches zwischen den Auftraggebern und dem schaffen- Glasmalerei geschmückten Apsis. Die Decke ist in den Architekten besteht, sowie durch die getreue Hilfe, 6 Felder geteilt, von denen die beiden mittelsten „Musik“ hervorragender Künstler und tüchtiger Lieferanten und „Tanz“, die 4 seitlichen Motive aus dem „Ring und Handwerker. Allen diesen Mitarbeitern, narnent- des Nibelungen“’ zeigen. Das Glasgemälde sowohl lieh den schon mehrmals genannten Künstlern: dem wie die Gemälde der Decke stammen, wie auch die Maler August Unger in Berlin, dem Bilhauer Prof, kleinen Monatsbilder, welche das Mittelfeld der Decke Christian Behrens in Breslau, dem Bildhauer F. schmücken, von August Unger in Berlin. Auf der Schneider in Berlin, welcher die Reliefs im weissen vorspringenden Hauptgesimsplatte befindet sich als Salon und im Dielengewölbe, sowie die Figuren der ein den ganzen Raum umspannendes Ornament der Fassaden modellierte, der Firma Kimbel & Fried- Spruch aus der „Schöpfung“; richsen in Berlin, von der die mustergültigen Holz- Die Himmel rühmen des Ewigen Ehr’ arbeiten der Diele, des Speisesaales, des roten Salons Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort, und des Rauchzimmers stammen, der Firma J. Pallen- Ihn preiset das Erdreich, ihn preiset das Meer berg in Köln, welche den Musiksaal und das Ankleide- j Vernimm, o Mensch, sein göttlich Wort. und Toilettezimmer im ersten Geschoss zur grossen Zu- Ijm ersten Obergeschoss sind die Wohn- und die friedenheit des Architekten und der Besteller ausgeführt Schlafräume ebenfalls zum grössten Teile nach künst- hat, dem Maurermstr. Booz in Köln, dem die Maurer] lerischen Gesichtspunkten ausgestaltet; so sind nament- und Steinversetzarbeiten, dem Steinmetzmstr. Winter¬ lich das Toilettezimmer in japanischer Formengebung, heit in Miltenberg, dem dieStein- und Bildhauerarbeiten sowie das mit farbigem Marmor bekleidete und von der Fassaden übertragen waren, dem Zimmermstr. Ger- Unger ausgemalte Badezimmer, dann das nach ihren hartz, dem Dachdecker- und Klempnennstr. Kops, eigenen Entwürfen von Marie Kirschner in Berlin in dem Installateur Thomas, alle drei in Köln, dein teils gestickter, teils gemalter naturalistischer Orna- Malermstr. Marno Kellner in Charlottenburg, dem mentation ausgeführte Frühstücks- und Arbeitszimmer biederen Scfamiedemstr. Holdefleiss in Berlin, wel- mit daran schliessendem goldenen Boudoir, sowie eher Haustür, Fenster und Umwährungsgitter lieferte endlich die Zimmer der Mutter bemerkenswert. und allen anderen im Bau beschäftigt gewesenen Die im zweiten Obergeschoss befindlichen Frem- Lieferanten und Handwerkern, welche sich um das Ge- den- oder eigentlich Freundeszimmer wurden in zweck- lingen des Ganzen nach Kräften bemüht haben, ge- entsprechender Weise wohnlich und traulich aus- byhrt der wärmste Dank. — Mechanisch-biologische Abwasser-Reinigungsanlage für einzelstehende Gebäudegruppen. Von Reg.-Bmstr. R. Lion in Frankfurt a. M. Hie Unterbringung bezw. Reinigung der Abwässer begegnet bei einzelstehenden Gebäudegruppen, die " — y- ' nicht in der Lage sind, an eine städtische Kanali¬ sation anzuschliessen, in der Regel grossen Schwierigkeiten. Insbesondere wird sich diese Schwierigkeit bei solchen Anlagen einstellen, die ihrer Bestimmung nach darauf an¬ gewiesen sind, sich fern von grossen Städten in ruhiger, geschützter Lage anzusiedeln, wie dies bei Sanatorien, Ge¬ nesungsheimen, Kurhäusern usw. der Fall ist, die mit Vor¬ liebe entlegenere Gebirgsgegenden aufs achten werden, deren 28 Oktober 1903. Vorflut häufig in einem wenig Wasser führenden, im Sommer trocken liegenden Gebirgsbach bestehen wird. Für die Anlegung abseits gelegener Villenkolonien kann ferner die Frage der zufriedenstellenden Reinigung und Beseitigung der Abwässer von ebenso grosser Bedeutung werden, wie für die gesundheitlichen Zustände unserer grossen Militär¬ lager. Solcher Fälle Hessen sich noch zahlreiche anführen. Auch wird heute wohl kaum mehr eine dieser An¬ lagen auf die Vorzüge verzichten wollen, die eine alle Baulichkeiten umfassende reichliche Wasserversorgung 55T Berliner Neubauten. No. 108. Der Saalbau der Brauerei Königstadt, A.-G., an der Schönhauser Allee. Architekten: Cremer & Wolffenstein in Berlin. 55 2 No 86. und systematische Entwässerung den Bewohnern inbezug auf Reinlichkeit und Bequemlichkeit zu gewährleisten im¬ stande ist. Es wird daher bei solchen Anlagen mit ver¬ hältnismässig grossen Abwassermengen gerechnet werden müssen. Die Ableitung der Abwässer in ungereinigtem Zustande wird nach Lage der Verhältnisse in den meisten Fällen von vornherein ausgeschlossen sein. Es wird viel¬ mehr eine sehr gründliche Reinigung der Abwässer er¬ forderlich werden, wenn eine Belästigung und auch ge¬ sundheitliche Gefährdung sowohl der Bewohner der Ge¬ bäude, als auch der Umgebung verhindert werden soll. Eine die Nachfäulnis der gereinigten Abwässer aus- schliessende Reinigung ist nach dem heutigen Stande der Technik nur möglich durch Ueberleitung der Abwässer unbedingt zu empfehlen, der Einleitung des Abwassers in den Oxydationskörper eine wirksame mechanische Reinigung desselben vorangehen zu lassen. Eine auf solcher Verbindung der mechanischen Klä¬ rung mit dem biologischen Verfahren beruhende Reini¬ gungsanlage, die vor kurzem durch die Firma Heinrich Pichler, Zivilingenieur in Frankfurt a. M., für ein grosses Sanatorium im Taunus ausgeführt worden ist, soll nun im nachfolgenden beschrieben werden. Die Anordnung der Anlage ist aus der umstehenden Abbildung ersichtlich. Das Abwasser strömt zunächst über einen schrägliegenden Rost, durch welchen die grösseren Schwimmstoffe, Papier, Lumpen usw. zurück¬ gehalten werden, die dann mit einer Kratze in eine längs Haus Karl Stollwerck in Köln a. Rh. Billardzimmer. — Architekt: Prof. Bruno Schmitz in Charlottenburg. auf Rieselfelder oder mit Hilfe eines künstlichen biologi¬ schen Verfahrens (in sogenannten Oxydationskörpern). Da jedoch für Rieselfelder geeignetes Gelände in vielen Fällen nicht zu Gebote steht, ist das letztgenannte Verfahren das¬ jenige, das für Anlagen der eingangs genannten Art häufig infrage kommen wird. Die Oxydationskörper arbeiten nun desto sicherer und erfolgreicher und können bei gleicher Leistungsfähigkeit mit umso kleineren Abmessungen, demnach auch umso billiger hergestellt werden, je gründlicher das Abwasser vor seinem Eintritt in den Filterkörper von allen mitge¬ führten festen Schwimm- und Sinkstoffen gereinigt worden ist. Es ist daher auch inbezug auf die spätere Beseitigung der im Abwasser enthaltenen gelösten organischen Stoffe der oberen Kante des Rostes liegende Rinne gebracht werden können. Hinter dem Rost ist ein Sandfang an¬ geordnet, in welchem die schweren Sinkstoffe, nament¬ lich der Sand, zur Ablagerung kommen. Dieser Sand¬ fang ist als beweglicher Filterkorb nach Schneppen¬ dahl ausgebildet, der mittels eines Flaschenzuges je nach Bedarf über das Gelände gehoben und dort verkarrt werden kann, wobei gleichzeitig auch die anderen, mecha¬ nisch beseitigten Schmutzstoffe entfernt werden können. Zur Abfangung der feineren suspendierten Stoffe bis auf eine Korngrösse von 1,5 mm herab dient das hinter dem Sandfang angebrachte wagrechte Lochsieb (Pat. Schnep¬ pendahl). Die sich hierauf ablagernden Stoffe werden ebenfalls von Zeit zu Zeit in eine Rinne gefegt, um von 28. Oktober 1903. 553 da aus anlässlich der Entleerung des Sandfanges aus der Kläranlage entfernt zu werden. Die durch die vorbeschriebenen mechanischen Vor¬ richtungen von dem weitaus grössten Teil der suspen¬ dierten Schmutzstoffe befreiten Abwässer gelangen nun¬ mehr in den Oxydationskörper, in welchem die feinsten festen Schmutzteile zurückgehalten, gleichzeitig aber auch die gelösten organischen Verunreinigungen aus dem Ab¬ wasser ausgeschieden werden. Das Filterbett des Oxyda¬ tionskörpers besteht aus verschieden grossen Kokesstücken, die auf einem Stabrost aufgelagert sind. Der unter dem Rost befindliche freie Raum steht mit dem längs der unteren Querabschlusswand des Filters angeordneten Luft- und Kontrolschacht in unmittelbarer Verbindung, wodurch für eine gute und ständige Durchlüftung des Filterkörpers Sorge getragen ist. Zur möglichst gleichmässigen Ver¬ teilung des Abwassers über die Oberfläche des Filter¬ körpers ist ein besonderes Verteilungsblech vorgesehen. Die Trennungswand zwischen dem Filterbett und dem vorgenannten Schacht ist gleichzeitig als Ueberfallwehr ausgebildet. Ein Ueberfall wird jedoch nur eintreten können, wenn sich im Laufe des Be¬ triebes das Filtermaterial zuge¬ setzt haben sollte, sodass da¬ durch die Notwendigkeit ange¬ zeigt wird, das Filtermaterial zu reinigen bezw. zu erneuern. Es ist jedoch zu erwarten, dass das Filterbett seine reinigende Kraft durch längere Zeit behalten wird, da ein Zufluss von Abwasser meist nur während der Tages¬ stunden stattfindet, mithin zur Regenerierung des Filters täg¬ lich mindestens eine zehnstün¬ dige Ruhepause zur Verfügung steht. Da es sich bei dem vorlie¬ genden Fall um ein Sanatorium für Nervenkranke handelte, konnte von einer Desinfektion der Abwässer Abstand genom¬ men werden. Erforderlichen¬ falls Hesse sich jedoch eine Des¬ infektion in zweckmässiger Weise an die mechanische Rei¬ nigung anschliessen. Um die Kläranlage stets bequem reini¬ gen zu können, ist sie mit An¬ schluss an die Wasserleitung versehen, so dass die Wan¬ dungen, Plattformen usw. unter Druck abgespritzt werden können. Bei Feststellung der Abwassermenge in erwähntem Sanatorium war die Krankenzahl mit 45 Köpfen, die Per¬ sonalzahl mit 25 Köpfen angenommen, woraus sich bei Zugrundelegung von 150 1 für den Kopf und Tag (ein¬ schliesslich Spülwasser) eine Abwassermenge von rd. jo cbm für i Tag ergab. Wenn nun auch im vorliegenden Falle eine sehr ungleichmässige Verteilung dieser Ab¬ wassermengen auf die Tageszeiten eintritt, so ist die Grösse der Anlage doch so bemessen, dass noch die mehrfache Menge der berechneten Abwässer bewältigt werden kann. Als Anhalt über die Grössenverhältnisse der Anlage sei mitgeteilt, dass die Lichtmasse der Klärgrube 2m Breite bei 9 m Länge betragen. Die Baukosten (ohne Oberbau) beliefen sich auf rd. 4500 M. Besondere Betriebskosten können bei beschrie¬ bener Anlage nicht in Rechnung gestellt werden, da die etwa alle 2— 3Tage einmal erforderliche Reinigung der Siebe usw. durch vorhandenes Personal vorgenommen wird. Die mit dem Betrieb der Anlage gemachten Er¬ fahrungen sind durchaus befriedigend. Das abfliessende Wasser ist klar und geruchlos, eine Nachfäulnis ist bis jetzt nicht beobachtet worden. Die in ziemlich wasser¬ armem Zustand aus der Kläranlage gebrachten festen '4. 4 -Äyifö? T' Luft- nn35mi 4 — 4>Iom> die Höhe des Systems - 3,35 “ und nehme über die linke Hälfte des Stabzuges eine Nutzlast von 100 kg für 1 lfd. “ an, so erhält der Knoten B positives Moment, der Knoten C dagegen negatives, sodass dort ein Gelenk angenommen werden muss. Es folgt: Vertikale Reaktion D— 5,4 . 100 . — = 135 kg, 4 Horizontalschub H — 135 kg. Moment in B: 4,10 4,10 , 135 • 7,45 ~ 135 • 3,35 - — ■ 100 . = 343 “kg. 2 4 Bei Verwendung der 14 c“ starken Rundhölzer wird demnach : a — -- = rd. 130 kg/qcm , statt der vorge¬ rechneten 60 kg/qcm) wobei die Normal- und etwaige Neben¬ spannungen noch vernachlässigt sind. — Berlin, den 21. Okt. 1903. W. Thiel. Die 228 Millionen-Anleihe der Stadt Berlin über, welche wir in No. 97, J ahrg. 1902 des Näheren berichteten, ist vom 555 Staatsministerium mit geringfügigen Aenderungen genehmigt worden. Zunächst sollen 128 Mill. M. ausgegeben werden zum Zinsfuss von 3V2 %, amortisirbar vom 1. 4. 3904 ab. Wir bringen in Erinnerung, dass an dieser Summe die städt. Gaswerke für Erweiterungsbauten allein mit 52 Mill. M. teilnehmen, die Kanalisationswerke mit 30,5 Mill. M., die Wasserwerke mit 12,5 Mill. M., die Markthallenbauten mit 15 Mill., der Zentral-Vieh- und Schlachthof mit 4 Mill. usw. — Preisbewerbungen. Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eine Festhalle im Ostpark von Landau (Pfalz) erlässt die Stadt für deutsche Architekten zum 1. Febr. 1904. Der Ostpark ist, wie ein dem Preisausschreiben als Unterlage beigegebener Lichtdruck zeigt, ein schön bewachsenes Gelände mit einem grossen See. Die im Ilauptsaal ein¬ schliesslich der Galerie für 1000 Sitzplätze zu bemessende Festhalle soll gegen die Mahla-Strasse errichtet werden. Neben dem grossen Hauptsaale, welcher ein Orchester¬ podium mit Konzertorgel sowie eine Bühneneinrichtung für regelmässige Theateraufführungen erhalten soll, ist ein zur Erweiterung des Hauptsaales dienender kleiner Saal von 200 Fläche gefordert. Ferner verlangt das Pro¬ gramm Räume für eine Gastwirtschaft, Kleiderablagen, Toiletten usw., Nebenräume für Mitwirkende, Räume zur Aufbewahrung von Mobiliar, Wirtschaftsräume usw. Die Gesamtkosten des Baues einschliesslich Heizungs¬ und Lüftungsanlage, jedoch ohne Mobiliar, Orgel- und Bühnenausstattung sollen 400000 M. nicht übersteigen. Der cbm umbauten Raumes ist mit 20 M. anzusetzen. Die geometrischen Zeichnungen sind 1:200 verlangt, da¬ zu aber 2, gegebenenfalles 3 perspektivische Ansichten. Durch diese wird das Arbeitsmass so sehr erhöht, dass die 3 Preise von 2300, 1500 und 1000 M. etwas knapp erscheinen. Es sollen zwei nicht preisgekrönte Entwürfe für je 500 M. angekauft werden. Die Gesamtsumme der Preise kann auch in anderen Abstufungen verteilt werden. Es besteht die Absicht, einem der Preisträger die Ausführung zu übertragen, doch behält sich die Stadt freieHand in derWahl des Architekten vor. Die mit Anerkennung wahrzunehmende Bereitwillig¬ keit der Stadt Landau, den Wettbewerb den bez. modernen Anforderungen der deutschen Architektenschaft anzupassen, lässt hoffen, dass über die Höhe der Preise noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Das Preisgericht besteht aus den Hrn. Geh. Ob.-Brt. Prof. Hof mann in Darmstadt, Brt. Prof. Levy in Karlsruhe, Prof. Friedr. v. Thiersch in München, Bürgermstr. Geh. Hofrt. Mahla in Landau und Stadtbmstr. Schech in Landau. Der Wettbewerb ist wohl vorbereitet. Unterlagen gegen 1 M., die zurücker¬ stattet werden, durch das Stadlbauamt in Landau. — Ein Wettbewerb der Vereinigung Berliner Architekten für ihre Mitglieder, ausgeschrieben durch die Aktien- Gesellschaft „Neu-Westend“, betrifft die Aufteilung von 3 Baublocks und Grundriss-Skizzen eines Geschosses der unter sich verschiedenen Parzellen. Es gelangen 3 Preise von 3000, 2500 und 1500 M. zur Verteilung. Preis¬ richter sind die Hrn. Landesbrt. Goecke, Dir. Schrobs- dorff, Reg.-Bmstr. Spindler, sowie die Architekten Töbelmann und Wolff enstein. — Im Wettbewerb betr. die architektonische Ausbildung der Schleuse des Teltow -Kanales bei Kl.-Machnow, der unter den Mitgliedern des Arch. -Vereins zu Berlin und der Vereinigung Berliner Arch. ausgeschrieben war, er¬ hielt bei 16 eingegangenen Entwürfen den I. Preis von 1000 M. Reg.-Bfhr. Lahrs in Charlottenburg, die beiden II. Preise von je 500 M. die Hrn. Arch. Erdmann & Spindler in Berlin und Hr. Arch. O. Kuhlmann in Charlottenburg. Zum Ankauf empfohlen wurden die beiden Entwürfe „Mach’s so“ und „Granit und Eisen.“ — Chronik. Eine Kirche zu Weldingsfelden im Oberamt Künzelsau in Württemberg ist nach dem Entwürfe des Hrn. Arch. R. Raisch in Stuttgart errichtet worden. Das Gotteshaus zeigt romanischen Stil, ist aus Sandstein und kann 350 Kirchenbesucher aufnehmen. — Neues Kreishaus für Templin i. M. Der Kreistag des Kreises Templin i. M. beschloss in seiner Versammlung vom 15. Okt. d. J., nach den Entwürfen der Architekteu Dinklage & Paulus in Berlin ein neues Kreishaus zu errichten und mit dem Bau sofort zu beginnen. — - Die Wiederherstellung des „Schönen Brunnens“ in Nürnberg ist in diesen Tagen beendet und der Brunnen von seiner Hülle befreit worden. Er erstrahlt in reichster heraldischer Polychromie. Die unter der Leitung des Hrn. Arch. Wallraff unternommenen Wiederherstellungsarbeiten haben einen Aufwand von 160000 M. erfordert. — Zum neuen Auguste Viktoria-Krankenhaus ln Schöneberg, das mit einem Kostenaufwande von 5 820 000 M. nach den Plänen 556 des Stadtbrts. Egeling ausgeführt wird, ist am 32. Okt. d. J. der Grundstein gelegt worden. Von den Ges.-Kosten entfallen auf Grunderwerb und Strassenkosten 1,37 Mill., den Bau selbst 4,13 Mill. und das Inventar 420000 M. — Das Projekt des neuen Stadttheaters in Barmen, welches letztere durch die Stadttheater-A.-G. nach den Entwürfen von Reg.- Bmstr. Moritz in Köln a. Rh. mit einem Kostenaufwande von 1760000 M. errichtet werden soll, hat die Zustimmung der Stadt¬ verordneten- Versammlung gefunden. Das Theater wird t222 Per¬ sonen fassen. Von den Kosten entfallen 560000 M. auf den Grund¬ erwerb. Die Stadt übernimmt Zinsbürgschaft für 1 Mill. M. Berliner Brücken-Um- und Neubauten. In den nächsten Jahren sollen folgende Berliner Brücken umgebaut werden: die Grünstrassen-Brücke (Kosten 380000 M ), die Inselbrücke (670000 M.), die Augustabrücke (400000 M.), die Oranienbrücke (440000 M.). Ferner sind folgende Neubauten von Brücken geplant: der über die Ringbahn im Zuge der Thaerstrasse führenden sog. Schwarzen Brücke (350000 M.), einer Brücke über den Spandauer Schiffahrts¬ kanal im Zuge der Föhrerstrasse (285000 M ), Neubau der Gotz- kowsky-Brücke (560000 M.), einer Brücke über die Spree im Zuge einer Strassenverbindung vom Kupfergraben nach der Oranien- burgerstrasse — Krausnickstrasse (318000 M ), der Manteuffelbrücke (880000 M). Mit dem Neubau der Brücke am Kaiser Friedrich- Museum und dem Umbau der Eisernen Brücke ist schon begonnen worden. Diese letztere wird etwa 550000 M. Kosten verursachen. — Der Neubau des erzbischöflichen Seminares in Freising ist am 26. Okt. seiner Bestimmung übergeben worden. Das Ge¬ bäude wurde nach den Entwürfen des Architekten Prof. Gabr. von Seidl in München errichtet. — ' Der Bau einer Rheinbrücke Ruhrort - Homberg soll zu Anfang des nächsten Jahres begonnen werden. - — Die Verbindung Venedigs mit dem Festlande durch eine Brücke für Fussgängerverkehr soll dadurch erstrebt werden, dass die bestehende Eisenbahnbrücke verbreitert wird. Vom Verkehr über die Brücke sollen aber alle Transportmittel ausgeschlossen sein, die von Tieren gezogen werden. — Die Grundsteinlegung zu der neuen evangelischen Kirche ln Zehlendorf hat am 22. Okt. stattgefunden. Das Gotteshaus wird nach einem Entwürfe des Hrn. kgl. Brt. Hub. Stier in Hanno¬ ver im Stile des märkisch-romanischen Backsteinbaues errichtet. — Personal-Nachrichten. Baden. Dem Arch. Wilh. Jung aus Durlach ist das Ritter¬ kreuz II. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Dem Ob.-Brt., Prof. Schäfer in Karlsruhe ist die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm verlieh. Ehrenkreuzes des Grossh. Hess. Verdienstordens Philipps des Grossmüthigen erteilt. Bayern. Die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen verlieh. Orden ist erteilt, und zw.: dem Reg. -Dir. Ries, Abt. -Vorst, bei der Gen. -Dir. der Staatsbahnen für das Komtur¬ kreuz II Kl. des Herz. Sachs. -ernestin. Hausordens und dem Ob.- Bauinsp. F 1 e i d 1 in Kronach für das Ritterkreuz II. Kl. desselben Ordens. Preussen. Dem Stadtbrt., kgl. Brt. Heimann in Köln ist der Rote Adler-Orden IV. KL, dem Geh. Brt. Stübben in Köln der Kgl. Kronen-Orden III. Kl. und dem Reg.-Bmstr. a. D. Moritz in Köln der Kgl. Kionen-Orden IV. Kl. verliehen. Dem Reg.-Bmstr. Zeller in Wimpfen ist die Erlaubnis zur Anlegung der ihm verlieh. Grossh. Hess. Silbernen Verdienstmedaille für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Landwirtschaft erteilt. Der Wasser-Bauinsp. Brt. de Thierry in Bremen ist z. etatm. Prof, an der Techn. Hochschule in Berlin und der Reg.- Bmstr. Braeuer in Schulitz zum Wasser-Bauinsp. ernannt. Der Reg.-Bmstr. Grütter ist der Kgl. Reg. in Posen zur Beschäftigung überwiesen. Sachsen. Dem Prof, an der Techn. Hochschule in Dresden, Hofrat Dr. G u r 1 i 1 1 ist der Tit. und Rang als Geh. Hofrat in der 3. Kl. der Hofrangordnung verliehen. Württemberg. Dem Eisenb.-Bauinsp. Abel in Geislingen ist das Ritterkreuz I. Kl. des Friedrichsordens verliehen. Die Stelle des Vorst, von Telegr.-Insp. ist übertragen: dem Telegr.-Insp. Weegmann in Stuttgart, den Telegr.-Ing. Brumm in Heilbronn, Mössinger in Tübingen und Bogenschütz in Ulm. Brief- und Fragekasten. Hrn Dipl. Ing. F. in Mainz. Zur Erlangung von Adressen für die im Deutschen Reiche bestehenden „Technischen Bureaus zur Erstattung von Gutachten, Anfertigung von statischen Unter¬ suchungen“ usw. können wir Sie nur auf den Anzeigenteil unserer Zeitung verweisen. — R. K. 100. Die Kündigung muss 6 Wochen vor dem Quartals¬ schluss erfolgen. — Anfragen an den Leserkreis. Ein Fabriksaal von etwa 1150 qm Fläche soll einen möglichst porösen Deckenputz erhalten, da in diesem Raum grosse Mengen Wasser verdampft werden. Die Dämpfe werden mittels einer Ventilationsanlage abgeführt. Die Deckenkonstruktion ist . eine Hohlkörper decke nach System Hennebique. Welche Materialien eignen sich für gedachten Putz am besten? 3Vomöglich sollte der Putz weiss sein. — _ _ W. S. in O. Inhalt: Berliner Neubauten. No. ro8. Der Saalbau aer Brauerei KönDstadt A.-G. an der Schönhauser Allee. — Die beiden Häuser Stoll- werck in Köln a. Rh. 1. (Schluss). — Mechanisch-biologische Abwässer- Reinigungsanlage für einzelstehende Gebäudegruppen. — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. Personal- Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantworü. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 86. cc w w w f? WJ^OO * * ^ q r^ j w ~g&5^ ^ 2 -X- H ••.Wh H . £ o £ ^ 2 K üQrco fCD u K < j pq cu III 5 2 o| Ö*5 § 1 m 6 -X- cü -X- K x o . m £ H 2 5 Kg M Ul m III ■X- * * * -x- * * EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 87. * DEN 31. OKT. 1903. * Der Herkulesbrunnen auf dem Lützow-Platze in Berlin. Architekt: Stadtbaurat Ludwig Hoffmann in Berlin; Bildhauer: Prof. Otto Lessing in Grunewald. (Hierzu eine Bildbeilage sowie die Abbildungen auf Seite 560 und 561.) s ist unbestreitbar: durch die modernen bau¬ lichen Unternehmungen der Stadt Berlin geht ein grosser Zug medicäischer Kunstförderung. Indem die Stadtverwaltung über ihre Schöpf¬ ungen den reichen Born edler Kunst aus¬ strömen lässt, folgt sie einem Grundsätze des Königs Ludwig von Bayern, welchem die Kunst nur dann war, was sie sein soll, wenn sie sich in allem aus¬ drückt, wenn sie ins Leben übergetreten ist. Ein blühendes Beispiel für diese vornehme Art praktischer Kunstförderung ist der vor kurzem dem Spiele der Wasser überlassene Herkulesbrunnen auf dem Lützow- platze in Berlin. Die eifrige Gegenwart hat die Reichshauptstadt mit einer so überreichen Zahl öffent¬ licher Kunstdenkmäler beschenkt, dass die in kurzen Zwischenräumen sich wiederholenden Enthüllungen zu Gewohnheiten wurden, welche das Blut erkälteten. Wenn aber in der Reihe dieser Enthüllungen die des Herkulesbrunnen ein lebhafteres Für und Wider her¬ vorgerufen hat, so darf daraus auf eine wärmere Anteilnahme der Künstlerkreise wie des Volkes ge¬ schlossen werden. Und diese wärmere Anteilnahme verdient der Brunnen, denn mag man auch Einzel¬ lösungengegenüber eineabweichendeKunstanschauung zur Geltung bringen, als Ganzes ist er ein Werk vor¬ nehmen und reifen Kunstgeschmackes, eine dekorative Komposition von reicher Wirkung. Noch nicht drei Lustren sind es, dass der Lützow- Platz, der heute das Zentrum des reichen Westens von Berlin bildet, in grauer Oede als Kohlen- und als Holzlagerplatz da lag und den Häusern, die ihn bereits damals rings umsäumten, in morschen Zäunen, in verfallenen Planken ein Gegenüber bot, welches an die Schilderungen verlassener Oertlichkeiten bei Gustav Freytag oder Charles Dickens erinnerte. Da fasste die Stadtverwaltung um die Wende der neun¬ ziger Jahre den Beschluss, einen Zustand, der dieses vornehmen Stadtteiles unwürdig war, zu beseitigen und liess den Platz mit Gartenanlagen schmücken. Sie sind, in freierer Anordnung gehalten, die nicht recht mit der strengen Reihung der Häuser Zusammen¬ gehen will, nicht mit demselben glücklichen Gelingen angelegt, welches andere gartenkünstlerische Unter¬ nehmungen der Stadt im Gefolge gehabt haben — eine streng geometrische Gartenanlage wäre vielleicht vor¬ zuziehen gewesen — , aber sie sind immerhin ein würdi¬ ges Kleid für den regelmässigen Platz. DieKrone dieser Anlagen sollte der Herkulesbrunnen bilden, der Namen und Symbol von der benachbarten Herkulesbrücke über den Landwehr-Kanal erhielt, auf welcher die wir¬ kungsvollen Gruppen der ehemaligen Herkulesbrücke an der Börse aufgestellt wurden. Als Aufstellungsort für den Brunnen wurde die höchst gelegene Stelle des Platzes, nahe der Herkulesbrücke, unmittelbar an dem den Landwehrkanal begleitenden Strassenzuge bestimmt. Hier sollte er in Verbindung mit der Her¬ kulesbrücke einen Abschluss für die Friedrich -Wilhelm- Strasse bilden und zugleich in der Achse der Maassen- 557 strasse sowie der den Platz diagonal nach der Schill¬ strasse hin kreuzenden Weganlage stehen. Mit Rück¬ sicht auf die aus den beiden genannten Strassen her von weitem mögliche Sichtbarkeit wurden seine Grössenverhältnisse bestimmt. Es wird weiter unten zu erörtern sein, welchen Einfluss diese Stellung auf die künstlerische Gesamtwirkung des Brunnens hat. Der bis zu einer Höhe von 14,6 m über Gelände ansteigende Brunnen steht in einem weiten Becken, dessen Grundriss S. 560 wiedergegeben ist. In seinem Aufbau sind reiche plastische Bildungen mit freien naturalistischen Elementen und strengen tektonischen Teilen frei gemischt. Dem eigentlichen Brunnenaufbau sind im unteren Becken vier figürliche Gruppen vor¬ gelagert, welche 1. die Geburt, das ungezähmte Auf¬ quellen des Wassers, 2. die Bändigung oder die Ein¬ dämmung des flüssigen Elementes, 3. die Nutzbar¬ machung des Wassers für Schiffahrt und Handel und 4. das Wasser als erfrischendes Element, das Spiel der Wellen darstellen, eine angemessene, natürliche Symbolik. Für die Gestaltung des Brunnens war das Bestreben bestimmend, durch die Beziehungen und durch den Wechsel der Wasserspiele zu den Stein¬ massen eine möglichst interessante und lebhafteWirkung zu erzielen. Dazu sollten unter anderem auch die Ge¬ gensatzwirkungen von überlaufendem zu schmal- und breitstrahligem sowie zu dem über Felsen rauschenden Wasser benützt werden. Zu diesem Zweck sind die genannten vier Gruppen nach den Hauptrichtungen aufgestellt, während die vorgestreckten Arme der mitt¬ leren Brunnenschale mit den fischkopfähnlichen Endi¬ gungen so zwischen die unteren Gruppen gerichtet wurden, dass diese von je zwei breiten Wasserstrahlen seitlich gefasst wurden. Das hinter den Gruppen über breit herabfallende und etwas ausgerinnte Steinlappen kommende Wasser verbindet je zwei Wasserstrahlen unter sich, sodass sich die Gruppen sowohl nach der Seite wie nach rückwärts vom Wasser abheben Die breiten Wasserstrahlen der Ausleger werden von oben durch die bescheideneren und zusammengehaltenen Strahlen aus den Löwenköpfen eingeleitet. Das zu diesen Strahlenwirkungen im Gegensatz stehende aus dem oberen Becken überfallende Wasser soll seiner¬ seits wieder den breiteren Ueberfluss des weiter unten überfallenden Wassers einleiten. Um den Wasser¬ überfluss des oberen Beckens bewegter zu machen, ist das Profil dieses Beckens so gewählt, dass das Wasser nicht glatt überfällt, sondern zunächst an den oberen Profilen heruntergleiten muss. Man sieht, dass eine sorgfältige Erwägung der Wirkungen des Wassers in seinen verschiedenen Erscheinungsformen stattge¬ funden hat; das glückliche Ergebnis entspricht durch¬ aus diesen Erwägungen. Was die Beobachtung der Aesthetik des Wassers anbelangt, so ist der Herkules¬ brunnen auf dem Lützowplatz einer der wirkungs¬ vollsten der neueren Zeit. Die Ausführung des Brunnens erfolgte in Granit und in schlesischem Sandstein. Das Material wurde an den verschiedenen Teilen in verschiedenerWeise derb und rauh behandelt. Dabei wurden die ornamentalen Teile, die vor dem fallenden Wasser liegen, weicher und im Relief zarter behandelt, als die Ornamentteile des Brunnenschaftes, die hinter dem Wasser liegen und durch dieses der Deutlichkeit etwas beraubt werden. Die Masse des Brunnens sind ausserordentlich stattliche und entsprechen dem freien Standorte. Die obere Figur des jugendlichen Herkules reicht bis 14,6 ,u über Gelände; die obere Schale hat 3,96 m Durchmesser, das unterste Becken erreicht eine grösste Ausdehnung von mehr als 20 m. Für den Brunnen wurden 280 cbm Sandstein verwendet. Ganz vortrefflich auch ist der durch Lessing be¬ arbeitete bildnerische Teil des Brunnens. Das Figür¬ liche hat freie, wuchtige Bewegungen und zeigt jene glückliche lebendige Auffassung, die von dem etwas geschäftsmässigen Charakter mancher Werke, die aus des Künstlers Atelier in der letzten Zeit hervorgegan¬ gen sind, angenehm absticht. — (Schluss folgt.) Die Kraftversorgung der Lungenheilstätte Sülzhayn im Harz. (Schluss.) JljP|||usserordentlich zugunsten der Teichanlage sprach, den für 3 verschiedene Konstruktionsarten und 3 ver- dass sie nur 300 m von der Anstalt entfernt, beinahe schiedene Dammhöhen, nämlich für 10, 12,5 m und 15 m, |Baa.ai ;n gieicher Höhe mit dieser einen schönen Spazier- Kostenüberschläge aufgestellt. gang, Gelegenheit zum Bade-, Eis- und Rudersport und zur Für eine rein massive Mauer wurde, (vergl. Ab- Eisgewinnung und Fischzucht in Aussicht stellte. Es wur- bildg. 2), die Basisbreite b eines Dreieckprofiles unter der Bau und Ausschmückung alter Synagogen. eber Bau und Ausschmückung alter Synagogen ent¬ nehmen wir einer längeren Abhandlung des Hrn. Dir. Frauberger im II. Heft der „Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler“ Folgendes: Das beständige Anwachsen der jüdischen Ge¬ meinden in den grösseren und mittleren Städten hat auch den Neubau zahlreicher Synagogen nötig gemacht. Wegen der Ausdehnung der Städte aber und der Kostspieligkeit grösserer Grundstücke in zentraler Lage ist der Neubau einer einzigen grossen Synagoge unzweckmässig; zuweilen macht auch schon der verschiedenartige Gottesdienst bei orthodoxen und bei freisinnigen Juden den Bau zweier Gotteshäuser wünschenswert. Alljährlich werden Wett¬ bewerbe hierfür ausgeschrieben, welche sich zwar stets einer lebhaften Beteiligung seitens der Architekten er¬ freuen, in der Regel aber ein unbefriedigendes Ergebnis liefern, weil einerseits die Gemeindevorstände unsicher in der Aufstellung der Bedingungen, anderseits die Archi¬ tekten oft ohne Kenntnis der Formen des Kultus und seiner Entwicklung sind. Die Aufgabe trifft sie gewöhnlich ganz unvorbereitet; überdies ist es auch schwer, die Unter¬ lagen für eingehende Vorstudien zu finden. Es gibt wohl vereinzelte Werke; sie enthalten auch in technischer Beziehung sehr brauchbare Winke, erziehen aber in dekorativer Beziehung häufig zur Schablone. So heisst es z. B. in einem Werke: „Zur Bekrönung der Spitze des Synagogenbaues wird meist das Hexagramm oder Davidsschild verwendet, zur Bekrönung des Hauptgiebels oder des Portals die Gesetzestafeln mit den Anfangs¬ buchstaben der 10 Gebote“; das wird dann auch fleissig benutzt und darum erscheint das Davidsschild bis zum Ueberdruss angewendet. Es ist auch zumeist das einzige 558 Erkennungszeichen, dass der Bau dem jüdischen Kultus dienen soll, denn in allem anderen, einschliesslich der Kreuzform des Grundrisses, gleicht er dem Bau einer katholischen Kirche aufs Haar Aber über das Aussehen alter Synagogen, über die zur Erfüllung der Kultusbe¬ dürfnisse damals vorhandenen Einrichtungen gibt es bis jetzt kein Werk. Diesem Uebelstande sucht Dir. Frau¬ berger durch seine Abhandlung abzuhelfen. Er behandelt den Stoff nach drei Gesichtspunkten: I. Der Tempel bezirk. Stiftshütte und salomonischer Tempel bilden bis zum heutigen Tage ein beliebtes Ver¬ suchsfeld für architektonische Rekonstruktions-Lösungen. Die Arbeiten (Pläne, Veduten, Modelle) zeigen, wie ausser¬ ordentlich schwer es ist, aufgrund einer noch so genauen Beschreibung, wie sie im Pentateuch gegeben ist, die zeichnerische Darstellung von nicht mehr vorhandenen Werken, — denn vom salomonischen Tempel ist doch auch nur der Unterbau des Tempelbezirkes vorhanden — be¬ friedigend zu gestalten. Dieser Tempelbezirk, das positiv Erhabene, umfasst eine sehr grosse, der Hauptsache nach ebene Fläche, welche, wenn man die darauf aufgeführten Bauten nach den biblischen Massen berechnet, nur sehr wenig bebaut war. Es konnten dennoch auf dem unbe¬ bauten Raum während eines Brandopfers, während eines grossen Festes viele Tausende Platz finden; es war ge¬ nügend Raum für einen Aufzug und Umzug vorhanden. Aufzüge und Umzüge waren bei den Juden nicht unge¬ wöhnlich. Die Aufzüge in Rom nach der Papstwahl, die Prozession der Juden in Korfu, die Gregorovius in seiner Schrift „Der Ghetto und die Juden in Rom“ eingehend beschreibt, sind einzelne Beispiele für viele. Im Uebrigen aber sind öffentliche Aufzüge der Juden seit Jahrhunderten unterblieben. Ein verkümmerter Rest ist die Prozession mit der Sepher Thora in der Synagoge; sie kann sich No. 87. Voraussetzung ermittelt, dass die Resultierende R aus Wasserdruck TV und Mauerwerks-Ge wicht G (y — 2,4) in b W den luftseitigen Drittelpunkt der Basis b fällt, sodass — = — , h h also b = , ■ - — - - wird. Es ergaben sich dann Basis- V 2,4 Ii55 breiten von 8,o®, 9,5™ und 11,3“. Die Kronenbreite wurde für alle 3 Mauerhöhen zu 2,0 m angenommen. Für einen Erd dämm war bei dem nicht ganz zweifels¬ freien Dammaterial eine Kerndichtung in Aussicht ge¬ nommen. Diese sollte entweder als Kernmauer aus Beton oder Bruchsteinen mit 0,8 Kronen- Abbiidg. 2. und 1,8 m Basisbreite oder nach im Harz üblicher Bauweise als Rasenhaupt hergestellt werden. Für letztere Arbeit standen ge¬ übte Arbeiter der Berginspektion Clausthal zur Verfügung. Das Rasenhaupt unterscheidet sich von einer Mauer nur insofern, als Rasenpansen statt der Steine, und Dammerde statt des Mörtels Verwendung finden und ein Stampfen oder Festschlagen erforderlich ist. Auch das Ra¬ senhaupt wird bis zu den undurchlässigen und tragfähigen Schichten des Untergrundes heruntergeführt. Der Ueber- gang zu dem übrigen Dammaterial wird beiderseitig am besten durch eine Dammerdeschicht gebildet. Die mittlere Stärke des Rasenhauptes ist etwa 2,3 m bei 10 ® Dammhöhe. Das Rasenhaupt wird i. d. R. nur etwas über höchsten Wasserstand nicht ganz bis zur Dammkrone geführt.*) *) Anmerkung. Eine Kernmauer ist m. E. einem Rasenhaupt bei weitem vorzoziehen. Das letztere ist ein Notbehelf, da geeignetes Dichtungs- material — wie Lehm, bei welchem jedes Sandkörnchen durch ein Ton¬ häutchen eben umhüllt ist und welcher bei Trockenheit nicht reisst und bei Durchfeuchtung nicht fliesst — im Harz selten ist. Wenn im Harz seit den letzten hundert Jahren irgend welche erheblicheren Teichanlagen ausgeführt wären, würde man sicher statt des durchaus nicht billigen Rasenhauptes Zementmauerwerk in irgend einer Form benutzt haben. Die Dammböschungen sollten in beiden Fällen nach dem Wasser zu 1:1, nach der Luftseite 1 : 1,5 geneigt, die Dammkrone 3 m breit sein. Die Abmessungen, Massen und Kosten sind danach in nachfolgender Tabelle zum Vergleich übersichtlich zusammengestellt. Die Kosten jedoch nur für die Herstellung der Dammschüttung bezw. des Mauerwerks einschl. Material und wasserseitigen Putzes. Grunderwerb, Wegeanlagen, Entnahme -Vorrichtungen, Ueberfälle usw. wurden für gleiche Stauhöhen als gleich angenommen und besonders veranschlagt. Ferner ist der Einheitspreis für geringe Massen und dünnere Mauern höher, der Preis für eine Kernmauer und ein Rasenhaupt als gleich angenommen.**) Der nach dieser Tabelle infrage kommende Erddamm mit Kernmauer (Preis 42000 M) war mit Grunderwerb und allen Nebenanlagen zu 70000 M., die Jahresausgabe an Unterhaltung, Verzinsung und Amortisation (5 °/0) zu 3500 M. veranschlagt. Bei der Betrachtung der erörterten 4 Möglichkeiten zur Abhilfe des Kraftmangels der Heilstätte ergab sich folgendes : Auf die Motoranlage (1) sollte, als zu den Zwecken der Heilstätte am wenigsten passend, als letztes Hilfsmittel zurückgegriffen werden, im Falle die Verbesserung der Wasserkraft -Verhältnisse zu grosse Schwierigkeiten haben würde. Der Plan eines Stauweihers im Annatal (2) schied wegen der ungeeigneten Oertlichkeit aus. **) Anmerkung. Wie man aus der Tabelle sieht-, sind die Kosten eines Frddammes so überwiegend geringer, als die einer massiven Mauer, dass ich nach diesen und anderen für den Oberharz aufgestellten Entwürfen die in meinem Talsperrenbau I Polytechnische Buchhandlung von A. Seydel Berlin igoo S. 63 ausgesprochene Bevorzugung gemauerter Dämme bier modifizieren möchte: Dämme mit gut isolierten Kernmauern, auf festem und dichtem Fels gegründet, wasserseitig mit wasserdichter, luftseitig mit wasserdurchlässiger, unt Umst. gut drainierter Schüttung iz. B. Felsgeröll) sind bis zu 25 m Dammhöhe gemauerten Dämmen an Sicherheit in den meisten Fällen gleichwertig und erheblich billiger. Anmerkung der Redaktion. Diese Gleichwertigkeit der Sicher¬ heit möchten wir doch etwas einschränken. Sie ist keinesfalls vorhanden, wenn eine Ueberströmung des Dammes stattfinden kann. Die Zerstörung amerikanischer Erddämme ist zumeist auf solche Ursachen zurückzuführen. Man wird also die Entlastungs- Vorrichtungen bei Erddämmen jedenfalls mit noch grösserer Vorsicht anlegen müssen, als sie ohnehin schon bei Talsperren geboten erscheint. t 11 ui Grösste Dammhöhe 15,0 m Kronen länge . . . xoo,o m Teich-Inhalt . . . 112 165 cbm Teich-Oberfläche . 15 050 qm Grösste Dammhöhe Kronenlänge . . . Teich-Inhalt . . . Teich-Oberfläche . 12,5 m 90, c m 78054 cbm 12 256 qm Grösste Dammhöhe Kronenläoge . . . Teich-Inhalt . . Teich-Oberfläche . 10,0 m 80,0 m 50 603 cbm 9 800 qm Bauweise Inhalt Preis für 1 cbm Gesamtpreis Inhalt Preis für 1 cbm Gesamtpreis Inhalt Preis für 1 cbm Gesamtpreis cbm in M. M. cbm in M. M. cbm in M. M. Erddamm 18350 r,2 22 020 12 500 L3 l6 250 7500 M 10 500 mit Kernmauer bezw. Rasenhaupt 1440 20 28 800 1 300 20 26 OOG 690 22 15 180 Zusammen rd. 51 OOO 42 OOO 26 OOO der massiven Mauer . 6 600 16 103 600 4 000 17 68 000 2 600 18 50 400 aber da nicht einmal jetzt entwickeln, denn der für sie zur Verfügung bleibende Raum schrumpft bei der heuti¬ gen Einteilung, wonach Aron Hakodesch, Kanzel und Almemor nahe beisammen stehen, bis auf wenige Quadrat¬ meter Bodenfläche zusammen. Die Lust zu Zeremonien mit Bewegung und zu Prozessionen konnte sich ent¬ wickeln bei geräumigen Tempelbezirken, wie beim salo¬ monischen Tempel, dem Tempelbezirk in Baalbek und der grossen Synagoge in Amsterdam. In Deutschland findet sich als mustergiltiger Platz dieser Art der Tempelbezirk in Fürth. Wo solche Plätze vorhanden sind, können sich ungestört uralte Zeremonien des Kultus entwickeln ; da kann im Freien das Gebet nach Eintritt des Neumondes gesprochen werden, für den Aufbau einer Laubhütte ist Platz, eine Hochzeits-Prozession mit dem Brautpaar unter dem Brauthimmel, der Chuppa, kann sich entfalten. Es sollte darum bei der Beschaffung eines Grundstückes für eine neue Synagoge erwogen werden, ob nicht auch ge¬ nügend Raum erworben werden könnte zur Anlage eines Gartens oder eines abgeschlossenen Platzes. II. Aussenansichten von Synagogen. Auf die Aussenseile der Synagogen wurde in alter Zeit wenig Wert gelegt, wofür es vielerlei Erklärungen gibt. In manchen Fällen sind die Synagogen von aussen ganz un¬ scheinbar. Die interessante uralte Karäer - Synagoge in Jerusalem durfte nur etwa 3® über den Strassenfussboden hervorstehen und noch heute soll in Persien jede Synagoge zerstört werden, sobald nachgewiesen ist, dass sie höher ist, als irgend eine Moschee. Geradezu primitiv ist die Synagoge in Jassy, deren glanzvolles Innere zeigt, dass es dort nicht an Mitteln und Kräften gefehlt haben würde, um eine schönere Portalanlage, eine wohlgeordnete Fassade auszuführen. Selbst die berühmte romanische Synagoge in Worms mit dem Frauenraum und der Raschi-Kapelle 31. Oktober 1903 ist von aussen höchst einfach. Viele Synagogen verraten zwar in ihrer Aussenansicht die Zeit der Entstehung, sie sprechen aber nicht den Zweck des Baues deutlich aus. Manche sind im Bau und der Gruppierung griechischen Klöstern, andere im Bau einer Moschee sehr ähnlich, wieder andere verraten die gotische Entstehungszeit so¬ fort. Den Uebergang zu den charakteristisch ausgestattelen Synagogen -Fassaden bildet die Vorderseite der grossen reichen Synagoge zu Livorno. Hier ist in dem mittleren Bau durch die Fenster zu beiden Seiten der Tür mit ihrer Wölbung, durch die drei gleich grossen Fenster darüber, durch die beiden achtseitigen Fenster und das runde im Giebel, durch die langen Lisenen und den Giebel selbst ein stetes Hinweisen nach aufwärts gegeben. Merkwürdigund in ihren Aussenansichten anziehend sind die polnischen Holz-Synagogen, die, meist inmitten der klei¬ nen niedrigen Holzhäuser errichtet, sich aus diesen durch doppelte Höhe hervorheben und einen über den gewöhn¬ lichen Wohnbedarf hinausgehenden Zweck verraten. Auch durch die grössere Sorgfalt in der Bearbeitung des Holzes und den Reichtum an verwendeten Zierformen unter¬ scheiden sie sich sofort von den einfachen Wohnhäusern. Ein vorzügliches Beispiel ist die Synagoge in Zabtudoa. Die Vorderansicht, die bereits arg beschädigt ist, zeigt eine schöne Gruppierung; der vordere Mittelbau mit der halbrunden Eingangstür für Männer und dem mit einer Balustrade geschmückten fensterreichen oberen Stockwerk enthält die durch ein dreigliedriges Dach gedeckte Frauen- Synagoge. Dieses hat in der ersten Abteilung zwei mit dreieckigem Giebel versehene Dachfenster, über der dritten Abteilung sitzt als Bekrönung des Daches des Frauenraumes ein durch einen dreieckigen Giebel ge¬ decktes kreisrundes Fenster der Männer -Synagoge, das aus dem sich stark zuspitzenden Dache herauswächst. 559 Der Herkules-Brunnen auf dem Lützow-Platze in Berlin. Architekt: Stadtbaurat Ludw. Hoffman n in Berlin. Bildhauer: Prof. Otto L es sing in Grunewald. Grundriss über Gelände. Grundriäs der Fundamente Schnitt a — b. Der Frauenraum wird durch zwei damit verbundene Pavillons flankiert, von denen der rechte im Erdgeschoss neben einem quadratischen ein rundes, mit dem Davids¬ schild geschmücktes, im Obergeschoss ein breites recht¬ eckiges Fenster besitzt. Reste von Trägern zeigen an, dass früher ein Umgang um das Obergeschoss vorhanden war. Der linke Pavillon hat zwei Fenster im Erdgeschoss, eines im Obergeschoss, und die vorkragenden Balken lassen erkennen, dass auch hier früher ein Umgang vorhanden gewesen ist. An diesen Pavillon schliesst der niedrige Schulraum, über den sich wuchtig die schön gegliederte, energisch profilierte Synagoge erhebt. Der Unterschied in der Behandlung der beiden Pavillons, von denen der linke mehr ernst und regelmässig, der rechte mehr spielend und zierlich erscheint, die Abwechslung in der Form des Daches und der Verzierung des Dachgiebels, die Dekoration, Ausgestaltung der Tragsäule und des Zier¬ gliedes über dem Fenster des rechten Giebels, die Ab¬ wechslung in der Bedeckung der niedrigen Anbauten links und rechts, die Profilierung des Gebälkes, die De¬ korierung des wirksamen breiten Frieses, der Dachgiebel und der Dachfirste verraten einen vorzüglich gebildeten, unzweifelhaft jüdischen Baumeister. Auch im Inneren ist die Ausschmückung charakteristisch und verrät einen festen Willen des Schöpfers. Die ganze Synagoge ist, abgesehen von einigen kleinen in der sorgfältigen Holz¬ bearbeitung liegenden Zieraten, kahl, nur die Bundeslade ist plastisch geschmückt. Mit reichen, plastischen Malereien ist dagegen das im rechten Pavillon befindliche Beratungs- 560 zimmer des Gemeinde- Vorstandes geschmückt. Diese Bauart ist wiederholt nachgeahmt worden. Einige Unterschiede finden sich allerdings in der Anordnung von Tür- und F enster- öffnungen, von Stützen und Gebälken, in der Form und Ver¬ zierung von Säulen und Balustern, sowie in der Neigung des Daches und in der Abdeckung der Bauten, aber die Gruppierung der Bauteile ist im Wesentlichen die gleiche. Eine gründliche Untersuchung der vielen Holz-Synagogen in Russland, Oesterreich, Galizien und Ungarn wäre eine sehr lohnende Aufgabe für einen jüngeren Architekten, der sich für Holzbauten besonders interessiert. — Das alte Königreich Polen bietet aber auch noch sehr viel Lehr¬ reiches in den gemauerten Synagogen; aber auch hier tut eine gründliche Untersuchung not, denn eine ganze Reihe von Fragen, die man zu stellen das Bedürfnis hat, wurden bisher durch die unvollständigen photographischen Auf¬ nahmen nicht beantwortet. Interessante Steinbauten sind die Synagogen in Zaragrod und Zolkiew (Galizien) und die im 17. Jahrhundert erbaute gemauerte Synagoge in Ostrog in Volhynien. Diese ist ein zweischiffiger Bau mit reich geschnitztem, hohen, barocken Aron Hakodesch. Aehnlich, mit einer imposanten Breiten-Entwicklung und einer originellen giebelartigen Ausbildung der Vorderfront, ist die grosse Synagoge in Berditscheff in Russland. Auch die übrigen einfacheren Synagogen in dieser Stadt haben denselben Charakter. Die grosse Synagoge in Jerusalem enthält in ihrem Inneren verschiedene Beträume für die verschiedenen Riten, die sich von einander durch kleinere (Fortsetzung auf Seite 562). No. 87. Die Anlage von 2 kleineren, nur für den Tagesausgleich berechneten Behältern (3) schien keine durchgreifende Ab¬ hilfe zu versprechen. Die Anlage eines Stauweihers im Klinztal (4) schien unter den obwaltenden Verhältnissen das richtigste. Da in der Tosbornanlage erhebliche Werte festgelegt waren, diese auch in Zukunft beibehalten werden sollte und da ferner einerseits über den Bau des Stauweihers ge¬ raume Zeit vergehen musste, anderseits aber schleunige bei Wassermangel die Turbine abwechselnd mit dem Tos¬ bornbehälter speisen, bis die Anlage des Stauweihers da¬ selbst vollendet war. In Verfolg dieses Gutachtens wurde sofort damit begonnen, den Tosborn durch Anlage eines Sammelbeckens von 300 cbm Inhalt bis zur äussersten zweck¬ mässigen Grenze nutzbar zu machen. Von der Firma Drenckhahn & Sudhop in Braun¬ schweig wurde der in Abbildg. 3 (siehe S. 562) dargestellte überschüttete Doppel-Behälter aus Stampfbeton 1:3:5 mit Der Herkules-Brunnen auf dem Lützow-Platze in Berlin. Architekt: Stadtbaurat Ludwig Hoffmann in Berlin. Bildhauer: Prof. Otto Le s sing in Grunewald. Abhilfe geboten war, machte der Verfasser den Vorschlag, die Tosbornanlage zunächst nach Plan 3 zu verbessern und in gleichem Sinne provisorisch auch die Klinzwasser auszunutzen. Auf der Teichwiese innerhalb des künftigen Stauweihers konnte eine Sammelgrube anstelle eines Be¬ hälters angelegt werden, welche gleichzeitig weiteren Aufschluss über die Bodenverhältnisse gab. Von dieser aus konnte dann die zukünftige Entnahmeleitung des Weihers 31. Oktober 1903. Eiseneinlagen und Möller’scher Gurtträgerdecke neben der Stollenmündung oberhalb der alten unzureichenden Brun¬ nen errichtet. Die Kosten betrugen mit Ausnahme der Erdarbeiten, des „Zorge“kieses und Putzsandes rd. 6000 M. Für die Berechnung der Deckenträger, deren ge¬ zogene Gurte aus an den Enden gehörig verankerten Flacheisen bestehen, wurden folgende Annahmen gemacht: Gesamtlast für nm = 2000 kg, freie Länge 500 cm, Träger- 561 für den Beton i. = 14,3 ks/qcm Druckspannung, für das Eisen — — = 9°° k»/cicm Zugspannung. Abbildg. 4. feld 1,3 m, Trägerhöhe 40 cm, Querschnitt des Druckgurtes, vergl. Abbildg. 4, 130.10= 1300 qcm, desgl. des Zuggurtes 14 . 1,6 = 22,4 qcm. Es ergeben sich demnach für den ge¬ drückten bezw. gezogenen Gurt angenäherte Gesamt- Spannungen von: 2000 . 1,3 . 500 . 500 , - 7. - = 20 300 ks, oder 100 .8.40 J ’ 20 300 1300 20 300 22,4 Der Einlauf zum Bassin zweigt rechtwinklig zur Bach¬ richtung vor den in Betonfalzen laufenden beiden Schütz¬ tafeln derart ab, dass die Behälterwand zugleich die von 2 Schützöffnungen durchbrochene Einlauf¬ kanalwand ist. Der Ein¬ laufkanal ist zum Schutz gegen Frost überwölbt und steigt sanft an, so- dass die Verschlammung erschwert, die Spülung erleich¬ tert ist. Gegen das Eindringen von Laub und Bucheckern sind in Falzen schützartig beweglich zwei, aus engem Drahtgeflecht in Holzrahmen bestehende Gitter hinterein¬ ander eingeschoben. Die Mittelwand des Behälters dient sowohl zur Unter¬ stützung der Decke als auch zur Teilung. Ein Schieber ver¬ mittelt die VerbindungbeiderBassinhälften. Die Beton-Sohle hat Fall nach den beiden Entnahmeschiebern, welche sich in einem vorgelegten Schacht befinden und von dort aus bewegt werden können. Von dem Schacht aus lässt sich mittels zweier weiterer Schieber je die Turbinen- oder die nach dem Bach zurückführende Leerlaufleitung inbetrieb setzen. Zu beiden Seiten des Schachtes befinden sich die Ueberlauf und Einsteigeöffnungen, welche durch Bohlen in Falzen nicht ganz bis zum Ueberlaufsrande der Oeffnung herab verschliessbar sind. Bildet auf dem einen Ufer oberhalb der Stauvorrichtung der Einlauf gleichsam einen Auffangekanal, so ist auf dem anderen Ufer ein Sickerkanal seitlich getrieben , welcher alles Grundwasser vor den Schützen in den Bachlauf führt. In ähnlicher Weise ist das Annatälchen abgesperrt. Das seitlich aufgestaute, gesiebte Wasser läuft durch eine Tonrohrleitung dem Doppelbehälter gleichfalls zu. Die eisenhaltigen Stollenwasser sollen nur bei grossem Wassermangel in den alten Brunnen aufgefangen und durch die Turbinenleitung geführt werden, da sie die letztere arg verschlammten. Die Anlage, welche zwar durch die aus demselben Niederschlagsgebiet schöpfende Trinkwasser -Versorgung der Anstalt beeinträchtigt wird, ermöglicht in sehr be¬ quemer Weise die äusserste Ausnutzung des verfügbaren Wassers. Leider konnte der weitere Beschluss der Direk¬ tion, das Klinzwasser durch eine Stauweiher-Anlage nutz¬ bar zu machen, nicht in Wirklichkeit umgesetzt wer¬ den, ja nicht einmal die vorläufige Sammelgrube und Zu- Bohlen Vom Auerta! Tos'oorn'oacVij UberlauT- »aip ßassinsohle 1 ' 1 rr 1 i ! 1 1 1 1 . 1 - K _ L _ ! 1 - j- 1 ! ! 1 ! < ! 1 I i : 1 1 ! ! ! L-J ; \ ! | i : « 1 s 1 1 — 1 — 1 i | ö 1 ,o,e\ 1 1 k 0,3 1 > * St! t ^ B -=4- 11 i ra 1 1 1 1 1 1 11 1 1 1 1 1 1 1 il ! . 1 ! | ! ii '1 1 1 1 •*> 1 I ... ! 1 . i | ! . ■ J s - | li t 4 j ! ! ! i 1 | =Fg=^r-rv MzJ oder grössere Abweichungen unterscheiden. Wie sie hier in einem Bau untergebracht sind, so sind in Rom fünf Syna¬ gogen in einer Gebäudegruppe vereinigt. Alle Gebäude sind mit einander verbunden; sie haben ausser originellen Synagogen verschiedene Schulräume zum Unterricht der Kinder, Gemeindesäle mit interessanten Gemälden, Bun¬ desladen mit kostbar geschmückten Thorarollen, Schreine, in denen herrliche, reichgestickte Vorhänge und Decken aufbewahrt werden. Sehr malerisch war die ehemalige „Neuschule“ zu Frankfurt a. M. Das Hauptgebäude, der Anbau und Hof gaben zusammen ein so malerisches Ge¬ samtbild , wie es auf keinem noch so sehr angestaunten neueren Synagogenbau zu finden ist, und obendrein ist es dem Architekten gelungen, den Zweck des Gebäudes mit wenig Mitteln klar zum Ausdruck zu bringen. Es liessen sich noch manche alte Synagogen auf¬ zählen, aber es würde nicht viel Wesentliches aus den uns bis jetzt bekannten anderen Bauten gewonnen werden. So sind z. B. die uns zugänglichen Synagogen in Armenien und Persien sehr primitiv. Ein rechteckiger, 4“ hoher Vorbau ruht auf einigen Holzsäulen und bildet die Schule. Dahinter ist ein durch Wände abgeschlossener rechtwink¬ liger Holzbau mit einer einfachen Eingangstür, die erst nach links in einen schmalen Gang, und von diesem wieder unter einem rechten Winkel in die Synagoge, die von kleinen, hochgelegenen Fenstern spärliches Licht erhält, führt. Da sind keine monumentalen Vorbilder zu suchen, da sind nur Bauten zu finden, wie sie eine Bevölkerung macht, die jeden Augenblick eine Plünderung oder Ver¬ treibung fürchten muss. Diese Besorgnis hat die Aus¬ bildung der Synagogen-Fassaden bis in das XIX. Jahrh. hinein fast in allen Ländern nachteilig beeinflusst. Sie ist die Ursache, dass in sehr vielen Ländern die Aussen- ansicht der Synagogen unscheinbar oder, wenn auch monumental und stilgerecht im Entwurf, wenig auffällig ist. Charakteristische Perspektiven entwickeln sich in Polen unter den judenfreundlichen Polenkönigen, ge¬ schaffen und beeinflusst durch italienische Künstler. Eigenartige Ansichten von Synagogen finden sich häufiger in Italien selbst, seltener dagegen in Deutschland. Hinzu¬ kommt, dass ein sehr wichtiges Moment, das für den Kirchenbau dem Architekten zur Verfügung steht, beim Synagogenbau nicht verwendet werden kann, das ist der Glockenturm. Der Architekt muss, um anzudeuten, dass sein Gebäude zur Verehrung des Allmächtigen dient, zu den kleineren Mitteln greifen, durch stufenweise Erhöhung der Wand, durch Hervorheben des eigentlichen Synagogen¬ baues gegenüber den rund herum gruppierten Nebenge¬ bäuden, durch langgestreckte Pfeiler und Halbsäulen, durch Steilheit des Daches, durch aufstrebende Zinnen und later¬ nenartige Scheintürmchen nach aufwärts weisen. III. Innenansichten der Synagogen. Wenn die Aussenansichten der alten jüdischen Gotteshäuser fast durchweg ohne besondere künstlerische Bedeutung und beinahe schmucklos sind, so suchte man dafür im Inneren die Synagoge in der Regel möglichst reich auszugestalten. Man darf dabei nicht die Entwicklung der jüdischen Ge¬ meinden ausseracht lassen. Zehn jüdische Männer reichen zur Bildung einer Gemeinde aus. Ihr Betraum, ihre Schule oder Synagoge bestand anfangs aus einem ge¬ mieteten Zimmer, bei dem höchstens beachtet wurde, dass der Schrein, die Bundeslade, gegen Osten gestellt werden konnte. In solchen Räumen blieb die Synagoge hunderte von Jahren, wenn die Gemeinde sich nicht ent¬ wickelte. Bei gesteigerter Wohlhabenheit oder besonders bei wirtschaftlicher Entwicklung der betreffenden Stadt kam 562 No. 87. leitung kam zur Ausführung. Der Plan scheiterte vor¬ läufig an der hohen Forderung der Grundeigentümerin und Wassernutzungs-Berechtigten. So wurde denn zur Vervollständigung der Anlage und um eine sichere Reserve zu haben, doch noch auf einen 15 pf erdigen Benzinmotor zurückgegriffen. Dieser ist von der Firma Hille in Dresden im Turbinenhaus so auf¬ gestellt, dass je nach Verschiebung einer Kuppelung ent¬ weder der Motor oder die Turbine die Triebwelle an¬ Mitteilungen aus Vereinen. Arch.- und Ing. -Verein zu Hamburg. Vers, am 9. Okt. 1903. Vors. Hr. Zimmermann, anwes. 88 Pers. Aufgen. Hr. Ing. K. P. Weichhold. Es erhält das Wort Hr. Haller zu einem Bericht über den Denkmaltag in Erfurt, in welchem er ein anschauliches Bild der Verhandlungen und der im Laufe derselben vorgetragenen Meinungsverschiedenheit zwischen den Hrn. Geh. Hfrt. Cornelius Gurlitt undOb. Brt. Schäfer über die Wiederherstellung des Meissener Domes vorführt. Der Vorsitzende knüpft an den Vortrag, welcher von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, die Bemerkung, dass dem Verbandsvorstande da¬ für zu danken sei, dass durch seine Vermittlung den ver¬ bundenen Vereinen Gelegenheit gegeben sei, sich an diesen Verhandlungen zu beteiligen. Zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung sprach Hr. Stein über das Brandunglück auf der Pariser Stadtbahn am 10. August. Redner schilderte kurz den Verlauf des Unfalles, der durch die Tageszeitungen im Wesentlichen richtig dargestellt worden ist. Weder in den zusammengekuppelten brennenden Zügen noch in ihrer unmittelbaren Nähe gingen Menschenleben verloren, sondern es wurden ausschl. Fahrgäste des auf Blockab¬ stand folgenden (dritten) Zuges in der Station Couronnes durch den Rauch getötet. Die elektrische Ausrüstung des Stadtbahnzuges sei nicht genügend feuersicher gewesen. Es läge die technische Möglichkeit einer ico fachen Sicher¬ heit der Stromdichtung bei der Betriebsspannung von 500 Volt vor; ausserdem seien die stromführenden Teile auf unverbrennlichen Stoffen zu montieren möglichst in unmittelbarer Nähe geerdeter Metallteile, da nur unvoll¬ kommene Kurzschlüsse feuergefährlich sein können. Der anfänglich ganz ungefährliche Wagenbrand sei in Paris nur dadurch unheilvoll geworden, dass das Zugpersonal sich nicht entschliessen konnte, so lange zu halten, bis jede Gefahr beseitigt war. Als schädlich habe sich ins¬ besondere der Umstand erwiesen, dass das Stationsper¬ sonal infolge der vorhandenen gänzlich selbsttätigen Block¬ sicherung ohne wirksamen Einfluss auf die Zugführung blieb; anderenfalls hätte vor allem auch der dritte Zug nicht so dicht folgen und geradezu in den Rauch hinein¬ fahren können. Die bauliche Anlage der Haltestelle das Verlangen zu einem eigenen Gebäude, das meist ein¬ schiffig, nicht selten zweischiffig, oder, wo eine zahlreiche wohlhabende Gemeinde vorhanden war, drei- oder selbst fünfschiffig angelegt wurde. Die Beschreibungen einiger Grundrisse werden ein Bild über die Verteilung des Rau¬ mes geben und zeigen, worauf bei den alten Synagogen Wert gelegt wurde. Der Grundriss der romanischen Synagoge in Worms zeigt diese selbst mit dem angebauten Frauenraum und der Raschikapelle. Alle drei Gebäude haben einen eigenen Eingang in derselben Himmels¬ richtung. Rechts vom Eingang in die Synagoge ist die Treppe nach der Empore, links führt der Weg an der Sammelbüchse vorbei in das Innere der Synagoge. Sie ist zweischiffig. Zwischen zwei mächtigen Säulen befand sich ein quadratischer Aufbau, der Almemor, zwischen der Säule und der schmalen Fensterwand der Aron Hakodesch, und rechts davon der für das Weihefest be¬ stimmte eherne Chanukkaleuchter. Links von der Syna¬ goge befindet sich der ebenfalls zweischiffige Frauenraum mit einer Säule, dem Opferstock und den Bänken, während in der Raschikapelle ausser dem Raschistuhl aus Stein nur Merkwürdigkeiten, kostbare Manuskripte, Stühle usw. aufbewahrt wurden. Die Synagoge liegt in einem ge¬ räumigen Garten, der Platz genug bietet zu ungestörter Zeremonien -Entfaltung unter freiem Himmel. Auch die Altneuschule in Prag ist eine zweischiffige Synagoge, die ebenfalls zwischen zwei mächtigen Pfeilern den Almemor, gegen Osten an der Schmalwand die Bundeslade hat, rechts davon den Chanukkaleuchter. Zweischiffig waren die Synagoge in Regensburg, die Synagoge in Passau, eine Synagoge in Damaskus mit zwei mächtigen Pfeilern, zwischen denen der Almemor aufgestellt ist. In gleicher Weise ist er zwischen zwei mächtigen Pfeilern der Syna- 31. Oktober 1903. treibt. Ein Nachteil des Benzinmotors besteht darin, dass er immer mit vollem Benzinverbrauch arbeitet. Bei dem Vorhandensein der Akkumulator - Batterie liesse sich in¬ dessen durch eine geeignete Schaltung die Primärmaschine als Motor verwenden. Der geringe Kraftbedarf tritt nur kurze Zeit im Jahre für das Rührwerk ein, wenn wegen Wassermangels die Turbine nicht laufen kann, anderseits der Lichtbedarf wänrend der langen Tage gering ist. — Ziegler, Zellerfeld i. H. Couronnes, die, dem Schema der Pariser Untergrundbahn- Stationen entsprechend, nur eine Ausgangstreppe aufwies, sei für die schnelle Entleerung der Bahnsteige ungünstig gewesen; das Unglück sei verschlimmert durch das Ver¬ sagen der elektrischen Beleuchtung. An und für sich sei der elektrische Bahnbetrieb siche¬ rer als jeder andere; wenigstens seien die technischen Mittel zu einer völligen Betriebssicherheit auch bei Unter¬ grundbahnen bekannt und brauchen nur angewendet zn werden. Schwere Unfälle auf elektrischen Hoch- und Untergrundbahnen seien infolgedessen sehr selten; der Pariser Unfall lasse sich auf eine Reihe von Fehlern zu¬ rückführen, die anderwärts vermieden würden. — Bei der Berliner Hoch- und Untergrundbahn habe die Aufsichts- Behörde über die Feuersicherheit Untersuchungen ange¬ stellt und die bisher schon getroffenen Massnahmen ge¬ billigt. Zur weiteren Sicherheit seien noch folgende Mass¬ nahmen beschlossen: Anlage eines zweiten unabhängigen Leitungskabels für Beleuchtung; Mitführung von Wasser¬ spritzen und Fackeln in jedem Zuge, sowie von Vorrichtun¬ gen zur Herstellung vollkommener Kurzschlüsse zwischen Fahr- und Rückleitung. Die Schaffnerwannen sind be¬ weglich zu machen und alle Haltestellen unmittelbar mit den Feuerwehrwachen zu verbinden. Auf Anfrage Hrn. Faulwassers teilt Redner mit, dass bei dem Pariser Unfall die auf dem 2. Gleise verkehren¬ den Züge durch rechtzeitige Unterbrechung des Betriebes von den Folgen des Unfalles verschont blieben. — Vermischtes. Ein Erbbauvertrag zwischen dem preussischen Fiskus und dem Beamten-Wohnungsverein zu Berlin ist nach den Tageszeitungen nach langen Verhandlungen zustande ge¬ kommen. Es sind zunächst 50 Morgen des Gebietes von Dahlem für Erbbauhäuser des Beamten-Wohnungsvereins in Aussicht genommen. An den Beratungen bei Abschluss des Vertrages, des ersten dieser Art, den derpreuss. Fiskus auf Grund des „B. G.-B. abgeschlossen hat, haben Vertreter aller preuss. Ministerien teilgenommen. In dem Vertrage heisst es u. a. : Das Erbbaurecht wird auf 70 Jahre bestellt. Auf den Grundstücken dürfen gewerbliche Anlagen, die dem § 16 d.G.-O. unterliegen, und sonstige Anlagen, die Geräusch, Rauch oder Geruch verbreiten, überhaupt nicht, Irrenan- goge zu Ostrog angebracht. Da die Entstehungszeit dieser Synagogen zwischen dem n. und 18. Jahrhundert anzu¬ setzen ist und die angeführten Orte weit von einander entfernt sind, so ist es wohl nicht zufällig, dass der Bau zweischiffig ist, dass das Gewölbe von zwei Säulen oder Pfeilern getragen wird, und dass zwischen diese beiden Säulen der Almemor, auf dem die wichtige, religiöse Hand¬ lung, das Vorlesen aus der Thorarolle und in manchem Gotteshause auch das Vortragen der Gebete vor sich ging, eingebaut wurde. In Italien findet es sich dagegen oft, dass in der Mitte der einen Schmalseite der Aron Hakodesch, in der Mitte der anderen der kanzelartige Aufbau des Almemor angebracht ist, so in Ancona, Pesaro und in der grossen Synagoge zu Venedig. Zuweilen, wie in der schönen, nicht mehr benutzten Synagoge der scuola italiana zu Padua sind beide in der Mitte der beiden Langseiten angebracht. Während die Decke sonst fiach ist, wölbt sich ein Tonnengewölbe in diesem mittleren Teile über den beiden wichtigsten Stellen der Synagoge, und dieses Gewölbe ist mitten durch eine kreisrunde Kuppel unter¬ brochen, durch deren Fenster den Frauen ein dürftiger Einblick in die Synagoge gegeben ist. Auch die beiden Bogen, welche in Worms vom Frauenraum zur Synagoge herüberführen, die kleinen Oeffnungen durch die dicke Mauer der Altneuschule in Prag, die vielen schmalen ver¬ gitterten Fenster gewähren den Frauen nur einen dürftigen Einblick und gestatten nur eine ungenügende Anteilnahme an dem Gottesdienst. Eine weitere Eigentümlichkeit, die sich bei alten Synagogen findet, sodass sie als absichtliche angesehen werden darf, besteht darin, dass die Eingänge dem Aron Hakodesch nicht gegenüber liegen, wie dies bei den neueren Synagogen fast durchgängig derFallist, sondern seitlich angebracht sind, wodurch der Blick auf ihn erst 563 stalten, Gast- und Schankwirtschaften nur mit Genehmigung des Fiskus eingerichtet und betrieben werden. Bebauungs¬ pläne für den ganzen Block, sowie die Bau- und Fassaden¬ zeichnungen der Bauentwürfe sind vor Inangriffnahme der Bauten dem Fiskus in zwei Ausfertigungen zur Ge¬ nehmigung vorzulegen. Der Fiskus übernimmt die erste Regulierung der Strassen. Der erbbaubereehtigte Verein zahlt an den Fiskus jährlich einen Erbbauzins in Höhe 2% des für den Block festgesetzten Wertes, für iq® 7,5 M. Der Verein darf das ihm zu Erbbaurecht über¬ lassene Grundstück nur zur Erbauung von Häusern be¬ nutzen. Wohnungen von mehr als vier Zimmern dürfen nicht in einzelnen Gebäuden für sich isoliert, sondern nur als Teile eines Gebäudes errichtet werden. Werden die Bedingungen nicht innegehalten, so erhöht sich der zu entrichtende Erbbauzins auf das Doppelte, unbeschadet der für diesen Fall dem Fiskus vorbehaltenen sonstigen Rechte. Sofern nicht vor Ablauf der in § 2 dieses Ver¬ trages für seine Dauer bestimmten Frist eine andere Ab¬ machung zwischen den Parteien getroffen ist, erlischt das für das Grundstück bewilligte Erbbaurecht mit der Wir¬ kung, dass die auf dem Grundstück vorhandenen Baulich¬ keiten und Anlagen in das Eigentum des Fiskus über¬ gehen. Dieser zahlt dafür 20 °/0 des Wertes, den die Bau¬ lichkeiten alsdann besitzen. In bestimmten Fällen soll der Fiskus berechtigt sein, auch vor Ablauf der im § 2 des Vertrages bestimmten Frist das Erbbaurecht sowohl hin¬ sichtlich des ganzen Vertragsgrundstückes als auch be¬ stimmter Teile desselben aufzuheben. — Auf den VI. Internationalen Architekten- Kongress in Madrid haben wir bereits mehrfach hingewiesen (vergl. No. 33 u. 55). Derselbe tagt in der Zeit vom 6. — 13. April 1904. Es ist nun erwünscht, dass auch die deutsche Ar¬ chitektenschaft bei diesem Kongresse nicht fehle. Der Verband deutscher Arch.- und Ing.-Vereine hat daher auf Anregung des Hrn. Geh. Brt. Stübben in Köln a. Rh, der in Gemeinschaft mit den Hrn. Minist -Dir. Hinckel- deyn in Berlin und dem derzeitigen Verbands-Vorsitzen¬ den Hrn. Geh. Brt. Waldow in Dresden von der Kon¬ gressleitung aufgefordert war, die deutsche Architekten¬ schaft zur Beteiligung anzuregen, diese drei Herren und ausserdem die Hrn. Brt. Neher in Frankfurt a. M. und Prof. Frhr. v. Schmidt in München ausdrücklich ermäch¬ tigt, im Namen des Verbandes für eine Beteiligung aus Deutschland zu wirken und gegebenenfalls den Verband in Madrid zu vertreten. Es ist eine gemeinsame Reise der deutschen Teilnehmer geplant. Meldungen zur Teil¬ nahme werden möglichst umgehend an die Geschäftsstelle des Verbandes Berlin N.W. 52 erbeten. (Siehe auch das Inserat in der heutigen Nummer ) — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben betr. Entwürfe für ein Bennigsen- Denkmal in Hannover wird für die Künstler Deutschlands zum 1. Juni 1904 erlassen. Für das in Granit und Bronze auszuführende Denkmal ist in erster Linie eine Brunnen¬ anlage in Aussicht genommen, ohne aber dass damit andere Lösungen ausgeschlossen sein sollen. Die Aufstellung er¬ möglich ist, wenn sich der Gläubige innerhalb der Syna¬ goge befindet. Wand-Dekorationen und Deckenschmuck sind auch in alten Synagogen nichts seltenes. Zwar pflegt man die Altneuschule in Prag nicht zu tünchen, hält vielmehr den schmutzigen Ton der Oberfläche so wert, wie den Edel¬ rost auf Metall. Auch sonst haben die romanischen und gotischen Synagogen keine andere Verzierung als Gewölbe¬ rippen, verzierte Schlussteine, Säulen und Pfeilerkapitelle, zuweilen in schönen Verhältnissen und reizvoller Kom¬ position. Die Renaissance- Synagogen, insbesondere die italienischen, zeigen die Lust am gemalten und plastischen Fabulieren der Zeit, nur mit der Einschränkung, dass neben Pflanzenmotiven zwar manchmal Tierformen Vorkommen, dass dagegen die menschliche Figur nicht angewendet wird. Dafür werden oft Gegenstände dargestellt, einzeln in Gehängen oder in Cartouchen vereinigt, welche beim jüdischen Kultus verwendet oder in der Bibel erwähnt sind, so die Harfe Davids, die Pauke Mirjams und der siebenarmige Leuchter. Eine überaus reiche, sich über die ganze Wand hinziehende malerische Dekoration mit hebräischer Schrift, geflochtener Kerze und anderen Em¬ blemen hat eine Synagoge in Damaskus; malerischen und plastischen Schmuck haben die polnischen Synagogen und ebenso die in Italien im 17. Jahrhundert entstandenen, sowie die gleichzeitigen holländischen. Reich geschmückte Decken haben die Synagogen in Livorno und Modena, reiche Stukko-Ornamente hat auch die Claus-Synagoge in Prag. Die Fenster sind in den meisten älteren Synagogen 564 folgt auf einem dem Provinzial-Museum gegenüberliegen¬ den Platze. Die Kosten dürfen 80000 M. nicht übersteigen. Es gelangen ein I. Preis von 3000, ein II. Preis von 2000 und drei III. Preise zu je 500 M. zur Verteilung. Dem Preisgericht gehören u. a. an die Hrn. Brt. F. Wallbrecht, Maler Prof.Schaper und Stadtbrt.Dr. Wolf f in Hannover, sowie die Bildhauer Prof. Dr. Hartzer in Berlin und Prof, v. Rümann in München. Die Entscheidung darüber, ob einer der preisgekrönten Entwürfe ausgeführt werden soll, steht ausschliesslich dem Preisgericht zu. Nach dieser Zusicherung könnte die deutsche Künstlerschaft hoffnungsfreudig an dem Wettbewerb teilnehmen, wenn im Preisgericht die Künstler nicht in der Minderzahl wären. Vielleicht aber verzichten die Nichtkünstler des Preisge¬ richtes darauf, gegenüber den preisgekrönten Entwürfen eine Stellung einzunehmen, die nicht auch die der Künst¬ ler des Preisgerichtes ist. — Zum Wettbewerb Schleuse in Kl. -Machnow (vergl. No. 85) haben wir noch nachzutragen, dass sich als Ver¬ fasser der beiden angekauften Entwürfe „Mach’s so“ und „Granit und Eisen“ Hr. Reg.-Bmstr. Sp alding in Südende bei Berlin bezw. die Hrn. Arch. Altgelt & Schweitzer in Berlin ergeben haben. Die Teltow- Kanal- Verwaltung hat ausserdem noch die weiteren zwei Ent¬ würfe „Landluft“, Verf. Hr. Reg.-Bmstr. H. Hausmann in Berlin, bezw. „Märkisch“ des Firn. Arch. F. Berger in Steglitz angekauft. Die Arbeiten sind vom 2.-7. Nov. von 9—3 Uhr im Teltower Kreishause ausgestellt. — Wettbewerb Rathaus Kiel. Es liefen 70 Entwürfe ein, von welchen keiner den I. Preis errang. Drei II. Preise von je 4000 M. gewannen die Hrn. Prof. H. Billing in Karlsruhe, Kopp & Börnstein in Friedenau bei Berlin und Thyriot in Grosslichterfelde. Zwei III. Preise von je 2500 M. wurden den Hrn. Alfr. Meyer in Charlotten¬ burg und den Prof. Vollmer & Jassoy in Berlin und Stuttgart zuerkannt. Die Ausstellung der Entwürfe findet in der Oberrealschule an der Waitzstrasse statt. — Brief- und Fragekasten. Anfragen an den Leserkreis, x. Liegen Erfahrungen darüber vor, dass sich das Vollsaugen neuer Brunnenbecken-Einfassungen (Muschelkalk von feinerem Ge¬ füge) mit Wasser und das damit verbundene Hervortreten dessel¬ ben an den Aussenseiten des Beckens mit der Zeit verliert und gibt es ausser Zementputz ein Mittel, vielleicht Anstrich oder Impräg¬ nieren der inneren Beckenseiten, um diesen Uebelstand dauernd zu beseitigen? — 2. Liegt die Gefahr nahe, dass die durchnässten Steine der Einfassung bei fortwährendem Wasserzulauf in das Becken durch Frost zerstört werden? — L. M. Inhalt: Der Herkules Brunnen auf dem Lützow-Platz in Berlin. — Die Kraflversorgung der Lungenheilstätte Sülzhayn im Harz (Schluss). — Bau und Ausschmückung alter Synagogen. — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — - Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Der Herkules-Brunnen auf dem Lützow-Platze in Berlin.. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verautwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. aus sechseckigen oder kreisrunden Butzenscheiben zu¬ sammengesetzt, die das Alter trüb gemacht hat; zuweilen, wenn sich ein Fenster über dem Aron Hakodesch befin¬ det, ist ein Teil der Scheiben farbig. Eigentliche Glas¬ malerei aus alter Zeit ist wohl nach den Schriftquellen, so angeblich in der alten Synagoge in Köln, zur Verwen¬ dung gekommen; doch ist nicht ausgeschlossen, dass in den bis jetzt noch nicht zugänglichen alten Synagogen, die aus der Zeit stammen, in der die Glasmalerei in der Blüte stand, sich noch Reste von gemalten Fenstern vor¬ finden. Einen grossen Reiz erlangen die alten Synagogen durch die reichliche Verwendung von Beleuchtungskörpern aller Art. Sie beleben die Wände und den Luftraum. Da¬ hin gehören die Ampel als ewiges Licht vor dem Thora- scbrein, der mächtige eherne Chanukka-Leuchter an der Seite des Aron Hakodesch, mit wenig Ornamenten, die Jahrzeitlichter, entweder auf einer steinernen Brüstung an den Wänden angebracht oder auf eigenartigen eisernen Gestellen links vom Aron Hakodesch und gegenüber vom Chanukka-Leuchter. Hinzu kommen die ein-, drei- oder fünfarmigen Wandleuchter, die vielen Kronleuchter aus Gelbkupfer mit Löwen, Schrift oder anderen Ornamenten. Sie hängen entweder von der Decke herab oder sind, wie im Orient, in Ketten eingehakt, welche quer über die Synagoge gespannt sind. Ferner sind zu nennen die mächtigen, oft mit vielen Lichtern ausgestatteten Stand¬ leuchter. — Die hier besprochene Abhandlung ist mit 44 Abbildungen von Synagogen ausgestattet. — — u _ No. 87. II DEUTSCHE BAUZEITUNG II II XXXVII. JAHRG. NR 88. BERLIN, DEN 4. NOV. 1903 || fllllHflflHHHlBflHBHHBBBlHHflllflllHHlBl Der Herkulesbrunnen auf dem Lützow-Platze in Berlin. Architekt: Stadtbaurat Ludwig Hoffmann in Berlin; Bildhauer: Prof. Otto Lessing in Grunewald. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen auf Seite 567. inige Angaben über die konstruktiven An¬ ordnungen bei der Aufrichtung des Brunnens mögen die Angaben über seine künstlerische Gestaltung ergänzen. Das Fundament des Brunnens bildet eine durchgehende, 0,75“ hohe Betonplatte, die wegen der sehr ungleichen Auf¬ last mit Eiseneinlagen verstärkt wurde. Diese Eisen¬ einlagen bestehen aus hochkant gestellten Flacheisen von 13 : 80 mm, die in etwa 10 cm Ent¬ fernung von der Unterfläche der Platte so in radia¬ ler Anordnungver¬ legt wurden, dass ihre Entfernung am äusseren Um¬ fang 0,9 m beträgt. Ein zweites eiser¬ nes Gerippe wurde in 5 cm Tiefe von der Oberfläche der Betonplatte ver¬ legt. Dieses Ge¬ rippe besteht aus fünf ringförmigen Eiseneinlagen aus dem gleichenHoch- kanteisen, welche in gleichmässiger Entfernungverlegt wurden. Die sta¬ tische Berechnung für dieF undament- platte wurde durch Hrn. Reg.-Bmstr. Bernhard in Ber¬ lin aufgestellt. Auf dieser Betonplatte wurde, wie die Schnitte S. 560 u. 567 andeuten, die aus Klinkern und Zementmörtel ge¬ wölbte Unterkelle¬ rung des Brunnens hergestellt, welche die Wasserleitun¬ gen aufnimmt und zum Zwecke der jederzeitigen Prü¬ fung derselben in solchen Abmes¬ sungen gehalten wurde, dass ihre Begehung mög¬ lich ist. Zu diesem Zweck ist seitlich des Brunnens im Mosaikpflaster des Gehweges einEin- steigeschacht an¬ geordnet worden. Auf der Unterkellerung ruht eine 0,42“ starke Beton¬ schicht mit eingelegter doppelter Asphaltisolierung, auf welcher erst der eigentliche Brunnen sich aufbaut. Zunächst folgtder Stufenunterbau aus schlesischem Granit; auf diesem der weite untere Beckenrand aus Cudowaer Sandstein. Die Werkstücke dieses Becken¬ randes greifen mit zapfenartigen Ansätzen ineinander. Der weitere Aufbau des Brunnens wurde in Rackwitzer 565 Sandstein erstellt, wobei der gesamte Aufbau eine von unten bis oben durchgehende Verankerung erhalten hat. Eine besondere Sorgfalt wurde dem Boden des unteren Beckens zugewendet. Derselbe besteht aus 7cm hohem Terrazzo und hat in der Unterschichte eine doppelte Eiseneinlage in Zementbettung erhalten. Diese Eiseneinlage besteht aus radial liegenden Querstäben aus 5 mm starkem Rundeisen in 12 cm Entfernung, und aus unmittelbar darüber liegenden konzentrischen Längs¬ stäben aus 7,5 mm starkem Rundeisen in 15 cm Entfernung. Die Wasserzuleitung erfolgt aus dem städtischen Leitungsnetze. Die drei Schnitte S. 567 zeigen einer¬ seits die Röhrenverteilung auf die einzelnen Becken, anderseits die Anordnung der strahlenförmigen Ausläufe. Die oberen Wasserbecken haben eine Auskleidung aus 3 mm starkem Walzblei erhalten, um das Eindringen des Wassers in den Sandstein zu verhindern. Um den Wasserbedarf, der in der Stunde auf rd. 230 cbm berechnet wurde, möglichst einzuschränken, sind vier Wassersparer eingebaut, welche eine teilweise Wieder¬ verwendung des abfliessenden Wassers ermöglichen. Das überflüssige Abflusswasser wird in den Landwehr¬ kanal geleitet. Um die Wasserersparung auf das höchste Mass zu bringen, ist die Aufstellung einer Wasserumlaufpumpe mit elektrischem Antrieb in Aussicht genommen. Das Material der Hauptdruck¬ leitung ist Gusseisen, das der Steige- und Vertei¬ lungsleitung innerhalbdes Aufbaues Kupfer. Die wassertechnischen Ein¬ richtungen wurden von C. Heckmann in Berlin geliefert. Die Ausführung der Maurerarbeiten erfolgte durch Maurermstr. Johannes Stoedtner in Berlin, die der Steinmetz- und der Steinbildhauerarbeiten durch Gebr.ZeidlerinBerlin. Die Gesamtkosten des Brunnens haben rd. 192 000 M. betragen: eine verhältnismässig bescheidene Summe, wenn man ihr die Kosten des von der Stadt Berlin dem Kaiser geschenkten Schloss¬ brunnens von Reinhold Begas auf dem Schlossplätze mit 550 500 M. gegenüberstellt. — Die Beurteilung des Brunnens nun ist eine sehr ver¬ schiedene gewesen. Wir sehen hier zunächst ab von jenen Stimmen, die es nicht mehr als eine Notwendigkeit erkennen, hinter dem Menschen, seiner Seele und seinem Werke noch etwas Anderes zu suchen, als lediglich das Moderne, und die nicht begreifen können, dass es Künstler gibt, die über alle Stile und Epo¬ chen hinweg unsere geistigen Verwandten bieiben, wenn sich in ihrem Werke nicht der Stil als die Hauptsache verkündet, sondern wenn Seele und Ge¬ blüt es erfüllen. Beides aber kann in allen Stilen ?um Durchbruch kommen und selbst die Maske einer Mode lässt den feinen Menschen noch genügend Durchblicken, um seinen Charakter zu erkennen, wenn er durch seine Kunst etwas zu sagen hat, wenn seine Kunst so stark ist, dass sie Einfluss auf das Denken und Fühlen des Beschauers ausüben kann. Aber freilich, darüber war sich schon Goethe klar: „Den Stoff sieht jedermann vor sich, den Gehalt findet nur der, der etwas dazu zu tun hat, und die Form ist ein Geheimnis den Meisten“. Es sind nur wenige Auserwählte, die sie beherrschen und zu ihnen zähle ich ohne Bedenken Ludwig Hoffmann für die Mehr¬ zahl jener Arbeiten, die seiner bisherigen Berliner Tätigkeit entsprungen sind. Unter ihnen auch für den Herkulesbrunnen. Hat derselbe aber selbst bei dem Künstler freundlich gesinnten Beurteilern nicht eine vollkommene Anerkennung gefunden, so liegt dies augenscheinlich weniger in seiner Form, als in der Wahl des Aufstellungsplatzes, welche Einzelheiten der Formgebung nicht zu voller künstlerischer Wirkung kommen lässt. Der Brunnen steht zu nahe an denVerkehrswegen. Seine Gesamtform ist weniger von dem Gedanken geleitet, dem nahen Beschauer ein künstlerisches Bild darzubieten, als aus der Ferne ge¬ würdigt zu werden. Das treibende Motiv war offen¬ bar der Abschluss für die Friedrich -Wilhelm-Strasse. Ihm wurde aber das diesen Vorzug übersteigende Opfer gebracht, dem Brunnen nicht die Beziehungen zum Platze gegeben zu haben, die ihm zukommen. Sowohl der Platz wie der Brunnen bestehen getrennt für sich. Es ist uns nicht unbekannt, dass mehrfache Versuche mit Schablonen angestellt wurden, für den Brunnen die günstigste Stelle des weiten Platzes zu finden. Man scheint aber mehr Wert darauf gelegt zu haben, für eine der schönsten Strassen Berlins einen Ab¬ schluss zu erhalten — der jedoch in dieser Form weder für eine Nah- noch für eine Fernwirkung recht geeignet ist, der vielmehr erst in einer mittleren Ent¬ fernung zur eigentlichen Wirkung kommt - — als aus Platz und Brunnen eine künstlerische Einheit zu machen. Der Zwiespalt in seiner Bestimmung, den der Brun¬ nen somit in sich trägt, kommt auch in seinen Grössen¬ verhältnissen zum Ausdruck. Es kann die Frage ent¬ stehen, ob ein Brunnenaufbau von dieser Form über¬ haupt geeignet ist, als Abschluss einer breiten Strasse zu dienen. Es dürften nur wenige Beispiele zu nennen sein, in welchen man Brunnen dieser Art eine solche Bestimmung gegeben hat. Um dieser zu genügen, musste er eine Grösse erhalten, die für den Ort, an welchem er steht, zu bedeutend ist. Die nach unserer Ansicht einzig mögliche Stelle für den Brunnen wäre die Mitte des Dreiecks ab c gewesen. Die Fläche liegt wohl tief, in¬ dessen hätte der Brunnen ohne Schwierigkeiten heraus¬ gehoben werden können. Dieihn umgebende Rasenfläche hätte den Beschauer in einer solchen nicht zu grossen und nicht zu kleinen Entfernung vom Brunnen ge¬ halten, dass derselbe stets das künstlerische Gesamtbild gehabt hätte, ohne der Möglichkeit beraubt zu sein, die Einzelheiten zu würdigen. Bei dieser Lage hätte der Brunnen auch die notwendigen Beziehungen zu den Platzwandungen gehabt. Diese sind ja leider nicht schön, aber selbst ein weniger schöner Hintergrund vermag einem Brunnen Zusammenschluss und Mass¬ stab zu geben. Die künstlerischen Gründe für eine Versetzung des schönen Brunnens sind so gewichtige, dass man den Wunsch hegen könnte, ihn eines Tages an einer anderen Stelle des Platzes zu sehen. — _ — H. — Die Versuchsfahrten der Studien-Gesellschaft für elektrische Schnellbahnen in Berlin. ir haben über den Zweck dieser Versuchsfahrten, über die Versuchsstrecke Marienfelde— Zossen der Militär-Eisenbahn und über die beiden bei den Ver¬ suchen benutzten Motorwagen im vorigen Jahrg. S. 113 u. ff. unter Beigabe von Zeichnungen des Näheren berichtet. Bei der Fortsetzung dieser Fahrten, deren Wiederaufnahme wir Anfang Oktober bereits mitteilten, haben beide Ver¬ suchswagen das erstrebte Ziel einer Geschwindigkeit von 200 km in der Stunde erreicht und sogar noch überschritten. Am 6. Oktober, dem denkwürdigen Tage der ersten Lo komotiv-Wettfahrt bei Rainhill in Schottland im J. 1829, bei welcher G. Stephenson mit seiner „Rocket“ mit 40 km Geschwindigkeit den Sieg davon trug, erreichte der Schnell¬ bahnwagen von Siemens & Halske eine Höchst-Geschwin¬ digkeit von 201 km( die am 23. Oktober bis auf 207 km jn der Stunde gesteigert wurde. Am 28. Oktober wurde mit dem Motorwagen der Allg. Elektricitäts-Gesellschaft, der seine Versuchsfahrten erst später aufnehmen konnte, eine Geschwindigkeit von 2to kin erzielt. Gleis, Wagen und Leitung haben diese Geschwindigkeit, welche die bis¬ herigen Höchstleistungen von Schnellzügen mit Lokomotiv- betrieb um mehr als das doppelte übertreffen, ohne Scha¬ den ertragen, es ist damit also der Beweis erbracht, dass derartige Fahrgeschwindigkeiten überhaupt erreichbar sind und zwar auf dem für Schnellzugsverkehr jetzt eingeführten Oberbau. Die weiteren Versuchsfahrten sollen nicht der Erreichung noch höherer Geschwindigkeiten, sondern vor¬ wiegend Messungen und eingehendenBeobachtungen dienen. 566 No. 88 Bei den im Vorjahre ausgeführten Fahrten wurden Geschwindigkeiten bis 160 km in i St. erreicht. Weiter zu gehen erschien bedenklich, da der schwache Oberbau der Militär-Eisenbahn den starken Beanspruchungen nicht gewachsen erschien. Wie wir schon früher mitgeteilt haben, ist durch das preuss. Minist, der öffentl. Arbeiten ein neuer Oberbau zur Verfügung gestellt worden, der von der Eisenbahnbri¬ gade eingebautworden ist. Verwen¬ det ist statt der bisherigen 34,4 kg/m schweren Schienen der schwere preuss. Oberbau für Schnellzugs¬ strecken mit 4t kg/“ Gewicht der Schienen, die bei 12 “ Länge auf 18 kiefernen Schwellen unter Ein¬ legung von Hakenplatten gelagert sind. Die Schraubenlöcher auf den lieh bei den Versuchsfahrten im Vorjahre gezeigt, um die Schwankungen abzumildern. Zu diesem Zwecke ist vor allem der Abstand ber beiden äusseren Achsen der bei¬ den dreiachsigen Drehgestelle von 3,8“ auf 5“ erhöht worden und es ist durch eine Verbesserung der Abfede¬ rung, ferner durch Verschieblichkeit der senkrechten Dreh¬ zapfen eine bessere Lastverteilung und ein ruhigeres Fahren erreicht worden. Nach den Mitteilungen der Tagespresse soll die Fahrt nunmehr eine so ruhige geworden sein, dass es den Mitfahrenden möglich war, stehend Aufzeichnungen während der Fahrt zu machen. Weitere Abänderungen der beiden Wagen bezogen sich auf den Rahmen, der so umgestaltet wurde, dass die bisher verdeckten Federn nunmehr frei liegen und besser kontroliert werden können; ferner auf die bessere Federung der stromabnehmen¬ den Bügel, welche bei den schnellen Fahrten die Schwellen sind mit Hartholzdübeln ausgefüttert und zur Sicherheit gegen Entgleisung sind die Schie¬ nen auf der freien Strecke in 50““ Abstand von Schutzschienen be¬ gleitet, die mit ihren Köpfen 50 nun über Oberkante-Fahrschiene liegen und auf den Schwellen mittels guss¬ eiserner Stützen befestigt sind. Das ganze Gleis ist in sorgfältigster Weise in Basaltklein¬ schlag gebettet. Dem Vernehmen nach sollen die Streich¬ schienen bisher nicht in Wirksamkeit getreten sein, sodass die Wagen also einen durchaus ruhigen Gang gezeigt haben. Nächst der Verstärkung des Oberbaues hatte sich aber auch ein Umbau des Wagen-Unterbaues als erforder¬ Masten der Speiseleitung zu stark beanspruchten. Kleine Verbesserungen sind auch an den Messappa¬ raten vorgenommen worden. Die elektrische Aus¬ stattung der Wagen mit Motoren, Widerständen usw.. ist dagegen im Prinzip unverändert geblieben. Wir können also in dieser Beziehung auf unsere früheren Veröffentlichungen und Zeichnungen verweisen. Die Zuleitung des elektrischen Stromes erfolgt von dem Elektrizitätswerke Ober- Schöneweide her auf 35 km Entfernung. Die Spannung wurde dabei auf 14000 Volt gesteigert. Die Ansprüche, die an das Werk bei den Fahrten gestellt wurden, sind sehr bedeutende, namentüch mit Rücksicht auf den stark schwankenden Kraftverbrauch. Trotzdem sind bis zu der Fahrt am 29. Okt. grössere Störungen nicht zu verzeichnen gewesen. Nähere und 4 November 1903. 567 zuverlässige Angaben über Kraftverbrauch usw. liegen z. Zt. noch nicht vor; hierzu muss erst das Beobachtungs¬ material gesichtet und verarbeitet werden. Das Ergebnis der Versuchsfahrten, welche in der ganzen Welt mit Spannung verfolgt werden, ist ein glän¬ zendes, für die deutsche Technik und die deutsche In¬ dustrie, die sich zuerst an diese Aufgaben herangewagt hat, in höchstem Masse rühmliches. Sie werden auch sicherlich für die deutsche Elektrotechnik noch ihre Früchte tragen. Freilich darf man nicht etwa in Bälde erwarten, mit ähnlichen Geschwindigkeiten im regelmässigen Betriebe reisen zu können, mit denen man in kaum 3 Stunden von Berlin nach Köln oder Frankfurt a. M. gelangen würde. Für die praktische Durchführung ist vielmehr an eine Geschwindigkeit von höchstens 150 — 160 km in der Stunde gedacht, die immerhin alle bisherigen Leistungen noch um die Hälfte übertreffen würde. Auch das wird noch gute Wege haben, bis selbst auf denHauptlinienunseres Verkehrsnetzes ein derartiger Schnellverkehr eingerichtet ist, schon allein aus dem Grunde, weil die hiermit verbundene vollständige Umgestaltung des Betriebes mit ungeheueren Kosten ver¬ knüpft sein würde. Die wissenschaftlichen und prak¬ tischen Grundlagen für eine solche Ausgestaltung des Verkehrs sind jedoch bezw. werden noch durch diese Versuchsfahrten geschaffen und darin liegt ihr Nutzen für die Zukunft. — Vermischtes. Das Wesen der deutschen Kunst. Der Rektor der Kgl. Technischen Hochschule Berlin und der Vorsitzende der Hilfskasse geben am schwarzen Brett bekannt, dass Hr. Prof. Dr. Seesselberg am 11. Nov., Abends 7 Uhr, im Hochschulgebäude zu Charlotter bürg zugunsten der Hilfskasse einen öffentlichen Vortrag über „das Wesen der deutschen Kunst“ halten wird, zu welchem Ein¬ trittskarten ä 2 M. od. 1 M. für Damen und Herren vom Büreau der Hochschule zu entnehmen sind. — Preisbewerbungen. Der Wettbewerb der Vereinigung Berliner Architekten betr. die Aufteilung von Baublocks in Neu-Westend bei Charlottenburg betrifft einen Block zwischen Sophie-Char¬ lottenstrasse und Ringbahn, sowie je einen Block an der Ahorn- und an der Linden-Allee. Bei 2 Blocks handelt es sich um grosstädtische Bebauung mit Häusern mit Vorderwohnungen von 4 — 8, und Gartenwohnungen von 3 Zimmern, an den Nebenstrassen mit Häusern mit Vorder¬ wohnungen von 3—5 Zimmern. Bei einem Block ist landhausmässige Bebauung vorgeschrieben; die Gebäude sollen auch hier Wohnungen von 4—8 Zimmern er¬ halten. Die einzelnen Parzellen sind unter Berücksich¬ tigung der baupolizeilichen Vorschriften soweit auszu¬ nutzen, als diese es gestatten. Es ist für jede Parzelle der Grundriss des I. Obergeschosses zu entwerfen. Haben mehrere Parzellen unter sich genau gleiche Abmessungen, so genügt für diese ein einziger Grundriss. Die Auftei¬ lungs-Skizzen sind 1 : 500, die Grundrisse 1 : 200 zu liefern. Eine andere Art der Verteilung der S. 556 genannten Preis¬ summen kann nur auf einstimmigen Beschluss der Preis¬ richter stattfinden. Die Entwürfe sind bis zum 2. Januar 1904 an die „Deutsche Bank“ in Berlin einzuliefern. — Ein Ideenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Kunstbrunnen in Nürnberg gelangt mit Preisen von 900, 600 und 300 M. und mit Frist zum 31. März 1904 zur Ausschreibung. Die Mittel zu dem Brunnen werden einer Stiftung der Frau Kom.-Rat Bach in Nürnberg verdankt. — In dem Wettbewerb des Berliner Archltekten-Vereins betr. Parzellierung undBebauung eines Baublockes ln Schöne¬ berg liefen 7 Entwürfe ein. Den I. Preis von 600 M. erhielt Hr. Georg Roensch in Charlottenburg, den II. Preis von 400 M. Hr. H. A. Krause in Berlin. — Chronik. Volme -Talsperren. Von der Volme-Talsperren - Genossen¬ schaft werden zwecks Regulierung des Volmewassers zwei Tal¬ sperren im Glör- und im Jubachtal gebaut. Die Glörtalsperre soll im Sommer n. J. dem Betriebe übergeben werden. Die Sperr¬ mauer, zu welcher 33 000 cbm Mauerwerk erforderlich sind, ist be¬ reits über die Hälfte aufgeführt. Die Glörtalsperre, an welcher 30 Werke beteiligt sind, wird 2 Mill. cbm Wasser fassen; die Ge¬ samtkosten sind auf 780000 M. veranschlagt, sodass 1 cbm Wasser auf 39 Pf. zu stehen kommt Die Jubachtalsperre, an der 46 Werke beteiligt sind, wird im nächsten Frühjahr in Angriff genommen; diese Sperre erhält einen Inhalt von 1 Mill. cbm, die Gesamtkosten sind auf 630000 M. veranschlagt. Hier stellt sich 1 cbm Wasser auf 63 Pf. Die Volme -Talsperren - Genossenschaft erhält von dem Ruhrtalsperren -Verein eine jährliche Subvention von 32 000 M. als Beitrag zu den Unterhaltungskosten der beiden Sperren. — Das neue elektrotechnische Institut in Wien, in der Gusshausgasse auf der Wieden gelegen, wird Ende November seiner Bestimmung übergeben. Das erste Geschoss dient Ver¬ waltungszwecken und den praktischen Uebungen der Hörer mit leichten Apparaten. Im zweiten Geschoss befinden sich 3 Hörsäle mit Nebenräumen, deren grösster in amphitheatralischer Anordnung für 400 Sitze eingerichtet ist. Die grossen Arbeitsmaschinen befinden sich im Untergeschoss. Der Strom wird von den städt. Elektrizitätswerken geliefert. Das Gebäude wurde nach den Ent¬ würfen des Ob.-Brt. Prof. v. Hochenegg errichtet. — Das Zentraltheater in Chemnitz, in der Zwickauerstrasse, ist ein Werk der Architekten Lossow & Viehweger in Dres¬ den. Das breit gelagerte Haus, welches sich aus dem mittleren 568 Theater und zwei seitlichen Wohn- und Geschäftshäusern zusammen¬ setzt, ist als Putzbau errichtet und zeigt eine Mischung von barocken Elementen und von Formen des Empire. Die Gruppe bedeckt 2600 qm bebauter Fläche. Der Theaterraum hat 2 Ränge und fasst insgesamt etwa 1800 Besucher. — Eine Talsperre im Eddergebiet soll mit einem Kostenauf- wande von etwa 10 Mill. M. angelegt werden. Die Talsperre würde bei Schloss Waldeck liegen und in 2 übereinander liegen¬ den Becken 72 Mill. cbm Wasser fassen. Die Talsperre soll dazu bestimmt sein, den Wasserstand in den Flussgebieten der Fulda und der Weser zu regulieren und den Schiffahrtsinteressen von Münden bis Hameln zu dienen. — Die Enthüllung des Ketteler-Denkmales in Münster hat am 25 Okt. stattgefunden. Das Denkmal stellt einen Obelisken, bekrönt mit einer allegorischen Figur, dar und ist ein Werk des Bildhauers Hi d ding in Berlin. — Ein Neubau für das Warenhaus Tletz in München soll nach den Plänen der Firma Heilmann & Littmann in München errichtet werden. Für das Warenhaus ist das Gelände zwischen Bahnhofplatz, Luitpold- und Prielmayerstrasse bestimmt. — Ein Neubau des Warenhauses Emden & Söhne ln München wird durch die Firma Heilmann & Littmann in München er¬ richtet. Für das Haus ist ein Gelände an der Neuhauser Strasse bestimmt. — Die Erbauung eines neuen Rathauses in Freising wurde von den städtischen Kollegien beschlossen und hierzu eine Summe bis zu 200 000 M. bewilligt. Das neue Haus soll anstelle des alten am Marienplatze errichtet werden. — Für die Anlage eines neuen Seewasserwerkes ln Konstanz sind die Kosten auf 650 000 M. veranschlagt und genehmigt worden. — Gedächtniskirche ln Magenta. Kürzlich wurde in Magenta eine Kirche zum Andenken an die im Jahre 1859 Gefallenen ge¬ weiht. Die Kirche ist aus italienischen , französischen und öster¬ reichischen Beiträgen erbaut. — Das neue städtische Elektrizitätswerk von Innsbruck wurde Ende Oktober eröffnet. Für das Werk, welches in der Sillschlucht liegt, sind die Wasserkräfte der Sill nutzbar gemacht. Das Werk ergibt eine Leistungsfähigkeit von 83000 P. S. — Ein Umbau des Hoftheaters ln Darmstadt ist in Aussicht genommen und wird demnächst die zweite hessische Kammer beschäftigen. — Der Neubau der Oranlenbrücke in Berlin erfolgt für den architektonischen Teil nach dem Entwurf des Hrn. Prof. Bruno Schmitz in Berlin. Der Bau der Brücke ist mit 480000 M. ver¬ anschlagt. Im Zusammenhang mit der Brücke soll auch der Oranienplatz eine architektonische Ausgestaltung erhalten. — Ein Neubau der Inselbrücke in Berlin ist nach dem Ent¬ würfe der Architekten Cremer &Wolffenstein mit einem Auf- wande von 700000 M. beschlossen worden. — Neue katholische Kirche in Ratibor-Hammer. Am n. Okt. wurde die neue kath. Kirche in Ratibor-Hammer O.-Schl. (Arch.: L. Schneider in Oppeln) eingeweiht. Dieselbe ist eine in romani¬ schen Backsteinformen erbaute dreischiffige Hallenkirche mit rd. 680 qm bebauter Grundfläche. Die Baukosten betragen rd. 100000 M. mit innerer Einrichtung. — Ein Verein „Ausstellungspark“ in München. Am 29. Okt. ist in München ein Verein „Ausstellungspark“ begründet worden, welcher die Errichtung von Ausstellungsbauten mit Parkanlagen auf der Theresienhöhe zum Ziele hat. — Das neue Gebäude des Polizei-Präsidiums ln Hannover ist am 29. Oktober seiner Bestimmung übergeben worden. Das Gebäude ist nach den Entwürfen des Geh. Ob -Brts. Kieschke im Stile der Frührenaissance entworfen. Kostenaufwand 400000 M., der schlechte Baugrund bedingte eine ausgedehnte Pfahlrostgründung. — Katholische Kirchen ln M.-Gladbach. In M.-GIadbach sind zwei von Hrn. Prof. Kleesattel aus Düsseldorf erbaute katholische Kirchen eingeweiht worden und zwar die in spätgotischen Formen gehaltene basilikale Herz-Jesukirche im Stadtteil Pesch und die als Hallenkirche, ebenfalls in spätgotischen Formen, aus¬ gebildete St. Michaelskirche in Holt. Die erste Kirche kann 2500, letztere 2000 Kirchenbesucher aufnehmen. — Brief- und Fragekasten. Anfragen an den Leserkreis. Welches Werk behandelt ausführlich die Anlage von Blitz¬ ableitern nach den neuesten Grundsätzen und Erfahrungen der Elektrotechnik? _ C. W. in J. Inhalt : Der Herkules-Brunnen auf dem Lützow-Platze in Berlin (Schluss). _ Die Versuchsfahrten der Studien-Gesellschaft für elektrische Schnell¬ bahnen in Berlin. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. — Brief- und Fragekasten. _ _ _ Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 88. er * o * K O O H > K er u. w er . JAHRGANG 1903 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2- 89. * DEN 7. NOV. 1903. H« «SSSSSSRSSSSSR Der Vorbau vor der Goldenen Pforte zu Freiberg in Sachsen. Architekten: Schilling & Gräbner in Dresden. (Hierzu eine Bildbeilage sowie die Abbildungen auf Seite 572 und 573.) an betrachtet bekanntlich die Goldene Pforte zu Freiberg i. S. als den Rest eines roma¬ nischen Domes, den ein Brand im Jahre 1471 zerstörte. Bei ihrer Wiederherstellung zu An¬ fang der 1890 er Jahre (vergl. Dtsche. Bauzeitung 1894,1^0.27, S. 167 ff ) hat man hinter der Goldenen Pforte die Reste eines zweiten Tores gefunden, dessen Säulenbasen mit Eckblättern versehen, also wohl jünger wa¬ ren, als die Goldene Pforte selbst. Dies und andere Um¬ stände legen die Vermutung nahe, dass die Pforte an das südliche Querschiff, wo sie sich jetzt befindet, erst beim Neu¬ bau von 1480 versetzt worden ist, nachdem sie früher dieWest- front der Kirche geschmückt hatte. Hierbei wurde sie um etwa 36er11 höher gerückt, als sie dort gestanden hatte, so dass die noch heute erkennbaren zwei Stufen, die ursprünglich zur Höhe des Kirchenfuss- bodens führten, herausgeschlagen werden mussten. Die Verbindung der Pforte mit dem spätgotischen Bau ist wenig organisch. Die Pforte wurde früher verdeckt durch den seit etwa 1509 sich hier anlehnen¬ den Kreuzgang, der sie mit seinem erweiterten Ende um¬ fasste. Die Zerstörungen an der Pforte, die zur Wieder¬ herstellung von 1891 führten, schrieb man der dumpfen Luft in dieser Vorhalle zu, so dass der Kreuzgang teil¬ weise abgebrochen und die Pforte freigelegt wurde. Bei dieser Wiederherstellung wendete man dort, wo Teile anmodelliert werden mussten, die damals vielgerühmte Gersheimer Kittmasse an, die man mit Steinstaub aus Grillenburger Sandstein, dem Material der Pforte, mischte. Dieser Kitt hat sich nicht bewährt: Die an¬ gefügten Stücke erscheinen jetzt als gelbliche leblose Masse von geringer Haltbarkeit. Die rasch fortschreitende Zerstörung der Pforte wurde nun von seiten der Fachleute der Einwirkung schwefliger Dämpfe in der Luft der Industriestadt Frei¬ berg zugeschrieben und daher ein neuerVorbau vor die Pforte angeregt. Die kgl. sächsische Regierung Hess nun von einer Reihe von Architekten Pläne schaffen, bei denen die Aufgabe so gestellt war, dass der Anbau die Pforte völlig abschliessen, den Anblick derselben aber nicht beeinträchtigen, also vor allem Licht genügend zulassen sollte; dass er luftig und keinesfalls dumpfig sei; dass er zwar dem Dom selbst angemessen sei, nicht aber den Eindruck eines eigentlich kirchlichen Gebäudes, etwa einer Kapelle mache, sondern eben als das erkennbar werde, was er sei: Ein Schutz¬ haus vor der Pforte. Die Stände hatten zu einem solchen „stilgerechten“ Bau die Mittel bewilligt. Die Versuche, die zunächst gemacht wurden, führ¬ ten zur Aufnahme erst des romanischen, dann des spätgotischen Stiles. Aber es wurde auf diesem Wege etwas Erspriessliches nicht gefunden. Es hätte nun noch die Spätrenaissance gewählt werden können, da der italienische Architekt Juan Maria Nosseni seit 1580 den Chor des Domes in diesem Stil umgestaltete, indem er beispielsweise die Strebepfeiler zu jonischen Pilastern ausbildete. Mehr und mehr kam man aber zu der Erkenntnis, dass man, um wirklich stilgerecht zu 569 werden, allen vorhandenen Stilen zugleich gerecht werden müsse, in dem man dafür sorge, alle Teile des Baues in ihrer Art vor Beeinträchtigung zu bewahren und den Anbau als ein Werk des 20. Jahrhunderts und nicht als ein organisch zum alten Bau gehöriges Glied zu charakterisieren. „Das Neue soll stilistisch den alten Stilen gerecht werden“, sagte ein Gutachten der kgl. Kommission zur Erhaltung der Kunstdenk¬ mäler; „das heisst nicht, dass es sich ihnen unterordnen, nicht, dass es sie meistern solle; sondern es solle in gerechter Würdigung des eigenen Daseins sich dem Alten beigesellen“. In diesem Angliedern liege die zu oft durch den Purismus der Stilechtheit verdunkelte Stilgerechtigkeit. Diese Ansichten kamen zu allgemeiner Aner¬ kennung, seit die Architekten Schilling & Gräbner in Dresden zurPlanung herangezogen wurden. Der jetzt fertig gestellte Umbau ist zwar das Ergebnis vielfacher Planungen und Beratungen, wie die diesem Aufsatze beigegebenen Studien zeigen, wurde aber schliesslich von der oben genannten Kommission und den zu dieser herangezogenen Fachleuten am 3. Mai 1902 gegen eine Stimme zur Ausführung empfohlen. Am 7. Mai 1903 wurde die Pforte durch den Vor¬ sitzenden der Kommission, Geh. Regierungsrat Dr. Gent he, in Anwesenheit des Königs Georg der Kirchen¬ gemeinde übergeben, nachdem sie einen Aufwand von rd. 55000 M. erfordert hatte. Die Bildhauerarbeiten fertigte Prof. Karl Gross in Dresden. Die Aufgabe für den Architekten war ungewöhn¬ lich schwierig. Der Platz ist eng, die unbedingt ge¬ forderte gute Belichtung der Pforte zwang zu sehr grossen Abmessungen ; das Gewinkel von Brunnen und Toren vor der Pforte ist so malerisch, dass es schade gewesen wäre, hier hart einzugreifen. Da¬ gegen vertrug die nüchterne Südfront des spätgoti¬ schen Langhauses sehr wohl eine kräftige Belebung. Der Bau musste gross werden, sollte aber doch den Heran¬ tretenden nur auf das zu schützende Kunstwerk vor¬ bereiten. Die Architekten wählten Bauformen, die an alle älteren Stile Anklänge zeigen, doch völlig modern und selbständig sind. Sie gestalteten den Bau bei aller Einfachheit monumental, setzten ihn aber an die Kirche an, ohne diese auch nur im ge¬ ringsten umzugestalten, sodass der Vorbau als solcher sofort auch vom Laien erkannt und empfunden wird; sie schufen ein bescheidenes Eingangstor, sodass der Eintretende von der Pforte den Eindruck der Grösse erhält, und schufen doch durch die absichtlich nicht als Kirchenfenster charakterisierten Oeffnungen ein so helles Licht, dass die Pforte auch an trüben Tagen sehr gut betrachtet werden kann. Des Werkes im hohen Grade künstlerische Wirkung wird durch die Photographie nur teilweise wiedergegeben. Es liefert den Beweis, dass es sehr wohl möglich ist, an alte Bauten in eigenem Stile Anbauten zu schaffen, wie es die Alten taten, ohne die künstlerische Einheit zu beeinträchtigen; denn diese ist nicht dasselbe wie die stilistische Einheit. — Cornelius Gurlitt. Der Wettbewerb zur Erlangung von Vorentwürfen für den Bau einer Handels- Hochschule zu Köln. ie am 1. Mai 1901 eröffnete Handels-Hoch¬ schule der Stadt Köln, im Wesendichen eine Stiftung ihres verstorbenen Ehrenbürgers Gustav von Mevissen, fand ein vorläufiges Unterkommen in dem derzeit gerade fertig¬ gestellten umfangreichen Gebäude der Handelsschule. Bei einem Lehrkörper von 41 Personen, 150 Studierenden und 625 Hörern aus allen Kreisen der Gesellschaft erwies sich schon im ersten Semester Zahl und Grösse der Hörsäle als kaum ausreichend. Eines unerwarteten Zuzuges erfreute sich die junge Anstalt auch im zweiten Semester, in welchem die Besuchsziffer bereits das Doppelte der früheren erreichte. In der Erwartung einer weiteren Zunahme beieiner Studienzeit von 4 Semestern, welche gegebenen Falles noch um ein fünftes ausge¬ dehnt werden soll, sowie der Absicht der Erweiterung der Handels-Hochschule einerseits zu einer Verwaltungs- Akademie, anderseits zu einer Akademie für neuere Sprachen, musste die städtische Verwaltung die Er¬ richtung eines besonderen, allen Anforderungen in weitgehendstem Masse entsprechenden Gebäudes ernst¬ lich ins Auge fassen, umsomehr, als die mittlerweile zur Vollanstalt heranreifende Handelsschule die ur¬ sprünglich für sie bestimmten Räume auf die Dauer nicht entbehren kann. Das jetzt von der Handels-Hochschule benutzte Gebäude besitzt eine vorzügliche Lage zur Altstadt- Mitte, zudem Hauptbahnhofe, sowie inbezug aufFahr- No. 89. 57o 57* 7. November 1903. s Verbindungen und erwünscht wäre es gewesen, im nörd¬ lichen oder mittleren Teil der Neustadt ein passendes Gelände für den Neubau erwerben zu können. Bei der völligen Aussichtslosigkeit aber, ein solches Gelände eingenommen wird. Gärtnerisch entsprechend umgestaltet, sollte die¬ ser den stimmungsvollen Vorplatz zu den Baulichkeiten der Handels-Hochschule bilden, wie auch eine Stätte der Erholung für ihre Besucher sein. (Lageplan S. 574 ) zu erlangen, musste man das Augenmerk auf den noch wenig bebauten Süden der Neustadt richten, wo bereits die grossen Baulichkeiten der Maschinenschule im Ent¬ stehen begriffen sind und an¬ dere monumentale Schöpfun¬ gen bald folgen werden. Als Baustelle wurde ein in der Nähe des Rheines gele¬ genes, hervorragend schönes Gelände aus¬ gewählt, wel¬ ches östlich an das 35 m breite Agrippina-Ufer stösst, südlich vom Oberlän- derWall, nörd¬ lich von der Maternus - Str , westlich von der Claudius¬ strassebegrenzt ist, deren eine Seite vollstän¬ dig durch den Römer - Park No. 89. 572 7- November 1903 573 Sorgfältige Ermittelungen ergaben, unter Annahme eines Besuches von 400 immatrikulierten Studierenden, die Befriedigung des Raumbedürfnisses bei folgenden Anforderungen: Aula mit 500 Sitzplätzen, je ein Hör¬ saal für 250 und 150, 2 Hörsäle für je 100, 3 für je 40 — 50 Personen, ein Musterkontor, je ein Seminar für romanische Sprachen und Englisch, ein volkswirt¬ schaftlich-juristisches und ein geographisches Seminar, je ein mit Hörsaal, Laboratorien und Sammlungs- Räumen ausgestattetes chemisches und physikalisches Institut, Bibliothek mit Lesezimmern für Studierende und Lehrer, ein Handelsmuseum, Turnhalle, Ver- waltungs- und Wohnräume, sowie in der Umgebung des Hauses Lawn Tennis-Plätze. Die Stadt Köln steht im Begriff, mit der Errichtung eines Heimes für die Handels-Hochschule die grösste bauliche Anlage für wissenschaftliche Zwecke in ihren Mauern zu schaffen, der ein durchaus eigenartiges Programm zugrunde liegt, dessen Verwirklichung in praktischer Hinsicht mit nicht zu verkennenden Schwie¬ rigkeiten verknüpft ist, in künstlerischer Beziehung hohe Anforderungen stellt, zumal bei den grossen Opfern, welche das Gemeinwesen jetzt zu tragen hat, nur eine mässigeBausumme zurVerfügung stehen kann. Inanbe¬ tracht dieser Umstände hatte die Vertre¬ tung der Stadt den Beschluss gefasst, im Wege eines öffentlichen, auf die Architek¬ ten Deutschlands ausgedehnten Wettbe¬ werbes vorerstEntwurfs-Skizzen zu erlan¬ gen, deren beste dann für die Weiterbe¬ arbeitung des Entwurfes grundlegend sein sollte, hatte an Preisen (3) imganzen 19000 M. ausgesetzt und zu Preisrichtern die Hrn. Geh. Ob.-Brt. Prof. Hof mann in Darmstadt, Prof. Hocheder in Mün¬ chen, Stadtbrt., Kgl. Brt. Hoffmann in Berlin, sowie aus Köln Geh. Brt. S t ü b b e n, Stadtbrt. Kgl. Brt. Heim ann, Beigeordn. Jesse und Studiendirektor Professor Dr. Schumacher gewählt. Der Erfolg des Wettbewerbes ist ein überraschender gewesen: 67 Bewerber legten in 574 Blatt Zeichnungen ihre künstlerischen Anschauungen nieder, und unter ihnen ist es nur etwa der fünfte Teil, welcher wegen offenbarer Fehler und Schwächen in der Grund¬ risslösung, unkünstlerischer Gestaltung des Aufbaues, stümperhafter oder einer an die Karrikatur grenzenden Darstel¬ lungsweise ohne weiteres der Beachtung unwert er¬ scheint. Alle übrigen Arbeiten aber zeigen eine seltene Aufwendung emsigen Fleisses, um die weit¬ gehenden Forderungen des Programmes in der Gesamt¬ anlage und der Raumverteilung zu erfüllen, sowie das Bestreben, den Baulichkeiten in der architektonischen Ausbildung des Aeusseren und des Inneren ein durch¬ aus eigenartiges monumentales Gepräge zu verleihen, bei freier Wahl des Stiles. Als letzteren zeigt die Mehrzahl der Entwürfe entweder Barock oder die neuere Richtung, Renaissance ist nur weniger ver¬ treten, die mittelalterliche Formensprache reden nur vereinzelte Entwürfe. So der Entwurf „Rhein“, dessen romanische Aussenarchitektur zwar befriedigt, dessen Innerem aber wesentliche Mängel der Ausbildung und Konstruktion anhaften; weiterhin der sehr originelle spätgotische Entwurf „An Zinter Vring“, auf welchen die für jene Zeit charakteristische Architektur an öffentlichen Gebäuden und Patrizierhäusern mit ihren Türmen, wie sie sich heute noch in Köln vereinzelt finden, unverkennbaren Einfluss ausgeübt hat. Der im Auf¬ bau sehr geschickt und malerisch gestalteten Haupt¬ front nach dem Römerpark hin sind zwei Erholungs¬ höfe vorgelegt, deren Abschluss strassenwärts Kreuz¬ gänge bilden; ihre nur durch kleine Fenster und etliche Giebel unterbrochenen Mauerflächen erinnern an Klosteranlagen, wozu noch die mehr als schlichte Behandlung derselben beiträgt. Eine verwandte Lösung zeigt der Entwurf,, Anders“, welcher indessen eine einfache Barockarchitektur zur Schau trägt, im Inneren bei aller Uebersichtlichkeit eine genügende Belichtung der mittleren Haupträume vermissen lässt und eine für den Verkehr unpraktische Treppenanlage besitzt. In der wirkungsvollsten Ein¬ fachheit der Aussenflächen- Behandlung tut sich die Arbeit „Vivat, floreat, crescat!“ hervor. Ihr Ver¬ fasser, der die Formen voll beherrscht, verzichtet nach Möglichkeit auf Gliederungen und bildet die Fronten Lageplan. lediglich aus unbehauenen Quadern, mit Bruchsteinen untermischt. Eine kraftvolle Architektur tritt aus dem Entwurf „Merkur“ (V) hervor, welche um zwei Innenhöfe im Erdgeschoss die beiden naturwissenschaftlichen Institute, Turnhalle und Verwaltungsräume, im ersten Stockwerk Bibliothek und Hörsäle, im zweiten Semi- narien und Aula praktisch hell belichtet anordnet und die neben der grossen Mittelhalle befindliche Treppe konstruktiv bedenklich in ein Paar Türme verlegt. Diese, in mässiger Höhe gehalten, vereinigen sich mit hochragenden Giebelbauten und der offenen Halle an einem der Höfe — ein Teil der späteren Erwei¬ terung — zu einer anmutigen Gruppe. (Schluss folgt.) Die Wolf’sche Bauweise zur Regulierung geschiebeführender Flüsse. Von Bauamtmann Faber in Nürnberg. g,TrT—iry] ie Bauweise zur Regulierung geschiebeführender ' Flüsse, wie sie Baurat Wolf an der Isar ausge- L~:-- 1 bildet hat, führte bei manchen Versuchen an an¬ deren Flüssen zu Misserfolgen, die vielfach Anlass zu einer falschen Beurteilung der Bauweise gegeben haben. Diese Tatsache lag meiner im Jahre 1895 in der „Deutschen Bau- zeitung“ unter vorstehender Aufschrift geschehenen Ver¬ öffentlichung zu Grunde. Ich versuchte, die Misserfolge aus der besonderen Wirkungsweise der Wolt’schen Bauten zu erklären und kam dabei zu folgenden Vorschlägen (S. 204 und S. 210 des Jahrganges 1895) : „Die Wirkung der Wolf'schen Bauten ist eine mit der Wasserführung wechselnde. Je mässiger die Schwankun¬ gen sind, je häufiger ein Wechsel in der Wasserführung ein- tritt, der die Aenderungen in den Flussverhältnissen zeitig erkennen lässt (wie dies an der Isar der Fall ist), desto sicherer ist mit Gehängen zu operieren; je schneller die Ansteigungen vor sich gehen, je länger höhere Wasser¬ stände andauern, desto schwieriger ist der Erfolg zu be¬ stimmen, desto grössere Gefahren ergeben sich für den Bestand der Bauten . Soll die Wolf’sche Bauweise zur Regulierung geschiebeführender Flüsse, welche andere No. 89. 574 Eigenschaften als die Isar aufweisen, verwendet werden, dann ist das Gleiche zu tun, was an diesem Flusse ge¬ schehen ist. Die an der Sohle offenen Bauten müssen in ihrer Konstruktion und in ihrer Ver¬ wendung den Eigenschaften des Flusses ange¬ passt, alles auf einen anderen Leib zugeschnitten wer¬ den. Findet eine mässige Geschiebe -Bewegung statt, kann sonach nur auf eine langsame Auflandung mit Ge¬ schieben gerechnet werden, führt überdies das Gewässer viel Sand und Schlick und ist also ein schnelles Einsanden der Gehänge zu befürchten, dann muss der Bau derart ausgeführt werden, dass eine Aenderung seiner Wirkungs¬ weise auch bei längerem Bestände nicht eintreten kann. Zeigt die Wasserführung stärkere Schwankungen, dauern höhere Wasserstände längere Zeit an, wie in den aus den Hochgebirgen kommenden, während der Sommermonate von ausgedehnten Schnee- und Eisfeldern gespeisten Ge¬ wässern, dann sind die Bauten so herzustellen, dass sie den veränderten Zufluss-Verhältnissen entsprechend ein¬ gerichtet werden können. Da nun der Zweck der Bau¬ anlage sich nur dann erreichen lässt, wenn der Aufstau — abhängig von der Lage des Baues zur Flussrichtung, von der Wassermenge, sowie von der durch die einzelnen Bauteile veranlassten Profilverengungen — innerhalb be¬ stimmter Grenzen gehalten wird, so geht die Forderung dahin, den Stau dem Wechsel der Wasserführung ent¬ sprechend einzurichten, also eine bewegliche Anlage zu schaffen. Hält man sich an die Konstruktion, die Wolf seinen Bauten gegeben hat, dann könnte in diesem Falle zwar nicht die Stellung der Bauten zur Flussrichtung, wohl aber könnten die Faschinentafeln in ihrer Höhenlage geändert werden, was an der Isar auch in einzelnen Fällen geschieht. Im allgemeinen ist jedoch ein Heben oder Senken dieser Tafeln mit umso grösseren Schwierigkeiten verknüpft, je länger sie im Wasser gelegen. Jedenfalls sind Faschinentafeln dort ungeeignet, wo ein häufigeres Manövrieren erforderlich ist.“ Im Anschluss an die Wolf’sche Konstruktion schlug ich damals vor, Versuche mit senkrecht stehenden, an den eingerammten Pfählen aufgehängten und verschiebbar eingerichteten Holztafeln anzustellen. Eine derartige Vor¬ richtung dürfte in vielen Fällen entsprechen und ist, wie ein von mir im Inn bei Kraiburg vorgenommener Ver¬ such bestätigt, leicht ausführbar. In der genannten Veröffentlichung schrieb ich weiter¬ hin wörtlich: „Erweisen die Verhältnisse an einem Flusse auch die Erfüllung der anderen Forderung als notwendig, nämlich die Stellung des Baues zur Flussrichtung zu ändern, dann könnte eine schwimmende, vor Anker liegend'e, mitbezug auf ihre Tiefenlage ver¬ stellbar eingerichtete Stauvorrichtung dienen. In dieser Form wäre dem Bau Wolf’scher Methode seine grösste Vollkommenheit zu geben und ich weise auch besonders deswegen darauf hin, weil eine solche Stauvorrichtung die Wirksamkeit der Wolf’schen Bauweise am deutlichsten er- ken nen liesse“. Nach diesen im Jahre 1895 gemachten Vorschlägen entnehme ich daher mit besonderem Interesse einer Mit¬ teilung des k. k. Obering Krischan aus Graz in No. 29 der Zeitschrift des Oesterr. Ing.- und Arch. -Vereines vom 17. Juli 1903 S. 396 und 397, dass nunmehr ein „aus schwimmenden Baukörpern bestehender Einbau für ge¬ schiebeführende Wasserläufe“ in Deutschland, Oesterreich und Ungarn patentiert worden ist. fD. R.-P. No. 140674, Oesterr. Pat. No. 10278, Ungar. Pat. No. 24885). „Die Schwimmkörper bestehen aus schwimmendem Material, wie Hölzern, Bretter, Stangen, Gitterwerk, Faschinen, Reisig, Strohbündeln u. dergl.“ In der Patentschrift No. 140674 vom 10. Nov. 1901 für das deutsche Reich mit der Ueberschrift: „Einbau für geschiebeführende Wasserläufe aus vor Anker liegenden, schwimmenden und in ihrer Tiefenlage verstellbaren Bau¬ körpern“ finden sich nun folgende Sätze: „Um diesen Uebelständen zu begegnen (die z. T. hier schon genannt sind), sind bereits Vorschläge für schwimmende, vor Anker liegende Stromeinbauten mit inbezug auf ihre Tiefenlage verstellbar eingerichteten Baukörpern in der einschlägigen Literatur gemacht worden, indessen ohne nähere Angabe der hierfür zu verwendenden Einrichtungen. Den Gegen¬ stand der vorliegenden Erfindung bildet eine solche Ein¬ richtung, die überdies in der Verstellbarkeit der Schwimm¬ körper noch insofern weitergeht, als sie auch die Lage der Schwimmkörper im Flusse bezüglich des Ortes selbst, der Winkelstellung zur Strömung des Flusses und der Schwimmhöhe über dem Flussgrund jederzeit veränder¬ bar vorsieht“. Vergleicht man mit diesen beiden Sätzen das aus dem Aufsatz der „Deutschen Bauzeitung“ vom Jahre 1895 hier Mitgeteilte, dann wird man wohl sagen können, dass die Folgerung in dem zweiten, aus der Patentschrift ange¬ führten Satze nicht zutreffend ist. Die Verstellbar¬ keit derBaukörper kann überhaupt nichtgrösser gedacht werden, als dies in dem Aufsatz der „Deutschen Bauzeitung" geschehen ist und geht auch als eine Notwendigkeit aus der ganzen Betrachtung über die Wolf’sche Bauweise hervor. In dieser Hinsicht bietet also das Patent nichts Neues. Schon Ende der 90 er Jahre wurden in süddeutschen Flüssen Versuche mit schwimmenden, durch eine Ver¬ ankerung gegen Abtrieb gesicherten Baukörpern angestellt. Die Baukörper, wagrecht liegende Tafeln, waren ähnlich wie die Gehängetafeln der Wolf’schen Bauten aus Stan¬ gen und Faschinat gebildet und waren mit Drähten an Betonsteinen angehängt. Diese Steine waren auf die Flussohle derart versenkt, dass sie zugleich als Schutz für den zukünftigen Uferbau dienen konnten. Die Schwimm¬ fähigkeit der Baukörper erwies sich jedoch von zu kurzer Dauer und, soviel bekannt, wurden die Versuche bald wieder eingestellt. Ein allen Anforderungen hinsichtlich seiner Beweg¬ lichkeit entsprechender Baukörper Wolf’scher Methode wäre am idealsten durch schwimmende, vor Anker lie¬ gende, aus Eisenblech konstruierte Kästen, die mit einem doppelten Boden und einer Luftpumpe ausgerüstet sind, und die durch Einlassen oder Austreiben von Wasser gesenkt oder gehoben werden können, herzustellen. Bei ausgedehnteren Regulierungsarbeiten, die in Flüssen mit leicht beweglicher Sohle im Interesse der Schiffahrt mehr und mehr vorgenommen werden, wäre vielfach Gelegen¬ heit gegeben, Versuche in der angedeuteten Richtung anzustellen. Durch eine planmässige Umlagerung der Ge¬ schiebe im Flussbett mit Hilfe schwimmender Baukörper könnte die Anwendung eines Baggers vielfach erspart, die Ausführung der Bauten wesentlich erleichtert und so¬ mit könnten auch die Anschaffungskosten für kompliziertere, jedoch häufig zu verwendende Apparate weitaus gedeckt werden. — Vermischtes. Die Verbindung von Venedig mit dem Festlande hat seit einiger Zeit einen heftigen Streit in der Lagunenstadt hervorgerufen. Nach dem „N. Wien.Tagbl.“ besitzt Venedig 493 Brücken und seit 3 Jahren hegt der Magistrat die Absicht, durch eine Brücke von Venedig zum Festlande nach Mestre diese Zahl auf 494 zu erhöhen. Die Brücke sollte neben der bestehenden Eisenbahnbrücke herlaufen, es ist aber gegen sie eine sehr lebhafte Bewegung ent¬ standen, die über Venedigs Mauern hinaus Bedeutung hat. Wohl nicht ganz mit Unrecht verspricht man sich von der Brücke nicht nur keinen wirtschaftlichen Gewinn, sondern befürchtet eine schwere künstlerische Schädigung des Stadtbildes von Venedig. Wäre es möglich, nach Venedig mit Fahrzeugen zu gelangen, die von Tieren gezogen werden, so wäre der Bau von Strassen für den Fuhrwerksverkehr sowie von Ställen die nächste Folge, eine Zerstörung des Stadtbildes die zweitnächste. Man glaubt die 4 Mill. L. besser zur Wiederherstellung alter Baudenkmäler verwenden zu können und schlägt vor, die bestehende Eisenbahnbrücke soweit zu verbreitern, dass die Verbreiterung für den Fussgängerverkehr einge¬ richtet werden kann. — 7. November 1903. Die Kosten des Slmplontunnels werden durch den vor kurzem durch den Schweizerischen Bundesrat genehmigten Zusatzvertrag zwischen der Bauunternehmung und der Jura Simplon-Bahngesellschaft um rd. 8,5 Mill. Fr., d. h. von 69,5 auf 78 Mill. Fr. erhöht. — Spülabort-Gruben mit Ueberlauf und beständiger Klärung und Desinfektion nach System Brix. Um auf die Annehm¬ lichkeit der Aufstellung von Spülaborten nicht zu verzich¬ ten, erfolgt solche vielfach auch in Orten, die ohne Kana¬ lisations-Einrichtung sind. Wenn nötig, werden dann sogen, nasse Gruben angelegt, die sich in der Regel als ein schwerer Uebelstand erweisen. Entweder erfordert die ordnungs- mässige Haltung und Entleerung solcher Gruben ganz un¬ verhältnismässige Kosten, oder aber es findet eine allen gesundheitspolizeilichen Vorschriften widersprechende Be¬ nutzung derselben statt. Beseitigung, bezw. Verminderung dieser Misstände soll eine Gruben- Einrichtung nach System Brix schaffen, von welcher in der beigegebenen Figur die vollkommenste Einrichtung dargestellt ist. Der Grundgedanke derselben geht dahin, in einer Vorkammer mit oder ohne Zusatz von Chemikalien eine Befreiung des Inhaltes von den gröbe¬ ren Sinkstoffen zu bewirken, die weitergehende Klä- 575 rung alsdann in einer zweiten Kammer vorzunehmen und schliesslich da, wo es notwendig ist, die Desinfektion der Flüssigkeit folgen zu lassen. Die Herstellung der Grube kann selbstverständlich anstatt in Mauerwerk auch in Form¬ stücken aus Beton erfolgen, und ebenso lassen sich alte bestehende Gruben, wenn sie von guter baulicher Be¬ schaffenheit sind, nach dem System Brix umbauen. Die besonderen Einrichtungen des Systems gehen aus der Abbildung hervor. Hinzuzufügen wäre etwa nur noch, dass als Fäll- und Desodorationsmittel ein Gemisch von schwefelsauren Salzen, Clarqualin genannt, und als Desinfektionsmittel ein Saprolpräparat, Saprolin genannt, verwendet wird. Von ersterem sollen für den Kopf und Tag 5 g, von letzterem 2,5 g notwendig sein. Beide Mittel werden von der Allgemeinen Städtereinigungs- Gesellschaft m. b. H. in Wiesbaden abgegeben, welcher auch das Gruben¬ system durch D. R.-G.-M. geschützt ist. Es ist kein Zweifel, dass das Grubensystem Brix eine wesentliche Verbesserung gegen die vielfach be¬ stehenden unvollkommenen Einrichtungen schafft. Wie für Alles von dem betr. Gebiet so wird aber auch hierbei erst die Erfahrung das entscheidende Wort sprechen. Namentlich gilt dies mit Bezug auf die Wirkung des Klärsalzes und des Desinfektionsmittels. — Doktor-Promotionen an Technischen Hochschulen. Als Ergänzung zu unseren Mitteilungen in No. 70 der Dtschn. Bauztg. erhalten wir von der Technischen Hochschule in Braunschweig die Angabe, dass dort bisher 10 Promotionen stattgefunden haben. Davon entfallen 6 auf Chemie, 2 auf Textilindustrie, 1 auf Elektrotechnik, 1 auf Ingenieurwesen. — Preisbewerbungen. Zu dem Wettbewerb betr. Fassadenskizzen für ein neues Geschäftshaus der Dresdner Filiale der Deutschen Bank liefen 68 Arbeiten ein. Den I. Preis von 1800 M. erhielten die Hrn. Ernst Kühn und Otto Beyrich; den II. Preis von 1200 M. Hr. Joh. Schwerd; fünf III. Preise von je 600 M. wurden den Entwürfen der Hrn. Alex. Tandler und Curt Reimer, Curt Ufer, Schnauder & Rohn, Schilling & Gräbner und Osw. Iiempel, sämtlich in Dresden, zuerkannt. Sämtliche Entwürfe sind bis 10. Nov. einschl. Friedrichs- Allee 2 in Dresden öffent¬ lich von 10 — 1 und 3—5 Uhr ausgestellt. — Wettbewerb Kreishaus Bromberg. Es liefen 32 Ent¬ würfe ein, von denen keiner des I. Preises für würdig erachtet wurde. Zwei II. Preise von je 900 M. fielen den Hrn. Landbauinsp. v. Saltzwedel in Potsdam und Arch. O. Herold in Düsseldorf zu. Zwei III. Preise von je 500 M. wurden den Hrn. Landbauinsp. Zeidler in Posen, sowie der gemeinsamen Arbeit der Hrn. W. Lübke in Berlin und O. Rehnig in Charlottenburg zuerkannt. — In einem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Brunnen auf dem Thierschplatze ln München er¬ rang den 1. Preis und mit ihm die Ausführung Hr. Bildh. Erwin Kurz; den II. Preis Hr. Bildh. Theod. v. Gosen. — In dem Wettbewerb betr. die Umgestaltung des Theater¬ platzes in Dresden liefen 45 Bearbeitungen ein. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Der Garn. - Bauinsp. Müller in Würz- burg I und der Brt. Kreichgauer bei der Int. des II. bayer. Armee- Korps sind gegenseitig versetzt. 576 Baden. Dem Stadtbrt. Steuernagel in Köln ist das Ritter¬ kreuz I. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Der Reg.-Bmstr. O. Ruch in Basel ist in den Ruhestand getreten. Der Brt. Straub, Mitgl. der Gen.-Dir. der Staatseisenb., ist gest. Bayern. Der Ob. -Brt. Hensel am Hydrotechn. Bür. ist auf die Dauer 1 Jahres in den Ruhestand getreten und ist der Staats¬ bauassist. O. Schubert in Deggendorf zum Bauamtsass. ausser dem Status am gen. Bür. ernannt. Der im zeitl. Ruhestand befindl. Reg.- u. Kreisbauass. N i s s 1 in Bayreuth ist s. Bitte entspr. in den Ruhestand versetzt und ist demselben der Tit. u. Rang eines Kgl. Brts. verliehen. Bremen. Der Brt. de Thierry ist auf sein Ansuchen aus dem Amte entlassen. Preussen. Dem Kr.-Bauinsp. Brt. Schroeder in Kosel ist der Rote Adler- Orden IV. Kl. und dem Kr. - Bmstr. Krähe in Gerolstein der Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verliehen. Die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verlieh, nichtpreuss. Orden ist erteilt und zw. : dem Geh. Brt. G r a p o w in Berlin des Offizierkreuzes des Kais. Japan. Ordens des Heiligen Schatzes, dem Brt. G e h r t s in Bangkok des Grossoffizierkreuzes des Kgl. Siame¬ sischen Kronen-Ordens (II. Kl.) mit Stern, und dem Eisenb.-Bau- u. Betr.-Insp. Kloke in Bangkok des Kommandeurkreuzes dess. Ord. Der Eisenb.-Bauinsp. Bode in Dortmund ist zur Kgl. Eisenb - Dir. in Kassel versetzt. Der Reg.-Bmstr. H i n t z ist der Kgl. Minist.-Militär- und Bau¬ kommission in Berlin zur Beschäftigung überwiesen. Den Reg.-Bmstrn. Preetz und Tischbein in Berlin ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. Sachsen. Der Geh. Reg.-Rat, Prof. C. A. Nagel in Dresden ist gestorben. Brief- und Fragekasten. Anmerkung der Redaktion. Die Anfragen für unseren Brief- und Fragekasten häufen sich in der letzten Zeit in einer solchen Weise, dass die Beantwortung derselben bei dem bescheidenen Raum, den wir dieser nur zur Verfügung stellen können, sich gegen unseren Willen vielfach verzögert. Wir sehen uns daher zu der Bemerkung genötigt, dass wir nur noch die Anfragen von all¬ gemeinem Interesse berücksichtigen können, welchen der Nachweis des Bezuges unseres Blattes beigefügt ist. Wenig Aussicht auf Beantwortung haben ausserdem die Anfragen, deren Erledigung auf dem Wege der Anzeige möglich ist. Grund¬ sätzlich sollte der Briefkasten nur dann in Anspruch genommen werden, wenn andere Wege versagen. Keinesfalls sind wir in der Lage , mit den Absendern von Anfragen in einen Schrift¬ wechsel zu treten, oder die Gründe für Nichtbeantwovtung anzu¬ geben. Es liegt ferner im Interesse der Absender, bei Rückfragen stets die ursprüngliche Frage zu wiederholen. — Hrn. C. D. in Wiesbaden. Nach der Sachdarstellung fällt die Herstellung des Bauwerkes und des ihm zugrunde gelegenen Bauplanes in das Jahr 1880, also in eine Zeit vor Zustandekommen der Hamburger Norm vom Mai 1888 und der Gebührenordnung von 1901. Hieraus folgt, dass beide Satzungen für die Frage nebensächlich sind, ob die auf Bestellung des Bauherrn entworfenen Zeichnungen ihm gehören und an ihn auszuliefern sind, oder ob sie Eigentum des betreffenden Baumeisters sind und bleiben. Vielmehr sind die Satzungen des damals im Regierungs-Bezirk Wiesbaden gültigen „gemeinen Rechtes“ massgebend. Aufgrund desselben war wiederholt dem Bauherrn das Recht zuerkannt worden , die Bau¬ zeichnungen ausgeliefert zu verlangen. In Ihrem Streitfälle stehen sich jedoch nicht „Bauherr“ und „ausführender Baumeister“, son¬ dern der Rechtsnachfolger des ersteren und des letzteren gegen¬ über. Der Erwerber eines Bauwerkes hat kein selbständiges Recht, gegen den ausführenden Baumeister auf Ausantwortung von Zeich¬ nungen zu klagen, weil beide in keinem Rechtsverhältnisse zu ein¬ ander gestanden haben und durch den Grundstückserwerb in kein solches gekommen sind. Er müsste sich vielmehr die Rechte des Bauherrn auf Herausgabe der Zeichnungen ausdrücklich abtreten lassen , was nach Ihrem Sachvortrage bisher nicht geschehen ist. Folgeweise ist schwer glaublich, dass die Berufung gegen das für Sie obsiegliche Urteil zu Ihrer Klageabweisung wird führen können. Jedenfalls würden Sie kein weiteres Rechtsmittel haben, da erst¬ instanzlich das Amtsgericht entschieden hat und Berufungsurteile der Landgerichte unanfechtbar sind. — K. H-e. Hrn. W. W. in Wetzlar. Massgebend für die Entschädigungs¬ höhe eines aus Gründen des Gemeinwohles abzutretenden Grund¬ stücksteiles ist Ges. v. 11. Juni 1874 §§ 7, 8, 9. Danach darf der Eigentümer der abzutretenden Fläche Ersatz für die Wertminderung fordern, welche der ihm verbleibende Grundstücksteil durch den Verlust der Abtretungsfläche erfährt. Er braucht sich also an dem Grund- und Bodenwert für die Abtretungsfläche nicht genügen zu lassen. Zu ersetzen sind also: der zeitige Grundwert der Abtretungs¬ fläche, der Schätzungswert der etwa abzubrechenden Gebäudeteile und der auf der Abtretungsfläche stehenden Pflanzungen, und der Minderwert , den das verbleibende Grundstück durch Verlust von Annehmlichkeiten oder Ausnutzungs-Möglichkeiten erleidet. Die Bezifferung dieser Weite kann nur aufgrund genauer Kenntnis der tatsächlichen und örtlichen Verhältnisse erfolgen, welche die vor¬ liegende Anfrage nicht verschafft. — . K. H-e- Inhalt: Der Vorbau vor der Goldenen Pforte zu Freiberg i. Sachsen. — Der Wettbewerb , zur Erlangung von Vorentwürfen für den Bau einer Handels-Hochschule zu Köln. — Die Wolf’sche Bauweise zur Regulierung geschiebeführender Flüsse. — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Per¬ sonal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten: Hierzu eine Bildbeilage: Die Goldene Pforte in Freiberg. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 89. EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * «««««***«*« AUZEITUN G. GANG. * H« N2 go. * DEN ii. N OV. 1903. Hs se*ass***st««**s* Der Wettbewerb zur Erlangung von Vorentwürfen für den Bau einer Handels- Hochschule zu Köln. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen auf Seite 581. Hine anmutige Gruppierung erstrebt in noch erhöhtem Masse der Entwurf „Made in Germany“, der in der Virtuosität derzeich- nerischen Darstellung die erste Stelle be¬ hauptet. Der Eintritt erfolgt seitlich über einenVorplatz,geschmücktdurchein zierliches Brunnen¬ häuschen. VomgeräumigenVestibül aussind unmittelbar erreichbar Hörsäle, Bibliothek mit grossem elliptischen Lesesaal, welchen Räumen im ersten Stockwerk Aula, Handelsmuseum, grosses Auditorium und die Semi- narien entsprechen. Ein weiterer Teil der letzteren, Musterkontor, Verwaltungsräume und physikalisches Institut umgeben in übersichtlicher Verteilung einen breiten Hof und bilden in der äusseren Erscheinung einen etwas niedrigeren Gebäudeflügel. Zwischen ihm und einem besonderen zur Aufnahme der chemischen Laboratorien bestimmten Gebäude dehnen sich die Lawn-Tennies-Plätze aus, mit reizvollem Terrassenab¬ schluss vor dem Lesesaal. Zu bemängeln ist die un¬ zulängliche Beleuchtung aller unter dem 6om hohen Turm befindlichen Gebäudeteile wie auch einzelner Teile der Turnhalle und der Aula. Die Architektur, welche alle hervorragenden Innenräume im Aeusseren charakteristisch hervortreten lässt und kennzeichnet, ist sehr geschickt behandelt und wohl abgewogen mit Ausnahme der wenig ansprechenden Turmbekrönung. Ein ganz eigenartigerZuggehtdurch dieDarstellung des Entwurfes „Balthasar von Mülheim“, welcher eine Gebäudegruppe vorführt, die sich über klarem Grundriss aufbaut und in der schlichtesten, des orna¬ mentalen Schmuckes fast ganz entratenden Barock¬ architektur die Wirkung nicht verfehlt. Der Flügel an der Parkseite enthält die kleinen Hörsäle, die Ver¬ waltungsräume und Bibliothek, darüber Seminarien und Aula, derjenige nach dem Flusse zu chemisches und physikalisches Institut nebst dem Handelsmuseum, der Verbindungsbau schliesslich die grossen Auditorien und Treppenhäuser. Die Turnhalle ist durch zwei recht- 577 winklige, leicht abgerundete Wandelgänge mit den genannten Gebäudeflügeln verbunden, zwischen denen spätere Erweiterungsbauten noch ein paar Höfe von 21 m Breite und 51 m Länge schaffen können. Eine Reihe grosser Schönheiten birgt der Ent¬ wurf „Elisabeth“ in der Weite aller dem Verkehr dienenden Räumlichkeiten, der Gänge, Hallen, Treppen, in der Ausbildung von Handelsmuseum und Bibliothek sowie der künstlerischen Gestaltung der Aula und ihres durch eine Kuppel geschlossenen Galerie -Vor¬ raumes. Diese gibt für die äussere Erscheinung des Gebäudes nach dem Agrippina -Ufer hin das beherr¬ schende Motiv für den Mittelbau ab, dessen Wirkung noch das Zurücktreten der zunächst liegenden Teile steigert, wodurch zwei Terrassen entstehen, welche durch weitere Aufbauten in massiger Höhenentfaltung beiderseits abgeschlossen werden. Die auf monumen¬ tale Wirkung abzielende Architektur verrät einen ge¬ reiften Künstler, der befremdender Weise auf eine durchaus gesuchte Beleuchtung der hofwärts gelegenen Hörsäle und des vor ihnen sich ausdehnenden Erd¬ geschoss-Flures verfallen ist, die doch zu Bedenken Anlass gibt. Wenn noch des Entwurfes „Klarheit“ Erwäh¬ nung geschieht, der sich durch einen in jeder Weise übersichtlichen Grundriss auszeichnet, im Aufbau hin¬ gegen nicht einwandfrei ist bezüglich des Verhält¬ nisses hoher und niedriger Bauteile sowie der stren¬ gen, alle Seiten gleichmässig ausbildenden Architektur, so kann die Besprechung aller derjenigen Arbeiten, welche den drei besten am nächsten stehen, wohl abschliessen. Als solche hat das Preisgericht einstimmig die Entwürfe: „Handel sch afft Wandel“, „Idee“ und „Hansaforum“ erkannt, die beiden erstgenannten mit je einem zweiten, den letzten mit dem ersten Preise bedacht. Die Architekten Jürgensen und Bachmann in Charlottenburg, Verfasser der Arbeit „Handel schafft Wandel“, haben das Raumbedürfnis in einer un- gemein klaren Grundrisslösung befriedigt. Die breite Eingangshalle, an welche die Turnhalle sich anschliesst, gewährt aus ihren Fenstern Ausblicke in zwei durch gärtnerische Anlagen verschönerte Innenhöfe, deren einer, zur Linken, zum Ehrenhof bestimmt und als solcher mit offenen Hallen auf drei Seiten umgeben ist, von welchen aus der Zutritt zu den Sälen des Handelsmuseums erfolgt, die nur im Erdgeschoss liegen. Der andere Hof bildet die Mitte des zw'ei- Der vierte Tag für Denkmalpflege in Erfurt. ahlreicher noch als bei den bisherigen 3 Tagungen haben sich die Vertreter und Freunde der Denk¬ malpflege an der diesjährigen, am 25. und 26. Sept. zu Erfurt abgehaltenen Versammlung beteiligt. Schon die bei der Eröffnung der Sitzungen aufgenommene Mit¬ gliederliste wies 128 Teilnehmer auf und bis zum Schluss mag deren Zahl bis auf 150 gestiegen sein. Ihre Zu¬ sammensetzung, welche bei diesem nicht auf die Ange¬ hörigen eines einzelnen Faches beschränkten Tage von besonderer Wichtigkeit ist, weil sich aus ihr Schlüsse auf das in den verschiedenen Kreisen unseres Volkes vor¬ handene Interesse für die Fragen der Denkmalpflege ziehen lassen, war wiederum eine sehr mannichfache. Neben den berufsmässigen Vertretern der Denkmalpflege, den fast vollzählig anwesenden Konservatoren der ein¬ zelnen deutschen Staaten und der preussischen Provinzen sowie den Direktoren der wichtigsten Altertums- Museen, waren Abgeordnete einiger Staatsregierungen, die leiten¬ den Bürgermeister mehrerer Städte, eine slattliehe Zahl von Kunstgelehrten und eine noch stattlichere Zahl von Architekten erschienen. Dazu einzelne Mitglieder ver¬ schiedener Berufsarten, namentlich Juristen und Philo¬ logen, die lediglich ihr persönliches Interesse an der Sache hierher geführt hatte. Für uns ganz besonders erfreulich war die starke Beteiligung der Archi¬ tekten, unter denen allein 20 Abgeordnete aus dem Ver¬ bände deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine sich befanden. Alles in allem mögen die dem Baufach ange- hörigen oder aus ihm hervorgegangenen Mitglieder nahezu die Hälfte der Versammlung gebildet haben — eine Er¬ scheinung, die sich hoffentlich wiederholen und auf das 578 gcschossigen Gebäudeteiles, in dem ebenerdig die Verwaltungsräume nebst den physikalischen und chemischen Instituten, eine Treppe hoch Hörsäle, Seminarien, Musterkontor und Bibliothek untergebracht sind. Der an der Nordseite des Hofes bis zu 56 m Höhe emporragende Turm — dessen Aufbau zwecklos - umschliesst das Haupttreppenhaus, welches den Verkehr nach dem Obergeschoss vermittelt, wo vom Vorflur aus die Säle, das grosse Auditorium und die schon erwähnten Unterrichtssäle leicht erreichbar sind. So wohlgelungen der Grundriss und die vielgestaltige Ausbildung des Inneren sind, so wenig anziehend er¬ scheint das Aeussere sowohl in dem unvermittelten Nebeneinander von niedrigen und hohen Massen, als auch in der Architektur, die des Kräftigen zwar nicht entbehrt, alle grossen und kleineren Räume im Aeusseren hinlänglich kennzeichnet, aber eine Abwechselung oder Unterbrechung nicht beliebt, welche gerade an der ausgedehnten Front des Kollegienhauses wohl am Platze gewesen wäre. Auf völlig verschiedener Plangestaltung lässt Prof. Friedr. Ratzel (Karlsruhe) seinen Entwurf „ Idee“ erstehen. Ein 148 m langer Bau mit zwei vorgezogenen, unter sich verschiedenen Eckflügeln und elliptischem Mittelteil wendet sich dem Römerpark zu; ihm fügt sich rheinwärts ein 56 m breites und 36 m tiefes Gebäude an, das einen Gartenhof umgibt; zwei weitere Innen¬ höfe werden spätere Erweiterungen schaffen. Den Besucher nimmt sofort eine ovalförmige, 30 m lange 20 m breite Eingangshalle auf, aus der man zu Fluren und Treppenhäusern, naturwissenschaftlichen Abtei¬ lungen, Handelsmuseum und Verwaltungsräumen be¬ quem gelangen kann. In den Obergeschossen ist es eine 14 m hohe Wandelhalle gleicher Abmessung, die in dem unteren Teil mit seinen Umgängen, den oberen mit Galerien und Terrassen für den Verkehr nach und von den Hörsälen und Seminarien, der Aula und Bibliothek den Mittelpunkt bildet. Die geschickte Ver¬ teilung, gute Beleuchtung und leichte Zugänglichkeit der Räume steht hiermit im Zusammenhang, und der Zentralbau ist es auch, der in seiner einfachen aber ansprechenden originellen Form in der Aussen- erscheinung des Gebäudes gebührend zum Ausdruck gelangt, soweit die Front nach dem Römerpark hin in Betracht kommt. Sie besitzt die anerkennenswerte Eigenart, bei vollem Verzicht auf reichen bildnerischen Schmuck nur durch die Ausbildung der Gebäude¬ gruppen in verschiedener Höhenentfaltung, Verteilung Programm sowie den Verlauf künftiger Denkmaltage nicht ohne Einfluss bleiben wird. — Die Leitung der diesmaligen Verhandlungen, für welche die Erfurter „Ressource“ ihre Räumlichkeiten zur Ver¬ fügung gestellt hatte, unterstand wiederum dem Vorsitzen¬ den des geschäftsführenden Ausschusses, Hrn. Geh. Justiz¬ rat Prof. Dr. Loersch (Bonn), der seines Amtes in aus¬ gezeichneter Weise waltete und dem es allein zu danken ist, dass die wohl etwas zu reichlich bemessene Tages¬ ordnung im wesentlichen erledigt werden konnte. Nach ihrer Eröffnung wurde die Versammlung zu¬ nächst im Namen der preussischen Staatsregierung durch Hrn. Wirkl. Geh. Ob.-Reg.-Rat v. Bremen (Berlin) be- grüsst. Wie dieser mitteilen konnte, ist die preussische Regierung der an sie gerichteten Bitte um die Gewährung grösserer Mittel für die Zwecke der Denkmalpflege trotz der ungünstigen Finanzlage wenigstens soweit entgegen gekommen, dass in den nächstjährigen Etat statt der bis¬ her darauf verwendeten 33000 M. ein Betrag von 50000 M. eingestellt werden soll. Grössere Summen werden aus dem Patronatsfonds zur Verfügung stehen. Die gesetzliche Regelung der den politischen Gemeinden und kirchlichen Körperschaften aufzuerlegenden Pflicht zur Erhaltung der in ihrem Besitz befindlichen Kunstdenkmäler scheint einer befriedigenden Lösung entgegen zu gehen. — Weitere Begrüssungen erfolgten durch den preussischen Landes- Konservator, Hrn Geh Reg.-Rat Lutsch (Berlin), der zu¬ gleich das von ihm herausgegebene Bilderwerk schlesi¬ scher Kunstdenkmäler als Geschenk überreichte, durch Hrn. Ob.-Bürgermslr. Dr. Schmidt (Erfurt) und — im Namen der Zentralkommission für Erforschung und Er¬ haltung der Kunstdenkmäler in Oesterreich - Ungarn — durch Hrn. Prof. Dr. Neuwirth (Wien). No. 90. der Fenster und Behandlung der Flächen eine vor¬ nehme ruhige Wirkung zu erzielen. Ein gleiches Lob vermag man der Rheinfront nicht zu spenden, und doch hätte für diese gerade der Verfasser mit den¬ selben Mitteln eine Frontgestaltung entwerfen können, die, durchaus ebenbürtig der anderen, nicht nur an dem grossen Strassenzuge des Agrippina- Ufers zu voller Geltung gelangt wäre, sondern auch in einem wirkungsvollen Gegensatz zu den plumpen Nützlich¬ keitsbauten des Hafens gestanden hätte. In diesem letzten Moment liegt ein Hauptvorzug der Arbeit des Privatdozenten Dr.-Ing. E. Vetterlein, Darmstadt, die das Kennwort „Hansaforum“ trägt und den ersten Preis sich erwarb. Sein Bestreben geht dahin, auf allen Seiten den Entwurf gleichwertig künst¬ lerisch zu behandeln, sowohl im Grundriss wie im Auf¬ bau. Den ersteren anlangend haben wenige Wett¬ bewerber es verstanden, auf verhältnissmässig geringer Grundfläche die geforderten Räume praktisch anein¬ ander zu fügen, wenige auch nur eine so schlichte und schöne Architektur zu schaffen, keiner aber ist ihm zu¬ vorgekommen in der Lösung der Frage: wie ist das Handels-Hochschulgebäude passend in Beziehung zum Römerpark zu bringen? Nicht auf dem Wege einer Gartenanlage geläufiger Art, wie sie jetzt besteht, soll der Zugang der Stu¬ dierenden sich vollziehen, sondern durch einen archi¬ tektonischen Einbau hindurch, der einen stimmungs¬ vollen Vorplatz zu der Stätte der Wissenschaft bereitet, und aus der Ferne den Blick zu dem Hause, das sie beherbergt, allmäblig hinleitet. Die ganze Tiefe des Parkes ist auf eine Breite von ioom zu einem solchen „Forum“ ausgenutzt, dessen Mitte ein 800 qra grosses Wasserbecken mit Kaskadenbrunnen einnimmt, seitlich aber eingesäumt ist von zierlichen Kolonaden mit 50 m weiten Exedren , schlanken Säulenstellungen und reichem bildnerischen Schmucke. Diese reizvolle An¬ lage auszuführen, wird wohl frommer Wunsch bleiben müssen, einesteils der hohen Kosten, anderseits der zu grossen Verminderung der Parkflächen halber, schliesslich aber auch in Rücksicht auf die Bauten der umgebenden Strassen. Bestände hier offene Be¬ bauung mit Villen oder einstöckigen Häusern, so würde dieser Vorhof sich vortrefflich dem Park und dem Strassenbilde einfügen, jedoch nicht, wo jetzt Miethäuser von 5 Stockwerken als abschreckende Beispiele bauordnungsgemässer Ausnutzung der Höhe in minderwertiger architektonischer Frontausbildung hier erstehen. Der Vorschlag des Verfassers aber, Aus dem durch den Hrn. Vorsitzenden erstatteten Bericht des geschäftsführenden Ausschusses ist hier besonders zu erwähnen, dass der an sämtliche deut¬ sche Regierungen, sowie die Regierungen Oesterreich- Ungarns und der Schweiz übersandte stenographische Bericht über die Verhandlungen des III. Denkmaltages an allen Stellen eine gute Aufnahme gefunden hat. Mehrere Regierungen haben die Bewilligung von Geldmitteln für die Denkmalpflege in Aussicht gestellt und die Vorbe¬ reitung gesetzlicher Massregeln zum Zwecke des Denkmal¬ schutzes angekündigt. Der Hr. Redner sprach hierbei die Hoffnung aus, dass der für Preussen angesetzte Betrag von 50000 M. recht bald auf mindestens 100 000 M. er¬ höht werden möge. — Der zunächst auf der Tagesordnung stehende Bericht des Ausschusses für Behandlung der Frage der Steinerhaltung fiel aus, weil die Arbeiten dieses Aus¬ schusses, wie Hr. Geh. HofratProf.Dr. Gur litt (Dresden) mit¬ teilte, bisher nicht genügend haben gefördert werden können. Es folgte sodann ein Vortrag des Hrn.Prof. Dr. Clemen (Bonn) über das Verhältnis der Altertums-Museen zur Denkmalpf ege. Da der Gegenstand den Inter¬ essen der Leser etwas ferner liegt, so sei über ihn hier nur im allgemeinen erwähnt, dass der Hr. Vortragende zunächst gegen die Vereinigung der Aemter eines Museums- Direktors und eines Konservators sich wandte, weil das leicht zur Folge habe, dass Altertümer in die Museen über¬ führt würden, welche besser an ihrem ursprünglichen Aufstellungsorte verblieben. Anderseits betonte er — unter Hinweis auf bestimmte rheinische Beispiele — die Nach¬ teile einer zu starken örtlichen Zersplitterung der Alter¬ tums-Sammlungen. Sammlungen in kleinen Städten, die einst durch den Eifer einzelner Persönlichkeiten zusammen- 11 November 1903. ein solches „Forum“ in einem gärtnerisch ausge¬ statteten geschlossenen Vorplatz zu schaffen, ist ernst¬ licher Erwägung wohl wert. Das Handels-Hochschulgebäude selbst gliedert sich in einen hohen Mittelbau und zwei etwas niedrige Seitenflügel, die sich nach der Vorderseite anschliessen und hier am Römerpark eine Frontentwicklung von 140 m erzielen. Seine Fortsetzung gleichsam bildet der 51 m lange i8ra tiefe mittlere Ziergarten, von welchem aus der Eintritt in das Haus erfolgt. Das mässig grosse Vestibül bildet die Verbindung zu seinen wesentlichsten Räumlichkeiten, indem die Haupttreppe unmittelbar in dasselbe ausmündet. Zur rechten und linken geleiten breite Gänge, an denen Kleiderablagen und Bedürfniss-Anstalten praktisch an¬ geordnet sind, zu den Räumlichkeiten des physikali¬ schen und chemischen Institutes, welche die beiden seitlichen Flügel beherbergen. Ihre Uebersichtlichkeit wird erhöht durch die Gruppierung um die Flure zweier kleinen Innenhöfe, ihre Zugänglichkeit von Aussen durch die geschickte Ausnutzung der Steigung der Sitzplätze in den beiden Hörsälen zur Anlage eines besonderen Treppenaufganges, über welchen die Studierenden der naturwissenschaftlichen Fächer zu ihren Arbeits- und Hörsälen sofort von Aussen gelangenkönnen, ohne das Hauptvestibül durchwandern zu müssen. Aus praktischen Gründen gehen die La¬ boratorien durch das niedrige Obergeschoss hindurch, während das letztere über den physikalischen Samm¬ lungssälen zu den Bücher-Magazinen der Bibliothek ausgebaut ist. Der Mittelbau, welcher, falls die Erweiterung ein¬ getreten sein wird, zwei Höfe von 15 m : 30 m ein- schliesst, enthält im Erdgeschoss Hörsäle, Seminarien, Musterkontor. Hinter der Haupttreppe die Turnhalle und nach dem Agrippina-Ufer hin eine Saalflucht von 76 m Länge zur Aufnahme der Bestände des Handels¬ museums, in der Mitte unterbrochen durch eine 278 grosse oblonge säulengestützte Halle, von der aus der Aufstieg zu der darüber gelegenen Aula über be¬ sondere, in den Hofecken eingebaute Treppen erfolgt. Der Festraum der Hochschule ist von einer 13 m hohen Kuppel überdeckt, in deren Stichkappen hinein sich Galerien öffnen; Säulenstellungen trennen einen er¬ höhten Vorplatz ab und eine Reihe Seitenfenster spenden reichliches Licht. Die Nachbarschaft der Ver¬ waltungsräume erscheint nicht praktisch, sie lägen besser im Erdgeschoss. Vor der Aula dehnt sich eine 400 cim grosse Wandelhalle aus, auf welcher die gebracht worden sind und sich in der Regel mit sehr ungenügenden, häufig wechselnden Räumlichkeiten be¬ gnügen müssen, verfallen im Laufe der Jahre gar zu leicht einer Vernachlässigung und bieten keine Gewähr gegen das Verderben oder gar das Verschwinden einzelner Ge¬ genstände. Besser ist es, sie rechtzeitig mit grösseren Sammlungen zu vereinigen; jedenfalls aber müssten sie der Aufsicht der Konservatoren unterworfen werden — An der Besprechung der Frage beteiligten sich die Mu- seums-Direktoren Hrn. Dr. Reimers (Hanno ver), v. B e z o 1 d (Nürnberg) und Dr. Brinckm an n (Hamburg), welche im wesentlichen den Bedenken gegen kleinere Lokal.-Museen zustimmten, dagegen die Aemter eines Museums-Direktors und eines Konservators nicht für schlechthin unvereinbar hielten, sondern das Urteil hierüber von der infrage kommenden Persönlichkeit abhängig machen wollten. Als einen Nachteil der kleineren, nicht von eigentlichen Fach¬ männern geleiteten Museen, die ihre Bestände durch An¬ kauf zu erweitern bestrebt sind, bezeichnete Hr. Dr. B r i n ck- mann insbesondere, dass sie Fälschern gegenüber im Zustande völliger Wehrlosigkeit sich befinden und bei Wiederherstellungs - Versuchen leicht groben Irrtümern verfallen. — Mit grosser Wärme und unter Hinweis auf die Erfolge des in seiner Heimatstadt befindlichen Museums trat dagegen Hr. Ober - Bürgermeister Struckmann (Hildesheim) für den Nutzen kleinerer Altertums Museen ein, deren auf ein bestimmtes Gebiet beschränkter Inhalt viel leichter volkstümlich wird, als die in verwirrender Massenhaftigkeit auftretenden grösseren Sammlungen und die daher als ein treffliches Mittel zur Stärkung des Heimat¬ gefühles angesehen werden müssen. — In sehr ausführlicher, aus reicher Erfahrung geschöpfter und auf viele technische Eigenheiten eingehender Weise 579 Treppe mit einem Laufe mündet; zwei weitere der¬ selben führen zum Vorplatz des grossen Auditoriums, das nach dem Römerpark zu gelegen ist. Die Ausbildung des Inneren ist bei den nur massigen Geschosshöhen von 5 bezw. 5,50 ra eine einfache; Vestibül, Treppenhaus, Wandelhalle, grosses Auditorium und Aula tragen grösseren, aber immer¬ hin in angemessenen Grenzen sich haltenden architek¬ tonischen Aufwand zur Schau. Durch das Aeussere geht ein Zug der Einheitlich¬ keit bei allem Wechsel der bestimmungsgemässen Ausbildung der einzelnen Gebäudeteile. Einen wirk¬ samen Gegensatz bilden die Bauten der technischen und physikalischen Institute zu denjenigen, welche den Vorplatz umgeben, in deren Mitte eine hohe Fenster¬ reihe den grössten der Hörsäle in die äussere Er¬ scheinung bringt. Insbesondere ist es die Höhen¬ entwicklung des Aula-Baues, welcher die Front nach dem Rheine zu überragt, und in der geschweiften Form seines Daches der Umrisslinie einen eigenartigen Reiz verleiht, der diesem Gebäude nicht mangeln darf, zumal es doch wie kein anderes die Uferstrasse mit seiner Masse beherrschen und einen augenfälligen, ästhetisch berechtigten Gegensatz zu den sie verun¬ zierenden Lagerhäusern schaffen soll. Die schlichten aber kräftigen, nirgends zum Uebermass sich steigernden Formen des Barock, die sparsame Anwendung orna¬ mentalen Schmuckes, die strenge Achsenteilung und die wohlgetroffenen Verhältnisse gepaart mit der Klarheit des Grundrisses und der Einschränkung der Kosten¬ summe (1526000 M.) sind die unverkennbaren Vorzüge des mit Recht preisgekrönten Entwurfes Vetterleins. Die Verwirklichung zur Ausführung, welche nur einige unwesentliche Aenderungen erfordert, ist zu erhoffen. Sie würde in einem monumentalen Bau¬ werke nicht nur die Schönheit des Flusspanoramas, in welcher die alte Colonia einzig dasteht, wesentlich er¬ höhen, sondern auch die zeitlichen Bestrebungen der Architektur zum Ausdruck bringen, die dahin gehen, durch grosszügige Einfachheit des Ganzen ohne Ver¬ nachlässigung des Einzelnen eine vornehme Gesamt¬ wirkung zu erzielen, wie sie die Denkmäler der Vor¬ zeit auch in der Metropole der Rheinlande noch heute ausüben, und schliesslich die würdige Heimstätte einer jungen, zukunftsreichen, weitgehende Handelsinter¬ essen fördernden Bildungsanstalt bereiten, in welcher nunmehr Köln an der Schwelle des 20. Jahrhunderts einen endlichen Ersatz für seine einst weitberühmte Universität erblickt, deren Verlust es in jenen Tagen schmerzlich beklagen musste, da die Knechtschaft des Erbfeindes die Ufer des deutschesten Stromes dem Vaterlande zeitweise entfremdete. — _ F. C. Heimann. Die Hochflut in der Oder vom Juli 1903, ihre Ursachen und die Abwehr der Hochwasser- Gefahren. (Nach einem am 26. Okt. d. J. im Berliner Architektenverein gehaltenen Vortrage des Hrn. Geh. Baurates H. Keller in Berlin.) liflie ungewöhnliche Niederschlags-Erscheinung, die zur ausserordentlichen Hochflut in der Oder vom Juli *==“ d. J. Anlass gab, wurde durch starke Regengüsse in den Sudeten, Beskiden und ihrem Vorlande während des 4.-8. Juli eingeleitet. Fast überall war der Boden bereits mit Feuchtigkeit gesättigt und undurchlässig ge¬ worden, als die Hauptmasse des Niederschlages die Gebirge und grosse Teile des Hügel- und Flachlandes am 9. und 10. bis zum 11. Juli vormittags zu überschütten begann. Die für diese beiden Tage entworfene Regenkarte zeigt 2 Zonen mit mehr als 150 mm Regenhöhe. Die grössere von beiden liegt auf den südlichen Sudeten in demjenigen Teile des Mährischen Gesenkes, der die Quellgebiete der Oppa,Hotzenplotz und der rechtsseitigen Zuflüsse der Glatzer Neisse von der Landecker bis zur Freiwaldauer Biele um¬ fasst. Die kleinere von beiden erstreckt sich am Kamme der Beskiden entlang über die Quellgebiete der rechts¬ seitigen Zuflüsse der Quelloder bis zur Ostrawitza und Olsa. Weit umfangreicher sind die Zonen mit mehr als 100 mm Regenhöhe, namentlich eine von den südlichen Sudeten ausgehende Zunge, die weit in das Flachland hinein über Malapane- und Sfobergebiet hinweg bis zum oberen Warthegebiet vorspringt, auf dessen östlicher Wasserscheide zwei grössere Regeninseln mit über 100 mm Niederschlag liegen. Einige kleine Regeninseln, z. B. im Quellgebiete der Weistritz und auf dem Riesengebirge, sind wegen ihrer geringen Ausdehnung ohne wesentliche Bedeutung, wogegen die im oberen Warthegebiete nicht ganz auf 100 mm gestiegenen Niederschläge ein grösseres Hochwasser zu erzeugen vermochten, da sie einen ausge¬ dehnten Teil dieser Gebietsfläche umfassten. Bei der Zone mit mehr als 150 mm Regenhöhe auf den südlichen Sudeten haben die Niederschläge durchschnitt¬ lich grössere Stärke erreicht und vorwiegend den 9. Juli betroffen, bei der auf den Beskiden lagernden Zone haupt¬ sächlich den 10. Juli bis zum 11. Juli vormittags. Einzelne Messtellen in den Gebieten der Oppa, Hotzenplotz und Glatzer Neisse zeigten in 48 Stunden Niederschlagshöhen über 200 bis zu 318 mm (in Neu-Rothwasser), hiervon allein am 9. Juli bis zu 240 mm. In den Beskiden sind innerhalb 48 Stunden stellenweise über 160 bis zu 264 m“i (auf der Lysagora) gefallen, hiervon am 10. Juli bis zu 192 mm. Er¬ wägt man, dass bei unverkürztem Abfluss des Regens der Niederschlagshöhe von 86,4 mm eine sekundliche Abfluss¬ behandelte Hr. Konservator Dr. Hager (München) die Erhaltung von farbigen Altertümern (Wand¬ malereien). Das Verständnis, welches vom Volke der¬ artigen Resten alter Kunstübung entgegen gebracht wird, ist zwar im Wachsen begriffen, aber immerhin noch ein geringes, sodass neben den technischen Schwierigkeiten ihrer Behandlung meist noch die Widerstände zu über¬ winden sind, welche die Besitzer der betreffenden Ge¬ bäude einem weder auf die völlige Erneuerung noch auf die Beseitigung der aufgedeckten Malereien gerichteten Verfahren entgegen setzen. Der Hr. Vortragende be¬ sprach zunächst die Freilegung alter, mit Tünche über¬ zogener Wandmalereien und empfahl als bestes Mittel hierzu die vorsichtige Anwendung eines stumpfen Stoff¬ eisens, warnte dagegen vor einer Ablösung der Tünche mittels eines Kleister- Anstrichs oder aufgeklebter Leinwand. Die Arbeit, zu welcher allerdings Maurer wenig geeignet sind, gelingt fast immer, wenn der alte Malgrund mittels der Eisenkelle geglättet war, wie das bis zum 15. Jahrh. die Regel bildete, wird aber um so schwieriger, je feuchter die Mauer ist. — Weiterhin verbreitete er sich über die zweckmässigsten Mittel zur Erhaltung derartiger Bilder und endlich über die bei der Wiederherstellung solcher einzuhaltenden Grenzen. Er vertrat in letzterer Beziehung den Grundsatz, dass man nie so weit gehen dürfe, jenen den Anschein neuer Malereien zu geben, und forderte, dass man unter allen Umständen wenigstens einen Teil von ihnen unberührt lassen solle. — Der inhaltreiche Vortrag, der von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufge¬ nommen wurde, soll nach einem in dieser ausgesprochenen Wunsche imSonderdruck erscheinen, um alsAnweisung für die Aufdeckung alter Wandmalereien verbreitet zu werden. 580 Tn der Nachmittags-Sitzung berichtete zunächst Hr. Geh. Hofrat Prof. v. Oechelhäuser (Karlsruhe) über den Stand der Arbeiten zur Herausgabe eines Hand¬ buches der deutschen Denkmäler, an dessen Vorbe¬ reitung insbesondere Hr.Prof. Dr. Dehio in Strassburg tätig ist. Leider haben die wiederholten Eingaben an das Reichs¬ amt des Inneren um Unterstützung dieses Unternehmens durch entsprechende Geldmittel bisher zu keinem Erfolge geführt. Dem aufgestellten Plane nach ist der Umfang des Werkes auf 5 Bände geplant, die das nordöstliche und nordwestliche, das mittlere, südliche und westliche Deutschland umfassen sollen. — Mit grosser Spannung trat die Versammlung dem¬ nächst in die V erhandlungen über die mit der Wie¬ derherstellung des Meissner Domes zusammen¬ hängenden Fragen ein, welche schon auf dem letzten Denkmaltage in Düsseldorf angeregt, von diesem aber an die diesmalige Tagung verwiesen worden waren. Dem damals geäusserten Wunsche nach Beschaffung der für eine solche Verhandlung erforderlichen Unterlagen war in ausgiebigster Weise Genüge geschehen. Es waren nicht nur die von Schaefer und Linnemann gelieferten Entwürfe zum Ausbau der westlichen Turmanlage des Domes zur Ausstellung gelangt, sondern auch einige Skizzen des Schlossberges, in welche der nach dem Schaefer’schen Plane vollendete Dom eingetragen war, sowie endlich die gesamten Original - Zeichnungen drei¬ teiliger Turmanlagen, welche Gurlitt in seiner Broschüre „Die Westtürme des Meissner Domes“ veröffentlicht hat. Ueber den längerenVortrag, mit demHr. Geh. Hofrat Prof. Dr. Gurlitt (Dresden) die Besprechung einleitete, können (Fortsetzung auf Seite 582). No. 90. menge von i cbm für i qkm entspricht, und bedenkt man ferner, dass alle Voraussetzungen zur Erleichterung und Beschleunigung des Abflusses in jenen Tagen vorhanden waren, so ist ohne weiteres einzusehen, dass sämtliche Gebirgsbäche und Gebirgsflüsse der am 9 und jo. Juli überregneten Gebiete sofort in heftige Erregung geraten und ungewöhnliche Wassermassen abführen mussten, in ziemlich hohem Masse auch die Gewässer des Hügel- und Flachlandes. Viele Wasserläufe waren schon vorher durch die vorbereitenden Regengüsse angefüllt oder doch im in der Glatzer Neisse 2 Tage hindurch vom 10. bis 12. Juli anhielten, hat bei der diesjährigen Hochflut dort äusserst grosse Verheerungen veranlasst und ist eine bei Gebirgs- gewässern höchst seltene Erscheinung, da ihre Flutwellen sonst gewöhnlich sehr spitz geformt sind, schnell zu grosser Scheitelhöhe ansteigen und sofort wieder rasch zu fallen beginnen. Die von den Niederschlägen des 9. Juli in der Oppa, der Hotzenplotz und den rechtsseitigen Nebenflüssen der Glatzer Neisse erzeugten Flutwellen eilten auf 3 ver- ... * h 1 * w £ 2 w O rA b CO Q ►J C b Ul o O -1 > w * W N o 05 * W w £ S £ PC l-J w £) T“l PQ o J o £ p CO * * m o. OS W P P OS =0 Cd O Cd CO CO * Ü < P Cd CO m CO I— I p * PH cc cq P * p~ W Q Eh Ü Cd p CQ Cd X O CO P p P o Z * > w X X # p < Ü P P PS Cd Cd * o O) o CO (_, 6 * pq P w w Ü ■vH p ö os ;p OS w H Cd c o Cd Q * P P Cd Q z p * Cd K P p P PS PS H PH w o o Cd : P X w X P X d Anmerkung der Redaktion. Die Anfragen für unseren Brief- 1 und Fragekasten häufen sich in der letzten Zeit in einer solchen Weise, dass die Beantwortung derselben bei dem bescheidenen Raum, den wir dieser nur zur Verfügung stellen können, sich gegen unseren Willen vielfach verzögert. Wir sehen uns daher zu der Bemerkung genötigt, dass wir nur noch die Anfragen von all¬ gemeinem Interesse berücksichtigen können, welchen der Nachweis des Bezuges unseres Blattes beigefügt ist. Wenig Aussicht auf Beantwortung haben ausserdem die Anfragen, deren Erledigung auf dem Wege der Anzeige möglich ist. Grund¬ sätzlich sollte der Briefkasten nur dann in Anspruch genommen werden, wenn andere Wege versagen. Keinesfalls sind wir in der Lage, mit den Absendern von Anfragen in einen Schrift¬ wechsel zu treten , oder die Gründe für Nichtbeantwortung anzu¬ geben. Es liegt ferner im Interesse der Absender, bei Rückfragen stets die ursprüngliche Frage zu wiederholen. — B. 99. Ohne genaue Kenntnis sämtlicher Tatumstände lässt sich kein unfehlbares Urteil gewinnen, wie ein künftiger Richter¬ spruch ausfallen wird. Jedenfalls steht aus Ihrer Sachdarstellung fest, dass Ihre Anstellung als Gemeindebeamter erst am 1. Juni 1903 beginnen sollte, während der Ihnen am 19. März 1903 zuge- stossene Unfall Sie noch in Ihrer Eigenschaft als Gemeinde-Tech¬ niker getroffen hat. Indem nun selbstverständliche Voraussetzun¬ gen jeder Berufung oder Anstellung in ein Amt die Erwartung ist, dass der Betreffende die zur Ertüllung seiner Dienstobliegenheiten erforderlichen Eigenschaften besitzen bezw. behalten wird, diese Erwartung jedoch in Ihrem Falle nicht zutrifft, ist die Gemeinde nicht verpflichtet, Sie als Beamten zu übernehmen oder Ihnen die Verrichtungen eines Gemeinde - Baubeamten zu übertragen, selbst wenn es schon zur Aushändigung des Anstellungs - Schreibens ge¬ kommen sein sollte, was indess nicht zuzutreffen scheint, indem nur die Zusage einer künftigen festen Anstellung vorliegen dürfte. Eine Klage auf Amtsübertragung und auf Zahlung der zu erwarten¬ den Amtsbezüge verspricht somit keinen Erfolg. Ihr Unfall traf Sie bei Ausübung von Dienstverrichtungen als Gemeinde-Techniker. Dass dem Unfallsereignis eine Verschuldung des Gemeinde -Vor¬ standes oder seines Hülfspersonals zugrunde liegt, scheinen Sie nicht behaupten zu wollen. Mithin fehlt Ihnen ein Klagerecht gegen die Gemeinde aus B. G.-B. §§ 276, 278, 823, 831 mit § 31. Sie standen in keinem versicherungspflichtigen gewerblichen Betriebe, weshalb Sie auf Unfallsfürsorge aus G. U.-V.-G. vom 30. Juni 1900 keinen Anspruch haben. Sie sind jedoch von der Gemeinde gegen Unfälle versichert. Den Wortlaut der Versicherungs-Bedingungen blieb Ihre Frage schuldig. In der Annahme, dass es die üblichen sein werden, ist Ihnen zu raten, die Gemeinde um Abtretung ihrer Rechte aus dem Versicherungsverträge zu ersuchen und daraufhin gegen die Versicherungs-Gesellschaft auf Zahlung von 30000 M. zu klagen. Denn sind Sie infolge Ihres Unfalles der Anstellungsfähigkeit verlustig gegangen, so werden die Gerichte nach der herrschenden Neigung, im Zweifel zugunsten des Verunglückten zu entscheiden, mutmasslich zu dem Ausspruche gelangen, dass Sie durch den Un¬ fall jetzt erwerbsunfähig sind. — K H-e. Hrn. B. & N. in Koblenz. 1. Enhält der mit dem bauleiten¬ den Architekten abgeschlossene Werkvertrag die Ermächtigung, für den Bauherrn die Materialien - Lieferungen zu bestellen, so ist der Architekt berechtigt und handelt als Bevollmächtigter, wenn er die Bestellung aufgibt. Er verpflichtet dadurch dem Bauherrn zur Annahme der Gegenstände (Träger). Dagegen kommen auch viele Verträge zustande, in denen die Bauherren den Architekten nur die Vorbereitung der Werk- und Lieferungsverträge überlassen, deren Abschluss indess sich selbst Vorbehalten. Würde in Ihrem Falle das Rechtsverhältnis nach letzterer Art vorliegen, so hatten Sie keinen Auftrag und kein Recht, für den Bauherrn Lieferungs¬ verträge abzuschliessen und es würde dessen Weigerung, die Träger abzunehmen, begründet gewesen sein. Leider ist Ihre Sachdar¬ stellung unvollständig und unklar. Es scheint während der Aus¬ führung ein Wechsel in der Person des Bauleiters vorgekommen zu sein, und der neue Bauleiter die von seinem Vorgänger be¬ stellten Träger zurückgewiesen zu haben, um später jedoch im Einverständnis mit dem Bauherrn den Nachbedarf demselben Fabri¬ kanten H. aufgegeben zu haben, von welchem die ursprünglich zurück¬ gewiesenen herrührten. Bei dieser Sachlage wird die Bestellung des Nachbedarfes noch keine Rechtshandlung sein, aus welcher eine Billigung der Unbeauftragten früheren Bestellung zu folgern wäre. 2. Ob die Entziehung eines Auftrages wegen Einsendung un¬ richtiger Grundrisse berechtigt ist, kann nur bei genauer Kenntnis des abgeschlossenen Vertrages und der fehlerhaften Grundrisse untrüglich beurteilt werden. In der Regel wird der Rücktritt er¬ laubt sein, weil die Uebersendung unrichtiger Grundrisse geeignet ist, dem Bauherrn Zweifel an der Zuverlässigkeit und Sorgfalt des Architekten aufkommen zu lassen. So oft jedoch der Rücktritt berechtigt ist, kann von einem Ersatzanspruch des Architekten gegen den rücktretenden Bauherrn ernstlich keine Rede sein. Denn die Uebersendung unrichtiger Grundrisse wird meist als eine grobe Fahrlässigkeit des Architekten beurteilt werden, aus welcher die Gewissheit verloren geht, dass im weiteren Verlaufe ähnliche verhängnisvolle Fehler ausbleiben werden. 3. Sollte vielleicht der Einsender des falschen Grundrisses mit dem Besteller der Träger bei H. identisch sein, so würde die Trägerbestellung nicht haben gutgeheissen zu werden brauchen, weil mit dem Rücktritt vom Werkvertrag auch eine in ihm ent¬ haltene Vollmacht zu Bestellungen erloschen wäre. — - K H-e. Hrn. G. R. in Radebeul. Vermag der Nachbar den unge¬ störten Bestand des jetzt vorhandenen Fensters während dreissig Jahren zu beweisen, so haben Sie kein Recht, von ihm Verstabung oder sonstige Einrichtungen zu verlangen. Noch weniger dürfen Sie ihm durch Vorbau oder anderweit diejenigen Vorteile entziehen oder verkümmern, welche ihm der heutige Zustand des Fensters verschafft. Sie haben eben durch widerspruchslose Duldung des heutigen Zustandes während der langen Reihe von Jahren Ihr ge¬ setzliches Widerspruchsrecht verloren. Eine etwaige Klage auf Vergitterung und Entfernung des Fensters würde mit Abweisung enden müssen, während umgekehrt der Nachbar, dessen Fenster Sie etwas vorbauen würden, mit seiner Klage der Wieder Wegnahme Ihrer Einrichtung durchdringen würde. — K H-e. Hrn. F. F. ln Halle a. S. Der Rekursbescheid No. 2024 des Reichsversicherungsamtes erklärt Gewerbebetriebe, welche sich in der Hauptsache auf die Anfertigung von Bauplänen erstrecken, für versicherungspflichtig, wenn sie daneben auch die Ueberwachung der Ausführung von Hoch- oder Tiefbauten übernehmen. Gegen die Aufforderung der Baugewerks-Berufsgenossenschaften an der¬ artige Geschäfts -Inhaber zum Beitritt und zur Versicherung ihrer Gehülfen würde vergeblich angekämpft, vielmehr kann dieser Bei¬ tritt erzwungen werden. Es kommt nur darauf an, ob der Betrieb sich mit Bauleitung überhaupt beschäftigt. Dann sind sämtliche Geschäftsangestellte versicherungspflichtig, welche in die Lage kommen können, bei der Bauleitung beschäftigt zu werden und deshalb bei Ausübung derartiger Verrichtungen zu verunglücken, sofern ihr Jahreseinkommen 3000 M. nicht übersteigt. Nebensäch¬ lich ist es, ob tatsächlich und in welchem Umfange dei» einzelne Angestellte bisher zu Verrichtungen der Bauleitung herangezogen war. Vielmehr genügt das Vorliegen der tatsächlichen und recht¬ lichen Möglichkeit, zu gefährlichen Verrichtungen herangezogen zu werden. Inwieweit die Berufsgenossenschaften bereits Geschäfts¬ betriebe der oben dargestellten Art aufgefordert haben, sich in das Genossenschaftskataster eintragen zu lassen , entzieht sich unserer Kenntnis bis auf den Umstand, dass schon verschiedene derartige Fälle Vorgelegen und die zuständigen Behörden beschäftigt haben, wie der Rekursbescheid No. 2024 beweist. — K. H-e. Hrn. J. P. in Glauchau. Städtische Bauschulen sind Ge¬ meinde-Einrichtungen, als welche sie der Aufsicht und Anordnung des Bürgermeisters unterstehen. Dies gilt namentlich auch für das Königreich Sachsen. Bauschullehrer ohne Unterschied, ob sie fest angestellt oder aushilfsweise beschäftigt sind, unterstehen deshalb der Disciplinargewalt des Bürgermeisters. Nur wenn und soweit ihnen die Erlaubnis erteilt ist, vom Beschäftigungsorte entfernt zu wohnen, sind sie hierzu berechtigt, während sie in der Regel am Beschäftigungsorte zu wohnen haben. Abgesehen von den Ferien bedürfen sie für Reisen eines Urlaubes, dessen Ueberschreiten sie straffällig macht und unter Umständen berechtigten Grund zur Ent¬ lassung und zur Gehaltssperre abgeben kann. — Steht zwar dem Bürgermeister das Rügerecht zu, so darf er solches nicht durch Gebrauch unziemlicher Redensarten oder beleidigender Aeusserun- gen missbrauchen. Tat er dies, so kann der Betroffene entweder im Disciplinarwege oder durch Privatklage seine Bestrafung fordern. Ein Ausbleiben über den bewilligten Urlaub, das Unter¬ lassen der Rückmeldung, die eigenmächtige Veränderung des Stun¬ denplanes, das Versäumen des Unterrichtes ohne triftige Ent¬ schuldigungsgründe, das Wohnen ausserhalb des Beschäftigungs¬ ortes sind Tatsachen, denen die Eigenschaft einer Verfehlung gegen die Dienstobliegenheiten beigelegt werden kann. Es entschuldigt auch nicht, dass dies alles mit Wissen und unter Zustimmung eines Kollegen geschah, da derselbe tatsächlich nicht die Eigenschaft des Schulleiters hatte. Es wäre Ihre Sache gewesen, sich zu ver¬ gewissern, welche Veränderungen hinsichtlich der Schulleitung während des mehrmonatlichen Urlaubes etwa vorgekommen waren. Ob die schwebenden Streitfragen im Wege des Disciplinarverfahrens oder vor den ordentlichen Gerichten zum Austrag zu bringen sein werden, könnte erst nach Einsicht Ihres Anstellungsschreibens zuverlässig beurteilt werden. — K. H-e Hrn. Arch. P. B. in Mainz. Auf Ihre Anfrage ist folgen¬ des zu antworten: Zu 1. Wenn die Schwammsporen nicht auf an¬ dere Weise in die Balkenlage gelangt sind als durch das Holz selbst, dann war es eben schon im Walde mit Schwamm behaftet. Zu 2. Es ist dem Holze nicht anzusehen, ob es Schwammsporen und vielleicht auch etwa Schwamm-Mycel an sich hat, wenigstens ist der Bauleitende nicht ohne Weiteres in der Lage, das zu er¬ kennen. Neuerdings soll der mehr als wunderliche Vorschlag ge¬ macht worden sein, das Bauholz vor der Verwendung mikrosko¬ pisch auf Schwamm zu untersuchen, wie etwa Schweine auf Trichinen untersucht werden. Dies ist aber praktisch ganz un¬ tunlich, zumal das Holz an einer Stelle, wo sich zufällig eine Schwammspore vorfindet, erkrankt und kaum 1 m davon völlig gesund sein kann. Zu 3. Da der Bauleiter den Mangel nicht ohne Weiteres erkennen kann, darf er auch für den Schaden, soweit die Vorprüfung des Holzes infrage kommt, nicht verantwortlich gemacht werden. Eine andere Frage ist ja hierbei mit im Spiele, ob nicht bei der Art der Verwendung des Holzes und hinsichtlich zu grosser Beschleunigung der Bauausführung verschuldbare Ver¬ sehen der Bauleitung vorliegen ? — d. — Hrn. Bmstr. P. in Dresden. Wir haben schon wiederholt diese Frage dahin beantwortet, dass es in Preussen einen gesetz¬ lichen Schutz des Baumeistertitels bisher nicht gibt, dass sich viel¬ mehr jeder diesen Titel beilegen kann. — - Anfragen an den Leserkreis. 1. Welche Mittel gibt es ausser Oelfarbe, um eine profilierte Sandsteinfreitreppe, die seit Jahrzehnten mit Oelfarbe gestrichen worden ist, wieder ansehnlich herzustellen? Ein Abarbeiten der Stufen durch den Steinmetzen ist ausgeschlossen, da die Farbe des Stufenmateriales zu verschiedenartig, ausserdem aber auch das Oel zu tief in den Sandstein eingedrungen ist. — A. St. in Berlin. 2. Welche Veröffentlichungen gibt es über die Anlage von Wein¬ kellern?^—- _ B. in W. Inhalt: Bücher und Kunstblätter. — Preisbewerbungen. — Chronik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Hierzu eine Bildbeilage: Aus „Baukunde des Architekten“. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwort! Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 95. 616 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * «ss*ss***ss*: AUZEITUN G. GANG. * * N2- 96. * DEN 2. DEZ. igoß. % 52!ft«2r«ss!«srsr5rs!« : J TW ; 1 L Das Interims-Hoftheater in Stuttgart. Architekten :_Eisenlohr & Weigle in Stuttgart. ls im ersten Viertel des Jahres 1902 das kgl. Hoftheater in Stuttgart einem verheerenden Feuer bis auf die Grundmauern zum Opfer fiel, da galt es, mit ungewöhnlicher Hast vorläufigen Ersatzbau zu errichten, einen welcher ermöglichte, das aussetzende Theaterleben wieder aufzunehmen, bis ein endgültiger Bau, über dessen Gestal- Längsschnitt. tung die Mei¬ nungen noch vielfach ausein¬ andergehen, die Theater - Ver¬ hältnisse der schwäbischen Residenz wie¬ der in geregelte Bahnen führt. Die seltene ar¬ chitektonische Leistung , die in dem dann errichteten und hier abgebilde¬ ten Gebäude zum Ausdruck kommt, bean- spruchtzuihrer vollen Würdigung die Anführung einiger bemerkens¬ werter Daten: Am n. April 1902 frug das kgl. Finanz- Ministerium bei den Architekten Eisenlohr & Weigle in Stuttgart an, ob sie binnen einer Woche die Pläne zu einem massiv in Eisen und Stein zu erbauenden In¬ terims-Theater fertig stellen könnten ; nach der erfolgten Bereitwilligkeits-Erklärung mussten die Skizzen 4 Tage später dem König zur Genehmigung der Ausführung vorgelegt werden. Am 18. April wurden "die end¬ gültigen Pläne übergeben, am 19. April der Vertrag mit einem Generalunternehmer abgeschlossen und am 24. April mit den Grabarbeiten begonnen. Bereits am nächsten Tage begannen die Betonierungsarbeiten. Wenn auch die Gründungsarbeiten schnell gefördert werden konnten, so wurden sie doch auch wieder durch die im Schnitt zu erken¬ nende schwieri¬ ge Ueberbrück- ung des Nesen- bach -Gewölbes gegen die Er¬ wartung aufge¬ halten. Trotz¬ dem und trotz eines allgemei¬ nen Maurerstrei¬ kes von mehr als 5 wöchentli¬ cher Dauer, der in die Bauzeit fiel und über dessen Ziel ein Zweifel nicht bestand, und trotz derSchwie- rigkeiten, die in der Beschaffung der sehr umfangreichen Eisen -Konstruktionen lagen, konnte das Theater am 12. Okt. 1902, drei Tage vor dem vereinbarten Termine, unter der Teilnahme des Königs eröffnet werden. Die Errichtung hat also mit Einschluss der Planbearbeitung genau nur ein halbes Jahr gedauert, das Zeugnis einer Tatkraft, die besonders gerühmt zu werden verdient. Was wollen dieser ungewöhnlichen Leistung gegen- 617 über die kleinen Mängel bedeuten, die man nach nun- Theater mittlerer Grösse. Zur Ausdenkung umstürzen- mehr einjähriger Benutzung an dem Theater zu er- der Neuerungen war die Zeit nicht vorhanden. Alle kennen glaubte! Raumverhältnisse sind so geräumig, wie ein vorüber- Das Gebäude erhebt sich aut einem Gelände in gehender Bau sie beanspruchen kann, während die unmittelbarer Nähe der Neckarstrasse, welches vom Höhenverhältnisse nicht das der intimen Stimmung des kgl. Leibstall, vom kgl. Reservegarten, von der Schloss- Theaterbesuchers dienliche Mass überschreiten. Durch gartenstrasse und vom Hofwaschhaus begrenzt wird, eine stattliche Vorhalle mit Kassen gelangt der Be¬ sucher indendasnahezurecht- eckige Zuschauerhaus umzie¬ henden geräumigen Umgang mit den Garderoben. Nur zwei Ränge umziehen den Zuschau¬ erraum über dem Parkett. Ge- räumigeTreppen an den sie be¬ dingenden Stellen, sowie zahl¬ reiche Ausgänge geben neben der verhältnismässigen Weit¬ räumigkeit dem Theater- Be¬ sucher das Gefühl weitgehen¬ der Sicherheit. Das Haus ist aus Backstein und Eisen als Putzbau erstellt. Wo infolge des Streikes der Maurer aussetzte, trat der Be¬ tonarbeiter ein. Die Formen¬ sprache ist die einfachste, ohne ungefällig zu sein. Sie hat einen Stich ins Neogräke oder Empire, der ihrer Zurückhal¬ tung zustatten kommt. Eine etwas reichere Durchbildung haben im Inneren Foyer und Zuschauerraum erhalten, hauptsächlich das erstere. Die Plätze verteilen sich mit 473 Sitz- und 60 Stehplätzen auf das Parterre, 194 und i79Sitz- Die Anlage, für 1110 Sitzplätze, ausgeschlossen die plätzen auf die beiden Ränge und 154 Sitzplätzen so- Plätze in den kgl. Prosceniums-Logen, berechnet, ist wie 50 Stehplätzen auf das Amphitheater. Die Bühne durchaus schlicht und ungekünstelt; sie zeigt die hat eine Breite von 20 und eine Tiefe von 14 m; die Grundzüge der bewährten Grundrisse der neueren Bühnenöffnung ist 8,5 m breit und 6,2m hoch. — Grundrisse des Parketts und des I. Ranges. Die Regulierung und Einwölbung des Wienflusses. (Fortsetzung aus No. 93.) ner erste bekannte Regulierungs - Entwurf für den Wienfluss, der von dem Architekten und Statuarius - Wilhelm Bayer herrührt, stammt aus dem Jahre 1781. Nachdem der „Magistrats-Sanitatis“ Bock das Wohnen am Wienflusse als schädlich erklärt und den Ausdünstungen des Wassers an den häufig auftretenden Fäulungsfiebern und epidemischen Krankheiten nicht geringen Anteil zu¬ geschrieben hatte, strebte Bayer die Verbesserung dieser Verhältnisse durch die Erhaltung einer genügenden gleich- mässigen Wassermenge im Flusse an; zu diesem Zwecke sollten vier Fischteiche im Kloster Mauerbach herange¬ zogen werden, welche nach Bayers Ansicht hätten hin¬ reichen sollen, den Fluss mit Wasser zu versehen; um das Versickern des Wassers im Flussbette zu verhindern, sollten die öden Gründe, welche infolge des Umhauens der Auen entstanden waren, wieder angepflanzt, sollte die Sandgewinnung geregelt, die Schwellung des Flusses durch die Fischer vermieden, auch sollten weiter flussaufwärts noch Sammelbecken angelegt und alle Quellen und Ge¬ wässer zusammengezogen werden. Aber der Entwurf gelangte ebensowenig zur Ausführung als seine zahl¬ reichen späteren Nachfolger. Es ist hier nicht der Ort, diese vielfach hochinteressanten Entwürfe einzeln vorzu¬ führen und zu kennzeichnen, und so sei denn nur erwähnt, dass sie von verschiedenen Gesichtspunkten ausgehen und danach etwa in 6 Gruppen sich gliedern lassen, von denen die erste alle jene Pläne umfasst, welche eine vollständige Ableitung des Wienflusses entweder gegen Hetzendorf in den Liesingbach oder gegen Simmering in den Donaukanal, die Verschüttung oder Ueberwölbung des alten Flussbettes und die Benutzung des dadurch ge¬ wonnenen Raumes für Strassen und Lokalbahnen in Aus¬ sicht nehmen; eine zweite Gruppe von Vorschlägen be¬ trifft die Einwölbung oder Ueberdeckung des Wienflusses und die Benutzung des so gewonnenen oberen Raumes für Bahnen, Strassen u. dergl. m., während sich in eine weitere Gruppe die Entwürfe für die Anlage von Wien¬ tal-Bahnen an den Böschungen und Ufern unter gleich- 618 zeitiger Regulierung der letzteren vereinigen lassen ; zur vierten Gruppe können jene Entwürfe gezählt werden, welche die Ansammlung der Niederschläge im Wienfluss- Gebiete in grossen Sammelbecken und die Zuleitung einer gleichmässigen Wassermenge zur Bewässerung des Flusses und als Nutzwasser inVorschlag bringen, wobei einige dieser Entwürfe auch die Benutzung des Flussbettes für Lokal¬ bahnen beabsichtigen; eine fünfte Gruppe beschränkt sich auf die blosse Verbesserung der im Wienflusse herrschenden Verhältnisse, während die Entwürfe der sechsten Gruppe die Einbeziehung des Wienflusses in die Anlage von Schiffahrtskanälen in Aussicht nehmen. Ebensowenig wie in eine Beschreibung können wir uns hier in eine kriti¬ sche Beurteilung der im vorstehenden in ihren Grundzügen skizzierten Vorschläge einlassen, sondern wollen sofort zur Darstellung des zur Ausführung gelangten Planes über¬ gehen, der aus dem Jahre 1891 herrührt und gelegentlich der Verhandlungen zur Gründung der „Kommission für Verkehrsanlagen“ in Wien vom Wiener Stadt¬ bauamte aufgestellt und vom Gemeinderate genehmigt worden ist, wobei noch bemerkt werden soll, dass das Stadtbauamt schon seit Beginn der achtziger Jahre sich mit der Aufstellung verschiedener Regulierungsentwürfe für den Wienfluss befasst hat. Während aber die früheren Projekte stets zwei- und dreiteilige Profile, u. zw. mit oder ohne Verbindung mit einer Stadtbahn, in Aussicht nahmen, weist der endgültige Entwurf ein einheitliches Profil auf, das neben seinen sofort erkennbaren technischen Vorzügen noch einen wirtschaftlich bedeutungsvollen be¬ sitzt: dasselbe ermöglicht es nämlich, einen Teil der Aus¬ führungen der Zukunft zu überlassen, indem man nur die Sohle in der richtigen Lage und die Ufermauern derge¬ stalt ausführen muss, dass sie als Widerlager der künftigen Einwölbung dienen, während man die letztere selbst nur nach Massgabe der vorhandenen Geldmittel und des Be¬ dürfnisses herzustellen braucht. Die Regulierungsarbeiten erstrecken sich auf eine Länge von nur 17 •cm,“und zwar von der Ausmündung No. 96. des Wienflusses in den Do¬ naukanal bis nachWeidlingau. Sie zerfallen in drei, in ihrer techn. Zweckbestimmung we¬ sentlich verschiedene Her¬ stellungsgruppen. Die erste derselben umfasst die Anlage der Hochwasser - Sammel - becken am Beginne der Regu¬ lierungsstrecke in Weidlin- gau, während die zweite die Ausgestaltung des Abfluss¬ gerinnes selbstbetrifft, welch’ letzteres durch die Arbeiten der dritten Kategorie, die Aus¬ führung von Sammelkanälen beiderseits des Wienflusses, dessenAssanierungund Rein¬ haltung gesichert erhält. — Den Hochwasser Sammel¬ becken inWeidlingau (vgl. ne¬ bensteh. Abb. 2) fällt die wich¬ tige Aufgabe zu, dieausserge- wöhnlichen Hochwasser vor ihrem weiteren Abgänge nach Wien so zu regulieren, bezw. zu teilen, dass nur 4oocbm/Sek. ihrensofortigen Abfluss gegen die Stadt hin finden, während der Ueberschuss in die Re¬ servoire gedrängt und in ihnen eine entsprechende Zeit zurückgehalten wird, a Die Reservoir - Anlage um- S> fasst eine Grundfläche von .S 37 ha unci ist an der Einmün- •5 düng des Mauerbaches ge- «j: legen, weil die Hochwasser c nur beim Zusammentreffen ’g des Hochwassers des Wien- j“ tales und des Mauerbachtales 8 aussergewöhnliche Grösse £ annehmen. In einem solchen 6 Maximalfalle fliessen vom | Wienflusse 480 cbm und vom t? Mauerbache 130 cbm/Sek. zu- <3 sammen, wovon — wie er- g wähnt — 400 rbm gegen Wien j| abgehen, während 210 cb“i 'S seitlich in die Becken ge- K drängt werden. Die Fassungs¬ kraft der Becken ist nun so N bemessen, dass die Wasser- 4° massen,welchenachvollzoge- 13 ner Füllung der 1600 000 cbm ^ fassenden Becken wieder in das Flussgerinne eintreten, dort bereits niedrigere Was¬ serstände vorfinden. Die Fül¬ lungszeit der Reservoire be¬ trägt nämlich zwei Stunden, und innerhalb dieses Zeit¬ raumes hat die Flutwelle, wie langjährige Beobachtun¬ gen übereinstimmend gezeigt haben, ihren höchsten Stand bereits verlassen, sodass die Entleerung der Becken ohne höherelnanspruchnahme des Ablaufgerinnes erfolgt. Ein Teil der Anlagen er¬ streckt sich längs des Wien¬ flusses von der Reichsstras- sen-Brücke in Weidlingau bis zur Haltestelle Hütteldorf- Bad der Westbahn. Von der genannten Brücke an wird der Wienfluss (Abbildg. 3, S. 621) zwischen regulierten Böschungen in seinem alten Niveau eine kurze Strecke hindurch bis zu einer durch einen entsprechend geform¬ ten Betonkörper versicherten Sohlenstufe geführt; hier¬ durch wird ein Absturz zu einer 2,5 m tiefer liegenden Künette hergestellt, welche letztere sich 700 m weiter 619 2. Dezember 1903. allmählich bis zur Tiergartenmauer zu einem Vorbecken erweitert. Dieses in das Erdreich eingegrabene, mit einem eisernen Rechen versehene Reservoir dient als Ablage¬ rungs - Becken für Geschiebe und grössere Schwimm¬ gegenstände. Den Abschluss dieses Vorbeckens gegen die weiteren, flussabwärts gelegenen Reservoire bildet eine Betontraverse mit einem in der Achse des Fluss¬ gerinnes gelegenen Verteilungswerke. Dieses Werk ent¬ hält eine Eisenkonstruktion, bestehend aus 6 überein¬ ander angeordneten, wagrechten eisernen Balken, welche auf Rollen in lotrechten Quernischen laufen und durch eine Aufzugsvorrichtung beliebig gestellt werden können; ihm fällt die Aufgabe zu, die ankommenden Hochwasser in der schon angedeuteten Weise zu verteilen, bezw. auf¬ zustauen. Die tlussabwärtigen Becken bedecken die ge¬ samte Fläche zwischen dem neuen Fiussgerinne und der Tiergartenmauer, bezw. der Hofjagdstrasse und enden in dem Engpässe zwischen jener Mauer und dem Westbahn¬ damme bei Hütteldorf - Bad. Sie sind gleichfalls in das Gelände versenkt und von einander durch Betontraversen getrennt, die so angelegt sind, dass die gestauten Wasser¬ spiegel um je 2 m abfallen, was dem durchschnittlichen Wienflussgefälle (etwa 5°/oo) entspricht. Der Abfluss er¬ folgt in der Höhe der Traversenkronen von selbst, wäh¬ rend die darunter gelegenen Wassermengen sich durch in den Wehrkörper oberhalb der Sohle eingelegte, stets offene Rohre nach unten entleeren oder auch durch Schleusen in das regulierte Gerinne abgelassen werden können. Die Beckenböden, die aus geneigten, durch- Dienststeg tragen und bis über den^ höchsten Wasser¬ spiegel reichen, während die letzteren in Entfernungen von je 99 cm angeordnet sind und bis zu einer Höhe von go cm unter der Krone der Betontraverse aufragen, wobei von der Höhe der Sperrwerks - Sohlenschwelle bis zur Oberkante der kleineren Böcke die Konstruktion mit eisernen I-Nadeln vergittert ist. Oberhalb dieses festen Rechengitters befinden sich i,8m hohe hölzerne Schwimm¬ rechen aus je zwei wagrechten, durch lotrechtes Gitter¬ werk und Schrauben verbundenen Klötzelholzträgern, an deren Vorderseite 50 mm breite Latten in 10 cm Lichtab¬ ständen als Nadeln angebracht sind. Die Bewegung dieser Schwimmrechen erfolgt mit je 4 Rollen, welche zwischen zwei an den grossen Böcken befestigten lotrechten Eisen¬ schienen laufen, von denen die rückwärtigen aus U-Eisen gebildet sind; zur Verhütung des Schiefstellens der Schwimmer sind noch vier Führungsrollen angeordnet, die sich in den u Eisen auf- und abbewegen; überdies kann mittels eines endlosen Drahtseiles vom Stege aus bei einem allfälligen Ecken noch mit der Hand nachgeholfen werden. Das flussaufwärts gelegene Ende der feststehenden Rechen¬ konstruktion ist abgeschrägt und mit eisernen Nadeln voll¬ ständig vergittert. Ein neunter grosser Bock dient hier als Stütze. An diesen ist auch das Abweisfloss geführt, welches vor die noch bis zur linken Böschung freibleibende Oeffnung vorgelagert und an das linksseitige Ufer verhängt ist. Zu diesem Behufe musste ein Verhängungsseil unter einem Winkel von 45 0 gegen die Längsrichtung des Fiosses angeordnet werden, so dass ein Zug in dieser Längsrichtung schnittlich mit der regulierten Flussohle gleich hoch liegen¬ den Flächen bestehen, werden durch gepflasterte Gräben entwässert. Von dem Verteilungswerke ab wird der Wienfluss in einem von den Reservoiren durch eine Be¬ tonmauer*) vollkommen getrennten Gerinne, dem sogen. Umlaufgraben, geführt, der als ein 1300™ langer Durch¬ stich erscheint und knapp an die Linzer Poststrasse, bezw. an den Körper der Westbahn gerückt ist. Bei Hütteldorf- Bad mündet dieses neue Gerinne zugleich mit dem Ab¬ lauf des letzten Beckens in das alte Wienflussbett wieder ein. Die Trennungsmauer zwischen den Reservoiren und dem Umlaufgraben ist 6 — 8 m hoch, bat 2 m Kronenstärke und ist beckenseitig lotrecht, auf der anderen Seite mit 1:2,4 Anzug versehen. Die Einschnitts -Böschungen der Becken, deren Versicherung durch Bepflanzung geschieht, haben eine Neigung von 1:1,5; stärkeren Strömungen aus¬ gesetzte Böschungen erhielten ein 30cm bis 1 m starkes Bruch¬ steinpflaster bis 50 cm über Hochwasserlmie. Der im Vor¬ becken am flu ssabwärtigen Ende angeordnete eiserneRechen (Abbildgn. 4, S. 603 in No. 93. und 5, 6 u. 7), der zum Auf¬ fangen des bei ausserordentlichen Wasserständen mitge¬ schwemmten Holzes bestimmt ist, besteht aus einem 48,2“ langen feststehenden Teile und einem schräggestellten, 21, 4m langen hölzernen Abweisfloss. Der feststehende Teil weist 8 grosse und 43 kleinere Eisenböcke auf, von denen die ersteren je 6,6 m von einander entfernt sind, einen *) In Abbild^. 2 ist al« Trennungsobjekt zwischen den Reservoiren und dem Umlaufgrabeu ein Damm gezeichnet, wie ihn der ursprüngliche Entwurf enthielt, von dem bei der Ausführung abgegangen worden ist. gegen das linke Ufer hin entsteht. Es wurde darum die Führung des Fiosses so angeordnet, dass die feststehende Rechenkonstruktion auch diesem Zuge widersteht, wofür ein zehnter Bock, welcher vor dem neunten Bock senk¬ recht zu diesem steht, ausgeführt worden ist. Zur Auf¬ nahme dieses Zuges sind in das Floss 4 Stück je 35 mm starke Schraubenschliessen eingezogen. Das 33 mm starke, aus Tiegelgusstahl hergestellte Verhängungsseil ist am Ufer an 16 je 6 m tief in den Boden eingerammten, unter¬ einander durch einen Betonkörper verbundenen Lärchen¬ holz-Pfählen befestigt und kann nachgelassen oder nach¬ gespannt werden. Behufs Erleichterung der Aufwärts- und Abwärtsbewegung des Fiosses ist an den beiden zu¬ letzt erwähnten Böcken je ein System von in der Druck-, bezw. Zugrichtung laufenden Rollen angebracht, über welche das Floss gleitet. An der festen Eisenkonstruktion sind über der Führung zwei Schrauben - Flaschenzüge von je 7,5 t Tragkraft angeordnet, mit welchen man nach¬ helfen kann, wenn die Bewegung des Fiosses irgendwie gehindert werden sollte. Das Floss ist mit stellbaren Nadeln versehen, welche i. max. 1,5 m unter den Wasser¬ spiegel reichen, um das Entweichen des Holzes unter dem¬ selben zu verhindern. Damit das Floss nicht in der der Strömung entgegengesetzten Richtung bewegt werden kann, ist eine Gegenverhängung mittels einer Kette, eben¬ falls an das linke Ufer, angebracht. Gewöhnlich liegt das Floss auf zwei eisernen Böcken in solcher Höhe auf, dass die Nadeln bis zur Höhe der Ueberfallschwelle des Sperr¬ werkes hinabreichen. Das Fundament der Rechenanlage No. 96. 620 ist aus Portlandzcmentbeton mit Rundeiseneinlagen her- der grössten Hochwässer, mit einem Gesamtfassungsraume gestellt, die Sohle zwischen dem Rechen, dem Sperrwerk von igoooocbm. Das kleinere, mit einem Holzrechen ver- und der linken Böschung mit einer 40 cm starken Portland- sehene Vorbecken bildet eine Verbreiterung des Bach¬ zement-Betonlage versichert. bettes und dient als Ablagerungsstätte für die mitgeführten ficCCt V27 'oj T jMl 5 v3 %. Abbildg. 8. Längenprofil des Mauerbach-Anschlusses. Massstab der Längen 1:25000 Massstab der Höhen 1:375 Abbildg. 3. Längenprofil des Hochwasser-Sammelbeckens in Weidlingau. Die Anlagen am Mauerbache (Abbildg. 8) umfassen einen etwa 250 m langen Durchstich, der den ursprünglich stark gekrümmten Lauf des Baches ersetzt, und zwei in das Gelände eingelassene Reservoire zur Aufspeicherung 2. Dezember 1903. Abbildgn. 6 und 7. Eiserner Rechen im Hochwasserbecken in Weidlingau. Geschiebe und zum Zurückhalten grösserer schwimmen¬ der Gegenstände, während das am linken Ufer gelegene grosse Reservoir hauptsächlich zur Wasseraufspeicherung bestimmt ist. Beide Reservoire sind miteinander durch 621 ein 30 m langes Ueberfallwehr verbunden, dessen Krone so hoch gelegen ist, dass erst bei jenem Wasserstande im Vorbecken, welcher der grössten zulässigen Abflussmenge des Mauerbaches entspricht, ein Ueberstürzen des darüber hinaus zufliessenden Wassers in das grosse Reservoir stattfindet. Zur Entleerung desselben ist am flussabwärti- gen Ende eine Ablass-Schleuse samt Rohr für die Boden- Mitteilungen aus Vereinen. Arch.- u. Ing.-Vereln zu Hamburg. Vers, am 16. Okt. 1903. Vors. Hr. Zimmermann, anwes. 84 Pers.; aufgen. Hr. Brandmstr. Braatz. Hr. Zimmermann erstattet Bericht über die 32. Abge- ordneten-Versammlung in Dresden und schildert deren geschäftlichen und geselligen Verlauf. Redner hebt ins¬ besondere die bemerkenswerte Tätigkeit Hamburgischer Kollegen an den Verbandsarbeiten hervor. Hr. Gleim ist in den Fachausschuss für Ingenieurwesen gewählt worden, Redner selbst in denjenigen für Architektur. Die Hrn. Blohm und Weyrich sind im Ausschuss für das Normal- Profilbuch tätig; Hr. Hagen hat die Arbeit über Feuer¬ schutz der Eisenkonstruktionen fertig gestellt; Hr. Richter arbeitet im Ausschuss für Hausentwässerungs Normalien, welcher in allen wesentlichen Punkten zu einer Einigung gelangt ist. Redner selbst hat über die Grundsätze betr. die zivilrechtliche Verantwortlichkeit der Architekten und Ingenieure Bericht erstattet, wobei die von dem hambur- gischen Oberlandes -Gerichtspräsidenten Dr. Sieveking verfasste Begründung zu gebührender Geltung gelangte. Hr. Bürstenbinder wurde Mitglied des neuen Ausschusses für einheitliche Bestimmungen für Ausführung und Be¬ rechnung der Betoneisen-Konstruktionen. Die hambur- gische Schrift über die Arbeiter - Wohnungsfrage (Verf. Architekt Rambatz) fand lobende Erwähnung. Mit dem Vorschläge betr. Austausch gedruckter Jahresberichte ist der hamburgische Verein nicht durchgedrungen; er wird aber nunmehr den freiwilligen Austausch anregen und mit gutem Beispiel vorangehen. Hr. Haller gibt zu der für den folgenden Tag anbe¬ raumten Besichtigung des Neubaues der Hamburg- Amerika-Linie eine eingehende Erläuterung des Grund¬ risses und der Einrichtung des Gebäudes einschliesslich der von Hrn. Hennicke entworfenen Pleizungs-, Lüftungs¬ und Beleuchtungs - Anlagen. Ueber das hamburgische Hötelwesen flicht Redner die unerfreuliche Mitteilung ein, dass der bessere Fremdenverkehr auffällig zurückgeht; die guten Hotels an der Binnenalster, die im Winter zu wenig zu tun haben, vermindern sich und sind schon jetzt bei besonderen Gelegenheiten, insbesondere bei der Expedition grosser Dampfer, nicht im Stande, die Reisen¬ den aufzunehmen. Nach einigen interessanten Mitteilungen über die Entstehung des figürlichen Schmuckes des Packet- fahrthauses schliesst Redner unter dem lebhaften Beifall der Versammlung. — M Arch.- und Ing. -Verein zu Magdeburg. Sitzung am 7. Okt. Nach Begrüssung der Anwesenden in der ersten Sitzung des Winterhalbjahres durch den Vorsitzenden, Hrn. Winckler berichtet H. Mackenthun über die Ver¬ handlungen auf dem Verbandstage in Dresden und knüpft daran die Hoffnung, dass das Interesse der Einzel¬ vereine, wie jedes einzelnen Mitgliedes an den Angelegen¬ heiten des Verbandes mehr und mehr zunehmen möge. — Sitzung am 4. Nov. Es berichtet H. Jähn über den Denkmaltag in Erfurt. Nach einem kurzen Rückblick auf die früheren seit 1900 abgehaltenen Denkmaltage und die Bestrebungen, neben den Verhandlungen ein gewisses Anschauungsmaterial vorzuführen, was das Interesse wei¬ terer Kreise erwecken solle, bespricht er kurz die wohl¬ gelungene Ausstellung in den Räumen des Domremters zu Erfurt, um dann auf die Verhandlungen während der zwei Tage selbst näher einzugehen. Für die allgemein fesselnden Ausführungen wird ihm seitens der Versamm¬ lung gebührender Dank zuteil. Es folgte der Bericht des Hrn. Schwarz als Vor¬ sitzender des Ausschusses, welcher sich mit der Frage der Beschaffung billiger Wohnungen näher befasst hatte. Die Hauptarbeit bestand in der Herstellung einer Sammlung ausgeführter Entwürfe von Kleinwohnungen. Es war zu diesem Zwecke ein Fragebogen ausgearbeitet und den Stadtgemeinden, Behörden, Baugenossenschaften und grösseren Betrieben zugestellt worden. Von den Städten war wenig eingegangen, die Kgl. Eisenbahn¬ direktion und die Berginspektion in Stassfurt hatten die Beantwortung abgelehnt, nur die Direktionen der Gru¬ ben hatten bereitwilligst Material gesandt, desgleichen der Spar- und Bauverein, sowie die Baubank in Magdeburg, die letzteren beiden jedoch mit der Bedingung, ihr Mate- Entwässerung angebracht. Die Regulierung des fluss¬ abwärts gelegenen Bachgerinnes beschränkt sich auf die Herstellung der Regelmässigkeit der Sohle und der Böschun¬ gen. Nahe der Ausmündung des Mauerbaches in den Wienfluss ist ein 2,5 ™ tiefer Sohlenabsturz in das neue, vertiefte Wienflussgerinne angeordnet, welcher aus einem Betonkörper mit Absturzboden besteht. — _ (Fortsetzung folgt.) rial nicht zu veröffentlichen. Trotzdem hatte sich die Sammlung verlohnt. Alle Gebäude sind durchweg massiv gebaut. Eine angemessene Verzinsung des Anlagekapitals ergab sich nur bei mehrstöckigen Gebäuden und bei der Ausnutzung des Dachbodens zu Wohnzwecken, nicht aber bei Einfamilienhäusern. Nachdem die Versammlung dem Hrn. Vortragenden für seine Mühewaltung gedankt, wird beschlossen, diese Angelegenheit demselben Ausschüsse zur weiteren Durch¬ arbeitung zu überweisen, auch den Einzelvereinen das gewonnene Material zugehen zu lassen, damit auch diese in ihren Bezirken ähnliche Erhebungen anstellen. — B. Vermischtes. Die Ausführung einer Gürtelbahn um das linksrheinische Köln aus städtischen Mitteln ist, wie wir der „Köln. Ztg.“ entnehmen, von der Stadtverordneten -Versammlung am 14. November beschlossen worden. Die Stadt beabsichtigt nach der die Vorlage erläuternden Denkschrift die grosse Reihe von Verkehrsaufgaben, die sie innerhalb der letzten Jahre durchgeführt hat und noch durchzuführen im Begriffe steht, durch die Schaffung einer im grossen Stil angeleg¬ ten Gürtelbahn aus städtischen Mitteln zu erweitern und damit den städtischen Verkehrsanlagen einstweilen einen Abschluss zu geben. Der Plan der Gürtelbahn bezweckt eine Ergänzung der für die industrielle Entwicklung Kölns geschaffenen Anlagen und eine Erchliessung des aus¬ gedehnten ländlichen Bezirkes im Weichbilde der Stadt Köln für die gewerbliche Tätigkeit. In weitschauender Voraussicht der Lebensbedingungen des Gemeinwesens, das sich zweifellos mit der bevorstehenden Entfestigung in ungeahntem Masse entwickeln wird, beabsichtigt die Stadt, das grosse Unternehmen selbst auszuführen. Die Kölner Handelskammer und der Verein der Industriellen des Reg.-Bezirkes haben den Plan gutgeheissen. Der An¬ fang der Gürtelbahn im Süden ist geplant am Oberländer Ufer, wo die Militär-Ringstr. von der Uferstr. abzweigt; sie soll dann in grossem Bogen um die Stadt herum, an der Militär-Ringstr. entlang, jenseit Bayental, Marienburg bis in die Nähe des Komarweges geführt werden, wo sie die Ringstr. verlässt und in einer Unterführung den Bahnhof Eifeltor kreuzt. Sie wendet sich wiederum der Militär-Ringstr. zu und verfolgt diese bis zum Nordrande des Stadtwaldes. Für die Strecke Dürener Str. bis Köln- Aachener Eisenbahn ist eine gemeinsame Linienführung der Köln-Frechener Bahn und der Gürtelbahn unter Be¬ seitigung des zurzeit bestehenden Gleises der Frechener Bahn geplant. Unweit des Stadtwaldes überschreitet die Bahnhnie die Aachener Str. und trifft die Köln Aachener Bahnlinie in der Nähe der Abzweigung der Grevenbroicher Linie. Auch hier ist eine Unterführung der Staatsbahn vorgesehen. Von hier aus wird die Bahn von der Militär- Ringstr. landeinwärts abzweigend auf geradem Wege an den Ortschaften Bickendorf und Ossendorf vorbei bis zur Staatsbahnlinie Köln-Neuss geführt, welche wiederum mittels Unterführung der Gürtelbahn gekreuzt wird. Auf der Rheinseite der Köln-Neusser Bahnlinie schwenkt die Gürtelbahn nach Südosten und führt durch die Ortschaften Merheim bis Niehl. Hier wendet sich die Bahn an der Mühlheimer Heide vorbei nach Niehl, wo sie am Nieder¬ länder Ufer in die von der Machabäerstr. aus bis dort¬ hin zu verlängernden Hafen- und Werftgleise einmündet und damit ihren Ring schliesst. Die Länge dieser Linie, ohne die Hafengleise, beträgt 23 ktn. Von dieser Haupt¬ oder Stammlinie gehen drei Zweiglinien ab, an £ deren Endpunkten Güterbahnhöfe mit Schuppen und Ladegleisen für den öffentlichen Verkehr vorgesehen sind; eine solche Zweiglinie ist zwischen Luxemburger und Berrenrather Str., eine zweite zwischen Aachener und Widdersdorfer Str. bis zur Jägerstr. und eine dritte von Niehl aus zwischen Niehler und Amsterdamer Str. bis zur Kanalstr. vorge¬ sehen. Die Kosten stellen sich auf insgesamt 8 829 000 M., wovon 3922 000 M. für Grunderwerb, 1 935 550 M. für den Oberbau, 848075 M. für Erd- und Böschungs- Arbeiten, 467000 M. für Betriebsmittel, 462000 M. für Bahnhöfe, 326450 M. für Verwaltungskosten, 222000 M. für Brücken und Durchlässe, 124 500 M. für Wegeanlagen und 125000 M. für ausserordentliche Anlagen vorgesehen sind. Die Ver¬ handlungen zwischen den Vertretern der Stadt und den No. 96. 622 Staatsbehörden über die Gürtelbahn hatten bisher folgenden Verlauf: Im Erlass vom 25. März 1903 wurden die wesent¬ lichsten Bedingungen wie folgt festgesetzt: 1. Die Bahn soll als Nebenbahn gebaut werden und bezüglich der Tarife ebenso behandelt werden wie andere private Nebenbahnen. 2. Auf Erfordern der Staatsregierung ist die Strecke Nippes -Eifeltor gegen Erstattung der hierfür von der Stadt aus eigenen Mitteln aufgewendeten notwendigen und nützlichenAnlagekosten abzutreten, jedoch nicht früher, als nach Ablauf von 15 Betriebsjahren. 3. Der Grund¬ erwerb ist zweigleisig auszuführen. 4. Alle Anschluss¬ verträge müssen spätestens nach 15 Jahren kündbar sein. Es dürfen keine Vereinbarungen getroffen werden, denen der Grundsatz der Allgemeinheit und Oeffentlichkeit der Beförderungsbedingungen entgegensteht. 5. Die Baufrist für die Strecke Ehrenfeld-Rhein (Nord) beträgt 3 Jahre, die für die übrige Strecke 6 Jahre. Voraussetzung für die Verwirklichung des Planes war neben dem Entgegen¬ kommen der Staatsregierung und der Behörden ganz besonders das Entgegenkommen der Staatseisenbahn- Verwaltung in bezug auf die Tarifverhältnisse. Die ge¬ plante Bahn kann nur dann mit Aussicht auf einen einiger- massen die Zinsen des Anlagekapitals deckenden Ertrag gebaut werden, wenn die Staatseisenbahn-Verwaltung der Gürtelbahn direkte Tarife unter Auflassung der halben Abfertigungsgebühr an die Stadt bewilligt und die Stadt diesen Ertrag nicht zur Erzielung eines Gewinnes, sondern zur Entlastung der Verfrachter verwendet. Diese Be¬ dingung ist inzwischen vom Staate erfüllt. Es fliessen da¬ raus dem Unternehmen jährlich 2—300000 M. zu. Auch die Staatseisenbahn-Verwaltung selbst wird aus der Gürtelbahn, welche für sie eine Zubringerin eines ganz bedeutenden Verkehrs werden kann, erheblichen finanziellen Vorteil zu erwarten haben. Die Ertragsberechnung kommt darauf hin¬ aus, dass ein Betriebsüberschuss das aufgewandte Kapital mit 3,56 °/0 verzinsen würde; die Rücklagen zum Erneue¬ rungs- usw. Fonds müssten ganz aus Zuschüssen der Stadt geleistet werden, zusammen etwa 105 000 M. Die Gegen¬ leistung, die das Gemeinwesen für diese Ausgabe ent¬ schädigt, besteht in der Belebung der wirtschaftlichen Tätigkeit, die die Gürtelbahn für die Gesamtheit der Kölner Bürger hervorzurufen geeignet ist. Die Denkschrift kommt im allgemeinen zu dem Schluss, dass das Unternehmen, wenn es auch immerhin ein Wagnis sei, dennoch grosse Wahrscheinlichkeit für die Erfüllung der an dasselbe ge¬ knüpften Hoffnungen für sich habe, und so sollte der be¬ deutungsvolle, eine Ausgabe von 8 829 000 M. erfordernde Schritt getan werden, um die Stadt aus ihrer ungewöhn¬ lichen Flächengrösse einen baldigen Vorteil ziehen zu lassen. Bemerkt sei noch, dass die erste Denkschrift über diesen Plan vom Februar d. Js. mit einem Anlagekapital von 5 Millionen M. rechnete; indessen werden sich die Ausgaben durch die veränderte Linienführung im Norden von der Dürenerstrasse ab, wo die Bahn auf eigenem Planum fährt, um 3 bis 4 Millionen, den Betrag der Grunderwerbs¬ kosten, erhöhen. Die Vorlage wurde einstimmig ange¬ nommen. 6789000 M. sollen durch Anleihen gedeckt werden, während 2 040 000 M. aus den bereits bewilligten Mitteln für den Bau der Kleinbahn Köln-Niehl-Merkenich entnommen werden sollen, da diese Strecke nur z. T. mit der Gürtelbahn zusammenfällt. — Eine internationale Bauausstellung in Wien. Die Ab¬ teilung für Baugewerbe im Niederösterreichischen Gewerbeverein hat die Anregung zur Veranstaltung einer internationalen Bauausstellung in Wien gegeben. Nach einer vorläufigen Skizze soll die Ausstellung die nachfolgenden Gruppen umfassen: Baugewerbe; historische Ausstellung des gesamten Bauwesens vom Uranfang bis zur modernen Zeit, Vorführung der Stilarten aller Völker durch Pläne, Modelle und Bauten; die Wohnung im all¬ gemeinen, und zwar: das Wohnhaus oder Zinshaus, das Bauernhaus (internationales Dorf), Cottageanlagen und Familienhaus; Fabrik- und Industriebauten; Bauten für Hy¬ giene und Wohlfahrts- Einrichtungen; Innenräume in allen diesen Ausstellungen, kunstgewerbliche Ausstellung, Vor¬ führung von Arbeitsmaschinen in den Fabrikanlagen usw.; Aufstellung von Schlössern und Burgen usw. Nach dieser Skizze sind diese Gruppen als selbständige Teile des Ganzen gedacht; innerhalb der einzelnen Gruppe aber wäre eine weitere Teilung nach Nationen vorzunehmen. — Die Tempelruinen von Phllae, die bekanntlich durch das grosse Nilstauwerk bei Assuan zeitweilig bis zu be¬ trächtlicher Höhe unter Wasser gesetzt werden, wurden, um Zusammenbrüche zu verhindern, in ihren Fundamen¬ ten vor der erstmaligen Anstauung unterfangen. Nach „The Builder“ haben sich diese Unterfangungen bisher als ausreichend erwiesen, jedoch liegt eine weitere, viel¬ leicht noch grössere Gefahr in der Wasseraufnahme durch 2. Dezember 1903. den Sandstein der Bauwerke. Nach genannter Quelle soll sich die Durchfeuchtung infolge der Kapillarität bis 2 ™ über höchstem Wasserstande gehend machen. Es wer¬ den jetzt unter Leitung des General- Direktors der Ver¬ waltung der Altertümer Ausbesserungen der Tempelauf¬ bauten in Zementmörtel vorgenommen, die leider auch nicht zur Erhöhung der Schönheit der alten Baureste beitragen. — Ueber amerikanische Schnellfahrversuche dringt eine Mitteilung in die Oeffentlichkeit, wonach die Aurora, Eigin & Chicago Railway in Nordamerika, eine elektrisch be¬ triebene Eisenbahn, die deutschen Erfolge noch über¬ trumpfen will mit einem Schnellbahnwagen, der eine Ge¬ schwindigkeit von 240km/iSt. (150 engl. Meilen) erreichen soll. Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse die ge¬ planten Versuche haben werden. — Der hundertste Geburtstag von Gottfried Semper (29. Nov. 1903) ist am 29. Nov. in Dresden durch eine gemeinschaft¬ liche Feier des Sächsischen Ingenieur- und Architekten- Vereins, des Dresdner Architekten-Vereins, der Dresdner Kunstgenossenschaft und des Dresdner Kunstgewerbe- Vereins festlich begangen worden. Den Festvortrag hielt Hr. Geh. Hofrat Prof. Dr. Corn. Gurlitt; wir lassen den Vortrag im Wortlaute folgen. — Bücher. Die graphische Statik der Baukonstruktionen von Müller- Breslau. Band II. Erste Abteilung. 3. Aufl. Baum- gärtner’s Buchhandlung. Leipzig 1903. Geb. 18 M. Dem ersten Bande vorstehend genannten Werkes, welches im Jahrgange 1902 dieser Zeitschrift auf S. 195 und 196 besprochen wurde, ist die erste Abteilung des zweiten Bandes rasch nachgefolgt. Während der erste Band vorwiegend die statisch bestimmten Konstruktionen behandelte, beschäftigt sich der nunmehr vorliegende der Hauptsache nach mit der Theorie und Anwendung der statisch unbestimmten ebenen Fachwerke. Die vollwandi- gen Konstruktionen und die Raurnfachwerke sind den weiteren Fortsetzungen Vorbehalten. Die heutige Behandlung der statisch unbestimmten Konstruktionen hat streng genommen dieselbe Grund¬ lage, wie die frühere: die geometrischen Bedingungen, welche durch die Aufgabe gegeben sind, müssen bei jeder Formänderung erfüllt bleiben. Bei den statisch un¬ bestimmten Konstruktionen stehen die Formänderungen mit gewissen Grössen, die man als „Ueberzählige“ be¬ zeichnet, in Wechsel - Beziehungen; die Ermittlung der Formänderungen ist deshalb für die Berechnung unent¬ behrlich. Ein mächtiges Hilfsmittel hierbei bietet das be¬ kannte Gesetz der virtuellen Verrückungen und der aus demselben sich ergebende Satz von der Gegenseitigkeit der Verschiebungen. Der letztere Satz ist als „Maxwell’s Satz“ bekannt; der Verfasser hat den Satz erweitert und als Ausgangspunkt seiner Untersuchungen in dem Buche benutzt, wie er ja auch durch eine grosse Zahl von grundlegenden Arbeiten auf diesem Gebiete bahnbrechend gewirkt hat. Wie bereits in der Besprechung des ersten Bandes hervorgehoben, ist, kann von einer Empfehlung des allgemein als vortrefflich anerkannten Werkes abge¬ sehen werden: es genügt die Vorführung des Inhaltes. In der Einleitung sind die Grundgesetze der Theorie der elastischen Träger sowohl für das Fachwerk wie für feste isotrope Körper dargelegt. Es folgen in dem ersten Abschnitt die Bestimmung der Formänderungen ebener Fach werke; die Wüliot’schen Verschiebungspläne, die Stab¬ züge, die Biegungslinien. — Dann wird das statisch un¬ bestimmte Fachwerk allgemein vorgeführt und die Be¬ handlung einfach und mehrfach statisch unbestimmter Fachwerke, an einer Reihe von Beispielen gezeigt. In geistreicher Weise ist hier entwickelt, wie man durch zweckmässige Wahl der Ueberzähligen auch bei höherer statischer Unbestimmtheit die Berechnung vereinfachen und sehr übersichtlich gestalten kann. Die bisher ange¬ gebenen Teile befanden sich auch in der früheren Auflage. — Der zweite Abschnitt führt die Berechnung der wich¬ tigsten statisch unbestimmten Fachwerke vor, den Zwei¬ gelenkbogen, ohne und mit Zugstange, die Kettenbrücke durch Balken versteift, Bogen- und Kettenbrücken mit mehreren Oeffnungen, Ausleger - Bogenbrücken, Fach¬ werkbogen mit eingespannten Kämpfern (nach Art von Müngsten;; diese Abteilung ist durch eine Reihe neuer Untersuchungen bereichert: eine dritte Behandlung des Fachwerkbogens mit eingespannten Kämpfern, durch welche auch der Fachwerkring erledigt ist u. a. Sehr wertvoll ist auch die Durchrechnung eines Beispieles für den eingespannten Fachwerkbogen und die Entwicklung von Näherungsformeln für die Berechnung der Kämpferdrucke dieses Bogens. Besonders zu erwähnen sind die neuen Un¬ tersuchungen bei der Besprechung durchgehender Balken. 623 Eine hervorragende Vermehrung endlich bildet die Vorführung einer grösseren Zahl schwierig zu berechnen¬ der statisch unbestimmter Bogen-, Balken- und Ketten- Brücken, und zwar einer dreifach und einer zweifach statisch unbestimmten Bogenbrücke mit drei Oeffnungen (letztere nach Art der Mirabeau-Brücke), des Eingelenk¬ balkens mit 3 Oeffnungen (einfach statisch unbestimmt), des Eingelenkbogens, der dreifach statisch unbestimmten Kettenbrücke mit drei Oeffnungen, wie sie bei der Mühltor¬ brücke in Lübeck (Elbe-Trave-Kanal) neuerdings ausge¬ führt ist. Neu ist ferner die eingehende Untersuchung des dreifach statisch unbestimmten vierteiligen Netzwerkträgers. Alle die grossen Vorzüge, welche der Behandlungsart des Verfassers gelegentlich der Besprechung des ersten Bandes nachgerühmt wurden, treten auch bei dem vor¬ liegenden Bande in die Erscheinung, der sich mit sehr schwierigen Aufgaben der Konstruktionskunst befasst und sie in vorbildlicher Weise löst. Neben der wissenschaft¬ lichen Bedeutung des Werkes muss hervorgehoben wer¬ den, dass eine grosse Zahl von durchgearbeiteten Bei¬ spielen dem Praktiker unschätzbare Dienste zu leisten geeignet ist. Für die Bearbeitung statisch unbestimmter Konstruktionen istdasWerk ein unentbehrlicher Ratgeber.— Th. Landsberg. Leitfaden zum Berechnen und Entwerfen von Lüftungs- und Heizungs- Anlagen. Von H. Rietschel, Geh. Reg.- Rat, Prof, der Kgl. Technischen Hochschule zu Berlin. 3. Auflage 1902. Verlag von Julius Springer, Berlin. 2 Bde., geb. Preis 20 M. Die 3. Auflage des Leitfadens stellt eine vollständige Umarbeitung der 2. Auflage dar und hat gegen diese etwa den doppelten Umfang erhalten, sodass aus dem Leit¬ faden ein Lehrbuch geworden ist und zwar dasjenige, das den gegenwärtigen Stand der Heizungs- und Lüftungs¬ technik am eingehendsten und besten behandelt. Das Werk zertällt in 2 Teile; der erste enthält die Angabe der physikalischen und hygienischen Grundlagen und die auch alle Neuerungen berücksichtigende beschrei¬ bende und rechnerische Erörterung der verschiedenen Arten von Heizungs- und Lüftungs-Einrichtungen. Auch die Kühlung der Räume wird besprochen, ferner die Ver¬ gebung und Prüfung von Lüftungs- und Heizungsanlagen. Im Anhang wird die in Preussen geltende „Anweisung zur Herstellung und Unterhaltung von Zentral Heizungs- und Lüftungsanlagen in den unter Staatsverwaltung stehen¬ den Gebäuden“ wiedergegeben und ein Literatur-Verzeich¬ nis, sowie ein ausführliches Sachregister mitgeteilt. Im Vergleich zur 2. Auflage ist die Gruppierung der Kapitel usw. nahezu dieselbe geblieben, der Umfang hat aber eine starke Vermehrung dadurch erfahren, dass den vom Ver¬ fasser angegebenen Berechnungsweisen ihre Entwicklung angefügt und an zahlreichen Beispielen die Anwendung der ermittelten Formeln gezeigt wurde. Dann sind die Ergebnisse zahlreicher Versuche, namentlich über die Wärmeabgabe von Heizkörpern und die Wirkung von Wärmeschutzmitteln aufgenommen worden, die in der dem Verfasser unterstehenden Versuchsanstalt für Lüftungs¬ und Heizungs-Einrichtungen der Technischen Hochschule ausgeführt worden sind. Andere neuere Verfahren und Angaben sowie die seit dem Erscheinen der 2. Auflage in der Heizungs- und Lüftungstechnik zu praktischer Be¬ deutung gelangten Neuerungen haben selbstverständlich gebührende Berücksichtigung gefunden. Der 2. Teil des Werkes enthält Tabellen, in denen physikalische Werte, namentlich aber die ausgerechneten Werte zahlreicher, vom Verfasser im 1. Teil entwickelter Formeln, wie sie zur Berechnung von Heizungs- und Lüftungsanlagen dienen, zusammengestellt sind; auch die Ergebnisse der bereits erwähnten Versuche sind hier an¬ gegeben. Ferner sind im 2. Teil auf Tafeln viele praktisch bewährte Einzelteile von Heizungs- und Lüftungsanlagen dargestellt. Allerdings fehlt eine Kritik dieser Konstruk¬ tionen, soweit sie nicht aus den allgemein gehaltenen Erörterungen im r. Teil zu entnehmen ist. Auch fehlt für viele Figuren die Beschreibung, die allerdings für den erfahrenen und auch alle Neuerungen kennenden Hei¬ zungs- und Lüftungs -Techniker überflüssig ist, von dem weniger Kundigen aber sicher mehrfach vermisst werden wird. Die bildliche Darstellung der Figuren ist sehr klar, wenn auch der Konstrukteur aus ihnen über die Ab¬ messungen, namentlich der Wandstärken, und über die bei der Herstellung von Werkzeichnungen notwendigen Einzelformen sich keine Kenntnis verschaffen kann. In dieser Richtung besteht überhaupt eine Lücke in der Literatur der Heizungs- und Lüftungstechnik. Der Kon¬ strukteur findet wohl zahlreiche Figuren, die ihm den Umriss der Einzelteile klar machen, sehr selten aber kann er aus diesen Figuren diejenigen Abmessungen entnehmen, 624 die zum Entwerfen von Zeichnungen, nach denen der be¬ treffende Teil hergestellt werden kann, notwendig sind. Eine Konstruktionslehre der Heizungs- und Lüftungs¬ technik ist noch nicht geschrieben worden. Wie schon betont, ist das vorliegende Werk unstreitig das beste Lehrbuch über Heizungs- und Lüftungsanlagen und daher für den Fachtechniker, der heute nicht mehr mit Faustregeln auskommen kann, sondern seine Entwürfe genau berechnen muss, unentbehrlich. Aber auch dem Architekten kann das Werk zum Studium bestens em¬ pfohlen werden, da es ihm durch seine leicht verständ¬ liche Sprache klaren Aufschluss über die Eigenart der verschiedenen Heizungs- und Lüftungsarten gibt und ihn somit fähig zum Verständnis von Entwürfen macht, die dem Architekten ganz besonders bei Bewerbungen um die Ausführung von Heizungs- und Lüftungsanlagen vor¬ gelegt werden. — _ _ Hartmann. Preisbewerbungen. Wettbewerb betr. Entwürfe für die künstlerische Aus¬ gestaltung des Theaterplatzes zwischen Augustus- Brücke und Hotel Bellevue in Dresden. Von der Zuerkennung eines I. Preises wurde abgesehen; II. Preise von je 1000 M. wurden den Entwürfen mit dem Kennzeichen des Doppel¬ ringes des Hrn. Arch. Richard Schleinitz in Dresden, mit dem Kennwort: „Der Vortrag allein machts nicht“ der Hrn. Paul Luther und Paul Kretzschmar in Blase¬ witz, und dem Kennwort „Prestissimo“ der Hrn. Ernst Kühn und Otto Beyrich in Dresden zuerkannt. III, Preise von je 500 M. fielen den Entwürfen der Hrn. P. Winkler in Loschwitz, Paul Schwartz in Leipzig, Alfr. R. Schmidt aus Dresden, z. Z. in Berlin, Max Hans Kühne in Dresden, Rumpel & Krutzsch in Dresden und Otto Schnartz in München zu. Sämtliche Entwürfe sind vom 1. bis mit 20. Dez. täglich von 10—3 Uhr in der Ausstellungshalle in Dresden, Eingang Stübel-Allee, öffentlich ausgestellt. — Wettbewerb Krankenhaus des Gesamtarmenverbandes Nienstedten ln Dockenhuden. Unter 48 Entwürfen erhielt den I. Preis von 1000 M. der Entwurf „Sanitas“ der Hrn. Raabe & Wöhlecke in Altona; den II. Preis von 600 M. der Entwurf „Quisisana“ der Hrn. Lorenzen & Stehn in Hamburg; den III. Preis von 400 M. der Entwurf „Lerne leiden usw.“ des Hrn. Max Bischoff in Berlin. — Wettbewerb Friedhofanlage Lahr ln Baden. Unter 47 Entwürfen errang der der Hrn. Oskar & Johannes Grothe in Berlin den I. Preis von 1000 M.; der II. Preis von 500 M. wurde Hrn. Wolfgang Gessner in Berlin, der III. Preis von 300 M. Hrn. G. Oberthür in Strassburg zuerkannt. Zum Ankauf empfohlen wurde die Arbeit „Stätte des Friedens“ des Hrn. Franz Geiges in Frei¬ burg i. Br. Sämtliche Arbeiten sind bis 12. Dez. 1903 in der Aula der Luisenschnle in Lahr öffentlich ausgestellt. — [ Brief- und Fragekasten. Hrn. Arch. Chr. ln Grünau. Ihre Angaben reichen zu einer sicheren Beantwortung nicht aus Es kommt dabei wesentlich auf die Form Ihrer Liquidation an. Beriefen Sie sich in derselben auf gezahlte Diäten und sonstige Auslagen, so werden Sie allerdings Beläge beibringen müssen. Haben Sie dagegen in runder Summe liquidiert, so wird, falls Sie sich nicht auf die Gebührenordnung berufen können, von dem Bauherrn die Frage der Angemessenheit des Preises aufgeworfen werden können, die mangels anderer Be¬ weise durch Sachverständige zu beantworten wäre. Wir würden Ihnen Vorschlägen, nach dieser Richtung einen Versuch zu machen. Auch bei einer gerichtlichen Klage würde schliesslich die Entscheidung nur so gefällt werden können. — 'Hrn. Arch. W. ln Karlsruhe i. B. Sollte Ihre Anfrage zu 1 nicht durch baupolizeiliche Bestimmungen geregelt sein? DieFrage wird wesentlich davon abhängen, ob es sich nur um Lagerung von Getreide oder auch um Reinigung desselben handelt. Im letzteren Falle ist die Feuergefährlichkeit jedenfalls grösser und kommt der¬ jenigen von Getreidemühlen näher. Für letztere wird bei massiver Bauart ein Zwischenraum von iohi als ausreichend angesehen. Sillo7ellenwände werden neuerdings vielfach in Beton - Eisenkon¬ struktion hergestellt. Es ist uns nicht bekannt geworden, dass dadurch ein schädlicher Einfluss auf das gelagerte Getreide aus¬ geübt wurde. — Anfragen an den Leserkreis. Welches Isoliermaterial (Asphalt, Kork usw.) und in welcher Stärke hat sich für einen Fussbodenbelag (Linoleum), in einem Untergeschoss und in grossen Flächen am besten bewährt? Der Fussboden des Untergeschosses ohne Unterkellerung liegt 50 cm unter dem äusseren Gelände. — F. P. in H. Inhalt: Das Ioterims-Hoftheater in Stuttgart. — Die Regulierung und EinwölbuDg des Wienflusses (Fortsetzung). — Mitteilungen aus \ ereiDen. Vermischtes. — Bücherschau. — Preisbewerbungen. — Biief- und Frage¬ kasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verautwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 96. ER AUSBAU DER MEISSENER DOM¬ FRONT * ARCHITEKT: OBERBAURAT PROF. KARL SCHÄFER IN KARLS¬ RUHE IN BADEN * * ANSICHTEN DES DOMES ALS TEIL DER GANZEN SCHLOSSBERG -GRUPPE * * * * = DEUTSCHE BAUZEITUNG = * XXXVII. JAHRGANG 1903 - N2.- 97 * *********** EUTSCHE XXXVII. JAHR- ^ BERLIN ^ AUZEITUN G. GANG. * * N2* 97. * DEN 5. DEZ. 1903. % Der Ausbau der Meissener Domfront nach urkundlichen und baulichen Anhaltspunkten. Von O. Stiehl in Steglitz. (Hierzu eine Bildbeilage.) jg““*“"gy5g' er Kampf um die Erneuerung der Meissener 1 0®pl Domtürme ist entschieden, schon erklingt 1 PK-i 1 wieder heller Meisselschlag am Fusse des J steinernen Riesen. Trotzdem will derWider- - spruch der Gegner noch nicht verstummen und es lohnt wohl, nochmals rückschauend auf oft hitzige Erörterungen deren Ergebnisse ruhig zusammen¬ zustellen und vorurteilsfrei nachzuprüfen. Den Gang der Darlegungen werden wir dabei vorteilhaft so führen, dass wir zunächst sehen, was die geschichtlichen Quellen für Auskunft geben, sodann die Deutung der am Bau selbst vorhandenen Anhaltspunkte unternehmen. Nach den von Prof. Loose so trefflich zusammen¬ gestellten und gesichteten Quellen ist die älteste in¬ betracht kommende Nachricht der Bericht, dass im Sommer des Jahres 1413 der Dom an Baulichkeiten, Fenstern, Türmen und Glocken schwer durch Un¬ wetter gelitten habe. Sie wird von allen Forschern einmütig auf die Westfront bezogen. Ebenso wird allgemein in dem späteren Bericht des Humanisten G. Fabricius eine glaubwürdige Ergänzung dieser allgemeineren Nachricht gesehen und danach ange¬ nommen, dass im Jahre 14x3 zwei Türme an der Front bestanden hatten, die dem Sturm zum Opfer fielen. Die wichtigste Nachricht folgt nun wieder in den Annalen des Fabricius; sie besagt, dass 1479 drei Türme errichtet wurden, die später (d. h. im Jahre 1547, als Fabricius schon Rektor der Meissener Fürstenschule war) abbrannten. Eine wertvolle Er¬ gänzung erfährt diese Nachricht durch ein gleich¬ zeitiges Schriftstück im Turmknopf der Stadtkirche dahin, dass das Feuer mit dem Turm und den Glocken auch die Bedachung des ganzen Stiftes verzehrt hat. Eine ganze Reihe von glaubwürdigen Berichten schliessen sich dem an. Wenn sie dabei bald aus¬ drücklich tres turres oder drei Spitzen, bald allge¬ meiner „Türme“, bald nur „den Turm“ des Domes erwähnen, so ist auf diesen Wechsel des Ausdruckes kein weiterer Wert zu legen. Das Wort turris, Turm, hat im Mittelalter einen weitergreifenden Sinn gehabt als heutzutage. Es wird für feste Stadthäuser ge¬ braucht, es bedeutet häufig ganze Burgen, es bedeutet auch manchmal nur eine Fiale oder Spitze, wobei nicht unwesentlich scheint, dass die deutsch geschrie¬ benen Berichte den letzteren Ausdruck bevorzugen. So können wir es auch hier einerseits im Sinne von „Turmanlage“ kollektiv verstehen und brauchen in seiner Einzahl nicht einen Gegensatz zu der ander- weit mit Sicherheit gemeldeten Mehrzahl der Türme zu sehen, wir können anderseits nicht einmal die Dreizahl mit Sicherheit auf drei „Türme“ nach heuti¬ gem Sprachgebrauch beziehen. Ueber die Zuverlässigkeit dieser Nachrichten an sich, sowie darüber, dass spätere Berichte, die von „drei prächtigen Westtürmen“ reden, nur auf unbe¬ glaubigter Ausschmückung beruhen, besteht ebenfalls kaum noch Uneinigkeit; fraglich ist nur, ob wir mit alledem eine unzweideutige Aufklärung besitzen. Der Sicherheit, mit der von einer Seite behauptet wird, mit diesen Quellen sei das frühere Bestehen 625 einer dreitürmigen Westfront nach Art der Osttürme an der Severikirche zu Erfurt wissenschaftlich erwie¬ sen, muss entschieden widersprochen werden. Man darf in die Urkunden nicht hineinlegen, was nicht in ihnen steht und die Urkunden sagen kein Wort von der Stellung und Bedeutung der drei „turres“ oder drei Spitzen. Es können vielleicht, wie Prof. Loose meint, zwei Westtürme und die dazwischen auf¬ strebende Giebelspitze gewesen sein, es kann sich nach einem schon im November 1902 veröffentlichten Hinweis in der Denkschrift von Ob.-Brt. Schäfer um zwei Westtürme und den Dachreiter der Fürsten¬ kapelle handeln, man kann die Zahl drei auf zwei Westtürme und einen auf der Vierung befindlichen Dachreiter beziehen, man kann auch zwei Westtürme und dazwischen ein kleines Türmchen für ein Vesper¬ glöckchen oder dergleichen annehmen, worauf mir die Stellung des einzigen im alten Gewölbe des Mittelbaues, zwischen zweitem und drittem Stockwerk befindlichen Glockenseilloches hinzudeuten scheint, man kann schliesslich blos aufgrund der Urkunden auch an eine dreitürmige Frontanlage denken. Wissen¬ schaftlich zu erweisen oder wissenschaftlich zu wider¬ legen ist keine dieser Annahmen, die Urkunden geben uns, wie so oft, über Art und Form dessen, was früher vorhanden war, keinerlei festen Anhalt Befragen wir also das Bauwerk selbst, ob es uns einen solchen Anhalt geben kann. Da ist zunächst die Stellung der Turmpfeiler im Inneren der Kirche, die Art, wie sie unter sich mit starken Bögen verbunden sind ein sicheres Zeichen, dass bei Errichtung der unteren Turmstockwerke eine zweitürmige Anlage be¬ absichtigt gewesen ist. Das wird wohl von nieman¬ dem mehr bestritten und ist der Grund, weshalb man die Nachricht, dass im Jahre 14T3 zwei Türme ein¬ gestürzt seien, einmütig auf zwei Westtürme bezieht. lieber den zwei unteren Turmstockwerken und damit gleichzeitig über der Hauptgesimshöhe der be¬ stehenden Hallenkirche setzt nun aber ein neuer, ver¬ änderter Bauplan mit veränderter Achsenteilung ein, dessen Ausführung mit Sicherheit der chronikalisch überlieferten Bautätigkeit um 1470 — 80 zuzuschreiben ist. Auf den damals errichteten Teilen haben die im Jahre 1547 abgebrannten Türme gestanden und sind von ihnen künstlerisch in ihrer Form bedingt worden Wollen wir diese Teile richtig einschätzen, so werden wir einen Vergleich mit dem, was im mittelalterlichen Kirchenbau die Regel war, nicht entbehren können. Die Uebersicht über die uns erhaltenen Denkmäler von der Grösse und Bedeutung des Meissener Domes zeigt zunächst, dass die Erbauung eines höheren Mittel¬ turmes mit zwei kleineren Seitentürmen auf gemein¬ samem Unterbau eine seltene Ausnahme gegenüber der üblichen Anlage von zwei Türmen ist. Ziehen wir dabei von den überhaupt namhaft zu machenden Beispielen diejenigen ab, die erst später als unser Turmbau in der Renaissancezeit entstanden sind, so bleiben verschwindend wenige Fälle übrig. Das zur Stütze der gegnerischen Behauptung auf¬ gestellte Verzeichnis von einschlägigen Bauten bezieht sich auf den allgemeineren Fall, dass an eine ältere Turmfront eine mächtige Hallenkirche mit grossem Dach angelegt wurde.*) Von den dafür angeführten 29 Bauten müssen sieben als Renaissance-Bauten für uns ausscheiden, dazu als achter die recht unsicher beglaubigte krüppelhafte Notanlage auf dem Merian- schen Stich des Constanzer Münsters, die auch erst 1512 — 18 entstanden sein soll. Von denverbleiben¬ den 21 Kirchen haben sechszehn, d. h. mehr als die Hälfte der Gesamtzahl keine Dreiturm¬ front, sondern andere Lösungen, die z. T. in ihrer Art durchaus befriedigend wirken. Nur fünf Kirchen mit Dreiturmfront bleiben übrig, davon die Marienkirche zu Mühlhausen mit ganz anders gearteter Grundanlage. Die einzigen vier Bauten, auf denen noch aus gotischer Zeit drei Spitzen als Krönung eines Querbaues stehen, sind die bekannten zwei Erfurter Beispiele, dazu die Kirche des Städtchens Lommatzsch und der verkrüppelte und unansehnliche Turmaufbau der Stadtkirche in Zerbst! Auf solches Ma¬ terial kann nicht, wie es tatsächlich geschehen ist, die Behauptung gegründet werden, dass in ähnlichen Fällen die dreitürmige Front im Gebiete des Meissnischen Bistums immer gewählt worden und dass sie in spät¬ gotischer und in der Renaissancezeit in Mitteldeutsch¬ land die typische Form der Westfassaden gewesen sei. *) C. Gurlitt. Die Westtürine des Meissener Domes. Berlin, E. Wasmuth. 1902. Gottfried Semper. Rede zum hundertsten Geburtstag (29. November 1903), gehalten im Saale der „Harmonie“ in Dresden von Cornelius Gurlitt.*) I'jll'leute vor hundert Jahren wurde Gottfried Semper im! 'n Hamburg geboren. Die Tage des Meisters waren 1-üüaaJl Kampf, sein Wirken war Sieg! Jung geehrt, heftig befeindet, schied er als anerkannte Grösse aus dem Leben. Wir aber haben uns zu fragen: Was war er seinerzeit, was ist er uns, nahezu ein Vierteljahrhundert nach seinem Tode? Was er seiner Zeit war, darüber sprach in dieser Stadt einer, der ihm im Leben nahe stand, Herrmann Hettner, bei der Trauerfeier, die dem eben verschiedenen Meister dargebracht wurde. Was er uns ist, das soll uns heute, an seinem Gedächtnistage, beschäftigen. Von dem wollen wir sprechen, was heute noch lebendig an Semper’s Wirken ist, von den Gedanken, die auf ihn zu¬ rückgehen und von der Anregung, die sich an ihn knüpft. Wir Dresdner sehen seine Bauten vor Augen, wir wissen, dass sie zum Besten gehören, was unsere kunst¬ reiche Stadt beherbergt; wir wissen, dass er einer der grössten Förderer der kunstgewerblichen Blüte Dresdens war: denn die Bauten schuf er zu Lehrstätten aus, in denen er die Handwerker bildete und ihr Verständnis zu fördern suchte. Die Bauten haben eine sonnige Ruhe einen gewissen innerlichen Glanz, eine klare Abgewogen¬ heit — namentlich die früheren, wie das Palais Oppenheim, die Villa Rosa, das alte Theater, die Galerie. Sie bieten eine innere Uebereinstimmung in SempersWollen und Voll¬ bringen, eine Harmonie im Ziel, die den Bauten von heute nur selten eigen ist. Denn diesen fehlt nur zu oft diese Klar¬ heit des Willens, diese Uebereinstimmung mit dem heiss erstrebten, fernen Ziele! Und doch — wir können nicht ohne weiteres zu Semper, dem Künstler, zurück. Sein Stil — der Stil *) Anmerkung der Redaktion. Dem vorstehend im Wortlaute mitgeteilten anregenden und geistvollen Vortrage wohnte die gesamte Künstlerschaft Dresdens mit ihren gefeiertesten Vertretern bei und lohnte den begeisternd sprechendem Redner mit lebhaftestem Beifall.^ — wenigstens, dem seine Begeisterung anhing — war die italienische Renaissance. Er war der frühesten Einer in Deutschland, der ihre Wege ging — Viele gingen mit ihm, neben ihm, hinter ihm. Wir hatten in Dresden eine Zeit, wo unter Nicolai’s, Giese’s und Weissbach’s Führung der Stadt das Glück einer Einheit in italienischer Renaissance geschenkt war — etwa wie Berlin damals eine Einheit im Schinkel’schen Hellenismus besass. Es bestand ein Dresd¬ ner Stil ! Die Einheit wurde zerstört, unter heftigen Kämpfen zerstört, deren Viele unter uns sich noch erinnern. Die Angreifer fühlten sich als Schüler Sempers: die kunst¬ gewerbliche Bewegung und die mit ihr daherschreitende Deutschrenaissance traten auf. Ihr folgten das Barock, der Japanismus, die Moderne, jetzt die Volkskunst. Alle mit dem Anspruch, die Verjüngung zu bringen — keine neue Richtung aber trat auf, die nicht Semper’s Namen auf ihre Fahnen geschrieben hätte, die für ihr Wirken nicht nach ästhetischer Rechtfertigung aus seinem Ge¬ dankenkreis gesucht hätte. Man verliess Semper, den Künstler und dessen Führung, um sich Semper dem Denker anzuvertrauen. Bei der merkwürdigen Mischung in ihm zwischen Schaffendem und Gelehrtem überwog für die Nachwelt ganz unzweifelhaft der Denker! Semper hat schon in mittleren Jahren seines Lebens als Architekt von Fachgenossen die vollste Ehrung er¬ fahren. Seine Berufung zum zweiten Theaterbau in Dresden, zu den Museumsbauten in Wien sind äussere Zeichen der hohen Stellung, die er trotz misslicher Ver¬ hältnisse als Künstler einnahm. Die Aesthetiker haben zu seinen Lebzeiten ihm die Anerkennung zumeist verweigert. Im Gebiete des reinen Gedankens stand er zunächst miss¬ gedeutet oder unbeachtet beiseite. Um so gründlicher, um so ehrenvoller war sein Sieg. Die Lehre seines Rivalen in der Architektur-Aesthetik, des Berliners Bötticher, die zu Semper’s Lebzeiten ihn an Einfluss völlig überholte, ist endgiltig beseitigt. Aber erst vor wenigen Jahren rief ein hervorragender Wiener Fachgelehrter seine Genossen auf, sie sollten"nicht Semper’s Gedankenwelt zu einseitig No. 97. 626 Dazu ist an dem bedeutendsten und als Typus geltenden Beispiel von St. Severi zu Erfurt auf den ersten Blick klar, dass dort zwei ursprünglich selbst¬ ständige Nebentürme erst nachträglich durch einen zwischengespannten, äusserlich sichtbaren Bogen nebst geschlossenem Zwischenbau verbunden worden sind. Dass im fünfzehnten Jahrhundert die Westfront einer Domkirche auf solche Krönung mit dreispitzigem Querhaus von vornherein entworfen sein sollte, würde ein völliges Unikum in der Baugeschichte darstellen und muss schon deshalb als höchst unwahrscheinlich gelten. Rein wissenschaftlich betrachtet ist sonach keinerlei Grund vorhanden, irgendwelche mittelalter¬ liche Abbildung von dreitürmigen Kirchenfronten als Wiedergabe der Meissener Domfront zu deuten. Wenn man das mit der Heranziehung des sog. Stolpener Altarbildes dennoch versucht hat, so treten zu dem grundsätzlichen Bedenken sehr starke Einzel¬ gründe hinzu. Die dort als Belebung des Horizontes dargestellte langgestreckte Stadt, deren Ansicht durch eine Baumgruppe in zwei Teile geteilt wird , liegt in flacher Talebene und hat mit Meissen keinerlei Aehn- lichkeit Sie enthält mit flüssiger Farbe in der Höhe von 2 cm (!) leicht skizziert nicht nur eine, sondern gleich zwei Darstellungen von dreitürmigen Kirchen¬ fronten. Um diesen „embarras de richesse“ zu be¬ wältigen, will man nun die türmereiche rechte Hälfte dieser Stadt für das Abbild des Meissen gegenüber¬ liegenden Dorfes Zscheila erklären! Es gehört wahr¬ lich ein starkes Mass von Gutgläubigkeit dazu, solchen Behauptungen irgend welche Beweiskraft zuzugestehen. Immerhin wäre bei der grossen persönlichen Frei¬ heit der mittelalterlichen Architektur auch das Un¬ wahrscheinlich¬ ste wohl für möglich zu hal¬ ten , wenn nicht der Bau selbst sehr bestimmte Anzeichen für das Gegenteil enthielte. Prüfen wir an einer grösseren Grundriss in der Wirklichkeit. Anzahl von Kirchenbauten die Entwicklung der oberen Turmaufbauten aus demUnterbau, so finden wir überall, wo einbreitesGlockenhausdenWestbau abschloss, einen in gleichmässigen Flächen einheitlich aufsteigenden Un¬ terbau. Es istdabeigleichgiltig, ob dieses breite Glocken¬ haus durch ein quergelegtes Satteldach oder in späte¬ rem Umbau durch drei Turmspitzen nach oben geendigt ist. Aber nicht nur bei Verwendung solchen breiten oberen Abschlusses, sondern selbst bei Anlage zweier selbständiger Türme ist die Neigung gross, die unteren Geschosse in gleichmässiger Fläche, höchstens durch flache Lisenen in Felder geteilt, zusammenzuhalten, erst in den obersten Geschossen die Auflösung der Massen in wesentlich verschiedener Behandlung der Flächen zu betonen. Diese Neigung ist schon in französischen Domfronten mit ihren gleichmässig durchlaufenden Galerien sehr stark ausgeprägt. Ganz besonders be¬ zeichnend für sie sind neben den zweitürmigen Back¬ steinkirchen, z. B. dem Dom und St. Maria zu Stendal, der Kirche zu Seehausen u. a., die Mehrzahl gerade der sächsischen Kirchenbauten, von denen in Halber¬ stadt der Dom, Liebfrauen und St. Andreas, in Braun¬ schweig der Dom, St. Katarina und St. Andreas, in Magdeburg der Dom und St. Johannes als Beispiele für unendlich viele genannt sein mögen. Alle diese Kirchen haben geschlossene, entweder gleichmässig oder gar nicht gegliederte Unterbauten für ihre zwei¬ türmigen Westfronten. Daraus, dass ein Turmunterbau ohne wesentliche Unterschiede der Flächenbehandlung geformt ist, kann demnach keinerlei Schluss darauf gezogen werden, was für den oberen Aufbau beab¬ sichtigt war. Seltener sind im allgemeinen und im Gebiet der sächsischen Bauschule im besonderen die Fälle, dass die lebhaft aufstre¬ bende Richtung zweier Türme schon durch Ab¬ lösung der seit¬ lichen Flächen im Unterbau, durch Anbrin¬ gen von ver- Grundriss nach Gurlitt. schiedenartiger überwuchern lassen. Es führe auf falsche Wege, wenn man Semper übersempern wolle! Ein Bild jener Zeit, in die er wirkend eintrat, ist nötig, um den Mann zu verstehen. Entscheidend war die philosophische Auffassung alles künstlerischen Schaffens, die Uebergewalt der ästhetischen Theorie über das naive Kunstempfinden. Das Schöne, so lehrte man, ist die Verwirklichung des Ideals: Es liegt nicht in der Natur, sondern in der Vorstellung eines erhabeneren Urbildes der Dinge. Diese Vorstellung sich selbst zu schaffen, er¬ schien den Zeitgenossen schier unmöglich. Wozu in aus¬ sichtslosen Versuchen sich ergehen, da doch die herr¬ lichsten Lösungen vor Augen der bewundernden Kunst¬ freunde lagen. Winckelmann hatte gelehrt, nur in der Nachfolge der grossen Meister der Vergangenheit sei ein Erblühen der Kunst denkbar. Man wies auf sie als Ver- wirklicher des Ideals hin: Sie hatte der Natur das Urbild ent¬ lockt: das hohe, edle, einfache, ewige Urbild! Ausser diesem gab es keines! Es ist, so empfand man, Vermessenheit, sich über dasselbe hinwegsetzen zu wollen, ja Frevel, sich in Widerspruch zum Vollkommeneren zu bringen. Das Ideal der Baukunst lag in der Antike. Der grosse Pöppelmann glaubte seinen Zwinger im Geiste der Römer als Garten der Hesperiden zu schaffen. Bald erkannte man, dass er sich sehr weit von klassischer Bildung entfernt habe. Es fehlte ihm darin der entscheidende Zug, la noble simplicitö, die edle Einfalt, die stille Grösse. Und durch anderthalb Jahrhunderte, bis auf Semper’s Zeit, vollzog sich die Beschränkung in den Formen, der mühe¬ volle Kampf um die Einfachheit. Man lernte den Unter¬ schied zwischen der Kunst in Rom und der in Athen verstehen! Während Frankreich sich in der Zeit der Revolution und des Kaiserreiches noch in römischer Pracht berauschte, versenkten sich England und Deutsch¬ land in hellenisches Wesen. Keine Stadt mehr als Berlin, kein Architekt mehr als Schinkel, kein Aesthetiker mehr als dessen Bewunderer, Bötticher, der die Lehre jener Zeit in seiner berühmten „Tektonik der Hellenen“ zusammenfasste. Wir äitere Architekten sind wohl alle im Geiste dieses Buches in das architektonische Denken eingeführt worden. Und gewiss war das kein Schaden. Es führte uns zu einem verstandesmässigen Begreifen der Schönheit dessen, was die Akropolis an unvergänglichen Schätzen beherbergt. Es gab eine kunstphilosophische Lehre von der Bedeu¬ tung jedes einzelnen Gliedes derMeisterwerke derGriechen. Wir wurden, wenn gleich nicht richtig, so doch sorg¬ fältig belehrt darüber, warum diese Werke die unver¬ gleichlichen höchsten Vorbilder allen Schaffens seien, und nur sie. Galten sie für Bötticher doch als freie Schöpfun¬ gen eines geistvollen, gedankentiefen Volkes, das mit einer unbegreiflichen Reife sofort, ohne Vorbereitung das Vollendete zu schaffen verstanden hatte. Dies zu erfassen und wenn es möglich ist, sich zu den Meistern Athens zu erheben, in ihrem Geiste fortzuwirken, das galt als das erhabenste, schier unerreichbare Ziel. Alles was seither die Jahrhunderte geschaffen hatten, war Bar¬ barei, Verfall, Zopf! Es ist kein Wunder, dass es Semper in jungen Jahren vor Allem zog, die Wunder der Akro¬ polis selbst zu sehen. Das was Semper’s Schriften von den später erschie¬ nenen Böttichers vorzugsweise unterscheidet, ist die historische Auffassung. Er erkannte a'sbald die griechi¬ sche Baukunst als eine aus älteren Anregungen sich ent¬ wickelnde, als geschichtlich geworden. Er empfand, dass die Malerei vorzugsweise bestimmt war, die Bauformen zu umkleiden und damit zu erklären. Und zwar durch den Hinweis auf typisch e Kunstgebdde älterer Zeit. Er sah, dass die Formen nicht frei erfunden, sondern fortent¬ wickelt waren. Er suchte sie aus Aelterem zu erklären, nicht lediglich aus sich selbst heraus! So wurde er einer der stärksten Anreger zum Studium der Formengeschichte und wies dieser die Aufgabe zu, den Inhalt der Kunst zu erklären, die Bötticher der Aesthetik gestellt hatte. Hier offen¬ barte er sich als Künstler, indem er die Architektur aus der Spekulation befreite! Sein Buch „Der Stil“ nannte er mit Recht „praktische Aesthetik“. — (Schluss fulgt.) 5 Dezember 1903. 627 Gliederung an diesen und an dem zwischen ihnen liegenden Mittelteil vorbereitet ist. Solche Verschie¬ denheit kommt im Mittelalter bei einheitlichem Ab¬ schluss mit Querbau nirgends vor, sie erlaubt den sicheren Rückschluss darauf, dass eine zwei- türmige Anlage beab¬ sichtigt war. Der Meister unserer Turmfront, vermutlich Arnold von Westfalen, aber hat eine solche Verschiedenheit dieser Teile nicht nur durch verschiedengrosseOeff- nungen u. dergl. an¬ gestrebt, was die an¬ derwärts übliche Art ist, sondern er hat mit ungewöhnlicher Kraft der Durchbildung den Mittelbau und die Sei¬ tenflächen der West¬ front durch völlig an¬ dersartige Anordnung ganz scharf auseinan¬ dergehalten. In der Mitte zwischen den Li- senen ein ganz ge¬ schlossenes Feld, mas¬ sig und undurchbro¬ chen, nur durch eine Flächen -Teilung be¬ lebt, in den Seiten¬ teilen überhaupt keine Masse mehr zwischen den Lisenen, das zwi¬ schengesetzte Mass- werk gegen die Fläche des Mittelbaues stark abgesetzt ,*) nicht ein¬ mal verglast, wodurch wieder ein gewisser Flächen -Eindruck ge¬ schaffen wurde, son¬ dern frei der Luft und dem Ein- und Durch¬ blick geöffnet. Mag auch in der schatten¬ losen geometrischen Aufnahme auf dem Pa¬ pier der Unterschied gar nicht so gross sein, in der Wirkung des ausgeführten Bau¬ werkes sind grössere Gegensätzekaum denk¬ bar. Zudem deuten noch die ansteigenden Linien der Treppen¬ läufe darauf hin, dass in diesen Seitenteilen eine lebhafter aufstre¬ bende Bewegung ein¬ setzt, die nur in zwei Türmen ihre Lösung finden kann. So gibt uns die Prüfung des Baues nach künstleri¬ schen Gesichtspunkten die Antwort, die uns die Urkunden ver¬ weigerten, dahinlautend, dass eine zweitürmige Front auch vom zweiten Meister des Turmbaues beabsichtigt wurde. Darin, dass Ob.-Brt. Schäfer diese Gesichts¬ punkte so klar erfasst und so grossartig durchgeführt *) In dieser Beziehung haben die nach Einrüstung der Front ermöglichten, un¬ widerleglichen Aufnahmen die Schäfer’schen Angaben vollständig bestätigt, die gegnerischen Bemängelungen als unzutreffend erwiesen. Es liegt die Flucht des Mittelbaues 85 cm, die Flucht der seitlichen Fensterbögen 42 cm, das Masswerk dagegen über 2 m hinter der Flucht der Lisenen. hat, liegt die überzeugende Kraft, die anscheinende Selbstverständlichkeit seiner Turmlösung, die sich künstlerischem Urteil gegenüber noch überall in durch¬ schlagender Wirkung bewährt hat. — (Schluss folgt.) No. 97 628 Die Regulierung und Einwölbung des Wienflusses. (Fortsetzung.) in der sieh an die Weidiingauer Stauanlagen anschlies¬ senden Strecke von Hütteldorf-Bad bis zur Kaiser Franz Josef-Brücke in Hietzing hat eine Regulierung des Gerinnes unter Versicherung der Ufer und der Sohle Platz gegriffen (Abb. 9, 10, xi u. 12). Zunächst ist bis zur Abbildg. 17. Einwölbung bei 16,5 m Spannweite. (Massstab 1 : 250.) Abbildg. 22. Querprofüe der untersten Strecke. (Massstab 1 300) Abbildg. 9. Querprofil bei Km. 113 + 35,0. 20' 00 - Abbildg. 10. Querprofil oberhalb der Badhaus-Brücke. Abbildg. 13. Offener Querschnitt in der Einwölbungsstrecke. Franz Karl-Brücke das rechteUfer als gepflasterte Böschung ausgebildet, welche sich in der Strecke vom Anschlüsse an die Stauanlagen bis zum Wehre oberhalb der Brauhaus- Brücke auf eine 1,5 m hohe Fussmauer aus Beton stützt; von der Franz Karl-Brücke abwärts bis zur Kaiser Franz Josef-Brücke wird das _ neue Flussbett rechts¬ seitig durch die Mauer der Wientallinie der Wiener Stadtbahn be¬ grenzt. Die linke Ufer¬ böschung ist von Hüt- teldorf - Bad bis zum Halter - Bache durch ein Pflaster geschützt, während vom Halter¬ bache bis zur Brau¬ haus - Brücke dieses Ufer durch eine Beton¬ verkleidung versichert wird; in der Strecke zwischen der Brau¬ haus-Brücke und der Hütteldorfer Brücke ist es dann durch eine Stützmauer gebildet, welche ein Böschungs¬ pflaster trägt, um wei¬ terhin bis zur Badhaus- Brücke sich als ge¬ pflasterte Böschung darzustellen; von da an bis zur Kaiser Franz Josef - Brücke bildet eine bis zur Höhe der Begleit - Strasse rei¬ chende Stützmauer die linksseitige Begren¬ zung des Flussgerin¬ nes. Die Sohle ist bis zur Badhaus - Brücke durchaus gepflastert; sie hat von Hütteldorf- Bad bis zur Baumgar- ten-Brücke als Siche¬ rungen in Entfernun¬ gen von je 25 m betonierte Herdmauern, von da ab bis zur Badhaus-Brücke in glei¬ cher Entfernung lärchene Schwellen erhalten. Das Nie¬ derwasser wird in der Fluss¬ mitte abgeführt, von der Ameisgasse abwärts aber in einer 3 m breiten, entlang der Stadtbahnmauer angeordne¬ ten Künette. In der Strecke bis zur Brauhaus-Brücke sind vier Grundwehre eingebaut, welche haupt¬ sächlich zur Zurückhaltung des Geschiebes dienen. Zum Zwecke der Aufnahme grös¬ serer Geschiebemassen aus dem Halter¬ bache ist das Flussbett oberhalb des nächst der Brauhausbrücke angeordneten Grund¬ wehres bedeutend verbreitert. Zwischen der Badhausbrücke und der Kaiser Franz Josef-Brücke sind vier wehrartig geformte Gefällstufen geschaffen, so dass ebenso viele Schotterfänge gebildet werden. Auf der zweiten Gefällstufe ist eine das ganze Flussbett durchziehende Quermauer auf¬ geführt, die eine quadratische Durchfluss¬ öffnung besitzt. Auch die beiden folgen¬ den Gefällstufen tragen solche Quermauern, in denen je vier kreisförmige Abflussöff¬ nungen angeordnet sind. Die Sohle ist betoniert, in dem mittleren wagrechten Teile besteht sie in den drei oberen Schotterfängen aus einer Granitplatten- Pflasterung, in dem untersten Schotterfange aber aus einer stehenden Klinkerziegel- Ptlasterung. Von der Kaiser Franz Josef-Brücke fluss¬ abwärts bis zum Stadtpark ist die Her¬ stellung der Ufermauern so erfolgt, dass eine künftige Einwölbung in dieser rd. 6,8 km 5. Dezember 1903. 629 fio.loü. - Sbvuxhjt Abbildg. ii. Längenprofil von Km. 124 bis Km. 100. LäDgen 1 :2500a Höhen 1 :37s- Abbildg. 16. Längenprofil von Km. 23+87 bis zum Einwölbungsende. eine weitere Ausdeh¬ nung der eingewölbten Strecke stattgefunden, sodass gegenwärtig der Wienfluss von der Leo¬ pold-Brücke bis zum Stadtpark, sonach in einer Länge von rd. I350m) zusammenhän¬ gend eingewölbt er¬ scheint. Oberhalb der Leopold -Brücke wur¬ den teilweise Einwöl¬ bungen dort vorge¬ nommen, wo bis dahin Brücken bestanden haben oder Strassen geplant sind und so¬ nach Brücken notwen¬ dig werden; die so entstehenden Einwöl¬ bungsringe sind in we¬ sentlich grössererBrei- te ausgeführt worden, als sie die durch sie ersetzten Brücken be- sassen, so dass eine erhebliche Verbesse¬ rung für den Ver¬ kehr erzielt wurde. Beim Gumpendorfer Schlachthause wurde eine zusammenhän¬ gende Einwölbung in einer Länge von etwa 350 m, beim Schön¬ brunner Schlosse eine solche von 100 “Länge durchgeführt. Insge¬ samt sind an Einwölbungsstrecken und -Ringen rd. 2300“ ausgeführt. Die hierdurch verfügbar gewordenen eisernen Brücken gelangten meist im Aussengebiete wieder zur Auf¬ stellung. Die Einwölbungsprofile ändern sich gemäss den nach flussabwärts abnehmenden Sohlengefällen von 4,6 bis i,7%p (Abbildg. 14, 15 u. 16) in ihrer Spannweite von 16,5“ (Abbildg. 17) bis 21,0 ra (Abbildg. 18). Die Wi¬ derlagsmauern sind in der Hauptsache aus Beton; nur auf dem rechtsseitigen Ufer ist jener Teil, der die Trennungsmauer der Wientallinie der Stadt¬ bahn bildet, aus Bruch¬ steinmauerwerk her¬ gestellt. Inden offen bleiben¬ den Teilen musste auf dem linken Wider¬ lager eineStütz- mauer bis zu dem hoch lie¬ genden Stras¬ sen - Gelände aufgeführtwer- den, welche gleichfalls in Bruchstein her¬ gestellt wurde. Die Sohle des Flussbettes wurde mit Be¬ ton gesichert, das Gewölbe in Portland - Zementstampf¬ beton herge¬ stellt; nur in dem Teile nächst dem Stadtpark, wo¬ selbst bloss ge- ringeKonstruk- tionshöhen zur Verfügung Standen, muss- Abbildg. 23. Längenprofil vom te ZU Klinker- Einwölbungsende bis zum Donaukanal. 6V«. oreKL fZtU i'J73/4e, &j650'oo*n, i 1=»”- 6t iäö^ &2yin fcy. 55-90 m. rn - , — I? - I fall/: V'735 *<• I i/xnji 1 5 5 0 ’■ 11 100 99 98 97 3R 96 91* 93 92 91 30 89 88 87 86 86 3>* 83 82 81 80 79 Abbildg. 12. Längenprofil von Km. 100 bis zur Kaiser Franz Josef-Brücke. langen Strecke jederzeit möglich ist (Abbildg. 13). Für diesen Abschnitt ist als Grundsatz aufgestellt worden, dass das Einwölbungsprofil imstande sein muss, in der Sekunde eine Wassermenge von 600 cbm abzuführen, eine Ziffer, welche von zwei in den Jahren 1882 und 1886 durchge¬ führten, umfassenden wissenschaftlichen Untersuchungen über den damaligen Entwurf des Stadtbauamtes für die Wienfluss-Regulierung als zugrunde zu legende Höchst- Wassermenge ermittelt worden ist. Aus dieser Abfuhr¬ fähigkeit und den nach bestimmten Gesichtspunkten fest¬ gestellten Sohlengefällen ergaben sich die Spannweiten der einzelnen Einwölbungsprofile, wobei als Norm galt, dass die Hochwasserlinie mindestens 1,7 m unter dem Scheitel der Gewölbelaibung zu liegen habe. Die Sohle des neuen Gerinnes weist gegenüber dem alten Bette wesentliche Vertiefungen auf, welche von 50 cm bis zu 3m nach flussabwärts zunehmen. Ursprünglich war die sofortige Ausführung der Einwölbung nur in der Strecke von der Elisabeth-Brücke bis zur Schwarzenberg-Brücke in Aussicht genommen, doch hat seither schon wiederholt füCU. 5 Vi’oo tavva- 3599 ‘15 »tu No. 97. 630 gewölben(Ab- bildg. 18) ge¬ griffenwerden, während bei der Elisabeth- Brücke undbei derSchwarzen- berg - Brücke zum Zwecke rascherFertig- stellung Ziegel¬ gewölbe mit Klinkerlaibung ausgeführtwor- den sind. Die Gewölbe-Stär¬ ken nehmen entsprechend denSpannwei- ten im Schei¬ tel von 0,65 bis auf 0,95 m, am Kämpfer von t, io bis i,6om zu; das Klin¬ ker - Gewölbe hat 60 cm Schei¬ telstärke. Die Lehr - Gerüste (Abbildung 20 u. 21) durften keine Mittel¬ stützen erhal¬ ten. Am Ende der Einwölb¬ ung bei dem Stadtparke ist eine reiche ar¬ chitektonische Ausgestaltung desPortalesge- plant, die auch grosse Frei¬ treppenzu den weiterhin fol- gendenTerras- sen umfasst, welche gleich¬ falls künstleri¬ sch enSchmuck erhalten. Die Arbeiten hier¬ für sind erst vor kurzem be¬ gonnen wor¬ den. — Vom Stadtpark bis zum Donau- kanale bleibt der Wienfluss offen und es ist dortselbst auf dieMöglichkeit einer späteren Einwölbung Verzicht ge¬ leistet; jedoch ist die Aus¬ führungsweise eine derartige, dass bei Be¬ darf künftig¬ hin eine Eisen- Ueberdeckung immerhinnoch hergestelltwer- den kann. Der Fluss erscheint hier in einem nach unten zu sicherweitern¬ den Gerinne (Abbildg. 22) geführt , das vonKaimauern begrenzt ist, welche in Be¬ ton, flussseitig mit Bruchstein 631 5. Dezember 1903. verkleidet, ausgeführt wurden. Vorn Einwölbungsende bis zum Ende des Kinderparkes reichen diese Ufer¬ mauern nicht bis zur vollen Höhe des umgebenden Geländes; es ist vielmehr jederseits neben dem Fluss¬ bette eine 5 m breite Terrasse angeordnet, die vom Stadtpark und vom Kinderpark her durch Treppen - An¬ lagen zugänglich sind, und die erst wieder durch zweite Mauern gegen die Parks abgegrenzt sind. Während am linken Ufer diese obere Futtermauer bis zur Karolinen- Brücke auf die volle Geländehöhe des Stadiparkes aufragt und architektonisch reicher ausgestaltet wird, schliessen sich an die sonst überall nur auf im Höhe aufgeführten Mauern unmittelbar grüne Böschungen an, die den Ueber- gang zu den höheren Parkteilen vermitteln. Entlang der Grossmarkthalle erschien die Anlage einer Terrasse rechts¬ seitig als unzweckmässig; die rechte Kaimauer reicht darum dort bis zur Höhe der Strasse, während am linken Ufer die Kaimauer mit geringerer Höhe und anschliessender, gärtnerisch gezierter Böschung bis zur Stuben-Brücke fort- läuft. Von da ab sind die Kaimauern beiderseits bis zur Höhe der Begleitstrassen aufgeführt. Das Gefälle der Sohle (vergl. Abbildg. 23) beträgt vom Einwölbungsende bis zur Stuben-Brücke 1,373 ; °/oo! die Spannweiten der Profile wachsen von 23,24 bis auf 26 m. Die Sohle ist auch hier betoniert. Unterhalb der Stuben-Brücke stürzt sie in fünf Stufen von je 30 m Länge und etwa s°cm Höhe ab, um sodann mit einem Gefälle von 3,84 °/00 zum Donaukanale zu führen. Die Spannweiten nehmen in dieser Strecke von 26 bis 30m zu. Die Betonierung der Sohle reicht jedoch nur bis etwas unterhalb der neuen Marxer-Brücke herab, wo¬ ran sich eine einfache Erdsohle schliesst. — (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Das Gottfried Semper - Stipendium der Stadt Dresden im Betrage von 1400 M. ist für 1904 an einen deutschen Architekten zu vergeben, der seine Fachbildung im wesent¬ lichen auf einer sächsischen Lehranstalt für die Baukunst erlangt, mindestens ein Jahr die Architektur-Abteilung der Dresdner Akademie der bildenden Künste besucht und sich durch erfolgreiche Studien oder durch selbständige Entwürfe oder Bauausführungen von künstlerischem Werte als talentvoll erwiesen hat. Bewerbungen bis 3t. Dez. d. J. an den Rat der Stadt Dresden. — Baudirektor Prof. v. Bach, Dr.-Ing. in Stuttgart, hat vor kurzem das 25jährige Jubiläum als Professor der Technischen Hochschule in Stuttgart gefeiert, der er seit 1878 als ordentlicher Professor angehört. Die Tätigkeit Bach’s, der vor seinem endgiltigen Uebergang zur Lehr¬ tätigkeit einige Jahre im Dienste der Industrie gestanden hatte, ist eine sehr vielseitige. Am bekanntesten sind wohl seine Arbeiten auf dem Gebiete der Elastizitäts- und Festigkeitslehre. Durch seine grundlegenden Untersuchun¬ gen über das elastische Verhalten und die Festigkeiten der natürlichen Gesteine und des Betons in seiner Eigen¬ schaft als Vorsteher der mechanisch-technischen Versuchs¬ anstalt in Stuttgart hat er wesentlich dazu beigetragen, den Stein- und Beton-Brückenbau auf die Höhe zu bringen, die er jetzt einnimmt. — Preisbewerbungen. Von einem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Kunst¬ haus in Zürich nehmen wir, obgleich er auf schweizerische und alle in der Schweiz niedergelassene Architekten be¬ schränkt ist, deshalb Notiz, weil er ein Beispiel dafür ist, dass sich auch in der Schweiz mehr und mehr das Be¬ streben Bahn bricht, dem Sieger in einem Wettbewerb auch die Frucht seines Sieges zuteil werden zu lassen. Denn dem Verfasser des mit dem I. Preise bedachten Entwurfes wird die künstlerische Ausarbeitung der Pläne für die Ausführung zugesichert und gegebenen Falles auch die Bauleitung in Aussicht gestellt. Es handelt sich um ein monumentales Gebäude, für welches 850 000 Fr. auf¬ gewendet werden können. Im Preisgericht befinden sich als Architekten die Hrn. Leo Chäteiain in Neuenburg, v. Fischer in Bern und Visscher van Gaasbeck in Basel. Zur Preisverteilung stehen 7oooFr. zur Verfügung. — Wettbewerb Festhalle Landau. Der Bürgermeister von Landau macht in dankenswerter Weise bekannt, dass die Preise dieses Wettbewerbes eine ansehnliche Erhöhung erfahren haben und zwar der I. Preis von 2500 auf 3000, der II. Preis von 1500 auf 2000 und der 111. Preis von 1000 auf 1500 M. Gleichzeitig wird der Einlieferungstermin für die Entwürfe auf 1. März 1904 verlängert und es wird angegeben, dass bei den in Landau günstigen Bau- und Materialpreisen der kubische Einheitspreis mit 16—20 M. angenommen werden kann. Leider enthält die Bekannt¬ machung nicht auch einen Hinweis auf Verminderung der tatsächlich etwas zu grossen Zahl der Perspektiven. — Einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen monumentalen Brunnen in Mülhausen 1. E. erlässt der Gemeinderat unter Verheissung zweier Preise von 1500 und 1000 M. Für den auf dem Gemeindehausplatz zu errichtenden Brunnen stehen 50000 M. zur Verfügung. — Brief- und Fragekasten. Hrn. P. M. ln Erfurt. Das zu wählende Mischungsverhältnis des Betons richtet sich danach, ob die Fundamente im Trockenen oder unter Wasser hergestellt werden, ob genügende Zeit zum Erhärten vor Aufbringung grösserer Lasten verbleibt und schliess¬ lich nach der Höhe der Belastung selbst. Ihre Frage ist also allge¬ mein nicht zu beantworten. Bei gewöhnlichen Hochbauten zur Herstellung von Fundamenten, die nicht unterWasser zu schütten sind (also auch zur Ausfüllung von Senkkasten) ist ein Verhältnis von 1 Raumteil Zement auf 3,5 T. Sand auf 7 T. Stein üblich. — Hrn. Arch. K. & L. ln Andernach. Je nach den Anforde¬ rungen, die sonst noch an die Wand gestellt werden, kann beider geringen Dicke von rd 5 cm nur eine Rabitzwand, eine Drahtziegel¬ wand (Stauss & Ruff, Kottbus), eineWand in Monierkonstruktion oder mit Streckmetalleinlage (Schüchtermann & Kremer in Dortmund) in¬ frage kommen. AlsVerglasung sind sowohl Drahtglas wie Elektrover- glasung (Deutsches Luxfer-Prismen-Syndikat in Berlin) zulässig. — Inhalt: Der Ausbau der Meissener Domfront Dach urkundlichen und baulichen Anhalt-punkteo. — Gottfried Semper. — Die Regulierung und Ein- wölbuDg desWienflusses (Fortsetzung). — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. — Verband deutscher Arch.- und Ing.-Vereine. Hierzu eine Bildbeilage : Der Ausbau der MeissenerDomfront. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilb. Greve, Berlir . Verband deutscher Architekten- und Ingenieur -Vereine. Der Unterzeichnete Ausschuss macht den Fachgenossen hierdurch die Mitteilung, dass in dem Wettbewerb Fest halle in Landau die Stadtgemeinde auf Vorstellung des Ausschusses die Preise in dankenswerter Weise um 1500 M. erhöht hat, sodass die Preissumme jetzt den „Grundsätzen“ entspricht. Die Anforderungen, welche über das übliche Mass hinausgehen, sind dagegen leider nicht herabgesetzt. Die Frist ist bis 1. März 1904 verlängert. - - Dagegen sieht sich der Ausschuss nach Einsicht in die Bedingungen der nachstehenden Wettbewerbe veranlasst, den deutschen Fachgenossen von einer Beteiligung an denselben abzuraten: 1. Parlamentsgebäude der Republik Uruguay in Montevideo. Die Zusammensetzung des Preisgerichtes ist nicht angegeben. Es besteht keine Sicherheit, dass in demselben Fachleute eine ausschlaggebende Stimme besitzen und dass ausländische Preisrichter zugezogen werden. Die Anforderungen gehen weit über das übliche Mass hinaus und kommen fast einem vollständigen Entwurf gleich, während die Preissumme nur einem Vorentwurf entspricht. Es ist ausserdem dem Preis¬ gericht überlassen, ob die Preise überhaupt zur Verteilung kommen. 2. Höhere Mädchenschule in Pasewalk. In dem 10-gliederigen Preisgericht sitzen nur 2 Architekten. Die Anforderungen sind zu hoch, die Preise kaum einem Vorentwurf entsprechend. Der Preisträger soll verpflichtet sein, Kostenanschlag und Baupolizei - Zeichnungen gegen ein bestimmtes Honorar zu übernehmen. Die Gesamt-Aufwendungen der Stadtgemeinde für den Wettbewerb und diese Arbeit entsprechen dann kaum dem Honorar für einen Ent¬ wurf bei unmittelbarer Uebertragung. — Berlin im Dezember 1903. Der Verbands- Ausschuss für die Wahrnehmung der Wettbewerbs-Grundsätze: Cramer, Vorsitzender. Eiselen, Schriftführer. 632 No. 97. Schlossberg und Dom nach dem zweiten Schäfer’schen Entwurf. (Nach „Illustr. Ztg.“) Der Ausbau der Meissener Domfront nach urkundlichen und baulichen Anhaltspunkten. Von O. Stiehl in Steglitz. (Schluss.) Hierzu die Abbildung Seite 635. chliesslich bestätigen technische Merkmale dieses Ergebnis künstlerischer Betrachtung. Es haben sich auch bei der Einrüstung und beim Abbruch der oberen Plattform die Schäfer’schen Annahmen als zutreffend und die Einwendungen dagegen als irrtümlich er¬ wiesen. Die Kragschichten, welche die zurücktreten¬ den Gründe des Mauerwerks mit den Flächen der Lisenen vermittelten und die allein einen rechteckig zusammengeschlossenen oberen Aufbau ermöglichen konnten, hat Schäfer von je mit allem, was darüber stand, für spätere Zufügungen, ihre Entfernung für den ersten Schritt zum Weiterbau erklärt. Es hat sich bei dem Abbruch dieser Teile gezeigt, dass die Art ihrer Scharrierung sich deutlich von den alten Quadern unterscheidet, dass sie nicht im Verbände mit dem alten Gussmauerwerk sitzen, sondern mit Ziegelsteinen und weichen Sandsteinbrocken hinter¬ mauert sind, und dass ihre häufige Verklammerung aus Walzeisen gefertigt ist, also nicht aus dem Mittel- alter stammt. Vor allem aber ist folgendes ausschlag¬ gebend: Beim Abtragen des oberen Plattenbelages und des darunter liegenden Schuttes zeigte sich als erhaltener Rest des alten IV. Turm Stockwerkes eine Quaderschicht, durch Brandspuren sicher vor 1547 zu datieren. Sie gibt den Grundriss des alten Auf¬ baues nicht als rechteckig durchgeführten Ouerbau, s ondern mit starken Eckpfeilern für zwei Türme wieder, genau in der Form und Stärke des III. Geschosses. Zwischen diese Turm¬ pfeiler legt sich der Zwischenbau mit nur 45 cm Wand¬ stärke. In dieser Quaderschicht finden sich ferner die Wasserrinnen des IV. Geschosses noch deutlich erhalten und genau an der Stelle, an welche sie nach der neuen Planung zu liegen kommen. Sie geben den Beweis, dass das IV. Geschoss vom alten Meister als offene Halle gedacht war. Auf dem Gewölbe unter der Plattform fanden sich, lose im Schutte liegend, drei beachtenswerte Steinstücke. Das erste Stück ist ein gut erhaltener Quader von einem Pfeiler, um den sich die Turmtreppe wendelt, genau in der Grösse und Form, wie im III. Geschoss. Das zweite Stück ist ein Masswerkquader von einer Fensterumrahmung und hat dieselben Profile, wie die inneren Fenster¬ öffnungen des III. Geschosses. Das dritte Stück ist ein glatter Quader, auf dem die gotische Zahl 4 und ein Steinmetzzeichen, wie solche an den Quadern des III. Geschosses häufig Vorkommen, eingehauen sind. Diese Steine sind, da sie in keiner Mauer liegen, nicht zufällig auf das Gewölbe zwischen dem III. und IV. Geschoss gekommen, sondern sie sind Teile vom angefangenen IV. Geschoss. Schlagender konnte die Richtigkeit der Schäfer’schen Lösung wohl nicht be¬ stätigt werden. Aus diesen Anzeichen folgt, dass der Zusammen¬ schluss der oberen Masse zu einem einfachen Recht- 633 eck im Mittelalter gar nicht vorhanden war, dass das Mittelfeld gar nicht in der Flucht der seitlichen Bogen¬ zwickel, sondern um ein gewisses Mass hinter dieser hochgeführt werden sollte, und dass es mit seiner geringen Wandstärke gar nicht geeignet war, einen hohen Mittelturm zu tragen. Auf solcher Grundlage Hess sich wohl ein hölzerner Notbau in rechteckiger Form, nicht aber der künstlerisch durchgeführte Unter¬ bau einer Dreiturm anlage errichten. Es fällt mit die¬ sen neuesten Wahrnehmungen jede Möglichkeit fort, die Annahme einer dreitürmigen Front mit dem bau¬ lichen Bestand in Einklang zu bringen. So vereinigt sich alles, um die Richtigkeit des beim Neubau der Türme eingeschlagenen Weges zu bestätigen. Der Vorwurf mangelnder Sorgfalt, der von gegnerischer Seite gegen die Leitung des Dom¬ bauvereins erhoben worden ist, findet in den Tatsachen seine glänzende Widerlegung und fällt auf diejenigen zurück, die ihre irrtümliche subjektive Auffassung ohne ausreichende Prüfung der geschichtlichen und bau¬ lichen Unterlagen für wissenschaftlich erwiesene, un¬ anfechtbare Wahrheit ausgaben. Der ganze Verlauf der Angelegenheit ist wohl geeignet, dem lauten Verlangen nach Vorherrschaft der kunsthistorisch - urkundlichen Forschung in der Denkmalpflege einen starken Dämpfer aufzusetzen da¬ durch, dass er zeigt, wie trügerisch die im Namen der Kunstwissenschaft als unumstösslich richtig erklärten Folgerungen sind. — Nachschrift der Redaktion. Als wir im Jahrgang 1902, S. 356 ff. die Gurlitt’sche Broschüre über den Ausbau der Meissner Domtürme besprachen, glaubten wir aus künstlerischen Gründen und aus Gründen der Harmonie innerhalb der Baugruppe des Meissner Schlossberges dem Vorschläge von Lin ne¬ in ann und Gur litt auf Ausbau der Türme mit drei Spitzen beitreten zu sollen. Wir hatten die Befürchtung, dass die grossen Linien der Turmhelme des zweiten Schäfer’schen Entwurfes in das graziöse Gefüge des Schlossberges einen störenden Massstab bringen könn¬ ten, einGefühl, welches vielleicht nicht vereinzelt bleiben dürfte, wenn man dieKopfabbildung dieser Nummer be¬ trachtet. Da bei dem völligen Mangel an Darstellungen über die Form, welche dieTurmaufbauten ehemals hatten, selbst angesichts der Ansätzedes Unterbaues uns die volle künstlerische Freiheit für die zu unternehmenden Auf¬ bauten möglich erschien, so gaben wir der dreispitzigen Anlage den Vorzug vor der zweispitzigen. Nunmehr hat der Dombauverein den ersten Schäfer’schen Ent¬ wurf, welcher in der geometrischen Ansicht S. 635 sowie in den diesem Aufsatze beigegebenen Abbildungen nach den Modellen dargestellt ist, zur Ausführung be¬ stimmt. Der feinen, filigranartigen Form seiner Turm¬ helme gegenüber, die in ihrer Gliederung in glück¬ licher Weise einen kleinen Massstab beobachten, fallen die oben erwähnten Bedenken fort. Die schönen Türme fügen sich nach unserer Ansicht harmonisch in das Gesamtbild des Schlossberges ein. — Mitteilungen aus Vereinen. Frankfurter Arch.- und Ing.-Vereln. Bericht über das Vereinsjahr 1902/3. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Vereinsjahres 142 einheimische und 27 auswärtige Mitglieder, zusammen 9 mehr als im Vorjahre. Es fan¬ den 9 Vereins-Versammlungen und 8 Vorstands-Sitzungen statt. Vorträge wurden in 5 Versammlungen gehalten und zwar von Hrn. Ingenieur K. Wolff über „Die Nernstlampe“; Hrn. Stadtbmstr. Forbät-Fischer über „Der verkehrspolitische Wert der in Deutsch¬ land, Oesterreich und Ungarn geplanten Wasser¬ strassen“; Hrn. Prof. F. Luthmer über „Die Denk¬ malpflege“; Hrn. Reg.-Bmstr. Spiro über „Der Neu¬ bau der D-Wagenwerkstätte zu Frankfurt a. M.“; Hrn. Dir. W. Lauter über „Der Entwurf zur städti¬ schen Untergrundbahn in Berlin“. 6 Vereinsaus¬ flüge fanden statt u. zwar zur Besichtigung der Karmeliter¬ schule, des Lessing-Gymnasiums, der D-Wagen-Werkstätte, des Brücken-Neubaues unterhalb Mainz und des neuen Zoologischen Gartens nach einem Vortrage des Dir. Dr. A. Seitz über „Bau und Betrieb von Zoologischen Gärten“. Am 28. März 1903 wurde ein Gesellschaftsabend ver¬ anstaltet, verbunden mit einer Ehrung des aus Frankfurt scheidenden Oberbaurates Schm ick. — Hauptversammlung am 12. Okt. 1903 Anwes. 28 Mitgl., Vors. Hr. Lauter. Nach geschäftlichen Mitteilungen wird der Geschäftsbericht für das letzte Vereinsjahr verlesen und zur Kenntnis genommen. Die Wahl des Vorstandes muss verschoben werden, da die erforderliche Anzahl von Mitgliedern nicht anwesend ist. Hr. Stadtrat Kölle berichtet über die Abgeord- neten-Versammlung in Dresden, der er als Abge¬ ordneter des Vereins beiwohnte. An den Vortrag schliesst sich eine Besprechung, die sich hauptsächlich auf die wünschenswerte endgültige Fertigstellung der Hausent- wässerungs-Normalien auch in ihrem auf die Ausführung bezüglichen Teile, sowie auf die Anregung betr. Heraus¬ gabe und Austausch von Jahresberichten der Einzelvereine bezieht. Im Anschluss an letzteren Gegenstand wird be¬ schlossen, kurze Sitzungsberichte und Vortragsreferate in der „Deutschen Bauzeitung“ zu veröffentlichen. — Versammlung am 19. Okt. 1903. Anwes. 42 Mitgl., Vors. Hr. Lauter. Die Wahl des Vorstandes wird vorge¬ nommen; derselbe besteht für das Vereinsjahr 1903/4 aus den Hrn.: Vors.: Dir. W. Lauter; Stellv.: Geh. Brt. Gerstner; Schriftf.: Ing. A. Askenasy; Säckelmstr. : Wasser werksdir. Scheelhaase; Biblioth.: Stadtbmstr. Forbät-Fischer; Vorträge und Referate: Stadtrat Kölle und Reg.-Bmstr. Berg; Festordner: Arch. Martin und Arch. Cuno. — Hr. Stadtrat Kölle berichtet an Hand zahlreicher Pläne und Modelle über die Städteausstellung in Dresden und behandelt vorwiegend die den Tiefbau be¬ treffenden Abteilungen in ausführlicher Weise. Die in verschiedenen Städten angestellten Versuche zur Lösung 634 der Frage über die beste Art des Anschlusses der Gleise in Asphaltstrassen, die nach dem Trennsystem ausgeführ¬ ten Kanalisationsanlagen, die neueren Abwässer- Reinigungs¬ methoden werden eingehend erörtert. Den Frankfurter Universal-Abfuhrwagen, sowie den für die Frankfurter Kläranlage bestimmten Klärrechen erklärt Redner an den für die Ausstellung angefertigten Original-Modellen, eben¬ so das Beinhauer’sche Verfahren zum Dichten der Muffen von Tonrohrleitungen. Von den übrigen Abteilungen der Ausstellung werden beschrieben die öffentliche Kunst und Architektur, die Stadterweiterungen, Strassendurchbrüche und das Wohnungswesen. Redner gibt der auch von der Versammlung geteilten Meinung Ausdruck, dass eine grössere Zurückhaltung in der äusserlichen Darstellung mancher Bauwerke namentlich aus dem Ingenieurbau¬ wesen am Platze gewesen wäre. Zum Schluss weist Redner darauf hin, dass die erste Städteausstellung den Grund gelegt hat für ein Zusammengehen der deutschen Städte auch in anderen Dingen und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass sie auf allen Gebieten städtischen Lebens segensreiche Früchte zeitigen werde. — Vereinigung Berliner Architekten. Im Sitzungsbericht vom 22. Okt. (vergl. S. 554) wurde gesagt, dass im Vor¬ stande des Denkmaltages bisher kein Architekt gesessen habe. Diese Mitteilung beruht auf einem Irrtum. Dem Vorstand, oder richtiger gesagt, dem geschäftsführenden Ausschüsse gehören bereits seit 1900 Hr. Dr. v. Bezold, Dir. des Germanischen Museums in Nürnberg, seit 1902 Hr. Dombaumstr. Tornow in Metz, ausserdem Hr. Geh. Hof¬ rat Prof. Dr. v. Oechelhäuser in Karlsruhe an. — Die I. ordentliche Vers, fand am 3. Dez. unter Vor¬ sitz des Hrn. Wolff enstein und bei Anwesenheit von 65 Mitgliedern statt. Im Saale waren eine grosse Reihe von Federzeichnungen und Aquarellen des Malers Georg Barlösius ausgestellt, meist im Stile der deutschen Kunst der Wende des Mittelalters und der Renaissance und in Anlehnung an den Charakter der Dürer’schen Holzschnitte entworfener Buchschmuck, aber auch Entwürfe zu Wand¬ gemälden usw. Die Ausstellung legte Zeugnis ab von einer ungemein fruchtbaren, sicheren und schönen Kunst des Meisters. Als in die Vereinigung aufgenommene neue Mitglieder verkündete der Vorsitzende die Hrn. Bachmann, Böh- land und Jürgensen. 1?.. Zum ersten Punkte der Tagesordnung: Bestätigung einer Kommission zur Beratung der neuen Baupolizei-Ord¬ nung für die Vororte von Berlin, bestehend aus den Hrn. Bislich, Goecke, Hey mann, Högg und Krause be¬ antragte der letztere mit Rücksicht auf eine durch die Tagespresse verbreitete Mitteilung, nach welcher mehrere Berliner Vororte einen einheitlichen Bebauungsplan für ihre noch nicht bebauten Gebiete anstreben, die Kommission durch Zuwahl zu vermehren. Der Antrag fand nicht die Mehrheit der Versammlung, welche aber im übrigen die No. 98. ! genannte Kommission bestätigte. Einen ungewöhnlich lebhaften Meinungsaus¬ tausch hatte dieBeratung der folgenden Punkte 2 und 4 der Tagesord¬ nung im Gefolge. Zum zweiten Punkte dersel¬ ben betr. Wahl einer Kommission für die An¬ ordnung der Architek¬ tur-Abteilung auf (der Grossen Berliner Kunst¬ ausstellung 1904 lag ein Antrag einer grösseren Gruppe von Mitgliedern vor, der zum Ziel hatte, die Wahl dieser Kom¬ mission aus der Plenar¬ versammlung heraus vorzunehmen und für die künstlerische Aus¬ stattung des zur Verfü¬ gung stehenden Raumes einen Wettbewerb unter den Mitgliedern der Ver¬ einigungzuveranstalten. Zu dem Antrag sprachen die Hrn. Bangert, Eb- hardt, v. d. Hude, Kayser, Krause so¬ wie Reuters und Solf. Das Ergebnis der Bera¬ tungen ist dieWahl einer Kommission, welcher die Hrn.Balcke,Bangert, Reinhardt, Schmitz und Werle angehören. Im Anschluss hieran forderte Hr. Solf die Mitglieder zu reger Be¬ teiligung an der Gruppe für Architektur der Kunstabteilungder Welt¬ ausstellung von St. Louis 1904 auf. An die Auf¬ forderung schloss sich eine kurze Besprechung, an der sich die Hrn. Kayser, Krause sowie ReutersundSpindler beteiligten. — Die Wahl von 5 Mitgliedern, wel¬ che gemeinsam mit dem Vorstande die Vorbe¬ reitungen zu dem am 8. Juni 1904 zu feiern¬ den 25jährigen Bestehen der Vereinigung treffen sollen, fiel auf die Hrn. Fritsch, Kayser, so¬ wie Knoblauch, Kyll¬ mann und Otzen. Die lebhafteste Aus¬ sprache rief der 4. und letzte Punkt der Tages¬ ordnung hervor, zu wel¬ chem die bereits genann¬ te Gruppe von Mitglie¬ dern denAntragzurWahl eines Ausschusses behufs Vorberatungen von Satz¬ ungs-Abänderungen ge¬ stellt hatte. Während von der Seite der Antragstel¬ ler dieNotwendigkeit sol¬ cher Satzungs -Abände¬ rungen mit Energie ver¬ fochten wurde, wurde sie von der Gegenseite mit der gleichen Energie in Abrede gestellt. An der Debatte beteiligten sich die Hrn. Bangert, Bislich, Boethke, Ebhardt, Eiselen, v.d. Hu de, Knoblauch. Körte, Krause, Kyll- 9. Dezember 1903. Der Ausbau derMelssenerDorr. front nach urkundlichen und baulichen Anhaltspunkten a i P - |i i iJ-5 V y.j IT" 1 < ld!r • : *U j j j i 11 ; ; V l : : xMil.l JOE 1 1 & t ipi ■ V fij1 mann, Reimer sowie Reuters, Spindler und Welz. Das Ergeb¬ nis war die mit 31 gegen 30 Stimmen erfolgte An¬ nahme eines Antrages Kyllmann auf Ueber- gang zur Tagesordnung, jedoch mit der Begrün¬ dung, den Antragstellern Gelegenheit zu ausführ¬ licherer und genauerer Anführung der Aende- rungen zu geben, welche sie an den Satzungen ge¬ troffen zu sehen wün¬ schen, damit eine greif¬ bare Unterlage für die Beratungen gegeben sei. Damit schloss die denk¬ würdige Sitzung. — Architekten-Verein zu Berlin. Vers. vom2Ö.Okt. 1903. Vors.Hr.Hinckel- deyn; anwes. io3Mitgl., 1 Gast. Die Sitzung wird eröff¬ net mit der Mitteilung von dem Ableben zweier Mitglieder, des Brts. Schultess, gestorben zu Carthaus in West- preussen im 49. Lebens¬ jahre, und des im glei¬ chen Alter verstorbenen Landbauinspekt. J. Vo i g t in Berlin, beide seit et¬ wa 20 Jahren Mitglieder des Vereins. Ihr An¬ denken ehrt die Ver¬ sammlung durch Erhe¬ ben von den Pläizen. Hr. Beer berichtet sodann über die Ergeb¬ nisse der Abgeordneten- Versammlung des Ver¬ bandes in Dresden und über den schönen Ver¬ lauf, für welchen er den Dresdener Fachge¬ nossen wärmsten Dank zollt. (Bezügl. des In¬ haltes der Ausführungen sei verwiesen auf den offiziellen Sitzungsbe¬ richt in No 71 und den Bericht über den Ver¬ lauf der Versammlung in den No. 72 u. 73 d. J.) Hr. H. Keller hielt darauf einen den Abend füllenden interessanten und klaren Vortrag über „dieHochflut in der Oder vom Juli d. J., ihre Ursachen und d i e Ab wehr der Hochwasser - Gefah¬ ren“, an welche sich eine kurze Erörterung zwischen den Hrn. G e r - melmann und dem Vortragenden knüpfte, die Einwirkung der vorgeschlagenen Mass- regeln auf die untere Oder betreffend. Wir gaben den Vortrag mit einigen Kürzungen in den Nrn. 90 u. ff. wieder. An die Versammlung schloss sich eine zwang¬ lose Feier des 70. Ge¬ burtstages des Ver¬ eins-Mitgliedes Gustav Knoblauch, gewisser- massen ein Familienfest des Vereins, denn dieser 635 hatte bei seiner Geburt Pathe gestanden und ihn schon da¬ mals in den Verein aufgenommen, zu dessen Begründern sein Vater gehörte. Das unter lebhafter Beteiligung fröhlich verlaufene kleine Fest legte Zeugnis ab von der allgemei¬ nen Beliebtheit, deren sich der Jubilar im Verein erfreut. — Preisbewerbungen. Zur Erlangung von Entwürfen für ein Volksschulgebäude ln Waldenburg in Schlesien wird vom Magistrat lür die in Schlesien, Brandenburg und Posen ansässigen deutschen Architekten ein Wettbewerb zum 15. Febr. 1904 erlassen. Es gelangen 2 Preise von 2000 und 1000 M. zur Verteilung. Ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 500 M. ist Vorbehalten. Unter 9 Preisrichtern befinden sich nur 3 Angehörige des Baufaches und zwar die Hrn. Geh. Brte. J. Stübben in Köln und Plüddemann in Breslau, so¬ wie Hr. Brt. Jen de in Breslau. Unterlagen gegen 2 M. durch den Magistrat. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines städt. Gymnasiums zu Rheine (Westf.) wird von e nem bez. Kuratorium unter Verheissung dreier Preise von 1500, 1000 und 500 M. erlassen. Unterlagen gegen 1 M. durch das Stadtbauamt in Rheine. — Der Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Monumentalbrunnen auf dem Rathausplatze in Mül¬ hausen i. E., den wir bereits S 642 ankündigtm, ist nun¬ mehr erlassen. Zugelassen werden alle Architekten und Bildhauer, welche entweder im Deutschen Reiche an¬ sässig, oder in Eisass Lothringen geboren sind. Die Ent¬ würfe sind zum 31. März 1904 einzusenden. Neben der Verteilung der beiden Preise von 1500 und 1000 M. ist der Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 500 M. Vorbehalten. Das Preisgericht besteht aus 13 Personen; unter ihnen befinden sich d e Firn. Arch. und Bauunter¬ nehmer A. Aichinger - Hübner Arch Grimm, Arch. und Bauunternehmer Häeusler, Arch. Schüle, sämtlich in Mülhausen, Bild h. Th. Klemm, Stadtbrt. Trumm dort und Brt. Winkler, sämtlich in Colmar. Unterlagen gegen 3 M. durch das Bürgermeisteramt. — In dem engeren Wettbewerb um Entwürfe für die evangelische Kirche ln Wetter a. d. Ruhr erkannte das Preisgericht, welchem Brt. Prof H. Stier in Hannover, Prof. G. Frentzen in Aachen und Stadtbrt. Kullrich in Dortmund angehörten, den I. Preis von 800 M. dem Arch. Ernst Marx (Mitarbeiter: Ph. Bachmann) in Dortmund, den II. Preis von 300 M. dem Arch Ludwig Hofmann in Herborn zu. Eingegangen waren 8 Arbeiten. — In einem Wettbewerb des „Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Vereins betr. Entwürfe für ein Volksschulhaus ln Schwabach liefen 46 Arbeiten ein. Den I. Preis er¬ hielten die Hrn. Rieh. Senf und Matth. Schneider in Lindau; den II. und 111. Preis die Hrn. Otto Schnartz und Theod. Veil in München. Den Entwürfen der Hrn. Rieh. Berndl, Adam Müller und Otto Schulz, sämtlich in München, wurde eine lobende Anerkennung zuteil. — Chronik. Ein Kanalisationsentwurf für Blankenburg a. Harz, auf¬ gestellt vom Stadtbrt. Dietl und Ing. Littwitz, wurde in der Stadtverordn. - Sitzung am 20. Nov. d. J. genehmigt. Der Entwurf sieht in der Hauptsache Schwemmsystem vor, ein kleiner Bezirk erhält Trennsystem. Die Abwässer sollen mittels Sedimentir- und biologischen Klärbecken gereinigt werden. Die Gesamtkosten sind auf rd. 700 000 M. veranschlagt. Der Entwurf geht zur Genehmigung an die braunschweigische Staatsregierung. — Die amerikanische Kirche in Berlin, nach den Entwürfen des Architekten Brt. O. March in Charlottenburg mit einem Kosten- aufwande von rd 400000 M in der Motzstrasse errichtet, ist am 26. Nov. d. J eingeweiht worden. — Die Ausführung des Krefelder Hafens für die veranschlagte Summe von n Mill. M erscheint gesichert, nachdem die letzten Einsprüche gegen den Plan durch das Minist, d. öffentl. Arbeiten ab¬ gelehnt sind. Der Stadt wird damit das Enteignungsrecht nicht nur für denUmschlagshafen, sondern auch für den Industriehafen erteilt. — Die Stadthalle (Kaiser Friedrich-Halle) in M. -Gladbach ist am 29 Nov. ihrer Bestimmung übergeben worden. Die Gesamt- Kosten des Baues, der aufgrund der in einem Wettbewerb preis¬ gekrönten Pläne der Wiesbadener Architekten Werz & Huber durch Stadtbmstr. Arendt (jetzt Stadtbaurat) in M. -Gladbach aus¬ geführt wurde, wird einschl Ausschmückung und innerer Ein¬ richtung, Orgel und einem in einer Vorhalle aufgestellten, von Bildhauer G. Rutz in Düsseldorf geschaffenen Standbilde Kaiser Friedrichs 700000 M. betragen. Der Hauptsaal der Stadthalle fasst 2000 Personen. — Die Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen in Berlin hat ihre Versuchsfahrten auf der Militärbahn Marienfelde — Zossen am 26. Nov. d. J. endgiltig abgeschlossen. — Die Reste elnerRömerbrücke Im Main oberhalb Aschaffen- burg wurden kürzlich entdeckt. — Ein Wohnhaus für einzelstehende Männer in London, durch den Grafschaftsrat errichtet mit einem Kostenaufwande 636 von 107 000 M., ist kürzlich eröffnet worden. Das „CarringtonHouse“ genannte Gebäude, das in der Vorstadt Deptford erbaut wurde, hat 800 einfache Schlafräume, die nur Nachts geöffnet sind, und gemeinsame Ess-, Lese- und Rauchzimmer, sowie Werkstätten für Schneider, Schuhmacher usw. — Die IX. internationale Kunstausstellung München 1905 wird vom r. Juni bis Ende Oktober 1905 im Glaspalast abgehalten werden. Die Ausstellung ist eine gemeinsame Unternehmung der Münchener Künstlergenossenschaft und der Münchener Sezession. — D er neue Zentralschlachthof in Bamberg wird am 3. Jan. 1904 dem Betriebe übergeben. Die Anlage wurde mit einem Auf- wande von rd. 1 230000 M. nach den Entwürfen des Hrn. Stdtbrt. Hans Erl wein in Bamberg errichtet. — Ein Apollotheater in Wien, Ecke der Gumpendorfer- und der Kaunitz-Gasse gelegen, gelangt nach den Entwürfen des Archi¬ tekten Prandl zur Ausführung. Das Theater, welches der Auf¬ führung von Singspielen, Possen und leichteren Schaustellungen dienen soll, fasst 1600 Personen. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Dem Mar.-Garn.-Bauinsp. Hagen ist der Char. als Brt. mit dem Range der Räte IV. Kl. verliehen. Zum 1. Jan. 1904 werden versetzt: Garn.-Bauinsp. Brt. F euer- stein in Berlin zur Int. des III. Armee-Korps unt. Uebertragung der Geschäfte eines Int.- und Brts., die Garn.-Bauinsp. Gersten¬ berg in die Lokal-Baubeamtenstelle Berlin II. (Garde-Korps) und Schlitte in Altona zur Int. der militär. Institute unt. gleichzeit. Kommandierung als techn. Hilfsarb. in die Bauabt. des Kriegs-Min. Preussen. Dem Landbauinsp. v. Saltzwedel in Potsdam ist der Rote Adler-Orden IV. Kl. und dem Arch. Carl Picht in Hagen i. W. der Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verliehen. Dem Geh Postrat Schmedding in Leipzig ist die Erlaubnis zur Anlegung der ihm verlieh. Krone zum Ritterkreuz I. Kl. des Kgl. Sachs. Albrechts-Ordens erteilt. Dem Stadtbrt. Bachsmann in Kottbus ist der Char. als Brt. verliehen. Der Arch. Th. All wardt aus Düsseldorf ist z. Gemeindebmstr. von Heerdt a. Rh. gewählt. Ernannt sind: Der Wasser-Bauinsp. Brt. Offermann in Buenos-Aires zum Reg - u Brt.; — die Reg.-Bfhr. Karl Stracke aus Hagen, Walt. Epstein aus Breslau, Karl Mittelstaedt aus Grabow und Pet. Röttgen aus Rheinbach (Hochbfch.), — Otto Schasler aus Bromberg, Ernst Schön wald aus Bürgerhuben, Edw. Lange aus Danzig und Kurt Hasse aus Marienhagen (Wasser- u. Strassenbfch.), Paul Fi n d ei s e n aus Danzig und Johs. C o n r a d i aus Helmscheid (Eisenbfch.), Vikt. N i e m a n n aus Curow und Alfr. Törpisch aus Berlin (Masch. - Bfch.) zu Reg.-Bmstrn. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr: Drosihn der Kgl. Reg. in Frankfurt a O., Epstein dem Techn. Bür. des Minist, der geistl., Unterrichts- und Medizinal - Angel., Gössler der Kgl. Ansiedelungs-Komm. in Posen. — Der Reg.-Bmstr. Erich Neumann in Denklingen ist nach Bonn versetzt. Dem Reg.-Bmstr. Eugen Granitza in Frankfurt a. O. ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. Sachsen. Dem Brt. Q u e n t i n in Pirna ist die Erlaubnis zur Anlegung der Koburg - Gotaischen Herzog Alfred - Medaille erteilt. Der Landbauinsp Reuschel in Dresden II ist in Wartegeld versetzt und der Reg.-Bmstr. Schulze in Leipzig zum Landbau¬ insp. beim Landbauamte das. ernannt. Brief- und Fragekasten. Hrn. Eisenbahn-Bauinsp. M. in Dresden. Auf Ihre Anfrage betr. den Beweis für eine Erdmassen-Ermittelung, wie sie in unserem „Handbuch der Baukunde“ Abt. III, Baukunde des Ingenieurs 4. Heft, Erdarbeiten, Strassenbau, Brückenbau gegeben ist, erhalten wir von dem V erfasser des Abschnittes „Erdarbeiten“ , Hrn. Geh. Reg.-Rat, Prof. Barkhausen in Hannover, folgende Auskunft: Der Beweis für die Richtigkeit der Abbildg. 5 S. 7 des Erdbaues ist meines Wissens nicht veröffentlicht. Ich habe ihn seiner Einfach¬ heit wegen nicht mitgeteilt. Er lautet wie folgt: Fläche bedh soll = l>cfg sein, das ist der Fall, wenn adh = afg, oder nach Abzug von adet wenn deh = defg ist. Daraus folgt V2 an H ■ H\ — ‘ " ~r ^ ( z — H) , oder H H1= (H + x) (x — H) = x1 — H- • H (H4-HA = x2 oder — = ,T f rT. Dieses x wird ermittelt, 7 ' X rL\ wenn man die Längen 2 H und H\ aneinandersetzt und über ihnen als Durchmesser einen Halbkreis schlägt. Das im Teilungspunkt der beiden Längen errichtete Lot gibt die Länge x an. Man kann statt H (H + H{) — .r- aber auch schreiben 2 H — - - = x2} also 2 H = j_j ^ Daraus folgt x wieder, wenn man über den zu- 2 TT _l_ TJ sammengesetzten Längen 2 H und - — einen Halbkreis schlägt und im Teilungspunkt der Längen ein Lot errichtet, als Länge dieses Lotes. Diese letztere Ermittelung ist in Abbildg. 5 S. 7 des „Erd¬ bau“ mitgeteilt und hier in der beigegebenen Figur eingetragen. — Inhalt: Der Ausbau der Meissener Domfront nach urkundlichen und baulichen Aohalt-punkten (Schluss). — Mitteilungen aus Vereinen. — Ver¬ mischtes. — Preisbewerbungen. — Chronik. — Personal-Nachrichten. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen, Banzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 98 p * ^ w ffl P <3 CK * WPS p w W p X p S o fc < w cn m w P < * 5 p p w m w p p w m P W co P O CK P X W H £ O K < * 5 -X- * d K * * H N W p * * P < J ;P * * PQ W P P * E P w E * o CO h o H K p •X P < ;P W s s * P 05 05 dl P d CK E < > X X X EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * *sssgss*ss« AUZEITUN G. GANG. * * N2-gg,* DEN 12. DEZ. igoß. * i«2r««2r«!Srsr2!S!S:«S!S: Grabmal der Familie Becker auf dem Friedhofe in Weissensee bei Berlin. Architekt: Prof. Martin Dülfer in München. (Hierzu eine Bildbeilage.) Gottfried Semper. (Schluss.) n hartem Widerstreit mit den „Tektonikern", den modernen Hellenen, standen damals die Romantiker, namentlich die Schule Gärtners in München und die Romantiker am Rhein. Wie in allen anderen Künsten hatte man im Bauwesen die Einseitigkeit des Hellenismus empfun¬ den und dazudessen Fremdländerei! Wage es, ein Deutscher zu sein! rief man in die Welt hinaus. Gedenke der eigenen Geschichte, des eigenen Volkstums, der eigenen Kunst! Die Gotiker waren stolz darauf, dass ihre Formen rein aus der Konstruktion geschaffen seien. Sie stellten den Grundsatz auf, Wahrheit im Bauen sei nur durch klare Stoff- und Konstruktions-Offenbarung möglich. Das Schöne liege in der Wahrhaftigkeit, mit der die inneren Funktionen jeden Gliedes zum Ausdruck kamen. Semper widersprach ihnen. Ihm war erstens das Schöne ein Internationales, zweitens die Gotik nicht das Nationale und drittens wollte er nicht die deutliche Darstellung der Konstruktion, sondern das, was die Franzosen des 18. Jahr¬ hunderts „le vraisemblable“ genannt hatten. Nicht die Augenfälligkeit des konstruktiven Haltes bilde das Be¬ ruhigende im monumentalen Bau, sondern der Umstand, dass man an die Mühsäligkeit seines Aufbaues nicht er¬ innert worden. Das fand Semper im Stil der Römer und in der Renaissance. Die struktive Form muss vergeistigt werden, nicht materiell verdeutlicht. Ich glaube nicht, dass es ein Fortschritt ist, wenn heute Moderne wieder den Auf¬ bau der tektonischen Künste rein aus Stoff und Konstruk¬ tion erstreben! Sie haben ihre Gedanken zu gutem Teil aus Semper gezogen — aber sie übersempern den Meister. Vor 50 Jahren nahm man die Kunst vor Allem ge- schichts - philosophisch. Das Mittelalter galt als fromm, aber finster. Die kirchlich Gesonnenen wie die Liberalen zogen hieraus Abneigung und Liebe für den gotischen Stil. Man fürchtete oder erhoffte den Rückfall in die alte Zeit, wenn man deren Stil aufleben liess. Man baute daher gotische Kirchen, verwahrte sich aber feierlich, dass in Rathäuser oder Schulen ein Stil der „finsteren Zeit" einzöge. Nach diesen Erwägungen verwarf man in den 50 er Jahren Friedrich Schmidts schönen Entwurf für das Berliner Rathaus. Alte Dresdener erinnern sich wohl noch des Kampfes, der in den 6oer Jahren um die gotische Kreuzschule ertönte. Semper’s Schriften griffen in diese Fragen klärend, versöhnend ein. Klar sprach er aus, dass der moderne Meister den Ausdruck der eigenen Zeit zu schaffen be¬ müht sein müsse, dass dies aber zu geschehen habe im notwendigen Zusammenhang der Gegenwart mit allen Jahrhunderten, von denen keines, auch nicht das ent¬ artete, vorübergegangen sei, ohne einen unvertilgbaren Eindruck auf unsere Zustände zu hinterlassen. Das nun beweist er mehr durch seine Werke als durch Worte. Er stellt sich die kunstmässige Erfüllung des Zweckes zur Aufgabe, nicht die absolut reine Kunstform; er sucht von dem Einerlei klass scher Säulen- Architekturen vor Theatern und Wachhäusern, Kirchen und Börsen sich frei zu 'machen. Er sucht in der älteren Kunst wieder nach Typen und er fand in der völligen Erfüllung einer besonderen Bauaufgabe die Schönheit des Typus. Sein grosser, freier, auf innere Selbständigkeit begründeter Blick erhob ihn über die Parteien der einzelnen Stil¬ richtungen. So wurde er zu einem Führer auch für jene, die sich nicht als seine Schüler fühlten! Denn er war 637 nter den zahlreichen Grabdenkmälern der Friedhöfe in und um Berlin zeichnet sich das hier wiedergegebene Grabmal der Familie Becker auf dem Friedhofe in Weissensee bei Berlin durch Anlage und eigenartige Formengebung aus. Es weicht in seiner ernsten, er¬ habenen Strenge so sehr von dem landläufigen Grab¬ malstil ab, dass uns seine bildliche Wiedergabe als eine erwünschte Bereicherung unseres Stoffes erschien. Mit Interesse wird man verfolgen, wie hier eine schöne künstlerische Wirkung lediglich durch aus dem recht¬ winkligen Viereck entwickelte Formen erreicht ist und zwar ohne die Gefahr, in Trivialität zu verfallen, die sonst bei Wiederholungen so nahe liegt. Das Material des Grabmales ist Dorläer Muschel¬ kalkstein, ein Stein, der ein besonders interessantes Gefüge zeigt. Entgegen der sonstigen Gepflogenheit ist der Stein nicht rauh bearbeitet, sondern geschliffen; er erscheint dadurch in schöner blassgrauer Färbung. Die Fläche ist durch vereinzelte gelbliche Stellen unter¬ brochen; diese Stellen sind Nester von tuffähnlicher Formation, welche dem Ganzen eine erwünschte Ab¬ wechslung geben. Für einzelne Teile des Grabmales wurde Bronze verwendet. Die Maurerarbeiten wurden durch Max Ravoth in Berlin erstellt, die Steinmetzarbeiten lieferte der Kgl. Flofsteinmetzmeister Carl Schilling in Berlin. Für die Bildhauerarbeiten schuf Bildhauer Prof. Floss- mann in München die Modelle, die Bronzearbeiten wurden durch die Kgl. Erzgiesserei von Ferd. v. Miller in München ausgeführt. Die Kosten des Denkmales betrugen einschl. des Architekten- Honorares 31 500 M. — Die Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. er notwendig gewordene Umbau der die Alt- mit der Neustadt verbindenden Augustus- Brücke in Dresden hat die in künstlerischen Dingen weit ausschauende Stadtverwaltung der sächsischen Residenz veranlasst, zugleich auch eine Umgestaltung des zwischen der Semper’- schen Gemäldegalerie und dem Elbufer, sowie zwischen dem Hoftheater und der Hofkirche liegenden Theater¬ platzes ins Auge zu fassen ; die Stadt hat damit eine Bau¬ aufgabe eingeleitet, welche zu den bedeutendsten und schwierigsten gehört, die je einer Stadt und dem Städtebau, soweit er künstlerischen Gesichtspunkten folgt, gestellt wurden. Schon der Umstand, dass der Gedanke einer grossartigen Platzgestaltung an dieser Stelle eine lange Geschichte hat, könnte ein äusser- liches Merkmal für seine Bedeutung sein. Von den ersten Dietz’schen Anregungen aus dem Anfang des XVIII. Jahrhunderts über die Pöppelmann’schen Aus¬ führungen hinweg bis zu dem grossartigen Plane Cuvillies über die „Ausfüllung des Grabens bey der königlichen Residenz - Stadt Dresden“ verschwinden die Erwägungen über Platzanlagen von zumteil „un¬ beschreiblicher Wirkung“ nicht mehr aus den zahl¬ reichen Entwürfen, mit welchen sich August I. und seine Nachfolger beschäftigten. Und als später Gott¬ fried Semper die Gemäldegalerie und die beiden Hof¬ theater errichtete, treten die Gedanken über die Platz¬ gestaltungen aufs neue in den Kreis lebhaftester Er¬ örterungen. Matthäus Daniel Pöppelmann hatte die Gebäude des Zwingers, die heute noch stehen, als Teil einer weit grossartiger geplanten Platzanlage ge¬ dacht, die sich bis zum Ufer der Elbe hinunterziehen, einen langgestreckten inneren Ehrenhof einschliessen und gegen die Elbe mit einem etwa im Halbkreis ge¬ schwungenen Gebäudeflügel mit einem kuppelartigen Zentralbau abschliessen sollte. Da der innere Ehrenhof ohnehin schon eine übergrosse Länge hatte, so glaubteer, ihn in sich und gegen die Elbe schliessen zu müssen. Ungleich umfangreicher noch war der Entwurf Cuvillies gedacht. Das alte Schloss sollte niedergelegt und an seiner Stelle ein Ehrenhof errichtet werden, welcher die Hofkirche Gaetano Chiaveri’s in die Umfassung mit einbeziehen sollte. Vor dem jetzigen Zwinger sollte sich nach der Elbseite ein zweiter Hof entfalten, welcher etwa den ganzen heutigen Theaterplatz mit dem Hotel Bellevue eingenommen haben würde. An ihm und hinter dem Zwinger war eine grosse, recht¬ eckige Schlossanlage gedacht, welche von der Elbe bis zur Ostraallee reichen sollte und wiederum mehrere grosse Höfe umfasste. Etwa 300 m lang und 210 m breit war sie angenommen; diese Bauanlage würde mehr als 4 mal so gross gewesen sein, als das Gebiet des heutigen Zwingers. Hinter dem Schloss sollte sich eine ausgedehnte Gartenanlage der Elbe entlang bis nach Uebingau ziehen. Steche schreibt dazu: „Denkt man sich — von Neustadt kommend — links und rechts und vor der Hofkirche die weiten Plätze, die Arkaden aus ihnen hervorragend, das herrliche der erste, der überzeugend lehrte, dass die vergeistigte Zweckerfüllung die höchste Aufgabe der Baukunst sei, dass die Form aus dem Zweck abgeleitet, nicht blos ihm angepasst werden müsse; nicht nur die Form des ein¬ zelnen Profiles, sondern die Gesamtgestaltung des Baues. Man lernte in jener Zeit vielerlei Stile wieder auf¬ zunehmen, indem man einzelne Vorbilder nachahmte. So namentlich in dem München König Ludwigs I. Semper suchte in der Vergangenheit nicht das einzelne Vorbild, sondern die typische Gestaltung, wie sie aus Zweck und Geschichte erwuchs. Er opferte dem Vorurteil jener Zeit, indem er diesen Typus vergangener Zeit als unwandel¬ bar auffasste. Er sagte, man müsse mittelalterlich bauen, um den Typus Kirche, der im Mittelalter entstanden sei, dem Beschauer begreifbar zu machen; man müsse aus gleichen Gründen das Theater römisch, die Synagoge orientalisch gestalten, da es darauf ankomme, Wesen und Bestimmung des Baues klar verständlich zum Ausdruck zu bringen. Daher der gotische Brunnen auf dem Post¬ platz, die gotische Kaserne in Bautzen, die Renaissance- Paläste und Villen und das merkwürdige Projekt für die Nikolaikirche in Hamburg, in dem der Grundrissgedanke der damals verachteten, nur von Semper seinem prote¬ stantischen Inhalte nach ei kannten Frauenkirche in Dres¬ den in mittelalterlichen Formen ausgestaltet ist. Bisher hatte man in der alten Kunst nur nach Stilformen ge¬ sucht; er bewies hier, dass es ihm auf den einheitlichen Gedankeninhalt ankam und dass dieser nicht in den Ein¬ zelformen, sondern im ganzen Aufbau begründet sei. Damit gewann er die Kraft des überzeugenden Aus¬ druckes in seinen Bauten, die Eigenart in der Darstellung verschiedener Aufgaben! Seine Synagoge, seine Theater, 638 seine Wohnhausbauten, sein Polytechnikum in Zürich, sein Rathaus in Winterthur — jedes ein klarer, sofort erfassbarer Typus, ein meisterlicher Beweis für die Ein¬ heit in Semper’s Schaffen und Denken! Semper glaubte, dass die Renaissance den modernen Stil darstelle, er fühlte sich in ihr modern. Schon damals ertönte laut der Klageruf, dass der Zeit der eigene Stil fehle. Man versuchte ihn zu schaffen. Aber es gelang nicht. Auch Semper hat ihn nicht der Welt gebracht. Er fühlte sich modern in seiner Renaissance, er glaubte, dieser sei Vorbehalten, die Welt zu verjüngen. Es gelte nur, sie neu zu erwecken, mit ihr die grossen neuen Auf¬ gaben zu erfüllen, um so der Zeit den ihr fehlenden eigenen Ausdruck zu geben. Er hat sich hierin geirrt, wie wir alle, die wir nach ihm immer neue Stile zu erwecken suchten, um uns an ihnen zu erfrischen. Semper's eigene Entwürfe in anderen Stilen beweisen, dass er die Re¬ naissance als unzulänglich empfand, j e d e n Typus auszu¬ drücken. Indem er jeden seiner Art nach erforschte, be¬ reitete er die Duldsamkeit in Stilfragen vor. Man wird ihm aber nie sklavische Abhängigkeit vom einzelnen Vor¬ bilde nachweisen können: Seine Bauten sind nicht aus entlehnten Motiven zusammengetragen, keine Ergebnisse des Skizzenbuches. Sie sind stets Aeusserungen eines Verständnisses ganzer Stilperioden, Dinge von ihrem letz¬ ten Inhalte nach moderner Gestalt. Und so missachtete Semper jene, die „stilvoll“, das heisst so schaffen wollten, dass man über die LTrsprungs- zeit ihrer Werke in Zweifel geraten könne. Er sagte ihnen nach, dass sie die Vergangenheit fälschen, die Gegen¬ wart verleugnen und die Zukunft täuschen. Wie er über den Ausbau^ alter Kunstwerke dachte, das beweist ein No. 99. Werk Chiaveri’s, weiter links das neue Schloss und noch weiter den kolossalen Garten mit Wasserwerken und Blumenparterres in das Gehege hinein welch’ ein Anblick ohne Gleichen.“ Es kam nicht zur Aus¬ führung und so blieb uns denn das Kgl. Schloss er¬ halten. Dann scheinen die Pläne für eine Platzanlage vor dem Zwinger wieder geruht zu haben, bis die Periode der Semper’schen Bauausführungen anhob. Das italienische Dörfchen war ehemals eine Hütten- siedelung, in welcher die beim Bau der Hofkirche be¬ schäftigten italienischen Arbeiter untergebracht waren. Obwohl es nach und nach verschwand, blieb doch noch bis auf den heutigen Tag ein Rest übrig, auf dessen Beseitigung unausgesetzt die Aufmerksamkeit gerichtet war, ohne aber dass es dazu kommen sollte. Ein Entwurf von Gottfried Semper, aus Anlass der Aufstellung eines Reiterstandbildes im Zwingerhof verfasst, versucht, an die Grossartigkeit der früheren Pläne heranzureichen. Nach dem Entwurf sollte sich der Zwingerhof gegen die Elbe öffnen; rechts und links sollten an die Zwingerflügel ein neues Museum und eine neue Orangerie anschliessen und es sollte das erste Hoftheater mit der Orangerie in Verbindung gebracht werden und mit seinem mächtigen Rundbau in eine langgestreckte Platzanlage vorspringen, die sich bis an die Elbe hinunterzog und an der hier gelege¬ nen Kurzseite durch die Schinkel’sche Hauptwache abgeschlossen werden sollte. Also auch Semper war gleich Pöppelmann von dem Gefühle geleitet, dass er die langgestreckte, vielleicht etwas überlange Platz¬ anlage vor dem Einblick von der Elbe oder von der Augustus- Brücke her abschliessen müsse. An der Elbe war in venetianischem Sinne ein Landungsplatz ge¬ dacht, welcher mit monumen¬ talen Masten, Treppen - An¬ lagen, Denkmälern usw. ausge- schmücktwerden sollte. Camillo Sitte schreibt dazu: „Wäre das Alles so ausgeführt worden, so würde dieser Platz eine über¬ wältigende Wirkung hervor¬ gebracht haben, ja, eine blei¬ bende Berühmtheit ersten Ranges geworden sein. Der nüchterne kleinliche Zeitgeist sträubte sich aber so lange gegen diese überzeugend klare Konzeption, bis Alles verzettelt und zu Schanden gemacht war. Zuerst kam die Orangerie an eine bedeutungslose Strassen- ecke, während das Theater an der projektierten Stelle aufge¬ baut wurde, und schliesslich wurde der Museumsbau als vierte Seite zum Abschluss des Zwingers verwendet. In dieser plan- und sinnlosen Anordnung passt das Museum nicht zum Zwinger und der Zwinger nicht zu jenem; das Theater steht ohne Verbindung allein da in der öden Platzleere; alle Orien¬ tierung und Wirkung ist ver¬ loren gegangen, und die Mög- Lageplan. bewundernswertes Beispiel : das Dresdner Galerie-Gebäude. Semper wusste sehr wohl aus dem Barock herauszulesen, was er unserer Zeit an Vorbildlichem zu bieten habe. Als er aber den Zwinger zu vollenden hatte, war er sich völlig bewusst, dass er sich dem vorhandenen Meister¬ werke wohl einzuordnen, aber nicht unterzuordnen habe, wie es wohl heute geschähe. Dass er nicht einen Bau in gefälschtem Pöppelmann-Stil, sondern ein Werk hinzu¬ stellen habe, das im Zeitstile gehalten sei, so wie er ihn empfand. So schuf er ein Werk, das selbst der Laie als nicht zum Zwinger gehörig erkennt, dem aber der Künst¬ ler zugestehen muss, dass es mit diesem eine künstlerische — nicht blos stilistische — Einheit darstellt. Und damit diente er dem ihn beherrschenden Geist der Geschichte besser, als wenn er sich bemüht hätte, mit dem Kopfe der Vergangenheit zu schaffen. Im Entwicklungsgang des ästhetischen Denkens ist so¬ mit Semper eine der grössten Erscheinungen des 19. Jahr¬ hunderts. Hier ist die Rückkehr zu ihm wohl noch auf lange Zeit ein Fortschritt. Als Künstler ist er mehr Kind seiner Zeit. Aber in dieser ist er eine der freiesten und vornehmsten Erscheinungen. Bewundernswert sind die innere Abrundung, die geistige Geschlossenheit seiner Bauten. Dessen kann sich keine Stadt mehr rühmen als Dresden, wo das Beste steht, was ihm zu schaffen be¬ stimmt war. Nur wenigen seiner Zeitgenossen gelang es, völlig widerspruchsfreie Bauten zu schaffen: das Oppen- heim’sche Palais, die Fassaden der Galerie, das ältere Theater werden jederzeit unter diese gerechnet werden! Meisterwerke, von denen eines leider ein böses Geschick früh zerstörte, die anderen durch nun ein halbes Jahr¬ hundert des leidenschaftlichen Wechselns im künstlerischen 12. Dezember 1903. Geschmack sich siegreich behaupteten, während so vieles ihnen einst als gleichwertig und überlegen Erachtete auf den Beschauer zu wirken längst aufgehört hat. In der Paulskirche zu London steht ein Stein über dem Grabe ihres Erbauers, Christopher Wren, mit der Inschrift: „Lector, si monumentum requiris circumspice!“ „Leser, wenn du das Denkmal des Erbauers suchst, so sieh um dich!“ Dieser bescheidene Saal, der die heutige Festver¬ sammlung umschliesst, ist seiner architektonischen Gestalt nach Semper's Werk. Mehr noch mahnt der Umblick in unserer Stadt an den grossen Meister. Es ist ein für die Geschichte Dresdens bemerkenswertes Ereignis, dass seine Bürger ein zweites Mal Semper herbeiriefen, als eigene Schuld ihn der Stadt entfremdet hatte, und dass ein wohl¬ wollender, verzeihender König ihm zweimal sein höchstes Vertrauen schenkte. Semper’s Denken ist Gemeingut der Welt geworden, sein Schaffen ist zu gutem Teil Dresden zu eigen. Unsere Stadt kann sich rühmen, das Verdienst seines grossen Archi¬ tekten nie unterschätzt zu haben. Er war nicht durch Geburt Dresdner, wie Ludwig Richter, der liebenswürdige Meister, von dessen Geburtsfest wir eben kommen. In seiner Herbheit und Strenge hat er sich nie ganz dem sächsischen Wesen einfügen können. Aber er ist unser geworden durch -seine gewaltige Kunst, den Geist der alten Königsstadt in sich zu verarbeiten; er ist unser ge¬ worden durch den völligen Einklang zwischen dem kunst¬ reichen Dresden und dem, was er der Stadt Neues schuf. Wir können uns die Stadt ohne ihn nicht mehr vorstellen, in die sein Geist so mächtig eingriff. Er ist unser, immer, ein für alle mal, semper! — 639 640 No. 99. i2. Dezember 1903. lichkeit, aus diesem Wust von kreuz und quer gestell¬ ten Bauwerken, die ohne Verbindung wie Kommoden bei einem Ausverkauf herumstehen, jemals wieder ein geschlossenes harmonisches Ganze heraus zu bringen, ist für immer entschwunden, nicht nur zum Schaden Dresdens, sondern auch zum Schaden aller Kunst¬ freunde und Gebildeten überhaupt, welche beim Be¬ suche Dresdens an diesem herrlichen Platz Herz und Sinn erfreut und daran eine bleibende angenehme Er¬ innerung heimgetragen hätten“. Man darf sich nun aber angesichts des heutigen Zustandes fragen, ist diese un¬ gewöhnlich scharfeKritik,dieinsämtlichenVorentwürfen für diese Platzanlage keine Stütze findet, berechtigt? Ist tatsächlich die Möglichkeit, ein geschlossenes, harmo¬ nisches Ganze herauszubringen, für immer entschwun¬ den? Es ist noch keineswegs erwiesen, dass der lang¬ gestreckte Pöppelmann’sche Entwurf, auf dessen Ge¬ danken Semper zurückgriff, die überwältigende Wir¬ kung hervorgebracht haben würde, die Sitte vermutet. Jedenfalls hatte der Gedanke Pöppelmanns vor dem nicht folgen, wenn er meint, in dieser plan- und sinn¬ losen Anordnung passe das Museum nicht zum Zwin¬ ger und der Zwinger nicht zu jenem; ich möchte in der Beurteilung dieser Verhältnisse lieber Cornelius Gurlitt folgen, welcher den feinen künstlerischen Takt betont, mit welchem Semper seinen Bau dem alten Zwingerhofe eingliederte. Die Wahrscheinlichkeit, dass Semper nicht aus Gründen des kleinlichen Zeit¬ geistes, sondern aus wohlerwogenen künstlerischen Gründen dazu kam, seinen grösseren Plan zu ver¬ lassen, beweist der im Grundgedanken durchaus ver¬ wandte Plan für die Platzgestaltung zwischen den Hofmuseen und den Hofburgflügeln in Wien. Fast der gleiche Grundgedanke, jedoch durchaus andere, harmonischere Abmessungen, nicht mehr die verhält¬ nismässig enge Anlage des Dresdener Entwurfes und nicht mehr das ungewöhnlich Langgestreckte desselben. Es fragt sich nun, sind die Verhältnisse für eine monumentale Platzgestaltung nach Errichtung des Museums ungünstigere geworden, wie vor derselben, 50 1 00m —1 ) Entwurf des Hrn. Paul Schnartz in Leipzig. (Ein III. Preis) Sempers das voraus, dass der Architekt des XVIII. Jahr¬ hunderts mit einer Einheitlichkeit der architektonischen Formen rechnen konnte, die manche Ungelegenheit aus der zu geringen Breitenbemessung der Anlage zu besiegen im Stande war. Demgegenüber befand sich der Semper’sche Entwurf in einer weniger glück¬ lichen Lage. Semper wollte dem Zwinger Bauwerke in einer ganz anderen Stilart angliedern, Bauwerke, die jedenfalls eine andere Lokalstimmung erzeugt haben würden, wären sie in dem Sinne entstanden, wie sie hier geplant waren. Der mächtige Rundbau des alten Hoftheaters wäre so stark in die Platzanlage einge¬ sprungen, dass das perspektivische Bild wohl eine unerwünschte Beeinträchtigung erfahren hätte. Sollte sich Semper unter diesen Umständen nicht mit einer gewissen Willigkeit entschlossen haben, mit dem graziösen Museum die vierte Seite des Zwingerhofes zu schliessen und damit eine geschlossene Platzanlage zu schaffen, die in ihren Abmessungen zu dem glück¬ lichsten gehört, das wir besitzen und die in ihrer Umrahmung das unvergleichlichste ist, was mensch¬ liche Kunst je hervorgebracht hat? Ich kann Sitte 642 als noch die Möglichkeit vorhanden war, den mehr¬ fach genannten Semper’schen Entwurf auszuführen? Die Antwort muss bei ernsterer Prüfung der Frage und nach den vorhergehenden Ausführungen lauten: Nein, im Gegenteil, sie sind günstigere geworden. Durch den Abschluss des Zwingerhofes ist hier eine künstlerische Einheit geschaffen, die für sich besteht und bei der weiteren Platzgestaltung ausscheidet. Für den neuen Platz kommen ausser den noch zu schaffen¬ den Architekturteilen nunmehr nur noch die Fassade des Museums, der vordere Teil des Hoftheaters und die Chiaveri’sche Hofkirche inbetracht. Theater und Museum zeigen eine stilistische Einheit von hoher Schönheit. Je mehr der Kunstgeschmack von den lauter auftretenden Schöpfungen der Gegenwart zu¬ rückkehrt zu denen der nächsten Vergangenheit, desto mehr steigen die Werke Schinkel's und Sempers wieder in der künstlerischen Wertschätzung. Das Ar¬ chitektur-System der Hofkirche entfernt sich nicht so weit von der stilistischen Haltung der genannten Bau¬ ten, dass bei der etwaigen Einbeziehung dieses Bau¬ werkes in die Platzgestaltung eine Störung der Har- No. 99. monie befürchtet werden müsste. Die Schinkel’sche Hauptwache ist ein so fein gegliedertes Werk, dass sie bei einer etwaigen Wiederverwendung die Wir¬ kung der feinen, aber doch temperamentvollen Archi¬ tektur Semper’s nur steigern würde. Wenn also eine monumentale Piatzgestaltung möglich ist, welche Formen kann dieselbe annehmen? Darüber sollte der jüngst entschiedene Wettbewerb Aufschluss geben. So zahlreich er beschickt war, so hat er doch keinen durchschlagenden Gedanken ge¬ zeitigt, sodass er lediglich als eine Vorkonkurrenz be¬ trachtet werden kann. Als eine solche hat er wesent¬ lich zur Klärung der ungemein schwierigen Frage beigetragen und der umsichtigen Stadtverwaltung wert¬ volle Fingerzeige für einen etwaigen zweiten Hauptwett¬ bewerb mit bestimmten Gesichtspunkten gegeben. — (Schluss folgt.) Das Bauwesen im deutschen Reichshaushalt 1904. m em deutschen Reichstage ist bei seinem Zusammen¬ tritt am 3. Dez. d. J. der Haushalts-Etat für 1904 zugegangen, in dessen Ansätzen das Bauwesen hin¬ sichtlich der einmaligen Ausgaben mit einer Gesamt Summe von rd. 93 Mill. M. teilnimmt, eine Summe, die den Auf¬ wendungen des Vorjahres etwa gleichkommt.*) Der höchste Betrag fällt in diesem Jahre auf die Marine mit rd. 24,37 Mill., sowie auf die Reichseisen¬ bahnen mit 20,94 Mill. M. Das Reichsheer steht erst an 3. Stelle mit 15,66 Mill., dann folgen fast mit gleichen Beträgen, 11,29 Mill bezw. n Mill. M. das Reichsamt des Inneren und die Schutzgebiete. Die Reichs¬ post beansprucht in diesem Jahre 8,9 Mill M. Kleinere Beträge werden gefordert vom Auswärtigen Amt, nämlich 377 600 M. für Konsulats- bezw. Gesandtschafts- Wohnungen in Hankau, Canton, Tanger, Bangkok, Teheran, bezw. für den Ausbau des Kolonialamtes in Berlin selbst; 283000 M. von der Reichs'druckerei für die Erweiterung ihres Geschäfts -Gebäudes in Berlin; 55000 M. vom Reichsjustizamt für eine ausserordent¬ liche bauliche Instandsetzung seines Gebäudes in Berlin; 15900 M. vom Reichsschatzamt für Erschliessung frei gewordenen Festungsgeländes in Mainz und schliesslich 150000 M. vom Fonds der China-Expedition als letzte Rate für ein Lazarett der Schutztruppe in Peking. Von den 24,37 Mill. M. 6er Marine Verwaltung (fast 10,7 Mill. M. mehr als im Vorjahre) entfallen 6,55 Mill. auf den ordentlichen, 17,82 Mill. auf den ausserordentlichen Etat. Erstere sind hauptsächlich vorgesehen für Erweite¬ rungsbauten der Kaiserl. Werften in K>'el, Wilhelms¬ haven, Danzig, ferner für Garnison- und Lazarettbauten. Es entfallen ferner 773000 M. auf solche Anlagen, die, wie die bessere Befeuerung der Küsten, die Aufstellung von Seekarten usw. auch dem allgemeinen Schiffahrtsinteresse dienen, und auf die Beschaffung eines grossen Seebaggers (Ges. -Kosten 1,2 Mill. M.) usw. Von den ausserordent¬ lichen Ausgaben sind 4,7 Mill. M. wiederum für den Bau von grossen Trockendocks in Kiel und Wilhelmshaven, 8,6 Mill. M. für grössere Erweiterungsbauten an den ge¬ nannten drei Werften und 2,43 Mill. M. schliesslich für Kasernen- und Lazarettbauten bestimmt. Die Eisenbahnverwaltung steht mit 20,94 Mill. M. (5,43 Mill. M. mehr als 1903) an 2. Stelle. Von dieser Summe sind im ordentl. Etat für die einmaligen Ausgaben 6,45 Mill. M. vorgesehen, darunter als Hauptposten 4,2Mill. M. für die Beschaffung von Betriebsmitteln (18 Lokomotiven, 792 Güterwagen, 10 Gepäckwagen). Der ausserordentl. Etat umfasst 14,50 Mill. M., davon 9,13 Mill. M. für Bahn¬ hofsveränderungen und Neubauten, namentlich in Metz, Strassburg, Colmar, Flörchingen, 3,94 Mill. M. für die Verlängerung von Bahnlinien, Ausbau 2. bezw. 3. und 4. Gleise und für neue Bahnstrecken. Für Beamtenwoh¬ nungen sind 400000 M. eingesetzt. [Auch der Etat der laufenden Ausgaben ist mit 38,16 Mill. M. um 3,0 Mill. M. höher als im Vorjahre. An der Gesamtsumme nehmen die Betriebsmaterialien und Aus¬ stattungs-Gegenstände mit 9,57 Mill. M., die Unterhaltung und Ergänzung der baulichen Anlagen mit 11,73 Mill. M., desgl. der Betriebsmittel mit 10,42 M. M. teil). Für das Reichsheer sind an einmaligen Ausgaben im ordentlichen Etat rd. 15,66 Mill. M. ausgeworfen, d. h. 3,25 Mill. M. weniger als im Vorjahre. [Nicht eingerechnet sind dabei rd. 2,52 Mill. M., die zur Erwerbung und Aus¬ stattung von Truppen - Uebungsplätzen ausserdem noch gefordert werden, da diese Summe nur zum kleineren Teil auf eigentliche bauliche Zwecke entfällt]. Es nehmen an diesen Kosten Teil: Preussen mit rd. 11,32 Mill. M., Elsass-Lothringen mit rd. 1,63 Mill. M., Württemberg mit rd. 1,54 Mill. M. und Sachsen mit rd. 1,15 Mill. M. Mehr als die Hälfte der Gesamkosten erfordert dabei das Garnison-Verwaltungswesen, d. h. der Bau von Kasernen usw. Berlin ist beteiligt mit grösseren Posten für die *) Vergl. Jahrg. 1903 S. 30 u. ff. Die dort angegebene Ges -Summe ist auf anderer Grundlage berechnet, da dort noch Summen einbezogen wurden, die nicht rein unter die baulichen Ausgaben zu rechnen sind, wie namentlich der Grunderwerb bei den Postbauten usw. Kasernen eines Eisenbahn- Regimentes, des Telegraphen- Bataillons, den Neubau der Kaiser Wilhelm-Akademie usw. Im ausserordentl. Etat sind wie im Vorjahre 500000 M. zur Beschaffung von Feldbahnmaterial vorgesehen. Das Reichsamt des Inneren setzt im ordentl. Etat 6,29 Mill. M. (rd. 2 Mill. M. weniger als 1903) an, im ausserordentlichen 5 Mill. M. (rd. 1 Mill. M. mehr als im Vorjahre). Letztere Summe ist ausschliesslich zur Förderung des Baues von Kleinwohnungen bestimmt. Bei ersterer Summe handelt es sich im wesentlichen um die Fortsetzung alter Aufgaben. Hauptposten bilden die weiteren Raten für Erweiterungsbauten des Reichs-Ge¬ sundheitsamtes 995000 M., des statistischen Amtes 200000 M., für den Neubau des Reichs-Patentamtes 3,5 Mill. M., des Aufsichtsamtes für Privat-Versiche- r ungen 500000 M., sämtlich in Berlin. Für die Vollen¬ dung des Kaiser Friedrich-Denkmals in Berlin sind 200000 M. eingesetzt, 150000 M. für den Ausbau der Hohkönigsburg, 57000 M. für Verbreiterungsarbeiten am Kaiser Wilhelm - Kanal, Ausführung von Ent¬ wässerungsarbeiten, Anlage von Arbeiter- und Lootsen- wohnungen daselbst. Neu ist ein Posten von 50000 M. als Beitrag zu dem Museum für Meisterwerke der Naturwissenschaft und Technik in München. Nicht einbegriffen in obiger Gesamtsumme ist ein Beitrag von 2 Mill. M. für die Weltausstellung in St. Louis, von welcher Summe jedenfalls noch ein Teil auf bauliche Anlagen entfällt. Für die 8 deutschen Schutzgebiete werden zu baulichen Zwecken an einmaligen Ausgaben im Ganzen rd. 11 Mill. M., d. h. etwa 3 Mill. M. mehr als im Vorjahre gefordert. Davon fällt wiederum der Hauptanteil mit 7197000 M. auf Kiautschou. Mit Rücksicht auf die im Jahre 1904 zu erwartende Eröffnung der Schantung-Eisen- bahn soll der Handelshafen kräftig gefördert werden, wozu rd. 3,75 Mill. M. angesetzt sind. Für Kasernen, Verwaltungsgebäude, Wasserleitung, Kanalisation, Schlacht¬ hof usw. sind 1,78 Mill. M., für das Schwimmdock nebst Reparaturwerkstatt 1,5 Mill. M. vorgesehen. Ostafrika erfordert 2,28 Mill. M., die als Hauptposten 1,8 Mill. M. für die Fortführung der Eisenbahn Tanga — Muhesa - Korogwe bis Mombo vorsehen, bezügl. deren ein Vertrag mit der Firma Lenz & Ko. in Berlin abgeschlossen ist, welche sie betiiebsfertig einschl. der gesamten Ausrüstung bis Mitte 1905 fertig zu stellen übernommen hat und zwar für eine im Voranschlag bleibende Gesamtsumme. Togo braucht 591000 M., davon 450000 M. als III. Rate der Eisenbahn Lome — Kl.-Popo, Südwestafrika 437000 M. etwa zu gleichen Teilen für Baulichkeiten und Wasserversorgungs¬ anlagen. In Kamerun werden 320225 M. zu gleichen Teilen zu Hochbauten und Wegebauten verwendet, die Schutzgebiete Samoa, Neu-Guinea und die Karolinen-, Palau- und Marianen-Inseln begnügen sich mit 95000, 54100 bezw. 42375 M. — Für die Reichspost- und Telegraphen- Ver¬ waltung sind im ordentlichen Etat für Bauzwecke 8,90 Mill. M. vorgesehen. Dazu kommen für reinen Grund¬ erwerb zu später auszuführenden Bauten noch 5,8 Mill. M., die noch nicht mitgerechnet sind. (In der Summe von 8,9 Mill. M. ist übrigens z. T. auch Grunderwerb mit ent¬ halten, der sich von dem Bauwert nicht trennen lässt) Mit den Ansätzen für Grunderwerb hält sich der Etat der Reichs¬ post auf der Höhe des Vorjahres. Es fallen davon allein 4,21 Mill. M. für Neubauten und Fortsetzung angefangener Bauten auf Berlin. Davon nehmen die Anlagen am Schlesischen Bahnhof (einschliesslich Grunderwerb) allein 1,65 Mill. M. in Anspruch, die Erweiterungsbauten des Hauptpostamtes in der Königstrasse desgl. 824650 M., die Erwerbung eines Grundstückes für die Erweiterung des Postamtes am Potsdamer Bahnhof 678 000 M. usw. An I. Raten für Neuausführungen sind 4,69 Mill. M. vorgesehen. Geplant sindNeubauten in Berlin, Beuthen, Blankenburg a. II., Breslau, Dirschau, Gleiwitz, Lauenburg, Lippstadt, Lübeck, Metz, Minden, Münster, Plauen i. V., Rybnik, Schlawe, Stettin, Waldenburg i. Schl. — 12. Dezember 1903. 643 Vermischtes. Sittig’sche Gipsdielen mit Kokosfasereinlage (hergestellt in der Fabrik von Euling, G. m. b. H. in Ellrich a. H.) beanspruchen vor den gewöhnlichen, unter Beimischung von Koksasche hergestellten Gipsdielen den Vorzug grösserer Widerstandsfähigkeit gegen den Angriff äusse¬ rer Kräfte, Erschütterungen und Feuer, während Stütz¬ haken, Nägel, Schrauben eingetrieben werden können und gut halten, ohne dass ein Abplatzen eintritt. Eine ein¬ fache 5 cm starke Wand wird aus diesen Platten im Verbände hergestellt; man lässt sie ringsherum etwa 2 cm in die Mauern einbinden. Doppelwände werden aus zwei einfachen je 5 cm starken Wänden hergestellt, die zwischen sich einen Luftraum von einigen Zentimetern Weite lassen. Die beiden Wände sind in gewissen Abständen mit lot¬ rechten Nuten versehen und es werden nun durch Gips¬ einguss zwischen den Wänden in diese Nuten eingreifend senkrechte Stege hergestellt, die als Versteifung der Doppel¬ wand dienen , sodass diese eine erhebliche Widerstands¬ fähigkeit erhält. Brand- und Erschütterungsversuche, die in der mechanisch-technischen Versuchsanstalt in Gross- Lichterfelde-Ost vor kurzem ausgeführt wurden, haben günstige Ergebnisse für diese neue Konstruktion gehabt. — Zum Ehrendoktor der Techn. Hochschule zu Darmstadt wurde auf einstimmigen Antrag der Abt. für Architektur und durch Beschluss von Rektor und Gr. Senat Ifr. Geh. Reg. - Rat Prof. Henrici in Aachen „wegen seiner hervorragenden Verdienste um die Einführung künst¬ lerischer Grundsätze im Städtebau und seiner vorbild¬ lichen Arbeiten auf diesem Gebiete" ernannt. — Bücher. Theoretische Grundlagen der Starkstrom-Technik von Charles Proteus Steinmetz. Autor, deutsche Ausgabe. Uebers. von Ing. A. Hefty. Mit 143 in den Text eingedr. Abbildgn. Braunschweig. Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 1903. Pr. 9 M. — Steinmetz ist in Fachkreisen vorteilhaft bekannt durch eine grössere Zahl schöner Arbeiten, die sich hauptsächlich mit der Theorie des Wechselstromes, der ihn erzeugenden sowie der ihn zu ihrem Betriebe benötigenden Apparate befassen. Auch der Inhalt des vorliegenden Buches ist in seinem grössten Teile dem vor¬ erwähnten Thema gewidmet. Es bildet gewissermassen eine Ergänzung zu des Verfassers „Theory and calcu- lation of alternating current phenomena“ und besteht aus zwei Hauptteilen, deren erster der allgemeinen Theorie gewidmet ist, die er in 18 Kapiteln und unter Darlegung und Benutzung der neuesten Errungenschaften auf diesem Gebiete in ihren Hauptzügen erschöpfend behandelt. Jedem Kapitel sind am Schlüsse noch ein oder mehrere der elektrotechnischen Praxis entnommene Beispiele angefügt, die zeigen, wie die eben entwickelten Sätze der Theorie und die aus ihnen gezogenen Schlüsse auf die durch die Wirklichkeit gegebenen Verhältnisse angewendet werden. Der zweite Teil des Buches trägt die Ueberschrift: „Spezielle Maschinen“. Steinmetz sieht hier von den bisher fast ausschliesslich gebräuchlichen Arten der Ein¬ teilung der elektrischen Maschinen in Motoren und Gene¬ ratoren oder in Gleich- und Wechselstrom-Maschinen ab und setzt an ihre Stelle die von der Normalien-Kommission der „American Institution of Electrica! Engineers“ an¬ genommene Einteilung, die sich auf den charakteristischen Eigenschaften der Maschinen aufbaut. Diese neue Einteilung legt er in einer Einleitung eingehend dar und begründet sie. Ihr entsprechend zerfällt der zweite Teil des Buches in folgende Kapitel: Synchron - Maschinen; Kommutator- Maschinen; Rotierende Umformer; Induktions Maschinen. Wie der Verfasser im Vorwort darlegt, beabsichtigte er, in diesen Abschnitten die wichtigsten elektrischen Apparate in ihren charakteristischen Eigenschaften in- bezug auf äussere und innere Bauart, Wirkungsweise unter normalen und nicht normalen Verhältnissen, einzeln und in Verbindung mit anderen Apparaten darzustellen. Dies ist ihm auch recht gut gelungen, so dass einem jeden Elektrotechniker das Studium des Buches Belehrung bringen und Genuss bereiten wird. Viele deutsche Fach¬ genossen werden daher Hrn. Hefty für seine Ueber- tragung des Werkes ins Deutsche Dank wissen. Er hat hierbei in den Formeln die von Steinmetz verwendeten Buchstaben-Bezeichnungen durch die in Deutschland ge¬ bräuchlichen ersetzt, womit man nur einverstanden sein kann. Wir hätten es aber gerne gesehen, wenn er noch in einigen anderen Punkten vom englischen Originaltext zugunsten des in Deutschland Ueblichen abgewichen wäre. So wird in unserem Lande wohl schwerlich irgendwo mit einer Periodenzahl von 33,3 (siehe Beispiel auf S. 59) ge- 644 arbeitet werden. Auch sind z. B. das Wort „vernach¬ lässigbar" sowie der Ausdruck, eine Spannung wird einem Kondensator „aufgedrückt“, wie an verschiedenen Stellen des Buches zu lesen ist, nicht dem deutschen Sprach¬ schätze entnommen, erweisen sich vielmehr als übermässig gewissenhafte Uebertragungen der betreffenden englischen Worte. Schliesslich wollen wir noch erwähnen, dass der Uebersetzer den Abschnitt über Ankerwickelungen für Gleichstrommaschinen, da er es für notwendig hielt, hier die einfachen Schaltungsformeln, wie wir sie z. B. in dem Arnold’schen Werke „Die Gleich Strommaschine“ finden, wiederzugeben, einer entsprechenden Umarbeitung unterzogen hat. — j)r pp 5 Preisbewerbungen. Ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für ein Kaiser Josef-Denkmal in Töplitz-Schönau wird von einem bez. Komitee ausgeschrieben. Die Kosten des auf der Marktplatz - Terrasse aufzustellenden Denkmales sollen 50000 Kr. nicht überschreiten. Es gelangen 3 Preise von 1200, 800 und 600 M. zur Verteilung. — Personal-Nachrichten. Hessen. Ernannt sind: Die Reg.-Bmstr. Klump aus Darm¬ stadt z. Bauass. unt. Verleihung des Tit. und Ranges eines Bau- insp. und Hechler z. Kr.-Bauinsp. für Lauterbach; — die Reg.- Bfhr. Ludw. Pietz aus Darmstadt (Hochbfch ), Herrn. Dannen¬ berger aus Crumstadt (Wasser- u. Strassenbfch ), Gust. Köhler aus Bornheim und Karl Lorey aus Darmstadt (Eisenbfch), Aug. Betz aus Mainz (Masch.-Bfch.) zu Reg.-Bmstrn. Preussen. Dem Reg.- u. Brt Hellwig in Stralsund und dem Landbauinsp. Hab eit in Greifswald ist der Rote Adler-Orden IV. Kl., dem Reg.-Bmstr. Brüstlein in Greifswald und dem Ratsbmstr. Klimm in Breslau der Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verl. Die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreuss. Orden ist erteilt und zwar: dem Geh. Brt. Prof. Dr. Meyden- bauer in Berlin des Grossherrl. Türk. Medschidje-Ordens II. Kl.; dem Prof. Schleyer an der Techn. Hochschule in Hannover des Grossherrl. Türk. Osmanie Ordens III. Kl.; dem Geh. Reg. Rat Prof. Martens, Dir. der mech.-techn. Versuchsanstalt in Char¬ lottenburg des Kgl. Niederländ. Ordens von Oranien-Nassau. Der Reg.- u. Brt. Sprengel! in Altona ist z. Geh. Brt. und vortr. Rat im Minist, der öffentl. Arb. ernannt. — Dem Schiffbau- Dir. F 1 o h r in Stettin ist der Char. als Brt. verliehen. Der Mel.-Bauinsp. M i e r a u ist von Kaukehmen nach Magde¬ burg versetzt und der Reg.-Bmstr. Wenzel in Düsseldorf z. Mel.- Bauinsp. ernannt. Die Reg.-Bfhr. Ludw. Kusel aus Grabow (Hochbfch.), — Gg. Braun aus Graudenz und Ernst Crescioli aus Bromberg (Wasser- u. Strassenbfch.), — Gust. Johlen aus Weilburg, Willy Lehmann aus Berlin (Eisenbfch), — Friedr. Wegen er aus Hannover und Paul B a r d t k e aus Kittlitztreben (Masch.-Bfch.) sind zu Reg.-Bmstrn. ernannt. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Ernst Schönwald der Kgl. Verwaltung der mark. Wasserstrassen in Potsdam, Voigt und Lippmann der Kgl. Eisenb.-Dir. in Breslau. Den Reg.-Bmstrn. O. Bertram in Berlin u. Paul Grulich in Merseburg ist die nachges. Entlass, aus dem Staatsdienst erteilt. Der Brt. z. D. W o 1 1 a n k e in Hamm ist gestorben. Württemberg. Der tit. Ob -Brt. Schmoll er ist z. Ob.-Brt. bei der Gen - Dir. der Staatseisenb. befördert. — Der Abt. - Ing. Reichert bei der Gen. - Dir. ist zu der Eisenb. - Bauinsp. Geis¬ lingen und der Abt.-Ing. Hochmüller in Ravensburg zur Eisenb.- Bauinsp. Rottweil versetzt. — Der Abt.-Ing. Sch auf feie in Reutlingen ist auf die Stelle des Eisenb.-Bauinsp. in Aulendorf be¬ fördert. — Der Reg.-Bmstr. Wieland in Gmünd ist z. etatm. Reg.-Bmstr. im Fin -Depart. erannt. Brief- und Fragekasten. Fragebeantwortungen aus dem Leserkreise. Zur Anfrage in No. 94 betr. zweckmässige Verwendung von grossen Massen von Sägespänen möge folgendes dienen. Betriebe, welche sehr grosse Mengen von Sägespänen erzeugen, können durch Fabrikation der Schurich'schen Bauplatten die Säge¬ späne sehr gut verwerten und einen grossen Gewinn erzielen. Näheres durch Bautafel-Fabrik Otto Schurich, Leisnig i. Sa. Zu der Anfrage erlaube ich mir mitzuteilen, dass Sägespäne in grossen Massen zur Herstellung fugenloser Fussböden, sowie Estrich verwendet werden. — Richard Beck in Stuttgart. Die reich entwickelte Kunststein- Industrie bietet ein grosses Absatzgebiet für Sägespäne (Mehl). Die fugenlosen Beläge, die sich für Flure, Küchen, Lager- und Geschäftsräume besonders eignen, enthalten ’ fast Füllstoffe organischer Natur, und zwar meist Sägespäne. Als bedeutende Firma für solche Fussböden ist Jakob Scheja in Feuerbach bei Stuttgart bekannt, mit über 50 Zweig¬ fabriken zur Herstellung der sogen, schwedischen Fussböden System Scheja in Deutschland. — Fr. Funk in München. Inhalt: Grabmal der Familie Becker auf dem Friedhofe in Weissen- see bei Berlin. — Gottfried Semper (Schluss1. — Die Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden. — Das Bauwesen im deutschen Reichshaushalt igo4. — Vermischtes. — Bücher. — Preisbewerbungen. — Personal-Nach¬ richten. — Brief- und Fragekasten. _ _ Hierzu eine Bildbeilage: Grabmal in Weissensee b. Berlin. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Willi. Greve, Berlin. No. 99. «f DEUTSCHE BAUZEITUNG * || XXXVII. JAHRG. NT ioo. BERLIN, DEN 16. DEZ. 1903 || Aus dem Entwurf „San Marco“ des Hrn. Arch. Kurt Diestel in Blasewitz-Dresden. Die Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden (Schluss.) ie Grenzen für den Wettbewerb waren so weit gesteckt, dass kaum mehr von solchen gesprochen werden konnte und die Teil¬ nehmer des Wettbewerbes tatsächlich volle Freiheit hatten, die nur durch die Fassung des Programmes und den hierdurch hervorgerufenen Eindruck, als ob die Stadtverwaltung diese oder jene Anordnung lieber sähe, etwas beeinträchtigt war. Ins¬ besondere bestanden die Bedingungen nicht darauf, dass für Helbig’s ein Ersatzrestaurant geschahen wer¬ den müsse und es war auch der Teil der Bedingun¬ gen, welcher die Umstellung der Schinkel’schen Haupt¬ wache betraf, durch die allgemeine Bestimmung wie¬ der aufgehoben, nach welcher Entwürfe, welche über das Programm hinaus eine freiere Lösung der Ge¬ staltung des Uferraumes zwischen Brühl’scher Gasse und Hotel Bellevue ins Auge fassten, von der Preis¬ bewerbung nicht ausgeschlossen sein sollten. Ja, man ist bei der Durchführung des Wettbewerbes mit Recht auch noch über diese Grenze hinausgegangen und hat Entwürfe zugelassen, welche den Theaterplatz in seinem ganzen Umfange zwischen Gemäldegalerie und Elbufer, zwischen Hoftheater und Hofkirche zum Gegen¬ stand der künstlerischen Bearbeitung machten. Die Entwürfe mit diesen Zielen sind freilich nur vereinzelt, sie gehören aber meist zu den beachtenswertesten des Wettbewerbes. Die Mehrzahl der eingelaufenen 48 Ar¬ beiten beschränkt sich auf den Versuch, für die im Programm enger begrenzte Stelle zwischen Augustus- Brücke und Hotel Bellevue eine künstlerische Gestal¬ tung zu finden. In der Mehrzahl der Entwürfe wer¬ den an dieser Stelle auch die Hauptwache und ein Ersatzrestaurant mit baumbepflanzten Erholungsplätzen vereinigt. 21 Entwürfe verlegen die Hauptwache, mit ihrer Front dem Theaterplatz zugewendet, in die Nähe des Hotels Bellevue; 17 Entwürfe ordnen sie in der Mitte des Geländes zwischen Brücke und Hotel an und gelangen alsdann zu in der Masse ungefähr gleichwertigen Bauanlagen rechts und links der Wache. In einem Entwurf ist die Lage der Hauptwache vor der katholischen Hofkirche gewählt, während auf dem Elbufergelände in der Nachbarschaft des Hotels Belle¬ vue eine Restaurant errichtet gedacht ist. Auch in den Entwürfen, die zu einer freieren Lösung gelangen, bildet die Stellung der Hauptwache das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal. Einer dieser Entwürfe bringt die Hauptwache auf dem Schlossplätze gegenüber dem Georgentor zur Aufstellung und schlägt eine Verlegung der Brücke vor. Zwei Entwürfe behalten die alte Lage der Wache ungefähr bei und wenden sie lediglich um, sodass der Waffenplatz sich gegen den Theater¬ platz wendet. Zwei weitere Entwürfe ordnen sie in die Flucht neben dem Theater ein, der eine auf der Museumsseite, der andere auf der Elbseite. Fünf Ent¬ würfe endlich stellen die Wache gegenüber und parallel mit dem Museum auf, jedoch nicht auf der Elbseite, sondern auf der Platzseite der am Nordrande ü bei¬ den Theaterplatz hinführenden Fahrstrasse. Ein Teil der Entwürfe, welche die Hauptwache nicht an das Elbufer verlegen, benützen den hierdurch gegebenen freien Raum zur Anlage umfangreicher Restaurations¬ bauten, die sich entweder lang und schmal an die Elbe hin- 645 legen oder breit in denTheaterplatz einspringen. Hierzu zählen die Entwürfe mit den Kennworten „Elbstrand“, „Anni“ und „Durchdacht“. Die Entwürfe „San Marco“ und „Prestissimo“, sowie auch der Entwurf „Graf Brühl“ beschränken sich in der Ausdehnung der Restaurations¬ anlagen und zumteil auch in der Architektur. Eine Ausnahme hiervon macht der Entwurf „San Marco“, welcher diese Platzseite mit einer reichen Monumental- Architektur schliessen will. Auch Abschluss - Archi¬ tekturen mit mächtigen Kuppelbauten fehlen nicht, z B. der Entwurf „Ars“. Bemerkenswert ist jedoch, dass neben diesen, weitaus die Mehrzahl bildenden Entwürfen auch einzelne vertreten sind, welche den Theaterplatz mehr oder weniger nachdrücklich gegen die Elbe öffnen wollen Am entschiedensten der Ent¬ wurf „Semper-Schinkel“, welcher auf dem durch die Niederlegung von Plelbig's Restaurant frei gewordenen Platze nur 4 Ehrensäulen mit breit ausladenden Posta¬ menten errichtet und im übrigen den vollen Einblick in den Platz wahrt. Eine künstlerische Sonderstellung nehmen die Entwürfe „Brunnentempel“ (nur beschei¬ dene Kolonnaden), „Augustus“ (grosse Triumphbogen), „Freie Aussicht“ (kleines, schmalesRestaurant zwischen Elbe und Rampenstrasse), „Wettin“ (Hauptwache als Mittelpunkt für eine Ruhmeshalle gedacht), sowie die Entwürfe der Hrn. P. Schnartz in Leipzig und O. Schnartz in München ein; diese Entwürfe verzichten zumteil auf die Schinkel’sche Hauptwache und zeigen neue Wachen in neuen Formen. Aus diesen ungemein grossen Verschiedenheiten der Gestaltungsmöglichkeiten ist nun durch das Preis¬ gericht der Versuch gemacht, einige Grundsätze zu verdichten, welche bei den weiteren Lösungsversuchen der Aufgabe von Nutzen sein könnten. Zunächst sprach es aus, dass die Höhenentwicklung der jetzt vorhandenen Gebäude nicht wesentlich überschritten werden dürfe. Diesem Grundsätze folgend, sind dann auch, nachdem mangels einer durchschlagenden Lösung ein I. Preis nicht zur Verteilung gelangen konnte, die 3 nunmehr gebildeten II. Preise von je 1000 M. jenen Entwürfen zuteil geworden, welche bei höchstem künst¬ lerischem Gehalt den Abschluss des Theaterplatzes gegen die Elbe in Formen und in einer weisen Zu¬ rückhaltung suchten, welche die Platzwirkung wohl ergänzen, aber nicht stören oder verändern. Denn mit vollem Recht scheint auf die Erhaltung der heutigen Platzwirkung der Hauptnachdruck bei der Beurteilung gelegt worden zu sein. Die Entwürfe der Hrn. Rieh. Schleinitz in Dresden, Paul Luther & Paul Kretz sc h- raar in Blasewitz, sowie Ernst Kühn & Otto Beyrich in Dresden, die wir in der voraufgegangenen Nummer abbildeten, haben ihren Erfolg in erster Linie dem feinen Masshalten in der Gestaltung dieser Abschluss- Seite zu verdanken. Dieses Masshalten war auch in dem weiteren Programmpunkte des Preisgerichtes an¬ gedeutet, welcher die möglichste Einhaltung der für die Bebauung vorgesehenen Fläche empfiehlt. Die beiden weiteren Programmpunkte jedoch, die das Preisgericht aufstellte, mögen Anlass sein zu einigen Erörterungen persönlicher Anschauung. Das Preis¬ gericht empfiehlt, von der westlichen Brückenbegrenzung aus 50 m möglichst ganz freizuhalten und den Abschluss des Theaterplatzes nach der Elbe zu auf kürzereStrecken zu durchbrechen, damit Gelegenheit zu reizvollen Ausblicken gegeben sei. Vielleicht ist man be¬ rechtigt, den letzteren Punkt durch den Wunsch zu ergänzen, dass durch die Unterbrechung auch Ge¬ legenheit zu reizvollen Einblicken in die Platz¬ anlage gegeben werden möge. Und damit sind wir an dem Punkte angelangt, der unserer Meinung nach der Angelpunkt dieser hochbedeutsamen Angelegenheit, auf welche die Augen von ganz Europa gerichtet sind, ist. Entgegen der Meinung von Camillo Sitte, dass durch die Anlage der Semper’schen Gemäldegalerie als Abschluss des Zwingergartens für ewige Zeiten die Gelegenheit ver¬ scherzt sei, hier eine der hohen künstlerischen Be¬ deutung der sächsischen Hauptstadt entsprechende Platzanlage zu schaffen, sei es uns gestattet der Meinung 646 Ausdruck zu geben, dass es auch heute noch sehr wohl möglich ist, unter Berücksichtigung der vorhan¬ denen Bauten etwas zu schaffen, was Einheit, Würde und Grösse hat. Die Gelegenheiten sind nicht allzu häufig, welche Möglichkeiten darbieten wie hier, ein künstlerisches Städtebild erstehen zu lassen, welches in der Welt nicht viele seines Gleichen hat. Die Stadtverwaltung von Dresden war sich der Grösse des Augenblickes auch bewusst, als sie den Wettbe¬ werb ausschrieb. Der Natur der Sache nach konnte dieser aber nur den Charakter einer Vorkonkurrenz annehmen, um auf diesem Wege zu ermitteln, was möglich sei und namentlich auch, um durch ihn Vor¬ urteile oder Gewohnheits- Anschauungen zu besiegen. Wer das Programm des Wettbewerbes unbefangen auf sich einwirken liess und in die örtlichen Verhält¬ nisse eingeweiht war, musste trotz der gegebenen Möglichkeit freierer Planungen zu dem Eindruck kom¬ men, dass ein Abschluss des Theaterplatzes gegen die Elbe durch ein Restaurations- Gebäude irgend welcher Form gewünscht werde. Die Gewohnheit sprach durchaus dafür; es erhebt sich an dieser Stelle bereits ein Restaurant und betrachtet man die Augustus- Brücke als den bedeutsamsten Zugang zur Stadt und sieht man das Georgentor als Haupteinfallstor an, so kann man in der Tat die Ansicht vertreten, dass es er¬ wünscht sei, als Gegenstück zum Belvedere auch am Hochufer des Theaterplatzes ein Restaurant zu schaffen. Nun aber hat ein Teilnehmer des Wettbewerbes, Hr. Kurt Diestel in Dresden, mit der Wahl des Kenn¬ wortes „San Marco“ für seinen ungemein phantasie¬ reichen Entwurf an eine Platzanlage erinnert, die eine einzige in der Welt; ist aus welcher er zwar für seinen Entwurf nicht die entsprechenden Folgen gezogen hat, für welche aber in Dresden alle Grundbedingungen noch vorhanden, ja in mancher Beziehung in günsti¬ gerem Sinne wie in Venedig noch vorhanden sind. Wer sich entschliesst, den Theater platz durch¬ aus gegen die Elbe zu öffnen und dem die Brücke überschreitenden Fussgänger vermöge der eigentümlichen Lage dieser Brücke die Möglichkeit gibt, von Schritt zu Schritt wech¬ selnde Bilder dieser Platzanlage zu erhalten, der erwirbt sich, so glauben wir, den Ruhmes¬ titel, Deutschland mit einem der seltensten Städtebilder bereichert zu haben. Zur Linken des Georgentores der herrliche Aufgang zur Brühl’- schen Terrasse und diese selbst, dahinter das neue Ständehaus, zur Rechten die Hofkirche und der umgestaltete Theaterplatz mit etwaigen ergänzenden Säulenhallen, Unterteilungen nach Art der Place de la Concorde in Paris und mit seinen Denkmälern, fürwahr, es wäre für den auf die Altstadt von Dres¬ den Zustrebenden ein Bild von überwältigender Macht. Dabei liegen die architektonischen Verhältnisse des Theaterplatzes so günstig wie möglich. Bei diesen Betrachtungen erst wird man sich voll des Umstandes bewusst, mit wie feinem künstlerischem Takt Gottfried Semper die Höhen Verhältnisse von Museum und Theater bestimmte, wie sie sich in ungefährer Höhe des Seiten¬ schiffes der Hofkirche halten und wie er dadurch eine Einheit des Platzes schuf, wie sie nur selten noch an¬ getroffen wird, wie sie ehemals z. B. der Augustusplatz in Leipzig besass, als ihn noch die alten Gebäude um¬ säumten und die Geschäftshausriesen noch nicht er¬ standen waren. Je mehr man sich in die Bauten Semper’s hineinsieht, desto mehr lernt man ihre ge¬ schlossene Monumentalität auf der einen und ihre feine, römisch -heitere Grazie der Erfindung und der Einzeldurchbildung auf der anderen Seite würdigen. Gelingt es einem Nachfolger Semper’s, zu den vor¬ handenen Bauten die verbindenden Teile mit dem gleichen Takte zu schaffen, den Semper beseelte, ge¬ lingt es ferner, die Hofkirche in das Ganze einzube¬ ziehen oder sie so auszuschalten, dass sie neben dieser Platzanlage für sich bestehen kann, dann dürfte das Hotel Bellevue die geringsten Schwierigkeiten bilden. Seine Niederlegung und Wiedererstehung in monumentaleren, dem neuen Platze angepassten For- No. 100 men, die durchaus erwünscht, ja beinahe notwendig ist, ist lediglich eine Geldfrage und was diese anbe¬ langt, so hatDresden noch nie gezögert, das Geld da mit medizäischer Freigebigkeit zur Verfügung zu stellen, wo künstlerische Interessen es forderten. Man lege also mutig die Spitzhacke an Helbig’s Restaurant, Vermischtes. Für den IV. Kongress des Internationalen Verbandes für die Materialprüfungen der Technik ln St. Petersburg ist nun die Zeit vom 18.— 24. August 1904 festgelegt. Die lasse die entstehende Platzwirkung ihren Einfluss aus¬ üben und fasse erst dann weitere Beschlüsse. Wir sind überzeugt, sie werden dann gefasst zu gunsten eines wiederholten Wettbewerbes mit reicheren Mitteln und mit einem festen Programm im Sinne von San Marco. Albert Hof mann. Kongresskarte für die Verbandsmitglieder 10 Rbl., für ihre Damen 7 Rbl. Vergünstigungen auf den Bahnen, den Schiffen und in den Hotels in Russland sind zu erwarten. Zuschriften sind zu richten an das „Comite d’Organisation du IV. Congrös International pour l’essai des matöriiux“, Entwurf mit dem Kennwort „Semper-Schinkel". Entwurf „San Marco“ des Hrn. Arch. Kurt Diestel in Blasewitz-Dresden. Sitzungen sollen derart verteilt werden, dass dieTeilnehmer einen Teil des Tages Besichtigungen der Stadt und Aus¬ flügen in die Umgegend widmen können. An einem der Tage ist ein Besuch der Imatra- Wasserfälle in Finnland in Aussicht genommen. Das Schlussbankett soll in Moskau abgehalten werden. Im Anschluss an den Kongress ist eine gemeinsame Reise von Moskau über die Mineral¬ quellen des Kaukasus-Noworossisk und Ekatherinoslaw und zurück nach Kiew geplant, von wo dann die Teil¬ nehmer in ihre Heimat zurückkehren können. Preis der 16. Dezember 1903. St. Petersburg, perspective des Balcans 9. Das Protektorat des Kongresses hat der Grossfürst-Thronfolger Michael- Alexan d ro witsch übernommen. — Berlin und seine Bauten. Das aus Anlass der Wander¬ versammlung des „Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur -Vereine" in Berlin 1896 herausgegebene statt¬ liche 3 bändige Werk: „Berlin und seine Bauten", dessen Herausgabe der „Architekten -Verein" zu Berlin und die „Vereinigung Berliner Architekten" übernahmen, ist, um 647 es weiteren Kreisen zugänglich zu machen, im Preise wesentlich ermässigt worden. Es kosten die 3 Bände nun¬ mehr ungebunden statt 60 M. nur 20 M., in zwei Leder¬ bänden gebunden statt 7 z nur 30 M. Bei diesem billigen Preise dürfte das schöne und reichhaltige Werk viele Weihnachtstische zieren. — Die Einweihung eines Denkmales für Geh. Ob. - Brt. Max Spltta f findet Sonntag, den 20. Dez. mittags 12 Uhr auf dem alten Dorotheenstädtischen Kirchhof am Oranien¬ burger Thor in Berlin statt. — Zum Ehrendoktor der Techn. Hochschule ln Braun¬ schwelg wurde für seine Verdienste um die Förderung der Statik der Baukonstruktionen und der Theorie des Brückenbaues Hr. Ob. -Brt. Prof. Engesser in Karlsruhe i. B. ernannt. — Auszeichnungen. Die städt. Kollegien in Tölz in Ober¬ bayern ernannten den Architekten Prof. Gabr. v. Seidl in München wegen seiner Verdienste um die künstlerische Gestaltung des neuen Rathauses zum Ehrenbürger. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Ideen für ein Gebäude für das Verkehrs-Ministerium und ein Zentral- Briefpostamt in München wird durch das kgl. bayer. Staats- Ministerium des kgl. Hauses und des Aeusseren zum 15. März 1904 für Architekten erlassen, welche die baye¬ rische Staatsangehörigkeit besitzen oder zurzeit des Aus¬ schreibens in Bayern ansässig sind. Das Preisrichteramt haben übernommen die Hrn. Ob.-Reg.-Rat E. v. Schacky, Ob.-Reg.-Rat H. Bredauer, Ob. -Brt. Ludw. Stempel, Ob.-Brt. G. v. Schacky, Prof. Fr. v. Thiersch und Prof. Gabr. v. Seidl in München, sowie Ob.-Brt. Th. v. Kramer in Nürnberg. Es gelangen ein I. Preis von 7000 M., ein II. Preis von 5000 M , ein III. Preis von 4000 M. und zwei IV. Preise von je 2000 M. zur Verteilung. Die Preissumme von 20000 M. kann auf einstimmigen Beschluss des Preis¬ gerichtes auch in anderen Abstufungen verteilt werden. Ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 1000 M. ist Vorbehalten. Unterlagen gegen 3 M. durch das Geheime Expeditionsamt des genannten Ministeriums. — Wettbewerb Theaterplatz Dresden. Wie uns aus Dresden mitgeteilt wird, hat der Rat beschlossen, die 9 Preisträger des soeben zur Entscheidung gelangten Wettbewerbes zur Einreichung neuer Entwürfe bereits zum 7. Jan. 1904 auf¬ zufordern. Unter Bezugnahme auf die Aeusserungen an der Spitze dieser Nummer halten wir diese beschleunigte Be¬ treibung der Angelegenheit nicht für im Interesse derselben liegend. Wir wiederholen auch an dieser Stelle, dass es uns möglich erscheint, aus dem Theaterplatz, wenn seine Umge¬ staltung von grösseren, das Ganze umfassenden Gesichts¬ punkten aus geleitet wird, eine Anlage zu schaffen, auf die in späteren Jahrhunderten noch nicht nur die Be¬ wohner Dresdens mit Stolz hinblicken werden. Wenn wir nicht irren, sind auch in Dresden selbst keineswegs vereinzelte Stimmen laut geworden, welche eine im Grossen gedachte Umgestaltung des Theaterplatzes wünsch¬ ten, selbst wenn man einstweilen mit der Umgestaltung des Teiles der Anlagen unmittelbar an der Elbe Vorgehen sollte. Wir befürworten daher, zunächst Helbig’s Restau¬ rant niederzulegen und sodann unter dem Eindruck der sich nun ergebenden Platzwirkung einen allgemeinen und so reich ausgestatteten Wettbewerb auszu¬ schreiben, dass sich auch die Kreise entschliessen, an ihm teilzunehmen, die sich bisher zurückgehalten haben, auf deren Mitwirkung man aber bei einer so bedeutenden Angelegenheit nur ungern verzichten möchte. Für diesen Wettbewerb würde zweckmässig lediglich die heutige Be¬ bauung des Theaterplatzes als Grundlage gegeben, sonst aber volle Freiheit über alle künstlerischen Gestaltungen gelassen. — Einen Wettbewerb zu einem Hafenplan für Gothenburg in Schweden schreibt im Aufträge der Stadtverwaltung die Hafendirektion mit Frist zum 15. Okt. 1904 aus. Es sind 3 Preise von 6000, 4000 und 2500 Kronen (zu 1,12 M.) ausgeworfen, ausserdem bleibt der Ankauf noch eines Entwurfes für 1000 Kr. Vorbehalten. Programm nebst Plänen für 10 Kr. vom städt. Bauamt in Gothenburg. Wir kommen auf den Wettbewerb noch des Näheren zurück. — Einen Ideenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für eine kathol. Pfarrkirche zum hl. Paulus in Köln a. Rh. erlässt der Kirchenvorstand für alle in Rheinland und Westfalen wohnenden oder geborenen, sowie für die Architekten, welche durch den verstorbenen Kardinal Krementz zu einem engeren Wettbewerb aufgefordert waren, zum 31. März 1904. Bausumme 500 000 M., Stil gotisch oder romanisch. 3 Preise von 3000, 1800 und 1200 M. werden durch ein Preisgericht verteilt, welchem 648 neben dem Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, Pfarrer Pet. Haas, angehören die Hrn. Domkapitular Prof. Schnütgen in Köln, Prof. Gabr. v. Seidl in München, Reg.- u. Brt. P. Tornow in Metz und Arch. Ad. Nöcker in Köln. Unterlagen gegen 3 M. , die nach Einreichung eines Entwurfes zurückerstattet werden, durch Hrn. Pfarrer Haas in Köln. — In dem Wettbewerb betr. Entwürfe für die architekto¬ nische Ausgestaltung des Sitzungssaales im Provinzial- Ständehaus zu Hannover liefen 20 Arbeiten ein. Von der Zuerkennung des I. und des II. Preises wurde abgesehen; dagegen wurde einstimmig beschlossen, die Summe von 1500 M. auf die Entwürfe der Hrn. Alfred Sasse in Linden bei Hannover, Borgern ann und Hugo Nietzschke in Hannover zu verteilen. Die Entwürfe sind bis 30. Dez. im Kuppelsaale des neuen Provinzialmuseums in Hannover öffentlich ausgestellt. — In dem Wettbewerb betr. Entwürfe für die evangelische Salvatorkirche ln Breslau erhielten den I. Preis die Hrn. R. u. H. Iwan in Charlottenburg; den II. Preis die Hrn. Heger & John in Friedenau, den III. Preis die Hrn. Hanauer & Wünsche in Dresden. — Brief- und Fragekasten. Stadtgemeinde Zeulenroda. Die Anfrage „wie schützt man nicht isolierte Kellerumfassungsmauern gegen das Durchschlagen von Feuchtigkeit?“ lässt sich allgemein nicht beantworten, da die Ursachen hierfür sehr verschieden sein können und diese demge¬ mäss auch in sehr verschiedener Weise bekämpft werden müssen. Handelt es sich lediglich um eine massige Feuchtigkeit, die aus dem Boden seitlich zutritt, so wird neuerdings vielfach mit Erfolg folgen¬ des Verfahren angewendet: Man entfernt zunächst den feuchten Putz, kratzt die Fugen gründlich aus, trocknet die Wand so weit als möglich durch künstliche Trocknung und streicht sie mit Goudron. Darauf wird Falzpappe so an die Wand genagelt, dass sich kleine stehende Luftkanäle bilden, die mittels einer durchlochten Fuss- und Deckleiste mit der Luft des Kellerraumes in Verbindung stehen. Die Falzpappe wird dann wieder verputzt. Bei sehr starker Durch- nässung der Mauern von Aussen muss das feuchte Erdreich durch eine rings umlaufende Luftschicht verschiedener Konstruktion abgehalten werden. (Vergl. unser Deutsches Bauhandbuch Bd. I, 1. Teil, 1903, S. 51). Vielleicht lässt sich auch je nach den Umständen das auf S. 239 der Dtschn. Bztg. Jahrg. 1903 angegebene Verfahren der Isolierung von aussen, die jedenfalls wesentlich billiger ist, als die Anlage von Isolierschichten, mit Erfolg anwenden. — Hrn. G. H. in Berlin. Die Wege in öffentlichen Parkanlagen brauchen keine anbaufähigen Strassen zu sein. Nur an letzteren darf die Erlaubnis zur Errichtung von Bauwerken nicht verhindert werden. Dadurch, dass der Besitzer eines Parkes zur Unterhaltung der darin befindlichen Wege und zum Dulden ihrer Benutzung durch die Anlieger aufgrund besonderer Rechtstitel verpflichtet ist, folgt noch nicht für die Gemeinde, zu welcher dieser Park gehört, die Pflicht, den Anbau an jenen Wegen zu dulden und sie zu an¬ baufähigen Strassen zu erklären. Ist jedoch die Gemeinde befugt, den Anbau zu verhindern und kann sie zu seiner Duldung nicht gezwungen werden, so erscheint ihr Verlangen berechtigt, den An¬ bau nur gegen Verschaffen der Sicherheit zu gestatten, dass die nachträglich entstehenden Kosten der Strassenanlage von den An¬ bauenden getragen werden. Grundsätzlich ist somit der Anspruch der Gemeinde statthaft. Sollte es sich nicht aber vielleicht um eine polizeiliche Massregel (Verfügung des Amtsvorstandes) in Itirem Falle handeln? Sie würde zwar durch Beschwerde oder Klage angegriffen werden können, mutmasslich jedoch im Rechts¬ mittelzuge aufrecht erhalten bleiben. — " K. H.-e. Hrn. X. ln Y. Es wird häufig an die Redaktion die Anfrage gerichtet, unter welchen Bedingungen die Aufnahme in den „Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine“ möglich sei. Sie ist nur dadurch möglich , dass der betreffende Fachgenosse Mitglied eines der 37 den Verband bildenden Architekten- bezw. Architekten- und Ingenieur-Vereine wird, die über ganz Deutschland zerstreut sind. Einzelmitglieder kennt der Verband nicht, da er nicht ein Verein ist, sondern nur durch den Zusammenschluss einzelner selbst¬ ständiger Vereine entstanden ist. — Anfragen an den Leserk r~e i s. 1. Kann mir einer der Hrn. Kollegen vom Wasserbau zu nach¬ stehendem Versuch nähere Angaben machen? Zur Ermittelung von Wassermengen ( Q ) ist in einem Stadtgraben ein scharfkantiges eisernes Ueberfallwehr (ß = 6) mit senkrechten Wehrflügeln ein¬ gebaut worden. Das Wasser wird stark verunreinigt durch Ab¬ wässer aus Färbereien, Fabriken, Haushaltungen usw. Welcher Koeffizient /z, bezw. welche Formal für Q liesse sich im vor¬ liegenden Falle erfahrungsgemäss am geeignetsten einsetzen? — Stadtbauinspekt. F. in Barmen. 2. Ich habe eine Neuanlage zur Herstellung von Firnis zu er¬ richten. Vonseiten der Gewerbe-Inspektion wird hierbei u. a. ge¬ fordert, die bei der Fabrikation entstehenden Gerüche und Gase unschädlich zu machen. In welcher Weise geschieht dies am zweckmässigsten unter Berücksichtigung einer grösstmöglichsten Billigkeit des Betriebes? Ein hoher Schornstein steht für diesen Zweck nicht zur Verfügung. Die Verbrennung der Gase in be¬ sonderer Feuerung erscheint der Gewerbe-Inspektion zu gefährlich. — K. S. in Br. Inhalt: Die Umgestaltung des Theaterplatzes in Dresden (Schluss). — Vermischtes. — Preisbewerbungen. — Brief- und Fragekasten. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. 100. ER NEUBAU DER II. HANDWERKER¬ SCHULE IN DER ANDREAS-STRASSE UND STRALAUER PLATZ IN BERLIN * ARCHITEKT: STADTBAURAT KÖNIGE BAU RAT LUDWIG HOFF MANN IN BERLIN ********** = DEUTSCHE BAUZEITUNG = * XXXVII. JAHRGANG 1903 - NE 101 * EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * AUZEITUN G. GANG. * * N2-ioi. * DEN 19. DEZ. 1903. % sss!«2rs5:srs:2!sr5s$ Berliner Neubauten. No. 110. Die städtische Handwerkerschule in der Andreasstrasse und am Stralauer Platz. Architekt: Stadlbrt. Ludwig Hoffmann in Berlin. (Hierzu eine Bildbeilage, sowie die Abbildungen S. 653.) ie kürzlich in ihrem ganzen Umfange ihrer Bestimmung übergebene städt. Handwerker¬ schule in der Andreas-Strasse und am Stra¬ lauer Platz reiht sich den stolzen Schul- Palästen, welche die Stadt Berlin in den letzten Jahren errichten Hess, würdig an. Das Gebäude entwickelt seine längere Front in der Andreas-Strasse, seine kürzere am Stralauer Platz und hat in seiner Grundrissanlage die Form eines einen grossen Hof umschliessenden U. Es enthält, auf ein Untergeschoss, 3 Ober- und ein Dachgeschoss verteilt, 2 Malersäle, 1 atelierartigen Zeichensaal, 2 Zeichenräume für Fach- 649 Wohnungen hier zeichnen, 2 Modelliersäle, 18 gewöhnliche Zeichensäle, 8 Klassenräume, 2 Hörsäle für Physik und Chemie mit den dazu gehörigen Nebenräumen, 1 Atelier für photographischen Unterricht, Werkstatträume, x Gips¬ formerei, 1 grosse Aula, Verwaltungsräume, sowie für Schuldiener und Heizer. Von den genannten Räumen liegen die Lehr¬ räume in den 4 oberen Geschossen an den Fronten gegen die Strasse und den Piatz, sowie gegen den grossen Hof, während dem kleineren Hof lediglich Korridore und Neben¬ räume zugewendet sind. Der Zugang er¬ folgt in der Mitte der Längsfront; nahe dem Eingang im Erdgeschoss liegen die Räume für den Direktor, das Bureau und das Lehrer¬ zimmer. Im übrigen wird das Erdgeschoss eingenommen durch eine Bibliothek, Zeichen¬ säle sowie die hauptsächlich hier liegenden Werkstätten. Zwei geräumige, symmetrisch angelegte Treppen führen zu den Oberge¬ schossen. Während der Pausen dienen die durch tiefe Fensternischen mit Sitzen er¬ weiterten Gänge sowie die Aula, die zu¬ gleich Sammlungsraum ist, den Schülern als Erholungs-Aufenthalt. Die äussere Gestaltung schliesst mit gros¬ sem Glück an die Werke der niederdeutschen Renaissance an. Das charakteristische Merk¬ mal sind grosse, ruhige Sandsteinflächen mit sowohl nach der Höhe wie nach der Breite unregelmässiger Fugenteilung, in welche die dreiteiligen Fenster ohne Um¬ rahmung glatt eingeschnitten sind. Durch diesen Verzicht und durch den Verzicht auf jede die Geschosshöhen bezeichnende gesimsartige Unterteilung, sowie durch das Zusammenfassen der Fensteröffnungen zu dreigeteilten Gruppenfenstern ist eine ruhige Würde des Schulpalastes erzielt, welche das reiche Eingangsportal sowie die in gleichem Reichtum gehaltenen Giebel auf bauten um so wirkungsvoller zur Erscheinung kommen lässt. Lediglich durch die bewegten Linien eiserner Zieranker ist eine bescheidene Be¬ lebung der Fläche versucht. Ueber dem reichen Poital tritt die Aula als der bedeu¬ tendste Raum des Hauses auch äusserlicb in der Fenstergestaltung hervor. Da die Ecke des Gebäudes über die Michaels-Brücke hin von weiten Standpunk¬ ten aus sichtbar ist, so entschloss sich der Architekt zu einer Auszeichnung derselben durch einen reich gegliederten Turmaufbau aus Kupfer, der indess nicht die Höhe erreicht, zu welcher der benachbarte schmale Turm der Strack’schen Andreas-Kirche ansteigt. Und um dem Gegensätze, der sich ausTurmaufbau und einfachem wagrechtem Abschluss der Fassaden ergibt, zu begegnen und ihm die Härte zu nehmen, klingen die Fassaden in die bereits beregten hochstrebenden Giebel¬ aufbauten aus. Die glatte Eckkante des Baues wurde durch eine bewegte Kartusche unter¬ brochen. Nur in ihrem oberen Teil ist die Turmentwicklung flüssig und frei von Här¬ ten, während sie bei ihrem Uebergang vom Vier- ins Achteck nicht die Freiheit und die Ungezwungenheit der künstlerischen Gestaltung verrät, die alle übrigen Teile des schönen Hauses in so hohem Masse auszeichnet. Das Dach ist mit dunkel¬ grauen holländischen Pfannen eingedeckt worden. Das Innere ist entsprechend der Bestimmung des Gebäudes noch schlichter gehalten, wie das Aeussere. Gänge und Treppen sind breiträumig gewölbt und durch kräftige Pfeiler gegliedert. Den Abschluss der Gänge bilden auf den Durchblick berechnete geschmiedete Eisentüren, ein dankbares Motiv für den künstlerischen Gegensatz zwischen den ruhigen weissen Wandflächen und dem Kleinleben des dunklen Eisenornamentes. Die Aula reicht durch 2 Geschosse; ihr Stil ist der gleiche wie der des Aeusseren. Holzdecke und hohe Holz¬ paneele verleihen ihr Behaglichkeit; Malerei soll später die Wirkung ergänzen. Die Sandsteinarbeiten aus Plagwitzer Stein stam¬ men von Gebr. Zeidler in Berlin. Künstlerischer Mit¬ arbeiter für die Modelle war Prof. Otto Lessing in Berlin-Grunewald; die Steinbildhauerarb. besorgte Hr. Bildh. Schwarz. Die Baukosten betrugen 754000 M. Die Handwerkerschule in der Andreasstrasse ist ein neues wertvolles Glied in der Kette städtischer Monumentalbauten, die in schneller Reihenfolge in den letzten Jahren in Berlin entstanden sind und die in ihrer Gesamtheit eine entschiedene Wendung dar¬ stellen vom Nützlichkeitsbau, für welchen ein künstle¬ rischer Aufwand erst in zweiter Linie infrage kam, zum Kunstbau, für welchen praktischeBestimmungundkünst- lerische Erscheinungjdie^gleiche Bedeutung haben. — 650 No. ior. Die Regulierung und Einwölbung des Wienflusses. (Fortsetzung.) nter der Stuben - Brücke ist ein selbsttätiges Stau¬ wehr (Abbildgn. 24, 25, 26, 27 und 28) eingebaut worden, durch welches im Winter das Gerinne bis zum Einwölbungsende als Eislaufplatz nutzbar gemacht werden kann; ein entsprechender Umlaufkanal führt bei aufgestelltem Wehr das zufliessende Wasser seitlich ab und mündet unterhalb der erwähnten Sohlenstufen wieder in den Wienfluss ein. An das Wehr werden folgende Anforderungen gestellt: es hat eine normale Stauhöhe von 1,30 m zu erzielen, soll aber bei höchstens 1,50™ Wasserstand sich selbsttätig umlegen, damit grösseren Wassermengen ungehinderter Abfluss ermöglicht werde; um zu verhindern, dass der Wasserspiegel selbst bei massigem Regen sich über 1,30 m erhöhe, weil der Zu¬ fluss in einem solchen Falle grösser sein könnte als die rd. 1,1 cbm Sek. betragende Abfuhrfähigkeit des Umlauf¬ kanales, und um den Stau auch dann noch aufrecht zu erhalten, war ein teilweiser Abfluss des überschüssigen Wassers durch einen geeigneten Teil der Wehrkonstruk¬ tion zu ermöglichen; endlich war dafür vorzusorgen, dass ein Teil des Wehres auch mechanisch umgelegt werden kann, und dass die selbsttätige Umlegung nicht in voller Breite auf einmal, sondern nach und nach erfolge. Die Wehrkonstruktion besteht aus 18 Feldern, von denen die inneren 16 aus Tafeln bestehen, die durch ein eisernes Rahmenwerk mit Lärchenholzfüllung gebildet und fluss¬ abwärts durch eiserne Stützen abgestützt werden, wäh¬ rend die übrigen zwei, je eines an jedem Ufer angeordnet, als Wasserstands-Regulatoren dienen und sich als Jalousie¬ wehre darstellen, deren Oeffnungen sich je nach der Menge des Zuflusses mehr oder weniger auftun. Da¬ durch, dass die 16 Tafeln, die je 1390 mm Breite besitzen, ungleich hoch sind, indem sie auf abgetreppter Sohle aufsitzen, ist gewährleistet, dass zunächst die vier mittle¬ ren, welche 1800 mm hoch sind, Umfallen, während die beiderseits daran sich anschliessenden je zwei Tafeln mit j 675 mm Höhe schon einem geringeren Wasserdrücke (normal von 1,175 m Höhe) ausgesetzt sind und darum erst später umtallen; noch später ist dies inbezug auf die dann weiterhin beiderseits folgenden je zwei Tafeln von 1550mm Höhe und am spätesten bezüglich der weite¬ ren, jederseits angeschlossenen je zwei Tafeln von 1425 mm Höhe zu gewärtigen. Die 60 mm grossen Zwischenräume zwischen den Tafeln werden durch Lärchenholz - Nadeln gedichtet. Das selbsttätige Umlegen erfolgt bei wachsen¬ dem Wasserdruck durch Ausweichen der unteren Stütz¬ punkte der Eisenstützen, wobei die Tafeln, welche mit Messingrotguss-Gleitrollen ausgerüstet sind, in eigens aus¬ gebildeten Gleitschuhen eine Führung finden und sich etwas heben, wodurch die Stützen über die Anschlags¬ nasen hinübergleiten können. Die vier mittleren und höchsten Tafeln können auch mechanisch umgelegt wer¬ den, indem mittels Winden, welche auf eigenen unter der Brückenkonstruktion angeordneten Plattformen aufgestellt sind, und mittels Ketten auf jeder Spite eine Winkelhebel- Ver¬ bindung betätigt wird, welche den unteren Stützpunkten der Eisenstützen je zweier dieser Tafeln den aus Messing¬ plättchen gebildeten Gegenhalt entzieht, worauf die Stützen ausweichen und die Tafeln niederfallen. In der in Rede stehenden Flusstrecke ist infolge einer Verschwenkung des neuen Bettes gegenüber dem alten eine Verschiebung der nach dem Neville-System ausgeführten Karolinen-Brücke (Abbildg 29), verbunden mit einer Hebung derselben, erforderlich gewesen. Die infolge der Einwöl- bung entbehrlichgewordeneTegetthoff-Brücke, eine Bogen- Brücke, ist am Ende des Kinderparkes zum Teile wieder aufgestellt worden und dient nun als Fussgänger- Brücke. Als Ersatz der gewölbten Stuben- Brücke, des hölzernen Zollamtssteges und der gewölbten Radetzky - Brücke ge¬ langten neue, breitere und tragfähigere eiserne Brücken zur Ausführung, u. zw. wurden errichtet die 27 m breite Stuben -Brücke als gerade Fachwerkträger- Konstruktion, die 7 m breite Zollamts-Brücke (Abbildg. 30) für Fussgänger als Dreigelenk- Bogen, unter dem die schiefe Fachwerk¬ träger-Brücke der Donau-Kanallinie der Stadtbahn mit zwei Oeffnungen über den Wienfluss durchführt, und die 32,25 m breite Radetzky-Brücke mit einer Fachwerk Konstruktion mit bogenförmigem Untergurt. Im Zuge der Marxergasse ist eine neue gerade Fachwerkträger-Brücke von 20 m Breite hergestellt worden. Die neue Stuben-, Marxer- und Radetzky-Brücke haben sämtlich obenliegende Fahrbahnen und als Fassaden träger Vollwandträger mit geradem, bezw. bogenförmigem Untergurt. Die Fusswege der ge¬ nannten vier neuen Brücken sind für eine gleichförmig verteilte Last von 560 kg/qm, die Fahrbahnen für einen 40t -Wagen von 4 m Achsentfernung , 2 m Gleisweite und 19 Dezember 1903. \‘ \\ 2,8m Ladebreite, weiter zwei izt-Wagen von 38m Achs¬ entfernung, 1,6 m Gleisweite und 2,5 m Ladebreite und ausfüllendes Menschengedränge von 460 ks/qm) nebstbei auch für die Züge der elektri- r . sehen Strassenbahn berechnet „ ; worden. || t 'f;: Auf dem linken Ufer des Wienflusses ist von der Kaiser Franz Josef - Brücke abwärts durch Herstellung von Stiegen¬ anlagen, die von der Strasse ins Gerinne führen und mit eisernen Pavillons überbaut sind, Vor¬ sorge getroffen, um die Rettung von Personen, die sich beim Eintritt von Hochwassern im Wienflusse befinden, zu ermög¬ lichen; rechtsseitig sind an der Trennungs - Mauer zwischen Wienfluss und Stadtbahn stets in der Nähe von Brücken Stu¬ fen und eiserne Leitern herge¬ stellt worden, so dass sich etwa gefährdete Personen auf das über Hochwasser liegende Plateau jener Mauer retten können, wo ihnen von den Brücken aus leicht Hilfe geleistet werden kann; Abschlussmauern und Abschlussgitter hindern ein et¬ waiges Absteigen in das Stadt¬ bahngebiet. Auch in den fluss¬ aufwärts liegenden Strecken ist durch Rampen, Stiegen und Steigeisen ein rasches Entwei¬ chen aus dem Gerinne bei plötz¬ lichem Steigen des Wassers er¬ möglicht. Vor der Inangriffnahme der eigentlichen Wienfluss - Regu¬ lierungsarbeiten wurde die Aus¬ führung der beiderseitigen Pa¬ rallelkanäle begonnen, welche als Sammler für die Entwässe¬ rung der anliegenden Stadtteile dienen und das Flussbett rein hal¬ ten. Schon eingangs wurde der im alten Gemeindegebiete bereits vorhandenen Cholera - Kanäle gedacht, die in ihren flussabwärts liegenden Teilen sich als völlig ausreichend erwiesen. In den Vororten mussten die Sammel¬ kanäle bis zur neuen Gemeinde¬ grenze erst zur Anlage gebracht werden, da nur notdürftige An¬ schlüsse vorhanden waren. Das hierdurch vergrösserte Nieder¬ schlagsgebiet machte dann auch die Erweiterung der bestehen¬ den Kanalprofile von Schön¬ brunn abwärts bis zur Franzens¬ gasse auf dem rechten und bis zur Wäschergasse auf dem lin¬ ken Ufer notwendig. Aber auch im Stadtinneren sind — meist infolge der Regulierung der Strassenzüge — grössere Um¬ legungen der in ihrem Profil ausreichenden Cholera- Kanäle erforderlich gewesen, die mit den Wienfluss - Regulierungs- Arbeiten zur Ausführung ge¬ langten. Die Kanäle (Abb. 31) liegen mit geringer Aus¬ nahme in den Strassen- zügen längs des Wien¬ flusses, sind zumeist in Beton, die Sohle mit Klinkerziegeln verklei¬ det, hergestelltworden und stehen nur in der Strecke Lobkowitz-Brücke— Gürtelstrasse mit dem eigent¬ lichen Mauerwerk des Wienflusses in Verbindung. Die Notauslässe am rechten Ufer weichen in ihrer Ausführung von der üblichen der Ueberfälle insofern ab, als sie, der 651 rpwy^ vm. _j _ Abbildg. 24 — 28. Selbsttätiges Stauwehr unter der Stuben-Brücke. 652 Abbildg. 27. Regulator der Stauhöhe. Abbildg. 3?. Querschnitt eines Sammelkanales. (1 : 50.) No. 101. tiefen Lage der Stadtbahn halber, unter welcher sie durchführen, aus eisernen, i m weiten Rohren hergestellt sind, die in die neue Wienflussohle frei ausmünden. Die erwähnten Kanalbauten boten insofern grosse Schwierig¬ keiten dar, als sie in sehr verkehrsreichen Bezirken durchgeführt wurden, in welchen Verkehrsablenkungen nur in beschränktem Masse möglich, Absperrungen des Verkehrs aber ganz ausgeschlossen waren. In Verbindung mit diesen Sammelkanälen stehen zwei bemerkenswerte Bauwerke, die mit den Wienfluss -Regulierungsarbeiten zusammen hergestellt wurden. Es sind dies die grosse Ueberfallkammer für den Ottakringer - Bachkanal, sowie Bei Hochwasser aber stürzen sie über Schwellen in eigene Schotterfänge ab und leiten ihr Wasser dem Wienflusse zu, während der Sammelkanal selbst ebenfalls über eine ausge¬ dehnte Ueberfallschwelle hinweg seinen Wasser- Ueber- schuss in den Wienfluss sendet und sonach in der abwärts gelegenen Strecke wesentlich entlastet erscheint. Die aus¬ gedehnte Ueberfallkammer, in der sich dieser Vorgang abspielt, besitzt eine auch bei Hochwasser begehbare Galerie, sodass bei wider Erwarten doch eintretenden Verlegungen der Kanalgerinne noch immer Abhilfe ge¬ schaffen werden kann. Die weiter erwähnte Spülanlage ist so eingerichtet, dass sowohl das Wasser des Wiener Abbildg. 29. Karolinen-Brücke (Neville’sches System. Die alte Konstruktion ist gehoben und verschoben). dessen Entlastungskanal und die Spülanlage bei der Stuben-Brücke. Die beiden genannten Kanäle münden an der Ecke des Getreidemarktes und der Friedrich¬ strasse in den linken Sammelkanal ein, dem sie zur Zeit niedrigen Wasserstandes ihre Wassermengen zuführen. Mitteilungen aus Vereinen. Architekten -Verein zu Berlin. Vers, vom 9. Nov. 1903. Vors. Hr. Hinckeldeyn. Anwes. 108 Mitgl. und 2 Gäste. Die Versammlung wurde durch Worte der Erinnerung eröffnet, welche der Vorsitzende den seit der letzten 654 Neustädter Kanales als auch das in dem schon erwähnten Umlaufkanal der Stauanlage unter der Stuben-Brücke zu¬ geführte Wasser des Wienflusses zur Spülung des Haupt¬ sammelkanales am rechten Donaukanaluter und des rechten Wienfluss-Sammelkanales verwendet werden kann. — - (Schluss folgt.) Sitzung verstorbenen Mitgliedern, Geh. Brt. Friedr. Wilh. Crüger in Erfurt und Brt. W. Wo llanke in Berlin widmete. An geschäftlichen Angelegenheiten waren die Wahl von 5 Verbands - Abgeordneten und der Ausschüsse zur Beurteilung der Schinkel - Preisaufgaben zu erledigen. Ueber die für nächstes Jahr gestellten Aufgaben berich- No. 101. teten die Hrn. Bergius, Becker und Suadikani. Den Rest des Abends füllte ein Vortrag des Hrn. Eggert über die von ihm konstruierte Betoneisendecke, die im Rathaus zu Hannover, welches Redner ausführt, fast ausschliesslich verwendet ist und in bedeutenden Spannweiten auch beim Bau des Regierungs-Gebäudes in Potsdam zur Ausführung kommen soll. Die Anordnung der Decke unterscheidet sich von ähnlichen Formen da¬ durch, dass sämtliche in der Zugzone liegenden verschie¬ den langen Eisenstäbe an den Enden aufgebogen sind und in die Druckzone übergeführt werden, in welcher sie durch Umlegen der Enden bezw. durch kleine Ankerplatten noch besseren Halt bekommen sollen. Der Vortragende glaubt auf diese Weise es zu erreichen, dass die Sicherheit der Konstruktion nicht allein auf der Haftfestigkeit des Mörtels am Eisen beruht, sondern dass vielmehr eine unmittel¬ bare Uebertragung der Spannungen im Eisen auf den Beton erfolgt. Er glaubt daher auch eines zugfesten Materiales im unteren Teile der Decke kleinerer Spann¬ weiten entbehren zu können und stellt diesen aus porösen Ziegeln her, während nur die Druckzone in Zementbeton besteht. Auf diese Weise wird die Decke billiger und es haftet der Putz an den Steinen der Unterseite sicher und ohne Risse zu erhalten. Wir haben im Jahrg. 1902 S. 61 1 die Decke schon kurz erwähnt und kommen an anderer Stelle noch mit einigen Skizzen auf sie zurück. Die Decke ist patentiert und für Berlin baupolizeilich zugelassen. Zum Schluss berichtete Hr. Stiehl über den Ausfall des Wettbewerbes betr. Parzellierung und Bebauung eines Baublockes im Westgelände von Schöneberg (siehe No. 88 unter Wettbewerben). — Versammlung vom 23. November rgo3_ Der Vor¬ sitzende Hr. Gerhardt macht zunächst Mitteilung von dem Hinscheiden des Mitgliedes Brt. Erdmann, der seit 1856 dem Verein angehörte. Er teilt ferner mit, dass bis zum Ablauf der Frist für die Abgabe der Schinkelarbeiten im Ganzen 77 Arbeiten eingereicht wurden, davon 47 archi¬ tektonische, 21 wasserbautechnische und 9 eisenbahntech¬ nische. Es ist daher eine wesentliche Verstärkung der Ausschüsse erforderlich geworden. Es sprach sodann Hr. Beer über „die Grund¬ wasser-Versorgung von Berlin“. Wir kommen auf den interessanten, klaren Vortrag noch an anderer Stelle zurück. — Fr. E. Vermischtes. Internationaler Architekten-Kongress zu Madrid, 6. — 13. April 1904. Der Kölner Architekten- und Ingenieur-Verein hat, wie bei den internationalen Kongressen in Brüssel und Paris, so auch für den Madrider Kongress einen Ausschuss mit der Vorbereitung einer gemeinsamen Reise Herbes¬ thal— Paris — Madrid — Lissabon— Antwerpen — Herbesthal betraut. Die Reise Lissabon — Antwerpen soll zu Schiff ausgeführt werden. Man schätzt die Teilnehmerkosten aufgrund der in Frankreich und Spanien bewilligten Fahr¬ preis -Ermässigungen einschliesslich täglich 20 M. Verzeh¬ rungskosten auf etwa 450 M. für die Person, bei einer 14 tätigen Dauer der Reise. Für diejenigen, die den Süden Spaniens besuchen wollen, ist eine Rundreise Madrid— Cordova— Granada- Sevilla — Lissabon und die Heimreise wie vor geplant, die Zeitdauer wird sich auf etwa 25 Tage und die Kostensumme auf etwa 750 M. für die Person erhöhen. Damen sind will¬ kommen. Die norddeutschen Teilnehmer würden sich in Köln vereinigen, süddeutsche und österreichische in Paris sich anschliessen können. Während der Tagung des Kon¬ gresses in Madrid sind von der Kongressleitung kleine Ausflüge nach Toledo, Escorial und Alcala in Aussicht genommen. Denjenigen, die sich bei dem Geschäftsführer des „Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine“, Hrn. Reg. - Bmstr. Eiselen, Flemmingstr. 16, Berlin N.W. 52, bereits gemeldet haben oder in der näch¬ sten Zeit noch melden, werden demnächst ausführliche Programme zugesandt werden. — Die Enthüllung einer Denkmalbüste für Eduard Jacobs¬ thal im Lichthofe der Technischen Hochschule zu Charlotten¬ burg hat am 16. Dez. d. J. durch einen feierlichen Akt stattgefunden. Die Büste, die fünfte in der Reihe der Hermenbüsten der Mittelhalle der Hochschule, ist ein von Freunden, Verehrern und Schülern des unvergesslichen Meisters gestiftetes Werk des Bildhauers Grüttner. Die Weiherede hielt Prof. R. Borrmann. — Auszeichnungen. Zu Ehrenmitglieder n des baye¬ rischen Bezirksvereins deutscher Ingenieure wurden die Hrn. Staatsminister Freih. Dr. v. Feilitzsch, Generaldir. G. v. Ebermayer und Min.-Rat H. v. Frauen¬ dorfer ernannt. — 19. Dezember 1903. Grabmal der Familie Becker auf dem Friedhofe ln Weissensee bei Berlin. Hr. Benno Becker in München teilt uns mit, dass Hr Arch. Max Ravoth in Berlin als Vertrauensmann der Familie Becker die künstlerische Ausführung des Denkmals und seine Aufstellung über¬ wacht hat. — Bücher. Gesetze über das Urheberrecht ln allen Ländern nebst den darauf bezüglichen Internationalen Verträgen und den Bestimmungen über dasVerlagsrecht. 2. Aull. Durchges. von Prof. Ernst F.öthlisberger in Bern. Leipzig 1902. Verlag von G. Hedeler, Pr. 10 M. — Das vorliegende Werk enthält eine alphabetisch ge¬ ordnete Sammlung des ins Deutsche übertragenen Wort¬ lautes der bezüglichen Gesetze, Verträge und Ausführungs¬ verordnungen aller infrage kommenden Länder, die bis auf die neueste Zeit (bei Erscheinen des Werkes) berich¬ tigt und ergänzt ist. Die Person des Verfassers, Sekretär des internationalen Amtes für den Schutz des geistigen Eigentums in Bern (Bureau des internationalen Verban¬ des zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst) bürgt für eine sachgemässe Wiedergabe und Aufnahme der gesetzlichen Vorschriften. (Diesem Verbände gehören an: Belgien, Deutschland, Frankreich mit Algier und den Kolonien, Grossbritannien mit seinen Kolonien und Be¬ sitzungen, Haiti, Italien, Japan, Luxemburg, Monaco, Nor¬ wegen, Schweiz, Spanien mit seinen Kolonien, Tunis.) Für den Architekten wird in der Sammlung vorwiegend der Schutz der Baukunst von Interesse sein. Frankreich, Italien und Spanien machen keinen Unterschied zwischen der Baukunst und den anderen bildenden Künsten. Sie schützen sowohl den Entwurf wie das ausgeführte Werk gegen Nachbildung. Die Vereinigten Staaten von Nord¬ amerika sichern dem Architekten das ausschliessliche Recht, seine Entwürfe auszuführen. Dänemark, Luxem¬ burg, Norwegen , Russland geben den architektonischen Entwürfen und deren Ausführung weitgehenden Schutz, der allerdings zumteil mit der Veröffentlichung der Ent¬ würfe durch deren Urheber, bezw. für das ausgeführte Bauwerk erlischt. In Deutschland dagegen ist durch das Gesetz vom 19. Juni 1901 betr. das Urheberrecht an Wer¬ ken der Literatur und Tonkunst lediglich die Verviel¬ fältigung, d. h. der Nachdruck architektonischer Zeich¬ nungen verboten, dagegen steht die Ausführung nach fremden Entwürfen, die Wiederholung eines Bauwerkes jedem frei. Während das Gesetz vom 9. Jan. i8;6 den Werken der bildenden Künste wenigstens teilweisen, wenn auch nicht vollkommenen Schutz gewährte (letzteres gilt für die an öffentlichen Strassen und Plätzen stehenden Werke), ist die Baukunst aus diesem Gesetze ausdrücklich ausgeschlossen. Bekanntlich ist eine Neuregelung obigen Reichs-Gesetzes in Vorbereitung und es sind demgemäss die Architekten-Vereine und auch der „Verband deutscher Arch.- und Ing.-Vereine“ für eine Gleichstellung der Archi¬ tektur mit den übrigen bildenden Künsten, denen diese sich zurechnet, an massgebender Stelle eingetreten. Von anderen Seiten wird dagegen ein besonderes Schutzgesetz für Werke der Baukunst und der Ingenieurkunst erstrebt. In Vorbereitung ist ferner ein deutsches Gesetz für den Schutz der Photographie. Das Sammelwerk behandelt also eine sehr zeitgemässe Frage. — Fr. E. Die Dorlkirche Im Königreiche Sachsen. Eine Darstellung ihrer Entstehung, Entwicklung und baulichen Eigen¬ art. Im Aufträge und mit Beihilfe des „Vereins für Sächsische Volkskunde“ und des „Sächsischen In¬ genieur- und Architekten -Vereins“ bearbeitet und herausgegeben von O. Grüner, Architekt und Regierungs-Baumeister. Mit mehr als 60 Abbildgn. im Text und etwa 50 Tafeln. Leipzig 1903. Verlag von Arved Strauch. Preis broch. 5 M., in Original¬ einband nach einem Entwürfe von Prof. Seyffert 6 Mark. — Die künstlerische und die kulturelle Stellung der Dorf¬ kirche ist eine andere, wie die der Stadtkirche. Diese grundsätzlich andere Stellung sollte auch in ihrer Er¬ scheinung zum Ausdruck kommen. Bisher waren die Fälle selten, in welchen die Dorfkirche als eine künst¬ lerische Schöpfung von berechtigter Eigenart betrachtet wurde; Bauherr und Erbauer waren in den meisten Fällen gleich schuldig daran, dass ein falscher Stolz aus der Dorfkirche eine kleine Stadtkirche machte. Das Ge¬ fühl für den hierdurch hervorgerufenen Widerspruch zwischen dem Dorfe und seinem Gotteshause tauchte jedoch nach und nach auf und fand eine stetige Ver¬ stärkung bis zu der Erkenntnis, dass der Dorfkirche 655 wieder ihr altes, überkommenes künstlerisches Recht werden müsse. Als eine dankenswerte Regung dieses Gefühles ist die hier berührte Veröffentlichung zu be¬ trachten. Mit treffenden Worten weist das Vorwort dem Gotteshause des Dorfes seine Stellung in der Dorfgemein¬ schaft an; der Dorfbewohner verwächst in ganz anderer Weise mit seiner Kirche, als der Städter mit der seinen. „In derselben Kirche wird er getauft, konfirmiert, getraut, sieht er seine Anverwandten zum letzten Segen aufge¬ bahrt; hier, in derselben vertrauten Umgebung, hört er allsonntäglich Gottes Wort, hier finden sich Sonntag für Sonntag lauter wohlbekannte Menschen zusammen — wenn auch unter strenger Beobachtung ernster, über¬ lieferter Formen, bildet ihm die Kirche doch den Rahmen zu einem Stück erweiterten Familienleben — die vererb¬ ten Sitzplätze, die von seinen Vorfahren gestifteten Geräte, die Bilder und Erinnerungstafeln mit den noch heute ver¬ tretenen Namen, alles trägt dazu bei, dass er sich in seiner Kirche heimisch fühlt. Das wohlbekannte Zifferblatt der Turmuhr, der Ton der Glocken, die schon in seine unbe¬ wusste Kindheit hineinklangen, begleiten ihn auch auf seinenWegen während der ganzenWoche und durchs ganze Leben.“ Daher muss die Kirche auch wieder seine Sprache sprechen, die Sprache, die er versteht, die ihm geläufig ist. Die Kirche muss der Stadtkunst wieder entzogen und die vornehmste Betätigung der Volkskunst werden. Anmutige Vorbilder hierfür bietet die Dorfkirche im Königreich Sachsen, deren Bilder unser Werk sammelt. Es schildert nach kurzen Worten über die Einführung des Christen¬ tums, die Bevölkerungsmischung und die kirchengeschicht¬ liche Entwicklung in Sachsen die vorgeschichtlichen An¬ klänge und die zur Verteidigung errichteten Anlagen, gibt eine Entwicklung des Grundrisses, beleuchtet die Einzel¬ heiten desselben wie Altarraum, Schiff, Sakristei, Vorhalle, Betstuben ; geht zum Aeusseren über (Material, Umfassungs¬ mauern, Dacheindeckung, Turm und Dachreiter usw .), zieht auch die Umgebung in den Kreis der Betrachtung und behandelt dann die architektonischen Einzelheiten des Aeusseren und des Inneren, den malerischen Schmuck und den Schmuck an Ausstattungs-Gegenständen. Die Dorfkirche in der Neuzeit, der Kirchen- Baumeister und seine Befähigung, die ach, leider so oft fehlt, und die ethische Bedeutung der Dorfkirche im Landschaftsbilde sind der Inhalt von Kapiteln, die beherzigenswerte Aus¬ führungen enthalten dürften. Die Illustrierung ist eine sehr schöne, die trefflichen Ausführungen zeugen von einer besonders warmen Anteilnahme ihres Verfassers für seinen Gegenstand. — Preisbewerbungen. Wettbewerb Monumentalbrunnen Mülhausen 1. E. Der Brunnen soll vor der gotischen protestantischen Kirche zur Aufstellung gelangen; seine Gestalt kann vorwiegend architektonisch oder vorwiegend bildnerisch sein. Ist letzte¬ res der Fall, so kann ein Motiv aus der Geschichte der Stadt als Grundgedanke gewählt werden. DieWahl der Materialien ist freigestellt. Für die Herstellung steht mit Ausnahme der Kosten für den Anschluss an die städtische Wasserleitung und Kanalisation der etwas knappe Betrag von 35000M. zur Verfügung. Verlangt werden ein Lageplan 1:200, Grundriss, Vorder-, Seitenansicht und Schnitt 1:20, sowie ein Modell 1 : 10. Neben der Verteilung der beiden Preise von 1500 und 1000 M., deren Summe auf einstimmigen Beschluss des Preisgerichtes auch in anderen Teilbeträgen zuerkannt werden kann, ist ein Ankauf nicht preisgekrönter Entwürfe für je 500 M. Vorbehalten Ueber die Zurück¬ erstattung der Kosten für die Unterlagen enthalten die Bedingungen n chts. Ueber die Ausführung ist freie Ent- schliessung Vorbehalten. — Wettbewerb Verkehrsministerium München. Für das Gebäude ist ein von der Arnulf-, Hasen-, Hopfen- und Mars-Strasse umzogenes Gelände in unmittelbarer Nähe des Zentralbahnhofes bestimmt. In dem hier zu errichten¬ den Gebäude sollen Räume für das Verkehrsminis:erium und das Zentralbriefpostamt vorgesehen werden. Die Raumgruppen für das Verkehrsministerium teilen sich in die Geschäftsräume des Ministers, in die Räume für die Eisenbahnabteilung, für die Bauabteilung, für die Post¬ abteilung, in die Gruppe der gemeinsamen Räume für die 3 Abteilungen, sowie in die Dienstwohnungen. Es wer¬ den insgesamt 16 200 q™ Räume verlangt. Das Postamt für zentrale Briefzustellung fordert Raumgruppen für das Postamt, für die Briefsammelstelle und Spedition, für Brief¬ postübernahme und Zustellung, für Postanweisungs-, Zu¬ stell- und Postauftragsd.enst, für das Personal und für Dienstwohnungen, zusammen 5325 qm Hierzu treten noch 580 q™ Nebenräume, sodass der Gesamt- Raum bedarf 22io5qm beträgt. Für die Lage der einzelnen Raumgruppen sind nähere Hinweise gegeben. Die Kosten des Gebäudes sind mit 7 Milk M. veranschlagt; für 1 cbm umbauten Rau¬ mes sind 23 M. anzunehmen, eine Summe, die ausreichen dürfte. Ueber die Architektur des Gebäudes und die Wahl des Materiales sind keine anderen Vorschriften gemacht, als dass das Gebäude seine Bestimmung zum Ausdruck bringen und einen monumentalen Charakter besitzen soll. Auf vornehme Einfachheit und wirkungs¬ volle Ausgestaltung der Massen wird besonderer Wert gelegt. Verlangt werden ein Lageplan 1 : 1000, Grund¬ risse, Nebenansichten, Nebenschnitte 1 : 400, Hauptansicht und Hauptschnitt 1 : 200, eine perspektivische Ansicht aus Augenhöhe, eine Vogelperspektive und ein Kosten¬ überschlag. Für die Ausarbeitung der Ausführungs- Ent¬ würfe und für die Bauoberleitung ist bereits ein Architekt in Aussicht genommen, welchem die preisgekrönten und angekauften Entwürfe zur etwaigen Verwertung bei Auf¬ stellung des endgültigen Entwurfes überlassen werden. Eröffnet somit das Preisausschreiben keine Aussichten auf Ausführung des Baues, so dürfte es doch wegen der Bedeutung der Aufgabe an sich in der Architektenschaft Bayerns lebhaften Wiederhall finden. — Wettbewerb Theaterplatz Dresden. Als Verfasser des Entwurfes „Wettin“ bekennt sich Hr. H. Schefer in Dresden; des Entwurfes „Semper - Schinkel“ Hr. Wilh. Scherer in München. — Wettbewerb evangelische Salvatorkirche Breslau. Zum Ankauf empfohlen wurden die Entwürfe der Hrn. J. K ü n t z el in Breslau und Jürgensen & Bachmann in Char¬ lottenburg. — Personal-Nachrichten. Deutsches Reich. Die Kgl. preuss. Reg.-Bmstr.Theobald und F r i c k e sind zu Kais. Reg.-Räten und Mitgl. des Pat.- Amtes ernannt. Baden. Dem Stadtbauamts - Assist., Arch. Kling in Darm¬ stadt ist die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm ver¬ lieh. Russ. Stanislaus-Ordens III. Kl. erteilt. Ernannt sind: Der Ob. -Ing. Mertz in Karlsruhe, der Zentral- Insp. Roman bei der Gen. -Dir. der Staatseisenb. und der Ob.- Ing. Hermanuz in Ueberlingen zu Brtn ., der Ob. -Ing. Grund z. Brt. und Kollegial-Mitgl. der Gen.-Dir. der Staatseisenb. Der Brt. a. D. Behagei in Freiburg ist gestorben. Bayern. Dem K. Bauamtm. Vogel im Simbach ist die Erlaubnis zur Annahme und z. Tragen des ihm verlieh. Offizier¬ kreuzes des Kais Österreich. Franz Joseph-Ordens erteilt. Hamburg. Der Bmstr. Hombergsmeier istz. Wasser- Bauinsp. in Cuxhaven ernannt. Der Bauinsp. a. D. Horst ist gestorben. Hessen. Den Dipl. - Ing. H e r z f e 1 d aus Darmstadt und Mo nasch aus Berlin ist die Würde eines Dr.-Ing. verliehen. Mecklenburg-Strelitz. Der Brt. Müschen in Neustrelitz ist.z Ob.-Brt ernannt. Preussen. Dem Reg -Bfhr. v. Lüpke, z. Zt. in Baalbek in Syrien ist die Erlaubnis zur Annahme und Anlegung des ihm ver¬ lieh. Grossherrl. lürk. Osmanie-Ordens IV. Kl. erteilt; Dem Oderstrom -Baudir., Ob -Brt. Hamei in Breslau ist der Rote Adler -Orden III. Kl. mit der Schleife, dem Reg-. u Brt. Müller in Oppeln, den Wasser-Bauinsp. Brt. Asmus in Bres¬ lau, Zimmermann in Ratibor und Lange in Breslau ist der Rote Adler-Orden IV. Kl., dem Reg.- u. Brt Prüsmann bei der Kais Deutschen Botschaft in Wien der Kgl. Kronen-Orden III. Kl., dem Reg. -Bmstr. L Hercher in Bonn und dem Arch. Jürgen Kröger in D. -Wilmersdorf der Kgl. Kronen-Orden IV. Kl. verliehen. Der Wasser-Bauinsp. Brt. Senger ist von Leer nach Breslau und der Reg.-Bmstr. Linkenbach von Angermünde nach Berlin versetzt. Der Reg.-Bmstr. M a 1 1 e r n in Berlin ist z.Wass.-Bauinsp. ernannt. Versetzt sind: Die Eisenb -Bauinsp. Geitel in Ponarth, als Vorst, der Eis.-Werkst.-Insp. nach Ratibor, Francke in Ratibor, als Vorst, der Eisenb. -Masch.-Insp. nach Guben, Blindow in Königsberg i. Pr., als Vorst, (auftrw.) der Eisenb.-Werkst.-Insp. nach Ponarth und Tesnow in Posen zur Kgl Eisenb. -Dir. in Königsberg i. Pr. Die Reg.-Bfhr. Johs. v. Poellnitz aus Berlin und Paul Zeroch aus Albertshof (Hochbfch), — Fritz Neufel dt aus Elbing und Alfr. Grube aus Berlin (Wasser- u. Strassenbfch.), — Wilh. Huber aus Frankfurt a. M und Herrn, v. Strenge aus Gotha (Masch.-Bfeh ) sind zu Reg -Bmstrn. ernannt. Zur Beschäftigung überwiesen sind die Reg.-Bmstr.: Kusel der Kgl. Minist.-Milit.- u. Baukomm, in Berlin, Raabe der Kgl. Reg. in Trier, Röttgen der Kgl. Reg. in Koblenz, Stracke dem Kgl. Poliz -Präs, in Berlin, Otto Mohr der Kgl. Reg. in Posen. Der Brt. z. D. B e y e r in Gr.- Lichterfelde , früher in Glogau, ist in den Ruhestand getreten. Der Eisenb.-Dir. Trapp in Göttingen ist gestorben. Inhalt: Berliner Neubauten. No. 110. Die städtische Handwerker- schule in der Andreasstrasse und am Stralauer Platz. — Die Regulierung des Wienflusses { Fortsetzung). — Mitteilungen aus Vereinen. — Vermischtes. _ Bücher. — Preisbewerbungen. — Personal-Nachrichten. Hierzu eine Bildbeilage: Die II. städtische Handwerker¬ schule in Berlin. Verlag der Deutschen Banzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verantwortl. Alben Hof mann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. No. IOI. 656 EUTSCHE XXXVII. JAHR- * BERLIN * st«*««««**«* AUZEITUN G. GANG. * N2- 102-3 * DEN 23. DEZ. 1903. * Das neue städtische Waisenhaus in München Architekt: Städtischer Baurat Hans Grässel in München. (Hierzu eine Bildbeilage sowie die Abbildung s. 666.) ]u den hervorragenderen neueren Neubauten der Stadt München zählt die in den Jahren 1896—99 am östlichen Ende des Nymphen¬ burger Schlosskanales errichtete städtische Waisenanstalt, und zwar hervorragend durch ihre malerische äussere Erscheinung an bevorzugtem Platze, wie durch die liebevolle, mit den einfachsten Mitteln erreichte anmutige Ausstattung der Innen¬ räume, sodass die Anstalt seit ihrer Vollendung das Ziel zahlreicher Besucher geworden ist. Die heutige Münchener Waisenhaus-Stiftung hat sich aus der im Jahre 1809 erfolgten Vereinigung dreier anfänglich vollständig von einander unabhängi¬ ger Anstalten herausgebildet, nämlich aus dem sogen. „Hofwaisenhaus“, dem „bürgerlichen Stadtwaisenhaus“ und dem „Privatwaisenhaus ob der Au“ (Vorstadt Au). Es sei aus der im städtischen Verwaltungsberichte ent¬ haltenen interessanten Geschichte dieser Anstalten zu¬ nächst Einiges der Beschreibung des Neubaues vor¬ angestellt. Das für 80 Zöglinge eingerichtet gewesene „Hof¬ waisenhaus“ verdankte seine Entstehung im Jahre 1615 dem Kurfürsten Maximilian I. und hatte die Räum¬ lichkeiten des „St. Josefhauses“ zugewiesen erhalten, als von dessen Insassen das im Jahre 1615 neu er¬ baute sogenannte Josefspital bezogen worden war. Die Unzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Mittel, die durch Kriegswirren und feindliche Besetzung Münchens in die Anstaltsverwaltung gekommene Un¬ ordnung, endlich die Verschiedenheit in der Auffassung über den Wert der Anstaltserziehungen in pekuniärer und erzieherischer Hinsicht bewirkten, dass durch die kurfürstliche Landesdirektion im Jahre 1803 die Auf¬ lassung des Hofwaisenhauses angeordnet wurde. Das für 60 Zöglinge im Jahre 1605 durch freiwillige Zuwendungen und durch veranstaltete Sammlungen begründete, vom Magistrat unterstützte „bürgerliche Stadtwaisenhaus“ hatte bis zu seiner am 13 Febr. 1808 erfolgten Auflassung unter den gleichenVermögens- Verhältnissen und sonstigen Misslichkeiten zu leiden. Seit dem Jahre 1625 in einem dazu erworbenen eige¬ nen Hause mit Garten am unteren Anger in der „Milch¬ gasse“ untergebracht, siedelte diese Anstalt im Jahre 1774 in das in der Sendlingergasse neben der St. Johanniskirche gelegene zu diesem Zwecke erworbene Haus mit Garten und Hinterhaus an der Kreuzstrasse über und verblieb hier bis zu ihrer Auflassung. Das „Waisenhaus ob der Au“ war die Schöpfung eines menschenfreundlichen, aber selbst armen Mannes, des ehemaligenFranziskanerbruders Joh Mich. Pöppel, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, armen Waisenkindern von Kriegern das Vaterhaus zu ersetzen. Durch Hausiererträgnisse und Almosen brachte er die Mittel auf für die Gründung und für den siebenjährigen Unterhalt der Anstalt. Am 30. Nov. 1742 begründet, konnte infolge ertragsfähiger Sammlungen und sonstiger Einnahmen 1749 für sie ein im sogen. Sämerwinkel der Au gelegenes Haus erworben werden. Dieses bestand 657 als sogen. „Depotwaisenhaus“ fort bis zur vollständi¬ gen Neuregelung der Verhältnisse im Jahre 18:9. Es wurden hier jene Kinder aufgenommen, welche ander¬ weitig nicht untergebracht werden konnten, oder die sich nicht dazu eigneten, anderweitig in Pflege ge¬ geben zu werden. Bei der Neugründung der Gesamt-Waisenanstalt im Jahr 1819 wurde vor allem das Depotwaisenhaus in der Au aufgehoben und seine 54 Kinder in dem nunmehrigen „Städtischen Kinderhaus“, dem nachmaligen Waisenhaus and erFindlingstrasse, untergebracht. Zweck undVerfassung fanden mit diesem Zeitpunkte eine vollkommene Neuregelung. Entgegen den vorherigen Grundsätzen sollte jetzt wieder die Anstaltspflege, so¬ weit die Mittel reichten, die Regel bilden. Die neue Anstalt sollte „den verlassenen, physisch und moralisch verwaisten Kindern eine Zufluchts¬ stätte und Erziehungsanstalt sein, in welcher sie zu christlich gesinnten Menschen, zu lleissi- gen und geschickten Arbeitern, Handwerkern, Dienstboten und rechtschaffenen Untertanen heranzubilden seien“. Aufnahme sollten finden einfache oder Doppelwaisen ehelicher Geburt christ¬ licher Konfession im Alter von nicht über 6 Jahren von in München beheimateten Personen. Die Ent¬ lassung der Zöglinge sollte erfolgen mit zurückgeleg¬ tem 13. Lebensjahre. So blieb der Anstaltsbetrieb während etwa vier Jahrzehnten, bis im Jahre 1861 die Gesamtverwaltung dem Orden der „EnglischenFräulein“ übertragen wurde. Die Zahl der Pfleglinge war eine je nach Verfügbar¬ keit der Mittel und der Räume wechselnde. Vom Grün¬ dungsjahr 1819 bis 1866 betrug sie jährlich etwa 60, mit 1867 wurde sie auf 100 festgesetzt, 1895 betrug sie 140, heute ist sie 200. Ermöglicht wurde diese steigende Pfleglingszahl durch das sich stets mehrende Anstalts vermögen. Das Gesamtgelände der ehemaligen Waisenanstalt an der Findlingstrasse betrug n65ocim. Der Magistrat erwarb dieses Anwesen in den Jahren 1780 und 1783 teils durch Steigerung, teils durch Zukäufe angrenzender Grundstücke zum Preise von insgesamt 9000 Gulden und erbaute darauf 1783/84 das sogen, „städtische Findel¬ und Kinderhaus“. Die miet¬ weise Uebersiedelung und Gründung der neuen Wai¬ senanstalterfolgteam 15. Jan. Untergeschoss. war dies seit Ende der 70er Jahre des vorigen Jahr¬ hunderts nicht mehr der Fall. Die Räume waren nicht mehr ausreichend; die Höhe der Stockwerke den neuen gesundheitlichen Anforderungen nicht genügend, die Erdgeschoss-Räume feucht, das Ganze, insbesondere aber die Abortanlagen, technisch und hygienisch nicht mehr entsprechend. Weder von einem Umbau noch von einem Anbau konnte ein befriedigender, auch der Zukunft Rechnung tragender Zustand erwartet werden. Eine gedeihliche Lösung aller Fragen konnte nur in der Verlegung der Anstalt in einen an anderer Stelle zu schaffenden Neubau gefunden werden. Verschie¬ dene Plätze kamen in Vorschlag; als der geeignetste Platz wurde schliesslich ein Teil des in den Jahren 1893/95 von der Stadt erworbenen Grundstückes am östlichen Ende des Nymphenburger Schlosskanales befunden, wobei infolge billiger Ueberlassung durch den Verkauf des wertvoll gewordenen alten Waisen¬ hausgeländes nicht allein die vollständigen Mittel zum Neubau, sondern auch die Vermehrung des Anstalts- Vermögens gefunden werden konnte. Auch konnte durch die Errichtung eines grossen öffentlichen Ge¬ bäudes der Nymphenburger Schlosskanal an seiner östlichen Endigung den wünschenswerten Abschluss erhalten. Die Erwerbungskosten des neuen Platzes betrugen bei einer Fläche von 2,44 l,a 73783,80 M.; die Strassen- Herstellungskosten auf der West-, Nord- und Ostseite 1 11 095 81 M. Die Ausführungs-Entwürfe wurden nebst der aut 872300 M. (ohne innere Einrichtung) berechneten Bausumme durch die beiden städt. Kollegien am 9. und 18. Juni 1896 einstimmig genehmigt. Der Neubau ist für die Aufnahme von reichlich 200 Waisen nebst dem nötigen Anstalts-Personal be¬ messen, wobei auf die Zöglinge in den Arbeitssälen durchschnittlich 8cbm, in den Schlafsälen 20 cbm und in den Krankenräumen 30 tbra Luftraum treffen. Die Waisenhaus-Kinder besuchen gleich den übrigenSchul- kindern des Bezirkes die nächstgelegene Volksschule am Dom Pedro-Platz. Das Personal der An¬ stalt zählt zurzeit 1 Hausoberin, 6 Er¬ zieherinnen und 14 Schwestern. Die An¬ stalt steht unter städti¬ scher Verwaltung. Von dem 2,44 ha grossen, rückwärts durch eine Mauer, vorne durch eineTer- rasse mit Eisenzaun abgeschlossenen Ge¬ lände der Anstalt sind 2910 durch das Hauptgebäude und 530 sm durch das Ne- ben-Gebäude über¬ baut. Den übrigen Teil desGrundstückes nehmen der Hofraum, der grosse Gemüse¬ garten mit Pflanzen¬ baus, die der Haupt¬ ansicht vorgelegten Schmuckgärten und 1819. Erst im Jahre 1859 ging die ganze Anstalt kauf- die Spielplätze der Zöglinge ein. Das Hauptgebäude weise um iooooGuld. auf die Waisenhaus-Stiftung über, ist, da es den östlichen Abschluss des hochliegenden Mochte dieses Gebäude der Waisenanstalt an der Nymphenburger Schlosskanales mit den beiderseits Findling -Strasse früher vollkommen befriedigen, so begleitenden Lindenalleen zu bilden hat, auf eine No. 102/3. 658 1,70 m über den umgebenden neuen Strassen liegende künstliche Terrasse gestellt, während Hof und Garten nebst dem Oekonomie - Gebäude und den Einfahrten wieder in der Gleiche dieser Strassen sich befinden. Ein Bau bestehend aus Kellergeschoss, Erdge¬ schoss und 2 Obergeschossen entsprach am besten den Anforderungen der An¬ stalt. Das Kellergeschoss nahm die Räume für die Zentral¬ heizung, die Heizerwohnung, die Räume für Aufbewahrung der Lebensmittel Vorräte, die Werkstätten der Schüler, so¬ wie die Schusterei auf ; im Erd¬ geschoss wurden die Arbeits¬ räume der Zöglinge, die Kü¬ chen- und Dienstbotenräume, I. Obergeschoss. Schwestern, die Krankenräume, die Räume für die Ver¬ waltung und die Anstaltskapelle. Nach aussen bilden die am Vorhof mit seinen beiden Seitenflügeln liegenden Zöglingsräume die Hauptfront und Hauptmasse des Gebäudes, nördlich die Knabenabteilung, südlich die Mädchenabteilung. Der hochragendeMit- telbau enthält dieRäu- rae der Anstalts-Ver- waltung, das grosse Haupt -Treppenhaus, den Spiel- und Fest¬ saal sowie die darüber liegende Kapelle, der gegen Süden vor¬ springende Gebäude¬ flügel die Dienst- rZ ,ten ^ ™ f| - TREPPEN - | | j 1 - N > - • 1 AlAEDCHEN-ABTEO-Ulte l L ^ J © »fl 0 ^ _ 0 y ® L B| — ‘f™r o'ffiüüt'ßmon QQOOOf-^QQQQO [ ] T [ Erdgeschoss .treue. flUOOOM boten-, Sch Western - und Kranken Räume. Rechtwinklig an den südlichen Flügel an- stossend liegt gegen den Garten der Küch¬ enbau mit nur einem die Bade- und Weiss¬ zeug-Kammern ent¬ haltenden Oberge¬ schoss, während der nur erdgeschossige, mit einer Terrasse ab¬ gedeckte Bau des Speisesaales sich zwi¬ schen denKüchenbau und den Kapellen - und Spielsaalbau ein¬ schiebt. Der letztere mit einem Teil des Hauptbaues, sowie der Küchen- und Spei¬ sesaalbau schliessen zwischen sich einen Wirtschaftshof, den sogen. „Küchenhof“ mb _ 1 i ■ 0 “ Q Lt {hhhj: der Spiel- und Festsaal sowie der Speisesaal unterge¬ bracht; die beiden Obergeschosse enthalten die Schlaf-, Wasch- und Baderäume der Zöglinge, die Weisszeug- Kammern, die Wohn- und Schlafräume der A n staks- 23. Dezember 1903. ein, welcher für die mit dem Küchenbe- tricb verbundenen häuslichen Verrich¬ tungen bestimmt ist. Rückwärts an der Nordseite desGartens liegt das Oekonomie- Gebäude, welches in seinem Erdgeschoss die Wasch-, Trocken-, Bügel- undNähräume und die Stallungen, im Obergeschoss eine Gärtnerwohnung, 2 Isolier -Krankenräume und den Heuboden enthält. Sowohl das Hauptgebäude wie das Nebengebäude sind in verputztem Backsteinbau mit teilweiser Ver¬ wendung von Hausteinen, die Mauern des Kellerge- 659 schosses bis auf Widerlagshöhe der Gewölbe in Kies- bilden hatte. Auch sollte im Aeusseren der etwas beton, alle übrigen Mauern aus Backsteinmauerwerk klösterliche Charakter der von englischen Fräu- in Kalkmörtel hergestellt, bei den Umfassungsmauern lein geleiteten Anstalt Ausdruck finden. Der den mit Verblendung der Innenseiten mittels Hohl¬ steinen zur Abhaltung der Kälte. Die Kellerräume sind in der Mehrzahl mit Backsteingewölben über¬ wölbt; die Stock werkgebälke bestehen aus Bims¬ kies-Betongewölben zwischen eisernen Trägern nach dem sogenannten Schneider’schen System. Der Dachstuhl ist aus Holz hergestellt, durch Brand¬ mauern getrennt und mit Ziegelplatten eingedeckt. Die sämtlichen Fussböden sind Zementestrichböden, welche in allen Räumen mit Ausnahme des Keller¬ geschosses und der Verwaltungsräume mit Lino¬ leum belegt sind Die letzteren Räume besitzen Eichenriemenböden. Die Räume des Hauptgebäudes einschl. der Treppenhäuser, Gänge und Aborte werden durch eine Zentral-Niederdruck-Dampfheizung, bestehend aus 4 Dampfkesseln mit zusammen 130 Heiz¬ fläche, erwärmt. Die in den Fensterbrüstungen der Gänge aufgestellten Rippenheizkörper mitVor- setzern dienen zur Vorwärmung der aus dem Freien unmittelbar zugeführten frischen Luft, von wo aus dieselbe vorgewärmt in die Schlaf- und Arbeitsräume geleitet wird. Bei den Kranken¬ räumen erfolgt die Zuleitung der vorgewärmten frischen Luft unmittelbar von aussen. Die Er¬ wärmung aller Räume selbst erfolgt durch Radia¬ toren. Die Abluftkanäle mit Ausnahme derjenigen der Krankenräume Bäder, Keller, Küchen und Aborte münden im Dachraum frei aus, von wo aus die Abluft durch Ventilationstürme ins Freie geführt wird, ln Verbindung mit den Heizkesseln steht die Warm wasser- Bereitungsanlage, welche es ermöglicht, an geeigneten Zapfstellen des ganzen Hauses neben dem kalten auch warmes Wasser zu entnehmen. Das Anwesen ist an die städtische Hochquellen- Wasserleitung und an das städtische Kanalnetz angeschlossen. Alle Haus- und Wirt¬ schaftsabfälle werden in tragbaren Blechtonnen gesammelt und von einem Abfuhrunternehmer periodisch abgefahren. Die in jedem Stockwerk für Knaben , Mädchen und Erwachsene räumlich ge¬ trennt angelegten Aborte enthalten emailhrte Blech¬ rinnen mit Wasserspülung und Einzel-Spülaborte. Drei Treppenhäuser vermitteln die Verbindung der einzelnen Stockweike des Hauptbaues unter sich, das Haupttreppenhaus mit der doppelten Llaupttreppe in der Mitte und die beiden seitlichen Treppenhäuser mit den Nebentreppen an den Kreuzungspunkten der Korridore. Diese Treppen wurden aus Eichen - Holz hergestellt und ruhen auf eingewölbten Eisenträger - Konstruktio¬ nen. Das Aeus- serehatseine Gestalt mit Rücksicht auf denUmstand erhalten, dass das Gebäude in hervorra¬ gender land¬ schaftlicher Lageden öst¬ lichen Ab¬ schluss des Nymphenbur¬ ger Schloss- Kanales ge¬ genüber dem königlichen Schloss zu 660 No 102/3. grossen Giebel überragende Kapellenbau wird bekrönt von einem Glockenturm, welcher die Uhr und das auf Anregung des Architekten durch einen Wohl¬ täter der Anstalt gestiftete Glockenspiel enthält. Das¬ selbe besitzt 22 Glocken, wird von dem Uhrtriebwerk zu bestimmten Stunden selbsttätig ausgelöst und spielt Melodien im Umfange vom kleinen c bis zum Die reichere äussere Form des Anstaltsgebäudes hat natürlich auch auf die inneren Räume einen ent¬ sprechenden Einfluss ausgeübt. Gleichwohl wurde bei aller Weiträumigkeit und Erfüllung aller modernen hygienischen Anforderungen eine gewisse Einfachheit des Eindruckes und der Stimmung seitens des Archi¬ tekten von vornherein ins Auge gefasst. Kalte Nüchtern¬ einmal gestrichenen a in nicht ganz 2 Oktaven und in der Dauer von 24 Takten. Es wurde kon¬ struiert von der Firma Collin in Paris. Das Uhr¬ triebwerk lieferte die Münchener Firma Neher & Söhne, den für derartige Spiele sehr schwierigen Glockenguss führte Meister Josef Strasser in Mün¬ chen aus. 23. Dezember 1903. heit war zu vermeiden, alle Räume sollten ihren jugend¬ lichen Bewohnern eine liebe Heimat werden und in angenehmer Erinnerung bleiben ihr ganzes Leben lang. Die mit einfachen Mitteln von Schreiner, Schlosser und Maler ausgeführte Jnnere Ausstattung und Einrichtung der Anstalt sollte den Knaben zeigen, was ein solider Handwerksmeister Gutes und Schönes leisten kann, und 661 die Mädchen sollten in dem Hause sehen, wie ein geordnetes, helles und freundliches Heim aussehen soll. Es ist ein edler Gedanke, den armen Kindern, denen Vater und Mutter versagt sind, wenigstens während ihres Aufenthaltes in der Anstalt sonnige Tage des Lebens zu schenken, statt ihnen durch Unterbringung in kasernenartigen Räumen den Zauber trauter Häuslichkeit für immer zu entziehen. Fürwahr, Ansicht vom Mittelbau mit Querschnitt des Langhauses. 10 15 20 m 1 1 -■ I - + - 3 Längsschnitt durch den Mittelbau darstellend die fürstlichenBeschützerderWaisenkinder: Kurfürst Maximilian I., Herzogin Maria Anna von Pfalz- Zweibrücken, Kaiser Dom Pedro von Brasilien und seine Gemahlin Amalie geb. Prinzessin von Leuchten¬ berg. Rechts und links schliessen sich die grössten¬ teils nur einreihig bebauten 2,65 m bezw. 2,8 m in den Obergeschossen breiten Korridore an. Die Decken der Korridore sind wagrecht; sie sind durch Trage¬ bogen der Deckenkonstruktion unterbrochen, zwischen welchen die Deckenfelder mit farbig stukkierten Laub¬ kränzen geschmückt sind. Die Korridore des Erdgeschosses führen zu den Arbeitsräumen der Zöglinge, auf jeder Seite 2 grössere Säle und 3 kleinere, teils zur Fertigung der Schulauf¬ gaben, teils für den Handfertigkeits-Unterricht vorge¬ sehen. Die grösseren Arbeitsräume besitzen durch¬ schnittlich eine lichte Höhe von 4m, eine Länge von 1 1 m und eine Breite von 7 m, sie sind mit Tischen und Stühlen, für ältereZöglinge mit Stehpulten ausge¬ stattet; an der Schmalwand be¬ finden sich das Podium für die Aufsicht und eine Schultafel. In jedem derbei- denObergeschosse führen die Korri¬ dore zu beiden Sei¬ ten desMittelbaues indieSchlaf-und Waschräume. Es sind in der Knaben- wie in der Mädchenabteilung stets 2 grössere und 2 kleinere 4“ eine solche Auffassung entspricht echt künstlerischer und echt menschlicher Empfindung. Es ist ein Ge¬ fühl reiner Freude, das, wie auch den Verfasser, jeden Besucher der Anstalt in diesem Sinne erfüllt. Betreten wir nun durch den Haupteingang das Innere des Hauptgebäudes, so gelangen wir in das iigqm grosse Vestibül, an dem nördlich die Räume der Pförtnerin, südlich das der Knaben- und Mädchen- Abteilung gemeinsame Musikzimmer liegen. DasVestibül ist geschmückt durch 4 von Bildhauer Bernauer, einem früheren Zögling der Anstalt, gestiftete Büsten, hohe Schlafsäle mit einem dazwischen liegenden Waschraum vorhanden. Die Betten stehen ringsum frei, an der Seite derselben befindet sich je ein Stuhl zum Niederlegen der Kleider. Die Bettstellen sind aus Holz in 3 Grössen hergestellt, grau maseriert und auf der Stirnseite in einfacher Weise mit Blumen und Guirlanden in Weiss, Grün und Gelb bemalt, jede Grösse, wie auch die Knaben- und Mädchenbetten unter sich, zur rascheren Erkennung durch besondere Motive ausgezeichnet. An der Innenwand der Gänge vor den Schlafsälen befinden sich , auf dem breiten No. 102/3 662 Linoleumfriese des Gangfussbodens stehend, die Garde¬ robenschränke der Zöglinge. Jeder Zögling hat eine durch eine Tür abschliessbare Schrankabteilung für sich, welche im Inneren Hutbrett und untere Schub¬ lade enthält. Die Schränke sind grau maseriert in den Farben weiss, grün und gelb bemalt, die Schrank- eisenemaillirten Kippschüsseln, in welche warmes und kaltes Wasser unmittelbar eingelassen werden kann. Die Baderäume befinden sich in den 2 Ober¬ geschossen jeweils an der Gebäuderückseite. In der Knaben- wie in der Mädchenabteilung sind je 4 W annen mit Brausen und 6 besondere Brausekabinen mit Fuss- füllungen der Knabenabteilung mit Früchten und Tieren, die der Mädchen mit grünen Kränzchen und weissen Blumen. Ein verzierter Aufsatz trägt die Schrank-Nummern. Natürlich sind auch die sämtlichen Türen der Zöglingsräume in ähnlicher Weise bemalt. Die Waschräume sind je 4,2 m breit und 7 m lang und enthalten 4 Doppelreihen eiserner Waschtröge mit 23. Dezember 1903. trog, in der Mädchenabteilung ausserdem noch 2W annen für die Anstaltsschwestern und in der Kranken abtei- lung 2 Wannen für Kranke vorhanden. Die Räume der Krankenabteilung bestehen aus einem Krankenzimmer zu 6 Betten für Knaben und zu 5 Betten (je 30 cbm Luftraum) für Mädchen mit da¬ zwischen liegendem Zimmer der Wärterin, das zugleich 663 als Theeküche dient und die Hausapotheke enthält. An die Krankenräume schliessen sich Tages-Aufent- haltszimmer für Knaben und für Mädchen mit Altanen gegen den Garten an und hieran das Anrichtezimmer und das Krankenbad. Die Speisen werden unmittel¬ bar von der Küche durch einen Aufzug in die Kranken¬ abteilung befördert. Die Küchenräume sind zur Abhaltung des Küchengeruches, des Verkehres der Lieferanten und des Geräusches der Hauswirtschaft fern von den eigentlichen Anstaltsräumen in einem besonderen Ge¬ bäudeflügel untergebracht und reihen sich im Erd¬ geschoss gegen den Garten zu an die Dienstboten¬ räume des südlichen Flügels sowie an den Wirtschafts¬ hof an. Sie bestehen aus der etwa 13 m langen, 7 m breiten Koch¬ küche, der rd. 60 qm grossen Spülküche u. dem zwischen beiden Küch¬ en liegenden, 14 qm grossen Geschirr- und Vorratsraum. Von der Spül¬ küche unmit¬ telbar zugän¬ gig ist der Speise-, Eier- und Fleisch¬ keller, ferner das Dienstbo¬ tenesszimmer. Der Küche ge¬ genüber liegt der Speisesaal der Zöglinge 20 m lang, 9,8™ breit und 5,6 m hoch. Je acht Tische befin¬ den sich zu beiden Seiten des 1,5 m brei¬ ten Mittelgan¬ ges; an jedem Tisch haben 14 Zöglinge Platz. An die nördl. Schmal¬ seite des Spei¬ sesaales stösst die Bierschän¬ ke mit Aufzug; jeder Zögling erhält Mittags und Abends je V4 Lit. Bier. Der Speise¬ saal ist nach beiden Seiten mithohenFen- stern versehen, die in den Garten und in den Küchen¬ hof münden. Ein mit farbigen Stukkaturen geschmücktes Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt den Raum. Die Türaufsätze zeigen die treffenden Inschriften: „Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht ist arm“; „Durch Kunst und Fleiss, kommt Nutz und Preis, wer's kann und weiss, hat Trank und Speis“. In der Nähe der Küche, am Ende des Südflügels, liegt auch das einen freundlichen Ausblick nach 3 Seiten bietende Refektorium der Anstaltsschwestern; es ist ebenfalls mit einem Tonnengewölbe mit Stich¬ kappen überdeckt. Seitwärts ist dem Hauptraum ein erhöhter Sitzplatz als Erkerausbau angefügt. Das Ge¬ wölbe ist mit stukkierten farbigen Rosenguirlanden ver¬ ziert; in der Mitte die Mutter Gottes, die Schutzpatronin des Ordens der Englischen Fräulein, mit dem segnenden 664 Jesusknaben, anschliessend daran geflügelte Engels¬ köpfe in Rosenkränzen. Die interessant bemalten Ein- richtungs-Gegenständedes Refektoriums sind im Grunde braun, die Ornamentik weiss, gelb, blau und rot. Allerlei klösterlicher Zierrat schmückt die Wände. Die Räume der Anstalts-Verwaltung enthält der an der Hauptfront liegende Teil des hochragenden Mittel¬ baues. Im I. Obergeschoss befinden sich das Zimmer der Oberin, das Bibliothek -Zimmer und das Zimmer des Anstalts-Lehrers, im II. Obergeschoss das Zimmer des städt. Verwaltungs-Rates, das Zimmer des Anstalts¬ arztes und das Gastzimmer. Hier wie im ganzen Mittel¬ bau (Festsaal und Kapelle) haben die Türen und Ein¬ richtungs-Gegenstände im Gegensatz zu den im schlicht klösterlichen grauweiss gehaltenen Einrichtungs-Gegen¬ ständen der Zöglingsräu¬ me braun ma- seriert. Grund mit Ornamen¬ ten in Grün und Weiss. Die Decken sind einfach stukkiert und nach der Be¬ stimmung der jeweiligen Räume in der Mitte durch kleine farbige Stukk -Reliefs geziert. Im Zimmer des Lehrers ist das wohlge¬ troffene Bild des Architek¬ ten, des städt. Baurats Hans Gr ässel auf¬ gehängt, wel¬ ches die An- staltsverwalt- ungzumdank- baren Geden¬ ken an die zur vollsten Zu¬ friedenheit er- folgteAusfüh- rung des Ge¬ bäudes durch Fr. Bayerlein in München malen liess. Die 6 Zim¬ mer des Or¬ denskonvents sind je 6,1 m lang und 3,9 m breit, in ein¬ facher Weise ausgestattet und mit je 3 Betten Tisch und Waschtisch eingerichtet. Der Turn-, Spiel- und Festsaal liegt, unmittel¬ bar an das Hauptvestibül und das Haupttreppenhaus anstossend, im Mittelbau gegen den Garten. Ein farbig stukkiertes Portal führt in denselben. Er ist 23 m lang, 9,4 m breit und 6,5” hoch. Der Mittelraum des Saales ist vertieft; die auf 3 Seiten umlaufenden 2,4 m breiten Galerien liegen in Erdgeschosshöhe. Farbige Stukka¬ turen an der wegrechten Decke und an den P ortalen, farbig bemalte Türen und Holzbrüstungen, in Ver¬ goldermasse hergestellte und bemalte Kronleuchter geben dem Raum festliche Stimmung. Die Anstaltskapelle liegt über dem Spiel- und Festsaal. Sie ist 23™ lang, 9,4 m breit und 11, 3m hoch, von einem'Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Auf der Nordseite des Chores liegt die Sakristei, süd- No. 102/3. Hauptportal. lieh gelangt man zur Terrasse oberhalb des Speise- rischer ist. An der Westseite der Kapelle befindet sich saales, von welcher aus der Blick zum Hauptgebäude die Orgelempore. Decke und Wände sind mit farbigem Spiel- und Festsaal, sowie Haupteingangshalle. und zur Kapelle, dann in den Küchenhof mit dem Stuck geziert. Zu beiden Seiten des Mittelganges bieten Brunnen sowie gegen den Garten ein besonders male- Betstühle Platz für 200 Zöglinge und 20 Erwachsene. — 23. Dezember 1903. (Schluss fo'gt.) 665 Die Regulierung und Einwölbung des Wienflusses. (Schluss.) ie Bauausführung selbst begann im Jahre 1894 mit dem Umbau bezw. der Erweiterung der vorhande¬ nen Cholerakanäle; die Arbeiten sind zu verschie¬ denen Zeitpunkten zur Ausführung gelangt, gegenwärtig sind die Kanalisierungsarbeiten im Wiener Stadtgebiet vollständig beendet. In Weidlingau mussten der eigentlichen Bauarbeit ziemlich schwierige und ausgedehnte Grundeinlösungen vorausgehen; es war eine Fläche von über 494 000 ein¬ zulösen, wovon über 288 000 qm im Besitze des k. u. k. Hofärars standen. Die Bauarbeiten gelangten in 2 Losen und 135 Lowries von je 3 cbm Fassungsraum auf 8500 m Rollbahngleisen in Betrieb. Die aus dem Wienflusse und den Becken gewonnene Aushubmenge wurde mit Erlaub¬ nis des k. u. k. Hofärars in den Tiergarten geschafft und dort abgelagert. Da sich aber an der Ablagerungsstelle in einem alten Wienflusslaufe Sand und Schotter vorfanden, so entschloss sich die Gemeinde Wien, vorerst dieses Material für Bauzwecke zu gewinnen und dann erst die Anschüttung durchzuführen. Ein Trockenbagger besorgte den Aushub des Sandes und Schotters, die auf einer im Wienflussbette errichteten grossen maschinellen Anlage Das neue städtische Waisenhaus in München. Inneres der Kapelle. zur^Vergebung, wovon das erste das Vorbecken am Wien¬ fluss, den Umlaufgraben und alle in diese Strecke fallende Bauwerke (Verteilungswerk, Sohlenabstürze, Brücken usw.) sowie die gesamten Anlagen am Mauerbache um¬ fasste. Die Arbeiten wurden anfangs April 1895 in An¬ griff genommen und in 2 Jahren beendet. Da an Erd- aushub etwa 650 000 cbm, an Erdtransport und Einbau rd. 520000 cbm und an Mauerwerk rd. 54000 rbm zu leisten waren, so stellte die Gemeinde Wien drei grosse Lübecker Trockenbagger mit je 40 P. S. auf , . von denen jeder bei zehnstündiger Arbeitszeit 1000 — 1500 cbm zu bewältigen vermochte ; weiter standen 5 Lokomotiven sortiert und gewaschen wurden und sodann zurVerwendung gelangten. Die Schotter- und Sandwäsche hatte 4 Ab¬ teilungen, deren jede bei 10 ständigem Betrieb rd. 200 cbm zu erzeugen vermochte. Die übrigen Becken bildeten ein zweites Baulos mit ähnlichen Aushub- und Verführungs¬ mengen wie im ersten Lose, aber mehr als doppelter Mauerwerksmasse; die Arbeiten wurden Ende 1897 ^*e' gönnen und Ende 1899 fertiggestellt. Die Regelung der anschliessenden Flusstrecke von Hütteldorf-Bad bis zur Badhaus -Brücke konnte einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten bleiben, es erfolgte die Versicherung der Ufer in dieser Strecke und die Aus- No. 102/3 666 pflasterung der Sohle von der Verbindungsbahn-Brücke abwärts bis zur Badhaus-Brücke erst in der Zeit vom März 1900 bis Mai 1901, während die Sohlenpflasterung von der Verbindungsbahn-Brücke aufwärts bis Hütteldorf- Bad gar erst im Mai 1902 in Angriff genommen und Ok¬ tober desselben Jahres fertiggestellt wurde. In der flussabwärts weiter folgenden Strecke konnte die Ausführung der Regulierung des Flussgerinnes nicht in regelrechter Weise von der Ausmündung in den Donau¬ kanal her nach aufwärts vorgenommen werden, sondern es musste, dem Programm der Wiener Verkehrsanlagen gemäss, in erster Linie, den Bedürfnissen der Stadtbahn entsprechend, die rechtsseitigeWiderlagsmauer von Hietzing bis zum Schikanedersteg durchgeführt werden; dies hatte eine wesentliche Erschwernis zurfolge, indem es notwendig war, den Abfluss der Höchstwassermenge bei Belassung der alten höheren Wienflussohle zu ermöglichen; etwas verlor diese Durchführungsart dadurch wieder an Gefähr¬ lichkeit, dass die Einweihung vor Fertigstellung der Sohlen¬ vertiefung ohnehin nicht stattfinden konnte, sodass dem Durchfluss der Hochwasser grössere Oeffnungen frei¬ blieben. Auch die Regulierung der eben bezeichneten Flusstrecke ist, in mehrere Lose geteilt, zur Vergebung gelangt, wobei als erstes Los die Durchführung der Her¬ stellung der neuen Sohle und der rechtsuferigen Wider¬ lagsmauer von der Badhaus-Brücke bis zum Schikaneder- Steg vergeben wurde; ein Teil der Brückenring -Her¬ stellungen in dieser Teilstrecke bildete ein anderes Bau¬ los, die Ausführung der linken Widerlagsmauer ein drittes. Die Arbeiten sind Mitte August 1895 begonnen worden. Da auch im ersten dieser Lose gewaltige Massen zu be¬ wältigen waren, indem der Aushub etwa 7ooooocbtn, der Erdtransport ebensoviel, das Mauerwerk etwa 350 000 cbm betrugen und überdies 530ooocbm Sand und Schotter von Weidlingau nach Wien zu befördern waren , so wurde durch die Gemeinde Wien eine doppelgleisige Rollbahn von 90 cm Spurweite von Weidlingau bis zum Schikaneder- Stege ausgeführt, für deren Betrieb 9 Lokomotiven und 290 Lowries — ausser den für den Verkehr in Weidlingau selbst bestimmten — angeschafft wurden; die Gleislänge betrug 32 km. Die Bauarbeiten in dieser Strecke sind .Ende 1899 fertiggestellt worden. Die Flusstrecke vom Schikanedersteg bis zum Donau¬ kanal ist zugleich mit einem Baulos der Wiener Stadt¬ bahn, vom Schikanederstege bis zum Hauptzollamts-Bahn- hof reichend, vergeben worden. Für diese Teilstrecke war der Transport des Aushubmateriales nach Weid¬ lingau, bezw. die Zufuhr von Schotter und Sand von dort¬ her ausgeschlossen. Deshalb überliess die Gemeinde die bezüglichen Einrichtungen ganz dem Ermessen der Bau¬ unternehmung; doch erwirkte sie letzterer zur Beschaffung des erforderlichen Sandes und Schotters die behördliche Bewilligung zur Baggerung in der Donau und gestattete ihr die Verwendung des beim Aushub im Wienfluss selbst gefundenen, als quaiitätsmässig erkannten Sandes und Schotters zur Mauerung. Die Aushubmassen sollten zunächst auf Zwischenlagerplätze, für welche die Flächen der ehemaligen Parkanlagen am rechten Wienflussufer von der Elisabeth- bis zur Schwarzenberg - Brücke, des ehemaligen Reservegartens und eines grossen Teiles des Kindergartens bestimmt wurden, gelagert, um seinerzeit auf die Einwölbung, bezw. in die Anschüttungen hinter den Mauern gebracht zu werden. Die Arbeiten wurden Ende Januar 1897 in Angriff genommen. Die Bauunternehmung legte eine eingleisige Rollbahn von 90 cm .Spurweite von dem Administrations - Gebäude der Donau - Dampfschiff- fahrts - Gesellschaft bis zur Elisabeth - Brücke an mit mehreren Abzweiggleisen, worauf sie den von ihr mit ihrem eigenen Baggerschiff zuerst im Donaustrom bei Nussdorf, dann im Donaukanal gewonnenen Sand und Schotter, der mit einem ihr gehörigen Schiffspark zur Wienflussmündung geschafft wurde, an die verschiedenen Arbeitsstellen verführte. Zur Beschleunigung der Hebung des Aushubmateriales aus den tiefen Baugruben an der Lothringerstrasse stellte die Bauunternehmung vier Krane auf. Die Arbeiten waren namentlich längs der eben¬ genannten Strasse recht gefährlicher Natur, da die Bau¬ gruben für das linke Widerlager, welche mit Rücksicht auf das hochliegende Gelände bis zu 16 m Tiefe erreichten, in grosse Nähe an die Häuser herantraten; so ist z. B. beim Hause Lothringerstrasse 13 die 16 m tiefe Baugrube bis auf 3,5 m Entfernung an die Hausflucht herangerückt, während die Fundamente des Gebäudes nur bis zu etwa 7 m Tiefe hinabreichten. Infolge der grossen Vorsicht und des gut ausgeteilten, schachtweisen Vorschreitens sind jedoch diese Arbeiten ohne Unfall durchgeführt worden; sie sind 1899 zum Abschlüsse gelangt. Gegen¬ wärtig sind noch kleinere Ergänzungs- Arbeiten im Weid- lingauer Gebiet und die Arbeiten zur architektonischen 23. Dezember 1903. Ausgestaltung vom Einwölbung>portal in der Johannes¬ gasse bis zur Karolinen-Brücke im Zuge. Die Regulierungs - Arbeiten waren seit 1895 durch wiederholte Hochwasser gestört, von denen jedoch nur das Ende Juli 1897 abgegangene grössere Schäden an¬ richtete; in der Folge war der Hochwassergang einesteils wegen der rasch vorschreitenden Sohlenvertiefung, an¬ derseits mit Rücksicht darauf, dass immer mehr die Anlass zu Verstopfungen gebenden Bauhölzer aus dem der Vollendung entgegengehenden Gerinne verschwanden, weniger gefährlich, doch richtete das Hochwasser vom Mai 1899 grossen Schaden an der in der Mauerung be¬ griffenen Sohle an. An den Kosten der Wienfluss-Regulierung beteiligten sich der Staat und das Land Niederösterreich mit der festen Summe von je 10 Mill. Kr., der Rest ist von der Gemeinde Wien zu tragen. Die Gesamtbaukosten werden sich auf etwa 48 Mill. Kr. belaufen. Die oberste Leitung des Baues liegt in den Händen des Hrn. Stadtbaudir. k. k. Ob.-Brt. Franz Berger; die Bauleitung führt Hr. Brt. Franz Kindermann, während an der Spitze der einzelnen, zumteil bereits aufgelösten Sektionen die Hrn. Bauinsp. Alexander Swetz, Dr. Martin Paul und Dipl. -Ing. Heinrich May er , sowie Hr. Ob.-Ing. Hugo Vietoris standen; ihnen waren aus dem Stadt¬ bauamte die Hrn. Ob.-Ing. Glaas und Baumeister sowie Hr. Bau- Adjunkt Bo lling er und ausserdem mehrere vorübergehend angestellte Ingenieure beigegeben. Seit Anfang des Jahres 1902 werden die Erhaltungs¬ arbeiten in eigener Regie der Gemeinde durchgeführt. Der Aufsichts- und Erbaltungsdienst in Weidlingau und Wien steht unter der Oberaufsicht des Hrn. Baurats Kinder mann und der ihm beigegebenen Hrn. Bauinsp. Swetz und Dr. Paul, welche auch die noch im Zuge befindlichen Bauarbeiten leiten; die unmittelbare Ueber- wachung und den Hochwasserdienst besorgen 2 Revisoren, 4 Assistenten und 5 Aufseher. 1 Revisor, 1 Assistent und 1 Aufseher wohnen in einem in Weidlingau eigens aufgeführten Aufsichtsgebäude und sind daher ständig am Platze. Eine eigene Telephon- und Telegraphenleitung vom Rathause, bezw. von der Feuerwehrzentrale und von der Ausmündung des Wienflusses in den Donaukanal bis Weidlingau und nach Tullnerbach und Breitensee ermög¬ licht mit ihren zahlreichen Sprechstellen und Stationen eine sichere Ansagung des Hochwassers und eine rasche Verbindung mit allen Funktionären. Das regulierte Wienflussgerinne, das ein geradezu ideales hydrometrisches Versuchs- und Beobachtungs¬ objekt darstellt, wird selbstverständlich fortschreitend mit all jenen Erfordernissen ausgestattet werden, welche alle wünschenswerten hydrotechnischen Erhebungen ermög¬ lichen. Zahlreiche Pegel lassen schon jetzt eine genaue Ermittelung der Wasserstände zu; in den eingewöibten Strecken, welche keine Pegelablesungen von aussen ge¬ statten, sind 12 Pegel mit Schwimmern errichtet worden, die das Maximum der Wasserschwellung festhalten. In der Wienfluss - Verteilungshaltung und im Wienfluss -Um¬ laufgerinne in Weidlingau befinden sich Schwimmer mit Kontaktvorrichtungen, welche die Meldung vom Steigen des Wassers in das Aufsichtsgebäude geben, worauf sofort der Beobachtungsdienst aufgenommen wird. Zur Verzeich¬ nung der Wasserhöhen sind in Weidlingau 3 Limnigraphen aufgestellt, u. zw. beim Wienfluss - Einlaufwehr, beim Mauerbach-Mündungswehr und im Umlaufgraben, woselbst auch ein Wasserstandsmesser mit elektrischer Ueber- tragung der Wasserstände in das Aufsichtsgebäude ein¬ gebaut ist. Auch in den übrigen Flusstrecken ist die Einstellung von Limnigraphen geplant. Unterhalb der Einmündung in den Donaukanal ist in letzterem ein von Hrn. städt. Bauinsp. Zuber erfundener selbstzeichnender Wasserstands-Messapparat aufgestellt. Zur Ermittelung der Wassergeschwindigkeiten werden Schwimmermessungen mit hydrometrischen Flügeln durchgeführt; ein solcher ist mit einer neuartigen Registrier -Vorrichtung in Ver¬ bindung gebracht, wodurch die Wassergeschwindigkeiten graphisch dargestellt werden. Endlich ist ein Venturi- Mess¬ apparat eingebaut, der gleichfalls die Wassergeschwindig¬ keiten graphisch auf einer rotierenden Trommel ver¬ zeichnet, u. zw. die Geschwindigkeiten unmittelbar über der gemauerten Sohle, was von besonderer Wichtigkeit ist und sich mit den hydrometrischen Flügeln nicht er¬ mitteln lässt. Da mehrere von den angeführten Apparaten bisher noch nirgends in Verwendung standen, so müssen sie zunächst erprobt werden. Erst aufgrund des Ergeb¬ nisses der gesammelten Erfahrungen wird es möglich sein, die zur ausreichenden Ausrüstung des Gerinnes er¬ forderlichen wissenschaftlichen Apparate in hinlänglicher Zahl aufzustellen. — ~ £>r ^ Paul. 667 Mitteilungen aus Vereinen. Von der Tätigkeit des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Der von der Abgeordneten -Ver¬ sammlung in Dresden gewählte Arcbitekten-Ausschuss des Verbandes, der sich aus 5 in staatl. oder kommunalem Amt und 5 im Privatleben stehenden Architekten zusammensetzt, hat am 7. d. M. in Berlin seine erste Sitzung abgehalten. Der Ausschuss besteht aus den Hrn.: Prof. Bill in g in Karlsruhe, Prof. Dülf er in München, städt. Brt. Grässel in München, Arch. Henry in Breslau, Geh. Brt. Hossfeld in Berlin, kgl. Brt. Stadtbrt. Radke in Düsseldorf, Reg.- Bmstr. Reimer in Berlin, Reg -Bmstr. Priv.-Doz. Si eb en in Aachen, Geh. Brt. Waldow in Dresden und Baudir. Zimmer mann in Hamburg. Zum Vorsitzenden des Ge¬ samt-Ausschusses und gleichzeitig des Unterausschusses der in amtlicher Tätigkeit stehenden Architekten wurde Hr. Waldow, zum Vorsitzenden des Unterausschusses der Privat- Architekten Hr. Reimer gewählt. Gegenstand der Beratung bildete zunächst die im Kreise der Privatarchitekten neuerdings aufgetretene Be¬ wegung, die einerseits die Bildung besonderer Vereini¬ gungen von Architekten in den grösseren Städten, ander¬ seits die Zusammenfassung dieser Vereinigungen in einen besonderen Architekten-Bund bezweckt. Der Ausschuss nahm einstimmig zu dieser Frage dieselbe Stellung ein, wie sie bereits die Abgeordneten - Versammlung in Dresden vertreten hat, dass nämlich die Bildung be¬ sonderer Arcbitekten-Vereinigungen in solchen grossen Städten, in welchen sich für diese ein tatsächliches Be¬ dürfnis herausgestellt hat, als eine naturgemässe Weiter¬ entwicklung anzusehen sei, dass es dagegen bedauert wer¬ den müsse, wenn die deutsche Architektenschaft sich nach aussen hin in zwei getrennt marschierende Abteilungen spalten würde. Es wurde der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, dass eine solche Trennung dem gemeinsamen Interesse der Architektenschaft schädlich, dem besonderen Interesse der Privatarchitekten aber keinesfalls förderlich sein würde. Der Verband hat bisher die Interessen der gesamten Fachgenossenschaft, wie er wohl glauben darf, mit Erfolg vertreten und wird dieses Ziel auch weiterhin nachdrücklich verfolgen. Er braucht daher die neue Bewegung nicht zu scheuen, aber er möchte einen Schaden für die Allgemeinheit verhüten. Aus dieser Absicht heraus wurde schon in Dresden der Stimmung Ausdruck gegeben, dass die scheinbar vorhandenen Gegensätze sich vielleicht doch ausgleichen lassen würden. An dieser entgegen¬ kommenden Haltung des Verbandes, die auch in der Sitzung des Ausschusses wieder zum Ausdruck kam, haben auch die einer Berechtigung entbehrenden Angriffe nichts geändert, die von einem dem in Frankfurt a. M. im Sommer d. J. konstituierten Architekten -Bunde' näher stehenden Fachblatt gegen den Verband gerichtet worden sind, über welche der Verbandsvorstand übrigens zur Tagesordnung übergegangen ist. Dem Vernehmen nach werden diese Angriffe auch von der derzeitigen vorläufigen Leitung des Bundes keineswegs gebilligt. Die weiteren Verhandlungen betrafen den nächsten Arbeitsplan des Ausschusses, die Möglichkeit oder Un¬ möglichkeit des aus dem Kreise der Privatarchitekten angestrebten Titelschutzes und einer geschlosseneren Vertretung nach aussen. — Der Unterausschuss der Privat-Architekten beschäftigte sich am 8. d. M. mit der ihm bereits im Ent¬ wurf (aufgestellt vom Verein der Architekten und Bau¬ ingenieure in Dortmund) vorliegenden Aufgabe der Auf¬ stellung eines Vertrages zwischen Bauherrn und Unternehmer mit allgemeinen Bedingungen, eines Ver¬ trages zwischen Bauherrn und Architekt bezw. In¬ genieur, zu welchen die vom Verbände bereits ausge¬ arbeiteten „Bestimmungen über die zivilrechtliche Verantwortlichkeit der Architekten und Inge¬ nieure“ eine zu berücksichtigende Unterlage bilden, und mit Aufstellung eines Vertrages zwischen Architekt (bezw. Ingenieur) und s einen Angestellten. Der Aus¬ schuss wird diese Arbeiten der Abgeordneten-Versamm- lung in Düsseldorf 1904 zur Beschlussfassung vorlegen können. — Preisbewerbungen. Ein Preisausschreiben der Mährisch-Ostrauer Handels¬ und Gewerbe -Bank ladet die Architekten der im österr. Reichsrate vertretenen Länder zu einem Wettbewerb betr. Entwürfe für ein Geschäfts- und Wohnhaus der genannten Bank ein. Die Bausumme beträgt 260000 Kr. Es gelangen 3 Preise von 1000, 750 und 500 Kr. zur Ver¬ teilung. Preisrichter sind die Hrn,: k. k. Hofrat v. Gr über, k. k. Brt. H. Helmer und Arch. Weber. Die Frist läuft am 15. Febr. 1904 ab. — Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für die evangelische Werderkirche in Mannheim wird von der evangelischen Kirchengemeinde -Verwaltung ausge¬ schrieben werden. Das neue Gotteshaus, dessen Bau¬ kosten auf 900000 M. veranschlagt sind, soll den kirch¬ lichen Bedürfnissen des östlichen Stadtteiles von Mannheim genügen. Zur Durchführung des Wettbewerbes wurden 10000 M. bewilligt. — Inhalt: Das neue städtische Waisenhaus in München. — Die Regu¬ lierung des Wienflusses (Schluss). — Mitteilungen aus Vereinen. — Preis¬ bewerbungen. — An unsere Leser. Hierzu eine Bildbeilage: Das neue städtische Waisenhaus in München. Verlag der Deutschen Bauzeitung, G. m. b. H., Berlin. Für die Redaktion verautwortl. Albert Hofmann, Berlin. Druck von Wilh. Greve, Berlin. An unsere Leser! In dem Bestreben, mit den Darbietungen der „Deutschen Bauzeitung“ der blühenden Entwicklung der Baukunst im verflossenen Jahrzehnt zu folgen und den Inhalt der Zeitung möglichst reichhaltig zu gestalten, haben wir seit Ende vorigen Jahres eine erhebliche Erweiterung des Textes und der Illustrationen durchgeführt, indem wir, was letztere anbelangt, jeder grossen Nummer eine besondere Bildbeilage beigegeben haben, während gleichzeitig auch der Text eine reichere Illustrierung erhalten hat. Im kommenden Jahre nehmen wir eine erneute Erweiterung vor, welche einem besonders wichtigen konstruktiven Gebiete, dem Beton- und Betoneisenbau und der Verwendung von Portlandzement im Bauwesen gilt. Durch die immer weiter gehende Anwendung des Betonbaues und insbesondere durch den seit einigen Jahren mit überraschendem Erfolg aufgenommenen Betoneisenbau ist eine Umwälzung im Bauwesen eingeleitet, die an Bedeutung fast der Einführung des Walzeisens als Baukonstruktionsmaterial an die Seite gestellt werden kann. Wir haben es daher für uhsere Pflicht gehalten, auf dieses Gebiet unser besonderes Augenmerk zu richten, und wir erfreuen uns hierbei der Mitwirkung des „Vereins deutscher Portland- Cement-Fabrikanten“ und des „Deutschen Beton-Vereins“, also der beiden deutschen Vereine, die sich die stete Verbesserung der Güte und der Leistungsfähigkeit des Baumateriales, sowie die Vervoll¬ kommnung der Konstruktion in wissenschaftlicher und praktischer Beziehung als besondere Aufgabe gestellt haben. Mit Beginn des neuen Jahres erscheinen als Beilage zur „Deutschen Bauzeitung“: Mitteilungen über Zement, Beton- und Betoneisenbau unter Mitwirkung des „Vereins deutscher Portland-Cement-Fabrikanten“ und des „Deutschen Beton-Vereins“, die jedem Abonnenten unseres Blattes ohne Erhöhung des bisherigen Bezugspreises zugestellt werden und sich daher zunächst in bescheidenerem Umfang halten müssen. Wir verfolgen mit dieser Erweiterung unserer Zeitung in erster Linie praktische Ziele. Wir wollen vor allem unsere Leser auf diesem Gebiete auf dem Laufenden halten, ihnen die neuen Erfahrungen theoreti¬ scher und konstruktiver Natur zugänglich machen und an interessanten ausgeführten Beispielen erläutern. Da es sich z. Zt. noch um eine in der Entwicklung stehende Technik handelt, so werden naturgemäss über dieselbe Frage verschiedene Meinungen zu Wort kommen müssen. Rein theoretischen Streitfragen aber werden wir unsere Spalten schon des knappen Raumes wegen nur ausnahmsweise öffnen können. Wir hoffen, dass unsere Leser die nach unserer Meinung wertvolle Erweiterung unserer Zeitung mit Interesse aufnehmen werden und dass dieselbe uns neue Leser zuführen wird, sodass ein weiterer Aus¬ bau der „Mitteilungen“ bald möglich wird. — - , t-, « & ö Die Redaktion der , .Deutschen Bauzeitung“. 668 No. 102/3. f DEUTSCHE BAUZEITUNG H || XXXVII. JAHRG. NT 104. BERLIN, DEN 30. DEZ. 1903 || IBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBI Das neue städtische Waisenhaus in München. Architekt: Städtischer Baurat Hans Grässel in München. (Schluss.) Hierzu die Abbildungen s. 670 u. 671. chreiten wir über die Terrasse des Haupt¬ gebäudes östlich hinaus, so erblicken wir das Oekonomie-Gebäude, das Pflanzenhaus, die Spielplätze, den grossen Gemüse- und Nutzgarten. Das Oekonomie-Gebäude ent¬ hält im Mittelbau die 100 q™ grosse Waschküche mit Schnelltrocken¬ räumen, Bügel-, Mangel-undNäh- zimmer, darüber im westl. Aufbau die Gärtnerwoh¬ nung nebst zwei Isolier -Kranken¬ räumen. Oestlich der Waschküche liegt dieStallung für 14 Kühe, 4 Schweine, mit 1 Zimmer für die Stall -Leute, die Wagen - Remise und im Dachge¬ schoss ein Heu¬ boden. — Das Pflanzenh aus bestehtaus einem 30 4. *' r * . ** .JJ ' Mä\ 1 - V ' - A.;: